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Full text of "Geschichte des k.k. Infanterie-Regimentes Hoch- und Deutschmeister Nr. 4. Ergänzungs-Bezirks-Station Wien. Nach den Feldakten und sonstigen Originalquellen der k.k. Archive verfasst"

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Geschichte  des  k.k. 
Infanterie-Regimentes  Hoch-  und 

Gustav  Amon  von  Treuenfest 


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GESCHICHTE 

des 

k.  k.  Infanterie- Regimentes 

Hoch-  und  Deutschmeister 

Nr.  4. 

Ergänzung*- Bezirks- Station  Wien. 

£ftach  den  fyldakten  und  iomtigcn  "VriginaüjuclUn  der  k.  k.  Archive 

vorfasst  von 

Gustav  Ritter  Anipn  von  Treuenfest, 

Garde  und  Rittmeister  der  Enten  Ameren-Leibgardc,  Ritter  der  euernrn  Krone  3,  Kl»»»e  K  -!)., 
Besitzer  des  Militär- Verdienstkreuzes  K.-I)  ,  der  Kriegs-  und  Tiroler- Medaille,  des  Officur»- 
dienatkreuzes  I.  Klasse  und  des  Marianorkreuzes  des  deutschen  KlIR-rurden»,  hiltcr  d«-s  königl. 
preußischen  Kmnenordens  3.  Klas.e,  Besitzer  der  grossen  goldenen  Medaille  für  Kun.t  und 
WUMDsebaft,  Ehrenbürger  In  Tirol.  Ehrenmitglied  des  .r'erdinaudeum.'  In  Innsbruck. 


WIEN. 

Verlag  des  Regiments.   —  Druck   von   Ludwig  Mayer. 

1879. 


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Seiner  k.  k.  Hoheit 


dem  hochwürdigst-  durchlauchtigsten  Prinzen  und  Herrn 


kaiserl.  Prin/en  und  Erzherzogs  von  Oesterreich,  konigl.  Prinzen  von  Ungarn, 
Böhmen  etc.  etc ,  Grossmeistcr  des  deutschen  Ordens  im  Kaiserthume  Oesterreich, 
Grosskreuz  des  österr.  kaiserl.  Ix-opolds- Ordens  K.-l).,  Besitzer  des  Militär- 
Verdienstkrcuzcs  K.  -  D.  und  der  Kriegs  -  Medaille.  Ritter  des  nis-i-ch  kaiserl. 
St.  Andreas -Ordens  erster  Klasse  (mit  den  Schwertern),  Feldzeugmeister,  General- 
Artillerie  -  Insnector,  Inhaber  der  k  k.  Infanterie  -  Regimenter  Nr.  4  und  12,  des 
k.  k.  Feld -Artillerie -Regiments  Nr.  6.  Chef  der  kaiserl.  russischen  Batterie  Nr.  7 
und  des  konigl.  ost|>reusxischen  Feld  -  Artillerie  -  Regiments  Nr.  I, 


in  tiefst  er  Ehrfurcht 


gewidmet 


vom  Offiziers -Korps. 


1 


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Vorwort. 


Das  Regiment  Hoch-  und  Deutschmeister  hat  in 
20G  Schlachten  und  Gefechten,  oft  siegreich,  den  Lorheer- 
kranz an  seine  Fahnen  gewunden,  immer  mit  Ehren  gekämpft, 
Tausende  von  wackeren  Kriegern  haben  in  seinen  Reihen 
den  Heldentod  gefunden,  lausende  aus  ehrenvollen  Wunden 
geblutet. 

Die  Geschichte  eines  Regiments  ist  die  Ruhmeshalle 
seiner  ausgezeichneten  Mitglieder,  das  Monument  auf  dem 
Grabe  der  in  treuer  Erfüllung  ihrer  Pflicht  für  Fürst  und 
Vaterland  gefallenen  Helden.  Die  Theilnahme  an  den  voll- 
brachten Thaten  ist  dieselbe  im  Regimente,  wie  im  Kreise 
der  Bürger,  aus  welchen  dasselbe  hervorgegangen.  Die  Glieder 
des  Regiments  werden  diese  Thaten,  wenn  der  Kaiser  zum  Kampfe 
ruft,  zur  gleichen  Begeisterung  wecken  und  neue  Lorbeer- 
blätter zu  jeuen  fügen,  die  sich  ihre  früheren  Waffenbrüder  auf 
den  blutigen  Feldern  der  Ehre  errangen ;  die  Kreise  der 
Bürger  der  Haupt-  und  Residenzstadt  Wien,  deren  Brüder 
und  Söhne  die  Thaten  vollbrachten,  werden  sie  mit  hoher 
Befriedigung  und  gerechtem  Stolze  erfüllen. 

Die  Geschichte  eines  solch  wackeren  Regiments,  das  an 
seiner  Spitze  seit  seiner  Errichtung  die  hochgeehrten  Namen 
der  edelsten  und  erlauchtesten    Prinzen  des  vielgeliebten 


Kaiserhauses  trägt,  und  einen  Namen  führt,  dessen  Helden- 
ruhm einst  zwei  Welttheile  erfüllte,  zu  schreiben,  musste  den 
Verfasser  begeistern,  Alles  aufzubieten,  um  dieselbe  in  wür- 
digster Weise  zu  Stande  zu  bringen. 

An  redlichem  Willen,  das  möglichste  zu  leisten,  hat 
es  ihm  nicht  gefehlt,  und  er  übergibt  die  Geschichte  dieses 
ausgezeichneten  Regiments  mit  dem  Wunsche  der  Oeffentlich- 
keit,  selbe  möge  nebst  einer  freundlichen  Aufnahme  den 
vorangeführten  Zweck  erreichen,  —  ein  Denkmal  den 
Gefallenen,  den  Nachfolgenden  ein  leuchtendes  Beispiel  auf 
den  Bahnen  der  Ehre  und  des  Ruhmes,  den  Bürgern  Wiens 
ihr  gerechtester  Stolz. 

WIEN,  im  August  1879. 

Der  Verfasser. 


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1696. 


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1696-1699 


Kaiser  Leopold  I.  war  im  Jahre  1G95  noch  immer  mit  der 
Tflrkoi  und  Frankreich  im  Kriege,  und  hatte  Armeen  in  Ungarn, 
Deutschland,  den  Niederlanden  und  in  Italien  im  fortwährenden 
Kampfe. 

Um  in  Folge  dieser  kriegerischen  Ereignisse  dem  Kaiser  hilf- 
reiche Unterstützung  zu  leisten,  hatten  sich  mehrere  deutsche  Kur- 
fürsten angehoten,  Regimenter  zu  stellen.  Darunter  hefand  sich  auch 
der  Kurfürst  Johann  Wilhelm  von  Pfalz  -  Nouburg,  Bruder  der 
Kaiserin  Eleonore,  mithin  Schwager  des  Kaisers,  mit  dem  Antrage, 
ein  Regiment  zu  Fuss  unter  dem  Namen  „Teutschmcister"  auf 
eigene  Kosten  stellen  zu  wollen. 

Die  hierüber  zu  Wien  am  15.  Marz  1G95  abgeschlossene  Capi- 
tulation  lautet  wörtlich: 

„Wir  Leopold  von  Gottes  Gnaden,  Erwälter  Römischer  Kaysser, 
„zu  allen  Zeiten  Mehrer  des  Reichs,  in  Germanien,  zu  Hungarn, 
„Böhaimb,  Dalmatien,  Croatien  und  Slavonien,  König,  Ertzhcrzog 
„zu  Oesterreich,  Hertzog  zu  Burgundt,  Steyer,  Cärndten,  Crain,  und 
„  Württemberg,  in  Ober-  und  Nieder  Schlesien,  Markgraf  zu  Mähren, 
„in  Ober-  und  Nieder  -  Laussnitz,  graff  zu  Habspurg,  Tyroll  und 
„Göre  etc.  Beckennen  Öffentlich  und  thuen  kundt  Jedermänniglich, 
„wessgestalt  mit  dass  durchlauchtig  Hochgeborenen  Johann  Wil- 
helm!) Pfaltzgraffen  bei  Rhein,  Hertzogens  in  Baiern,  Grafens  zu 
„Weltents  und  Sponnheimb,  des  Hayligen  Römischen  Reichs  Ertz- 
„  Schatzmeister,  Unsers  lieben  Vetters,  und  Kuhrfurstens  Libden,  etc. 
„wegen  eines  Regiments  zu  Fuess  von  Zwölf  Compagnien,  in  zwei 
„Tausendt  Mann  bestehend,  auf  Volgende  weiss  capitulirt  werden. 

1 


2  1690-1699. 

,1.  Haben  Wier  auf  ermeltes  Kurfflrstens  Liebden  Verlangen, 
„Bereuths  gnädiglich  verwilligct,  dass  Unser  Obrist  Veldzeugraeister 
„und  bestellter  Obrister  Hans  Carl  Fre yberr  von  Tb  Qngen, 
„von  dessen  Unterhabenden  Regiment  (jetzt  Nr.  20),  aus  der  Gar- 
rison zu  Maintz,  Vier  alte  Compagnicn,  wegen  schon  allzuweit 
„avancirter  Zeit,  Unter  dieses  Neu  formirende  Regiment  mit  Prima 
„plana  und  Ober  -  Offiziere  hergeben  solle. 

„2.  Nehmen  mehr  Bedeuthes  Churfürstens  Liebden  auf  sieh, 
„noch  acht  völlige  Corapagnien,  jede  mit  Prima  planen,  Ober-  und 
„Unteroffizieren,  zu  Hundert  Fflnf  und  Siebentzig  Köpfe  so  viel 
.immer  möglich,  in  alter  Mannschaft  herzugeben,  damit  soleher- 
„ gestalten  solches  aufzurichten  Vorhabende  Regiment  mit  zwölff 
„Kompagnien  in  Zwey  Tausentlt  Mann  stark  in  Unsere  Dienste 
„öbernohmen  werde,  und  gleich  wie  dieses  Regiment  in  omnibus  und 
„per  omnia  denen  anderen-  Kays.  Regimentern  gleichgehalten  und 
»verpflegt  werden  solle,  also  würdet  zur  Vergüettung  aller  künftig 
„Betragenden  Differenzien,  Unsere  Kays.  Verpflegs  -  Ordonnanz,  wie 
„Wier  solche  durchgehend»  Bey  all  Unsern  Kais.  Regimentern 
»beobachten  lassen,  zu  welcher  auch  der  Obrister  von  diesem  Regi- 
ment sich  zu  bequemben  hat,  pro  norma  hiebey  gelegt. 

„Nit  weniger  —  4.  —  die  gleichheit  bei  denen  vorfallenden 
„Commendi  zu  beobachten,  wann  ganze  Corpora,  Bataglionen  oder 
„Compaguien- weiss  zu  Diensten  employrt  werden,  so  sind  die  Zwelff 
„Compagnien  dieses  Regimeutes  mit  Ober-  und  Unteroffizier,  wie 
„eben  besagte  Beylag  enthaltet,  nach  Unsern  Kays.  Fuess  änzentlich 
„einzurichten,  und  zu  übergeben. 

5.  Wollen  des  Churfürstens  Liebden  mehr  bedeuthe  acht  Com- 
„pagnien,  in  Vierzehnhundert  Mann,  wo  mit  halben,  längstens,  ad 
,finera  May  Currentis  Anni,  Einem  Unserigen  Kays.  Kriegs  -  Com- 
„mis8ario  zu  Donauwerth  auf  Dero  gefahr  stellen,  und  übergeben 
„lassen,  dergestalt,  dass  dieselbe,  so  vill  möglich,  in  einer  gutten 
.alten  Brauchbaren  Mannschaft  bestehen,  und  mit  Hiebey  beschrie- 
„benen  Montirungs-Sorten  versehen  werden  solle. 

„Mehr  Bedeuthes  Reglement  hat  auch  durchgehend»  sich  allen 
„Musterungen,  revisions,  abrechnungen ,  und  wass  sonsten  dass 
„öeconomicum  angehet,  Winter  und  Sommer  zu  Bequemben. 

6.  Lassen  Wier  für  einen  jeden  Mann,  ausser  der  Prima  planen 
„die  Verglichene  34  Reichsthaler  allhier  in  goldt,  den  Duggaten  zu 


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1696-1699. 


3 


«Vier  gülden  gerechnet,  Bezahlen,  so  eiclusive  der  Prima  planen  Bey 
.diesen  8  Kompagnien  auf  1336  Mann  aussteigt,  17034  Duggaten; 
„auf  die  12  Proviandt  und  3  Zelt- Wägen  aber,  werden  denen  Zwelf 
.Kompagnien  allhier  aparte  Bezahlt  werden  3000  Gulden. 

7.  So  baldt  die  8  Kompagnien  in  Unsere  pflicht  und  Dienst 
„zu  Donauwerth  öbernohmen  werden,  so  werden  dieselben  ohne 
„weithern  des  Churfflrstens  Liebden  entgeldt  auf  Unsere  Unkosten 
«eingeschifft  und  fernere  in  das  Königreich  Hungarn  abgeführt,  da 
„Tnmittels  von  Unsern  Commissariat  im  Römischen  Reich,  die 
.Dispositiones  zu  machen,  dass  die  4  Thingische  Compagnien  in 
„dem  Herauf  Marsche  der  gegend  Frankfurth,  zu  denen  übrigen 
„stossen  und  Unter  eins  embarquirt  werden. 

8.  Bleibt  es  bei  Derne,  dass  es  Ein  Kays.  Regiement  mit  denen 
„andern  in  gleichen  Rang,  Bedien  und  Verpflegung  stehen,  ob  es 
„aber  den  Namen  eines  Chur-Pfaltzischen  Reglements  Behalten  solle, 
„stehet  zwischen  gedachtes  Churfflrstens  und  Dero  Bruder,  dess 
„Teutschmeisters  Liebden,  gleich wohlen  zu  vergleichen.  Nach  ge- 
„endigtem  Krieg  aber,  fals  Wier  Uns  mit  dess  Churfflrsten  Liebden 
„nit  eines  anderen  und  gnädiglich  verstehen,  sollen  die  8  Kom- 
„pagnien  so  mehr  gedachter  Churfflrstens  Liebden  gestellt  haben, 
„in  status  quo,  wie  selbe  sich  alsdann  Befinden  werden,  Deroselben 
„wider  zurflckgegeben  werden. 

9.  Weillen  allen  ansehen  nach  dieses  Regiement  BerQhrter 
„Teutschmeisters  Liebden  bekommen,  so  ist  auf  solchen  Fall  die 
„nottturftt  wegen  künftiger  Rekrutirung  dieses  Regicments,  mit 
„deroselben  abzuhandeln.  Endlichen  wollen  wir 

10.  Bei  dem  Päbstlichen  Stuell  Unsere  officia  dahin  anwenden, 
„womit  sein,  dess  Churfflrstens  Liebden  die  angesuchte  Collectation 
.der  Geistlichen  in  Dero  Landen  erhalten.  Alles  getreulich  und  ohne 
,  gefährde  mit  Urkundt  dieser  Capitulation  die  mit  Unserer  augenen 
„Handt  unterschrieben  und  mit  Unserem  Kaysl.  Secret.  Insigl. 
„Beckraftiget  worden  ist  So  geschehen  in  Unserer  Stadt  Wien 
„den  15.  Monathstag  Marty  im  Sechzehnhundert  und  Fünf  und 
„Neunzigsten,  Unserer  Reiche  des  Römischen  im  Sieben  und 
„Dreissigsten,  des  Hungarischen  im  Vierzigsten,  und  des  Böhaim- 
„  bischen  im  Neun  und  Dreissigsten  Jahre. 

Leopold  m/p.  Starhemberg. 

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4 


wm  um. 


Nach  der  mitgegebenen  Verpflege  -  Ordonnanz  bestand  die  Ver- 
pflegung bei  einem  Regiment  zu  Fuss  und  zwar  für  den  Regi- 
ments -  Stab : 


Obrister  

50 

Mündt-,  12  pferdt -Portionen 

13 

ii 

8 

ii 

ii 

Obristwachtmeister     .    .    .  . 

5 

11 

6 

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3 

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2  V, 

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Sccretari   

27, 

ii 

2 

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ii 

M 

Profoss  mit  Stecklen- Knechten 

4 

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5 

ii 

ii 

901/,  Mündt-,  46  pferdt-  Portionen 

Eine  Compagnie  zu  Fuess: 

.    15  Mündt-, 

3  pferdt -Portionen 

.  5 

n 

2 

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2 

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3 

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11 

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2 

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12  gefreuthe  

.  18 

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4  Spielleuth  

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1-±J-   uemeiuc  •    1  1  '  <i   

208  Mündt-,    7  pferdt -Portionen 

12  Proviantwägen   24  Mündt-,  48  pferdt -Portionen 

3  Zelt  oder  Baraquen- Wägen     .   0      „      12    „  „ 

30  Mündt-,  60  pferdt -Portionen 


Ein  Kays.  Musquetirer  hat  gemeiniglich  mondirt  zu  werden: 
1.  Mit  Einem  Gueten  durch  und  durch  aussgefüttert  Röckl 
von  gutten  Tuch,  und  Camisol,  so  etwas  über  die  Knie  gehet,  und 
wohlweit  ist,  auf  dass  der  Mann  das  gewöhr  darunter  Bedeckhen 


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5 


könne.  2.  Mit  einem  Par  Hosen  von  gutten  Tuch.  3.  Ein  Par  starken 
und  glitten  Strflmpf.  4.  Ein  gnttes  Par  Schuh.  5.  Ein  gutter  Hueth. 
6.  Zwei  Hemeter.  7.  Ein  Halstuch.  8.  Ein  Währgeheng  und  Bajonet. 
9.  Ein  Patron-  oder  Pulverflaschen.  10.  Ein  Rantzeu.  11.  Die  Barack- 
hauhen.  12.  Guette  Musquete  oder  Flinthe. 

Laut  Befehl  des  Hofkriegsraths  vom  10.  Juni  gab  das  Regiment 
Thüngen  (jetzt  Nr.  20)  am  11.  August  1695  vier  Kompagnien  und 
zwar:  Die  Leib  -  Obristwachtmeister  Franz  v.  Co  11  et-,  Hauptmann 
Baron  von  Brithscheider  und  von  Zöppe-Kompagnie  an  das  Re- 
giment ab.  Das  Regiment  Thüngen  erfreute  sich  eines  besonderen  Rufes 
der  Tapferkeit  in  der  Armee;  in  diesen  Kompagnien  befanden  sich 
viele  Leute,  welche  die  Vertheidigung  von  Wien  (1683),  die  Er- 
stürmungen von  Neuhäusel  (1685)  und  Ofen  (1686)  mitgemacht  hatten. 

Nachdem  die  Werbungen  nicht  den  erwünschten  Erfolg  hatten, 
der  Kaiser  aber  nach  dem  Unfälle  des  Veteranischen  Korps  dringend 
Truppen  in  Ungarn  benöthigte,  so  wurden  diese  vier  Kompagnien 
unter  Kommando  des  Hauptmanns  Brithscheider  nach  Peter- 
wardein  als  Garnison  gesendet,  wo  dieser  Hauptmann  bald  nach  dem 
Einrücken  starb,  daher  seine  Kompagnie  Hauptmann  Moriz  v.  Mühlen 
erhielt,  während  Obristwachtmeister  v.  Coli  et  das  Bataillons- 
Kommando  übernahm.  Auch  überliess  der  Kurfürst  dem  Kaiser 
das  Sachsen -Meunungen'sche  Regiment,  welches  statt  dem  neu  zu 
errichtenden  sogleich  nach  Ungarn  marschirte. 

Im  Laufe*  des  Winters  sammelte  sich  das  Regiment  nach  und 
nach  in  Donauwerth,  in  Folge  dessen,  wie  in  der  Kapitulation 
zugesagt,  Kaiser  Leopold  den  Bruder  des  Kurfürsten,  Franz 
Ludwig  Herzog  in  Bayern  und  Teutschmeister  mit  nachstehendem 
Patente  zum  Obrist- Inhaber  ernannte: 

»Wir  Leopold  I.  etz:  Beckhenen  öffentlich  und  thun  khund 
„jedermänniglich,  dass  Wir  des  Ehrwürdigen,  durchlauchtigst -hoch- 
„gebornen  Franz  Ludwigens,  Pfalzgrafens  bey  Rhein,  Herzogens 
,in  Bayern,  Jülich,  Cleve  und  Baar,  Grafens  zu  Woldenz  und  Spon- 
„heiiub,  Administrator  des  Hochmeisterthumb  in  Prige,  Masters  des 
„TeuUsch-  Ordens  in  Teutsch-  und  Wälsch-Land,  Bischofens  zu 
■  Wormbs,  Probstcns  zu  Feiwang,  Bischofeus  zu  Brcsslau  und  Obrister 
„Haubtmanns  im  Herzogt!)  umb  Ober-  und  Nieder -Schlesien,  Unsers 
.lieben  Vetters  und  Fürsteus  und  in  gnädigster  Anseh-  und  erwegung 
„dero  unss  beckanthe  fürtreffliebe  qualitete,  geschicklichkeit,  Auch 


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»wegen  Valors  und  Tapferkeit  Ober  das  einige  Regt:  welches 
„des  durchlauchtigsten  Hochgebohrnen  Johann  Wilhelmb,  Pfalz- 
„grafens  bey  Rhein  und  des  Heyl:  Römischen  Reichs  Krzschazmeisters, 
„Unsere  lieben  Vetters  und  Chur  -  Fürstens  zu  Unsern  Dienst  auf- 
wehten und  stellen  werde,  zu  Unserem  Kays:  Obristen  zu  Fuss 
„bestellen,  und  selbes  alss  Obristen  zu  commandiren  unterstellt  wohl 
„allermassen,  Wür  zu  diesem  Ende  an  dieselbe  die  zu  solche  desti- 
„nirirte  in  Unserem  I:  ö:  Landen  defacto  sich  befindenden  4  Com- 
„pagnien  vom  angesetzten  Tag  ernannt  pro  interim  mit  dem  Respeckt 
.und  gehorsamb  angewiesen  habe. 

„Befehlen  hierauf  Unseren  Obristlieutenant,  Obristwachtmeister, 
„Haubtleuthen,  Lieuthenanten,  Fähnrichen  und  insgemein  allen  Offi- 
ziers, wie  auch  gemeinen  Knechten,  welche  sich  in  Unseren  Kaysl. 
„Kriegsdiensten  unter  gedachtes  Regiment  bereits  befinden,  oder 
„noch  künftighin  einlassen  werden,  hiermit  gut  und  ernstlich,  dass 
„Ihr  vermelteten  Herzogens  Franz  Ludewigens  Liebden  für 
„Unseren  Euch  vorgesetzten  Obristen  erkhennen,  Ehren  und  Re- 
„specktiren,  nicht  weniger  an  Alles,  was  Sr.  Ehrwürdigen  zu  Fort- 
setzung Unserer  Kriegsdienste  von  einer  Zeit  zur  Andern  befehlen 
„oder  verordnen  werde,  gebührlichst  und  schuldigst  gehorsamb  leisten 
„sollet,  Allermassen  Euch  vermög  Alten  Kriegsgebrauch,  und  Her- 
„khommens  zu  thun  gebühret,  auch  Ehrlichen  Kriegsleuten  wohl 
„anstehet,  und  Wür  Unss  kheines  Andern  gegen  Euch  versehen,  und 
„Ihr  vollziehet  hieran  Unsere  gnädigste  auch  endtlicbe  Befehle, 
„Willen  und  Meinung.  Gegeben  Wien  den  21.  Januar  1696. 

Leopold,  m.  p. 

Das  Regiment  führte  von  nun  an  den  Namen  „Teutsch- 
m  eist  er*  und  war  im  Frühjahre  1696  so  weit  fertig,  dass  am 
3.  Juni  der  Ober -Kriegskommissär  Wolfgang  Wilhelm  v.  Völkern 
zu  Donauw erth  die  Musterung  abhalten  konnte,  wobei  die  acht  Kom- 
pagnien ihre  neuen,  das  Regiment  aber  eine  kostbare  Leibfahne  von 
der  Kaiserin  Eleonore,  welche  sie  selbst  angeschlagen  hatte, 
erhielt.  Da  der  Obrist-Inhaber  nicht  persönlich  anwesend  war,  kom- 
mandirte  der  Obristlieutenant  Damian  Hugo  Graf  v.  Virmond  das 
Regiment,  die  Kompagnien  die  Hauptleute  Br.  Wachtendonk, 
Vely,  von  der  Mülbcn,  Heistermann,  Graan,  v.  Blume n- 
kron  und  Graf  v.  Nesselrod. 


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7 


Der  Eid,  welchen  das  Regiment  ablegte,  lautete:  „Wier  Offizier 
„und  Soldaten  schwören  und  Globen  zu  Gott  dem  Allmächtigen  und 
„seinen  Heyligeu  mit  diesem  körperlichen  Aydt:  dass  so  lang  uns 
„Gott  leben  lässt,  Wier  Bey  unserem  Löbl.  Regiment  und  Fähnlein, 
„auch  unsern  vorgesetzten  Ober-  und  Unter -Offizieren  in  allem  wass 
„OHM  zu  Ihro  Röm.  Kayssl.  Majestät  diensten  und  nutzen,  schaffen 
„und  anbefehlen  werden,  alles  Treu,  auffrichtig  und  fleissig,  ohne 
„einzigen  wiederwillen,  verrichten  und  gehorsammen  wollen,  in- 
,  gleichen  von  dem  löbl.  Regiment  noch  unserm  Fähnlein,  in  Feld- 
„zfigen,  schlachten,  Stürmen,  Besatzung,  noch  in  summa,  wie  es 
„den  nahmen  haben  mögte,  weder  davon  ausreissen,  entlauffen,  noch 
„dieselbigen  quittiren,  und  von  denen  entweichen  wollen,  sondern 
.jederzeit  unsern  Fähnlein,  so  wohl  zu  dess  Löbl.  Regiment  ehr, 
„und  Ruhm,  als  auch  unssers  eydes  und  Pflichte  gemess,  alss  es 
„einem  ehrliebenden  Soldaten  geziemed,  und  wohlanstehet,  in  allen 
„occassionen  mainteniren,  schützen  und  Beschirmen  helffen,  nie- 
„mahlss  einige  gedanken  schöpften,  dieselbige  zu  verlassen,  davon 
„entweichen,  noch  weniger  ausreissen  wollen,  so  wir  den  mit  auf- 
gehobenen tingern,  sowohl  die  allhier  versambelte  und  absente, 
„unter  freyem  Himmel  zu  Gott  Treulich,  Geloben  zu  halten,  so 
„wahr  Gott  undt  sein  Heyl.  Evangelium  unss  zur  Ewigen  Seeligkeit 
„verhelfen  solle.  Amen!* 

Der  Stab  des  Regiments  bestand  aus  dem  Obristen-  Inhaber, 
Obristlieutenant ,  Obristwachtmeister ,  Regiments  -  Quartiermeister, 
Kaplan,  Sekretär,  Proviantmeister,  Feldscherer,  Regiments-Tambour 
und  Profoss.  Das  Regiment  aus  drei  Bataillons  zu  vier  Kompagnien ; 
die  Kompagnie  aus  dem  Hauptmann,  Lieutenant,  Fähndrich,  Veld- 
weibel,  24  Rottenführer,  nämlich:  0  Korporals,  18  Gefreite,  88  Mus- 
quetiere,  48  Pickeniere,  8  Grenadiere,  welche  auch  Handgranaten 
warfen,  ausserdem  der  Fourier,  Fourierschütz,  Musterschreiber,  Feld- 
scherer, Tambour  und  Pfeifer.  Die  Offiziere  waren  mit  Stossdegen 
und  Partisanen,  die  Mannschaft  mit  Flinten  uud  Musqueten,  darunter 
die  Pickenire  mit  langen  Picken  bewaffnet.  Adjustirung  gab  es 
eigentlich  noch  keine,  doch  begann  man  gerade  um  diese  Zeit  die 
Regimenter  gleichmässig  zu  adjustireu.  Sic  bestand  in  einem  mit 
breiten  Brustklappen  versehenen  bequemen  Rocke,  der  bis  zur  Wade 
reichte,  breite  Aermelaufschläge,  der  Kragen  war  bequem  und  niedrig, 
ein  Kamisol,  gute  Schuhe,  kurze  Hosen  von  Kalbfell  oder  Tuch, 


8 


im  1690. 


wollene  lange  Strümpfe,  der  Hut  auf  einer  Seite  aufgeschlagen, 
schwarzes  Halstuch,  zwei  Hemden,  lederne  Stutzhandschuhe,  einen 
Ranzen  von  rauhem  Kalbfell  zum  Umhängen  und  die  bis  1868 
allgemein  gebräuchliche  Patrontasche  mit  40  Patronen,  endlich  einem 
ledernen  Leibgürtel  für  den  Degen,  der  auf  dem  Kamisol  unter  dem 
Rocke  getragen  wurde. 

Die  Offiziere  tragen  graue  rechts  aufgestülpte  Hüte  mit  roth 
und  weissen  langen  bis  auf  den  Rücken  hinabwallenden  Federn, 
einen  gelblichen  langen  Rock,  spitzen  Brustharnisch,  um  den  Hals 
einen  grossen  Spitzenkragen,  weite  kurze  Hosen  an  den  Knien  mit 
Rändern  verziert,  Strümpfe  und  Schuhe  mit  Schnallen,  im  Felde 
aber  hohe  weite  Stiefel  mit  Manchetten,  um  die  Hüfle  den  Degen 
und  eine  grosse  breite  Feldbinde  von  rothem  Stoff,  Rock  und  Kamisol 
waren  reich  mit  Goldborden  verziert.  Die  Chargengrade  bezeichnete 
die  Partisane  und  der  Stock,  welchen  der  Offizier  als  Attribut  seiner 
Würde  stets  bei  sich  führte  und  auch  damit  kommandirte ;  die 
Unteroffiziere  führten  einen  Haslinger  mit  Riemen,  die  Fähnriche 
einen  langen  Springstock,  der  Lieutenant  eine  eiserne  Partisane  ohne 
Franzen  und  ohne  Vergoldung,  ein  spanisches  Rohr  ohne  Knopf, 
auf  dem  Marsche  trug  der  Tambour  den  Stock  des  Lieutenants,  auf 
dem  Feldmarsche  aber  die  Partisane  desselben.  Je  nach  der  Höhe 
des  Ranges  wurde  der  Stock  dünner.  Der  Hauptmann  führte  eine 
Partisane  mit  seidenen  silbergemischten  Franzen  und  den  Stock  mit 
beinernem  Knopf.  Der  Obristwachtmeister  hatte  einen  Stock  mit 
silbernem  dicken  Knopf  und  mit  einem  Kettchen  umwickelt,  in 
welches  der  kleine  und  vorletzte  Finger  gelegt  werden  konnte;  im 
Reiten  Hess  er  die  Spitze  des  Stockes  auf  dem  rechten  Schuhe 
ruhen.  Der  Obristlieutenant  hatte  eine  Partisane  mit  golddurch- 
mischteu  seidenen  Franzen,  sein  Stock  bestand  in  einem  spanischen 
Rohr  mit  einem  silbernen  Knopf  ohne  Kcttchcu.  Der  Obrist  hatte 
eine  ganz  mit  silbernen  Franzen  behängte  Partisane,  deren  Eisen 
nur  bei  ihm  völlig  vergoldet  sein  durfte ;  sein  Stock  war  mit  einem 
goldenen  Knopfe  verziert.  Im  Feld  und  bei  Paraden  waren  immer 
die  Hüte  der  ganzen  Armee  mit  grünen  Feldzeichen  geziert,  im 
Winter  mit  Strohwischen. 

Jedes  Regiment  hatte  sein  eigenes  and  besonderes  Exerzitium, 
wie  es  der  Inhaber  für  gut  fand;  die  Handgriffe  mit  der  Flinte 
hatten  50  Kommandoworte,  wovon  das  Laden  und  Feuern  die  meisten 


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i«9<;  um. 


9 


in  Anspruch  nahm ;  der  Mund  war  dabei  sehr  stark  beschäftigt. 
Das  alte  Kommando  «Kugel  aus  dem  Munde!"  fand  noch  immer 
Anwendung,  auch  musste  der  Soldat  das  Ladmass  mit  den  Zähnen 
öffnen  oder  die  Patrone  abbeissen,  oder  zum  Aufschütten  des  Zünd- 
krauts den  Zapfen  des  Pulverhorns  mit  dem  Munde  ausziehen.  Die 
Pfropfe  zum  Aufsetzen  auf  das  Pulver  trug  er  in  der  aufgestülpten 
Krempe  seines  Hutes,  daher  das  Kommando  „ Pfropf  vom  Hut!" 
auch  gab  es  ein  Kommando  „Haar  untern  Hut!"  weil  alles  lange 
Haare  trug. 

In  allen  Kriegen  gegen  die  Türken  wurden  bei  den  Kompag- 
nien spanische  Reiter,  sogenannte  Schweinsfedern,  mitgetragen,  die 
in  der  Schlacht  vor  die  Front  gelegt,  die  Infanterie  gegen  das  Ein- 
dringen der  Heiter  schützten. 

Die  Soldverhältnisse  waren  überaus  günstig.  Der  Obrist  hatte 
monatlich  450  fl.,  Obristlientenant  120  fi.,  Obristwachtmeister  50  Ii., 
Quurtiermeistcr  40  fl.,  Kaplan  und  Sekretär  20  fl.,  Profoss  sammt 
,  seinen  Leuten  40  fl.,  Hauptmann  140  fl.,  Lieutenant  40  fl.,  Fähnrich 
28  fl.,  säramtliche  nebst  den  früher  bezeichneten  Mund-  und  Fourage- 
Poiüonen;  Feldwebel  20  fl.,  Fourier  13  fl.,  Feldscherer,  Korporal, 
Musterschreiber  je  12  fl.,  Gefreiter  7'/s  h\,  Gemeiner  6'/*  fl.,  Re- 
gimentskassa  150  fl.  Der  Stab  12,  jede  Kompagnie  8  Bagagepferde. 
Die  monatliche  Gebühr  des  Regiments  betrug  0410  fl. 

Gleich  nach  der  Musterung  wurden  die  acht  neuen  Kompagnien 
unter  Kommando  des  Obristlicutenants  Graf  Vir mond  in  Donau- 
werth eingeschifft  und  nach  Ungarn  transportirt,  wo  nach  ihrem 
Eintreffen  zwei  Kompagnien  nach  Kaschau  und  ebensoviele  nach 
Szolnok,  Szegedin  und  Erlau  verlegt  wurden.  Die  vier  Kompagnien 
Thüngen,  welche  nun  das  Leib-Bataillon  formirten,  rückten  nach 
Ofen  und  Obristlicutenant  Graf  Vir  mond  führte  ad  intcrim  das 
Regiments-Koni  man  1  ■■>. 

Der  Regimentsstab  bestand  aus  dem  Quartiermeistcr  Engel- 
hard v.  Ca  melier,  Auditor  und  Seeretarius  Kaspar  Rosa,  Kaplan 
Benedikt  Charmoiselle,  Wachtmeister  Lieutenant  Georg  L i n c k a, 
Proviantmeister  Kaspar  Kutter,  Wagenmeister  Hanns  Fischer 
und  dem  Profoss  cum  suis  Jakob  Dauno. 

In  diesen  Garnisonen  blieben  die  beiden  Bataillone  nur  kurze 
Zeit  und  rückten  dann  zum  Korps  des  G.  d.  K.  Graf  Hab utyn 
nach  Siebenbürgen,  wo  das  Obrist-Bataillon  die  Garnison  Herman- 


10 


um-  um. 


stadt,  das  Obristwaehtmeister-Batailloii  jene  in  Bistritz  erhielt.  Der 
Stab  und  das  Leib  -  Bataillon  blieben  in  Ofen. 

Anfangs  Juli  1697  erregten  mehrere  Anhänger  Tökuli's 
Unruhen  in  ungarischen  Gegenden.  Die  Empörer  überfielen  Patak, 
Tokai  und  Szerenes,  wurden  aber  von  beweglichen  Kolonnen  ange- 
griffen und  zersprengt,  auch  jene  Festen  wieder  erobert.  Sultan 
Mustapha  II.,  welcher  1695  den  Thron  bestieg  und  sich  selbst 
an  die  Spitze  des  Heeres  stellte,  hatte  dadurch  den  kriegerischen 
Geist  seines  Volkes  zu  heben  gesucht.  Am  30.  April  schlug  er 
sein  Zelt  bei  Adrianopel  auf  und  sendete  Befehle  zur  Beschleunigung 
der  Truppenmärsche  ab.  Am  17.  Juni  war  ein  grosser  Theil  der 
Armee  versammelt,  welche  am  4.  Juli  Sofia  und  am  10.  August 
Belgrad  erreichte.  Von  hier  verstärkte  der  Sultan  die  Festung 
Temesvar  und  Hess  die  nöthigen  Brücken  schlagen,  um  das  Beich 
des  Kaisers  mit  Krieg  zu  überziehen.  120—150.000  Mann  zählten 
die  Streiter  des  Erbfeindes. 

Am  5.  Juli  ernannte  Kaiser  Leopold  L  den  Prinzen  Eugen 
von  Savoyen  zum  Ober-Kommandanten  über  das  kaiserliche  Heer 
in  der  Stärke  von  75.000  Mann,  welches  sich  zu  anfangs  Juli  bei 
Kolluth  sammelte,  wohin  auch  das  Leib-Bataillon  abrückte.  G.-d.-K. 
Graf  Kabutin  erhielt  den  Befehl,  nach  Zurücklassung  einiger 
verlässlicher  Regimenter  in  Siebenbürgen  sich  ebenfalls  mit  der 
Hauptarmee  zu  vereinigen,  in  Folge  dessen  das  Obrist-  und  Obrist- 
wachtmeister-Bataillon  in  Siebenbürgen  zurückblieb. 

Am  12.  Juli  traf  Prinz  Eugen  bei  der  Armee  im  Lager 
bei  Kolluth  ein,  wo  dieselbe  nach  dem  damaligen  Gebrauche  mit 
einer  dreimaligen  Salve  die  Ankunft  ihres  Feldherrn  feierte,  dem 
die  Herzen  so  vieler  Tapferer  mit  der  freudigen  Zuversicht  entgegen- 
schlugen, dass  nun  die  Tage  des  Zauderns  zu  Ende  seien,  und  das 
Heer,  geführt  von  kundiger  und  sicherer  Hand,  die  Bahn  ruhmvoller 
Erfolge  betreten  würde.  Insbesondere  die  alten  kampferprobten 
Soldaten  des  Leib -Bataillons  Teutschmeister  empfingen  ihren  wohl- 
bekannten Feldherrn  mit  unbeschreiblichem  Jubel  und  der  Vorahnung 
herrlicher  Siege. 

Am  folgenden  Tage  hielt  Eugen  Musterung  Über  16  kaiser- 
liche, 9  sächsische  Infanterie-,  8  kaiserliche  und  9  sächsische  Ka- 
vallerie -  Regimenter,  das  Leib  -  Bataillon  stand  dabei  mit  vier  Kom- 
pagnien am  linken  Flügel.  Die  Sollstärke  der  Armee  sollte  44.590  Mann 


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11 


betragen,  welche  aber  nicht  erreicht  war,  denn  es  befanden  sich  nur 
30.000  Mann  präsent;  auch  das  Leib -Bataillon  befand  sich  nicht 
auf  dem  vollen  Kriegsstande. 

Da  Prinz  Eugen  die  Nachricht  erhielt,  dass  der  Feind  bereits 
bei  Nissa  stehe,  ertheilte  er  am  17.  Juli  den  Truppen  den  Befehl 
zum  Abmärsche,  als  dessen  nächstes  Ziel  Peterwardein  bezeichnet 
wurde.  Am  18.  wurde  nach  Monostorszeg,  am  19.  in  die  Nähe  von 
Zombor,  am  20.  und  21.  zu  den  isolirten  Posthäusern  Labschatza 
und  Kovacserecz  und  am  22.  nach  Bäcs  marschirt.  Am  23.  rückte 
die  Armee  nach  Palänka,  wo  am  24.  gerastet  und  der  Proviant 
ergänzt  wurde.  Das  nächste  Lager  wurde  am  25.  bei  Ö-Futak  auf- 
geschlagen und  am  26.  gelangte  die  Armee  an  die  Stelle  des 
heutigen  Neusatz.  Am  28.  wurde  wieder  aufgebrochen  und  das  Lager 
in  den  Römerschanzen  bezogen,  wo  die  Armee  bis  4.  August  ver- 
blieb; Tags  darauf  in  das  Lager  bei  Kovil,  ungefähr  fönf  Stunden 
von  Peterwardein  ä  cheval  des  nach  Titel  führenden  Weges  marschirt. 

Am  11.  August  erhielt  Prinz  Eugen  von  dem  G.-F.-W.  Nehem 
die  Meldung,  dass  der  Sultan  mit  seiner  Armee  bei  Belgrad  ein- 
getroffen soi.  In  Folge  dessen  wurde  Peterwardein  mit  vier  Regi- 
mentern verstärkt,  und  die  Armee  brach  mit  grauendem  Morgen  am 
22.  August  aus  dem  Lager  bei  Kovil  auf  und  marschirte  nach 
Sablia.  Dieser  Marsch  war  in  Folge  des  trockenen  Wetters  und  des 
Holz-  und  Wassermangels  höchst  beschwerlich,  man  musste  Brunnen 
graben  und  die  Kochfeuer  mit  Haidegras  unterhalten.  Der  nächste 
Marsch  brachte  die  Armee  in  fünf  Kolonnen  bis  an  den  Sz.  Tamäser 
Morast  bei  Földvar.  Hier  wurde  die  erste  türkische  Patrouille  gefan- 
gen. Die  vielen  Rekognoszirungspatrouillen,  welche  hier  ausgesendet 
wurden,  verzögerten  den  Abmarsch  bis  25.,  an  welchem  Tage  die 
Armee  in  sechs  Kolonnen  bis  Puszta  Czik  marschirte,  wo  wieder 
Brunnen  gegraben  werden  mussten,  die  nur  nothdürftig  den  Bedarf 
lieferten.  Am  26.  marschirte  die  Armee  wieder  nordwärts,  lagerte 
eine  Stunde  südlich  Zenta  und  vereinigte  sich  hier  mit  dem  Korps 
F.-M.-Lt.  Prinz  Vauddmont  und  den  brandenburgischen  Truppen. 
Am  1.  September  marschirte  die  Armee  nahe  an  Zenta  und  nun  rückte 
auch  G.  d.  K.  Graf  Rabutin  mit  seinen  Reitern  aus  Siebenbürgen 
ein,  wodurch  die  gesammte  Armee  vereinigt  war. 

Der  Feind  hatte  indessen  Titel  erobert,  ein  verschanztes  Lager 
bei  Kovil  bezogen  und  unternahm  von  hier  verheerende  Streifeuge 


12  1696-16M. 

in  die  Umgegend,  alle  Ortschaften  gingen  in  Feuer  auf.  Prinz 
Eugen  detachiiie  nun  das  Regiment  Marsigli  und  170  Komman- 
dirte,  worunter  1  Fähnrich  und  30  Manu  des  Leib -Bataillons  zur 
Instandsetzung  nach  Szegedin  und  Hess  die  Armee  am  2.  September 
in  neun  Kolonnen  und  vollkommener  Kampfbereitschaft  nach  U-Bccse 
marschiren,  wo  selbe  bivouakirte.  Der  folgende  Tag  führte  zu  dem 
ersten  Zusammenstosse  mit  dem  Feinde.  Als  die  Armee  auf  ihrem 
Marsche  die  Tamäser  Morastbrüeke  erreichte,  fand  sie  selbe  von 
einigen  Tausend  feindlichen  Reitern  besetzt,  welche  die  Brücke 
anzündeten,  und  als  die  kaiserlichen  Truppen  zum  Löschen  vor- 
rückten, ein  heftiges  Feuer  eröffneten.  Die  Styrum -Dragoner  sassen 
ab,  stürmten,  unterstützt  von  einer  Batterie,  die  brennende  Brücke 
und  warfen  den  Feind  zurück,  welcher  dann  nach  einigen  Kanonen- 
schüssen die  Flucht  ergriff.  Hierauf  wurde  die  Brücke  hergestellt, 
überschritten  und  die  Armee  lagerte  in  Schlachtordnung,  den  Rücken 
an  den  Morast  gelehnt.  Während  der  Nacht  wurde  strengste  Kampf- 
bereitschaft gehalten,  mit  Tagesanbruch  des  4.  September  Boutesselle 
geblasen,  die  Armee  en  bataille  formirt  und  der  Marsch  nach  dem 
Szireger  Morast  angetreten.  In  der  Nähe  der  Morastbrücke  stiess 
man  wieder  auf  feindliche  Reitertrupps,  welche  die  Brücke  anzün- 
deten, dann  aber  das  Weite  suchten,  so  dass  der  Brand  schnell 
gelöscht  und  die  Armee  jenseits  des  Morastes  das  Lager  beziehen 
konnte.  Den  nächsten  Tag,  zwei  Stunden  vor  Tagesanbruch  liess 
Eugen  Boutesselle  blasen  und  sendete  Rekognoszirungs  -  Patrouillen 
ab,  welche  aber  erst  um  8  Uhr  von  feindlichen  Reitern  umschwärmt 
rückkehrten.  Wegen  der  grossen  Hitze  und  dem  bevorstehenden 
starken  Marsche,  befahl  der  Prinz  einen  Rasttag  zu  halten,  den  die 
Truppen  dringend  beuöthigten.  Den  ganzen  Tag  umschwärmten  die 
feindlichen  Reiter  die  Vorposten  und  schössen  sich  mit  ihnen  herum, 
was  einige  Todte  und  Verwundete  kostete. 

Eine  Stunde  vor  Tagesanbruch  des  0.  September  setzte  sich 
die  Armee  wieder  in  Marsch,  stiess  nach  1'/*  Stunden  auf  feind- 
liche Reitermassen,  welche  zum  Augrille  übergingen,  aber  von  den 
in  Quarre's  formirten  Bataillonen  so  übel  empfangen  wurden,  dass 
sie  bald  das  Gefecht  aufgaben  uud  sicli  zur  Flucht  wendeten,  worauf 
die  Armee  ihren  Marsch  fortsetzte.  Aber  bald  erschienen  die  feind- 
lichen Reiter  wieder,  uud  hatten  es  nuu  vorzüglich  auf  die  liuke 
FJauke  und  Queue  abgesehen.  Dadurch  kam  auch  das  Leib-Bataillon 


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um -um. 


13 


in's  Feuer,  welches  fest  im  Viereck  geschlossen,  mit  aller  Ruhe  sein 
Feuer  abgab  und  die  Türken  jedesmal  zurückschlug.  Erst  um 
'/,G  Uhr  abends  gelangte  die  Armee,  fast  erschöpft  von  dem  über- 
langen Marsche  zu  den  Römerschanzen,  wo  eine  kurze  Rast  gehalten 
und  das  lang  entbehrte  Trinkwasser  aus  dem  Moraste  für  die  der 
Hitze  und  dorn  Durste  fast  erliegenden  Soldaten  und  Pferde  geholt 
wurde.  Endlich  um  10  Uhr  nachts  wurde  das  Lager  gegenüber  der 
Festung  Peterwardein  bezogen.  Diesen  furchtbaren  Marsch  von 
18  Stunden  hatten  die  Truppen  in  Schlachtordnung,  Mann  an  Mann 
geschlossen,  in  Staub  und  sengender  Hitze  ohne  einem  Tropfen 
Wasser  und  stets  vom  Feinde  beunruhigt,  in  solch1  musterhafter 
Ordnung  zurückgelegt,  dass  auch  nicht  ein  einziger  Mann  zurück- 
blieb. Kaiser  Leopold  I.  zollte  der  Armee  in  einem  gnädigen 
Erlasse  vom  14.  September  die  verdiente  Anerkennung  ihrer  ausser- 
ordentlichen Leistung. 

Die  Ermüdung  der  Truppen  forderte  nun  eine  längere  Rast, 
auch  weil  die  Armee  seit  drei  Wochen  nur  das  schlechte  Wasser 
der  Theiss  und  der  Moräste  getrunken  hatte.  Aber  die  Gunst  der 
Verhältnisse,  die  das  Genie  Eugens  zu  benfltzen  verstand,  kürzte  die 
Rast  bedeutend  ab  -  -  die  Armee  eilte  zu  einem  unsterblichen  Siege! 

Beim  Eintreffen  der  Armee  bei  Peterwardein  war  der  Sultan 
mit  seinem  Heere  im  Lager  bei  Kovil  gestanden,  aber  schon  nach 
einigen  Tagen,  am  7.  September,  verliess  er  dasselbe  und  rückte 
Theiss  aufwärts.  Eugen  fasste  sogleich  den  Entschluss,  dem  Feinde 
auf  dem  Fusse  zu  folgen,  und  gab  der  Armee  den  Befehl,  für  den 
9.  marschbereit  zu  sein.  Die  Armee  hatte  somit  nach  kurzer  Rast 
dieselben  beschwerlichen  Märsche,  die  sie  vor  wenigen  Tagen  mit 
so  grosser  Anstrengung  vollführte,  wieder  zurückzulegen,  aber  dem- 
ungeachtet  traten  die  Regimenter  am  Morgen  des  9.  September  mit 
frischem  Muthe  zum  dritten  Male  den  Marsch  über  jene  öden  Steppen 
und  Sümpfe  an ;  die  Infanterie  gelangte  nach  neunstündigem  Marsche 
an  ihr  Ziel.  Die  Türken  hatten  alles  zerstört,  die  Bninnen  ruinirt 
und  sogar  das  Haidegras  verbrannt.  Am  10.  wurde  bis  Ö-Becse 
marschirt,  wo  die  unerwartete  Nachricht  einlief,  dass  die  Türken 
bei  Zenta  die  Theiss  passiren,  daher  noch  abends  Rekognoszirungs- 
Patrouillen  abgingen. 

Mit  Anbruch  des  11.  September  1697,  jenes  Tages,  der  mit 
unvergänglichem  Glänze  in  der  Geschichte  Oesterreichs  und  der 


14 


IfiJW- 1ß99. 


kaiserlichen  Armee  strahlen  sollte,  brachen  die  Truppen  aus  dem 
Lager  auf,  und  setzten  ihren  Marsch  in  der  Richtung  nach  Szegedin 
fort.  Die  Nähe  des  Feindes  machte  es  nothwendig,  dass  die  Armee 
in  voller  Kampfbereitschaft  marschirte.  Prinz  Eugen  Hess  die  Armee 
in  zwölf  Kolonnen,  und  zwar  sechs  von  der  Infanterie  und  sechs  von 
Kavallerie  formiren,  zwischen  welchen  die  nicht  bei  den  Regimentern 
eingeteilte  Artillerie  marschirte.  Gegen  9  Uhr  kam  die  Meldung, 
dass  die  abends  ausgesendeten  Abtheilungen  unweit  Zenta  in  ein 
nachtheiligcs  Gefecht  mit  überlegenen  Gegnern  verwickelt  seien, 
daher  der  Prinz  rasch  Kavallerie  zur  Unterstützung  vorsendete, 
welche  den  Feind  zurückwarfen  und  einen  Pascha  einbrachten,  welcher 
aussagte,  dass  der  Sultan  mit  seinem  Heere  im  vollen  Uebergang 
über  die  Theiss  bei  Zenta  begriffen  sei.  Eine  Wegstunde  südlich 
vor  Zenta  angelangt,  überzeugte  sich  Prinz  Eugen  von  der  Wahrheit 
dieser  Aussage.  Der  Tag  neigte  sich  bereits  seinem  Ende  zu,  kaum 
waren  noch  einige  Stunden  bis  zur  völligen  Dunkelheit.  Gelang  es 
dem  Feind  die  Armee  nur  einige  Stunden  aufzuhalten,  so  konnte  er 
in  der  Nacht  seinen  Uebergang  beenden,  die  Brücke  abtragen  und 
dann  ungehindert  seinen  Marsch  in  das  Hera  des  Reiches  fortsetzen. 
Eugens  Feldherrngenie  erkannte,  dass  nicht  nur  der  Erfolg  dieses 
Feldzuges,  sondern  auch  der  fernere  Verlauf  des  Krieges  an  die 
wenigen  Stunden  geknüpft  sei  und  entschloss  sich  rasch  zum  Angriffe. 

Der  Feind  hatte  vor  der  Brücke  ein  mit  tiefen  Gräben  ver- 
sehenes Retranchement  aufgeworfen,  welches  von  Aussen  eine  Wagen- 
burg umgab,  ausserdem  lief  auf  1000  Schritte  vor  der  Brücke  eine 
halbkreisförmige  mit  Rondellen  und  Ausfallsöffnung  versehene  starke 
Schanzenlinie,  deren  Enden  sich  an  die  Theiss  lehnten.  Die  Theiss 
war  350  Schritte  breit  und  mit  einer  Brücke  auf  60  Schiffen  ver- 
sehen. Innerhalb  der  Verschanzungen  befand  sich  der  grösste  Theil 
der  feindlichen  Infanterie,  einige  Cavallerie  und  zahlreiche  Geschütze. 

Sobald  die  Infanterie  anmarschirt  war,  formirte  Prinz  Eugen 
die  Armee  in  Schlachtordnung,  so  dass  sich  der  rechte  Flügel 
geschlossen  an  die  Theiss  lehnte,  der  linke  aber  durch  eine  doppelte 
Linie  verstärkt,  sich  in  die  Ebene  ausdehnte.  Zur  Deckung  dieses 
Aufmarsches  rückte  die  Artillerie  vor  und  setzte  sich  sofort  in's 
Feuer. 

Das  Leib-Bataillon  Teutschmeister  unter  Kommando  des  Obrist- 
lieutenant  Graf  Virmond  befand  sich  mit  noch  vier  Bataillons  und 


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1690-1  «99. 


15 


13  Schwadronen  unter  F.-M.-Lt.  Prinz  Vaud^mont,  General 
Feldwachtmeister  Ffärst  Liechtenstein  im  zweiten  Treffen  des 
linken  Flügels. 

In  der  obenbezeichneten  Schlachtordnung,  deren  Formation 
zwei  Stunden  beansprucht  hatte,  rückte  nun  die  Armee  Theiss- 
aufwärts  vor.  Unweit  Zenta  brachen  einige  Tausend  feindliche 
Reiter  vor,  gegen  welche  Eugen  drei  Dragoner  -  Regimenter  des 
zweiten  Treffens  personlich  vorführte.  Der  Feind  zog  sich  aber  in 
die  Schanzen  zurück  und  eröffnete  aus  diesen  ein  heftiges  Gcschfltz- 
feuer,  welches  die  Artillerie  der  Dragoner  kräftig  erwiderte,  während 
letztere  in  ihre  Kintheilung  rflekkehrten.  Die  Armee  rückte  hierauf 
bis  auf  halbe  Kanonenschussweite  an  die  feindliche  Stellung  heran  und 
vollführte  dabei  eine  Rechtsschwenkung,  so  dass  das  Corps  de  bataille 
vor  die  Wagenburg  gelangte,  die  beiden  Flögeln  aber  sich  an  den 
Flus8  lehnten,  und  somit  der  Feind  halbkreisförmig  von  der  kaiser- 
lichen Armee  umschlossen  war.  Das  Gesehützfeuer  aus  den  Schanzen 
konnte  das  mit  tadelloser  Fräcision  ausgeführte  Manöver  der  Truppen 
nicht  beirren;  erst  als  der  linke  Flügel  in  seine  Stellung  rückte, 
versuchte  die  feindliche  Reiterei  vorzubrechen,  wurde  aber  durch 
ein  nachdrückliches  Geschützfeuer  der  Art  zurückgeworfen,  dass  sie 
in  Unordnung  zur  Brücke  retirirte,  welche  nun  von  den  Batterien 
beider  Flügel  in's  Kreuzfeuer  genommen  wurde.  Hierauf  befahl 
Eugen  die  Vorrflckung  des  linken  Flügels,  während  er  die  übrigen 
Truppen  auf  die  ihnen  gegenüberliegenden  Theile  des  Retranchements 
dirigirte. 

Obgleich  der  Feind  rasch  seinen  rechten  Flügel  verstärkte, 
und  trotz  eines  mörderischen  Kartätschen-  und  Gewehrfeuers,  drangen 
die  kaiserlichen  Truppen  nicht  nur  unaufhaltsam  vor,  sondern  es 
erstürmte  auch  die  gesammte  Infanterie  des  linken  Flügels,  dabei 
das  Leib-Bataillon  Teutschmeister,  die  Schanzenlinie,  warf  die  Ver- 
theidiger  in  den  inneren  Raum  zurück  und  fasste  die  feindliche 
Stellung  im  Rücken.  —  Fast  gleichzeitig  begann  auch  der  Angriff 
im  Centrum  und  am  rechten  Flügel.  Trotz  verzweifelter  Gegenwehr 
erstieg  die  Infanterie  die  Brustwehren  und  nun  begann  ein  blutiges 
Ringen,  Mann  gegen  Mann  auf  dem  ganzen  weiten  Umkreise  den 
die  feindlichen  Werke  umschlossen. 

Als  sich  der  glänzende  Erfolg  des  linken  Flügel  fühlbar  machte, 
und  der  Widerstand  der  Türken  zu  erlahmen  begann,  waren  die 


IG 


NIM -1099. 


kaiserlichen  Truppen  nicht  mehr  zu  halten.  Der  jahrelang  unbefriedigte 
Thatendrang  und  der  Grimm  des  Kriegers  gegen  die  Erbfeinde, 
welche  so  oft  ihr  Vaterland  in  eine  Wüste  umgewandelt  hatten,  kam 
plötzlich  zum  gewaltsamen  Ausbruche;  jeder  hatte  nur  das  eine 
Bestreben  an  den  Feind  zu  kommen,  sogar  die  Reiter,  durcli  die 
breiten  Gräben  aufgehalten,  der  Infanterie  zu  folgen,  sprangen  von 
ihren  Pferden  und  stürmten  mit  dem  Degen  in  der  Faust  gegen  den 
Feind.  Im  verzweifelten  Kampfe  suchten  sich  die  Türken  gegen  die 
Brücke  durchzuschlagen,  alleiu  die  kaiserlichen  Bataillone  des  linken 
Flügels  hatten  ihnen  bereits  diesen  einzigen  Rettungsweg  versperrt. 
Heldenmflthig  wie  ihre  Kampfgenossen  am  rechten  Flflgel  und  im 
Zentrum,  hatten  sie  den  Feind  zu  Boden  geschmettert,  die  hartnäckig 
vertheidigte  innere  Schanze  und  die  Wagenburg  genommen,  und 
den  Rückzug  der  Türken  über  die  Brücke  unmöglich  gemacht.  Nun 
folgten  die  fürchterlichsten  Scenen.  Von  allen  Seiten  umringt,  kämpften 
die  Feinde  hoffnungslos  um  ihr  Leben,  denn  die  kaiserlichen  Soldaten 
gaben  keinen  Pardon,  obwohl  ihnen  von  den  Pascha's  und  höheren 
Offizieren  bedeutendes  Lösegeld  geboten  wurde.  Ein  grosser  Theil  warf 
sich  in  die  Fluthen  der  Theiss,  oder  wurden  in  das  Wasser  gedrängt; 
aber  auch  hier  folgten  die  ergrimmten  Sieger  und  richteten  ein  furcht- 
bares Blutbad  an.  Erst  die  vollständige  Dunkelheit  schloss  diesen  Akt 
rächender  Vergeltung.  Die  ruhmvolle  Geschichte  des  kaiserlichen 
Heeres  war  um  eines  ihrer  glänzendsten  Blätter  und  um  einen  der 
schönsten  Siege  bereichert,  die  Oesterreichs  Waffen  je  erkämpft. 

Man  hatte  gar  keine  Gefangenen  gemacht,  erst  später  wurden 
einige  unter  den  Leichen  und  aus  den  Brückenschiffen  hervorgezogen, 
von  welchen  man  erfuhr,  dass  ausser  der  Leibwache  des  Sultans, 
die  gesammte  feindliche  Infanterie  im  Gefecht  gewesen  sei.  Mehr 
als  20.000  Todte  bedeckten  das  Schlachtfeld,  über  10.000  wurden  in 
die  Theiss  gesprengt,  deren  Leichen  das  Wasser  an  der  Brücke 
stauten,  kaum  2000  entkamen  auf  das  jenseitige  Ufer.  Die  feindliche 
Reiterei  am  jenseitigen  Ufer  zerstob  in  wilder  Flucht;  der  Sultan 
floh  nach  Temesvär  und  das  ganze  Lager  mit  allen  Vorräthen  und 
Schätzen  fiel  den  Siegern  zur  Beute.  Die  türkische  Armee  war  ver- 
nichtet, welche  noch  einige  Stunden  früher  in  übermächtiger  Kraft 
das  Reich  des  Kaisers,  die  Kultur  und  Sicherheit  Mittel  -  Europas 
bedrohte.  Seit  Zenta  musste  die  Türkei  alle  Vcrgrösserungspläne 
aufgeben.  Europa  war  durch  diesen  Sieg  von  einer  seit  Langem 


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1090-160«). 


17 


drohenden  Gefahr  befreit,  Kultur  und  Sitte  vor  dem  zerstörenden 
Griffe  asiatischer  Barbarei  bewahrt. 

Zwei  Stunden  nach  Sonnenuntergang  wurde  die  Armee  aus 
den  Verschanzungen  zurückgezogen,  und  bezog  in  deren  Nähe  das 
Lager;  nur  ein  Bataillon  hielt  die  Brücke  besetzt.  Am  nächsten 
Tage  erst  wurde  das  Lager  ausgesteckt,  und  die  Bataillone  geordnet, 
von  jedem  Regiment  Hess  Eugen  eine  Abtheilung  in  das  verlassene 
feindliche  Lager  rücken,  um  die  wohlverdiente  Beute  zu  machen. 

Der  Verlust  der  Armee  betrug  an  Todten  28  Offiziere,  401  Mann; 
an  Verwundeten  133  Offiziere  und  14G5  Mann;  leider  siud  die  Verluste 
nicht  spezifizirt,  daher  jene  des  Leib  -  Bataillons  nicht  angeführt 
werden  können. 

Am  frühen  Morgen  des  12.  setzte  die  Kavallerie  dem  fliehenden 
Feinde  nach  und  machte  noch  grosse  Beute.  Mit  der  Siegesbotschaft 
ging  am  selben  Tage  der  F.  -  M.  -  Lt  Prinz  V  a  u  d  <5  m  o  n  t  nach  Wien, 
welchem  am  15.  der  Dragoner  -  Obrist  Graf  Dittrichstein  mit 
der  Relation,  7  eroberten  Rossschweifen  und  423  Fahnen  folgte. 

Kaiser  Leopold  I.  zeichnete  für  ihr  hervorragendes  Benehmen 
in  der  Schlacht  mehrere  Offiziere  durch  kaiserliche  Dankschreiben  aus. 
Unter  diesen  befand  sich  auch  der  Obristlieutenant  Graf  Virmond, 
ein  Beweis,  dass  sich  das  Leib  -  Bataillon  Teutschmeister  jedenfalls 
sehr  tapfer  benommen  hatte.  Dieses  Dankschreiben  lautete: 

„Demnach  Uns  von  Unseres  (titul.)  Prinzen  Eugcnii  zu 
„Savoyen  Durchlaucht,  sehr  angerühmt  worden,  dass  Du  Dich  bei 
.der,  am  11.  dieses  unweit  Zenta  mit  dem  Feind  vorbeigegangenen 
„Action  und  vermittelst  göttlicher  Gnade  erfolgten,  so  stattlichen 
„und  remarquablen  Victori  gar  wohl  verhalten,  und  dabei  Deinen 
„Valor  und  Tapferkeit  absonderlich  erwiesen  habest,  und  Uns  solches 
,zu  gnädigstem  Wohlgefallen,  Dir  aber  und  Deiner  Posterität  zum 
„steten  Nachruhm  gereichet ;  als  werden  Wir  solche  von  Dir  er- 
„wiesene  Tapferkeit  und  prästirte  Treue  und  erspriesslichen  Dienste 
„data  occasione,  mit  kais.  und  königl.  gnädigste  Zuerkennung  nicht 
„unterlassen;  thuen  Uns  auch  hingegen  gnädigst  versehen,  Du  werdest 
„fürohin  wie  bisher,  Unseren  und  des  gemeinen  Wesens  Dienst  bester- 
„massen  zu  befördern,  Dir  noch  weiteres  nach  möglichsten  Kräften 
„angelegen  sein  lassen." 

Wien,  27.  September  1697. 

•Leopold  m.  p. 

2 


18 


Ära  14.  September  wurde  das  Lager  wegen  des  penetranten 
Geruches  der  vielen  tausend  noch  nnbeerdigten  Leichen  abgebrochen 
und  nördlich  zwischen  Zenta  und  Kis  -  Kauisza  verlegt.  Hier  blieb 
die  Armee  bis  28.,  an  welchem  Tage  sie  das  Lager  verliess  und 
nach  einem  fünfstündigen  Marsche  den  Weiher  Palies-Tö*  erreichte, 
an  welchem  sie  das  Lager  bezog.  Der  gänzliche  Mangel  an  Holz 
und  zum  Theil  auch  an  trinkbarem  Wasser  nöthigte  die  Armee  am 
29.  zu  einem  siebenstündigen  Marsche  bis  Melykut;  am  30.  wurde 
nach  Rigyicza  und  am  1.  Oktober  nach  S/intova  an  der  Donau 
marschirt.  G.  d.  K.  Graf  Rabutin  war  nach  Siebenburgen  zurück- 
gekehrt und  der  Wunsch  des  Prinzen  K  u  g  e  n,  dass  sich  die  dort 
befindlichen  acht  Kompagnien  Teutschmeister  mit  dem  Leib-Bataillon 
vereinigen  sollen,  wurde  vom  Hofkriegsrath  nicht  bewilligt.  Am 
5.  Oktober  ruckte  die  Infanterie  unter  G.-F.-W.  v.  Hasslingen 
nach  Mohäcs,  die  Kavallerie  nach  Pest  und  die  Artillerie  nach 
Böhmen. 

Prinz  Eugen  hatte  wegen  dem  bei  den  Truppen  herrschen- 
den Mangel  an  Montur,  Geld  und  Proviant  auf  alle  weiteren 
Operationen  verzichten  müssen  und  desshalb  bezog  die  Armee  so 
frühzeitig  die  Winterquartiere.  E  u  g  e  u  unternahm  aber  noch  mit 
6000  Mann  einen  Einfall  in  Bosnien,  der  von  dem  besten  Erfolge 
gekrönt  war.  Das  Leib-Bataillon  war  dabei  nicht  betheiligt,  sondern 
bezog  in  Ungarn  die  Winterquartiere,  wo  die  Truppen  bequartirt 
und  sich  mit  der  Hausmannskost,  die  der  Quartiergeber  verabreichte, 
begnügen  mussten;  die  Offiziere  erhielten  für  jede  Mundportion 
drei  Keichsthaler,  wofür  sie  sich  selbst  zu  verpflegen  hatten. 

Im  Laufe  des  Winters  erhielt  das  Regiment  von  den  Reichs- 
werbungen zwar  einige  Rekruten,  aber  der  kompletc  Stand  wurde 
nicht  erreicht. 

Anfangs  August  1698  sammelten  sich  18  kaiserliche  Infanterie- 
und  16  Kavallerie-Regimenter  nebst  einem  Theil  der  Feld-Artillerie 
bei  Kolluth.  Am  3.  August  rückte  auch  der  Regimentsstab  und  das 
Leib-Bataillon  .Pfalz- Neuburg- Teutschmeister"  wie  das  Regiment 
in  allen  damaligen  Akten  benannt  ist,  hier  ein  und  bezog  mit  der 
Infanterie  das  Lager  bei  Monostorszeg. 

Da  der  Feind  schon  bei  Belgrad  stand,  wartete  Prinz  Eugen 
die  fehlenden  Truppen  nicht  ab,  sondern  ordnete  auf  deu  4.  August 
den  Vormarsch  an.  Die  Armee  gelangte  über  Zombor,  Labschatza 


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19 


und  Kovacsevecz  am  7.  August  nach  Bacs,  wo  sie  Rasttag  hielt  und 
sich  mit  Proviant  versah.  Am  9.  marsehirte  die  Infanterie  nach 
Bukin,  die  Kavallerie  nach  Illotzka,  wo  die  Armee  bis  18.  verblieb, 
um  die  noch  ausständigen  Truppen  zu  erwarten.  Am  19.  wurde 
nach  Glozsän  marschirt,  dort  am  20.  gerastet,  am  21.  über  Futak 
bis  gegenüber  Peterwardein  vorgerückt  und  das  Lager  bezogen. 
Hier  blieb  die  Armee  den  folgenden  Tag,  folgte  am  23.  der  vor- 
jährigen Route  Aber  die  Romerscbanze  bis  Käty  und  langte  am  24. 
auf  demselben  Lagerplatz  bei  Kovil  an,  von  wo  Prinz  Eugen 
im  Vorjahre  die  denkwürdigen  Operationen  begonnen,  welche  zum 
Siege  von  Zenta  führten.  Die  Schanzen  fanden  sich  noch  wohl- 
erhalten vor,  aber  die  Ortschaften  hatten  die  Türken  der  Erde 
gleich  gemacht. 

Um  den  Feind,  welcher  fortwährend  ruhig  bei  Belgrad  stand, 
zur  Ergreifung  der  Offensive  zu  nüthigen,  traf  Prinz  Eugen  alle 
Vorkehrungen,  um  Temesvär  zu  bedrohen,  kommandirte  am  26. 
eine  starke  Truppenabtheilung,  dabei  das  Leib- Bataillon,  unter 
General  Spielberg,  um  den  Morast  bei  Vilova  gangbar  zu  machen 
und  durch  Schanzen  zu  sichern.  Die  Armee  blieb  während  diesen 
Arbeiten  im  Lager  bei  Kovil,  wo  mehrere  Regimenter  Verstärkung 
eintrafen.  Mit  dem  Aufgebote  aller  Kraft  wurde  bis  29.  August  eine 
570"  lange  Brücke  über  den  Morast  und  eine  dreifache  Schanzen- 
linie zu  Stande  gebrocht,  worauf  die  Armee  am  30.  morgens  ihre 
Vorrückung  begann  und  abends  das  Lager  am  Tiller  Berge  bezog. 
Hier  wurden  fflnf  Brücken  über  die  Theiss  geschlagen,  am  2.  September 
diese  überschritten  und  an  der  Stelle  des  beutigen  Pertaszväros 
gelagert.  Der  Feind  beunruhigte  durch  nichts  diesen  Uebergang, 
sondern  blieb  ruhig  in  seiner  Stellung,  daher  Prinz  Eugen  bcschloss, 
den  Vormarsch  gegen  Becskerek  fortzusetzen.  Die  Armee  brach  am 
8.  auf,  rückte  an  die  Bega,  eine  Stunde  südlich  Becskerek,  und 
lagerte  in  Gefechtsbereitschaft.  Eugen  wartete  nun  die  Wirkung 
seiner  Vorrflckung  ab,  Hess  grössere  Streifungen  gegen  Temesvdr 
vorgehen,  am  14.  aber  das  Lager  abbrechen,  die  Armee  den  Bega- 
nuss  überschreiten  und  eine  vortheilhafte  Stellung  knapp  an  Becs- 
kerek nehmen.  Auf  die  Nachricht,  dass  von  den  Türken  ein  grosser 
Proviant -Transport,  nach  Temesvär  im  Anzüge  sei,  eilte  Prinz 
Eugen  mit  der  gesammten  Kavallerie  dorthin,  warf  den  Feind 
zurück  und  vereitelte  die  Verprov  iantimng. 

2* 


20  lm-im. 

Mittlorweile  wor  die  Diplomatie  zur  Herstellung  des  Friedens 
sehr  thätig  gewesen,  denn  alles  sehnte  sich  nach  15jährigen  ununter- 
brochenen Kriegen  nach  Ruhe.  Am  26.  September  erhielten  die 
kaiserlichen  Friedens -Bevollmächtigten  ihre  Instruktionen,  und  da 
Prinz  Eugen  die  Nutzlosigkeit  jedes  weiteren  Versuches  im  Felde 
mit  Aussicht  auf  Erfolg  einsah,  Hess  er  am  5.  Oktober  die  Armee 
von  Becskerok  abmarschircn  und  am  linken  Theissufer,  Zablya 
gegenüber,  ein  Lager  beziehen. 

Schon  wiederholt  hatte  Prinz  Eugen  auf  die  Wichtigkeit  von 
Arad  hingewiesen;  der  Kaiser  besehloss  nun  die  regelrechte  Be- 
festigung dieses  Platzes  und  befahl,  unverzüglich  damit  zu  beginnen. 
In  Folge  dessen  rückten  am  15.  Oktober  unter  Obrist  Solari  vier 
Regimenter  und  das  Leib -Bataillon  Teutscbmeister,  denen  am  16. 
noch  12  Geschütze  folgten,  nach  Szegedin.  Am  18.  traf  die  Nach- 
richt vom  abgeschlossenen  Waffenstillstand  bei  der  Armee  ein, 
worauf  Tags  darauf  dieselbe  nach  Zablya  marschirte,  von  hier  aber 
12  Kavallerie-Regimenter  nach  Arad  rückten,  während  der  Rest  der 
Armee  sich  mit  dem  Ausbau  der  Werke  von  Zablya  zu  beschäftigen 
hatte.  Am  22.  erreichte  der  Prinz  Szegedin,  rückte  mit  den  vor- 
benannten Truppen  des  Obrist  Solari  am  24.  bis  Deska,  25.  Nagy- 
Läk,  26.  bis  zu  den  Ruinen  des  von  den  Türken  zerstörten  Szemlak, 
und  am  27.  nach  siebenstündigem  Marsche  nach  Arad.  Nachdem 
Infanterie  und  Kavallerie  ihre  Lager  auf  der  Insel  bezogen  hatten, 
begann  am  29.  die  Infanterie  die  Arbeit.  Das  Leib  -  Bataillon 
Teutschmeister  hob  den  ersten  Graben  aus,  und  in  der  kurzen 
Zeit  von  29  Tagen  entstanden  unter  Eugen 's  obersten  Leitung 
ansehnliche  Erdwerke  mit  doppeltem  Brückenkopfe;  sämmtliche 
Brustwehren  waren  mit  Faschinen  verkleidet  und  durch  Palissaden 
verstärkt. 

Die  vorgeschrittene  Jahreszeit  hinderte  die  ferneren  Arbeiten, 
und  da  die  bis  auf  Weniges  vollständig  durchgeführte  Fortificirung 
des  Platzes  erreicht  war,  so  liess  Prinz  Eugen  am  27.  November 
das  Lager  aufheben  und  die  Regimenter  nach  Zurücklassung  einer 
Garnison  in  die  Winterquartiere  abrücken,  womit  die  Unternehmungen 
des  .Jahns  1698  ihren  Schluss  fanden. 

Ende  Oktober  hatten  die  Friedensverhandlungen  zu  Karlowitz 
begonnen  und  am  26.  Jänner  1699  wurde  der  Friede  zwischen  dem 
Kaiser  und  der  Pforte  auf  fünf  und  zwanzig  Jahre  abgeschlossen. 


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21 


Siebenbürgen  und  die  damit  verbunden  gewesenen  ungarischen  Bezirke 
blieben  dem  Kaiser,  der  Temesvarer  Bezirk  den  Türken. 

Hierauf  erfolgte  die  Entlassung  der  fremden  und  Auxiliar- 
Regimenter,  auch  wurde  die  A/mee  mit  Ausnahme  der  in  Ungarn 
und  Siebenburgen  stehenden  Regimenter  bedeutend  reduzirt,  wovon 
das  Regiment  nicht  betroffen  wurde.  Obristlieutenant  Graf  Virmond 
rückte  mit  dem  Stab  zu  den  beiden  in  Siebenbürgen  befindlichen 
Bataillons,  dagegen  übernahm  Obristwachtmeister  von  Collet  das 
Leib -Bataillon,  welches  Kaschau  als  Garnison  erhielt.  Hauptmann 
Z  e  p  p  e  1  quittirte  und  wurde  Hauptmann  bei  der  Wiener  Stadt- 
Guardia;  seine  Kompagnie  erhielt  Hauptmann  Graf  Onelli. 

Laut  der  im  k.  k.  Kriegsarchive  befindlichen  ältesten  Ausweise 
sämmtlicher  Offiziere  der  k.  k.  Armee  bestand  das  Offiziers  -  Korps 
im  Jahre  1G99  aus  dem: 

Obrist-Inhaber  Franz  Ludwig,  Herzog  in  Bayern,  Hoch- 
und  Teutschmeister ; 

Obristlieutenant  Damian  Graf  Virmond; 

Obristwachtmeister  Franz  von  Collet; 

Hauptleuten  Moriz  Freiherr  von  Mühlen,  Johann  Graf 
Onelli,  Heinrich  Vely,  Johann  Frik,  Johann  Graan,  Johann 
von  der  M  ü  1  b  e  n,  Franz  Graf  Nesselrod,  Betram  Baron  von 
Wachtendonk,  Gottfried  Zeppel,  Heistermann,  von 
Blumenkron; 

Lieutenants  Anton  Pukoneffy,  Johann  Baumgarten, 
Rudolf  Pietz,  Johann  Kessel,  Christof  K  ä  r  g  e  n,  Augustin 
Thonnen,  Philipp  Gruthausen,  Josef  G  rann,  Gerhardt 
Mannem  und  Christian  Sturkhardt; 

Fähndrichs  Franz  Bruno,  Michael  P  e  r  t  i  n  g,  Franz  Chevalier 
Petruvi,  Albrecht  Kessel,  Basil  Dörnek,  Friedrich  Gabel, 
Augustin  Hanau,  Rudolf  Baron  Hornstein,  Leonhardt  Hamoth, 
Arnold  Wöltrun,  Matthäus  Nagel. 

Das  Leib -Bataillon  rückte  im  Sommer  nach  Kövär  und  von 
hier  im  Dezember  in  die  Haidukenstädte.  Die  Bataillone  in  Sieben- 
bürgen blieben  in  Hermanstadt  und  Bistritz. 


22 


1700-1711 


1700-1711. 

Von  dem  am  11.  Mai  1700  reduzirtcn  Regiment  Mompelgand 
erhielt  das  Regiment  172  Mann  zur  Deckung  seines  Abganges. 

Se.  Majestät  geruhte  mit  Patent  vom  3.  August  1700  den 
Obristlieutenant  Damian  Graf  Virmond  zum  Obristen  zu  befördern. 
Das  Regiment  war  mit  acht  Kompagnien  in  seinen  alten  Postirungen 
in  Siebenbürgen,  mit  vier  Kompagnien  in  Ungarn  —  mit  eiuem 
Stand  von  1677  Mann. 

Im  Jahre  1701  erhielt  die  k.  Armee  Feuergewehre  mit  fran- 
zösischen Schlössern,  die  Mannschaft  statt  den  Degen  die  bei  der 
Erstürmung  von  Ofen,  2.  September  1686,  das  erste  Mal  ange- 
wendeten Bajonnete,  die  Grenadiere  Säbeln. 

Wahrend  der  Garnisonirung  des  Obrist-Bataillons  in  Hermann- 
stadt wurde  Kapitän-Lieutenant  Fischer  des  Sachseu-Gothaischen 
Regiments  wegen  Rebellion,  nach  infamer  Kassation  auf  dem  grossen 
Platze  die  rechte  Hand  abgehauen,  uud  hierauf  enthauptet ;  auch  fünf 
Musketiere  des  Thürheimischen  Regiments,  weil  sie  ihren  Posten  an 
der  Grenze  ohue  Gegenwehr  dem  Feinde  überlassen,  enthauptet,  dann 
geviertheilt  und  ihre  Körper  an  den  Strassen  ausgesteckt.  Bei  der 
Enthauptung  des  Grafen  der  sächsischen  Nation,  Hans  Sax  von 
Harteuek,  war  am  14.  Oktober  1703  das  Bataillon  mit  der  ge- 
sammten  Garnison  auf  dem  grossen  Platze  ausgerückt. 

Seit  dem  pyrenäischen  Frieden,  und  noch  mehr  seit  dem  Tode 
König  Phil  ipps  IV.  von  Spanien  1663,  war  unter  allen  politischen 
Fragen,  die  über  das  künftige  Schicksal  der  spanischen  Monarchie 
eine  der  bedeutendsten.  Kaiser  Leopold  I.  hatte  unzweifelhafte 
Ansprüche  auf  dieselbe,  denn  als  Karl  II.  am  1.  November  1700 
starl),  hatte  er  ganz  unrechtmässig  Philipp  von  Anjou  zum 
Erben  Spaniens  eingesetzt,  und  da  Frankreich  hievou  Gebrauch 
machte,  gab  diess  Veranlassung  zu  jenem  grossen  Kampfe,  der  unter 
dem  Namen  „der  spanische  Successiouskricg*  bekannt  ist,  und  in 
welchem  später  auch  das  Regiment  mitzuwirken  berufen  wurde. 
Kaiser  Leopold  im  Bündnisse  mit  England,  Schwaben,  Franken 
u.  a.  hatte  am  15.  Mai  170J  an  Frankreich  den  Krieg  erklärt; 


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Obristwachtmeister  und  Musketier  von 
Hoch -u nd  Deutschmeister. 


1700-1711.  23 

Baiern  und  Köln  standen  auf  der  Seite  der  Franzosen.  Am  thätigsten 
ffir  den  Kaiser  zeigte  sich  der  neue  König  Friedrich  von  Preussen, 
welcher  von  demselben  vor  Kurzem  die  Königswürde  erhalten  hatte. 

Um  den  Kaiser  möglichst  zu  schwächen,  hatte  Ludwig  XIV., 
König  von  Frankreich,  Emissäre  nach  Ungarn  an  Franz  Rdkoczy 
gesendet,  welchen  sie  auch  bereit  fanden,  sich  als  Werkzeug  fflr 
fremde  Pläne  gebrauchen  zu  lassen.  Seine  verrätherische  Verbin- 
dung mit  Ludwig  XIV.  wurde  jedoch  entdeckt  und  Räkoczy 
im  April  1701  verhaftet.  Im  November  gelang  es  ihm  durch  die 
Hilfe  eines  cid-  und  ehrvergessenen  Rittmeisters  aus  Wiener -Neu- 
stadt zu  entfliehen,  welcher  Rittmeister  dann  enthauptet,  geviertheilt 
und  seine  Körpeneste  au  den  Strassen  aufgesteckt  wurden. 

Nun  erhob  R  ä  k  o  c  z  y  die  Fahne  der  Rebellion,  in  Folge  dessen 
ein  durch  Gräuel,  Verwüstung,  glänzende  Waffcnthaten  und  Unge- 
mach der  kaiserlichen  Truppen,  äusserst  beschwerlicher  und  hart- 
näckiger Krieg  1703  ausbrach,  welcher  erst  1711  durch  den  Vertrag 
von  Szäthmär  dauernd  beigelegt  wurde. 

Die  beiden  Bataillone  des  Regiments  in  Siebenbürgen  ver- 
einigten sich  iu  Klausenburg  und  rückten  nach  Ober -Ungarn,  wo 
der  Kaiser  den  Adel  aufbieten  Hess,  mit  welchem  Alexander  Käroly 
und  Stefan  Czäky  die  Rebellen  bei  Dotha  schlugen.  Räkoczy 
selbst  erlitt  Ende  Juni  eine  Niederlage  bei  Munkäcs. 

Nach  diesen  Unternehmungen  rückten  die  beiden  Bataillone 
nach  Kaschau,  wo  nun  das  Regiment  mit  IG  Kompagnien  ver- 
einigt war. 

Mit  letzten  Juni  1703  crtheilte  Se.  Majestät  dem  Obristen 
Damian  Hugo  Graf  Vi  rmond  die  Bewilligung,  ein  neues  Infanterie- 
Regiment,  jetzt  Nr.  1(>,  zu  werben,  wozu  das  Regiment  die  vier 
jüngst  erhaltenen  schlesischen  Auktions-Kompagnien  unter  den  Haupt- 
leuten von  Buttler,  Reichel,  Brett witz  abgab.  Hauptmann 
Baron  Dalberg,  welcher  die  vierte  Kompagnie  kommandirte,  hatte 
inzwischen  die  Kompagnie  des  Obristwachtmeisters  von  Collet  er- 
halten, welcher  auf  einer  Jagd  angeschossen,  in  Folge  dieser  Ver- 
wundung starb.  Ausser  diesen  Kompagnien  wurden  noch  die  Leib- 
Kompagnie  des  Obristen  Grafen  Virmond,  die  Obristlieutenant- 
und  die  Kompaguien  der  Hauptleute  Baron  Wachtendonk  und 
Urly  abgegeben,  so  dass  das  Regiment  Teutschmcistcr  nur  mehr 
aus  acht  Kompagnien  bestand.  Später  wurden  noch  einige  Stabs- 


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1700-1711. 


Parteien  transferirt,  die  Kompagnie  Wachtendonk  aber  wieder  zurück- 
gegeben. 

Tn  die  erledigten  Stabsoffiziersstellen  geruhte  Se.  Majestät  den 
Hauptmann  Bertram  Anton  Baron  Wachtendonk,  deutscher 
Ordens-Ritter,  zum  Obristlieutenant  und  Regiments  -  Kommandanten 
und  den  Hauptmann  Graf  Nesselrod  zum  Obristwachtmeister  zu 
ernennen.  Auch  erhielt  das  Regiment  abermals  vier  Auktions-Kom- 
pagnien aus  Schlesien  unter  den  Hauptleuten  v.  Bohunsky, 
Br.  Britschke,  Mengen  und  Wargotsch,  ausserdem  auch 
250  Rekruten  aus  Oesterreich.  Graf  Virmond  wurde  später  Feld- 
zeugmeister und  kaiserlicher  Gesandter  zu  Konstantinopel. 

Im  März  1704  passirte  das  Regiment  in  Kaschau  die  Musterung, 
worauf  ein  Bataillon  nach  Pressburg  marschirte  und  dort  seine  Ein- 
theilung  in  die  Brigade  des  General -Feldwachtmeisters  Baron  Rit- 
schan erhielt. 

Diese  Brigade,  welche  aus  2331  Mann  Infanterie,  150  Reiter 
und  4  Geschützen  bestand,  rückte  auf  Befehl  des  kommandirenden 
Generalen  Feldmarschall  Graf  Heister  nach  Szcreth  zur  Bchauptuug 
der  Waag.  Auf  dem  Hinmarsche  litten  die  jungen  ungedienten  Leute 
nebst  den  Uebrigeu,  ausserordentlich  durch  den  gänzlichen  Mangel 
an  Brod,  daher  der  General  in  Smölnitz  am  21.  Mai  1704  Rasttag 
halten  und  Brod  backen  liess.  Gegen  Abend  zwischen  9  und  10  Uhr 
brachte  ein  Kourier  des  Schlosskommandanten  von  ScharfTenstein 
die  Nachricht,  dass  der  Feind  mit  bedeutender  Macht  im  Anzüge 
sei,  um  das  Lager  zu  überfallen.  General  Ritschau  hielt  sogleich 
Kriegsrath,  ordnete  nach  demselben  wieder  den  Rückzug  über  das 
Gebirge  nach  Skalitz  an,  worauf  die  Brigade  um  1 1  Uhr  bei  finsterer 
Nacht  links  abmarschirte.  Die  Avantgarde  koinmaiulirte  Obrist- 
lieutenant Baron  Maitz  an,  die  Arrieregarde  Obristlieutenant  Baron 
Wachtendonk  des  Regiments.  Um  2  Uhr  nach  Mitternacht 
erreichte  die  Brigade  allmälich  den  Fuss  des  Gebirges  und  schickte 
sich  an,  dasselbe  durch  einen  l'/2  Meilen  langen  Wald  zu  ersteigen, 
als  die  Rebellen  unter  Geschrei  und  heftigem  Feuern  die  Avantgarde 
angriffen.  Kaum  war  dieser  Angriff  nach  einem  halbstündigen  Char- 
gieren mit  Pelotons  zurückgewiesen  worden,  als  die  2000  Manu 
starken  feindlichen  Reiter  die  Arrieregarde  mit  solchem  Ungestüm 
angriffen,  dass  unsere  wenigen  Reiter  Schutz  uuter  dem  Feuer  der 
Bataillone  Tcutschmeister  und  Starhemberg  suchen  mussten.  Nach 


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einem  anderthalbstfindigen  mörderischen  Gefecht,  in  welchem  von 
den  Rebellen  300  Mann  auf  dem  Platze  blieben,  wurde  von  den 
beiden  tapferen  Bataillons  auch  dieser  Angriff  abgeschlagen.  Von 
der  Brigade  blieben  gegen  100  Mann;  General  Ritsch  an  wurde 
zweimal,  Obristlieutenant  Baron  Wachtendonk  durch  einen  Schuss 
in  den  rechten  Arm  verwundet.  Hierauf  setzte  die  Brigade  ihren 
Marsch  fort,  während  der  Feind  beobachtend  folgte. 

Kaum  war  die  Kolonne  in  den  Wald  gelangt,  als  sie  abermals, 
nun  von  allen  Seiten  von  Infanterie  und  Kavallerie  angefallen 
wurde ;  aber  wieder  setzte  sie  ein  kräftiges  Pelotonfeuer  entgegen 
und  warf  den  Feind  abermals  zurück,  welcher  aber  fortwährend  die 
Angriffe,  geschützt  durch  das  Dickicht  des  Waldes  erneuerte,  wo- 
durch die  Brigade  von  4  Uhr  morgens  bis  12  Uhr  mittags  zu  einem 
unaufhörlichen  Kampfe  gezwungen  und  nicht  im  Stande  war,  das 
Defitee  zu  passiren.  Um  diese  Zeit  schickte  Obristlieutenant  Baron 
Wachtendonk  einen  Lieutenant  mit  der  Meldung  zum  Brigadier, 
dass  sich  die  Arrieregarde  gänzlich  verfeuert  habe,  und  nur  auf 
das  Bajouuet  angewiesen  sei,  welcher  aber  nicht  mehr  zurückkehrte. 
Mittlerweile  war  der  Geueral  aus  dem  Wald  debouchirt  und  liess 
die  Truppen  einige  hundert  Schritte  in  der  Ebene  halten,  um  den 
Anmarsch  seiner  Arrieregarde  zu  erwarten.  Nim  zeigten  sich  starke 
Rebellenhaufen,  um  den  Weg  nach  dem  eine  halbe  Stunde  entfernten 
Jablonitz  zu  verlegen,  worauf  der  General  in  den  Wald  zurück- 
schickte und  die  Arrieregarde  zur  Beschleunigung  des  Marsches 
auffordern  liess,  Jablonitz  dann  mit  Sturm  nahm  und  vor  dem  Orte 
die  70  Bagagewägen  als  Wagenburg  auffahren  liess. 

Der  Feind,  welcher  sich  auf  15.000  Mann  belaufen  haben  soll, 
übersah  nun  die  geringe  Stärke  der  debouchirten  Brigade,  griff 
sogleich  au,  und  zwang  den  General  Ritsch  an  sich  in  das  Schloss 
zurückzuziehen,  wo  er  sich  abends  am  22.  Mai  wegen  gänzlichem 
Mangel  an  Munition  und  Lebensmitteln,  nachdem  es  dem  Haupt- 
mann Renaud  von  Jungdaun  -  Infanterie  mit  300  Mann  und 
50  Reitern  gelungen  war,  sich  nach  Skalitz  durchzuschlagen, 
ergeben  musste. 

Als  es  dem  Obristlieutenant  Wachtendonk  endlich  gelang 
aus  dem  Walde  zu  debouchiren,  sah  er  zu  seiner  Ueberraschung 
statt  der  gehofften  Brigade  den  Feind  gegen  sich  anrücken.  Er  liess 
sogleich  einen  Kanonenschuss  abfeuern,  in  der  Hoffnung,  den  General, 


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1700-1711. 


welchen  er  in  Jablonitz  vermuthen  musste,  von  seiner  Ankunft  zu 
avisiren;  als  dort  alles  still  blieb,  beschloss  er,  sich  bei  der  Ueber- 
macht  der  Feinde  und  seinem  Mangel  an  Munition  und  Lebensmitteln 
nach  Scharffenstein  zurückzuziehen,  welches  er  auch,  unter  fort- 
währenden Scharmützeln  um  4  Uhr  erreichte.  Hier  wurde  den 
äusserst  ermüdeten  Soldaten,  welche  nebstbei  zwei  Tage  kein  Brod 
erhalten  hatten,  eine  kurze  Rast  gegönnt,  dann  der  Marsch  bis 
Blasenstein  fortgesetzt,  und  am  20.  Mai  Auger  an  der  March  erreicht, 
ohne  vom  Feinde  weiter  verfolgt  worden  zu  sein. 

Diese  Aktion  wurde  später  Ursache  zu  einer  kriegsgerichtlichen 
Untersuchung,  aus  welcher  Obristlieutenant  Baron  Wachtendonk 
und  seine  Truppe,  welche  im  Gefechte  250  Mann  verloren  hatte,  so 
ehrenvoll  hervorging,  dass  Se.  Majestät  sich  bewogen  •  tänd,  den 
heldenmüthigen  Obristlieutenant  auszeichuungsweise  zum  übristen 
zu  ernennen. 

Das  Bataillon  vereinigte  sich  dann  wieder  mit  dem  Regiment 
in  Kaschau  und  blieb  hier  dieses  Jahr  als  Besatzung,  ohne  an  den 
stattgefuudeneu  weitereu  Kämpfen  Tlieil  zu  nehmen. 

Kaiser  Leopold  L  hatte  den  Insurgenten  noch  im  Früh- 
jahre Amnestie  angeboten ;  diese  trotzten  aber,  kühn  gemacht  durch 
einige  errungene  Vortheile  und  die  wiederholt  zugesicherte  franzö- 
sische Unterstützung.  Hierauf  vertrieb  sie  Heister  mit  deutschen, 
Pälffy  mit  ungarischen  Truppen  aus  den  Komitaten  am  rechten 
Donau-Ufer,  ging  dann  bei  Komorn  über  die  Donau  und  schlug 
das  Räkoczy'sche  Korps  am  14.  Juni  bei  Koroneso.  Dagegen 
musste  sich  Neuhäusel  am  15.  November  ergeben,  worauf  die  In- 
surgenten Leopoldstadt  belagerten,  aber  am  26.  Dezember  unweit 
Tyruau  von  Heister  der  Art  gesehlageu  wurden,  dass  sie  auch 
diese  Belagerung  aufgeben  mussten.  Heister  bezog  Winter- 
quartiere bei  Tyrnau;  Räkoczy  au  der  Waag  und  um  Erlau.  Die 
Stände  Siebenbürgens  hatten  Räkoczy  zu  ihrem  Fürsteu  erwählt, 
jedoch  die  meisten  festen  Plätze  hielt  F.-Z.-M.  Rabutin  mit 
kaiserlichen  Truppen  besetzt. 

Am  26.  April  passirtc  <las  Regiment  die  Musterung,  und 
errichtete  am  1.  Mai  aus  den  bei  jeder  Kompaguie  befindlichen 
acht  Grenadieren  die  erste  Grenadier  -  Kompagnie,  welcher  der 
Lieutenant  Byrr  als  Grenadier -Hauptmann  vorgestellt  wurde,  und 
wodurch  nun  das  Regiment  17  Kompagnien  formirte.  Denselben 


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Tag  wurde  Obristwachtmeister  Graf  Nesselrod  zum  Obristlieute- 
nant  beim  Regiment  Virmond  ernannt  und  seine  Kompagnie  dem 
Quartiermeister  Engelhard  von  Camellern  verliehen,  dagegen 
Wenzel  Nendek  zum  Quartiermeister  ernannt.  Hauptmann  Damian 
Casimir  Baron  Dalberg  wurde  vom  Regiments-Inhaber  zum  Obrist- 
wachtmeister  befördert. 

Am  5.  Mai  17U5  starb  Kaiser  Leopold  L  zu  Wien  im 
49.  Jahre  seiner  Regierung.  Nach  der  Vorschrift  der  damaligen 
Zeit  fonnirte  das  Regiment  einen  Ring  um  den  Christen,  welcher 
den  Tod  des  Monarchen  publizirte  und  eigenhändig  die  Trauerflore 
an  die  Fahnen  band.  Kaiser  Joseph  I.,  welcher  schon  1687  als 
ungarischer,  1090  als  römischer  König  gekrönt  worden,  bestieg  den 
Thron  seiner  Ahnen. 

Eude  September  wurde  Obristlieutenant  Baron  Wachten- 
donk als  wirklicher  Obrist,  Obristwachtmeister  Baron  Dalberg  als 
Obristlieutenant  und  Hauptmann  Moriz  Br.  M  ühleu  als  Obristwacht- 
meister dem  Regiment  vorgestellt.  Ueber  diese  Vorstellungen  der  neu 
Beförderten  bestand  nachstehende  Vorschrill.  Der  Obrist,  welchem 
ein  Regiment  von  Sr.  Majestät  verliehen  worden,  ward  durch 
einen  Oberkriegs  -  Koiuniissarius  vorgestellt,  wofür  ihm  der  Obrist 
100  Species  -  Dukaten  überantworten  und  für  seine  gehabte  Mühe 
ein  beliebiges  Präsent  zuzustellen  hatte.  In  der  Folge  geschah  diese 
Vorstellung  durch  den  kommaudireuden  oder  einen  hiezu  delegirten 
Generaleu.  Die  Gebühr  bestand  dann  für  den  Vorsteller  in  einem 
Reitpferd  sammt  allem  Zugehör,  für  den  Kommissarius  100  Speeies- 
Dukaten  und  für  das  Patent  an  den  Hofkriegsrath  450  H.  Dem 
Obristwachtmeister,  welcher  die  Vorstellung  der  Olliziere  vom  Haupt- 
mann abwärts  zu  vollziehen  hatte,  gebührte  jedesmal  von  dem  betref- 
fenden Offizier  ein  Paar  gute  Offiziers- Pistolen.  Dem  Oberolbzier, 
welcher  in  der  Zeit  avancirte,  als  das  Regiment  die  Parole  erhielt, 
überbrachte  der  Wachtmeister  Lieutenant  (Adjutant)  nach  seiner 
Vorstellung  abends  die  Parole  in  Person,  wofür  der  Beförderte  ihm 
einen  Dukaten  zu  übergeben  hatte. 

Eude  September  erhielt  das  Regiment  300  Mann  aus  Schlesien, 
wodurch  sich  der  Stab  und  die  17  Kompagnien  auf  voller  Kriegs- 
stärke befanden. 

Nach  der  vorhandenen  Liste  bestand  der  Stab  1705  aus:  Obrister 
und  Regiments  -  Inhaber  Franz  Ludwig,  Hoch-  und  Teutschmeister- 


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Obrist,  Reginients-Kommandant  Bertram  Anton  Freiherr  v.  Wachten- 
donk, Obristlieutenant  Damian  Kasimir  Freiherr  v.  Dalberg. 
Obristwachtmeister  Christof  Moriz  Freiherr  v.  Mflhlen.  Aggregirte 
Hauptleute  v.  Fortenburg,  Mathias  v.  Wallis,  Bittner,  Lieute- 
nant Franz  Wurff,  v.  Wagen  heim,  Mayer.  Quartiermeister 
Wenzel  Neudek,  Auditor  Kaspar  Rosa,  Kaplan  Benedikt  Char- 
m o i s eil e,  Wachtmeister  Lieutenant  Georg  L i  n k  a,  Proviantmeister 
Kaspar  Müller,  Wagenmeister  Hermann  Hubert,  Profoss  cum  suis 
Andreas  Steiner. 

Die  17  Kompagnien  hatten  folgende  Hauptleute:  Byrr,  von 
der  Mülben,  v.  Heistermann,  de  Graan,  Graf  Onelli, 
v.  Blumenkron,  Bohunsky,  Baron  Britschk e,  Wargotsch, 
v.  Behner,  v.  Lockstädt,  v.  Camellern,  v.  Mangen.  Die 
Leib-,  Obrist-,  Obristlieutenant-  und  Obristwachtmeister-Kompagnien 
kommandirten  Lieutenants,  deren  Namen  nicht  angeführt  sind. 

Ludwig  XIV.  nährte  auch  in  diesem  Jahre  die  Unruhen  in 
Ungarn  mit  Geld  und  Truppen,  wodurch  ein  Theil  der  kaiserlichen 
Truppen  hier  beschäftigt  wurden.  Im  Mai  1705  begann  Rakoczy 
mit  dem  Kaiser  zu  unterhandeln,  doch  die  Feindseligkeiten  währten 
fort.  Rakoczy  rückte  im  Sommer  mit  seiner  Hauptmacht  an 
die  Waag  vor,  und  wurde  am  12.  August  vom  Feldmarschall 
Graf  Herbeville  bei  Pudmeritz  und  Bibersburg  geschlagen. 
Trotzdem  drangen  seine  Reitcraehaaren  wiederholt  nach  Mähren  und 
plünderten  weite  Landstriche.  In  Siebenbürgen  erhielt  sich  noch 
immer  Rabutin,  zu  dessen  Unterstützung  Herbeville  Ende 
Oktober  über  Grosswardeiu  anrückte.  Zu  diesem  Unternehmen 
hatte  derselbe  alle  in  Ungarn  disponiblen  Truppen  versammelt 
und  auch  das  Regiment  aus  Kaachau  an  sich  gezogen.  Rakoczy 
und  Forgäcz  erwarteten  mit  23.836  Manu  den  Einbruch  der 
Kaiserlichen  in  einem  gut  verschanzten,  mit  zahlreichem  Geschütz 
versehenen  Lager  bei  Schibo. 

Am  11.  November  1705  gegen  Mittag  befahl  der  Feldmarschall 
den  Angriff  der  feindlichen  Linien.  Obrist  Wachtendonk,  dessen 
Kommando  ausser  dem  Regimente  nocli  drei  Bataillons  untergeordnet 
waren,  hatte  zur  Seite  des  Generals  Löwenburg  die  Mitte  der 
feindlichen  Verschanzungen  zu  forciren.  Seine  Truppen  mussten, 
bevor  sie  an  dieselben  gelangen  konnten,  einen  in  die  Samos  ein- 
fallenden Bach  im  feindlichen  Kanonenfeuer  bis  an  den  Gürtel 


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1700-1711 


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durchwaten ,  was  sie  nach  dem  Berichte  des  Feldmarschalls  in 
ungemein  kurzer  Zeit  bewerkstelligten.  Kaum  an  dem  jenseitigen 
Ufer  angelangt,  wurden  sie  von  einem  feindlichen  Korps  auf  das 
Hitzigste  angegriffen;  Wachtendonk  rückte  kühn  vor  und  hielt 
dasselbe  so  lange  auf,  bis  sich  alle  Bataillons  formirt  hatten.  Hierauf 
begann  er  den  Angriff,  unterstützt  durch  drei  Eskadrons  Löwenburg- 
Dragoner  im  Verein  mit  dem  General  Löwenburg  durch  ein 
heftiges  Feuer,  erstürmte  dann  im  unwiderstehlichen  Anlauf  die 
Brustwehren,  bemeisterte  sich  des  auswärtigen  Ketranchements  und 
brachte  den  weichenden  Rebellen,  welche  zuletzt  in  wilder  Flucht 
auseinanderstoben,  einen  namhaften  Verlust  bei. 

Bei  der  grossen  Erbitterung  der  Soldaten  gegen  die  Rebellen 
wurden  nur  wenige  Gefangene  gemacht,  dagegen  bedeckten  gegen 
4000  Tode  der  besten  ungarischen  und  französischen  Truppen 
Räkoczy's  die  Wahlstatt.  Erobert  wurden  50  Fahnen,  28  Kanonen, 
viele  Munitions-  und  Proviantwägen.  Der  Verlust  der  Kaiserlichen 
an  Todten  und  Verwundeten  betrug  450  Mann. 

Feldmarschall  Graf  Herbe  ville  rühmte  in  seinem  Bericht  an 
den  Kaiser  auf  das  Höchste  die  unvergleichliche  Tapferkeit  der 
Truppen  nach  den  vielen  Nöthen,  Fatiquen  und  Beschwerlichkeiten, 
denen  sie  durch  Mangel  an  Proviant,  forcirte  Märsche  in  übelster 
rauher  Witterung  bis  zur  Stunde  des  Angriffes  ausgesetzt  waren. 

Nach  Besetzung  mehrerer  fester  Plätze  bezogen  die  Truppen 
Winterquartiere,  nachdem  Ende  Oktober  zu  Tyrnau  der  Friedens- 
kongress  begonnen  hatte. 

Am  20.  März  1 706  wurde  der  Hauptmann  v.  Wildchan 
mit  73  Mann  von  einem  aufgelösten  Freikorps  dem  Regiment 
in  Zutheilung  gegeben.  An  demselben  Tage  starb  Hauptmann  von 
Blumenkron,  welcher  seit  Errichtung  des  Regiments  in  dem- 
selben diente. 

Bei  Sterbefällen  waren  folgende  Gebühren  festgestellt:  Wenn 
ein  Stabsoffizier  oder  Hauptmann  ab  intestato  starb,  so  war  der 
Obrist  der  Erbe:  von  den  Subaltern  -  Offizieren  und  von  der  Mann- 
schaft hatte  der  Hauptmann  die  Erbschaft  anzutreten.  Von  einem 
Obristen  gebührte  dieselbe  dem  General  unter  dessen  Kommando 
das  Regiment  stand.  Sonst  waren  folgende  Gebühren  üblich:  Vom 
Obristlieutenant  die  Partisane  nebst  100  Dukaten  oder  das  beste 
Reitpferd  dem  Obristen,  der  Stock  und  ein  Paar  Pistolen  dem 


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1700-1711. 


Obristwachtmeister,  der  Degen  den  Tambours;  vom  Obristwacht- 
meister, der  Degen  den  Tambours,  der  Stock  dem  Adjutanten,  ein 
Paar  Pistolen  dem  Obristlieutenant,  ein  Pferd  oder  100  Dukaten 
dem  Obristcn ;  vom  Hauptmann  der  Degen  den  Tambours,  der  Stock 
dem  Obristwachtmeister,  die  Partisane  dorn  Obristlieutenant.  dem 
Obristen  das  beste  Pferd  oder  100  Dukaten;  von  einem  Lieutenant 
ein  Paar  Pistolen  dem  Hauptmann,  die  Partisane  dem  Adjutanten, 
der  Stock  dem  Profossen,  der  Degen  den  Tambours ;  vom  Fähnrich 
ein  Paar  Pistolen  dem  Hauptmann,  die  Partisan»1  dem  Adjutanten, 
der  Stock  und  der  Degen  den  Tambours. 

Ende  April  170G  ist  Hauptmann  von  C  am  eil  er  n  mit  einem 
Transport  von  300  nieder-österreichischen  Rekruten  beim  Regiment 
eingerückt,  und  wurde  das  Regiment  in  drei  Bataillons  formirt. 

Am  8.  Mai  1706  wurde  Wail'enstillstand  geschlossen.  Das  von 
Räkoczy  vorgelegte  Friedensprojekt  enthielt  jedoch  so  unannehm- 
bare Bedingungen,  dass  es  verworfen  wurde,  in  Folge  dessen  er  den 
Stillstand  aufsagte,  und  im  August  Gran  eroberte,  welches  aber 
Starhemberg  am  0.  Oktober  wieder  nahm.  Rabutin  brach  mit 
seinem  Korps,  dabei  das  Regiment,  aus  Siebenbürgen  auf,  um  sich 
mit  Starhemberg  zu  vereinigen,  konnte  jedoch  am  1.  Oktober 
Kaschau  nicht  angreifen,  daher  jene  Vereinigung  nicht  gelang.  Er 
marschirte  hierauf  nach  Tokay  und  Debrezin,  dann  nach  Ofen.  Das 
Regiment  rückte  nach  Pressburg  und  sendete  von  hier  die  Haupt- 
leute  Mfilben,  Graan  und  Onclli  mit  108  Kommandirten  zur 
Uebernahme  der  Rekruten  nach  Mähren. 

Hauptmann  Heistermann  war  am  20.  September  gestorben. 

Im  Monat  April  1707  rückte  Hauptmann  0  n  e  1 1  i  mit  108  mäh- 
rischen, am  1.  Mai  die  Hauptleute  Mülben  und  Graan  mit  648 
schlesischen  Rekruten  beim  Regimente  ein. 

Französische  Emissäre  hatten  im  Winter  1706  auf  1707  nach 
Kräften  das  Feuer  der  Empörung  geschürt.  Als  aber  Räkoczy 
von  Frankreich  Hilfo  verlangte,  erhielt  er  keine.  Rabutin  wurde 
wieder  nach  Siebenbürgen  gesendet,  während  Starhemberg  mit 
einem  kaiserlichen  Korps,  bei  welchem  sich  das  Regiment  befand, 
Oesterreich  und  Johann  Pälffy  mit  einem  anderen  Steiermark 
deckten. 

Im  Monat  November  ist  der  beim  Regiment  zugetheilte  Obrist- 
wachtmeister von  Wildchan  gestorben. 


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1700-1711. 


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F.-Z.-M.  und  Banns  von  Croaticn,  Johann  Graf  Pälffy, 
sendete  am  20.  Dezember  den  Hauptmann  G  r  a  a  n  als  Kourier  an 
den  Prinzen  Eugen,  um  ihm  die  äusserste  Xoth  der  in  Ungarn 
stehenden  Tnippen  zu  bekräftigen. 

1.  Mai  1708  wurde  das  ganze  Regiment  in  Pressburg  kon- 
zentrirt.  Am  22.  desselben  Monats  geruhte  Se.  Majestät  den  Obristen 
Freiherrn  von  Wachtendonk  zum  General  -  Feldwachtmeister, 
dagegen  den  Obristlieutenant  Damian  Kasimir  Freiherrn  v.  Dalberg 
zum  Obrist-Regimonts-Kommandanten,  und  den  Hauptmann  Johann 
Graf  0  n  e  1 1  i  zum  Obristlieutenant  im  Regiment  zu  ernennen. 
Wachtendonk  erhielt  am  14.  März  1710  das  vakante  Infanterie- 
Regiment  Kriesbaum  und  nahm  am  17.  Oktober  1714  das  an  Oester- 
reich abgetretene  Herzogthum  Luxemburg  im  Namen  des  Kaisers 
in  Besitz. 

Das  Regiment  war  im  Jahre  1708  im  Armee  -  Korps  des 
General  Siegbert  Heister,  und  kämpfte  am  4.  August  in  der 
Schlacht  bei  Trentschin,  in  welcher  die  Konftderirten  geschlagen 
wurdeu,  wobei  das  Regiment  einige  Mannschaft  verlor;  dann  bei  der 
Belagerung  von  Neutra,  welches  sich  am  25.  August  ergab.  Hierauf 
erhielt  es  die  Eintheilung  in  das  Korps  des  F.-Z.-M.  Graf  Pälffy 
und  wurde  bei  der  Blokade  von  Neuhäusel  verwendet. 

Hauptmann  von  Lockstädt  ubernahm  im  August  auf  den 
Sammelplätzen  Troppau  und  Schweidnitz  GOO  Rekruten,  welche  der 
Kriegs  -  Kommissär  Baron  St  ei  nbach  am  3.  Oktober  musterte, 
worauf  sie  sich  zum  Regiment  in  Marsch  setzten.  Ende  Oktober 
war  Hauptmann  Graan  verstorben,  und  wurde  in  seine  Stelle  der 
vom  Regiment  Virmond  hertransferirtc  Hauptmann  Baron  Schiefer 
dieser  Kompagnie  vorgestellt. 

Nachdem  bei  Eintritt*,  der  strengen  Jahreszeit  die  Blokirung 
von  Neuhäuscl  aufgehoben  wurde,  bezog  das  Regiment  die  Winter- 
quartiere mit  dem  Stab  der  Grenadier-  und  vier  Musketier  -  Kom- 
pagnien in  Gross -Tapolczän,  1  Lieutenant  mit  30  Mann  in  Nagy- 
Ugarosz,  drei  Kompagnien  in  Lcopoldstadt,  zwei  Kompagnien  in 
Sellin  und  eine  Kompagnie  in  Wol. 

Jene  Kompagnie,  welche  in  Wrol  die  Winterquartiere  mit 
zwei  Eskadronen  Savoyen  -  Dragoner  bezogen  hatte ,  wurde  am 
14.  Jänner  1709,  Nachmittags  4  Uhr,  von  einem  3000  Mann 
starken  Rebellenhaufen  überfallen.  Die  Ueberraschten,  unfähig  dieser 


32 


1700-1711. 


Uebermacht  zu  widerstehen,  zogen  sich  in  ein  kleines,  an  das  Dorf 
angrenzendes  Gehölze  zurück,  wo  sie  sofort  angegriffen  wurden.  Die 
Braven  hielten  sich  aber  so  tapfer,  dass  sie  nicht  nur  alle  Angriffe 
durch  ihr  mörderisches  Feuer  abschlugen,  sondern  sogar  den  Feind 
zwangen  mit  einem  Verlust  von  30  Todten,  12  Gefangenen  und 
gegen  100  Verwundeten  abzuziehen,  worauf  er  das  Dorf  in  Brand 
steckte.  Der  Verlust  dieser  wackeren  Abtheilung  bestand  in  7  Todten, 
9  Verwundeten  und  38  Pferden.  Diese  AfTaire  ist  aus  einem  Schreiben 
des  Kapitän  Moriz  von  Savoyen  an  seinen  Oheim  den  Prinzen 
Eugen  entnommen. 

In  demselben  Monat  rückten  140  Mann  Teutschraeister  und 
120  Stainville  zur  Belagerung  des  Schlosses  Arva. 

Vom  Jänner  1709  cxistirt  die  erste  Offiziers  -  Eintheilungsliste. 
Laut  derselben  bestand  das  Offiziers -Korps: 

Stab.  Obrister  quatalis  und  Regiments-Inhaber  Franz  Ludwig,  Herzog 
in  Bayern,  Hoch-  und  Teutsehmeister. 

Obrister,  Regiments- Kommandant  Damian  Kasimir  Freih.  v.  Dalberg. 

Obristlieutenant  Johann  Graf  Onelli. 

Obristwaehtmeistcr  Christof  Moriz  Freiherr  von  Mühlen. 

Aggregirter  Hauptmann  von  Fortenburg. 

Lieutenant  von  Wagen  he  im. 

Quartiermeister  Paul  Rinhardt. 

Auditor  und  Sekretarius  Oktavianus  Lanius. 

Kaplan  Benedikt  Charmoiselle. 

Wachtmeister-Lieutenant  Franz  Karl  von  Hetzel. 

Proviantmeister  Johann  Ernst  Hey  mann. 

Wagenmeister  Christof  Simon. 

Profoss  cum  suis  Andreas  Steiner. 

Haubtlenthe  Mathias  v.  Byrr.  Michael  v.  Scrling,  Nikolaus  Schmidt, 
Filipp  Sturcb,  Job.  Zutraffer,  Albrocht  v.  d.  Mülben,  Ant.  Bohunzky 
von  Iczedmo,  Johann  Bar.  Britschkc,  Balthasar  v.  Vargo tiefe,  Emst 
v.  B  ö  h  n  e  n,  Johann  v.  L  o  c  k  s  t  ä  1 1,  Franz  Freib.  Schiefer,  Engelhard  v. 
C  a  m  e  1 1  e  r  n,  Franz  Bar.  Gr  1  ob 1 t 1,  Bruno  d'E  1  z  i  n  s,  Wilhelm  v.  Hey  d- 
hausen,  Johann  v.  T I eh a  nie r. 

Lieutenants  Job.  v.  Nischemeischel,  Fabian  v.  d.  Mülben.  Karl 
Hühner,  Wenzel  Neu  d  o  k,  Christof  D  u  b  i  g  n  o  n,  Franz  D  o  1 1,  Johann 
Meyer,  Wilhelm  de  P  o  n  t  i,  Ignaz  Trapp,  Anton  v.  C  a  m  e  1 1  e  r  n,  Franz 
Wurf  f,  Karl  Schirbusch,  Wilhelm  Freih.  v.  L  e  s  t  w  i  t  z. 

Fähndrichs  Johann  Schönbach,  Hieronymus  Graf  Arzio,  Maximilian 
v.  Logau,  Franz  Baron  v.  Henk,  Stefan  v.  Oraszky,  Anton  Megitsch  von 
Münzberg,  Mathias  v.  Heydhausen,  Georg  Linka,  Johann  Kerl  ich, 
Hermann  H  übers,  Johann  de  Troyto,  Georg  v.  Baum  garten,  Johann 
v.  Kroppatsoh,  Ignaz  v.  Lohr,  Joh.  Ritter  v.  Freudenfeld,  Karl  Freih. 
v.  Lestwitz,  KaBpar  de  Gardi. 


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1700-1711. 


33 


Anfangs  Mai  1709  rückten  sechs  Kompagnien  nach  Pressburg, 
zwei  blieben  in  Leopoldstadt,  neun  marschirten  wieder  zur  Belagerung 
von  Neuhäusel,  wo  sie  bis  zur  Aufhebung  verblieben  und  dann  zu 
Vadkert  und  Konkurrenz  Postirungen  bezogen. 

F. -M.  Graf  Heister  hatte  im  August  Sflmegh  und  Simon- 
tornya,  im  September  Vesprim  erobert.  Nur  die  im  Lande  verbreitete 
Pest,  welche  zahlreiche  Opfer  hinraffte,  hinderte  die  Fortschritte  der 
Kaiserlichen. 

Am  1,  November  1709  wurde  auf  Allerhöchsten  Befehl  die 
zweite  Grenadier  -  Kompagnie  errichtet,  und  hiezu  die  Kompagnie 
des  Hauptmann  vonTschamer,  welche, die  schönsten  Leute  hatte, 
ausgewählt. 

Die  Grenadiere  waren  mit  Flinten  bewaffnet  und  hatten  eine 
grosse  Ledertasche  zum  Tragen  der  Granaten;  diese  waren  von 
Glas  oder  Eisen  und  wurden  auf  kurze  Distanzen,  vorzüglich  bei 
Erstürmung  von  Festungen,  mit  der  Hand  geworfen.  Die  Grena- 
diere trugen  Bärenmntzen  und  auf  ein  martialisches  Aussehen  wurde 
bei  dieser  Elite -Truppe  viel  gehalten.  „Ein  Grenadier  mn.ss  nicht 
.weibisch  aussehen,  sondern  furchtbar,  von  schwarzbraunem  An- 
.gesicht,  schwarzen  Haaren,  mit  einem  starken  Knebelbart,  nicht 
, leicht  lachen  oder  freundlich  thun." 

Im  Jahre  1710  sollte  die  schon  durch  mehrere  Hauptschläge 
und  den  Verlust  bedeutender  fester  Plätze  vielfach  gebrochene  Macht 
der  Konföderirten  vollends  gebeugt  werden.  Am  22.  Jänner  stiess 
General  Freiherr  von  Sickingen  mit  nur  2500  Mann,  unter  welchen 
sich  die  nenn  Kompagnien  des  Regiments  befanden,  zwischen  Vad- 
kert und  Bombay  auf  das  Hauptheer,  welches  Rakoczy  und  Karoly 
persönlich  anführten,  und  sprengte  dasselbe  gänzlich  auseinander. 
An  demselben  Tage  fiel  Leutschan,  im  Juli  Zips,  am  4.  September 
üjvär;  der  Feldmarschall  Graf  Johann  Palffy  blokirte  Neuhäusel. 
Da  diese  Blokade  ans  Unzulänglichkeit  der  hiezu  bestimmten  Truppen 
zu  keinem  Ende  fflhrte,  so  entschloss  sich  Feldmarschall  Graf 
Heister,  dieselbe  in  eine  förmliche  Belagerung  unter  seiner  persön- 
lichen Leitung  zu  verwandeln,  zu  welchem  Ende  er  das  nöthige 
Geschütz  und  Fuhrwesen  von  Ofen,  Raab,  Komorn  und  Pressburg 
nebst  aller  aufzubringen  möglichen  Infanterie  von  den  Regimentern 
Heister,  Hasslinger  und  Teutschmeister  gegen  die  Festung  in  Maisch 
setzte. 

3 


34 


1700-1711. 


Am  9.  September  wurden  die  Traneheen  eröffnet,  und  am 
14.  Früh  begannen  13  halbe  Karthaunen  aus  zwei  Batterien  auf 
die  Bastionen  Leopold  und  Maria  ihr  Feuer.  Am  17.  wollte  man 
die  Parallelen  eröffnen,  aber  die  Konföderirten  Hessen  es  nicht  auf 
das  Aeusserste  kommen,  sondern  schlössen  eine  Kapitulation  ab, 
kraft  welcher  sie  am  24.  September  den  kaiserlichen  Truppen  die 
Thore  öffneten,  sie  selbst  frei  abzogen  und  dazu  ein  Geschenk  von 
20.000  0.  erhielten. 

In  die  eroberte  Festung  wurden  unter  dem  Kommando  des 
Obristen  Graf  Zinzendorf  fünf  Kompagnien  Tentschmeister  mit 
der  Grenadier  -  Kompagnie  als  Besatzung  verlegt.  Die  Truppen 
bezogen  unter  dem  G.  d.  K.  Marchese  Cnsani  in  einem  Lager  von 
Poloma,  gegen  Raho,  Kima-  Szomhäth,  Hätvrtn,  Jaszberen,  Kecz- 
kemet  und  den  Städten  der  Kumanen.  die  Winterquartiere. 

Nach  dem  bald  erfolgten  Falle  von  Szolnrtk,  Bartfeld,  Erlau 
und  Eperies  verliess  der  grösste  Theil  des  Adels  den  Usurpator  und 
die  meisten  Truppen  gingen  zu  den  Kaiserlichen  über.  Graf  Johann 
Pälffy  übernahm  statt  Feldmarschall  Graf  Heister  den  Oberbefehl 
und  umschloss  Kaschau  durch  die  eigenen  Winterquartiere. 

Die  Lieutenants  Jakob  Zutraffer,  Nikolaus  Schmidt  und 
Fähnrich  Georg  Linka  waren  im  Jahre  1710  gestorben.  Fähnrich 
Mathias  von  Heydhausen  wurde  am  20.  Oktober  erstochen. 

Ende  des  Jahres  war  der  Stab  und  2  Kompagnien  in  Doczay, 
3  Kompagnien  in  Pressburg,  3  in  Neuhäusel,  3  in  Tyrnau,  2  in 
Leopoldstadt,  1  in  Modern,  1  in  Pösiug  und  2  in  Oknot. 

Räkoczy  flüchtete  im  Febniar  1711  aus  Ungarn  nach  Polen; 
die  Konföderirten  übergaben  nun  die  noch  von  ihnen  besetzten 
Festen  und  am  27.  April  Kaschau.  Pälffy  bezwang  im  Juni 
Unghvär  und  Munkäts  und  vernichtete  die  sogenannte  schwedische, 
aus  Ueberläufern  aller  Nationen  zusammengeworbene  Legion.  Am 
30.  April  zog  Käroly  in  der  Ebene  von  Maiteny  die  ganze  Reiterei 
der  ungarischen  Konföderirten  zusammen,  eine  lange  IJnie  wurde 
gebildet  und  nun  traten  die  Träger  von  149  Standarten  mit  sämmt- 
lichen  Offizieren  in  einem  weiten  Kreise  um  ihn.  Mit  lauter  Stimme 
schworen  sie  dem  Kaiser  den  Huldigungseid  und  kehrten  dann  ruhig 
in  ihre  Heimatsorte  zurück.  Am  1.  Mai  wurde  die  Friedensurkunde 
zu  Szäthmär  unterzeichnet,  womit  die  Hydra  eines  verderblichen 
inneren  Krieges  ihr  Ende  fand. 


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1700-1711. 


35 


Kaiser  Joseph  I.  war  am  17.  April  1711  nach  kurzer  Krank- 
heit zu  Wien,  erst  33  Jahre  alt,  verschieden.  Die  Kaiserin  Mutter 
Eleonore  Qhernahm  bis  zum  Eintreffen  ihres  Sohnes  Karl  III., 
welcher  in  Spanien  weilte,  die  Regierung,  und  sämmtliche  Truppen 
wurden  auf  Befehl  des  Prinzen  Eugen  von  Savoyen  für  König 
Karl  in  Eid  und  Pflicht  genommen. 

Ende  April  1711  war  der  würdige  Regiments-Kaplan  Benedikt 
Charmoiselle  gestorben,  welcher  seit  der  Errichtung,  mithin 
durch  IG  Jahre,  dessen  Freud  und  Leid  getheilt  hatte.  Der  Kaplan 
war  nicht  gut  besoldet,  hatte  aber  mehrere  NebengebQhren,  wodurch 
es  ihm  ermöglicht  wurde,  die  Kapelle  zu  erhalten.  Wer  nach  Ostern 
noch  nicht  die  Beichte  abgelegt  hatte,  wurde  durch  Abzug,  der 
Offizier  mit  einer  Monatsgage,  die  Mannschaft  mit  einer  wöchent- 
lichen Löhnung,  gestraft.  Auch  die  Marketender,  welche  während 
dem  Gottesdienste  Wein  schenkten  oder  Spielleute  hielten,  mussten 
einen  Reichsthaler ;  Offiziere,  welche  Frauenspersonen  unter  dem  Vor- 
wände  einer  Köchin  hielten,  nach  Verhältniss  ihres  Vermögens  eine 
Strafe  an  die  Kapelle  bezahlen.  Von  diesen  Geldern  musste  alles  ftir 
dieselbe  bestritten  werden;  der  Ueberrest  gehörte  zum  Theil  dem 
Kaplan  und  ein  Theil  den  Kranken  im  Spital.  Fflr  das  Begräbniss 
eines  Soldaten  gebührten  ihm  2  fl.,  für  die  Kopulation  1  fl.  30  kr., 
für  das  Begräbniss  eines  Offiziers  eine  Diskretion;  endlich  für  die 
Beichtzetteln  von  jedem  Mann  jährlich  ein  Groschen. 

Im  Laufe  des  Jahres  1711  sind  Kapitänlieutenant  Albert 
Dubignon,  Lieutenant  Wilhelm  de  Ponti  und  v.  Wagenheim 
gestorben. 

Das  Regiment  traf  für  den  Winter  1711  auf  1712  folgende 
Dislokations  -  Veränderungen :  7  Kompagnien  kamen  nach  Huszt- 
Kövär  und  andere  Ortschaften  bis  Szäthmär;  die  übrigen  Kompagnien 
rückten  nach  Kalo,  Eczet  und  Szäthmär. 


3* 


30 


1 712-1 7*9. 


Karl  III.  folgte  seinem  kinderlosen  Bruder  Joseph  I.  in  der 
Herrschaft  fiber  die  österreichischen  Länder.  Die  deutschen  Kur- 
fürsten erwählton  ihn  in  Frankfurt  am  12.  Oktober  1711  zum 
römischen  König  und  künftigen  Kniser.  Karl  hatte  Katalonien  Ende 
September  verlassen,  landete  hei  Genua  und  reiste  durch  Italien  und 
Tirol  nach  Frankfurt,  wo  er  am  22.  Dezember  als  Karl  VI.  ge- 
krönt wurde. 

Der  spanische  Sueccssionskrieg  hatte  trotz  Eugens  herrlichen 
Siegen  noch  kein  Ende  gefunden.  Am  29.  Jänner  1712  wurde  der 
Kongress  zu  Utrecht  eröffnet,  auf  welchem  Bevollmächtigte  aller 
Alliirten  erschienen :  aber  die  Feindseligkeiten  wurden  fortgesetzt.  In 
den  Niederlanden  befehligte  Prinz  Eugeu  von  Savoyen  die  kaiser- 
lichen und  holländischen,  Herzog  von  Ormond  die  englischen 
Truppen.  Da  England  nun  eine  andere  Politik  betrieb,  hatten  seine 
Truppen  Befehl  unthätig  zu  bleiben. 

Das  Regiment  erhielt  im  Frühjahr  1712  den  Befehl  nach  den 
Niederlanden  zu  marschiren,  verliess  daher  Ungarn,  in  welchem  es 
sich  seit  seiner  Errichtung  durch  16  Jahre  thatenvoll  bewegt  hatte, 
und  überschritt  die  Donau  bei  Kehlheira  am  5.  Mai.  Die  Schiffe  für 
das  Regiment  befanden  sich  zu  Markbreit,  wo  es  am  20.  einbarquirt 
wurde  und  auf  dem  Main  und  Rhein  bis  Weiss  im  Kölnischen  fuhr. 
Vou  hier  marschirte  dasselbe  bis  Beissel,  vor  dessen  Thoren  es 
Fahnenweihe  hielt.  Gegen  Ende  Mai  marschirten  zwei  Bataillone 
nach  Ribacourt,  das  dritte  nach  Möns  in  Garnison.  Nach  drei  Wochen 
vereinigte  sich  dasselbe  wieder  und  rückte  in  das  Feldlager  vor 
Quesnoi. 

Nach  der  Eintheilungsliste  bestand  das  Offizierskorps  aus: 

Obrist  -  Inhaber  Kranz  Ludwig,  Herzog  in  Bayern,   Hoch-  und 
Teut6chmeister. 

* 

Obrister  Freiherr  von  Dalberg. 
Obristlieutenant  Graf  On eil i. 
Obristwachtmeister  Freiherr  von  Mühlen. 
Äggregirter  Hauptmann  Jenico  de  Bellieu. 
Quartiermeister  Franz  Weber. 


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1712-1732. 


37 


Auditor  Laniue. 
Kaplan  Sigmund  de  Gaudy. 
Wachtmeister-Lieutenant  Georg  Bayer. 
Proviantmeister  Johann  Uli  rieb. 
Wagenmeister  Kaspar  Gabriel. 
Profoss  Johann  Piek. 

Grenadier -Haubtlenthe  Fortunatus  Br.  Heydorf,  Mathias  v.  Wallis. 

Grenadier -Lieutenants  W.  Frfiii.  v.  Lostwitz,  Anton  v.  Gropper. 

Grenadier -Fähndrichs  Anton  Mühgitsch,  Elias  Kfiss. 

Haubtlenthe  Franz  Wurff,  Job.  Schleicher.  Christian  Jung.  Paul 
Beinhardt.  Albrecht  Br.  v.  d.  Mülben,  Heinr.  v.  Byrr,  Ernst  v.  Bohnen, 
Adrian  v.  Lockstätt.  Fianz  Br.  Schiefer,  Engelhard  v.  Cainel lern,  Franz 
Br.  Globitz,  Bruno  d'Elzius,  Wilhelm  von  Heydhausen,  Christof  von 
Tschamer,  Balthasar  Nischemeise hcl. 

Lieutenants  Sebastian  v.  d.  Mülben,  Kaspar  de  Gardi,  Wilhelm  Dott, 
Jon.  Mayer,  Anton  v.  Bauingarten,  Ignaz  Trapp,  Ph.  Gr.  Korgoscho- 
witz,  Franz  v.  Hetzcl,  Karl  Schirbusch,  Hermann  Hfibcrs,  Joh  Zahn. 

Fähndrichs  Silvius  v.  Billing,  Jakob  v.  Wilsdorff,  Karl  Senner, 
Peter  v.  Putkammer,  Philipp  v.  Jaschwitz,  Gottfried  Burgkcller,  Karl 
Pantolvini,  Ludwig  v.  Schnekenhofen,  Joh.  v.  Hoohenfeld,  Wenzel 
v.  Kroppatsch.  Ignaz  Kren,  Gottlieb  Br.  v.  Schwarzenau,  Karl  Freth. 
v.  Lest witz,  Martin  v.  Klehm,  Johann  Herneker. 

Der  Stand  des  Regiments  ist  ausgewiesen  mit:  17  Feldwobels,  16  Führer, 
15  Musterschreiber,  15  Feldscherer,  98  Korporals,  64  Spielleute,  64  Fourir- 
sebtitzen,  180  Gefreite.  1230  Gemeine,  zusammen  1768  Mann;  daher  ein 
Abgang  vom  completen  Stand  532  Mann. 

Prinz  Eugen  unternahm,  damit  die  Armee  nicht  unthätig 
verweile,  die  Belagerung  von  Quesnoi  und  befahl  eine  allgemeine 
Vorrückung  der  Armee.  30  Bataillons,  darunter  das  Leib -Bataillon 
Teutschmeister  und  20  Eskadrons  erschienen  am  8.  Juni  vor  der 
Festung  und  eröffneten  am  18.  abends  die  Trancheen.  Die  Leitung 
der  Belagerung  führte  der  holländische  General  Fagel. 

Während  nun  diese  ihren  Gang  ging,  hatte  England  mit  Frank- 
reich Friedensunterhandlungen  angeknüpft,  auf  welche  letzteres  mit 
der  Bedingung  einging,  dass  die  in  Englands  Solde  stehenden  Preussen, 
Holländer,  Dänen,  Sachsen  und  Hessen  sich  nicht  der  Armee  des 
Kaisers  anschliessen,  sondern  den  Kriegsschauplatz  verlassen.  Dieses 
gingen  nun  die  betreffenden  Fürsten  nicht  ein,  ebensowenig  deren 
Generale,  welche  rund  erklärten,  dass  sie  „nieht  des  Geldes,  sondern 
der  Ehre  halber  dienen.' 

Eugen  betrieb  die  Belagerung  von  Quesnoi  mit  aller  Kraft ;  in 
der  Nacht  vom  27.  auf  den  28.  Juni  befanden  sich  die  Belagerer 
nur  noch  15  Schritte  von  den  Pallisadeu  und  im  Stande  Bresche 


1712-1732. 


zu  schiessen.  Am  1.  Juli  wurde  in  einem  allgemeinen  Sturm, 
den  auch  das  Leib -Bataillon  mitmachte,  die  Contre-Escarpe  und 
der  bedeckte  Weg  genommen.  Obgleich  der  Feind  zwei  Minen 
sprengen  Hess,  drangen  doch  die  Belagerer  mit  wahrer  Todes- 
verachtung vor.  Muthig  klommen  die  Soldaten  über  die  PalHsaden, 
machten  viele  Feinde  nieder  und  setzten  sich  in  den  eroberten 
Werken  fest.  Am  Morgen  des  3.  Juli  sprengte  der  Feind  eine  neue 
Mine,  welche  viele  Angreifer  tödtete.  Das  Leib  -  Bataillon,  welches 
sich  bei  diesem  Sturme  ausserordentlich  tapfer  benahm,  hatte  den 
Wagenmeister  Bartholomäus  Kumer,  5  Unteroffiziers,  G  Gefreite 
und  33  Gemeine  verloren. 

Am  3.  Juli  mittags  begehrte  die  Besatzung  gegen  Bewilligung 
freien  Abzuges  zu  kapituliren,  was  nicht  zugestanden  wurde,  und 
so  ergab  sie  sich  am  4.  Juli  kriegsgefangen.  General  -  Lieutenant 
Marechal  de  champ  Labadie  Damas,  3  Brigadiere,  5  Oberste, 
333  Offiziere  und  2507  Soldaten  sammt  einem  Dragoner- Regiment 
wurden  in  die  Gefangenschaft  nach  Holland  abgesendet. 

Am  Morgen  des  16.  Juli  wurde  beim  englischen  Heere  der 
Waffenstillstand  verkündet  und  traten  die  im  englischen  Solde 
gestandenen  Truppen  der  Preussen,  Hanoverancr,  Sachsen  und  Dänen, 
ja  auch  viele  englische  Offiziere  in  die  Reihen  der  kaiserlichen  Armee. 
Das  englische  Heer  marschirte  bis  Gent  und  Brügge,  und  setzte 
sich  dort  fest,  da  Frankreich  den  Waffenstillstand  nicht  anerkannte, 
weil  die  Hauptbedingung  nicht  erfüllt  war. 

Eugen  setzte  seine  Ollensivbewegungen  fort,  und  Hess  am 
17.  Juli  Landrecy  zerniren,  während  er  selbst  eine  Stellung  bei 
Denain  nahm,  um  die  Belagerung  zu  decken.  Das  Obristen- 
Bataillou  mit  der  Hauptmann  H  e  y  d  o  r  ff  Grenadier -Kompagnie 
waren  bei  den  Truppen  vor  Landrecy,  die  übrigen  beim  Prinzen 
Eugen.  Der  französische  Marschall  Villars  rückte  mit  überlegenen 
Streitkräften  heran;  es  kam  bei  Denain  am  25.  Juli  zur  Schlacht 
und  der  Graf  v.  Albcmarte,  welcher  hier  die  Kaiserlichen  kom- 
mandirte,  wurde  geschlagen,  wodurch  Eugen  genöthigt  war,  die 
Belagerung  von  Landrecy  aufzuheben. 

Der  Verlust  der  beiden  Bataillons  Teutschmeister  in  dieser 
Schlacht  war  bedeutend,  er  betrug  an  Todten:  Die  Lieutenants 
Wenzel  Neudek  und  Philipp  Storch,  Fähurich  Christof  von 
Sterzing;  an  Gefangenen:  Obrist- Lieutenant  Graf  Onelli,  Haupt- 


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1712-1782. 


39 


leute  Böhnen,  Lockstätt,  Nischemeisehel,  d'Elzius,  Wallis, 
Kapitänlieutenant  Wurf  f.  Fähnrich  Kroppatsch.  Von  der  Mann- 
schaft todt  und  verraisst:  3  Feldwebels,  1  Führer,  4  Musterschreiber, 
1  Feldscherer,  17  Korporals,  13  Tambours,  8  Fourierschützen, 
29  Gefreite  und  2G2  Gemeine:  an  Verwundeten:  1  Hauptmann, 
1  Lieutenant,  1  Fähnrich,  1  Feldschercr,  3  Korporals,  1  Tambour, 
1  Gefreiter,  1  Fourirschütz,  28  Gemeine. 

Zur  Formirung  uud  Ergänzung  des  durch  diesen  grossen  Ver- 
lust sehr  zerrütteten  Regiments  wurde  dasselbe  nach  Lille  und  dann 
einige  Wochen  später  nach  Brüssel  in  Garnison  verlegt  und  ihm 
mittelst  Reparation  vom  6.  November  1712,  1000  Rekruten  aus 
Oberösterreich  zugewiesen.  Das  übristlieutenant  Bataillon  und  die 
Wallis'sche  Grenadier  -  Kompagnie  marschirten  nach  Ingolstadt 
in  -Baiern. 

Das  unglückliche  Treffen  bei  Denain  hatte  den  Fall  der 
Festungen  Douai  am  8.  September,  le  Quesnoi  am  4.  und  Bouchain 
am  19.  Oktober  zur  Folge,  welche  die  Franzosen  im  ungehemmten 
Siegeslauf  eroberten  und  damit  den  Feldzug  1712  beschlossen. 

Im  Laufe  dieses  Jahres  sind  die  Hauptleute  Wenzel  Bohunsky, 
Sigmund  v.  Vargotsuh  und  Fähnrich  Baron  Absen  atz  gestorben. 

Am  31.  Jänner  1713  starb  der  Obristwachtmeister  Christof 
Moriz  Freiherr  v.  Mühlen;  in  seine  Stelle  wurde  mit  1.  Februar 
der  Hauptmann  Albrecht  Freiherr  von  der  Mülben  zum  Obrist- 
wachtmeister befördert  und  der  Hauptmann  Franz  Baron  R  e  i  n  n  a  c  h 
bei  dessen  Kompagnie  vorgestellt. 

Im  April  marschirte  der  Stab,  die  beiden  Bataillons  und  die 
Heydorf-  Grenadier  Kompagnie  aus  den  Niederlanden  an  den  Rhein 
langten  am  19.  in  Wiesbaden  an,  passirten  am  21.  bei  Kostheim  den 
Rhein  und  marschirten  in  das  Lager  bei  Gernsheim,  wo  die  1000  Re- 
kruten einrückten,  von  welchen  450  Mann  dem  Bataillon  in  Ingol- 
stadt zugesendet  wurden. 

Die  Räumung  der  Niederlande  geschah,  weil  England  am 
11.  April  1713  zu  Utrecht  mit  Frankreich  einen  Separat  -  Frieden 
abgeschlossen  hatte,  und  in  Folge  dessen  den  Kriegsschauplatz  ver- 
lie8s.  Die  dort  gestandenen  Kaiserlichen  vereinigten  sich  am  Rhein 
mit  der  Reichsarmee. 

Im  Laufe  des  Sommers  wurde  der  Stab  mit  den  beiden  Ba- 
taillons aus  dem  Lager  bei  Gernsheim,  dem  Korps  des  G.  d.  K. 


40 


1712-1782. 


Marquis  de  Vaubanne  einverleibt,  bei  dem  dieselben  nach  der  Ordre 
de  bataille  im  ersten  Treffen  unter  den  Befehlen  des  F.-M.-Lt.  Baron 
Sickingen  und  des  General  -  Feld  Wachtmeisters  Grafen  Daun  zu 
stehen  kamen.  Im  September  rückte  das  Regiment  nach  Philippsburg 
und  dann  nach  Rothweil.  Der  Feind  belagerte  Freiburg,  bei  dessen 
Verth  ei  digung  sich  F.-M.-Lt.  Baron  Harsch  unsterblichen  Ruhm 
erwarb.  Nach  dem  Falle  dieser  Festung  wurden  Ende  November  die 
Friedensunterhandlungen  vom  Prinzen  Eugen  und  Marschall  Villa rs 
in  Rastadt  wieder  begonnen  und  gleichzeitig  erhielten  die  Truppen 
den  Befehl  die  Winterquartiere  zu  beziehen.  Die  beiden  Bataillons 
des  Regiments  wurden  nach  Achen  und  Henningen  verlegt,  während 
das  Obristlieutcnant  -  Bataillon  in  Ingolstadt  verblieb. 

In  diesem  Jahre  war  der  Regiments  -  Kaplan  Sigmund  de 
Gaudi  gestorben. 

Arn  0.  März  1714  wurden  in  Rastadt  die  Friedens-Präliminarien 
und  zu  Baden  im  Aargau  am  7.  September  der  Schlusstraktat 
unterzeichnet.  Frankreich  gab  an  den  Kaiser  Alt -Breisach  und 
Freiburg,  Kehl  an  das  deutsche  Reich  zurück.  Von  dem  spanischen 
Erbe  erhielt  das  Haus  Oesterreich  die  spanischen  Niederlande, 
dann  Mailand,  Sardinien,  Neapel,  die  Häfen  und  Plätze  an  der 
toskanischen  Küste.  Dadurch  hatte  ein  langjähriger  blutiger  Krieg 
ein  Ende,  der  dem  ganzen  Westen  Europas  unsägliche  Drangsale 
bereitet  hatte. 

Im  September  wurde  das  ganze  Regiment  iu  Achen  konzentrirt, 
wohin  auch  das  Obristlieutcnant- Bataillon  von  Ingolstadt  einrückte. 

Mit  Beginn  des  Jahres  1715  marschirte  das  Regiment  in  die 
Niederlande  und  erhielt  seine  Garnisonen  im  Luxemburgischen,  bis 
die  Festung  Luxemburg  übergeben  wurde,  worauf  dasselbe  als  Garni- 
son einzog.  Im  Februar  1710  marschirte  das  Regiment  nach  Brüssel 
und  blieb  hier  nur  kurze  Zeit  in  Garnison;  dann  wurde  der  Stab 
mit  dem  Leib  -  Bataillon  nach  Ruremond,  das  Obristlieutenant  -  Ba- 
taillon nach  Ath,  das  Obristwaehtraoister-Bataillon  nach  Möns  verlegt. 

Hauptmann  Adrian  von  Lockstätt  war  am  31.  Jänner  1710 
zum  Regiment  Greiner  als  Obristlieutenant  transferirt  worden. 

Den  Obristcn  Regiments  -  Kommandanten  Damian  Kasimir 
Freiherrn  von  Dalberg,  welcher  seit  dem  Friedensschlüsse  in 
den  Niederlanden  als  Volontär  dem  Türkenkrieg  beiwohnte,  geruhte 
Se.  Majestät  mit  28.  Februar  1717  zum  General-Feldwachtmeister, 


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1715-1732. 


41 


den  Obristlieutenant  Johann  Graf  0  n  e  1 1  i  zum  Obristen  und 
Regiments-Kommandanten,  den  Obristwachtmeister  Albrecht  Freiherr 
von  der  M  ü  1  b  e  n  zum  Obristlieutenant  und  den  Hauptmann  Franz 
Freih.  v.  Globitz  zum  Obristwachtmeister  im  Regiment  zu  ernennen. 

Im  Jahre  1718  musste  das  Regiment  wegen  dem  in  Brüssel 
ausgebrochenen  Aufruhr  in  Eilmärschen  dorthin  marschiren,  und 
kampirte  den  ganzen  Sommer  im  dortigen  Thiergarten.  Im  Herbst 
erfolgte  dann  dessen  Bequartierung  bei  den  Bürgern. 

In  diesem  Jahre  sind  die  Lieutenants  Paul  Reinhardt 
und  Karl  Schirbusch  gestorben. 

Während  des  Aufenthaltes  des  Regimentes  in  den  Niederlanden 
hatten  sich  in  Ungarn  grosse  Dinge  zugetragen.  Die  Türken  hatten 
den  Karlowilzer  Frieden  verletzt  und  1715  den  Venezianern  Morea 
entrissen.  Der  Kaiser  schloss  daher  am  13.  April  1716  mit  der 
Republik  Venedig  ein  off-  und  defensives  Bündniss,  und  im  Sommer 
kündigte  ihm  die  ottomanische  Pforte  in  ihrem  Uebermuthe  selbst 
den  Krieg  an.  Der  Grossvezier  drang  im  Juli  in  Ungarn  ein.  wurde 
jedoch  am  5.  August  von  Prinz  Eugen  bei  Peterwardein  auf  das 
Haupt  geschlagen.  Zu  Ende  dieses  Monats  Hess  Eugen  die  Belagerung 
von  Temesvar  beginnen.  Der  zum  Entsätze  nahende  Seraskier 
wurde  am  23.  September  von  dem  Prinzen  geschlagen,  und  die 
Festung  ergab  sich  am  14.  Oktober.  Noch  früher  waren  die  Festungen 
Gradiska  und  Dubitza  erobert  worden,  später  Pancsova  und  Uj- 
Palanka. 

Am  29.  Juni  1717  begann  Eugen  die  Belagerung  von  Belgrad. 
Der  Grossvezier  nahte  zum  Entsatz,  schloss  mit  seiner  weit  über- 
.legenen  Macht  das  kaiserliche  Belagerangsheer  von  allen  Seiten  ein, 
wurde  aber  am  10.  August  von  Eugen  total  geschlagen.  Am  18. 
kapitulirte  Belgrad,  ebenso  fielen  Semendria,  Sabacz  und  Orsowa. 
Am  21.  Juli  1718  wurde  der  Friede  von  Passarowitz  unterzeichnet. 
Oesterreich  behielt  das  Temesvar«  r  Banat,  die  kleine  Walachei, 
Belgrad  und  den  Theil  Serbiens  bis  an  den  Timok  und  die  Drina, 
Bosnien  bis  an  die  Unna. 

Im  Frühjahre  1719  marschirte  das  Regiment  nach  Gent  in 
Flandern,  blieb  aber  hier  nur  kurze  Zeit;  da  in  Mecheln  eine 
Revolte  ausgebrochen  war,  so  wurde  dasselbe  dorthin  verlegt.  Haupt- 
mann Bruno  d'Elzius  und  Fähnrich  Jean  von  Camelleru  sind 
in  diesem  Jahre  gestorben. 


42 


1712-1782. 


Im  Jahre  1720  rückten  der  Stab  und  zwei  Bataillons  wieder 
nach  Brüssel,  das  dritte  nach  Antwerpen  —  im  Sommer  der  Stab 
mit  einem  Bataillon  nach  Gent,  die  beiden  übrigen  nach  Brügge. 
Von  dem  reduzirten  Regiment  Königseck  wurde  Hauptmann  Ernst 
Zadubsky  von  Schönthal,  Lieutenant  Johann  Fellner  von 
Feldek,  und  Fähnrich  Franz  von  St  e gen  fei  d  beim  Regiment 
aggregirt. 

1721  blieb  das  Regiment  in  den  obbenannten  Garnisonen,  und 
erhielt  vom  aufgelösten  Regiment  Lucini  den  Hauptmann  Theodosius 
Labhardt  und  Lieutenant  Bartholomäus  Braun  aggregirt ;  Lieute- 
nant Georg  Zahn  war  gestorben.  Im  Frühjahre  1722  marschirten 
der  Stab  und  die  zwei  Bataillone  von  Gent  nach  Brüssel,  das  dritte 
aber  nach  Ostende,  das  Regiment  hatte  einen  Abgang  von  253  Mann. 
Das  Handgeld  betrug  6  Pistolen  (5C  H.  70  kr.  ö.  W.).  Es  entstand  eine 
grosse  Noth  mit  der  Auszahlung  der  Gagen  und  Löhnungen.  Die 
Offiziere  aller  Regimenter  lebten  8  Monate  ohne  ihre  Gagen;  das 
Regiment  hatte  auf  seine  Wiutergebühr  von  60.085  ti.  16  kr.  eine 
Forderung  von  26.548  ti.  26  kr.,  ausser  der  Gebühr  für  Mai 
und  Juni. 

Obristlieutenant  Albrecht  Freiherr  von  der  Mülben  starb  am 
11.  Mai  1724  zu  Brüssel,  in  seine  Stelle  avancirte  der  Obristwacht- 
meister  Franz  Baron  Globitz  zum  Obristlieutenant  und  Hauptmann 
Ernst  Regislaus  von  Bühnen  zum  Obristwachtmeister.  Auch  sind 
in  diesem  Jahre  die  Hauptleute  Wilhelm  Dott,  Anton  v.  Groper 
und  Lieutenant  Karl  von  Hetzel  gestorben. 

Im  Jahre  1725  wurde  in  Möns  das  Infanterie  -  Regiment 
Boneval  aufgelöst,  in  Folge  dessen  das  ganze  Regiment  mit  seinen 
drei  Bataillons  diese  Garnison  bezog,  und  von  dem  aufgelösten 
Regiment  den  Obristeu  Petrus  Ludwig  de  la  Tour,  die  Hauptleute 
Mathias  Helo,  Joachim  von  Petersill,  Karl  Graf  Sonn  au,  die 
Lieutenants  Petrus  de  Rineloty,  Adam  D irb aum,  GrafSugano, 
und  die  Fähnrichs  Graf  Nostiz,  Anton  Baron  Haxhausen, 
Baron  von  Schmcrtzing,  Dittrich  von  Schön  borg  als  aggregirt 
erhielt.  Hauptmann  Mathias  von  Wallis  und  Regiments  -  Feldscherer 
Balthasar  Steger  sind  in  diesem  Jahre  gestorben. 

Im  Jahre  1727  marschirte  Obristlieutenant  Baron  Globitz 
mit  seinem  Bataillon  nach  Ostende,  blieb  dort  bis  Ende  des  Jahres 
und  rückte  dann  wieder  beim  Regiment  in  Möns  ein.  Grenadier- 


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1712-1732. 


43 


Hauptmann  Alexander  Baron  Seh  ade  wurde  mit  Verleihung  des 
Obristlieutenants-  Titels  am  30.  Oktober  zum  Kommandanten  des 
Forts  Montre"  ernannt.  Hauptmann  Belieu  quittirte  und  wurde 
seine  Kompagnie  dem  aggregirten  Obristen  de  la  Tour  verliehen. 
Jeder  aggregirte  Stabs-  und  Ober  -  Offizier  stand  so  lange  auf 
Halbsold,  ja  nach  Umstanden  auch  ohne  Sold,  bis  ihm  eine  erledigte 
Kompagnie  übergeben  werden  konnte.  Im  Jahre  1728  marschirte 
der  Stab  mit  zwei  Bataillons  nach  Brüssel;  das  Obristlieutenant- 
Bataillon  nach  Dendermond.  Hauptmann  Franz  Baron  Schiefer 
starb  in  Brüssel. 

Der  Stab  und  die  beiden  in  Brüssel  gelegenen  Bataillone 
marschirten  im  Mai  1730  nach  Antwerpen  und  bezogen  dort  die 
Citadelle,  das  Obristlieutenant  -  Bataillon  rückte  von  Dendermond 
nach  Charleroi.  In  beiden  Garnisonen  besichtigte  im  Jahre  1731 
Se.  kön.  Hoheit  Herzog  Franz  von  Lothringen  die  Bataillone 
des  Regiments,  und  Hess  dieselben  mehrere  Evolutionen  im  Feuer 
ausführen ,  wobei  in  Brüssel  ein  so  arger  Hegen  niederströmte,  dass 
nicht  ein  Gewehr  losging.  Trotzdem  harrte  der  Herzog  bis  zum 
Schlüsse  aus,  und  geruhte  dem  Regiment  seine  volle  Zufriedenheit 
auszusprechen. 

Nachdem  das  Regiment  IG  Jahre  ununterbrochen  in  den  Nieder- 
landen gestanden,  erhielt  dasselbe  im  Dezember  1731  den  Befehl, 
in  die  Erblande  zurückzumarschiren,  setzte  sich  am  14.  und  15.  De- 
zember von  Brüssel  und  Charleroi  in  Marsch,  durchzog  das  heilige 
Römisch-Deutsche  Reich,  überschritt  bei  Köln  den  Rhein,  und  rückte 
über  Böhmen  nach  Mähren  und  Schlesien,  wo  es  im  März  Schweidnitz 
erreichte.  Hier  blieb  der  Stab,  die  Hauptmann  Logau  Grenadier- 
Kompagnie  kam  nach  Freyberg ,  Leib  -  Kompagnie  nach  Paloka, 
Obrist  Graf  Onelli  Kompagnie  nach  Reichenbach,  Obrist  de  la  Tour 
Kompagnie  nach  Leobschütz ,  Obristwachtmeister  Bühnen  Kom- 
pagnie nach  Neustadt,  Hauptmann  Wurff  nach  Ohlau,  Macdon  eil 
nach  Rcithen,  Lestwitz  nach  Strehlen,  Hübers  nach  Sorau, 
Graf  Sehelart  nach  Frankensteiu ,  von  Greiffenberg  nach 
Wegstadt  in  Schlesien,  Hauptmann  Baron  Schwarzenau  Grena- 
dier-Kompagnie nach  Iglau,  Obristlieutenant  Baron  Globitz  mit 
seiner  Kompagnie  nach  Brünn,  Baron  Heydcnfels  nach  Olmütz, 
Trapp  nach  Neustadt,  Baumgarten  nach  Baja,  Korgoschowitz 
nach  Znaim  in  Mähren. 


44 


1712-1782. 


Am  18.  April  1732  starb  zu  Breslau  der  Obrist- Inhaber  und 
Errichter  des  Regiments, 

Franz  Ludwig, 
Administrator  des  Hochmeisterthums  in  Preussen,  Meister  Teutsehen 
Ordens  in  teutsehen  und  wälschen  Landen,  postulirter  Bischof  zu 
Worms,  Probst  und  Herr  zu  Ellwangen.  Bischof  zu  Breslau,  Pfalz- 
graf in  Baiern,  zu  Jülich,  Kleve  und  Berg  Herzog,  Graf  zu  Veldenz, 
Sponheim,  der  Mark  Kavensburg  und  Mörs,  Herr  zu  Ravenstein, 
Freudenthal  und  Eulenberg,  der  Röm :  Kaisl:  Majestät  Obrister 

Hauptmann  des  Herzogthums  Ober-  und  Nieder-Schlesien, 
Obrister  Inhaber  eines  Regiments  zu  Fuss. 

Am  18.  Juli  1664  geboren,  wurde  er  für  den  geistlichen 
Stand  erzogen  und  erhielt  auch  nachfolgende  geistliche  Worden: 
30.  Juli  1683  Bischof  von  Breslau,  8.  Juni  1694  die  fürstliche  Würde 
eines  Probstes  zu  Ellwaugen,  12.  Juli  das  Bisthum  Worms  und  an 
demselben  Tage  erwählte  ihn,  nachdem  er  sich  den  Tag  früher  zu 
Mergentheim  in  den  deutschen  Orden  einkleiden  liess,  das  Ordens- 
Kapitel  zum  Hoch-  und  Teutschmeister. 

Am  4.  November  1710  wurde  er  Koadjutor  des  Erzstiftes  Mainz, 
20.  Februar  1716  Kurfürst  von  Trier,  7.  April  1729  Kurfürst  von 
Mainz.  Die  ihm  vom  Kaiser  anvertraute  Stelle  eines  obersten  Haupt- 
manns in  Schlesien,  welche  er  33  Jahre  inne  hatte,  legte  er  1716 
als  Kurfüret  von  Trier  nieder. 

Er  liegt  in  der  Johanneskirche  zu  Breslau  in  der  Kapelle 
St.  Sacramenti  begraben.  Seine  Wirksamkeit  als  Hoch-  und  Teutsch- 
meister war  in  der  That  stauuenswerth  und  er  wird  als  einer  der 
Reformatoren  des  deutschen  Ordens  bezeichnet. 

Als  die  Armee  statt  den  Gewehren  mit  Luntenschlössern  jene 
mit  französischen  Schlössern  erhielt,  bewaffnete  er  das  ganze  Regi- 
ment auf  seine  Kosten  mit  diesen  Gewehren,  auch  spendete  er 
grosse  Summen  für  die  Werbung  und  erhielt  dadurch  immer  das 
Regiment  auf  dem  kompleten  Stand. 

Gegen  Ende  Mai  wurde  aus  dem  ganzen  Regiment  ein  Bataillon 
zusammengesetzt,  welches  nebst  den  beiden  Grenadier- Kompagnien 
unter  Kommando  des  Obristlieutenant  Baron  G  1  o  b  i  t  z  nach  Linz 
marschirte  und  dort  gelegentlich  der  Huldigungsfeier  vor  Sr.  Majestät 
Kaiser  Karl  VI.  paradirte ;  nach  beendeter  Feierlichkeit  rückte 
dasselbe  wieder  beim  Regiment  ein. 


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1730. 


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Grenadier  und  Musketier  von 
Hoch-und  Deutschmeister. 


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1733-1735. 


45 


Den  20.  Augnst  1732  wurde  auf  Allerhöchsten  Befehl  der  Kur- 
fürst von  Köln,  Klemens  August  Herzog  zu  Baiern,  Hoch-  und 
Tentschmeister,  dem  Regiment  als  Ohrist- Inhaber  vorgestellt. 

Im  Sommer  erhielt  das  Regiment  einige  Mannschaft  von  dem 
aufgelösten  Regiment  Wilczek  und  die  Hauptleute  Leopold  Graf 
Maitz  an,  Konstantin  v.  Schmidauer,  Jean  de  Hall,  Lieute- 
nants Hermann  v.  Pels,  Baron  Hielhofen,  Karl  v.  Lindner, 
Fähnrich  Wilhelm  v.  Rattenhausen  aggregirt. 

Hauptmann  Philipp  («raf  Korgoschowitz  ist  in  diesem 
Jahre  gestorben. 


Am  1.  Februar  1733  starb  König  August  Tl.  von  Polen. 
Sein  Sohn,  der  sächsische  Kurffirst  August  III.,  und  der  ehemalige 
Regent  Polens,  Stanislaus  Leszinsky,  bewarben  sich  um 
den  erledigten  Thron.  Den  Letzteren  unterstützte  sein  Schwieger- 
sohn, der  französische  König  Ludwig  XV.,  den  Ersteren  hingegen 
begünstigte  der  Kaiser  und  Russland.  Die  Kaiserin  Anna  vertrieb 
den  Stanislaus  aus  Polen,  während  ein  österreichisches  Korps 
an  die  Grenze  dieses  Landes  rückte. 

Zu  diesem  Korps  erhielt  auch  das  Regiment  seine  Eintheilung, 
verliess  am  12.  Mai  1733  seine  Garnisonen  und  marschirte  in  das 
Feldlager  bei  Oppeln,  wo  dasselbe  bis  15.  Juli  verblieb.  Von  hier 
erhielt  das  Regiment  den  Befehl  in  das  Feldlager  bei  Gross-Glogau 
zu  marschiren,  erhielt  aber  auf  dem  Marsche  bei  Breslau  die 
Weisung  umzukehren  und  nach  Pilsen  zu  rücken. 

Unter  Oesterreichs  und  Russlands  gewaltigem  Schutze  war 
August  m.  zum  König  von  Polen  erwählt  worden,  worauf  Lud- 
wig XV.  am  10.  Oktober,  Sardinien  am  14.  Oktober  und  der  König 
von  Spanien  am  7.  Dezember  dem  Kaiser  den  Krieg  erklären  liess. 
Zwei  Tage  nach  der  Kriegserklärung  überschritten  die  Franzosen 
am  12.  Oktober  den  Rhein,  eroberten  am  28.  Kehl  und  besetzten 
Lothringen. 


40 


1788-173.-». 


Oesterreich  hatte  ein  Heer  unter  dem  Herzog  von  Braun- 
sen weig-Bevem  zusammengestellt,  von  welchem  sich  ein  Theil 
in  der  Starke  von  17  Bataillons  und  sieben  Reiter -Regimentern  bei 
Pilsen  sammelte.  Hierher  marschirte  nun  das  Regiment  am  10.  August 
von  Breslau,  nachdem  es  sieben  Tage  auf  seine  auf  der  Oder 
transportirte  Bagage  gewartet  hatte  und  nickte  am  8.  September 
im  Lager  bei  Pilsen  ein.  Den  21.  und  22.  Oktober  brach  es  von 
hier  wieder  auf,  marschirte  durch  Baiern  und  Württemberg  und 
bezog  die  Kantonnirung  bei  Ettlingen,  wo  es  das  ganze  Jahr  verblieb, 
da  der  Herzog  an  Truppen  viel  zu  schwach  war,  um  gegen  die 
Franzosen  etwas  zu  unternehmen.  Ausser  einigen  kleinen  Streifnngen 
gegen  den  Feind,  an  welchen  sich  auch  Abtheilungen  des  Regimentes 
betheiligten,  fiel  nichts  von  Bedeutung  vor. 

Am  15.  Dezember  1 733  war  der  Obrist  -  Wachtmeister  Ernst 
von  Bühnen  gestorben,  und  an  seine  Stelle  der  Hauptmann  Josef 
Fortunatus  Baron  von  Heydorff  als  Obrist  -  Wachtmeister  vor- 
gestellt worden.  Auch  starben  in  diesem  Jahre  Hauptmann  Tgnaz 
Trapp  und  Peter  Wolfgang  von  Groiffenberg. 

Am  20.  Februar  1734  brach  das  Regiment  von  Ettlingen  auf 
und  marschirte  nber  Tirol  nach  Italien,  wo  es  am  2.  April  Mori 
erreichte.  Wahrend  dem  Marsche  wurde  Obristlieutenant  Baron 
Globitz  nach  Schlesien  geschickt,  um  das  in  der  Errichtung  be- 
findliche vierte  Bataillon  zu  nbernehmen  und  auf  den  Kriegsschau- 
platz zu  bringen.  Am  letzten  Februar  erhielten  der  Obrist-Regiraents- 
Kommandant  Johann  Graf  0  n  e  1 1  i  und  der  aggregirte  Obrist  Peter 
de  La  Tour  die  Beförderungen  zu  General  -  Feldwachtmeisters, 
Obristwachtmeister  Baron  Heydorff  fibernahm  das  Regiments- 
Kommando.  Hauptmann  Baron  Spies  von  Levingstein  -  Infanterie 
avancirte  mit  demselben  Tage  zum  Obristwachtmeister  im  Regiment 

Am  7.  April  marschirte  das  Regiment  nach  Mantua  und 
bezog  bei  der  Festung  das  Lager.  Der  mit  1.  Marz  vom  Obrist- 
lieutenant zum  Obrist  -  Regiments  -  Kommandanten  beförderte  Baron 
Globitz  erreichte  mit  dem  neu  errichteten  vierten  Bataillon  zu 
fünf  Kompagnien  Mori,  hielt  hier  Fahnenweihe,  worauf  dieses 
Bataillon  als  Garnison  nach  Mantua  marschirte.  Obrist  Baron 
Globitz  übernahm  hier  vom  Obristlieutenant  Baron  Heydorff, 
welcher  ebenfalls  am  1.  März  hiezu  befördert  worden,  das  Regi- 
ments -  Kommando. 


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173.1-1735. 


47 


Nach  der  Kriegserklärung  im  Jahre  1733  hatte  der  König 
von  Sardinien,  in  Verhindnng  mit  einem  französischen  Korps  unter 
Marschall  Villars,  seine  Truppen  in  die  Lomhardic  gefuhrt  und 
eroberte  in  dem  Winterfeldzuge  1733  auf  1734  Pizzighettone,  die 
Castelle  von  Mailand.  Novara,  Tortona,  die  Schlösser  von  Cremona 
und  Seravalle,  und  die  Festen  Arona,  Trezzo,  Lecco  und  Fuentes. 
Die  Kaiserlichen  hatten  sich  auf  Mantna  znrflckgezogen,  und  sich 
mit  ihnen,  wie  oben  geschildert,  das  Regiment  vereinigt. 

Nach  der  Offiziers -Fiintheilungsliste  bestand  das  Offiziers  -  Korps 
im  Jahre  1734  aus: 

Obrister  Regiments-fnliaUr  Damen*  Augast,  Herzog  von  Baiern, 
Hoch-  und  Deutschmeister. 

Obrister  Rcgiments-Kominandant  Franz  Baron  Globitz. 

Obristlicntcnant  Josef  Baron  Heydorff. 

Obristwacblmeister  Baron  Spies, 

Lieutenant  (Jnartiermeister  Karl  Knöffel. 

Auditor  Heinrich  Kohl. 

Kaplan  Anton  Hütt  er. 

Wachtmeister-Lieutenant  Franz  Schreyer 

Feldscheror  Jakob  Kays  er. 

Proviantmeister  Augustin  Leuth  ner. 

Wagemut    .  r  Bernhardt  Brauner. 

Profoss  mit  10  Knechten  Michael  Werner. 

Grenadier-Haubtlcnthc  Alexander  v.  Logau,  Oottl.  Br.  Schwarzenau. 

Grenadier-Lientcnnnts  Friedrich  Avelins.  Christof  Wo  1  ff. 

(irenailier-Fiibndriclis  lieorg  Stnk,  Leopold  v.  Gasten  au. 

HauMIcutlie  Karl  Br.  L c s  t  w  i  t  z,  Engenins  Gr.  0  n  c  1 1  i,  Franz  Wurff, 
Franz  de  M  a  c  d  o  n  e  1 1,  Willi.  Br.  L  e  s  t  w  i  t  z,  Hermann  H  A  b  ©  r  s,  Wilhelm 
Gr.  Sehelart.  Leopold  Cr.  M  a  1 1  z  a  n.  Konst.  v.  Schmidtner,  Anton 
v.  B  a  u  in  g  a  r  t  c  n,  Job.  Feiner  v.  F  e  I  d  e  k,  Franz  de  H  a  a  1,  Louis  Doxat 
de  L  a  Motte.  Karl  Br.  L  e  s  t  w  i  t  z,  Rudolf  Br.  W  e  r  t  c  n  s  t  e  i  n,  Gr.  Oy  e n- 
hausen.  Philipp  Messner. 

Lieutenants  Christian  Jung,  Bartholomaus  Brann,  Gottf.  Bn rgk el  1  er, 
Pankratius  Brinkmann.  Jakob  B  a  1  d  a  u  f ,  Johann  8  c  h  1  i  c  Ii  e  r.  Hermann 
v.  Beck,  Joh.  v.  Schm  erzenhofen,  Johanu  Senner,  Jakob  Br.  Wilsdorf, 
Rudolf  v.  Schneckenhof  f.  Mathias  H  ervay,  Adolf  v.  8  o  h  ä  f  e  r,  Sylvester 
E 1  v  e  n  i  c  h,  Baron  Hill  h  o  f  e  n,  Baron  S  e  h  a  d  e,  Philipp  Br.  Bibra,  Karl 
v.  L  i  n  d  n  e  r. 

Fähndrichs  Balthasar  Schäfer,  Johann  Br.  Sourma,  Jodocus  Geiscn, 
Johann  1 1 1  n  c  r,  Edmund  Br.  Horst,  Silvius  v.  U  1 1  m  a  n  n,  Johann  Br. 
Meichsner,  Wilh.  v.  Kaltenhausen,  Nikolaus  W  o  1  f  f ,  Karl  v.  Hör  He, 
Josef  Br.  Metzenhausen,  Friedrich  t.  C  o  c  o  e  s  y,  Heinrich  v.  Höchen- 
hausen,  Jakob  de  Gamanston,  Ernst  v.  Höchberg,  Br.  Satzenhoffen, 
Max  Br.  Litzelbarg,  Max  Br.  Lambfritz,  Alexander  Gr.  Aliardy, 
Peter  Mayer. 


48 


I7S8-17S5. 


Laut  Ordre  de  bataille  vom  23.  April  1734  befand  sich  das 
Regiment,  3000  Mann  stark,  in  der  Armee  unter  General  F.-Z.-M. 
Prinz  Ludwig  von  Württemberg,  und  zwar:  Zwei  Bataillons 
und  zwei  Grenadier -Kompagnien  im  ersten  Treffen,  linker  Flflgel, 
in  der  Division  F.-M.-Lt.  Graf  Lanthieri,  Brigade  General-Feld- 
wachtmeister Prinz  Sachsen-Hildburgshausen:  ein  Ba- 
taillon im  zweiten  Treffen,  linker  Flflgel,  in  der  Division  F.-M.-Lt. 
Baron  Czeyka,  Brigade  General  -  Feldwachtmeister  Graf  Franz 
Palffy;  in  der  Reserve  -  Brigade  General  -Feldwachtmeister  Baron 
Fürstenbus  eh  das  vierte  Bataillon.  Die  kaiserliche  Armee  betrug 
61.050,  jene  der  Gegner  70.000  Mann. 

Am  24.  April  traf  der  F. -M.  Graf  Mercy  bei  der  Armee  in 
Mantua  ein,  und  begann  sogleich  die  Anstalten,  um  mit  dem  Heere 
über  den  Po  zu  setzen.  Mit  grauendem  Morgen  des  1.  Mai  1734 
rückte  der  General-Quarticrmeister,  Obristlieutenant  von  G  ram lieh, 
mit  den  Fouriers  aller  Regimenter  aus  Mantua,  um  für  die  Armee 
bei  S.  Nikola  und  S.  Giacomo  die  Stellung  aufzusuchen.  F.-M.  Graf 
Mercy  und  F.-Z.-M.  Prinz  Württemberg  folgten  mit  sämmt- 
lichen  Truppen  und  marschirten  bis  zum  Abend  am  Po  auf.  So  wie 
es  dunkel  wurde,  schiffte  sich  der  General  Ligneville  mit 
20  Grenadier  -  Kompagnien,  dabei  die  beiden  des  Regiments,  ein, 
landete,  ohne  vom  Feinde  bemerkt  zu  werden,  am  rechten  Ufer, 
und  stellte  sogleich  die  Grenadiere  im  Quarree  auf. 

Die  Pontons  wurden  nun  in  das  Wasser  gelassen,  und  um 
drei  Uhr  Morgens  des  2.  Mai  waren  beide  Schiffbrücken  vollendet, 
worauf  die  Armee  hinüber  defilirte  und  sich  jenseits  des  Flusses 
aufstellte.  Durch  diesen  Uebergang  war  die  auf  einer  langen  Linie 
vertheilte  französisch -sardinische  Armee  überrascht,  durchbrochen 
und  getrennt.  Der  König  von  Sardinien  traf  unverweilt  Gegen- 
anstalten, um  den  Folgen  dieser  kühnen  Unternehmung  der  Oester- 
reicher zu  begegnen,  indem  er  zwei  Brigaden  nach  Quastalla  rücken 
licss,  welche  längs  dem  Crostelo  mit  mehreren  nachgeschickten 
Regimentern  ein  Lager  bezogen. 

Am  3.  Mai  rückte  der  kaiserliche  Vortrab  links  nach  S.  Bene- 
detto.  Bei  dessen  Ankunft  räumte  der  Feind  diesen  Ort  und  verliess 
nach  und  nach  auch  den  ganzen  Po  bis  bei  Stellata;  alles  retirirte 
auf  die  Kunde  des  österreichischen  Ueberganges  nach  Parma  und 
Hess  Lebensmittel,   Munition  und   Bagage  zurück.   Die  kaiser- 


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1733  1735. 


49 


liehe  Armee  bezog  abends  Stellung  bei  S.  Benedetto.  Backöfen 
wurden  in  diesem  Orte  erbaut  und  der  Proviant  auf  dem  Po  zu- 
geführt. In  diesem  Lager  stand  das  Regiment  mit  drei  Bataillons  im 
zweiten  Treffen. 

Der  König  von  Sardinien  hatte  den  Plan  entworfen,  eine  Unter- 
nehmung gegen  die  österreichischen  Schiffbrücken  zu  wagen,  um 
der  kaiserlichen  Armee  ihre  Verbindung  mit  Mantua  abzuschneiden. 
Schon  war  er  bis  Curtatone,  Montanara  und  Borgoforte  mit  drei 
Kolonnen  angerückt  und  hatte  selbe  bei  letzterem  Orte  vereinigt, 
als  der  Feldmarschall  rasch  mit  zwei  Brigaden  und  zehn  Grenadier- 
Kompagnien,  dabei  die  beiden  des  Regiments,  von  S.  Benedetto  auf- 
brach und  Qber  den  Po  bei  S.  Giacomo  ging.  Als  der  König  so 
seinen,  auf  Ueberraschuug  gebauten  Plan  vereitelt  sah,  gab  er  die 
Unternehmung  auf  und  zog  sich  bei  Gazzoldo  über  den  Oglio;  auch 
der  Feldmarschall  kehrte  noch  am  5.  Mai  mit  den  genannten  Truppen 
wieder  in  das  Lager  bei  S.  Benedetto  zurück.  An  diesem  Tage  ver- 
liess  die  feindliche  Hauptmacht  ihr  Lager  hinter  der  Enza  und  zog 
sich  nach  Colorno  hinter  die  Parma  zurück.  Am  G.  Mai  verbreitete  sich 
das  Gerficht,  daas  die  ganze  feindliche  Macht  sich  gegen  den  Oglio 
vereinige,  daher  wurde  noch  in  der  Nacht  das  zweite  Treffen,  dabei 
das  Regiment  und  die  siimmtlichen  Grenadiere,  über  den  Po  geschickt 
und  die  Dispositionen  ausgegeben ,  den  Feind  anzugreifen.  Aber 
am  7.  überzeugte  man  sich  von  der  Grundlosigkeit  dieser  Nachricht, 
da  der  Feind  sich  bereits  gänzlich  über  den  Oglio  zurückgezogen 
hatte,  und  zog  das  zweite  Treffen  wieder  in  das  Lager  zurück. 

Am  8.  Mai  verliess  der  Feind  seine  Stellung  bei  Colorno, 
ging  bei  Sacca  über  den  Po  und  bezog  dort  das  Lager.  Ein 
feindliches  Korps  stand  bei  Bozzolo,  wo  der  König  sein  Haupt- 
quartier nahm.  An  demselben  Tage  übersetzte  die  kaiserliche  Armee 
die  Brücke  von  S.  Giacomo  nach  Govcrnolo,  um  die  Verbindung  mit 
Mantua  zu  erleichtern.  F.-M.  Graf  Mercy  erkrankte  so  schwer, 
dass  er  die  Armee  verlassen  musste.  F.-Z.-M.  Prinz  Württem- 
berg übernahm  wieder  das  Kommando  der  Armee. 

Die  folgenden  Tage  wurden  mit  der  Sicherstellung  der  Be- 
dürfnisse der  kaiserlichen  Armee  zugebracht,  Brückenköpfe  bei  den 
Brücken  angelegt  und  mit  Geschütz  armirt. 

Am  17.  Mai  marschirte  der  Feldzeugmeister  mit  der  Armee 
vorwärts  und  bezog  das  neue  Lager  mit  dem  linken  Flügel  gegen 

4 


50 


1783  1735 


Pegogna,  mit  dem  rechten  gegen  Camatto.  Am  18.  wurde  der  Marsch 
nach  Luzzara  fortgesetzt  und  am  19.  Mai  nach  Quastalla  gerückt. 
Nach  achtmonatlicher  unerhörter  Trockenheit  fiel  jetzt  ein  paar 
Tage  hindurch  starker  Rogen,  durch  den  die  Flüsse  bedeutend  an- 
schwollen. Am  22.  war  das  schwere  Geschütz  in  S.  Benedetto 
angelangt,  und  der  dort  zurückgebliebene  General  Berlichingen 
brachte  dasselbe  zur  Armee.  Am  23.  rückte  die  Armee  über  den 
Crostolo  in  das  Lager  bei  Bresello  und  rekognoszirte  am  nächsten 
Tage  die  Enza,  um  zwei  Schiffbrücken  zu  schlagen.  Am  25.  wurden 
die  Brücken  gesi  hlagen,  von  der  Armee  überschritten  und  am  2G. 
Iiis  Sorbole  marschirt.  Von  hier  aus  unternahmen  unsere  Huszaren 
Rekognoszirungen  nach  Colorno,  drangen  kämpfend  in  die  Stadt  und 
brachten  die  Meldung,  dass  diese  und  das  Schloss  Parma  vom 
Feinde  besetzt  sei,  worauf  die  kaiserliche  Armee  vorwärts  gegen 
Frassonara  das  Lager  bezog. 

F.-Z.-M.  Prinz  Württemberg  unternahm  am  31.  Mai  eine 
starke  Rekognoszirung  gegen  Colorno  und  befahl  für  den  1.  Juni 
den  Angriff  gegen  diese  Stadt.  Die  hiezu  befehligten  Truppen,  unter 
welchen  sich  nur  die  Grenadiere  des  Regiments  befanden,  rückten 
nach  Mitternacht  am  1.  Juni  in  grösster  Stille  gegen  Colorno  vor. 
Die  französischen  Regimenter  Auvergne  und  Dauphin  unter  Oberst 
Marquis  Contades  bildeten  die  Besatzung  und  waren  in  Be- 
reitschaft. 

Die  Oesterreicher  begannen  den  Angriff  mit  grosser  Lebhaitig- 
keit.  General  L  i  g  n  e  v  i  1 1  e,  welcher  zur  rechten  Hand  hätte  vor- 
rücken sollen,  verfehlte  den  Weg  nach  seinem  Angriffspunkte  und 
gerieth  am  rechten  Ufer  der  Parma  hinab  gegen  den  dortigen  Ein- 
gang der  Stadt,  wo  er  mit  der  linken  Kolonne  des  Generals  Graf 
Walsek  zusammentraf.  Gleich  darauf  wurde  General  Ligneville 
erschossen  und  General  Devins  übernahm  die  Führung  der  Grena- 
diere. Nun  drangen  die  Stürmer  in  drei  Abtheilungen  vor:  die 
eine  führte  General  Walsek  linker  Hand  in  die  nächsten  Gassen 
des  Städtchens  und  wollte  durch  dieselben  gegen  den  Palast  vor- 
dringen. Da  sie  aber  diesen  Eingang  mit  Wagen  verrammelt  fand, 
so  wurde  Walsek  hier  lange  aufgehalten.  Major  Graf  Browne 
mit  sechs  Grenadier- Kompagnien  öffnete  durch  Kanonenschüsse  die 
Mauer  und  das  Thor  des  Gartens,  welcher  sich  weit  über  einen 
Flintenschuss  vor  der  Fronte  des  Schlosses  ausdehnte  und  von  drei 


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1733-1785. 


51 


Alleen  Cypressenbäumen  durchschnitten  mit  dem  rückwärtigen  Thier- 
garten verbunden  war.  In  diesen  Alleen  rückten  nun  die  Grenadiere 
vor,  beschossen  mit  Kanonen  das  Schloss,  aber  ohne  besondere 
Wirkung.  Die  Grenadiere  stürmten  hierauf  mit  grosser  Entschlossen- 
heit das  Schloss,  wurden  aber  durch  das  heftige  feindliche  Feuer 
genöthiget  sich  nach  beiden  Seiten  zu  ziehen  und  hinter  den  Bäumen 
und  Bogengängen  vorzurücken.  Endlich  gelang  es  ihnen  das  Schloss 
zu  erreichen  und  suchten  nun,  obwohl  vergebens,  einzudringen. 

Der  Feind  hatte  indessen  bedeutende  Verstärkungen  erhalten. 
G.-L.  Mallebois  hatte  alle  Truppen  bei  Sacca  unter  die  Waffen 
treten  lassen  und  eilte  mit  10  Grenadier-Kompagnien  nach  Colorno 
voraus,  während  die  Infanterie  folgte. 

Die  Besatzung  leistete  durch  zwei  Stunden  den  hartnäckigsten 
Widerstand  und  unterhielt  aus  den  Fenstern  des  Schlosses  ein  leb- 
haftes Gewehrfeuer.  Endlich  stieg  der  tapfere  Hauptmann  Graf 
La  Tour  des  Regiments  Ligneville  Nr.  3  ganz  allein  über  mehrere 
Dächer,  sprang  in  einen  Hof  hinab  und  öffnete  von  Innen  ein  Thor 
des  Schlosses.  Mallebois  befürchtete  nun,  dass  die  Oesterreicher 
sich  der  Brücke  über  die  Parma  bemeistern,  dadurch  der  Besatzung 
den  Rückzug  abschneiden  würden  und  befahl  daher  dem  Oberst 
Contades  den  Rückzug.  Dieser  räumte  dann  mit  seinen  Leuten 
den  Palast.  In  einem  Thurme  blieben  jedoch  3  Offiziere  und  00  Mann 
zurück,  welche  die  Waffen  strecken  mussten. 

Beim  Sturm  auf  das  Schloss  war  der  Grenadier -Lieutenant 
Friedrich  Avelius  und  7  Grenadiere  des  Regiments  todtgeschossen 
worden. 

Noch  am  Abend  und  den  darauf  folgenden  Morgen  rückte  die 
kaiserliche  Armee  in  das  Lager  links  neben  Colorno  hinauf  gegen 
San  Siro.  Die  Grenadiere  des  Regiments  im  Vereine  mit  noch  acht 
Kompagnien  besetzten  die  Häuser  und  Casinen  jenseits  der  Parma. 

Am  frühen  Morgen  des  3.  Juni  verbreitete  sich  ein  plötzlicher 
Allarm  über  das  ganze  Lager.  Die  kaiserlichen  Patrouillen  meldeten 
den  Anmarsch  eines  französischen  Korps,  welches  bald  darauf  mit 
gesenkten  Fahnen  längs  dem  Flusse  aufmarschirte.  Da  um  diese 
Zeit  der  General  Ligneville  mit  allen  militärischen  Ehren- 
bezeugungen in  der  Hofkapelle  zu  Colorno  beigesetzt  und  dabei  die 
üblichen  Salven  abgefeuert  wurden,  so  hatten  die  Franzosen  ver- 
muthet,  dass  ihr  Korps  angegriffen  sei,  daher  der  König  viele  Truppen 

V 


52 


km  -  1786. 


über  den  Po  eilen  und  in  Schlachtordnung  aufmarschiren  Hess.  Prinz 
Württemberg  befahl  alle  Schiffe  auf  der  Parma  zu  vernichten 
und  alle  Orte,  wo  man  durch  den  Fluss  waten  konnte,  zu  besetzen. 

Am  4.  frnh  ruckte  G.  -  Lt.  Mallebois  mit  12.000  Mann 
gegen  Colorno  vor,  worauf  sich  die  kaiserliche  Armee  diesseits  des 
Flusses  Parma  in  Schlachtordnung  aufstellte  und  Colorno  mit 
12  Grenadier-Kompagnien,  dabei  die  beiden  des  Regiments,  besetzte. 
Um  ö  Öhr  morgens  griff  Mallebois  die  Brücke  Ober  den 
Lormo  und  die  Vorstadt  an  und  eroberte  sie  gegen  8  Uhr  nach 
einem  heftigen  Kampfe.  Die  österreichische,  diesseits  des  Flusses 
längs  dem  Damme  und  in  den  Hänsern  aufgestellte  Infanterie 
empfing  die  Franzosen  mit  einem  sehr  lebhaften  Gewehrfeucr,  auch 
die  Geschütze  feuerten  mit  grosser  Wirkung.  Die  durch  drei  Stunden, 
bis  11  Uhr  mittags  oft  wiederholton  Angriffe  der  Franzosen  wurden 
jedesmal  von  den  Kaiserlichen  mit  Nachdruck  abgewiesen.  Die 
Feinde  warfen  sich  nun  in  die  zu  beiden  Seiten  gelegenen  Casinen 
und  beschränkten  sich  den  übrigen  Tag  auf  ein  lebhaftes  Feuer. 
Der  König  von  Sardinien  selbst,  welcher  die  ganze  Armee  Aber  den 
Oglio  an  sich  gezogen  hatte,  und  der  G. -Lt.  Marquis  de  Coigny 
hatten  die  letzteren  Angriffe  geleitet.  Während  diesen  hatte  der  Feind 
mehrere  Brücken  Ober  den  Lormo  geschlagen,  begann  um  3  Uhr 
nachmittags  den  Uebergang,  zog  sich  immer  näher  gegen  Parma, 
nahm  am  Abend  sein  Lager  an  dem  Flusse  Parma  und  dehnte  sich 
rechts  bis  S.  Andrea  aus. 

Prinz  Württemberg  befahl  den  Rückmarsch  in  das  vorige 
Lager,  damit  nicht  feindliche  Detachements  eine  Unternehmung 
gegen  Reggio  wagen  könnten;  denn  von  der  Erhaltung  der  dortigen 
Magazine  hing  die  Existenz  des  kaiserlichen  Heeres  ab. 

Der  Feind  rückte  am  5.  Juni  vormittags  gegen  Parma;  als 
die  kaiserlichen  Grenadiere  um  5  Uhr  nachmittags  Colorno  räumten, 
besetzten  die  Franzosen  den  Ort,  und  beunruhigten  den  kaiserlichen 
Nachtrab  nicht  weiter. 

Die  k.  Armee  war  in  drei  Kolonnen  in  das  Lager  bei  Sorbole 
marselürt,  welches  sie  mit  der  Nacht  erreichte. 

Am  7.  Juni  traf  der  kaum  hergestellte  Feldmarschall  Graf 
Mercy  wieder  bei  der  Armee  in  Sorbole  ein,  bezeugte  ein 
grosses  Missfallen  über  den  Rückzug  von  Colorno,  liess  sogleich 
drei  Brücken  über  die  Enza  im  Rücken  der  Armee  schlagen  und 


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1733-1735. 


53 


rekognoszirte  die  Arbeiten  des  Feindes  am  Po.  Dieser  deckte 
seine  neue  Brücke  Ober  diesen  Fluss  durch  Schanzen  und  Batterien, 
und  stellte  ein  Korps  Piemontesen  diesseits  auf.  Zwei  französische 
Brigaden  lagerten  vor  Colorno,  und  die  Stadt  Parma  wurde  bedeutend 
verstärkt.  Am  13.  Juni  marschirte  die  k.  Armee  in  das  Lager  von 
S.  Prospero,  der  rechte  Flügel  lehnte  sich  an  diesen  Ort,  der  linke 
an  eine  Hügelreihe  des  parmesanischen  Gebirges.  Von  hier  wurde 
General  Fürstenbusch  mit  sechs  Grenadier-Kompagnien,  darunter 
eine  des  Regiments,  600  Reiter  und  sechs  Kanonen  gegen  das  feste 
Schloss  Montechiarugolo  gesendet,  dessen  Besatzung,  ein  parme- 
sanischer Oberst  mit  100  Mann,  sich  auf  die  erste  Aufforderung 
ergab,  wodurch  fünf  Kanonen,  eine  Menge  Munition  und  Lebens- 
mitteln den  Kaiserlichen  in  die  Uünde  fielen. 

Am  19.  Juni  reiste  der  abermals  schwer  erkrankte  Feldmarschall 
von  der  Armee  ab  und  Prinz  Württemberg  Übernahm  wieder 
das  Kommando.  Dieser  Hess  am  20.  und  22.  grosse  Fouragirungen 
vornehmen,  um  den  Feind  aus  seinen  Stellungen  zu  locken,  aber 
dieser  rührte  sich  nicht.  Um  dem  grossen  Wassermangel  abzuhelfen, 
verliess  die  k.  Armee  am  25.  ihr  Lager,  bezog  jenes  bei  San  Lazaro 
und  besetzte  auch  die  Karthause  von  Parma  mit  10  Grenadier- 
Kompagnien,  unter  welchen  sich  beide  des  Regiments  befanden. 

Nachdem  am  25.  Juni  Feldmarschall  Graf  Mercy  abermals 
das  Armeekommando  übernommen  hatte,  unternahm  er  schon  am 
nächsten  Tage  den  Versuch,  den  Feind  zum  Angriff  zu  verleiten 
und  ihn  dadurch  aus  seiner  festen  Stellung  zu  locken.  Der  Feind 
zeigte  sich  anfangs  wirklich  mit  einem  starken  Korps  ausser  dem 
Bereiche  der  Stadt  Parma,  zog  sich  aber  bald  wieder  unter  dessen 
Kanonen  zurück.  Am  27.  Hess  der  Feldmarschall  abermals  eine  starke 
Rekoguoszirung  vornehmen  und  da  die  Berichte  günstig  lauteten, 
erhielt  die  Armee  am  Abende  den  Befehl  zum  Vorrücken. 

Nach  Mitternacht  am  28.  Juni  brachen  die  Oesterreichcr  in 
zwei  Kolonnen  auf,  bewegten  sich  links  um  die  Stadt  Parma  herum, 
und  bezogen  anderthalb  Miglien  von  der  Stadt  das  Lager  bei  St.  Anto- 
niano.  Der  rechte  Flügel  lehnte  sich  an  diesen  Weiler;  der  linke 
dehnte  sich  an  der  Braganza,  gegen  das  Gebirge  aus.  Der  Vortrab 
besetzte  die  Brücken  über  den  Naviglio  di  Taro. 

Durch  diesen  Marsch  der  k.  Armee  war  die  Stelluug  des 
Feindes  in  der  rechten  Flanke  umgangen,  in  Folge  dessen  die 


54 


17.18-1785. 


französischen  Marschälle  beschlossen,  am  29.  der  k.  Armee  entgegen 
zu  gehen. 

Mit  Anbruch  des  Morgens  am  29  Juni  stellte  sich  die  k.  Armee 
in  Schlachtordnung  und  war  bereit,  gegen  den  Feind  zu  marschiren. 
Da  man  nicht  wusste,  in  welcher  Stellung  man  den  Feind  antreffen 
werde,  da  man  nur  unbestimmte  Nachrichten  (Iber  seine  Bewegungen 
erhalten  hatte,  so  wurden  nur  Dispositionen  zum  Vormarsche,  aber 
nicht  zur  Schlacht  gegeben,  daher  die  Generale  nicht  wussten,  was 
sie  zu  thun  hatten,  wenn  sie  auf  den  Feind  stiessen.  In  derselben 
Lage  befanden  sich  auch  die  französischen  Generale,  daher  dieser 
Nachtheil  der  Kaiserlichen  dadurch  aufgehoben  wurde. 

Um  halb  sechs  Uhr  Morgens  gingen  200  Pionniere  voraus,  um 
Wege  und  Brücken  herzustellen  und  als  diese  Arbeiten  einige  Fort- 
schritte gemacht  hatten,  befahl  der  Feldmarschall  der  rechten  Kolonne 
vorzurücken.  Gegen  neun  Uhr  setzte  sich  das,  die  linke  Kolonne 
bildende  zweite  Treffen,  dabei  das  Regiment,  in  Bewegung. 

Der  kaiserliche  Vortrab,  bei  welchem  sich  die  Grenadiere  des 
Regiments  befanden,  rückte  über  die  zwei,  bei  der  Molino  -  Maesta, 
über  den  Naviglio  di  Torro  geschlagenen  Brücken,  und  auf  den 
jenseitigen  schlechten  Wegen  vor.  Als  der  Vortrab  ungefähr  vier 
Miglien  jenseits  des  Naviglio  vorgerückt  war,  geschahen  von  fran- 
zösischer Seite  zwei  Kanonenschüsse,  und  die  vordersten  Karabiniere 
meldeten:  »ganz  nahe  vor  ihneu  stehe  die  ganze  feindliche  Armee 
in  Graben  und  Casinen  aufgestellt.* 

Bald  darauf,  gegen  11  Uhr  vormittags  fing  das  Feuer  zwischen 
den  beiderseitigen  Vortruppen  an.  Die  österreichischen  Grenadiere 
gaben  eine  Dccharge,  griffen  die  in  den  Hecken  vertheilten  fran- 
zösischen und  piemontesischen  Grenadiere  an,  welche  sich,  nach- 
dem sie  ihre  Gewehre  abgefeuert  hatten,  zurückzogen.  Die  öster- 
reichischen Grenadiere  postirten  sich  längs  den  mit  der  Strasse 
parallelen  Hohlwegen  und  hinter  den  Hecken,  und  vertrieben  nach 
einem  heftigen  Gewehrfeuer,  durch  welches  auf  beiden  Seiten  viele 
Leute  getödtet  wurden,  gegen  12  Uhr  die  französischen  Grenadiere 
aus  dem  Garten  von  Mambriani  Diese  sammelten  sieh  jedoch 
in  der  sehr  festen  Casine,  und  setzten  dort  den  Widerstand  auf 
das  Hartnäckigste  fort. 

So  wie  die  ersten  Regimenter  anlangten,  befahl  der  Feld- 
marschall sogleich  zum  Angriffe  vorzugehen.    Die  fünf  Greuadier- 


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1788-1785. 


55 


Kompagnien,  gefolgt  von  zwei  Regimentern  nickten  in  bester  Ordnung 
bis  auf  dreissig  Schritte  an  die  Strasse  von  Piacenza,  wo  sie  Halt 
machten  nnd  einige  Dechargen  abgaben.  Sie  wurden  mit  einem  leb- 
haften Feuer  der  feindlichen,  in  den  Casinen  und  zu  beiden  Seiten 
von  Crocetta  aufgestellten  Grenadieren,  der  links  stehenden  Bataillone 
von  Piccardie  und  des  dort  postirten  Geschützes  empfangen. 

Feldmarschall  Graf  Mercy  war  vorgeritten,  um  die  Stellung 
des  Feindes  zu  besichtigen,  als  er  von  zwei  Kugeln  getroffen,  todt 
vom  Pferde  stürzte.  Dieser  Unglücksfall  erschütterte  einen  Augen- 
blick die  kaiserlichen  Grenadiere;  gleich  darauf  aber  drangen  sie 
mit  solchem  Heldenmuthe  vor,  dass  sie  die  zehnfach  Überlegenen 
Franzosen  und  Piemontesen  aus  mehreren  Graben  und  Casinen  heraus- 
warfen, die  zwei  feindlichen  gegen  den  Ausgang  des  Hohlweges  auf- 
gepflanzten Geschütze  eroberten,  sie  sogleich  gegen  den  Feind  um- 
wendeten und  diesen  aus  denselben  beschossen.  Der  General  Saint 
Perrier  floh  mit  den  fünf  rechts  von  Mambriani  aufgestellten 
französischen  Kanonen  hinter  den  Weiler  Crocetta,  Hess  aber  auch 
hier  noch  eine  Kanone  den  Oesterreichern  zurück.  Die  Brigade 
Piccardie  wankte;  die  Grenadiere  von  Teutschmeister,  welche  ganz 
vorzüglich  schössen,  hatten  bereits  den  G.-Lt.  du  Guerhois  tödt- 
lich,  den  Brigadier  Prinz  Montauban  schwer  verwundet  und  fünf 
Bataillons  -  Chefs  von  den  Pferden  herabgeschossen ;  auch  waren  die 
Grenadiere  bis  auf  den  vom  Feinde  zum  Lager  gewählten  Platz 
vorgedrungen.  Doch  die  französischen  Grenadiere  behaupteten  sich 
in  drei  Casinen  von  Crocetta,  denen  man  nicht  Meister  werden 
konnte,  da  das  schwere  Geschütz  noch  weit  zurück  war. 

Die  so  weit  vorgedrungenen  Grenadiere  und  zwei  Regimenter 
Infanterie  wurden  nun  von  zahlreichem  feindlichen  Geschütz  und 
mehreren  frischen  Bataillons  mörderisch  beschossen;  die  Generale 
Prinz  Brandenburg- Culmbach  und  Baron  Devins  mit  einer 
Menge  von  Offizieren  blieben  hier  todt  auf  dem  Felde  der  Ehre 
und  die  Truppen,  welche  einen  ausserordentlichen  Verlust  erlitten, 
geriethen  in  Unordnung.  Die  Armee  war  noch  weit  zurück  und 
konnte  sie  nicht  unterstützen,  daher  blieb  diesen  Tapferen  nichts 
übrig,  als  sich  in  jene  Graben  und  Hecken  zurückzuziehen,  wo  sich 
anfangs  die  Grenadiere  festgesetzt  hatten.  Die  eroberten  Kanonen 
konnten  wegen  Mangel  an  Bespannung  nicht  zurückgebracht  werden 
and  fielen  dem  Feinde  wieder  in  die  Hände. 


56 


1?3S— 1785. 


So  wie  die  kaiserlichen  Bataillone  eintrafen,  marschirten  sie 
in  Front  auf,  und  nun  währte  das  Feuer  der  kaum  auf  eine  halbe 
Musketen-Schussweite  von  einander  entfernten  beiderseitigen  Truppen 
mit  grösster  Heftigkeit  und  verheerender  Wirkung  fort.  F.  -  Z.  -  M. 
Prinz  Württemberg,  welcher  nach  dem  Tode  des  F. -M.  Graf 
Mercy  das  Kommando  übernommen  hatte,  wurde  von  einer  Kugel 
am  rechten  Arm  getroffen,  und  verlor  das  Pferd  unter  dem  Leibe. 
Fast  alle  Generale,  welche  bei  diesem  ersten  Angriffe  zugegen  ge- 
wesen, waren  todt  oder  verwundet. 

Unterdessen  gelang  es  immer  mehr  Truppen  der  beiden  Treffen 
heranzuziehen,  und  so  kam  allmälig  die  ganze  Infanterie  auf  dem 
Schlachtfelde  an.  Die  Kavallerie  konnte  in  dem  durchschnittenen 
Terrain  nicht  wirken  und  stellte  sich  daher  hinter  dem  Centrum  der 
Infanterie  auf. 

Als  die  vordersten  Brigaden,  in  welchen  sich  auch  das  Regi- 
ment eingetheilt  befand,  aufraarschirt  waren,  rückten  sie  im  Centrum, 
mit  geschultertem  Gewehre  und  in  trefflichster  Ordnung,  bis  nahe  an 
die  Strasse  von  Piacenza  vor,  und  begannen  dann  —  nach  dem 
französischen  Berichte  —  so  regelmässig  wie  auf  dem  Exerzierplatze 
zu  feuern.  Sie  wechselten,  weil  der  Raum  zur  Vorrückung  gegen  die 
feindliche  Stellung  vor  der  Mühle  bis  Crocetta  nur  einige  hundert 
Schritte  breit  war,  Bataillonsweise  im  Angriffe  ab.  Aber  sie  mussten 
dem  heftigen  Feuer  sehr  bald  weichen,  welches  der  Feind  gegen  sie 
unterhielt. 

Um  drei  Uhr  rückten  die  Oesterreicher  mit  ihrem  Centrum, 
in  welchem  sich  das  Regiment,  mit  noch  21  Bataillons  anderer 
Regimenter  befand,  uud  einem  Theile  des  linken  Flügels,  zum  dritten 
Male  zum  Angriffe  vor.  Die  Grenadiere  marschirten  in  der  vordersten 
Linie,  machten  an  der  Strasse  von  Parma  Halt  und  begannen  dort 
ihr  Feuer.  Doch  bald  drangen  sie  über  die  Strasse,  fielen  die  feind- 
lichen Grenadiere  rechts  von  Crocetta  mit  dem  Bajonuete  an,  trieben 
dieselben  aus  ihren  Deckungen,  und  warfen  sie  auf  die  Brigade 
Piccardie,  welche  von  den  Regimentern  Ligneville  Nr.  3  und  Hild- 
burgshausen ebenfalls  derart  zum  Weichen  gebracht  wurden,  dass 
sie  über  tausend  Schritte  zurückeilten  und  dort  erst  vom  G.  -  Lt. 
Chatillon  gesammelt  werden  konnten. 

Diese  zwei  tapferen  Regimenter  wurden  aber  nicht  ausgiebig 
unterstützt,  und  von  einem  mörderischen  Kugelregen  so  überschüttet, 


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1783-1735 


57 


dass  sie  sich,  nachdem  ein  grosser  Theil  der  Mannschaft  getödtet 
war,  zurückziehen  mussten.  Das  französische  Regiment  Champagne 
verfolgte  diese  Truppen,  wagte  sich  aber  zu  weit  und  gerieth  in  das 
heftigste  Feuer  der  Regimenter  Teutschmeister  und  Seckendorf, 
verlor  sehr  viele  Leute  und  floh  endlich  in  Unordnung  zurück.  Bei 
seinem  eiligen  Rückzug  gerieth  es  gegen  die  französische  Brigade 
Sourre  und  die  piemontesische  Savoye,  welche  diese  Flüchtlinge  für 
Oesterreicher  hielten,  und  mehrere  Salven  gaben,  wodurch  dieses 
Regiment  von  dem  Feuer  seiner  eigenen  Armee  beinahe  aufgerieben 
wurde. 

Hierauf  versuchte  der  Feind  einen  Angriff  gegen  den  rechten 
Flügel  der  Oesterreicher,  der  aber  an  der  Tapferkeit  der  dort  auf- 
gestellten Truppen  scheiterte.  Der  später  vom  linken  Flügel  der 
Oesterreicher  unternommene  Vorstoss  war  nur  eine  Demonstration 
ohne  Erfolg. 

In  dem  kaiserlichen  Centrum  kam  es  zwar  seit  3  Uhr  zu 
keinem  weiteren  Angriffe,  aber  das  Feuer  währte  auf  der  ganzen 
Linie  ununterbrochen  bis  7  Uhr  fort.  Zwar  versuchte  der  Feind 
nochmals  den  rechten  Flügel  zu  umgehen,  da  aber  alle  drei  Brigade- 
Generale  erschossen  wurden  und  die  Truppen  viele  Leute  verloren, 
zog  er  sich  zurück;  ebenso  wurden  zwei  piemontesische  Bataillone 
auf  dem  linken  Flügel  beinahe  vernichtet,  jedoch  rückte  die  piemonte- 
sische Garde  an  ihre  Stelle. 

Nach  7  Uhr  Hess  das  Feuer  allmählig  nach.  Die  Franzosen 
hatten  um  diese  Zeit  ihre  in  erster  Linie  gestandenen  Truppen  zum 
fünften  Male  abgelöst.  Das  Feuer  dauerte,  doch  immer  schwächer, 
bis  9  Uhr,  belebte  sich  von  Zeit  zu  Zeit  von  Neuem  und  verstummte 
mit  der  Nacht  gänzlich.  Die  feindliche  Armee  erwartete  den  Morgen 
unter  den  Waffen  und  belürchtetc  in  der  Nacht  einen  Ueberfall ;  denn 
als  zwei  Patrouillen  aufeinander  stiessen  und  Feuer  gaben,  feuerten 
auch  die  feindlichen  Bataillone  in  die  dichte  Finsterniss  hinein  und 
tödteten  viele  der  eigenen  Kameraden. 

Das  kaiserliche  Heer  stand  zu  Ende  des  Kampfes  in  Schlacht- 
ordnung, im  Angesicht  des  Feindes  aufmarschirt;  seine  Vortruppen 
hielten  jene  oft  benannten  Hecken  und  Graben  besetzt,  wo  sich  die 
Grenadiere  zuerst  festgesetzt  hatten. 

Als  der  Feind  mit  Einbruch  der  Nacht  den  gewöhnlichen 
Zapfenstreich  schlug,  antworteten  in  gleichem  sämmtliche  Tambours 


58 


1783-1785. 


der  Oesterreicher,  um  zu  beweisen,  dass  das  österreichische 
Heer  sich  im  Besitze  des  Schlachtfeldes  befinde,  dem 
Feinde  Terrain  abgenommen  habe,  und  dieser  es  nicht 
wage,  demselben  diese  Stellung  streitig  zu  machen. 

Die  kaiserliche  Infanterie  hatte  einen  ausserordentlichen  Verlust 
erlitten,  und  war  daher  nicht  in  einem  Zustande,  am  Morgen  die 
Schlacht  fortzusetzen.  Auch  war  alle  Munition  verfeuert,  obwohl 
zwei  Mal  die  Patrontascheo  frisch  gefallt  wurden.  Man  wendete 
die  grösste  Sorgfalt  au,  die  Verwundeten  zu  retten,  wobei  sich  der 
Feldscherer  Jakob  Kay  ser  besonders  aufopfernd  auszeichnete.  Zwei 
Stunden  vor  Tagesanbruch,  am  30.  Juni,  marschirte  die  Armee  in 
das  Lager  bei  San  Antonio,  wo  sie  die  Nacht  vor  der  Schlacht 
zugebracht  hatte. 

Die  feindliche  Armee  dachte  nicht  daran,  sich  den  Sieg  zuzu- 
schreiben, denn  die  Marschälle  hatten  in  der  Nacht  im  Kriegsrath 
beschlossen,  den  Rückzug  aus  der  Gegend  von  Parma  anzutreten*, 
auch  wurde  ein  Kourier  mit  der  Meldung  an  Ludwig  XV.  abge- 
sendet, dass  die  Schlacht  verloren  sei  und  man  mit  Tagesanbruch 
retiriren  werde.  In  der  Früh  brachten  Plünderer  die  erfreuliche 
Botschaft,  dass  die  Kaiserlichen  abgezogen  seien,  worauf  natürlich 
schnell  ein  zweiter  Kourier  mit  der  Meldung  „des  Sieges*  abge- 
sendet wurde. 

Sämmtliche  Truppen  hatten  mit  wahrem  Heldenmuthe  gefochten ; 
unter  jenen,  welche  sich  mit  besonderem  Ruhme  bedeckten,  glänzen 
das  Regiment  und  insbesouders  die  Grenadiere  von  Hoch-  und 
Teutschmeister. 

Der  Brigadier  G.-F.-W.  Prinz  Sachsen-Hildburgshausen 
wurde  verwundet.  Das  Regiment  verlor  an  Todten:  Lieutenant 
Silvius  von  Uttmann  und  46  Mann;  an  Verwundeten:  Obrist- 
lieutenant  Josef  Baron  Heydorff,  Hauptmann  Konstantin  von 
Schmidauer,  Johann  Feiner  von  Feldek,  Franz  de  Haal, 
Walzheimb  und  Graf  Khuen,  Lieutenant  Johann  von  Schmerzen- 
hofen, Fähnrichs  Nikolaus  Wollf  und  Jus  tau  nebst  191  Mann. 
Lieutenaut  Schmerze uho  fen  erlag  am  13.  Oktober  seinen  Wunden. 

Der  ganze  Verlust  des  kaiserlichen  Heeres  betrug  6283  Mann 
und  800  Reitpferde;  jener  des  Feindes  ist  nicht  genau  bekannt, 
jedoch  geben  ihn  französische  Geschichtschreiber  mit  700  Offizieren 
uud  6000  Mann  an. 


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1733-  1735 


59 


Nach  dem  Einrücken  in  das  Lager  zu  San  Antonio  wurde 
Hauptmann  Wilhelm  Br.  Lestwitz,  Lieutenant  v.  Elvenich  und 
60  Mann  zur  Verstärkung  der  Besatzung  in  Quastalla  abgesendet. 

Noch  am  30. Juni  Nachmittags  führte  Prinz  Württemberg 
die  Armee  an  die  Enza  nach  dem  sieben  Miglien  entfernten  Monte- 
chiarugolo,  um  das  Hauptmagaziu  zu  Reggio  zu  decken  und  den 
Truppen,  die  so  sehr  gelitten  hatten,  die  nöthige  Zeit  zur  Erholung 
zu  verschaffen,  den  grossen  Abgang  an  Generalen  und  Offizieren 
nach  Möglichkeit  zu  ersetzen  und  dann  dem  Feinde  desto  kräftiger 
zu  begegnen.  Der  Marsch  fand  in  zwei  Kolonnen  statt  und  das 
Lager,  in  dem  die  Armee  abends  eintraf,  wurde  vor  jenem  Markt- 
flecken bezogen.  Die  feindliche  Armee  rückte  nach  San  Lazzaro  und 
beobachtete  die  Bewegungen  der  kaiserlichen  Armee. 

Als  am  1.  Juli  die  Nachricht  einlief,  dass  der  Feind  gegen 
Sorbole  und  Cafallone  vorrücke,  verliess  die  kaiserliche  Armee  ihr 
Lager  und  marschirte  am  2.  in  das  Lager  bei  Reggio,  wo  dann  das 
feierliche  Leichenbegängniss  des  Feldmarschalls  Grafen  Mercy 
mit  allen  militärischen  Ehren  stattfand. 

Die  feindliche  Armee  besetzte  Sorbole  und  Cafallone,  konnte 
aber  wegen  Maugel  an  Lebensmitteln  ihre  Bewegung  nicht  mit  der 
nöthigen  Schnelligkeit  fortsetzen,  daher  die  Oesterreicher  Zeit  ge- 
wannen, sich  bei  Reggio  zu  sammeln.  Nun  beschloss  der  König  längs 
des  Po  hinab  zu  ziehen  und  die  kaiserliche  Armee  von  ihren 
Brücken  bei  S.  Benedetto  abzuschneiden.  In  Folge  dessen  wurde 
Tag  und  Nacht  bis  4.  nach  Carpi  di  Modena,  am  5.  hinter  die 
Secchia  nach  Concordia  maischirt.  Auf  die  Nachricht  von  diesen 
Märschen  der  Kaiserlichen  ging  der  König  am  4.  mit  der  Armee 
über  den  Erostolo  und  den  Kanal  la  Botta  und  bezog  das  Lager 
mit  Quastalla  im  Rücken,  welches  die  Franzosen  zernirten. 

Noch  an  diesem  Tage  forderte  der  König  Quastalla,  welches 
weder  mit  Proviant,  noch  mit  hinreichendem  Geschütz  und  Munition 
versehen,  auch  sonst  nicht  im  Vertbeidigungsstande  war,  zur  Ueber- 
gabe  auf.  Der  Kommandant  Ohristlieutenant  Baron  Reizenstein 
ergab  sich  am  5.  Juli  um  8  Uhr  morgens.  In  Folge  dessen  gerieth 
Hauptmann  Wilhelm  Br.  v.  Lestwitz,  Lieutenant  v.  Elvenich 
und  60  Mann  des  Regiments  in  Kriegsgefangenschaft,  welche  der 
Feind  nach  Mondovi  in  Savoycn  interuirte,  von  wo  sie  im  Winter 
zum  Regiment  zurückgeschickt  wurden. 


60 


1733-1785. 


Die  kaiserliche  Armee  setzte  am  G.  den  Marsch  hinter  der 
Secchia  bis  Quistello  fort  und  bezog  abends  an  dem  rechten  Ufer 
der  Secchia  zu  beiden  Seiten  des  Ortes  das  Lager.  Am  7.  Juli 
gegen  Mittag  erschien  ein  feindliches  Korps  mit  fliegenden  Fahnen 
und  vielem  Geschütz  am  jenseitigen  Ufer  und  begann  Quistello  zu 
beschiessen.  Es  war  der  Marschall  Broglio  mit  allen  Grenadieren 
der  Armee  und  der  gesammten  Reiterei,  welchem  der  König  be- 
fohlen hatte,  sich  der  Brücken  über  die  Secchia  und  jener  Über 
den  Po  zu  bemächtigen.  Aber  die  Oesterreicher  waren  ihm  schon 
zuvorkommen,  hatten  die  Brücken  abgetragen  und  sämmtliche  Schiffe 
nach  Revere  abgeführt.  Marschall  Broglio  nahm  sein  Lager  bei 
Bondanello,  während  die  kaiserliche  Armee,  welche  schon  drei  Tage 
kein  Brod  hatte,  noch  am  Abend  nach  Quiogeutole  zurückging 
und  am  9.  nach  Revere  rückte.  Die  kaiserliche  Armee  war  durch 
die  angestrengten  Bewegungen  der  letzten  dreizehn  Tage  äusserst 
erschöpft  und  bedurfte  dringend  der  Ruhe,  welche  ihr  diese  Stellung 
gewährte.  Den  für  die  Folge  wichtigen  Platz  Mirandola  hatte  der 
Prinz  mit  einer  Besatzung  und  den  Erfordernissen  zu  einer  Ver- 
teidigung versehen.  Die  feindliche  Armee  besetzte  am  10.  Bondanello 
und  lagerte  Brigadeweise  längs  der  Secchia. 

Der  zum  Oberbefehlshaber  der  kaiserlichen  Armee  in  Ober- 
Italien  eruanute  FeldmarschaU  Graf  Lothar  v.  Königseck  traf  am 
11.  Juli  in  Revere  ein  und  übernahm  das  Kommando.  Den  folgenden 
Tag  rekognoszirte  er  die  feindliche  Stellung  und  führte  am  19.  die 
kaiserliche  Armee  nach  dem  neuen  Lager  von  Quingeutole.  Nach  der 
Ordre  de  bataille  am  23.  Juli  1734  befand  sich  das  Regiment, 
2720  Mann  stark,  in  diesem  Lager  in  der  Division  F.-M.-Lt.  Mar- 
quis Valparaiso,  Brigade  G.-F.-W.  Baron  Wachtendonk  im 
ersten  Treffen  auf  dem  linken  Flügel. 

Der  Feind  hatte  mit  ununterbrochener  Anstrengung  an  den 
Verschattungen  am  linken  Ufer  der  Secchia  gearbeitet  und  eine 
besondere  Sorgfalt  auf  den  Posten  Quistello  verwendet.  Er  hielt 
sich  durch  diese  Arbeiten  gegen  jede  Unternehmung  der  Oesterreicher 
gesichert,  worin  ihn  auch  der  FeldmarschaU  nach  allen  Kräften  zu 
täuschen  trachtete,  welcher  die  Absicht  hegte,  diese  sorglose  Sicher- 
heit zu  einein  Ueberfall  zu  benützen.  Hierzu  wurde  die  kaiserliche 
Armee  in  zwei  Flügel  getheilt,  der  linke  Flügel  wieder  in  sechs 
Kolonnen,  wovon  die  erste  oder  rechte  Kolonne  aus  12  Grenadier- 


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1733-1735. 


Gl 


Kompagnien,  dabei  die  beiden  des  Regimentes  unter  den  Befehlen 
des  General  Prinz  Hildburgsbaiisen,  dahn  7  Bataillons,  dabei 
das  Regiment  unter  F.-M.-Lt.  Marquis  Valparaiso  und  General 
Baron  Wachtendonk,  bestand.  Sämmtliche  Truppen  mussten 
abends  nach  dem  Zapfenstreiche  bei  der  Casina  Gabiana  in  möglichster 
Stille  zusammenrücken.  Am  15.  September  nach  Mitternacht  rückten 
alle  sechs  Kolonnen  in  grösster  Stille  vor,  und  standen  eine  Stunde 
vor  Anbruch  des  Tages  in  der  Nähe  der  Stellen,  wo  sie  über  den 
Flosa  geben  sollten,  in  Bereitschaft.  Der  Mond  schien  so  hell,  dass 
man  alle  Gegenstünde  klar  wie  beim  Tage  unterscheiden  konnte, 
und  doch  hatten  die  feindlichen  Feldwachen  nichts  bemerkt,  ja  sie 
vollzogen  den  Sicherheitsdienst  mit  solcher  Leichtfertigkeit,  dass 
auch  dann  ihre  Aufmerksamkeit  noch  nicht  erregt  wurde,  als  zwei 
kaiserlichen  Soldaten  durch  Zufall  die  Gewehre  losgingen. 

Eine  Stunde  nach  Anbruch  des  Tages  wurde  das  Zeichen  zum 
Angriff'  gegeben.  Alle  Kolonnen  überschritten  den  Fluss,  nur  die 
erste  verfehlte  die  Furt,  und  die  Soldaten  des  Regiments  mussten 
bei  Gaillardo  und  Prospero  fiero  bis  an  die  Brust  im  Wasser  durch 
die  Secchia  waten.  Dadurch  entstand  Lärm,  wodurch  die  dieser 
Kolonne  gegenüber  stehenden  französischen  Posten  Zeit  gewannen, 
die  Waffen  zu  ergreifen.  Sie  zogen  sich  aber  eilfertig  in  das  Lager 
zurück  und  verbreiteten  Verwirrung  und  Allarm  unter  den  vier 
Brigaden.  Einige  österreichische  Hnszaren  waren  gleich  im  ersten 
Momente  über  den  Fluss  gegangen,  erschienen  zugleich  mit  den 
französischen  Vorposten  im  Lager,  jagten  an  der  Zelter -Linie  hinab 
und  warfen  alle  Gewehr -Pyramiden  um.  Die  Soldaten  stürzten, 
grösstenteils  im  Hemde,  aus  den  Zelten,  rafften  die  nächsten  Ge- 
wehre auf  und  begannen  ein  ordnungsloses  Feuer,  wodurch  die 
entfernteren  Brigaden  allarmirt,  und  nun  bei  der  ganzen  feindlichen 
Armee  Generalmarsch  geschlagen  wurde. 

Die  erste  Kolonne  kam  dennoch  früher  als  der  Allarm  bei  der 
Casine  Gaidella  an,  in  welcher  der  französische  Marschall  Broglio 
seine  Wohnung  hatte.  Unbegreiflicher  Weise  fand  auch  hier  noch 
eine  vollkommene  Ueberraschung  statt.  Was  von  den  Franzosen 
dem  zuerst  eingedrungenen  Regiment  Teutschmeister  in  den  Weg 
kam,  wurde  niedergemacht  und  die  Casine  so  schnell  erobert,  dass 
der  Marschall  sich  kaum  noch  im  Hemde  und  Pantoffeln  durch  eine 
Hinterthüre  des  Gartens  mit  der  Flucht  retten  konnte.  Doch  wurden 


G2 


1738-173.',. 


dessen  Sekretär  und  Adjutanten,  dann  sein  Neffe,  der  Brigadier  und 
Obrist  des  Regiments  Berry,  Graf  Ca  r  am  an,  alle  seine  Bedienten, 
sowie  die  Generalswache  mit  ihren  Offizieren  und  Fahnen  gefangen, 
das  ganze  Gepäck,  der  heilige  Geist -Orden,  die  Kriogskanzlei,  Land- 
karten, eine  reich  gefüllte  Kasse,  das  Silberzeug,  die  Pferde  u.  8.  w. 
des  Marschalls  erbeutet.  Der  Verlust,  welchen  der  Marschall  bei 
diesem  Vorfall  erlitt,  wurde  auf  130.000  venctianische  Dukaten 
berechnet.  Der  General -Adjutant  Kavallerie -Obrist  Beaumont, 
welcher  sich  mit  der  Pistole  in  der  Hand  den  Weg  aus  der  Casine 
öffnen  wollte,  wurde  erschossen. 

Die  Grenadiere  unter  Prinz  Hildburgshausen  griffen  die 
durch  die  handvoll  Huszaren  in  Schrecken  gesetzten  vier  feind- 
lichen Brigaden  sofort  an  und  warfen  sie  mit  leichter  Mflhe  zurück. 

Nach  diesen  Erfolgen  Hess  der  Feldmarschall  auf  dem  Lager- 
platze der  vier  geworfenen  Brigaden  in  einer  Linie  aufmarschiren, 
was  viel  Zeit  raubte  und  dem  mittlerweile  erschienenen  König  Zeit 
gab,  seine  Truppen  möglichst  zu  ordnen  und  mit  den  Brigaden 
d'Auvergne  und  du  Roi,  denen  alle  anderen  Brigaden  folgen  sollten, 
vorzurücken.  Diese  wurden  aber  sogleich  von  den  Grenadieren  in 
der  rechten  Flanke  angegriffen,  und  als  der  König  die  Muthlosigkeit 
dieser  von  panischem  Schrecken  betäubten  Truppen  sah,  wartete  er 
den  Angriff  der  kaiserlichen  Linie  nicht  ah,  sondern  befahl  den 
Rückzug  anzutreten. 

Der  Feldmarschall  wendete  sich  nun  rechts  und  marschirte 
gegen  die  Brücke  von  Quistello,  welchen  Ort  der  Feind  nach  kurzem 
Widerstande  sogleich  räumte,  daher  hier  nur  200  Mann  gefangen 
genommen  werden  konnten ;  aber  die  kaiserliche  Reiterei,  unterstützt 
von  den  Grenadieren  des  Vortrabs,  verfolgte  diese  Fliehenden,  welche 
häufig  die  Gewehre  wegwarfen,  hieb  deren  viele  nieder  und  machte 
700  Gefangene. 

Auf  dem  eroberten  Boden  fielen  die  feindlichen  Lager  mit  den 
noch  aufgeschlagenen  Zelten,  darunter  jenes  des  Königs,  welches 
auf  100.000  fl.  geschätzt,  alles  Gepäcke,  2554  Pferde,  3100  Maul- 
thiere  und  Wagen,  eine  Menge  Waffen,  Munition  und  Proviant, 
darunter  1000  Ochsen,  500  Kühe,  5000  Fass  Wein,  10.000  Ztr. 
Mehl,  den  Siegern  in  die  Hände. 

Der  Feldmarschall  glaubte  nicht,  noch  an  diesem  Tage  einen 
Angriff  auf  die  feindliche  Stellung  unternehmen  zu  können,  da  die 


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1733  1735. 


63 


Trappen  seit  fünfzehn  Stunden  in  steter  Bewegung  und  durch  die 
drückendste  Hitze  ganz  erschöpft  waren.  Die  Armee  nahm  daher 
bei  Quistello  in  dem  eroberten  Lager  des  Feindes,  ihre  Stellung. 

Am  IG.  September  vor  Sonnenaufgang  stand  die  k.  Armee  in 
zwei  Linien  in  Schlachtordnung.  Als  Vortrab  marschirten  30  Grenadier- 
Kompagnien,  theils  vor  dem  Zentrum,  theils  vor  beiden  Flögeln. 
Der  Feind  erwartete  den  Angriff  in  der  vortheilhaften  Stellung  hinter 
den  Kanälen,  in  welcher  er  die  Nacht  zugebracht  hatte.  Der  Feld- 
marschall Hess  diese  Stellung  zum  Scheine  von  fünf  Bataillons 
angreifen,  während  die  k.  Armee  mit  klingendem  Spiele  und  fliegen- 
den Fahnen  immer  mehr  links  gegen  Pegognaga  und  Gonzaga 
marschirte,  um  den  rechten  Fldgel  des  Feindes  zu  umgehen.  Als 
der  König  dieses  für  ihn  verderbliche  Manöver  erkannte,  zog  er  sich 
rasch  gegen  Luzzara  zurflck,  wohin  ihm  die  Oesterreicher  nicht 
schnell  folgen  kounten,  da  sie  mit  der  Passirung  mehrerer  tiefer 
Graben  viel  Zeit  verlieren  mussteu.  Die  k.  Armee  machte  bei 
S.  Benedetto  Halt,  während  die  Kavallerie  dem  Feinde  folgte,  eine 
Menge  niederhieb  und  viele  Gefangene  machte. 

Der  in  der  Früh  begonnene  Scheinangriff  hatte  seinen  Zweck 
vollkommen  erreicht.  Der  äussere  Theil  des  feindlichen  linken  Flügels 
hatte  sich  durch  diesen  festhalten  lassen  und  war  zu  der  Zeit,  als  die 
Oesterreicher  bei  S.  Benedetto  am  Po  anlangten,  noch  auf  dem 
Rückzüge  von  der  Bocca  di  Secchia  nach  diesem  Orte  begriffen,  um 
durch  denselben  ihrer  Armee  zu  folgen  und  waren  nun  abgeschnitten. 
Die  Grenadiere  unter  Hildburgshausen  und  das  Regiment  mit 
einem  zweiten  unter  Wachtendonk  wurden  beordert,  von  S.  Bene- 
detto vorzumarschiren  und  diese  Trappen  zu  umringen.  In  kurzer 
Zeit  ergaben  sich  Ober  4000  Mann,  worunter  zwei  ganze  piemontesische 
Bataillons  (die  ersten  der  Regimenter  Garde  und  Savoyen)  mit  ihren 
Fahnen  waren.  Sie  legten  die  Waffen  nieder,  behielten  jedoch  ihr 
Gepäck. 

Die  k.  Armee  hatte  nicht  ganz  100  Mann  verloren,  das  Regi- 
ment keinen  Verlust 

Da  die  k.  Armee  die  Ankunft  der  Proviantschiffe  abwarten 
musste,  auf  welchen  auch  die  Oberröcke  und  das  Gepäck  aus  dem 
alten  Lager  von  Quingentole  nachgebracht  wurden,  so  konnte  der 
Aufbrach  am  17.  September  erst  um  neun  Uhr  vormittags  geschehen. 
Der  Marsch  ging  bis  Montechiana  gegenüber  von  Borgoforte;  die 


G4 


1783-1735. 


feindliche  Armee  war  an  diesem  Tage  bis  Quastalla  marschirt.  Am 
18.  brach  die  k.  Armee  mit  dem  Tage  auf  und  rückte  bis  Luzzara. 
Als  der  König  die  Ankunft  der  k.  Armee  bei  diesem  Orte  erfahren 
hatte,  beschloss  er  mit  den  französischen  Marschällen,  derselben  bei 
Quastalla  eine  Schlacht  zu  liefern,  rekognoszirte  zu  diesem  Ende  das 
vorliegende  Terrain,  stellte  seine  Armee  in  eine  neue  Schlachtordnung 
und  Hess  dieselbe  gegen  einen  vermutheten  Angriff  die  ganze  Nacht 
unter  den  Waffen  stehen. 

Am  10.  September  nach  Mitternacht  brachen  zuerst  25  Grenadier- 
Kompagnien,  dabei  beide  des  Regiments,  von  Luzzara  auf  und  rückten 
auf  der  Hauptstrasse  hinauf  gegen  Quastalla.  Etwas  später  folgte 
die  ganze  Infanterie  in  einer,  die  Reiterei  in  der  zweiten  Kolonne. 

Gegen  9  Uhr  vormittags  hatten  die  Grenadiere  die  vom  Feinde 
besetzte  Stellung  im  Gesicht.  Der  Feldmarschall  liess  nun  die 
Infanterie  von  dem  Theilungspunkte  der  beiden  Dämme  bei  dem 
Gehölze  la  Sralapia,  anfangs  auf  diesen  beiden  Strassen,  dann 
aber  gleich  darauf  hinab  in  den  Raum  zwischen  den  Dämmen 
ziehen  und  da  er  immer  fester  glaubte,  nur  die  feindliche  Nachhut 
vor  sich  zu  haben,  um  10  Uhr  12  Grenadier- Kompagnien  rechts 
von  Tagliata  und  dem  Argine  maestro  in  einer  Linie  vormarschiren. 
Die  kaiserliche  Artillerie  eröffnete  ihr  Feuer  gegen  die  Casinen  und  auf 
das  sich  zeigende  Fussvolk  mit  Kartätschen,  während  die  Grenadiere 
zum  Angriffe  vorrückten  und  den  Feind,  obgleich  sie  mit  einem  sehr 
heftigen  Feuer  empfangen  wurden,  nächst  dem  kleinen  Damme 
zurückwarfen. 

Hierauf  unternahm  ein  Theil  der  kaiserlichen  Reiterei  einen 
Angriff  gegen  die  aufmarschirten  feindlichen  Reiter  -  Regimenter, 
konnte  aber  nichts  ausrichten  und  musste  nach  einem  sehr  hitzigen 
Kampfe  zurück. 

Die  Grenadiere  standen  schon  eine  Stunde  im  Feuer  und  es 
war  ihnen  nicht  gelungen,  sich  in  dem  anfangs  gewonnenen  Terrain 
zu  behaupten.  Sie  begannen  zu  ermüden  und  zurückzuweichen.  Um 
sie  zu  unterstützen  und  einen  zweiten  Angriff  auszuführen,  beorderte 
der  Feldmarschall  die  Division  Valparaiso,  Brigade  Wachtendonk 
mit  sieben  Bataillons,  darunter  das  Regiment,  zum  Vormarsch.  Um 
11  Uhr  rückte  die  erste  Brigade,  einige  Zeit  darauf  das  Regiment 
in  der  zweiten  Brigade,  beide  vergeblich  vor.  F.-M. -Lt.  Valparaiso 
und  General  Wachtendonk  wurden  gleich  anfangs  verwundet, 


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1733-1735. 


G5 


Obristwachtmeister  v.  S  p  i  e  s  und  Hauptmann  Graf  Thum  des 
Regiments,  auch  sonst  so  viele  Stabsoffiziere  getödtet  oder  ver- 
wundet, dass  Obristlieutenant  Hohenfeld  das  Kommando  der 
ganzen  Division  Obernehmen  musste. 

üm  diese  Zeit  war  die  k.  Kavallerie-Kolonne  angelangt,  welche 
der  Feldmarschall  sofort  den  feindlichen  linken  Flflgel  angreifen  Hess. 
In  dem  durchschnittenen  Terrain  konnte  die  Kavallerie  sich  nicht 
gehörig  entwickeln,  und  drei  nacheinander  mit  vieler  Bravour  aus- 
geführte Angriffe  roisslangen. 

Während  dieser  Attaquen  hatten  die  Grenadiere  und  die 
Division  Valparaiso  durch  das  mörderische  Feuer  des  Feindes  bereits 
grossen  Verlust  erlitten.  In  jeder  französischen  Kompagnie  waren 
vier  geübte  Schützen  eingetheilt,  die  den  Aufkrag  hatten,  besonders 
die  Offiziere  auf  das  Korn  zu  nehmen.  Diese  hatten  ihre  Obliegen- 
heit so  gut  erfüllt,  dass  die  sieben  Bataillone  schon  des  grössten 
Theils  ihrer  Offiziere  beraubt,  und  dadurch,  der  Führer  entbehrend, 
in  Unordnung  gerathen  waren.  Die  Soldaten  des  Regiments  feuerten 
lebhaft  auf  die  Bäume,  Hecken  und  Gebüsche,  hinter  welchen  die 
Franzosen  gedeckt  standen,  aber  ohne  dieselben  zu  sehen  und  den- 
selben viel  Schaden  zufügen  zu  können.  Dagegen  hatte  die  k.  Artillerie 
bereits  29  Geschütze  in  s  Feuer  gebracht  und  richtete  unter  den 
Feinden  viele  Verheerungen  an. 

Der  Feldmarschall  beorderte  nun  den  General  Prinz  nild- 
burgshausen,  mit  den  noch  übrigen  17  Grenadier- Kompagnien 
den  Angriff  zur  rechten  Hand  nächst  dem  Argiuello  zu  beginnen. 

Die  Grenadiere  legten  sogleich  den  Sturm  an,  doch  wurden 
sie  von  den  beiden  gegen  den  Damm  gelegenen  Casinen  zurück- 
geschlagen, und  konnten  nur  eine  dritte  einnehmen,  welche  der 
Feind  beim  Verlassen  in  Brand  steckte.  Nun  räumten  die  Grenadiere 
die  Fronte  und  zogen  sich  in  die  Gebüsche  an  beiden  Dämmen,  um 
durch  dieselben  vorzudringen,  was  ihnen  aber  nicht  gelang.  So 
waren  bereits  29  Grenadier  -  Kompagnien  und  sieben  Bataillone  in 
dem  engen  Räume  zwischen  den  beiden  Dämmen  im  Gefechte  ver- 
wickelt, und  hatten  sich  beinahe  aufgelöst.  —  Der  Feldmarschall 
Graf  Königseck  hoffte  dennoch,  durch  hartnäckige  Fortsetzung 
und  Wiederholung  der  Angriffe  endlich  durchzubrechen  und  die 
feindliche  Stellung  zu  sprengen,  Hess  daher  um  die  Mittagsstunde 
den  General  Baron  Succow  mit  sechs  Bataillons  zum  vierten 

5 


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66 


173.1  - 1785. 


Angriffo  vorrücken,  und  denselben  durch  den  F.  -  M.  -  Lt.  Graf 
W  a  1  s  e  c  k  mit  13  Bataillons  unterstützen. 

Der  König  von  Sardinien  hatte  unterdessen  zehn  Geschütze 
aufführen  lassen ,  um  die  österreichischen ,  welche  mit  grosser 
Wirkung  feuerten,  zum  Schweigen  zu  bringen.  Jetzt  breiteten  sich 
eben  Succow  und  Walseck  mit  ihren  Bataillonen  vor  dem 
feindlichen  linken  Flflgel  aus,  und  ein  Theil  derselben  drang  bereits 
über  die  in  Flammen  stehende  Casine  und  längs  dem  Arginello  vor. 
Hieraus  gelangte  der  König  zur  Ueberzeugung,  dass  sich  die  ganze 
kaiserliche  Macht  gegen  seinen  linken  Flflgel  wende,  und  Hess 
sogleich  einen  grossen  Theil  der  Truppen  seines  rechten  Flügels 
zur  Verstärkung  des  angegriffenen  herbeieilen. 

Die  vorrückenden  frischen  österreichischen  Truppen  vermochten 
auf  der  Angriffslinie  kein  Terrain  zu  gewinnen,  da  sie  durch  die  zwei 
stark  besetzten  Casinen  sehr  aufgehalten  wurden ;  nur  an  dem  Damme 
gelang  es  den  Oesterrcichern  vorzudringen,  und  es  schien,  dass  der 
Feind,  obgleich  eine  Brigade  Verstärkung  bereits  eingetroffen  war, 
hier  nicht  lange  mehr  werde  Stand  halten  können.  Als  die  Gefahr 
hier  immer  wuchs,  rief  der  König  noch  zwei  Brigaden  im  Eilschritt 
herbei,  welche  sich  hinter  seinem  bedrohten  Flflgel  im  zweiten 
Treffen  aufstellten. 

Die  kaiserliche  Keitcrei  unternahm  noch  einen  Angriff,  konnte 
aber  wieder  in  dem  durchschnittenen  Terrain  nicht  vorwärts  kommen 
und  verlor  viele  Offiziere  und  Mannschaft.  Um  diese  Zeit  wurden 
die  Angriffe  der  österreichischen  Infanterie  auf  beiden  Dämmen  mit 
solchem  Nachdruck  wiederholt,  dass  der  König  auch  den  Best  der 
Infanterie  des  rechten  Flügels  eiligst  herbeizog  und  dort  nur  sieben 
Eskadronen  zurückliess. 

Unterdessen  hatten  die  feindlichen  Geschütze  alle  Anstren- 
gungen der  österreichischen  Kavallerie  durch  ihr  verheerendes  Feuer 
vereitelt.  Unsere  braven  Reiter,  welche  beinahe  alle  ibre  Generale 
und  Offiziere  verloren  hatten,  wichen  doch  nicht  aus  ihrer  Stellung, 
bis  die  feindlichen  Grenadiere  ihnen  so  furchtbare  Verluste  bei- 
brachten, dass  ein  ferneres  Aushalten  nur  ein  nutzloser  Menschen- 
verlust  gewesen  wäre.  Sie  räumten  die  mit  Leichen  bedeckte  Wiese 
und  zogen  sich  in  die  Gebüsche  am  Ufer  des  Po. 

Während  der  König  seine  letzten  Bataillone  herbeigezogen 
hatte,  liess  auch  der  Feldmarschall  seine  letzten  sieben  Bataillone 


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1 733-1785. 


07 


unter  F.-M.-Lt.  Graf  N  e  i  p p  e  r  g  vorrücken,  welche  muthvoll  in  den 
Kampf  gingen,  die  piemontesische  Fussgarde  mit  Nachdruck  angriffen, 
dann  aber  in  der  Flanke  angefallen  auch  nicht  durchdringen  konnten. 

Es  war  bereits  4  Uhr  vorbei,  als  die  Angriffe  der  öster- 
reichischen Infanterie  allmählig  schwächer  wurden.  Diese  Infanterie 
hatte  in  dem  sicbenstflndigcn  Gefechte  einen  sehr  bedeutenden 
Verlust  erlitten.  Besonders  war  eine  solche  Menge  von  Generalen, 
Stabs-  und  Oberoffizicren  thcils  getödtet,  theils  verwundet  worden, 
dass  die  Leitung  der  Truppen  sehr  erschwert  wurde  und  die  Be- 
wegungen in  Verwirrung  geriethen.  Das  Misslingen  so  vieler,  mit 
ausgezeichneter  Tapferkeit  unternommenen  Angriffe  hatte  auch  den 
Muth  der  Soldaten  niedergeschlagen;  sie  begannen  nunmehr  sich 
allmählig  aus  dem  Feuer  zu  ziehen,  in  welchem  sie  seit  so  vielen 
Stundeu  muthvoll  ausgehalten  und  alle  ihre  Munition  verschossen 
hatten.  Bei  der  Erschöpfung  srimmtlichor  Truppen  befahl  der  Feld- 
marschall den  Rückzug  der  Armee  nach  Luzzara,  der,  ohne  vom 
Feinde  gestört  zu  werden,  bis  '/a^  Uhr  abends  ausgeführt  wurde, 
um  welche  Zeit  sie  in  ihrem  früheren  Lager  eintraf. 

Der  Verlust  des  Regimentes  welches  ununterbrochen  im  Kampfe 
gestanden,  war  sehr  bedeutend.  An  Todten :  Obristwachtmeister 
Baron  Spies,  Hauptmann  Graf  Thum,  Lieutenant  Adolf  von 
Schacfer,  Fähnrich  Edmund  Baron  Horst  und  300  Mann;  an 
Verwundeten:  Obristlieutenant  Alexander  de  Macdon  eil,  Grenadicr- 
Hauptleutc  Alexander  von  Logau  und  Louis  Toxat  de  La  Motte, 
Grenadier  -  Lieutenants  Franz  Om  an  n  und  Nikolaus  Wolf  f,  Haupt- 
mann Gottlieb  Baron  von  Schwarzenau,  Hermann  H  fl  b  e  r  s, 
Lieutenant  Mathias  Hervay,  Fähnrichs  Karl  Baron  Eplingen, 
Johann  Baron  Meichsner  und  Karl  von  Hörle,  nebst  492  Mann. 
Der  Verlust  der  Armee  betrug  5984  Mann  und  1660  Pferde;  jener 
des  Feindes  1734  Todte  und  3930  Verwundete. 

Am  20.  September  früh  rückten  die  französischen  Grenadiere 
und  Karabiniers  gegen  Luzzara  vor,  während  die  k.  Armee  bereits 
ihren  Rückzug  über  den  Fluss  Zero,  nach  Montechiara  ausgeführt 
hatte.  Der  Feind  bezog  am  Nachmittage  das  Lager  bei  Luzzara  und 
blieb  hier  am  21.,  sowie  die  k.  Armee  hinter  dem  Zero  und  dem 
Damme  des  Po  stehen.  Da  die  k.  Armee  Miene  machte  über  den 
Po  zu  gehen  und  gegen  den  Oglio  zu  rücken,  marschirte  das  feind- 
liche Heer  nach  Quastalla  zurück. 

5* 


08 


178«- 1785. 


Der  Fouragemangel  war  in  der  von  den  Oesterreichern  be- 
setzten Gegend  so  gross,  dass  der  Feldrnarschall  gezwungen  war 
über  den  Po  zurückzugehen,  was  die  Armee  am  25.  ausführte,  die 
Brücken  abbrach  und  das  Lager  bei  Borgoforte  bezog,  wo  sie  bis 
7.  Oktober  stehen  blieb.  Das  bisher  als  Besatzung  in  Mantua  ge- 
wesene vierte  Bataillon  vereinigte  sich  hier  mit  dem  Regimente. 

Am  7.  Oktober  marschirte  die  k.  Armee  von  Borgoforte  gegen 
Mantua,  in  das  Lager  bei  Montanara  und  Curtatone,  am  0.  nach 
Castellugio.  Währond  dieser  Zeit  war  der  französische  General- 
lieutenant Mallebois  mit  C000  Mann  vor  Mirandola  gerückt, 
welches  der  k.  Obrist  Baron  Stcntsch  mit  nur  300  Mann  helden- 
müthig  vertheidigte.  Der  Feldmarschall  sendete  am  10.  Oktober 
den  F.-M.-Lt.  Grafen  Neipperg  mit  den  Generalen  Prinz  Hild- 
burgshausen  und  Anhalt  mit  500  Huszaren,  drei  Kavallerie- 
und  drei  Infanterie  -  Regimenter,  dabei  Teutschmeister,  zusammen 
bei  5000  Mann,  zum  Entsätze  gegen  Mirandola.  Tn  der  Nacht  auf 
den  11.  wurde  die  Schiffbrücke  mit  möglichster  Stille  aus  dem 
Mincio  in  den  Po  geführt  und  zwischen  Sacchetta  und  Sostinente 
aufgestellt,  wo  dieses  Korps  übergehen  sollte.  Die  am  rechten  Ufer 
stehenden  feindliehen  Posten  hatten  jedoch  diese  Zubereitungen  be- 
merkt und  Allarm  geschlageu.  Der  zur  Deckung  der  Belagerung  in 
Revere  aufgestellte  General  Marquis  Monconseil,  sandte  ein 
Detachement  von  100  Grenadieren  und  50  Reitern  an  dem  Flusse 
hinauf,  um  das  kaiserliche  Korps  zu  rekognosziren.  Dieses  wurde 
von  einem  Bataillon  Teutschmeister  und  einigen  Huszaren,  welche 
bereits  über  den  Fluss  gesetzt  waren,  angegriffen  und  bis  Revere 
verfolgt.  Am  12.  um  4  Uhr  morgens  räumte  Monconseil  Revere 
und  flüchtete  gegen  Mirandola.  Das  Belagerungs  -  Korps  wurde  von 
panischem  Schrecken  ergriffen;  Mallebois,  welcher  bereits  Bresche 
geschossen  und  sich  auf  dem  bedeckten  Wege  festgesetzt  hatte, 
hob  so  schleunig  die  Belagerung  auf  und  zog  sich  so  eilends  nach 
Modena  zurück,  dass  er  10  Geschütze  mit  vieler  Munition  nebst 
seinen  Proviantvorräthen  und  vielen  Verwundeten  zurückliess.  An 
demselben  Tage  als  die  Franzosen  von  Mirandola  abzogen,  wurde 
erst  die  Schiffbrücke  fertig  und  der  Uebergang  des  Korps  begonnen. 
Als  Neipperg  vor  Mirandola  ankam,  war  nichts  mehr  vom  Feinde 
zu  sehen.  Nachdem  die  feindlichen  Angriffsarbeiten  der  Erde  gleich 
gemacht  worden,  rückte  Neipperg  mit  seinem  Korps  wieder  bei 


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17:18-178«. 


69 


der  Armee  ein,  die  er  am  17.  Oktober  bei  Madonna  della  Grazie 
am  Mincio  antraf. 

Die  Witterung  war  damals  höchst  ungünstig;  last  ununter- 
brochene Regengüsse  währten  durcli  drei  Wochen,  alle  Flüsse  traten 
aus  ihren  Ufern  und  überschwemmten  weit  das  Land.  Diese  immer 
zunehmenden  Ueberschwemmungen  nöthigten  die  k.  Armee  am 
21.  Oktober  nach  Rivaita,  24.  nach  Rovigo  und  am  29.  in  das 
Lager  bei  Gazzoldo  zu  marschiren.  Von  hier  aus  rückten  die 
Truppen  in  Kantonnirungen  längs  dem  Oglio,  das  Regiment  nach 
Ostiano.  Aus  dieser  Stellung  wurde  General  Prinz  Hildburgs- 
hausen mit  dem  Regiment  Teutschmeister  nach  Sabionetta  gesendet, 
um  die  dortige  feindliche  Besatzung  aufzuheben.  Bei  seiner  Ankunft 
Hess  er  die  französische  200  Mann  starke  Besatzung  zur  Uebergabe 
auffordern,  worauf  der  Kommandant,  Oberetlieutenant  La  Doue, 
vom  Regiment  Luxemburg  antwortete,  ,dass  er  sich  nicht  eher  er- 
geben könne,  bis  nicht  wenigstens  einiges  Geschütz  vor  der  Stadt 
erscheine."  Der  Prinz,  welcher  wegen  den  verdorbenen  Strassen  das 
Regiraentsgeschütz  nicht  mitnehmen  konnte,  bediente  sich  nun  der 
List,  dass  er  einen  dicken  Baum  fällen,  in  der  Gestalt  eines  Kanonen- 
rohres zuhauen,  gelb  bemahlen  und  auf  einen  Wagen  legen  Hess, 
vor  den  acht  Paar  Ochsen  gespannt,  mit  grossem  Lärm  und  Geschrei 
angetrieben  wurde.  Ein  Tambour  brachte  nun  die  zweite  Aufforderung 
in  den  Platz,  welche  die  Drohung  enthielt,  „dass  die  ganze  Be- 
satzung über  die  Klinge  springen  müsse,  wenn  sie  auch  nur  einen 
Schuss  aus  dieser  Kanone  abwarte."  So  wie  die  französische  Besatzung 
dieses  fürchterliche  Geschütz  von  Weitem  herannahend  erblickte, 
begehrte  sie  zu  kapituliren  und  erhielt  freien  Abzug  nach  Crcmona. 

In  den  letzten  Tagen  November  hatte  es  stark  gefroren,  und 
dadurch  waren  plötzlich  alle  Strassen  fahrbar  geworden.  Der  Feld- 
marschall sammelte  am  1.  Dezember  die  Armee,  ging  am  3.  über 
den  Po  und  rückte  gegen  Luzzara,  als  aufs  Neue  anhaltendes  Regen- 
wetter hereinbrach,  welches  die  Strasseu  ganz  unbrauchbar,  und  die 
Zufuhr  unmöglich  machte.  Da  es  nun  undenkbar  war,  die  Operationen 
fortzusetzen,  so  führte  der  Feldmarschall  am  25.  Dezember  die  Trappen 
über  den  Po  zurück.  Das  Regiment  erhielt  wieder  Ostiano  als 
Kantonnirung. 

Obrist  Regiments  -  Kommandant  Franz  Ferdinand  Baron  von 
Globitz  starb  am  25.  Dezember  1734,  und  nun  kommandirtc  der 


70 


1783-178.Y 


am  1.  August  als  aggregirt  zugewachsene  Ohristlieutenant  Alexander 
de  Macdonell  das  Regiment. 

In  diesem  Jahre  ist  Hauptmann  Malanotta  de  Caldes  und 
Kegiments-Feldschercr  Johann  Sturm  gestorben. 

Ausser  einigen  Rekognoszirungen,  um  die  feindliche  Armee  in 
Athem  zu  erhalten,  fiel  im  Winter  1734  auf  1735  nichts  vor.  Das 
Regiment  blieb  ruhig  in  seinen  Quartieren.  Nach  der  vorhandenen 
Ordre  de  bataille  befand  sich  ein  Bataillon,  542  Mann  stark  in 
Mantua,  zwei  Bataillons  in  der  Division  F.-M.-Lt.  Baron  Leutrum, 
Brigade  G.  -F. -W.  Baron  Dam  nitz. 

Gegen  Ende  April  1735  befahl  F. -M.  Graf  Königseck  den 
Truppen,  sich  am  Po  und  Oglio  zu  sammeln,  und  am  1.  Mai  be- 
zogen selbe  das  Lager  bei  Sau  Beuedetto.  Als  die  Nachricht  einlief, 
dass  der  Feind  sich  am  Oglio  zusammenziehe,  rückte  anfangs  die 
Division  Leutrum  auf  das  linke  Ufer  dieses  Flusses;  am  14.  Mai 
folgte  das  ganze  Korps  Neipperg.  Dieses  Korps  theilte  sich  am  21.; 
Neipperg  selbst  nahm  Stellung  bei  Borgo  forte,  Leutrum  blieb 
bei  Campitello.  Als  anfangs  Juni  der  Feldmarschall  die  Mittheilung 
erhielt,  dass  sich  die  aus  Neapel  angerückten  spanischen  Truppen 
mit  den  Frauco-Sarden  vereinigt  hätten,  liess  er  die  k.  Armee  auf 
das  linke  Ufer  des  Po  zurückgehen  und  ein  Lager  bei  Sacchetta  be- 
ziehen. Am  3.  Juni  setzte  die  k.  Armee  ihren  Marsch  nach  Ostiglia 
fort,  wo  sie  um  Mittag  einrückte.  In  der  Nacht  vom  10.  auf  den  11. 
brach  die  Armee  von  hier  nach  Governolo  auf,  wo  sie  des  Morgens 
ein  Lager  bezog,  dann  am  13.  am  linken  Ufer  des  Mincio  hinauf 
in  das  Lager  bei  der  Vorstadt  San  Giorgio  von  Mantua.  Die  k.  Armee 
verliess  am  14.  die  Gegend  von  Mantua,  und  raarschirte  auf  Mar- 
mirolo.  In  Mwtua  blieb  der  berühmte  Vcrtheidiger  von  Philippsburg, 
F.  -  Z.  -  M.  Baron  Wutgenau,  als  Befehlshaber  zurück.  Die  Be- 
satzung bestand  bisher  nur  aus  zwei  Bataillons  und  erhielt  nun 
sieben  Bataillons  mit  200  Reitern  Verstärkung.  Vom  Regiment 
wurde  der  Lieutenant  Peter  de  Mayer  mit  00  Mann  nach  Mantua 
kommandirt.  Am  15.  rückte  die  k.  Armee  nach  Castiglionc  Mantorano, 
am  17.  nach  Rovcrbella,  19.  Villafranca,  20.  Bussolengo,  dann  bei 
Einbruch  der  Nacht  nach  Campara  an  der  Etsch,  welches  am  21. 
des  Morgeus  erreicht  wurde.  Am  23.  Juni  stellte  sich  das  Regiment 
mit  noch  einigen  anderen  auf  den  Anhöhen  von  Rivoli  auf,  indess 
die  Armee  den  Uebergang  über  die  latsch  ausführte  und  rückte  dann 


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mn  j78r,. 


71 


am  24.  in  das  Lager  bei  Dolcc.  Am  25.  besetzte  die  Division  den 
Montebaldo  mit  einigen  Regimentern,  an  welche  sich  die  Landes- 
vertheidiger  Tirols  anschlössen,  während  die  Hauptarmee  in  Tirol 
einrückte,  die  Grenze  und  alle  Pässe  besetzte.  Der  Feind  rückte 
nicht  ferner  nach,  sondern  begann  die  Belagerungen  von  Mantua 
und  Mirandola. 

Anfangs  September  wurde  die  in  Kantonnirungen  liegende 
k.  Armee  durch  die  Nachricht  allarmirt,  dass  der  Feind  in  mehreren 
Kolonnen  gegen  die  Gebirgspässe  vorrücke.  Sämmtliche  Truppen 
rückten  an  die  ihnen  angewiesenen  Posten,  das  Regiment  mit  vielen 
Tiroler-Schützen  auf  Val  di  Ledro,  wo  dasselbe  so  lange  blieb,  bis 
am  3.  Dezember  zu  Verona  der  Waffenstillstand  unterzeichnet  wurde. 

Obristlieutenant  Baron  Heydorff  traf  um  diese  Zeit,  von 
seiner  Verwundung  genesen,  beim  Kegimente  ein,  und  übernahm 
vom  Obristlieutenant  Macdonell  das  Kommando. 

Gegen  Ende  Dezember  marschirte  das  Regiment  in  der  Divi- 
sion Lcutrum  in  das  Gebiet  von  Bologna  und  bezog  mit  dem  Stabe 
und  einigen  Kompagnien  in  Codigora,  die  übrigen  in  Migliariuo, 
Corna,  Cervina  und  Ostelatto  Kantonnirungsquartiere. 

Im  Jahre  1735  waren  der  Quartiermeister  Karl  Knöffel, 
Wachtmeister -Lieutenant  Franz  Schreyer,  Feldscherer  Jakob 
Kay ser,  Hauptmann  Leopold  Graf  Maltzan,  Lieutenant  Barth. 
Braun  und  Fähnrich  Josef  Baron  Metzenhausen  gestorben. 

Der  Schlussvertrag  des  Friedens  wurde  erst  am  18.  No- 
vember 1738  unterzeichnet.  Herzog  Franz  v.  Lothringen,  seit 
12.  Februar  1736  mit  der  kaiserlichen  Erbtochter,  der  Erzherzogin 
Maria  Theresia,  vermählt,  erhielt  das  Grossherzogthum  Toskana. 
Oesterreich  blieb  im  Besitze  der  Lombardie  und  des  Herzogthums 
Mantua,  bekam  dazu  Parma  und  Piacenza,  und  Frankreich  anerkannte 
die  pragmatische  Sanktion. 


72 


1736-1740. 

Anfangs  Januar  1736  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  480  Re- 
kruten aus  Schlesien  abholen  zu  lassen.  Hauptmann  Graf  Lecrod, 
Lieutenant  B6cr  und  Merkel,  und  Fähnrich  Rivenich  brachen  am 
6.  dorthin  auf ;  ebenso  Hauptmann  Carl  Baron  Lcstwitz,  Lieutenant 
Wollt'  und  Baron  Meichsner,  Fähnrich  Kleisten  am  11.  nach 
Schweidnitz  zur  Abholung  von  420  Rekruten. 

Im  Mai  verliess  das  Regiment  seine  Stationen  und  marschirte 
nach  Piacenza;  anfangs  September  mit  dem  Regiment  Alt-Vallis 
nach  Pavia;  wo  am  14.  diese  Stadt  durch  F.-M.-Lt.  GrafHohen- 
ems  von  den  abziehenden  Franzosen  übernommen  wurde. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  vom  1.  November  1736  wurde 
Obristlieutenant  Josef  Baron  Heydorff  als  Obrist- Regiments-Kom- 
mandant vorgestellt,  der  aggregirte  Obristlieutenant  Alexander 
de  Macdonell  in  die  Wirklichkeit  eingebracht  und  der  Obrist- 
lieutenant Fürst  Piccolomini  d'Aragona  dem  Regimente  aggregirt. 

Ende  des  Jahres  rückten  die  beiden  Rekruten -Transporte  in 
Pavia  beim  Regimente  ein,  welches  2  Grenadier-  und  20  Musketier- 
Kompagnien  formirte. 

Hauptmann  Peter  Elvenich  und  Philipp  Mesner,  Lieutenant 
Gottfried  Burgkeller,  Fähnrich  Gottfried  Berger  sind  1736  ge- 
storben. Fähnrich  Baron  Matuschka  hat  dem  Hauptmann  Wurff 
die  Kompagnie  abgekauft  und  wurde  als  Hauptmaun  vorgestellt. 

Am  21.  April  1736  war  zu  Wien  Oesterreichs  grösster  Feld- 
herr und  Staatsmann,  Prinz  Eugen  von  Savoyen,  gestorben.  Die 
Trauer  um  seinen  Verlust  war  beim  Kaiser,  der  Armee,  ja  ganz 
Oesterreich  allgemein.  Auf  ausdrücklichen  Befehl  des  Kaisers  wurde 
sein  Leichenbegünguiss  in  eiuer  Weise  veranstaltet,  wie  es  vor 
ihm  in  Oesterreich  noch  keinem  Unterthan  zu  Theil  geworden  war. 
„Denn  man  solle  sehen,"  so  lauteten  des  Kaisers  Worte,  ,dass  des 
a Verstorbenen  merita  allzeit  bei  mir  unsterblich  sein  werden."  Am 
26.  fand  das  Leichenbegängnis«  statt,  welches  an  düsterer  Pracht 
alles  übertraf,  was  man  bis  dahin  in  Wien  gesehen  hatte.  Vierzehn 
Feldmarschall -Lieutenants  trugen  die  Enden  des  Bahrtuches;  die 


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1736-1740. 


73 


ganze  Garnison  gab  den  Kondukt,  der  Kaiser  selbst  wohnte  der 
Einsegnung  in  der  Stefanskirche  bei,  wo  die  Leiche  in  der  Kreuz- 
kapelle in  die  Gruft  gesenkt  wurde.  Ein  steinerner  Sarg  mit  der 
Abbildung  des  vom  Papst  geweihten  Hutes  und  Degens  bedeckt,  über 
ihm  in  halberhabener  Arbeit  das  Bild  der  Belgrader  Schlacht,  das 
Ganze  von  einer  Pyramide  überragt,  die  mit  der  Inschrift  versehen 
ist,  bezeichnet  die  Ruhestätte  des  Helden. 

Im  dreissigj ährigen  Kriege  hatten  die  Feldherren  Tilly  und 
insbesondere  Waldstein,  Herzog  von  Friedland,  sich  bemüht,  eine 
gewisse  militärische  Ordnung  in  ihre  zusammengewürfelten  Armeen 
zu  bringen,  welcher  das  alte  frundsberg'sche  Landsknecht-Reglement 
zu  Grunde  lag;  Monteccucoli  ging  schon  weiter,  aber  die  ersten 
militärischen  Verordnungen  erschienen  erst  unter  Kaiser  Leopold  I. 
1697  und  1699.  Dann  trat  Prinz  Eugen  auf,  und  diesem  ist  vor- 
züglich die  Organisirung  der  Armee  zu  danken.  Sein  Werk  war  der 
vorzüglichste  Geist,  der  die  Armee  beseelte,  und  unter  seinem  Wirken 
als  Hofkriegsraths -Präsident  kamen  die  Worte  des  grossen  Dichters 
zur  vollen  Geltung: 

»Der  Soldat  muss  sich  können  fühlen, 
„wer's  nicht  edel  und  nobel  treibt 
»lieber  weit  von  dem  Handwerk  bleibt.' 
Früher  waren  zwei  Faktoren  geltend,  um  eine  glänzende  Lauf- 
bahn zurückzulegen :  Gunst  und  Geld !  Unter  Eugen  galt  nur  das 
Verdienst,  die  Meriten,  wie  man  sich  ausdrückte.  Er  schaffte  das 
Kaufen  der  Stellen  ab  und  verfuhr  gegeu  Käufer  und  Verkäufer 
ohne  Rücksicht  auf  Stellung  und  Rang  mit  Entlassung  aus  der 
Armee.  Die  Sitte,  dass  der  Inhaber  einem  Kinde  bei  der  Geburt 
ein  Lieutenants -Patent  in  die  Wiege  legen  konnte,  hörte  auf.  Der 
pünktlichste  Gehorsam  wurde  gefordert  und  streng  darauf  gehalten, 
dass  die  Bewohner  des  Landes  nicht  bedrückt  wurden;  in  diesen 
beideu  Fällen  durfte  jeder  Uebertreter  der  strengsten  unnachsichtigsten 
Bestrafung  gewiss  sein  und  da  galt  weder  hoher  Rang,  noch  persön- 
liche Bravour  oder  sonstige  Auszeichnung  des  Schuldtragenden.  Auch 
für  das  Wohl  der  Offiziere  und  Soldaten  wurde  schon  mehr  Sorg- 
falt verwendet;  man  errichtete  iu  jeder  Festung  eine  Kompagnie 
Invaliden,  in  welche  die  im  Dienste  erwerbsuufähig  oder  gar  zu 
Krüppel  gewordenen  eingetheilt  wurden,  damit  sie,  wie  sich  Eugen 
in  seinem  Vorschlage  ausdrückt,   in  anständiger  Weise  versorgt 


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74  1786-1740. 

und  nicht  ihrer  eigenen  Regierung  zur  Schmach,  dem  Elende  preis- 
gegeben bleiben. 

Unter  Kaiser  Joseph  I.  wurde  eine  gleich  massige  Uniform 
eingeführt;  perlgraue  oder  weisse  Röcke.  Das  Tuch  lieferten  Frank- 
furter Kaufleute ;  später  bezog  die  ganze  Armee  die  Tücher  aus  den 
Fabriken  zu  Iglau,  damit  das  Geld  die  einheimischen  Industriellen 
verdienen.  Nach  einer  Musterliste  vom  Jahre  1717  hatte  das  Re- 
giment weisse  Röcke  mit  blauen  Aufschlägen,  blaue  Kamisols  und 
Hosen.  Die  Bewaffnung  bestand  aus  der  Muskete  und  dem  Bajonnet, 
welches  um  die  Hüfte  an  einem  Riemen  vor  dem  linken  Fusse  hing. 
Mit  der  Uniform  bürgerte  sich  auch  der  Schnurbart  mehr  und  mehr 
ein;  zuerst  erschien  er  1705  bei  den  Grenadieren. 

Die  Mannschaft  wurde  in  aller  Herren  Länder  geworben,  jedoch 
auch  hierin  herrschte  mehr  Ordnung.  Um  auf  den  Ehrgeiz  der 
Soldaten  zu  wirken,  durften  keine  Schindersknechte  oder  mit  dem 
Staubbesen  ausgestaubte,  ebensowenig  Deserteurs  fremder  Truppen 
in  die  Armee  aufgenommen  werden,  denn  von  diesen  galt  der  Grund- 
satz »Schelm  bleibt  Schelm  sein  Lebelang." 

Das  Regiment  formirte  drei  oder  vier  Bataillone  zu  fiinf  Kom- 
pagnien und  zwei  Grenadier  -  Kompagnien.  Die  Tambours  standen 
bei  dem  Kommandanten  und  gaben  die  Signale;  es  wurde  eigentlich 
mit  der  Trommel  kommandirt.  Das  1737  erschienene  Reglement 
ordnete  das  Benehmen  in  besonderen  Dienstesangelegenheiten ;  der 
gewöhnliche  Dienstbetrieb  blieb  dem  Kommandanten  überlassen. 
Das  österreichische  Heer  war  noch  ein  buntes  Gemisch  von  den 
Gebräuchen  des  Heerbannes,  des  Söldnerwesens  und  der  Regeln 
für  ein  stehendes  Heer.  In  fortwährenden  Kriegen  gebildet,  hielt 
man  die  Details  für  geringfügig,  war  an  eine  leichtere  Disciplin 
und  freieres  Leben  gewöhnt.  Es  wurde  scharf  getrunken  und 
gespielt,  selbst  das  Reglement  trat  diesen  Lastern  nicht  entgegen, 
sondern  verbot  blos  das  „ heimliche  Spielen".  Nüchternheit  ver- 
langte es  nur  bei  gewissen  Diensten,  wie  z.  B.  bei  dem  Kriegsrecht, 
Musterung  etc. 

Nachdem  die  Dienstzeit  meistens  lebenslänglich  war,  so  wurden 
den  Heiraten  der  Mannschaft  wenig  Schwierigkeiten  entgegengesetzt, 
wodurch  manche  Kompagnie  die  gleiche  Anzahl  Soldaten  und  Weiber 
hatte.  Jene  Weiber,  welche  keine  Kinder  hatten,  durften  neben  der 
Kompagnie  marschiren,  die  übrigen  brachte  der  Profoss  auf  Wägen 


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178«  1740. 


75 


nach.  Die  Soldaten  waren  zerstreut  bequartirt,  oft  nur  einige  Mann 
im  Dorfe,  wo  der  Bürgermeister  für  ihre  Erhaltung  sorgen  musstc. 

Am  1.  Oktober  173C  wurden  die  vierten  Bataillons  aller  In- 
fanterie-Regimenter aufgelöst  und  diese  durchaus  auf  drei  Bataillons 
und  zwei  Grenadier  -  Kompagnien  mit  einem  kompleten  Stande  von 
2300  Mann  gesetzt.  In  Folge  dessen  wurden  mehrere  Offiziere  als 
aggregirt  behandelt  und  der  Proviantmeister  Augustin  Le ithner, 
sowie  der  Wagenmeister  Augustin  Dressel  in  die  Kompagnien  ein- 
getheilt. 

Im  Jänner  1737  erhielt  das  Regiment  300  in  Wien  angeworbene 
Rekruten,  welche  Hauptmann  Graf  Onelli,  Lieutenant  Lorenz  Wolff 
und  Fähnrich  Hl v mich  nach  Paria  brachten. 

Die  durch  Auflosung  des  vierten  Bataillons  aggregirt  gewordenen 
Hauptmann  Baron  Matuschka,  Lieutenant  Nikolaus  Wolff  und 
Fähnrich  Offare  1  schlössen  sich  in  Wien  dem  vom  General  Pal a- 
vicini  errichteten  Freikorps  an  und  machten  in  demselben  den 
Tnrkenkrieg  mit.  Hauptmann  Baron  Matuschka  starb  aber  bald 
nach  dem  Ausraarsche. 

Im  Mai  wurde  zur  Beschützung  des  österreichischen  Litorale 
gegen  die  alles  zerstörenden  Türken  ein  Korps  aus  Italien  von 
1000  Mann,  bei  welchem  sich  eine  Kompagnie  des  Regimentes,  unter 
Hauptmann  Hübers  und  Lieutenant  Valoraile  befand,  unter 
Kommando  des  Obristlieutenant  v.  Macdon  eil,  auf  dem  Po  ein- 
geschifft und  nach  Triest  geführt.  . 

Der  aggregirte  Obristlieutenant  Fürst  Piccolomini  d'Aragona 
wurde  mit  Reskript  vom  28.  Juli  1737  in  ein  anderes  Regiment 
eingetheilt,  dagegen  Obristlieutenant  v.  Albersdorf  mit  1.  No- 
vember dem  Regiment  als  aggregirt  in  Stand  gegeben. 

Mit  Reskript  vom  9.  Februar  1738  wurde  der  Obristlieutenant 
Anton  Graf  Collorcdo  vom  Baden  sehen  Regiment,  als  aggregirter 
Obrist  in  das  Regiment  eingetheilt,  dagegen  der  aggregirte  Obrist- 
lieutenant von  Albersdorf  in  jenem  Regiment  in  die  Wirklichkeit 
eingebracht.  Obrist  Graf  Colloredo  befand  sich  als  Volontär  im  Feld- 
zuge gegen  die  Türken  und  rückte  erst  im  Oktober  beim  Regimente  ein. 

Ein  Bataillon  des  Regiments  marschirte  als  Besatzung  in  das 
Castell  von  Mailand;  ein  Detachement  nach  Mantua;  auch  gab  das 
Regiment  mehrere  Kommandos  nach  Deutschland,  um  Ersatzmann- 
schaft zur  Armee  in  Ungarn  zu  führen. 


76 


178Ö  1740 


Hauptmann  Kasimir  Graf  Leer  od  ist  in  diesem  Jahre  zu 
Achen  gestorben. 

Anfangs  Mai  1739  kam  der  Grossherzog  von  Toskana  sammt 
Gemahlin  Maria  Theresia  nach  Mailand,  in  Folge  dessen  die 
beiden  Grenadier-Kompagnien  zur  Aufwartung  dorthin  abrückten  und 
bis  zur  Rückreise  der  höchsten  Herrschaften  nach  Wien  den  Dienst 
leisteten. 

Ende  Mai  begab  sich  Obrist  Baron  Hey  dorff  in  ein  Bad  nach 
Deutschland,  starb  aber  auf  der  Reise  zu  St.  Tomaso.  In  Folge 
dessen  wurde  Obrist  Graf  Colloredo  in  die  Wirklichkeit  eingebracht 
und  übernahm  im  Oktober  das  Regiments  -  Kommando. 

Im  Frühjahre  1740  rückte  Obristlieutenant  Macdonell  mit 
der  Kompagnie  aus  Triest,  ebenso  das  Bataillon  aus  dem  Mailänder 
Castell  wieder  beim  Regimente  in  Pavia  ein.  Lieutenant  Baron 
Meichsner,  welcher  als  Transportskoramandant  in  Deutschland 
kommandirt  war,  brachte  am  8.  August  259  deutsche  Rekruten  zum 
Regiment,  welche  auf  Kosten  des  Obrist-Inhaber  geworben  waren. 

Am  20.  Oktober  1740  starb  Kaiser  Karl  VI.  -  Obrist  Graf 
Colloredo  knüpfte  die  Trauerflore  an  die  Fahnen,  worauf  das 
Regiment  der  Kaiserin  Maria  Theresia,  welche  mit  dem  Wahl- 
spruche „Justitia  et  dementia"  den  Thron  ihrer  Vater  bestiegen 
hatte,  das  juramentura  fidelitatis  in  feierlicher  Weise  ablegte. 

Mit  Kaiser  Karl  VI.  starb  der  Mannesstamm  des  Hauses 
Habsburg  aus,  das  durch  die  Grösse  seiner  Schicksale  merkwürdig 
ist.  Von  kleinen  Anfängen  war  es  zu  staunenswerther  Macht  empor- 
gestiegen. Das  Gebiet  des  Grafen  Rudolf  von  Habsburg  umfasste 
wenige  Stunden  und  im  Reiche  Karls  V.  ging  die  Sonne  nicht 
unter.  Das  erlauchte  Geschlecht  ist  reich  an  wunderbaren  Wechseln 
des  Glückes.  Rudolf  I.  ward  vom  einfachen  Grafen  von  Habsburg 
auf  den  ersten  Thron  in  der  Christenheit  erhoben  und  gewann  dem 
Reiche  und  seinem  Hause  die  Herzogthümer  Ober-  und  Nieder- 
Oesterreich,  Steiermark  und  Kärnten.  Sein  Sohn  Alb  recht  I.  erwarb 
das  Königreich  Böhmen.  Die  Krone  des  deutschen  Reiches,  die  dessen 
Sohn  Friedrich  der  Schöne  nur  kurze  Zeit  trug,  blieb  dem  Hause 
länger  als  ein  Jahrhundert  eutrissen.  Dann  unter  dem  edlen,  hoch- 
begabten Albrecht  II.  nahmen  die  Habsburger  wieder  einen  Auf- 
schwung und  dreizehn  Glieder  ihres  Stammes  trugen  nacheinander  die 
Kaiserkrone.  Unter  dem  ritterlichen  Maximilian  I.  nahm  die  Macht 


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17:10-1740. 


77 


des  Hauses  einen  herrlichen  Aufschwung  durch  seine  Vermählung 
mit  Maria  von  Burgund,  welche  das  Herzogthum  Burgund, 
Belgien  und  die  Niederlande  mitbrachte.  Sein  Sohn  Philipp  der 
Schöne  ward  durch  seine  Gemahlin  Johanna  der  Erbe  von  Spanien, 
Neapel,  Sizilien  und  der  neuentdeckten  Länder  in  Amerika.  Noch 
mächtiger  war  Philipps  Sohn  Karl  V.  Er  besass  als  Kaiser  eine 
Macht,  wie  wenige  vor  ihm.  Ein  Grundzug  kehrt  in  der  Geschichte  des 
Geschlechtes  immer  wieder  —  Der  Sinn  für  das  Recht!  —  Der 
Glaube  an  das  Recht  kennzeichnet  Alle,  sie  glauben  an  Ehre  und  Treue 
unter  den  Menschen  und  stehen  dafür  ein  und  greifen  nicht  muth willig 
nach  fremden  Besitz.  Diesen  Sinn  hatte  auch  der  letzte  vom  Manns- 
stamm der  Habsburger.  Karl  VI.  glaubte  an  das  Halten  der  Verträge, 
weil  er  sie  selber  hielt.  Ruhig  schied  er  aus  der  Welt,  weil  alle 
Staaten  die  pragmatische  Sanktion  anerkannt  und  deren  Gewähr- 
leistung feierlichst  zugesagt  hatten.  Der  grosse  Feldherr  Eugen 
rieth  dagegen  dem  Kaiser  beständig,  auf  ein  starkes  Heer  und  einen 
gefüllten  Schatz  mehr  zu  halten,  als  auf  alle  Versprechen.  ,100.000 
Soldaten  und  ein  gefüllter  Schatz  seien  besser,  als  alle  Traktate." 

Kaiser  Karl  VI.  hatte  nur  einen  Sohn,  Erzherzog  L e o p o  1  d, 
geboren  13.  April  1710,  der  aber  schon  am  6.  November  starb.  Es 
trat  also  der  in  der  pragmatischen  Sanktion  vorgesehene  Fall  ein, 
dass  die  älteste  Tochter  Maria  Theresia  all'  diese  schönen 
Länder  erbte.  Geboren  den  13.  Mai  1717  war  die  Herrscherin  bei 
der  Thronbesteigung  23  Jahre,  f>  Monate  alt;  ihre  Vermählung 
mit  dem  Herzog  Franz  Stephan  von  Lothringen  hatte  am 
12.  Februar  1736  stattgefunden. 

Das  Heer  war  nicht  stark,  80.000  Mann  von  der  türkischen 
Grenze  bis  in  die  Niederlande,  und  von  Toskana  bis  nach  Böhmen 
zerstreut;  es  fehlte  der  alte  siegesgewisse  Geist,  die  Disziplin  war 
gelockert,  die  Festungen  verwahrlost,  die  Veteranen  Eugens  durch 
Pest  und  Seuchen  hingerafft;  die  Bevölkerung  war  in  Ungarn  wie 
in  den  deutschen  Provinzen  in  bedenklicher  Stimmung.  Die  Aufgabe, 
welche  Maria  Theresia  zu  lösen  hatte,  war  riesengross,  aber 
sie  verzagte  nicht  und  der  Geist  der  Zuversicht,  der  sie  beseelte, 
theilte  sich  bald  ihrer  Umgebung  mit.  Am  21.  November  ernannte 
die  Kaiserin  ihren  Gemahl  zum  Mitregenten. 

Hauptmann  Wilhelm  Graf  Schelart  ist  1740  gestorben. 


78 


1741-1748. 


1741-1748. 

Das  erste  Anzeichen  eines  drohenden  Sturraes  kam  von  München, 
nämlich  ein  Protest  gegen  den  Regierungsantritt  Maria  Theresia's, 
weil  der  Kurfürst  Karl  Albert  mit  der  zweiten  Tochter  Kaiser 
Joseph  L  vermählt  war,  die  aber  bei  ihrer  Vermählung  auf  alle 
Ansprüche  Verzicht  geleistet  hatte.  Der  Widerstand  Baiern's  war 
nicht  gefährlich,  aber  in  Paris,  Madrid  und  Berlin  entwarf  mau 
Pläne,  Oesterreich  zu  zertrümmern,  und  dem  Kurfürsten  von  Baiern 
den  Kaisermantel  umzuhängen,  wenn  er  undeutsch  genug  wäre,  sein 
Vaterland  den  Fremden  preiszugeben  und  mit  ihnen  zu  theilen. 
Eine  grosse  Gefahr  trat  für  Oesterreich  heran,  aus  der  es  allein 
durch  die  Seelengrösse  der  Herrscherin  und  durch  die  Treue  seiner 
Völker  gerettet  werden  konnte. 

Der  erste  Angriff  auf  das  Gebiet  der  edlen  Herrscherin  ging 
von  Preussen  aus,  von  einem  Könige,  von  dem  man  Feindseligkeiten 
zu  erwarten  keinen  Grund  hatte.  Das  Haus  der  Kurfürsten  Hohe n- 
zollern  war  1701  vom  Kaiser  Leopold  I.  mit  königlichen  Ehren 
bedacht  worden.  Am  16.  Dezember  1740  rückte  das  preussisehe  Heer, 
40.000  Mann  stark,  mit  fliegenden  Fahnen  und  unter  Trommelschlag  in 
Schlesien  ein;  keine  Kriegserklärung  war  vorausgegangen,  die  Provinz 
war  wehrlos,  denn  nur  7000  Maun  waren  im  Lande.  Die  Festungen 
waren  verfallen  und  seit  90  Jahren  nicht  ausgebessert.  Zum  Glück 
stand  an  der  Spitze  der  wenigen  Regimenter  ein  tüchtiger  Führer, 
F. -M. -Lt.  Browne,  8onst  wäre  Schlesien  im  Durchmarsche 
genommen  worden.  Einige  Festungen  leisteten  Widerstand.  Browne 
lieferte  ein  heisses  Scharmützel  bei  Grätz  am  25.  Jänner  und  zog 
sich  dann  nach  Mähren  zurück ;  —  beide  Armeen  bezogen  die  Winter- 
quartiere ;  —  bis  auf  einige  Festungen  war  ganz  Schlesien  in  den 
Händen  der  Preussen. 

Am  29.  März  lückte  F.-Z.-M.  Graf  Neipperg  mit  12  Bataillons 
und  11  Reiterregimenter  wieder  in  Schlesien  ein;  am  10.  April 
erfolgte  die  Schlacht  bei  Mollwitz,  die  für  Oesterreich  verloren  ging. 
Man  schrieb  diesen  Sieg  den  preussiseben  eisernen  Ladstöcken  zu, 
während  die  Oesterreicher  hölzerne  hatten,  die  beim  schnellen  Laden 


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1741  1748. 


79 


leicht  zerbrachen;  auch  wurde  er  als  Folge  der  strengen  taktischen 
Disziplin  der  preussischen  Truppen  angesehen. 

Durch  diesen  Erfolg  Preussens  ermuthigt,  hielten  die  Mächte, 
mit  Ausnahme  Englands,  den  Zeitpunkt  geeignet,  die  österreichische 
Monarchie  unter  sich  zu  thcileu.  Frankreich  schloss  am  18.  Mai  den 
Nymphenburger  Vertrag,  worin  dem  Kurfürsten  von  Baiern  durch 
Sendung  zweier  Heere  die  Unterstützung  seiner  vermeintlichen  An- 
sprüche zugesagt  wurde. 

Diesem  Vertrag  traten  später  fast  alle  Höfe  bei  und  enthielt 
derselbe  die  Bestimmungen,  dass  Baiern  nebst  der  Kaiserwürde, 
Böhmen,  Oberösterreich,  Tirol  und  den  Breisgau  erhalten  sollte ;  an 
Sachsen  käme  Mähren  und  Ober-Schlesien ;  an  Spanien  die  Lombardie, 
Parma,  Piacenza  und  Mantua.  Preussen  sollte  Schlesien  behalten, 
und  die  österreichischen  Niederlande  an  Frankreich  fallen.  Der  so 
vereinbarte  Plan  wurde  ohne  Verzug  in's  Werk  zu  setzen  begonnen. 

Am  31.  Juli  überfielen  die  Baiern  Passau;  am  15.  August 
überschritten  die  Franzosen  den  Rhein,  vereinigten  sich  mit  den 
Baiern  und  besetzten  am  15.  September  Linz;  eine  zweite  französische 
Armee  stand  zum  Einbmche  in  Böhmen  bereit. 

In  solcher  Bedrängniss  verlor  Alles  den  Kopf,  nur  die  Kaiserin 
Maria  Theresia  nicht. 


Die  Regiments -Geschichte  hat  das  Regiment  in  seinen  Gar- 
nisonen in  der  Lombardie  Ende  1740  verlassen. 

Anfang  des  Jahres  1741  hatte  der  Gouverneur  Feldmarschall 
Graf  Traun  den  Obristen  Grafen  Collorcdo  mit  einer  Mission 
nach  Wien  gesendet,  von  wo  derselbe  im  März  wieder  beim  Regiment 
einrückte.  Einige  Tage  darauf  langte  die  frohe  Botschaft  an,  dass 
Ihre  Majestät  am  13.  März  mit  einem  Knaben  glücklich  entbunden, 
dem  in  der  Taufe  der  Namen  Joseph  beigelegt  wurde.  Aus  diesem 
Anlasse  fand  in  der  Domkirche  zu  Mailand  ein  feierliches  Te  Deum 
statt,  wobei  das  Regiment  auf  dem  Platze  vor  der  Kirche  paradirte 
und  die  drei  Salven  abgab. 

Am  1.  Mai  fand  die  neue  Aufstellung  der  Hautboisten-Banda 
statt ;  auch  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  sich  mit  Feldrequisiten 
zu  versehen  und  überhaupt  so  bereit  zu  sein,  mit  jedem  Augenblicke 
in  das  Feld  rücken  zu  können. 


80 


1741-1748. 


Im  Oktober  gab  das  Regiment  ein  Detachement  zur  Besetzung 
der  Pässe  gegen  die  Schweiz;  Hauptmann  Br.  Schwarzenau  röckte 
mit  einem  Detachement  nach  Arona  an  den  Lago  magiore;  Lieutenant 
Baron  Meichsner  nach  Dossola,  Lieutenant  H ervay  nach  Trezzo 
und  Nikolaus  Wolff  nach  Lecco  am  Coraer-See.  Tm  Winter  nickten 
diese  Kommandos  wieder  beim  Rcgimcnte  ein. 

Spanische  Truppen  landeten  zu  Endo  dieses  Jahres  in  den 
toscanischen  Häfen,  um  dem  Infanten  Philipp  die  eiserne  Krone 
zu  erobern.  Mit  ihnen  vereinigte  sich  eine  neapolitanische  Hilfsarmee, 
deren  König  die  zugesagte  Neutralität  brach.  Diesen  26.000  Mann 
konnte  F.-M.  Graf  Traun  blos  12.000  Mann  entgegenstellen.  Unter 
diesen  befand  sich  das  Regiment  Teutschmeister  mit  seinen  zwei 
Grenadier -Kompagnien  und  drei  Musketier -Bataillons. 

Nach  der  Eintheilungs  -  Liste  bestand  das  Offiziers  -  Korps  im 
Jänner  1742: 

Stab.  Obrister  Regiments- Inhaber  C  lerne  ns  Anglist,  Chnrförst  von 
Köln,  Hoch-  und  Teutschmeister. 

Obrister  Kogiments-Kommandant  Anton  Graf  Colloredo. 

Obri8tlicnteiiant  Franz  de  Macdon  eil. 

Obristwachtmeister  Wilhelm  Freiherr  v.  Lestwitz. 

Lieutenant  Quartiermeister  Augustin  Leu  Um  er. 

Hauptmann  Auditor  Heinrich  Kohl. 

Kaplan  Pius  Bourgat. 

Wachtmeister  Lieutenant  Albrecht  Pisker. 

Feldscherer  Dominikus  Maisch. 

Proviantmeister  Peter  Maurer. 

Wagenmeister  Augustin  Drossel. 

ProfosB  Michael  Werner. 

Grenadier- Hauptleuthe  Louis  Doxat  de  La  Motto,  Hermann  v.  Beck. 

Grenadier- Lieutenants  Lorenz  Wolff,  Christof  M  e  r  z. 

Grenadier- Fähndrichs  Johann  üssavell,  Bernhard  Brauner. 

Hauptleuthe  Philipp  Baron  Schädel,  Hermann  H  ü  b  e  r  s,  Franz 
v.  Log  an,  Gottlieb  Br.  Schwarzenau,  Anton  v.  Baumgarten,  Franz 
de  Hall,  Karl  Freiherr  Lestwitz,  Eagenius  Gr.  0  n  e  1 1  i,  Johann  von 
Schnecken  hoff,  Jakob  Baron  Wilsdorf,  Karl  v.  Hörle,  Ludovico 
de  B  a  1 1  a  g  1  i  a. 

Lieutenants  Mathias  H  e  r  v  a  y,  Leopold  de  V  a  I  o  r  a  i  1  e,  Christof 
Br.  Meichsner,  Balthasar  Schäfer,  Max  Br.  L  i  z  e  1  b  u  r  g,  Pankratius 
Bringmann,  Karl  v.  Keihl,  Christian  Beer,  Nikolaus  Wolff,  Vincenz 
B  i  r  a  g  o  d'A  i  p  r  e  m  o  n  t,  Adam  Böhm,  Georg  H  a  a  k,  Peter  de  M  a  j  e  r, 
Franz  de  V  i  s  c  a  r  d  y. 

Fähndrichs  Max  Br.  Hautzenberg,  Sylvester  v.  E  1  v  e  n  i  o  h,  Karl 
Bretschneider,  Friedrich  v.  Pilgrim,  Franz  Gebele  v.  Wal  stein, 
Karl  Wurff,  Peter  Kohl,  Karl  Gr.  Artz,  Philippert  Br.  Klast,  Paul 
Montignoui,  Anton  Wurff,  Sirus  Gr.  Vantoni,  Josef  H  e  1  e  n  u  s, 
Karl  Mohr  de  W  a  1  d  t,  Christof  £  s  c  h  e  r. 


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1741- 174S. 


81 


Am  22.  Februar  1742  marschirte  das  Regiment  nach  Piacenza 
und  blieb  hier  bis  10.  März.  An  diesem  Tage  erfolgte  seine  Ablösung 
durch  ein  piemontesisches  Regiment.  Der  König  von  Sardinien  war 
nämlich  am  1.  Februar  ein  Schutzbündniss  mit  Oesterreich  ein- 
gegangen und  liess  seine  Truppen  mit  diesen  vereinigen.  Die  ver- 
bündeten Austro-Sarden  rflckten  ohne  Anstand  in  das  Modenesische 
und  vor  Modena.  Das  Regiment,  welches  sich  dieser  Bewegung  an- 
geschlossen hatte,  wurde  hier  zur  Eröffnung  der  Laufgräben  ver- 
wendet, worauf  am  29.  Juni  die  Citadelle  kapitulirte  und  von  Truppen 
der  Verbfindeten  besetzt  wurde. 

Am  0.  Juli  brach  die  Armee  aus  dem  Lager  von  Modena  nach 
Bnonporto  auf,  setzte  von  da  den  Marsch  nach  Concordia  fort  und 
bezog  am  12.  hier  das  Lager.  Die  Vorbereitungen  zur  Belagerung 
von  Mirandola  wurden  sogleich  getroffen;  schon  am  IG.  erfolgte  die 
Eröffnung  der  Laufgräben  und  am  22.  nach  einem  zweitägigen 
Bombardement  die  Kapitulation  der  Festung.  Tags  darauf  zog  sieh 
ilie  spanisch -neapolitauische  Armee,  die  zur  Rettung  Mirandola's  gar 
nichts  unternommen,  in  grösster  Kilo  Ober  Rimiui  nach  Fanno  und 
Pesano  zurflck.  Die  Verbflndeten  gingen  am  24.  Juli  bei  Solara 
über  den  Panaro  und  marschirten  über  Castell  San  Giovanni  gegen 
Bologna,  trafen  daselbst  am  20.  im  Lager  bei  der  Karthause  ein, 
rückten  am  00.  bis  an  die  Idria,  am  01.  nach  Castell  San  Piotro, 
dann  3.  August  über  Imola,  4.  Faenza,  0.  Forli  und  7.  nach  Cescna. 

Das  Erscheinen  einer  englischen  Flotte  nöthigte  den  König 
von  Neapel  zur  Einhaltung  der  Neutralität  und  zur  Zurückberufung 
seiner  Truppen.  Nun  gingen  auch  die  Spanier  nach  Foligno  zurück, 
wo  sie  Kantonniruugsquartiere  bezogen.  Statt  sie  zu  verfolgen,  ging 
der  König  von  Sardinien  über  Bologna  nach  Turin  mit  seinem  Heere 
zurück;  F.-M.  Traun  sah  sich  daher  genöthigt,  eine  Stellung  hinter 
dem  Panaro  zu  nehmen,  in  welcher  die  Infanterie  am  4.  September 
eintraf.  Der  Feldzug  war  hiemit  beendet  Im  Monat  Jänner  1743 
wurden  die  Winterquartiere  bezogen  und  das  Regiment,  welches  alle 
diese  Unternehmungen  und  Märsche  mitgemacht  hatte,  kam  nach 
Finale  im  Modenesischen. 

Obristlieutenant  Franz  Alexander  deMacdonell  war  am  letzten 
Juli  1742  gestorben.  In  seine  Stelle  wurde  mit  Allerhöchstem  Be- 
fehl der  Obristwachtmeister  Wilhelm  Freiherr  von  Lestwitz  als 
Obristlieutenant  und  der  Grenadier -Hauptmann  Louis  Doiat  de 

6 


82 


1741  -174*. 


La  Motte  als  Obristwachtmeister ,  Lieutenant  Christof  Barou 
Meichsner  als  Grenadier -Hauptmann  vorgestellt. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  avaneirte  der  Obrist-Regiments- 
Kommandant  Anton  Graf  Colloredo  mit  27.  Januar  1743  zum 
General- Feld  Wachtmeister  und  Obristlieutenant  Freiherr  v.  Lest- 
witz  übernahm  ad  interim  das  Regiments -Kommando. 

Feldmarschall  Traun  erhielt  den  Befehl,  noch  während  dem 
Winter  Ober  den  Panaro  zu  gehen  und  gegen  die  Spanier  vor- 
zurücken, ebenso  drang  auch  der  Madrider  Hof  in  Gag  es,  zum 
Angriff  auf  die  Quartiere  der  Oesterreirher  zu  schreiten.  Beide 
konnten  wegen  Mangel  an  Lebensmitteln  diesen  Befehlen  nicht  nach- 
kommen. Da  aber  von  den  Spaniern  viele  Leute  desertirten,  so  hoffte 
Gag  es  diesem  üebelstande  durch  das  Vorrücken  gegen  die  Oester- 
reicher  ein  Ende  zu  machen.  Am  1.  Februar  1743  brach  er  mit  dem 
Heere  von  S.  Giovanni  auf  und  langte  am  3.  bei  Campo  santo  ein, 
wo  er  sogleich  zwei  Schiffbrücken  schlagen  liess,  auf  denen  am  4. 
das  ganze  Heer  über  den  Panaro  setzte.  Traun  erhielt  am  3.  die 
Nachricht,  dass  der  Aufbruch  des  spanischen  Heeres  erfolgt  sei,  und 
beeilte  sich,  schleunigst  seine  Armee  zu  sammeln.  Allen  Truppen 
wurde  die  Gegend  zwischen  Madonna  della  Bastia  uud  Buonporto 
zum  Vereinigungspunkte  bestimmt,  wohin  das  Regiment  eiligst  rückte 
und  am  5.  abends  eintraf.  An  demselben  Tage  führte  Gages  sein 
Heer  eine  Stunde  vorwärts,  und  sendete  am  C.  den  General  B  e  a  u- 
fort  mit  einem  Heerestheile  gegen  Buonporto,  um  Stärke  und 
Stellung  der  Oesterreicher  zu  erkunden.  Diese  hatten  sich  schon 
vereinigt  und  waren  mit  dem  rechten  Flügel  an  Buonporto,  mit  dem 
linken  gegen  Madonna  della  Bastia  hinter  dem  Kanal  von  Modena 
aufgestellt.  Beaufort  wagte  keinen  Angriff  und  zog  sich  nach 
Solara  zurück. 

Als  Gages  die  Vereinigung  der  Oesterreicher  erfuhr,  und 
mithin  die  von  ihm  beabsichtigte  Ueberrumpelung  vereitelt  sah, 
beeilte  er  sich,  sobald  als  möglich  nach  Bologna  zurückzugehen, 
führte  noch  am  6.  sein  Heer  nach  Campo  santo,  wollte  am  7. 
wieder  hinter  den  Panaro  marschiren  und  sendete  sogleich  sein 
Fuhrwerk  über  die  Brücken.  Dieses  geschah  in  grosser  Un- 
ordnung, Fuhrwerke  zerbrachen,  alles  wollte  zugleich  über  die 
Brücken,  und  man  hatte  den  7.  vollauf  zu  thun,  um  den  Knäuel 
zu  entwirren. 


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1741-  1748. 


83 


Traun  hatte  den  Plan  gefasst,  die  Spanier  während  dem  Ueber- 
gange  anzugreifen.  Obgleich  durch  die  angestrengten  Märsche  zur  Ver- 
einigung die  Truppen  sehr  erschöpft  waren,  brach  er  doch  am  7.  mittags 
auf  und  führte  das  Heer  auf  dem  Wege,  der  von  Mirandola  nach 
Campo  santo  führt,  bis  hinter  den  kleinen  Bach  La  Regiana  und 
blieb,  als  die  Nacht  einbrach,  von  dem  feindlichen  Heere,  das  hei 
Campo  santo  lagerte,  eine  starke  Stunde  entfernt,  in  Kolonnen  stehen. 
Obrist  Hohenau  rückte  am  8.  früh  so  nahe  an  das  feindliche 
Heer,  dass  dessen  Kanonen  auf  ihn  zu  feuern  begannen,  und  brachte 
die  Meldung,  dass  die  Spanier  nur  ihr  Gepäck  auf  das  jenseitige 
Ufer  gesendet  hätten,  die  Armee  aber  in  Schlachtordnung  auf- 
marschirt  sei. 

Die  Truppen,  welche  Traun  vereinigt  hatte,  bestanden  in 
16  österreichischen  uud  8  piemontesischen  Bataillons ,  2  öster- 
reichischen und  2  piemontesischen  Reiter -Regimentern,  zusammen 
10.000  Mann.  Die  Spanier  hatten  81  Bataillons  und  4  Reiter -Regi- 
menter, zusammen  12.400  Mann. 

Mittag  war  vorüber,  als  T  r  a  u  n  seine  Kolonnen  über  die 
Regiana  führte  und  sie  hinter  der,  von  Finale  nach  Modena  führen- 
den Strasse  in  zwei  Treffen,  eine  halbe  Stunde  vom  Feinde,  auf- 
marschiren  Hess.  Das  Regiment  Tentschmeister  stand  im  ersten 
Treffen  gegen  den  linken  Flügel,  zwischen  den  Regimentern  Roth 
und  Traun.  Der  Aufmarsch  der  Armee  hatte,  da  die  Gegend  sehr 
durchschnitten  war,  viel  Zeit  erfordert.  Traun  befahl  nun,  dass  die 
Vorrückung  mit  ganzer  Front  geschehen  und  das  Heer  sich  dabei 
so  links  ziehen  solle,  dass  der  rechte  Flügel  den  spanischen  Garden 
gegenüber  zu  stehen  komme.  Der  Vormarsch  geschah  mit  klingendem 
Spiele  und  türkischer  Musik  unter  dem  Jubel  der  Soldaten,  jedoch 
um  die  Fronte  nicht  zu  brechen,  äusserst  langsam. 

Die  Geschütze  eröffneten  den  Kampf,  worauf  die  feindliche 
Kavallerie  vorbrach  und  unsere  Kavallerie  nach  hartem  Kampfe, 
welche  dabei  alle  ihre  Generale  und  Stabsoffiziere  bis  auf  einen 
einzigen  verlor,  so  zerstreute,  dass  sie  erst  um  6  Uhr  abends  wieder 
vorgebracht  werden  konnte.  Zum  Glück  verfolgte  die  spanische 
Reiterei  ihren  errungenen  Vortheil  nicht,  sondern  ging  in  ihre  frühere 
Stellung  zurück,  wo  sie  antheillos  dem  weiteren  Kampfe  zusah.  Da- 
gegen rückten  die  spanischen  Garden  gegen  unseren  linken  Flügel 
vor  und  griffen  die  Regimenter  Wallis  und  Roth  an.  Gleich  darauf 

6* 


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84 


1741-174*. 


stürmten  auch  die  Regimenter  Irlandia  und  Ibernia  ohne  einen  Schuss 
zu  thun  in  grösster  Wuth  auf  das  Regiment  Teutschmeister,  welches 
in  grösster  Ruhe  seine  Dcchargen  abgab  und  ihnen  viele  Leute 
tödtete.  Obristwachtmeister  Louis  Baron  Doxat  de  La  Motte 
liess  sich  von  Kampfesmuth  hinreissen,  mit  seinem  Bataillon  dem 
Feinde  entgegen  zu  gehen.  Furchtbar  war  der  Zusammenstoss,  man 
kämpfte  mit  Bajonnet  und  Kolben,  Mann  gegen  Mann.  Durch  einige 
Miauten  schwieg  das  Flintenfeuer;  man  hörte  nur  Waffengeklirr  und 
das  Geschrei  der  Kämpfenden.  Trotz  der  heldenmflthigen  Tapfer- 
keit wäre  dieses  Bataillon  im  ungleichen  Kampfe  mit  zwei  Regi- 
mentern doch  unterlegen,  wenn  nicht  schnell  aus  dem  zweiten  Treffen 
das  Regiment  Piccolomini  Nr.  25  herbeigeeilt,  die  Irländer  ange- 
griffen und  zurückgeworfen  hätte.  Der  tapfere  Obristwachtmeister 
Baron  Doxat  und  Lieutenant  Wurff  blieben  hier  todt  auf  dem 
Felde  der  Ehre. 

Das  heftigste  Gewehrfeuer  begann  auf's  Neue.  Der  Kampf  war 
sehr  ungleich,  denn  der  rechte  Flügel  des  Feindes  hatte  die  ge- 
sammte  Infanterie  der  Verbündeten  vor  sich.  Es  entspann  sich  ein 
mörderischer  Kampf;  Traun  wurden  zwei  Pferde  unter  dem  Leibe 
erschossen,  als  er  das  dritte  bestieg,  riefen  die  Soldaten  jubelnd : 
»Unser  Vater  Traun  lebt  noch!"  und  diess  war  das  Signal  die 
Feinde  gänzlich  zurückzuwerfen.  Die  spanischen  Garden  schlugen 
sieb  mit  echt  spanischer  Tapferkeit  und  echt  spanischem  Stolz.  Die 
anderen  Regimenter,  welche  ihnen  zu  Hilfe  geschickt  wurden,  wollten 
sie  nicht  in  gleicher  Linie  mitkämpfen  lassen.  Gages  versuchte 
nun  seinen  rechten  Flügel  durch  Bataillone  des  linken  Flügels,  die 
gar  keinen  Feind  vor  sich  hatten,  zu  unterstützen,  allein  es  war  zu 
spät;  die  Nacht  war  schon  eingebrochen  und  obgleich  der  Mond 
hell  das  Schlachtfeld  beschien,  machte  der  starke  Pulverdampf  doch 
das  Nächste  unkenntlich.  Durch  einen  Irrthum  hielten  die  folgenden 
spanischen  Bataillone  die  vormarschirenden  für  Oesterreicher,  wo- 
durch der  ganze  feindliche  linke  Flügel  unter  sich  in  Kampf  gerieth, 
der  erst  nach  grossen  Verlusten  an  Todten  und  Verwundeten  beendet 
werden  konnte. 

Der  im  fortwährenden  Weichen  begriffene  spanische  rechte 
Flügel,  wurde  nochmals  angegriffen,  zum  eiligsten  Rückzüge  ge- 
zwungen, die  Casinen  bei  den  Teichen  erobert  und  der  Oberst  mit 
dem  Bataillon  Quadataxara  gefangen. 


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1741-1748.  85 

Die  Verbündeten  zogen  sich  dann,  das  Gefecht  abbrechend, 
wieder  hinter  die  Teiche  zurück,  während  die  Spanier  eiligst  den 
Panaro  überschritten,  die  Brücken  abwarfen  und  den  Rückzug  nach 
San  Giovanni  ununterbrochen  fortsetzten.  Traun  wollte  den  Fliehen- 
den folgen,  aber  die  pieraontesischen  Generale  erklärten,  den  Panaro 
nicht  überschreiten  zu  dürfen. 

Der  Verlust  der  Oesterreicher  belief  sich  auf  1103  Mann,  jener 
der  Piemontesen  auf  600,  jener  der  Spanier  auf  3976  Mann.  Das 
Regiment  hatte  an  Todten:  Major  Louis  Baron  DoiatdeLaMotte, 
Lieutenants  Adam  Böhm,  Anton  Wurff,  13  Mann;  Verwundeten: 
Hauptmann  Gottlieb  Baron  Schwarzenau,  Anton  v.  Baum- 
garten, Lieutenant  Nikolaus  Wolff,  Fähnrich  Johann  Graf  Artz, 
Peter  Kohl,  29  Mann;  Gefangenen  Lieutenant  Karl  Graf  Artz, 
Fähnrich  Esc  her  und  64  Mann  verloren.  In  die  Stelle  des 
gebliebenen  Baron  Doxat  wurde  auf  Allerhöchsten  Befehl  vom 
9.  Februar  Hauptmann  Franz  v.  Log  au  als  Obristwachtmeister 
vorgestellt. 

Nach  der  Schlacht  blieb  die  Armee  bis  12  auf  der  Wahlstatt 
stehen,  worauf  sie  in  Kantonnirungen  verlegt  wurde;  das  Regiment 
rückte  nach  Finale  mit  einem  streitbaren  Stande  von  1051  Mann. 
Es  fehlte  gänzlich  an  Geld;  man  wusstc  kaum  die  tägliche  Ver- 
pflegung aufzubringen,  mithin  der  Feldmarschall  jede  weitere  Operation 
aufgeben  musste.  Am  25.  August  marschirte  das  Regiment  nach 
Cento  di  Pieve  —  die  Armee  in  die  Lager  an  den  Po,  Santa  Bianca 
am  Panaro  und  Ducentolo.  Feldmarschall  Traun  hatte  am  10.  die 
Armee  an  den  Fürsten  Christian  Lobkowitz  übergeben  und  war 
nach  Wien  abgereist. 

Fürst  Lobkowitz  fasste  den  Entschluss,  nachdem  einige 
Regimenter  Verstärkung  bei  der  Armee  eingetroffen  waren,  in  die 
Legazionen  zu  rücken.  Am  2.  Oktober  wurde  von  der  Armee  der 
Panaro  überschritten,  und  am  4.  bei  der  Karthause  von  Bologna 
gelagert,  am  19.  nach  Castel  San  Pietro  und  den  20.  nach  Imola 
gerückt.  Die  Kavallerie  marschirte  am  22.  nach  Rouco,  die  Infanterie 
am  23.  nach  Faenza.  Die  Spanier  retirirten  nach  Rimini ;  800  Deser- 
teure meldeten  sich  bei  unseren  Vorposten.  Am  24.  rückte  das 
österreichische  Heer  nach  Forli,  am  26.  nach  Cesena.  Gages,  der 
kaum  12.000  Mann  unter  den  Waffen  hatte,  retirirte  an  diesem  Tage 
nach  Pesaro  und  verschanzte  sich  hinter  Foglio.  Das  österreichische 


86  1741-174*. 

Heer  erreichte  am  20.  Iii  mini,  stellte  wegen  Mangel  an  Lebens- 
mitteln und  der  spaten  Jahreszeit  seine  Vorrückung  ein,  und  bezog 
um  Mitte  November  die  Winterquartiere  dergestalt,  dass  es  in 
30  Stunden  konzentrirt  sein  konnte.  Die  Spanier  thaten  ein  gleiches 
am  rechten  Ufer  der  Foglia.  Hauptmann  Baron  Schwarzenau 
ging  zur  Abholung  der  Rekruten  in  das  deutsche  Reich  ab. 

Während  diesen  geschilderten  Vorgängen  in  Italien  waren  am 
0.  November  1741  20.000  Sachsen  nach  Böhmen  eingedrungen  und 
bis  Leitmeritz  vorgerückt.  Von  Linz  hatten  sich  Ende  Oktober  auch 
die  Baiern  und  Franzosen  nach  Böhmen  gewendet.  Am  20.  November 
wurde  Prag  durch  den  Marschall  von  Sachsen  mit  Sturm  genommen 
und  der  Kurfürst  von  Baiern  liess  sich  am  7.  Dezember  zum  König 
von  Böhmen  ausrufen.  Am  27.  Dezember  eroberten  die  Preussen 
Olmütz;  am  9.  Jänner  1742  fiel  Glatz,  die  Preussen  besetzten 
Königgrätz,  Pardubitz  und  Leitmeritz;  in  Frankfurt  wurde  am 
24.  Jänner  1742  der  Kurfürst  von  Baiern  zum  römischen  Könige 
gewählt  und  am  12.  Februar  gekrönt. 

Maria  Theresia  wurde  am  25.  Juni  1741  zur  Königin  vou 
Ungarn  gekrönt. 

Zu  Ende  Dezember  war  F.-M.  Graf  Khevenhüller  mit  30.000 
Mann  von  Wien  aufgebrochen,  nahm  Steyr  und  Euns,  schlug  die  Baiern 
am  17.  Jänner  1742  bei  Schärding,  worauf  Linz  und  Passau  kapitulirte. 
Am  13.  Februar  wurde  München  und  in  den  nächsten  Wochen  ganz 
Baiern  besetzt.  Am  28.  Juli  wurde  der  Friede  mit  Preussen  zu 
Berlin  unterzeichnet.  Oesterreich  trat  Ober-  und  Nieder -Schlesien 
sammt  der  Grafschaft  Glatz  an  Preussen  ab;  der  Kurfürst  schloss 
am  11.  September  Friede  und  am  20.  Dezember  1743  ein  Bündniss. 

Prinz  Karl  von  Lothringen  vereinigte  sich  Ende  Mai  1742 
mit  Fürst  L  o  b  k  o  w  i  t  z  und  ging  in  Böhmen  auf  den  französischen 
Marschall  B  r  o  g  1  i  o  los ;  dieser  wich  nach  Prag  zurück,  welches 
F.-M.  Graf  Königs  eck  am  27.  Juni  umschloss.  Im  Herbst 
rückten  40.000  Franzosen  au,  um  Prag  zu  entsetzen,  wurden  aber 
vom  Prinzen  Karl  abgeschnitten  und  mussten  sich  Ende  Oktober 
nach  Baiern  zurückziehen.  Mit  Anfang  des  Jahres  1743  war  Böhmen 
befreit  und  Maria  Theresia  wurde  am  12.  Mai  1743  als 
Königin  von  Böhmen  gekrönt. 

Nachdem  Khevenhüller  im  Herbst  1742  nach  Böhmen 
marschirte,   hatte  sich  Kaiser  Karl  VH.  in  seine  Hauptstadt 


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1741-174«. 


87 


München  begeben.  Aber  im  April  1743  rückten  die  Oesterreich« 
wieder  in  Baiern  ein  und  schlugen  ein  baierisches  Korps  am  9.  Mai 
bei  Simpach.  Karl  flüchtete  nach  Fraukfurt;  München  wurde  am 
9.  Juni  nochmals  von  den  Oesterreichern  besetzt.  Durch  den  im 
Kloster  Nieder  -  Schönaich  am  27.  Juni  abgeschlossenen  Vertrag 
nahmen  die  Oesterrcichor  von  den  baicrischen  Ländern  militärischen 
Besitz;  im  September  huldigten  die  Baiern  und  Oberpfälzer  der 
Königin  Maria  Theresia. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  vom  24.  Jänner  1744  wurde  dem 
Kegimente  der  Obristlieutenant  Wilhelm  Baron  Lestwitz  als 
Obrister  Regiments -Kommandant,  der  Obristwachtmeister  Franz 
von  L  o  g  a  u  als  Obristlieutenant  und  der  Hauptmann  Karl  Ludwig 
Baron  Lestwitz  als  Obristwachtmeister  vorgestellt.  Die  Vor- 
stellung geschah  durch  den  kommandirenden  (ieneralen  Fürsten 
Lobkowitz,  wozu  das  Regiment  mit  fliegenden  Fahnen  ausrückte. 

Im  Monat  Jänner  1744  wurde  in  der  Armee  als  Norm  bestimmt, 
dass  jedes  Infanterie-Regiment  zwei  dreipfündige  Kanonen  in's  Feld 
mitführen  sollte. 

Der  Winter  1743  auf  1744  verfloss  ruhig,  indem  sich  beide 
Theile  für  den  nächsten  Feldzug  rüsteten.  Oesterreich  hoffte  das 
Königreich  Neapel,  Spanien  aber  die  Lombardie  zu  erobern.  Der 
dienstbare  Stand  der  Oesterrcicher  betrug  anfangs  März  1744  sammt 
der  Kavallerie  14.481  Mann,  jener  des  Regiments  813  Mann.  Die 
Spanier  hatten  um  diese  Zeit  die  wohlverschanzte  Stellung  vor 
Pesaro  bezogen.  Fürst  Lobkowitz  versammelte  am  6.  März  sein 
Heer  bei  Rimini,  marschirte  am  7.  in  die  Gegend  von  Arcione  um 
von  hier  aus  die  Stellung  der  Spanier  im  Rücken  zu  nehmen.  Der 
spanische  Feldherr  verliess  aber,  als  er  Nachricht  vom  Anrücken 
der  Oesterreicher  erhielt,  seine  starke  Stellung  vor  Pesaro,  retirirte 
am  7.  nach  Fanno,  dann  weiter  nach  Crotta -mare,  wo  er  am 
15.  eintraf.  Als  Lobkowitz  den  Rückzug  der  Spanier  erfuhr, 
liess  er  sie  durch  den  F.-M.-Lt.  Grafen  Browne  mit  20  Grenadier- 
Kompagnien,  dabei  die  beiden  des  Regiments,  dann  säramtliche 
Huszaren  verfolgen.  Browne  vermochte  sie  aber  nicht  zu  erreichen. 

Am  8.  März  rückte  das  österreichische  Heer  nach  Pesaro, 
bezog  am  <J.  das  Lager  bei  Fanno  und  erreichte  am  11.  Sinigaglia. 
Am  13.  lagerte  das  Heer  zwischen  dem  Flusse  Fiumessino  und 
Ancona,  am  14.  bei  Camurano  und  am  15.  bei  dem  Hafen  von 


88  1741-174*. 

Rccanati.  Die  Vorhut  Browno's  stand  an  diesem  Tage  bei  Fermo. 
Die  Spanier  gingen  bis  Pescara  und  bezogen  unter  den  Kanonen  dieser 
Festung  das  Lager.  Am  17.  bezog  das  österreichische  Heer  bei 
Porta  di  Civita  nuova,  am  18.  bei  Santa  Maria  a  Mare  das  Lager. 
Die  Vorposten,  welche  das  Regiment  bestritt,  standen  gegen  Torro 
di  Palma.  Browne  erreichte  am  19.  Grotta-mare.  Ein  Raum  von 
zehn  Meilen  schied  die  Oesterreicher  und  Spanier. 

Ende  April  erhielt  Fürst  Lobkowitz  den  bestimmten  Befehl, 
den  Einbnich  in  das  Neapolitanische  nicht  länger  zu  verschieben. 
Am  2.  Mai  wurde  die  Armee  zum  Marsche  nach  Rom  bei  Macerata 
versammelt,  am  4.  nach  Foligno  aufgebrochen  und  daselbst  am  6. 
das  Lager  bezogen.  Am  10.  wurde  nach  Spoletto.  11.  nach  Terni 
marschirt  und  am  13.  Civita  Castellana  erreicht  und  hier  bis  17. 
gelagert.  An  diesem  Tage  marschirte  die  Armee  nach  Monte  rotondo 
und  bezog,  den  Ort  vor  der  Fronte,  die  Tiber  im  Rücken,  das  Lager. 
Hier  paradirte  die  Armee  vor  dem  Kardinal  A 1  b  a  n  i,  worauf  Fürst 
Lobkowitz  mit  vielen  Offiziers  nach  Rom  ritt. 

Das  Regiment  und  Colloredo- Infanterie  marschirten  am  26. 
als  Avantgarde  über  die  Brücke  Tererone  alla  Spinosa  und  erwarteten 
hier  die  Armee,  welche  am  28.  nach  Longhezza,  20.  Fraseati,  30. 
nach  Marino  marschirte  und  von  hier  am  2.  Juni  über  Nemi  gegen 
Velletri  vorrückte.  Am  20.  hatte  sich  hier  der  König  von  Neapel 
mit  den  Spaniern  vereinigt. 

Am  2.  Juni  bezog  Lobkowitz  vor  Nemi  ein  Lager,  besetzte 
den  Berg  Spina  und  den  sogenannten  kleinen  Berg,  welchen  General 
Pestalnzzi  mit  1000  von  den  Regimentern  Kommandirten  zu 
vertheidigen  hatte.  Vom  Regiment  war  dazu  der  Fähnrich  Franz 
G  e  b  e  1  e  von  W  a  1  s  t  e  i  n  mi"t  50  Mann  kommandirt.  In  der 
Nacht  vom  16.  auf  den  17.  Juni  überfiel  der  Feind  mit  drei  starken 
Kolonnen  die  Stellung  P  c  s  ta  1  u  zzi  's,  die  nachlässigen  Vorposten 
wurden  überfallen,  die  Truppen  fanden  kaum  Zeit  die  Gewehre  zu 
ergreifen,  die  Dunkelheit  vermehrte  die  Verwirrung  und  obgleich 
dann  tapferer  Widerstand  geleistet  wurde,  musste  sich  endlich  doch 
General  P  e  s  t  a  1  u  z  z  i  mit  seiner  Truppe  ergeben.  Vom  Regiment 
gerieth  Fähnrich  v.  Wal  stein  mit  Ii  Mann  in  Gefangenschaft, 
7  blieben  todt  und  der  Rest  hatte  sich  zur  Armee  durchgeschlagen. 

Durch  diesen  dem  Feinde  gelungenen  Ueberfall  war  für  Lob- 
kowitz die  günstige  Gelegenheit  zum  Angriff  der  feindlichen 


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1741-174* 


89 


Fronte  vorbei  und  er  hoffte  nun  durch  eine  Vorrückung  in  den 
Abruzzen,  die  Feinde  zur  Verlassung  der  »Stellung  bei  Velletri  zu 
vermögen.  Zu  diesem  Ende  wurde  Obrist  S  o  r  o  gegen  Ende  Juni 
mit  leichten  Truppen  in  diese  Provinzen  gesendet,  wo  er  anfangs 
einige  Vortheile  errang,  dann  aber  doch  genöthigt  wurde,  sich 
wieder  zur  Armee  zurückzuziehen. 

Anfangs  August  beschloss  Fürst  L  o  b  k  o  w  i  t  z  die  Feinde  in 
Velletri  zu  überfallen.  Er  bestimmte  hiezu  den  F.-M.-Lt.  Browne 
mit  sechs  Bataillons  und  eben  so  vielen  Grenadier -Kompagnien, 
1000  Slavonieru  und  zwei  Reiter  -  Regimenter.  Am  10.  August  nach 
Mittag  setzten  sich  diese  Truppen,  unter  welchen  sich  ein  Bataillon 
und  eine  Grenadier- Kompagnie  Teutschmeister  eingethcilt  befanden, 
gegen  Lavinia  in  Bewegung.  Man  bemerkte  diess  im  feindlichen 
Lager,  glaubte  jedoch,  dass  man  nur  die  Zufuhr  des  Proviantes 
decken  wolle.  Browne  traf  am  11.  eine  Stunde  vor  Tag  an  der 
Quelle  Paganina  ein,  wo  er  einen  Augenblick  Halt  machte.  Die 
Reiterei  hatte  sich  verirrt  und  war  nicht  angekommen,  auch  war 
ein  Grenadier  in  das  feindliche  Lager  desertirt.  So  bedenklich  diese 
Umstände  auch  waren,  so  beschloss  Browne  die  Unternehmung 
doch  auszuführen.  Er  war  dem  Lager  der  Spanier  schon  ganz  nahe, 
als  diese  endlich  sein  Anrücken  bemerkten.  Ein  Piquet  machte 
einigen  Aufenthalt,  wodurch  fünf  feindliche  Bataillone  Zeit  gewannen, 
die  Waffen  zu  ergreifen  und  sich  vor  dem  Thore  von  Neapel  auf- 
zustellen. Die  Oesterreicher  steckten  sogleich  das  Lager  der  feind- 
lichen Reiterei  in  Brand,  erbeuteten  viele  Pferde  und  das  ganze 
Gepäck.  Hierauf  wurden  von  allen  Seiten  die  fünf  feindlichen 
Bataillons  angefallen,  welche  sich  mit  verzweifeltem  Muth  wehrten. 
Oberst  Macdonal,  11  Hauptleute  und  viele  Offiziere  blieben 
todt.  Die  fünf  Bataillone  wurden  gänzlich  aufgerieben,  nur  Wenige 
entkamen.  Die  Oesterreicher  sprengten  nun  das  Thor  von  Neapel 
und  drangen  unter  Führung  des  General  Marquis  N  o  w  a  t  i  in 
drei  Kolonnen  getheilt  in  Velletri  ein.  Alles  erwachte  aus  dem 
tiefsten  Schlafe  und  es  herrschte  eine  heillose  Verwirrung;  jeder 
dachte  nur  auf  seine  eigene  Rettung.  Erhitzt  von  dem  Kampfe 
drangen  die  Slavonier  in  den  Ort  und  lösten  sich  plündernd  in  den 
Häusern  auf,  wo  sie  viele  Reichthümer  an  Gold  und  Silber  fauden, 
was  sich  zeigte,  wurde  niedergemacht,  alle  Gräuel  der  Erstürmung 
kamen  über  die  unglückliche  Stadt  und  manche  Häuser  standen  in 


00 


1741  1748. 


Flammen.  Auch  die  regulären  Truppen  wurden  von  dieser  Plün- 
derungswuth  augesteckt  und  es  war  sehr  schwer  die  Ordnung  her- 
zustellen. 

Der  Herzog  von  Modena  hatte  sich  zu  dem  Könige  in  den 
Palast  Ginetti  geflüchtet.  Hauptmann  Baron  Meiehsner,  welcher 
seine  Grenadier- Kompagnie  beisammen  hatte,  war  bis  zu  diesem 
Palaste  vorgestürmt,  als  plötzlich  das  Schweizer-Hegiment  Wirz  und 
die  wallonischen  Garden  zur  Kettung  des  Königs  erschienen.  Nun 
entspann  sich  ein  verzweifelter  Kampf  mit  den  braven  Grenadieren, 
welche  sich  mit  wahrem  Heldenmuthe  gegen  diese  grosse  Ueber- 
macht  vertheidigten.  Lieutenant  Brauner  und  14  Grenadiere 
blieben  todt  am  Platze;  Hauptmann  Christof  Baron  Meichsner 
v.  Alekhofen  und  32  Grenadiere  geriethen  verwundet  in  Ge- 
fangenschaft. Der  König  entkam  gerade  noch  in  das  Kapuziner- 
kloster. 

Nach  Ueberwiudung  der  Grenadier -Kompagnie  rückten  die 
Feinde  in  drei  Kolonnen  vor,  aber  auch  die  Slavonier  ergriffen  nun 
in  den  Hausern  wieder  ihre  Waffen  und  eröffneten  ein  heftiges  Feuer 
aus  allen  Fenstern.  Der  Kampf  gerieth  dadurch  in's  Stocken.  General 
Be  au  fort  stellte  sich  an  die  Spitze  der  Garden,  fiel  aber  sogleich 
tödtlich  getroffen;  von  Wuth  entbrannt  drangen  diese  nun  vor, 
warfen  die  Slavonier  zurück  und  setzten  sich  beim  Thorc  fest. 
Browne  gab  nun  den  Befehl  zum  Kfickzuge  und  erreichte,  obgleich 
seine  Truppen  in  Unordnung  waren,  vom  Feinde  unbelästigt  um 
9  Uhr  vormittags  das  Lager.  Obgleich  der  Zweck  der  Unternehmung 
nicht  gelungen  war,  hatten  B  r  o  w  n  e  's  Truppen  doch  mehrere 
feindliche  Fuss-  und  Reiter- Regimenter  zu  Grunde  gerichtet,  den 
General  Marian  i,  einen  Brigadier  nebst  85  Stabs-  und  Ober- 
offizieren als  Gefangene  zurückgebracht  und  mehr  als  1000  Pferde 
erbeutet.  Der  Verlust  des  Regiments  bestand  an  Todteu:  Lieutenant 

i 

Brauner,  Fähnrich  Peter  Roth  und  Arled  nebst  15  Mann. 

Ende  September  wurden  die  Gefangenen  ausgewechselt;  trotz- 
dem betrug  der  Stand  des  Regiments  nur  mehr  530  Mann. 

Am  Morgen  des  1.  November  verliess  das  Heer  die  Gegend 
von  Nemi  und  zog  sich  nach  Torra  di  mezza  zurück,  marschirte 
am  2.  an  Rom  vorbei,  ging  bei  Ponte  molle  über  die  Tiber,  und 
lagerte  bei  Aquatraversa.  Am  4.  rückte  das  Heer  in  das  Lager  bei 
Baccano,  am  5.  in  das  bei  Monte  rosi,  am  G.  nach  Ronciglione  und 


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1741  1748. 


91 


hielt  hier  Rasttag.  Die  Spanier  waren  deu  Oestcrreicheru  gefolgt 
und  lagerten  an  diesem  Tage  bei  Monte  rosi;  nur  drei  Stunden 
trennten  die  Heere. 

Am  8.  marsehirten  die  Oesterreicher  nach  Viterbo;  von  hier 
am  12.  nach  Montefiascone,  am  14.  nach  Orvieto,  15.  Cornajola, 
17.  Tavernelle  und  am  18.  nach  Perugia.  Am  23.  wurde  wieder 
aufgebrochen  und  über  Gubbio  nach  Cagli  marschirt,  welches  man 
am  25.  erreichte,  dann  weiter  am  27.  nach  Fossombrone,  und  am 
28.  nach  Fanno,  wo  die  Armee  hinter  dem  Metauro  Stellung  nahm 
und  liier  unangefochten  bis  gegen  Ende  Dezember  verblieb.  Um  diese 
Zeit  verlegte  Fürst  Lobkowitz  sein  Hauptquartier  nach  Imola. 
Die  Truppen  bezogen  in  den  Legazionen  die  Winterquartiere;  das 
Regiment  in  Imola.  Die  Oesterreicher  hatten  den  Zweck,  wegen  der 
geringen  Mittel,  nicht  erreicht;  die  weit  überlegeneren  Spanier  und 
Neapolitaner  begnügten  sich,  das  Königreich  Neapel  gerettet  zu 
haben. 

Tn  diesem  Jahre  hatte  Friedrich  II.  mit  Frankreich, 
Karl  VII.  mit  dem  Kurfürst  der  Pfalz  und  dem  Landgrafen  von 
Hessen  -  Kassel,  der  auch  König  von  Schweden  war,  Bündnisse 
geschlossen,  um  für  Karl  VII.  Böhmen  zu  erwerben,  wofür  er 
den  Rest  von  Schlesien  und  mehrere  Kreise  Böhmens  und  Mährens 
verlangte.  Gegen  Knde  August  rückte  Friedrich  in  Böhmen 
ein,  erschien  am  2.  September  vor  Prag,  welches  sich  am  16. 
ergab  und  besetzte  dann  einen  grossen  Theil  des  Landes.  Prinz 
Karl  von  Lothringen  war  bis  Strassburg  vorgedrungen,  als  er 
die  Kunde  von  diesem  überraschenden  Angriff  erhielt;  marschirte 
daher  den  23.  August  über  den  Rheiu  zurück  nach  Böhmen, 
wo  er  sich  mit  Bathiany,  der  bisher  in  Baiern  stand,  und 
mit  einem  starken  sächsischen  Korps  vereinigte.  Prinz  Karl 
schnitt  durch  treffliche  Manövers  den  König  von  seinen  im  Lande 
vertheilten  Truppen  ab,  nahm  den  Freusseu  Tabor,  Budweis, 
Frauenberg  und  andere  Orte  ab  und  bedrohte  das  feindliche  Haupt- 
magazin in  Königgrätz.  Der  König  suchte  den  Prinzen  vergeblich 
zu  einer  Schlacht  zu  verleiten,  welcher  dieser  sorgfaltig  auswich. 
Am  0.  November  retirirte  der  König  bei  Kolin  über  die  Elbe, 
worauf  der  Prinz  sogleich  Prag  blokirte,  dessen  preussische  Be- 
satzung am  20.  die  Stadt  räumte  und  nach  grossen  Verlusten 
erst  um  die  Mitte  Dezember  Schlesien  erreichte.  Eben  dahin  hatte 


02 


1741—1748. 


auch  der  König  seinen  Rückzug  fortgesetzt,  weil  Esterhazy 
mit  der  ungarischen  Insurektion  diese  Provinz  bedrohte.  Prinz  Karl 
und  Esterhazy  besetzten  nun  die  Grafschaft  Glatz  und  Ober- 
Schlesien. 

Nachdem  Prinz  Karl  das  Elsass  geräumt  hatte,  gingen  die 
Franzosen  Ober  den  Rhein,  bemächtigten  sich  des  österreichischen 
Schwaben  und  Konstanz  —  aber  Vorarlberg  widerstand.  Die  Baiern 
rückten  am  16.  November  wieder  in  München  ein;  die  Oesterreicher 
behielten  aber  Ingolstadt,  Schärding,  Braunau  und  Passau  besetzt. 
Karl  VII.  kehrte  in  seine  Residenz  zurück  und  starb  hier  am 
20.  Jänner  1745. 

Fürst  Lobkowitz  hatte,  wie  früher  gesagt,  zu  Anfang  1745 
das  österreichische  Heer  von  dem  Metauro  in  die  Legazionen  zurück- 
geführt und  hier  Verstärkungen  erwartet,  die  man  ihm  aber  nicht 
geben  konnte,  da  die  Armee  in  Schlesien  vollauf  zu  thun  hatte.  Es 
blieb  ihm  also  nichts  übrig,  als  sich  zu  behaupten,  während  die 
verbündeten  Spanier  und  Neapolitaner,  30.000  Mann  stark,  mit  der 
Absicht  vorrückten,  die  Oesterreicher  aus  Italien  zu  vertreiben. 
Lobkowitz  hatte  Ende  März  1745,  sein  nur  12.545  Mann  starkes 
Heer  in  Cesena  konzentrirt,  rückte  am  1.  April  nach  Forli,  2.  Faenza, 
4.  Castel  S.  Pietro  und  Iniola,  am  5.  die  Infanterie  nach  Bologna, 
die  Reiterei  nach  Castel  S.  Pietro,  und  blieb  hier  am  6.  und  7. 
Am  8.  ging  das  Heer  nach  Castel  franco,  setzte  am  10.  über  den 
Panaro  und  bezog  bei  Fossalta  das  Lager.  Dieses  wurde  am  12. 
verlassen,  bei  Modena  eine  Stellung  bezogen,  deren  rechter  Flügel 
sich  an  die  Secchia,  der  linke  an  die  Citadelle  stützte.  Zur  Deckung 
der  Front  wurden  Verschanzungen  aufgeworfen.  Am  13.  früh  gingen 
die  Feinde  durch  den  sehr  seichten  Panaro,  plänkelten  mit  der 
österreichischen  Nachhut  und  bezogen  bei  Montale  das  Lager,  welches 
sie  aber  schon  nach  einigen  Tagen  verliesseu  und  in  das  Genuesische 
abzogen.  Lobkowitz  beschlosfl  nun,  sieh  mit  dem  Könige  von 
Sardinien  zu  vereinigen,  marschirte  am  23.  nach  Reggio  und  er- 
reichte am  24.  Parma.  Ein  Streifkominando  setzte  dem  Feinde  nach 
erreichte  ihn  bei  Pontremoli  und  brachte  ihm  einen  Verlust  von 
2  Offizieren  und  300  Manu  bei. 

Bei  Parma  blieben  die  Oesterreicher  bis  23.  Mai,  an  welchem 
Tage  sie  nach  Boigo  S.  Donino  und  am  24.  nach  Firenzuola 
marschirten,  lagerten  hier  bis  9.  Juni  und  marschirten  am  10.  bei 


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1741-174*. 


93 


Ponte-nura  Ober  den  Po,  am  11.  nach  Chignolo  und  den  13.  nach 
Belgiojoso,  wo  Lobkowitz  zur  Armee  des  Prinzen  Karl  nach 
Böhmen  abberufen,  das  Kommando  dem  F.-M.-Lt.  Graf  Schul  em- 
burg  nbergab.  Schon  am  15.  führte  dieser  das  Heer  bei  Spessa 
Ober  den  Po  zurück,  sendete  die  Reiterei  nach  Voghera,  die  Infan- 
terie nach  Casteggio.  Letztere  kam  am  IG.  nach  Ponte  Curone,  die 
Beiterei  verblieb  in  Voghera.  Am  17.  bezog  das  ganze  Heer  das 
Lager  bei  Rivaita  und  erhielt  hier  sieben  Bataillone  und  zwei  Reiter- 
Regimenter  Verstärkung.  Am  19.  rückte  das  Heer  nach  Novi  und 
bezog  hier  das  Lager.  Auf  einen  Antrag  der  Spanier  fand  hier  die 
Auswechslung  der  Gefangenen  statt.  Laut  Ausweis  hatte  das  Regi- 
ment nur  zwei  Hauptleute  effektiv.  Am  30.  Juli  kehrten  3  Stabs- 
offiziere, 18  Hauptleute  und  40  Offiziere  aus  der  spanischen  Ge- 
fangenschaft zurück,  dagegen  wurden  den  Spaniern  3  Brigadiere, 
3  Stabsoffiziere,  30  Hauptleute  und  70  Offiziere  zurückgesendet. 

Das  Regiment  hatte  300  Rekruten  erhalten,  aber  es  fehlte 
derart  an  Geld,  dass  die  Offiziere  bereits  durch  acht  Monate  ihre 
Gagen  rückstandig  hatten. 

Anfangs  Juli  rückte  der  Feind  wieder  vor;  Schulemburg, 
der  sich  mit  dem  weit  überlegenen  Feinde  in  seiner  ungünstigen 
Stellung  in  kein  Gefecht  einlassen  konnte,  marschirte  am  3.  Juli 
nach  Rivaita,  und  am  5.  nach  Torre  «Ii  Garafola.  In  der  Nacht  vom 
15.  auf  den  16.  wurde  wieder  aufgebrochen,  nach  Monte  Castella 
marschirt  und  das  Lager  mit  dem  rechten  Flügel  gegen  Alessandria, 
mit  dem  linken  gegen  Basiguana  bezogen. 

Um  das  rechte  Po -Ufer  zu  bewachen,  wurde  F.-M.-Lt.  Graf 
Pertusati  mit  3711  Mann,  dabei  ein  Bataillon  Teutschmeister 
mit  485  Mann  am  10.  Juli  nach  Belgiojoso  gesendet.  Am  19.  ging 
der  Feind  bei  Stradella  über  den  Po  und  besetzte  Pavia,  worauf 
Schulemburg  am  22.  nach  Pieve  de  Cairo  zur  Deckung  der 
Lombardie,  Pertusati  aber,  um  nicht  von  Mantua  abgeschnitten 
zu  werden,  gegen  Pizzighettone  zurückwich.  Am  27.  September  wurden 
die  Sardinier  bei  Bassignana  geschlagen,  und  retirirten  nach  Casale, 
wo  sich  Schulemburg,  nachdem  er  eine  Besatzung  in  das  Castell 
von  Mailand  gelegt  hatte,  mit  ihnen  vereinigte. 

Kurze  Zeit  nach  diesen  Ereignissen  war  der  zum  Feldmarschall 
ernannte  Fürst  Wenzel  Liechtenstein  in  Pizzighettone  angekommen, 
um  den  Befehl  über  die  österreichischen  Truppen  von  Schülern- 


94  1741-1748. 

bürg  zu  übernehmen.  Er  berichtete  ans  dieser  Stadt  der  Kaiserin 
die  bedauernswerthe  Lage  der  Truppen.  „Die  Offiziere  leiden  Mangel 
„an  Nahrung,  Kleidung  und  Wäsche.  In  mehreren  Regimentern 
„befinden  sich  nicht  zwei  Berittene.  Er  habe  sein  Silber  und  Effekten 
„versetzt,  um  den  Offizieren  eine  Monatsgage  erfolgen  zu  können, 
„die  bisher  nur  vom  Kommisbrod  lebten.  In  der  Kasse  befanden 
„sich  1500  fl. ;  er  wisse  nicht,  wie  er  im  künftigen  Monat  die 
„Löhnung  der  Mannschaft  bestreiten  solle.«  Die  edle  Kaiserin  schickte 
100.000  Gulden,  welche  sie  als  Geschenk  erhalten  mit  dem  Beisatze: 
„mit  Vergnügen  widme  Ich  dieses  der  Unterstützung  Meiner  tapferen 
„notleidenden  Officiere  und  Soldaten!» 

Am  15.  Oktober  traf  Liechtenstein  im  Hauptquartier  zu 
Baizola  ein  und  trachtete  den  König  von  Sardinien  zu  bewegen, 
sich  mit  der  Armee  zur  Deckung  der  Lombardie  aufzustellen,  was 
dieser  aber  nicht  einging.  Nach  und  nach  fielen  Valenza,  die  Castelle 
von  Valenza  und  Asti  und  endlich  auch  Mailand  dem  Feinde  in 
die  Hände.  Die  Armee  blieb  mit  der  Sardinischen  vereint  in  der 
Lomelina,  und  stellte  unter  F. -M.-Lt.  Lynden  sechs  Bataillons 
und  12  Grenadier  -  Kompagnien  an  dem  Tessin  auf,  unter  welchen 
sich  ein  Bataillon  des  Regiments  und  seine  Grenadiere  befanden, 
das  zweite  Bataillon  kam  nach  Novarra  und  bezog  das  Kloster, 
während  das  dritte  unter  F.  -  M.  -  Lt.  Pertusati  in  Pizzighettone 
garnisonirte. 

Fähnrich  Franz  Gebele  von  Walstein  ist  in  diesem 
Jahre  gestorben. 

Am  5.  Februar  1746  überschritten  20.000  Spanier  zwischen 
Sorna  und  Sesto  Calende  den  Tessin  und  rückten  gegen  Oleggio  vor. 
Liechtenstein  versammelte  sein  kaum  10.000  Mann  starkes  Heer 
am  5.  abends  bei  Novarra,  ging  am  6.  gegen  die  Sesia  zurück, 
überschritt  diesen  Fluss  am  7.  und  bezog  enge  Kantonnirungen  bei 
Albano.  Die  Spanier  gingen  am  9.  über  den  Tessin  zurück,  worauf 
Liechtenstein  wieder  nach  Novarra  rückte  und  auch  Oleggio 
besetzen  liess. 

Schon  vor  Unterzeichnung  des  Friedens  mit  Preussen  hatte 
die  Kaiserin  zwei  Infanterie-Regimenter  nach  Italien  beordert;  nach 
Unterzeichnung  rückten  unter  F.  -  M.  -  Lt.  Browne  noch  fünf  In- 
fanterie- und  vier  Kavallerie  -  Regimenter  nach,  denen  dann  noch 
vier  Infanterie  -  Regimenter  und  2000  Grenzer  folgten.   Schon  an- 


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1741  -174H. 


95 


fangs  Februar  waren  die  Spitzen  dieser  Truppen  im  Mantuanischen 
eingetroffen,  und  wurden  längs  dem  Oglio  aufgestellt.  Nun  ergriff 
der  König  von  Sardinien  im  Vereine  mit  dem  Fürsten  Liechten- 
stein die  Offensive.  Die  erste  Waffenthat  verrichteten  die  Piemontesen 
durch  die  Einnahme  von  Asti.  Der  Adjutant,  der  dem  Könige  die 
Nachricht  dieser  glänzenden  Waffenthat  Oberbrachte ,  legte  ihm 
27  eroberte  Fahnen  zu  den  Füssen.  In  der  Lomelina  hatten  sich 
die  Oesterreicher  Zemas,  in  der  Nähe  von  Mortara  bemächtigt,  und 
dabei  10  Offiziere  und  200  Soldaten  gefangen.  Am  11.  wurde 
Alessandria  entsetzt,  und  von  hier  sechs  Bataillons,  darunter  eines 
des  Regiments,  unter  General  Leutrum,  in  das  Bormida  -  Thal  ge- 
sendet, und  hier  Aqui  eingenommen,  wobei  die  Teutschmeister 
fünf  Todte  und  sieben  Verwundete  verloren.  Dann  drang  diese  Kolonne 
in  die  Appenninen  vor  und  nöthigte  die  Franzosen,  sich  in  die  Riviera 
zurückzuziehen.  Wegen  der  sehr  ungünstigen  Witterung  bezogen  die 
sehr  ermüdeten  Truppen  dieser  Kolonne  Kantonnirungen,  während 
die  Franzosen  abzogen. 

In  derselben  Zeit  war  auch  Browne,  dessen  Truppen  alle 
eingetroffen  waren,  vorgerückt;  kam  am  10.  März  nach  Pizzighettone 
und  sendete  von  hier  eine  starke  Abtheilung  nach  Codogno,  welche 
das  hier  aufgestellte  Schweizer  Regiment  zwang,  uaeh  Piacenza  zu 
flüchten. 

Durch  diese  Unternehmung  wurden  die  Spanier  gezwungen, 
Mailand  am  19.  zu  räumen  und  sammelten  sich  am  20.  bei  der 
Karthause  bei  Pavia.  Auf  diesem  Rückzüge  folgten  ihnen  öster- 
reichische Huszaren,  welche  die  Nachhut  in  Verwirrung  brachten 
und  viele  Gefangene  machten.  Die  aus  1574  Mann  bestehende,  vom 
General  Bardon  befehligte  Besatzung  der  Citadelle  von  Mailand, 
unter  welchen  sich  auch  45  Teutschmeister  befanden,  nahmen  Besitz 
von  der  Stadt,  fanden  grosse  Vorräthe  und  zerstörten  die  gegen  die 
Citadelle  errichteten  Verschanzungen.  Die  Mailänder  empfingen  die 
Oesterreicher  mit  demselben  Jubel,  mit  dem  sie  vor  drei  Monaten 
die  Spanier  empfangen  hatten.  Liechtenstein  Hess  Casale 
wegnehmen,  Leutrum  schloss  Valenza  ein;  Browne  ging  am' 
25.  März  bei  Borgoforte  über  den  Po  und  rückte  vor  Quastalla,  wo 
sich  vier  spanische  Bataillons  von  ihrer  Armee  abgeschnitten,  am 
27.  kriegsgefangen  ergeben  mussten.  Seit  Eröffuung  der  Feindselig- 
keiten hatten  die  Oesterreicher  2113  Gefangene  gemacht,  worunter 


90 


1741-174S. 


2  Generale,  2  Brigadiere  und  ö  Obriste  sich  befanden,  und  selbst 
nur  einen  sehr  unbedeutenden  Verlust  erlitten. 

Liechtenstein,  der  durch  die  Lomcllina  gezogen  war,  kam 
am  5.  April  nach  Codoguo,  wo  er  zwei  Infanterie -Regimenter, 
Teutschmeister  und  Sprecher  Nr.  22,  ein  Kürassier-  und  ein  Huszaren- 
Regiment  unter  Befehl  der  Generale  Gross  und  Cavriani  zurflck- 
liess,  mit  den  übrigen  Truppen  aber  den  Maisch  nach  Casalmaggiore 
fortsetzte.  Am  G.  traf  ein  Theil  des  spanischen  Heeres  in  Piacenza 
ein;  Liechtenstein  vereinigte  sich  am  11.  mit  Browne  am  Taro, 
besetzte  am  21.  Parma  und  Hess  die  Citadelle  belagern,  welche 
schon  am  nfichstcn  Tage  kapitulirte.  Die  zum  Entsätze  herbeigeeilten 
Spanier  zogen  sich  gegen  Piacenza  zurück,  wohin  ihnen  Liechten- 
stein folgte  und  am  5.  Mai  das  Lager  vor  Borgo  S.  Donino  bezog. 

Die  Spanier  waren  kaum  in  Piacenza  eingerückt,  als  ihr  Ober- 
kommandant Gages  den  G.-Lt.  Marquis  Pignatelli  mit  G00O  Mann 
Infanterie  und  2000  Reiter  nach  Codoguo  sendete,  um  die  dort  auf- 
gestellten Oesterreither  zu  vertreiben.  Die  Rückkehr  der  Spanier 
nach  Piacenza  hatte  den  General  Gross  auf  seine  Sicherheit  bedacht 
gemacht.  Er  Hess  in  der  Nacht  vom  5.  auf  den  6.  Mai  1740  seine 
Tnippen  unter  dem  Gewehr;  als  indessen  am  0.  Morgens  die  Huszaren- 
Patrouillen  meldeten,  dass  am  Brückenkopfe  von  Piacenza  sich  nichts 
vom  Feinde  zeige,  liess  er  sie  in  die  Quartiere  gehen.  Pignatelli 
ging  am  G.  um  7  Uhr  früh  über  den  Po  und  fand  kein  Hinderniss ; 
erst  bei  Fombio  stiessen  spanische  Dragoner  auf  einen  Huszaren- 
posten,  den  sie  sogleich  angriffen,  und  im  raschen  Laufe  bis  Codogno 
verfolgten.  Bevor  die  zerstreuten  Oesterreicher  sich  zu  ordnen  ver- 
mochten, war  das  spanische  Fussvolk  bereits  in  Codogno  eingedrungen. 
Die  überraschten  Oesterreicher  wehrten  sich  in  den  Häusem  und 
Gassen  mit  vieler  Tapferkeit,  mussten  aber  überall  der  Ueberlegenheit 
weichen.  Dem  Regiment  Teutschmeister  gelang  es  doch  einige 
Kompagnien  zu  sammeln,  denen  sich  einzelne  Versprengte  anschlössen. 
Nach  einem  heftigen  Kampfe,  in  welchem  das  Regiment  122  Mann 
an  Todten  und  1  Lieutenant,  2  Fähnrichs  und  242  Mann  an  Ge- 
fangenen verlor,  schlug  es  sich  mit  dem  General  Cavriani  durch 
und  erreichte  Pizzighettone,  wo  es  sich  mit  dem  dort  befindlichen 
dritten  Bataillone  vereinigte.  General  Gross  warf  sich  mit  dem  Re- 
giment Sprecher  in  den  Palast  Tirulzi  und  ergab  sich,  da  kein 
weiterer  Widerstand  möglich  war,  mit  800  Mann  kriegsgefangen. 


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1741  —  1748. 


97 


Das  Heer  brach  am  6.  Juni  von  Borgo  S.  Donino  auf  und  bezog 
ein  Lager  bei  Fiorenzola,  dann  am  8.  bei  Pontenure.  Am  16.  Juni 
fand  die  Schlacht  bei  Piacenza  statt,  in  welcher  die  Oesterreicher 
einen  glänzenden  Sieg  erfochten.  9  spanische,  21  französische  Fahnen 
und  10  Kanonen  wurden  erobert;  4815  Feinde  gefangen.  Das  Re- 
giment in  Pizzighettone,  wo  auch  seine  Grenadiere  von  der  Haupt- 
armee eingerückt  waren,  hatte  an  der  Schlacht  keinen  Antheil  ge- 
nommen. Nach  der  Schlacht  kehrte  Fürst  Liechtenstein  nach 
Wien  zurück  und  übergab  das  Armee -Kommando  an  F.-Z.-M. 
Marquis  Botta. 

In  Piacenza  waren  4000  Spanier  unter  C  a  s  t  e  1 1  a  r  zurück- 
geblieben. Am  29.  rückten  die  Oesterreicher  näher  an  diesen  Ort 
und  beorderten  einige  Truppen  zur  Cernirung,  wozu  ein  Bataillon 
und  die  Grenadiere  des  Regiments  von  Pizzighettone  herbeigezogen 
wurden.  Am  15.  Juli  vereinigte  sich  das  Heer  bei  Parpanese  mit 
den  Sardiuieru,  während  sich  das  spanisch-französische  am  Lambro 
sammelte  und  S.  Colombano  besetzte.  Am  9.  Juli  verliess  Castellar 
Piacenza  und  schloss  sich  am  Lambro  an  die  Franzosen  an.  Das 
Bataillon  und  die  Grenadiere  des  Regiments  rückten  beim  Regiment 
ein,  welches  seither  zur  Hauptarmee  in  die  Division  des  F.-M.-Lt. 
Roth,  Brigade  P  a  1 1  a  v  i  c  i  n  i  gezogen  worden  war. 

Am  10.  August  mit  Tagesanbruch  setzte  sich  das  spanisch- 
französische Heer  nach  Stradella  in  Marsch,  während  die  Oester- 
reicher nach  Rottofreddo  rückten.  Schon  am  Morgen  begannen  die 
österreichischen  Vortruppen  am  Tidone  mit  den  Spaniern  zu  schar- 
muziren  und  wurden  bald  von  den  feindlichen  Reitern  geworfen.  In 
demselben  Augenblicke  erschien  General  Stampach  mit  tausend 
Reitern  stellte  das  Gefecht  her  und  warf  die  Spanier  über  den 
Tidone.  Während  dieser  Ereignisse  kam  F.-M.-Lt.  Botta  mit 
seinem  Korps  und  stellte  sich  zwischen  dem  Tidone  und  der  Nuretta 
in  Schlachtordnung.  Das  wechselseitige  Geschützfeuer  wurde  nun 
allgemein.  Die  Spanier  hatten  die  Casinen  am  linken  Ufer  stark 
besetzt ;  der  Kampfplatz  war  mit  Hecken  und  Graben  durchschnitten. 

F.-M.-Lt.  Barnklau  ging  mit  zwei  Brigaden  und  vier  Eska- 
dronen des  rechten  Flügels  eine  halbe  Stunde  unterhalb  des  Ortes 
Tidone  über  den  Fluss,  bemächtigte  sich  mehrerer  Casinen  und 
brachte  die  Spanier  in  solche  Verwirrung,  dass  Gag  es  alles  ver- 
loren glaubte.   Leider  wurde  hier  General  B  ä  r  n  k  1  a  u,  einer  der 

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OS 


1741  174« 


ausgezeichnetsteil  Generale  der  österreichischen  Armee,  von  einer 
Musketcnkugel  tödtlich  getroffen,  was  sehr  nachtheilig  auf  seine 
Truppen  wirkte,  so  zwar,  dass  sie  sich,  von  Verstärkungen  ange- 
griffen, mit  bedeutendem  Verluste  auf  das  rechte  Ufer  des  Tidone 
zurückzogen. 

Nun  nickte  F.-M.-Lt.  Roth  mit  dem  linken  Flflgel  vor,  um 
oberhalb  der  Brücke  den  Tidone  zu  überschreiten  und  den  Feind 
in  der  rechten  Flanke  zu  nehmen.  Das  Regiment  kam  hier  in's 
Feuer;  das  Gefocht  wurde  sehr  hartnäckig,  dreimal  wurde  gestürmt, 
dreimal  musstc  man  zurück.  Endlich  gelang  es  den  braven  Truppen 
«lie  so  tapfer  kämpfenden  Spanier  zu  überwinden  und  3ich  auf  dem 
linken  Ufer  fest  zu  setzen.  Da  auch  der  österreichische  rechte  Flügel 
wieder  über  den  Tidone  vordrang,  verliessen  die  »Spanier  und  Fran- 
zosen den  Fluss  und  retirirten  nach  Stradella.  Das  Treffen,  welches 
mit  Tagesanbruch  begann  und  durch  eilf  Stunden  währte,  endete 
gegen  3  Uhr  Nachmittags.  Der  Verlust  des  Regiments  war  be- 
deutend :  Grenadier  -  Lieutenant  Christof  i\I  a  n  z  nebst  42  Mann 
blieben  todt;  Hauptmann  Eugenius  Graf  On eil i  wurde  schwer  ver- 
wundet und  starb  in  Folge  dessen  am  24.  August  in  Pizzighettone; 
auch  wurden  noch  1  Hauptmann,  2  Lieutenants,  2  Fähnriche  und 
108  Mann  verwundet. 

Nach  diesem  Treffen  kapitulirtc  Piacenza  und  erhielt  den  Stab 
und  ein  Bataillon  des  Regiments  als  Garnison.  Die  Feinde  ver- 
einigten sich  in  Stradella,  wo  sie  am  11.  verblieben.  Die  Oester- 
reicher  marschirten  gegen  Tortona,  dann  nach  Rivaita  und  besetzten 
am  19.  Novi,  wo  sie  ein  bedeutendes  Magazin  erbeuteten  und 
700  Mann  gefangen  nahmen.  Die  Feinde  hatten  sich  während  diesen 
Märschen  in  das  Genuesische  zurückgezogen.  Das  Leib  -  Bataillon 
mit  den  Grenadieren  blieb  als  Garnison  in  Novi,  während  ein  Korps 
Oesterreicher  die  Bochetta  erstürmte  und  bis  an  die  Thore  von 
Genua  vorrückte,  welches  sich  am  5.  September  ergab. 

Am  7.  bezog  die  Hauptarmee  enge  Kantonuirungen,  brach 
aber  anfangs  November  wieder  auf,  überschritt  am  30.  den  Var  und 
vertrieb  den  Feind  aus  seinen  verschanzten  Stellungen,  rückte  dann 
am  1.  Dezember  vor  Gagen,  am  4.  nach  Biot  und  am  10.  abends 
in  ein  Lager  bei  Cannes,  um  mit  Hilfe  der  englischen  Flotte  Artibes 
einzuschliessen.  An  demselben  Tage  brach  in  Genua  ein  allgemeiner 
Aufstand  aus,  der  sich  schnell  über  die  Riviera  ausbreitete  und  den 


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1741— 174S, 


09 


Rückzug  des  General  Botta  nach  Novi  zur  Folge  hatte.  Durch 
diesen  Umstand  kamen  die  Truppen  in  der  Provence  in  eine  sehr 
missliche  Lage,  welche  ohnehin  bisher  durch  die  nasse  Witterung 
und  Krankheiten  viele  Menschen  und  Pferde  verloren,  auch  überhaupt 
nur  durch  Streifkommandos  in  der  Provence  und  Dauphine*e  sich 
mit  Proviant  versorgt  hatten.  Als  den  Feinden  auch  noch  Ver- 
stärkungen unter  Marschall  Belle-Isle  zukamen,  sahen  sich  die 
Truppen  genothigt,  Ende  Jänner  1747  die  Belagerung  aufzuheben, 
über  deu  Var  zurückzugehen  und  Winterquartiere  zu  beziehen. 
F. -Z.-M.  Graf  Schülern  bürg  übernahm  vom  F. -Z.-M.  Marquis 
Botta  das  Armee-Kommando. 

Das  Leib  -  Bataillon  marsohirte  von  Novi  nach  Pavia  und 
sendete  ein  Kommando  Dach  Mailand.  Kndc  Dezember  vereinigten 
sich  das  Leib-  und  Obristlieutcnants  -  Bataillon  nebst  den  Grenadieren 
im  Castcll  zu  Mailand;  das  Obrist- Bataillon  und  der  Regiments -Stab 
blieben  in  Piacenza. 

Anfangs  Jänner  1747  erhielt  das  Regiment  900  Rekruten. 

F. -Z.-M.  Graf  Schülern  bürg  hatte  den  Befehl  erhalten, 
Genua  wieder  zu  erobern,  daher  nun  alle  Operationen  gegen  diese 
Stadt  gerichtet  wurden.  F.-M.-Lt.  Browne  hielt  noch  die  Provence 
besetzt,  daher  zur  Unternehmung  gegen  Genua  nur  22  schwache 
Bataillons,  14  Grenadier-Kompagnien,  4000  Warasdiner,  1  Huszaren- 
und  ein  Dragouer-Regimcnt  verfügbar  waren. 

Das  Regiment  vereinigte  sich  am  Tessin  und  rückte  nach 
Voltaggio.  Die  Avantgarde  der  Armee  vertrieb  am  7.  Jänner  1747 
die  Genuesen  aus  Ovada  und  nahm  bei  Campofreddo  Stellung.  Am 
14.  wurden  sie  durch  General  Andrassy  von  der  Bochetta  und 
dem  anliegenden  Gebirge  vertrieben.  General  St.  Andre"  rückte  mit 
dem  Regiment  am  13.  Jänner  abends  von  Voltaggio  nach  Borgo  di 
Formari,  griff  am  14.  den  ihm  gegenüberstehenden  Feind  an,  nahm 
vier  eiserne  Kanonen  und  acht  Doppelhacken,  und  verfolgte  ihn  über 
Ponta-Decimo.  Hierauf  rückten  die  aus  dem  Bisagno-Thal  ver- 
stärkten Genueser  ihrerseits  zum  Angriff  vor.  St.  Andre*  entsendete 
den  Hauptmann  Friedrich  v.  Campen  mit  200  Mann  in  die  Flanke 
der  Angreifer,  deren  weitere  Vorrückung  er  mit  dem  Regiment  und 
den  übrigen  Truppen  aufhielt.  Der  überraschende  Flanken -Angriff 
des  Hauptmann  Campen  setzte  die  Genueser  dermassen  in  Ver- 
wirrung, dass  sie  bis  hinter  die  Stadtmauern  zurückliefen,  obschon 

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100 


1741  174S. 


St.  Andre"  sie  nur  bis  Bisagno  verfolgte.  Am  19.  griffen  grosse 
Schaaren  bewaffneten  Landvolkes  die  österreichischen  Posten  an, 
wurden  aber  Oberall  mit  blutigen  Köpfen  versprengt 

Die  Truppen  blieben  in  ihren  Stellungen,  da  zur  Belagerung 
Genua's  das  Geschütz  fehlte,  auch  ein  grosser  Mangel  an  Proviant 
herrschte.  Erst  anfangs  April,  als  die  Armee  einige  Verstärkungen 
erhalten  hatte,  wurde  gegen  Genua  vorgerückt,  in  welchem  mittler- 
weile C000  Franzosen  unter  G.-Lt.  Duc  de  Boufleurs  ange- 
kommen waren.  Am  11.  April  begann  die  Vorrücknng  in  vier  Ko- 
lonnen. Das  Regiment  befand  sich  in  der  zweiten,  unter  St.  Andre\ 
welche  längs  dem  Bisagno  nach  dem  Berge  Kreto  marschirte  und 
hier  Stellung  nahm.  Die  Genueser  flohen  in  grösster  Verwirrung 
und  Hessen  sogar  ihre  Vorwerke  im  Stich.  Schulemburg  forderte 
die  Stadt  zur  Uebergabe  auf  und  als  diese  abgewiesen  wurde,  ver- 
schanzten sich  die  Truppen  in  den  eingenommenen  Stellungen.  Die 
schlechten  Strassen  machten  es  unmöglich  das  schwere  Geschütz 
herbeizuführen  und  man  musste  sich  lediglich  auf  eine  enge  Zernirung 
beschränken.  Am  17.,  18.  und  10.  Mai  waren  die  Vortruppen  mit 
den  genuesischen  in  beständigem  Gefechte.  Am  21.  Nachmittags 
fielen  Spanier,  Franzosen  und  Genueser  auf  drei  Seiten  aus,  um 
sich  der  verlorenen  Posten  wieder  zu  bemächtigen.  Am  heftigsten 
war  der  Kampf  im  Polcevera  -  Thal,  wo  das  Regiment  im  Feuer 
stand.  Übristlieutenant  v.  Logau  besetzte  mit  den  Grenadieren  und 
seinem  Bataillon  die  Karthause  von  Rivarolo  und  schlug  alle  An- 
griffe zurück.  Besser  gelang  es  dem  Feinde  auf  dem  rechten  Üfer 
der  Polcevera  vorzudringen;  wurde  aber  hier  später  im  Rücken  und 
Front  angegriffen,  ebenfalls  zurückgetrieben. 

Die  Feinde  in  der  Provence  hatten  sich  während  dieser  Zeit 
sehr  ansehnlich  verstärkt  und  nöthigten  die  Oesterreicher  und  Sar- 
dinier sich  zurückzuziehen.  40  Bataillone  Franzosen  und  Spanier 
rückten  über  den  Var.  Wie  bedrohlich  auch  diese  Umstände 
waren,  beschloss  Schulemburg  doch  noch  mit  38  Bataillons  und 
30  Grenadier  -  Kompagnien  in  das  Bisagno -Thal  zu  rücken,  um 
Genua  von  der  Seite  anzugreifen,  wo  es  am  zugänglichsten  war. 
In  der  Nacht  vom  12.— 13.  Juni  führte  er  die  Truppen  in  drei 
Kolonnen  an  den  Bisagno.  Die  dritte  Kolonne  führte  General 
St.  Andre\  bei  welcher  sich  das  Regiment  befand,  links  gegen  den 
Monte  dei  Ratti.  Die  Genueser  wurden  durch  die  Angriffsbewegung 


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1741-1748 


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gänzlich  überrascht,  flüchteten  aus  dem  Bisagno  -  Thale  den  Schanzen 
zu,  die  auf  den  Bergkuppen  erbaut  waren.  Die  Oesterreichor,  welche 
folgten,  vertrieben  sie  aus  allen  Verschanzuugen,  eroberten  drei 
Kedouten,  machten  viele  Gefangene  und  draugen  über  S.  Martin 
d'albaro  bis  an's  Meer.  Das  Regiment  hatte  bei  dieser  Unternehmung 
einen  Verlust  von  4  Todtcn  und  11  Verwundeten. 

Am  14.  wurden  die  Genuesen  aus  mehreren  Casinen  verjagt, 
die  Verbindung  mit  der  englischen  Flotte  eröffnet  und  das  Schloss 
Stura  besetzt. 

Trotz  diesen  erfreulichen  Fortschritten  sah  sich  Schulemburg 
doch  genöthigt  die  Belagerung  aufzuheben,  da  die  gegen  die  an- 
rückenden Spanier  und  Franzosen  aufgestellten  Truppen  dringend 
Verstärkungen  benöthigten.  Am  4.  Juli  wurde  das  Lager  an  dem 
Bisagno  aufgehoben  und  nach  und  nach  die  Truppen  zurückgezogen. 
In  der  Nacht  vom  18. — 19.  verliess  Schulemburg  alle  vor  Genua 
innegehabten  Stellungen  und  bezog  das  Lager  bei  Campo  marone. 
Am  20.  wurde  der  Marsch  über  die  Bochetta  fortgesetzt  und  das 
Lager  am  Voltaggio  bezogen.  Hier  blieb  General  Nädasdy  mit 
fünf  Regimentern  und  zog  einen  Kordon.  Die  übrigen  Truppen,  dabei 
das  Regiment,  marschirten  nach  Fiemont  zurück,  wo  Schulemburg 
das  Kommando  an  F.  -  Z.  -  M.  B  r  o  w  n  e  übergab.  Browne  marschirte 
am  28.  Juli  nach  Ovada  und  von  hier  in  vier  Kolonnen  nach  Car- 
magnola,  wo  er  am  6.  August  eintraf.  Erst  am  16.  konnte  der 
Marsch  wegen  mangelhafter  Verpflegsvorkehrungcn  in  das  Stura- 
Thal  angetreten  werden.  Am  20.  waren  die  Truppen  bei  S.  Dalmazzo, 
unweit  Cuneo  vereint.  Sie  bestanden  aus  38  Bataillons,  31  Grenadier- 
Kompagnien  und  300  Huszaren.  Das  Regiment  befand  sich  mit 
zwei  Bataillons  Colloredo  im  ersten  Treffen,  in  der  Division  F.-M.-Lt. 
Graf  Piccolomini,  Brigade  General  St.  Andre. 

Am  1.  September  marschirte  Browne  nach  Mojola.  Picco- 
lomini, der  mit  seiner  Division  bereits  bis  Vinadio  vorgerückt  war, 
ging  an  diesem  Tage  bis  Sambucco.  Seine  Vorhut  unter  General 
St.  Andre*  vertrieb  den  Feind  aus  Argentiera.  Das  Regiment  hatte 
2  Verwundete.  Am  2.  marschirte  Browne  nach  Vinadio.  Am 
7.  Oktober  wurden  6  Bataillons,  darunter  das  Leib  -  Bataillon  und 
die  1.  Grenadier- Kompaguie  des  Regiments,  unter  Befehl  des  General 
Andrassy  über  den  Col  di  Tenda  nach  der  Riviera  in  Marsch 
gesetzt;  Browne  marschirte  mit  den  übrigen  Truppen  in  die  Lom- 


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1741  -174*. 


bardie  zurück  und  verlegte  sie  in  die  Winterquartiere.  Dan  Regiment 
kam  nach  Pavia,  von  wo  bald  darauf  Hauptmann  Hervay  mit 
133  Mann  als  Besatzung  in  das  Castell  nach  Mailand  marschirte. 

Im  Jahre  1747  hatte  der  Regiments  -  Kaplan  Pius  Bourgeal 
quittirt,  die  Hauptleute  Hermann  Hübers,  Franz  de  Hall  und 
Nikolaus  Wolff  sind  gestorben. 

Anfangs  März  1748  sammelte  Browne  die  Armee  in  der 
Lombardie  und  rückte  wieder  vor.  Das  Regiment  hatte  am  21.  März 
Pavia  verlassen  und  marschirte  mit  der  Annee  nach  Ovada.  Haupt- 
mann Ludwig  de  Battaglia  besetzte  mit  seiner  Kompagnie  Gavi. 

Am  21.  April  marschirte  die  Armee  nach  Carroftio  und  nahm 
hier  Stellung.  Obristlieutenant  von  Logau  besetzte  mit  seinem 
Bataillon  am  13.  Mai  Campofreddo,  wohin  das  Regiment  am  13.  Juni 
folgte  und  die  vorrückenden  Franzosen  zurückwarf.  Tags  darauf 
wurden  die  Feindseligkeiten  eingestellt  und  darüber  mit  den  Franzosen 
ein  Vertrag  abgeschlossen. 

Das  Regiment  rückte  am  6.  Juli  nach  Ovada  und  bezog  Kan- 
tonnirungs- Quartiere.  Am  7.  August  erhielt  dasselbe  eine  komplete 
Kompagnie  des  aufgelüsten  Regiments  Traun  mit  dem  Hauptmann 
Andreas  de  G u s i o,  Lieutenant  Daniel  de  Polastre  und  Fähnrich 
Josef  de  Mohris. 

Am  13.  Oktober  marschirte  das  Obrist-  und  Obristlieutenant- 
Bataillon  sammt  den  Grenadieren  nach  Novi,  wohin  am  23.  November 
auch  das  Leib -Bataillon  folgte,  von  wo  dann  am  25.  das  ganze  Re- 
giment aufbrach  und  über  Pavia,  Mantua,  Roveredo,  Trient,  Bozen, 
Brunecken,  Lieuz,  Klagenfurt  nach  Marburg  rückte,  dieses  am 
10.  Jänner  1749  erreichte  und  in  nachstehende  Orte  dislozirt  wurde: 
Stab  und  Grenadiere  Marburg,  die  übrigen  Kompagnien  nach  Ffirsten- 
feld,  Lanschberg,  Cilly,  Pettau,  Ratkersburg,  Leibnitz,  Windisch- 
gratz,  Voigtsberg,  Feistritz,  Hartberg  und  Pettau. 

In  Aachen  hatten  inzwischen  die  Friedensunterhandlungen  statt- 
gefunden, in  Folge  deren  der  Friede  am  18.  Oktober  1748  von 
England,  Holland  und  Frankreich,  am  2U.  von  Spanien  und  am  23. 
von  Oesterreich  unterzeichnet  worden  war.  Die  Kaiserin  Maria 
Theresia  überliess  Parma,  Piacenza  und  Quastalla  an  den  Infanten 
Don  Philipp,  die  in  Schlesien  1742  an  Preussen,  in  der  Lombardie 
1743  an  Sardinien  gemachten  Abtretungen  wurden  bestätigt  und  die 
pragmatische  Sanktion  Kai  Ts  VI.  allgemein  anerkannt. 


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1741-  174S. 


103 


Im  Kample  hatte  die  Welt  erfahren,  welch'  riesenhafte  Kräfte 
Oesterreich  birgt,  wie  halb  Europa  es  nicht  zu  zertrümmern  vermag, 
wenn  diese  Kräfte  recht  verwendet  werden.  Als  Grossmacht  stand 
es  wieder  da  und  fahrte  das  erste  Wort  im  Käthe  der  Völker.  Es 
war  ärmer  geworden  an  Schlesien,  aber  reich  an  Ruhm,  innerer 
Macht  und  äusserer  Kraft. 

.  Niemand  kann  die  Ehre  den  Tapferen  versagen,  welche  in 
jenen  Kriegen  ihr  Blut  hingaben  für  die  Erhaltung,  für  die  Grösse 
des  Vaterlandes. 

Vor  Allem  gebührt  aber  der  grossen  Kaiserin  MariaTheresia 
der  schönste  Kranz  der  Ehren,  deren  Seelengrösse  die  Kräfte  weckte 
und  deren  Geist  das  Reich  erhielt,  als  auch  die  Muthigsten  an  seinem 
Bestände  verzagten.  Ihr  Bild,  das  herrlichste  der  Frauen,  möge  uns 
stets  vorschweben,  dass  wir  uns  im  Unglücke  an  ihm  erheben! 

Am  8.  Dezember  1748  hatte  der  Hofkriegsrath  befohlen,  dass 
die  16  Füsilier  -  Kompagnien,  4  Bataillons  bilden,  die  2  Grenadier- 
Kompagnien  aber  für  sich  bestehen  sollen.  Beim  Leib-  und  Obrist- 
lieutenants-  Bataillon  führten  die  am  rechten,  beim  Obrist-  und 
Obristwachtmeister-Bataillon  die  am  linken  Flügel  stehenden  Kom- 
pagnien denselben  Namen  wie  das  Bataillon.  Sie  wurden  durch  die 
nun  gleichzeitig  in's  Leben  gerufenen  «Kapitän -Lieutenante",  die 
andern  Kompagnien  aber  durch  Hauptleute  kommandirt.  Auch 
wurden  die  .Oberlieutenante"  neu  errichtet  und  angeordnet,  dass 
die  Fähnriche  beim  Stab  im  Stande  zu  führen  sind.  Jedes  Bataillon 
hatte  von  nun  an  nur  zwei  Fahnen  zu  führen,  die  Musikbanden 
mit  36  Mann  das  erste  Mal  vorgeschrieben,  obgleich  schon  früher 
Hautboisten  als  Privateiurichtung  bestanden.  Mit  türkischer  Musik 
rückten  zuerst  1741  die  Trenk'schen  Panduren  in's  Feld,  welche 
dann  bald  in  allen  Regimentern  eingeführt  und  von  allen  europäischen 
Staaten  nachgeahmt  wurde.  Teutschmeister  rückte,  wie  in  der  Ge- 
schichte erwähnt,  das  erste  Mal  in  der  Schlacht  bei  Campo  santo 
am  8.  Februar  1743  mit  türkischer  Musik  in  den  Kampf. 

Das  Regiment  bestand  nach  diesen  neuen  Einrichtungen  Ende 
1748  laut  Eintheilungs-Liste  aus: 

«lab.  Obrist -Inhaber  Clemens  AugURt,  Churfürst  von  Köln,  Hoeh- 
« nJ  Tentechmeister. 

Obrist  ifegiinents-Kommanilant  Wilhelm  Freiherr  v.  Lustwitz. 

Obrist] ieutenant  Franz  v.  Logau. 

Obristwachtmeister  Karl  Freiherr  v.  Lest  will. 


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104 


1749  -1755. 


Lieutenant  -Quartiermeister  Karl  Dubiel. 
Hauptmann- Auditor  Heinrich  Kohl. 
Auditor- Sekrotariue  Egydius  Otto. 

Fähndriclis  Friedrieh  Hauk,  Franz  Wolff,  Johann  Hervay,  Josef 
Br.  Wilsdorf,  Johann  Lingerin,  Josef  Hr.  Stael  de  Carignoni,  Georg 
Freiherr  v.  La  st  witz,  Franz  v.  Ger stiug,  Johann  d'A  Itrop  p,  Franz  Kichl, 
Karl  v.  Berge. 

Regiments-Kaplan  Pio  Thomase  Bitorti. 

Wachtmeister-Lieutenant  Maximilian  v.  Sorozansky. 

Feldscherer  Georg  Hirsch. 

Wagenmeister  AuguBtin  Dressel. 

Profoss  Michael  Werner. 

Grenadier-Hauptleute  Hermann  v.  Beek,  Christof  Baron  Meichsner 
v.  Alekhofen. 

Grenadier-Oberlieutenants  Paul  Montignoni,  Josef  Br.  Formentini. 

Grenadier-Unterlieutenants  Karl  r.  Ku  stein.  Lorenz  v.  Kasz. 

Hatiptleute  Augustin  Leuthner,  Gottlieb  Br.  Schwarzenau,  Johann 
von  8chnekenhoff,  Karl  von  Hörle,  Karl  Graf  Artz,  Ludovico  de 
Battaglia,  Andreas  de  Gusio,  Franz  v.  Schmidt,  Sylvester  v.  Elvenieb, 
Friedrich  v.  Kämpen,  Lorenz  Wolff,  Peter  v.  Mayer,  Vincenz  Birago 
d'Aspremont,  Karl  Mohr  v.  W  a  1  d  t,  Johann  Graf  Boro,  Max  Baron 
Hautzenberg. 

Oberlieutenants  Johann  Offarel,  Johann  Gr.  Artz,  Kaspar  Scheibels- 
dorf, Johann  Kerpan,  Franz  v.  Peteneck,  Christof  Vogel,  Daniel 
de  Polastre,  Karl  v.  Bonn,  Antonio  de  Vela.  Christian  Bohr,  Vincenz 
Thierri,  Friedrich  v.  Schi  ndel,  Friedrich  v.  Pelgrim,  Josef  Helenus, 
Christof  Escher,  Karl  Wurf  f. 

Unterlieutenants  Thomas  Albert,  Kaspar  Schuppe,  Petrus  de 
Zamboni,  Josef  de  Kohl,  Friedrich  H  a  a  k,  Michael  Ellert,  Josef  de 
Mohris,  Peter  Mochne,  Friedrich  v.  Tham,  Hannibal  de  Carasco.  Josef 
Dickmann,  Wilhelm  Br.  Truchses,  Erasmus  de  Polastre,  Josef  Graf 
Soro,  Josef  Baron  Stael,  Franz  Baron  Wilsdorf. 

Regiments  -  Kaplan  Frateruus  Kostineck  und  Hauptmann 

Mathias  Hervay  sind  1748  gestorben. 


Während  der  nun  folgenden  Friedensjahre  war  die  Kaiserin 
unablässig  bemüht,  die  Armee  zu  verbessern.  Die  wesentlichen 
Veränderungen  waren:  ein  neues  Verpllegsreglement,  welches  die 
Etappen-Verpflegung  abschaffte  und  den  Mann  mit  Brod  in  Natura 
und  baarem  Gelde  zur  Beköstigung  versah ;  ein  Bcquartirungs- 
Normale  und  eiu  neues  Reglement  für  die  Infanterie;  ferners  eine 
Verfügung,  dass  die  Regimenter  das  Tuch  aus  den  Magazinen  in 


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m»-i7öö.  105 

• 

Wien,  Iglau  und  Prag  gegen  Entrichtung  der  limitirten  Preise  zu 
beziehen  haben. 

Das  Reglement  ordnete  den  innern  Dienst  mit  Ausführlichkeit, 
vermehrte  die  Beweglichkeit  ohne  die  Steifheit  abzulegen.  Die  Griffe 
sind  mit  grosser  Umständlichkeit  ausgebildet ;  für  den  Mann  54,  für 
den  unterrichtenden  Offizier  98;  diese  müssen  sehr  taktmässig  mit 
Pausen  um  von  1-4  zählen  zu  können,  die  Chargirung  dagegen  so 
schnell  als  möglich  vollzogen  werden.  Auf  Letztere  wird  ein  beson- 
deres Gewicht  gelegt.  10  Arten  sind  aus  der  geschlossenen  Front, 
10  aus  dem  Quarrte  und  bei  anderen  Gelegenheiten  vorgeschrieben. 
Die  Schweinsfeder,  welche  aus  zwei  Balken  zum  Zusammenfügen 
und  einem  eisenbeschlagenen  Stocke  bestand,  welche  in  zwei  solche 
zusammengefügte  Balken  gesteckt  und  dann  einige  Schritte  vor  die 
Front  der  Infanterie  gelegt  wurde,  um  die  Annäherung  der  Kavallerie 
zu  hindern,  bestand  noch  immer.  Auf  Märschen  wurde  sie  nach- 
geführt; in  den  Gefechten  aber  vier  Stück  per  Kompagnie  von  der 
Mannschaft  getragen. 

Ausserdem  erschien  eine  neue,  die  Kleidung  der  Truppen  fest- 
stellende Norm.  Die  früher  bis  an  die  Waden  reichenden  Röcke 
wurden  bis  an  die  Kniee  verkürzt;  die  Farbe  des  Kamisols,  der 
Beinkleider  und  des  Rockfutters  blieb  wie  früher  dem  Willen  des 
Regiments  -  Inhabers  überlassen.  Das  Regiment  behielt  seine  seit  der 
Errichtung  getragene  blaue  Farbe  des  Aufschlages  und  Rockfutters; 
der  ganze  übrige  Anzug  war  weiss,  die  Kamaschen  zum  gewöhn- 
lichen Gebrauche  schwarz.  Die  Halsbinde,  für  gewöhnlich  schwarz, 
war  zur  Parade  roth,  die  Gefreiten  und  Gemeinen  mussten  die 
Enden  derselben  rückwärts  auf  den  Nacken,  vom  Korporalen  auf- 
wärts vorne  auf  die  Brust  herabhängen  lassen.  Man  trug  Zöpfe  und 
an  den  Schläfen  Locken  weiss  gepudert.  Die  Offiziere  mussten  sich 
nun  wie  die  Mannschaft  kleiden,  wenn  sie  beim  Regiment  erschienen ; 
ausser  Dienst  konnten  sie  die  reich  mit  Gold-  oder  Silberborden  be- 
setzten Röcke  und  Kamisols  tragen.  Die  Feldbinden  waren  durch- 
gehends  von  Gold.  Die  Chargeugrade  bezeichnete  wie  früher  der 
verschiedenartige  Stock.  Die  Grenadiere  trugen  Bärenmützeu  mit 
einem  grossen  Messiugschild  am  Vordertheil ;  die  Füsiliere  drei- 
spitzige Hüte,  die  mit  einer  Spitze  nach  vorwärts  aufgesetzt  wurden. 
Als  Waffe  behielten  die  Ofliziere  die  Partisane,  Grenadiere  Flinten. 
Die  Unteroffiziere  der  Füsiliere  Kurzgewehre,  d.  i.  7  Schuh,  6  Zoll 


106 


1749-1755. 


lauge  Pikeii.  Ein  Gewehr  mit  Bajonnet  uud  ein  Säbel  .vollendete  die 
Bewaffnung  der  Mannschaft;  die  Grenadiere  behielten  ihre  Bestim- 
mung zum  Werfen  der  Handgranaten.  Das  erste  Exerzier -Reglement 
vom  F.-M.-Lt.  Graf  Daun  erhielt  das  Regiment  im  Jänner  1740 
in  vier  gedruckten  Exemplaren.  Zur  praktischen  Einübung  wurde 
Major  v.  L e s t w i t z  mit  dem  Wachtmeister-Lieutenant  Sorozanski 
nach  Wien  berufen  und  erhielten  näheren  Unterricht  durch  General 
S  i  n  c  e  r  e  und  Obrist  v.  Anger  n.  Im  Jahre  1748  hatte  man  bei 
den  Kanonen  die  Richtmaschine,  auch  Patronen  eingeführt. 

Der  Stand  eines  Infanterie-Regiments  bestand  aus  2408  Mann 
und  zwar  vom  Stabe  nebst  den  Oberoffizieren  noch  10  Unter- 
feldscherer  und  8  Führer.  Bei  den  Kompagnien  nebst  den  Ober- 
offizieren 18  Feldwebel,  18  Fouriere,  88  Korporale,  36  Fourier- 
schützen, 36  Tambours,  36  Pfeifer,  18  Zimmerleute,  160  Gefreite, 
1908  Grenadiere  und  Gemeine;  Artillerie-Büchsenmacher  mit  Hand- 
langern zur  Bedienung  der  zwei  beim  Regiment  befindlichen  Feld- 
geschütze und  zwei  Karren.  Die  Grenadier -Kompagnien  standen 
getrennt  an  den  Flügeln  des  Regiments;  die  Kompagnien  rangirten 
nun  statt  in  vier,  in  drei  Gliedern. 

Ende  April  1749  wurden  die  Hauptleute  Beek  und  v.  Wal  dt 
in  das  römisch  -  deutsche  Reich  nach  Heilbronn  gesendet,  um  die 
dort  auf  Kosten  des  Regimeuts-Iuhabers  angeworbenen  300  Rekruten 
zu  übernehmen. 

Am  15.  August  rückte  das  ^anze  Regiment  in  das  bei 
St.  Nikolaus  ausgesteckte  Exercier-Lnger,  wo  dasselbe  bis  Ende 
September  mit  den  Regimentern  Hildburghausen,  Kheul,  Marschall 
und  Forgats  unter  Kommando  des  F.  -  M.  -  Lt.  Kheul  in  dem 
neuen  Reglement  eingeübt  wurde.  Nach  aufgehobenem  Lager  erhielt 
es  die  Stationen  Klagenfurt,  Wolfsberg,  Villach,  St.  Veith  und 
Feldkirchen. 

Auditor  Heinrich  Kohl  ist  1749  gestorben. 

Obrist  Regiments -Kommandant  Georg  Wilhelm  Freiherr  von 
Lestwitz  wurde  auf  Allerhöchsten  Befehl  mit  letzten  Jänner  1750 
zum  General  -  Feldwaehtincister  befördert  und  in  seine  Stelle  der 
Obrist  Karl  Graf  Colloredo,  deutscher  Ordensritter,  mit  1.  Februar 
vom  Regiment  Colloredo  als  Regiments -Kommandant;  mit  letzten 
Jänner  Obristlieutenant  Franz  v.  Logau  als  Obrist  beim  Regi- 
ment Waldek  ;    Obristwachtmeister  Karl  Freiherr  von  Lestwitz 


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1749-1755. 


107 


als  Obristlieutenant  und  Hauptmann  Karl  Mohr  v  on  W  a  1  d  t 
als  Obristwachtmeister,  beide  mit  1.  Februar  dem  Regiment  vor- 
gestellt. 

General  Lestwitz  war  zu  Schlauben  in  Schlesien  1685 
geboren,  trat  im  Jahre  1703  als  Fähnrich  in  die  Reihen  des  Re- 
giments, war  1709  Grenadier- Lieutenant,  1718  Hauptmann,  1734 
Obristwachtmeister,  1742  Obristlieutenant  und  1744  Obrist- Re- 
giments -Kommandant.  Während  seiner  47jährigen  Dienstzeit  im 
Regiment  hat  derselbe  alle  Schlachten  und  Gefechte  mitgemacht. 
Obrist  Logau  war  1700  zu  Gebersdorf  in  Böhmen  geboren;  trat 
1717  als  Fähnrich  in  die  Reihen  des  Regiments,  avancirte  1724 
zum  Hauptmann ,  1743  zum  Obristwachtmeister  und  1744  zum 
Obristlieutenant. 

Am  1.  Juni  rückte  das  Regiment  in  das  grosse  Exerzierlager 
bei  Pettau,  wo  am  4.  Juli  auch  die  Majestäten  erschienen.  Das 
Regiment  hatte  die  Ehre,  sich  vor  Ihrer  Majestät  der  Kaiserin 
Maria  Theresia  zu  produziren,  und  wurde  ganz  besonders  belobt. 
Am  7.  reisten  die  Majestäten  wieder  nach  Wien  zurück,  und  das 
Regiment  marschirte  am  17.  August  in  seiue  früheren  Stationen. 

In  diesem  Jahre  wurden  die  Gagen  normirt:  Hauptmann  45  h\, 
Lieutenant  21  fl.,  Fähnrich  18  fl.,  Auditor  28  fl.  30  kr.,  Kaplan 
19  fl.  30  kr.,  Wachtmeister- Lieutenant  13  fl.  30  kr.,  Feldscherer 
21  fl.,  Fcldscherergesell  9  fl.  Die  tägliche  Löhnung:  Feldwebel  15  kr., 
Führer  8  kr.,  Fourier  14  kr.,  Korporal  8  kr.,  Fourierschütz,  Gefreiter, 
Gemeine  5  kr.,  Spielmann  4  kr.  Der  monatliche  Sold  und  Service 
betrug  beim  Regiment  17.439  fl.  45  kr.  Die  Brodportion  wurde  mit 
7  Pfenningen,  eine  Pferdportion  mit  12  kr.  bezahlt. 

Nebst  dem  bereits  zu  Pest  bestehenden  Invalidenhaus  wurden 
noch  solche  zu  Wien,  Prag  und  Pettau,  zusammen  ffir  6000  Invalide 
errichtet.  Auch  stiftete  die  Kaiserin  Elisabeth  Christine  den 
Elisabeth  -  Theresien  -  Orden  für  21  Obriste  mit  einer  bedeutenden 
Zulage. 

Im  März  1750  wurde  das  Heiratsnormale  publizirt  und  das. 
Heiraten  ohne  Bewilligung  bei  Kassation  verboten. 

Hauptmann  Johann  Schmekenhoff  und  Oberlieutenant 
Christian  Böhr  erhielten  1750  die  Versorgung  im  Invalidenhaus, 
Hauptmann  Mathias  hat  seine  Charge  um  1600  fl.  dem  Ober- 
lieutenant v.  Bonn  verkauft. 


108 


1749-1765 


Vom  25.  Mai  bis  7.  Juli  1751  befand  sich  das  Regiment  unter 
General  Maquier  bei  Klagenfurt  konzentrirt. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  vom  1.  Dezember  1751  wurde  Haupt- 
mann Christof  Baron  Meichsuer  v.  Alekhofen  als  aggregirter 
Obristwachtmeister  vorgestellt. 

Im  März  1752  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  ein  Werb- 
kommando in  Wien  aufzustellen ,  wozu  Hauptmaun  v.  E 1  v  e  n  i  c  h, 
Lieutenant  de  Polastre  und  Mochnc  nebst  40  Mann  kora- 
mandirt  wurden. 

Im  April  kam  die  Ordre,  sich  marschbereit  zu  halten,  um  nach 
Böhmen  zu  marschiren.  Am  30.  Juni  wurde  aufgebrochen  und  iu 
drei  Kolonnen  über  Linz,  Prag  in  den  Bunzlauer- Kreis  marschirt, 
wo  das  Regiment  am  8.  August  eintraf  und  die  Stationen  Jung- 
bunzlau,  Melnick,  Sobotka,  Dobravitz,  Leipa,  Turnau,  Weisswasser 
und  Münchengrätz  erhielt.  Hier  überbrachte  Oberlieutenant  Po- 
lastre 61  Wiener  Rekruten  zum  Regiment. 

Uire  Majestät  die  Kaiserin  Maria  Theresia  begegnete  in 
diesem  Jahre  den  Duellen  durch  ein  strenges  Duell -Mandat.  Nicht 
nur  die  Duellanten  und  Sekundanten,  sondern  auch  die  Hilf-,  Rath- 
und Vorschubgeber,  sowie  auch  jene,  welche  durch  Hinterbringung 
von  Schmähreden  zum  Duelle  aufhetzen  oder  jemanden  eine  ab- 
gelehnte Ausforderung  über  kurz  oder  lang  zum  Vorwurfe  machen, 
sind  mit  dem  Tode  durch  das  Schwert  zu  bestrafen.  Die  Strafe  tritt 
ein,  wenn  auch  im  Duell  Niemand  verletzt  worden  ist.  Auch  wurde 
mit  30.  Juni  befohlen,  dass  die  Regiments  -  Adjutanten  oder  so- 
genannten Wachtmeister -Lieutenante,  sowie  auch  die  Regiments- 
feldscherer,  welche  Regiments  -Chirurgus  zu  betiteln  seien,  nicht 
mehr  unter  dem  Stocke  des  Obristen  zu  stehen  hätten.  Auf  Vor- 
schlag Daun'a  wurde  die  Militär -Akademie  für  300  Kadeteu  zu 
Wiener  Neustadt  und  im  folgenden  Jahre  ein  Erziehungshaus  für 
Offiziers -Töchter  zu  Kbersdorf  (jetzt  in  Hernais)  errichtet. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  vom  31.  März  1753  wurde  der 
Obrist  und  Regiments  -  Kommandant  Karl  Graf  Colloredo  zum 
General- Feldwachtmeister  und  Gesandten  in  England  ernannt. 

Am  7.  April  kam  Hauptmaun  Elvenich  und  Lieutenant  Mochne 
mit  32  Rekruten  von  der  Werbung  in  Wien  zurück.  Am  14.  Mai 
passirte  das  Regiment  die  Musterung  und  rückte  den  26.  Juli  in 
das  grosse  Exerzier -Lager  bei  Kollin.  Hier  wurde  am  29.  August  der 


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1749- 176& 


109 


Obristlieutenant  Karl  Ludwig  Freiherr  Lestwitz  vom  F.-Z.-M.  Grafen 
Browne  dem  Regiment  als  Obrist  Regiments  -  Kommandant  vor- 
gestellt. An  demselben  Tage  avancirte  Obristwachtmeister  Karl 
Mohr  v.  Waldt  zum  Obristlieutenant  und  der  aggregirte  Obrist- 
wachtmeister Christof  Meichsner  v.  Alekhofen  wurde  in  die 
Wirklichkeit  eingebracht. 

Am  31.  August  erschien  Sr.  Majestät  der  Kaiser  im  Lager  um 
bei  den  Manövern  die  Truppen  zu  besichtigen,  worauf  das  Regiment 
am  5.  September  wieder  in  seine  früheren  Garnisonen  abrückte. 

Oberlieutenant  und  deutscher  Ordens  -  Ritter  Leopold  Baron 
Rump  ist  in  diesem  Jahre  gestorben. 

Beim  Beginn  des  Jahres  1754  erhielt  das  Regiment  den  Befehl, 
nach  dem  grossen  Lager  bei  Kollin  nicht  mehr  in  die  alten  Garni- 
sonen, sondern  nach  Ungarn  abzurücken.  Den  28.  Juli  wurde  auf- 
gebrochen und  in  das  Lager  marschirt,  wo  sodann  unter  Befehl  des 
Feldmarschall  Graf  Browne  grosse  Manöver  stattfanden.  Am 
17.  August  geruhten  die  beiden  Majestäten  mit  einer  grossen  Anzahl 
Damen  und  Cavaliers  im  Lager  zu  erscheinen,  im  Wagen  langsam 
die  lange  Fronte  der  in  grösster  Parade  ausgerückten  Truppen 
hinahzufahren  und  dann  im  Schlosse  Neuhof  das  Allerhöchste  Hof- 
lager zu  nehmen,  worauf  abends  im  Lager  ein  prachtvolles  Feuer- 
werk abgebrannt  wurde,  wobei  die  Truppen  unter  vielfachem  Abfeuern 
der  Gewehre  und  Kanonen  der  geliebten  Kaiserin  enthusiastische 
Vivat's  ausbrachten. 

Die  folgenden  Tage  wohnten  die  Majestäten  den  grossen  Ma- 
növern bei  und  geruhten  nebst  Ihrem  ausgesprochenen  Allerhöchsten 
Wohlgefallen,  auch  jeden  Geraeinen  durch  zwei  Tage  mit  einem, 
Gefreiten  zwei,  Korporal  drei,  Feldwebel  mit  vier  Siebenzehner  zu 
beschenken,  während  die  Ober  -  Offiziere  durch  die  ganze  Lagerzeit 
die  Brod-  und  Pferd  -  Portionen  doppelt  erhielten. 

Den  23.  August  verliessen  die  Majestäten  nach  abermaliger 
Besichtigung  der  Truppen  das  Lager  und  reisten  nach  Prag,  worauf 
das  Regiment  am  26.  August  in  drei  Kolonnen  nach  Ungarn 
marschirte.  Der  Stab  mit  den  Grenadiers  und  zwei  Bataillons  kamen 
nach  Ofen,  das  Obrist-Bataillon  nach  Gran  und  das  Obristwachtmeister- 
Bataillon  nach  Kaschau.  Zur  selben  Zeit  ging  Hauptmann  de  Polastre 
nebst  dem  Oberlieutenant  Peteneck  und  Lieutenant  d'Altropp 
in  das  teutschmeisterische  Gebiet  nach  Neckarulm  zur  Werbung. 


110 


175«  17«:i 


Korporal  Josef  v.  Sonnenfels  erhielt  in  Ofen  seinen  Abschied, 
nachdem  er  seit  dem  Jahre  1749  als  Gemeiner  und  Korporal  im 
Regiment  gedient  hatte.  Derselbe  studierte  dann  Jus  und  starb  am 
26.  April  1817  im  Alter  von  80  Jahren,  nachdem  er  es  zum  Frei- 
herrn, Ritter  des  St.  Stefans  -  Ordens,  k.  k.  Hofrath,  Vice  -  Präsident 
der  k.  k.  Hofkommission  in  politischen  Gcsctzsachcn  und  zum 
Präsidenten  der  Akademie  der  bildenden  Künste  in  Wien  gebracht 
und  durch  seinen  Vorschlag  zur  Aufhebung  der  Tortur  in  den 
k. k.  österreichischen  Staaten,  welchen  die  Kaiserin  Maria  Theresia 
bestätigte,  sich  einen  unsterblichen  Namen  erworben  hatte. 

Oberlieutenant  Montignoni  wurde  am  18.  Februar  1755 
nach  Mühlhausen  in  Thüringen  gesendet,  um  für  das  Regiment 
200  Rekruten  zu  übernehmen. 

Hauptmann  Ludovico  de  Battaglia  war  am  1(3.  April  unter 
Verleihung  des  Obristlieutcnants  -  Titels  mit  300  fl.  Pension  in  Ruhe- 
stand getreten. 

Am  11.  Juni  sind  7G  vom  Hauptmann  de  Polastre  im  römisch- 
deutschen  Reich  geworbene  Rekruten  beim  Regiment  eingerückt. 
Die  Leib -Kompagnie  wurde  wegen  des  starken  Dienstes  am  15.  Juli 
nach  Ofen  gezogen  und  am  0.  August  ist  Hauptmann  Graf  Soro 
zur  Uebernahme  von  00  landständischen  Rekruten  nach  Laibach 
abgegangen.  Hauptmann  Alexander  Raron  Wulffen  wurde  am 
31.  Oktober  mit  300  fl.  Pension  in  Invalidenstand  übersetzt. 

Die  Regiments  -  Chirurgen  erhielten  den  jüngsten  Fähnrichs- 
Rang  und  die  Bewilligung,  das  goldene  Porte  d'eple  und  goldene 
Hutrosen  zu  tragen. 


1756-1763. 

Im  Aachener  Frieden  hatte  Maria  Theresia  ausser  einigen 
kleinen  Landstrichen  in  Italien,  ein  schönes  reiches  Land,  Schlesien 
mit  der  Grafschaft  Glatz,  an  Preussen  abtreten  müssen.  Schlesien 
wieder  zu  gewinnen,  war  von  da  an  ihr  heissester  Wunsch  —  sie 
konnte  einen  Schlesier  nicht  sehen,  ohne  in  Thränen  auszubrechen. 

Im  Jahre  1753  hatte  Graf  Kau nitz- Rietberg  die  Geschäfte 
als  Staatskanzler  übernommen  und  begann  sogleich  die  diplomatischen 


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1756. 


Schntüprm«- Druck  des  « l>  mil<i  jMjuf  Jntntutes 


Tambour  und  Pfeifer  von 
Hoch-und  Deutschmeister. 


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III 


Verhandlungen,  welche  zur  Vereinzelung  Pieussens  führten.  Am 
11.  Mai  1756  schloss  der  König  Ludwig  XV.  von  Frankreich  zu 
Versailles  ein  Bündniss  mit  Oesterreich,  dem  sich  das  deutsche  Reich, 
Russland,  Schweden  und  Sachsen  gegen  Preussen  anschloss.  Die 
Gegenpartei  wurde  von  Preussen  und  England,  Hannover  und  Hessen- 
Kassel  gebildet. 

Am  20.  August  175G  nickten  die  Preussen  in  Sachsen  ein. 
Bei  dem  österreichischen  Heere  waren  die  Kriegsvorbereitungen  noch 
keineswegs  vollendet.  Aber  sobald  die  Grenzen  des  Vaterlaudes 
bedroht  erschienen,  zeigte  sich  die  Liebe  des  Volkes  zu  seiner 
Herrscherin  wieder  im  vollen  Masse.  In  der  Armee  lebte  der  regste 
Kriegseifer  wieder  auf;  jedermann  trug  dazu  bei,  um  das  den  Truppen 
noch  Fehlende  nach  Kräften  beizubringen  und  insbesondere  stellte 
der  Adel  zahlreiche  Pferde  aus  seinen  Ställen  für  die  Kavallerie 
und  die  Bespannung  der  Geschfltze. 

Das  Regiment  war  bemüht,  sich  schleunigst  auf  den  Kriegs- 
stand zu  setzen.  Hauptmann  Graf  Soro  brachte  am  13.  April  aus 
Km  in  96,  Hauptmann  de  Polastre  von  der  Werbung  im  deutschen 
Reiche  anfangs  Mai  118  Mann.  Am  4.  August  marschirten  beide 
Grenadier -Kompagnien  zur  Dienstleistung  nach  Wien  und  am  19. 
wurde  der  Hauptmann  Karl  Graf  Kallenberg  von  Harsch -In- 
fanterie als  Obristlieutenant  beim  Regiment  aggregirt. 

Am  9.  September  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  mit  den  in 
Wien  stehenden  Grenadieren  zur  Armee  nach  Böhmen  zu  marschiren, 
vier  Kompagnien  aber  nach  Esseg  in  Garnison  zu  verlegen.  In  Folge 
dessen  wurden  die  12  Kompagnien,  Leib-,  Obristlieutenant-,  Obrist- 
wachtmeister,  Hauptmann  Hörle,  Gusio,  Schmidt,  Rautzen- 
berg, Elvenich,  Bonn,  Polastre,  Wann  und  Rosenberg 
auf  den  Kriegsfuss  gesetzt  und  rückten  am  20.  von  Ofen  ab,  ver- 
einigten sich  am  26.  zu  Acs  mit  dem  Bataillon  aus  Koniorn  und 
erreichten  am  28.  Raab,  wo  der  Obristlieutenant  Karl  Mohr  von 
Wald  als  Obrister  Regiments  -  Kommandant,  Obristwachtmeister 
Christof  Baron  Meichsner  v.  Alekhofen  als  zweiter  Obrist- 
lieutenant vorgestellt  wurde.  Obristlieutenant  Graf  Kallenberg 
kam  in  die  Wirklichkeit  und  Baron  Meichsner  übernahm  das 
Kommando  der  nach  Esseg  marschirten  vier  Kompagnien. 

Obrist  Karl  Freiherr  v.  Lestwitz  kam  am  3.  Oktober  1756 
in  das  Invaliden  -  Institut.   Er  war  1688  zu  Schlauben  in  Schlesien 


112 


175«- 170«. 


geboren  und  diente  seit  1708  ununterbrochen  mit  Auszeichnung  im 
Regiment. 

Am  6.  Oktober  langte  das  Regiment  in  Wien  an  und  wurde 
vor  dem  Stuben -Thore  vom  Feldmarschall  Graf  Daun  besichtigt, 
welcher  seine  besondere  Zufriedenheit  aussprach.  Hier  erhielt  das- 
selbe den  Befehl,  nicht  zur  Armee  dos  F. -M.  Browne,  sondern 
zu  jener  des  F.-M.-Lt.  Piccolomini  nach  Königgrätz  zu  marschiren, 
welche  es  am  24.  Oktober  erreichte.  Tags  darauf  wurde  im  Lager 
der  Grenadier-Hauptmann  Johann  Graf  Soro  als  Obristwachtmeister 
vorgestellt  und  dann  am  Kroaten  -  Berge  die  Retranchements  besetzt. 
Am  2G.  marschirte  die  Armee  nach  Holinau  und  da  sehr  flbles 
Wetter  eintrat,  wurden  die  Winterquartiere  bezogen. 

Die  vier  Kompagnien,  welche  sich  aus  Kaschau  in  Marsch 
gesetzt,  hatte  Obristlicutenant  Graf  Kallenberg  übernommen, 
erreichten  am  28.  Oktober  Wien,  paradirten  in  Schönbrunn  vor  der 
Kaiserin  Maria  Theresia  und  rückten  dann  nach  Brünn. 

Am  10.  November  marschirten  die  zehn  Kompagnien  mit  dem 
Stabe  nacli  Zaar  in  Mahren  und  bezogen  hier  und  in  der  Konkurrenz 
die  Winterquartiere,  wo  am  17.  auch  die  vier  Kompagnien  unter 
Obristwachtmeister  Graf  Kallenberg  aus  Brünn  eintrafen.  Den 
10.  Dezember  wurde  wieder  aufgebrochen,  an  die  schlesische  Grenze 
marschirt,  der  Stab  mit  den  Grenadiers  nach  Neustadt,  die  übrigen 
Kompagnien  nach  Muglitz,  Littau,  Sternberg  und  Schönberg  verlegt 
und  das  Regiment  in  die  Brigade  G.-M.  Baron  Krottendorf 
eingetheilt.  Von  hier  wurde  am  31.  Hauptmann  Hörle  und  Ober- 
lieutenant Graf  Artz  mit  einem  Kommando  in  Freudenthal  auf- 
gestellt, welchem  am  21.  Jänner  1757  Lieutenant  de  Mohris  mit 
30  Mann  als  Verstärkung  folgte. 

Kaplan  Franz  Weiss  ist  1756  gestorben. 

Am  20.  April  passirten  beide  Bataillone  zu  Mährisch-Neustadt 
die  Musterung.  Tags  darauf  brach  der  Stab  mit  dem  Obrist-Bataillon 
und  den  Grenadiers  aus  den  Winterkantonnirungen  auf,  und  mar- 
schirten zum  vierten  Armeekorps  des  Feldmarschall  Graf  Daun  in  das 
Lager  bei  Böhmisch  -  Brod,  welches  sie  am  9.  Mai  erreichten.  Das 
Leib-Bataillon  unter  Obristwachtmeister  Graf  Soro  war  ebenfalls 
am  21.  April  aufgebrochen  und  nach  Littau  in  Mähren  marschirt. 

Am  2.  Mai  war  König  Friedrich  IL,  nachdem  er  sich  mit 
dem  Fürsten  Dessau  vereinigt  hatte,  auf  dem  weissen  Berge  bei 


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175<l-17«8. 


113 


Prag  erschienen.  Am  0.  Mai  kam  es  zur  Schlacht  bei  Prag.  Der 
blutige  Tag  vernichtete  die  schönste  Armee,  welche  Oesterreich  seit 
langer  Zeit  aufgestellt  hatte;  der  grösste  Theil  des  k.  k.  Heeres 
zog  sich  nach  Prag,  bei  13.000  Mann  waren  gegen  die  Sazawa 
geflüchtet  und  sammelten  sich  in  Beneschau. 

Die  UnglOcksbotschaft  vom  6.  Mai  verbreitete  in  Oesterreichs 
Provinzen  die  grösste  Bestürzung;  man  sali  nicht  nur  Böhmen  ver- 
loren, man  glaubte  die  Monarchie  ihrem  Untergange  nahe.  Doch 
standen  die  Dinge  noch  immer  nicht  so  .schlecht;  die  Verzweifelnden 
kannten  nicht  des  österreichischen  Heeres  Zähigkeit!  Noch  immer 
waren  50.000  streitbare  Mann  in  Prag,  diese  Stadt  konnte  also 
nicht  im  ersten  Anlauf  genommen  werden,  und  noch  war  «las  vierte 
Korps,  welchem  das  Regiment  angehörte,  unerschüttert.  Das  Gros 
dieses  Korps,  dessen  Kommando  der  Feldmarsehall  Leopold  firaf 
Daun  Qbernommen  hatte,  erreichte  am  Morgen  des  Schlachttages 
Podebrad.  Am  7.  Mai  rückte  Daun  mit  dem  Gros  des  Korps  nach 
Böhmisch  -  Brod,  hierher  kam  am  9.,  wie  oben  gesagt,  auch  das 
Regiment 

Nach  der  Schlacht  am  G.  umzingelte  Friedrich  die 
k.  k.  Armee  in  Prag;  er  wollte  sie  entweder  durch  Waffengewalt 
oder  Hunger  zur  Uebergabe  zwingen.  Weil  aber  bei  diesem  Vor- 
haben ihm  die  Streitmacht  Daun's  nicht  gleiehgiltig  sein  konnte, 
trachtete  er  diese  so  weit  als  möglich  zu  entfernen.  Deshalb 
unternahm  am  0.  Mai  der  preussische  General-Lieutenant  Ziethen 
mit  43  Schwadronen  eine  Rekognoszirung  gegen  Böhmisch  -  Brod ; 
schnell  waren  die  den  Vortrab  bildenden  wenigen  österreichischen 
Huszaren  geworfen  und  Ziethen  drang  bis  zu  den  Fahnenwachen 
des  Korps.  Das  Regiment  war  eben  im  Lager  einmarschirt  und  im 
Abkochen  begriffen;  rasch  griff  man  wieder  zum  Gewehr,  allein 
Ziethen  begnügte  sich  mit  der  Allarmirung  und  zog  gegen  Prag. 

F.-M.  Graf  Daun,  in  Folge  dieser  Rekognoszirung  für  einen 
ernstlichen  Angriff  besorgt  gemacht,  und  einen  gewagten  Kampf 
unzeitig  haltend,  zog  sich  in  der  Nacht  vom  9.  auf  den  10.  nach 
Planian  und  stand  am  11.  bei  Kolin.  Aber  auch  hier  dünkte  dem 
Könige  die  Streitmacht  Daun's  zu  nahe;  er  Hess  den  Prinzen 
Bevern  über  Böhmisch-Brod  vorrücken,  wodurch  Daun  sich  ver- 
anlasst sah,  am  13.  Mai  bis  in  die  Gegend  zwischen  Kuttenberg, 
Alt-Kolin  zurück  zu  gehen.  Wohl  hatte  Prinz  Karl  von  Lothringen 

8 


114 


175«  1763. 


aus  Prag  den  Feldmarschall  wissen  lassen,  dass  er  ohne  seine  Mit- 
wirkung die  Befreiung  der  Armee  unthunlich  halte,  und  hatte 
dringend  baldige  Hilfe  gefordert;  allein  Daun,  dem  von  Wien  alle 
Vorsicht  empfohlen  war,  konnte  dieser  Aufforderung  nicht  nur  keine 
Folge  geben,  sondern  sah  sich  nach  einem  gelungenen  Handstreiche 
des  Prinzen  B  e  v  c  r  n  auf  Kolin,  zum  Rückzüge  nach  Czaslau  ver- 
anlasst. Das  Regiment  war  allen  diesen  Bewegungen  im  Verbände 
des  Korps  unter  F.  -  M.  -  Lt.  M  o  r  o  c  z  gefolgt. 

So  entfernte  sich  Daun  immer  mehr  von  Prag,  wo  die  Preussen 
nun  emsiger  die  Belagerung  betrieben  und  die  Noth  höher  und  hoher 
stieg.  In  Wien  beschäftigte  man  sich  mittlerweile  eifrigst,  das  Korps 
Daun's,  jetzt  die  einzige  Hoffnung  der  Monarchie,  auf  das  Schleunigste 
zu  verstärken. 

Durch  die  nun  täglich  anlangenden  Verstärkungen,  war  das 
Korps  Daun's  zu  Ende  Mai  auf  53.000  Mann  gebracht,  und  mithin 
war  das  Korps  zur  Armee  geworden.  Der  Feldmarschall,  welcher 
für  die  Troppen  väterlich  sorgte,  hob  mit  eiserner  Hand  die  Manns- 
zucht und  benützte  eifrigst  die  gebotene  Zeit  zur  Ausbildung  und 
vollständigen  Ausrüstung  seines  Heeres. 

Gleichwie  das  k.  k.  IV.  Korps  zur  Armee  geworden,  ebenso 
hatte  Prinz  Bevern,  welcher  dem  F.-M.  Daun  gegenüber  stand, 
ansehuliche  Verstärkungen  erhalten  und  rückte  am  5.  Juni  von 
Kolin  gegen  Kuttenberg.  Daun  ging  gegen  Deutsch -Brod  zurück 
und  erreichte  am  6.  Juni  Goltsch  Jenikau. 

Indessen  hatte  Prinz  Karl  nach  Wien  gemeldet,  dass  die  in 
Prag  eingeschlossene  Armee,  wegen  Mangel  an  Lebensmitteln  sich 
nicht  länger  als  bis  20.  Juni  halten  könne.  Da  dieser  Umstand  eine 
Offensive  gebieterisch  verlaugte,  erhielt  Daun  den  Befehl,  dem 
Feinde  entgegen  zu  gehen  und  die  Schlacht  zu  wagen.  In  ange- 
stammter Huld  verpfändete  hiebei  Maria  Theresia  dem  Feld- 
marschall ihr  kaiserliches  Wort,  dass  sie  bei  einem  glücklichen 
Ausgange  seine  grossen  Verdienste  mit  allem  Danke  und  Gnaden 
ansehen,  hingegen  einen  unglücklichen  Erfolg  ihm  nimmermehr  zur 
Last  legen  werde. 

Am  12.  Juni  brach  Daun  von  Goltsch  -  Jenikau  nach  Kot h - 
Janovic  auf,  erreichte  Tags  darauf  Maleschau  und  am  14.  Gintic. 
Am  Nachmittag  des  16.  rückte  er  in  die  Gegend  von  Krychnau  und 
lagerte  in  zwei  Treffen.  Das  Regiment  mit  Baaden  -  Baaden  Nr.  23 


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1757. 

(  COLIN) 


ScKfttllprn«n-Orgck  U%  «  *  Wilit  |«0tr'f 


Obristwachtmeister  Johann  Graf  Soro 

1 .  Mana-Theresien-Ordens-RiUer 

von  Hoch-und  Deutschmeister. 


1756-1768. 


115 


und  Botta  Nr.  12,  die  Brigade  Plonquet,  stand  am  16.  Juni  zwischen 
Przebos  und  Poborz  am  linken  Flügel  der  Armee,  im  zweiten  Treffen 
unter  F.-Z.-M.  Graf  Anton  Colloredo,  F.-M.-Lt.  Baron  Sincere. 

Bei  Krychnau  blieb  die  Armee  am  17.  Juni,  wahrend  Fried- 
rich, der  mit  12.000  Mann  von  Prag  herbeigeeilt  kam  und  sich 
beiKaufim  mit  Bevern  vereinigte,  im  Angesichte  des  österreichi- 
schen Heeres  gegen  Planian  marschirte.  Diese  Bewegung  veranlasste 
Daun  bei  einbrechender  Nacht  seine  Aufstellung  zu  ändern,  er 
schob  den  rechten  Flügel  auf  deu  Kamhajeker  Berg,  den  linken  aber 
auf  die  Höhe  von  Boschitz. 

Des  baldigen  Kampfes  gewiss,  erwarteten  die  k.  k.  Truppen 
mit  Ungeduld  den  Anbruch  des  in  den  Annalen  Oesterreichs,  gleich- 
wie in  den  Blattern  der  Regiments  -  Geschichte  so  merkwürdigen 
Tages.  Lebhaftes  Geplänkel  der  Vortruppen  begrüsste  die  ersten 
Strahlen  der  Sonne,  sie  beleuchteten  das  auf  den  Knieen  liegende 
Regiment ,  welchem  im  Sinne  des  Reglements ,  sein  Feldpater 
Franziskus  Bu ekler  die  General  -  Absolution  ertheilte. 

Das  Ofliziers-Korps  bestand  am  Tage  der  Schlacht  aus: 

Obrist  Karl  Mohr  von  W  a  1  d  t. 

Obristlieutenant  Karl  Graf  Kallenberg. 

Obristwachtmeister  Johann  Graf  Soro. 

Kaplan  Franziskus  B  u  c  k  I  c  r. 

Chirargns  ficorg  Hirsch. 

Wachtmeister-Lieutenant  Melchior  S  e  h  ü  1 1  e  r. 


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Ui 


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| 

9 

33 


Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

Kapitän- 

Ober- 

Unter- 

Ferd.Br.Haack 

Thomas  Albert 

Maximilian  V. 
Zorozansky 

Dan.de  Polastre 

Paul  de 
Montignoni 

Wilhelm  Br. 
Truchscs 

Peter  v.  Mayer 

Peter  Mocbne 

KonstantinRoth 

Georg  Br. 
Lestwitz 

Karl  Gr.  Artz 

Hannibal  de 
Carasco 

Josef  Br.  Stael 

Karl  Br. 
Frakstein 

Vinoenz  Birago'     Peter  de 
d'Aspremont  Zamboni 

Ferd.  t.  Hövel 

Johann  Maroth 
de  Montiqui 



Erasmus  de 
Polastre 

Christ.  d'Altrop 

Amadeus 
d'Almann 

Karl  v.  Hörle 

Frz.  deVarenna 

Johann  Hervay 

Karl  Leuthner 

110 


175«— 17««. 


§ 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

Kapitän- 

Ober- 

Unter- 



Andr.  de  (iusio 

_ 

JoIj.  Gr.  Artz 

Karl  Wolff 

Karl  v.  Hörle 

r  rz.  v.  öcnmiiii 

Josef  dn  Mohris 

Lovina!  de 
Kanne 

Maximilian 
r.r.  Thürbeim 

- 

Maximilian  Br 

Friedrich  von 

Josef  Br. 

.Ins  (ir  Snrptti 

i 

u 

Hautzenberg 

Schindel 

Wilsdorf 

o 

"S 

Sylvester  von 

Franz  Baron 

Clemens  Br. 

Karl 

M 

m 

Kl von ich 

Wilsdorf 

Kleist 

v.  Claudenburß 

5 

Karl  v.  Bonn 

Josef  <ir.  Soro 

Rupert  ile  Mae- 
AtTri 

Barou  Sobek 

Joh.  Chevalier 
de  Quanno 

Fried,  v.  Thain 

Anton  Br. 
Manndorff 

Karl  de  <insio 

Wilhelm  Br. 
Kosenberg 

Ilannibal  de 
Spurlati 

Nikolaus  Bohr 



Um  6  Uhr  morgens  zeigten  sich  die  Spitzen  der  auf  der 
Hauptstrasse  gegen  Kolin  vorrückenden  preussischen  Kolonnen  dies- 
seits von  Planian.  Um  8  Uhr  hatte  ihre  Vorhut  das  Wirthshaus 
„zur  goldenen  Sonne*  orreicht;  der  König  liess  halten,  die  getrennten 
Kolonnen  anschliessen,  rechts  aufschwenkeu  und  ungefähr  300  Schritte 
vorrücken. 

F.  -  M.  Dan  n,  der  mit  seiner  Begleitung  angesessen  war, 
sah  von  dorn  Kamhajeker  Berge  dem  Marsche  der  preussischen 
Kolonnen  zu;  nicht  die  mindeste  Bewegung  seines  Gegners  konnte 
ihm  entgehen.  Als  das  preussische  Heer  von  der  Strasse  vor- 
rückte, glaubte  Daun,  dass  der  König  einen  Angriff  auf  seine 
Mitte  beabsichtige,  und  liess  zwei  Brigaden  der  Division  Wied 
hinter  der  Mitte  der  Armee  in  dritter  Linie  aufmarschiren.  Die 
Armee  selbst  stand  unbeweglich.  Erwartungsvolle  Stille  herrschte 
längs  der  ganzen  Schlachtlinie.  Die  Truppen  ruheten,  das  Gewehr 
in  der  Hand,  Jeder  auf  seiner  Stelle,  jeden  Augenblick  bereit, 
den  Feind  zu  empfangen.  Ruhig,  gefasst  und  frohen  Muthes  sahen 
die  österreichischen  Krieger  den  Ereignissen  entgegen,  die  sich  vor 
ihren  Augen  entwickelten. 

Als  der  König  durch  zwei  Stunden  die  unerschütterliche  Ruhe 
seines  Gegners  sattsam  betrachtet  hatte,  liess  er  seine  Treffen  in 
die  ursprüngliche  Stellung  zurückgehen  und  versuchte  einige  Schein- 


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17.16  1763 


117 


bewegungen.  Weil  aber  auch  diese  Versuche  keinen  Erfolg  zeigten, 
beschloss  endlich  Friedrich  die  Offensive,  hiebei  den  rechten 
Flügel  der  Oesterreicher  zu  umgehen  und  in  schräger  Linie  mit 
versagtem  rechten  Flögel  anzugreifen.  Um  J/,l  Uhr  setzten  sich 
die  Preussen  in  der  Richtung  gegen  Koliu  in  Bewegung  und  bald 
hatte  sich  ein  Reitergefecht  in  der  Gegend  von  Krechof  entsponnen. 
Daun  hatte  diesen  Ort,  welcher  den  äussersten  rechten  Flögel 
bildete,  durch  Kroaten  und  einige  reguläre  Infanterie  besetzen  lassen, 
und  ertheilte  nun  der  Division  Wied  den  Befehl,  im  Geschwind- 
schritt gegen  Krechof  zu  eilen,  um  dort  zum  Schutze  des  rechten 
Flügels  eine  Flanke  zu  bilden.  Zu  derselben  Zeit  marschirten  beide 
Treffen  der  Armee  rechts  ab  und  rückten  in  gleiche  Höhe  mit  den 
Preussen  in  der  Richtung  gegen  Krechof. 

Es  war  '/j2  Uhr,  als  die  Division  Wied,  sich  mit  dem  rechten 
Flügel  an  ein  Wäldchen  gelehnt,  Krechof  vor  der  Front,  als  Flanke 
aufgestellt  hatte ;  die  rechts  abmarschirte  Armee  setzte  indessen  ihre 
Bewegung  fort,  und  als  sie  mit  ihrem  rechten  Flügel,  an  den  linken 
der  Division  Wied  stiess,  schwenkte  sie  auf. 

Das  feindliche  Heer  war  um  diese  Zeit  mit  seiner  Spitze 
gegenüber  von  Krechof  angekommen  :  General  Hülsen  rückte  sofort 
gegen  diesen  Ort,  nahm  ihn  im  ersten  ungestümen  Anlaufe  und 
eroberte  eine  Batterie.  Die  in  Krechof  gestandenen  Abtheilungen 
zogen  sich  in  das  hinter  diesem  Orte  gelegene  Wäldchen  und 
Hülsen  wollte  zum  weiteren  Augriffe  schreiten,  als  er  die  Division 
Wied  vor  sich  sah.  Daun,  durch  Hülseu's  Erfolge  um  die  eigene 
rechte  Flanke  besorgt  gemacht,  disponirte  jetzt  zu  ihrer  Unter- 
stützung die  Division  Starhemberg,  wodurch  diese  als  zweite  Linie 
hinter  die  Division  Wied  zu  stehen  kam.  Auch  die  Infanterie -Divi- 
sion Sincere  vom  linken  Flügel,  dabei  das  Regiment,  erhielt  Befehl, 
sich  rechts  zu  ziehen  und  dem  rechten  Flügel  des  ersten  Treffens 
(Kavallerie-Division  Benedikt  Daun)  als  Rückhalt  zu  dienen. 

Friedrich  war  aulgeschwenkt  und  bald  rückten  seine  Ba- 
taillons gegen  die  österreichische  Stellung;  es  war  2  Uhr,  als  in 
ganzer  Ausdehnung  die  mörderische  Schlacht  begann.  Der  liuke 
Flügel  der  Preussen  (ihr  rechter  blieb  noch  versagt)  rückte  zum 
Angriffe  der  hinter  Brzistwye  stehenden  Oesterreicher  mit  ganzer 
Front  vor.  Nun  fing  das  zahlreiche,  gut  bediente  und  vortheilhaft 
gestellte  Geschütz  der  Oesterreicher  zu  spielen  an.  Das  preussische 


118 


1750-  1703. 


antwortete,  doch  mit  geringerem  Erfolg.  Nachdem  die  Preussen 
einige  hundert  Schritte  vorgerückt  waren,  liess  sie  der  König  etwas 
links  ziehen,  um  sich  der  österreichischen  rechten  Flanke  zu  nähern. 
Das  Geschützfeuer  der  Oesterreicher,  riess  während  dieser  Bewegung 
ganze  Reihen  nieder,  so  dass  der  König  gcnöthigt  war,  um  die 
dadurch  entstandenen  grossen  Lücken  auszufüllen,  vier  Bataillons 
aus  dem  zweiten,  in's  erste  Treffen  rücken  zu  lassen. 

Trotzdem  rückte  die  preussische  Infanterie  im  heftigsten  Kar- 
tätschenfeuer mit  grösster  Entschlossenheit  vorwärts,  und  stiess 
zuerst  auf  die  im  ersten  Treffen  auf  den  Anhöhen  südlich  Brzistwye 
stehende  Reiterei  des  F.-M.-Lt.  Benedikt  Daun.  Diese  schwenkte 
plötzlich  mit  Eskadronen  ab,  und  durch  die  auf  diese  Art  ent- 
standenen Zwischenräume  brachen  die  rückwärts  aufgestellten  In- 
fanterie-Regimenter Teutschraeister,  Baaden  und  Botta  vor.  Statt 
einer  Kavallerie-Front  erblickte  der  Feind  eine  Linie  Fussvolk,  die 
ihm  ein  mörderisches  Feuer  entgegen  schickte  und  ihn  die  Anhöhe 
hinabwarf. 

Indessen  kamen  die  preussischen  Bataillone  stufenweise,  eines 
nach  dem  anderen,  wie  es  ihre  schräge  Schlachtlinie  gestattete,  zum 
Angriff  gegen  die  Regimenter  Erzherzog  Karl  Nr.  2,  Moltke  Nr.  13 
und  Puebla  Nr.  23  der  Division  Marschall,  welche  neben  der  Divi- 
sion Sincere  aufmarschirt  waren.  Auch  die  früher  zurückgeworfenen 
preussischen  Bataillone  gingen  wieder  zum  Angriffe  vor,  wurden  aber 
abermals  zurückgeschlagen.  Hiebei  hatte  sich  Major  Graf  Soro, 
welcher  mit  den  zwei  Grenadier -Kompagnien  des  Regiments,  nebst 
zwei  anderon,  die  Flanke  der  Stellung  zu  beschützen  hatte,  besonders 
ausgezeichnet,  indem  er,  obschon  anfänglich  durch  den  Schenkel  ge- 
schossen und  im  nämlichen  Fusse  blessirt  wurde,  doch  noch  zwei 
Stunden  bei  der  Truppe  aushielt,  und  während  dieser  Zeit,  so  oft 
der  Feind  angriff,  sich  in  seine  Flanke  warf  und  ihn  jedesmal  mit 
Verlust  zurücktrieb,  bis  er  endlich  durch  den  bedeutenden  Blut- 
verlust ohnmächtig  aus  dem  Gefechte  getragen  werden  musste. 

Siebenmal  wurde  der  feindliche  Angriff  zurückgeschlagen.  Das 
Regiment  hatte  seinen  Obristen,  sämmtliche  Offiziere  und  sehr  viele 
Mannschaft  verloren  und  sich  ganz  verschossen.  Der  Moment  war 
äusserst  kritisch;  da  erschien  der  tapfere  Major  Graf  Soro,  welcher 
auf  dem  Verbandplatz  von  zurückgebrachten  Verwundeten  die  Lage 
des  Regiments  erfahren  hatte,  stellte  die  Ordnung  her  und  führte 


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lKfr-1911. 


119 


das  Regiment  mit  gefälltem  Bajonnet  dem  Feinde  entgegen.  Auch 
Obrist  Först  Kinsky  mit  dem  Regiment  Botta  that  ein  Gleiches 
und  warf  vereint  mit  den  Tentschmeistern  den  Feind  die  Höhen 
hinab.  Dem  heldenmflthigen  Major  Graf  Soro  zerschmetterte  bei 
dieser  Gelegenheit  eine  Kanonenkugel  den  rechten  Fuss. 

Nach  diesem  brillanten  Angriff  nahm  das  Regiment  seine 
frühere  Stellung  wieder  ein. 

Während  die  Oesterreicher  hier  entschieden  Sieger  blieben, 
war  die  Division  Wied  auf  dem  äussersten  rechten  Flügel,  gegen 
die  aus  Krechof  ungestüm  vorstürmenden  preussischen  Generale 
Hülsen  und  Seidlitz  minder  glücklich,  so  zwar,  dass  die  Division 
in  Unordnung  gerieth  und  sich  zur  Flucht  wendete. 

In  Folge  dessen  war  die  rechte  Flanke  der  Division  Sincere 
entblösst,  daher  die  Regimenter  dieser  Division,  daninter  auch 
Teutschmeister  mit  dem  dritten  und  vierten  Gliede  gegen  den  Feind 
rechtsum  machten  und  das  Feuer  nach  rückwärts  eröffneten.  Aber 
rasch  eilten  zwei  sächsische  Chevauilegers  -  Regimenter  und  das 
österreichische  Dragoner -Regiment  de  Ligne  herbei,  hieben  mit 
ausserordentlicher  Entschlossenheit  ein  und  brachten  den  Feind  zum 
Stehen.  Nun  rückten  bald  die  übrigen  österreichischen  Kavallerie- 
Regimenter  heran,  fielen  die  l'reussen  von  allen  Seiten  an  und 
warfen  ihre  Kavallerie  zurück.  Die  Division  Wied  hatte  sich  während 
dieser  Zeit  wieder  gesammelt  und  bezog  im  Sturmschritt  ihre  vorige 
Stellung.  Die  österreichische  Reiterei  griff  nun  die  preussische 
Infanterie  an,  und  in  einem  Augenblick  waren  vierzehn  Bataillone 
theils  zusammengehauen  und  gefangen,  theils  zersprengt. 

Es  war  schon  Abend,  als  F.-M.-Lt.  Sincere  mit  vier 
Bataillons,  darunter  eines  von  Teutschmeister,  alleu  Grenadier- 
Kompagnien  und  einigen  Dragoner  -  Eskadronen  bei  der  Flanke  an- 
langte. Was  vom  Feinde  noch  Stand  hielt,  ward  von  diesen  Truppen 
zerstreut.  Schrecken  und  Verwirrung  wurden  beim  Feinde  nun 
allgemein.  Der  geschlagene  linke  Flügel  überliess  sich  der  Flucht 
und  würde  von  der  kaiserlichen  Reiterei  vollkommen  aufgeriebeu 
worden  sein,  wenn  nicht  die  Aufmerksamkeit  derselben,  durch 
Ziethens  standhaftes  Ausharren  auf  dem  Schlachtfelde  gefesselt 
worden  wäre. 

Mit  Einbruch  der  Nacht  hatte  die  Armee  Oesterreichs  einen 
ihrer  glorreichsten  Tage  vollbracht.    Die  Preussen  retirirten  auf 


120 


1JÖ6-17U3. 


Nimburg,  die  Oesterreicher  blieben  auf  dem  mit  Todten  und  Ver- 
wundeten bedeckten  Schlachtfelde.  Der  erfochtene  Sieg  belebte  alle 
Gemüther.  Im  masslosen  Jubel  entstand  bei  einem  Bataillon  des 
rechten  Flügels  ein  Laufteuer,  dasselbe  durchlief  ohne  Kommando 
das  ganze  erste  Treffen  und  weil  dies  mit  scharf  geladenen  Ge- 
wehren geschah,  hatte  es  zur  Folge,  dass  einige  aus  der  Suite  des 
Feldmarschalls,  der  eben  vor  der  Fronte  hielt,  verwundet  wurden. 
Aber  nicht  allein  das  siegreiche  Heer  jubelte ;  das  ganze  Volk  Oester- 
reichs fühlte  sich  gehoben  und  mit  ihm  seine  erhabene  Monarchin. 
Diese  schrieb  an  Daun:  „ —  es  ist  Euch  am  Besten  be- 
gannt, wie  viel  Zuneigung  für  Mein  ge9ammtes  Militare  trage  und 
„wie  bey  jedem  widrigen  Ausschlag  eines  Treffens  nicht  nur  der 
„  Meinem  Dienste  zugehende  Nachtheil,  sondern  insbesondere  Vor- 
stellung Mir  zu  Gemüthe  dringe,  dass  die  Ehre  Meiner  Waffen 
»vermindert  werde  und  ihr  vorhiniges  Ansehen  verliere.  Allein  nun- 
„mehro  geniesse  Ich  eines  gedoppelten  Vergnügens,  nachdem  nebst 
„denen  mit  Zuverlässigkeit  zu  hoffen  stehenden  erspriesslichen  Folgen, 
„zugleich  Meine  brave  Armee  den  Ruhm  der  Hertzhaftigkeit  neuer- 
„dings  erfochten  hat.  Ihr  habt  solches  in  Meinem  Nahmen  der  gantzen 
„Armee  bekannt  zu  machen  und  zu  versichern,  dass  ihren  ruhm- 
vollen Betrag  mit  allem  Danke  erkenne  u.  B.  w." 

Das  Regiment  hat  sich  bei  Kolin  eines  der  schönsten  Blätter 
in  seine  Geschichte  geschrieben ;  die  tapferen  Thaten  Einzelner  sind 
der  Vergessenheit  anheim  gefallen.  Das  Regiment  hatte  furchtbar 
gelitten;  es  zählte  unter  allen  Regimentern  der  Armee  den  bei 
weitem  grössteu  Verlust.  Todt  blieben:  Hauptmann  Andreas  de  Gusio, 
Karl  v.  B  o  n  u,  Oberlieutenant  Friedrich  v.  Schind  e  1,  Lieutenant 
Anton  Baron  Manndorf  f.  <  »brist  Karl  Mohr  v.  W  a  1  d  t  und 
Oberlieutenant  Josef  (traf  Soro  erlagen  den  folgenden  Tag  ihren 
Wunden ;  der  Obrist  wurde,  nachdem  ihn  der  Feldkaplan  B  u  c  k  1  e  r 
mit  den  heil.  Sterbesakramenten  versehen  hatte  (Todten  -  Matrikel  zu 
Swoyssie)  in  der  Kirche  zu  Wodrad,  Graf  Soro  in  der  Kloster- 
kirche zu  Zasmuk  begraben.  Gleich  beim  Eingange  in  diese  Kirche 
ist  ein  mit  dem  gräflichen  Wappen  versehener  Grabstein,  welcher 
die  Inschrift  enthält:  „Anno  17r>7,  Die  25.  Junii  in  conflictu  ad 
Chocemitz  vulneratus  vitam  fiuivit:  Illustrissimus  Dominus,  Dominus 
Josephus,  Bruno,  Nareissus  Coraes  de  Soro  incliti  Regiminis 
Teutonia  Laidnamiiis,  llic  Scpultns  Requi<'scit." 


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1750- K«3. 


121 


Die  fehlerhafte  Aufschrift  sagt  Laidnancius,  was  wohl  mit 
Locumtenens  zu  Obersetzen  gewesen  wäre,  auch  war  Josef  Graf 
Soro  bereits  seit  1752  Oberlieutenant. 

Von  der  Mannschaft  blieben  150  Mann  todt.  Verwundet  wurden  : 
Obristwachtmeister  Johann  Graf  Soro,  welchem  den  folgenden  Tag 
noch  auf  dem  Schlachtfelde  der  Fuss  amputirt  wurde;  Grenadier- 
Hauptmann  Daniel  de  Polastre  und  Ferdinand  Baron  Haack, 
Hauptmann  Karl  v.  Hörle,  Franz  y.  Schmidt,  Maximilian  Baron 
Hautzenberg,  Johann  Chevalier  de  Quanne,  Wilhelm  Baron 
Rosenberg,  Kapitän-Lieutenant  Vincenz  Biragod'Aspremont, 
Karl  Graf  Artz,  Peter  v.  Mayer,  Oberlieutenant  Peter  Mochne, 
Hannibal  de  Carasco,  Erasmus  de  Polastre,  Franz  de  Varenua, 
Johann  Graf  Artz  (erlag  am  2.  November  zu  Kuttenberg  seiner 
Wunde),  Hannibal  de  Spurlati,  Paul  de  Montignoni,  Thomas 
Albert,  Lieutenant  Constantin  Roth,  Josef  Baron  Stael,  Fer- 
dinand v.  Hövel,  Christian  d'  A 1 1  r  o  p  p,  Wilhelm  Baron  T  r  u  c  h  s  e  s, 
Maximilian  v.  Zorozansky;  Fähnrich  Karl  Leuthner  und 
Baron  S ob  eck;  vom  Feldwebel  an  230  Mann;  unwissend  verloren 
80  Manu;  mithin  der  Total  -  Verlust :  1  Obrist,  1  Major,  9  Haupt- 
leute, 3  Kapitän  -  Lieutenants ,  10  Ober-,  7  Unter  -  Lieutenants, 
2  Fähnriche,  33  Offiziere  und  400  Mann.  Die  Grenadiere  hatten  alle 
Offiziere  verloren. 

Um  dem  Siege  bei  Kolin  ein  bleibendes  Andenken  zu  geben, 
w  urde  der  Militär  -  Maria  -  Thercsien  -  Orden,  dessen  Stiftung  schon 
früher  beschlossen  war,  in's  Leben  gerufen  und  der  18.  Juni  1757 
als  Stillungstag  bestimmt.  Am  Schlüsse  des  Allerhöchsten  Kabinet- 
schreibons  an  Feldmarschall  Daun  bezüglich  der  Stiftung  finden 
sich  folgende  eigenhändige  Zeilen  der  Kaiserin:  „Ihr  habt  Euere 
.Ordensprobe  vor  den  Augen  der  ganzen  Armee  schon  abgelegt,  Ihr 
«seid  also  als  der  erste  Grosskreuz  aufgenommen.* 

Auch  das  Regiment  zählt  mit  gerechtem  Stolze  seinen  ersten 
Maria  Theresien  -  Ritter  aus  der  Schlacht  bei  Kolin.  Dies  ist  der 
Major  Johann  Graf  Soro,  welchem  in  der  dritten  Promotion  vom 
4.  Dezember  1758  für  seine  bei  Kolin  bewiesene  Tapferkeit  von 
dem  Ordeiis- Kapitel  das  Kleinkreuz  zuerkannt  wurde. 

Um  die  Allerhöchste  Zufriedenheit  mit  der  Armee  weiters  zu 
bethätigen,  bewilligte  die  Kaiserin  besondere  Gratifikationen  im  Gelde. 
Das  Regiment  erhielt  laut  Original  -  Verthciler  0203  fl.  17  kr.;  den 


122 


1750-1708. 


verwundeten  Offizieren  und  Soldaten  wurde  ein  doppelter  Monatssold 
ausgezahlt  und  den  Offizieren  die  verlorenen  Pferde  ersetzt. 

Der  grossen  Verluste  wegen  formirte  das  Regiment  nach  der 
Schiacht  nur  ein  Bataillon  und  eine  Grenadier  -  Kompagnie.  Diese 
Formations  -  Aenderung  bewirkte  man  im  Lager  bei  Krychnau,  wohin 
das  Regiment  am  Tage  nach  der  Schlacht  den  Truppen  Daun's 
gefolgt  war.  In  der  Swoyssicer  Kirche  wohnte  am  20.  Feldmarschall 
Graf  Daun  mit  der  ganzen  Generalität  einem  solennen  Hochamte 
und  Te  Deum  bei,  während  gleichzeitig  auf  den  nahen,  nördlich  der 
Kirche  und  der  Schäferei  Rauzow  gelegenen  Feldern,  vor  einem 
Kapellen  -  Zelte  unter  Paradirung  sämmtlicher  Truppen  dieselbe 
Feierlichkeit  stattfand.  Zum  Schlüsse  derselben  erschallten  die 
Trommeln  und  Pfeifen,  die  Feldmusik  ertönte  und  die  sämmtlichen 
142  Geschütze  und  das  Kleingewehr  wurden  dreimal  abgefeuert. 

In  bisheriger  Ordre  de  bataille  waren  die  Regiments  -  Ab- 
theilungen auch  am  21.  bei  Krychnau  geblieben,  wo  mit  Generals- 
Befehl  vom  20.  der  Obristlieuteuant  Franz  Graf  Kallenberg  als 
Obrister  statt  dem  auf  dem  Felde  der  Ehre  gebliebenen  Obrist  von 
Mohr  dem  Regiment  vorgestellt  wurde. 

Obrist  und  teutscher  Ordeusritter  Karl  Mohr  von  Waldt 
wurde  1721  zu  Luxemburg  in  den  Niederlanden  geboren,  trat  am 
31.  Jänner  1741  als  Fähnrich  heim  Regiment  in  die  Reihen  der 
Armee,  avancirte  1744  zum  Greuadier- Lieutenant,  1.  Juni  1740 
zum  Hauptmann,  1.  Februar  1750  zum  Major,  29.  August  1753 
zum  Obristlieutenant  und  am  3.  Februar  1 7513  zum  Obrist -Regi- 
ments -  Kommandanten.  Bei  der  standhaften  Vertheidigung  der  An- 
höhe hinter  Brzistwye  wurde  er  schwer  verwundet  und  starb  den 
folgenden  Tag  in  den  Armen  des  braven  Feld -Paters  und  deutschen 
Ordens  -  Priesters  B  u  c  k  1  e  r. 

Am  22.  folgte  das  Regiment  der  Armee  nach  Schwarzkosteletz, 
dann  über  Skworec  am  20.  nach  Kolodeg.  Der  Sieg  bei  Kolin 
befreite  Prag;  das  eingeschlossene  Heer  überfiel  am  20.  die  ab- 
ziehenden Preussen,  verliess  am  24.  Prag  und  vereinigte  sich  am  29. 
bei  Kolodeg  mit  den  Truppen  Daun's. 

Die  Preussen  waren  allenthalben  im  Rückzüge;  die  bei  Kolin 
geschlagenen  Truppen  gingen  unter  Prinz  Bevern  nach  dem  Bunz- 
lauer  Kreise,  wendeten  sich  aber,  weil  eine  russische  Armee  von 
Polen  im  Anmärsche  war,  gegen  die  Lausitz ;  die  vor  Prag  gestandenen 


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17ÖU  -17U3. 


123 


preussischen  Truppen,  zu  welchen  sich  der  König  hegab,  zogen,  um 
Sachsen  zu  decken,  nach  Leitmeritz. 

Den  gegen  die  Lausitz  ziehenden  Gegner  verfolgend,  überschritt 
die  vereinigte  k.  k.  Armee  am  1.  Juli  bei  Celakowitz  oberhalb 
Brandeis  die  Elbe;  die  Regiments  -  Abtheilangen  waren  beim  Gros 
der  Armee  und  standen  am  4.  bei  Benatek,  6.  bei  Kosmanos, 
7.  Münchengrätz,  13.  Hühnerwasser,  14.  Niemes. 

Prinz  Bevern  hatte  die  Lausitz  erreicht;  Gabel  war  von 
einigen  preussischen  Bataillonen  besetzt  geblieben.  F.-M.-Lt.  Mac- 
quire  sollte  sich  Gabeis  hemächtigeu  uud  es  wurden  ihm  hiezu 
zwölf  Grenadier- Kompagnien,  wobei  jene  des  Regiments,  dann 
1500  Kommaudirte,  zur  Verfügung  gestellt. 

Am  13.  Juli  erschien  Macquire  vor  Gabel;  der  Tag  war 
vorgerückt,  und  so  begann  erst  am  nächsteu  Morgen  die  Beschiessung. 
Nicht  zahlreich  und  leicht  im  Kaliber  konnten  die  Kanonen  M  a  c- 
quire's  keine  besonderen  Resultate  erzielen;  nichtsdestoweniger 
schritt  man  gegen  Abend  zum  Sturm.  Die  Grenadiere  des  Regiments, 
gehoben  durch  die  allgemeine  Anerkennung  ihrer  tapferen  Haltung 
bei  Kolin,  gingen  mit  Bruvour  in\s  Feuer,  öffneten  das  äussere 
Thor,  konnten  aber  wegen  der  Mauer  nicht  weiter  vordringen.  Auch 
die  übrigen  Truppen  waren  bis  an  die  Mauern  gelangt,  als  das 
weitere  Vorrücken  allgemein  eingestellt  und  der  Rückzug  anbefohlen 
wurde.  Tags  darauf  kam  der  Herzog  von  A  r  h  e  m  b  e  rg  mit  schwerem 
Geschütz;  bald  war  ein  Theil  der  Umfassungsmauer  niedergeschmettert, 
worauf  die  preussische  Besatzung  unter  G. -M.  v.  Putkammer, 
2  Grenadier-,  2  Füsilier -Bataillons  und  1  Escadron  Huszaren  sich 
kriegsgefaugen  ergab. 

Der  Verlust  der  Grenadiere  bestand  in  2  Todten  und  5  Ver- 
wundeten. 

Macquire  sagt  in  seiner  Relation:  „Ich  kann  mich  nicht 
.enthalten,  meinem  gerammten  Corps  das  rühmliche  Lob  beizulegen, 
.dass  ein  Jeder  sich  beeyfert,  Alles  dasjenige  beizutragen,  was  dem 
.allerhöchsten  Dienste  zu  Nutzen  und  Vorschub  gereichen  könne." 

Nach  dem  glücklichen  Unternehmen  auf  Gabel  rückte  die 
k.  k.  Armee  näher  an  die  Lausitz  und  stand  am  21.  Juli  vor  der 
mit  starker  Besatzung  versehenen  Stadt  Zittau.  F.-M.-Lt.  Mac- 
quire forderte  die  Stadt  zur  Uebergabc  auf;  der  preussische 
G.-Lt.  Graf  Sch mettau  schlug  diese  ab,  worauf  F.-Z.-M.  Kheul 


124 


1756-1763. 


mit  der  Forcirung  der  Stadt  beauftragt  wurde.  Am  23.  begann  die 
Beschiessung;  bald  stand  Zittau  an  mehreren  Punkten  in  Flammen 
und  G.-M.  Buttler  unternahm  mit  beiläufig  1000  Mann  den  Angriff. 
Er  drang  beim  Frauenthore  in  die  Stadt,  von  wo  zwar  der  grössere 
Theil  der  Besatzung  noch  in  der  vorhergegangenen  Nacht  abgezogen 
war,  die  zurückgebliebene  kleine  Garnison  unter  Pionnier  -  Obrist 
Dierke  aber  sich  in  den  mit  Rauch  erfüllten  Güssen  todesmuthig 
vertheidigte.  Wacker  wehrten  sich  die  Preussen,  aber  sie  unterlagen ; 
ein  Theil  fiel;  viele  durch  brennendes  Gebälke  in  ihrem  Rückzüge 
aufgehalten,  wurden  gefangen  und  ehe  sirh  der  Tag  neigte,  war  das 
blühende  Zittau  ein  Schutthaufen.  Das  Regiment  hatte  keinen  Ver- 
lust erlitten. 

Herzog  Bevern  zog  nun  mit  seinem  40.000  Mann  starken 
Heere  nach  Bauzen,  die  k.  k.  Armee  —  90.000  Mann  —  blieb  bei 
Zittau.  Um  Bevern  Luft  zu  machen,  eilte  der  König  mit  20.000 
Mann  von  Leitmeritz  herbei  und  vereinigte  sich  am  29.  mit  diesem 
Korps.  Nach  dieser  Vereinigung  setzte  sich  die  preussische  Armee 
am  20.  Juli  wieder  gegen  Görlitz  in  Marsch  und  rückte  den 
2.  August  bis  Wrissenberg.  Bei  allen  diesen  Hin-  und  Hermärschen 
wurde  die  preussische  Armee  von  leichten  österreichischen  Truppen 
lebhaft  verfolgt,  welche  viele  Bagagen,  alle  Pontons  eroberten,  auch 
sonst  ihr  bedeutenden  Schaden  zufügten.  In  Böhmen  war  der 
preussische  F.-M.  Keith  mit  10.000  Mann  zurückgeblieben;  sobald 
aber  die  Magazine  nach  Sachsen  gebracht  waren,  rückte  er  am 
29.  Juli  bis  Nollendorf  und  dann  nach  Pirna.  Die  leichten  öster- 
reichischen Truppen  folgten  ihm  nach.  Den  12.  August  brach 
Friedrich  II.  von  Wrissenberg  auf  und  rückte  bis  Bernstädtel. 
Die  k.  k.  Vortruppen  verliesscn  Görlitz  und  der  König  rückte  mit 
der  Avantgarde  am  16.  bis  auf  einen  Stückschuss  vor  das  öster- 
reichische Lager.  Den  folgenden  Tag  schickte  er  den  G.-Lt. 
von  Winter  fei  d  über  die  Neisse,  um  zu  versuchen,  ob  die  Oester- 
reicher auf  dem  rechteu  Flügel  mit  Vortheil  anzugreifen  seien. 
Winterfeld  Hess  das  im  Thale  liegende  Dorf  Wittgendorf  mit 
überlegenen  Kräften  angreifen.  Die  Preussen  erstürmten  den  Ort. 
Nun  wurden  Kommandirte  verschiedener  Regimenter,  darunter  Haupt- 
mann Franz  von  Schmidt  und  Oberlieutenaut  Peter  de  Zamboni 
mit  200  Mann  des  Regiments  aus  der  Stellung  der  Armee  abge- 
sendet, um  den  Ort  wieder  zu  nehmen.  Trotz  dem  heftigsten  feind- 


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17.i«  1763. 


125 


liehen  Feuer  gingen  diese  Braven  mit  wahrer  Todesverachtung 
vorwärts,  erstürmten  den  Ort  und  warfen  die  Feinde  hinaus.  Leider 
waren  beide  obgenannte  Offiziere,  welche  der  Mannschaft  mit  dem 
schönsten  Beispiele  der  Tapferkeit  vorangeleuchtet  hatten,  todt  auf 
dem  Felde  der  Ehre  gehlieben;  ausserdem  hatte  das  Regiments- 
Detachcment  22  Todte  und  47  Verwundete  vom  Feldwebel  abwärts. 

Winterfeld  fand  die  Stellung  der  kaiserlichen  Armee  zu 
vortheilhaft,  um  hier  durchzudringen  und  zog  sich  zur  Armee  des 
Königs  zurück,  worauf  dieser  am  20.  wieder  nach  Bernstädtel  auf- 
brach und,  nachdem  er  den  General  Grumko  w  mit  einem  Korps 
nach  Schlesien  gesendet  und  den  Prinzen  von  Bevern  mit  dem 
grössten  Theil  der  Armee  in  der  Lausitz  gelassen,  am  25.  August 
mit  dem  (Ihrigen  Theile  seiner  Armee  über  Dresden  in  das  Innere 
Sachsens  marschirte. 

Bevern  blieb  dem  österreichischen  Heere  gegenüber  bei 
Bernstädtel  unangefochten  bis  31.  August  stehen.  An  diesem  Tage 
zog  Bevern  gegen  Görlitz  und  als  in  Folge  dessen  das  k.  k.  Heer 
zwischen  Bernstädtel  und  Leuba  rflckte,  folgten  die  Regiments- 
Abtheilungen  dieser  Bewegung.  Am  7.  September  erfochten  die 
kaiserlichen  Truppen  einen  Sieg  auf  dem  Holzbergo  in  der  Nähe 
von  Moys,  bei  welcher  Gelegenheit  das  Regiment  nicht  in's  Feuer 
kam.  Herzog  von  Bevern  zog  nach  dieser  Schlappe  gegen  Breslau, 
ihm  folgte  das  k.  k.  Heer.  In  dieser  Bewegung  kam  das  Regiment 
am  10.  September  nach  Pfaffenhofen,  13.  Löwenberg,  16.  Ludwigs- 
dorf, 18.  und  10.  bei  .Tauer,  25.  Hochkirchen,  30.  Lampersdorf,  über- 
schritt am  1.  Oktober  das  Schweidnitzer  Wasser  und  lagerte  zwischen 
Goldschmiede  und  Stabelwitz,  unweit  Breslau.  Die  Grenadier-Kom- 
pagnien wurden  am  3.  Oktober  zu  dem  vom  F.-M.-Lt.  Sprecher 
kommandirten  Grenadier  -  Korps  eingetheilt.  Beide  Armeen  hatten 
bei  Breslau  günstige  Stellungen  und  standen  sich  fast  zwei  Monate 
unthätig  gegenüber. 

Ihre  Majestät  die  Kaiserin  hatte  mit  Allerhöchster  Ent- 
schliessung  vom  24.  August  den  Obristwachtmeister  Johann  Graf 
S  o  r  o  in  Anerkennung  seiner  hervorragenden  Tapferkeit  bei  Kolin 
zum  zweiten  Obristlieutenant  und  in  seine  Stelle  den  Grenadier- 
Hauptmann  Ferdinand  Baron  H  a  a  c  k  zum  Obristwachtmeister  be- 
fördert; femer  mit  letztem  Oktober  den  Hauptmann  Gottlieb 
Baron  Schwarzenau  mit  Beibehalt  der  ganzen  Hauptmanns- 


126 


1756-1768. 


gage  jubilirt.  Graf  Soro  versah  nun  mit  einem  hölzernen  Stelzfuss 
den  Dienst  beim  Regiment. 

Das  in  Esseg  stationirte  Bataillon  des  Regiments  war  am 
10.  Juli  von  dort  aufgebrochen,  hatte  am  Durchmarsche  in  Wien 
249  ober-  und  81  niederösterreichische  landständische  Rekraten  erhalten 
und  rückte  nach  Brünn.  Lieutenant  Schuppe  brachte  am  29.  Sep- 
tember 90  Manu  zum  Regiment. 

Während  die  k.  k.  Armee  im  Lager  bei  Breslau  stand,  wurde 
österreichischerseits  die  wichtige  Festung  Schweidnitz  belagert. 
G.  d.  K.  Graf  N  a  d  a  8  d  y  war  mit  dieser  Belagerung  betraut  und 
sein  bisheriges  Korps  durch  Kommandirte  verschiedener  Regimenter 
der  Hanptarraee  (vom  Regiment  die  Hauptleute  de  Q  u  a  n  n  e  und 
S  p u r  1  a  ti,  Oberlieutenant  de  P  o  1  a  s  t  r  e  und  300  Mann)  die  unter 
dem  Befehl  des  Herzogs  v.  Arhemberg  15  Bataillone  bildeten, 
dann  mit  einigen  kleinen  Korps  verstärkt. 

Am  14.  Oktober  begann  die  engere  Einschliessung  der  Festung. 
Die  Laufgräben  wurden  in  der  Nacht  vom  20.  auf  den  27.  Oktober 
eröffnet.  Bis  zum  10.  November  waren  21  Batterien  fertig,  das 
Bögendorfer  Thor  eingeschlossen  und  der  Feind  zur  Uebergabe  auf- 
gefordert. Als  diese  abgeschlagen  wurde,  ward  das  Feuer  verdoppelt, 
am  11.  November  zwischen  10  und  11  Uhr  abends  der  Sturm  auf 
drei  Forts  unternommen  und  diese  trotz  der  tapfersten  Gegenwehr 
des  Feindes  um  2  Uhr  nach  Mitternacht  eingenommen.  Am  folgen- 
den Tage  4  Uhr  früh  verlangte  der  Festungs  -  Kommandant  General 
Loth  v.  S  e  r  s  zu  kapituliren  und  so  fielen  4  Generale,  2  Obristen, 
4  Obristlieutenants,  14  Majors,  30  Hauptleute,  143  subalterne 
Offiziere  und  6217  Mann  in  österreichische  Kriegsgefangenschaft. 

Nach  der  Eroberung  von  Schweidnitz,  wohin  sofort  eine  aus 
Kommandirten  zusammengesetzte  Besatzung  verlegt  wurde,  rückte  das 
Korps  Nädasdy  zur  Hauptarmee.  Das  Kommando  des  Regiments  kam 
während  dieses  Marsches  am  18.  November  nach  Marxdorf,  am  19. 
nach  Klettendorf  bei  Breslau,  wo  es  dann  beim  Regiment  einrückte. 
Hier  war  die  Nachricht  eingelangt,  dass  der  tapfere  Oberlieutenant 
Johann  Graf  Artz  am  2.  zu  Kuttenberg  seiner  bei  Kolin  erhaltenen 
Wunde  erlegen  sei,  was  im  Regiment«  gerechtes  Bedauern  über 
den  Verlust  eines  so  ausgezeichneten  Offiziers  hervorrief. 

Verstärkt  durch  die  Trappen  Nadasdy's  beschloss  Prinz  Karl 
von  Lothringen  die  Preussen  anzugreifen;  er  wollte  an  der  Oder 


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127 


festen  Fuss  fassen,  um  die  Winterquartiere,  welche  die  vorgerückte 
Jahreszeit  zu  nehmen  gebot,  gesichert  zu  sehen. 

Die  Preussen,  vom  Prinzen  Bevern  befehligt,  standen  vor 
Breslau  in  einem  stark  verschanzten  Lager.  Ihr  rechter  Flügel 
lehnte  sich  an  die  Oder,  wo  das  stark  verschanzte  Dorf  Pilsnitz  die 
Stellung  verstärkte  und  ihre  Front  war  durch  die  verschanzten 
Dörfer  Schmiedefeld,  Huschen,  Klein  -  Mochbern  und  Gräbschen 
gedeckt.  Vor  diesen  Durfern  ergiesst  sich  die  sumpfige  Lohe  in  die 
Oder  und  hinter  deuselben  bildeten  mehrere  Feldschanzen  eine  zweite 
Vertheidigungslinie. 

Prinz  Karl  traf  die  Dispositionen  zum  Angriffe,  indem  er  die 
Armee  von  Oross-Mochbem  bis  Operau  Stellung  nehmen  Hess;  bei 
letzterem  Orte  schlössen  Nädasdy's  Truppen  an  die  Armee.  Sämmt- 
liche  Bagage  erhielt  den  Befehl  sich  hinter  dem  Schweidnitzerwasser 
aufzustellen,  den  Feldscherern  aber  waren  die  Orte  angewiesen,  wo 
sie  sich  zur  Besorgung  der  Verwundeten  aufzuhalten  hatten. 

Der  22.  November  1757,  welcher  zum  Angriffe  bestimmt  war, 
begann  mit  einem  dichten  Nebel,  trotzdem  eröffneten  um  9  Uhr 
vormittags  4  österreichische  Batterien,  welche  aus  20  halben  Kar- 
tauneu  und  ebenso  vielen  Quartierschlangen  bestanden,  ihr  Feuer 
gegen  die  vom  Feinde  besetzten  Durfer  und  setzten  dieses  bis  nach 
12  Uhr  mittags  ununterbrochen  fort.  Inzwischen  war  der  Nebel 
ziemlich  gefallen,  worauf  sogleich  die  Schlagung  von  sieben  Brücken 
im  Angesichte  und  im  Feuer  des  Feindes  über  die  Lohe  begann, 
welche  in  dreiviertel  Stunden  fertig  waren. 

Nun  wurde  das  Zeichen  zum  allgemeinen  Angriffe  durch  An- 
zünden dreier  mit  Pechkränzen  behängten  Tannenbäumen  bei  Operau, 
Mochbern  und  Neukirchen  gegeben. 

Die  k.  k.  Armee  raarschirte  über  die  Brücken  und  stellte  sich 
jenseits  der  Lohe  im  heftigsten  feindlichen  Kanonenfeuer  in  zwei 
Treffen  auf.  Die  Grenadiere  des  Regiments  befanden  sich  im  Grenadier- 
Korps  des  F. -M.-Lt.  v.  Sprecher,  welches  sogleich  den  vor- 
rückenden Preussen  entgegen  ging.  Nach  1  Uhr  begann  hier  das 
Gewehrfeuer  und  nachdem  dieses  über  eine  halbe  Stunde  gedauert 
hatte,  mussten  die  preussischen  Regimenter  weichen.  Die  Grenadiere 
nahmen  das  Dorf  Gräbschen,  sowie  eine  dahinter  gelegene  Batterie 
und  rückten  unaufgehalten  gegen  das  Retranchement  von  Klein- 
Mochbern.  Gleichwie  sich  die  Grenadiere  beim  Sturme  auf  Gräbschen 


128 


1750-17««. 


und  Klein  -  Mochbera  henorthaten,  ebenso  hatte  das  Regiment  durch 
seine  tapfere  Haltung  in  dieser  Schlacht  seinen  Ruhm  von  Kolin 
wieder  glänzend  zur  Geltung  gebracht.  Dasselbe  war  im  Korps  des 
F.  -  Z.  -  M.  Baron  Kheul,  Division  F.-M.-Lt.  Graf  Puebla, 
Brigade  General  Marquis  d'Aynse  gegen  Pilsnitz  vorgeruckt.  Die 
Zugange  dieses  Ortes  waren  sehr  durchschnitten,  dessen  vorderer 
Theil  von  dem  rückwärtigen  durch  den  mit  hohen  Ufern  versehenen 
Lehbach  getheilt  und  der  Ein-  und  Ausgang  durch  Redouten  ver- 
stärkt. Die  engen  Defik'en,  starken  Verschanzungen  und  des  Feindes 
tapferer  Widerstand,  kosteten  viele  Zeit,  Aufopferung  und  Leute. 
Dreimal  wurde  das  Dorf  erstürmt  und  dreimal  mussto  es  wieder 
verlassen  werden,  jedoch  war  die  Tapferkeit  der  hier  kämpfenden 
österreichischen  Regimenter  viel  zu  gross  um  von  dem  begonnenen 
Werk  abzustehen.  Obgleich  es  schon  7*c  Uhr,  mithin  dunkel  war, 
unternahmen  sie  noch  einen  vierten  Angriff  mit  solcher  Kühnheit 
und  unwiderstehlicher  Tapferkeit,  dass  der  Feind  endlich  nicht  nur 
den  Ort,  sondern  auch  seine  Verschanzungen  verlassen  und  die  Flucht 
ergreifen  musste.  Vm  7  Uhr  abends  wehten  die  kaiserlichen  Fahnen 
beleuchtet  von  den  Flammen  des  in  Brand  aufgegangenen  Ortes, 
sowohl  in  diesem,  als  auf  den  Redouten. 

Obristwachtmeister  Baron  Haack,  welcher  das  Regiment  statt 
dem  erkrankten  Obristen  Kallenberg  kommandirte,  war  bei  Er- 
stfirmung der  Brücke  verwundet  worden,  worauf  Hauptmann  von 
Mayer  das  Kommando  übernahm  und  noch  zwei  Schanzen  mit 
0  Kanonen,  1  Haubitze,  1  Mörser  und  5  Munitionskarren  eroberte. 
Lieutenant  Karl  v.  Glau  den  bürg  und  37  Mann  blieben  todt,  die 
Hauptleute  Johann  Chevalier  de  Quanne,  Wilhelm  Baron 
Rosenberg,  Hannibal  de  Spurlati,  die  Oberlieutenants  Peter 
Mochne,  Josef  de  Mohris,  Josef  Baron  Stael,  Lieutenant 
Constantin  Roth,  Fähnrich  Horetzky  und  117  Mann  wurden  ver- 
wundet. 

In  Folge  des  Sieges  der  k.  k.  Waffen  ergab  sich  Breslau  am 
25.  November. 

Prinz  Karl  von  Lothringen  erhielt  für  diesen  Sieg  das 
Grosskreuz  des  Militär -Maria -Theresien- Ordens  und  in  dem  Aller- 
höchsten Handschreiben  vom  28.  November  sagte  die  Kaiserin: 
„—  —  und  bin  Ich  zur  werkthätigen  Bezeugung  Meines  über  diesen 
„Sieg  schöpfenden  höchsten  Vergnügens  Meiner  dermalen  zu  Feld 


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1756  1763. 


129 


.stehenden  Armee  a  lmo-  Novembris  durch  die  sechs  Wintermonate 
.einen  doppelten  Beytrag  gnadigst  zu  bewilligen,  hierob  bewogen 
.worden.* 

Die  Niederlage  bei  Breslau  hatte  Friedrich  II.  trotz  des  am 
5.  November  Ober  die  Franzosen  bei  Bossbach  erfochtenen  glänzen- 
den Sieges,  in  eine  missliche  Lage  gebracht.  Schweidnitz  und  Breslau 
waren  gefallen,  seine  Regimenter  zersprengt;  sein  Unterfeldherr 
Prinz  von  Bevern  durch  einen  Kroaten -Posten  gefangen  genommen; 
die  Winterquartiere  der  Oesterreicher  in  dem  reichen  Schlesien 
gesichert,  er  selbst  fern  an  der  Unstrut.  Seine  fatale  Situation 
konnte  nur  ein  entscheidender  Sieg  an  der  Oder  günstiger  gestalten. 
Er  richtete  also  seinen  Marsch  dorthin  und  legte  in  der  kurzen  Frist 
von  12  Tagen  den  Marsch  von  Leipzig  bis  an  die  Oder  zurück; 
bereits  am  28.  November  stand  er  bei  Parchwitz  und  schon  am 
3.  Dezember  vereinigte  er  sich  mit  den  Trümmern  des  bei  Breslau 
geschlagenen  Heeres. 

Die  österreichische  Armee  hatte  nach  der  Einnahme  Breslau's 
dort  das  verschanzte  Lager  bezogen  und  als  das  Anrücken  Fried- 
richs bekannt  wurde,  ging  Prinz  Karl  seinem  Feinde  entgegen. 
Er  brach  am  4.  auf,  passirte  die  Lohe ,  dann  das  Schweidnitzer 
Wasser  und  nahm  folgende  Aufstellung:  der  rechte  Flügel  an  das 
Dorf  Nypern,  die  drei  Treffen  der  Infanterie  hinter  Frobelwitz  gegen 
Leuthen;  das  dritte  Treffen  war  gebildet  vom  Korps  Nädasdy  und 
dem  Reserve  -  Korps,  bei  welchem  sich  das  Regiment  und  dessen 
Grenadiere  befanden. 

Friedrich  hatte  mittlerweile  den  Marsch  über  Neumarkt 
vollführt,  er  lehnte  seinen  rechten  Flügel  an  Krintsch,  seinen  linken 
an  Bischdorf  und  schob  seine  Vortruppen  bis  Borne. 

In  diesen  Stellungen  blieben  beide  Armeen  im  Laufe  der 
eisigen  Mitternacht  vom  4.  zum  5.  Dezember  unter  Gewehr  und 
durch  die  bisherigen  Erfolge  gehoben,  erwarteten  die  österreichischen 
Völker  mit  Sieges -Zuversicht  den  kommenden  Tag. 

Ehe  noch  der  Morgen  graute,  rückte  das  Korps  Nädasdy  auf 
den  linken  Flügel  der  Armee  nach  Sagschütz  und  postirte  sich 
derart,  dass  die  k.  k.  Truppen  zunächst  an  das  Zentrum  der  Armee 
anschlössen,  während  die  gleichfalls  zu  diesem  Korps  gehörenden 
Württemberger  und  Baiern  einen  nach  rückwärts  abgebogenen  Haken 
bildeten.  Gleichzeitig  wurde  das  Reserve  -  Korps  hinter  Nädasdy, 

9 


130  1750-1763. 

also  hinter  der  linken  Flanke  der  Armee  postirt.  Nach  Tagesanbruch 
begannen  die  Preussen  ein  Schein  -  Manöver,  und  weil  dieses  die 
Oesterreieher  für  ihren  rechten  Flügel  besorgt  machte,  wurde  das 
Reserve-Korps  dorthin  disponirt.  Es  war  aber  diese  Bewegung  kaum 
ausgeführt,  als  die  Preussen  zum  Angriffe  des  linken  Flügels  schritten. 

Der  Kampf  begann  nach  der  Mittagsstunde  und  nach  einem 
heftigen  Geschfitzfeucr  ruckten  die  Preussen  gegen  das  Nadasdy'sche 
Korps.  Die  Wflrttemberger,  denen  der  erste  Anprall  galt,  wurden 
geworfen  und  zum  Rückzüge  genöthigt,  wodurch  die  Flanke  durch- 
brochen war,  und  nur,  wenn  es  die  Bayern  vermocht  hätten,  die 
entstandene  Lücke  rasch  zu  schliessen,  wäre  das  Gefecht  noch 
herzustellen  gewesen.  Die  Bayern  mussten  aber  bald  den  Württem- 
bergern folgen  und  nun  wälzte  sich  die  überlegen«!  feindliche  Macht 
auf  die  Flanke  der  österreichischen  Bataillone  Nädasdy's.  Durch  das 
feindliche  Geschützfeuer  erschüttert,  konnten  auch  diese  Bataillone 
der  Gewalt  der  feindlichen  Massen  nicht  lange  Stand  halten;  bald 
eilte  das  ganze  Korps  in  regelloser  Flucht  bis  auf  die  Höhe  hinter 
Gross-Gohlau,  wo  sich  dasselbe  ordnete.  Der  österreichische  linke 
Flügel  war  entschieden  geschlagen;  Nädasdy  zog  sich  hinter  den 
Rathener  Busch. 

Zu  spät  disponirte  man  Verstärkungen  vom  rechten  Flügel ;  in 
der  linken  Flanke  gefasst  und  bedroht,  aufgerollt  zu  werden,  musste 
die  österreichische  Schlachtlinie  unter  dem  verheerenden  feindlichen 
Geschützfeuer  eine  Frontveränderung  auf  die  Mitte  links  ausführen. 
Der  Pivot  dieser  Frontveränderung  war  Leuthen  und  .gegen  dieses 
Dorf  richtete  der  König  seine  Angriffe.  Ein  furchtbarer  Kampf  hatte 
sich  um  Leuthen  erhoben,  —  wo  das  Regiment  zum  Schlüsse  an- 
langte, —  und  die  hohe  Tapferkeit,  mit  der  hier  die  Oesterreicher 
fochten,  fand  selbst  in  den  feindlichen  Berichten  die  vollste  Aner- 
kennung. Leuthen  musste  aber  trotzdem  preisgegeben  werden. 

F.-M.  Graf  Daun  beorderte  das  Regiment,  die  Brücke  bei 
Lissa  zu  besetzen,  welches,  obgleich  in  Leuthen  im  heftigsten  Kampfe 
verwickelt,  in  guter  Ordnung  jenen  Punkt  erreichte,  und  während 
der  ganzen  Schlacht  nur  50  Mann  verlor,  welche,  da  ihr  Schicksal 
ungewiss,  als  vermisst  bezeichnet  wurden. 

Friedrich  glaubte  nach  der  Einnahme  von  Leuthen  die 
Schlacht  beendet,  allein  der  österreichischen  Truppen  Zähigkeit 
überliess  ihm  noch  lange  nicht  den  Sieg  und  unmittelbar  hinter 


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175G-17B3 


131 


Leuthen  begann  der  Kampf  aufs  Neue.  Das  österreichische  Zentrum 
hatte  nämlich  auf  dem  Windmühlen-Berge  Stellung  genommen  und 
dort  lichteten  österreichische  Kartatschen  die  anrückenden  Fronten 
der  Preussen,  die  erbittert  Ober  die  beispiellose  Zähigkeit  ihrer 
Gegner,  mit  allen  noch  disponiblen  Bataillonen  und  Schwadronen 
in  den  Kampf  eilten.  Noch  blutiger  als  bei  Leuthen  war  der  Kampf 
auf  dem  Windmühlen  -  Berge,  und  nochmals  schwankte  die  Waage 
des  Sieges,  besonders  als  die  Kavallerie  des  noch  unerschütterten 
rechten  Flügels  Miene  machte,  der  Mitte  zuzueilen.  Die  preussische 
Kavallerie  ging  der  österreichischen  entgegen,  warf  sie  auf  die  hinter 
ihr  anrückende  Infanterie  des  rechten  Flügels  imd  brachte  auch 
diese  in  Unordnung  und  zum  Weichen.  Nun  überliessen  die  Oester- 
reicher dem  Feinde  das  Schlachtfeld  und  zogen  sich  hinter  das 
Schweidnitzer  Wasser  zurück,  Die  Schlacht,  welche  von  1  bis  5  Uhr 
Nachmittag  gedauert  hatte,  war  trotz  dem  Opfermuth  und  Tapferkeit 
der  österreichischen  Truppen,  welche  auch  in  dem  Berichte  an  die 
Kaiserin  besonders  hervorgehoben  wurde ,  für  die  Oesterreicher 
verloren. 

Die  Armee  wurde  bei  Breslau,  wohin  auch  das  Regiment 
marschirte,  gesammelt,  von  wo  sie  von  den  Preussen  lebhaft  ver- 
folgt, unter  Ungeheuern  Verlusten,  namentlich  an  Kranken  und 
Deserteuren  (das  Regiment  verlor  mit  Ausnahme  der  Kassa  seine 
ganze  Bagage)  über  Schweidnitz  und  Landshut  am  18.  Dezember 
die  Grenze  Böhmens  überschritt.  Feldmarschall  Daun  Übernahm  das 
Kommando  über  die  Armee. 

Während  dem  Rückzüge  wurde  die  Besatzung  von  Schweidnitz 
kompletirt  und  hiezu  vom  Regiment  Hauptmann  von  Hörle,  Ober- 
lieutenant Karl  Wolff,  Josef  Baron  Wilsdorf,  Erasmus  de 
Polastre  mit  300  Mann  kommandirt,  welche  am  13.  in  die 
Festimg  einrückten. 

Die  Armee  rückte  weiter  auf  Landshut  und  Trautenau,  wo 
Hauptmann  Graf  Artz  und  Lieutenant  de  Varenna  mit  100  Mann 
kommandirt  zurückblieben.  Das  Hauptquartier  kam  nach  König- 
grätz,  das  Regiment  bezog  Kantonnirungs  -  Quartiere  zu  Petschna, 
Stubenicz  und  Prausnitz,  dann  bald  darauf  um  Königgrätz  in  den 
Orten  Nimschorec,  Luschec  imd  Sadowa. 

Breslau,  von  den  Preussen  eingeschlossen,  kapitulirte  am 
21.  Dezember.   Die  Garnison,  sowie  alle  dort  zurückgebliebenen 

9* 


132 


176Ö-1768, 


Verwundeten  wurden  kriegsgefangen;  unter  Letzteren  waren  vom 
Regimenter  Hauptmann  Baron  Rosenberg  und  de  Quanne, 
Oberlieutenant  Mochne,  de  Moh  ris,  Lieutenant  Roth,  Fähnrich 
Horetzky  und  62  Mann. 

Die  grossen  Verluste  des  abgelaufenen  Feldzuges  bedingten 
ungeheuere  Anstrengungen,  um  das  k.  k.  Heer  zu  kompletiren.  Alle 
Provinzen  Oesterreichs  wetteiferten  in  Aufbringung  ihrer  Kontingente. 
Das  dritte  Bataillon,  welches  sich  in  Brünn  befand,  war  eifrig 
beschäftigt  mit  Abrichtung  der  zahlreichen  Rekruten,  und  sendete 
mehrere  starke  Ergänzungs-Transporte  zum  Regiment,  so  dass  das- 
selbe in  kurzer  Zeit  wieder  komplet  dastand. 

Bei  jedem  Infanterie  -  Regiment  wurde  ein  zweiter  Major  und 
ein  zweiter  Wachtmeister-Lieutenant  systemisirt,  femer  die  Fähnriche 
beim  Stabe  in  Abgang  gebracht  und  jeder  Füsilier  -  Kompagnie 
ein  Fähnrich,  dann  ein  ITntcrfeldscherer  in  Stand  gegeben.  Das  Regi- 
ment hatte  nun  systemgemäss  aus  zwei  Grenadier-Kompagnien  und 
drei  Bataillons,  jedes  zu  sechs  Kompagnien  zu  bestehen. 

Ihre  Majestät  die  Kaiserin  Maria  Theresia  ertheilte  den 
Offizieren  die  Begünstigung,  nach  30j ähriger,  im  Kriege  und  Frieden 
tadelloser  Dienstzeit  mit  dem  Degen  in  der  Faust,  unentgeltlich  in 
den  Adelsstand  erhoben  zu  werden. 

Bei  der  Mannschaft  wurde  das  Dienstgratiale  eingeführt  und 
befohlen,  dass  die  Obristwachtmeister  von  den  beförderten  Offizieren 
keine  Taxen  mehr  erheben  dürfen. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  16.  August  1757  wurde 
angeordnet,  dass  sämmtliche  Regimenter  durchaus  weiss  mit  rothen 
Aufschlägen  zu  adjustiren  und  vom  1.  November  alle  Monturssorten 
aus  der  Wiener  Legstatt  zu  empfangen  sind.  Gleichzeitig  wurde 
ein  Gutachten  abverlangt,  wie  ein  Regiment  vom  andern  zu  unter- 
scheiden sei. 

Da  die  meisten  Regimenter  im  Felde  standen,  so  war  dieser 
Befehl  nicht  ausführbar  und  es  erschien  am  27.  Oktober  1757  mit 
Circulare  84/555  die  Resolution,  dass  die  Monturen  und  Offiziers- 
üniformen,  wie  solche  gegenwärtig  sind,  auch  die  bavaroisses  und 
Aufschläge  von  den  nämlichen  Farben  wie  jetzt,  so  lange  der  Krieg 
dauert,  —  dagegen  für  die  neu  zu  montirende  Mannschaft  die 
Kamissöler  und  Unterfutter  durchaus  weiss,  die  Knöpfe  bei  allen 
Regimentern  durchgehends  gelb  und  in  Form  gleich  zu  sein  haben. 


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1750-17(53. 


133 


Gleichzeitig  wurde  mitgetheilt,  dass  für  Rock,  Kamissol,  Hosen, 
Hemden  und  Kamaschen  das  Material  verabfolgt  werde,  die  Ver- 
fertigung dieser  Stücke,  ebenso  die  Beischaffung  der  Schuhe  dem 
Regiment  überlassen  bleibe  und  dafür  der  Macherlohn  verabreicht 
werden  wird.  Kein  Inhaber  durfte  ferner  etwas  ändern  und  hatte 
ohne  Widerrede  oder  Gegeneinwendung  vom  1.  November  1757  alle 
Monturssorten  aus  der  Wiener  Legstatt  zu  nehmen.  Hier  war  eine 
Kommission  von  Stabsoffizieren  angestellt,  welche  das  Materiale  und 
die  Monturen  zu  besichtigen  und  nur  Probe-  und  Mustermassige 
anzunehmen  hatten. 

Hauptmann  Sylvester  v.  Elvenich  wurde  mit  31.  Januar  1758 
zum  Obristlieutenant  bei  dem  Wiener  Monturs  -  Magazin  befördert. 
Obristwachtmeister  Ferdinand  Baron  Haack,  deutscher  Ordens- 
ritter, Kommandeur  zu  Reinersdorf  und  Kammerherr  des  Kurfürsten 
zu  Köln,  ist  am  17.  Februar  1758  zu  Luschetz  gestorben  und 
wurde  in  der  dortigen  Pfarrkirche  begraben. 

Grenadier-Hauptmann  Franz  Baron  Neu  haus  des  Regiments 
Andlau,  wurde  am  20.  Februar  beim  Regiment  als  Obristlieutenant 
aggregirt  und  in  die  beiden  offenen  Obrist Wachtmeisters- Stellen  mit 
25.  März  der  Hauptmann  Petrus  von  Mayer  des  Regiments  als 
erster  und  der  Grenadier-Hauptmann  Ludwig  von  Grafforst  des 
Regiments  Botta  als  zweiter  Obristwachtmeister  dem  Regiment« 
vorgestellt. 

Laut  Eintheilungs-Liste  bestand  im  Jahre  1758  das  Offiziers- 
Korps  aus: 

Obrist-  und  Regiments -Inhaber  Clemens  August,  Kurfürst  von  Köln, 
Hoch-  und  Teutschmeister. 

Obrist-Segiments-Kommandant  Franz  Karl  Graf  Kallenberg. 

1.  Obristlieutenant  Johann  Christof  Freih.  Meichsnerv.  Alekhofen. 

2.  „  Johann  Graf  Soro. 
Aggregirter  Obristlieutenant  Franz  Baron  Neu  haus. 

1.  Obristwachtmeister  Petrus  Nikolaus  von  Mayer. 

2.  „  Ludwig  von  Grafforst 
Kaplan  Johann  Gregor. 

Quarliermeister  Karl  Dubiel. 
Chirurgus  Norbert  Fauler. 
Proviantmeister  Andreas  Hahnbaum. 
Auditor  Franz  von  Liedelsheimb. 

1.  Wachtmeister-Lieutenant  Kaspar  Sartorius. 

2.  „  Karl  8tialeck. 
VVagenmeister  Gottfried  Hern  ig. 

Profoss  Michael  Schweitzer. 


134  175«- 17^3. 


Kompagnie 

Hauptmann 

Lieutenant 

r  «iiHincii 

Ober-  Unter- 

1. Grenadier- 

Daniel  dePolastre 

Martin  Kessler 

Johann  Theodor 

2.  Grenadier- 

Jraul  de 
Montignoni 

Kaspar  Schuppe 

Josef  Weiler 

Leib-* 

Kapitän- 
August.  Leuthner 

Christ.  d'Altropp 

Karl  Gärtner 

Franz  Schmid 

Obrist- 

Kapitän- 
Jobann  Hervay 

Josef  Ertel  v. 
Sean 

Wilh.  Br.  Kerpen 

1 .11 A  w !  (t  i  \  a 
i  j  lh  i  \> » ue 

Briedieu 

Obristlieutenant- 

Kapitän- 
Josef  Br.  Stael 

Johann  Maroth 
de  Montiqni 

Karl  v.  Gehren 

Felix  de  ßoveretti 

Obristwachtm.- 

Kapitän- 
Frz.  Br.  Wilsdorf 

Ignaz  Kichl 

Karl  v.  Hörle 

Franz  de  Graza 

Moehne- 

Peter  Mochne 

Meloh.  Schüller 

Karl  Gr.  Traun 

L  CIC1     VJ  l  «11 

Bernigotti 

Hautzcnberg- 

Maximilian  Br. 
Hautzenberg 

Franz  Wulff 

Michael  de  Onelli 

\\  orl  7nrnTf*nclrc 
IVall  /iUlUtailshj 

de  Marti nitz 

Artz- 

Karl  Gr.  Artz 

Konrad  Stinkel 

AdamFilienbaum 

Joh.  de  Brcvost 

Martinutzi- 

J.  de  Martinntzi 

Konstantin  Both 

Johann  Neumann 

Joacb.  deZuchari 

Qnanne- 

Joh.  Chevalier 
de  Quanne 

Josef  de  Mohlis 

Johaun  Schmid 

Franz  Empel 
de  Cropcn 

Bosenberg- 

Wilhelm  Baron 
Bosenberg 

August  Br.  Kleist 

Georg  Baron 
Lestwitz 

Franz  de  Bonne 

Spnrlati- 

H»n.  de  Spurlati 

Maximilian  Graf 
Thürheim 

Johann  Ottenthai 

Johann  de  Lara 

Truchseg- 

Wilhelm  Br. 
Trnchses 

J»kob  Or.  Sprettij  £™0™ 

Josef  Graf 
Auersperg 

3.  Bataillon  in  Brünn. 

Obristlieuteuant- 

Kapitän- 
Friedr.  Pilgrim 

Karl  Wulff 

Wenzel  Hüttiach    Jakob  Böck 

Obristwachtm.- 

Vincenz  Birago 
d'Aspremont 

Wilh.  v.Frakstein 



Josof  HelenuR 
Michael  Eiert 

Kaspar  Wagner 

Johann  Mohr  v. 
Mohrbergu.Soneg 

Campen- 

Wilh.  v.  Campen 

Karl  Leuthner 

Anton  Birago 
d'Aspremont 

Moilart- 

Joh.  Gr.  Mollart 

Josef  v.  Kgen 



Tbaai- 

Friedr.  v.  Tham 

Karl  de  Gusio 

Heinrich  Sterhan 

Alberth- 

Thomas  Alberth 

Btidolf  de  Mac- 
Affri 

Mich.  Schumann 

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175«-17«3. 


135 


Der  Feldzug  1758  begann,  indem  die  Preussen  die  österrei- 
chischen Truppen  aus  der  Grafschaft  Glatz  verdrängten  und  zur 
Belagerung  der  seit  15.  Dezember  1757  eingeschlossenen  Festung 
Schweidnitz  schritten.  In  der  Nacht  vom  1.  zum  2.  April  1758 
wurden  die  Laufgräben  eröffnet,  in  den  nächsten  Tagen  das  Bom- 
bardement begonnen  und  bis  zum  Abend  des  10.  April  war  das 
Feuer  der  Belagerten  zum  Schweigen  gebracht.  Letzteres  ward 
zwar  in  den  nächsten  Tagen  wieder  thätig.  doch  erzielten  die 
Preussen  immer  grössere  Fortschritte,  und  erstürmten  in  der  Nacht 
vom  15.  zum  16.  das  Galgenfort.  Nun  folgte  die  Kapitulation  und 
am  18.  ergab  sich  die  Garnison. 

Die  in  der  Festung  vom  Regiment  kommandirten  Hauptmann 
Hörle,  Kapitänlieutenant  Baron  Wilsdorf,  Oberlieutenant  Wolff 
und  Polastre,  nebst  205  Mann  geriethen  dadurch  in  Kriegs- 
gefangenschaft. Die  Offiziere  wurden  Ende  1758  auf  Parole  entlassen. 

Nach  dieser  Einnahme  wendete  sich  Friedrich  gegen 
Mähren,  in  der  Absicht  Olmütz  zu  nehmen  und  solchergestalt  Wien 
zu  bedrohen.  F.-M.  Daun  konzentrirte  die  k.  k.  Armee  bei  Skalic. 

Der  König  setzte  seinen  Marsch  nach  Mähren  fort  und  traf 
vor  Olmütz  ein,  ehe  die  k.  k.  Armee  dies  zu  hindern  in  Verfassung 
gewesen.  Als  Daun  mit  der  Hauptarmee  von  Skalic  am  3.  Mai 
aufbrach,  stand  Friedrich  schon  in  der  Ebene  von  Olmütz. 

Dem  Marsche  der  Hauptarmee  folgend,  stand  das  Regiment 
am  3.  Mai  mit  dem  Regiment  Nr.  31  bei  Woderad,  am  4.  bei 
Chocen  und  am  5.  bei  Lcitomischl. 

Mittlerweile  waren  die  Preussen  zur  Belagerung  von  Olmütz 
geschritten ;  die  k.  k.  Armee  aber  blieb  bis  23.  Mai  bei  Leitomischl, 
wo  F.-M.  Daun  bemüht  war,  seine  zumeist  aus  ungeübter  junger 
Mannschaft  bestehenden  Regimenter  kriegstüchtig  auszubilden.  Die 
Grenadiere  wurden  hier  unter  F.-M. -Lt.  Graf  Lacy  in  Bataillone 
zusammengestellt. 

Daun  hatte  beschlossen,  erst  dann  die  Offensive  zu  ergreifen, 
wenn  der  Zustand  seiner  Armee  für  einen  günstigen  Erfolg  aus- 
reichende Garantie  bieten  Wörde.  Er  brach  also  erst  am  23.  Mai 
nach  Zwittau  auf,  das  Grenadier-Korps  bildete  die  Vorhut  und  in 
der  zweiten  Kolonne,  welche  von  dem  ersten  Treffen  formirt  war, 
marschirte  das  Regiment.  Am  21.  Mai  erreichte  die  Armee  Gewitsch. 
Hier  blieb  Daun  abermals  stehen  und  erst  am  16.  Juni  rückte  er 


17«0-17ft8 


in  vier  Kolonnen  nach  Protiwanow.  Das  Regiment  erreichte  nach 
höchst  beschwerlichem  Marsche  durch  Schluchten  und  Hohlwege 
gegen  Abend  das  neue  Lager.  Am  17.  wurde  der  Marsch  in  grösster 
Stille  fortgesetzt  und  auf  schwierigen  Gebirgspfaden  das  zwischen 
Prödlitz  und  Eywanowitz  ausgesteckte  Lager  erreicht. 

Den  Preussen  begann  es  bald  an  Lebensmitteln  zu  fehlen,  die 
nächste  Umgegend  ihres  Lagers  war  ausgesogen  und  die  Zufuhr 
durch  Thätigkeit  der  österreichischen  Parteigänger  erschwert.  Auch 
an  Munition  gebrach  es  dem  Belagerungskorps  und  um  den  dies- 
fälligen  Kalamitäten,  die  täglich  energischer  auftraten,  ein  Ende  zu 
machen,  Hess  Friedrich  einen  grossen  Nachschub -Transport 
von  4000  mit  Munition,  Proviant,  Monturen  und  Oelde  beladene 
Wagen  unter  10.000  Mann  Bedeckung  von  Neisse  und  Kosel  nach 
Mähren  in  Marsch  setzen,  dem  General  Ziethen  mit  3000  Mann 
entgegengeschickt  ward.  Daun  Hess  diesen  Transport  durch 
L  o  u  d  o  n  überfallen,  was  dieser  am  30.  .Tum  bei  Domstadtl  sehr 
geschickt  bewerkstelligte;  die  Preussen  verloren  bei  2000  Todte 
und  Verwundete,  650  Gefangene,  300  Ueberläufer,  1100  Wagen, 
7  Kanonen  und  gegen  eine  Million  Thaler;  die  erbeuteten  Munitions- 
wagen wurden  in  die  Luft  gesprengt,  eine  grosse  Zahl  Fuhrwerke 
verbrannt. 

Friedrich  wurde  durch  Verlust  dieses  heiss  ersehnten 
Transports  gezwungen,  die  Belagerung  am  2.  Juli  aufzuheben  und 
marschirte  nach  Böhmen.  Dann  folgte  bedächtig  und  Hess  den 
Feind  durch  die  Generale  B  u  c  c  o  w  und  L  o  u  d  o  n  fortwährend 
beunruhigen. 

L  a  c  y  mit  den  Grenadieren  bildete  die  Avantgarde  der  den 
Preussen  nach  Böhmen  folgenden  Hauptarmee  und  war  einen  Tage- 
marsch voraus.  Am  7.  Juli  traf  L  a  c  y  bei  Krönau  ein,  als  eben 
eine  preussische  Kolonne,  die  nach  Zwittau  im  Marsche  begrifTen 
war,  diesen  Ort  passirte.  Ohne  einen  Mann  zu  verlieren,  wurde 
Krönau  forcirt,  worauf  der  Feind  ausserhalb  des  Ortes  Stellung 
nahm,  ein  heftiges  Geschützfeucr  eröffnete  und  gegen  Abend  zum 
Angriffe  schritt.  Es  kam  beim  Friedhofe  zum  mörderischen  Kampfe, 
da  hierher  der  Feind  seine  heiligsten  Angriffe  richtete.  General 
Tilliär,  der  hier  die  Verteidigung  leitete,  wusste  den  hart- 
näckigsten Widerstand  zu  leisten  und  nach  grossem  Verluste  brachen 
die  Preussen  bei  völlig  eingetretener  Nacht  das  Gefecht  ab.  Die 


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1756-1763. 


137 


Grenadiere  des  Regiments,  welche  im  Dorfe  aufgestellt  waren, 
zählten  5  Todte  und  9  Verwundete. 

Am  12.  verfolgte  Friedrich  seinen  Marsch  gegen  König- 
grätz,  rückte  dann  nach  Schlesien,  überschritt  am  4.  August  die 
Grenze,  theilte  hier  sein  Heer,  Hess  einen  Theil  in  Schlesien  und 
ging  am  16.  August  den  Russen  entgegen,  welche  Kflstrin  belagerten. 

Am  25.  August  wurde  derF.-Z.  Prinz  v.  Baaden-Durlach 
mit  einem  beträchtlichen  Korps,  bei  welchem  sich  auch  das  Regiment 
mit  seinen  Grenadieren  befand,  nach  Schönberg  gesendet,  wo  er 
sich  dergestalt  aufstellte,  dass  er  nicht  nur  die  in  Schlesien  stehen- 
den Preussen  beobachten,  sondern  auch  die  Lausitz  und  Böhmen 
von  dieser  Seite  decken  und  so  die  Unternehmungen  der  Hauptarmee 
sichern  konnte. 

Daun  brach  am  26.  August  von  Görlitz  auf,  rückte  in  Sachsen 
ein  und  nahm  eine  gute  Stellung  bei  Stolpen.  Friedrich  siegte 
am  25.  über  die  Russen,  ging  dann  in  Eilmärschen  nach  Sachsen 
und  wendete  alle  Kunstgriffe  an,  um  Daun  zu  einer  Schlacht  zu 
bringen;  griff  zweimal  Loudon  an,  welcher  immer  mit  seiner 
gewohnten  Vorsicht  und  Klugheit  beinahe  ohne  Verlust  auswich 
und  neue  vorteilhafte  Stellungen  nahm,  während  Daun  ruhig  in 
seiner  blieb.  Das  Korps  des  Prinzen  v.  Baaden-Durlach  rückte 
anfangs  September  nach  Löbau,  dann  am  11.  September  nach 
Wiltcn.  Endlich  rückte  der  König,  um  sich  aus  seiner  zweifelhaften 
Lage  zu  ziehen,  gerade  auf  Bautzen  und  nun  räumte  Daun  Sachsen, 
um  nicht  von  seinen  Magazinen  bei  Zittau  abgeschnitten  zu  werden 
und  den  König  an  seinem  Zuge  nach  Schlesien  zu  hindern.  Am 
5.  Oktober  trat  die  Armee  ihren  Marsch  an,  während  das  Korps 
des  Prinzen  Baaden-Durlach  sich  auf  den  Anhöhen  von  Arend- 
dorf  aufstellte  und  kam  dem  König  zuvor.  Dieser  schickte  zwar 
mehrere  Regimenter  nach,  den  Marsch  zu  beunruhigen;  allein  sie 
fielen  bei  Butschke  in  den  gelegten  Hinterhalt  imd  verloren  dabei 
2  Kanonen  und  400  Mann. 

Daun  lagerte  sich  am  7.  Oktober  mit  der  Armee  dem  Dorfe 
Hochkirchen  gegenüber,  so  dass  die  Stellung  alle  umliegenden  Höhen 
beherrschte.  Der  König  langte  mit  seiner  Armee  am  10.  Oktober 
bei  diesem  Dorfe  an,  besetzte  dasselbe  mit  dem  rechten  Flügel  sehr 
stark  und  stellte  den  linken  bei  Kottitz  im  Angesicht  der  Kaiser- 
lichen auf. 


138  1756- 17«3. 

Am  14.  Oktober  1758  um  5  Uhr  früh  überfiel  Daun  die 
Preussen  in  Hochkirchen  und  erfocht  einen  glänzenden  Sieg.  101  Ka- 
nonen, 70  Munitionswagen,  28  Fahnen,  2  Estandarten,  fast  das 
ganze  Lager  und  der  grösste  Theil  der  Bagage  waren  die  Trophäen 
dieses  in  der  Geschichte  Oesterreichs  ruhmreichen  Tages. 

Nach  der  Schlacht  wurde  das  Regiment,  welches  während  der- 
selben nicht  in's  Feuer  gekommen  war,  zur  Besetzung  der  von  den 
Preussen  verlassenen  Schanzen  beordort. 

Friedrich  retirirte  nach  Bautzen;  die  k.  k.  Armee  nickte 
am  17.  nach  Wurschen.  wo  sich  das  Korps  des  F.-Z.-M.  Prinzen 
v.  Baaden-Durlach  wieder  mit  ihr  vereinigte.  Der  König  brach 
am  25.  von  Bautzen  auf  und  ging  nach  Schlesien.  Loudon  folgte 
ihm  auf  dem  Fusse,  während  die  österreichische  Hauptarmee  sich 
nach  Sachsen  wendete,  um  Dresden  in  ihre  Gewalt  zu  bekommen. 
Das  Regiment  wurde  am  2G.  Oktober  mit  noch  vier  Infanterie-  und 
zwei  Kavallerie -Regimentern  unter  Kommando  des  F.-Z.-M.  Baron 
Harsch  zur  Belagerung  von  Neisse  detachirt,  wohin  inzwischen 
am  9.  Oktober  Obristlieutenant  Baron  Meichsner,  Hauptmann 
v.  Campen  und  Oberlieutonant  Helenus  mit  der  erforderlichen 
Mannschaft  vom  3.  Bataillon  aus  Brünn  die  Artillerie  transportirten. 

Als  sich  der  rührige  König  dem  Sachsenlande  näherte,  verliess 
die  österreichische  Hauptarmee  die  am  9.  November  nächst  Dresden 
genommene  Aufstellung  und  marschirte  nach  Böhmen,  um  die 
Winterquartiere  zu  nehmen.  Auch  die  Belagerung  der  Festung 
Neisse  wurde  zu  gleicher  Zeit  aufgehoben;  das  Regiment  in  der 
Division  des  F.-M.-Lt.  Baron  Beck  rückte  nach  Gabel  in  Böhmen, 
wo  es  am  2.  Dezember  anlangte,  und  in  diesem  Orte  der  Stab,  die 
Grenadiere  und  die  Obrist- Kompagnie,  die  übrigen  Kompagnien  in 
den  nächsten  Ortschalten  untergebracht  wurden.  Obristlieutenant 
Meichsner  war  gleichzeitig  mit  seinem  Kommaudo  direkt  nach 
Brünn  zum  dritten  Bataillon  eingerückt.  Obristwachttneister  von 
Mayer  bezog  mit  seinem  Bataillon  sofort  die  Vorposten  bei  Zittau, 
wo  er  bis  Ende  des  Jahres  stehen  blieb. 

Im  Laufe  des  hiemit  abgeschlossenen  Feldzugsjahres  wurden 
die  „Kurzgewührc*  der  Unteroffiziere  abgeschafft.  Dem  Befehle  ist  zu 
entnehmen,  „die  Untcroffiziers-Kurzgcwöhre  sollen  in  den  Zeughäusern 
„abgegeben,  dahingegen  Feuergewöhre  ohne  Bajonneter  empfangen 
„werden.  Die  Oberoffiziers  -  Gewöhre  sind  sich  selber  anzuschaffen." 


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1756-1708. 


139 


In  diesem  Jahre  erhielt  die  k.  k.  Armee  ein  neues  Verpflegs- 
system  und  dieses  enthielt  folgende  Gebühren: 


Für  ein  Infanterie-Regiment: 


Als 

• 

Jährliche 

sammt 
Zulage 

fl7~7kr7 

Brodport. 

Tugliehe  *    &  b 
Löhnung  £  2  ~  * 

fl.  I  kr.  o     2  s 

Pferdportion 

Obrist  Reg  -Kommandant  Tractament 

1 

1098 

! 

Briefporto  und  Sehreibmat.    ■  •  • 

300 

Feuergewöhr-Reparation  •  •  •  • 

6C0 

8900 

• 

• 

• 

10 

: 11 

1410 

!>0 

1500 

8 

9 

Obristwachtmeister  Tractament   ■  •  • 

1134 

66 

1200 

6 

• 

8 

Regiments-Kaplan  Tractament  •  •  •  • 

2i>7 

120 

Für  monatlich  2  Seelenmessen  •  - 

iL' 

429 

2 

• 

3 

Regiments-Auditor  Tractament    •  .  • 

411 

auf  Protokolle,  und  Kchri'ibiiiittcriiil 

54 

496 

2 

4 

Reginients-Qnarticruicistir  Traetanicut 

321 

Adjutum  sur  Abholung  der  Ver- 

pflegsgeldcr  und  für  Kanzlei-Un- 

47tj 

boo 

2 

3 

Rcgimcnts-Chirurgus  Tractament  . 

324 

300 

«521 

2 

:t 

Wachtmeisterlientenant  Tractament  • 

207 

3«J 

246 

•  * 

2 

180  . 

*    1  • 

2 

2 

180  1  • 

.   !  2 

■ 

2 

Bataillons-Feldscheer  Tiactament   ■  ■ 

156 

24 

180 

* 

1 

• 

156 

• 

1 

Büchsenschiftcr   -  .  

108 

*  1 

108 

324 

3 

3 

Proviantknecht  ...... 

8 

• 

1 

Proviantpferd        .  .  •     •  •  ,  .  . 

1 

• 

• 

1 

Kapitänlieutenant  Tractament  •  •  .  - 

918 

für  Papier  und  Flickerci    •      •  - 

86 

«J54 

•  1 

( 

6 

4 

501 

für  Papier  und  Flickerei    •  •  •  • 

3t; 

540 

3 

2 

312 

:! 

* 

2% 

2 

288 

•  -1 

2 

2 

140 


1750-1763 


Jährliche 

a 

I 

Als 

Gage 
sainmt 
Zulage 

Löhnung 

—  02 
u 

! 

■j? 

1 

■ 

kr. 

1  II.  |  kr. 

EL 

Fähndrich  .  

252 

•  1 

•  1 

• 

l 

• 

1 

1 

10 

l 

Von  den  V,  Kreuzer/ 
DIN  der  Tambour  r,renadier- 

• 

«V. 

l 

Trommelfell,  LeineJ  '-Tambour 

Reifen  u.  Schlegeln  I  | 
selbst  anschaffen  (l'u8,lier-  | 

* 

*Vt 

1 

Grenadier-Fourierschütz  

7»J 

1 

Gefreiter  

: 

1 

Grenadier                                    •  •  • 

6 

l 

Zimmermann  

<* 

1 

Füsilier-Fourierschütz  

5 

1 

Musquetier  

5 

1 

Die  glücklichen  Kriegsereignisse  im  Jahre  1758  hatten  den 
Grossmeister  des  Maria  Theresien -  Ordens  bestimmt,  noch  vor 
Beendigung  des  Feldzuges  und  vor  Beziehung  der  Winterquartiere 
ein  Ordens  -  Kapitel  einzuberufen.  Dieses  versammelte  sich  am  19. 
und  20.  September  im  Hanptquartier  zu  Gieshübel,  unter  dem 
Vorsitze  des  F.-M.  Daun.  Das  Gutachten  des  Kapitels  wurde  am 
27.  September  vom  Kaiser  bestätigt  und  die  Ernennung  der  Armee 
bekannt  gemacht;  die  feierliche  Aufnahme  fand  im  Hauptquartier 
zu  Prag  am  4.  Dezember  statt,  wozu  sich  auch  vom  Regiment 
der  Obristlieutenant  Johann  Graf  Soro  eingefunden  hatte,  welcher 
am  9.  Februar  1759  zum  Obristen  und  Vize  -  Kommandanten  der 
Festung  Temesvar  ernannt,  aus  dem  Regiment  zum  allgemeinen 
Bedauern  schied. 

Graf  Soro,  zu  Ofen  im  Jahre  1730  geboren,  hatte,  wie  be- 
kannt, auf  dem  Schlachtfelde  von  Kolin  durch  eine  Kanonenkugel 
den  rechten  Fuss  verloren.  Zu  Kriegsdiensten  untauglich,  leistete 
er  in  seiner  Stellung  zu  Temesvar  vorerst  bei  der  Verbesserung  der 
Landeseinrichtung  im  Bauate,  dann  im  Turkenkriege  wichtige  Dienste, 
so  dass  er  nach  und  nach  immer  weiter  befördert,  1788  bereits 
Feldmarschall -Lieutenant  und  Kommandirender  im  Banate  wurde. 


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1756-1768. 


141 


1805  zum  Feldzeugmeister  ernannt,  starb  Graf  Soro  zu  Lugos  im 
Banate  am  15.  Februar  1809,  nachdem  er  66  Jahre  dem  Staate 
mit  ganzer  Aufopferung  gedient  hatte. 

Obristlieutenant  Johann  Christof  Baron  Meichsner  von 
Alekhofen  wurde  am  19.  Jänner  1759  zum  zweiten  Obristen  ernannt 
und  der  aggregirte  Obristlieutenant  Franz  Baron  von  Neuhaus  in 
die  Wirklichkeit  eingebracht.  Mit  demselben  Tage  erschien  der 
Befehl,  dass  jene  Offiziere,  welche  in  die  Stelle  der  in  Kriegs- 
gefangenschaft gerathener  befördert  wurden,  bei  deren  Rückkunft 
nur  die  Gage  der  früheren  Charge  beziehen  dürfen. 

Ende  Jänner  wurden  beiderseits  die  Kriegsgefangenen  aus- 
gewechselt. 

F.-Z.-M.  Harsch  befehligte  in  Abwesenheit  des  nach  Wien 
abgerückten  F.-M.  Daun  und  ordnete  mit  1.  März  1759  neue 
Kantonnimugen  an.  Das  Regiment  verliess  an  diesem  Tage  seine 
Winterquartiere  und  marschirte  nach  Freudenthal  in  Ober-Schlesien, 
wo  dasselbe  am  19.  anlangte  und  im  Korps  des  F.-M. -Lt.  Baron 
Wolffersdorff  einen  Monat  stehen  blieb. 

Bevor  noch  Daun  zum  Heere  rückkehrte,  wussten  die  Preussen 
einzelne  Unternehmungen,  vorzugsweise  zahlreiche  Streifzüge  zur 
Eintreibung  von  Brandschatzungen,  glücklich  auszuführen.  Auch  die 
Oesterreicher  unternahmen  einzelne  Züge ;  so  einen  nach  Greifenburg 
unter  General  Baron  Buttler,  um  dem  eben  bei  der  Armee  ein- 
getroffenen Feldmarschall  „mit  dem  kleinen  Streiche  unterthänigst 
aufzuwarten",  welcher  als  Resultat  die  Gefangennahme  von  IG 
preussischen  Offizieren  und  700  Mann  aufzuweisen  hatte. 

Kapitänlieutenant  de  Martinutzi,  welcher  aus  der  Auf- 
stellung des  Regiments  nach  Troppau  gegangen  war,  um  ein 
Pferd  zu  kaufen,  wurde  dort  von  der  plötzlich  einrückenden  Avant- 
garde des  preussischen  Generals  Fouque*  gefangen.  Das  Regiment 
brach  mit  den  Truppen  des  F.-M.-Lt.  Wolffersdorff  am 
15.  April  aus  seiner  Stellung  auf  und  vereinigte  sich  mit  den 
Truppen  des  F.-M.-Lt.  Marquis  de  Ville  bei  Hotzenplotz,  welcher 
nun  den  Befehl  führte. 

Den  29.  April  rückte  das  Korps  nach  Zuckmantel,  wo  man 
die  Nachricht  erhielt,  dass  der  König  mit  30.000  Mann  Infanterie 
und  10  Reiter  -  Regimentern  von  Neisse  im  Anzüge  sei,  daher  sich 
das  Korps  über  Hermannstadt  und  Freudenthal  zurückzog,  um  dem 


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142 


175«-17«3. 


Könige,  falls  er  Ober  Neustadt  nach  Jägerndorf  gehen  sollte,  den 
Eingang  nach  Mähren  bei  Hartan  streitig  zu  machen.  Als  der  König 
dem  Korps  folgte,  zog  sich  dasselbe  von  Freudenthal  noch  tiefer 
in  das  Gebirge,  worauf  der  König  in  das  vorige  Lager  nach  Oppers- 
dorf zurückging,  nachdem  er  bei  Ludwigsdorf,  Zuckmantel  gegen- 
über, 7—8000  Mann  zurückgelassen  hatte.  F. -M. -Lt.  de  Ville 
blieb  darauf,  um  die  preussischen  Bewegungen  zu  beobachten,  bei 
Hermannstadt  stehen  und  stellte  seine  leichten  Truppen  bei  Olbers- 
dorf  und  Maydelberg  auf. 

Am  I.  Mai  Hess  F.  -M.  Daun  alle  Regimenter  der  Haupt- 
armee aus  ihren  Kantonnirnngs-Quartieren  aufbrechen  und  den  2.  das 
Lager  zwischen  Schurz  und  Jaromif  beziehen.  Am  3.  Mai  besichtigte 
I)  a  u  n  die  Truppen ;  er  ordnete  fleissiges  Exerzieren  der  Rekruten 
an,  doch  nicht  übermässig,  .mithin  nur  in  deine,  so  man  vor  dem 
„Feynde  nöthig  hat."  Der  Feldmarschall  sah  auf  eiserne  Mannszucht 
und  begehrte  unbeugsam  die  pünktlichste  Einhaltung  der  Vorschriften. 
So  forderte  er  unter  Anderem  mit  Gcueralsbefehl  vom  l  t.  Mai  die 
Regiments -Kommandanten  auf,  ,in  Nichten  von  dem  Regulament 
„abzugehen,  besonders  aber  wenn  Leuthe  auf  die  Wacht  kommen, 
»sollen  jederzeit  die  Haarzöpf  nach  der  Vorschrift  eingeflochten  seyn.* 

Hauptmann  Karl  Leopold  von  Hörle  wurde  mit  10.  Mai  als 
Obristlieutenant  zum  Armee- Hauptspital  transferirt. 

Unthütig  lagerte  die  Hauptarmee  im  Laufe  der  Monate  Mai 
und  Juni  bei  Schurz,  ebenso  das  Korps  de  Ville  bei  Hermannstadt; 
die  Verhandlungen  der  Hufe  brachten  diese  Ruhe  des  Abwartens 
mit  sich.  Am  20.  Juni  endlich  brach  sie  nach  der  Lausitz  auf,  um 
die  Unternehmungen  der  anrückenden  Russen  zu  unterstützen.  Am 
2.  Juli  traf  die  Armee  bei  Reichenberg,  5.  bei  Friedland  und  6.  bei 
Gerlachstein  ein;  das  Korps  de  Ville  war  nach  Lissa  gerückt. 
Wieder  trat  eine  längere  Pause  ein;  die  Armee  blieb  bis  zum 
29.  Juli  in  dem  bezogenen  I>ager.  Diese  Pause  war  eine  Folge  des 
langsamen  Vorrückens  der  Russen.  Endlich  besiegten  diese  am 
23.  Juli  den  preussischen  G.-Lt.  Wredel  bei  dem  Dorfe  Kay 
unweit  Züllichau  und  rückten  nach  Frankfurt  an  der  Oder.  Jetzt 
entsendete  Daun  den  F.  -  M.  -  Lt.  L  o  u  d  o  n  mit  20.000  Mann  zu 
den  Russen  und  brach  seinerseits  nach  Lauban  auf. 

König  Friedrich  war  längere  Zeit  unthätig  bei  Landshut  in 
Schlesien  gestanden.   Als  er  die  Nachricht  von  dem  Missgeschicke 


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nr.«  ms. 


143 


Wedel's  erhielt,  eilte  er  nach  Sagan  und  unternahm  nun  Operationen, 
uro  die  Vereinigung  Loudon's  mit  den  Russen  zu  verhindern,  welche 
aber  ungeachtet  seiner  Bemflhungen  am  3.  August  bei  Frankfurt 
gelang.  Der  König  überschritt  nun  am  11.  August  die  Oder;  er 
fand  seine  Gegner  bei  Kunnersdorf  und  griff  dort  am  12.  die  Russen 
an.  Bald  hatte  er  den  Sieg  erfochten  und  schon  eilten  des  Königs 
Boten  mit  der  Siegeskunde  nach  Berlin  und  Breslau;  da  aber 
wendete  sich  im  letzten  Augenblicke  des  Tages  Schicksal.  Loudon 
rückte  an  —  er  rückte  an,  gleich  erhaben  an  Genie  wie  an  Tapfer- 
keit und  brachte  dem  Könige  eine  Niederlage  bei,  wie  er  sie  noch 
nie  erlebte.  Nach  der  Schlacht  schrieb  König  Friedrich  II.  an 
seinen  Minister  Finkenstein  in  Berlin  mit  Bleistift:  »Alles  ist 
«verloren!  Retten  Sie  die  königliche  Familie!  Adieu  für  immer!' 
Der  Verlust  der  Preussen  war  ungeheuer,  an  Todten,  Verwundeten 
und  Gefangenen  20.075  Mann,  20  Fahnen,  2  Standarten,  178  Ka- 
nonen, 120  Pulverwägen;  Verlust  der  Russen  13.477,  beim  Korps 
Loudon  2210  Mann. 

Ein  entschiedenes  Vorrücken  der  Russen  hätte  den  Feldzng 
mit  Preussens  Untergang  beendigen  müssen ;  aber  der  russische 
Feldherr  Graf  Soltikow  blieb  unthätig.  Hiedurch  war  auch 
Loudon  in  seinen  Unternehmungen  gelähmt,  und  F.  -  M.  Daun, 
der  zwar  nach  der  Schlacht  bei  Kunnersdorf  von  Lauban  über 
Priebus  nach  Triebel,  10.  August,  gezogen  war,  seine  Operationen 
aber  nach  jenen  der  Verbündeten  einrichten  musste,  sah  sich  eben- 
falls auf  das  Zuwarten  gewiesen.  So  kam  Friedrich  unangefochten 
über  die  Oder  und  konnte  sein  halbvernichtetes  Heer  organisiren. 

F.-M.  Daun  stand  am  31.  August  mit  der  k.  k.  Hauptarmee 
bei  Mufka  und  lagerte  am  3.  September  bei  Sorau.  Am  folgenden 
Tage  hatte  zwar  die  Reichsarmee  Dresden  erobert,  aber  gleichzeitig 
war  den  Preussen  ein  Streifzug  nach  Böhmen  gelungen,  auf  welchem 
sie  grosse  Magazine  der  Oesterreicher  zerstörten  und  Daun  sah 
sich  veranlasst,  am  9.  September  von  Sorau  nach  Bautzen  aufzu- 
brechen, wo  er  am  13.  eintraf. 

Das  österreichische  Korps  unter  F.-M.-Lt.  Marquis  de  Ville, 
welches  während  allen  diesen  Vorfällen  ruhig  bei  Lissa  gestanden 
hatte,  brach  am  5.  September  von  dort  auf  und  raarschirte  nach 
Lauban,  dann  am  8.  nach  Trotzendorf  bei  Görlitz,  an  welchem  Tage 
die  Avantgarde  der  preussischen  Armee  des  Prinzen  Hein  rieb  das 


114 


175«- 1703. 


Lager  bei  Lauban  besetzte,  in  welches  den  folgenden  Tag  diese 
Armee  einzog.  Im  Lager  bei  Görlitz  vereinigte  sich  mit  dem  Korps 
de  Ville  das  Korps  des  F.  -  M.  -  Lt.  Beck  und  nun  nabmen  beide 
rasch  an  der  Neisse  Stellung. 

Prinz  Heinrich  Hess  seine  Armee  am  10.  September  nach 
Pfaffendorf  aufbrechen,  um  auf  dem  linken  Flügel  des  österreichischen 
Korps  Aber  die  Neisse  zu  gehen  und  dasselbe  zum  Verlassen  seiner 
guten  Stellung  zu  nöthigen.  Hierauf  brach  F.-M.-Lt.  de  Ville  mit 
seinem  Korps  in  der  Nacht  vom  10.  auf  den  11.  von  Görlitz  auf,  und 
marschirte  nach  Bautzen  zur  Deckung  des  dortigen  grossen  Magazins. 
Die  preussische  Armee  bezog  nun  am  12.  bei  Görlitz  das  Lager. 

Wie  früher  gesagt,  traf  F. -M.  Daun  am  13.  ebenfalls  bei 
Bautzen  ein  und  beschloss,  den  bei  Görlitz  lagernden  Prinzen 
Heinrich  anzugreifen.  Als  die  gesamrate  Armee  am  23.  zu  diesem 
Unternehmen  aus  dem  Lager  bei  Bautzen  aufbrach,  theilte  das  Regi- 
ment, welches  in  diesem  Feldzuge  noch  keinen  Schuss  abgefeuert 
hatte,  die  allgemeine  Freude  über  den  endlich  in  Aussicht  gestellten 
Kampf,  allein  die  Hoffnungen  blieben  unerfüllt,  denn  Prinz  Heinrich 
die  Schlacht  meidend,  hatte  in  der  Nacht  vom  23.  auf  den  24. 
Görlitz  verlassen.  Dahin  rückte  nun  die  k.  k.  Hauptarmee;  weil 
aber  Daun  erfuhr,  dass  sich  die  Preusseu  zur  Wiedereroberung 
Dresdens  nach  Sachsen  gewendet,  eilte  er  auch  seiuerseits  dahin, 
brach  am  25.  auf,  passirte  am  29.  bei  Dresden  die  Elbe  und 
lagerte  bei  Kesselsdorf.  Nach  zweitägigem  Aufenthalte  marschirte 
Daun  nach  Tannenberg;  er  wollte  jetzt  den  preussischen  General 
Fink  bei  Meissen  angreifen ;  aber  auch  dieser,  den  Oesterreichern 
nicht  gewachsen,  zog  sich  in  der  Nacht  vom  1.  zum  2.  Oktober 
nach  Strehlen  zurück.  Daun  rückte  über  Rothschönberg,  Lomasch, 
Risa  am  G.  nach  Oschatz.  Am  12.  Oktober  begann  Daun  mittelst 
Detachirungen  die  feindliche  Stellung  bei  Strehlen  zu  umgehen, 
worauf  Prinz  Heinrich,  der  sich  mit  General  Fink  vereinigt 
hatte,  am  16.  nach  Torgau  zog.  Die  k.  k.  Armee  rückte  am  18. 
nach  Strehlen,  19.  Belgern  und  am  22.  nach  Schiida,  wo  die 
Truppen  wegen  der  ungewöhnlich  rauhen  Witterung  Kantonnirungen 
bezogen.  Am  4.  November  brach  Daun  wieder  auf,  zog  zu  Kaun- 
burg  den  F. -Z. -M.  Arhemberg  an  sich  und  erreichte,  gefolgt 
von  den  langsam  nachrückenden  Preussen,  am  13.  das  Lager 
bei  Wildsruf. 


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17M-1763. 


145 


Auch  König  Friedrich  war  mittlerweile  in  Sachsen  ein- 
getroffen, es  lag  ihm  noch  immer  der  Besitz  Dresdens  am  Herzen, 
und  er  beabsichtigte  durch  Abschneiden  der  Zufuhren  aus  Böhmen 
die  Oesterreicher  zum  Aufgeben  ihrer  (leckenden  Stellung  und  zum 
Rückzüge  nach  Böhmen  zu  zwingen.  Deshalb  entsendete  er  den 
General  Fink  mit  einem  ansehnlichen  Korps  nach  Dippoldiswalda, 
um  diesen  Ort  und  die  nach  Böhmen  führenden  engen  Wege  von 
Oltendorf  und  Maxen  zu  besetzen.  Daun  zog  sich  von  Wildsruf 
in  die  feste  Stellung  hinter  dem  Plauen' sehen  Grunde  und  liess  den 
General  Fink  durch  das  Reserve  -  Korps  des  F.  -Z.  -M.  Sin  eure 
angreifen.  Dieses  Korps  rückte  am  19.  November  von  Rizgen  gegen 
Dippoldiswalda.  Fink  marschirte  nach  Maxen,  wo  er  am  20.  ange- 
griffen, total  geschlagen  und  mit  seinem  ganzen  Korps  von  den 
Oesterreichern  gefangen  wurde. 

Die  Grenadiere  des  Regiments,  welche  allen  diesen  Bewegungen 
in  der  Hauptarmee  folgten,  waren  während  diesem  Treffen,  das  man 
in  der  k.  k.  Armee  „den  Finkenfang  bei  Maxen"  nannte,  im  Lager 
hinter  dem  Plauen'schen  Grunde  mit  Sack  und  Pack  in  Bereitschaft 
gestanden.  9  Generale,  11  Stabs-,  450  oheroffiziere  und  14.400  Mann 
wurden  kriegsgefangen ;  drei  silberne  Pauken ,  00  Fahnen,  34  Stan- 
darten, 90  Kanonen  waren  die  Trophäen  dieses  Sieges.  F. -M. -Lt. 
Beck  nahm  dann  noch  den  preussischen  General  D  i  e  r  i  c  k  e  mit 
1500  Mann  am  4.  Dezember  bei  Meissen  gefangen. 

Am  11.  Dezember  1759  bezog  die  k.  k.  Armee  die  Winter- 
quartiere in  Sachsen. 

Das  Regiment  war  am  24.  September  nach  dem  Marsche  der 
k.  k.  Hauptarmee  nach  Görlitz,  mit  noch  vier  Infanterie-  und  vier 
Reiter-Regimenter  unter  F.-M.-Lt.  C  a  m  p  i  t  e  1 1  i  zum  Korps  des 
F.-M.-Lt.  Loudon  beordert  worden,  rückte  nach  der  Vereinigung 
mit  diesem  Korps  bei  Christianstadt  über  die  Bober  nach  Grünberg 
in  Unter  -  Schlesien,  wo  sich  das  Korps  mit  den  Russen  vereinigte. 
Nach  verschiedenen  Märschen  blieb  das  Korps  einige  Zeit  in  Guhran 
stehen,  marschirte  dann  mit  den  Russen  nach  Hernstadt,  welches 
diese  am  letzten  Oktober  beschossen.  Den  1.  November  ging  das 
Loudon'sche  Korps  bei  Carolath  über  die  Oder  nach  Frauenstadt  in 
Polen,  wo  es  sich  von  den  Russen  trennte,  den  2.  nach  Skalitz,  weiter 
durch  Polen  über  Krakau,  wo  zwei  Rasttage  gehalten  wurden  nach 
Bilitz,  Teschen  und  Holleschau  und  blieb  hier  einige  Tage  stehen. 

10 


146 


17.>0-17(>3. 


Das  Regiment  erhielt  hier  den  Befehl,  die  Winterquartiere  zu 
Leipnik  in  Mähren  zu  beziehen,  marschirte  sofort  ab  und  rückte 
dort  den  23.  Dezember  ein,  allein  hier  erhielt  dasselbe  den  27.  nachts 
die  Ordre  nach  Prag  zu  marschiren.  Den  folgenden  Tag  wurde 
aufgebrochen,  und  da  in  Grewitsch  der  Befehl  einlangte,  auf  das 
Schleunigste  in  Prag  einzurücken,  Hess  Obrist  Kallenberg  das 
Regiment  auf  requirirten  Schlitten  weiter  befördern  und  erreichte 
auf  diese  Art  am  5.  Jänner  17G0  Oral  in  Böhmen.  Hier  langte 
abends  der  Befehl  an,  mit  dem  Regiment  die  Winterquartiere  zu 
Eisenstadt  und  den  nächsten  Ortschaften  in  Böhmen  zu  beziehen, 
was  am  6.  in  Vollzug  gesetzt  wurde.  Hier  rückten  bald  darauf  auch 
die  Grenadiere  von  der  Hauptarmee  ein. 

Während  diesem  Feldzuge,  in  welchem  das  Regiment  durch 
beispiellose  Märsche  und  Strapazen  viel  gelitten,  aber  nicht  einen 
Schuss  abgefeuert  hatte,  erhielt  dasselbe  als  Ersatz  für  die  viele  zu 
Grunde  gegangene  Mannschaft  vom  dritten  Bataillon  aus  Brünn 
200  Rekruten  aus  Steiermark,  200  aus  Mähren,  200  aus  Böhmen, 
99  aus  Kärnten  und  400  aus  Oesterreich  zugesendet. 

Die  k.  k.  Hauptarmee,  welche  im  Winter  durch  ausserordent- 
liche Anstrengungen  auf  140.000  Mann  gebracht  wurde,  blieb  in 
Sachsen.  Das  Regiment  marschirte  am  6.  Februar  1760  nach  Rechlitz, 
dann  am  13.  März  nach  Reichenberg  und  wurde  hier  und  in  den 
nächsten  Ortschaften  bequartirt. 

Obrist  Franz  Karl  Graf  v.  Kallenberg  wurde  am  8.  April 
1760  zum  General -Feldwachtmeister  befördert;  der  zweite  Obrist 
Johann  Christof  Freiherr  Meichsner  zu  Alekhofen  übernahm 
das  Regiments  -  Kommando. 

Den  15.  April  erhielt  das  Regiment  seine  Eintheilung  in  das 
Korps  des  F.-M.-Lt.  Baron  Beck  und  marschirte  denselben  Tag 
nach  Albersdorf  bei  Zittau  in  der  Lausitz,  woselbst  Obrist  Freiherr 
v.  Meichsner  mit  einiger  Ersatzmannschaft  vom  dritten  Bataillon 
aus  Brünn  anlangte.  Am  18.  Mai  marschirte  das  Regiment  nach 
Pless,  unweit  Jaromif  zu  dem  Korps  Loudon,  dann  mit  diesem 
am  29.  nach  Kosk'lec,  wo  nur  einige  Stunden  gerastet  wurde, 
hierauf  den  30.  wieder  zurück  nach  Braunau  und  nach  kurzer  Rast 
nach  Neurode  in  der  Grafschaft  Glatz.  Den  1.  Juli  wurde  der 
Marsch  über  Silberberg  nach  Frankenstein  in  Schlesien  fortgesetzt 
und  hier  das  Lager  bezogen. 


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1756-17f>:t. 


147 


Die  Friedensverhandlungen,  welche  während  des  Winters  ge- 
pflogen wurden,  blieben  ohne  Erfolg  und  so  setzten  sich  die  Armeen 
in  Bereitschaft,  um  die  Diplomaten  in  ihrem  Werke  abzulösen. 

Laut  Eintheilungs-Liste  bestand  das  Offiziers-Korps  1760  aus : 

Obrist  Inhaber  Clemens  August,  Kurfürst  zu  Köln,  Iloch-  und 
Tentschineister. 

Obrist  Regiments -Kommandant  Johann  Christof  Freiherr  Meichsner 
r.  Alekhofen. 

Obristlieutenant  Franz  Baron  Neuhaus. 

1.  Obristwachtmeister  Petrus  Nikolaus  v.  Mayer. 

2.  n  Ludwig  v.  Graff orst 
Sämmtliche  Stabs-Parteien  wie  im  Jahre  1758. 


Kompagnie 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

Ober-  Unter- 

1. Grcnadier- 

DanieldePolastre 

Martin  Kessler 

Joach.deZuchari 

— 

2.  Grenadier- 

Paul  de 
Montignoni 

Josef  Ertel  v. 
8eau 

Karl  Gärtner 

— 

Leib- 

Kapitän» 
Fried.  Pilgrim 

Josef  Weiler 

Josef  Graf 
Auersperg 

Cölestin  v.  Mohr 

Obrist- 

Kapitän- 
Christ.  dAltropp 

Johann  Schmid  jWilh.  Br.  Kerpen 

Joh.  v.  Fontenct 



Obristlieutenant- 

Kapitän- 
Johann  Hervay 

Franz  Wolff 

Franz  Empel 

Saetini  von 
Starbemberg 

Obristwachtm.- 

Kapitän- 
Joh.  deMartinuzi 

Johann  Theodor 

Karl  Leuthncr 

Franz  Fr&chetzi 

Obristwaehtm.- 

Kapitän- 
Frz.  Br.  Wilsdorf 

Ignaz  Kichl 

Karl  Stalek 

Johann  v.  Mohr 

Hautzenberg- 

Maximilian  Br. 
Rautzenberg 

Karl  v.  Hörle 

Michael  de  Onclli 

Wilib.  Leibinger 

Artz- 

Karl  Gr.  Art« 

Johann  Ottenthai 

Felix  de  Roveretti 

Johann  Wagner 

Quannc- 

Joh.  Chevalier 
de  Quanne 

Karl  de  Gusio 

Jakob  Böck 

Johann  Böck 

Rosenberg- 

Wilhelm  Br. 
Rosenberg 

Konstantin  Roth 

Georg  Baron 
Lestwitz 

Kajetan  de 
St.  Vito 

Spurlati- 

Ban.  de  Spurlati 

Jakob  Gr.  Spretti 

Franz  de  Bonne 

Moria  v.  Schiann 

Truchses- 

Wilhelm  Br. 
Truchses 

Aug.  Br.  Kleist 

Peter  Graf 
Bernigotti 

Wenzel  Dötner 

Tham-       jFriedr.  v.  Tham 

MelchiorSchüller 

Anton  Birago 
d'Aspremont 

Paul  de  Candiani 

10* 


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148 


1766-1708. 

3.  Bataillon  in  Brünn. 


Kompagnie 

Hanptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

ol, et-  Filter- 

Leuthner- 

l 

August  Leuthner  Wenzel  HüttisehHerm.  WarncsinB1  f  ^kSSipftlg 

Campen-      jWilh.  v.  Campen 

Josef  Helenus 

v«„m..>.,  Demeter  Gehmel 
Johann  Neumann   v  Hirschbach 

Birago- 

Vincenz  Birago 
d'Aspremont 

Josef  Br.  Stadl 

~-  

Michael  Klert 

Wilhelm 
v.  Fiakstein 

Franz  Schmid 

Joh.  de  Brevost 

Stael- 

Karl  v.  Gehren 

Anton  (Jraf 
Grottcncg 

Mochne- 

I'eter  Moehne 

Josef  v.  Kgen 

Anton  Birago 
d'Aspremont 

Mac-Affri- 

Rupert  de  Mae- 
Affri 

Heinr.  Sterhan 

Adam  Fillen- 
banm 

Anfangs  Juni  konzentrirte  Daun  die  k.  k.  Hauptarmee  bei 
Dresden.  London  hatte,  wie  oben  gesagt,  Mähren  verlassen  und 
lagerte  in  Schlesien.  Zu  seiner  Beobachtung  stand  der  preussische 
General  de  la  Motte  Fouque*  in  den  Fürstentümern  Schweidnitz 
und  .Tauer  nahe  der  Grenze  Böhmens  mit  17  Bataillons  und 
18  Schwadronen.  Loudon  sendete  von  Frankcnstein  Streifkommandos 
bis  in  die  Nähe  von  Breslau  und  Hess  die  Anhöhen  von  Kleutsch 
und  Habendorf  besetzen.  Dies  bewog  den  General  Fouque  Lands- 
hut zu  verlassen  und  eiligst  Ober  Löwenberg  nach  Komenau  zu 
marschiren,  um  die  Hauptstadt  zu  decken.  F. -M.-Lt.  Wolffers- 
dorff besetzte  hierauf  Landshut,  wo  er  einen  bedeutenden  Proviant- 
vorrath fand  und  liess  die  Verschanzungen  schleifen.  Loudon 
hatte  seinen  Feind  trefflich  getäuscht  und  bezog  ein  Lager  bei 
Pischwitz.  General  P  o  u  q  u  6  indessen  durch  Kundschafter  von  den 
Bewegungen  Loudon's  gegen  Glatz  unterrichtet ,  verliess  seine 
Stellung  bei  Komenau  und  rückte  am  10.  Juni  über  Kanth  nach 
'  Gräditz  vor.  F.-M.-Lt.  Wolf  fersdorff  wurde  demnach  wieder 
zur  Armee  berufen  und  Landshut  nur  mit  3  Bataillons  Kroaten  und 
5  Eskadronen  Huszaren  besetzt,  zu  deren  Verstärkung  jedoch  am  14. 
noch  F.-M.-Lt.  Gaisrugg  mit  4  Bataillons  und  1  Kürassier- 
Regiment  nachrückte. 

Während  dem  hatte  der  König  die  Besetzung  des  Lagers  bei 
Landshut  durch  die  Oesterreicher  mit  Entrüstimg  vernommen  und 


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1756-176*.  149 

sogleich  an  den  General  Fouque  den  Befehl  erlassen,  Landshut 
den  Oesterreichem,  es  koste  was  es  wolle,  wieder  zu  entreissen. 
Diesem  Befehle  zufolge  marschirten  die  Preussen  am  IG.  Juni  in 
der  Nacht  von  Graditz  in  zwei  Kolonnen  gegen  Landshut,  wo  sie 
den  17.  um  10  Uhr  morgens  anlangten  und  sich  anschickten  die 
Verschanzungen  mit  Sturm  zu  nehmen.  Allein  F.  -  M.  -  Lt.  G  a  i  s- 
r  u  g  g,  welcher  für  gut  fand,  sich  in  kein  ernstes  Gefecht  mit  einem 
so  überlegenen  Feinde  einzulassen,  liess  nur  den  Buchberg  mit 
GOO  Kroaten  besetzen  und  zog  sich  mit  seinen  übrigen  Truppen 
nach  Reichhennersdorf  zurück.  Auf  diese  Art  kamen  die  Preussen 
ohne  grosse  Anstrengung  wieder  in  den  Besitz  des  verschanzten 
Lagers  bei  Landshut,  dessen  beschädigten  Werke  sie  sogleich  her- 
stellten und  noch  überdies  den  Doktorsberg  mit  der  Mummelschanze 
durch  ein  Zangenwerk  in  Verbindung  setzten. 

Da  hiedurch  General  F  o  u  q  u  e*  ganz  isolirt  stand,  entging  dem 
Feldherrnblick  eines  London  nicht,  dass  nun  der  Augenblick  ge- 
kommen sei,  den  Feind  mit  Vortheil  anzugreifen  nnd  zu  schlagen. 
Schnell  war  der  Entschluss  gefasst,  mit  dem  grössten  Theile  seiner 
Macht  gegen  Landshut  zu  marschiren  und  die  Verschanzuugen  zu 
erstürmen. 

Noch  am  16.  Juni  wurde  F. -M. -Lt.  Wolf fersdo rff  mit 
fünf  Bataillons  und  einem  -Kavallerie  -  Regiment  zur  Unterstützung 
des  F. -M.-Lt.  Gaisrugg  nach  Friedland  gesendet.  Den  17.  mar- 
schirten noch  drei  Bataillone  und  zwei  Kavallerie -  Regimenter  eben- 
falls zu  dessen  Unterstützung  nach  Reichhennersdorf  ab  und  am 
18.  brach  das  ganze  Korps,  mit  Ausnahme  von  drei  Bataillons  und 
zwei  Kavallerie  -  Regimenter,  welche  zur  Einschliessung  von  Glatz 
zurückblieben,  aus  dem  Lager  von  Pischwitz  auf,  marschirte  an 
demselben  Tage  über  Johannesberg  und  Waldenburg  und  den  19. 
über  Gottesberg  bis  auf  die  Anhöhe  vor  Schwarzwalde.  Hier  stiess 
General  Nauendorf,  welcher  die  Avantgarde  führte,  auf  den  feind- 
lichen, mit  200  Reitern  und  300  Mann  Infanterie  auf  Rekognoszirung 
ausgesendeten  General  Malachowsk y,  welcher  sogleich  angegriffen 
und  mit  Verlust  von  5  Offiziers  und  130  Gemeinen,  welche  gefangen 
wurden,  zurückgeschlagen  ward. 

Am  20.  liess  Loudon  die  Anhöhen  bei  Forste,  sowie  auch 
den  Ziegenrücken  besetzen  und  breitete  sich  mit  seiner  Kavallerie 
dergestalt  bis  Hartmannsdorf  aus,  dass  den  Preussen  die  Gemeinschaft 


150 


1756-  17ttS. 


mit  Schweidnitz  und  dem  General  Ziethen  völlig  abgeschnitten 
wurde.  Um  dem  Feinde  auch  den  Rückzug  gegen  Schmiedeberg  zu 
verlegen,  ersuchte  Loudon  den  nach  Friedberg  vorgerückten  F.-M.-Lt. 
Beck,  gegen  Hirschfeld  zu  marschiren  und  daselbst  Stellung  zu 
nehmen. 

Den  21.  und  22.  Juni  verwendete  L  o  u  d  o  n  zur  Rekognoszirung 
der  Gegend  und  zu  den  nöthigen  Vorbereitungen  zum  Angriffe  auf 
das  verschanzte  Lager,  wozu  nachstehende  Disposition  erfolgte :  Den 
22.  Juni  in  der  Nacht  hat  die  Artillerie  in  möglichster  Stille  auf 
den  Höhen  in  Batterien  aufzufahren  und  auf  das  gegebene  Signal 
mit  einem  heftigen  Feuer  den  Angriff  zu  eröffnen.  Gleich  darauf 
rücken  die  Truppen  in  vier  Kolonneu  zum  Sturme  gegen  die  Ver- 
schanzungen vor  und  zwar :  die  erste,  zur  Erstürmung  des  Doktors- 
berges ;  die  zweite,  zur  Erstürmung  der  Redoute  auf  dem  Buchberge ; 
die  dritte,  bei  welcher  sich  das  Regiment  mit  seinen  Grenadieren, 
diese  im  ersten  Treffen  unter  F.-M.-Lt.  Campitelli,  das  Regi- 
ment im  zweiten  Treffen  unter  F.-M.-Lt.  M Offling  befand,  zur 
Erstürmung  der  Mummelsehanze  und  der  verschanzten  Linie;  die 
vierte,  zur  Erstürmung  der  verschanzten  Berge  bei  Blasdorf  und 
Reichhennersdorf.  Ferner  rücken  zugleich  mit  der  ersten  Kolonne 
24  Eskadronen  im  Thale  des  Lassig  -  Baches  über  Hartmannsdorf 
gegen  Vogelsdorf  vor,  theils  um  den  Angriff  dieser  Kolonne  zu  unter- 
stützen, tlieils  um  dem  Feind  den  Rückzug  gegen  Ruhbank  abzu- 
schneiden. 20  Eskadronen  marschiren  über  Hartmannsdorf  und 
Krausendorf  auf  die  Anhöhe  bei  Schreibersdorf  und  schneiden  dem 
Feinde  die  Strasse  nach  Schmiedeberg  ab.  Alle  diese  Truppen  mar- 
schiren am  22.  abends  dergestalt  ab,  dass  selbe  den  23.  Juni  um 
1  Uhr  morgens  am  Orte  ihrer  Bestimmung  eintreffen. 

Diesen  Anordnungen  zu  Folge  war  General  Fouque*  den  22. 
abends  von  einer  Macht  von  20.000  Mann  Infanterie  und  6000  Mann 
Kavallerie  bereits  auf  allen  Seiten  eingeschlossen  und  ohne  Hoffnung 
eines  Entsatzes,  sich  selbst  überlassen. 

Den  22.  abends  brach  das  Regiment,  nachdem  es  seine  Bagage 
zurückgesendet  (,die  Schnapssäcke  und  Kessel"  blieben  im  Lager) 
auf,  marschirte  in  seine  Stellung  und  rastete  im  Walde  bis  12  Uhr 
nachts.  Mit  Schlag  2  Uhr  früh  am  23.  Juni  gaben  vier  auf  dem 
Steinberge  aufgeführte  Haubitzen  das  Zeichen  zum  Angriffe.  Sogleich 
fing  die  auf  den  Anhöhen  aufgestellte  Artillerie  zum  Feuern  an 


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1756-17(13. 


151 


und  unter  ihrer  Begünstigung  ruckten  die  Kolonnen,  welche  sich 
bereits  um  1  Uhr  vor  dem  Walde  formirt  hatten,  zum  Sturme  gegen 
die  ihnen  zugewiesenen  Punkte  vor. 

Obwohl  beim  Beginn  des  Kampfes  ein  furchtbares  Gewitter 
mit  Sturm  und  Regengüssen  losbrach,  Hess  Loudon  doch  angreifen; 
und  als  ihm  ein  General  melden  liess,  seine  Truppen  könnten  im 
Regen  nicht  feuern,  erwiderte  Loudon:  „Es  regne  auch  auf  der 
Seite  der  Preussen.* 

Während  die  erste  Kolonne  gegen  die  Schanze  auf  dem  Doktors- 
berge in  Front  und  Flanke  stürmte,  griff  der  Vortrab  der  Kavallerie 
den  Feind  im  Rücken  an  und  warf  alles  nieder,  was  sich  ihr  entgegen- 
stellte. Zu  gleicher  Zeit  brach  auch  die  zweite  Kolonne  aus  dem 
Walde  gegen  den  Buchberg  vor.  Diesen  beiden  Kolonnen  folgte 
F.-M. -Lt.  Campitelli  mit  der  dritten  und  bemächtigte  sich  mit 
dem  ersten  Treffen  des  Mummelberges  und  der  neu  angelegten  ver- 
schanzten Verbindungslinie.  Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  Obrist- 
lientenant  Franz  Baron  Neuhaus,  welcher  die  Grenadiere  zum 
Sturm  geführt  hatte,  durch  eine  Kanonenkugel  getödtet. 

Ungeachtet  der  grossen  Beschwerlichkeit  bei  Erstürmung  der 
Berge  und  der  tapfersten  Gegenwehr  des  Feindes  in  den  wohl- 
befestigten Verschanzungen,  waren  der  Doktorsberg,  die  verschanzte 
Linie,  der  Mummelberg  und  Buchberg  binnen  drei  Viertelstunden 
erstiegen  und  erobert.  Die  Reste  des  feindlichen  linken  Flügels 
flüchteten  nach  dem  Kirchberge. 

Nicht  minder  glücklich  war  der  Angriff  der  vierten  Kolonne 
gegen  die  Anhöhen  bei  Reiehhennersdorf.  Die  Redouten  rechts  der 
Mummelschanze  wurden  erobert  und  der  Feind  bis  auf  den  Kirch- 
und  Galgenberg,  aus  allen  seinen  Werken  und  Stellungen  vertrieben. 
Die  Artillerie  fuhr  nun  auf  dem  Buch-  und  Mummelberge  auf  und 
unter  ihrer  Begünstigung  griffen  die  erste  und  zweite  Kolonne  die 
letzte  Stellung  der  Preussen  am  Kirchberge  an. 

Die  Regimenter  Esterhazy  und  Blau  Loudon  der  zweiten  Kolonne 
konnten  die  Verschanzungen  am  Kirchberge  nicht  einnehmen  und 
mussten  nach  einem  mörderischen  Kampfe  zurück.  Nun  wurde  das 
Regiment  Teutschmeister  aus  dem  zweiten  Treffen  der  dritten  Kolonne 
vom  F.  -  Z.  -  M.  Loudon  zum  Vorrücken  beordert.  Mit  klingendem 
Spiel  und  fliegenden  Fahnen  rückte  es  trotz  des  heiligsten  feindlichen 
Feuers  in  bester  Ordnung  vor,  erstürmte  ohne  einen  Schuss  zu  thun 


152 


17M-1H*. 


die  Verschanzung  am  Kirchberge,  eroberte  särnmtliche  darin  auf- 
gestellten Geschütze,  rangirte  sich  dann  schnell,  eilte  dem  Feinde 
durch  den  Kavins  auf  die  andere  Anhöhe  nach  und  nahm  auch  diese 
im  ersten  Anlaufe.  Hauptmann  Johann  Hervay  hatte  sich  helden- 
müthig  ausgezeichnet. 

Nun  vereinigte  sich  der  Rest  aller  noch  übrigen  feindlichen 
Truppen  und  Fouque"  entschloss  sich  zum  Rückzüge,  hoffend,  sich 
bei  Schreibendorf  noch  durchschlagen  zu  können.  Doch  kaum  hatten 
die  Preussen  die  Lober  bei  Leppersdorf  passirt,  als  sich  ihnen  auch 
hier  die  Oesterreicher  entgegenstellten.  Sie  formirten  ein  Quarree 
und  wiesen  anfangs  die  angreifende  Kavallerie  zurück.  Allein  bald 
kam  dieser  auch  die  Infanterie  zu  Hilfe  und  nun  mussten  sie  sich, 
als  P  o  u  q  u  e"  verwundet  in  die  Hände  der  Oesterreicher  fiel,  ergeben. 
Nur  ein  kleiner  Theil  preussischer  Huszaren  und  einige  Infanteristen, 
welche  einzeln  zu  flüchten  Gelegenheit  fauden,  entkamen  nach  Jauer, 
sonst  wurden  alle  Preussen  gefangen;  der  kommandirende  General 
de  la  Motte  Fouque,  die  Generale  Schenkendorf  und  Ma- 
lachowsky,  11  Obriste,  1  Obristlieutenant,  14  Majors,  46  Haupt- 
leute, 150  Lieutenante,  1  Auditor,  3  Regimentsärzte,  1  Feldprediger 
und  8318  Mann;  67  Geschütze  mit  38  Munitionskarren,  34  Fahnen, 
2  Standarten  waren  die  Trophäen  der  Sieger. 

Der  Verlust  der  Oesterreicher  betrug  an  Todten:  18  Stabs- 
und Oberoffiziere,  darunter  der  schon  genannte  Obristlieutenant 
Freiherr  v.  Neuhaus  und  750  Mann  vom  Feldwebel  abwärts, 
darunter  6  Mann  vom  Regiment  Blessirt  wurden  81  Stabs-  und 
Oberoftiziere ,  2114  Gemeine  und  Unteroffiziere,  vom  Regiment 
Hauptmann  Mochue,  Oberlieutenant  Soau  und  Wagner,  Lieute- 
nant Zuchari  und  Fähnrich  Waruesius  nebst  70  Gemeinen. 

So  war  nach  einem  blutigen  Kampfe  von  weniger  als  sechs 
Stunden  (von  zwei  bis  dreiviertel  auf  acht  Uhr  morgens)  das  Lager 
bei  Landshut  mit  allen  Schanzen  erobert  und  das  ganze  Korps  des 
Generals  Fouque  vernichtet.  Dieser  Verlust  war  empfindlich  und 
der  Anfang  des  Feldzuges  verhäugnissvoll  für  den  König. 

Das  »Wiener  Relations  -  Blatt"  schrieb  die  ausgezeichnete  That 
des  Regiments  Teutschmeister  dem  Regiment  Blau  Loudon  zu  und 
verschwieg  Ersteres  gänzlich.  Aus  diesem  Anlasse  erliess  das  Re- 
giment folgeude  Erklärung:  »In  dieser  Attaque  hate  das  Löbl. 
„Regiment  die  Ehre  da  bey  der  letzten  Redoute  auf  dem  sogenannten 


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1750-1763. 


»Kirch -Berg  bey  dem  Lutherischen  Kirchhofe,  sowohl  das  Joseph 
»Esterhazy'sche  und  nach  denen  das  Blau  Loudonische  Regiment 
„repussiret  worden.  Dass  Es  auf  Befehl  Sr.  Excellenz  des  Kom- 
»mandirenden  Herrn  Generalen  F.-Z.-M.  Baron  Loudon  an- 
»ruckete,  und  von  Derne  Hr.  Obrist  die  Disposition  gemacht  wurde: 
,dass  Herr  Obristwachtmeister  v.  Mayer  mit  dem  Leib  -  Bataillon 
.Links,  Herr  Obristwachtmeister  v.  Grafforst  mit  dem  Obrist- 
, Bataillon  rechts  die  Attaque  ohne  zu  Feuern  Formirte,  und  mittelst 
»auf  Bey  den  Seiten  geschickten  Manöevres  den  Feind  nach  ersterer 
»Abfeuerung  in  solche  Confussion  zu  Bringen,  dass  Er  diese  Redoute 
,und  seine  hier  Orths  Postirte  Artillerie  verlassen  musste,  welche 
»dann  das  Regiment  Besetzte  und  in  Ordnuug  sich  rangirend  durch 
„den  Ravine  Auf  die  Andere  Anhöhe  dem  Feind  nachsetzte,  hiedurch 
»aber  die  complete  Victorie  Bewürkete,  hierbey  (folgen  die  Verluste). 

„Dabey  zu  Bemerken  komet,  dass  diese  eingelegte  Ehre, 
»Welche  doch  im  Angesicht  des  Kommandirendeu  und  vieler  Gene- 
ralität und  Regimenter,  dem  Löbl.  Regiment  einzig  zuzuschreiben, 
,in  dem  Wiener  Relations  -  Blat,  dem  Blau  Laudonischeu  Regiment 
,zu  geeignet  und  das  Löbl.  Regiment  ganz  verschwiegen  worden! 
»Welches  nebst  Angedeuten  Augenschein  so  Wunderlich  fallet,  als 
»man  sonst  im  Generals -Befehl  denjenigen  Von  Loudon,  nicht 
»aber  denen  Von  gegenwärtigen  Löbl.  Regiment  wie  der  Beschehen, 
.Welche  die  erste  in  diese  Redoute  gedrungen,  sämmtliche  drei 
»Herrn  Stabs-Offiziers  zur  Anlangung  des  Theresia-Ordens  ermahnt 
»haben.* 

Den  Tag  nach  der  Schlacht  wurde  der  Obristwachtmeister 
Peter  Nikolaus  von  M  a  y  e  r  als  Obristlieutenant  und  der  Hauptmann 
Maximilian  Emanuel  Baron  H  a  u  t  z  e  n  b  e  r  g  als  zweiter  Obristwacht- 
meister dem  Regimente  vorgestellt. 

Nach  dem  Siege  bei  Landshut  übertrug  Loudon  die  Be- 
lagerung von  Glatz  dem  General  Harsch.  Am  20.  Juli  wurde  aus 
allen  Batterien  das  Feuer  gegen  die  Festung  eröffnet  und  ehe  noch 
Bresche  geschossen  war,  die  alte  Festung  mit  Sturm  genommen, 
worauf  auch  die  neue  kapitulirte,  wodurch  2000  Manu,  200  Kanonen, 
viel  Munition  und  Material  die  Eroberer  übernahmen. 

Während  dieser  Vorgänge  in  Schlesien  standen  sich  in  Sachsen 
Daun  und  der  König  Friedrich  IL  gegenüber.  Daun  hielt 
durch  seine  Stellung  den  König  ab,  an  den  Kämpfen  in  Schlesien 


154 


175K-17ÖH. 


Theil  zu  nehmen,  bis  Loudon  die  grossen  Erfolge  errungen  hatte 
und  vor  Breslau  stand.  Dreimal  hatte  der  König  versucht,  nach 
Schlesien  zu  gelangen  und  jedesmal  waren  die  Versuche  missglückt. 
Daun  stand  in  den  unangreifbaren  Stellungen  bei  Boxdorf  und  ver- 
legte den  Weg  nach  Schlesien. 

Nun  rückte  der  König  am  8.  Juli  vor  Dresden,  traf  alle 
Anstalten  zu  einer  regelrechten  Belagerung,  Hess  die  Stadt  vom 
14.  Juli  an  aus  50  Kanonen  beschiessen  und  dann  vom  19.  an  mit 
Bomben  und  glühenden  Kugeln  bewerfen,  wodurch  fünf  Kirchen 
und  über  400  Häuser  in  Schutt  und  Asche  gelegt  wurden.  Der 
österreichische  General  Macquire  vertheidigte  sich  mit  seiner 
Besatzung  mit  Heldenmuth  und  harrte  auf  den  von  Daun  zu 
gewärtigenden  Entsatz.  Als  dieser  anrückte,  hob  der  König  die 
Belagerung  auf,  raarschirte  am  28.  Juli  von  Dresden  ab,  setzte  über 
die  Elbe  und  legte  dann  vom  3.  bis  7.  August  den  zwanzig  Meilen 
langen  Weg  bis  Bunzlau  in  Schlesien  zurück.  Aber  auch  dahin  war 
ihm  Daun  gefolgt,  hatte  bereits  am  G.  August  das  Lager  bei 
Schmottheisen  bezogen  und  vereinigte  sich  am  8.  August  bei  Jauer 
mit  dem  von  Breslau  heranmarschirteu  Loudon.  Der  forcirte 
Marsch,  die  stete  Kampfbereitschaft,  nicht  minder  die  grosse  Hitze 
hatten  die  Truppen  sehr  erschöpft,  aber  Daun  hatte  seineu  Zweck 
erreicht,  der  König  war  von  den  österreichischen  Korps  durch 
einen  Kreis  umringt,  der,  wie  es  schien,  sich  nur  zu  schliessen 
brauchte,  um  dem  preussischen  Heere  eine  gänzliche  Niederlage 
zu  bereiten. 

Am  15.  August  sollte  der  König,  welcher  bei  Liegnitz  lagerte, 
von  Daun  in  der  Front,  von  L  a  c  y  im  Kücken  und  von  Loudon 
in  der  linken  Flanke  angegriffen  werden.  Am  14.  ergingen  die  Detail- 
Dispositionen,  welchen  zufolge  das  Regiment  in  Loudons  Korps  am 
Abende  die  Zelte  abbrach  und  den  Vormarsch  begann.  Wie  bei 
Hochkirchen  mussten  die  Lagerfeuer  unterhalten  und  im  verlassenen 
Lager  die  Schaarwache  geschlagen  werden. 

Das  Korps  marschirte  von  Kotschwitz  über  Kunitz  gegen  die 
Katzbach,  nach  deren  Ueberschreitung  über  Binowitz  auf  Panten, 
und  es  mochte  etwa  3  Uhr  gewesen  sein,  als  die  beiden  Grenadier- 
Bataillone  des  Korps,  in  welchen  sich  auch  die  des  Regiments  ein- 
getheilt  befanden,  welche  die  Avantgarde  bildeten,  auf  der  Anhöhe 
bei  Panten  auf  das  preussische  Huszaren  -  Regiment  Ziethen  stiessen, 


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155 


welches  sicli  sogleich  zurückzog.  Das  Korps  setzte  uuu  den  Marsch 
schleunigst  fort,  um  die  Anhöhen  zu  erreichen,  als  aber  dann  der 
Tag  anbrach,  bemerkte  man,  dass  diese  sehr  stark  mit  Infanterie 
und  Geschütz  besetzt  waren.  Die  Kolonnen  gingen  nun  mit  ausser- 
ordentlicher Tapferkeit  gegen  diese  Höhen  vor  und  zwangeu  den 
Feind,  trotzdem  er  aus  72  Geschützen  ein  mörderisches  Feuer 
unterhielt,  selbe  zu  verlassen.  Bis  nun  hatte  man  wegen  des  dichten 
Nebels  die  wahre  Stärke  des  Feindes  nicht  unterscheiden  können, 
aber  da  dieser  nun  schwand,  sah  London  die  ganze  feindliche 
Armee,  welche  hinter  dem  Walde  von  Humeln  aufmarschirt  war, 
plötzlich  hervorbrechen  und  gegen  sein  Korps  anrücken. 

Der  König  hatte  nämlich  durch  einen  Verräther  (ein  Ausländer, 
welcher  am  14.  desertirte)  die  genaueste  Mittheilung  über  das  Vor- 
haben der  Oesterreicher  erhalten,  war  hierauf  nach  Zurücklassung 
einiger  Bataillone  mit  seiner  Annee  nach  Paschwitz  gerückt  und 
hatte  sich  mit  ganzer  Macht  gegen  den  isolirten  L  o  u  d  o  n  gewendet. 

L  o  u  d  o  n  liess  sogleich  auch  das  zweite  Treffen  in  den  Kampf 
rücken,  welcher  nun  grosse  Dimensionen  annahm.  Bis  6  Uhr  früh, 
mithin  durch  drei  volle  Stunden,  hatte  sich  das  Korps  gegen  die 
ganze  feindliche  Armee  gehalten,  ja  sogar  10  preussische  Fahnen 
und  1  Standarte  erobert,  auch  Gefangene  gemacht.  Das  Regiment 
Teutschmeister,  eingedenk  seines  bei  Kolin  und  erst  kürzlich  bei 
Landshut  wohl  erworbenen  Ruhmes ,  schlug  sich  mit  höchster 
Tapferkeit  und  war,  als  Loudon  den  Rückzug  anordnete,  am 
schwersten  aus  dem  Gefechte  zu  ziehen,  daher  dasselbe  auch  unter 
allen  Regimentern  des  Korps  den  bedeutendsten  Verlust  erlitt,  aber 
höchst  ehrenvoll,  die  wenigsten  Gefangenen  einbüsste.  Von  allen 
Seiten  von  der  feindlichen  Kavallerie  angefallen,  schlug  das  Regiment 
mit  wahrem  Heldenmuthe  alle  Angriffe  ab  und  zog  sich,  in  fester 
Ordnung  immer  kämpfend,  hinter  die  Anhöhe  von  Binowitz,  auf 
welcher  inzwischen  Loudon  sein  Geschütz  und  die  beiden  Grenadier- 
Bataillone  aufgestellt  hatte,  zurück.  Letztere  eröffneten  nun  ein  so 
heftiges  Bataille-  Feuer  gegen  die  nachstürmenden  Preussen,  dass 
sie  von  der  Verfolgung  abstanden  und  der  Rückzug  des  Korps  in 
möglichster  Ordnung  hinter  die  Katzbach  ausgeführt  werden  konnte. 
Diese  Ordnung  im  Rückzüge  entriss  dem  siegenden  König  den  be- 
wundernden Ausruf:  „Da  seht  hin,  von  Loudon  müssen  wir 
Retiriren  lernen!" 


156 


175H-1768. 


Die  Verluste  des  Korps  waren  bedeutend.  Sie  bestanden  an 
Todten,  Verwundeten,  Gefangenen  und  Vermissten  in  6034  Mann 
und  476  Pferde.  Das  Regiment  war  mit  272  Rotten  in's  Gefecht 
gegangen  und  kehrte  nur  mit  109  Rotten  zurück.  Oberlieutenant 
Michael  Schumann  und  184  Mann  blieben  todt,  Obrister  Freiherr 
v.  Meichsner,  Hauptmann  Graf  Artz,  welcher  majorisirte,  v.  Mon- 
tignoni,  Hervay,  Kapit&nlieutenant  d'Altropp,  Oberlicutenant 
Merode,  Graf  Spretti,  Lieutenant  Graf  Traun,  Brenkenson, 
Fähnrich  Hauk  und  Faber,  Wachtmeister-Lieutenant  Hoff  gen 
und  355  Mann  wurden  verwundet,  62  Mann  waren  vermisst. 

F.-Z. -M.  Loudon  sagte  in  seinem  Bericht  ddo.  Gross -Rosen, 
17.  August  1760:  „Ich  muss  den  Herren  Generals  und  allen  übrigen 
„Stabs-  und  über- Offiziers,  wie  auch  allen  Völkern  zum  Ruhme 
„nachsagen,  dass  dieser  Rückzug  weder  übereilt,  noch  mit  Verlierung 
„des  Muthes,  sondern  gauz  ruhig  und  mit  aller  Ordnung,  soviel  im 
„Angesicht  einer  so  überlegenen  feindlichen  Macht  möglich  gewesen, 
„geschehen  seyn,  u.  s.  w.  dann:  „In  dem  Treffen  selbst  hat  jeder- 
mann seine  Schuldigkeit  redlich  gethan  und  alles  wie  tapfere, 
„rechtschaffene  Leute  gefochten.* 

Bezüglich  dieser  ungünstigen  Schlacht  erliess  die  hochherzige 
Kaiserin  Maria  Theresia  unterm  22.  August  1760  an  den 
F.-Z. -M.  Loudon  nachfolgendes  Allerhöchstes  Handbillet: 


„Obzwar  der  15.  dieses  ein  unglücklicher  Tag  vor  mich  gewesen 
„ist,  weil  es  dem  Feinde  gelungen  hat,  einer  decisiven  Schlacht  zu 
„entgehen,  nur  mit  euerem  unterhabenden  Korps  anzubinden  und 
„sich  den  Weg  nach  Breslau  zu  eröffnen,  andnrch  aber  seine  ver- 
„th eilte  Macht  zu  vereinigen  und  solche  zwischen  die  meine  und 
„russische  Armee  zu  stellen,  so  vermindert  doch  dieser  widrige 
„Ausschlag  nicht  im  mindesten  die  grossen  Verdienste,  so  ihr  und 
„auch  alle  Generals,  Offiziers  und  Gemeine  (die  unter  eurem  Commando 
„gefochten)  erworben  habt;  vielmehr  lasse  ich  euerer  genauen  Be- 
folgung des  erhaltenen  Auftrages,  wie  ingleichen  euren  klugen  und 
„auf  der  Stelle  ergriffenen  Anstalten,  Herzhaftigkeit  und  Vorsicht 
„alle  Gerechtigkeit  wiederfahren  und  ihr  könnet  auf  mein  Wort 
„sicher  glauben,  dass  ich  solches  im  gnädigsten  Andenken  erhalten 
, werde;  nicht  minder  gereicht  mir  die  von  euch  einberichtete  und 


„Lieber  Freiherr  von  Loudon! 


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175«-17fi.T 


157 


, versicherte  heldenmüthige  Tapferkeit  meiner  Generalität,  Offiziers 
.und  Truppen  zum  grössten  Tröste  und  inniglichsten  Vergnügen. 
„Solche  rechtschaffene  Kriegsmänner  verdienen  mit  Recht  das  grösste 
«Lob  und  meine  vollkommene  Gnade,  wie  ich  dann  darauf  sehen 
„werde,  ihr  Wohlverhalten  bei  Gelegenheit  danknehmig  zu  erkennen. 

„Diese  meine  Gesinnung  habt  ihr  in  meinem  Namen  dem 
„ganzen  unter  euerem  Commando  gestandenen  Corps  behörig  erkennen 
„zu  machen  und  ich  setze  in  die  göttliche  Verfügung  das  voll- 
kommene Vertrauen,  dass  meine  Armee  annoch  in  dieser  Campagne 
„die  Gelegenheit  erhalten  werde,  ihre  Revange  rechtschaffen  zu 
„nehmen  und  die  Welt  zu  überzeugen,  dass  meine  Truppen  den 
„15.  dieses  nur  in  der  Zahl,  nicht  aber  in  der  Herzhaftigkeit  und 
„dem  tapferen  Verhalten  vor  dem  Feinde  ubertroffen  worden,  wie 
„ich  nun  auf  euerem  treuesten  Eifer  und  erspriessliche  Dienste 
„sichern  Staat  machen  kann  ;  als  verbleibe  euch  auch  mit  kais:  köng: 
„und  landesforstlichen  Gnaden  wohlgewogen. " 

Nach  dieser  „bei  Liegnitz ■  benannten  Schlacht  bewirkte 
Friedrich  nicht  nur  die  Vereinigung  seiner  bis  dahin  getheilt 
gewesenen  Armee  und  die  Verbindung  mit  Breslau,  sondern  erreichte 
auch,  dass  die  russische  Armee,  welche  in  das  Herzogthum  Schlesien 
gedrungen  war,  gleich  wieder  dieses  Land  räumte. 

Das  Loudon'sche  Korps  vereinigte  sich  am  17.  August  zu 
Striegau  mit  der  österreichischen  Hanptarmee,  die  nun  verschiedene 
Bewegungen  ausführte,  um  die  Festung  Schweidnitz  einzuschüessen, 
was  denn  auch  geschah;  der  König  rückte  aber,  nachdem  er  den 
bisher  gegen  die  Russen  gestandenen  Prinzen  Heinrich  an  sich 
gezogen  hatte,  gegen  diese  Festung  und  manöverirte  derart,  dass 
Daun  besorgen  musste,  von  seinen  Magazinen  in  Böhmen  ab- 
geschnitten zu  werden,  daher  er  am  31.  August  die  Stellung  bei 
Schweidnitz  verliess  und  in  einem  Marsche  bis  Kunzendorf  und 
Bögendorf,  das  Loudon'sche  Korps  aber  bis  Freiburg  ging. 

Obri8tlieutenant  v.  Mayer  hatte  während  dieser  Zeit  2400 
Blessirte  verschiedener  Korps  nach  Kloster  Grisau  und  dann  weiter 
nach  Kukus  in  das  Hauptlazareth  transportirt,  wo  sich  seit  vorigem 
Monat  der  Hauptmann  Baron  Truchses  kommandirt  befand. 

In  obgenannten  Stellungen  blieb  die  österreichische  Armee 
einige  Zeit  unverändert  stehen,  desgleichen  der  König  zwischen 
Schweidnitz  und  Striegau. 


158 


17M-1768. 


Am  11.  September,  an  welchem  Tage  das  Regiment  die  Nach- 
richt erhielt,  dass  der  Fähnrich  Franz  Faber  seinen  ehrenvollen 
Wunden  erlegen  sei,  brach  der  König  gegen  Landshut  auf,  welche 
Absicht  aber  Daun  dadurch  vereitelte,  dass  er  einige  Korps,  worunter 
auch  jenes  des  F.-Z.-M.  Baron  London,  der  feindlichen  Armee 
zur  Verlegung  des  Weges  entgegenstellte,  wobei  L  o  u  d  o  n  bis  in 
die  Gegend  von  Reichenau  gelangte.  Der  König  lagerte  sich  nun 
bei  Giesmannsdorf ;  die  österreichische  Hauptarmee  nahm  Stellung 
auf  den  Höhen  von  Adelsbach;  das  Loudou'sche  Korps  aber  bei 
Neu-Reichenau  gegen  Giesmannsdorf.  In  dieser  Position  blieben  wieder 
beide  Armeen  bis  zum  17.  September,  während  welcher  Zeit  fast 
täglich  Gefechte  zwischen  den  gegenseitigen  Vorposten  und  einzelnen 
Korps  vorkamen,  die  aber  keine  weitern  entscheidenden  Folgen  hatten. 

Daun  wollte  am  17.  September  den  König  angreifen,  welcher 
jedocli  unter  beständigen  Plänkeleien  die  k.  k.  Armee  in  der  Rich- 
tung über  Gottesberg  umging  und  Waldenburg  im  Gebirge  zu 
erreichen  suchte.  L  o  u  d  o  n  kam  ihm  aber  in  Waldenburg  zuvor, 
worauf  der  König  das  Lager  von  Dittmannsdorf  bezog ;  Daun 
hingegen  Kunzendorf  und  Seitendorf  besetzte.  Beide  Armeen  hatten 
nun  starke  Stellungen  inne,  welche  auch  noch  verschanzt  wurden, 
so  dass  kein  Theil  den  anderen,  ohne  sich  grossen  Verlusten  aus- 
zusetzen, angreifen  konnte.  In  diesem  Verhältnisse  blieben  die  beiden 
Heere  bis  Ende  September. 

Die  russischen  Generale  Czernitschef  und  Tottleben 
unternahmen  von  Frankfurt  an  der  Oder  und  der  Österreichische 
General  Lacy  durch  Sachsen  einen  Zug  gegen  Berlin,  welches  am 
9.  Oktober  1760  besetzt  und  gebrandschatzt  wurde;  der  König  ver- 
liess  nun  seine  bisherige  Stellung,  um  seiner  Hauptstadt  zu  helfen ; 
da  aber  die  Russen  sehr  bald  wieder  nach  Frankfurt  und  Lacy 
nach  Sachsen  zurückeilten,  so  marschirte  der  König  nach  Sachsen, 
wohin  ihm  Daun  folgte. 

Loudon,  der  in  Schlesien  zurückblieb,  begann  den  Angriff 
auf  die  Festung  Kosel,  musste  aber  dieses  Vorhaben  wegen  der 
anhaltend  äusserst  schlechten  Witterung  wieder  aufgeben,  und 
beschränkte  sich  blos  auf  diejenigen  Bewegungen,  welche  nöthig 
waren,  um  das  in  Schlesien  unter  dem  Befehle  des  Generalen  von 
der  Goltz  zurückgebliebene,  24.000  Mann  starke  preussische  Korps 
im  Zaume  zu  halten. 


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159 


Mit  dem  29.  November,  zu  wekher  Zeit  Loudon  mit  seinem 
Korps  nach  Reichenau  und  Wartha  kam,  wurden  der  eingetretenen 
rauhen  Witterung  wegen  die  Operationen  im  Felde  von  beiden  krieg- 
führenden Theilen  abgebrochen.  Loudon  zog  hierauf  von  der 
böhmischen  Grenze  über  Braunau,  Neurode,  Silberberg,  Johannesberg, 
Ziegenhals  etc.  bis  gegen  den  Teschner- Kreis  einen  Kordon  und 
Hess  die  übrigen  Truppen  theils  in  Oberschlesien,  theils  im  Glatzischen 
Quartiere  beziehen.  Das  Regiment,  welches  allen  diesen  Bewegungen 
im  Korps  Loudon  gefolgt  war,  bezog  die  Winterquartiere  zu  Ober- 
Schlägel  in  der  Grafschaft  Glatz. 

Zwischen  den  beiden,  anfangs  Oktober  nach  Sachsen  gezogenen 
Hauptarmeen  kam  es  am  3.  November  1760  bei  Torgau  zur  Schlacht, 
welche  zum  Nachtheile  der  österreichischen  Armee  ausfiel.  Nach 
derselben  ging  Daun  nach  Dresden  und  bezog  das  Lager  hinter 
dem  plauen'schen  Grunde,  der  König  aber  rückte  noch  in  die  Gegend 
von  Meissen  und  Ende  November  bezogen  beide  Armeen  in  Sachsen 
die  Winterquartiere. 

Da  die  Unterkünfte  in  Ober- Schlägel  für  eine  Brigade  nicht 
ausreichten,  marschirte  das  Regiment  unter  Kommando  des  Obrist- 
wachtmeister  Grafforst,  da  Obrist  Meichsner  als  qua  Brigadier 
zurückblieb ,  nach  Gabersdorf  und  Gersdorf  im  Glatzischen  und 
Wartha  in  Schlesien  und  erhielt  hier  recht  gute  Quartiere.  In  diesen 
wurde  das  Regiment,  bei  welchem  der  Obrist  wieder  eingerückt  war, 
und  welches  200  böhmische  Rekruten  erhalten  hatte,  plötzlich  am 
8.  Dezember  allarmirt  und  besetzte  die  Schanzen,  da  sich  ein 
feindliches  Detachement  gezeigt  hatte;  abends  rückten  die  Ab- 
theilungen aber  wieder  in  ihre  Quartiere.  Obristlieutenant  v.  Mayer 
rückte  am  11.  Jänner  1761  von  seiner  Kommandinmg  im  Haupt- 
Lazareth  zu  Kukus  wieder  beim  Regimente  ein. 

Am  6.  Februar  1761  ist  auf  einer  Reise  nach  München  zu 
Ehrenbreitstein  der  Inhaber  des  Regimentes  an  einem  Blutsturz 
plötzlich  verschieden.  Clemens  August  Maria  Hjacinth, 
Erzbischof  zu  Köln,  des  h.  Reichs  durch  Italien  Erzkanzler  und 
Kurfürst,  legatus  natus  des  h.  apost.  Stuhles  zu  Rom,  Administrator 
des  Hochmeisterthums  in  Preussen,  Meister  teutschen  Ordens  in 
teutschen  und  wälscheu  Landen,  Bischof  zu  Hildesheim,  Paderborn, 
Münster  und  Osnabrück,  in  Ober-  und  Nieder-Baiera  auch  der 
oberen  Pfalz,  in  Westphalen  und  zu  Engen  Herzog,  Pfalzgraf  bei 


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160 


175«— 17««. 


Rhein,  Landgraf  zu  Leuchtenberg,  Burggraf  zu  Stromborg,  Graf  zu 
Pyrmont,  Herr  zu  Borkelohn,  Werth,  Freudenthal  und  Eulenberg, 
Sohn  des  Kurfürsten  von  Bayern  Max  Emannel  und  der  Theresia 
Kunigunde  Sobieski,  Tochter  Johann  Sobieski's,  Königs 
von  Polen,  war  am  16.  August  1700  zu  Brüssel  geboren.  Tn  Rom 
für  den  geistlichen  Stand  mögen,  wurde  er  26.  März  1719  Bischof 
zu  Münster  und  Paderborn,  1723  Erzbischof  von  Köln,  8.  Februar  1724 
Bischof  von  Hildesheim,  den  4.  Mfirz  1725  zum  Priester  geweiht, 
erhielt  er  zu  Witerbo  durch  Papst  Clemens  XI.  10.  November  1727 
die  bischöfliche  Konsekration.  Eingekleidet  wurde  er  in  den  teutschen 
Orden  den  16.  Juli  1728  und  Tags  darauf  zum  Hoch-  und  Teutsch- 
meister  erwählt.  Clemens  August  war  der  reichste  geistliche 
Fürst  seiner  Zeit,  unendlich  gütig  und  wohlthätig.  Für  das  Regiment 
war  er  sehr  besorgt,  dem  er  zahlreiche,  auf  seine  Kosten  geworbene 
Rekruten  zusendete  und  sowohl  die  verwundeten  Offiziere,  als  die 
Witwen  und  Waisen  der  gebliebenen  Offiziere  und  Mannschaft 
wahrhaft  fürstlich  unterstützte.  Sein  Leichnam  wurde  in  der  Ka- 
thedrale zu  Köln  begraben. 

Nachdem  F.-Z. -M.  Baron  Loudon  den  Waffenstillstand  ge- 
kündigt hatte,  erhielten  die  Regimenter  des  Korps  den  Befehl,  sich 
zu  konzentriren.  Das  Regiment  versammelte  sich  am  22.  März  1761 
zu  Silberberg,  rückte  den  folgenden  Tag  über  Neurode  in  das  Lager, 
wo  es  zu  verschiedenen  Postirungen  verwendet  und  dann  nach  Weiss- 
Gersdorf  zum  Korps  des  F. -M. -Lt.  Elrichsha usen  gezogen 
wurde. 

Oesterreichischerseits  war  das  Ziel  des  sechsten  Feldzuges  die 
Behauptung  Sachsens  und  die  Eroberung  Schlesiens.  Daun  liess 
die  Armee  vom  8.  Mai  1761  an  kampiren  und  gedachte  den  König 
in  dem  Lager  von  Strehla  festzuhalten,  um  Loudon  zu  seiner  Ver- 
einigung mit  den  Russen  und  Operationen  gegen  Schlesien  Zeit  und 
Luft  zu  verschaffen;  der  König  jedoch,  besorgt  um  Schlesien,  brach 
anfangs  Mai  dorthin  auf  und  liess  den  Prinzen  Heinrich  mit 
33.000  Mann  bei  Meissen  stehen.  Nach  des  Königs  Abzüge  liess 
Daun  die  preussischen  Vorposten  häufig  beunruhigen  und  sendete 
am  8.  Mai  zehn  Infanterie-  und  acht  Reiter -Regimenter  dem  F.-Z.-M. 
Loudon  als  Verstärkung. 

Am  1.  Juni  1761  erhielt  das  Regiment  vom  F.-Z.-M.  Baron 
Loudon  die  Mittheilung,  dass  Ihre  Majestät  die  Kaiserin  den 


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1750-1768. 


161 


General  -  Lieutenant  Herzog  Karl  zu  Lothringen  und  Bar,  Hoch- 
und  Teutschmeister,  Gouverneur  und  General  -  Kapitän  der  öster- 
reichischen Niederlande,  Ritter  des  goldenen  Vliesses,  mit  Aller- 
höchstem Handschreiben  vom  3.  Mai,  zum  wirklichen  Obrist- Inhaber 
des  Regiments  ernannt  habe.  Dieses  Allerhöchste  Handschreiben 
lautete : 

„So  vergnüglich  Mir  die  auf  Euer  Liebden  einhellig  ausgefallene 
„Wahl  Eines  Hoch-  und  Teutschmeisters,  letzthin  zu  Vernehmen 
.gewesen,  So  erfreulich  ist  Mir  nunmehr  auch  die  gelegenheit,  die- 
selben zum  wirklichen  Obristen  nber  das  durch  Absterben  dero 
.Vorfahrers  in  dem  Hochmeisterthum  des  teutschen  Ritter  Ordens 
.erledigte  zum  Dienst  Meines  Ertzhauses  errichteten  Infanterie  Regi- 
,ment  zu  bestellen:  Welches  also  Euer  Liebden  zur  angenehmen 
.Nachricht  hierdurch  erinnern ;  Wie  Ich  dann  auch  das  gewöhnliche 
.Patent  unter  Meiner  Signatur  samt  übrigen  Dazu  erforderlichen 
.Eipeditionen  durch  den  Hofkriegsrath  nblichermassen  ausfertigen 
.lassen. 

.Wien  3.  Mai  1761. 

.Maria  Theresia  m.  p.* 

Zwei  Monate  vergingen  mit  resultatlosen  Manövern ;  die  Russen 
marschirten  Oberaus  langsam  und  erreichten  erst  am  15.  Juli  die 
schlesische  Grenze.  Trotz  allen  von  Friedrich  II.  in  Anwendung 
gebrachten  strategischen  Kunststücken,  gelang  es  Loudon,  sich  am 
19.  August  bei  Strigau  mit  den  Russen  zu  vereinigen  und  da  jetzt 
60.000  Oesterreicher  und  70.000  Russen  der  nur  50.000  Mann 
zählenden  preussischen  Heeresmacht  gegenüberstanden,  schien  Frie- 
drichs Verderben  als  das  Ereigniss  der  nächsten  Tage.  Dieser  zog 
sich  in  die  Nähe  von  Schweidnitz  zurück  und  bezog  ein  festes 
Lager  bei  Bunzelwitz.  Loudon  schlug  im  Kriegsrathe  einen  Sturm 
auf  dasselbe  vor;  allein  der  russische  General  erklärte  sich  nicht 
einverstanden,  und  als  die  Preussen  ein  russisches  Magazin  weg- 
nahmen, gab  dies  Anlass,  dass  er  sich  am  9.  September  von 
Loudon  trennte,  abermals  über  die  Oder  zurückging  und  so  die 
Früchte  der  lang  ersehnten  Vereinigung  in  ihren  Keimen  erstickte. 
Friedrich  blieb  nach  dem  Abmärsche  der  Russen  noch  14  Tage 
im  Lager  bei  Bunzelwitz,  worauf  er  einen  Einfall  nach  Mähren 
demonstrirte ;  aber  Loudon  ging  nicht  in  die  Falle,  sondern  ver- 

11 


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1G2 


stand  es,  des  Königs  Abmarsch  zur  Ausführung  einer  der  kühnsten 
Thaten  dieses  Krieges  zu  benützen.  Es  galt  die  Festung  Schweidnitz 
unvermuthet  zu  überfallen  und  mit  Sturm  zu  nehmen.  Schon  am 
30.  September  schlössen  Huszarcn,  Kosaken  und  Kroaten  einen  Kreis 
um  die  ganze  Festung,  der  sich  gegen  Abend  immer  mehr  verengte, 
um  zu  verhindern,  dass  eine  Nachricht  in  die  Festung  gelange. 

Um  4  Uhr  nachmittags  versammelten  sich  die  zum  Sturm 
bestimmten  Truppen  in  der  Stille  bei  Kunzendorf;  die  Armee  aber, 
in  welcher  das  Regiment  bisher  alle  Bewegungen  mitgemacht  hatte, 
brach  gegen  Abend  die  Zelte  ab  und  marschirte  gegen  Reichenbach 
in  das  ausgesteckte  Lager,  um  den  Festungs  -  Konimandanten  irre 
zu  führen.  Dieser  hatte  aber  doch  Nachricht  von  dem  bevorstehenden 
Angriff  erhalten  und  liess  daher  die  Besatzung  abends  5  Uhr  in's 
Gewehr  treten,  die  mit  Einbruch  der  Nacht  ihre  Posten  bezog  und 
so  vertheilt  war,  dass  vier  Bataillone  die  Aussenwerke  und  ein 
Bataillon  die  Stadt  besetzt  hielt.  L  o  u  d  o  n  erschien  selbst  in  Kunzen- 
dorf, ermunterte  die  dort  zum  Sturm  versammelten  Truppen,  empfahl 
Ordnung  und  Mannszucht,  verbot  die  Plünderung  aufs  schärfeste, 
statt  deren  er  den  Soldaten  eine  Belohnung  von  100.000  Gulden 
versprach.  Nun  riefen  die  Grenadiere  einhellig:  „Nein,  Vater 
„Loudon,  wir  brauchen  kein  Geld,  führe  uns  nur  zu  Ruhm  und 
„Ehre!' 

Nachdem  die  Kolonneu  geordnet,  die  Arbeitsleute  eingetheilt 
und  die  Leitern  ausgegeben  waren,  marschirte  die  Kolonne  an  ihre 
Bestimmung  ab,  wo  sie  um  2  Uhr  nach  Mitternacht  ankam.  Nach 
einer  Stunde  Rast  begann  der  Angriff.  Die  Truppen  rückten  auf 
allen  Seiten,  ohne  einen  Schuss  zu  thun,  in  der  grössten  Ge- 
schwindigkeit und  Stille  an  und  hielten  sich  auch  dann  nicht  auf, 
als  sie  sich  entdeckt  sahen.  Trotz  Wolfsgruben,  Fussangeln  etc. 
machten  sich  die  Grenadiere,  die  an  der  Spitze  jeder  Abtheilung 
standen,  Bahn  mit  dem  Bajonnet,  drangen  in  den  bedeckten  Weg 
und  trieben  die  Feinde  aus  den  Aussenwerken  der  Forts.  Ohne 
Verzug  sprangen  nun  die  vordersten  Bataillone  in  den  Graben,  er- 
stiegen die  Schanzen  und  Zugbrücken  und  bald  waren  die  Forts  in 
ihren  Händen.  Am  hartnäckigsten  vertheidigte  sich  das  Galgen-Fort 
gegen  das  Regiment  Loudon,  dem  es  erst  nach  dem  dritten  An- 
griffe gelang,  Herr  desselben  zu  werden.  Von  den  eroberten  Forts 
richteten  die  Sieger  die  feindlichen  Geschütze  auf  die  Stadt,  die 


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MM~1MS, 


163 


nicht  lange  Widerstand  leistete  und  mit  stürmender  Hand  genommen 
wurde.  Der  preussische  General  Zastro  musste  sich  mit  der  Be- 
satzung auf  Gnade  und  Ungnade  ergeben.  Ausser  3776  Gefangenen 
und  211  Kanonen  waren  grosse  Vorräthe  an  Kriegsbedarf  jeder  Art 
und  wohlgefttllte  Magazine  die  reiche  Beute  dieser  unsterblichen 
Waffenthat.  Der  Verlust  der  Oesterreicher  bestand  in  500  Todten 
und  1179  Verwundeten,  ein  Beweis,  wie  tapfer  sich  die  Besatzung 
vertheidigt  hatte. 

Die  Einnahme  von  Schweidnitz  war  der  wichtigste  Dienst,  den 
London  in  diesem  Zeitpunkte  der  österreichischen  Armee  leistete, 
die  nach  sechs  blutigen  Feldzügen  dadurch  zum  erstenmale  die 
Winterquartiere  in  Schlesien  beziehen  konnte. 

Loudon  erhielt  von  der  Kaiserin  ein  sehr  gnädiges  Hand- 
schreiben, grosse  Geschenke  und  zwei  Chatouillen  mit  Kostbarkeiten 
als  ein  Andenken  zur  Vertheilung  an  jene  Offiziere,  die  sich  am 
meisten  hervorgethan.  Zwei  Grosskreuze  und  mehr  als  20  Ritter- 
kreuze des  Maria  Theresien  -  Ordens  wurden  durch  das  Kapitel  an 
die  Generale,  Stabs-  und  Oberofliziere  vertheilt,  welche  sich  helden- 
müthig  ausgezeichnet  hatten;  die  Mannschaft  erhielt  einen  halb- 
jährigen Sold  und  die  versprochenen  100.000  Gulden. 

Der  König  hielt  die  Nachricht  für  ein  Märchen,  bis  er  sich 
von  der  Wahrheit  durch  die  Vereitelung  seiner  Absicht,  nach  Mähren 
einzudringen,  überzeugte. 

Das  Kriegsjahr  1761  hatte  somit  für  den  König  mit  einem 
schweren  Verlust  geendet.  Loudon  war  Herr  eines  grossen  Theiles 
von  Schlesien  geworden  und  hatte  die  Gebirge  inne,  welche  als 
vortreffliche  Stützpunkte  für  die  weiteren  Unternehmungen  dienten. 
Das  Regiment  hatte  in  Breitenhein  die  Winterquartiere  bezogen  und 
gab  täglich  einige  hundert  Mann  auf  Schanzarbeit. 

Mit  1.  November  wurden  beim  dritten  Bataillon  zwei  Kom- 
pagnien, dann  beim  Stabe  der  zweite  Obristwachtmeister  und  der 
zweite  Wachtmeister  -  Lieutenant  auf  Befehl  des  Hofkriegsratiis 
reduzirt. 

Am  4.  Dezember  wurde  das  Regiment  nach  Hausdorf  in  Schlesien 
verlegt;  das  dritte  Bataillon  marschirte  am  16.  nach  Wien,  wo  das- 
selbe am  24.  eintraf. 

Daun  stand  in  Sachsen  in  günstig  gelegenen  Winterquartieren ; 
die  Russen  hatten  Preussen,  Hinter- Tömmern  und  die  Neumarkt 

11* 


164 


besetzt.  Friedrichs  Heer  war  auf  60.000  Mann  geschmolzen 
und  es  fehlten  die  Mittel  zur  Ergänzung.  Auch  die  politischen  Ver- 
hältnisse standen  ungünstig.  England  stellte  die  Zahlung  der  Sub- 
sidiengelder  ein  und  der  Krieg  der  Türkei  gegen  Oesterreich  erwies 
sich  als  eitel.  Aber  ein  glücklicher  Zufall  rettete  den  König  aus 
seiner  höchst  bedenklichen  Lage. 

Am  5.  Jänner  1762  starb  die  Czarin  Elisabeth  von  Russ- 
land; ihr  Nachfolger  Peter  III.  schloss  am  16.  Februar  Waffen- 
stillstand, in  Folge  dessen  die  russischen  Truppen  alle  preussischen 
Besitzungen  räumten  und  am  5.  Mai  wurde  der  Friede  unterzeichnet. 
Auch  Schweden  sagte  sich  vom  Bunde  los  und  schloss  am  22.  Mai 
Frieden;  Friedrich  II.  konnte  also  seine  ganze  Streitmacht  den 
Truppen  der  Kaiserin,  sowie  der  Reichsarmee  entgegenstellen  und 
ernster  ward  die  Situation  ffir  Oesterreich  als  Peter  III.  mit 
Preussen  in  offenen  Bund  trat. 

Unter  ungleich  ungünstigeren  Verhältnissen  fflr  Oesterreich 
begann  also  der  siebente  Feldzug,  zu  dessen  Einleitung  Friedrich 
an  die  Eroberung  der  Festung  Schweidnitz  schritt.  Daun  übernahm 
am  12.  Mai  das  Oberkommando  in  Schlesien  und  dahin  war  ein 
grosser  Theil  der  k.  k.  Regimenter  marschirt;  das  Regiment  kam 
am  5.  Februar  nach  Silberberg  in  Schlesien,  blieb  hier  bis  anfangs 
Mai,  worauf  seine  Eintheilung  in  das  Korps  des  F.-M.-Lt.  Hadik, 
dann  später  in  jenes  des  F.-M.-Lt.  Brentano  erfolgte,  welches 
bei  Adelsdorf  Stellung  nahm. 

Laut  Eintheilungs-Liste  bestand  das  Offiziers-Korps  1762  aus: 
Obrist-Inhaber  Herzog  Karl  v.  Lothringen,  Hoch-  und  Teutschmeister. 
Obrist-  Regiments  -Kommandant  Johann  Christof  Freiherr  Meiohsner 
von  Alekhofen. 

Obristlientcnant  J Virus  Nikolaus  von  Mayer. 

1.  Obristwachtmeister  Ludwig  von  Grafforst. 

IL  „  Maximilian  Br.  H  a  u  t  z  e  n  b  e  r  g. 

Kaplan  Franz  S  o  h  w  a  b. 

Quartiermeistcr  Karl  D  u  b  i  o  1. 

Auditor  Franz  von  Liedelsheim  b. 

Ohirurgus  Norbert  Pauler 

Fähnriche  Johann  Mohr  von  Sonneg  und  Mohrberg,  Moria 
von  Staun,  Cölestin  v.  Mohr,  Franz  v.  Tachetzi,  Anton  v.  G rotten eg, 
Paul  de  C  a  n  d  i  a  n  i. 

1.  Wachtmeister-Lieutenant  Andreas  Zapletal. 

2.  „  David  Höf  fern. 
Wagenmeistci  Gottfried  H  o  r  n  i  k. 

Profoes  Michael  Schweitzer. 


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1756  17«8. 


165 


Kompagnie 

Hauptmann 

i 

L  i  c  u  t  e  ti  :i  :i  t 

Ober-  Unter- 

1. Grenadier- 

Paul  de  Montigtioni 

Wilhelm  Freiherr 
Truchses 

Martin  Kessler 

Franz  de  Bonne 

2.  Grenadier- 

Johann  Theodor 

Karl  Gärthner 

Leib- 

Kapitän- 
Konrad  Stinkel 

Josef  v.  Egen 

Josef  Gr.  Auersperg 

Obrist- 

Kapitän- 
Christian  d'Altropp 

Konstantin  Roth 

Johann  de  Brevost 

Obristlieutenant- 

Kapitän- 
Josef  de  Mohns 

Johann  Schmid 

«j  osei  \>  arnes 
v.  Maas 

Obristwachtm.- 

Kapitän- 
Franz  Br.  Wilsdorf 

Johann  Ottenthai 

Felix  de  Coretti 

Obristwachtm.- 

Peter  Mochne 

Friedrich  Stephan 

Michael  d'Orelli 

Quanne- 

Johann  Chevalier 
de  Quanne 

Melchior  Schüller 

Jakob  Böok 

Rosenberg- 

Wilh.  Br.  Rosenberg 

Wilh.  v.  Frakstein 

Georg  Br.  Le6twitz 

Spurlati- 

Han.  de  Spurlati 

Karl  v.  Hörle 

Herrn,  v.  Warnesius 

Truchsef- 

Wilhelm  Freiherr 
von  Truchses 

AuguBt  Br.  Kleist 

Peter  Gr.  Bernigotti 

Tbam- 

Friedrich  v.  Tham 

Karl  de  Gusio 

Anton  Birago 
d'Aspremont 

Stael- 

Clemens  Br.  Stael 

Ignaz  Kichl 

Karl  Stialek 

Herray- 

Johann  Hervay 

Franz  Wolff 

Karl  v.  Gehren 

3.  Bataillon  iu  Brunn. 

Cauipen- 
Leuthner- 

Friedrieh  v.  Campen    Johann  Schinid 

Johann  Neumaun 

Augustin  Leuthner 

Josef  Weiler 

Franz  Schmid 

Polastre- 
Pilgriin- 

Daniel  de  Polastie 

Josef  Ertel  v.  Seau 

Willibald  v.  Raadt 

Friedr.  v.  Pilgrim 

Wenzel  Huttisch 

Wilh.  Br.  Kerpen 

Polastre- 

Erasmus  de  Polastre 

Josef  Graf  Spretti 

Joachim  de  Zuchari 

Mochne 

Peter  Mochne 

Josef  Belenus 

Karl  Leuthner 

16G 


17««— 1763. 


Anfangs  Juni  verstärkte  1)  a  u  n  die  Garnison  in  Schweidnitz 
durch  Kommandirte ;  das  Regiment  stellte  hiezu :  Obristwachtmeister 
Baron  H  a  u  t  z  e  n  b  e  r  g,  Kapitänlieutenant  de  M  o  h  ri  s,  Oberlieutenant 
Hörle,  Lieutenant  Warnesius,  1  Feldwebel ,  1  Feldscher, 
1  Fourier,  8  Korporale,  2  Spielleute,  1  Zimmermann,  200  Gefreite 
und  Gemeine. 

Friedrich  II.  stand  bei  Breslau  und  als  sich  ihm  ein 
russisches  Hilfskorps  angeschlossen  hatte,  begann  er  die  Operationen, 
um  die  Oestencicher  von  Schweiduitz  zu  entfernen.  Er  brach  am 
1.  Juli  auf  und  wollte  Daun  umgehen;  dieser  aber,  hievon  recht- 
zeitig in  Kenntniss,  zog  sich  am  2.  Juli  nach  Kunzendorf  hinter 
Schweidnitz.  Friedrich  war  bis  Buuzelwitz  vorgerückt,  von  wo 
er  Anstalt  traf,  des  Feldmarschalls  linke  Flanke  zu  umgehen.  Diesmal 
blieb  die  Absicht  des  Königs  geheim ;  es  gelang  ihm  die  Umgehung 
und  er  traf  auf  den  mit  einem  kleinen  Korps  fast  im  Rücken  der 
Armee  postirten  F.  -  IL  -  Lt.  Brentano. 

Es  war  am  6.  Juni  früh  morgens,  als  26  feindliche  Bataillons 
und  50  Eskadrons  auf  der  Strasse  von  Hohenfriedberg  gegen  Reichenau, 
dann  durch  dieses  Dorf  und  den  Ravin  gegen  das  auf  den  Höhen 
postirte  Korps  Brentano  vorrückten.  Dieser  liess  aus  seinen  schweren 
Geschützen  sogleich  das  Feuer  eröffnen,  worauf  die  feindliche  Artillerie 
auf  den  gegenüber  liegenden  Höhen  auffuhr  und  ebenfalls  das  Feuer 
begann.  Dieser  Geschützkampf  wahrte  über  drei  Stunden  sehr  lebhaft, 
worauf  endlich  fünf  feindliche  Bataillons  durch  das  Dorf  Adelsbach 
zogen  und  den  Sturm  gegen  die  Höhen  begannen,  während  gleich- 
zeitig die  übrigen  feindlichen  Truppen  in  angemessener  Entfernung 
folgten.  Ungeachtet  des  heftigen  Feuers  der  gut  bedienten  kaiser- 
lichen Geschütze,  kamen  jene  fünf  Bataillons  durch  den  Wald  bis 
an  den  Berg,  wurden  aber  hier  von  der  kaiserlichen  Infauterie  mit 
einem  so  heftigen  Bataillefeuer  empfangen,  dass  sie  augenblicklich  zu 
wanken  anfingen  und  sofort  durch  zwei  Bataillons  Warasdiner  mit 
dem  Säbel  und  Bajonnet  über  den  Haufen  geworfen.  Hiebei  wurden 
4  Fahnen  erobert,  4  Offiziere  und  eine  beträchtliche  Anzahl  Mann- 
schaft gefangen  genommen,  auch  giugeu  über  GOO  Mann  über.  Der 
Wahlplatz  war  mit  Todten  und  Blessirten  besät;  der  Feind  zog  sich 
durch  Reichenau  zurück  und  nahm  Stellung  bei  Bauragarteu. 

Das  Regiment  hatte  nur  5  Todte  und  11  Blessirte;  der  Ge- 
sammtverlust  des  Korps  betrug  150  Mann. 


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175« -17«3. 


167 


Breutauo  nahm  am  7.  früh  mit  seinem  Korps  Stellung  bei 
Friedland,  wohin  der  Feind  Nachmittags  mit  22  Bataillons  und  35 
Eskadrons  folgte.  Da  diese  Stellung  durchaus  nicht  geeignet  war, 
den  Kampf  mit  einer  solchen  Uebermacht  aufzunehmen,  marschirte 
Brentano  ungesäumt  gegen  Dittersbach  ab,  um  Braunau  zu  decken. 
Die  feindliche  Reiterei  setzte  hitzig  nach,  aber  die  österreichische 
warf  sie  jedesmal  zurück  und  ersetzte  durch  Tapferkeit  ihre  Minder- 
zahl. Kurz  vor  Hausdorf  griff  die  feindliche  Reiterei  nochmals  an, 
wurde  aber  abermals  durch  das  Regiment  Leopold  -  Dragoner  nicht 
nur  abgewiesen,  sondern  auch  gänzlich  über  den  Haufen  geworfen. 
Nun  Hess  der  Feind  vom  Verfolgen  ab  und  das  Korps  besetzte  ohne 
Anstand  seine  neue  Stellung. 

Wegen  dieser  tapferen  Haltung  des  Korps  erliess  die  Kaiserin 
nachstehendes  Allerhöchstes  Handschreiben: 

»Lieber  Feldmarschall  -  Lieutenant  von  Brentano! 

«Der  Feldmarschall  von  Daun  hat  mir  die  von  Euch  bey  der 
.letztern  glücklichen  Aktion  bewiesene  Klugheit  und  Tapferkeit  be- 
sonders angerühmt;  dieses  günstige  Zeugniss  hat  mich  in  der  vor- 
teilhaften Meynung,  welche  ich  zwar  ohnedem  von  diesem  wichtigen 
.Vorfall  gehabt,  noch  mehr  bestärket,  habe  dahero  mich  entschlossen, 
»Euch  hierob  meine  vollkommene  Zufriedenheit  Selbsten  zu  bezeugen. 
.Nehmet  hieraus  eine  überzeugende  Probe  des  gnädigsten  Wohl- 
gefallens, mit  welchen  Euren  so  tapfern  als  klugen  Betragen,  wovon 
.Ihr  bey  dieser,  wie  bey  andern  Gelegenheiten,  öfftere  Merkmale 
, gegeben,  ansehe;  eben  so  zufrieden  bin  ich  auch  mit  der  Stand- 
.haftigkeit  der  Truppen,  welche  unter  Eurer  herzhaften  Anführung, 
,als  wackere  Leute,  unerschrocken  gefochten  haben,  und  trage  Euch 
.auf.  dass  Dir  denselben  Offiziers,  auch  Gemeinen,  mein  gnädigstes 
.Wohlgefallen  über  ihre  rühmliche  Aufführung  in  meinem  Nahmen, 
.zu  erkennen  gebet,  seyd  anbey  versichert,  dass  Euch  und  Euren 
.Truppen  mit  kaiserlich  -  königlichen  auch  landesfürstlichen  Huldeu 
,und  Gnaden  jederzeit  wohl  gewogen  verbleibe 

.Schoenbrunn,  den  14.  Juli  1703. 

.Maria  Theresia  m.  p.- 

Dieses  Allerhöchste  Handschreiben  wurde  dem  mit  präsentirtem 
Gewehr  aufgestellten  Regiment  vom  F. -M. -Lt.  Brentano  vor- 


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168 


175G  -1708. 


gelesen,  und  hierauf  mit  weithin  schallenden  enthusiastischen  Vivats 
beantwortet. 

Die  beispiellos  heldenmüthige  Haltung  dieses  kleinen  Korps, 
vereitelte  auch  diesmal  theilweise  die  Absicht  Friedrichs;  denn 
Daun  kam  mit  der  Armee  ungefährdet  in  das  Lager  zwischen  Ditt- 
mannsdorf und  Purkersdorf.  Das  Regiment  wurde  hier  in  das  Korps 
des  F.-M.-Lt.  Lacy  eingeteilt. 

Wahrend  sich  so  der  König  vergeblich  abmühte,  seinen  Gegner 
von  Schweidnitz  gänzlich  zu  trennen,  trugen  sich  einflussreiche  Dinge 
in  Russland  zu.  Eine  Revolution  zu  St.  Petersburg  warf  Peter  HL 
in  den  Kerker  und  hob  Katharina  II.  auf  den  Thron.  Als  diese 
Nachricht  nach  Wien  langte,  sendete  die  Kaiserin  den  Obristlieute- 
nant  v.  M  a  y  e  r  mit  derselben  an  den  General-Gouverneur  der  Nieder- 
lande und  Inhaber  des  Regiments,  Herzog  Karl  von  Lothringen. 

Katharina  II.  löste  sogleich  den  Bund  mitPreussen.  Misslich 
war  nun  wieder  Friedrich's  Lage,  denn  von  Russlands  Seite 
drohte  ihm  von  Neuem  der  Krieg.  In  diesem  kritischen  Augenblicke 
wusste  die  Klugheit  des  Königs,  die  schon  zum  Abmärsche  befeh- 
ligten Russen  noch  einmal  für  Preussens  Zwecke  zu  benützen,  indem 
sich  der  General  Czernitschef  bewegen  liess,  seinen  Abzug 
um  drei  Tage  zu  verschieben.  Im  österreichischen  Lager  kannte  man 
nicht  die  Aenderungen  in  der  russischen  Politik,  hielt  also  die  Russen 
noch  immer  für  Preussens  thätige  Alliirte  und  liess  sie  durch  zwei 
Korps  beobachten.  Friedrich  eroberte  die  von  Brentano  und 
0  *K  e  1 1  y  tapfer  vertheidigten  Pässe  von  Purkersdorf  und  Leutmanns- 
dorf,  worauf  Daun  im  Rücken  bedroht,  die  Festung  Schweidnitz 
ihrem  Schicksale  überliess  und  die  k.  k.  Armee  nach  Falkenberg 
und  Tannhausen  zurückführte. 

Friedrich  II.  schritt  nun  zur  Einschliessung  von  Schweidnitz. 
Am  15.  August  versuchte  Daun  die  Festung  zu  entsetzen  und 
rückte  an  diesem  Tage  bis  an  den  Fuss  der  hohen  Eule.  Den  IC. 
maischirte  die  Armee  gegen  den  Prinzen  Bevern,  welcher  mit  an- 
sehnlicher Macht  auf  dem  Spittelberge  nächst  Reichenberg  stand. 
Die  Grenadiere  des  Regiments  formirten  mit  jenen  von  Harr  ach 
und  Lacy  ein  Bataillon  unter  Kommando  des  Majors  Mittrovsky, 
und  befanden  sich  sammt  dem  Regiment  im  Corps  des  F.-M.-Lt. 
Lacy,  welches  sich  am  16.  in  der  Nacht  bei  Schönwalde  sammelte, 
seine  Zelte  aufschlug  und  dann  am  Tage  abkochte.  Um  3  Uhr  nach- 


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1756  17«3. 


10.9 


mittags  setzte  sich  die  Armee  in  v  ier  Kolonnen  zum  Angriff  in  Be- 
wegung. Die  zweite  unter  Lacy  marschirte  links  ab,  bildete  die 
Mitte,  rückte  nach  Ober-Peilau  und  begann  den  Kampf  mit  einer 
lebhaften  Kanonade.  Hier  kam  ihr  die  feindliche  Kavallerie  entgegen, 
welche  mit  der  österreichischen  handgemein  wurde,  welche  nach 
einem  langen  hartnäckigen  Kampfe  zurück  musste,  worauf  auch 
Lacy  nach  Peilau  zurückmarschirte  und  hier  Stellung  nahm.  Im 
Verlaufe  des  weiteren  Kampfes  konnte  Lacy  nicht  vorwärts  kommen, 
da  B  e  v  e  r  n  ansehnliche  Verstärkungen  erhielt  und  nur  dem  F.-M.-Lt. 
Beck  war  es  gelungen  mit  Erfolg  seine  Aufgabe  zu  lösen;  er  drang 
über  Peilau  hinaus  gegen  die  Kuppe  des  Fischberges.  Die  einge- 
brochene Nacht  endigte  den  Kampf,  in  welchem  das  Regiment  vom 
Feldwebel  abwärts  6  Todte  und  14  Verwundete  verloren  hatte. 

Daun  wollte  den  andern  Tag  den  Kampf  wieder  aufnehmen; 
da  sich  aber  die  Preussen  fortwährend  verstärkten  und  eine  nahezu 
unangreifbare  Stellung  inne  hatten,  zog  Daun  die  Armee  in  die 
Grafschaft  Glatz  zurück,  lagerte  am  19.  bei  Schlägel  und  am  20. 
zwischen  Ober-Neine  und  dem  Heuschauer-Gebirge.  General  Bren- 
tano marschirte  nach  Dittersbach  und  dort  lagerte  das  Regiment, 
welches  wieder  seine  Eintheilung  in  diesem  Korps  erhielt,  neben 
dem  Regiment  Haller  Nr.  31. 

Jetzt  konnte  Friedrich  II.  zur  Belagerung  von  Schweidnitz 
schreiten.  Es  war  die  letzte  Waffenthat  des  siebenjährigen  Krieges, 
ein  Kampf,  in  welchem  sowohl  die  kaiserliche  Besatzung  unter 
F.-M.-Lt.  Franz  Graf  Quasco,  wie  die  Belagerer  unter  General- 
Lieutenant  T  a  u  e  n  z  i  e  n  alles  aufboten,  was  sich  an  Muth,  Ent- 
schlossenheit und  Ausdauer  von  den  besten  Truppen  erwarten  Hess. 
Das  Tagebuch  bildet  eine  ununterbrochene  Schilderung  rühmlicher 
Thaten.  In  der  Nacht  vom  7.  auf  den  8.  August  wurden  die  Lauf- 
gräben eröffnet,  und  bei  dem  in  derselben  Nacht  unternommenen 
Ausfalle  that  sich  Major  Baron  Hautzenberg,  welcher  während 
der  Verth eidigung  ein  zusammengesetztes  Bataillon  kommandirte, 
rühmlich  hervor.  Die  Arbeiten  der  Gegner  wurden  durch  tüchtige 
Gegenwehr  und  häufige  kflhne  Ausfälle,  deren  auch  das  Detachement 
des  Regiments  öfter  beiwohnte,  gestört.  Der  König  hielt  den  Fall 
des  Platzes  in  10  bis  12  Tagen  für  sicher;  später,  am  26.  September, 
schrieb  er  schon:  „Ich  habe  zu  schnell  das  Ende  der  Belagerung 
»auf  den  12.  angegeben.  Wir  müssen  sechs  Wochen  verwenden,  um 


170  1756-1768. 

„  einen  Platz  wieder  zu  nehmen,  welchen  wir  in  zwei  Stunden  ver- 
loren haben."  Aber  aus  sechs  Wochen  wurden  acht,  und  noch  hielt 
sich  Qua sco  in  Schweidnitz.  In  der  grössten  Ausdehnung  wurde 
der  Minenkrieg  geführt.  Die  Belagerer  wendeten  alles  an,  durch 
Minen  oder  Sturm  die  Festung  zu  erobern,  aber  die  Belagerten 
vereitelten  durch  Gegenminen  jede  ihrer  Bemühungen  und  zerstörten 
oft  durch  Ausfalle  die  schwierigsten  und  langwierigsten  Arbeiten  der 
Feinde.  Auch  die  hier  zum  ersten  Male  in  Anwendung  gebrachten 
Druckkugeln  machten  nicht  die  gehoffte  Wirkung.  Am  23.  September 
übernahm  der  König  selbst  die  Leitung  der  Belagerung.  Am 
8.  October  schlug  eine  Granate  in  ein  grosses  Pulvermagazin  des 
Jauernicker  Forts,  welches  mit  200  Mann  der  Besatzung  in  die 
Luft  flog,  wodurch  der  Graben  verschüttet  und  der  Zugang  offen 
gelegt  wurde.  Zwar  schlugen  die  Kaiserlichen  trotz  dieses  Unfalls 
den  von  den  Preussen  in  der  folgenden  Nacht  gegen  diese  Bresche 
versuchten  Sturm  zweimal  zurück;  da  aber  die  verwüstete  Stelle 
nicht  mehr  sturmfrei  herzustellen  war,  die  Besatzung  sich  durch 
64  Tage  mit  unvergleichlichem  Heldenmuthe  in  einem  Platze,  der 
eigentlich  gegen  eine  regelmässige  Belagerung  gar  nicht  widerstands- 
fähig war,  gehalten  hatte,  auch  die  Munition  mangelte,  so  entschloss 
sich  Quasco  zur  Uebergabe.  Am  11.  Oktober  marschirte  die  Be- 
satzung, 218  Offiziere  und  8094  Mann ,  mit  allen  kriegerischen 
Ehren,  mit  fliegenden  Fahnen  und  klingendem  Spiele  aus  der  Festung, 
legte  die  Gewehre  ab  und  wurde  kriegsgefangen.  Die  Offiziere  be- 
hielten ihre  Degen,  die  Unteroffiziere  die  Seitengewehre.  Vom  Regi- 
ment :  Obristwachtmeister  von  Hautzenbcrg,  Hauptmann  de 
Mohris,  Oberlieutenant  von  Hörle  (verwundet),  Lieutenant  von 
W'arnesius;  von  der  Mannschaft  waren  19  geblieben,  7  gestorben, 
42  verwundet. 

In  dem  Tagebuche,  welches  F.  -  M.  -  Lt.  Q  u  a  s  c  o  an  den 
Hofkriegsrath  gesendet,  heisst  es  zum  Schlüsse : 

„Es  ist  überflüssig,  den  Eifer,  die  Standhaftigkeit  und  Tapfer- 
keit der  gesammten  Offiziers,  den  guten  Willen,  die  Geduld  und 
„das  Verhalten  der  Besatzung  es  seyen  Grenadiers  oder  Füsiliers, 
„allhier  mit  Lobsprüchen  zu  erheben.'  Alle  haben  gleiche  Mühselig- 
keiten ausgestanden  und  sind  der  Gefahr  mit  so  freudigem  Ge- 
„müthe  entgegen  gegangen,  dass  man  wenig  dergleichen  Beispiele 
„hat.  Bei  allen  Gefahren  und  Beschwerlichkeiten  waren  diese  braven 


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1756-17(43. 


171 


»Leute  munter  und  fröhlich.  Von  dieser  Gesinnung  der  Soldaten, 
„und  dem  Eifer,  seine  Schuldigkeit  zu  thun,  konnte  man  allein  einen 
„solchen  Widerstand  erwarten." 

Nun  folgen  alle  jene  Offiziere,  welche  sich  hervorragend  aus- 
gezeichnet haben,  unter  welchen  Obristwachtmeister  v.  H  a  u  t  z  e  n- 
b  e  r  g  mit  dem  Beisatze  genannt  ist,  dass  er  als  Kommandant 
eines  Forts,  ß  viele  schöne  Proben  seines  Fleisscs  und  Uncrschrocken- 
heit  abgelegt  habe." 

In  Folge  dieser  tapferen  Vertheidigung  erhielt  F.-Z.-M.  Graf 
Quasco  und  2  Feldmarschall-Lieutenants,  das  Grosskreuz,  2  Obriste, 
2  Obristlieutenants,  2  Majors,  8  Hauptleute,  3  Grenadier-Hauptleute 
und  1  Lieutenant  das  Kitterkreuz  des  Maria -Theresien- Ordens.  Die 
Kaiserin  bewilligte  den  Offizieren  vom  Obristlieutenant  bis  ein- 
schliesslich zum  Hauptmann  einen  sechsmonatlichen,  den  Ober-, 
Unterlieuteuanten  und  Fähnrichen  einen  einjährigen  Gehalt,  der 
Mannschaft  einen  einmonatlichen  Sold. 

Als  Quasco  kriegsgefangen  noch  Königsberg  gebracht  wurde 
und  an  der  Spitze  seiner  Offiziere  Friedrich  U.  begrüsste,  sagte 
dieser:  .Mein  Herr,  Sie  haben  Allen,  die  Plätze  zu  vertheidigen 
haben,  ein  schönes  Beispiel  gegeben,  aber  Ihr  Widerstand  hat  mich 
8000  Mann  gekostet." 

Der  Fall  dieser  Festung  beendete  den  Feldzug  in  Schlesien.  Am 
24.  November  wurden  Waffenstillstands-Verträge  für  Schlesien  und 
Sachsen  abgeschlossen  und  die  Armeen  bezogen  die  Winterquartiere. 

Das  Kegiment  war  am  20.  Oktober  mit  dem  Korps  F.-M.-Lt. 
Brentano,  welches  seit  dessen  Erkrankung  der  Herzog  Albert  von 
Sachsen  - T eschen  kommandirte ,  nach  Sachsen  aufgebrochen, 
traf  am  2.  Dezember  bei  Dresden  ein,  erhielt  hier  die  Eintheilung 
in  das  Korps  des  F.-M.-Lt.  Hadik,  marschirte  dann  nach  Podevitz, 
wo  es  täglich  vor  Anbruch  des  Tages  die  Schanzen  besetzen  musste ; 
bis  es  eudlich  in  Dölnitz  und  den  umliegenden  Ortschaften  die 
Winterquartiere  bezog. 

Am  31.  Dezember  1702  eröffneten  die  Diplomaten  von  Oester- 
reich, Preussen  im  Schlosse  Hubertsburg  bei  Leipzig  die  Friedens- 
unterhandlungen ;  kurz  nur  währten  die  Debatten,  denn  alle  Parteien 
sehnten  sich  nach  Ruhe.  Am  15.  Februar  17(33  wurde  der  Friede 
geschlossen,  kein  Thcil  hatte  gewonnen,  die  Karte  Europas  blieb 
unverändert. 


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172 


1756- 1763. 


Da  nach  dem  Friedenssehl  uss  die  k.  k.  Truppen  Sachsen  ver- 
lassen mussten,  brachen  die  beiden  Feld  -  Bataillons  am  5.  März 
1763  auf  und  trafen  am  14.  in  Ellbogen  ein,  wo  sie  hier  und  in 
den  umliegenden  Ortschaften  bequartirt  wurden.  Das  Regiments- 
Depositorium  unter  Hauptmann  Stael,  bisher  in  Leutomischel, 
rückte  nach  Eger. 

F. -Z.-M.  Graf  Lacy  wurde  von  Ihrer  Majestät  mit  der 
Musterung  der  Truppen  betraut.  Derselbe  erliess  eine  Regiments- 
Norma,  laut  deren  zwölftem  Punkte  jedes  Regiment  im  Frieden  aus 
4  Bataillons  mit  je  4  Kompagnien,  ä  113  Mann,  dann  2  Grenadier- 
Kompagnien,  ä  114  Mann,  bestehen  sollte.  Die  Proviantwägen  wurden 
abgeführt,  der  Büchsenmacher,  Wagenmeister  und  Hegimentsschmied 
entlassen ;  auch  wurde  439  Kapitulanten,  welche  kein  frisches  Hand- 
geld nahmen,  und  211  Mann  als  Invalide  in  ihre  Heimat  gesendet, 
worauf  am  1.  April  das  Regiment  die  Revision  passirte. 

Der  aus  Preussen  oder  Sachsen  gebürtigen  Mannschaft  wurde 
freigestellt  in  ihre  Heimat  zurückzukehren  oder  im  Regimente  zu 
bleiben.  Anfangs  April  erhielt  das  Regiment  aus  Nieder-Oesterreich, 
Böhmen,  Mähren  und  Steiermark  655  Rekruten,  wodurch  der  Abgang 
vollkommen  gedeckt  war. 

Am  5.  Mai  1763  brach  der  Stab  und  die  Feld-Bataillons  von 
Ellbogen  auf,  marschirten  durch  das  Beireut- Vogt -Bamberg-  und 
Würzburgische  bis  Lohr  in  Fussmärschen;  hier  wurden  dieselben 
einbarquirt  und  auf  dem  Main  und  Rhein  bis  unweit  Köln  geführt, 
dann  am  30.  Mai  in  Fussmärschen  Über  Aachen  nach  Brüssel  rückten, 
wo  dieselben  am  16.  Juni  eintrafen  und  vom  Regiments  -  Inhaber, 
Herzog  Karl  von  Lothringen,  besichtigt  und  sehr  belobt  wurden. 
Hierauf  marschirte  das  Regiment  in  die  ihm  angewiesene  Garnison 
nach  Möns  im  Hennegau,  welche  dasselbe  am  19.  Juni  erreichte. 

Das  in  der  Wiener  Garnison  gestandene  dritte  Bataillon  ist 
am  16.  Mai,  nachdem  jeder  Offizier  von  Ihrer  Majestät  der  Kaiserin 
eine  monatliche  Gage,  jeder  Mann  eine  einmonatliche  Löhnung  als 
Geschenk  erhalten  hatten,  aufgebrochen,  marschirte  nach  Eger  in 
Böhmen,  dann  durch  die  deutschen  Lande  nach  Schweinfurt,  wo  es 
den  27.  Juni  einbarquirt  und  auf  dem  Main  und  Rhein  bis  Gründ- 
lingshausen bei  Düsseldorf  fuhr,  rückte  hierauf  in  Fussmärschen 
über  Rohrmund  und  Brüssel  nach  Möns,  wo  es  am  21.  Juli  nach 
langjähriger  Trennung  beim  Regiment  eintraf. 


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|7M-  17«3. 


173 


Während  dieser  Zeit  erhielt  das  Regiment  vom  Hofkriegsrath 
mit  8.  Juni  den  Befehl,  2  Fahnen-Kadeten  mit  Offiziersrang,  welche 
beim  Wachtmeister  -  Lieutenant  zum  Dienste  zu  verwenden  sind, 
dann  6  kaiserliche  ordinari  Kadeten,  im  Stande  zu  führen,  welch' 
letztere  bei  den  Kompagnien  unter  dem  Gewehr  nach  ihren  Fähig- 
keiten als  Gemeine  oder  Unteroffiziere  zu  verwenden  sind.  Die  ersten 
Kadeten  im  Regiment  waren  Fahnen-Kadet  Franz  Birago  d'Aspre- 
mont;  ordinari  Josef  L  i  n  z,  Josef  Kell  er,  Franz  Fi  edlen,  Ernst 
Urbany,  Ferdinand  von  Glomm  er,  Gotthard  Baron  Pilati, 
Vincenz  Pischotti  de  Kosta. 

Am  7.  Juli  wurden  drei  Offiziere  auf  Werbung  in  das  deutsche 
Reich  gesendet.  'Hauptmann  Mochne  kam  in  die  Hauptstation 
Köln,  Oberlieutenant  Baron  Kleist  nach  Ncisse  bei  Dflsseidorf  und 
Oberlieutenant  Roth  nach  Aachen. 

Auf  Befehl  des  Hofkriegsraths  vom  8.  September  wurden  die 
Fähnrichs  vom  Stabe  wieder  bei  den  Kompagnien  eingetheilt;  auch 
wurde  befohlen,  dass  die  Regiments-,  Bataillons-  und  subalternen 
Chirurgen  nicht  mehr  die  Regiments-Uniform,  sondern  mohrengraue 
Rocke  mit  schwarzen  Aufschlägen  und  rothom  Unterfutter,  dann 
rothe  Westen  und  Hosen,  auch  gelb  bordirte  Hute  mit  dem  Unter- 
schiede tragen  sollen,  dass  die  Rock-  und  Kamisol  -  Knöpflöcher 
bei  den  Regiments-  und  Bataillons  -  Chirurgen  mit  einer  schmalen 
goldenen  Bollete  ausgenäht,  die  Weste  des  Regiments  -  Chirurgus 
mit  einer  schmalen  Goldborte  bordirt,  die  Unter  -  Feldscherer  aber, 
ausser  dem  Hut,  ganz  glatt  zu  tragen  haben. 

Am  17.  Oktober  röckte  das  Regiment  auf  dem  Johannesplatz 
zu  Möns  in  grösster  Parade  aus  und  wurde  hier  von  seinem  Inhaber, 
Herzog  Karl  von  Lothringen,  und  höchst  dessen  erlauchter 
Schwester,  Anna  Charlotte  von  Lothringen,  welche  sich  mit  den 
Stiftsdamen  eingefunden  hatte,  besichtigt.  Nach  der  Besichtigung 
fand  die  Defilirung  statt,  und  das  Regiment  erwarb  sich  einen 
.solchen  gnädigsten  Beyfall  als  jemals  ein  Regiment  sich  dessen 
.flattiren  kann.*    (Brüsseler  Zeitung.) 


174  1764-1777, 


1764 -1727. 

Am  1.  Jänner  1864  errichtete  die  Kaiserin  die  adelige  Arcieren- 
Leibgarde:  vom  Kegiment  wurde  der  Lieutenant  Franz  Josef  Graf 
Auers p er g,  welcher  alle  Schlachten  und  Gefechte  des  sieben- 
jährigen Krieges  im  Regimente  mitgemacht  hatte,  als  Obcrlieutenant 
eingetheilt;  auch  stiftete  Ihre  Majestät  am  5.  Mai  17G4  den  zunächst 
für  Civil- Verdienste  bestimmten  St.  Stefans-Orden. 

Am  27.  März  1764  erfolgte  die  Wahl  des  Erzherzogs  Josef 
zum  römischen  König,  und  am  3.  April  dessen  Krönung,  welche 
das  Regiment  durch  eine  Kirchenparade  feierte. 

Gelegentlich  der  Anwesenheit  des  Obrist  -  Inhabers  zu  Möns, 
produzirte  sich  das  Regiment  am  31.  August  vor  den  Festungs- 
thoren  in  einem  Revue  -  Manöver  im  Feuer  und  erhielt  trotz  der 
vielen  Rekruten,  welche  noch  nicht  vollkommen  abgerichtet  waren, 
die  höchste  Zufriedenheit. 

Das  Regiment  erhielt  zu  seinen  Werbstationen  im  deutschen 
Reiche  noch  drei  im  fränkischen  Kreise  zu  Mergentheim,  Neckarsulm 
und  Elbingen,  und  sendete  am  13.  September  den  deutschen  Ordens-' 
ritter  Hauptmann  Baron  Truchses,  Oberlieutenant  Roth  und 
Schüller  in  diese  Stationen;  Hauptmann  de  Montignoui  über- 
brachte um  diese  Zeit  165  böhmische  landständische  Rekruten. 

Mit  Ablauf  dieses  Jahres  langte  der  Allerhöchste  Beschluss 
herab,  dass  in  Hinkunft  die  Regimenter  wieder  zu  drei  Bataillone, 
und  zwar  die  beiden  ersten  zu  sechs,  das  dritte  zu  vier  Kompagnien 
formirt  werden  sollen.  Demgemäss  wurde  am  15.  April  1765  das 
Obristüeutenants-Bataillon  in  das  Leib-  und  Obrist-Bataillon  einge- 
theilt, auch  die  mit  Rescript  des  Hofkriegsrath  es  noch  im  Jahre  1757 
anbefohlene  Adjustirungs- Vorschrift  im  Regiment  durchgeführt. 

Am  18.  August  1765  starb  zu  Innsbruck  Kaiser  Franz  I., 
Gemal  der  Kaiserin  Maria  Theresia.  Die  Armee  erhielt  den 
Befehl,  ein  ganzes  Jahr  die  grosse  Trauer  zu  tragen,  nämlich  beim 
Regiment  vom  Obristen  bis  inclusive  Fahnenkadeten  bei  jedem  öffent- 
lichen Erscheinen  mit  dem  grossen  Flor  von  der  rechten  Schulter 
zur  linken  Seite  statt  der  Feldbinde,  dann  mit  dem  Flor  an  dem 


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17  t 


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17' 


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1776. 


Schill    .  Druck  Oti  k.k  HUli1  y:zi  ■-•  .'lilltUiU 

Offizier  und  Musketier  von 
Hoch-und  Deutschmeister. 


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1764-1777. 


175 


Hut,  Degen  und  Stock,  auch  ausser  Dienst  mit  schwarzen  Strümpfen 
und  schwarz  angelaufenen  Schuhschnallen. 

Mit  Allerhöchstem  Handschreiben  vom  23.  September  1765  er- 
nannte die  Kaiserin  ihren  erstgeborenen  Sohn,  Josef,  Allerhöchst- 
weicher  nach  dem  Ableben  Franz  I.  als  Kaiser  Josef  II.  mit 
dein  Wahlspruche  .Virtute  et  exemplo*  den  deutschen  Thron  be- 
stiegen hatte,  zum  Mitregenten  in  den  österreichischen  Staaten, 
Grossmeister  aller  Ritterorden  und  zum  Chef  des  ganzen  Kriegswesen. 

Kaiser  Josef  II.,  dessen  vorzüglichstes  Augenmerk  auf  die 
Armee  gerichtet  war,  suchte  den  Maria  Theresien  -  Orden  dadurch 
zu  verherrlichen,  dass  er  den  Qrosskreuzen  zu  den  bisherigen  Ordens- 
zeichen einen  gestickten  Stern,  der  auf  der  linken  Brust  zu  tragen 
war,  beilegte,  und  nach  dem  Beispiele  anderer  Orden  eine  Mittel- 
Klasse  zwischen  dem  Gross-  und  Ritterkreuze,  jene  der  Comman- 
deure  einführte. 

Die  Oommandeure  sollten  dasselbe  Ordenszeichen  wie  die 
Grosskreuze,  jedoch  um  den  Hals,  letztere  aber  mit  dem  Ordens- 
sterne von  der  rechten  Schulter  zur  linken  Seite  tragen. 

In  Folge  dieser  neuen  Verfassung  des  Ordens  wurde  der 
15.  Oktober  1765,  das  Namensfest  der  erlauchten  Stifterin  und  das 
Titularfest  des  Ordens  selbst,  zur  Aufnahmsfeierlichkeit  der  Comman- 
deure  bestimmt  und  durch  den  Grossmeister  neun  Ritter  zur  Com- 
mandeurs-Würde  erhoben. 

In  diesem  Jahre  erhielt  die  Armee  das  vom  F.-M.  Lacy  ver- 
fasste  Dienst-  und  Exercier  -  Reglement  (dauerte  bis  1807).  Die 
Bataillone  hiesseu :  Leib-,  Obristens-  und  Obristlieutenants-Bataillon. 
Die  Kompagnien  sollten  ihre  Eintheilung  bleibend  beibehalten,  damit 
sich  selbe  «recht  aneinander  gewöhnen."  Die  schon  seit  1757  übliche 
Raugirung  in  drei  Gliedern  wurde  zur  Norm  erhoben,  und  fest- 
gesetzt, dass  die  Mannschaft  Ellbogen  an  Ellbogen  geschlossen  zu 
sein  und  die  Glieder  -  Distanz  zwei  Schuh  zu  betragen  habe.  Jede 
Kompagnie  bestand  nun  aus  zwei  halben  Kompagnien  oder  vier 
Zügen.  Zwei  nebeneinander  stehende  Kompagnien  wurden  Division 
genannt  und  es  theilte  sich  das  Leib-Bataillon  in  die  Leib-,  mittlere 
und  erste  Majors  -  Division,  das  Obristens  -  Bataillon  in  die  zweite 
Majors-,  mittlere  und  Obristen- Division,  das  Obristlieutenants-Ba- 
taillon, in  die  Obristlieutenants-  und  zweite  Division.  Bei  Paraden 
standen  der  Obrist  und  Obristlieutenant,  wenn  sie  kein  Bataillon 


170 


1764—1777, 


kommandirten,  zu  Fuss  an  den  Flügeln  des  Regiments,  die  Bataillons- 
Kommandanten  immer  zu  Pferd  vor  der  Mitte  ihrer  Bataillone.  Alle 
Offiziere,  Fahnen  und  Spielleute  hatten  en  parade  die  Aufstellung 
vor,  die  Zimmerleutc  hinter  der  Front.  Zwischen  den  zwei  zu  einem 
Bataillon  gehörigen,  von  den  Führern  getragenen  Fahnen,  stand  ein 
Fahnenkadet  mit  gezogenem  Säbel.  Bei  der  Aufstellung  en  Ordre 
de  l>ataille  war  auch  der  Obrist  und  Obristlieutenant  zu  Pferd;  die 
Offiziere  standen  theils  in,  theils  hinter  der  Front,  die  Fahnen  und 
Spielleute  hinter  der  Front.  Die  Bajonnete  mussten  stets  gepflanzt 
sein,  die  Stabs-  und  Ober-Offiziers  -  Partisanen  und  Gewehre  kamen 
ab;  alle  Offiziere  zogen  nun  das  Seitengewehr.  .Gedachtes  Seiten- 
»gewehr",  sagt  das  Reglement,  „hat  in  einem  vergoldet  messingenem 
„GelViss.  mit  einem  derlei  gedrehten  Gewiekel,  nebst  einer  einem 
.Soldaten  anständigen  Klinge  zu  bestehen,  und  werden  in  Zukunft 
»die  bishero  ziemlich  in  Schwung  gewesenen  Modeklingen  keines- 
wegs mehr  gestattet  werden.  Da  sich  die  Offiziere  ihrer  Seiten- 
gewehre bedienen  sollen,  so  versteht  sich  von  selbsten,  dass  sie 
»bei  Ziehung  derenselben  jederzeit  Handschuhe  anhaben  mflssen, 
»nur  will  nöthig  sein  beizurfleken,  dass  solche  ebenfalls  egal  von 
»gelbem  Leder  mit  kleinen  Stulpen  sein  müssen,  üebrigens  gedenket 
»man  zur  besseren  Bewehrung  der  Offiziere,  ihnen  vor  dem  Feinde 
»eine  Pistole  an  der  Kuppel  tragen  zu  lassen." 

Sämratliche  Stabs-  und  Ober  -  Offiziere,  so  auch  der  Auditor, 
Rechnungsführer,  Regimentsadjutant,  Regiments-  und  Bataillons- 
Chirurgus,  Wagenmeister  und  Profoss,  ferner  die  Feldwebel,  Führer 
und  Regiments  -  Tambour  trugen  spanische  Röhre,  die  Korporale 
Stöcke  von  Haselholz. 

Das  Dienst  -  Reglement  war  in  das  Kompagnie-  und  Regiments- 
Reglement  getheilt.  Ersteres  umfasste  in  gesonderten  Kapiteln  die 
Verhaltungen  für  die  Chargen  einer  Kompagnie  vom  Gemeinen  bis 
zum  Hauptmann.  Der  Gefreite  fahrte  die  Schildwachen  auf  und 
führte  die  Patrouillen.  Der  Korporal  stand  einem  Zuge  oder  einer 
Korporalschaft  vor.  Der  Feldwebel  rangirte  die  Kompagnie,  kom- 
mandirte  den  Dienst,  holte  die  Befehle  ab,  überbrachte  sie  den 
Offizieren  und  publizirte  sie  der  Kompagnie.  Dem  Fähnrich  war 
besonders  die  Obsorge  für  die  Kranken  empfohlen  und  in  den  Vor- 
schriften für  den  Unterlieutenant  speziell  das  Benehmen  als  Ordonanz- 
Offizier  vorgezeichnet.   Kein  Unteroffizier  oder  Subaltern  -  Offizier 


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17G4-1777 


177 


durfte  einen  Mann  mit  Stockstreichen  belegen,  dieses  war  nur  mehr 
dem  Kompagnie  -  Kommando  gestattet. 

Das  Regiments  -  Reglement  enthielt  die  Vorschriften  Ober  Stand 
und  Verpflegung,  welche  umstehendes  Tableau  zeigt. 

Weiters  enthielt  das  Regiments -Reglement  49  Kriegsartikeln, 
den  Eid,  dann  die  Verhaltungs-Vorschriften  för  die  unter  der  Rubrik 
.Stabe*  erscheinenden  Chargen.  Der  Profoss  sollte  ein  nüchterner 
Mann  sein,  dem  nicht  nur  die  Aufsicht  Ober  die  Arrestanten,  sondern 
auch  die  Polizei  über  das  Marketenderwesen,  Über  die  Reinlichkeit 
der  Lokalien  und  Sittlichkeit  im  Allgemeinen  anvertraut  war.  Die 
Fouriere  waren  bei  jeder  Division  Einer  zur  Versehung  der  Kom- 
pagnie-Manipulation bestimmt.  Der  Unterfeldscher  sollte  ein  „in 
.der  Chirurgie,  wie  auch  in  iunerlichen  Krankheiten  erfahrenes 
„Subjektum  sein.*  Der  Regiments  -  Adjutant  war  noch  immer  nicht 
Offizier,  .er  sollte  gegen  die  Hauptleute  und  Subaltern  -  Offiziere 
.jederzeit  den  gebührenden  Respekt  beobachten,  unter  ihnen  den 
.Huth  nicht  aufsetzen  und  keinen  Kameraden  machen,"  doch  mussten 
die  Schildwachen  vor  ihm  präsentiren.  Die  Fahnenkadeten  waren 
als  die  jüngsten  Fähnriche  anzusehen.  Der  Auditor  führte  nebst  den 
juridischen  Geschäften  alle  Korrespondenzen  und  ein  Protokoll  über 
die  Erlebnisse  des  Regiments. 

Abgestellt  wurde:  die  spanische  Reverenz  (Kniebeugen  beim 
Salutiren)  und  die  Abdankung;  das  Trommeln  und  Musiziren  bei  Be- 
förderungen, desgleichen  das  Aufrichten  von  Maibäumen.  Beim  Ehr- 
lichmachen sollte  der  Arrestant  in  das  Quarrte  gehen,  statt  wie  bisher 
hineinkriechen,  auch  musste  die  Kompagnie  vor  dem  Akte  um  ihre 
Einwilligung  befragt  werden,  und  wenn  sie  nicht  einwilligte,  war  ihr 
,ein  derley  Mensch  nicht  zum  Kameraden  aufzudringen."  Die  Chi- 
rurgen, Unterfeldschere  und  Fourierschützen  legten  die  Gewehre  ab. 

Die  Heirats  -  Kautionen  wurden  normirt:  fOr  den  Obristen 
12.000  fl.,  Obristlieutenant  9000  fl.,  Major  8000  fl.,  Hauptmann 
6000  fl.,  Kapitäulieutenant  4000  fl.,  Ober-,  Unterlieutenant  und 
Fähnrich  2000  fl.,  Regiments-Adjutant,  Regiments-  und  Bataillons- 
Chirurgus  1500  fl.  Bei  der  Mannschaft  wurde  eine  gewisse  Anzahl 
Verheirateter  systemisirt  und  das  gebräuchliche  Geschenk  eines 
Silberlöffels  für  den  Hauptmann  kam  ab. 

Die  Adjustirung  der  Infanterie  erhielt  mit  Reskript  vom 
23.  Mai  1767  eine  genaue  Norm;  der  Hut  wurde  abgeschafft  und 

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180 


1704-1777. 


statt  ihm  das  Casquet  eingeführt,  welches  von  schwarzem  Leder, 
ohne  Sonnenschirm,  der  vordere  Theil  nach  ohen  rund  zugeschnitten, 
einen  messingenen  Schild  mit  dem  Allerhöchsten  Namenszug  trug; 
dieser  Theil  war  für  den  Geraeinen  mit  einem  weiss  -  wollenen,  für 
den  Unteroffizier  mit  schmalen  silbernen,  für  den  Oberoffizier  mit 
goldenen  Tressen  eingefasst.  An  der  linken  Seite  steckte  eine  schwarz- 
gelbe  wollene  Rose  und  oberhalb  derselben  ein  derlei  gelber  Stutz. 
Der  weisse  Rock  hatte  nun  mit  seinen  aufgeschlagenen  Schössen 
bis  an  die  Fingerspitzen  zu  reichen  und  war  mit  einer  Reihe  von 
10  Knöpfen  geschlossen;  der  schmale  umgelegte  Kragen,  die  breiten 
Aufschläge,  sowie  das  Unterfutter  der  nach  vorne  aufgeschlagenen 
Rockschösse  waren  beim  Regiraente  von  blauer  Farbe.  Der  gelb- 
montirte  Säbel  war  nun  kurz  und  auf  der  Klinge  stand  „Vivat 
Maria  Theresia* ;  derselbe  hing  in  einer  breiten,  vorne  mit  einer 
Schnalle  geschlossenen,  um  die  Mitte  des  Leibes  getragenen  Kuppel ; 
die  Patrontasche  und  der  Tornister  hingen  im  Kreuze  Ober  die 
Schultern ,  der  Gewchrriemen  war  locker.  Jedes  Regiment  musste 
einen  Mann  nach  Wien  senden,  welcher  hier  die  neue  Adjustirung 
erhielt,  die  dann  im  Regimcnte  genau  darnacli  anzufertigen  war. 
Die  Infanterie  tmg  Epauletten,  denn  in  dem  hofkriegsräthlichen 
Original  -  Reskript  vom  3.  Jänner  1765  heisst  es:  „Da  der  Aller- 
höchsten Willensmeinung  gemäss  von  denen  Regimentern  die  so- 
genannte Epaulettes  oder  Achselschlingen  durchaus  geführt  werden 
„sollen,  so  seyendt  aus  der  neuen  Montirung  untereinstens  die  Muster 
„von  diesen  Epaulettes  beygelegt  worden,  vermög  welcher  nicht 
„allein  die  Verschiedenheit  deren  Charakter  von  Obristen  an  bis  in- 
klusive den  Fahnenkadeten,  sondern  beynebst  vom  Feldwebel  bis 
„inclusive  Gefreiten  durch  alle  Grade  ganz  kennbar  gleich  in  die 
„Augen  fallen."  Diese  Epauletten  dürften  sich  in  der  Armee  nur 
bis  zum  Jahre  1779  erhalten  haben. 

Den  Spielleuten  konnten  die  Röcke  nach  dem  Gutdünken  der 
Regimenter  mit  Borden  oder  Tressen  verziert  werden. 

Im  Jahre  1766  wurden  bezüglich  des  Verkaufes  der  Offiziers- 
Chargen  eigene  Modalitäten  festgesetzt,  um  den  dabei  stattgefundenen 
Missbräuchen  zu  steuern  (für  eine  Stabsoffiziers  -  Charge  wurden 
20.000  Gulden,  für  eine  Hauptmanns-Charge  6000  Gulden  bezahlt) ; 
auch  erschien  die  Verordnung,  dass  bei  Besetzung  der  k.  k.  Kadeten 
nur  Offiziers-Söhne  angestellt  werden  dürfen  und  mittelst  Reskriptes 


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17G4— 1777. 


181 


vom  1.  April  wurde  ungeordnet,  dass  die  in  Erledigung  kommenden 
Fähnrichsstellen  folgcndermassen  zu  besetzen  seien ;  die  erste  durch 
einen  Fahnenkadeten,  die  zweite  nach  Willkür  des  Inhabers,  die 
dritte  dem  tüchtigsten  ordinären  Kadcten,  die  vierte  abermals  durch 
den  Inhaber,  die  fünfte  wieder  durch  einen  Fahnenkadeten. 

Mit  hofkriegsräthlichem  Reskript  vom  4.  September  1766 
wurde  der  Obristwachtmeister  Ludwig  von  Grafforst  als  zweiter 
Obristlieutenant  und  der  Grenadier- Hauptmann  Hyacint  Baron 
V  i  g  n  u  e  1 1  e,  des  Regimentes  Kaiser,  als  zweiter  Obristwachtmeister 
dem  Regimente  vorgestellt. 

Mit  Reskript  vom  12.  Februar  1767  erhielten  je  zwei  und 
zwei  Regimenter  gleiche,  unabänderliche  Egulisirungsfarben,  die  durch 
das  Loos  bestimmt  wurden ;  Knöpfe  von  weissem  oder  gelbem  Metall 
unterschieden  die  gleich  egalisirten  Regimenter.  Dem  Regiment 
wurde  mit  Generalkommando-Verordnung  vom  12.  Juli  1767  bekannt 
gegeben,  dass  ihm  mit  dem  Regimente  Lothringen  (Nr.  3)  die 
himmelblaue  Farbe  mit  goldenen  Knöpfen  (Nr.  3  silberne)  zugefallen 
sei.  Gleichzeitig  wurden  die  Rrustklappen  abgeschafft  und  den 
Offizieren  befohlen,  immer  in  Uniform  zu  erscheinen;  die  Montur  und 
Rüstung  der  Mannschaft  erhielt  eine  bestimmte  Tragzeit  und  wurdo 
nun  nicht  mehr  beim  Regiment,  sondern  in  eigenen,  vom  Staate 
errichteten  Kommissionen  erzeugt. 

Mit  Reskript  vom  13.  November  1767  wurden  den  mit  Ehren 
ausgetretenen  Offiziers  die  Bewilligung  ertheilt,  die  Regiments- 
Uniform  zu  tragen. 

Im  Jahre  1767  erhielt  der  Quartiermeister  die  Benennung 
Rechnungsführer  und  der  Inhaber  wurde  im  Dezember  ermächtigt, 
dem  Auditor  den  Hauptmanns-,  dem  Rechnungsführer  den  Ober- 
lieutenants-Titel  zu  verleihen.  Die  Wachtmeister-Lieutenants  erhielten 
den  Titel  Regiments-Adjutanten.  Der  Inhaber  hatte  bisher  das  Recht, 
jungen  Edelleuten  oder  Offiziers-Söhnen  das  Tragen  der  Regiments- 
l'niform  zu  gestatten;  fortan  durften  nur  die  Söhne  der  Offiziere 
vom  Oberlieutenant  abwärts,  die  Kleidung  ihrer  Väter,  uniformartig 
zugerichtet,  tragen. 

In  den  Niederlanden  wurde  zu  Gent  die  Haupt  -  Monturs- 
Kommission  errichtet  und  der  Obrist  Baron  Meichsnerv.  Alek- 
hofen  anfangs  April  1768  als  Chef  dabei  angestellt,  in  Folge  dessen 
Obristlieutenant  von  Mayer  das  Regiments  -  Kommando  übernahm. 


182 


1764-1777. 


Am  2.  Mai  1768  hatte  das  Regiment  sechs  neue,  in  Wien 
bestellte  Fahnen  erhalten,  welche  im  Quartiere  des  Obristlieutenants 
von  Mayer  in  der  Stille  geweiht  und  angeschlagen  wurden,  worauf 
das  Regiment  auf  dem  Johaunesplatz  zu  diesen  neuen  Fahnen 
den  Schwur  leistete.  Die  Leib -Fahne  hatte  auf  einer  Seite  das 
Bildniss  der  unbefleckten  EmpfUngniss  Maria,  die  zweite  Fahne  den 
heiligeu  Carolus  Borromäus,  die  dritte  den  heiligen  Christofus,  die 
vierte  den  heiligen  Petrus,  die  fünfte  den  heiligen  Ludovicus,  die 
sechste  den  heiligen  Maximiiianus,  sämmtlich  Namenspatronen  des 
Regiments  -  Inhabers ;  auf  der  andern  Seite  befand  sich  der  kaiser- 
liche Doppeladler. 

Mit  Reskript  vom  18.  Mai  1768  wurde  dem  Obristlieutenant 
Maximilian  Baron  Hautzenberg  mit  Beibehalt  des  Offiziers- 
Charakters  und  Tragung  der  Uniform  bewilligt,  seine  Charge  an 
den  deutschen  Ordensritter  und  Grenadier  -  Hauptmann  Wilhelm 
Baron  Truchses  zu  verkaufen,  worauf  der  letztere  dem  Regiment 
als  Obristwachtmeister  vorgestellt  wurde. 

Am  1.  August  1768  hat  sich  das  Regiment  in  Parade  vor 
dem  Könige  von  Dänemark  produzirt,  wobei  sich  viele  hohe  Offiziere 
fremder  Staaten  eingefunden  hatten. 

Mit  15.  August  1769  erhielten  die  Regimenter  Nummern  und 
zwar  nach  dem  Range  der  Regiments-Inhaber.  Das  Regiment  rangirte 
als  „ Haus-Regiment*  immer  nach  jenen  der  Allerhöchsten  Herrschaften 
und  erhielt  auch  jetzt  in  dieser  Eintheilung  die  Nummer  4. 

Die  Grenadiere  erhielten  anfangs  Dezember  ihre  Eintheilung 
in  selbstständige  Bataillone,  nur  in  Kompletirungs  -  Judizial,  Ver- 
pflegs-  und  Monturs  -  Angelegenheiten  blieben  die  Divisionen  im 
Ressort  des  Regiments.  Das  erste  nieder  -  österreichische  Bataillon 
wurde  aus  den  Regimentern  Lothringen  Nr.  3,  Teutschmeister  Nr.  4 
und  Salm-Salm  Nr.  14  unter  Kommando  des  Obristlieutenants  Baron 
Reisky  des  Regiments  Lothringen  zusammengestellt  und  erhielt 
die  Station  Brüssel,  wohin  die  Regiments-Division  am  21.  Dezember 
1769  abrückte. 

Letzten  März  1770  rückte  Obrist  Meichsner  von  seiner  Kom- 
mandirung  wieder  beim  Regimente  ein  und  übernahm  dessen  Kommando. 

Am  1.  August  hielt  gelegentlich  der  Konzentrirung  mehrerer 
Regimenter  um  Möns  der  General  Graf  Murray  über  das  Regiment 
die  Musterung  ab. 


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1764-1777. 


183 


Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  5.  Oktober  1770  erhielt 
der  Grenadier -Hauptmann  Paul  v.  Montignoni  bei  seinem  Aus- 
treten den  Majors  -  Charakter  sammt  Gehalt. 

Die  Musterungen,  welche  bisher  alle  Jahre  zweimal  stattfanden, 
wurden  auf  eine  beschränkt.  Die  Regimenter  erhielten  spanische 
Reiter,  um  in  deren  Gebrauche  unterrichtet  zu  werden.  Die  Witwen 
und  Waisen  der  im  Dienste  gestorbenen  Offiziere  erhielten  nach  dem 
in  diesem  Jahre  veröffentlichten  Pensions  -  Normale  eine  nach  der 
Charge  des  Verstorbenen  bemessene  Pension. 

Am  8.  Dezember  1770  ist  das  Regiments -Titular- Fest  im- 
maculata  Conceptionis,  nachdem  es  viele  Jahre  wegen  den  Kriegs- 
zeiten nicht  abgehalten  werden  konnte,  in  Möns  bei  den  P.  P.  Franzis- 
kanern, wo  das  Regiment  jederzeit  seinen  Gottesdienst  hielt,  mit 
einem  Hochamt  und  Predigt  feierlichst  celebrirt  worden. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessuug  vom  10.  Jänner  1771  wurde 
Obrist  Johann  Christof  Freiherr  Meichsner  v.  Alekhofen  zum 
Generalmajor  mit  jährlichen  2000  fl.  befördert;  Obristlieutenant 
v.  Mayer  übernahm  das  Regiments -Kommando  mit  500  fl.  Tafel- 
gelder. Gleichzeitig  wurde  dem  Obristwachtmeister  Hyacint  Baron 
Vi  gnueile  das  Kommando  des  zweiten  niederländischen  Grenadier- 
Bataillons  übertragen. 

General  Freiherr  Meichsner,  zu  Neuhath  in  der  baierischen 
Ober-Pfalz  1710  geboren,  hatte  41  Jahre  ununterbrochen  im  Regiment 
gedient  und  während  dieser  langen  Zeit  alle  Schlachten,  Gefechte  und 
Unternehmungen  mit  Auszeichnung  mitgemacht.  Er  wurde  bei  Quastalla 
und  Liegnitz  verwundet  und  erhielt  ausserdem  fünf  Kontusionen. 

Mit  Reskript  vom  10.  Dezember  1771  wurde  der  Obrist- 
lieutenant Petrus  v.  Mayer  zum  Obristen  ausser  dem  Regiment 
mit  dem  Gehalt  von  1500  fl.  befördert,  welchen  er  überall,  nur 
nicht  im  Auslande,  verzehren  konnte ;  am  8.  März  übernahm  Obrist- 
lieutenant Grafforst  das  Regiments -Kommando. 

Am  14.  März  erhielt  das  Regiment  den  Befehl  sich  marsch- 
bereit zu  halten  und  anfangs  April  erhielten  die  in  den  Nieder- 
landen stationirten  deutschen  Infanterie  -  Regimenter  Lothringen  Nr.  3, 
Teutschmeister  Nr.  4,  Ferraris  Nr.  14  und  das  aus  diesen  Regi- 
mentern gebildete  Grenadier -Bataillon,  welches  nun  der  Obrist- 
lieutenant Schogre*  kommandirte,  dann  das  Artillerie -Bataillon 
und  das  Kürassier  -  Regiment  Alt-Modena  die  Weisung,  sich  am 


184 


1*64-1777 


17.  April  in  ftinf  Kolonnen  nach  den  Erblanden  in  Marsch  zu  setzen. 
Das  Regiment  formirte  zwei  Kolonnen,  trat  am  24.  und  27.  den 
Marsch  an  und  rückte  vorerst  nach  Brüssel,  wo  es  vor  seinem 
Inhaber  paradirte.  Auf  dem  weiteren  Marsche  passirte  dasselbe  in 
Luxemburg  am  10.  und  13.  Mai  die  Musterung,  rückte  dann  durch 
das  Trier'sche,  passirte  am  25.  und  28.  bei  Germersheim  den 
Rhein,  wo  dasselbe  vom  Prinzen  Durlach  und  Herzog  von  Darm- 
stadt besichtiget,  dann  auf  dem  Weitermarsche  am  29.  Mai  und 
1.  Juni  vom  Herzog  von  Württemberg  ebenfalls  besichtigt 
wurde,  welcher  die  Offiziere  und  sämmtliche  Mannschaft  auf  seinem 
Lustschlosse  Solitude,  dann  ebenso  in  der  folgenden  Station  Kirch- 
heim „mit  einem  rechtschaffenen  Frühstück*  bewirthen  liess.  Den 
8.  und  6.  Juni  erreichten  die  Regiments -Kolonnen  Ober -Fallheim 
zwischen  Ulm  und  Günzburg,  blieben  hier  bis  8.  und  11.,  schifften 
sich  dann  ein  und  erreichten  am  16.  und  19.  ohne  jeden  Unfall 
Krems  in  Oesterreich;  von  hier  wurde  der  Marsch  zu  Fuss  nach 
Ungarisch -Brod  fortgesetzt,  wo  das  Regiment  am  30.  Juni  und 
3.  Juli  eintraf  und  mit  dem  Stabe  und  einigen  Kompagnien  in 
diesem  Orte,  die  übrigen  Kompagnien  aber  in  den  umliegenden  Ort- 
schaften einquartirt  wurden. 

Das  Grenadier-Bataillon  marschirte  zur  Aufwartung  nach  Wien 
und  bald  nach  seinem  Eintreffen  in  das  Laienburger  -  Lager.  Das 
Garnisons-Bataillon  marschirte  nach  Olmütz. 

Auf  diesem  weiten  Marsche  hatte  sich  das  Regiment  durch 
seine  musterhafte  Ordnung  und  Disziplin  vortheilhaft  ausgezeichnet; 
immer  von  ausländischen  Werbern  umschwärmt,  waren  doch  nur 
einzelne  sehr  wenige  Leute  ihrer  Fahne  untreu  geworden. 

Am  23.  September  rückten  die  beiden  Feld -Bataillons  in  die 
Kontraktion  unweit  Hradisch,  wo  dann  Se.  Majestät  Kaiser  Josef  U. 
in  Begleitung  des  F. -Z. -M.  Baron  Loudon  und  der  F. -M. -Lt. 
Marquis  Botta  und  Graf  Nostitz  am  3.  Oktober  nachts  in 
Kunowitz  anlangte  und  beim  dortigeu  Pfarrer  abstieg.  Am  folgenden 
Tag  bezog  Hauptmann  Stünkel,  Oberlieutenant  Zuch ari,  Lieute- 
nant von  Wiedersberg  und  Fähnrich  de  le  Prun  mit  der 
Kompagnie  die  Wache  am  Allerhöchsten  Hollager,  welche  Se.  Maje- 
stät aber  sogleich  einrücken  liess  und  nur  den  Feldwebel  mit 
24  Mann  behielt.  Hauptmann  Baron  Rosenber'g  und  Lieutenant 
B  e  a  u  f o  r  t  waren  auf  Ordonnanz. 


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17(14-1777. 


185 


Am  4.  Oktober  1771  um  9  Uhr  vormittags  hatten  die  beiden 
Feld-Bataillons  beim  Pfarrhofe  aufgestellt  zu  sein.  Der  Kaiser  er- 
schien allein  und  besichtigte  das  Regiment,  Hess  die  Glieder  öffnen 
und  sprach  in  der  leutseligsten  Weise  nicht  nur  mit  den  Offizieren, 
sondern  auch  mit  vielen  gemeinen  Soldaten,  was  einen  unbeschreib- 
lichen Eindruck  auf  das  Regiment  hervorbrachte.  Nach  dieser  in 
den  Annalen  des  Regiments  unvergesslichen  Besichtigung  marschirten 
die  Bataillone  auf  die  Kunowitzer  Heide,  wo  dann  der  Kaiser  mit 
den  genannten  Generalen  zu  Pferd  erschien  und  das  Regiment  ein 
Manöver  im  Feuer  ausführte.  Se.  Majestät  bezeugte  hierüber  sein 
allergnädigstes  Wohlgefallen,  liess  durch  den  F.  -  Z.  -  M.  Baron 
L  o  u  d  o  n  seinen  Dank  sagen  und  bewilligte  jedem  Mann  vom  Feld- 
webel abwärts  eine  dreitägige  Gratislöhnung  und  beschenkte  noch 
ausserdem  die  Wachmannschaft. 

Nachmittags  setzte  Se.  Majestät  die  Reise  nach  Olmütz  fort 
und  besichtigte  dort  am  5.  das  Garnisons-Bataillon.  Am  6.  rückten 
die  Feld  -  Bataillone  wieder  in  ihre  Standquartiere,  das  Garnisons- 
Bataillon  am  11.  November  von  Olmütz  nach  Altstadt  und  besetzte 
die  glatzische  und  schlesische  Grenze  zur  Verhütung  der  Getreide- 
ausfuhren. 

Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  15.  April  1772  wurde 
der  Obristlieutenant  Ludwig  von  Grafforst  zum  Obristen  und 
Regiments-Kommandanten  ernannt.  Am  11.  Mai  passirte  das  Regi- 
ment in  Ungarisch  -  Brod  vor  dem  F.  -  M.  -  Lt.  Marquis  B  o  1 1  a  die 
Musterung.  Am  17.  marschirte  das  Garnisons  -  Bataillon  unter 
Kommando  des  Obristwachtmeisters  Baron  Truchses  nach  Teschen, 
wo  dasselbe  die  Eintheilung  in  die  Brigade  des  General  d' Alton 
erhielt. 

Am  5.  August  1772  wurde  zu  Petersburg  der  Definitiv-Traktat 
über  die  erste  Theilung  Polens  zwischen  Russland,  Preussen  und 
Oesterreich  unterzeichnet,  wodurch  Oesterreich  die  Zipserstädte,  die 
Herzogtümer  Auschwitz  und  Zator,  nebst  einigen  anderen  Bezirken 
unter  dem  Namen  des  Königreiches  Galizien  und  Lodomerien 
übernahm. 

Obristwachtmeister  Baron  Truchses  kommandirte  bei  Ueber- 
schreitung  der  Grenze  bei  Biala  die  Avantgarde  des  d 'Altonischen 
Korps,  und  somit  waren  die  Teutschmeister  die  Ersten,  welche  die 
Fahnen  Oesterreichs  in  dem  neu  erworbenen  Lande  entfalteten.  Auf  dem 


186 


17Ä4-1777, 


Marsche  durch  das  Land  bis  Taruow  hatte  das  Bataillon  viel  durch 
die  fortwährend  üble  Witterung  zu  leiden  und  konnte  sich  erst  in 
den  Kantonnirungen  zu  Kadomischel,  Pilsno  und  Tarnow  erholen,  wozu 
die  freundliche  Bevölkerung,  welche  das  Bataillon  überall  herzlich 
empfing,  alles  beitrug. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  27.  Mai  1772  wurde  der 
Obristwachtmeister  Hyacinth  Baron  V  i  g  n  u  e  1 1  e  zum  Obristlieutenant 
befördert.  Am  1.  Juni  rückte  eine  Division  der  Feld  -  Bataillons 
nach  Olmütz;  das  Kegiment  hatte  den  Monat  Juli  Kontraktion.  Die 
zu  Olmütz  gestandene  Division  ist  am  4.  August  wieder  eingerückt. 

Grenadier -Hauptmann  Johann  Chevalier  de  Quanne  erhielt 
mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  17.  August  den  Majors- 
Charakter  und  die  Expektance  auf  die  Platzmajors -Stelle  zu  Möns; 
Hauptmann  Wilhelm  Baron  Rosenberg  avancirte  zum  zweiten 
Obristwachtmeister. 

Am  29.  Oktober  wurde  abermals  eine  Division  nach  Olmütz 
gesendet;  das  in  Galizien  befindliche  dritte  Bataillon  in  Landskron 
und  Mislenice,  zur  Reparatur  der  Festungswerke  des  ersteren  Ortes, 
in  Winterquartiere  verlegt :  Ende  November  rückte  die  Division  aus 
Olmütz  wieder  beim  Regimente  ein. 

Grenadier  -  Hauptmann  Johann  H  e  r  v  a  y,  ein  sehr  verdienst- 
voller Offizier,  welcher  seit  1746  im  Regiment  diente  und  alle 
Schlachten  und  Gefechte  dieser  Zeit  mit  Auszeichnung  mitgemacht 
hatte,  wurde  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  2.  April  1773 
zum  Platzmajor  in  Termonde  ernanut. 

Am  1.  Mai  ist  das  Grenadier-Bataillon  Schogre  von  Wien  auf- 
gebrochen und  nach  Kremsier  raarschirt ;  am  26.  passirte  das  Regi- 
ment die  Musterung  vor  dem  General  Graf  Wallis,  und  rückte  am 
31.  Juli  in  das  Eierzierlager,  wo  dasselbe  unter  seinem  Brigadier 
General  Graf  Mittrowsky  vor  dem  kommandirenden  Generalen 
F.-Z.-M.  Baron  Ellrichshausen  sich  wiederholt  produzirte  und 
Ende  August  wieder  in  seine  früheren  Stationen  einrückte;  am 
27.  Oktober  wurden  abermals  zwei  Divisionen  nach  Olmütz  verlegt. 

Mit  Reskript  vom  31.  Dezember  1773  wurde  dem  Obrist- 
lieutenant Hyacinth  Baron  Vignuclle  die  Charge  -  Konvention  mit 
dem  Major  Philipp  Graf  Dasson  des  Regiments  Los  Rios  bewilligt. 

Am  5.  Februar  1774  sind  die  beiden  Divisionen  aus  Olmütz 
wieder  beim  Regiment  eingerückt.  Obristlieutenant  Philipp  Graf 


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1704-1777 


187 


Dasson  hat  am  1.  Mai  1774  mit  dem  Obristlieuteuant  Friedrich 
Baron  Lilien  des  Regiments  D'Einse  getauscht. 

Anfangs  April  war  das  dritte  Bataillon  aus  Galizien  auf- 
gebrochen, nach  Ybbs  in  Nieder-Oesterreich  marschirt,  wo  dasselbe 
im  Mai  eintraf  und  die  Kaserne  bezog. 

Die  beiden  Feld -Bataillons  rückten  am  16.  September  in  das 
Lager  bei  Nenowitz  nächst  Brünn  und  langten  dort  am  20.  an. 
Am  24.  erschien  Se.  Majestät  Kaiser  Josef  II.  in  Begleitung  der 
Herzoge  Xaver  und  Albert  von  Sachsen,  des  Prinzen  Hild- 
burgshausen, der  F.-Z.-M.  Baron  Loudon  und  Grafen  Lacy 
nebst  anderen  Generalen. 

Am  25.  wohnte  der  Kaiser  bei  seinem  Regiment'  im  Lager 
der  Kirchenparade  bei,  besichtigte  dann  die  vier  Grenadier-Batail- 
lone und  liess  nachmittags  2  Uhr  die  fünf  Infanterie  -  Regimenter 
des  rechten  Lagerflügels  vor  sich  im  Feuer  manövriren.  Das  Regi- 
ment erhielt  für  seinen  musterhaften  Frontmarsch  und  schnelles 
Laden  von  Sr.  Majestät  das  Allerhöchste  Wohlgefallen  ausge- 
sprochen. Den  folgeuden  Tag  verwandelte  sich  das  bisher  schöne 
Wetter  in  strömenden  kalten  Regen,  welcher  Se.  Majestät  be- 
stimmte, das  Lager  aufheben  und  die  Truppen  in  ihre  Garnisonen 
einrücken  zu  lassen.  Das  Regiment  sendete  aus  dem  Lager  aber- 
mals zwei  Divisionen  nach  Olmütz  und  die  übrigen  Abtheilungen 
rückten  in  ihre  früheren  Standquartiere,  welche  sie  am  1.  Oktober 
erreichten. 

Im  Jänner  1775  rückten  die  Divisionen  aus  Olmütz  wieder 
beim  Regimente  ein,  und  am  11.  März  erhielt  das  Regiment  den 
Befehl,  sich  zum  Marsche  nach  Oesterreich  in  Bereitschaft  zu  setzen. 
Am  30.  April  wurde  der  Marsch  angetreten.  Beim  Durchmarsche 
durch  Wien  wurde  dem  Regiment  die  Fihre  zu  Theil,  vor  der 
Favoriten-Linie  bei  der  sogenannten  Vogelstange  von  Ihrer  Majestät 
der  Kaiserin  Maria  Theresia  besichtigt  zu  werden,  Allerhöchst- 
weiche  ihr  Wohlgefallen  auszusprechen  geruhte. 

Major  Baron  Truchses  kam  mit  einer  Division  in  die 
Salzgries  -  Kaserne,  die  übrigen  Abtheilungen  hingegen  setzten  den 
Marsch  fort  und  kam  der  Stab  mit  einer  Division  nach  Bruck  a.  d. 
Leitha,  eine  Division  nach  Neustadt,  eine  Kompagnie  nach  St.  Pölten, 
die  zweite  nach  Wilhelmsburg,  eine  Division  nach  Tulln  und  eine 
nach  Herzogenburg. 


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188 


17K4-1777. 


Am  26.  Juni  brach  das  dritte  Bataillon  von  Ybbs  auf,  niarschirte 
wieder  nach  Galizien  und  bezog  dort  in  Tarnograd  die  Garnison. 
Am  24.  Juli  verliess  auch  Major  Baron  Truchses  mit  der  Division 
Wien  und  marschirte  nach  St.  Pölten. 

Das  Regiment  konzentrirte  sich  im  August  Bataillonsweise  zu 
Bruck  und  St.  Pölten  und  hielt  in  diesen  Orlen  seine  Kontraktions- 
Uebungen  ab. 

Kapitänlieutenant  Ignaz  Kiehlc  erhielt  mit  Allerhöchstem 
Erlass  vom  31.  August  1775  bei  seiner  Pensionirung  nebst  der 
Pension  noch  jährlich  400  Gulden  aus  dem  Kammerbeutel. 

Der  Kaiser  stellte  am  Charfreitag  1775  die  lästigen,  zu  grossem 
Putze  Veranlassung  gebenden  Seitenlocken  ab,  aber  der  Haarzopf 
erhielt  sich  noch  30  Jahre ;  auch  befahl  er,  dass  einschliesslich  des 
Hin-  und  Hermarsches  nicht  länger  als  zwei  Stunden  exerzirt  werden 
dQrfe  und  schaffte  die  Strafe  des  Gewehrtragens  ab.  Die  Soldaten- 
weiber wurden  im  Frieden  auf  15  per  Kompagnie  beschränkt,  wor- 
nach  die  Obristen  die  Heiratsbewilligungen  zu  bemessen  hatten. 

Vom  15.  Juli  bis  15.  August  1776  befand  sich  das  Regiment 
in  dem  grossen  Exerzier-Lager  bei  MQnchendorf,  in  welchem  sämmt- 
liche  Regimenter  aus  Unter-  und  Ober  -  Oesterreich  versammelt 
waren.  Bei  dem  vorletzten  grossen  Manöver  war  auch  Ihre  Majestät 
die  Kaiserin  MariaTheresia  mit  dem  ganzen  Hofstaate  erschienen 
und  belobte  die  durch  ihre  Anwesenheit  hoch  begeisterten  Soldaten 
mit  huldreichen  Worten.  Am  14.  August  rückte  das  Regiment 
in  seine  früheren  Garnisonen. 

Mit  Verordnung  vom  22.  November  1776  wurde  Grenadier- 
Hauptmann  Peter  M  o  c  h  n  e  in  das  Invaliden  -  Institut  übersetzt  und 
ihm  der  Majors  -  Charakter  verliehen. 

Im  Jahre  1776  war  angeordnet  worden,  dass  die  Verlassen- 
ßchaft  der  ohne  Erben  sterbenden  Offiziere  nicht  wie  bisher  dem 
Obristen,  sondern  dem  Invalidenfonde  anheim  falle;  ebenso  solle 
die  Strafe  des  Fastens  bei  Wasser  und  Brod  nur  mittelst  Kriegs- 
rechtsurtheils  verhängt  werden.  Die  Gage-Karrenz  wurde  eingeführt; 
es  musste  ein  jeder  Beförderter  ein  Jahr  lang  in  dem  Gehalte  seiner 
früheren  Charge  bleiben ;  den  Regimentern  befohlen,  die  Mannschaft, 
besonders  die  Verheirateten,  bei  Handwerken  und  in  Fabriken  arbeiten 
zu  lassen,  damit  sie  sich  etwas  verdienen  könnten.  Die  Wachen 
mussten  in  den  grösseren  Städten  auf  das  Aeusserste  beschränkt, 


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1764-1777. 


180 


namentlich  alle  Ehrenwachen,  welche  blos  zum  iu's  Gewehrrufen 
aufgestellt  waren,  sogleich  eingezogen  werden. 

Auch  im  Jahre  1777  rückte  das  Regiment  am  5.  August  in 
das  Exerzier -Lager  nach  Münchendorf  und  kehrte  am  6.  September 
wieder  in  seine  früheren  Garnisonen  zurück. 

Am  3.  März  1777  wurde  das  Fourierschützen -Normale  kund- 
gemacht, in  Folge  dessen  die  Stabsoffiziere  und  Hauptleute  sich 
diese  Diener  mit  Kapitulation  werben  konnten ;  für  deren  Bekleidung 
wurde  ein  Pauschal  von  10  fl.  jährlich  bewilligt,  welche  der  Inhaber 
in  Schnitt  und  Farbe  (nicht  weiss)  zu  bestimmen  hatte.  Am  30.  Juli 
erschien  für  die  Privatdiener  ebenfalls  ein  Normale,  nach  welchem 
diese  nur  von  der  halbinvaliden  Mannschaft  genommen  werden 
durften,  obligat  waren  und  sich  in  die  Regiments -Uniform  kleiden 
mussten. 

Aus  dem  Feuergewehrstandc  durfte  Niemand  der  Bande  zu- 
getheilt  werden  und  die  Grenadier-Bataillone  keine  Hauboisten-Bande 
haben.  Die  Normalien  vom  31.  Mai  regelten  die  Transferirung  in 
und  zu  anderen  Regimentern  —  erstere  dem  Obristen  überlassend, 
letztere  von  den  General -Kommanden  abhängig  machend  —  und 
die  Beurlaubungen  der  Offiziere.  Am  16.  August  erflossen  die 
Bestimmungen  wegen  Reengagirung  der  ausgedienten  Ausländer; 
Inländer  durften  erst  vom  Jahre  1802  an  reengagirt  werden.  Von 
diesem  Jahre  an  durften  die  General -Kommanden,  zu  Offizieren 
beförderten  Unteroffizieren,  wenn  sie  wenigstens  vier  Jahre  diese  Stelle 
begleitet  hatten,  einen  Equipirungs -Beitrag  von  60  fl.  bewilligen. 
Endlich  erschien  noch  am  22.  November  das  Unkostenfonds-Normale. 
Das  jährliche  Ausmass  für  ein  Infanterie -Regiment  betrug  3165  fl., 
deren  Verwendung  dem  Obristen  in  den  gegebenen  Formen  freistand, 
über  die  er  jedoch  Rechnung  legen  musste. 

Am  1.  November  1777  marschirte  das  Leib -Bataillon  zur  Auf- 
wartung nach  Wien. 

Am  14.  November  1777  erhielt  das  Regiment  seine  Werb- 
bezirks-Eintheilung,  wornach  demselben  das  Viertel  unter  dem 
Wiener- Walde  in  Niederösterreich  zugewiesen  wurde. 


190 


1778-177», 


1778-1779. 

Am  30.  Dezember  1777  war  der  kinderlose  Kurfürst  von 
Bayern  Maximilian  Josef  III.  ans  diesem  Leben  geschieden. 
Oesterreichs  Regenten  stammten  von  der  Bayrischen,  im  Jahre  1424 
verstorbenen  Prinzessin  Johanna,  Gemahlin  des  Herzogs  Alb  recht  IV. 
und  Mutter  des  Kaisers  Albrecht  II.  Maria  Theresia  forderte 
ihren  natürlichen  Erbantheil.  Mit  dem  nächsten  Verwandten  und 
Haupt -Erben,  dem  Kurfürst  Karl  Theodor  von  der  Pfalz,  wurde 
im  Jänner  1778  ein  Vertrag  abgeschlossen  und  die  österreichischen 
Truppen  besetzten  die  vermög  desselben  au  Oesterreich  überlassenen 
Theile  von  Bayern  und  der  Ober- Pfalz.  Der  nächste  Erbe  Karl 
Theodor's,  der  Herzog  von  Zweibrucken,  hatte  jenen  Vertrag  eben- 
falls angenommen,  wurde  aber  später  von  dem  König  von  Preussen 
bewogen,  gegen  denselben  zu  protestiren.  Friedrich  II.  übernahm  die 
Vermittlung ;  da  aber  seine  Vorschläge  nicht  angenommen  wurden, 
so  kam  es  zum  Kriege. 

Da  einige  Regimenter  von  Wien  zur  Besetzung  Bayera's  ab- 
marschirt  waren,  wurde  auch  der  Stab  und  das  Obrist- Bataillon 
am  4.  Jänner  1778  nach  Wien  gezogen,  rückte  aber  am  8.  Februar 
wieder  in  seine  frühere  Garnison  nach  Bruck.  Bald  darauf  erschien 
der  Befehl  zur  Konzentrirung  der  Armee  in  Böhmen;  Stab  und  die 
Feld -Bataillons  brachen  am  9.  März  auf,  rückten  den  10.  in  Wien 
ein,  passirte  am  12.  vor  dem  Ausmarsch  die  Revision,  wobei  den 
Offiziers  die  Naturalien  unentgeltlich,  die  Gage  auf  den  Feldfuss 
und  das  Gratis -Monat  angewiesen  wurden,  marschirten  sodann  über 
Komeuburg,  Znaim,  Iglau,  Czaslau  nach  Elbeteinitz,  wo  die  beiden 
Feld -Bataillons  am  30.  März  anlangten  und  im  Czaslauer  -  Kreis 
einquartiert  wurden.  Beim  Ausmarsch  des  Regiments  erhielten  die 
Offiziers  -  Frauen  in  den  verlassenen  Garnisonen,  ebenso  wie  die 
Soldatenweiber  Quartiere  angewiesen,  letztere  auch  täglich  eine 
Portion  Brod.  Hauptmann  Josef  Baron  Stael  v.  Hollstein  blieb 
zur  Besorgung  des  Konskriptions- Geschäftes  in  Wien. 

In  der  Stabsstation  zu  Elbeteinitz  langten  am  11.  April 
40  Proviantpferde  mit  20  Knechten,  dann  vier  dreipfündige  und 


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1778-1770. 


191 


zwei  seehspfündige  Kanonen  nebst  der  nöthigen  Artillerie-Mannschaft 
als  zur  KriegsausrQstung  des  Regiments  gehörig,  an. 

Das  Regiment  erhielt  seine  Eintheilung  beim  Flügel  des 
F.-Z. -M.  Graf  Lacy,  in  der  Division  des  F.-M.-Lt.  Stein.  Das 
Grenadier  -  Bataillon  Schogre'  war  in  derselben  Zeit  von  Wien 
nach  Prag  marschirt. 

Laut  Eintheilungs-Liste  bestand  das  Ofßziers-Korps  1 778  aus : 
Obrist- Inhaber  General- Lieutenant  Karl  Herzog  von  Lothringen  und 
ßaar,  Hoch-  und  Teutschraeieter. 

ObriBt  Regiments-Kommandant  Ludwig  von  Grafforst. 

Obristlieutenarit  Friedrich  Freiherr  von  Lilien. 

Major  Wilhelm  Baron  Truchses,  Wilhelm  Baron  RoBonbcrg. 

Kaplan  Konstantin  Seypel. 

Auditor  Franz  LiedelBheimb. 

Rechnungsführer  Josef  Zechenberger  mit  !»  Fouriers. 

Fahnen-Kadet  Franz  Catti,  Franz  Ka tinschütz. 

Adjutant  Wilhelm  Keller. 
Chirurgus  Karl  Mitschko. 

K.  k.  Kadetten  Georg  Baron  W  cid  e  n ,  Heinrich  Baron  Orchetzki, 
Franz  Molak,  Kmanucl  Jörgen. 

Frofoss  cum  suis  Johann  von  Schnöd. 


Kompagnie 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

Obcr- 

Unter- 

1. Grenadier- 

Karl  Br  Wilsdorf 

Joh.  de  Brevost 

Nikolaus 

du  Jardin 

2.  Grenadier- 

Franz  Wolff 

Georg  Feder 

Franz  Mellan 

Leib- 

Kapitän- 
W.  v.  Lindenherg 

Lorenz  Keller 

Kajetan  Hernick 

Wolfgang 
Vukftaaevioh 

• 

Stael- 

Josef  Baron 

Start  v.  Böllstein 

Johann  Otto 
von  Ottcnfeld 

Josef  Dcdovich 

Josef  Br.  Hoche 

Dubus- 

Karl  Dubus 

Adam  John 

Willibald" 
von  Rath 

Franz  Pennings 

Joh.  Hofmann 

ßrenkenson- 

Franz  Ottovich 
von  Brenkenson 

Karl  Graf 
von  Sinzendorf 

Vinz.  Ottovich 

Blavier- 

Ludwig  Baron 
de  le  Blavier 

Kapitän- 

Frz.v.Kottulinsky 

Ang.  de  Costerns 

Regnauld 
de  Flauxcourt 

Philipp  Mertloch 

1.  Majors- 

Joach.deZuchari 

Anton  Graf 
Sprinzenstein 

Kajetan 

v.  Pettenek 

2.  Majorg- 

Kapitän- 
Maxim,  v.  Wahler 

Leopold 
de  Le  Pran 

Aug.  de  Beaufort 

Karl  v.  Pöck 

Roth- 

Konstantin  Roth 

l 

Ludw.  Br.  Nagel 

WiBielm- 
von  Gallasan 



Karl  Hr.  Odonell 

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102 


1778—177«. 


Kompagnie 

Hauptniann 

Lieutenant 

Fähnrich 

Ober-  Unter- 

Messey- 

Hubert  Graf 
Mcssey 

Ludw.  de  Renette  Ludw.  Br.  Terzy 

Adolf  v.  Cortenis 

Wilsdorf- 

Franz  Baron 

Wilsdorf 

Frz.  de  Birago 

Philipp  Baron 
Lensbach 

Frz.  Kleinschmid 

Beer- 

Wilhelm  Beer 
von  Pleichten 

Jodocus  Fontenct 

Franz  Baron 
Rechbach 

Christ-Zurwesten 

Obrist- 

Kapitän- 
Paul  de  Candiani 

Franz 
von  Wiedersberg 

Martin  Weller 

Leop.  Gr.  Rumpf 

Obristlieutenant- 

Kapitän- 
Otto  v.  Gehren 

Joh.  v.  Neree 

Karl  Chevalier 
Dümont 

Albert  Graf 
Taufkirchen 

Tham- 

Wilhelm 
von  Tham 

Wilh.  v.  Neesen 

Johann  Hasse 

Jakob  Möckel 

Vertegans- 

Adolf  Chevalier 
de  Vertegans 

Friedr.  Hossisch 

Friedr.  Chevalier 
de  Bertrand 

Philipp  de  Vanx 

Fragstein- 

Wilh.  Fragstein 
von  Nimsdorf 

Ludwig  Piret 
de  Bihain 

Emil  Haacke 

Karl  Gr.  Perthold 

Am  29.  April  setzte  sich  die  Armee  in  Bewegung;  das  Regi- 
ment marschirte  nach  Kaaden  unweit  Gitschin  und  erhielt  hier  eine 
zwölfpfundige  Kanone  und  eine  Haubitze  zugotheilt;  auch  rückten 
120  Rekruten  aus  Wien  ein. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  10.  Mai  1778  wurde  der 
Grenadier -Hauptmann  Konrad  Stflnkel  zum  Major  bei  Preiss- 
Infanterie  befördert.  Das  Regiment  marschirte  am  12.  Mai  nach 
Liskowic  im  Königgrätzer-Kreis,  bezog  hier  die  Quartiere  und  erhielt 
30  Maulthiere  mit  den  nöthigen  Knechten.  Das  dritte  Bataillon  war 
aus  Galizien  abmarschirt  und  den  14.  Juni  in  Prag  eingetroffen. 
Das  Regiment  marschirte  am  20.  Juni  nach  Droskovic  und  bequar- 
tirte  sich  hier  und  in  der  Konkurrenz.  Am  6.  Juli  brach  das  Regi- 
ment wieder  auf,  marschirte  nach  Kolin  unweit  Gitschin,  dann  den 
9.  nach  einem  fflnfzehnstflndigem  Marsche  in  der  Nacht  in  das 
von  Jaromif  bis  Arnau  befindliche  verschanzte  Lager.  Während  dieser 
Zeit  war  das  dritte  Bataillon  von  Prag  nach  Budweis  marschirt. 

Der  König  drang  mit  seiner  Hauptmacht  Ober  Glatz  und 
Nachod  nach  Böhmen,  Prinz  Heinrich  in  Sachsen  ein,  wo  sich 
der  Kurfürst,  welcher  ebenfalls  einen  Theil  des  bayerischen  Erbes 
ansprach,  mit  ihm  vereinigte.  Kaiser  Josef  H.  stellte  sich  per- 
sönlich an  die  Spitze  der  Armee,  welche  sich  bei  Königgrätz  und 


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1778-1779. 


193 


Jaromif  aufstellte.  F.-M.  London  stand  mit  einer  zweiten  Armee 
bei  Niemes,  Liechtenstein  mit  einem  Korps  bei  Leitmeritz  und 
F.-M. -Lt.  Marquis  de  Botta  befehligte  die  Truppen  in  Mähren 
und  Oesterreichisch -Schlesien.  Der  preussische  General  Werner 
rflckte  mit  einem  Korps  über  Troppau  nach  Mähren,  wurde  aber 
an  der  Mora  durch  das  feste  Lager  aufgehalten,  welches  F.-M.-Lt. 
Botta  bei  Heidenpiltsch  bezogen  hatte. 

Der  König  manöverirte  seit  15.  August  am  linken  Ufer  der 
Elbe  hinauf,  aber  die  Oesterreicher  marschirten  immer  in  gleicher 
Höhe  am  rechten  Ufer.  Zu  Ende  August  erkannte  der  König,  dass 
er  die  obere  Elbe  nicht  überschreiten  und  die  linke  Flanke  der 
Oesterreicher  nicht  gewinnen  könne.  Das  Regiment  war  unter  zurück- 
lassung der  Bagage  diesen  Bewegungen  der  Armee  gefolgt  und 
hatte  von  den  zahlreichen  Deserteurs,  welche  von  den  Preussen 
anlangten,  einige  sehr  schöne  Leute  engagirt. 

Am  8.  September  begannen  die  Preussen  in  der  Nacht  den 
Rückmarsch  aus  Böhmen,  Prinz  Heinrich  nach  Sachsen,  der  König 
nach  Landshut  in  Schlesien,  wo  er  seinem  Heer  die  Winterquartiere 
beziehen  Hess. 

Das  dritte  Bataillon  wurde  am  26.  September  von  Budweis 
wieder  nach  Prag  beordert,  musste  aber  während  dem  Marsche  am 
29.  vor  Tabor  eine  Division  nach  Budweis  zurücksenden. 

An  demselben  Tage  war  das  Regiment  aus  dem  Lager  von 
Gitschin  aufgebrochen  und  nach  Smirschitz  gerückt,  wo  dasselbe 
in  der  Umgebung  Kantonnirungen  bezog.  Hier  blieb  das  Re- 
giment bis  29.  Oktober  und  marschirte  an  diesem  Tage  nach 
Leitomischel. 

Am  4.  November  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  nach 
Mähren  zu  rücken,  brach  denselben  Tag  auf,  erhielt  aber  in  der 
ersten  Marschstation  Hermannstadt  die  Ordre,  einen  Tag  Rast  zu 
halten  und  dann  nach  Ströbitz  in  Böhmen  zurückzumarschiren. 

Mit  Reskript  vom  13.  November  1775  wurde  der  Obristlieute- 
nant  Friedrich  Freiherr  von  Lilien  zum  Obristen  bei  Muray-  Infan- 
terie Nr.  55  ernannt. 

Das  Regiment  erhielt  am  19.  November  den  Befehl,  zu  Pross- 
nitz in  Mähren  die  Winterquartiere  zu  beziehen,  brach  am  20.  auf, 
erhielt  aber  während  dem  ersten  Rasttage  zu  Gelwitsch  die  Contre- 
Ordre,  wornach  dasselbe  nach  Römerstadt  in  Mähren  zu  dem  Korps 

13 


104 


1778-1779. 


des  F.-Z.-M.  Baron  Ellrichshansell  zn  marschiren  hatte,  welche 
Station  dann  am  27.  erreicht  und  das  Regiment  in  dieser  und  den 
nächsten  Ortschaften  endlich  die  Winterquartiere  bezog. 

Major  Wilhelm  Baron  Truchses  avancirte  am  1.  Dezember  1778 
in  Folge  Intimats  des  Regiments  -  Inhabers  vom  C.  Dezember  zum 
Obristlieutenant  und  der  zweite  Major  Wilhelm  Baron  Rosenberg 
zum  ersten  Major. 

Das  Regiment  wurde  in  seinen  Winterquartieren  wiederholt 
allarmirt;  nach  einem  solchem  Allarm  am  8.  Dezember  marschirte 
das  Leib- Bataillon  nach  Altstadt,  Ebersdorf  und  Schielendorf,  dann 
nach  Unter  -  Ebersdorf  und  Friedrichsdorf,  das  Obrist  -  Bataillon 
nach  Gross-  und  Klein  -  Morau  und  stellten  hier  Vorposten  auf. 
Am  16.  rtickte  das  Obrist  -  Bataillon,  nachdem  es  die  Hauptmann 
Baron  Wilsdorf  Division  in  Gross-Morau  gelassen  hatte,  wieder  nach 
Römerstadt  in  die  Kantonnirungen.  Hier  erhielt  das  Regiment  am  28. 
198  Rekruten  aus  öalizien.  Am  31.  wurde  das  Obrist  -  Bataillon 
nebst  dem  Regimentsstab  nach  Engelsberg  in  Ober-Schlesien  beordert 
und  bezog  dort  nach  seinem  Eintreffen  die  Kanton niningen.  Sämmt- 
liche  unexerzirte  Rekruten  blieben  unter  Kommando  des  Hauptmanns 
Baron  Kottulinsky  in  Römerstadt  zurück. 

Am  5.  Jänner  1779  löste  das  Leib-  das  Obrist  -  Bataillon  in 
Engelsberg  ab.  Am  G.  erhielt  das  Regiment  164  österreichische 
Rekruten,  welche  mit  jenen  aus  Römerstadt  unter  Kommando  des 
Hauptmann  Roth  nach  Mährisch  -  Littau  verlegt  wurden. 

Die  feindlichen  Generale  Wunsch,  Lengenfeld  und  Prinz 
Hessen-Philippsthal  rückten  am  14.  Jänner  1779  mit  14  Ba- 
taillons, 10  Escadrons  und  18  Kanonen  von  Ziegenhals  gegen  Zuck- 
mantel, welches  der  Chevauxlegers-Obrist  Freiherr  von  Levenehr 
mit  seinen  Truppen,  unter  welchen  sich  auch  zwei  Divisionen  des 
Regiments  befanden,  besetzt  hatte,  vor.  Die  feindliche  Kavallerie 
erschien  um  %10  Uhr  vormittags  vor  der  Stadt  und  wurde  sogleich 
mit  heftigem  Geschützfeuer  empfangen.  Levenehr  nahm  hierauf 
sogleich  Gefechtsstellung,  sendete  vier  Escadronen  der  feindlichen 
Kavallerie  vor  der  Stadt  entgegen,  liess  links  seitwärts  der  Stadt 
unweit  des  Galgens  die  beiden  Divisionen  des  Regiments  und  zwei 
von  Langlois  nebst  einer  Eskadron  von  Darmstadt  und  vier  Kanonen 
unter  Obrist  von  Schindler  aufmarschiren ;  die  zwei  auswärtigen 
Verschanzungen,  die  eine  durch  das  banatische  Freikorps  mit  vier 


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1778-1779. 


105 


Kanonen,  die  andere  darch  das  Leib  -  Bataillon  von  Langlois  auch 
mit  vier  Kanonen  und  der  Reserve-Division  der  Karlstädter-Kroaten, 
dann  in  der  rechten  Flanke  den  Heissigberg  mit  200  Kroaten  und 
den  Rochusberg  mit  einer  Division  Langlois  und  zwei  Kanonen  besetzen. 

Der  Feind  rückte  inzwischen  immer  vor  und  machte  Miene 
den  linken  Flügel  Levenehrs  zu  tourniren,  wurde  aber  so  heftig 
beschossen,  dass  er  zum  formellen  Angriff  nicht  vorging.  Die  zweite 
feindliche  Kolonne  näherte  sich  gleichzeitig  dem  rechten  Flügel  und 
da  die  schwache  Besatzung  der  kleinen  Schanzen  dieser  bedeutenden 
Uebermacht  nicht  gewachsen  war,  zog  sie  sich  auf  den  Rochusberg, 
als  die  einzige  vortheilhafte  Position,  zurück. 

Die  zweite  feindliche  Kolonne  zog  sich  längs  des  Waldes,  um 
die  Anhöhe  des  Rochusberges  zu  gewinnen,  während  die  dritte 
Kolonne  gerade  demselben  gegenüber  aufmarschirte.  Diese  beiden 
Kolonnen  wurden  durch  die  gut  bediente  kaiserliche  Artillerie  heftig 
und  mit  Erfolg  beschossen ;  fünf  Kompagnien  Langlois  vertheidigten 
den  Wald.  So  wie  der  Feind  diesen  angriff,  wurden  die  meisten 
Geschütze  dorthin  dirigirt,  welche  ihn  mit  einem  solchen  Kartätschen- 
hagel überschütteten,  dass  er  mit  bedeutendem  Verlust  den  Angriff 
aufgab  und  in  Unordnung  retirirte.  Die  Kroaten  folgten  ihm  auf 
dem  Fusse  und  jagten  ihn  in  die  Flucht.  Seine  dritte  Kolonne 
deckte  zwar  den  Rückzug,  aber  auch  diese  verlor  viele  Leute,  denn 
man  erfuhr  nach  dem  Gefechte,  dass  Über  90  Wägen  mit  Verwun- 
deten nach  Neisse  gefahren  waren. 

Um  4  Uhr  nachmittags  war  dieses  siegreiche  Gefecht  zu  Ende, 
der  Feind  retirirte  wieder  nach  Ziegenhals  zurück  und  ging  am  15. 
theils  gegen  Weidenau,  theils  gegen  Neisse.  300  feindliche  Deser- 
teurs hatten  sich  bei  den  Oesterreichern  gemeldet,  welche  23  Mann 
verloren  hatten.  Die  Divisionen  des  Regiments  hatten  1  Mann  todt, 
3  verwundet.  Hierauf  wurde  der  linke  Flügel  des  Korps  in  Neu- 
Willmsdorf  im  Gebirge  unweit  Johannisberg  und  der  rechte  in 
Johannisthal  und  Rebersdorf  aufgestellt. 

Am  18.  Jänner  unternahm  F.-M.-Lt.  Graf  Wurms  er  einen 
Einfall  in  das  Glatzische,  überrumpelte  Habelschwert,  nahm  den 
Prinz  Hessen-Philippsthal  mit  3  Obristen,  4  Hauptleuten  und 
714  Mann  gefangen  und  eroberte  10  Fahnen;  bei  dieser  Gelegen- 
heit wnrde  auch  das  Blockhaus  erstürmt  und  die  ganze  Besatzung 
1  Major,  4  Kapitäns,  15  Lieutenants  und  335  Mann  gefangen. 

13* 


10<) 


177S-1770. 


Bei  dieser  Unternehmung  hat  sich  der  beim  General  Baron 
T  erzy  als  Adjutant  befindliche  Oberlieutenant  Lorenz  Keller 
des  Regiments  durch  ausnehmende  Bravour  und  Geschicklichkeit  der 
Art  ausgezeichnet,  dass  Se.  Majestät  sich  bewogen  fand,  ihn  mit 
Allerhöchstem  Befehle  zum  Hauptmann  im  Generalquartiermeister- 
Stabe  zu  ernennen. 

Am  27.  Februar  wurde  Obrist  v.  Grafforst  und  Obrist- 
wachtmeister  Konstantin  v.  Roth,  welch'  letzterer  mit  Reskript 
vom  20.  Dezember  1778  hiezu  befördert  worden  war,  mit  dem  Leib- 
Bataillon  zum  Korps  des  F.-M.-Lt.  Olivier  Graf  Wallis  detachirt, 
welches  dann  vom  27.  auf  den  28.  die  ganze  Nacht  marschirte,  um 
das  feindliche  Regiment  des  Prinzen  von  Prcussen  in  der  Früh  in 
Schlesisch  -  Neustadt  zu  überfallen.  Beim  Anlangen  wurde  die  Gar- 
nison sofort  zur  Uebergabe  aufgefordert  und  da  eine  abschlägige 
Antwort  erfolgte,  das  Städtchen  beschossen,  welches  leider  in  Brand 
gerieth.  Mittlerweile  hatte  eine  Kolonne,  bei  welcher  sich  das  Leib- 
Bataillon  befand,  versucht,  sich  des  Jägerndorfer  -  Thores  zu  be- 
mächtigen, fand  aber  die  Brücken  abgetragen  und  das  Ufer  so 
sumpfig,  dass  das  Vordringen  unmöglich  war.  Sie  nahm  darauf 
einen  anderen  Weg,  fand  aber  gleiche  Hindernisse,  ebenso  bei  dem 
dritten  Unternehmen.  Während  dieser  Zeit  und  als  das  Städtchen 
in  hellen  Flammen  aufging,  zog  sich  der  Feind  bei  dem  rückwärtigen 
Thore  hinaus  und  behielt  nur  den  Kirchhof  besetzt.  General 
Brechainville  fand  in  der  Gegend  des  Neissethores  eine  kleine 
Oeffhung  und  drang  mit  einem  Zuge  des  Grenadier  -  Bataillons 
Schogre"  hinein,  gerieth  aber  unter  das  Gewehrfeuer  des  den  Kirch- 
hof vertheidigenden  Feindes  und  konnte  nicht  weiter  vordringen. 
Der  Eingang  war  so  enge,  dass  man  ohne  den  Kirchhof  einzunehmen, 
nicht  weiter  vorrücken  konnte,  und  um  daher  die  Grenadiere  nicht 
nutzlos  zu  opfern,  liess  man  zwei  Zwölfpfönder  auffahren,  um  in  die 
Kirchhofmauer  Bresche  zu  schiessen.  Aber  die  Mauern  widerstanden 
und  die  Kugeln  machten  nur  so  geringe  Wirkung,  dass  man  bald  die 
Beschiessung  einstellte.  Da  ein  bedeutender  feindlicher  Succurs  an- 
rückte, beschloss  F.-M.-Lt.  Wallis  den  Rückzug  und  führte  ihn  ohne 
vom  Feinde  belästigt  zu  werden,  obgleich  sämratliche  Offiziere  um 
die  Fortsetzung  des  Kampfes  gebeten  hatten,  in  guter  Ordnung  aus. 

F.-M.-Lt.  Graf  Wallis  lobte  in  seinem  Berichte,  insbesonders 
die  Tapferkeit  der  Offiziere  und  Gemeinen  .deren  Begierde  an  den 


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1778—1779. 


197 


.Feind  zu  kommen,  ohne  viele  Mühe  nicht  zurückhalten  konnte.* 
Das  Leib -Bataillon  hatte  2  Blessirte. 

Dieses  unentschiedene  Gefecht  war  die  letzte  blutige  Szene 
in  diesem  Kriege,  den  die  Oesterreicher  spott weise  „Zwetschken- 
ruramel",  die  Preussen  „Kartoffelkrieg"  nannten.  Am  10.  März 
begann  der  Waffenstillstand  und  am  13.  Mai  1779  wurde  in  Tescheu 
der  Friede  unterzeichnet.  Oesterreich  erhielt  von  dem  bayerischen 
Erbe  das  Inn -Viertel,  welches  mit  Ober- Oesterreich  vereinigt 
wurde.  Während  diesem  Feldzuge  hatte  Kaiser  Josef  den  Bau 
der  Festungen  Josefstadt  und  Theresienstadt  angeordnet,  König- 
grätz  und  Eger  wurden  verstärkt. 

Der  Stab  und  das  Leib  -  Bataillon  inarschirten  von  Engelsberg 
nach  Mährisch  - Littau,  wohin  auch  die  Rekruten  gezogen  wurden; 
das  Obrist  -  Bataillon  marschirto  nach  Zuckmantel. 

Mit  Reskript  vom  1.  Mai  1779  erhielt  der  Hauptmann  Josef 
Baron  Stael  v.  Ho  11  stein  den  Obristlieutenants  -  Charakter 
und  als  Pension  jährlich  G00  11.  aus  dem  Invaliden  -  Institut. 

Am  13.  Mai  wurde  dem  Regiment  der  Friede  publizirt,  mit 
15.  hörte  die  6  kr.  Löhnung  auf;  die  Offiziere  bezogen  die  Fourage 
noch  vier  Wochen  uud  den  Geldbeitrag  drei  Monate. 

Das  Regiment  gab  seine  Feldausrüstung,  Kanonen  und  Proviant- 
wägen nach  Olmütz  ab  und  marschirte  dann  in  seine  Friedens- 
garnison nach  Wrien,  wo  das  Leib  -  Bataillon  in  der  Aiser-Kaserne 
bequartirt  wurde.  Das  Obrist  -  Bataillon,  welches  vorher  noch  nach 
Gewitsch  marschiil  war,  kam  dann  mit  einer  Division  nach  Wr.- 
Neustadt;  je  eine  Kompagnio  nach  Petersdorf,  Mödling,  Wolfers- 
dorf und  Plessing. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  7.  Juni  1779  wurde 
Obrist  Ludwig  v.  Gralforst  zum  General  -  Major  und  Brigadier 
zu  Budweis  befördert,  Obrist  Friedrich  Freiherr  v.  Lilien  des 
Regiments  Murray,  als  Kommandant  dem  Regiment  vorgestellt. 

Am  23.  Juni  traf  auch  das  dritte  Bataillon  von  Prag  unter 
Major  Baron  Rosenberg  in  Wien  ein  und  wurde  Divisionsweise 
nach  Bruck  a.  d.  Leitha  und  Hainburg  verlegt. 

Sämmtliche  Regimenter  wurden  auf  den  Friedensfuss  gesetzt 
und  den  bei  Frei-Korps  gestandenen  Offiziers  nur  in  ihrer  früheren 
Charge  der  Rücktritt  in  ihre  Regimenter  gestattet;  auch  wurden 
alle  Beförderungen  eingestellt.    Das  Regiment  hatte  während  dem 


198 


Feldzuge  257  preussische  Deserteurs,  welche  meistens  über  66  Zoll 
gross  waren,  enrollirt. 

Die  Chirurgen,  welche  bisher  meergrüne  Röcke  trugen,  wurden 
hechtgrau  adjustirt,  behielten  die  schwarzen  Aufschläge  und  rothe 
Westen.  Die  Verpflegung  der  Armee  wurde  eigenen  Beamten  über- 
geben und  kreisweise  geordnet;  Wäsche  und  Schuhe  hatten  die 
Regimenter  von  selbst  angekauftem  Materiale  in  eigener  Regie  zu 
erzeugen.  Kittel  durfte  die  Mannschaft  nur  im  Frieden  haben,  im 
Kriege  mussten  aus  selben  Brodsäcke  erzeugt  werden. 


Das  Regiment  marschirte  am  15.  Mai  1780,  nachdem  alle 
Urlauber  einbezogen  waren,  in  das  Eierzier-Lager  bei  Münchendorf, 
wo  sich  noch  vier  Infanterie-  und  ein  Kavallerie  -  Regiment  ver- 
sammelten. Am  21.,  nach  einem  heftigen  Regen,  trat  der  dortige 
Bach  aus  seinen  Ufern  und  überschwemmte  so  rasch  die  ganze 
Heide,  dass  die  Regimenter  eiligst  das  Lager  verlassen  mussten. 
Das  Regiment  erhielt  die  Quartiere  in  Ebreichsdorf;  die  Haupt- 
Manöver  konnten  erst  am  12.  und  13.  Juni  abgehalten  werden, 
welchen  auch  Ihre  Majestät  die  Kaiserin  Maria  Theresia  bei- 
wohnte. Vor  Ende  der  Kontraktion  erhielt  jeder  Mann  vom  Feld- 
webel abwärts  eine  doppelte  Löhnung;  auch  einige  Offiziere  erhielten 
Gratificationen,  und  von  der  Mannschaft,  welche  wieder  auf  Urlaub 
ging,  erhielt  jeder  Mann  6  Gulden  auf  die  Hand  bezahlt.  Das  Re- 
giment rückte  am  15.  wieder  in  seine  Standquartiere. 

Am  4.  Juli  1780  starb  auf  dem  Schlosse  zu  Temen  der 
Obrist- Inhaber  Herzog  Karl  v.  Lothringen  und  Baar,  General- 
Lieutenant,  Hoch-  und  Teutsehmeister,  General  -  Kapitän  der  öster- 
reichischen Niederlande.  Der  Herzog  war  zu  Luneville  am  12.  De- 
zember 1712  geboren.  Im  24.  Lebensjahre  erhielt  der  Prinz  eine 
Obristenstelle  bei  der  Infanterie,  bald  darauf  die  eines  General- 
Majors  und  legte  schon  im  Türkenkriege  grossen  Muth  an  den  Tag. 
Bei  dem  Rückzüge  der  Armee  von  Schupaneck  gegen  Kownia  (1738) 
führte  der  Herzog  die  Arrieregarde.   Er  wurde  in  dem  Defiltfe  bei 


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17K0  -1787. 


190 


Mehadia,  vou  einem  mehrfach  überlegenen  feindlichen  Korps  zum 
Stehen  gezwungen,  schlug  jedoch  nach  einem  langen  blutigen  Gefechte 
die  Türken,  welche  durch  eine  schnelle  Flucht  Schrecken  und  Ver- 
wirrung unter  ihre  bei  Orsowa  gestandene  Hauptarmee  brachten. 
Auch  in  der  Schlacht  bei  Krozlia,  wie  überhaupt  bei  allen  Vorlallen, 
bezeugte  der  Prinz  so  grossen  Diensteifer  und  so  viele  Einsicht,  dass 
ihn  der  Feldmarschall  Graf  Wallis,  der  bekanntlich  kein  Schmeichler 
war,  bei  allen  Gelegenheiten  mit  vielen  Lobeserhebungen  anrühmte. 
Als  Lothringen  im  österreichischen  Erbfolgekriege  die  Anführung 
der  Truppen  gegen  die  Franzosen  und  Bayern  übertragen  war,  führte 
er  in  zwei  Feldzügen  so  grosse  Unternehmungen  aus,  dass  ihn  selbst 
die  Feinde  bewunderten.  Er  schlug  die  Bayern  aus  ihrem  verschanzten 
Lager  bei  Braunau  und  die  Franzosen  aus  ihren  Verschanzungen 
bei  Deckendorf,  setzte  oberhalb  dieses  Ortes,  im  Angesichte  des  bei 
Blatling  gestandenen  Feindes,  über  die  Donau  und  trieb  ihn,  ohne 
eine  Schlacht  zu  schlagen,  vom  Lech  an  über  den  Rhein  zurück. 
Da  nun  die  Franzosen  besorgten,  den  Kriegsschauplatz  in  ihr  eigenes 
Land  versetzt  zu  sehen,  besetzten  sie  das  Rheinufer  in  kleinen 
Entfernungen  mit  einer  grossen  Menge  Verschanzungen  und  Posten, 
hinter  welchen  die  Armee  auf  den  ersten  Wink  wartete,  um  dahin 
zu  eilen,  wo  die  Oesterreicher  den  Uebergang  versuchen  würden. 
Prinz  Karl  wusste  sie  jedoch  durch  Scheinanstalten  und  Bewegungen 
irre  zu  machen  und  seine  Dispositionen  so  geheim  und  zweckmässig 
zu  treffen,  dass  die  ganze  Armee  in  zwei  Abtheilungen  fast  ohne 
Verlust  über  den  Rhein  setzte.  Gleich  hierauf  trieb  der  Prinz  die 
Franzosen  so  in  die  Enge,  dass  sie  sich  bis  unter  die  Kanonen  von 
Strassburg  zurückzogen  und  die  österreichische  Armee  bis  auf  eine 
Stunde  vor  diese  Stadt  rücken  konnte.  Als  jedoch  der  König  von 
Preussen  ganz  unerwartet  in  Böhmen  eindrang  und  Prag  mit  dem 
grössten  Theile  des  Landes  von  Truppen  entblöst  war,  sah  sich  der 
Prinz  genöthigt,  seine  errungenen  Vortheile  im  Elsass  aufzugeben 
und  im  August  1744  nach  Böhmen  zu  eilen.  Dieser  unter  den  Augen 
des  starken  französischen  Heeres,  über  einen  so  bedeutenden  Fluss 
mit  vieler  Ordnung  und  wenig  Verlust  ausgeführte  Rückzug  bleibt 
ein  Denkmal  der  Kriegskunst  dieses  Feldherrn. 

Im  siebenjährigen  Kriege  verlor  der  Prinz  die  Schlacht  bei 
Prag,  gewann  aber  am  22.  November  1757  jene  bei  Breslau  gegen 
den  Herzog  von  Bevern,  welcher  Sieg  der  grossen  Kaiserin  die 


200 


17HO-1787. 


lang  gewünschte  Gelegenheit  verschaffte,  dem  Herzoge  für  die  vielen 
Ihr  geleisteten  Dienste,  durch  die  Ernennung  zum  ersten  Grosskreuz 
des  neuerrichteten  Militär- Ordens,  Ihre  Dankbarkeit  öffentlich  zu 
bezeugen. 

Nach  der  unglücklichen  Schlacht  bei  Leuthen  legte  Lothringen 
das  Armee  -  Kommando,  und  bei  der  Uebernahme  des  Grossmeister- 
thums des  deutschen  Ordens  am  4.  Mai  1761  auch  das  Theresien- 
kreuz  ab. 

Als  Gouverneur  der  Niederlande  hatte  er  sich  deren  Achtung 
und  Liebe  in  hohem  Grade  erworben  und  deren  Stande  ehrten  ihn 
durch  ein  Gedächtnissbild,  auf  welches  sie  die  Worte:  Optimi  Principi 
(dem  besten  Fürsten)  setzen  liessen. 

Das  Regiment  legte  durch  sechs  Wochen  die  Trauer  an. 

Am  1.  September  1780  erhielt  das  Regiment  vom  General- 
Kommaudo  die  Intimation,  dass  mit  Allerhöchstem  Handbillet  vom 
22.  und  hofkriegsräthlichem  Reskript  vom  23.  August,  Se.  königliche 
Hoheit  Erzherzog  Maximilian  als  nunmehriger  Hoch-  und  Teutsch- 
meister,  der  Art  als  Obrist- Inhaber  das  Regiment  erhalten  habe, 
dass  solches  den  Namen  „Hoch-  und  Teutschmeister*  behält,  die 
Inhaber-Rechte  aber  an  den  F.-M.-Lt.  Wilhelm  Freih.  Schröder 
v.  Lilienhof  übertragen  worden  sind. 

Am  13.  September  marschirte  das  bisher  zu  Hainburg  und 
Bruck  gelegene  dritte  Bataillon  nach  Wiener-Neustadt,  dagegen  die 
hier  gelegenen  zwei  Divisionen  des  Obrist  -  Bataillons,  eine  nach 
Bruck,  die  andere  nach  Hainburg. 

Am  29.  November  1780,  abends  9  Uhr,  starb  die  Kaiserin 
Maria  Theresia.  Die  grosse  Kaiserin  hinterliess  die  Monarchie, 
deren  Bestand  nach  dem  Tode  Karl's  VI.  so  schwankend  schien, 
mächtig,  geachtet  von  Europa  und  geschützt  durch  eine  kriegserprobte 
Armee  von  200.000  Streitern,  welche  abgöttisch  die  grosse  Kaiserin 
verehrten,  die  für  ihre  Bildung  Akademien  gestiftet,  ihre  Subsistenz 
verbessert,  ihre  Tapferkeit  und  guten  Dienste  durch  Orden  und  Adel 
belohnt  und  die  Invaliden  anständig  versorgt  hatte.  In  ihrem  letzten 
Willen  hinterliess  sie  jedem  Soldaten  „vom  Höchsten  bis  zum 
Letzten"  einen  einmonatlichen  Gehalt.  Kaiser  Josef  II.  trat  nach 
dem  Tode  seiner  Mutter  die  Alleinregicrung  an. 

Das  Legat  der  Kaiserin  wurde  dem  Regiment  am  2.  Jänner  1781 
mit  10.032  fl.  45  kr.  ausbezahlt. 


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1780-1787. 


201 


Das  Grenadier  -  Bataillon  Sehogre  hatte  in  diesem  Jahre  der 
Obristlieutenant  Baron  Schneidauer  von  Nr.  3  erhalten.. 

Mit  hofkriegsräthlichem  Reskript  vom  (3.  April  1781,  beim 
Regiment  publizirt  am  12.  April,  erhielt  das  Regiment  als  Werb- 
bezirk 13  grundherrliche  Vorstädte  ioner  der  Wiener-Linie,  nämlich : 
die  Jäger-Zeil,  Thury,  Sporkenbüchel,  Liechtenthal,  Alt-Lerchenfeld, 
St.  Ulrich,  das  obere  und  untere  Guth,  Spitelberg,  Maria -Hilf, 
Gumpendorf,  Hundsthurm,  Reinprechtsdorf  und  Erdberg  —  ferner 
ausser  der  Linie ,  alles  was  links  der  Eärntnerstrasse  in  dem 
V.  U.  W.  W.,  links  gegen  Ungarn  und  Steiermark  liegt.  Zusammen 
5  Städte,  13  grundherrliche  Vorstädte,  23  Marktflecken,  203  Dörfer 
mit  15.150  Häuser. 

Dieser  Werbbezirk  war  in  so  viele  Kompagnie  -  Bezirke  abge- 
theilt,  als  das  Regiment  Kompagnien  zählte.  Der  Kompagnie-Kom- 
mandant hatte  ein  militärisches  Populationsbuch  und  besorgte  in 
seinem  Bezirke  die  Konscription  uud  Rekrutirung.  Zur  Führung  der 
Populationsbücher  war  bei  jeder  Kompagnie  ein  Offizier  bestimmt, 
der  alljährlich  die  Bereisung  im  Kompagnie  -  Bezirke  in  der  Zeit 
vom  1.  März  bis  Ende  Mai  vornahm.  Das  Stellungspflichtige  Alter 
war  zwischen  17  und  40  Jahren.  Ausser  diesem  Werbbezirk  erhielt 
das  Regiment  auch  einen  Theil  des  Zolkiewer- Kreises  in  Galizien. 

Mittelst  Reskriptes  vom  IG.  März  1781  wurden  die  Beur- 
laubungen der  Inländer  eingeführt,  um  grosse  Ersparnisse  zu  machen; 
der  Locostand  möglichst  restringirt,  die  übrige  Mannschaft  in  die 
Heimat  geschickt  und  nur  zu  einer  jährlichen  Exerzier-Periode  ein- 
berufen. Eine  hofkriegsräthliche  Verordnung  stellte  die  , Schaar- 
wacht '  ab;  es  war  nämlich  von  Alters  her  Gebrauch,  um  12  Uhr 
nachts  vor  der  Hauptwache  eine  Viertelstunde  die  Schaarwacht  zu 
trommeln,  um  die  Wachen  und  Piquete  an  ihre  Pflicht  zu  erinnern 
(in  der  Armee  war  unter  der  Mannschaft  die  Tradition  verbreitet, 
dass,  als  einst  die  Armee  im  tlreissiyj ährigen  Kriege  im  tiefen  Schlafe 
lag,  die  Schweden  schon  uahe  an  das  Lager  zum  Ueberfalle  vor- 
gedrungen, ein  gütiger  Engel  die  Trommel  gerührt  und  so  der 
Ueberfall  vereitelt  ward,  daher  zum  Andenken  jede  Nacht  12  Uhr 
die  Trommel  gerührt  wurde) ;  ferners  wurde  befohlen,  dass  jeder 
ankommende  oder  abgehende  Brief  des  Mannes  vom  Hauptmanne 
gelesen  werde.  Das  Toleranz  -  Patent  gestattete  dem  akatholischen 
Soldaten  den  Besuch  seines  Gotteshauses  und  gewährte  ihm  in  allen 


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202 


17HO-1787. 


Fällen  die  Tröstungen  seiner  Religion.  Die  Generale  durften  sieh  je 
nach  der  Charge  Hauptleute,  Ohcr-  und  Unterlieutenants  zu  Adju- 
tanten wählen,  jedoch  musste  der  betreifende  Offizier  dem  Generalate 
unterstehen. 

Schon  früher  hatte  sich  Kaiser  Josef  ernstlich  mit  der  Er- 
ziehung und  Versorgung  der  Soldatenkinder  befasst ;  Jedermann,  der 
ein  Soldatenkind  in  die  Versorgung  übernahm,  erhielt,  bis  das  Kind 
das  achte  Jahr  vollstreckt  hatte,  jährlich  12  Gulden  und  zur  An- 
schaffung der  Kleidungsstücke  2  Gulden  mehr. 

Am  1.  Mai  1781  raarschirte  die  in  Mödling  und  Petersdorf 
bequartierte  Division  nach  Laxenburg  und  bezog  dort  die  neu  erbaute 
Kaserne.  Am  16.  August  die  beiden  Feld  -  Bataillons  in  das  Exerzier- 
Lager  nach  Münchendorf,  wo  sich  alle  Regimenter  und  auch  die 
Grenadier -Bataillone  aus  Unter-  und  Ober  -  Oesterreich  versammelt 
hatten.  Am  20.  passirte  das  Regiment  die  Musterung  und  fanden 
dann  grosse  Manövers,  meistens  in  Gegenwart  Sr.  Majestät  des 
Kaisers,  statt.  Das  Regiment  und  dessen  Obrist  Baron  Lilien 
zeichneten  sich  bei  diesen  Gelegenheiten  so  vorzüglich  aus,  dass  der 
Kaiser  den  Truppen  das  Regiment  Teutschmeister  nicht  nur  als 
Muster  empfahl,  sondern  auch,  nur  beim  Regimente,  jedem  Mann 
eine  doppelte  Löhnung  auszahlen  Hess. 

Nach  aufgehobenem  Lager  am  10.  September  1781  rückte  das 
Obrist-Bataillon  nach  Wien  in  die  Alser-Kaserne,  das  Leib-Bataillon 
Divisionsweise  nach  Laxenburg,  Bruck  und  Hainburg,  das  Grenadier- 
Bataillon  Baron  Schneidauer  auf  die  Mauer. 

Mit  31.  Jänner  1782  erhielt  das  Regiment  das  Reskript,  für 
48  Soldatenknaben  ein  Erziehungshaus  zu  errichten,  wozu  vom 
Staate  2000  Gulden  bewilligt  wurden. 

Am  24.  April  wurden  die  pensionirten  Offiziere  aufgefordert, 
ob  sie  nicht  in  Böhmen  oder  Mähren  als  königliche  Richter  oder 
Rathsmänner  angestellt  zu  werden  wünschen. 

Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  10.  Juni  1782  ist  der 
Major  Konstantin  Roth  zum  Regiment  Migazzi,  dagegen  von  dort 
der  Major  Wilhelm  Baron  Kerpen  in  das  Regiment  eingetheilt 
worden. 

Am  12.  Juli  wurden  die  Packpferde  zum  Tragen  der  Kom- 
pagnie-Kesseln und  Kasserols,  sowie  der  Zelte  in  der  Armee  ein- 
geführt. 


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17H0-  17*7. 


203 


In  diesem  Jahre  fand  kein  Exerzier  -  Lager  statt,  dagegen 
mussten  die  Regimenter  im  August  doch  ihre  Urlauber  einziehen 
und  bei  ihren  Qaruisonsorten  die  Uebungen  abhalten.  Die  Bataillone 
passirten  in  diesem  Monat  die  Musterung.  In  der  Garnison  Bruck 
a.  d.  Leitha  fand  zum  Schlüsse  vom  Leib  -  Bataillon  ein  Revue- 
Manöver  in  Parade  statt,  wozu  sämmtliche  Honorationen,  für  welche 
Zelte  aufgeschlagen  waren,  erschienen.  Die  Mannschaft  erhielt  vom 
Obristen  12  Eimer  Wein  und  der  Tag  endete  mit  einem  Balle.  In 
Wien  rückte  das  Obrist  -  Bataillon  am  29.  vor  Sr.  Majestät  dem 
Kaiser  aus,  produzirte  verschiedene  Manövers,  Ab-  und  Aufmarsch 
aus  der  Masse,  Frontmarsch,  Deploirungen,  Chargirung  mit  Peletons 
und  Halb  -  Kompagnien,  mit  ganzen  Gliedern  aus  dem  Bataillon 
vor-  und  rückwärts  und  dem  schrägen  Feuer  aus  dem  Quarrte, 
defllirte  zum  Schlüsse  vor  dem  Kaiser,  welcher  sich  dann  mit  der 
gesamraten  Generalität  in  die  Kaserne  begab,  dem  Auf-  und  Ab- 
packen der  Packpferde  beiwohnte  und  dann  dem  Regiment  seine 
volle  Zufriedenheit  und  Wohlgefallen  bekannt  gab. 

Der  Gemeine  D  übler  des  Regiments  hatte  eine  mechanische 
Vorrichtung  zur  schnellen  Zurichtung  der  Flintensteine  erfunden, 
welche  der  Hofkriegsrath  akzeptirte  und  D  u  b  1  e  r  zum  Korporal 
bei  der  Artillerie  beförderte. 

Der  Stand  des  Regiments  bestand  Ende  Oktober  1782  aus 
3241  Mann,  unter  welchen  sich  1686  In-  und  1555  Ausländer 
befanden. 

Am  1.  November  1782  trat  im  Sternthalischen  Hause  am 
Rennweg  das  Regiments  -  Erziehungshaus  mit  48  Soldatenknaben 
unter  Kommando  des  Lieutenants  Johann  Klip  fei  in's  Leben. 

Hauptmann  Wähler  marschirte  am  1.  April  1783  mit 
3  subaltern  Offiziers  und  569  Mann  zum  Bau  der  in  Böhmen  neu 
anzulegenden  Festung  Pless.  Am  25.  Juli  wurde  das  dritte  Bataillon 
in  Wr.  Neustadt  gemustert  und  sendete  dann  eine  Division  zur 
Verstärkung  der  Wachen  nach  Wien.  Die  beiden  Feld -Bataillone 
rückten  am  31.  in  das  Lager  bei  Münchendorf,  in  welchem  sich 
14  Linien-,  3  Grenadier  -  Bataillone,  2  Divisionen  Kürassiere  und 
Dragoner  versammelten  und  passirten  dort  am  4.  August  vor  dem 
General  Baron  T  e  r  z  i  die  Musterung.  Am  12.  langte  Se.  Majestät 
der  Kaiser  in  Laxenburg  an,  hielt  am  14.  Revue  und  am  16.  das 
grosse  Manöver  ab.  Am  22.  um  6  Uhr  nachmittags  besichtigte  der 


204 


1780-1787 


Kaiser  das  Regiment  im  Detail  und  liess  dann  einzelne  Kompagnien 
und  Züge  vor  sich  exerziren.  Am  23.  fand  das  grosse  Schluss- 
manöver bei  Moosbrunn  statt,  worauf  am  24.  die  Urlauber  entlassen 
und  am  25.  das  Lager  aufgehoben  wurde.  Auch  in  diesem  Jahre 
hatte  das  Regiment  wegen  seiner  guten  Adjustining  und  Geschick- 
lichkeit das  Allerhöchste  Wohlgefallen  Sr.  Majestät  erworben.  Die 
Feld  -  Bataillone  wechselten  nun  die  Stationen,  daher  rückte  das 
Leib-Bataillon  nach  Wien  in  die  Alser-Kaserne,  das  Obrist-Bataillon 
Divisionsweise  nach  Bruck,  Hainburg  und  Laxenburg. 

Am  1.  April  1784  wurde  das  Arbeits-Komraando  in  Pless  durch 
den  Kapitänlieutenant  Chevalier  Plonquet  mit  derselben  Zahl- 
mannschaft abgelöst.  Mit  Hofkriegsraths  -  Dekret  vom  24.  April 
wurde  der  Major  Wilhelm  Baron  Kerpen  mit  dem  zum  Major 
beförderten  Hauptmann  Ignaz  Graf  Brandis  des  Regiments  Kallen- 
berg verwechselt. 

Die  beiden  Feld -Bataillone  bezogen  am  31.  Juli  das  Lager  in 
Münchendorf,  wo  sich  dieselben  Truppen  wie  im  vorigen  Jahre  ein- 
gefunden hatten.  Kaiser  Josef  belobte  nach  beendigten  Manövers 
nicht  nur  die  Schönheit  des  Regiments,  sondern  liess  ihm  auch  über 
seine  Geschicklichkeit  im  Manöveriren  das  Wohlgefallen  bedeuten. 
Am  25.  August  rückten  die  Bataillons  wieder  in  ihre  früheren 
Garnisonen. 

Am  21.  Oktober  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  sich  schleu- 
nigst in  Bereitschaft  zu  setzen,  um  ehebaldigst  abmarschiren  zu 
können,  da  mit  Holland  wegen  der  SchinTahrt  auf  der  Scheide  der 
Ausbruch  eines  Krieges  bevorstand,  daher  das  Arbeiter- Kommando 
aus  Pless  in  Eilmärschen  und  auch  die  Urlauber  einberufen  wurden ; 
jedem  Offizier  schenkte  der  Kaiser  ein  Pferd. 

Am  1.  November  erhielten  die  Offiziere  die  Gratisgage  und 
die  unentgeltlichen  Naturalien.  Die  beiden  Divisionen  aus  Hainburg 
und  Bruck  marschirten  am  20.  nach  Laa,  hielten  hier  drei  Rast- 
tage, worauf  am  24.  die  beiden  Feld  -  Bataillone  2240  Mann  stark 
nachdem  sie  einige  Kassawagen  mit  zwei  Millionen  in  Gold  über- 
nommen hatten,  sich  in  Marsch  setzten.  Dieselben  befanden  sich  mit 
dem  Regiment  Preiss  in  der  Brigade  des  General -Majors  Graf 
d' Alton.  In  Mauthausen  vereinigte  sich  das  Arbeiter  -  Kommando 
vom  Festungsbau  in  Pless  mit  dem  Regiment,  wodurch  dessen 
Stärke  2825  betrug,  passirte  dann  in  Linz  die  Revision  und  erhielt 


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17SO-17R7. 


205 


hier  zwei  zwölfpfündige  und  vier  dreipfündige  Kanonen  nebst 
Munitionskarren  und  150  Reserve  -  Pferde. 

Am  9.  Dezember  erreichte  das  Regiment  Payerbach  und  blieb 
hier  sechs  Tage  stehen.  Am  15.  wurde  der  Marsch  fortgesetzt  und 
beim  Betreten  Bayerns  die  Kriegsgebühren  ausbezahlt,  ausserdem 
aber  jedem  Mann  auf  Befehl  des  Kaisers  taglich  eine  halbe  Wein 
oder  eine  Mass  Bier  verabfolgt.  Am  14.  Jänner  1785  passirte  das 
Regiment  bei  Wertheim  den  Main,  am  1.  Februar  bei  Köln  den 
Rhein,  traf  am  6.  in  Aachen  ein,  rastete  hier  neun  Tage,  um  die 
zurückgebliebene  Artillerie  zu  erwarten,  erreichte  am  25.  Brüssel, 
wo  dasselbe  vom  Gouverneur  Herzog  A  1  b  r  e  c  h  t  von  Sachsen- 
Teschen  und  dessen  erlauchter  Gemalin  Erzherzogin  Christine 
besichtigt  wurde  und  rückte  am  1.  Marz  mit  2802  Mann  in  die 
Kantonnirungsquartiere  in  Möns  ein.  Hier  wurde  das  Regiment  in 
die  Kaserne  bequartiert,  wo  die  Mannschaft  dann  die  ganze  Zeit 
nichts  als  einen  Strohsack  ohne  Leintücher  und  Decken  hatte.  Korps- 
Kommandant  war  F.-Z.-M.  Graf  F  e  r  a  r  i  s,  Divisiouär  F.  -  M.  -  Lt. 
Graf  Wenzel  C  o  1 1  o  r  e  d  o  und  Brigadier  Generalmajor  Baron 
S  t  a  a  d  e  r. 

Das  Grenadier- Bataillon,  welches  nun  aus  den  Divisionen  der 
Regimenter  Nr.  3,  4  und  46  bestand,  erhielt  der  Obristlieutenant 
des  Regiments  Nr.  14  Heinrich  Xin.  Fürst  Reuss. 

Am  1.  März  1785  erhielt  das  Regiment  den  Befehl  des  Kaisers, 
dass  die  goldenen  Schärpen  der  Offiziere  abgeschafft,  dagegen  die 
seidenen,  so  wie  selbe  noch  heute  bestehen,  zu  tragen  sind; 
auch  enthielt  dieser  Befehl  die  Weisung,  dass  die  Offiziere  die 
Degen -Kuppel  von  nun  an  über  dem  Kapot  zu  schnallen  haben. 
Der  Regiments  -  Chirurgus,  welcher  bisher  mit  Er  benannt  wurde, 
erhielt  die  Benennung  Sie. 

Anfangs  August  produzirte  sich  das  Regiment  im  Feuer  vor 
mehreren  angekommenen  französischen  Generals  und  Offiziers,  dann 
am  20.  vor  dem  Gouverneur  der  Niederlande,  welcher  das  Regiment 
ganz  besonders  belobte. 

Da  mit  15.  September  das  Ultimatum  mit  Holland  endigte, 
wurden  die  Regimeliter,  um  für  alle  Fälle  in  Bereitschaft  zu  sein, 
an  der  Grenze  aufgestellt;  auch  das  Regiment  erhielt  am  8.  die 
Ordre,  am  10.  nach  Gent  aufzubrechen  und  rückte  an  diesem  Tage 
über  Ath,  Gcsmond  und  Souderkam,  am  14.  mit  einem  Stand  von 


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206 


1780-1787 


3088  Mann  in  Gent  ein,  wo  dasselbe  die  Eintheilung  in  die  Brigade 
des  General  Major  Graf  Rutland  erhielt. 

Mit  Allerhöchster  Kntschliessung  vom  1.  Oktober  1785  wurde 
der  Obristlieutenant  Wilhelm  Baron  Truchaes  zum  Obristen  beim 
Regiment  Karlsburg  ernannt.  Das  Regiment  passirte  am  2.  die 
Musterung. 

Nach  unterfertigten  Haupt -Präliminar -Artikeln  mit  der  Repu- 
blik Holland,  wodurch  der  Scheidestreit  beigelegt  war,  erhielten  die 
Regimenter  den  Befehl,  wieder  nach  Oesterreich  zurflekzumarschiren. 
Das  Regiment  rfickte  am  15.  Oktober  nach  Brüssel  und  traf  am  16. 
dort  ein.  Mit  Allerhöchster  Kntschliessung  vom  IG.  Oktober  1785 
wurde  der  Obristwachtmeister  Wilhelm  Baron  Rosenberg  zum 
Obristlieutenant,  der  zweite  Major  Ignaz  Graf  Brandis  zum  ersten 
und  der  Hauptmann  Rudolf  Baron  de  le  Blavier  zum  zweiten 
Major  befördert.  Das  Grenadier  -  Bataillon  erhielt  der  Obristlieutenant 
Karl  Graf  A  n  e  r  s  p  e  r  g  des  Regiments  Stain. 

Das  Regiment  marschirte  am  3.  Dezember  1785,  nachdem 
dasselbe  der  Gouverneur  der  Niederlande  besichtigt  und  wieder  die 
Kassa- Wagen  mit  den  zwei  Millionen  in  Gold  übernommen  hatte, 
von  Brftssel  ab,  rfickte,  beinahe  dieselbe  Route  wie  beim  Hinmarsche 
berührend,  am  18.  Februar  1780  in  Wien  ein  und  bezog  hier  mit 
dem  Stabe  und  dem  Obrist- Bataillon  die  Aiser -Kaserne,  während 
das  Leib  -  Bataillon  die  früheren  Garnisonen  Divisionsweise  in  Hain- 
burg, Bruck  und  Laxenburg  erhielt. 

Am  1.  März  marschirte  Hauptmann  John  mit  608  Mann  zum 
Festungsbau  nach  Pless. 

In  diesem  sowie  im  folgenden  Jahre  1787  war  das  Regiment 
im  Eierzierlager  bei  Münchendorf  und  bezog  nach  demselben  wieder 
seine  früheren  Garnisonen.  Das  Festungsbau -Kommando  in  Pless 
rückte  im  letzteren  Jahre  ein. 


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1788-1791. 


207 


1788-1791. 

Im  Jahre  1788  waren  Ereignisse  eingetreten,  welche  das 
Heer  zu  neuen  Thaten  riefen.  Oesterreich  war  nämlich  durch  Ver- 
träge verpflichtet,  dem  russischen  Reiche  bewaffneten  Beistand  gegen- 
über türkischen  Angriffen  zu  leisten;  als  nun  Katharina  die 
geforderte  Rückgabe  der  Krim  verweigerte,  die  Pforte  deshalb  gegen 
alles  Völkerrecht  den  nissischen  Gesandten  in  die  sieben  Thürrae 
warf  und  am  24.  August  1787  an  Russland  den  Krieg  erklärte, 
rüstete  auch  Oesterreich  zum  Kampfe. 

Das  Regiment  erhielt  sofort  den  Befehl,  sich  am  kompleten 
Kriegsstand  zu  setzen,  alle  Urlauber  wurden  einberufen  und  auch 
eine  Reserve- Division  aufgestellt.  Anfangs  Jänner  war  das  Regiment 
fertig  und  rückte  mit  dem  Stabe  und  den  Feld -Bataillons  nach 
Pressburg,  das  dritte  Bataillon  unter  Obristwarhtmeister  Gf.  Brandis 
nach  Raab. 

Kaiser  Josef  trachtete  die  Pforte  zur  Annahme  eines  Ver- 
gleiches zu  bewegen ;  als  aber  alle  Bemühungen  scheiterten,  übergab 
am  9.  Febmar  1788  der  k.  k.  Internuntius  dem  osmanischcn  Reichs- 
Effendi  die  nachstehende  Kriegserklärung,  welche  denselben  Tag  der 
Armee  und  in  der  ganzen  Monarchie  bekannt  gemacht  wurde: 

„In  ganz  Europa  ist  bekannt,  mit  welcher  Redlichkeit  und 
»Aufrichtigkeit  der  k.  k.  Hof  seit  so  vielen  Jahren  eine  ruhige  gute 
,  Nachbarschaft  mit  der  Pforte  zu  unterhalten  gesucht  und  mit 
»welcher  unermüdeter  Sorgfalt  derselbe  sich  bestrebet  hat,  durch 
«seine  freundschaftliche  Vermittelung  auch  alle  Veranlasssung  eines 
,Priedensbruches  zwischen  dem  Ottomannischen  Reiche  und  dessen 
»übrigen  Nachbarn  aus  dem  Wege  zu  räumen. 

„Einen  neuen  überzeugenden  Beweis  von  dieser  Sorgfalt  gab 
,der  k.  k.  Hof,  vereinigt  mit  seinem  Alliirten,  dem  köng:  französischen 
„Hofe  bei  Gelegenheit  der  letzten  zwischen  Russland  und  der  Pforte 
„entstandenen  Beschwerden. 

„Da  nach  dem  wörtlichen  Inhalte  der  Tracktaten  die  Gerechtig- 
keit der  Russisch -Kaiserlichen  Forderungen  nicht  zu  miskennen 
,war,  und  über  diess  der  Russischen  Kaiserin  Majestät  zu  einem 


208 


178H-1791. 


„  gütlichen  billigen  Vergleiche  sich  geneigt  bezeigten,  so  zweifelte 
„der  k.  k.  Hof  keineswegs,  dass  es  seinen  und  den  französischen 
„vereinigten  Bemühungen  gelingen  würde,  dem  Ausbruche  des 
„Kriegsfeuers  zuvorzukommen,  und  den  erwünschten  Ruhestand  auf- 
brecht zu  erhalten. 

.Desto  unerwarteter  und  befremdlicher  niusste  Sr.  kaisl. 
„Majestät  das  Betragen  der  Pforte  sein. 

„Weit  entfernt  den  wohlgemeinten  dringlichsten  Vorstellungen 
„des  k.  k.  und  französischen  Hofes  Gehör  zu  geben,  gestattete  sie 
„dem  Russisch -Kaiserl:  Gesandten  nicht  einmal  die  physisch  noth- 
,  wendige  Frist,  um  von  Petersburg  mit  neuen  Anweisungen  versehen 
„werden  zu  können.  Sie  forderte  von  ihm,  dass  er  durch  eiue  schril't- 
„ liehe  Urkunde,  den  mit  seinem  Hofe  bestehenden  Handelsvertrag 
„und  die  Transaktion  wegen  der  an  Russland  abgetretenen  Halbinsel 
„Krim  für  null  und  nichtig  erklären  sollte.  Als  er  eine  Forderung 
„verweigerte,  deren  Bewilligung  alle  Gewalt  und  Vollmacht  eines 
„Ministers  weit  übersteiget,  ward  derselbe,  mit  offenbarer  Verletzung 
„des  Völkerrechts  als  Gefangener  in  die  sieben  Thürme  gebracht  und 
„dem  Russisch  -  Kaiserl :  Hofe  der  Krieg  angekündiget. 

»Selbst  noch  in  der  Lage  dieser  Umstände  sahen  Se:  kaiserl: 
„Majestät  für  die  Abhaltung  wirklicher  Gewalttätigkeiten  nicht  alle 
„Hoffnung  als  verloren  an.  Allerhöchstdieselben  gründeten  solche  auf 
„die  Vermuthung,  dass  die  Pforte  durch  die  vereinigten  Vorstellungen 
„aller  in  Konstantinopel  anwesenden  fremden  Botschafter  und  Minister 
„sich  bewegen  lassen  dürfte,  den  Russisch  -  Kaiserl :  Gesandten  in 
„Freiheit  zu  setzen,  für  die  durch  seine  Gefangennehmung  verübte 
„schwere  Verletzung  des  allgemeinen  Völkerrechts  hinlängliche  Genug- 
tuung zu  leisten  und  dadurch  wenigstens  die  Möglichkeit  einer 
„gütlichen  Unterhandlung  wieder  herzustellen. 

„Allein,  auch  diese  Erwartung  hat  die  Pforte  vereitelt.  Sie  hat 
„mit  Ausübung  wirklicher  Feindseligkeiten  den  Anfang  gemacht,  sie 
„hat  folglich  den  Russisch  -  Kaiserl :  Hof  in  die  unumgängliche  Noth- 
„wendigkeit  versetzt,. gleichfalls  die  Waffen  zu  ergreifen  und  zu  seiner 
„gerechten  Verteidigung  Gewalt  gegen  Gewalt  anzuwenden. 

„Der  Pforte  sind  die  engsten  Bande  der  Freundschaft  und 
„Allianz  zwischen  Sr:  Kaiserlichen  und  Ihrer  Russisch  -  Kaiseil : 
„Majestät  nicht  unbekannt.  Sie  sind  ihr  mit  allen  ihren  notwendigen 
.Folgen  bei  mehreren  Gelegenheiten  mündlich  und  namentlich  zu 


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1788-1791 


200 


„Ende  des  Jahres  1783  schriftlich  in  wohlgemeinte  freundschaftliche 
.und  zugleich  nachdrückliche  Vorstellung  gebracht  worden. 

„Die  Pforte  hat  es  also  einzig  und  allein  sich  selbst  beizumessen, 
.dass  Se:  Kaiserl:  Majestät  nach  einer  gegen  sie  beobachteten  so 
,  vieljährigen  friedfertigen  guten  Nachbarschaft  und  nach  allen  bei 
.jeder  Gelegenheit  angewandten  eifrigsten  Vermittlungsbemühungen, 
„ nunmehr  sich  veranlasset  und  durch  sie  genöthiget  sehen,  die  Aller- 
.höchstdenenselben  als  getreuen  Freunde  und  Alliirten  Ihrer  Russisch- 
. Kaiserl :  Majestät  obliegenden  Pflichten  in  die  vollständigste  Erfüllung 
,zu  bringen  und  an  dem  Kriege  unverzüglichen  wirklichen  Theil  zu 
„nehmen.* 

Das  Regiment  hatte  mittlerweile  seine  Kriegsausrüstung  erhalten. 
Jedes  Bataillon  vier  dreipfündige  und  eine  seehspfündigc  Kanone, 
ferner  78  Stück  spanische  Reiter,  dann  15  Jäger  (ausgezeichnete 
Tiroler- Schützen),  welche  neben  den  Spielleuten  bei  den  Fahnen 
standen,  damit  sie  der  Bataillons  -  Kommandant  schnell  zur  Ver- 
fügung bei  der  Hand  habe.  Jeder  Jäger  erhielt  12  kr.  Löhnung  und 
1  Brod- Portion. 

Auch  erhielt  das  Regiment  40  Windbüchsen.  Die  Fourier- 
schützen und  Domesti(|uen  wurden  mit  Feuergewehren  versehen,  um 
die  Bagagen  vertheidigen  zu  können;  auch  wurden  Gewehrkolben- 
futterale zu  besserer  Konservirung  der  Schäfte  eingeführt.  Das 
Regiment  hatte  1  Feldschmiede  und  12  Proviantwägen,  auf  welchen 
für  jedes  Bataillon  200  Paar  Schuhe,  200  Paar  Hosen  und  200  Gatien 
mitgefühlt  werden  musstcn. 

Das  Regiment  erhielt  den  Befehl  am  1.  März  1788  aus  seinen 
Stationen  aufzubrechen.  Das  Obrist  -  Bataillon  rückte  zu  dem  kroa- 
tischen Armeekorps,  unter  dem  F. -M. -Lt.  Mittrowsky  in  das 
Lager  von  Esseg,  das  Leib  -  Bataillon  mit  dem  Regimentsstab  zur 
Verstärkung  der  Hauptarmee  mit  dem  Regiment  Toscana  in  das 
Lager  von  Polifze,  wo  es  bei  der  zweiten  Reserve  unter  dem  G.-M. 
Sturm  seine  Eintheilung  erhielt,  endlich  das  dritte  Bataillon  in 
das  Korps  des  G.  d.  K.  Fürst  Karl  Lichten  stein  nach  Glina. 
Auch  das  Grenadier-Bataillon  Graf  Auersperg,  bestehend  aus  den 
Divisionen  der  Regimenter  Nr.  3,  4  und  46,  brach  am  selben  Tage 
von  Wien  auf  und  marschirte  nach  Semlin. 

Nach  der  Eintheilungs-Liste  bestand  das  OfiFiziers-Korps  beim 
Beginn  des  Türkenkrieges  1788  aus: 

14 


210 


17SH-171M. 


Obrist-Inhaber  Maximilian,  Krzherzog  von  Oesterreich,  Hoch-  und 
Teutsehmeister. 

2.  Obrist-Inhaber  Wilhelm  Freih.  Schröder  v.  Lilienhof,  F.-M.-Lt. 
Obrist-Rogiments-Kommandant  Friedrich  Freiherr  von  Lilien. 
Obristlieutenant  Wilhelm  Baron  Rosenberg. 

Major  Ignaz  Graf  Brandis,  Ludwig  Baron  de  le  Blavier,  Karl 
Baron  Wilsdorf. 

Kaplan  Dominik  Cos  ti  a  1. 
Auditor  Anton  Fest. 

Adjutant  Nepomtik  Schmidt,  bei  den  Grenadiers  Johann  Schwarz. 
Chirurg  Ferdinand  F  a  1 1  e  r. 


1 

Kompagnien 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähndrich 

& 

Kapitan- 

Ober- 

1            TT  i 

Unter- 

IX)  Ul 

t: 

o 

1 

l.  Grenadier- 

Wahler 

jjcui  uacii 

— 

Sobot 

2.  Grenadier- 

Br.  Urracca 

öinzenaori 

Bauer 

— 

Lei  b- 

— 

v.  uiiciueiu 

Aul  wesien 

IV  up  J) 

Breitschko 

1.  Major- 

— 

v.  xiorcranu 

Honlr 
Jit-ck 

Mayer 

Steffens 

« 

Beer- 

v.  Beer 

k' oll  Ar 

neuer 

uttinecK 

Tratm 

® 

Lindenberg- 

v.  Lindenberg 



Golem 

>V  allern 

Lindenberg 

Zuohari- 

de  Zuchari 

Peteneck 

Resch 

Wiedersberg- 

von 
Wiedersberg 

Klipfeld 

Wutschke 

Bruder 

Obrist- 

Terzi 

Splasosny 

Croyer 

Krämer 

2.  Majors- 

Welter 

Mertloch 

Vehla 

Hochmann 

• 

OB 

■  ~-« 

Gehren- 

v.  Gehren 

Costerus 

Hackl 

Demet 

t* 

-Q 

o 

Nereen- 

Nereen 

Haacke 

Schitter 

Sonnenfeld 

Keller- 

Keller 

• 

du  Jardin 

Krunoviecki 

Thill 

Fontenet- 

Fontenet 

-- 

Tanfkirehen 

Sehapiz 

Wugovich 

S 

-** 

Obristlient.- 

Renette 

Villassovich 

Coreth 

1 

Schmidt 

Q 

Kottulinski-  | 

Baron 
Kottulinski 

Chaihovsky  j 

1 

Lathe 

Rauch 

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17S8  1791. 


211 


Kompagnien 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

\\  ■  t  r  1 1  r  1 1 '  - 
UAL1 1  mu- 

Oh  Ar- 

Iintpr- 

Fleischer- 

v.  Fleischer 

Albrecht 

1 

Gerger 

Stcinlein 

Prevost- 

t.  Prevost 

Neree 

Krammer 

Mollack 

Plonquet- 

v.  Plonquet 

Callya 

Niess 

J  oh.  Orelli 

Marga- 

v.  Marga 

Schönfeld 

Feeder 

Frz.  Orelli 

Reserve- 
Division 

de  Bertiliier 

8terneck 
Kussel 

Oleczick 

Stand  der  Feld  -  Bataillone  3144  Mann  und  52  Jäger,  3.  Bataillon  1409  Mann, 
30  Jäger,  Reserve-Division  800  Mann. 

Nach  Publizirung  der  Kriegserklärung  erhielten  am  9.  Februar 
um  7  Uhr  abends  alle  Brigadiers  und  Stabs  -  Offiziers  den  Befehl, 
bei  dem  kommandirenden  General  F.-M.-Lt.  de  V  i  n  s  zu  erscheinen, 
wo  ihnen  die  Ordre  ertheilt  wurde,  strengste  Kampfbereitschaft  zu 
halten  und  jeder  seine  Disposition  erhielt.  Am  folgenden  Tage  wurde 
dem  ganzen  Kordon,  welcher  schon  seit  dem  vorigen  Jahre  an  der 
Sudgrenze  der  Monarchie  aufgestellt  war,  die  Kriegserklärung  publizirt 
und  sogleich  an  mehreren  Punkten  offensiv  vorgegangen,  die  türkischen 
Posten  angegriffen  und  an  den  meisten  Punkten  besiegt  oder  ver- 
jagt. Beim  Angriffe  auf  Dubiza  durch  zwei  Bataillons  des  Banater 
Grenz  -  Regimentes  misslang  der  Sturm  und  die  Türken  hieben  5 
liegen  gebliebenen  verwundeten  Offizieren  und  82  Gemeinen  die 
Köpfe  ab,  setzten  diesen  die  Kaskette  auf  und  steckten  sie  auf 
Stangen  auf  der  Stadtmauer  zur  Schau  aus.  Diese  empörende  Schand- 
that  jener  verächtlichen  Barbaren  wurde  in  der  ganzen  Armee 
publizirt  und  erregte  selbstverständlich  die  höchste  Erbitterung. 

Kaiser  Josef  II.  war  schon  am  2.  Februar  von  Wien  ab- 
gereist, um  persönlich  das  Kommando  der  Armee  zu  übernehmen. 
Se.  Majestät  besichtigte  alle  Tnippen,  traf  an  Ort  und  Stelle  zweck- 
mässige Verfügungen,  überzeugte  sich  von  allem,  kaufte  z.  B.  einem 
Soldatenweib  in  Karlstadt  um  ein  Goldstück  einen  Laib  Komissbrod 
ab  und  versuchte  die  Güte  und  den  Geschmack  desselben.  Die 
Soldaten,  die  ihrem  geliebten  Kaiser  enthusiastisch  zujubelten,  be- 
schenkte er  reichlichst  und  vier  Türken,  welche  gerade  gefangen 

14* 


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212 


178H-1791. 


eingebracht  wurden,  sich  beim  Anblick  des  Kaisers  aber  sofort  auf 
die  Knie  warfen,  schenkte  er  sogleich  die  Freiheit.  Am  14.  März 
traf  der  Kaiser  von  seiner  Rundreise  wieder  im  Hauptlager  bei 
Semlin  ein  und  übernahm  vom  FeldmarschaU  Graf  L  a  c  y  das  Kom- 
mando der  Armee. 

In  Folge  der  eigentümlichen  Fechtweise  der  Türken,  deren 
Hauptwaffe  die  mit  Opium  berauschte  irreguläre  Reiterei  bildete, 
und  welcher  sich  dieselben  vorzüglich  zu  häufigen  Ueberfällen  be- 
dienten, erliess  der  Kaiser  den  Befehl,  dass  sowohl  bei  Marsch- 
ais bei  stabilen  Lagern  stets  die  Quarrfoform  angenommen  werden 
müsse.  BetrefT  der  Ausrüstung  und  Adjustirung  erliess  der  Kaiser 
folgendes,  die  Sorge  für  die  Erhaltung  seiner  Offiziere  bekundendes 
Handschreiben : 

„Lieber  Feldmarschall  L  a  c  y  ! 

„Nachdem  es  bei  einem  Türkenkriege  die  Noth wendigkeit 
„erfordert,  die  Offiziers  von  der  Infanterie  jeden  mit  einer  Pistole 
„zu  versehen  und  zu  vermuthen  ist,  dass  jeder  solche  bereits  bei 
„Händen  haben  wird,  so  werden  Sie  die  Anordnung  an  die  Regi- 
menter ergehen  lassen,  dass  die  Offiziers  den  Bedacht  nehmen, 
„sich  mit  den  dazu  erforderlichen  Hacken  zu  versehen.  Auch  will 
„ich  gestatten,  dass  die  Offiziers,  die  es  wünschen,  sich  graue 
„Kaputröcke,  wie  die  Roquelors  der  Soldaten  anschaffen  können, 
„um  nicht  so  sehr  von  dem  Feinde  erkannt  zu  werden. 

„Futak,  am  27.  März  1788. 

„Joseph  m.  p.B 

Die  Hauptarmee  bezog  am  16.  April  das  Lager  bei  Futak, 
den  20.  bei  Banofze  und  den  24.  bei  Semlin.  General  Mittrowsky 
zog  am  18.  seine  Truppen  bei  Klenak  (Öabac  gegenüber)  zusammen 
und  da  an  eben  diesem  Tage  auch  der  Kaiser  und  der  Erzherzog 
Franz  dort  anlangte,  so  wurde  am  20.  der  Anfang  mit  der  Ueber- 
schiffung  der  Save  gemacht,  worauf  die  Türken  sogleich  die  Vor- 
städte von  Sabac  in  Brand  steckten.  Den  21.  gingen  die  noch 
übrigen  Truppen  über  den  Fluss  und  rückten  in  drei  Kolonnen  auf 
höchst  beschwerlichen  Wegen  durch  einen  dicht  verwachsenen  Wald 
bis  vor  die  Festung,  wo  sie,  obgleich  seit  5  Uhr  auf  dem  Marsch, 
erst  um  10  Uhr  anlangten.  Das  Lager  wurde  unter  dem  Kanonen- 


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1988-11*1. 


213 


fcuer  der  Festung  aufgeschlagen ;  man  postirte  sich  in  ein  Quarrcc, 
das  mit  spanischen  Heitern  verschanzt  wurde.  Der  Kaiser  Hess 
drei  Rataillons  gegen  die  Vorstadt  Pcyra  rücken,  welche  die  Türken 
sogleich  verliessen.  Josef  II.  rekoguoszirte  nun  seihst  und  da  er 
fand,  dass  Peyra  den  Belagerern  hinderlich  wäre,  befahl  er,  sie  durch 
das  Freikorps  in  Brand  stecken  zu  lassen.  Der  Kaiser  bivouakirte 
die  Nacht  mit  seinen  Soldaten  unter  freiem  Himmel.  Den  folgenden 
Tag  wurde  die  Festung  heftig  beschossen  und  die  Trancheen 
eröffnet.  Der  Kaiser  war  bei  diesen  Arbeiten  immer  gegenwärtig 
und  setzte  sich  so  der  Gefahr  aus,  dass  neben  ihm  drei  Kanoniere 
getödtet  wurden.  Als  ihn  die  Generale  dringend  baten,  sich  nicht 
so  dem  Feuer  auszusetzen,  antwortete  der  Kaiser  lächelnd:  „Für 
einen  Kaiser  werden  keine  Kugeln  gegossen."  Er  bemerkte  eine 
Stelle,  an  welcher  der  Festung  leicht  beizukommen  wäre  und  Hess 
Freiwillige  und  eine  Kompagnie  Scharfschützen,  welchen  ein  Kom- 
mando des  Regiments  Pälffy  folgte,  vorrücken.  Diese  Truppen 
erstürmten  mit  ausnehmender  Bravour  die  Palanka,  erstiegen  das 
Rondell,  warfen  die  Türken  hinaus,  welche  nun  in  die  obere  Festung 
flüchteten. 

Der  Kaiser  Hess  die  Besatzung  durch  einen  Trompeter  zur 
Cebergabe  auffordern,  worauf  diese  eine  weisse  Fahne  aussteckte. 
Die  Besatzung,  1  Janitscharen  -  Aga,  31  Offiziere  und  800  Mann 
ergaben  sich  auf  Diskretion  —  24  Fahnen,  17  Kanonen  und 
2  Trommeln  waren  die  Trophäen;  das  Regiment  Nr.  48  besetzte 
die  Festung  und  am  27.  rückten  die  übrigen  Truppen  wieder  in  das 
Lager  bei  Semlin  ein.  Das  dritte  Bataillon  Teutschmcister  hatte 
bei  dieser  Unternehmung  keinen  Mann  verloren. 

Die  Eroberung  von  Sabac  war  das  einzige,  was  die  Haupt- 
armee  bis  zum  Mai  vornahm.  Obgleich  alle  Anstalten  zur  Belagerung 
von  Belgrad  vorbereitet  waren,  musste  diese  doch  einstweilen  unter- 
bleiben, da  die  Russen  noch  nicht  so  weit  vorgedrungen  waren,  um 
den  vereinbarten  Plan  ausführen  zu  können. 

Die  Türken  unternahmen  zuletzt  mit  bedeutender  Truppen- 
macht Angriffe  auf  den  bei  Semlin  errichteten  Damm  von  Besanja, 
zu  welchem  Unternehmen  sie  von  Belgrad  nach  der  sogenannten 
Sauspitze  überschifften  und  so  ungestüm  die  Vorposten  und  die  zum 
Schutze  des  Dammes  aufgestellten  Wachen  Überfielen,  dass  es  der 
höchsten  Anstrengungen  bedurfte,  sie  wieder  zurückzuwerfen,  wobei 


214 


1788-1791. 


der  Verlust  auf  Seite  der  Oesterreicher  auf  118Todte  und  193  Ver- 
wundete sich  bezifferte.  Vom  Regiment  waren  bei  diesem  Gefechte 
nur  die  Jäger  betheiligt,  welche  sich  sehr  tapfer  hielten  und  viele 
Türken  erschossen,  selbst  aber  nur  einen  Verlust  von  zwei  Todten 
und  vier  Verwundeten  einbüssten. 

Von  dieser  Detachirung  rückten  die  braven  Jäger  später  wieder 
zum  Regimente  ein,  bei  welehem  mit  Allerhöchster  Entschliessung 
vom  19.  Mai  1788  der  Obrist  Friedrich  Freiherr  von  Lilien  zum 
General  -  Major  ernannt  und  in  seine  Stelle  der  Obristlieutenant 
Wilhelm  Baron  Rosenberg  zum  Obrist  und  Regiments-Komman- 
danten, der  Major  Ignaz  Graf  Brandis  zum  Obristlieutenant  und  der 
Hauptmann  Karl  Baron  Wilsdorf  zum  Major  befördert  worden  war. 

Am  12.  Mai  wurden  die  Dispositionen  zur  Belagerung  von 
Belgrad  hinausgegeben  und  das  Unternehmen  auf  den  26.  Mai  fest- 
gesetzt. Die  Armee  war  hiezu  in  drei  Abtheilungen  geschieden  und 
alles  in  bester  Ordnung  vorbereitet,  als  auf  einmal  am  24.  Mai  ein 
Gegenbefehl  erschien,  welcher  die  ergangenen  Dispositionen  aufhob. 
Statt  dessen  fand  der  Kaiser  für  nöthig,  dem  Banate  Verstärkungen 
von  der  Hauptarmee  zuzusenden.  Acht  Bataillone  marschirten  aus 
dem  Lager  von  Semb'n  dorthin  ab.  Um  die  Lücke  dieser  Bataillons 
in  der  Linie  des  Semliner  -  Lagers  auszufüllen,  wurden  acht  andere 
Bataillone,  darunter  eines  des  Regiments  von  dem  Korps  der  Reserve 
nach  Semlin  gezogen. 

Die  Türken  hatten  auch  in  diesem  Feldzuge  die  barbarische 
Gewohnheit  des  Kopfabschneidens  nicht  vergessen.  Parlamentäre 
nahmen  sie  nicht  an,  Hessen  sie  aber  doch  meistens  nahe  heran- 
kommen und  feuerten  dann  auf  sie.  F.-Z.-M.  Baron  Gemmingen 
benützte  den  Umstand,  als  zwei  Knechte  des  Belgrader  Gouverneurs 
gefangen  genommen  wurden,  um  dem  Pascha,  bei  Gelegenheit  der 
Zurücksendung  der  beiden  Gefangeuen,  Vorstellungen  über  obige 
zwei  Punkte  zu  machen.  Hierauf  antwortete  der  Pascha:  »dass  die 
„eingewurzelte  Gewohnheit  des  Kopfabschneidens  vielleicht  dadurch 
»sich  verlieren  werde,  dass  jetzt  für  einen  lebenden  Getangenen 
„mehr  gezahlt  werde,  als  für  einen  Kopf.  Die  Parlamentäre  sollten 
»sich  immer  nur  einer  weissen  Fahne  bedienen,  um  sicher  zu  sein, 
„dass  sie  ungescheut  sich  nähern  können." 

Schon  jetzt  stellten  sich  bei  der  Armee  häufig  die  Wechsel- 
fieber ein,  so  dass  Ende  Mai  der  Krankenstand  bei  der  Hauptarmee 


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17S8-1791. 


215 


55  Offiziere  und  5306  Mann  erreichte;  auch  das  Regimeut  blieb 
nicht  verschont  und  hatte  Ober  300  Mann  in  den  Spitälern. 

Der  menschenfreundliche  Monarch,  der  so  sehr  um  die  Er- 
haltung des  Soldaten  besorgt  war,  liess  eigene  Verhaltungsmassregeln 
für  die  Mannschaft  zur  Erhaltung  der  Gesundheit  bekannt  machen 
und  alle  Vorgesetzten  zur  strengsten  Handhabung  derselben  unter 
persönlicher  Verantwortung  anweisen. 

Das  Grenadier  -  Bataillon  Aucrspcrg,  welches  mit  noch  drei 
anderen  bei  Jakoba  lagerte,  waren  so  geschwächt,  dass  alle  drei 
nur  ein  Bataillon  formiren  konnten.  Major  Schotten  dorf  übernahm 
das  Kommando,  die  anderen  Stabsoffiziere  rückten  zu  ihren  Regi- 
mentern ein;  das  Bataillon  wurde  in  die  Semliner  Redoutc  verlegt. 

Seit  dem  Aufenthalte  der  Truppen  bei  Semlin  hatten  sie 
ununterbrochen  an  der  Aufwerfung  der  Schauzen  gearbeitet,  welche 
am  20.  Juni  vollkommen  hergestellt  waren  und  nun  mit  300  Ge- 
schützen armirt  wurden.  Vier  Bataillons  rückten  zur  Bewachung  in 
die  Retranch ements ;  drei  andere  Bataillone  des  Lagers  waren  zu 
deren  Unterstützung  bestimmt.  F.-M.-Lt.  Graf  Clerfait  führte  den 
Oberbefehl. 

In  den  Schanzen  des  ßcsanja  -  Dammes  stand  ein  Bataillon, 
welches  alle  24  Stunden  aus  dem  Lager  abgelöst  wurde;  zwei 
andere  Bataillons  des  Lagers  hatten  immer  die  Bereitschaft  zur 
Unterstützung  des  ersten.  Das  Bataillon  des  Regiments  war  sehr 
oft  zu  diesen  Diensten  verwendet. 

Der  Krankenstand  hatte  sich  im  Monat  Juni  auf  12.000,  beim 
Regiment  auf  500  Mann,  vermehrt,  indem  sich  die  Ruhr  zu  den 
Wechselfiebern  gesellte  und  viel  mehr  Opfer  verlangte  als  ihr  Vor- 
gänger. 

In  den  Monaten  Juni  und  Juli  fanden  bei  der  Hauptarmee 
beinahe  gar  keine  Kriegsereignisse,  daher  auch  keine  Aenderung  in 
der  Lage  und  Stellung  statt.  Am  22.  Juli  attaquirten  die  Türken  die 
Schanzen  zwischen  Semlin  und  dem  BeSanja-  Damm,  wurden  jedoch 
mit  Verlust  zurückgeworfen. 

Der  Monat  Juli  war  dem  Gesundheitszustande  der  Hauptarmee 
noch  um  vieles  gefährlicher  als  der  vergangene  Monat;  indem  am 
Ende  des  Monats  bei  20.000  Mann  die  Spitäler  überfüllten.  Auch 
war  dieser  unselige  Zustand  noch  nicht  im  Abnehmen,  obschon  alles 
aufgeboten  wurde,  ihm  zu  steuern.    Kaiser  Josef  bereiste  alle 


216 


17HH— 17»1. 


Spitäler,  um  sich  persö  nlicli  von  der  Befolgung  seiner  Anordnungen 
zu  überzeugen.  Er  liess  ohne  Kucksicht  auf  den  Kostenaufwand  alle 
erdenklichen  Mittel  anwenden,  um  die  Kranken  jene  Vorsorge  zu 
ihrer  Herstellung  gemessen  zu  lassen,  die  so  ganz  in  dem  menschen- 
freundlichen Herzen  des  Kaisers  gegründet  war. 

Da  sich  anfangs  August  aus  den  Bewegungen  der  türkischen 
Armee,  vorzüglich  durch  ihr  starkes  Ansammeln  im  Lager  bei 
Czernez  mit  Bestimmtheit  herausstellte,  dass  der  Gross -Vezir  mit 
der  Hauptmacht  einen  Einbruch  in  das  Banat  unternehmen  würde, 
theilte  der  Kaiser  am  12.  August  die  Armee  in  zwei  Theile.  Der 
erste  Theil  21  Bataillone  mit  30  Eskadronen,  darunter  das  Grenadier- 
Bataillon  Auersperg  und  das  Regiment  blieben  im  Lager  bei  Semlin 
unter  Kommando  des  F.-Z.-M.  Baron  Gemmingen.  Man  hatte 
hiezu  jene  Regimenter  ausgesucht,  die  in  ihrem  Stande  durch  die 
Krankheiten  am  meisten  herabgesetzt  waren.  (Das  Regiment  hatte 
bereits  über  200  Mann  durch  den  Tod  verloren  und  gegen  500 
lagen  in  den  Spitälern.)  Der  zweite  Theil,  21  Bataillone  und  32  Eska- 
drons  marschirten  in  das  Banat. 

Am  30.  August  rückte  das  Grenadier- Bataillon,  mit  einem 
Bataillon  Kaiser-  und  einer  Division  Uhlanen,  denen  einige  100  Mann 
beigegeben  wurden,  über  die  Dunawitza  gegen  den  alten  Damm, 
um  das  hohe  Rohr  nieder  zu  machen.  Diese  Unternehmung  allar- 
mirte  die  Besatzung  Belgrads,  welche  von  den  Wällen  ein  lebhaftes 
aber  unschädliches  Feuer  eröffnete.  Gegen  Abend  kamen  vier  türkische 
Tschaiken  an  den  Einfluss  der  Dunawitza,  vertrieben  mit  ihren 
Doppelhacken  die  österreichischen  Piquets,  wurden  aber  durch  das 
wohlgezielte  Feuer  der  Achtzehnpfünder  aus  der  Seraliner  Redoute 
zum  Rückzüge  gezwungen.  In  der  Nacht  auf  den  9.  September 
errichtete  der  Feind  eine  Batterie  auf  der  Kriegs-  und  eine  auf  der 
Zigeuner- Insel,  jede  zu  vier  Kanonen,  gegen  den  Damm  und  liess 
gegen  Morgen  bei  3000  Spahis  und  0000  Janitscharen  auf  die  Sau- 
spitze überführen.  Von  den  Oesterreichein  zeitlich  wahrgenommen, 
ergriff  das  Korps  die  Waffen  und  raillirte  sich  auf  seinen  Allarm- 
Plätzen,  um  jeden  Angriff  abweisen  zu  können.  Drei  Bataillone  mit 
der  sämmtlicheu  Kavallerie  besetzten  die  Anhöhe  auf  dem  Ober- 
brunnen, das  Regiment  stand  am  Damme  unter  Gewehr  und  jedes 
Bataillon  hatte  einen  Posten  im  Retranchement  zu  besetzen.  In  der 
Semliner  Redoute  stand  das  Grenadier- Bataillon  Auersperg  in  der 


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i7hk  im. 


217 


Bereitschaft.  Mit  Tagesanbruch  eröffneten  die  Türken  ein  lebhaftes 
Feuer,  sowohl  gegen  die  Semliner  Kedoute,  als  auch  gegen  die  Stadt 
und  den  Damm,  während  feindliche  Tschaiken  in  dem  Flusse  auf- 
wärts fuhren  und  sowohl  die  kaiserliehen  Fahrzeuge  als  auch  den 
Damm  beschossen.  Der  dreimalige  Angriff  der  Türkeu  wurde  durch 
die  Attaquen  der  Kavallerie,  als  auch  das  lebhafte  Geschützfeuer 
abgewiesen. 

Am  27.  Oktober  traf  der  Kaiser  mit  7  Grenadier-,  C  Füsilier- 
Bataillonen  und  3  Kavallerie  -  Regimentern  aus  dem  Banate  wieder 
im  Lager  vor  Semlin  ein.  Am  19.  November  wurden  die  Feind- 
seligkeiten eingestellt  und  die  Winterquartiere  bezogen.  Das  Regiment 
rückte  in  das  Lager  bei  Okutschany ;  das  Grenadier  -  Bataillon, 
welches  am  3.  November  der  Obristlieutenant  Baron  Sebottendorf 
von  Nr.  59  übernommen  hatte,  stand  in  Illok  in  Syrmien,  dessen 
Brigadier  General -Major  Duc  d1  Ursel  in  Peterwardein. 

Am  18.  November  verliess  Sr.  Majestät  in  Begleitung  des 
Erzherzogs  Franz  und  des  F.-M.  Grafen  Lacy  Semlin  und  traten 
über  Peterwardein,  schwer  erkrankt,  die  Reise  nach  Wien  an. 

Eine  mit  dem  Feinde  abgeschlossene  Konv  ention  setzte  für  die 
Dauer  des  Winters  eine  Art  von  Waffenstillstand  fest,  wodurch  den 
Truppen  eine  grössere  Ruhe  verschafft  wurde. 

Die  Regimentsgeschichte  hat  das  Obrist-Bataillon  beim  Ausbruch 
des  Feldzuges  beim  kroatischen  Truppenkorps  unter  dem  G.  d.  K. 
Fürst  Karl  Lichtenstein  verlassen.  Dieses  Korps  unternahm 
am  9.  Februar  die  Unternehmungen  auf  Dresnik,  Dubitza  und 
Sturlich,  wobei  das  Bataillon  nicht  in's  Feuer  kam.  Nach  diesen 
Vorfällen  wanderten  so  viele  türkische  Unterthanen  in  das  kaiser- 
liche Gebiet  aus,  dass  die  am  Unnallusse  befindlichen  Fahrzeuge 
zu  ihrer  Herüberschiffung  kaum  hinreichten.  Die  in  den  türkischen 
Schlössern  befindlichen  Besatzungen  versammelten  sich  öfters,  um 
diesen  Auswanderungen  Einhalt  zu  thun,  doch  da  diese  von  den 
Oesterreichern  unterstützt  wurden,  kamen  beide  Theile  öfter  in's 
Handgemenge,  wobei  die  Türken  jedesmal  weichen  mussten. 

Am  25.  März  brachen  1000  Türken  bei  Klockoch,  einem 
fünf  Stunden  von  Karlstadt  gelegenen  Schlosse,  ein,  hieben  ein 
Piquet  von  36  Mann  nieder  und  steckten  in  barbarischer  Weise  die 
Dörfer  Kussava  und  Klockoch  in  Brand.  Vier  Kompagnien  Szluiner- 
Grenzer,  welche  schnell  herbeieilten,  warfen  sie  aber  mit  bedeutendem 


218  1788-1791. 

Verlust  in  die  Wälder  zurück.  Am  4.  April  um  '/28  Uhr  früh 
rückten  drei  starke  türkische  Kolonnen  unter  dem  Schall  ihrer  Feld- 
musik in  den  Bezirk  Dresnik,  um  diesen  wieder  zurück  zu  erobern. 
Obrist  Peharnick  warf  sie  überall  zurück,  worauf  sie  sich  mit 
ihren  drei  Kolonnen  auf  den  Anhöhen  bei  Dresnik  sammelten  und 
das  Schloss  von  allen  Seiten  umringten.  Die  tapfere  Besatzung  und 
das  in  dem  Verhaue  jenseits  der  Korona  gut  bediente  Geschütz 
hielt  sie  aber  in  respektvoller  Entfernung,  bis  das  Obrist- Bataillon 
des  Regiments  und  ein  Grenz -Bataillon  anrückten,  die  Türken  in 
Verwirruug  brachten  uud  mit  grossem  Verlust  in  die  Flucht  jagten. 
Eine  Fahne,  eine  Menge  Waffen  und  viele  Pferde,  sowie  das 
sämmtliche  geraubte  Vieh  fiel  den  Siegern  in  die  Hände,  welche 
nur  5  Todte  und  20  Verwundete  verloren  hatten. 

Nun  rückte  Fürst  Lichtcnstein  mit  seinen  Truppen  über 
die  Unna,  traf  am  17.  April  in  Czerostany  vor  Dubitza  ein,  und 
begann  sogleich  die  Belagerung  dieser  Festung.  In  der  Nacht  vom 
21.  zum  22.  war  eine  Tranchee  von  200  Klaftern  zu  Stande  ge- 
bracht, welche  bis  auf  10  Klafter  gegeu  die  Mauern  von  Dubitza 
reichte,  gleichzeitig  eiue  Breschbatterie  von  sechs  schweren  Ge- 
schützen errichtet,  und  daraus  am  22.  ein  so  wirksames  Feuer  unter- 
halten, dass  noch  an  demselben  Tage  eine  Bresche  von  mehreren 
Klaftern  geöffnet  war.  Ein  ausgesendetes  Kekognoszirungs-Dctache- 
ment  stiess  auf  1000  zum  Entsätze  anrückende  berittene  Türken, 
verlor  nach  einem  hartnäckigen  Kampfe,  in  welchem  endlich  die 
Türken  doch  in  die  Festung  gelangten,  an  Todten  5  Offiziere  und 
156  Mann.  Mit  dieser  Verstärkung  zählte  die  Besatzung  in  Dubitza 
12.000  Streiter. 

In  der  Morgendämmerung  des  25.  April  erhielt  das  Bataillon 
Teutschmeister  mit  einem  von  Preiss,  unter  Anführung  des  General 
Khuen  den  Befehl,  die  Bresche  zu  stürmen.  50  Scharfschützen, 
vom  Oberlieutenant  Stadler  geführt,  bildeten  die  Spitze,  100  Frei- 
willige von  Teutschmeister  und  ebenso  viele  von  Preiss  hatten  rasch 
zu  folgen,  je  eine  Division  dieser  Bataillons  sollte  sie  unterstützen, 
und  50  Scharfschützen  schlössen  den  Zug.  Seit  Eröffnung  der  Bresche 
erwartete  die  Besatzung  den  Sturm  und  kaum  erblickte  sie  mit  dem 
ersten  Lichte  des  Tages  die  Spitze  der  Stürmenden,  als  sie  sich 
auch  schon  halb  gedeckt  auf  der  Höhe  der  Bresche  zeigte.  Aus  dem 
Schutte  sprühte  nun  den  Anrückenden  ein  mörderischer  Kugelregen 


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1788-1791. 


219 


entgegen.  Oberlieutcnant  Stadler  fiel  am  Rande  des  Grabens  todt 
nieder;  die  Scharfschützen  zerstreuten  sich  in  Verwirrung.  Zwei  an 
die  Bresche  vorgezogene  Dreipfflnder  entluden  nur  einige  Male  ihre 
•SchrottbOchsen,  denn  bald  lagen  ihre  Kanoniere  todt  hingestreckt. 
Hauptmann  V  r  e  v  o  s  t  stürmte  mit  wahrem  Heldenmuthe  an  der 
Spitze  der  Freiwilligen  von  Teutsehmeister,  überschritt  nebst  12  Mann 
den  auf  Kniehöhe  unter  Wasser  gestandenen  Graben,  erhielt  aber 
einen  Schuss,  ebenso  Oberlieutenant  Duroont  einen  in  das  rechte 
Auge  und  mussten  zurückgetragen  werden.  Der  übrige  Theil  der 
Freiwilligen,  statt  schnellen  Schrittes  das  Wasser  des  Grabens  zu 
durcheilen,  entwickelte  sich  längs  dem  Rande  desselben,  zum  eigenen 
Verderben  in  Plänkler.  Das  ununterbrochene  Feuer  von  der  Bresche 
und  den  Schussluchern  brachte  eine  allgemeine  Unordnung  in  die 
Stürmenden.  Vergeblich  führte  General  K  hu  en  die  zwei  ünter- 
stützungs  -  Divisionen  hervor,  er  erhielt  zwei  tüdtlichc  Wunden  und 
Obristlieutenant  Rosen  borg  einen  Schuss  in  den  linken  Fuss;  die 
Unterstützungen,  welche  viele  Leute  verloren,  geriethen  in  Unord- 
nung und  so  misslang  insbesonders  durch  den  Tod  oder  Verwun- 
dungen der  Führer  der  kühne  Angriff. 

Oberlieutenant  Karl  Chevalier  Dumont  starb  an  der  schweren 
Verletzung,  21  Mann  des  Bataillons  blieben  todt,  115  wareu  verwundet. 

Nach  diesem  missluugenen  Sturme  fielen  die  Türken  mit 
langen  Spiessen  unter  grässlichem  Geschrei  in  die  TranchSen,  während 
gleichzeitig  ein  erschienener  Entsatz  die  Oesterreicher  im  freien  Felde 
angriff'.  General  Schlaun,  welcher  nun  statt  dem  schwer  verwun- 
deten General  Khuen  kommandirte,  schlug  die  Türken  aus  den 
Tranchieu  und  verfolgte  sie  bis  an  die  Bresche,  wo  auch  er,  tödtlich 
getroffen,  fiel.  Hierauf  begann  der  Kampf  auf  dem  freien  Felde,  der 
über  drei  Stunden  währte,  wobei  die  Türken  mit  ihren  langen  Spiessen 
bis  an  die  Infanterie  vordrangen,  von  dieser  aber  mit  einem  mörderi- 
schen Feuer  haufenweise  hingestreckt,  und  endlich  durch  eine  Schwa- 
dron Kinsky-Chevauxlegers  gänzlich  in  die  Flucht  geschlagen  wurden. 

Die  Oesterreicher  hatten  1  Feldmarschall-Licutenant,  2  Generale, 
1  Obristlieutenant,  14  Offiziere  und  534  Mann  todt  oder  verwundet; 
dagegen  bedeckten  gegen  tausend  todte  und  verwundete  Türken  das 
Schlachtfeld.  Die  Chevauxlegers  hatten  eine  Standarte  erobert. 

Lieh ten stein  zog  sich  abends  mit  seinen  Truppen  über  die 
Unna  zurück  und  nahm  mit  seinem  Lager  bei  Czerostany  eine 


1 


220  1788-1791. 

solche  Stellung,  dass  die  über  den  Fluss  geschlagene  Pontonsbrücke 
durch  den  Brückenkopf  behauptet  werden  konnte.  Die  Türken  unter- 
nahmen im  Laufe  des  Monats  Mai  eine  Menge  Angriffe  auf  die 
Brücke  und  den  Brückenkopf,  wurden  aber  jedesmal  mit  blutigen 
Köpfen  abgewieseu;  ebenso  heraübten  sie  sich  im  Juni  vergebens  in 
Kroatien  einzubrechen  und  unternahmen  wiederholte  fruchtlose  Angriffe 
gegen  den  Brückenkopf.  Ihre  beiden  gegenüber  errichteten  Batterien 
feuerten  ohne  alle  Wirkung;  der  mit  bedeutenden  Verstärkungen 
angelangte  Pascha  von  Travnik  führte  persönlich  das  Kommando. 

Im  Juli  war,  ausser  einigen  fruchtlosen  Versuchen  in  Kroatien 
einzudringen,  der  Feind  hauptsächlich  bemüht,  die  Feldfrüchte  ein- 
zuernten und  sie  tiefer  in's  Land  in  Sicherheit  zu  bringen.  Auch 
die  Oesterreicher  fouragirten  öfter  im  feindlichen  Gebiete,  bei  welchen 
Gelegenheiten  gewöhnlich  kleine  Scharmützel  vorfielen. 

In  der  Mitte  dieses  Monats  wurde  auch  Fürst  Lichtenstein 
von  der  herrschenden  Krankheit  ergriffen  und  war  daher  genöthigt 
das  Kommando  dem  F.-M.-Lt.  Baron  de  Vins  zu  übergeben  und 
sich  den  18.  Juli  nach  Petrinia  und  von  dort  nach  Wien  zu  begeben, 
wo  er  einige  Monate  später  starb. 

Gleich  beim  Beginn  des  Monats  August  beschloss  de  Vins 
die  Türken  in  ihrem  verschanzten  Lager  bei  Dubitza  anzugreifen. 
Nachdem  zwischen  dem  8.  und  0.  in  der  Nacht  noch  eine  Pontons- 
brücke über  die  Unna  geschlagen  worden,  gingen  den  9.  um  2  Uhr 
früh  die  zum  Angriffe  bestimmten  Truppen  über  beide  Brücken. 
General  Brentano  rückte  mit  dem  in  Masse  formirten  Bataillon  Preiss 
und  einem  Bataillon  Grenzer,  das  seine  Kanonen  mit  sich  führte, 
über  die  der  Brückenschauze  gegenüber  gelegene  Anhöhe,  gerade 
auf  die  türkischen  Batterien  los.    Diesem  rückte  General  Kalt- 

* 

schmied  mit  dem  Bataillon  Teutschmeister  und  einem  von  St. 
Georger-Kegiment,  die  mitsammen  ein  Quarree  formirten,  nachdem 
er  die  Scharfschützen  vorausgeschickt  hatte,  über  dieselbe  nach. 
Ihm  zur  Seite  marschirte  General  Buben  holen  mit  einer  Division 
Dragoner  und  Chevauxlegers.  Ein  Bataillon  von  Nr.  3  in  drei  Massen 
formirt,  rückte  am  Abhänge  der  Anhöhe  gegen  die  erste  feindliche 
Batterie,  um  Brentano  zu  unterstützen.  Die  Generale  Schmackers 
und  Schindler  deckten  mit  den  nöthigen  Truppen  die  Brücken. 

Um  4  Uhr  morgens  kam  Brentano  dem  türkischen  Lager  so 
nahe,  dass  das  Bataillon  Preiss  die  erste  türkische  Batterie  angreifen 


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17KS-17H1 


221 


konnte.  Das  Kaltschmied'sche  Quarree,  mit  der  Kavallerie  zur  Seite, 
rückte  im  Zusammenhange  nach.  Das  Bataillon  Preiss  griff  nun  mit 
Hilfe  der  Scharfschützen  die  erste  türkische  Batterie  an.  Während 
dieses  Angriffes  wurde  das  dahin  im  Anmärsche  hefindliche  Bataillon 
von  Nr.  3  durch  die  herbeigeeilte  türkische  Reiterei  mit  Heftigkeit 
unter  dem  gewöhnlichen  kannibalischen  Geheul  angefallen  und  um- 
ringt; es  hielt  aber  drei  wiederholte  Anfalle  mit  vielem  Muthe  und 
solcher  Standhaftigkeit  aus,  dass  die  feindliche  Reiterei  davon  abliess, 
sich  zurückzog  und  da  indessen  das  Kaltschmied'sche  Quarrte  und 
die  Reiterei  vorrückte,  sich  eiligst  gänzlich  entfernte,  daher  die 
Truppen  ruhig  ihren  Marsch  gegen  die  türkischen  Batterien  fortsetzten, 
während  indessen  das  Bataillon  Preiss  die  erste  eingenommen  hatte. 

Das  Kreuzer  Grenz-Bataillon  griff  in  der  nämlichen  Zeit  das 
türkische  Lager  an.  Die  Türken  setzten  sich  Oberall  tapfer  zur 
Gegenwehr  und  der  Kampf  währte  bis  gegen  Abend.  Das  Bataillon 
Teutschmeister  erstürmte  die  zweite,  das  Bataillon  St.  Georger  die 
dritte  Batterie;  die  Türken  mussten  mit  vielem  Verluste  auf  allen 
Punkten  weichen  und  ihre  Schanzen,  sowie  das  Lager  den  Siegern 
überlassen. 

Um  ljt7  Uhr  abends  war  laut  Bericht  des  F.-M.-Lt.  de 
Vins  „der  Angriff  mit  dem  günstigsten  Erfolge  geendigt,  weil  die 
»Generale,  Stabs-  und  Ober-Offiziere  sowohl,  als  die  Truppen  ihren 
.Obliegenheiten  genau  nach  dem  vorgeschriebenen  Plane  vollkommen 
„Genüge  geleistet  haben,  und  jeder  Theil  zweckmässig  mitwirkte. 
„Daher  auch  dieser  Angriff  Überhaupt  mit  so  vieler  Ordnung  und 
.Pünktlichkeit,  wie  ein  Manöver  auf  dem  Exerzierplatze  vor  sich 
„gegangen  ist.« 

Als  Belohnung  des  besonderen  Wohlverhaltens  Überliess 
F.-M.-Lt.  de  Vins  den  beim  Kampfe  betheilt  gewesenen  Truppen 
das  ganze  türkische  Lager  als  Beute. 

Der  Verlust  des  Bataillons  Teutschmeister  bestand  nur  in 
einem  Todten  und  zwei  Verwundeten;  bei  der  gesammten  Truppe 
in  27  Todten  und  55  Verwundeten.  Die  todten  Türken  lagen  überall 
haufenweise ;  fünf  schwere  Kanonen  wurden  in  den  Schanzen  erobert. 

Noch  spät  abends,  nachdem  alle  Truppen  über  die  Unna 
herübergezogen  und  sich  angeschlossen  hatten,  rückte  das  Korps  vor 
Dubitza  und  eröffnete  aus  allen  Geschützen  ein  so  heftiges  Feuer, 
dass  der  Ort  bald  einem  Steinhaufen  ähnlich  sah. 


222 


1788—1791 


Die  Truppen  bezogen  in  der  Nähe  das  Lager.  Am  11.  August, 
gegen  Abend  versuchten  die  auf  die  Anhöhe  Agyno  Berdo  zurück- 
gegangenen Türken  mit  5 — 6000  Mann  an  derselben  Stelle,  wo  sie 
am  25.  April  zum  Entsätze  von  Dubitza  eingebrochen  waren,  nun 
wieder  der  Festung  zu  Hilfe  zu  kommen;  sie  machten  wiederholte 
Angriffe,  fanden  aber  den  Graben  stark  besetzt  und  wurden  durch 
ein  heftiges  Kanonen-  und  Musketenfeuer  jedesmal  mit  beträcht- 
lichem Verluste  zurückgeschlagen. 

Am  18.  traf  Feldmarschall  Loudon  im  Lager  ein  und  über- 
nahm das  Kommando  des  gesammten  kroatischen  Truppen  -  Korps. 

Die  auf  dem  Agyno  Berdo  gelagerten  Türken  griffen  am 
20.  früh  4  Uhr  abermals  das  Lager  an,  wurden  aber  durch  den 
tapferen  "Widerstand  mit  einem  Verluste  von  600  Mann  an  Todten 
und  Verwundeten  zurückgeschlagen,  während  die  kaiserlichen  Tmppen 
^ar  keinen  Verlust  hatten. 

Durch  die  fortwährende  Beschiessung  war  am  21.  bereits  eine 
grosse  Bresche  in  den  Mauern  von- Dubitza  entstanden  und  mit  den 
Sappen  waren  so  bedeutende  Fortschritte  gemacht,  dass  sie  am  25. 
abends  nur  noch  zehn  Schritte  von  der  Mauer  eutfernt  waren.  Nun 
verlor  die  Besatzung  den  Muth  und  Hess  den  Feldmarschall  am 
26.  morgens  durch  Deputirte  um  freien  Abzug  bitten.  Diess  wurde 
abgeschlagen,  bis  12  Uhr  Bedenkzeit  gegeben,  worauf  der  Sturm 
erfolgen  würde.  Um  diese  Stunde  wehte  die  weisse  Fahne  von  der 
Mauer  und  die  Besatzung  ergab  sich  kriegsgefangen. 

An  demselben  Tage  hatte  eine  Division  des  Bataillons  Teutsch- 
meister  die  Höhe  des  Agyno  -  Berdo  erstiegen  und  verkündete  durch 
Flintenschüsse  dem  Feldmarschall,  dass  das  ganze  feindliche  Lager 
verlassen  sei. 

Dubitza  wurde  nun  wieder  in  einigen  Tagen  mit  aufgebotenen 
Provinzial-Arbeitern  so  hergestellt,  dass  dessen  Besitz  die  weiteren 
Bewegungen  an  der  oberen  Unna  begünstigen  konnte.  Unter  diesen 
Arbeiten  war  der  Monat  August  verflossen.  In  den  ersten  Tagen 
des  September  hatte  der  Feldmarschall  mehrere  Rekognoszirungen 
des  feindlichen  Lagers  bei  Jellovacz  persönlich  vorgenommen  und 
liess  dasselbe  bewachen.  Da  die  vorgerückte  Jahreszeit  keinen 
Stillstand  gönnte,  liess  Loudon  den  General  Schmackers  mit 
sechs  Bataillons  aus  der  Stellung  bei  Dubitza  gegen  Novi  abrücken, 
für  übertrug  dem  F.-M.-Lt.  de  Vins  mit  dem  Reste  der  zurück- 


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17KS-1791. 


223 


gebliebenen  Truppe,  unter  welcher  sich  das  Bataillon  Teutsehmeister 
befand,  Dubitza  und  die  Unna  bis  Novi  zu  bewachen  und  begab  sich  am 
6.  September  nach  Devor  vor  Novi,  wo  er  sein  Hauptquartier  aufschlug. 

Am  7.  September  begann  die  Heiagerung  und  am  4.  Oktober 
wehten  die  österreichischen  Fahnen  auf  den  Wallen,  denn  an  diesem 
Tage  hatte  Novi  kapitulirt.  General  Schmackers  wurde  nun  mit 
vier  Bataillons  zur  Einnahme  von  Berbir  abgesendet;  F. -M. -Lt. 
de  Vins  hob  am  15.  Oktober  das  Lager  aufBegovstan  bei  Dubitza 
auf  und  marschirte  nach  Kostainicza.  Das  Bataillon  Teutsehmeister 
war  nach  Glina  gerückt,  brach  aber  am  9.  November  auf  Befehl 
des  Feldmarschalls  von  dort  auf  und  marschirte  nach  Petrinia,  wo 
dasselbe  in  die  Brigade  General  Klebek  eingetheilt,  die  Winter- 
quartiere bezog. 

Das  Regiment  hatte  in  diesem  Feldzuge  bis  Ende  des  Jahres 
1788  C  Offiziere  und  über  1000  Mann  am  Fieber  und  der  Ruhr 
verloren,  sogar  die  beiden  Wiutermonate  November  und  Dezember 
rafften  noch  185  Mann  hin,  so  dass  trotz  den  zahlreich  nach- 
gesendeten Rekruteu  am  20.  Mai  1780  die  drei  Bataillons  zusammeu 
nur  1G00  Mann  unter  den  Waffen  hatten.  An  diesem  Tage  über- 
nahm Feldmarschall  L  o  u  d  o  n  das  Kommando  der  kroatischen  Armee 
und  zog  die  Truppen  wegen  der  Einfalle  der  Türken  in  die  Szluiner-, 
Banalisten-  und  Liccaner  -  Regiments  -  Bezirke  in  einem  Lager  bei 
Szluin  zusammen;  auch  sollte  die  Festung  Bihac  belagert  werden, 
allein  die  Schwierigkeiten  der  Verpflegsanstalten  bei  der  üblen 
Witterung  nöthigten  zum  Aufgeben  dieses  Unternehmens,  wogegen 
der  Feldmarschall  sich  entschloss,  nachdem  die  Hochwasser  sich 
verlaufen  hatten,  sogleich  zur  Belagerung  von  Berbir  zu  schreiten. 
Die  Armee  marschirte  in  vier  Abtheilungen,  das  Regiment  unter 
dem  Generalmajor  Klebek  in  der  zweiten  Abtheilung  und  brach 
am  7.  Juni  mit  dem  Stabe  und  den  Feld -Bataillons  aus  dem 
Lager  von  Szluin  nach  Weljun  auf,  rückte  am  8.  nach  Woinich, 
10.  Werginmosi,  11.  Glina,  13.  Petrinia,  14.  Sunia,  15.  Drenovbok, 
17.  Novska,  18.  Okucsani.  Das  dritte  Bataillon  war  mit  noch 
drei  dritten  Bataillons  anderer  Regimenter  zur  Deckung  des  sehr 
wichtigen  Szluin,  in  zweiter  Linie  hinter  der  Brigade  Peharnik  in 
den  Redouten  zu  Brochanacz,  Szluin,  Malyevacz  und  Czritovich 
zurückgeblieben.  Loudon  war  am  17.  Juni  zu  Okucsani  angelangt 
und  schlug  am  19.  sein  Hauptquartier  zu  Alt-Gradiska  auf. 


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224 


17K8-1701 


In  der  Nacht  zum  21.  setzten  sich  die  gesammten  Bataillons, 
Tentschmeister  2  Bataillons  1000  Mann  stark,  mit  dem  Regiment 
Nr.  39  in  der  Brigade  General  Schindler  und  2  Eskadronen 
Huszaren  gegen  Alt  -  Gradiska  in  Bewegung.  Sie  lagerten  am  Morgen 
in  der  Fläche  zwischen  den  Dörfern  Ober-  und  Unter -Väros,  die 
Festung  Alt- Gradiska  vor  der  Front.  In  zweiter  Linie  war  das  Be- 
lagerungsgeschütz aufgefahren. 

Alle  Anstalten  zum  Uebergange  der  Save  waren  am  22.  Juni 
vollendet.  Den  folgenden  Tag  fiberschritt  ein  Theil  der  Truppen  auf 
der  in  der  Nacht  geschlagenen  Brficke  den  Fluss  und  erbaute  rasch 
einen  Brückenkopf.  In  der  Nacht  vom  27.  auf  den  28.  wurde  in  der 
Nähe  von  Unter- Väros  eine  zweite  Brücke  geschlagen.  50  Scharf- 
schützen, 2  Kompagnien  des  Regiments  und  400  Arbeiter  waren 
frfiher  hinübergeschifft,  um  theils  den  Brückenschlag  zu  sichern, 
theils  auch  die  jenseitige  Auffahrt  zu  erbauen.  Feldmarschall  Loudon 
leitete  persönlich,  als  die  Brficke  fertig  war,  den  Uebergang.  General 
Schindler  ffihrte  2  Bataillons  Nr,  39  und  10  Kompagnien  Tentsch- 
meister, welche  insgesammt  spanische  Reiter  trugen  und  14  Ge- 
schütze hinüber;  2000  Arbeiter  folgten  nach.  Jenseits  der  Brücke 
bildeten  diese  Truppen,  indem  sie  den  Rücken  am  Flusse  sich  mit 
spanischen  Reitern  umgaben,  die  drei  vorderen  Seiten  eines  läng- 
lichen Viereckes.  Im  Innern  desselben  schritten  die  Arbeiter  also- 
gleich zum  Bau  eines  Brückenkopfes.  Die  wenigen,  aus  der  unteren 
Wasserbastion  in  Berbir  gefallenen  Kanonenschüsse  tödteten  einen 
Mann  und  verwundeten  fünf.  Den  28.  waren  die  Erdwerke  vollendet 
und  in  denselben  die  mitgebrachten  Geschütze  eingeführt. 

Nun  wurden  die  Laufgräben  gegen  die  Festung  eröffnet  und 
die  ordentliche  Belagerung  nahm  ihren  Anfang.  Abtheilungen  des 
Regiments  waren  nun  täglich  in  den  Schanzen  kommandirt,  bei 
welcher  Gelegenheit  am  20.  Juni  Fähnrich  Josef  Onclly  von  einer 
feindlichen  Kugel  getroffen  todt  blieb. 

Am  Morgen  des  9.  Juli  waren  die  Erdarbeiten  bis  auf  dreissig 
Schritte  von  der  Save  und  sechzig  von  dem  Banjalukaer  -  Thore 
entfernt.  Die  Besatzung  musste  sich  nun  auf  den  Sturm  gefasst 
machen  oder  die  Festung  übergeben.  Sie  wählte  jedoch  den  Mittel- 
weg, indem  sie  nachmittag  auf  dem  unbesetzten  Wege  gegen  Banja- 
luka  unter  einem  heftigen  Geschütz-  und  Musketenfeuer  der  Belagerer 
die  Festung  im  Stiche  liess  und  das  Weite  suchte.  Bei  dem  hierauf 


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1788—1791 


225 


erfolgten  Einrücken  der  Oesterreicher  fand  man  dieselbe  mit  Aus- 
nahme eine«  schlafenden  Griechen  ganz  von  Menschen  verlassen. 

Während  dieser  erfolgreichen  Unternehmung  hatte  der  Kaiser 
noch  am  2.  Mai  Befehle  fflr  die  Hauptarmee  erlassen,  denen  zu 
Folge  die  Donau  zwischen  Semlin  und  Alt-Orsova  nur  leicht  besetzt 
blieb  und  die  übrigen  verwendbaren  Truppen  sich  bei  Karansebes 
zu  vereinigen  hatten. 

Obristlieutenant  Graf  St.  Julien  des  Tiroler  Land-  und  Feld- 
Regiments  Nr.  40  übernahm  das  Kommando  des  Grenadier- Bataillons, 
welches  in  der  Grenadier- Brigade  General  Wenkheim  jnn.  im 
April  1789  zu  Alt- Carlo witz  stand. 

Am  10.  Mai  erhielten  die  Truppen  den  Befehl,  sich  am  19. 
und  20.  in  dem  Lager  bei  Opowa  nächst  Gross -Becskcrek  zu  ver- 
sammeln; da  jedoch  in  dieser  Gegend  Wassermangel  herrschte  und 
man  der  bedrohten  Süd -Ost -Grenze  des  Banats  näher  sein  wollte, 
so  marschirten  die  Truppen  in  das  Lager  bei  Weisskirchen.  Hier 
angelangt,  erhielt  das  Grenadier- Bataillon,  welches  nur  300  Streiter 
zählte,  seine  Eintheiluug  in  die  Division  des  F.-M.-Lt.  Browne. 

Am  I.  August  übernahm  der  Feldmarschall  Baron  Loudon 
das  Kommando  der  Armee  von  dem  erkrankten  Feldmarschall  Graf 
H  a  d  di  C  k. 

Die  bei  der  Belagerung  von  Berbir  verwendet  gewesenen  Truppen 
brachen  am  2.  August  in  vier  Kolonnen  auf.  Die  beiden  Feld- 
Bataillone  des  Regiments  befanden  sich  mit  noch  vier  Bataillons  in 
der  ersten  Kolonne  unter  General -Major  Schindler  und  marschirten 
nach  Gradiska.  Am  30.  August  rückte  die  Hauptarmee  in  fünf 
Kolonnen  aus  dem  Lager  von  Weisskirchen  in  jenes  von  Banovze, 
um  von  da  zur  Belagerung  Belgrads  vorzugehen.  Die  10  Grenadier- 
Bataillone,  die  zweite  Kolonne  bildend,  brachen  am  1.  September 
auf,  überschritten  bei  Szurduk  die  Donau  und  langten  am  10.  im 
Lager  an.  Schon  am  G.  waren  die  Dispositionen  zur  Einschliessung 
Belgrad's  erflosscn  und  am  12.  begann  die  Bewegung. 

Die  Grenadiere  in  der  zweiten  Abtheilung  der  Hauptarmee 
rückten  am  13.  nach  Szurcsin,  überschritten  am  14.  bei  Ostrusnicza 
die  Save  und  bewirkten  am  15.  die  Einschliessung  Belgrad's  auf  dem 
rechten  Donau-  und  Save -Ufer. 

Nachdem  die  auf  der  Dunawitza  befindliche  Brücke  herab- 
gelassen und  naher  an  dem  Besanja-Damme  geschlagen  war,  rückten 

15 


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22(5 


17**- 1701. 


die  beiden  Feld  -  Bataillone  des  Regiments  mit  2  von  Nr.  54  und 
2  Divisious  Chevauxlegers  von  den  Besanja  Anhöhen  herab  und 
bezogen  1000  Schritte  von  der  Brückensehanze  das  Lager,  1  Bataillon 
von  Nr.  51  zog  aber  an  diese  Schanze,  1  Division  dieses  Regiments 
in  die  Redoute  der  Zigeuner -Insel  und  2  Divisionen  wurden  zur 
Unterstützung  rückwärts  beordert. 

Den  15.  mit  anbrechendem  Tage  setzten  sich  jene  Truppen  in 
Bewegung,  welche  die  Eugenischen  Linien  zu  besetzen  hatten,  und 
nahmen  ohne  Anstand  von  dieser  Stellung  Besitz,  ebenso  waren  um 
dieselbe  Zeit  die  beiden  Feld -Bataillone  des  Regiments  mit  zwei 
Bataillons  der  Regimenter  Nr.  14,  4ö  und  48  in  der  Gegend  des 
Oberbruunens  in  das  Lager  gerückt. 

Während  der  ganzen  Belagerung  behielt  das  Regiment  diese 
Aufstellung.  Das  Grenadier- Bataillon  blieb  in  den  Eugenischen 
Linien  bei  der  Beobachtungs -Armee,  welche  die  Belagerung  gegen 
einen  allenfalls  anrückenden  Entsatz  zu  decken  hatte.  Die  Feld- 
geschütze jedes  Bataillons,  1  Sechspfünder  und  2  Dreiptunder,  wurden 
in  den  Bataillons  -  Intervallen  aufgestellt. 

Am  Morgen  des  7.  Oktober  war  die  zweite  Parallele  vollendet, 
und  man  überblickte  von  hier  nahe  genug  die  Zerstörung  im  Platze, 
welche  das  fortwährende  Bombardement  angerichtet  hatte.  Alle 
Gebäude  lagen  in  Schutt.  Ein  starker  Brand  flammte  im  Innern. 
Beinahe  alle  Geschütze  des  Walles  schwiegen.  Die  Scharten  waren 
zerstört  und  der  bedeckte  Weg  durch  Bomben  und  Granaten  auf- 
gewühlt. Gegen  9  Uhr  schwiegen  alle  Batterien.  Loudon  ertheilte 
um  diese  Zeit  der  Besatzung  Antwort  auf  das  Begehren  eines  fünf- 
zehntägigen Waffenstillstandes:  „ Nicht  fünfzehn  Stunden  wolle  er 
„die  Waffen  ruhen  lassen  und  bot  nur  sechs  Stunden  Bedenkzeit. 
,  Würde  nach  Ablauf  derselben  die  Festung  übergeben,  so  könne  die 
„Besatzung  mit  allen  Habseligkeiten,  wohin  sie  wolle,  ruhig  ab- 
ziehen, wo  nicht,  so  möge  sie  den  Folgen  eines  Sturmes  unterliegen/ 

Schon  nach  einer  Stunde  erklärte  Osman  Pascha  sich  einver- 
standen, worauf  die  Unterhandlungen  mit  den  Abgesandten  bis  in  die 
späte  Nacht  währten  und  am  Mittage  des  kommenden  Tages  die 
Kapitulation  der  Festung  unterschrieben  wurde.  Die  Grenadier- 
Bataillone  unter  F.-M. -Lt.  Browne,  dabei  St.  Julien  rückten 
sogleich  auf  das  Glacis  und  besetzten  die  Thore.  General  K 1  e  b  e  c  k 
eilte  nach  Mitternacht  mit  der  Meldung  von  der  Besitznahme  der 


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1788-  lfM.  227 

Festung  nach  Wien  zum  Kaiser  Josef.  Am  9.  vormittags  erfolgte 
sie  wirklich.  Die  Grenadiere  besetzten  das  Innere  des  Platzes  und 
die  Wasserstadt;  die  Besatzung  4883  Mann  zu  Fuss,  1088  zu  Pferde 
mit  ihren  Habseligkeiten,  Wreibern  und  Kindern,  zog  nach  und  nach 
zu  dem  Semendrianer  -  Thore  der  Wasserstadt  hinaus  und  lagerte 
sich  längs  der  Donau. 

Feldmarschall  Loudon  pflanzte  also  gerade  nach  50  Jahren 
wieder  die  österreichischen  Fahnen  auf  die  Wälle  Belgrads.  361  Ka- 
nonen, 34  Mörser,  50  TschaikenstQcke ,  6000  Zentner  Pulver, 
2500  Zentner  Blei,  eine  Menge  Stück- Kugeln,  20  Tschaiken  und 
45  Schiffe  waren  die  Trophäen  der  Sieger. 

Das  Innere  der  eroberten  Festung  lag  in  Trümmern.  Diese 
bedeckten  unzählige  Leichen  und  Aeser,  welche  die  Türken  einer 
offenen  Verwesung  überliesseti.  Man  trug  daher  sogleich  Sorge, 
durch  eine  beträchtliche  Zahl  Arbeiter  alle  Spuren  wilder  Nach- 
lässigkeit zu  vertilgen  und  die  nothwendigste  Ordnung  herzustellen. 

Kaiser  Josef  II.  sendete  dem  greisen  Feldmarschall  Baron 
Loudon,  zum  Grosskreuz  des  Maria  Theresien- Ordens,  den  Stern 
in  Brillanten,  welch'  höchste  Auszeichnung  bisher  Niemand  erhalten. 

Der  Fall  Belgrad's  zog  jenen  von  Semendria  nach  sich,  sowie 
auch  die  Vertreibung  des  bei  Eupria  gestandenen  türkischen  Armee- 
korps, das  mit  Zurücklassung  von  11  Kanonen  förmlich  entfloh  und 
sich  zerstreute,  so  dass  der  grösste  Theil  Serbiens  in  Besitz  genommen 
werden  konnte. 

So  glücklich  der  diesjährige  Feldzug  an  der  türkisch-serbischen 
Grenze  sich  gestaltete,  ebenso  von  Siegen  begleitet  war  derselbe  bei 
den  Armeekorps  in  der  Moldau  und  Siebenbürgen.  Ersteres  rückte  in 
die  grosse  Wallachei  ein,  erfocht  am  1.  August  unter  dem  Prinzen  von 
Coburg  in  Verbindung  mit  der  russischen  Truppen  -  Division  des 
Generals  en  chef,  Grafen  Suworow  einen  glänzenden  Sieg  bei  Fokschan 
und  am  22.  September  einen  noch  glänzenderen  über  den  Grossvezir 
selbst,  bei  Martinestje.  Prinz  Coburg  setzte  hierauf  seinen  Marsch 
fort  und  nahm  am  10.  November  die  Hauptstadt  des  Landes  Bukarest 
in  Besitz.  Nicht  minder  glücklich  waren  die  Truppen  des  Siebenbürger- 
Korps,  welche  in  die  kleine  Wallachei  vorrückten  und  nach  einem  bei 
Vajdeni  erfochtenen  Siege  über  Rimnik  bis  Krajowa  vordrangen. 

Ein  Theil  der  vor  Belgrad  gestandenen  Truppen  rückte  bereits 
am  15.  Oktober  in  das  Banat  ab  und  unternahmen  die  Belagerung 

15* 


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228 


17*8-  1791. 


von  Neu-Orsova,  welche  aber  später,  da  sich  der  Winter  zu  rauh 
anlioss,  in  eine  Blockade  verwandelt  wurde. 

Als  der  Feldmarschall  die  ohen  berührte  Flucht  der  Tflrken 
aus  Eupria  erfuhr,  suchte  er  diese  Begebenheit  auf  das  Beste  zu 
benutzen,  um  in  das  feindliche  Gebiet  von  Serbion  weiter  einzu- 
dringen. In  Folge  dessen  erhielt  der  General  Czernell  einige 
Bataillone  Infanterie,  darunter  das  Leib  -  Bataillon  des  Regiments, 
Pontons  und  Artillerie  mit  dem  Auftrage  zugotheilt,  um  diese  Idee 
auszuführen.  Czernell  Hess  sofort  den  Obristen  Davidovich 
mit  zwei  Bataillons  Grenzer,  einer  Division  Wurmser-Huszaren 
und  der  nöthigen  Artillerie  von  Sabac  aus  nach  Losnicza  vorrücken, 
während  er  selbst  am  20.  Oktober  mit  dem  Beste  seiner  Truppeu 
von  Valjero  in  der  Absicht  aufbrach,  gemeinschaftlich  mit  Davi- 
dovich das  feindliche  5000  Mann  starke  Lager  bei  Losnicza  an- 
zugreifen. 

Den  22.  Oktober  rückte  Davidovich  gegen  Losnicza  an. 
Sobald  er  sich  dem  Orte  näherte,  entfloh  die  feindliche  Besatzung 
gegen  Lippnicza.  Davidovich  folgte  ihr  auf  dem  Fasse,  fand  jedoch, 
vor  Lippnicza  angekommen,  die  Tflrken  so  zahlreich,  dass  er  sich 
auf  die  Kolonne  zurückzog.  Nun  stflrzte  sich  aber  der  Feind  so 
schnell  und  heftig  auf  die  sich  zu  rückziehenden  Huszaren  und 
Kanonen,  das  letztere  nahe  daran  waren,  verloren  zu  gehen.  Zu 
rechter  Zeit  traf  aber  die  Infanterie  ein,  welche  nun  mit  solchem 
Nachdrucke  die  Tflrken  angriff,  dass  sie  gleich  zu  weichen  anfingen 
und  die  Flucht  ergriffen.  Sie  verliesscn  dann  auch  Lippnicza  und 
Losnicza  und  setzten  noch  am  Abend  bei  der  Losniczer  Ueberfuhr 
mit  solcher  Uebereilung  Aber  die  Drina,  dass  noch  viele  in  dem 
Flusse  ertranken.  Bei  dieser  Unternehmung  wurden  400  Stück 
Hornvieh  und  30.000  Metzen  Kukuruz,  Waizen  und  Hafer,  wie 
auch  ein  sehr  grosser  Vorrath  Heu  erbeutet  und  durch  die  Besetzung 
von  Losnicza  die  ganze  Gegend  an  der  Drina  bis  zu  der  Ueberfuhr 
bei  Zwornik  in  Besitz  genommen. 

Das  Bataillon  des  Regiments  blieb  nun  bis  25.  November  im 
Lager  bei  Losnicza  und  rückte  dann  in  die  fflr  das  Regiment  be- 
stimmte Winterstation  Valpo  ein,  wo  es  sich  mit  dem  bereits  dort 
befindlichen  Regimentsstab  und  Obrist  -  Bataillon  vereinigte. 

Sämmtliche  10  Grenadier-Bataillone,  darunter  St.  Julien,  waren 
in  Belgrad  verblieben,  marschirten  aber  vom  12.  November  ange- 


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1788-1791. 


fangen  nach  Ofen  -  Pest  und  der  Umgebung  ab,  um  daselbst  über 
den  Winter  zu  verbleiben. 

Das  dritte  Bataillon  war  von  Szluin  im  November  nach  Glina 
gerückt  und  hatte  die  Bewegung  unter  F.-M.-Lt.  Wallisch  gegen 
den  Feind  bei  Priboy  mitgemacht.  Am  7.  November  hatten  die 
Türken  mit  2000  Mann  Izachach  und  die  Redoute  bei  Priboy  an- 
gegriffen. Die  Oesterreicher  leisteten  tapferen  Widerstand,  bis  die 
Türken  nach  vielen  fruchtlosen  Stürmen  beim  Einbrüche  der  Nacht 
sieh  hinter  Heliava  zurückzogen.  Am  folgenden  Tage  erschienen  die 
Türken  wieder  vor  Priboy  uud  erneuerten  die  Augriffe  um  so  heftiger, 
da  sie  auch  Kanonen  mitgebracht  hatten.  Den  ganzen  Tag  währte 
der  Kampf,  welchem  erst  abends  durch  einen  Ausfall  der  Besatzung 
ein  Ende  gemacht  wurde.  Die  Türken  retirirten  wieder  über  die 
Heliava  und  Hessen  sehr  viele  Waffen  liegen,  woraus  man  auf  ihren 
beträchtlichen  Verlust  schloss. 

Der  Feind  erneuerte  am  10.  seine  Versuche  gegen  Priboy 
nicht  mehr,  verbrannte  am  11.  sein  Lager  und  zog  sich  nach 
Bihac  zurück. 

Da  man  bald  die  Nachricht  erhielt,  dass  der  Pascha  von  Sku- 
tari  nur  einige  schwache  Abtheilungen  in  den  befestigten  Schlössern 
zurückgelassen  und  mit  dem  Reste  seiner  Schaaren  gerade  nach 
Hause  gezogen  sei,  ernste  Einfalle  der  Türken  mithin  nicht  mehr 
zu  besorgen  waren,  so  ging  F.-M.-Lt.  Wal  lisch  mit  dem  Haupt- 
quartier nach  Karlstadt  und  liess  die  Truppen  die  Kautonnirungs- 
Quartiere  bezichen.  Das  dritte  Bataillon,  welches  bei  dem  Kampfe 
um  Priboy  eine  Aufnahmsstellung  besetzt  hatte  und  nicht  in's  Feuer 
gekommen  war,  bezog  die  Quartiere  in  der  Brigade  des  General- 
Major  Schlaun  zu  Petrinia. 

Kaiser  Josef  II.  hatte  im  Juli  1789  in  dankbarer  Anerkennung 
der  Verdienste  seines  Heeres  die  goldene  und  silberne  Ehren-Denk- 
münze mit  der  ganzen  und  halben  Löhnungszulage  gestiftet,  damit 
die  Mannschaft  vom  Feldwebel  abwärts,  nicht  wie  bisher,  mit  bald 
verzehrten  Geldbeträgen  für  ihre  Tapferkeit  belohnt,  sondern  ihr 
Wohlverhalteu  durch  ein  öffentliches  und  fortdauerndes  Ehren- 
zeichen der  Vergessenheit  eutrissen  und  mit  demselben,  wenu  diese 
wackeren  Männer  verheiratet  sind,  auf  ihre  Nachkommen  fort- 
gepflanzt werde,  damit  auch  diese  zur  Ehrbegierde  und  zum  Dienste 
des  Vaterlandes  aufgemuntert  werden. 


230 


17&8-1791. 


Im  Monat  Jänner  1790  erhielt  das  Regiment  mit  den  beiden 
Feld-Bataillons  Marschbefehl  nach  Ofen  und  Pest,  um  von  da  zu 
der  in  Mähren  und  Schlesien  unter  Kommando  des  Feldmarschall 
London  gegen  Preusseu  aufgestellten  Beobachtungs -Armee  abzu- 
gehen. Am  18.  Februar  rückte  das  Regiment  in  Ofen  ein,  hielt  da 
Rasttag,  marschirte  am  20.  wieder  ab  und  direkte  nach  Schlesien. 
Auch  die  in  Ofen  und  Pest  liegenden  10  Grenadier-Bataillone  hatten 
sich  zwischen  dem  27.  Jänner  und  4.  Februar  in  Marsch  gesetzt  und 
trafen  zwischen  dem  14.  und  22.  Februar  in  Wien  ein,  wo  sie  vorläufig 
zu  verbleiben  hatten.  Das  dritte  Bataillon  war  in  Kroatien  geblieben. 

Preussen  war  mit  der  Pforte  in  ein  Bündniss  getreten  und 
hatte  an  der  schlesischen  Grenze  ein  Heer  zusammengezogen,  welchem 
gegenüber  Oesterreich  obgedachte  Armee  aufstellte. 

Während  des  Marsches  erhielt  das  Regiment  die  Trauerkunde 
von  dem  am  20.  Februar  erfolgten  Tode  Kaiser  Josef  II.,  des 
wahren  Vaters  seiner  Soldaten,  der  es  für  Ehre  hielt,  mit  ihnen  für 
das  Vaterland  zu  streiten  und  alle  Mühseligkeiten  und  Entbehrungen 
des  Krieges  zu  tragen,  der  liebevoll  für  ihre  Gesundheit  und  für 
ihre  Kinder  sorgte,  der  mit  Grossmuth  ihre  Tapferkeit  belohnte  und 
selbst  im  Sterben  ihnen  das  ehrendste,  öffentliche  Zeugniss  ihrer 
Tugenden  gab,  sie  seiner  Dankbarkeit  und  Liebe  nochmals  ver- 
sicherte, wie  der  nachstehende  Erlass  des  Hofkriegsraths-Präsidenten 
Graf  H  a  d  d  i  k  ddto.  Wien  14.  Februar  1 790  darthut,  welcher  allen 
Abtheilungen  des  Regiments  gegen  Ende  Februar  publizirt  wurde: 

„Seine  Majestät  haben  mir  Hofkriegsraths-Präsidenten  auf- 
getragen, der  gesaminten  in  der  wirklichen  Dienstleistung  stehenden 
„Armee,  vom  höchsten  General  bis  zum  gemeinen  Manne  herab,  in 
„Allerhöchstdero  Namen  bekannt  zu  machen: 

„Wreil  Seine  Majestät  sich  dem  Ende  Ihres  Lebens  näherten, 
„so  hielten  Sie  sich  für  undankbar,  wenn  Sie  nicht  der  gesammten 
„Armee  für-  die  in  allen  Gelegenheiten  und  ohne  Ausnahme,  Aller- 
„höchstderoselben  bewiesenen  Treue,  Tapferkeit  und  Un Verdrossen- 
heit Ihre  volle  Zufriedenheit  zu  erkennen  geben. 

„Seine  Majestät  müssten  die  Armee,  eben  weil  Sie  dieselbe 
„bei  einer  im  Felde  sich  zugezogenen  Krankheit,  nicht  hätten  ver- 
fassen wollen,  nuu  früher  ganz  verlassen,  als  nach  dem  gewöhn- 
lichen Laufe  der  Natur  und  von  ihrer  Leibesbeschaffenheit  zu  ver- 
, mutheu  gewesen  wäre. 


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1788-17*1 


231 


„Soldat  zu  sein,  war  von  jeher  Allerhöchstdero  vorzügliche 
„Neigung,  sowie  die  Beförderung  des  Wachsthumes  an  Ansehen,  an 
.innerlichen  Kräften  und  Werth  der  gesammten  Armee,  stets  der 
»Gegenstand  Höchstdero  grösster  Sorgfalt  gewesen. 

„Als  Landesfürst  hätten  Seiner  Majestät  alles  Mögliche  dazu 
„beigetragen  und  als  Kriegsgefährte  alles  Ungemach  und  alle 
„Gefahren  mit  Bereitwilligkeit  getheilet ;  was  immer  zur  Heilung  der 
»erkrankten  und  verwundeten  Mannschaft,  zu  ihrer  Erleichterung  und 
„Erhaltung  ersonnen  werden  konnte,  sei  von  Seiner  Majestät  nie 
„ausser  Acht  gelassen  worden  und  jeder  einzelne  Mann  sei  Ihnen 
„schätzbar  gewesen. 

„Der  vorige  Feldzug  habe  alle  Wünsche,  die  Seine  Majestät 
„für  die  Ehre  der  Armee  in  Ihrem  Vaterherzen  genährt  haben, 
„vollkommen  gekrönet  und  dieselbe  habe  in  ganz  Europa  das  Ansehen, 
„welches  sie  verdient,  erworben.  Seine  Majestät  nähmen  die  trost- 
reiche Beruhigung  mit  sich ,  sie  werde  sich  nun  auch  immer 
„bestreben,  diesen  Ruhm  zu  erhalten. 

„Da  Seine  Majestät  nach  Ihrem  Hinscheiden  für  die  Armee 
„nichts  mehr  thun  können,  so  wollten  Sie  ihr  diese  dankbaren 
„Gesinnungen  mit  dem  innigsten  Wunsche  hiedurch  zu  erkennen 
„geben,  dass  sie  dem  Staate  und  Seiner  Majestät  Nachfolgern, 
„immer  auch  ebenso  getreu  wie  Allerhöchstderselben  zugethan  sein 
„möge." 

Schon  sechs  Tage  nach  Erlass  der  Proklamation  starb  der 
Kaiser,  von  seinen  Soldaten  und  Völkern  tief  betrauert.  Der  Bruder 
des  Verewigten,  Grossherzog  Leopold  von  Tose  an  a  folgte  in  der 
Regierung  der  österreichischen  Länder  als  Leopold  II.  mit  dem 
Wahlspruche:  „Pietate  et  Concordia",  wurde  am  30.  September  in 
Frankfurt  zum  römischen  Kaiser  erwählt  und  am  9.  Oktober  gekrönt. 
Am  15.,  November  empfing  er  in  Pressburg  die  ungarische,  am 
6.  September  1791  in  Prag  die  böhmische  Krone. 

Den  Winter  1789  auf  1790  hindurch  waren  die  Feindseligkeiten 
mit  den  Türken  nicht  wie  im  vorigen  Jahre  eingestellt,  sondern  im 
Gegentheilc  trotz  der  ungünstigen  Jahreszeit  längs  der  Kordonslinie 
zahlreiche  Scharmützeln  vorgefallen.  F.-Z.-M.  de  Vins  langte  am 
19.  April  1790  von  Wien  an  und  abernahm  vom  F.-M.-Lt.  Wallisch 
das  Kommando  des  kroatischen  Armeekorps,  verlegte  am  20.  Mai 
das  Hauptquartier  von  Karlstadt  nach  Voinich  und  versammelte  hier 


232 


im  Lager  das  Armeekorps.  Das  dritte  Bataillon  des  Regiments, 
unter  Obristlieutenant  Graf  Brandis,  600  Mann  stark,  marschirte 
von  Petrinia  in  dieses  Lager  und  wurde  in  die  Brigade  des  G. -M. 
Bubenhofen  eingetheilt. 

Gegen  Ende  Mai  unternahm  der  Kommandirende,  von  einigen 
Generalen  und  den  Offizieren  des  Generalstabs  begleitet,  auf  ver- 
schiedenen Wegen  Rekognoszirungen  gegen  die  türkische  Feste 
Czettin,  deren  Belagerung  nunmehr  das  Ziel  des  österreichischen 
Operations  -  Planes  war.  Nach  genommenem  Augenschein  wurden 
Pionniere  beordert,  einen  Weg  herzustellen  und  zur  Deckung  dieser 
Arbeiten  das  Frei-Bataillon  Gyulay  bei  Klokoch  aufgestellt,  welches 
am  2.  Juni  durch  ein  Bataillon  Durlach,  dann  dieses  am  11.  Juni 
vom  dritten  Bataillon  Teutschmeister  abgelöst  wurde. 

Am  21.  Juni  erthciltc  der  Kommandirende  die  Befehle  zur 
Vorrückung  gegen  Czettin,  welche  bis  22.  Mittag  vollzogen  wurden. 
Das  Bataillon  Teutschmeister  führte  Major  Ceriny,  das  Ingenieur- 
Korps  mit  der  erforderlichen  Zahl  Arbeiter  gegen  die  Höhe  Sztari- 
Schanacz,  wo  dasselbe  drei  Massen  bildete,  die  Arbeiter  jedoch 
unverweilt  den  Schanzbau  für  sechs  achtzehnpfündige  Kanonen 
begannen.  Obgleich  der  Feind  aus  der  Feste  sein  Geschütz  gegen 
diesen  Punkt  wandte,  und  big  Mitternacht  spielen  Hess,  erlitt  das 
Bataillon  und  die  Arbeiter  doch  nicht  den  mindesten  Verlust.  In 
einer  Linie,  welche  die  Feste  in  einem  halben  Bogen  einschloss, 
wurden  am  folgenden  Tage  noch  mehrere  Verschanzungen  aufge- 
worfen, welche  am  25.  beendet  waren.  Das  Wurffeuer  gegen  die 
Feste  begann  in  der  Morgendämmerung  des  20.  Juni  mit  Bomben 
und  Granaten;  die  Demontier- Batterien  feuerten  gleichfalls.  Bald 
gerieth  das  Holzwerk  im  Innern  der  Feste  in  Brand,  und  um  2  Uhr 
flog  ein  Pulver-Magaziu  auf.  Um  der  Besatzung  die  Wasserquellen 
zu  verwehren,  wurde  120  Klafter  gegen  Czettin  eine  kleine  Redoute 
erbaut,  gegen  welche  die  Türken  sofort  einen  Ausfall  machten,  aber 
von  einer  Kompagnie  von  Nr.  24  zurückgejagt  wurden.  Leider  hatte 
bei  dieser  Gelegenheit  der  tapfere  Brigadier  General  Bubenhofen 
eine  so  schwere  Wunde  erhalten,  dass  er  schon  nach  einigen 
Tagen  starb. 

Die  Belagerung  nahm  nun  ihren  Fortgang,  wobei  es  zu  zahl- 
reichen Gefechten  kam,  von  welchen  aber  das  Bataillon  auf  der  Höhe 
Dicht  berührt  wurde.  Die  türkischen  Entsatz  -  Truppen,  6000  Mann 


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1186- 1791 


233 


stark,  lagerten  fortwährend  auf  Grabarska ;  am  11.  Juli  unternahmen 
sie  einen  Angriff,  eroberten  eine  Flesche,  in  welcher  sie  stolz  fünf 
Fahnen  aufpflanzten,  wurden  aber  dann  durch  GeschQtzfeuer  und 
einen  Bajonnetangriff  der  Bataillone  von  Nr.  7  und  24  derart 
geworfen,  dass  sie  in  regelloser  wilder  Flucht  ihr  Heil  suchten. 
200  Todte  blieben  auf  dem  Platze  und  die  Sieger  hatten  2  Fahnen 
erobert. 

Am  20.  Juli  hatten  die  Breschbatterien  schon  bedeutenden 
Schaden  in  den  Mauern  der  Feste  angerichtet  und  an  zwei  Stellen 
ganz  in  Trümmer  geschossen.  Da  die  Türken  im  Innern  mit  be- 
deutenden Holzhaufen  Abschnitte  vorgerichtet  hatten,  erstiegen  an 
diesem  Tage  nachmittags  5  Uhr  ein  Feldwebel  mit  7  Freiwilligen 
vom  Freikorps  diese  Breschen  und  bemühten  sich  mit  Brandzeug 
einen  Brand  zu  legen.  Gleichzeitig  waren  einige  Freiwillige  Teutsch- 
meister  tollkühn  bis  an  das  Hauptthor  der  Feste  vorgedrungen  und 
machten  hier  einen  solchen  Höllenlärm,  dass  die  Besatzung  diesem 
ihre  ganze  Aufmerksamkeit  schenkte  und  zur  Vertheidigung  an  das 
Thor  eilte.  Diesen  Moment  benützten  die  Freiwilligen  des  Freikorps 
und  steckten  das  Holz  in  Brand.  Nach  einer  halben  Stunde  stand 
Czettin  in  vollen  Flammen;  die  Besatzung,  durch  Wassermangel 
ausser  Stand  gesetzt,  dem  furchtbaren  Brande,  welcher  die  Feste 
einschloss,  zu  steuern,  ergriff  panischer  Schrecken  —  der  grösste 
Theil  nahm  die  Flucht  und  drängte  sich  bei  dem  Ergarska-  und 
Zigeuner -Thore  gegen  Grabarska  hinaus,  geriethen  hier  in  das 
mörderische  Feuer  des  Frei  -  Bataillons,  so  dass  117  Mann  und 
37  Weiber  todt  liegen  blieben  und  der  Best  wieder  in  die  Feste 
zurückgetrieben  wurde. 

Der  kommandirende  General  benützte  diesen  Augenblick  der 
allgemeinen  Verwirrung  und  liess  die  Feste  durch  Freiwillige  stürmen. 
Unter  diesen  befand  sich  Obristlieutenant  Graf  Brandis  mit  zwei 
Zügen  Teutschmcister,  welchen  sich  Fürst  Johann  Lieh teustei n, 
Obrist  von  Kinsky-Chevauxlegers,  freiwillig  angeschlossen  hatte.  Drei 
Kompagnien  rückten  als  Unterstützung  nach.  Todesmuthig  kletterten 
die  tapferen  Freiwilligen  trotz  dem  heftigsteu  Feuer  aus  nächster 
Nähe  die  Breschen  hinauf,  drangen  trotz  der  verzweifelten  Gegen- 
wehr der  Türken  in  den  Platz,  machten  alles  was  sich  zur  Wehr 
stellte  nieder  und  nahmen  den  Best  gefangen.  Es  muss  der  Wahr- 
heit getreu  in  der  Regimentsgeschichte  bemerkt  werden,  dass  Fürst 


234 


17RB — 1701. 


Johann  Lichtenstein  der  Erste  mit  dem  Degen  in  der  Faust 
die  Mauer  erstieg.*) 

Der  immer  mehr  um  sich  greifende  Brand,  von  dem  man  noch 
die  Zündung  aller  Pulvermagazine  erwarten  musste,  von  denen  bereits 
zwei  aufgeflogen  waren,  verwehrte  den  Belagerern  den  Eintritt  nach 
Czettin.  Man  verbaute  sich  daher  auf  der  Bresche  und  dem  Haupt- 
wall. Vormittags  am  21.  Juli  steckten  die  Türken  das  Lager  auf 
Grabarska  in  Brand  und  entfernten  sich  in  der  Richtung  gegen 
Pöcsi.  Viele  Tage  benöthigte  man,  um  den  Brand  der  Feste  gänzlich 
zu  löschen  und  das  Innere  derselben  nur  einigermassen  zu  reinigen. 

Die  Belagerung  hatte  28  Tage  gewährt  und  kostete  den  Be- 
lagerern 58  Todte,  worunter  1  General,  dann  252  Verwundete, 
worunter  1  General  und  11  Offiziere.  Der  feindliche  Verlust  betrug 
2000  Mann.  Fähnrich  Schmid  von  Teutschmeister  wurde  wegen 
bewiesener  hervorragender  Tapferkeit  Sr.  Majestät  namhaft  gemacht 
und  demselben  im  Armeebefehle  die  „besondere  Zufriedenheit*  des 
Kaisers  zu  erkennen  gegeben.  Korporal  Johann  Dr6e,  welcher  sich 
auch  durch  hervorragende  Tapferkeit  ausgezeichnet  hatte,  war  der 
Erste,  welcher  beim  Regiment  die  silberne  Ehren -Denkmünze  erhielt. 
Dem  gesammten  Korps  wurde  eine  zweitägige  Gratislöhnung  bewilligt 

Mit  der  Einnahrae  von  Czettin  war  der  Feldzug  des  kroatischen 
Armeekorps  beendet,  denn  es  fanden  nur  mehr  einzelne  kleine  Ge- 
fechte statt,  bei  welchen  das  Bataillon  nicht  betheiligt  war.  Am 
22.  August  langte  die  Bestimmung  an,  dass  nichts  Feindliches  mehr 
gegen  die  Türken  unternommen,  sondern  nur  vertheidigungsweise 
gegen  dieselben  sich  verhalten  werden  solle.  Am  3.  Oktober  erhielt 
der  Kommandirende  im  Lager  bei  Czettin  den  Ferman  des  Gross- 
vezirs  über  den  bis  zum  Mai  1701  abgeschlossenen  Waffenstillstand. 
Die  für  den  Rückmarsch  des  Armeekorps  getroffenen  Anordnungen 
traten  am  13.  in  Vollziehung,  wornach  das  Bataillon  Teutschmeister 
nach  Karlstadt  marschirte  und  hier  in  Garnison  verblieb. 

*)  Fürst  Johann  Lichtenstein  erhielt  für  diese  That  das  Maria- 
Theresien- Kreuz.  In  den  folgenden  Kriegen  zeichnete  er  sich  unzählige  Male 
aus,  erwarb  das  Kommandeur-  und  als  General  der  Kavallerie  das  Grosskreuz 
des  Maria -Theresien- Ordens  —  in  der  Armee  den  Namen:  „der  echte  Ritter 
ohne  Furcht  und  Tadel."  Als  der  Fürst  im  Jahre  1809,  damit  Wien  schnell 
von  den  Franzosen  geräumt  werde,  den  Wechselhäusern  seine  sämmtlichen 
Besitzungen  zum  ünterpfande  anbot,  hatte  er  sich  ein  ewiges  Denkmal  der 
Dankbarkeit  in  jedem  Wiener  Herzen  gesetzt 


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17S8-1791 


235 


Die  Spannung  mit  Preussen  fand  mit  dem  Kongress  zu  Reichen- 
bach ein  schnelles  Ende.  Die  beiden  Feld  -  Bataillons  kehrten,  nach- 
dem sie  im  Juli  und  August  im  Lager  bei  Gumma  und  in  Konzen- 
trirung  bei  Fridek  gestanden,  im  September  nach  Oesterreich  zurück. 
Im  Oktober  war  der  Regimentsstab  mit  dem  Leib  -  Bataillon  und 
der  Grenadier-Division  in  Wien,  das  Obrist-Bataillon  Divisionsweise 
zu  Laxenburg,  Hainburg,  Bruck  a.  d.  Leitha  und  Wiener  Neustadt. 

Am  4.  August  1791  kam  zu  Sistowa,  wo  die  Unterhandlungen 
gepflogen  worden  waren,  der  Friede  mit  der  Pforte  zu  Stande.  In 
diesem  wurde  festgesetzt,  dass  Oesterreich  die  eroberten  Landstriche 
räumen  und  seine  Truppen  innerhalb  der  Grenzen,  wie  sie  vor  Aus- 
bruch des  Krieges  bestanden  hatten,  zurückziehen  solle.  Die  geringen, 
durch  den  dreijährigen  Krieg  errungenen  Vortheile,  standen  demnach 
in  gar  keinem  Verhältnisse  zu  den  glänzenden  Waffenthaten  der 
Armee,  insbesonders  in  der  Moldau  und  Wallachei,  die  gänzlich 
erobert  waren,  woran  hauptsächlich  die  durch  Preussen  ausgeübte 
diplomatische  Pression  Ursache  war.  Nichts  destowcniger  setzte 
Oesterreich  Punktationen  zu  Gunsten  des  Handels,  des  Kriegsbrauches 
und  zum  Schutze  der  Christen  in  den  türkischen  Provinzen  durch. 
Es  war  dies  der  zwanzigste  Friedensschluss  zwischen  Oesterreich 
und  der  Türkei,  nach  welchem  beide  Reiche  bis  auf  die  Gegen- 
wart in  keinen  Krieg  mehr  verwickelt  wurden,  denn  das  öster- 
reichische Schwert  hatte  die  Macht  der  Osmanen,  lange  der  Schrecken 
und  die  Plage  Europas,  gebrochen. 

Nach  dem  Friedensschlüsse  brach  am  25.  September  1791 
das  dritte  Bataillon  von  Karlstadt  auf  und  marschirte  nach  Wiener 
Neustadt. 

Kaiser  Josef  II.  hatte  bei  der  letzten  Verleihung  der  Inhabers- 
stelle den  F.-M.-Lt.  Wilhelm  Freiherr  v.  Schröder  aus  dem 
Grunde  zum  zweiten  Inhaber  ernannt,  weil  Höchstderselbe  die 
geistlichen  Würden  des  Hoch-  und  Teutschmeister  mit  dem  Militär- 
stande nicht  vereinbarlich  gefunden.  Nach  dem  Tode  des  Kaisers 
richtete  aber  der  Erzherzog  Maximilian  Franz  am  8.  März  1790 
die  Bitte  an  den  Kaiser  Leopold  IL,  ihm  das  Regiment,  sowie 
diess  bei  seinen  Vorfahren  im  Teutschmeisterthum  der  Fall  gewesen, 
als  Obrist  -  Inhaber  zu  verleihen,  damit  er  in  Stand  gesetzt  werde, 
die  dem  Inhaber  zufallenden  Offiziersstellen  mit  Rittern  und  Kom- 
thuren  des  deutschen  Ritterordens  zum  Besten  des  Allerhöchsten 


23G 


1702-1708 


Dienstes  zu  besetzen,  und  um  nach  den  Statuten  die  pflichtschuldige 
Exercitium  Militare  desto  besser  in  Ausübung  bringen  zu  können. 
Sr.  Majestät  geruhte  in  Folge  dessen,  den  Erzherzog  Maximilian 
Franz  mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  3.  Mai  1790  in  alle 
Rechte  eines  Obrist  -  Inhaber  beim  Regimente  einzusetzen  und  dem 
zweiten  Inhaber  F. -M.-Lt.  Wilhelm  Freiherr  v.  Schröder  das 
Infanterie-Regiment  Nr.  26  zu  verleihen. 

Aus  dem  bei  dieser  Gelegenheit  vom  Hofkriegsrathe  erstatteten 
Vortrage  geht  hervor,  dass  das  Regiment  seit  seinem  Bestehen  aus 
dem  ihm  vom  deutschen  Ritterorden  zugewiesenen  Werbbezirke 
Mergentheira  immer  koraplet  erhalten,  auch  von  diesem  Orden  mit 
vorzüglichen  Offizieren,  sehr  guten  Gewehren,  Monturen  und  sonstigen 
Unterstützungen  ausgiebig  versorgt  worden  sei. 


1792-1793. 

Mit  Allerhöchstem  Haudbillet  vom  31.  Dezember  1791  wurde 
Obrist  Baron  Rosenberg  mit  Generalmajors -Charakter  pensionirt 
und  der  Obristlieutenant  Mittrowsky  von  Nr.  54  zum  Obristen 
im  Regiment  ernannt;  dann  aber  mit  jenem  vom  5.  Jänner  1792 
die  Ernennung  des  Ohristlieutenants  Mittrowsky  als  ein  Versehen 
erklärt  und  der  Obrist  Wilhelm  Baron  Kerpen  von  Nr.  54  zum 
Obristen  und  Kommandanten  des  Regiments,  dagegen  Mittrowsky 
zum  Obristen  bei  Nr.  54  ernannt. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  2.  April  1792  wurde 
der  supernumeräre  Major  Wolff  bei  Nr.  37  eingctheilt. 

Die  im  Februar  1787  in  Frankreich  begonnene  Revolution 
verführte  die  Niederländer  zur  Empörung,  welche  1789  zum  Aus- 
bruche kam.  Die  Revolution  in  Frankreich  hatte  die  deutschen  Fürsten 
und  Stände  vielfach  beeinträchtigt.  Die  nach  Frankreich  geflüchteten 
niederländischen  Aufwiegler  fanden  dort  Aufnahme  und  Unterstützung, 
die  über  den  Rhein  entkommenen  französischen  Royalisten  bildeten 
in  Deutschland  die  Emigrantenkorps.  Die  ersten  beiden  Thatsachen 
gaben  dem  Kaiser,  die  letzte  der  französischen  Regierung  Anlass 
zu  Beschwerden.  Da  bei  der  revolutionären  Partei  von  Recht,  Billig- 


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1792-1793. 


237 


keit,  Mässigung  und  Nachgiebigkeit  keine  Spur  vorhanden  war,  so 
konnte  dieser  Zwist  wohl  nur  mit  einem  Kriege  enden.  Daher  wurde 
am  7.  Februar  1792  zwischen  Oesterreich  und  Preussen  ein  Defensiv- 
Bündnis8  geschlossen. 

Feldmarschall  Bender  hatte  1700  die  niederländischen  Insur- 
genten oftmals  geschlagen,  ebenso  1701,  worauf  sie  gänzlich  aus- 
einander gingen,  und  der  kaiserliche  General  -  Gouverneur  Herzog 
Albert  von  Sachsen  -  Tesche  n  die  Huldigung  entgegennahm. 

Am  1.  März  1702  starb  plötzlich  Kaiser  Leopold  II.  und  es 
bestieg  sein  Sohn  Franz,  geboren  12.  Februar  1768,  den  Thron. 
Wahlspruch:  Justitia  regnorum  fundamentum.  Schon  am  14.  Juli 
erhielt  er  als  Kaiser  Franz  II.  die  deutsche  Kaiserwflrde,  am 
8.  Juni  die  Krone  des  heil.  Stefan  zu  Ofen  und  wurde  am  0.  August 
in  Prag  mit  den  böhmischen  Reichs  -  Insignien  gekrönt. 

Der  vom  Kaiser  Franz  II.  und  König  FriedrichWilhelmll. 
von  Preussen  geschlossene  Bund  hatte  bisher  keinen  aggressiven 
Schritt  gegen  die  französische  Revolution  gemacht,  als  dio  National- 
versammlung in  Paris  am  20.  April  1702  den  König  Ludwig  XVI. 
zur  Kriegserklärung  an  Oesterreich  zwang  und  sofort  ihre  Kolonnen 
in  die  Niederlande  einnicken  Hess.  Mit  Leichtigkeit  schlugen  die 
österreichischen  Vortruppen  diese  undisziplinirten  Eindringlinge  zurück, 
während  der  Herzog  von  Sachsen-Teschcn  die  Armee  zwischen 
Möns  und  Tournay  sammelt*.  Am  2G.  Juni  erklärte  auch  Preussen 
den  Krieg  an  Frankreich  und  der  Herzog  von  Braunschweig 
überschritt  anfangs  August  an  der  Spitze  eines  preussischen  Heeres, 
dem  15.000  Oesterreicher  angeschlossen  waren,  die  Grenze  Frank- 
reichs. Die  Umsturzraänner  benützten  die  Aufregung  des  Pöbels,  als 
die  Kunde  dieser  Invasion  Paris  erreichte,  um  am  10.  August  unter 
gräulichen  Mordszenen  die  Tuillerien  zu  erstürmen  und  den  König 
in  den  Thurm  des  Tempels  einzukerkern. 

Der  Herzog  von  Braunschweig  betrat  indessen  die 
Champagne,  bedrohte  die  Hauptstadt  und  man  hoffte  in  Bälde  die 
Revolution  beendet  zu  sehen.  Aber  die  Invasion  in  die  Champagne 
misslang  und  in  Folge  dessen  auch  der  beabsichtigte  Angriff  auf 
Valenciennes.  Als  die  Preussen  den  Rückzug  angetreten  hatten, 
kassirte  in  Paris  der  National  -  Konvent  die  Königswürde,  pro- 
klamirte  Frankreich  zur  Republik  und  machte  dem  Könige  den 
Prozess. 


238 


1792-1798. 


Die  abziehenden  Preussen  wurden  nicht  verfolgt,  dagegen 
wendeten  sich  die  Franzosen  mit  100.000  Mann  gegen  die  Nieder- 
lande, zu  deren  Vertheidigung  dem  Herzoge  von  Sachsen-Teschen 
nur  20.000  Oesterreicher  zu  Gebote  standen.  Nach  mehreren  Ge- 
fechten, in  welchen  sich  die  Oesterreicher  tapfer  schlugen,  aber 
gegen  die  Uebermacht  nicht  reussiren  konnten,  gingen  Namur, 
Antwerpen  und  Lüttich  verloren  und  F. -Z. -M.  Clerfait,  der  das 
Oberkommando  übernommen  hatte,  bezog  hinter  der  Maas  die  Winter- 
quartiere. 

Die  früher  angeführte  Transferirung  des  Major  Wolff  zum 
Kegiment  Nr.  37  wurde  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom 
5.  Mai  1792  rückgängig  gemacht. 

Oesterreich  machte  alle  Anstrengungen,  um  seine  Armee  an- 
sehnlich zu  verstärken  und  so  wurde  am  20.  November  1792  vom 
Hofkritgsrathe  der  Chargenstand  einer  Kompagnie  mit  G  Korporale, 
12  Gefreite  und  160  Gemeinen  systemisirt,  kurz  darauf  aber  der 
Mannschaftsstand  auf  200  Gemeine  erhöht. 

Am  21.  Jänner  1793  war  unter  der  Guillotine  das  Haupt 
Ludwig  XVI.  jenes  unglücklichen  Königs  gefallen,  dessen  einziger 
Fehler  allzu  grosse  Güte  war.  Alle  gesitteten  Länder  und  fast  ganz 
Europa  durchschallte  ein  Schrei  des  Entsetzens  und  erhoben  sich 
gegen  Frankreich ;  der  National-Kouvent  nahm  kühn  den  Kampf  auf. 

Der  Regimentsstab  und  das  Leib  -  Bataillon  waren  anfangs 
Jänner  1793  aufgebrochen  und  nach  Kur -Baiern  und  Franken 
marschirt,  wo  sie  am  26.  eintrafen,  dann  am  27.  nach  Weinheim 
in  der  Mittelpfalz  gerückt,  wo  sie  bis  1.  Februar  stehen  blieben. 
An  diesem  Tage  marschirten  sie  nach  Lampertheim  bei  Worms  und 
kantonnirten  hier  und  in  der  Konkurrenz  bis  12.,  waren  dann  vom 
13.  bis  22.  am  Ober- Rhein  und  rückten  hierauf  zum  Korps  des 
F.-M.-Lt.  Prinz  Württemberg. 

An  dem  Tage,  als  das  Leib  -  Bataillon  mit  dem  Stabe  im 
Vereine  mit  einem  Bataillon  der  Infanterie -Regimenter  Nr.  3,  23, 
20,  56  und  59  nebst  vier  Kürassier  -  Regimentern  und  der  dazu 
gehörigen  Artillerie  als  Verstärkung  der  Armee  einrückten,  mar- 
schirte  diese  zum  Entsätze  der  belagerten  Festung  Mastricht  und 
bezog  am  28.  Februar  enge  Kantonnirungen  hinter  der  Roer.  In  der 
Nacht  auf  den  1.  März  1793  wurde  dieser  Fluss  in  fünf  Kolonnen 
überschritten  und  die  französische  Kantonnirung  bei  Aldenhofen  und 


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1795  -179». 


239 


Eschweiler  überfallen.  Das  Korps  Württemberg  und  das  zweite 
Treffen  gingen  bei  Düren  über  die  Roer.  Erst  nach  einem  halb- 
stündigen Marsch  stiess  man  auf  den  Feind,  der  sich  eiligst  in 
seine  auf  dem  Roer-Berge  durch  10  bis  12  Geschütze  vertheidigte 
Verschanzung  zurückzog.  Um  gegen  denselben  zu  demonstriren, 
blieb  Prinz  Württemberg  mit  seinem  Korps  stehen,  die  Avant- 
garde und  das  zweite  Treffen  marschirten  gegen  die  französische 
Stellung  von  Hönningen. 

Um  2  Uhr  nachmittags  erfolgte  der  Angriff  auf  selbe,  wahrend 
der  Prinz  Württemberg  gleichzeitig  dem  Generalen  Davidovich 
befahl,  nunmehr  gegen  den  Roer -Berg  vorzurücken.  Da  aber  der 
Prinz  fand,  dass  der  Feind  nicht  eher  aus  seiner  guten  Stellung 
weichen  würde,  bevor  nicht  dessen  linke  Flanke  umgangen  sei,  so 
beorderte  er  den  Obristen  Fürsten  Reuss  mit  seinem  Bataillon 
von  Nr.  56,  einer  Eskadron  von  Latour-Dragoner,  einer  Jäger-Kom- 
pagnie Mahoni  hiezu  und  schickte  das  Leib  -  Bataillon  Teutsch- 
meister  als  Unterstützung  nach.  Obrist  Fürst  Reuss  nahm  nach 
kurzer  Kanonade  die  Stellung  und  besetzte  sie.  Mittlerweile  hatte 
Erzherzog  Karl  auch  die  Stellung  von  Hönnigen  mit  besonderer 
Bravour  forcirt.  F.-Z  -M.  Clerfait,  unterdessen  mit  dem  ersten 
Treffen  bei  Jülich  über  die  Roer  gegangen,  vertrieb  die  Franzosen 
aus  ihren  Redouten  und  schickte  seine  Hauptmacht  über  Aldenhoven 
vor,  wo  er  sich  mit  der  von  Düren  ankommenden  Kolonne  vereinigte. 
So  war  also  die  feindliche  Position,  welche  Aachen  und  Rolduc 
decken  sollte,  genommen.  2  Fahnen,  23  Kanonen  und  5000  gefangene 
Franzosen  waren  nebstbei  die  Früchte  dieses  schönen  Sieges  bei 
Aldenhoven,  zu  welchem  Erzherzog  Karl  am  meisten  beigetragen 
hatte. 

Um  */49  Uhr  abends  besetzte  das  Leib  -  Bataillon  Eschweiler 
und  blieb  hier  die  Nacht  unterm  Gewehr. 

Am  2.  März  verliessen  beim  Vormarsche  der  Oesterreicher  die 
Franzosen  die  Stadt  Rolduc  und  deren  Verschanzungen.  Erzherzog 
Karl  säuberte  mit  der  Avantgarde  Fouquemont  und  das  württera- 
bergische  Korps  rückte  gegen  Aachen,  eine  Kolonne,  dabei  das  Leib- 
Bataillon,  unter  General  Davidovich  über  Ellendorf  zur  Um- 
gehung des  Defilles  hinter  diese  Stadt  entsendend. 

Die  in  Aachen  gestandenen  Franzosen  hatten  sich  schon  zurück- 
gezogen, allein  eine  von  Rolduc  retirirende,  6000  Mann  starke  feind- 


240 


175*2  -  I7f»3. 


liehe  Kolonne  warf  sich  jetzt  in  dasselbe.  Die  österreichische  Avant- 
garde bemächtigte  sich  zweier  Thore.  Man  schlug  sich  in  allen 
Gassen;  der  Feind  vertheidigte  sich  noch  auf  dem  Hauptplatz  und 
verliess  die  Stadt  erst  dann,  als  die  in  seine  rechte  Flanke  marschirende 
Kolonne  unter  David ov ich  das  grosse  Defilee  umgangen  hatte, 
sich  der  Strasse  von  Herve  näherte  und  so  seinen  Rückzug  bedrohte. 
Er  retirirte  nun  auf  die  Anhöhen  von  Herve,  wurde  aber  auch  hier 
mit  Verlust  von  7  Kanonen  geworfen. 

Am  3.  Marz  zog  der  Kommandirende,  F. -M.  Prinz  Coburg, 
unter  dem  Jubel  der  Bevölkerung  in  das  seit  20.  Februar  belagerte 
Mastrieht  ein,  während  an  demselben  Tage  die  Avantgarde  Aber  die 
Maas  ging.  Prinz  Württemberg  marsehirte  bis  Henri  Chapelle. 
Die  Franzosen  waren  überall  schon  in  Eile  retirirt.  Erzherzog  Karl 
vertrieb  am  4.  die  Franzosen  aus  Tongern,  worauf  das  erste  Treffen 
gleichfalls  die  Maas  Übersehritt.  Der  Prinz  Württemberg  kam 
zu  Herve  an;  seine  Avantgarde  zu  Soumagne.  Derselben  gegenüber 
auf  den  Höhen  von  Aigneux  standen  feindliehe  Truppen  mit  vieler 
Artillerie.  Der  Prinz  verstärkte  seine  Avantgarde  mit  1  Bataillon 
von  Nr.  5G  unter  Obrist  Fürst  Reuss  und  marsehirte  mit  dem 
ganzen  Korps  durch  das  Gebirge  über  Herve  nach  Lüttieh  in  des 
Feindes  linke  Flanke.  Unterdessen  waren  die  Höhen  von  Aigneux 
en  Front  angegriffen  worden;  man  hatte  dem  Feinde  auch  schon 
zwei  Kanonen  abgenommen,  aber  er  vertheidigte  sich  so  lange  hart- 
näckig, bis  der  Prinz  ihn  ganz  tournirt  hatte  und  mit  seiner  Tete 
angriff.  Nun  verliess  er  mit  Einbruch  der  Nacht  seine  Position  und 
Lüttich  selbst,  wo  die  Oesterreich  er  am  5.  des  Morgens  einzogen, 
und  100  Kanonen,  nebst  vielen  Kriegs-  und  Lebensbedürfnissen 
fanden. 

Am  10.  März  marsehirte  das  Leib  -  Bataillon  mit  dem  Korps 
des  F.-M.-Lt.  Graf  Latour  über  Hay,  Namur  und  Möns  gegen 
Maubeuge,  wo  es  am  9.  April  eintraf  und  zur  Cernirung  dieser 
Festung  verwendet  wurde. 

Mittlerweile  war  der  französische  General  Dumouriez  bei 
dem  entmuthigten  französischen  Heere  angekommen  und  gab  sich 
alle  Mühe,  den  Truppen  wieder  Selbstvertrauen  einzuflössen  und 
den  Geist  der  militärischen  Disziplin  herzustellen.  Aber  schon  am 
18.  März  wurde  er  bei  Nerwinden  geschlagen,  wobei  der  jugendliche 
Erzherzog  Karl  gegen  den  französischen  linken  Flügel  den  Haupt- 


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ITtS— 17M. 


241 


sieg  erfocht.  Die  Franzosen  verloren  4000  Mann  und  30  Kanonen ; 
nach  ein  paar  Tagen  waren  nur  mehr  20.000  Mann  beisammen. 

Am  24.  März  besetzten  die  Oesterreicher  Mecheln,  am  25. 
Brüssel,  wo  Erzherzog  Karl  mit  unbeschreiblichem  Jubel  empfangen 
wurde  und  am  26.  Namur.  Nun  scbloss  Dumouriez  mit  dem 
Prinzen  Coburg  einen  Waffenstillstand,  weil  er  Aber  das  Ver- 
fahren des  Konvents  empört  und  ob  des  Verlustes  der  Niederlande 
für  seinen  Kopf  besorgt  gemacht,  nach  Paris  raarschiren  wollte,  um 
das  Königthum  wieder  herzustellen.  Schon  nahm  Dumouriez  die 
zu  seiner  Verhaftung  entsendeten  Konvents  -  Kommissäre  gefangen 
und  lieferte  sie  an  die  Oesterreicher  aus,  als  er,  von  der  Armee 
verlassen,  sich  mit  seinen  Anhängern  in  das  k.  k.  Lager  zu  flüchten 
bemOssigt  sah. 

Dampierre  wurde  Befehlshaber  des  französischen  Heeres 
und  bezog  das  feste  Lager  bei  Famars.  Coburg  kündigte  am 
8.  April  1703  den  Waffenstillstand  und  unternahm  die  Belagerungen 
der  Festungen  Conde,  Valenciennes ,  le  Quesnoi,  Landrecy  und 
Maubeuge,  wo  das  Leib-Bataillon  Teutschmeister  bereits  abwechselnd 
den  Vorpostendienst  beim  Belagerungskorps  versah  und  mehrere 
Rekognoszirungen  bis  nahe  an  die  Festungsthore  ruhmlich  durch- 
geführt hatte.  Den  ganzen  April  währten  die  Vorpostongefechte  vor 
Maubeuge.  Am  1.  Mai  versuchte  Dampierre  den  Entsatz  der 
Festung  Conde\  wurde  aber  mit  vielem  Verluste  in  sein  Lager  bei 
Famars  zurückgeschlagen. 

Seit  1.  Mai  hatte  die  Besatzung  von  Maubeuge  mehrere  Aus- 
fälle gemacht  und  unternahm  am  7.  Mai  einen  solchen  mit  grosser 
Truppenzahl  gegen  fünf  Punkte.  Die  Schanze  auf  dem  linken  Flügel 
war  einer  jener  Punkte,  welchen  der  Feind  ebenfalls  mit  grosser 
üebermacht  angrift'  und  mit  sechs  Kanonen  und  Haubitzen  lebhaft 
beschoss.  Eine  Kompagnie  des  Regiments  Nr.  20  hielt  sich  hier 
ausnehmend  tapfer,  war  aber  endlich  gezwungen,  die  Posten  aus 
den  vorderen  Gräben  zurückzuziehen,  als  in  demselben  Augenblicke 
eine  Division  Teutschmeister,  geführt  von  Major  Blavier,  recht- 
zeitig eintraf  und  sogleich  das  Gefecht  herstellte.  General  Davi- 
dovich  sagt  in  seinem  Berichte:  „Bei  Ankunft  der  Teutschmeiste- 
„rischen  Division  hingegen  durch  besondere  Verwendung  des  mit- 
bekommenen Herrn  Majors  Blavier  und  dessen  rechtschaffenen 
Jndividuen  nicht  nur  diese  Schanze  gänzlich  behauptet,  sondern 

16 


242  1702-1798. 

„auch  sämmtliche  die  innegehabten  Posten  wieder  eingenommen  und 
„besetzet  worden.  Ich  kann  also  meinen  Pflichten  gemäss  nicht 
„unterlassen,  die  Herzhaftigkeit  sämmtlicher  unserer  Troupp  vom 
„höchsten  Offizier  bis  zu  den  Gemeinen  wo  ich  zugegen  war  und 
„ersehen  habe,  nicht  mit  hinlänglichen  Ausdrücken  zu  beloben.  In 
„Sonderheit  —  von  Teutschmeister  der  Major  Baron  Blavier, 
„Lieutenant  Thiel,  Fähnrich  Blankenheim,  Feldwebel  Rad- 
ovan y,  Korporal  Martini,  Gefreiter  K  o  n  s  i  k  o  w  s  k  y,  Gemeine 
.Thomas  Pentolano,  Anton  Remischka,  Paul  Bösch, 
„Philipp  F  e  i  c  h  t  m  a  y  e  r,  Georg  Hold  und  Lorenz  P  i  1  a  wegen 
.ihrem  ruhmwürdigen  Betragen  zu  beloben  und  der  höchsten  Gnade 
„anzuempfehlen.* 

Der  Verlust  des  Leib  -  Bataillons  vor  Maubeuge  bestand  in 
5  Todten  und  17  Verwundeten. 

Am  14.  Mai  rückte  das  Regiment  Nr.  59  beim  Korps  des 
F.-M.-Lt.  Latour  ein,  und  das  Leib  -  Bataillon  marschirte  zur 
Hauptarmee  nach  Quiverain,  wo  dasselbe  die  Eintheilung  unter 
General  Otto  erhielt. 

Nachdem  sich  die  Preussen,  Holländer,  Engländer  und  Han- 
noverauer mit  dor  kaiserlichen  Armee  vereinigt  hatten,  beschloss 
Feldmarschall  Prinz  Coburg,  die  Franzosen,  deren  Kommando 
General  Custine  von  dem  verwundeten  Dampierre  übernommen 
hatte,  in  ihrem  festen  Lager  zu  Famars  anzugreifen  und  von 
Valenciennes  wegzuschlagen.  Der  Angriff  war  in  fünf  Kolonnen 
bestimmt.  Die- Seiteukolonne  unter  General  Otto  bestand  nur  aus 
zwei  Bataillons,  dabei  Teutschmeister  und  12  Escadrons.  Sie 
sammelte  sich  auf  dem  Unken  Flügel  des  Lagers  und  rückte  nach 
Villerspol;  sie  war  bestimmt,  alles  anzugreifen,  was  sie  von  der 
Garnison  von  le  Quesnoi  etwa  dort  fände.  So  deckte  sie  der  Armee 
die  Flanke  und  nach  der  Passirung  der  Ronette  den  Rücken. 

Um  die  Bewegungen  der  Armee  zu  verbergen,  wurde  mit  ein- 
brechender Nacht  die  Vorpostenkette  verdoppelt.  Nach  Mitternacht 
des  23.  Mai  formirten  sich  alle  Truppen  in  ihre  Kolonnen  und  als 
der  Tag  anbrach,  wurde  vorgerückt.  Ein  dichter  Nebel  lag  auf  der 
Gegend.  Die  angreifende  Armee  schickte  zahlreiche  Patrouillen  vor 
sich  hin ;  diese  stiessen  auf  die  feindlichen  Vorposten  uud  jagten  sie 
bis  an  die  längs  der  Ronette  gelegenen  Dörfer.  General  Otto  über- 
fiel mit  seinen  Truppen  Villerspol,  Teutschmeister  nahm  dasselbe  mit 


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1792-171)3. 


243 


Sturm,  eroberte  6  Kanonen  und  4  Munitionskarren  und  drückte  die 
Franzosen  durch  Orsainval  bis  an  die  Festung  Quesnoi  zurück. 
Um  den  Uebergang  der  Hauptarmee  zu  erleichtern,  welche  durch 
einige  zwischen  Mareche  und  Villerspol  liegende  Schanzen  beunruhigt 
wurde,  liess  General  Ott o  Huszaren  durch  den  Bach  setzen,  welche 
zwei  derselben  wegnahmen.  Der  Feind  machte  mehrere  Versuche, 
Orsainval  und  Villerspol  wieder  zu  erobern,  aber  sie  misslangen  alle. 
Teutschmeister  hatte  den  letzteren  Ort  mit  besonderer  Tapferkeit 
vertheidigt  und  dem  Feinde  nahmhafte  Verluste  zugefügt.  Mit  Ein- 
bruch der  Nacht  blieb  hier  alles  ruhig.  Die  Truppen  Otto's  blieben 
die  Nacht  in  ihren  Stellungen  mit  den  Waffen  in  der  Hand.  Die 
Armee  hatte  auf  allen  Punkten  entschieden  gesiegt.  Die  Franzosen 
verloren  3000  Todte  und  Blessirte,  300  Gefangene,  17  Kanonen  und 
14  Munitionskarren. 

Der  Verlust  der  alliirten  Armee  betrug  6—700  Todte  und 
Blessirte,  darunter  Teutschmeister  8  Todte,  21  Blessirte. 

Am  24.  Mai  um  2  Uhr  früh  setzten  sich  alle  Kolonnen  in 
Bewegung,  um  den  Angriff  fortzusetzen.  Aber  man  fand  keine  Feinde 
mehr.  Diese  hatten  in  der  Nacht  die  Höhen  von  Famars  und  Anzain 
verlassen  und  sich  hinter  Buchain  und  Cambray  zurückgezogen. 
Durch  diesen  Marsch  waren  sie  der  Gefahr,  gefangen  oder  in  die 
Festung  geworfen  zu  werden,  glücklich  entgangen.  Die  Alliirten 
bezogen  die  verlassene  Stellung  des  Feindes.  Das  Leib  -  Bataillon 
Teutschmeister  kantonnirte  in  dem  ruhmvoll  eroberten  Villerspol. 

Nun  wurde  Valenciennes  durch  eine  kombinirte  Armee  unter 
dem  Herzoge  von  York  berannt;  F.- M.Coburg  bezog  mit  einem 
Theile  der  Observationsarmee  ein  Lager  auf  den  Höhen  hinter 
Vavrechin  zwischen  der  Scheide  und  Vallors,  welches  er  stark  ver- 
schanzen liess.  F. -M.- Lt.  Latour  hielt  einen  Kordon  von  Villerspol 
bis  Charleroi  und  beobachtete  Philippeville,  Maubeuge  und  le  Quesnoi. 

Die  Stellung  bei  Villerspol  wurde  im  Juni  noch  mit  einigen 
Truppen  verstärkt  und  unter  das  Kommando  des  Generalen  Grafen 
Bellegarde  gestellt.  Am  5.  Juli,  eine  Stunde  vor  Tagesanbruch, 
griff  der  Feind  plötzlich  diese  Stellung  mit  allem  Nachdrucke  an 
und  drückte  die  Posten  von  Haye  bis  Franoy  zurück.  Der  Feind 
wurde  einmal  zurückgetrieben,  allein  er  wiederholte  den  Angriff  mit 
drei  aus  Quesnoi  vorgerückten  Bataillons  und  6  Kanonen  vereint 
mit  seiner  geworfenen  Truppe  auf  verschiedenen  Punkten  und  gewann 

16* 


241 


1792  1793. 


wirklich  schon  Terrain ;  da  warfen  sich  ihm  die  Oesterreicher  kühn 
mit  dem  Bajonnet  entgegen  und  jagten  ihn  in  die  Flucht.  Das  Leib- 
Bataillon  hatte  3  Todto  und  9  Verwundete,  war  mit  besonderer 
Tapferkeit  gegen  zwei  feindliche  Bataillons  losgestürmt  und  hatte 
sie  sofort  über  den  Haufen  geworfen. 

Am  11.  Juli  rückte  ein  Bataillon  von  Nr.  3  in  Villerspol 
ein,  wogegen  das  Bataillon  Tcutschmeister  um  11  Uhr  abends  von 
dort  abmarschirte  und  zum  Korps  des  F.-M.  -Lt.  Latour  nach 
Bettiguies  rückte. 

Am  11.  Mai  war  das  Obrist-Bataillon  von  Wien  abmarschirt, 
durchzog  bis  28.  Kur- Baiern,  im  Juni  Franken  und  die  Kheinischen- 
Kreise  und  vereinigte  sich  am  11.  Juli  im  Feldlager  bei  Bettignies 
mit  dem  Ilegimcntsstab  und  Leib  -  Bataillon. 

Nach  der  Eintlieilungs-  Liste  vom  Jahre  1793  bestand  der  Stab, 

das  Leib-  und  Christ-  Bataillon  aus  nachstehenden  Offizieren: 

Obrist-  Inhaber  Erzherzog  Maximilian,  Hoch-  und  Teatschmeister. 

Obrist  Kcgiments-Kommandant  Wilhelm  Baron  Kerpen. 

Major  Ludwig  Baron  de  In  Blavier. 

Kaplan  Hilarius  Wal  lisch. 

Auditor  Anton  Fest. 

Adjutant  (icorg  Mehlführer. 

Chirurg  Ferdinand  Falta. 


Kompagnie 

Hauptmann 

Lieutenant 
Kapitiin-   j      Ober-  Unter- 

Fähnrich 

Leib- 

Helenus 
de  Sa  vetin 

Karl  Bauer 

Ignaz  Fels 

Mathias 
Schmidt 

1.  Major- 

Kajetan 

Petteneck 

Ig.  Albrecht 

Johann 
de  Schüttre 

Wilhelm 
Br.  Steinlein 

Xocsen- 

Wilh.  Neesen  - 

Graf  Ajatta 

Gabriel 
Michalievich 

Michael  Kato 

Znchari- 

Zuchari 

Wolfgang 
Wagovich 

Otto 
Br.  Coletti 

Karl  O  Lyneh 

_ 

Augustin 
Bergen 

Klippfeld- 

Klippfeld 

Franz 

liraf  Coreth 

Lndwig 
Lindenberg 

Costerus- 

Costerus 

Philipp 
v.  Mertloch 

Johann  Till 

Maria 

Blankenheim 

ObriBt- 

Franz 
Zurwesten 

Ig.  Splavski 

Johann 
Hochmann 

Ad.  Stephens 

2.  Major- 

Vinc.Ostovioh 

Johann  Vella 

Loop.  Hönig 

Kajetan 
Konsky 

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1792-  1703. 


245 


Kompagnie 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

Kapitän- 

Ober- 

Unter- 

Prevost- 

Baptist 
Prevost 

Anton 
Ruisdürfer 

Joh.  Rauch 

Ignaz 
Pfefferkorn 

Terzy- 

Karl  Terzy 

Alex.  Graf 
Taufkirchen 

Ferdinand 
Wittum 

Bertrand- 

Franz 
de  Bertrand 

Ludwig 
Br.  Stael 

Xepomnk 
Sehmid 

Friedrich 
Schultz 

Weller- 

Martin  Weiler 

üottl.  Kramer 

Josef  Schmidt 

.loh.  Alhrecht 

Fahnen-Kadet  Franz  Hervay  von  Kirchberg. 

Leib-Bataillon  12t.r)  Mann,   9  Kanoniere,   15  Knechte,   57  Pferde. 

Obrist-     „      1173  9  12       r        50  r 


Am  11.  Juli  kapitulirte  Conde.  Am  selben  Tage  griffen  die 
Franzosen  die  Vorposten  des  F.-M.-Lt.  Latour  mit  grosser  U eber- 
macht an  und  gewannen  im  ersten  Anfall  einige  Verschanzungen, 
wurden  aber  von  den  herbeieilenden  Verstärkungen  mit  Verlust 
zurückgeworfen.  Teutschmeister  waren  nicht  in's  Feuer  gekommen. 

Der  Feldmarschall  liess  am  23.  Juli  eine  Haupt-Rekognoszirung 
vornehmen,  um  sich  von  der  Stellung  und  Stärke  des  Feindes  zu 
überzeugen.  Sie  geschah  in  fünf  Abtheilungen ;  das  Regiment  marschirte 
über  Villers  en  Cauchie  bis  Riew.  Man  fand  des  Feindes  Hauptmacht 
zwischen  Oisy  und  Cambray  gelagert.  Die  leichten  Truppen  hatten 
viele  Gefangene  gemacht. 

Am  26.  wurden  die  Vorwerke  der  Festung  Valenciennes  mit 
Sturm  genommen,  worauf  der  Kommandant  General  Ferrand  kapi- 
tulirte, dann  am  1.  August  mit  der  noch  7000  Mann  starkeu  Gar- 
nison nach  den  Höhen  von  Famars  marschirte  und  dort  die  Waffen 
streckte.  General  Custine,  der  Valenciennes  nicht  entsetzte,  endete 
unter  dem  Beile  der  Guillotine;  sein  ehemaliger  Adjutant  Houchard 
folgte  ihm  im  Kommando. 

Die  Verbündeten  waren  nun  nicht  nur  im  vollkommenen  Be- 
sitze der  Niederlande,  sie  standen  grösstentheils  auf  feindlichem 
Boden.  Alles  schien  sich  vereinigt  zu  haben,  die  Republik  zu  ver- 
nichten, als  die  Franzosen  auch  aus  dem  für  unangreifbar  gehaltenen 
»Camp  de  Caesar*  verdrängt  wurden.  Ausserdem  waren  ihre  Heere 
in  den  Pyrenäen  geschlagen,  in  der  Vend^e  hatte  sich  ein  furcht- 
barer Aufstand  zu  Gunsten  des  Königthums  erhoben,  ebenso  waren 
in  Marseille,  Toulon  und  Lyon  drohende  Empörungen  wider  die 


246 


1792  1793 


revolutionären  Machthaber  ausgebrochen.  Allein  nun  begann  erst 
die  volle  Schreckensherrschaft  unter  Robespierre's  scheusslicher 
Diktatur  und  diese  wusste  mit  haarsträubender  Grausamkeit  die  zur 
Fortsetzung  des  Krieges  erforderlichen  Mittel  dem  unglücklichen 
Laude  abzupressen.  Ganz  Frankreich  wurde  zur  Kriegswerkstätte 
und  bald  gebot  die  Republik  über  zahlreiche  Armeen.  Die  Guillotine 
war  in  Permanenz,  nur  Sicherheit  in  den  Reihen  der  Armee. 

Nach  dem  glücklichen  Ausschlage  auf  den  Camp  de  Caesar 
marschirte  der  Herzog  York  mit  einer  kombinirten  Armee  von 
37.000  Mann  gegen  Dünkirchen;  die  k.  k.  Hauptarmee  unter  Prinz 
Coburg  aber  bezog  an  der  Scheide  die  Stellung  zwischen  Bettignies 
und  Deuaing.  Das  Regiment  blieb  unter  F. -M. -Lt.  Latour  bei 
Bettignies. 

Während  der  Herzog  York  Dünkirchen  belagerte,  wollte 
Prinz  Coburg  die  Festungen  le  Quesnoi  und  Maubeuge  angreifen 
und  liess  zu  diesem  Zwecke  am  17.  August  die  Franzosen  aus  dem 
Mormal -  Walde  vertreiben.  Die  Festung  le  Quesnoi  wurde  jetzt 
blockirt.  Das  Blockade  -  Korps  stand  über  Orsainval,  Ruesne,  Beau- 
dignies,  Louvignies,  Jollimez  und  Villereaux;  das  Observations- 
Korps,  mit  der  Aufgabe  Landrecy,  Cambray,  Bonchain  und  Douay 
zu  beobachten,  stand  über  Denaing,  Douchy,  Saulzoir,  Montrecourt, 
Romerie,  Englefontaine  durch  den  Wald  von  Mormal  bis  Charleroi. 
Das  Obrist-Bataillon  war  am  21.  August  von  Bettignies  abmarschirt 
und  am  23.  bei  dem  Blockade -Korps  vor  le  Quesnoi  eingetroffen, 
wo  dasselbe  seine  Eintheilung  in  die  Division  des  F.-M.-Lt.  Terzy, 
Brigade  General  Hutten  erhielt. 

Am  25.  August  mit  Anbruch  des  Tages  unternahmen  die 
Franzosen  mit  2000  Mann  und  einigen  Kanonen  einen  Ausfall  gegen 
die  im  Bau  begriffene  Schanze,  welche  gegen  die  feindliche  hinter 
der  Cense  du  Parc  errichtet  werden  sollte.  400  Mann  des  Obrist- 
Bataillons,  welche  die  Waffen  und  Rüstung  abgelegt  hatten,  waren 
mit  dieser  Arbeit  beschäftigt.  Sogleich  ergriffen  sie  die  Waffen, 
empfingen  den  Feind  mit  einem  mörderischen  Bataillefeuer,  als  er 
in  Unordnung  gcrieth,  stürmten  sie  mit  dem  Bajonnet  kühn  entgegen, 
und  warfen  ihn  in  die  Festung  zurück.  Oberlieutenant  Max  Gral 
Taufkirchen  und  2  Mann  waren  todt  auf  dem  Felde  der  Ehre 
geblieben,  6  Mann  verwundet.  Die  Franzosen  hatten  durch  Kugeln 
und  Bajonnet  bedeutende  Verluste  erlitten. 


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1792-1798. 


247 


In  der  Nacht  vom  28.  zum  29.  August  wurden  die  Laufgräben 
eröffnet;  in  wenigen  Tagen  waren  die  erste  Parallele  und  12  Batterien 
fertig,  aus  welchen  nach  zurückgewiesener  Aufforderung  zur  üeber- 
gabe  ein  ununterbrochenes  Feuer  begann.  Die  Frauzosen  versuchten 
keinen  Entsatz.  Am  8.  September  eröffnete  man  die  zweite  Parallele 
und  am  13.  ergab  sich  die  noch  5224  Mann  starke  Besatzung  kriegs- 
gefangen. Die  Kapitulation  war  bereits  geschlossen,  nur  hatte  die 
Garnison  das  Gewehr  noch  nicht  gestreckt,  als  die  Franzosen  am 
12.  September  morgens  beide  Flügeln  des  Observations  -  Korps  an- 
griffen, aber  zurückgeschlagen  wurden. 

Der  französische  General  Houchard  hatte  inzwischen  die 
neu  zu  erschaffende  Nordarmee  bei  Vitry  gesammelt  und  eilte 
Dünkirchen  zu  entsetzen.  Am  8.  September  siegten  die  Franzosen 
bei  Hontscooten  über  einen  Theil  des  Beobachtungs  -  Korps  der 
Alliirten,  worauf  Herzog  York  am  folgenden  Tage  die  Belagerung 
aufhob.  Nicht  allein  bei  Hontscooten  waren  die  Waffen  der  Fran- 
zosen glücklich,  auch  in  Flandern  drangen  ihre  Heere  ein,  wagten 
zwar  einen  vergeblichen  Angriff  auf  Ypern,  siegten  aber  bei  Wcrwik 
und  Halluin,  wodurch  sie  Menin  in  ihre  Gewalt  bekamen  und  den 
Herzog  von  York  zum  Bückzuge  auf  Thourout  veranlassten. 

Als  der  Feldmarschall  Prinz  Coburg  diese  ungünstigen  Nach- 
richten erhielt,  eilte  er  am  15.  September  mit  eiuem  Theile  der  bei 
le  Quesnoi  gestandenen  Truppen  gegen  Menin.  Dieses  war  aber  am 
15.  schon  wieder  von  deu  Oesterreichern,  nämlich  von  der  Kolonne 
des  F.-M.-Lt.  Beaulieu  und  der  Avantgarde  des  York'schen 
Korps,  welches  bis  Rousselaire  vorgerückt  war,  erstürmt  worden. 
Panischer  Schrecken  ergriff  die  Republikaner,  eiligst  retirirten  sie 
hinter  die  Lys  und  Flandern  war  wieder  frei. 

Neue  Angst  bemächtigte  sich  des  Konvents,  der  Ober -Kom- 
mandant Ho  uch  ard  wurde  guillotinirt,  Jourdau  General  en  Chef 
der  Nordarmee. 

Es  wurde  nun  zur  Belagerung  von  Maubeuge  geschritten.  Prinz 
Coburg  sammelte  die  uiezu  erlesenen  Truppen  an  der  Sambre, 
und  beschloss,  vorerst  den  Gegner  aus  seiner,  Maubeuge  deckenden 
Aufstellung,  entweder  in  die  Festung  zu  werfen  oder  von  dort  abzu- 
drängen. In  sechs  Kolonnen  setzten  sich  die  Verbündeten  am  28. 
in  Bewegung  und  lagerten  gedeckt  in  der  Gegend  von  Berlaimont 
und  Pont  sur  Sambre.  Bei  letzterem  Orte  wurden  die  beiden  Bataillone 


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248  1792-1793. 

des  Regiments  im  Korps  des  F.-M.-Lt.  Graf  Kinsky,  Brigade- 
General  Graf  Bellegarde  mit  10  Bataillons  und  6  Eskadrons 
aufgestellt  und  blieben  hier  während  den  mm  folgenden  Bewegungen 
der  Hauptarmee. 

Am  29.  Oberschritten  die  Alliirten  die  Sambre  und  warfen  den 
Feind,  welcher  11  Kanonen,  15  Munitionskarren  und  viele  Gefangene 
einbüsste.  Maubeuge  wurde  eingeschlossen;  das  Blockade  -  Korps 
kommandirte  F.-Z.-M.  Graf  Colloredo,  das  Observations -Korps 
F.-Z.-M.  Graf  Clerfait,  dem  auch  das  Korps  Kinsky  unterstellt 
war.  Das  Hauptquartier  des  Prinzen  Coburg  kam  nach  Pont  sur 
Sambre,  bei  welchem  die  Bataillone  des  Regiments  häufig  den  Dienst 
versahen. 

In  der  Nacht  des  3.  Oktober  wurde  der  bekannte  Postmeister 
Drouet,  der  den  König  Ludwig  XVI.  verrathen  hatte,  bei  der 
Gelegenheit,  als  er  sich  mit  10  Reitern  aus  Maubeuge  durchschlagen 
wollte,  gefangen  und  in  das  Hauptquartier  gebracht,  wo  ihn  Soldaten 
des  Regiments  bis  zu  seiner  Abtransportirung  bewachten. 

Der  französische  Oberbefehlshaber  Jourdan  hatte  mittler- 
weile aus  Paris  den  gemessenen  Befehl  erhalten,  Maubeuge  zu  ent- 
setzen. Er  sammelte  desshalb  seine  Armee  zwischen  Cambray-Douay, 
griff  am  15.  Oktober  das  nur  18.000  Mann  zählende  Observations- 
Korps  der  Verbündeten  bei  Wattignies  an,  wurde  zwar  zurück- 
geschlagen, blieb  aber  am  folgenden  Tage  Sieger. 

In  der  Nacht  vom  10.  zum  17.  hob  Prinz  Coburg  die 
Blockade  von  Maubeuge  auf  und  die  Verbündeten  zogen  sich  über 
die  Sambre  zurück.  Am  21.  Oktober  hatte  Jourdan  die  Posten 
Denaing,  Marchiennes,  Orchics  u.  a.  m.  mit  Uebermacht  angreifen 
lassen,  aber  überall  zogen  die  Franzosen  das  Kürzere,  nur  in  Mar- 
chiennes wussten  sie  sich  festzusetzen. 

Die  Hauptarmee,  dabei  das  Regiment  in  der  zweiten  Kolonne 
uuter  F.-Z.-M.  Graf  Colloredo,  marschirtc  am  23.  nach  Villers- 
pol,  am  24.  nach  Solesmes  hinter  die  Seile. 

Hier  erhielt  das  Regiment  den  folgenden  Geueralsbcfehl  ddto. 
Hauptquartier  Bermerain  24.  Oktober  1703:  „Ich  kann  nicht  umhin, 
»der  Armee  die  höchst  betrübende  Nachricht  von  der  unerhörten 
„und  grausamen  Hinrichtung  der  würdigen  Königin  von  Frankreich, 
.welche  den  17.  d.  M.  auf  die  schrecklichste  Art  durch  des  Henkers 
»Schwert  in  Paris  vollzogen  worden,  bekannt  zu  machen.  Ich  bin 


1792  179.1. 


240 


„überzeugt,  dass jeder  kaiserliche  Unterthan,  noch  mehr  jeder  Soldat, 
„tief  die  lasterhafte  Ermordung  fühlt,  und  gewiss  bei  der  ersten 
«Gelegenheit,  die,  wie  ich  hoffe,  sich  bald  darbieten  wird,  das  auf 
„dem  Schaffote  vergossene  Blut  der  Tochter  unserer  im  unvergess- 
enen Andenken  stehenden  grossen  Kaiserin  Maria  Theresia, 
.mit  Aufopferung  seines  eigenen  Lebens  zu  rächen  trachten  werde. 
„Diess  ist  der  ganzen  Armee  in  allen  Sprachen  recht  verständlich 
„zu  erklären." 

Am  30.  Oktober  überfielen  die  Generale  Kray  und  Otto  die 
Stadt  Marchiennes.  Der  grösste  Theil  der  französischen  Besatzung 
wurde  niedergemacht,  der  Rest,  welcher  sich  in  die  Abtei  geflüchtet 
hatte  und  hier  die  Waffen  streckte,  nur  durch  die  höchsten  An- 
strengungen der  Offiziere  vor  der  Wuth  der  Soldaten  gerettet. 

Mit  Generalsbefehl  wurde  auf  das  strengste  befohlen,  die  in 
Menge  der  Armee  nachziehenden  Juden  und  Händler,  welche  äusserst 
sträfliche  Räubereien  treiben,  entfernt  zu  halten  und  durchaus  nicht 
mehr  zu  dulden. 

F.-Z.-M.  Clerfait  war  mit  19  Bataillons,  darunter  das  Regi- 
ment, und  29  Eskadrons  an  der  Sambre  zwischen  Berlaimont  und 
Thuin  stehen  geblieben,  um  die  Franzosen  von  einem  Einbrüche  in 
das  Lüttich'sche  abzuhalten. 

Am  24.  griffen  die  Franzosen  die  Vorposten  bei  Sommaing  an, 
ohne  dass  durch  einen  sechsstündigen  Kampf  hier  etwas  entschieden 
wurde.  Der  Hauptangriff  geschah  auf  Orchies.  In  fünf  Kolonnen  und 
von  allen  Seiten  näherte  sich  der  Feind.  Aber  er  wurde  überall  ge- 
schlagen, verlor  5  Kanonen  und  G — 700  Mann.  Am  25.  Oktober 
rückte  der  Herzog  von  York  von  Tournay  vor.  Templcuvc,  Menin 
und  Lanoix  wurden  nach  verschiedenen  für  die  Franzosen  nach- 
theiligen Gefechten  am  27.  eingenommen  und  das  Lager  bei  Cisoing 
wieder  bezogen. 

Am  2.  November  griff*  eine  0000  Manu  starke  französische 
Kolonne,  die  von  Florenne  vorrückte,  den  F.-M.-Lt.  Beaulieu  an. 
Dieser  zog  seine  sehr  vertheilten  Truppen  zusammen  und  marschirte 
abends,  um  nicht  von  Namur  abgeschnitten  zu  werden,  nach  Saint 
Gerard.  Am  folgenden  Tage  grillen  die  Franzosen  alle  Vorposten 
bei  Divant,  Pont,  Merbcs  le  chateau  und  Boussieres  an.  Bei  Pont 
leistete  das  Regiment  Teutschmeister  heldenmüthigen  Widerstand 
und  stand  im  heftigsten  Kanonenfeuer  wie  eine  eherne  Mauer.  Sein 


250 


179*2-1793. 


Verlust  bestand  in  2  Todten  und  9  Verwundeten.  „Alle  Offiziere 
von  Teutschmeister",  berichtot  F.-Z.-M.  Clerfait  in  seiner  Rela- 
tion, .haben  sich  durch  Tapferkeit  sehr  ausgezeichnet.* 

Auf  allen  Punkten  wurdeu  die  Franzosen  zurückgeschlagen, 
welche  diese  Gefechte  zu  dem  Zwecke  unternommen  hatten,  um  den 
Abmarsch  einiger  Divisionen  an  die  Mosel  zu  maskiren. 

Das  eingefallene  schlechte  Wetter,  sowie  der  Umstand,  dass, 
laut  Meldung  des  Feldmarschall  Prinz  Coburg,  „zwei  Drittel  der 
„armen  braven  Mannschaft  ohne  Mäntel  ist,  und  bei  der  gegenwärtig 
„rauhen  Jahreszeit  erschrecklich  leidet*,  gaben  Veranlassung,  die 
Armee  in  engere  Kantonnirungen  zu  verlegen.  Das  liegiment  erhielt 
die  Quartiere  zu  Valcour,  Thuin,  la  Longueville,  Orsainval,  Jolinet, 
Forest  und  ein  Theil  im  Lager  bei  Robertshalle. 

Mit  Oeneralsbefehl  vom  13.  November  wurde  befohlen,  dass  in 
Folge  Allerhöchster  Anordnung  sämmtliche  Offiziere  zur  Trauer  für 
die  höchstselige  Königin  Marie  Antoinette  von  Frankreich  einen 
Flor  um  den  linken  Ann  durch  46  Tage  zu  tragen  haben. 

Die  Franzosen  unternahmen  anfangs  Dezember  öfter  Ueberfälle 
auf  die  kaiserlichen  Vorposten.  Am  4.  vormittags  rückten  aus  der 
Festung  Philippeville  beiläufig  400  Mann  Infanterie  und  150  Reiter 
gegen  Yres,  wo  vom  Regiment  und  Barco  -  Huszareu  ein  Posten 
aufgestellt  war.  Die  Piquete  von  Teutschmeister  leisteten  dem  sehr 
überlegenen  Feind  die  standhafteste  Gegenwehr  und  es  gelang  den 
Franzosen  nicht,  den  Posten  zum  Weichen  zu  bringen.  Dieser  Kampf 
währte  volle  drei  Stunden  und  schon  begannen  der  braven  Mannschaft 
die  Patronen  auszugehen,  als  der  Rittmeister  K  e  r  e  k  e  s  von  Barco- 
Huszaren  die  günstige  Gelegenheit  zum  Einbauen  wahrnahm  und 
sofort  durch  eine  brillante  Attaque  die  Frauzosen  warf  und  in  die 
Flucht  jagte.  Teutschmeister  hatten  1  Mann  todt  und  1  verwundet. 
Von  den  Franzosen  waren  viele  auf  dem  Platze  geblieben  und  die 
Huszaren  brachten  mehrere  Gefangene  zurück. 

Sr.  Majestät  der  Kaiser  erliess  an  den  Kommandirenden  nach- 
stehendes Allerhöchstes  Handbillet: 

„Es  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  der  heurige  so  merkwürdige 
„als  glückliche  Feldzug  nächst  Gott  dem  ruhmvollen  Verhalten 
„Meiner  Armee  zu  verdanken  ist.  Ich  sehe  daher  für  eine  Meiner 
„wesentlichen  Pflichten  an,  dem  Allmächtigen  hierüber  den  innigsten 
.schuldigsten  Dank  abzustatten,  wozu  Ich  einen  allgemeinen  Beth- 


1792  —  1798. 


251 


„tag  angeordnet  habe,  zugleich  aber  Ihnen  hiemit  aufzutragen,  den 
«Armeen  insgesammt  und  jedem  insbesondere  vom  Goneral  bis  zum 
, Gemeinen  für  die  während  diesem  so  langen  als  harten  Feldzug 
„erfochtene  mehrere  Siege,  und  alle  errungene  wichtige  Vortheile 
„Meine  vollkommenste  Zufriedenheit  nebst  dem  gefühlvollesten  Dank 
«mit  der  Versicherung  zu  erkennen  zu  geben,  dass  gleich  wie  das 
„gesammte  Militär  durch  diese  Mir  und  dem  Staate  geleistete 
„wichtige  Dienste  Mir  annoch  schätzbarer  geworden  ist,  Ich  zu  allen 
„Zeiten  aufmerksam  seyn  werde,  diesem  Stande  überhaupt  nicht  nur 
„Meine  ganze  Zuneigung  zu  beweisen,  sondern  auch  jedes  aus- 
gezeichnete Verdienst  bei  jeder  sich  ergebenden  Gelegenheit  zu 
„belohnen  und  vorzuziehen. 

„Wien,  12.  Dezember  1793. 

„Franz  ra/p." 

Die  Grenadier  -  Division  im  Bataillon  St.  Julien  war  im  Sep- 
tember 1793  von  Wien  aufgebrochen,  durch  Oesterreich  und  Tirol 
an  den  Rhein  marschirt,  um  das  Korps  des  G.  d.  K.  Graf  Wurmser 
zu  verstärken,  wo  dasselbe  die  Einteilung  in  die  Brigade  General 
Jordi  s  erhielt.  Während  der  Operationen  am  linken  Rhein -Ufer 
half  es,  in  der  Division  des  F.  -  M.  -  Lt.  S  t  a  a  d  e  r,  das  rechte  zu  decken. 

Nach  dem  Gefechte  am  18.  November  fasste  Wurmser  den 
Entschluss,  sich  seiner  Winterpostirung  bei  Hagenau  zu  nähern.  Diese 
wurden  von  OfFendorf  an  über  Rurzenbausen,  Scheffelsheim,  Ohlungen, 
dann  von  Schweighofen  über  Reichshofen  bis  auf  den  Liebfrauenberg 
genommen.  Die  Vorposten  blieben  an  der  Zorn  stehen. 

Seit  diesem  Tage  dauerten  die  Neckereien  von  beiden  Seiten 
fort.  Um  einen  Ersatz  für  den  täglichen  Verlust  zu  haben,  befahl 
Wurmser  dem  F.-M.-Lt.  Staad  er,  3  Grenadier -Bataillons, 
dabei  St.  Julien  und  das  Regiment  Hohenzollern  Kürassiere,  über  den 
Rhein  zu  schicken,  welche  zwischen  Sulz  und  Schöneberg  Stellung 
nahmen,  um  sowohl  die  rechte  Flanke  des  Armeekorps,  als  auch  die 
Strasse  von  Sulz  nach  Weissenburg  zu  decken. 

Durch  den  Rückzug  Wurmser's  gegen  die  Winterpostirung 
noch  kühner  gemacht,  überschritten  die  Franzosen  am  20.  November 
die  Zorn  und  drückten  die  österreichischen  Vorposten  zurück. 
Wurmser  griff  sie  aber  am  folgenden  Tage  an  und  warf  sie  mit 
Verlust  zweier  Kanonen  wieder  zurück.  Diess  schreckte  aber  den 


252 


1792  17H3. 


Feiud  nicht  ab.  Am  22.  erschien  derselbe  neuerdings  und  in  grösserer 
Anzahl  und  griff  vorzüglich  den  linken  Flügel  der  Stellung  an.  Hier 
dauerte  das  Kanonen-  und  Kleingewehrfeuer  den  ganzen  Tag.  Auch 
in  den  folgenden  drei  Tagen  war  es  sehr  unruhig,  indem  der  Feind 
mit  der  ganzen  Vorpostenlinie  scharmuzirte.  Am  26.  November 
fand  auf  dem  rechten  Flügel  der  Stellung  ein  hitziger  Kampf  statt 
Die  Franzosen  unternahmen  einen  Angriff  auf  Uttenhofen,  verdrängten 
die  dort  stehenden  Szekler  nach  langem  Widerstande,  drangen  mit  der 
Reiterei  über  die  Zinzel  und  General  B  u  r  c  y  suchte  die  Stellung  des 
Generals  H  o  t  z  e  bei  Reichshofen  in  Flanke  und  Rücken  zu  nehmen. 
Aber  die  kaiserlichen  Kürassiere  stürzten  sich  mit  Ungestüm  in  die 
feindliche  Reiterei,  versprengten  solche  und  hieben  den  General  Bure y 
mit  vielen  seiner  Leute  zusammen.  Ein  allgemeiner  Angriff  des  Feindes 
am  27.  wurde  gleichfalls  zurückgeschlagen.  Die  Grenadiere,  vor  deren 
Augen  diese  Kämpfe  stattfanden,  waren  beide  Tage  mit  den  Gewehren 
im  Arm  in  Bereitschaft  gestanden,  kamen  aber  nicht  ins  Feuer. 

Am  29.  und  :J0.  wurde  die  Schlacht  bei  Kaiserslautern  geschlagen, 
in  welcher  20.000  Preussen  und  Sachsen  40.000  Republikaner 
besiegten.  Leider  wurde  dieser  Sieg  nicht  benützt,  wodurch  sich  die 
Franzosen  wieder  formiren  und  12  frische  Bataillone  an  sich  ziehen 
konnten. 

Die  Franzosen  fuhren  fort,  Wurrasers  Stellung  durch  unauf- 
hörliche Angriffe  zu  beunruhigen.  Am  1.  und  insbesonders  am  2.  De- 
zember fanden  blutige  Gefechte  statt;  General  Hotze  überfiel  den 
Feind  am  4.  auf  den  Höhen  von  Reichshofen,  brachte  ihm  namhafte 
Verluste  bei  und  eroberte  ü  Kanonen.  Die  folgenden  drei  Tage  ver- 
gingen ebenfalls  unter  blutigen  Scharmützeln. 

Trotz  diesen  meistens  glückliehen  Gefechten  war  Wurms  er 's 
Armee,  welche  durch  die  ungeheueren  Anstrengungen,  Mangel  an 
Bekleidung,  dem  beschwerlichen  Schanzenbau,  die  schlechte  Nahrung 
und  die  ununterbrochenen  Vorpostengefechtc  äusserst  hart  mitge- 
nommen worden,  in  Gefahr,  bald  von  den  vereinten  Kräften  der 
feindlichen  Rhein-  und  Mosel -Armeen  augegriffen  zu  werden. 
Wurmser  ersuchte  daher  den  Herzog  von  Braunschweig  um 
Verstärkung,  welche  dieser  wegen  zu  grosser  Ausdehnung  seiner 
Position  verweigerte. 

Die  Franzosen  setzten  unterdessen  ihre  Angriffe  ununterbrochen 
fort.    Der  Konvent  dekretirte,  dass  die  Rhein-  und  Mosel -Armeen 


1792-1798. 


253 


keine  Ansprüche  auf  Winterquartiere  hätten,  so  lange  Landau  nicht 
entsetzt  sei.  , Landau  ou  la  mort"  war  ihre  Losung.  Die  Guillotine 
gab  diesem  Befehle  Nachdruck.  Am  5.  und  0.  Dezember  fanden 
wieder  Gefechte  statt;  an  letzterem  Tage  besetzte  eine  feindliche 
Division  die  Höhen  von  Snlzbach. 

Dieso  Umstände  und  die  Versagung  der  Unterstützung  bewogen 
den  G.  d.  K.  Grafen  Wurms  er  sich  gänzlich  in  die  Winter- 
postiningen zurückzuziehen.  Diese  schränkten  sich  auf  die  Haupt- 
posten Drnsenheim,  Bischweiler,  Hagenau,  Schweighansen,  Reichs- 
hofen, Froschweiler,  Werth,  den  Liebfrauenberg  und  Lembach  ein. 
Die  Grenadiere  kamen  nach  Reichshofen.  Die  Truppen  kampirten 
hinter  Verschanzungen  oder  machten  sich  Erdhütten.  Nachdem  die 
Gefahr  für  einen  oder  den  anderen  Posten  sich  vermehrte,  wurde 
er  durch  den  nebenstehenden  verstärkt,  was  tägliche  Aenderungen 
in  den  Stellungen  veranlasste. 

Am  11.  und  15.  Dezember  erfochten  die  Franzosen  anfangs 
einige  Vortheile,  wurden  aber  zuletzt  doch  zurückgeworfen.  Am  18. 
erneuerten  sie  ihre  Angriffe  mit  Uebermacht  und  nur  schwer  konnten 
die  Oesterreicher  ihre  Stellungen  behaupten.  Die  Truppen  unter- 
lagen beinahe  den  Beschwerlichkeiten  und  dem  Mangel. 

Die  Franzosen  hatten  drei  Divisionen  Verstärkungen  erhalten 
und  griffen  am  22.  Wurmser's  Stellung  bei  Froschweiler  an.  Nach 
einem  Kampfe,  welcher  den  ganzen  Tag  mit  abwechselndem  Glücke 
geführt  wurde,  setzten  sich  die  Franzosen  endlich  auf  einigen  Punkten 
fest,  wodurch  die  Stellung  an  der  Motter  nicht  mehr  haltbar  war. 
Die  k.  k.  Armee  trat  daher  um  8  Uhr  abends  den  Rückzug  gegen 
Selz,  Rödern,  Betschdorf  und  Surburg  an  und  rückte  am  23.  gegen 
Weissenburg,  um  sich  auf  dem  Geissberge  aufzustellen.  General 
Jordis  marschirte  mit  vier  Grenadier-Bataillons,  dabei  St.  Julien, 
und  drei  Eskadrons  voraus,  um  gegen  das  Gebirge  Posto  zu  fassen 
und  die  Strasse  gegen  Weissenburg  zu  sichern.  Diese  Massregel 
war  von  der  grössten  Nothwendigkeit,  denn  kaum  war  Jordis  bei 
Retschweiler  angelangt,  so  stiess  er  schon  auf  eine  feindliche  Kolonne, 
welche  im  Marsche  gegen  die  Weissenburgerstrasse  begriffen  war, 
die  einzige,  die  bei  der  nassen  Jahreszeit  mit  schwerem  Geschütz 
befahren  werden  konnte.  Er  griff  auf  der  Stelle  die  Spitze  der  feind- 
lichen Kolonne  an,  um  sie  von  der  Strasse  entfernt  zu  halten.  Unter 
seinem  Schutze  ging  die  Armee  Über  Sulz  und  marschirte  unweit 


254 


1792-1703. 


Schönenburg  auf.  Um  1  Uhr  nachmittags  verstärkten  sich  die  Fran- 
zosen von  Gersdorf  her  und  warfen  sich  hierauf  mit  Macht  gegen 
das  Korps  des  GeneralJ  o  r  d  i  s.  Lange  boten  seine  tapferen  Grena- 
diere dem  überlegenen,  mit  zahlreichem  Geschütze  versehenen  Feinde 
Trotz.  Zweimal  hatten  die  Franzosen  das  Dorf  Betschweiler  genommen 
und  wurden  jedesmal  von  den  Grenadieren  wieder  herausgetrieben. 

Gegen  abends  5  Uhr  stürmten  sie  zum  drittenmal  und  zwar 
mit  solcher  Ueberlegenheit,  dass  die  Grenadiere  geworfen  und  zum 
Rückzüge  gezwungen  wurden.  Es  war  schon  finster,  aber  General 
J  o  r  d  i  s  hatte  noch  fünf  Kompagnien  in  Reserve  gehalten,  als  der 
kritische  Moment  des  Rückzuges  eintrat.  An  der  Spitze  derselben 
stürzte  sich  Jordis  auf  den  andringenden  Feind,  der  über  dieses 
muthige  Benehmen  stutzte  und  vom  weiteren  Vordringen  einhielt. 
Die  übrigen  schon  zurückgewichenen  Grenadiere,  belebt  durch  das 
kühne  Beispiel  dieser  fünf  Kompagnien,  wenden  sich  nun  neuerdings 
gegen  die  französischen  Schaaren,  brechen  in  selbe  ein,  treiben  sie 
in  die  Flucht  und  behaupten  ihre  Stellung  für  diesen  Tag.  G.  d.  K. 
Graf  Wurmscr  gab  der  Brigade  General  Jordis  das  ehrenvolle 
Zeugniss,  dass  ihrer  Tapferkeit  die  Armee  ihre  Rettung  verdanke, 
da  sonst  die  Franzosen  ihm  in  den  Rücken  gekommen  wären  und 
dem  Heere  den  Rückzug  nach  dem  Geissberg  abgeschnitten  haben 
würden.  Die  Grenadier  -  Division  des  Regiments  hatte  7  Todte  und 
27  Verwundete ;  Obristlieutenant  Graf  St.  Julien  wurde  ebenfalls 
verwundet. 

In  der  Nacht  um  2  Uhr  auf  den  24.  Dezember  trat  die 
k.  k.  Armee  ihren  Rückzug  nach  dem  Geissberge  an  und  stellte 
sich  dort  auf.  Die  Orte  Moderen,  Lauterbach  und  Siegen  wurden 
jeder  mit  einer  Brigade  besetzt. 

Obschon  die  Stellung  auf  dem  Geissberge  von  kleiner  Aus- 
dehnung und  durch  die  Vereinigung  der  Preussen  auf  dem  rechten 
Flügel  gesichert  war,  so  glaubte  Wurms  er  dennoch,  sich  in  dieser 
späten  Jahreszeit  auf  die  Dauer  nicht  halten  zu  können,  da  sich 
seine  Soldaten  im  traurigsten  Zustande  befanden,  in  den  sie  durch 
die  täglichen  Gefechte,  Nachtwachen,  anstrengende  Märsche,  den 
Mangel  an  Kleidung  und  Nahrungsmittel  versetzt  worden  waren. 
Am  Abende  wurde  Kriegsrath  gehalten  und  verabredet,  den  Feind 
am  anderen  Tage  durch  den  linken  Flügel  angreifen  zu  lassen.  Zwei 
Scheinangriffe,  vom  rechten  Flügel  ausgeführt,  sollten  den  Feind 


175)2  -17t>.*J. 


255 


beschäftigen  und  dem  wahren  Angriffe  Nachdruck  verleihen.  Jordis 
hatte  indessen  mit  15  Bataillons,  dabei  die  Grenadiere  und  14  Eska- 
drons  die  Stellung  auf  dem  Geissberge  zu  halten. 

Am  26.  Dezember  mit  grauendem  Morgen  hatten  sich  alle 
Kolonnen  zum  verabredeten  Angriff  formirt.  Um  diese  Zeit  lief  der 
Rapport  ein,  dass  eine  Abtheilung  der  feindlichen  Mosel  -  Armee  im 
Anweiler  -  Thale  die  Preussen  umgangen  und  mit  beträchtlichem 
Verluste  von  dort  vertrieben  habe,  so  dass  man  auf  dieser  Seite  den 
Hauptangriff  vermuthe.  Den  vorrückenden  Kolonnen  wurde  nun  der 
Befehl  erthcilt,  zu  halten  und  ruhig  stehen  zu  ldeiben.  Aber  mittler- 
weile war  schon  der  Feind  mit  ganzer  Macht  zum  Angriff  geschritten. 

H  o  c  h  e,  vom  Konvente  zum  Oberbefehlshaber  der  Rhein-  und 
Mosel  -  Armee  ernannt,  rückte  in  drei  starken  Kolonnen  gegen  die 
Stellung  der  Verbündeten  heran.  Die  Kolonne  des  General  Aufsess 
wurde  bei  Schleithal  lebhaft  angegriffen,  leistete  zwar  tapferen 
Widerstand;  auch  schickte  ihr  Wurms  er  Reiterei  zur  Unter- 
stützung, aber  das  vom  Feinde  aufgeführte  zahlreiche  Geschütz 
erlaubte  ihr  nicht ,  Terrain  zu  gewinnen.  Wurmser  ertheilte 
daher  den  Befehl  zum  Rückzug  auf  den  Geissberg,  der  aber,  da 
Aufsess  ununterbrochen  mit  dem  Feinde  im  Kampfe  verwickelt 
war,  nicht  in  bester  Ordnung  geschah.  Ziemlich  untereinander 
gemengt,  erreichte  diese  Kolonne  um  zwei  Uhr  nachmittags  den 
linken  Flügel  der  Stellung,  wo  sie  sich  unter  dem  Schutze  der 
Artillerie  am  Fusse  des  Geissberges  formirte.  Um  dieselbe  Zeit 
wurde  auch  das  Lager  am  Geissberge  und  die  Scheerhöhle  ange- 
fallen. Mit  Uebermacht  rückten  drei  französische  Divisionen  gegen 
den  Geissberg,  der  nicht  verschanzt  war  und  den  Bataillonen  keinen 
Schutz  gegen  die  zahlreiche  feindliche  Artillerie  bot,  drängten  die 
dort  stehende  Infanterie  vom  ersten  Abschnitte  desselben  zurück, 
brachten  durch  ein  heftiges  Geschütz-  und  Kleingewehrfeuer  die 
österreichische  Kavallerie,  die  30  Eskadrons  stark,  von  WTurmser 
geführt,  sich  dem  Feinde  entgegen  gestürzt  hatte,  in  Unordnung 
und  drückten  selbe  gegen  Altstadt,  wohin  ihr  die  ganze  feindliche 
Reiterei  nachfolgte. 

Einige  Bataillone  warfen  mit  besonderer  Tapferkeit  die  schon 
Sieges  gewissen  Franzosen  wieder  von  der  Anhöhe  hinab ;  auch 
brachte  man  14  Kanonen  in's  Feuer,  aus  denen  man  den  Feind  sowohl 
in  der  Fronte,  als  auch  jene  Kavallerie  beschoss,  die  noch  in  der 


256 


1702-1793. 


Flanke  die  Position  bei  Altstadt  hielt.  In  der  Fronte  entbrannte 
indess  der  Kampf  immer  heftiger.  Der  Feind  war  hier,  wie  auf 
allen  Punkten  den  Verbündeten  an  Zahl  und  Geschütz  sehr  über- 
legen, aber  nicht  an  Tapferkeit.  Die  Bataillone  am  Cieissberge, 
darunter  die  Grenadiere,  stritten  gleich  Helden  gegen  übermächtige 
Schaaren  der  Republikaner,  die  stets  durch  frische  abgelöst  wurden 
—  man  wich  hier  keinen  Fussbreit  und  auf  diese  Art  blieben  die 
Verbündeten  bis  zur  dunklen  Nacht  Meister  des  »Schlachtfeldes.  Die 
Grenadiere  des  Regiments  hatten  16  Todte  und  47  Verwundete 
eingebfisst. 

In  der  Nacht  um  10  Uhr  zog  sieh  die  k.  k.  Armee  in  die 
Position  von  Freckenfeld  zurück;  auch  die  Preussen  traten  ihren 
Rückzug  an.  Mit  Tagesanbruch,  am  27.  stand  Wurmser  bei 
Freckenfeld,  Braunschweig  bei  Bergzabern.  Wurmser,  um  nicht 
umgangen  zu  werden,  setzte  seinen  Rückzug  am  27.  in  zwei  Ko- 
lonnen nach  Herxheim  und  Rilsheim  fort.  Der  Herzog  von  Braun- 
schweig hob  die  Blockade  von  Landau  auf  und  verlegte  seine 
Truppen  hinter  Kdighofen  in  Kantonnimngen.  W nrmser  ging  in 
der  Nacht  vom  20.  zum  30.  mit  dem  grössten  Theüe  seines  Heeres 
bei  Philippsburg  über  den  Rhein.  Der  Rest  desselben  mit  der 
Reserve- Artillerie  bewerkstelligte  seinen  üebergang  bei  Mannheim. 
Das  Grenadier-Bataillon  St.  Julien,  welches  allen  diesen  Bewegungen 
in  der  Brigade  Jordis  gefolgt  war,  kam  mit  noch  einem  Bataillon 
als  Verstärkuug  der  pfälzischen  Garnison  nach  Mannheim. 

Das  dritte  Bataillon  war  während  dem  Feldzug  1793  unver- 
ändert in  den  Garnisonen  Wien  und  Wr.  Neustadt  geblieben  und 
hatte  die  dritte  Division  wieder  aufgestellt. 

Major  Baron  Wilsdorf  war  am  16.  Mai  1793  mit  Obrist- 
lieutenants-Charakter  ad  honores  in  Ruhestand  getreten  und  in  seine 
Stelle  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  18.  Juli  der  Grenadier- 
Hauptmann  Wilhelm  Beer  v.  Pleichtcn  zum  Major  befördert 
worden. 

Mit  Allerhöchstem  Handbillet  vom  27.  November  1793,  dem 
Regimente  kundgemacht  am  1.  Jänner  1794,  wurde  Obrist  Wilhelm 
Baron  Kerpen  zum  Generalmajor  befordert. 


1794. 


257 


1794. 

Um  dem  Regiment  eine  bequemere  Bequartienmg  zu  verschaffen, 
wurden  demselben  noch  die  Orte  Valcourt,  Chastre\  Malladrie,  Fostain 
und  Lair  zugewiesen  und  dahin  am  17.  Jänner  zwei  Divisionen  ver- 
legt. Der  Stand  des  vor  dem  Feinde  stehenden  Regiments  bestand 
an  diesem  Tage  aus  3  Stabs-,  44  Ober-,  92  Unter-Offiziers,  53  Spiel- 
und  Zimmerleute,  1424  Gemeine;  von  der  Artillerie  2  Unteroffiziers, 
16  Kanoniere  und  36  Handlanger  mit  4  Kanonen. 

Die  kaiserliehe  Hauptarmee  wurde  Ende  Februar  in  drei  grosse 
Korps  eingetheilt;  F.-Z.-M.  Clerfait  mit  18.000  Mann,  darunter 
das  Regiment  und  3000  Reiter  stand  bei  Tournay,  die  Hauptarmee 
38.000  Mann  und  10.000  Reiter  zwischen  Quiverain,  Valenciennes 
und  le  Quesnoi,  Hohenlohe  mit  10.000  Mann  und  4000  Reiter 
zwischen  Bavay  und  Battignies.  Diesen  Truppen  standen  300.000 
Franzosen  gegenüber. 

Mit  Armeebefehl  ddo.  Valenciennes  vom  17.  März  1794  wurde 
dem  Regiment  bekannt  gegeben,  dass  Se.  Majestät  der  Kaiser  mit 
Allerhöchster  Entschliessung  vom  26.  Februar  1794  den  Obrist- 
lieutenant  Ignaz  Graf  Brandis  zum  Obristen  und  Regiments-Kom- 
mandanten ernannt  und  den  Obristlieutenant  Johann  v.  Hansen  des 
Regiments  Nr.  54  in  das  Regiment  eingetheilt,  dann  den  bei  den 
jüngeren  Firzherzogen  angestellt  gewesenen  Hauptmann  Josef  Baron 
Urracca  mit  Allerhöchstem  HandbilM  vom  5.  April  zum  zweiten 
Major  im  Regiment  ernannt  haben. 

Die  Operationen  der  kaiserlichen  Armee  begannen  am  14.  April; 
Clerfait  versammelte  seine  Truppen  an  diesem  Tage  in  den 
Dörfern  vor  Tournay.  Kaiser  Franz  I.,  welcher  am  15.  im  Haupt- 
quartier zu  Valenciennes  angekommen  war,  musterte  die  dort  ver- 
sammelten 80.000  Mann  der  schönsten  Truppen  Europas.  Die  lange 
Linie  hinabreitend  empfing  und  begleitete  ihn  der  Jubelruf  der 
Tapfem,  welche  mit  Ungeduld  den  Augenblick  des  Kampfes  herbei- 
wünschten und  in  ihrem  Muth  den  sichern  Bürgen  des  Sieges 
fanden.  Clerfait  bezog  nach  der  Revue  die  Lager  von  Tournay, 
Morscroen  und  la  Laine  d'or. 

17 


258 


1794. 


Am  17.  griff  die  Hauptarmee  die  feindliche  Stellung  bei 
Landrecy  mit  acht  Kolonnen  an  und  erfocht  einen  vollständigen 
Sieg.  Die  Franzosen  verloren  21  Kanonen  und  2500  Mann.  Am  18. 
setzten  die  Kolonnen  ihre  Operationen  zur  Einschliessung  von 
Landrecy  fort,  warfen  auf  allen  Punkten  die  Feinde  und  schlössen 
abends  die  Festung  ein. 

Die  Franzosen  hatten  beschlossen,  alles  Mögliche  zum  Entsätze 
von  Landrecy  zu  versuchen.  Am  23.  griff  der  Feind  an  der  Seile 
die  Posten  Douchy,  Haspres,  Saulzoir  und  Montrecourt  an.  Er  be- 
mächtigte sich  der  drei  Letztern,  die  nur  schwach  besetzt  waren, 
drückte  die  Vorposten  Ober  den  Fluss  zurück  und  unterbrach  dadurch 
die  Verbindung  zwischen  Denaing  und  der  Hauptarmee.  Noch  am 
nämlichen  Tage  kam  F.-Z.-M.  Clerfait  mit  9  Bataillons,  darunter 
die  beiden  des  Regiments  und  13  Eskadrons  in  der  Gegend  von 
Denaing  zur  Unterstützung  an  und  stellte  sich  bei  Douchy  auf; 
doch  wurden  hier  nur  einige  Kanonenschüsse  mit  dem  Feinde  ge- 
wechselt. Am  folgenden  Tage  warf  die  kaiserliche  Avantgarde  bei 
Montrecourt  die  Franzosen  zurück  und  fügte  ihnen  bedeutende  Ver- 
luste zu.  Clerfait  rückte  ebenfalls  vor;  das  Regiment  erstürmte 
mit  ausgezeichneter  Tapferkeit  im  ersten  Anlaufe  Haspres.  Major 
Wilhelm  Beer  hatte  mit  einer  Division  den  Feind  mit  stürmender 
Hand  aus  einer  hartnäckig  vertheidigten  Schanze  geworfen,  wobei 
sich  Hauptmann  Z  u  c  h  a  r  i ,  die  Oberlieutenants  W  e  h  1  a  und 
B  o  u  1  besonders  auszeichneten.  Hauptmann  Keller  nahm  mit 
seiner  Kompagnie  die  am  Ufer  liegenden  vom  Feinde  stark  besetzten 
und  hartnäckig  vertheidigten  Häuser.  Feldwebel  Johann  Ed  tinger, 
Korporal  Michael  Mistel,  Gefreiter  Johann  L  e  c  h  n  e  r  und  Ge- 
meiner Georg  Waldhauser  erhielten  für  ihre  hier  bewiesene 
hervorragende  Tapferkeit  mit  Kommissions  -  Beschluss  etc.  Feldlager 
bei  Fouren  le  Comte,  19.  August  1794,  jeder  die  silberne  Ehren- 
Denkmünze. 

Nach  der  Einnahme  Haspres,  wobei  das  Regiment  9  Todte 
und  35  Verwundete  hatte,  setzte  Clerfait  mit  seinen  Truppen 
über  die  Seile  und  verfolgte  den  Feind  bis  Jouy.  Die  Verbindung 
mit  Denaing  und  der  Armee  war  durch  dieses  siegreiche  Gefecht 
wieder  hergestellt. 

Am  20.  April  rückte  der  Feind  abermals  zum  Entsätze  von 
Laudrecy  auf  allen  Punkten  mit  bedeutenden  Streitkräften  vor,  wurde 


1794. 


250 


aber  überall  so  tüchtig  geschlagen,  dass  er  gegen  Abend  mit  einem 
Verluste  von  37  Kanonen,  3  Haubitzen,  50  Munitionskarren  und 
7000  Mann,  das  Schlachtfeld  räumte.  Das  Regiment  hatte  an  diesem 
glänzenden  Siege  nicht  Theil  genommen,  welcher  das  Schicksal 
Landrecy's  entschied.  Am  29.  kapitulirte  die  Festung  und  wurde 
am  30.  von  den  Kaiserlichen  besetzt.  Der  Regimentsstab  und  das 
Leib  -  Bataillon  kamen  als  Garnison  in  'dieselbe,  welche  sogleich 
wieder  in  Vertheidigungsstand  gesetzt  wurde. 

Anlässlich  des  erfochtenen  Sieges  wurde  den  Truppen  nach- 
stehender Generalsbefehl  publizirt : 

.Nachdem  wir  so  glücklich  waren,  mit  der  Hilfe  Gottes  den 
»Feind  heute  auf  allen  Punkten  zu  schlagen,  so  haben  Se.  Majestät 
.der  Kaiser  befohlen,  dass  Morgen  um  8  Uhr  früh  bei  allen  Regi- 
mentern Te  Deura  laudaraus  gehalten  und  alles  in  denen  von  Juchy 
.bis  Bas  Marvilles  befindlichen  Redouten  und  Retrauchements  ein- 
geführte Geschütz  dreimal  blind  abgefeuert  werden  solle. 

.Die  Regimenter  halten  keine  Kirchenparade,  damit  die  Mann- 
schaft abkochen  und  ausruhen  könne. 

„Uebrigens  danken  Se.  Majestät  sämmtlichen  Herrn  Generals, 
.Stabs-,  Ober-  und  Unteroffiziers  und  Gemeinen  sowohl  von  Ihren 
,als  den  alliirten  Armeen,  für  denjenigen  Beweis  von  Klugheit, 
.Tapferkeit  und  Ordnung,  welche  sie  heute  unter  Allerhöchst  Ihro 
.Augen  an  den  Tag  gelegt  haben. 

«Hauptquartier  Catillon  am  26.  April  1794. 

.Herzog  Coburg  m.  p.,  F.-M." 

Der  Prinz  von  Oranien,  in  dessen  Korps  nun  das  Regiment 
eingetheilt  war,  besetzte  am  30.  April  Landrecy  und  Hess  eine 
Avantgarde  von  einigen  Bataillons,  dabei  das  Obrist  -  Bataillon,  am 
1.  Mai  ein  Lager  vor  der  Festung  gegen  Favril  hin  beziehen.  Sein 
Korps  hatte  die  Bestimmung  alle  zur  Belagerung  errichteten  Erd- 
werke einzuwerfen,  sodann  aber  ein  Lager  bei  Malgarni  hinter  den 
Wäldern  von  l'Evesque  und  le  Comte  zu  beziehen. 

Nach  der  Niederlage  bei  Cateau  und  dem  Verluste  Landrecy's 
hatten  sich  die  Franzosen  im  Centrum  zurückgezogen  und  griffen 
wiederholt  die  Flügeln  der  Alliirten  an.  Die  Hauptarmee  wurde 
dadurch  genöthigt,  bedeutende  Detachirungcn  vorzunehmen;  sie  selbst 
war  vom  Feinde  lange  nicht  beunruhigt  worden.  Am  12.  und  13.  Mai 

17  • 


2G0 


1704. 


wurde  diese  Ruhe  durch  starke  Rekoguoszirungen  des  Feindes  unter- 
brochen; die  drohenden  Bewegungen  des  französischen  Obergenerals 
Piche  gm,  welcher  mit  50.000  Mann  von  Lille  nach  West-Flan- 
dern vorgedrungen  war  und  die  Belagerung  von  Ypern  begonnen 
hatte,  bewogen  den  Prinzen  Coburg,  seine  Streitkräfte  am  IG.  Mai 
bei  Tournay,  Cisoing,  Lamoin  und  Marquain  zu  vereinigen,  um  die 
verschiedenen  Theile  der  französischen  Armee  von  Lille  abzuschneiden 
und  zu  umfassen,  was  zur  zweitägigen  Schlacht  von  Tourcoing  führte, 
welche  in  Folge  missverstandener  Befehle  nnglöcklich  für  die  Waffen 
der  Verbündeten  ausfiel. 

Das  Regiment  blieb  während  dieser  Bewegungen  der  Armee 
im  Korps  des  Prinzen  von  Oranien  in  und  bei  Landrecy. 

Die  Verbündeten  waren  nach  der  Schlacht  von  Tourcoing  in 
das  Lager  bei  Tournay  geruckt.  Dorthin  wendete  sich  am  22.  Mai 
Pichegru  mit  ganzer  Macht  und  es  kam  zur  Schlacht,  welche 
unter  den  Augen  dos  Kaisers  Franz  mit  abwechselndem  Glücke 
den  ganzen  Tag  währte.  Die  Verbündeten,  auf  allen  Punkten  in  der 
Minderzahl,  wussten  abends  den  Republikanern  den  Besitz  der  blut- 
gedrängten  Wahlstatt  entschieden  abzutrotzen. 

Die  wiederholten  Unfälle  an  der  Sarabrc  hatten  die  Franzosen 
erschöpft,  dringend  bedurften  sie  einiger  Ruhe.  Allein  der  im  Lager 
anwesende  Volks-Repräsentant  bewilligte  keine  Stunde  der  Erholung 
und  so  ging  Charbonnicr  am  28.  Mai  zum  dritten  Male  über 
die  Sambre,  schloss  die  Festung  Charleroi  ein  und  begann  am  31. 
deren  Beschiessuug.  Am  3.  Juni  wurde  Cbarbonnier  in  Gegen- 
wart des  Kaisers  abermals  geschlagen  und  wieder  über  die  Sambre 
zurückgeworfen.  Am  Abende  des  Schlachttages  hatte  sich  hinter  der 
Sambre  Cbarbonnier  mit  J o u r d a n  vereinigt.  Letzterer  übernahm 
den  Oberbefehl  dieses  auf  70.000  Streiter  angewachsenen  Heeres, 
dessen  bedeutende  Uebermacht  die  Verbfindeten  zum  Rückzüge  in 
die  vor  der  Schlacht  innegehabte  Stellung  bei  Rouveroy  nöthigte. 

Zehn  Tage  nach  diesem  Treffen  reiste  Se.  Majestät  der  Kaiser 
Franz  nach  Wien  ab. 

Die  Franzosen  überschritten  nun  zum  vierten  Male  die  Sambre 
und  schlössen  Charleroi  abermals  ein.  In  der  Nacht  zum  12.  Juni 
verliess  die  alliirte  Sambre-Armee  ihr  Lager  bei  Rouveroy;  am  16. 
erfolgte  das  Treffen  und  nachmittags  waren  die  Franzosen  total 
geschlagen  und  mussten  zum  vierten  Male  über  die  Sambre  zurück. 


261 


Während  dieser  Ereignisse  an  der  Sambre  hatte  Pichegru 
Ypera  angegriffen  und  am  19.  eingenommen.  Zwei  Tage  früher,  am 
17.,  überschritten  die  Franzosen  zum  fünften  Male  die  Sambre,  um 
gegen  Möns  zu  operiren  und  Charleroi  einzuschliessen.  Coburg 
eilte  mit  30.000  Mann  der  bei  Tournay  gelagerten  Armee  herbei, 
um  am  26.  die  feindliche  Stellung  anzugreifen.  Mittlerweile  hatte 
sich  die  auf  das  Aeusserste  gebrachte  Festung  Charleroi  am  25. 
ergeben,  daher  Coburg  den  folgenden  Tag  den  siegreich  be- 
gonnenen Kampf  bei  Fleurus  abbrach,  um  in  einer  Position  an  der 
Scheide  die  Niederlande  zu  vertheidigen. 

Die  Truppen  bei  Landrecy  waren  zur  Hauptarmee  gerückt, 
das  Obrist  -  Bataillon  aber  ebenfalls  in  die  Festung  verlegt  worden. 
General  Ludwig  Baron  Foulon  war  Kommandant  der  Festung, 
deren  Besatzung  aus  den  beiden  Bataillons  des  Regiments,  einer 
Abtheilung  Tiroler  Scharfschützen  und  einer  Eskadron  Barco-Muszaren 
Nr.  10  bestand,  und  welche  mit  34  Geschützen  armirt  war. 

Am  26.  Juni  rückte  der  Feind  in  mehreren  Kolonnen  auf  die 
Sarviller  Anhöhe  vor,  drückte  die  Vorposten  bis  in  den  bedeckten 
Weg  zurück,  führte  hinter  der  Chaussee  Kanonen  und  Haubitzen 
auf,  feuerte  bis  zur  Nacht  und  zog  sich  dann  wieder  hinter  die 
Anhöhe  zurück.  Aus  der  Festung  wurde  ein  heftiges  Kanonenfeuer 
unterhalten  und  dadurch  die  Annäherung  verhindert.  Den  folgenden 
Tag  früh  morgens  erschien  der  Feind  auf  derselben  Anhöhe,  aber 
mit  der  doppelten  Zahl  Geschütze,  feuerte  den  ganzen  Tag  und  zog 
sich  gegen  Abend  wieder  hinter  die  Anhöhe  zurück.  Das  ltegiment 
hatte  1  Mann  todt,  5  blcssirt. 

Den  28.  rückte  1  Offizier  mit  45  Tirolerschützen  in  die  Festung, 
dagegen  marschirte  die  Eskadron  Huszaren  wegen  Maugel  an  Fourage 
zum  General  Haddik. 

Am  29.  ging  ein  Zug  Jäger  dem  für  die  Festung  bestimmten 
Geld-  und  Vcrpflegs-Convoi  entgegen,  um  diesen  herein  zu  begleiten, 
musste  sich  aber,  wegen  dringender  Gefahr  vom  Feinde  aufgehoben 
zu  werden,  nach  Quesnoi  werfen.  Mit  Anbruch  des  Tages  am  30. 
rückte  der  Feind  in  mehreren  Kolonnen  bei  der  Windmühle  von 
Favrille  vor,  setzte  seine  Geschütze  iu's  Feuer,  drückte  die  Vor- 
posten zurück  und  kanonirte  bis  Mittag  sehr  heilig,  welches  die 
Festung  energisch  erwiderte  und  dadurch  die  Arbeiter,  welche  die 
Laufgräben  eröffnen  wollten,  verjagte.  Das  Regiment  hatte  9  Blessirte. 


2G2 


1794. 


Um  3  Uhr  nachmittag  forderte  der  feindliche  General  Jacob  die 
Festung  zur  Uebergabe  auf,  welche  General  Foulon  mit  Indignation 
zurückwies.  In  der  Nacht  errichtete  der  Feind,  trotz  des  heftigsten 
Feuers  der  Festung,  fünf  Batterien  gegen  das  Hornwerk  und  drei 
gegen  die  Bastion  Nr.  III. 

Am  1.  Juli  feuerten  die  feindlichen  Batterien  unaufhörlich; 
das  Regiment  verlor  todt  3,  blessirt  3  Mann.  Am  folgenden  Tage 
ys3  Uhr  früh  feuerte  der  Feind  wieder  aus  allen  Batterien  sehr 
heftig  durch  zwei  Stunden  und  forderte  sodann  die  Festung  zum 
zweitenmale  zur  Uebergabe  auf.  Als  diese  abgeschlagen  wurde,  begann 
das  Feuer  von  Neuem,  auch  errichtete  der  Feind  eine  neue  Batterie 
gegen  die  Bastion  III.  An  diesem  Tage  hatte  das  Regiment  3  Todte, 
1  Hauptmann,  1  Lieutenant  und  15  Gemeine  wurden  verwundet. 

Am  3.  unterhielt  der  Feind  wieder  ein  sehr  heftiges  Feuer, 
jedoch  gelang  es  der  Festungsartillerie,  die  neue  feindliche  Batterie 
zum  Schweigen  zu  bringen.  Drei  Häuser  geriethen  in  Brand,  welche 
die  Mannschaft  trotz  der  dabei  platzenden  Bomben  und  Granaten 
mit  tapferer  Sebstlaufopferung  löschte.  1  Mann  blieb  dabei  todt, 
1  Lieutenant  und  5  Gemeine  wurden  verwundet. 

Schon  um  2  Uhr  früh  am  4.  eröffnete  der  Feind  eine  äusserst 
heftige  Beschiessung  aus  allen  Geschützen,  welche  bis  Mittag  währte, 
wodurch  die  meisten  Häuser  in  der  Stadt,  sowie  das  Heu-  und  Stroh- 
Magazin  im  Hornwerk  in  Flammen  aufgingen.  Das  Regiment  verlor 
beim  Löschen  14  Verwundete.  Um  3  Uhr  wurde  die  Festung  zum 
drittenmale  zur  Uebergabe  aufgefordert  und  als  General  Foulon 
eine  abschlägige  Antwort  ertheilte,  setzten  die  feindlichen  Batterien 
das  Feuer  durch  zwei  Stunden  fort.  Gegen  Abend  zog  der  Feind 
einen  Theil  seines  Geschützes  aus  den  Batterien  und  machte  mehrere 
Bewegungen  gegen  den  Mormaler  -  Wald. 

Vom  5.  bis  10.  schwiegen  sämmtliche  feindliche  Geschütze; 
nur  die  zahlreichen  Plänkler  beunruhigten  durch  ihr  Kleingewehr- 
feuer die  Besatzung  auf  den  Wällen  Tag  und  Nacht.  Das  Regiment 
unternahm  öfter  kleine  Ausfälle,  um  sie  zu  vertreiben,  konnte  aber 
wegen  der  grossen  Ueberzahl  der  Feinde  diesen  Zweck  nicht 
erreichen.  Das  Regiment  hatte  in  dieser  Zeit  an  Verwundeten,  1  Offizier 
und  12  Mann.  In  der  Nacht  sendete  General  Foulon  drei  Huszaren, 
welchen  die  Ehren  -  Denkmünze  zugesagt  wurde,  mit  einem  Bericht 
an  das  Armee  -  Kommando,  welche  aber  nicht  zurückkehrten. 


1704. 


263 


Der  Feind  arbeitete  fleissig  an  den  Parallelen  und  wurde 
hievou  durch  das  wohlgezielte  Artilleriefeuer  oft  vertrieben.  Am  10. 
gegen  Mitternacht  begann  er  die  Eröffnung  der  Trancheen  von  zwei 
Seiten,  gegen  welche  die  Artillerie  so  ausgezeichnet  wirkte,  dass  die 
Arbeiter  oft  die  Flucht  ergriffen  und  der  Feind  bedeutende  Ver- 
luste erlitt. 

Am  16.  früh  forderte  der  französische  General  Scher  er, 
welcher  die  gesammte  Belagerungsarmee  vor  Landrccy,  Valenciennes, 
le  Quesnoi  und  Conde  kommandirte,  die  Festung  mit  dem  Beisatze 
zur  Uebergabe  auf,  dass  der  Konvent  unterm  5.  Juli  dekretirt  habe, 
die  Besatzungen  dieser  vier  Festungen,  wenn  sie  sich  nicht  auf  die 
erste  Aufforderung  ergeben,  unausweichlich  Ober  die  Klinge  springen  zu 
lassen.  Der  Kommandant  von  le  Quesnoi  gab  auf  diese  barbarische,  jedem 
Völkerrecht  Hohn  sprechende  Aufforderung  die  Antwort:  „dass  keine 
Nation  das  Hecht  habe,  die  Schande  einer  anderen  zu  dekretiren!* 

Zur  Ehre  der  französischen  Offiziere  muss  gesagt  werden,  dass 
sie  selbst  diesen  schändlichen  Konventsbeschluss,  welchen  ihre  nichts- 
würdigen Tyrannen  in  ihrem  Wahnsinn  ausgeheckt  hatten,  verab- 
scheuten und  so  lange  zurückhielten,  bis  die  Festungen  ohnehin  auf 
das  Aeusserste  gebracht  waren. 

Landrecy  war  im  äusserst  schlechten  Vertheidigungszustande 
nur  mehr  mit  394  Zentner  Pulver  versehen,  von  welchem  man 
täglich  75  Zentner  auf  den  Wällen  benöthigte  (mithin  nur  mehr  für 
5  Tage).  Die  Festung  hatte  kein  Geld,  so  dass  man  gezwungen  war, 
von  den  Soldaten  -  Weibern  und  anderen  Individuen  Geld  zur  Be- 
zahlung der  Löhnungen  auszuborgen ;  die  Mannschaft  des  Regiments 
war  grösstenteils  ohne  Schuhe,  in  schlechter  Kontur,  durch  Arbeit, 
Dienste  und  immerwährende  Nachtwachen  auf  das  äusserste  erschöpft, 
24  Offiziere  theils  verwundet,  krank  oder  kommandirt,  daher  die 
wenig  Uebrigbleibenden  seit  16  Tagen  ununterbrochen  im  Dienste 
standen.  Die  Verpflegung  schlecht  und  ungenügend,  Wein  und  Brannt- 
wein gar  nicht  vorhanden.  Die  Festung  ohne  Kassematten,  Blenden 
und  allen  zur  Vertheidigung  nöthigen  Bedürfnissen.  Die  Kranken 
in  der  abgebrannten  Stadt  lagen  auf  blosser  Erde  und  ausser  diesem 
allen,  keine  Hoffnung  auf  Entsatz,  da  die  Armee  alle  Stellungen  in 
den  Niederlanden  aufgegeben  und  sich  im  vollen  Rückzüge  hinter 
den  Rhein  befand;  auch  wareu  die  Einwohner  bei  der  Nähe  ihrer 
Landsleutc  von  einer  Stimmung  ergriffen,  die  Gefahr  drohte. 


264  UM- 

Diese  traurigen  Zustünde  und  nur  diese  allein ,  durchaus 
nicht  das  schändliche  Dekret,  zwangen  den  tapfern  Festungs-  Kom- 
mandanten General  Baron  Foulon  mit  seiner  braven  Besatzung, 
die  sich  nach  seinem  Ausspruche  während  der  Belagerung  stets 
heldenmOthig  ausgezeichnet  und  alle  Entbehrungen  willig  ertragen 
hatte,  zu  kapituliren. 

Um  Uhr  erfolgte  die  fünfte  Aufforderung  und  nun  wurden 
die  Hauptleute  Terzy  und  de  Bertrand  des  Begiments  beauf- 
tragt, die  Kapitulations  -  Bedingnisse  abzufassen.  General  Scher  er 
bestätigte  die  Kapitulation  mit  der  Aenderung,  dass  die  Garnison 
nicht  an  die  kaiserliche  Armee  ausgeliefert,  sondern  kriegsgefangen 
nach  Frankreich  transportirt  werde.  Mittags  besetzten  zwei  französische 
Grenadier- Bataillone  die  Festuugsthore,  dann  raarschirte  die  Garnison 
mit  allen  militärischen  Ehren,  mit  fliegenden  Fahnen  und  klingendem 
Spiele  aus  und  legte  auf  dem  Glacis  die  Waffen  nieder.  Die  Offiziere, 
welche  die  Degen  behielten,  wurden  von  ihrer  Mannschaft  getrennt  und 
in  verschiedenen  Stationen  in  Frankreich,  vorzüglich  in  Chatres,  Bon- 
chaton,  Langds,  Chatillon,  Nieves  untergebracht  Die  Mannschaft  kam 
in  viele  Ortschaften  in  der  Champagne,  wo  sie  in  Kirchen,  leere  Ställe 
und  Scheunen  ohne  alle  Utensilien  in  der  bedauerungswürdigsten 
Art  ihre  Unterkünfte  erhielt  und  äusserst  brutal  behandelt  wurde. 

Die  Aufforderungen  zur  üebergabe  und  die  Kapitulation  im 
Original  -  Text  folgen  zum  Andenken  an  diese  zwar  traurige,  aber 
sehr  ehrenvolle  Epoche  des  Regiments: 

Premiere  Stimulation 

du  Gt'ueral  Jacob  en  date  du  30  Juin  ä  5  heu  res  apres  midi,  au  quartier 
general  devant  Laudrccy  le  12.  Mcssidor  2.  an  nee  republicaine. 

Le  G£ne>al  Divisionnaire  Jacob,  ä  M.  le  Commandant  de 
la  place  de  Landrecy;  au  nom  de  la  Republique  franeaise,  je 
vous  somme  de  reudre  ä  ses  armes  victorieuses  la  place  de 
Landrecy  que  vous  commaudez,  je  vous  donne  une  heure  pout 
tout  delai,  l'armce  franeaise  tftant  sous  ses  murs,  les  batteries 
dress^es  pretes  ä  la  foudroyer. 

Je  vous  präviens  que  si  vous  ne  vous  y  döterminez  pas, 
vous  entrainerez  par  votre  refus,  la  perte  d'une  infinite*  des 
vötres  qui  seront  ensevelis  sous  les  murs  de  cette  place. 

Le  Ueueral  Fraw.ais,  Commandant  devant  Landrecy 

Jacob. 


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1704 


EAfMM 

au  General  Francis  Commandant  devant  Landrecy. 

Je  sorais  indigne  de  la  confiance  que  S.  M.  FEmpereur 
raon  maitre  a  en  moi,  si  j'avais  la  faiblesse  de  nie  rendre  ä  la 
Sommation  que  vous  me  faites. 

Landrecy,  le  30  Juiii  1794. 

Foulon, 
General  et  Commandant  de  la  Place. 

Seron de  Sommatioa 

du  meme  General  le  14.  Messidor  ou  le  2  Juillet  17f*4. 

Si  vous  attendez  du  Secours  du  Quesnoi,  votre  attente  est 
vaine.  Cette  ville  est  au  pouvoir  de  la  republique  ainsi  que 
Moos,  j'espere  que  vous  vous  d^termiuerez  dans  le  plus  court 
d£lai  ä  suivre  cet  exemple.  (Test  pour  la  derniere  fois  que 
je  vous  somme,  si  vous  persistez  dans  votre  refus,  aucun  de 
vous  n'echappera  a  la  vengeance  des  soldats  republicains. 

Le  General  Framjais  Cominandant  l'Armee  de 
Siege  devant  Landrecy 

Jacob. 

Repoose 

General  Divisionnaire  Commandant  le  Corps  d'Armee  devant  Landrecy. 

Mon  honneur  et  mon  devoir  exigent  qu'un  Soldat  vieilli 
sous  les  Annes,  se  deTende  de  facon  ä  menter  votre  appro- 
bation  et  votre  estime. 

Foulon, 

General  Commandant  de  Landrecy. 

Troisieme  Sommatiou 

de  la  part  du  meme  General  le  4  Juillet  1794. 
Jusqu'ici  j  ai  voulu  epargner  le  sang  de  deux  parties. 
Bruges,  Gand,  Möns,  Ostende,  Tournay  et  St.  Amand  ont  6tä 
soumises  par  les  Annes  toujours  victorieuses  des  republicains 
—  de  toute  part  Tarmee  de  TEmpereur  votre  maitre  est  en 
pleine  deroute.  Votre  opinietrct£  est  vaine  et  j'en  suis  affeetf. 
Je  vous  prdviens  qu'aucun  coup  de  canon  ne  sera  plus  tire\ 


266 


1794. 


nos  balonnettes  sauront  vous  donner  iudistinctement  la  mort  la 
plus  prochaine  si  dans  deux  heures  pour  tout  delai,  vous  ne 
vous  d^tenninez  ä  me  rendre  la  place. 

Le  General  Francais  Commandant  l'Arme«  de 
Siege  devant  Landrecy 

Jacob. 

Rrponse  a  Tiislaat. 

Vous  conuaissez  saus  doute  le  Devoir  d'un  Commandant 
de  Place,  Monsieur  le  General,  vous  me  blämeriez  si  je  m'en 
^cartais. 

Landrecy,  le  4.  Juillet  1794. 

Foulon, 

General  Commandant  de  la  Place  de  Landrecy. 

Qnatritme  Sommntiou 

du  general  de  Division  Scherer  le  16  Juillet  1794. 
General! 

L'Annce  de  la  ^publique  francaise,  que  j'ai  Thonneur  de 
Commander,  investit  les  murs  de  la  ville,  que  la  lächete"  a  livr^e 
entre  vos  mains.  Cette  arm£e  bravant  le  feu  de  vos  batteries, 
vient  d'ötablir,  comme  vous  le  voyez  ä  200  toises  de  la  place 
les  foudres  vengeurs,  qui  doivent  r^duire  en  cendre  et  ses 
remparts  et  ses  deTenseurs. 

General!  la  Convention  nationale  m'a  ordonne  de  vous 
sommer,  vous  et  votre  garnison  de  vous  rendre  ä  discrötion 
prisonniers  de  guerre.  Je  vous  pre\iens  que  si  24  heures  apres 
la  sommation  que  je  vous  fais,  vous  n'avez  pas  accepte*  ce 
parti,  que  la  gänerosite'  de  la  nation  francaise  veut  bien  encore 
accorder  a  ses  cnnemis,  je  vous  pröviens,  dis-je,  que  j"ai  Tordre 
absolu,  passe"  ce  delai  de  vingt  quatre  heures,  de  ne  plus  en- 
tendre  ä  aucune  Capitulation,  et  de  passer  vous  et  toute  votre 
garnison  au  fil  de  repee. 

Je  vous  envoye  le  Dekret  impriml,  pour  que  vous  ne 
puissiez  en  douter,  soyez  sür  que  j'obeirai  a  ce  Dekret  dans 
toute  la  force  du  terme. 

Les  quatre  plans  de  Landrecy,  Le  Quesnoi,  Valenciennes 
et  Condl,  tons  dans  ce  moment  cernö"s  ou  attaque's  par  nos 


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1794 


267 


troupes:  Möns,  Tournay,  Ypres,  Menin,  Courtray,  Ostende, 
Bruges,  Gand,  Bruxelles,  Charleroi  et  Naniur  sont  en  nos  mains, 
vos  armees  consternees  et  partout  repoussees  abandonnent  les 
Pays-Bas  aui  Amines  victorieuses  de  la  ^publique  firancaise, 
vous  n'avez  enfin  aueun  secours  ä  esperer. 

General,  je  vous  donne  une  heure  pour  repondre  ä  ma 
Sommation,  passe"  ce  delai,  le  feu  va  commencer,  et  si  dans 
les  24  heures  qui  suivront  cette  Sommation,  vous  et  votre 
garnison  ne  vous  etes  pas  rendus  ä  discretion  prisonniers  de 
guerre,  sachez  qu'une  heure  apres  les  vingt  quatre  heures 
expir^es,  il  ne  m'est  plus  pennis  de  recevoir  aueune  espece 
d'offre,  pas  meme  de  trompette,  qull  serait  par  consequent 
inutile  d'envoyer. 

Le  General  de  Division  Commandant  en  Chef 
l'Armee  de  la  repnblique  Francaise  devant 
Landrecy 

Signe  Scher  er. 

Copic 

de  la  Capitalation  proposee  et  envoyee  par  les  Capitaines  Terzy  et 
Bertrand  de  Teutschmeister. 

Art.  1.  La  Garnison  sortira  avec  tous  les  honneurs  de  la 
guerre,  drapeaux  deployes,  tambours  battans,  meches  allumees, 
avec  armes  et  bagages,  leurs  piöces  d  'Artillerie  consistant  en 
4  pieces  de  bronze  de  6.  (S.  de  balle ;  leurs  caissons  et  chevaux 
d'attelage,  chaque  homme  rauni  de  60  cartouches,  däposera  les 
armes  sur  le  glacis,  pour  etre  conduite  sous  escorte  quelquonque 
par  le  chemin  le  plus  court  ä  Tarnte  imperiale  et  royale  avec 
le  peu  de  bagages  et  chevaux  appartenant  ä  MM.  les  officiers 
de  la  garnison :  s'obligeant  par  le  präsent  article  de  ne  pas 
servir  contre  les  troupes  de  la  nation  fran9aise  pendant  le 
terme  d'un  an. 

Art.  2.  Pour  faciliter  la  remise  de  tous  les  objets  sans 
exception  qui  appartiennent  ä  la  forteresse,  au  commissaire  que 
Ton  trouvera  a  propos  d'envoyer,  qui  immädiatement  serout  admis 
dans  la  place,  ou  demande  un  d<Slai  de  24  heures. 

Art.  3.  Le  pain,  le  fourrage  et  les  autres  subsistances 
ne'cessaires,  seront  livr^s  a  tout  ce  qui  compose  ou  est  attaehe 


268 


et  employd  ä  la  garnison  durant  la  marche  au  meme  prix  que 
Ton  fait  les  livrances  aux  troupes  de  la  nation  francaise. 

Art.  4.  II  sera  accordö  une  escorte  süffisante  de  cavalerie 
pour  la  sürete  des  personnes  comprises  dans  la  garnison,  et 
de  ses  bagages,  äfin  d'etre  a  l'abri  de  toute  molestation  imprevue. 

Art.  5.  Les  malades  et  les  blosses  aupres  desquels  on 
laissera  un  ofllcier  et  les  chirurgiens  et  gardes  malades  neees- 
saires,  seront  soign<?s  avec  rbumanite'  que  les  victimes  de  la 
guerre  ont  droit  dattendre,  jusquä  leur  retablissement ,  et 
seront  ensuite  conduits  aux  meines  conditions  de  l'article  pre- 
c£dent  ä  l'arme'e  imperiale. 

Art.  6.  H  sera  accorde'  gratis  les  chariots  nfoessaires  pour 
le  transport  des  bagages  de  la  garnison. 

Art.  7.  Les  Deserteurs  resteront  dans  les  corps  oü  ils  sont, 
sans  etre  inqui£t£s  ni  Melanies. 

Art.  8.  Aussitot  que  la  präsente  Capitulation  sera  signee,  il 
sera  envoye  sous  escorte  uu  ofrlcier  de  la  garnison  au  Commandant 
de  larmee  de  S.  M.  TEinpereur  avec  la  copie  de  la  presente 
Capitulation. 

9.  S  il  survient  quelques  difficultes  dans  les  termes  de  la 
Capitulation,  ils  seront  interprötes  en  faveur  de  la  garnison. 

Foulon, 

General  -  Major  et  Comtnandaut  de  la  Place. 

Reponsf 

du  Gdneral  Scherer  a  la  Capitulation  proposco  et  qui  fut  agreee  par  les 
officiers  de  la  garnison ;  considerant  qu'il  n'y  avait  point  d'espoir  d'un  secours 
dans  linteryalle  de  quatrn  jours  tont  au  plus  que  la  place 
pouvait  eueore  ee  defendre. 

1.  La  garnison  de  Landrecy  se  rendra  prisonniere  de  guerre 
ä  discretion  et  remettra  la  place  a  Tarmee  de  la  republique. 

2.  La  garnison  sortira  demain  29  Messidor  de  Landrecy, 
avec  Drapeaux  deployea,  tambours  battans,  meches  allum<?es; 
arrivee  sur  le  glacis  de  la  porte  de  France,  eile  deposera  ses 
armes,  et  de  suite  sera  conduite  et  escortee  jusqu'au  lieu  de 
sa  destination. 

3.  La  republique  pourvoira  a  la  subsistauce  de  la  garnison 


1704. 


269 


4.  Les  armes  et  les  chevaux  de  la  garnison,  appartenant  ä  la 
republique,  les  officiers  ainsi  que  les  soldats  döposcront  leurs  armes 
sur  le  glacis  en  meme  tems  que  les  troupcs  de  la  garnison. 

JiB.  Verbal ement  il  fut  convenrt  que  les  officiers  conserveront  leurs  epces. 

5.  Le  general  Commandant  de  la  place  fera  remettre  aux 
officiers  du  genie,  de  l'Artillerie,  et  Commissaires  de  guerre 
qui  scront  desigm's,  les  munitions  de  guerre  et  de  bouche, 
rartillerie,  les  plans,  memoire»  et  les  papiers  relatifs  ä  la  place 
dans  Tespace  de  24  heures  et  avant  que  la  garnison  n'eVacue 
la  dito  place. 

G.  GtSncralcment  tont  ce  qni  appartient  ä  la  place  ou  ä 
l'Empereur  sera  remis  fidelement  entre  les  mains  des  com- 
missaires qui  seront  nommfo. 

7.  Les  Emigres,  les  Deserteurs  seront  livrte  aux  troupes 
de  la  republique  pour  etre  punis  selon  la  rigueur  des  lois. 

8.  Pour  tout  ce  qui  n'est  pas  speeifie*  dans  cette  capitu- 
lation,  il  y  sera  statue  par  les  Commissaires  nomme*s,  sous  la 
ratification  du  general  en  chcf. 

9.  Aussitot  la  presente  Capitulation  signee  par  le  General 
Commandant  de  la  place  de  Landrecy,  ses  deux  portes  occupees 
par  deux  Bataillons  de  Grenadiers,  qui  ne  garderont  que  les 
remparts  et  ouvrages  exterieures,  et  la  garnison  Imperiale 
l'interieur  de  la  place. 

10.  Les  chevaux  appartenant  aux  officiers  seront  estimes  et 
leur  valeur  en  sera  remise  aux  dits  officiers. 

11.  Les  voitures  pour  les  transports  des  effets  appartenant  aux 
officiers  et  a  la  garnison,  seront  fournis  de  gite  en  gtte  aux  frais 
de  la  republique  et  sur  le  visa  des  commissaires  de  guerre. 

Au  quartier  General  de  Favril  le  28  Messidor  Tan  2  de 
la  ^publique  Franeaise. 

Le  General  de  Division  Commandant  en  chef 
l'armee  devant  Landrecy: 

Scherer. 

P.  8.  II  a  ete  observe  par  les  officiers  de  la  garnison  de  pouvoir  prendre 
parmi  les  soldats  do  leurs  Compagnies  respectives  des  hommes  qui  leur  seront 
attacht-s  pour  leurs  besoins  domestiques  pendant  le  tems  de  leur  etat  de  pri- 
sonniers  de  guerre:  leurs  domestiques  etant  restes  ä  leurs  equipages  ä  l'armee 
imperiale. 

Le  general  voudra  bien  ratifier  cet  article 
approuve  le  General  en  Chef 

S  c  h  e  r  e  r. 


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270 


1794. 


Die  Armee  am  Ober -Rheine,  bei  welcher  die  Regiments- 
geschichte Ende  1793  die  Grenadiere  zu  Mannheim  verlassen  hatte, 
übernahm  am  7.  Jänner  1794  F.-Z.-M.  Graf  Browne,  welcher 
dieselbe  am  15.  April  dem  Herzog  Albrecht  von  Sachsen-Teschen 
übergab.  15.000  Mann,  dabei  das  Grenadier  -  Bataillon  St.  Julien, 
lagen  beim  Beginn  der  Operationen  am  Unken  Rhein -Ufer  in  den 
Umgegenden  Mannheims  unter  dem  General  Prinz  Hohenlohe,  die 
Hauptarmee  hatte  das  rechte  Rhein -Ufer  von  Mannheim  bis  Basel 
besetzt;  die  preussisch-sächsische  Armee  unter  F.-M.  Möllers dorf 
stand  zwischen  Alzey  und  Kirchheim. 

Der  durch  Coburg  am  26.  April  bei  Cateau  erfochtene  Sieg 
veranlasste  den  F.-M.  Möllen  dorf  zu  dem  Entschlüsse,  die  Be- 
lagerung von  Saarlouis  zum  Hauptobjekt  seiner  Bewegungen  zu 
machen.  Am  18.  Mai  verlegte  er  sein  Hauptquartier  nach  Alzey, 
in  und  bei  welchem  Orte  sich  seine  Truppen  konzentrirten.  Auch  der 
Herzog  AI  brecht  hatte  bereits  am  17.  Mai  30  Bataillons,  darunter 
das  Grenadier  -  Bataillon  und  40  Eskadrons  in  ein  Lager  bei 
Schwetzingen  zur  Mitwirkung  bei  der  Unternehmung  Möllendorfs 
zusammengezogen. 

Am  grauenden  Morgen  des  23.  Mai  setzten  sich  sämmtlichc 
Kolonnen  in  Bewegung  und  schon  um  8  Uhr  früh  begann  der  AngrifT 
auf  allen  Punkten.  Das  österreichische  Korps  rückte  unter  stetem 
Gefechte  über  Mutterstadt  gegen  den  Reebach  vor,  um  Schifferstadt 
und  die  Reehfltte  anzugreifen.  Der  feindliche  General  Desaix,  zum 
Empfange  seines  Gegners  vorbereitet,  setzte  den  Oesterreichern 
unter  General  Hotze  bei  ihrer  Annäherung  vor  Schifferstadt  einen 
so  kräftigen  Widerstand  entgegen,  dass  sie  vor  dem  Orte  in  ge- 
messener Entfernung  halten  mussten,  um  die  Unterstützung  der 
Division  des  F.-M. -Lt.  Benjovsky,  in  welcher  sich  die  Grenadiere 
in  der  Brigade  General  Baader  befanden,  abzuwarten.  Doch  diese 
fand  keine  Möglichkeit,  den  stark  angeschwollenen  Reebach  zwischen 
Schifferstadt  und  der  Reehütte  zu  übersetzen.  Beide  verhielten  sich 
folglich  beobachtend  in  ihrer  Stellung  vor  Schifferstadt. 

Während  F.-M.-Lt.  Erbach  unter  dem  heftigsten  Kartätschen- 
feuer die  grössten  Schwierigkeiten  zu  besiegen  hatte,  und  nach 
Wegnahme  des  Kohlhofes  und  Durchwatung  des  geschwellten  Ree- 
baches die  feindlichen  Verschanzungen  an  der  Reehfltte  erstürmte 
und  den  Feind  gegen  Speyer  zurückwarf,  hatte  Desaix  den  Posten 


1794, 


271 


von  Schifferstadt  so  bedeutend  verstärkt,  dass  er  den  General  Hotze 
selbst  angriff  und  zum  Rückzug  zwang.  Die  durch  F.-M.-Lt.  Er- 
bach so  mühsam  errungenen  Vortheile  mussten,  um  sich  nicht  der 
Gefahr  auszusetzen,  abgeschnitten  zu  werden,  aufgegeben  werden. 
Der  Rückzug  musste  um  so  mehr  beschleunigt  werden,  als  auch 
Fürst  Hohenlohe  die  Meldung  erhielt,  dass  die  Preussen  vor 
Deidesheim  sich  zu  schwach  fanden,  die  Franzosen  von  Rupertsberg 
zu  verdrängen.  Hohenlohe  gebot  demnach  den  Rückzug  bis  in 
die  Stellung  bei  Oggersheim. 

Das  österreichische  Korps  hatte  bereits  nachmittags  um  5  Uhr 
ein  Lager  zwischen  Mundenheim,  Maudach  und  Scharam  bezogen. 
Rheingenheim  und  Mutterstadt  wurden  mit  leichten  Truppen  besetzt. 

Der  Feind  hatte  zwar  alle  Angriffe  auf  seinen  rechten  Flügel 
abgeschlagen,  aber  sein  linker  war  beinahe  aufgerieben.  Sein  Verlust 
bestand  in  2000  Todten  und  Verwundeten,  2100  Gefangenen,  17 
Kanonen,  10  Fahnen  und  91  Munitionskarren. 

Der  französische  Ober-General  Mich  au  d  ordnete  am  folgenden 
Tage  auch  den  Rückzug  seines  rechten  Flügels  bis  hinter  die  Linien 
der  Queich  an.  Das  österreichische  Korps  besetzte  Speyer  und  dehnte 
sich  gegen  Duttenhofen  aus.  Hotze  mit  der  Avantgarde  stellte 
sich  zwischen  Heiligenstein  und  Hanthausen.  Am  28.  wurden  die 
Franzosen  abermals  von  den  Preussen  geschlagen.  Hotze  vertrieb 
sie  aus  Schweigenheim,  Lingenfeld  und  Westheim,  worauf  sie  sich 
abends  nach  Landau  zurückzogen. 

Die  Oesterreicher  beschäftigten  sich  im  Monat  Juni  mit 
Anlegung  von  Verschanzungen  auf  den  Anhöhen  von  Fraischbach 
und  Schweigenheim.  Starke  Verhaue  deckten  die*  Fronte  ihrer 
Stellung,  in  welche  nun  alle  Truppen  aus  dem  Lager  von  Schwezingen 
abgerückt  waren.  Das  erste  Treffen  unter  F.-Z.-M.  Fürst  Hohen- 
lohe stand  zwischen  Speyer  und  Marientraut,  dabei  das  Grenadier- 
Bataillon  St.  Julien  in  Harthausen. 

In  dieser  Stellung  blieb  die  Armee  unthätig  bis  zum  Juli, 
dagegen  benützte  der  französische  Obergeneral  die  ihm  gegönnte 
Ruhe,  so  viele  Verstärkungen  an  sich  zu  ziehen,  als  zur  Wieder- 
eroberang  der  verlassenen  Stellungen  erforderlich  waren  und  griff 
dann  am  2.  Juli  die  Verbündeten  an  allen  Punkten  an.  D  e  s  a  i  x 
rückte  mit  dem  rechten  französischen  Flügel  bei  Tagesanbruch  gegen 
Schweigenheim  und  Freischbach  vor,  wurde  aber,  ebenso  wie  die 


272 


1794. 


übrigen  französischen  Truppen  mit  Verlust  zurückgeschlagen.  Das 
Grenadier  -  Bataillon  war  während  dein  Gefechte  zur  Besetzung  der 
Höhen  bei  Weingarten  vorgerückt,  aber  nicht  in  das  Feuer  gekommen. 

Am  12.  und  13.  Juli  rückten  die  Franzosen  abermals  gegen 
die  Stellungen  der  Preussen  vor,  während  sie  gegen  jene  der  Oester- 
reicher nur  demonstrirten.  Es  gelang  dem  Feinde,  die  Preussen  nach 
einem  äusserst  hartnäckigen  Kampfe,  in  welchem  beide  Theile  be- 
deutende Verluste  erlitten,  zum  Ruckzuge  über  den  Speyerbach  in 
das  Lager  von  Musclibach  zu  nötbigen.  Diess  erheischte  auch  den 
Kückzug  der  Oesterreicher,  der  mit  Tagesanbruch  des  14.  angeordnet 
wurde.  Noch  vor  der  Bückbewegung  erschienen  schon  um  4  Uhr 
morgens  die  Franzosen,  um  den  noch  nicht  bewirkten  Abzug  zu 
drängen.  Fiine  heftige  Kanonade  begann  auf  Schweigenheim  und 
bald  war  das  Feuer  auf  der  ganzen  Linie  allgemein.  Mit  Ungestüm 
drang  D  e  s  a  i  x  in  Freimarsheim  ein  und  griff  auch  den  Posten 
von  Fraischbach  an,  um  durchzubrechen;  aber  standhaft  schlugen 
sich  hier  die  Oesterreicher.  Die  Nachricht,  dass  der  Feind  zu 
gleicher  Zeit  in  mehreren  Kolonnen  gegen  Musclibach  vordringe  und 
bereits  die  rechte  Flanke  bei  Germersheim  umgangen  sei,  gebot  den 
Rückzug,  der  um  9  Uhr  früh  in  fünf  Kolonnen  angetreten  wurde. 

Das  Grenadier- Bataillon  St.  Julien,  in  der  zweiten  Kolonne 
unter  dem  F.-M.-Lt.  Jordis,  zog  von  Schweigenhoim  über  Dutten- 
hofen nach  Schifferstadt,  wo  sich  diese  Kolonne  auf  der  Höhe  hinter 
diesem  Orte  gegen  Boehl  aufstellte.  Kaum  in  der  neuen  Aufstellung 
angelangt,  drang  auch  schon  D  e  s  a  i  x  mit  Macht  vor  und  griff 
die  Stellung  vor  Schifferstadt  mit  einer  heftigen  Kanonade  an.  Als 
man  diese  mif  ähnlichem  Kaliber  beantwortete  und  muthig  seine 
Angriffe  mit  grossem  Verlust  zurückwies,  wiederholte  er  bis  gegen 
Abend  noch  mehrere  fmchtloso  Versuche,  nach  welchen  er  nach- 
gebend sich  etwas  zurückzog. 

Die  Nacht  legte  beiden  Theilen  Stillstand  auf,  der  bis  am 
folgenden  Mittag  nicht  unterbrochen  wurde.  Um  diese  Zeit  rückte 
eine  französische  Kolonne  gegen  Muschbach  vor,  während  D  e  s  a  i  x 
mit  6000  Mann  gegen  die  bei  Schifferstadt  aufgestellte  österreichische 
Avantgarde  vordrang.  Diese  vertheidigte  sich  unter  General  Hotze 
mit  wahrem  Heldenmuthe  und  auf  allen  Punkten  hatten  die  Oester- 
reicher an  diesem  Tage  ihre  Stellung  behauptet.  Die  Preussen 
zogen  sich  aber  gegen  die  Pfrim  zurück,  auch  hatte  F.-M.  Möllen- 


1704. 


273 


dorf  sein  Lager  bei  Kaiserslautern  aufgehoben,  um  sich  über 
Otterberg  in  der  Stellung  bei  Kirchheim  -  Boland  festzusetzen. 

Es  war  6  Uhr  abends,  als  der  Herzog  Albert  von  dieser 
Anordnung  Kunde  erhielt,  die  ihn  zum  Ruckzuge  Qber  den  Rhein 
bei  Mannheim  veranlassen  musste.  Mit  einbrechender  Dämmerung 
wurde  dieser  angetreten,  der  Rhein  überschritten  und  ein  Lager 
bei  Neckarau  bezogen.  Die  Grenadiere  hatten  in  allen  diesen  Gefechten 
keinen  Verlust  erlitten.  Grenadier  Daniel  Semotzka,  welcher  sich 
durch  Tapferkeit  besonders  ausgezeichnet  hatte,  erhielt  die  silberne 
Ehren  -  Denkmünze. 

Nun  fanden  mehrere  Bewegungen  der  Alliirten  und  Franzosen 
statt,  welche  aber  kein  entscheidendes  Resultat  erzielten.  Das 
Grenadier  -  Bataillon  St.  Julien  war  während  dieser  Zeit  ununter- 
brochen in  der  Rheinschanze  vor  Mannheim.  Am  18.  Oktober  be- 
gannen die  Franzosen  die  Circumvallations  -  Arbeiten,  die  sich  von 
Rheingenheim  über  Mundenheim,  bis  in  den  Friesenheimcr  Wald 
erstreckten  und  am  12.  November  fertig  wurden.  Nun  war  der 
Feind  bedacht,  sich  mit  Angriffswerken  den  österreichischen  Ver- 
schanzungen insoferne  zu  nähern,  dass  er  nicht  nur  diese,  sondern 
auch  die  Stadt  beschiessen  konnte.  Diese  Arbeiten  waren  durch  den 
Sumpf  begünstiget,  der  sich  gegen  Gräfenau  und  die  Hemshöhe 
herumzieht  und  die  österreichischen  Verschanzungen  dergestalt  um- 
schloss,  dass  diese  durch  zweckmässig  angelegte  Redouten  mit  einem 
konzentrisch  kreuzenden  Feuer  und  zugleich  die  Stadt  mit  Ein- 
äscherung bedroht  wurde. 

Der  Feind  benutzte  diesen  Umstand  uud  vollendete  sein  Werk 
im  Laufe  November,  ungeachtet  die  Belagerten  durch  ein  heftiges  Feuer 
das  drohende  Ungcwitter  zu  entfernen  sich  bemühten.  Am  2.  Dezember 
kündeten  mehrere  Kanonenschüsse  an,  dass  die  feindlichen  Redonten 
bereits  mit  dem  gehörigen  Belagerungsgeschütz  dotirt  seien. 

In  einem  Kriegsrathe  ward  nun  über  das  Schicksal  Mannheims 
berathen  und  alle  Mittel  als  unzulänglich  befunden,  die  Einäscherung 
der  Stadt  zu  verhindern.  Man  beschloss,  bei  dem  Umstände,  dass 
der  Eisgang  am  Rhein  die  Verbindung  mit  der  Rheinschanze  absperre, 
dem  Feinde  unter  der  Bedingung,  dass  er  die  Stadt  nicht  beschiesse, 
das  ganze  linke  Rhein -Ufer  abzutreten. 

Der  französische  General  Vachot  kam  jedoch  jedem  Antrage 
schon  am  22.  Dezember  mit  der  Aufforderung  zuvor,  die  Rheinschanze 

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271 


1795. 


binnen  drei  Stunden  zu  Obergeben.  Da  jedoch  die  österreichischer- 
seits  gemachten  Vorschläge  nicht  angenommen  wurden,  so  begann 
der  Feind  in  der  Nacht  vom  23.  auf  den  24.  um  die  Mitternachtsstunde 
aus  acht  Batterien  ein  heftiges  Feuer  mit  Mörsern  und  Haubitzen, 
sowohl  gegen  die  Verschanzungen  am  linken  Rhein-Ufer,  wie  gegen 
die  Stadt,  in  welcher  mehrere  Häuser  zerstört  und  viele  Einwohner 
getödtet  und  verwundet  wurden.  Die  Beschiessung  währte  den  ganzen 
folgenden  Tag  mit  der  alles  vernichtenden  Wirkung  bis  4  Uhr  fort, 
wo  dann  der  Feind  die  zweite  Aufforderung  machte. 

Die  Vorstellungen  des  Magistrats,  der  Jammer  der  Bürger, 
welche  die  Einäscherung  ihrer  Häuser  und  den  Tod  der  Ihrigen  mit 
ruhiger  Ergebenheit  ertragen  hatten,  dann  die  Unmöglichkeit,  die 
Besatzung  der  Rheinschanze  zu  unterstützen,  die  folglich  unter- 
liegen musste,  bestimmten  den  F.-M.-Lt.  Wartensleben,  unter 
der  Bedingung  eine  Kapitulation  abzuschliessen ,  dass  Mannheim 
während  dem  Laufe  des  Krieges  vom  linken  Rhein -Ufer  nicht  be- 
schossen werde.  Am  24.  Dezember  abends  um  11  Uhr  wurde  die 
Kapitulation  angenommen,  unterzeichnet  und  am  25.  nahmen  die 
Franzosen  nach  einer  zehnwochentlichen  Berennung  und  geführten 
Belagerung,  von  der  Rheinschanze  Besitz.  Die  kaiserliche  Armee 
blieb  über  Winter  am  rechten  Rhein-Ufer  zwischen  Mainz  und  Basel 
in  engen  Kantonnirungs  -  Quartieren. 

Das  dritte  Bataillon  hatte  auch  im  Jahre  1794  seine  Garnison 
Wiener-Neustadt  nicht  verlassen. 


1795. 

Offiziere  und  Mannschaft  der  beiden  Feld  -  Bataillone  befanden 
sich  beim  Beginn  des  Jahres  1705  noch  in  französischer  Kriegs- 
gefangenschaft. Die  Offiziere  waren  von  der  Mannschaft  immer 
getrennt  und  streng,  ja  sogar  wegen  ihren  Aeusserungen  flberwacht 
Die  Mannschaft  befand  sich  in  der  traurigsten  Lage  in  Kirchen, 
verlassenen  Scheunen  und  Ställen  eingesperrt.  Sie  lag  auf  der  nackten 
Erde,  allen  Unbilden  eines  strengen  Winters  um  so  mehr  ausgesetzt, 
als  diese  Unterkünfte  nicht  heizbar  und  auch  die  Uniformen  der 


1795. 


275 


Art  herabgekommen  waren,  dass  sie  kaum  die  Blossen  bedeckten. 
Beinahe  alle  waren  ohne  Mäntel  und  ohne  Schuhe.  Man  hatte  einen 
Kübel  Wasser  unter  die  Thore  gestellt,  der  einmal  während  des 
Tages  gefüllt  wurde  —  zur  Verrichtung  der  Nothdurft  durfte  kein 
Mann  das  Lokale  verlassen  und  man  kann  sich  daher  einen  Begriff 
von  dem  Zustande  derselben  machen.  Die  National  -  Garde  versah 
den  Dienst,  und  wenn  auch  unter  diesen  oder  der  Bevölkerung  Leute 
waren,  welche  ein  Herz  für  das  Unglück  der  Gefaugenen  hatten  und 
ihr  Schicksal  erleichtern  wollten,  so  Hessen  es  die  von  Robespierre 
abgesandten  Freiheitsmänner  nicht  zu  und  die  Betreffenden  hatten 
in  dieser  Zeit  des  Terrorismus  das  Aergste  zu  befürchten,  denn  die 
Guillotine  war  in  Permanenz.  Diese  sogenannten  Kommandanten 
behandelten  die  Gefangenen,  welche  ohne  Unterschied  des  Ranges 
einen  äusserst  geringen,  zur  Erhaltung  des  Lebens  kaum  hinreichenden 
Gehalt  erhielten,  auf  eine  äusserst  grausame,  allem  Völkerrechte 
Hohn  sprechende  Weise  und  doch  gaben  diese  verächtlichen  Menschen 
durch  ihr  lächerliches  Auftreten  und  komische  Uniform  den  echten 
Wiener  Kindern  Anlass  genug,  durch  urwüchsige,  selbst  in  diesem 
Elende  nie  versiegende  Witze,  Heiterkeit  und  möglichst  guten  Muth 
zur  Ausdauer  unter  den  Gefangenen  zu  erhalten. 

Die  Fuhrknechte  des  Regiments  hatte  man  bei  den  Verpflegs- 
Transporten  angestellt  und  diese  waren  die  ersten,  welche  den 
Franzosen  durchgingen  und  sich  im  Jänner  in  Lörach  bei  der  Auf- 
uahms  -  Kommission  meldeten.  Bald  folgten  auch  kleine  Trupps 
Infanteristen,  welche  aus  den  Gefängnissen  ausgebrochen,  bei  Nacht 
auf  Seitenwegen  die  Grenze  erreicht  hatten.  So  verzeichnen  dio 
Präsentirungs  -  Listen  über  300  Mann,  welche  sich  auf  diese  Art 
selbst  rantionirten.  Alle  diese  Braven  waren  ohne  Schuhe,  entstellt 
vom  überstandenen  Elend  und  den  besiegten  Gefahren.  Die  Sehnsucht 
nach  dem  theueren  Oesterreich  hatte  diese  wackeren  Männer  zur 
Ueberwindung  der  grössten  Gefahren  gestählt.  Viele  gingen  bei  den 
Fluchtversuchen  zu  Grunde,  viele  erlagen  dem  namenlosen  Elende, 
denn  nach  den  Standes  -  Listen  sind  von  den  1400  Mann,  welche 
in  Landrecy  kapitulirten,  gegen  500  Mann  bis  heutigen  Tag  ver- 
schollen. 

Oberlieutenant  Otto  Baron  Colletti,  welcher  in  Landrecy  als 
Kontrolor  beim  Verpflegsamte  angestellt  war,  wurde  von  den  Fran- 
zosen zurückgesendet  und  am  29.  juni  1795  präsentirt,  dann 

18* 


270 


i7or, 


am  1.  Juli  Lieutenant  Josef  Steinling,  dem  einzigen  Offizier, 
welchem  es  gelang,  sich  seihst  zu  rantioniren.  Die  übrigen  Offiziere 
entliessen  <lie  Franzosen  nach  und  naeh  gegen  Parole,  so  dass  erst 
im  Jahre  1700  die  letzten  wieder  heim  Regiment  einnickten.  Alle 
fanden  in  Wien  ihre  Pferde  und  Bagagen,  da  diese  in  die  Festung 
nicht  mitgenommen  worden  waren. 

Zur  neuen  Formirnng  des  Regiments  hatte  der  Hofkriegsrath 
im  Jänner  1705  die  Aufstellung  von  drei  Divisionen  in  Wien  an- 
geordnet, zu  welchen  dann  die  aus  der  Kriegsgefangenschaft  rück- 
kehrenden Offiziere  und  Mannschaft  einrückten. 

Das  dritte  Bataillon  erhielt  anfangs  März  170.r>  Marsch- 
bereitschaft und  dann  den  Befehl,  am  10.  nach  Triest  abzurücken, 
wo  dasselbe  am  14.  April  eintraf.  Am  27.  Juli  marschirten  zwei 
Kompagnien  nach  Kroatien  und  im  Dezember  erhielt  das  Bataillon 
den  Befehl,  zur  Armee  nach  Italien  zu  nicken. 

Bei  dieser  Gelegenheit  machte  der  Staatsrath  T  ü  r  k  h  e  i  m 
Erwähnung  von  dem  Schwindelfreiheitsgeist,  den  die  aus  der 
Gefangenschaft,  zurückgekommene  Mannschaft  in  sich  eingesogen 
haben  sollte:  er  meinte,  dass,  eine  öffentliche  Bangigkeit  hierüber 
zu  zeigen,  bedenklich  sei,  schlug  aber  vor,  ein  anderes  Bataillon 
statt  diesem  nach  Italien  zu  senden.  Se.  Majestät  Kaiser  Franz 
gestattete  zwar  aus  anderen  Gründen,  dass  statt  jenem  ein  Bataillon 
von  Nr.  T>0  dahin  beordert  wurde,  beruhigte  aber  den  Hofkriegsrath, 
hierüber  ohne  Sorge  zu  sein,  dass  es  möglich  werden  könne,  dass 
durch  die  gewesenen  Gefangenen  der  verderbende  unglückliche 
Freiheitsgeist  seiner  mit  Ehre  und  Ruhm  gekrönten  Armee  bei- 
gebracht werde. 

Die  Grenadiere  im  Bataillon  St.  Julien  lagen  im  Winter  in 
engen  Kantonnimngs-Qnartieren  um  Mannheim. 

Begünstigt  durch  ungewöhnlich  strenge  Kälte,  welche  alle 
Gewässer  mit  festem  Eise  bedeckte,  umging  Pichegru  die  Stellung 
der  Alliirten  und  nahm  Holland,  welches  sich  als  batavische  Republik 
konstituirte.  Bei  dieser  Gelegenheit  geschah  es,  dass  ein  französisches 
Reiter-Regiment  die  im  Texel  eingefrorene  Flotte  eroberte.  So  halfen 
selbst  die  Elemente  dem  übermüthigen  Frankreich,  wo  zwar  mit  der 
Hinrichtung  Robespierre 's  am  27.  Juli  1704  die  blutigen  Ge- 
stalten der  Schreckensregiemng  verschwunden  waren,  nichts  desto- 
weniger  aber  die  gewaltige  Erhebung  der  Nation  ungeschwächt  fort- 


1705. 


277 


dauerte.  Mit  Beginn  des  Jahres  17i>5  standen  sieben  französische 
Heere  siegreich  auf  fremdem  Boden :  in  Spanien,  Piemont,  am  linken 
Rhein -Ufer,  in  den  Niederlanden  und  iu  Holland.  Die  Koalition  war 
mächtig  erschüttert,  denn  sie  hatte  drei  Jahre  fruchtlos  gegen  die 
Revolution  gekämpft.  Eingeschüchtert  begannen  jetzt  einige  Staaten 
zu  erkalten  und  suchten  mit  der  Republik  Frieden  zu  schliessen. 
Preussen  schloss  am  5.  April  einen  Separatfrieden,  etwas  später 
traten  auch  Toscana,  Spanien  und  Portugal  von  der  Koalition  zurück. 
In  Oesterreich  wurden  aber  ungeachtet  der  bisher  gebrachten  uner- 
messlichen  Opfer  die  Kriegsrflstungen  mit  dem  grössten  Eifer  fort- 
gesetzt. Hier  bemühten  sich,  wetteifernd  im  Patriotismus,  alle  Pro- 
vinzen, die  zur  Fortsetzung  des  Krieges  nöthigen  Mitteln  beizuschaffen 
und  die  Mannschaften  aufzubringen.  Die  Grenadiere  erhielten  vom 
dritten  Bataillon  50  altgediente  Soldaten. 

Anfangs  1795  kantonnirten  die  Verbündeten  von  Basel  längs 
dem  Rheine  hinab  bis  zur  Nordsee.  Die  k.  k.  Armee  war  getheilt 
in  jene  des  Niederrheines,  dann  in  jene  des  Oberrheines,  bei  welcher 
sich  das  Grenadier- Bataillon  St.  Julien  befand.  Zwischen  diesen 
beiden  Rhein -Armeen  in  der  Ausdehnung  zwischen  Kaub  bis  Gerns- 
heim standen  die  Preussen  und  deren  Abmarsch  aus  dieser  Stellung 
war  im  Jahre  1795  das  erste  Ereigniss  von  Bedeutung.  Hiedurch  waren 
nämlich  ausgiebige  Nachrückungen  erforderlich  und  auch  die  Grena- 
diere wurden  in  Folge  derselben  aus  der  Ruhe  ihrer  winterlichen 
Kantonnirung  geweckt.  Am  10.  Februar  wurde  das  Grenadier- 
Bataillon  St.  Julien  zur  Versehung  des  Kordonsdienstes  an  den  Rhein 
beordert.  Dieser  Dienst  war  einem  rührigen  Feinde  gegenüber  um 
so  beschwerlicher,  als  der  zu  bewachende  Ström  mit  festem  Eise 
bedeckt,  überall  zu  passireu  war.  Doch  das  nur  Veteranen  zählende 
Grenadier -Bataillon  war  der  Aufgabe  gewachsen,  hatte  ja  mit  Aus- 
nahme der  jüngst  erhaltenen  50  Mann,  jeder  Grenadier  schon  in 
mehreren  Treffen  gelochten  und  iu  öfterer  Berührung  mit  dem  Feinde 
längst  dessen  Kniffe  kennen  gelernt.  Erfahren  im  Kriegshandwerke, 
durch  riesige  Strapazen  gestählt,  war  jeder  einzelne  Grenadier  Krieger 
im  vollsten  Sinne  des  Wortes  und  auch  nur  so  war  es  möglich,  dass 
trotz  des  rührigen  Gegners,  trotz  der  anhaltenden  grimmigen  Kälte  und 
dem  fühlbarsten  Mangel  au  Verpflegung  (aus  einem  Bericht  ist  ersicht- 
lich, dass  die  Grenadiere  eine  volle  Woche  kein  Brod  erhalten  hatten) 
die  Mannschaft  mit  heiterem  Muthe  die  Mühseligkeiten  der  schwierigen 


278 


1795. 


Kordons  -  Bewachung  ertragen,  und  dass  ihre  erfolgreiche  Dienst- 
leistung wiederholt  die  Anerkennung  der  Generale  erhalten  konnte. 

Im  März  wurden  die  Truppen  des  Kaisers  und  Reiches  in  ciue 
„k.  k.  offensive  Ober  -  Rhein  -  Armee"  und  eine  „ Reichs  -  Armee* 
geschieden;  Ober  erstere  übernahm  F.  -  Z.  -  M.  Graf  Clerfait  das 
Kommando. 

Schon  nach  Ablauf  eines  Monats  wurden  die  Grenadiere  ver- 
anlasst, einer  abermaligen  neuen  Heeres  -  Eintheilung  wegen  sich  in 
Bewegung  zu  setzen.  F. - Z.  - M.  Graf  Clerfait  zum  Feldmarschall 
und  Kommandanten  des  gesammten  Heeres  ernannt,  hatte  nämlich 
dasselbe  in  eine  offensive  und  in  eine  defensive  Armee  geschieden. 
Das  Grenadier -Bataillon  St.  Julien  kam  in  das  erste  Treffen  unter 

F.  -Z.-M.  Graf  Kinsky,  Division  F.-M.-Lt  Verneti  nach 
Dornheim.  In  der  neu  bezogenen  Aufstellung  blieben  die  Grenadiere 
im  Laufe  Juli.  Die  Truppen  hatten  in  dem  Masse,  als  sie  im 
jüngsten  Winter  durch  übermässige  Kälte  fatikirt  wurden,  jetzt  durch 
peinigende  Hitze  zu  leiden  und  der  üble  Einfluss  der  heissen  Jahres- 
zeit konnte  umsoweniger  ausbleiben,  als  die  Verpflegung  mit  Geld 
sowohl,  als  mit  Naturalien  beharrlich  höchst  nothdürftig  blieb.  Der 
Krankenstand  lieferte  bald  eine  bedenkliche  Ziffer  —  das  Grenadier- 
Bataillon  erreichte  192. 

Da  trat  anfangs  August  abermals  eine  neue  Heeres-Eintheilung 
in's  Leben;  alle  Reichstruppen  und  ein  Theil  der  Oesterreicher 
bildeten  die  »Nieder -Rhein -Armee/  der  Rest  der  Oesterreicher 
die  „Ober-  Rhein  -Armee."  Erstere  unter  F.-M.  Graf  Clerfait 
erhielt  die  Stellung  von  Düsseldorf  bis  Kappel,  letztere  unter 

G.  d.  K.  Graf  Wurmser  von  Kappel  bis  Basel. 

Fast  acht  Monate  schon  ruhten  die  Waffen.  Da  wurden  endlich 
die  Feindseligkeiten  eröffnet,  indem  anfangs  September  der  fran- 
zösische General  J  o  u  r  d  a  n  bei  Urdingen  und  Düsseldorf  über  den 
Rhein  drang,  Pi  chegru  aber  am  20.  September  Mannheim  besetzte. 
Am  24.  schlug  F.-M.-Lt.  Quosdanovich  die  Franzosen  bei 
Handschuchsheim. 

Der  Feldmarschall  theilte  nun  seine  Armee  in  eine  Avantgarde, 
mit  drei  Abtheilungen,  dann  in  zwei  Treffen,  ein  Reservekorps  und  ein 
Observationskorps,  beschloss  über  den  Main  zu  gehen  und  Jourdan 
die  Schlacht  zu  liefern.  Im  Reservekorps  unter  F.-M.-Lt.  Baron 
Wernek  befand  sich  das  Grenadier  -  Bataillon  St.  Julien. 


1795. 


270 


Die  Armee  hatte  sich  am  0.  Oktober  im  Lager  bei  Boben- 
hausen aufgestellt.  Am  folgenden  Tage  ging  die  erste  Abtheilung 
der  Avantgarde,  nach  dieser  die  beiden  Treffen  der  Armee  und  das 
Reserve  -  Korps  bei  Seligenstadt  über  den  Main.  Die  Avantgarde 
rückte  an  die  Kinzig  vor;  die  Armee  lagerte  an  der  Kahl. 

Die  Avantgarde  war  noch  in  der  Morgendämmerung  am  11. 
vorgerückt  und  drängte  die  derselben  begegnenden  französischen 
Patrouillen  hinter  die  Nidda  zurück.  Die  Armee  kam  um  die  Mittags- 
zeit bei  Bergen  an  und  bezog  das  Lager  zwischen  der  Berger  und 
Fricdberger  Warte. 

Am  12.  Oktober  liess  Jourdan  den  linken  Flügel  der  kaiser- 
lichen Avantgarde  bei  Nidda  angreifen ;  der  hartnäckige  Kampf  endete 
bei  Einbruch  der  Nacht  mit  dem  Rückzüge  der  Franzosen.  Die  Armee 
blieb  in  ihren  Stellungen. 

In  der  Nacht  hielt  Jourdan  in  Höchst  Kriegsrath,  in  welchem 
die  Franzosen  beschlossen,  die  Blockade  von  Mainz  aufzuheben,  und 
da  es  in  der  von  der  Armee  innehabenden  Stellung  zu  gefährlich 
sei,  eine  Schlacht  zu  liefern,  auch  mit  der  Armee  den  Rückzug 
anzutreten.  Dieser  wurde  nun  in  der  Nacht  mit  grosser  Eile  aus- 
geführt. Zeitlich  früh  am  13.  bemerkten  die  Oesterreicher  den  in 
der  Nacht  stattgefundeneu  Abzug  der  Franzosen.  Die  Avantgarde 
übersetzte  sogleich  die  Nidda,  die  dritte  Abtheilung  marschirte  gegen 
Usingen;  zu  ihrer  Unterstützung  folgte  F.-M.-Lt.  Wernek  mit 
dem  Reserve  -  Korps  und  stellte  sich  bei  Homburg  auf. 

Erst  am  14.  Oktober  um  5  Uhr  morgens  erreichte  die  dritte 
Abtheilung  der  Avantgarde,  die  auf  den  äusserst  schlechten  Wegen 
die  ganze  Nacht  marschirt  war,  Usingen,  von  wo  sie  nach  kurzer 
Rast  an  die  Lahn  vorrückte  und  die  Strasse  von  Münster  über 
Weilburg  bis  Leyen  besetzte.  Das  Reserve  -  Korps  marschirte  bis 
Usingen,  dann  am  15.  nach  Altcnhausen  am  Weilbach  und  nahm  am 
16.  Stellung  zwischen  Ober -Brechen  und  Vilmar. 

Die  drei  Abtheilungen  der  Avantgarde  hatten  an  diesen  Tagen 
die  retirirenden  Franzosen  erreicht,  ihnen  Kanonen  nebst  vielem 
Train  abgenommen  und  bedeutende  Verluste  zugefügt. 

Der  Feldmarschall  führte  die  beiden  Treffen  in  das  Lager  bei 
Weilmünster,  nahm  in  diesem  Orte  sein  Hauptquartier  und  beschloss 
die  unaufhaltsam  retirirende  feindliche  Armee  nur  mehr  durch  die 
drei  Abtheilungeu  der  Avantgarde  verfolgen  zu  lassen,  selbst  aber 


280 


1705. 


mit  der  Hauptmacht  im  Lager  bei  Weilmünster  stehen  zu  bleiben, 
um  die  Truppen  für  andere  Operationen  zu  schonen.  Das  Wetter 
war  schlecht,  die  Strassen  ganz  verdorben,  der  Mangel  an  Lebens- 
mitteln herrschte  in  diesen  Gegenden  schon  geraume  Zeit  und  war 
durch  die  vierwochentliche  Anwesenheit  der  Franzosen  sehr  ge- 
steigert worden,  welche  eben  jetzt  auch  noch  die  Landstriche  plün- 
derten und  verheerten,  welche  sie  verlassen  mussten,  um  das  Vor- 
rücken der  Kaiserlichen  zu  erschweren.  Wenn  man  es  auch  sonst 
zweckmässig  gefunden  hätte,  die  Verfolgung  mit  der  Hauptmacht 
fortzusetzen,  so  wäre  es  doch  beinahe  unmöglich  gewesen,  die 
Truppen  dabei  zu  ernähren. 

Das  Reserve-Korps  rückte  am  17.  an  die  Lahn  in  das  Lager 
zwischen  Runkel  und  Emmerich  vor  und  dann  am  19.  nach  Monta- 
baur, von  wo  F.-M.-Lt.  Wernek  am  21.  den  General  Graf  Kol- 
low rat  mit  drei  Grenadier -Bataillons,  dabei  St.  Julien,  und  vier 
Eskadrons  nach  Neuwied  zur  Verstärkung  des  General  Boros 
sendete.  Jourdan  retirirte  an  demselben  Tage  über  den  Rhein, 
womit  der  Rückmarsch  der  Franzosen  und  deren  Verfolgung  durch 
die  Kaiserlichen  beendigt  war.  Die  Franzosen  hatten  auf  diesem 
Rückzüge  1000  Gefangene,  6  Kanonen,  100  Munitionskarren,  20 
Pontons,  viele  Waffen,  Kriegsgeräthe  und  Bagagen  verloren. 

F.-M.  Clerfait  beschloss  nun  das  Blockade-Korps  vor  Mainz 
anzugreifen  und  den  Entsatz  dieser  Festimg  auszuführen.  Zu  diesem 
Behüte  brachen  am  25.  Oktober  die  beiden  TrefTcn  aus  dem  Lager 
an  der  Else  vor  Limburg  auf  und  trafen  am  27.  nach  drei  Märschen 
im  Lager  bei  Wikert  am  Main  ein.  F.-M.-Lt.  Baron  Wernek 
trat  am  26.  mit  dem  Reserve  -  Korps,  bei  welchem  auch  die  mit 
General  Kollowrat  bei  Neuwied  kommandirt  gewesenen  drei 
Grenadier  -  Bataillone  und  vier  Eskadrons  wieder  eingerückt  waren, 
den  Marsch  von  Moutebaur  nach  Wiesbaden  an,  wo  er  am  28.  Oktober 
anlangte. 

Noch  am  27.  begab  sich  der  Feldmarschall  nach  Mainz  und 
rekoguoszirte  die  Hohen  am  linken  Rhein -Ufer,  auf  welchen  die 
französische  Blockade-Armee,  30.800  Mann  stark,  mit  200  Kanonen 
aufgestellt  war.  In  der  Nacht  kehrte  er  nach  Wiesbaden  zurück,  wo 
am  28.  die  Disposition  zum  Angrilf  entworfen  wurde.  An  diesem 
Tage  gegen  Abend  erhielten  die  Truppen  der  bei  Wikert  gelagerten 
beiden  Treffen  und  die  erst  am  Vormittage  bei  Wiesbaden  einge- 


im. 


281 


troffene  Reserve  des  Heeres  den  Befehl,  um  7  Uhr  nach  Kassel, 
am  rechten  Ufer  bei  Mainz  zu  raarschiren.  Von  dem  Reserve-Korps 
blieb  die  Grenadier-Brigade  des  General  Kollow  rat,  dabei  das 
Bataillon  St.  Julien,  im  Lager  bei  Wiesbaden. 

In  der  Nacht  vom  28.  auf  den  20.  Oktober  waren  die  Truppen 
in  voller  Bewegung,  um  die  Stellungen  einzunehmen,  aus  welchen 
sie  dann  zum  Angriff  vorrücken  sollten.  Die  Franzosen  hatten  nicht 
die  geringste  Ahnung  und  wurden  vollkommen  überrascht.  Nach 
halb  6  Uhr  morgens  wurde  das  Zeichen  zum  Angriff  von  einer 
Batterie  gegeben  und  abends  hatten  die  Oesterreicher  einen  glänzen- 
den Sieg  erfochten.  Alle  feindlichen  Schanzen  und  Stellungen  waren 
erobert  und  die  Franzosen  im  vollen,  theilweise  fluchtartigen  Rückzug 
über  Bingen  nach  Kreuznach.  Ihr  Verlust  bestand  an  Gefangenen 
in  153  Offizieren  und  1633  Mann,  an  Todten  3000  Mann;  138 
Kanonen,  250  Munitionskarren  und  144  Artillerie- Fuhrwerke  fielen 
in  die  Hände  der  Sieger. 

F.-M.  Graf  Clerfait,  welcher  den  Angriff  persönlich  geleitet 
hatte,  ordnete  abends  selbst  die  Vorpostenlinie  und  liess  dann  die 
Truppen  ein  Lager  in  zwei  Treffen  auf  der  Höchtsheimer  Höhe  be- 
ziehen. In  dieses  Lager  rückten  am  30.  Oktober  auch  die  bei 
Wickert  und  Wiesbaden  zurückgelassenen  Truppen  ein. 

Pichegru  sammelte  seine  geschlagenen  Truppen  hinter  der 
Pfrim  und  wollte  iu  dieser  Stellung  die  Annäherung  Jourdan's 
mit  der  Sambre-  und  Maas -Armee  erwarten.  Seine  Linie  stützte 
sich  rechts  bei  Worms  an  den  Rhein,  links  bei  Kirchheim  -  Boland 
an  den  Donnersberg.  Um  diese  Stellung  zu  bewältigen,  hatte  F.-M. 
Clerfait  gleich  nach  dem  bei  Mainz  erfochteuen  Siege  das  Korps 
des  F.-M. -Lt.  Graf  Latour  von  der  Ober -Rhein -Armee  zu  sich 
beordert  und  seine  Truppen  in  zwei  Korps  gethcilt.  F.-Z.-M.  Graf 
Warteusieben  bezog  am  4.  November  mit  dem  Observations- 
Korps  ein  Lager  bei  Ober -Ulm,  um  die  Bewegungen  Jourdan's 
zu  beobachten.  F.-M.  Graf  Clerfait  marschirte  mit  der  offensiven 
Armee,  bei  welcher  sich  das  Grenudier  -  Bataillon  St.  Julien,  unter 
dem  F.-M. -Lt.  Staad  er,  Brigade  General  Kollow  rat,  befand, 
in  das  Lager  bei  Zornheim,  nahe  der  Selz.  Am  5.  rückte  Wartens- 
leben auf  die  Höhen  von  Partenheim;  die  Vortruppen  der  offen- 
siven Armee  drängten  Pichegru 's  Posten  bis  nahe  an  die  Pfrim 
zurück. 


282 


Der  Feldmarschall  blieb  am  G.  und  die  nächsten  Tage  mit  der 
Offensiv- Armee  in  dem  Lager  bei  Ost-  und  Westhofen,  denn  vor 
der  Vereinigung  mit  dem  Korps  Latour  konnte  er  die  Stellung 
Pichegru's  nicht  angreifen.  Diese  erfolgte  am  8.,  worauf  sogleich 
die  Dispositionen  für  den  auf  den  10.  festgesetzten  Angriff  ertheilt 
wurden. 

Am  10.  November  begann  das  Observations  -  Korps  die  Vor- 
rückung, nahm  dem  Feinde  mehrere  Dörfer  ab  und  trieb  ihn  gegen 
Kaiserslautern  zurück.  Als  diese  Vortheile  erfochten  waren,  liess  der 
Feldmarschall  die  drei  Hauptkolonnen  an  die  Pfrim  marschiren. 
Nachmittags  kam  der  F.-M.-Lt.  S  t  a  a  d  e  r  mit  der  ersten  Haupt- 
kolonne  auf  den  gegen  Nieder-Flörsheim  liegenden  Höhen  an  und  ent- 
wickelte dort  seine  Truppen.  Das  Liniengeschütz  derselben  und  einige 
Reserve  -  Batterien  begannen  zu  gleicher  Zeit  das  lebhafteste  Feuer. 
Die  französische  Avantgarde  wurde  von  den  Höhen  zwischen  Meisheim 
und  Kriegsheim  vertrieben  und  gänzlich  geworfen.  Staad  er  rückte 
hierauf  gegen  Pfedersheim;  die  Avantgarde  gegen  Leiselnheim  vor. 
Unterdessen  nahten  auch  die  erste  und  zweite  Kolonne  der  Pfrim  und 
griffen  die  am  Flusse  gelegeneu  Dörfer  an.  P  i  c  h  e  g  r  u  leistete  zwar 
ernstlichen  Widerstand,  musste  aber  dennoch  den  kraftvollen  Augriffen 
der  Oesterreicher  unterliegen.  Auf  den  sanften  Anhöhen  zwischen 
der  Pfrim  und  Eis  suchte  er  nochmals  das  Vordringen  der  öster- 
reichischen Kolonnen  aufzuhalten,  aber  bei  einbrechender  Abend- 
dämmerung entschieden  dieselben  durch  einen  allgemeinen  Front- 
angriff das  Treffen.  Ungeachtet  des  lebhaften  Kanonen-  und  Gewehr- 
feuers der  Franzosen  wurden  jene  Höhen  genommen.  Gegen  8  Uhr 
abends  befahl  Piche  gm  die  Fortsetzung  des  Rückzuges. 

Die  offensive  Armee  lagerte  längs  dem  linken  Ufer  der  Pfrim, 
ging  am  11.  über  diesen  Fluss  und  bezog  auf  dem  rechten  Ufer, 
zwischen  Pfedersheim  und  Wackenheim  das  Lager  ;  W  e  r  n  e  k 
mit  seiner  Division  auf  der  Fläche  von  Kindernheim.  Da  der  Feld- 
marschall dermalen  keine  Besorgnisse  von  Jourdan  für  seine  rechte 
Flanke  und  das  an  der  Nahe  stehende  Observations-Korps  hegte,  so 
beschloss  er,  den  Angriff  auf  Pichegru's  Truppen  ohne  Unter- 
brechung fortzusetzen  und  den  Weg  zum  Mannheimer  Brückenkopf 
mit  Gewalt  zu  öffnen. 

Noch  am  13.  wurde  der  linke  französische  Flügel  durch  die 
Avantgarde  angegriffen  und  Türkheim  genommen.  Am  Morgen  des 


1795 


283 


14.  November  marschirtc  die  offensive  Armee  gegen  den  Feind.  Im 
Centrum  rückte  F.-M.-Lt.  Staader  über  Gerolsheim  vor  und  die 
Flügelkolonnen  waren  angewiesen,  den  Erfolg  seines  Angriffs  auf 
Lambsheim  abzuwarten.  Gegen  Mittag  liess  er  dieses,  mit  Mauern 
und  Graben  umgebene  und  von  der  Division  Ferino  stark  besetzte 
Städtchen  durch  den  General  Graf  Bai  11  et  mit  dessen  Brigade 
angreifen.  Zu  gleicher  Zeit  schlugen  die  Pionniere  oberhalb  dieses 
Ortes  eine  Laufbrücke  über  den  Fuchsbach;  sobald  diese  vollendet 
war,  eilte  ein  Bataillon  hinüber,  Lambsheim  zu  umgehen,  während 
zwei  Bataillons  die  Mauern  bestürmten.  Die  Besatzung  räumte  nun 
das  Städtchen  und  zog  sich  auf  den  Haupttheil  der  Avantgarde 
zurück.  Diesen  hatte  Desaix  hinter  dem  morastigen  und  zum  Theil 
vom  Isenach-Flusse  überschwemmten  Boden  unangreifbar  aufgestellt. 
Die  Bataillone  des  General  Baillet  suchten  zwar  von  Lambsheim 
vorzudringen,  wurden  aber  durch  die  Ungangbarkeit  des  Terrains 
und  das  heftige  Feuer  des  feindlichen  Geschützes  aufgehalten.  Indess 
blieben  sie  unerschüttert  in  der  vorwärts  des  Städtchens  eingenom- 
menen Stellung  und  deckten  dadurch  den  Aufmarsch  der  übrigen 
Truppen  des  F.-M.-Lt.  Staad  er,  welche  sich  mit  Mühe  durch  das 
Defile'e  von  Lambsheim  wanden.  Es  blieb  unmöglich,  mit  der  Infan- 
terie auf  diesem  Terrain  gegen  die  feindliche  Linie  vorzudringen 
und  mit  der  Reiterei  Bewegungen  auszuführen.  Daher  begnügte  sich 
F.-M.-Lt.  Staad  er,  seine  ganze  Artillerie  auffahren  zu  lassen, 
welche  durch  ihr  wirksames  Feuer  gar  bald  die  feindlichen  Batterien 
zum  Schweigen  brachte. 

F.-M.-Lt.  Wernek  hatte  mit  der  rechten  Kolonne  eine 
Abtheilung  der  französischen  Avantgarde  aus  Weisenheim  auf  dem 
Sande  vertrieben.  Dann  rückte  er  gegen  den  Fuchsbach  und  jagte 
Desaix  Truppen,  die  Freinsheim,  und  jene  Ferinos,  welche  die  Ers» 
heimer-Mühle  besetzt  hielten,  in  die  Flucht.  Nachdem  das  Centrum 
Lambsheim  erobert  hatte,  liess  F.-M.-Lt.  Wernek  unter  dem 
heftigsten  Feuer  des  Feindes  eine  Laufbrücke  über  den  Isenay-Fluss, 
in  der  Nähe  von  Erpolsheim  schlagen,  und  über  dieselbe  das 
Grenadier-Bataillon  St.  Julien  und  vier  Eskadrons  gehen.  Aber  auch 
hier,  sowie  im  Centrum,  hinderte  das  sehr  durchschnittene  und  von 
den  Franzosen  wohlbesetzte  Terrain  das  Vordringen  der  Oester- 
reicher und  beschränkte  dieselben  auf  die  Wirkungen  ihres  Ge- 
schützes.  Die  Kanonade  endete  erst  mit  Einbruch  der  Nacht. 


284 


1JJ>5 


Wernek  mit  dem  rechten  Flügel  der  Armee  blieb  am  Fuchsbache 
und  Isenach-Flusse  stehen  und  rQhmte  in  seiner  Relation  »die  ausser- 
ordentliche Standhaftigkeit  seiner  Truppen,  mit  welcher  sie  in  dem 
„ heftigsten  feindlichen  Kanonenfeuer  gestanden."  Die  Grenadier- 
Division  des  Regiments  zählte  7  Todte  und  21  Verwundete. 

In  der  Nacht  vom  14.  auf  den  15.  November  setzte  der  Ober- 
general Pichegru,  welcher  bedeutende  Verluste  erlitten  hatte, 
seinen  Rückzug  über  Mutterstatt  hinter  den  Rehbach  fort.  Die 
erwähnten  Terrainhindernisse  dieser  Gegend,  in  welchen  die  Fran- 
zosen alle  Brücken  abgebrochen  hatten,  sowie  auch  das  Dunkel  der 
Nacht  selbst,  sicherten  diese  Bewegungen  der  Franzosen  vor  jeder 
Beunruhigung  von  Seite  der  Oesterreicher. 

Durch  den  Verlust  von  Kaiserslautern  war  die  französische 
Linie  hinter  dem  Speierbache  in  ihrer  linken  Flanke  bedroht. 
Pichegru  räumte  diese  in  der  Nacht  vom  IG.  auf  dem  17.  und 
zog  hinter  die  Queich.  Die  Reiterei  der  österreichischen  Avant- 
garde war  mit  Tagesanbruch  des  17.  den  Franzosen  nachgezogen, 
hatte  37  Munitionskarren  und  viele  Bagagen  erbeutet,  sowie  150  Mann 
gefangen.  Der  ganze  Verlust,  welchen  Pichegru  in  den  Gefechten 
an  der  Pfrim  und  bis  an  die  Queich  vom  10.  bis  17.  November 
erlitten,  betrug  8000  Mann,  22  Kanonen  und  100  Munitionskarren. 

Am  17.  rückte  F.  -  M.  -  Lt.  Wernek  auf  die  Höhe  von 
Ruppertsberg  am  Marlachbache  vor,  um  den  nach  Neustadt  an  der 
Hart  vorgedrungeneu  General  Kray  zu  unterstützen,  dann  am  19. 
mit  7  Grenadier-Bataillons,  dabei  St.  Julien,  12  Eskadrons  und 
einiger  leichter  Infanterie  von  der  Avantgarde  nach  Hochstätten.  Er 
hatte  den  Auftrag,  mit  General  Nauendor f  vereint,  Anweiler 
zu  nehmen  und  durch  weiteres  Vordringen  Pichegru 's  Stellung 
im  Rücken  zu  bedrohen.  Der  Feldmarschall  wollte  diese  Operation 
mit  der  Hauptarmee  durch  Demonstrationen  gegen  Landau  und  die 
Queich  unterstützen.  G.  d.  K.  W  u  r  m  s  e  r  sollte  hiezu  mitwirken, 
welcher  aber  diess  mit  der  Entschuldigung  ablehnte,  dass  er  seine 
Truppen  bei  den  ganz  verdorbenen  uufahrbaren  Wegen  im  Hundsrück 
nicht  ernähren  könne.  Indem  auch  eben  jetzt  anhaltendes  Regen- 
wetter eingetreten  war,  welches  die  ohnehin  elenden  Strassen  jener 
Gegenden  ganz  unbrauchbar  machte,  sah  sich  Feldmarschall  Clerfait 
genöthigt,  die  Vorrückung  nach  dem  Auweiler-Thale  uud  die  davon 
abhängenden  Bewegungen  einzustellen.    Am  22.  November  führte 


17JMJ-1797. 


285 


F.  -  M.  -  Lt.  Wernck  seine  Truppen  von  Hochstatten  zur  Haupt- 
armec  zurück,  welche  nun  ganz  in  enge  Kantonnimngen  am  Rehbach 
und  Frankenthalerbache  vertheilt  wurde. 

Am  23.  kapitulirten  10.000  Franzosen  in  Mannheim,  welches 
nun  von  den  Truppen  Wurms  er 's  besetzt  wurde.  F.-M.-Lt.  Wer- 
nek  brach  am  20.  mit  7  Bataillons,  dabei  St.  Julien,  und  G  Eska- 
drons  nach  Alzey  auf,  wo  er  sich  am  27.  als  ein  Reserve- Korps 
aufstellte,  das  dann  den  Umständen  gemäss  entweder  nach  Kreutz- 
nach  oder  nach  Kirchheim -Boland  verwendet  werden  konnte;  der 
Feldmarschall  marschirte  an  demselben  Tage  mit  der  Hauptarmee 
gegen  die  Nahe.  Nun  fielen  noch  mehrere  Gefechte  vor,  welche  zu 
Gunsten  der  Oesterreichor  endeten,  dann  erschien  am  18.  Dezember 
der  franzosische  General  Marc e an  bei  den  österreichischen  Vor- 
posten und  trug  einen  Waffenstillstand  an,  worauf  die  Feindseligkeiten 
bis  22.  eingestellt  wurden;  am  20.  Dezember  unterzeichnete  F.-M.-Lt. 
Graf  Latour  und  General  Desaix,  beide  im  Namen  ihrer  Ober- 
feldherren, einen  Waffenstillstand  von  unbestimmter  Dauer  gegen 
zehntägige  Aufkündigung;  ein  gleicher  Vertrag  wurde  am  27.  von 
den  Generalen  Kray  und  Marceau  unterzeichnet.  Hierauf  wurden 
die  Winterquartiere  bezogen;  das  Grenadier- Bataillon  St.  Julien  kam 
nach  Mannheim  unter  das  Kommando  des  General  Baader.  F.-M. 
Graf  Clerfait  verliess  mit  Urlaub  die  Kaiserliche-  und  Reichs- 
Armee;  F.-Z.-M.  Graf  Wartensleben  übernahm  das  Kommando 
des  kaiserlichen  Heeres.  Clerfait  kehrte  zu  den  Gefährten  seiner 
Siege  nicht  mehr  zurück  und  schon  1708  endete  sein  thaten- 
reiches  Leben. 


General  Napoleon  Buonaparte  hatte  im  Oktober  1795 
den  in  Paris  gegen  den  Konvent  ansgebrochenen  Aufstand  mit  Kar- 
tätschen niedergeworfen,  worauf  der  Konvent  am  26.  abdankte  und 
an  seine  Stelle  das  gemässigtem  Direktorium  trat.  Die  furchtbaren 
Leidenschaften  der  Revolution  waren  erloschen,  die  Kriegslust  schien 
in  Frankreich  abgenommen  zu  haben  und  das  Jahr  1700  begann 
mit  Friedensunterhandlungen.   Den  französischen  Heeren  mangelten 


28G 


17fM-1707. 


überall  jene  Elemente,  welche  die  Bestandteile  der  Armee  sichern: 
Geld,  Lebensmitteln,  Kleidung  und  Waffen.  Insbesondere  war  das 
französische  Heer  in  Italien  dem  unbeschreiblichsten  Elende  preis- 
gegeben. Dasselbe  stand  42.000  Mann  stark,  in  den  letzten  Tagen 
des  Monats  Marz  in  der  Grafschaft  Nizza. 

In  nicht  riel  besserer  Lage  befand  sich  aber  auch  das  öster- 
reichische Heer,  dessen  Befehl  am  17.  März  der  Feldzeugmeister 
Baron  B  e  a  u  1  i  e  u  übernahm.  Die  Stärke  desselben  betrug  Ende  März 
32.000  Mann  mit  5000  Reitern  und  148  Geschützen. 

Das  dritte  Bataillon  des  Regiments  war  am  7.  Jänner  in  Lodi 
eingetroffen  und  hier  in  die  Brigade  General  Roselmini,  Division 
F. -M. -Lt.  Graf  Argente  au,  eingetheilt  worden.  Bald  darauf 
marschirte  dasselbe  nach  Mailand  und  besetzte  das  Castell. 

Das  Offiziers  -  Korps  bestand  aus: 


Major  Ludwig  Baron  do  lo  Bis  vi  er. 


Hauptleute 

Lieutenant 

Fähnrich 

Ob«r- 

Unter- 

Joh.  de  Fontenet 

Philipp  v.  Mertloch 

Fl*.  Kosteletzky 

Heiurich  du  Jardin 
Josef  Br.  Renette 

Georg  Wallek 

Mathias  Schmidt 

Hippolit  Meyer 

Friedrich  Scholz 

Ludwig  Margo 

Adalbert  Catty 

Johann  Schwarz 

Nepomuk 
Baron  Wöber 

Kajetan  Petteneck 

Emanuel  Gerger 

Martin  Wenzel 

Ignaz  v.  Splavsky      Nikolaus  Klipp 

Johann  Mullak 

Ferd.  Wittum 

1184  Mann,  9  Kanoniere,  15  Artillerie-Handlanger,  10  Fubrkncchte. 


Bei  der  französischen  Armee  war  Napoleon  Buonaparte 
als  Ober -General  angelangt  und  clektrisirte  schon  in  den  ersten 
Tagen  seine  im  trostlosen  Zustande  befindlichen  Truppen.  B  e  a  u  1  i  e  u, 
welcher  sein  Hauptquartier  in  Acqui  aufgeschlagen  hatte,  fasste  in 
den  ersten  Tagen  des  Monats  April  den  Plan,  die  Franzosen,  welche 
mit  ihrem  rechten  Flügel  immer  mehr  gegen  Genua  und  darüber 
hinaus  sich  ausbreiteten,  mit  dem  linken  Flügel  der  österreichischen 
Armee  anzugreifen  und  so  den  Feind  gegen  sein  Centrum  zurück- 
zuwerfen, 


1976-1797. 


287 


Die  Truppen  in  der  Lorabardie,  dabei  das  dritte  Bataillon 
waren  seit  vierzehn  Tagen  in  Bewegung,  um  sich  aus  den  Winter- 
quartieren in  die  neuen  Stellungen  zu  begeben.  F. -M. -Lt.  Argen- 
te au  liess  vier  Bataillone  des  von  ihm  befehligten  rechten  Flügels 
der  k.  k.  Armee  in  das  Thal  der  östlichen  Bormida  rücken.  General 
Kuccavina  mit  zwei  Bataillons  kam  nach  Dego,  das  dritte  Bataillon 
Teutschmeister  nach  Spino.  —  Provido,  St.  Giulia  und  Monte  alto, 
wurden  jedes  mit  zwei  Kompagnien  besetzt.  Die  französischen  Vor- 
posten standen  dort  vom  Monte  Bra  bis  Cadibona;  ihre  Patrouillen 
gingen  bis  nahe  an  das  von  seinen  Einwohnern  verlassene  Dorf 
Montenotte. 

F.-Z.-M.  Baron  Beaulieu  wurde  durch  die  Vorrückung  des 
französischen  rechten  Flügels  über  Voltri  gegen  Genua  bewogen, 
auf  dem  rechten  Flügel  seiner  Armee  die  Zurückziehung  des  General 
Ruccavina  mit  seinen  vier  Bataillons  aus  dem  Bormida  -  Thale 
zu  beschliessen. 

Am  31.  befahl  er,  dass  vier  Bataillone  des  k.  k.  Auxiliarkorps 
unter  F.-M.-Lt.  Provera  in  die  Bormida  -  Thäler  rücken  und 
die  Brigade  Ruccavina  ablösen  sollen,  was  erst  am  6.  April  aus- 
geführt war. 

Am  3.  April  setzten  sich  mehrere  tausend  Franzosen  gegen 
die  Vortruppen  des  k.  k.  rechten  Flügels  in  Bewegung,  wovon  sich 
zwei  Kolonnen,  jede  von  1000  Mann,  bei  Montenotte  auf  dem  Gebirgs- 
rücken gegen  Dego  zeigten.  Zur  Verteidigung  dieses  Postens  waren 
zunächst  nur  zwölf  Kompagnien  vorhanden.  Argenteau  verlegte 
sein  Quartier  von  Aqui  nach  Spigno,  vier  Stunden  hinter  Dego,  um 
diesem  bedrohten  Punkte  näher  zu  sein.  Die  Bataillone  der  Brigade 
Ruccavina  wurden  mehr  zusammengezogen  und  mussten  zu  Dego's 
Unterstützung  in  steter  Bereitschaft  sein.  Die  übrigen  Bataillone 
dieser  Division  bewachten  die  Annäherungswege  von  Paretto,  Sassello, 
Ovada  u.  s.  w. 

Am  G.April  kam  F.-M.-Lt.  Provera  mit  seinen  vier 
Bataillonen  im  Bormida-Thale  an  und  zog  mit  denselben  eine  Linie, 
rechts  bis  an  die  piemontesische,  links  bis  an  die  kaiserliche  Armee. 
Die  von  diesen  Truppeu  abgelöste  Brigade  Ruccavina  marschirte  links 
nach  Sassello  ab.  Da  Provera  kein  Geschütz  mit  sich  gebracht 
hatte,  so  musste  Ruccavina  die  Kanonen  seiner  Brigade  in  Dego 
zurücklassen. 


288 


1700  -  1797. 


Am  7.  rekognoszirte  Massena  den  Montenotte  und  stellte 
seine  Vorposten  bei  Gallina  auf.  R  u  c  c  a  v  i  n  a  war  mit  seiner 
Brigade  in  ihrer  neuen  Stellung  bei  Sassollo,  la  Maddalena  und 
Ca  di  Cravin  eingetroffen  und  meldete  am  8.  früh,  dass,  wenn 
Dego  angegriffen  werde,  er  bei  den  engen  und  schlechten  Wegen 
acht  Stunden  brauchen  würde,  um  diesem  Posten  zu  Hilfe  zu 
kommen. 

Die  noch  zu  Argentean's  Division  gehörigen  Bataillone  waren 
am  0.  April  endlich  eingetroffen ,  worauf  die  Brigade  Ruccavina 
von  Sassello  wieder  rechts  in  das  Bormida  -  Thal  nach  Dego 
marsch  irte. 

Am  11.  April  ergriff  F.-M. -Lt.  Argenteau  die  Offensive, 
vertrieb  den  Feind  aus  Montenottc  und  bezog  um  7  Uhr  abends  eine 
Stellung  auf  dem  Monte  Bra,  während  die  Franzosen  die  Redouten 
auf  dem  Monte  Legino,  welche  Freiwillige  vergebens  gestürmt  hatten, 
besetzt  hielten.  In  der  Nacht  auf  den  12.  umhüllte  ein  dichter  nasser 
Nebel  das  ganze  Gebirge,  so  dass  die  Vorposten  nicht  einmal  die 
Feuer  des  Feindes  entdecken  konnten.  Buon  aparte  hatte  den 
grössten  Theil  seiner  Streitmacht  seit  dem  Abend  in  die  Apenninen 
vorgeschickt  und  liess  am  12.  vormittags,  als  die  Sonne  den  Nebel 
durchbrach,  die  kaiserliche  Stellung  von  verschiedenen  Seiten  mit 
bedeutender  Uebermacht  angreifen. 

F.  -M.  -Li  A  r  g  e  n  t  e  a  u  ordnete,  sobald  er  sich  von  einer  so 
überlegenen  Macht  angegriffen  sah,  den  Rückzug  an.  Die  öster- 
reichischen Bataillone  fochten  mit  ausgezeichneter  Tapferkeit,  mussten 
aber  unter  immerwährenden  Kämpfen  von  den  Franzosen  lebhaft  ver- 
folgt bis  Mioglia  und  Paretto  zurückweichen.  Buon  aparte  rückte 
nach  diesem  ihm  nicht  schwer  gewordenen  Siege  in  den  Thälern 
der  beiden  Bormida's  vor. 

Pro vera,  welcher  am  12.  April  in  Salicetto  und  Camerona 
stand,  erhielt  von  seinen  Vorposten  die  Nachricht,  dass  der  Feind 
in  starken  Kolonnen  von  drei  Seiten  anrücke,  marschirte  sogleich 
nach  Cossaria  und  besetzte  die  Umgebung  und  die  Ruinen  dieses 
Schlosses. 

Am  18.  mit  Anbruch  des  Tages  drangen  die  Franzosen  durch 
die  Schluchten  bei  Millesimo  und  griffen  Pro  vera  mit  grösstem 
Ungestüm  und  vielfacher  Uebermacht  an.  Nach  einer  äusserst  ruhm- 
vollen Verteidigung  und  nachdem  das  Schloss  von  11.000  Fran- 


1796-1797 


289 


zosen  umrungen  war,  musste  sich  Provera  am  14.  ergeben; 
die  Franzosen  hatten  2  Generale  und  600  Mann  verloren. 

Das  in  Spigno  kantonnirende  Bataillon  Teutschmeister  und  die 
beiden  sardinischen  Bataillons  Montferat  erhielten  von  Argenteau 
am  13.  April  um  0  Uhr  abends  datirten  Befohl  Ober  Monte  alto 
vorzurücken,  um  Dego  zu  unterstützen,  wenn  der  Feind  sich  gegen 
diesen  Punkt  wenden  würde.  Sie  traten  am  14.  um  3  Uhr  morgens 
den  Marsch  nach  Monte  alto  an,  wahrend  Massena  schon  am  13. 
mit  seiner  Division  gegen  Dego  im  Marsch  begriffen  war.  Aber  die 
unerwartete  Verteidigung  von  Cossaria  bewog  Buonaparte  diese 
Division  nach  Cairo  zurückzuziehen  und  erst  als  Augereau  am 
14.  vormittags  dieses  Schloss  wirklich  in  Besitz  genommen  hatte, 
wendete  sich  die  ganze  französische  Macht  gegen  Dego.  Die  Division 
Massena  marschirte  am  rechten  (Ter  der  östlichen  Bormida,  um  Dego 
auf  dessen  linker  Seite  zu  umgehen.  Die  Division  Augereau  entsendete 
einen  Theil  ihrer  Truppen  auf  den  Riieken  von  Cossaria  gegen 
St.  Giulia;  diese  suchten  die  bei  Dego  aufgestellten  Oesterreicher 
auf  der  rechten  Flanke  zu  umgehen,  denselben  in  den  Rücken  zu 
fallen,  sich  des  Weges  von  Dego  nach  Spigno  zu  bemächtigen  und 
so  der  Besatzung  von  Dego  den  Rückzug  abzuschneiden.  Den  Angriff 
auf  der  Fronte  hatte  General  La  Harpe  auszufahren. 

Die  Gefahr,  welche  Dego  bedrohte,  bewog  den  F.-M.-Lt.  Argen- 
teau, wie  schon  gesagt,  das  Bataillon  Teutschmeister  und  die  zwei 
Bataillons  Montferat  zur  Vorrückung  zu  beordern  und  ertheilte  auch 
dem  Obrist  Vukassevich  den  Befehl  von  Sassello  gegen  Ponte 
Ivrea  und  Giuvalla  vorzurücken.  Eine  Irrung  im  Datum  war  jedoch 
Ursache,  dass  diese  ansehnliche  Verstärkung  leider  nicht  eintraf. 

Am  14.  gegen  Mittag  erhielt  A r gen t eau  die  Nachricht,  dass 
der  Feind  sich  gegen  Cairo  zurückgewendet  habe  und  also  wahr- 
scheinlich den  k.  k.  rechten  Flügel  nicht  länger  bedrohe.  Doch  um 
2  Uhr  wurde  ein  grosser  Rauch  bei  Dego  bemerkt  und  auch 
feuern  gehört.  Zwei  schwache  Bataillone  der  Regimenter  von  Nr.  39 
und  49  leisteten  hier  heldenmüthigen  Widerstand. 

Das  3.  Bataillon  Teutschmeister  mit  den  beiden  piemontesischen 
Bataillons  Montferat  hatten  gegen  10  Uhr  den  Monte  alto  erreicht 
und  erwarteten  hier  die  weiteren  Befehle.  Am  Mittag  tönte  heftiger 
Kanonendonner  von  Dego  herüber,  und  als  bis  2  Uhr  kein  Befehl 
zum  Vorrücken  eintraf,  dagegen  das  Feuer  mit  gleicher  Heftigkeit  fort- 


200 


17JW  1707. 


währte,  liess  Major  Baron  de  le  B 1  a  v  i  e  r  die  Waffen  ergreifen  und 
rückte  im  Eilschritte  gegen  die  Anhöhen  von  Dego.  Dort  angelangt, 
marschirte  das  Bataillon  auf  piner  Anhöhe  in  Front  auf  und  eröffnete 
ein  heftiges  Bataillefeuer  gegen  die  auf  der  jenseitigen  Anhöhe  auf- 
gestellten Franzosen,  welche  dasselbe  energisch  erwiderten.  Dieser 
•  Kampf,  unterstützt  von  den  beiden  piemontesischen  Bataillonen, 
währte  bereits  ohne  Unterbrechung  eine  Stunde,  als  die  Franzosen 
in  starker  Anzahl  über  eiue  seitwärts  liegende  Höhe  in  die  linke 
Flanke  dieser  Truppen  vorrückten.  Die  genannten  drei  Bataillons 
hatten  schon  beinahe  alle  Patronen  verfeuert  und  da  sie  nun  der 
augenscheinlichen  Gefahr  ausgesetzt  waren,  abgeschnitten  zu  werden, 
traten  sie  in  guter  Ordnung  fechtend  den  Rückzug  an.  Die  Fran- 
zosen drängten  sogleich  ungestüm  nach,  wodurch  die  Ordnung  der 
Retirirenden  verloren  ging.  In  diesem  kritischen  Momente  führte 
F. -M.-Lt.  Argenteau  ein  Bataillon  der  Regimenter  Nr.  16  und 
26  mit  klingendem  Spiele  dem  Feinde  entgegen.  Die  schon  auf- 
gelösten Kompagnien  von  Teutschmeister  sammelten  sich  trotz  des 
heftigen  feindlichen  Feuers  sogleich  wieder,  griffen  im  Verein  mit 
obigen  beiden  Bataillons  den  Feind  herzhaft  an,  warfen  ihn  und 
eroberten  eine  stehen  gebliebene  Kanone  zurück. 

Der  Feind  wurde  bis  an  eine  Bergspitze,  wo  er  sich  in  grosser 
Anzahl  sammelte,  verfolgt,  aber  nun  brach  die  feindliche  Division 
Massena  vor  und  warf  durch  ungestümen  und  der  Menge  wegen 
unwiderstehlichen  Angriff,  die  Bataillons  über  den  Haufen.  Jetzt 
war  au  eine  Rettung  des  Postens  Dego  selbst  durchaus  nicht  mehr 
zu  denken.  Das  Einzige,  was  noch  zu  erreichen  übrig  blieb,  war, 
den  Rückzug  mit  möglichst  geringem  Verluste  auszuführen.  Aber 
auch  hierzu  liess  der  Feind  keine  Zeit,  sondern  verfolgte  die  Bataillone 
mit  seiner  Reiterei  mit  grösstem  Nachdrucke  bis  Monte  alto,  wo 
die  Nacht  dem  Gefechte  und  der  Verfolgung  ein  Ende  machte. 

Auf  diesem  Rückzüge,  wo  es  bei  der  eingerissenen  Unordnung 
und  dem  fortwährenden  Drängen  der  feindlichen  Kavallerie  beinahe 
unmöglich  war  Widerstand  zu  leisten,  hatte,  wie  F. -M.-Lt.  Argen- 
teau in  seiner  Relation  ddto.  Acqui,  am  16.  April  1796  sagt:  „der 
„Herr  Obristwachtnieistcr  Blavier  von  Teutschmeister,  obgleich 
„verwundet,  bei  dieser  Gelegenheit  sehr  viel  Eifer  und  Bravour 
„gezeigt,  sein  Bataillon  vorgeführt  und  alles  zum  Besten  des  Dienstes 
„angewendet  und  beigetragen/ 


179«  1707 


201 


Der  Vertust  des  Bataillons  bestand  an  Todten  57,  Verwundeten 
92  Mann;  Gefangenen:  Hauptmann  Ludwig  v.  Margo,  Kapitän- 
lieutenant Ignaz  v.  Splavsky,  Oberlieutenant  Philipp  v.  Mertloch, 
Hyppolit  M  e  y  e  r,  Lieutenant  Johann  M  u  1 1  a  k,  Mathiaa  Schmidt, 
Martin  Bruder,  Fähnrich  Ferdinand  Wittum,  Franz  Koste- 
letzky  und  277  Mann  vom  Feldwebel  abwärts,  unter  diesen  waren 
die  meisten  verwundet. 

Am  folgenden  Tage  erschien  Yukassevich  mit  seinen  fünf 
Bataillons  auf  dem  Kampfplatze,  warf  die  schon  siegesgewissen 
Franzosen  von  Position  zu  Position,  eroberte  sogar  Dego  und  die 
dabei  befindlichen  Schanzen  mit  19  Kanonen  und  machte  Ober 
500  Gefangene.  Ein  neuer  Angriff  der  Franzosen  wurde  glänzend 
abgeschlagen,  bis  General  Buonaparte  zwei  frische  Halb-Brigaden 
in  den  Kampf  sendete,  welche  aber  ebenfalls  kein  Terrain  gewannen. 
Endlich  von  der  ganzen  französischen  Armee  angefallen,  unterlag  der 
tapfere  Vukassevich  mit  seinen  heldenmüthigen  Truppen,  von 
denen  sich  nur  ein  kleiner  Theil  zurückziehen  konnte,  die  aber  doch 
300  Gefangene  mitbrachten. 

Argenteau  hatte,  obwohl  unverfolgt,  seinen  ßückzug  nach 
Terzo  und  Acqui  fortgesetzt.  F.-Z.-M.  Beaulieu  sah  sich  durch 
die  Niederlage  seines  rechten  Flügels  gezwungen,  seinen  linken 
Flügel  über  die  Bochetta  zurückzuziehen  und  eine  Stellung  bei  Acqui 
zu  nehmen,  um  in  dieser  die  durch  die  letzten  Gefechte  zerstreuten 
Truppen  zu  sammeln.  Das  Bataillon  Teutschmeister  war  durch  die 
erlittenen  Verluste  so  im  Stande  herabgekomraen,  dass  es  als  selbst- 
ständiger Körper  nicht  mehr  existiren  konnte,  und  wurde  daher  unter 
Kommando  des  Hauptmanns  Fontenet  anderen  Truppenkörpern 
angeschlossen. 

Beaulieu  führte  von  Acqui  die  Armee  am  2.  Mai  bei  Valenza 
über  den  Po  und  am  8.  bei  Pavia  über  den  Ticino,  um  sich  hinter 
diesem  Fluss  auf  die  Defensive  zu  beschranken.  Hier  zersplitterte 
er  aber  seine  20.600  Mann  Infanterie  und  5500  Reiter  zählende 
Streitmacht  auf  eine  Kordonstrecke  von  fünfzehn  deutschen  Meilen, 
wodurch  es  Buonaparte  leicht  wurde,  am  7.  bei  Piacenza  den  Po 
zu  überschreiten  und  den  General  Liptay  aus  Fombio  und  Codogno 
gegen  Pizzighettone  zu  drängen.  Die  kaiserliche  Armee,  in  kleine, 
*<it  1 1  ff r  feiih  (istftinfe  Koijs  un  Codogno  üler  Paua  Iis  Bufla- 
lora  aufgelöst,  war  nun  auf  ihrem  linken  Flügel  umgangen,  die 

19* 


202 


1790-1707. 


feindliche,  weit  überlegene  und  konzeutrirte  Armee  im  ununterbrochenen 
Anmärsche  über  den  Po.  Der  Feldzeugmeister  hielt  es  daher  für  das 
Beste,  seine  zerstreuten  Kräfte  auf  eine  neue,  rückwärts  liegende 
Linie,  dieAdda,  zu  konzentriren.  Eilboten  wurden  nach  allen  Richtungen 
abgeschickt,  um  den  Truppen  den  Befehl  zum  eiligsten  Rückzug  nach 
Lodi  zu  überbringen,  wohin  er  selbst  mit  10  Bataillonen  und  10  Es- 
kadronen abrückte.  Kaum  am  9.  dort  angekommen,  Hess  er  F.-M.-Lt. 
Sebottendorf  mit  vier  Bataillonen  zurück,  um  die  noch  übrigen 
Arraeetheile  aufzunehmen  und  die  Brücke  über  die  Adda  zu  ver- 
theidigen,  während  er  selbst  mit  dem  Reste  nach  Crema  marschirte. 

In  der  Zwischenzeit  hatte  Buon aparte  die  Piemontesen  ge- 
schlagen und  zum  Frieden  gezwungen. 

F.-M.-Lt.  Sebottendorf  Hess  um  11  Uhr  vormittags  am 
10.  Mai,  nachdem  der  grösste  Theil  der  noch  im  Rückzug  begriffenen 
Truppen  Lodi  erreicht  hatte,  seine  8535  Manu  starke  Division  auf- 
marschiren.  Die  Reste  des  dritten  Bataillons  Teutschmeister  befanden 
sich  hier  bei  dem  Regiment  Nr.  IG.  Sebottendorf  entsendete 
einen  bedeutenden  Theil  seiner  Truppen;  1958  Mann  nach  Corte 
di  Palasio,  um  die  Strasse  nach  Crema  zu  decken  und  1092  Mann 
eine  halbe  Stunde  hinter  Lodi,  nach  Fontana,  um  die  Division,  wenn 
sie  den  Rückzug  von  Lodi  autrat,  aufzunehmen.  Ein  Bataillon  und 
zwei  Eskadronen  stellte  er  auf  dem  rechten  üfer  vor  die  Stadt,  um 
die  noch  immer  eintreffenden  einzelnen  Abtheilungen  und  die  Nach- 
zügler aufzunehmen.  Es  wurde  keine  Vorkehrung  getroffen,  um  beim 
Anrücken  des  Feindes  die  Brücke  zu  zerstören.  Drei  Bataillone  Kroaten 
und  14  Kanonen  wurden  in  einer  Linie  bei  der  Brücke  am  linken 
üfer,  die  noch  Übrigen  fünf  Bataillons  und  sechs  Eskadrons  einige 
hundert  Schritte  hinter  den  Kroaten  aufgestellt.  Die  Truppen  waren 
durch  den  nächtlichen  Eilmarsch  von  fflnf  deutschen  Meilen,  auf 
dem  sie  keine  Nahrung  hatten  zu  sich  nehmen  können,  sehr  er- 
schöpft, und  da  man  keinen  Grund  zu  haben  glaubte,  einen  ernst- 
lichen Angriff  von  einer  bedeutenden  feindlichen  Macht  zu  erwarten, 
wurden  die  nöthigen  Anstalten  zum  Abkochen  getroffen. 

General  Buonaparte,  welcher  beschlossen  hatte,  um  jeden 
Preis  noch  am  10.  Mai  die  Brücke  bei  Lodi  zu  nehmen,  war  mittler- 
weile mit  24.000  Mann  im  Anzüge.  Um  halb  12  Uhr  erschien  seine 
Avantgarde  vor  Lodi  und  griff  sogleich  das  auf  dem  rechten  üfer 
stehen  gebliebene  Bataillon  an.  Dieses  konnte  dem  heftigen  Andränge 


17M-1797. 


293 


der  französischen  Grenadiere  nicht  lange  widerstehen,  und  zog 
sich  durch  die  Stadt  unter  dem  Schutze  der  jenseits  aufgestellten 
österreichischen  Geschütze  über  die  Brücke  auf  das  linke  Ufer 
zurück.  Das  wirksame  Kanonenfeuer  hielt  die  Franzosen  im  Nach- 
dringen auf. 

Durch  diesen  schnellen  und  unerwarteten  Andrang  des  Feindes 
wurde  die  mit  dem  Abkochen  beschäftigte  Division  überrascht  und 
gegen  die  Absicht  des  Generals  in  ein  Gefecht  verwickelt.  Sebotten- 
dorf  fand  es  nicht  für  rathsam,  sieh  am  Tage  zurückzuziehen  und 
entschloss  sich  daher  durch  fortgesetzten  Widerstand  die  Nacht  zum 
Ahmarsch  zu  gewinnen.  Allein  die  Ufer  der  Adda  bei  Lodi  sind  so 
beschaffen,  dass  auf  dem  linken  kein  erfolgreicher  Widerstand  ge- 
leistet werden  kann.  Buonaparte  Hess  nun  die  ganze  französische 
Artillerie  auffahren,  besonders  um  die  Oesterreicher  zu  hindern  an 
der  Zerstörung  der  Brücke  zu  arbeiten.  Diese  Artillerie  stellte  sich 
grösstenteils  auf  die  Wälle  von  Lodi,  von  wo  aus  sie  das  kaiser- 
liche Geschütz  noch  mehr  beherrschte.  Eine  heftige  Kanonade  be- 
gann und  währte  ununterbrochen  einige  Stunden. 

Unterdessen  traf  die  französische  Division  Massena  zu  Lodi 
ein.  Buonaparte  Hess  den  Truppen  Zeit,  sich  von  dem  beschwer- 
lichen Eilmarsche  zu  erholen  und  mit  dem  requirirten  Wrein  zu  dem 
bevorstehenden  Kampf  zu  stärken.  Nach  6  Uhr  wurden  sämmtliche 
französische  Grenadiere,  hinter  dem  an  der  Adda  fortlaufenden  Walle 
gedeckt,  zum  Angriff  der  Brücke  aufgestellt;  die  ganze  Division 
Massena  hatte  dieselben  zu  unterstützen. 

Gegen  7  Uhr  abends  verdoppelte  die  französische  Artillerie  die 
Lebhaftigkeit  ihres  Feuers  und  unter  dem  Schutze  desselben  drangen 
die  Grenadiere  gegen  die  Brücke  vor.  Das  Kartätschenfeuer  der 
österreichischen  Geschütze  streckte  die  Franzosen  haufenweise  nieder 
—  die  Spitze  der  Kolonne  stutzte  und  hielt  plötzlich  in  ihrem  Laufe 
dort  au,  wo  sie  am  meisten  dem  Feuer  der  Vertheidiger  ausgesetzt 
war.  Doch  bald  ermannte  sie  sich  wieder,  indem  sich  fünf  Generale 
an  ihre  Spitze  stellten.  Von  dem  Drucke  der  hintern  Abtheilungen 
fortgestossen,  erreichte  die  Masse  im  vollen  Laufe  bald  die  Mitte 
und  über  Leichenhaufen  ihrer  vordersten  Reihen,  auch  das  Ende  der 
Brücke.  Eine  Menge  Tirailleurs  hatten  sich  in  die  Inseln  der  Adda, 
zu  beiden  Seiten  der  Brücke  geworfen  und  unterstützten  den  Angriff 
durch  lebhaftes  Feuer. 


204 


179«  1797. 


Das  Überlegeue  Feuer  der  ganzen  französischen  Artillerie,  von 
dem  beherrschenden  Ufer  und  den  Wällen  Lodi's,  sowie  jenes  der 
Tirailleurs,  hatte  die  drei  Kroaten  -  Bataillone  stark  gelichtet  und 
erschüttert,  als  nun  endlich  die  französischen  Grenadiere  so  schnell 
und  durch  das  Kanonenfeuer  unaufgehalten  über  die  Brücke  drangen, 
geriethen  diese  Bataillons  in  Unordnung  und  zogen  sich  zurück. 

Hinter  dieser  ersten  Linie  stand  F.-M.-Lt.  Baron  Sebo tt en- 
do r  f  mit  fünf  Bataillons  als  Rückhalt.  Die  französischen  Grenadiere, 
3500  Mann  stark,  stürzten  sich  nun  schnell  auf  diese  zweite  Linie, 
während  die  im  Laufe  über  die  Brücke  folgenden  Truppen  Massena's 
sich  auf  beiden  Seiten  ausbreiteten,  um  das  schwache  österreichische 
Korps  zu  umfangen.  Diesem  blieb  nun  nichts  übrig,  als  sich  schnell 
zurückzuziehen.  Das  Regiment  Terzy  Nr.  16,  dabei  das  Bataillon 
Teutschmeister,  machte  mit  einigen  Kanonen  die  Arrieregarde.  Diese 
setzte  unter  Kommando  des  Obersten  Grafen  Attems,  den  An- 
strengungen des  verfolgenden  Feindes  den  entschlossensten  Wider- 
stand entgegen.  Graf  Attems  verlor  zwei  Pferde  unter  dem  Leibe, 
dann  wurde  er  selbst  verwundet  und  wenige  Minuten  später  getödtet. 
Die  Arrieregarde  war  bereits  von  mehreren  Seiten  umgangen  und 
die  ganze  Macht  der  Franzosen  konnte  sich  ganz  allein  gegen  diese 
kleine  Schaar  wenden.  Demungeachtet  vermochte  es  Buonaparte 
nicht,  den  Rückzug  dieser  Tapfern  zu  hindern.  Sechs  Eskadronen 
Uhlanen  und  Huszaren  deckten  endlich  den  Rückzug  nach  Fontana, 
wo  noch  acht  Eskadronen  aufgestellt  waren,  welche  die  retirirenden 
Bataillone  aufnahmen.  Bei  diesem,  nur  eine  halbe  Stunde  von  Lodi 
entfernten  Orte,  sammelte  sich  die  Division  Sebottendorf  und  setzte, 
nachdem  die  verfolgenden  Franzosen  durch  die  Kavallerie  zurück- 
geworfen waren,  in  einer  nach  den  Vorfällen  des  Tages  bewunderungs- 
würdigen Ordnung,  vom  Feinde  unbehelligt,  den  Marsch  auf  Crema 
fort,  welches  sie  in  der  Nacht  erreichte. 

Das  Bataillon  Teutschmeister  zählte  21  Verwundete  und  37  Ver- 
misste  vom  Feldwebel  abwärts. 

Mit  Anbruch  des  folgenden  Tages  marschirte  die  Division 
Sebottendorf  über  Sorezina  nach  Casa  buttana,  vereinigte  sich  am 
12.  Mai  bei  Cremona  mit  dem  F.-Z.-M.  Beaulieu  und  rückte  in 
das  Lager  nach  San  Lorenzo  de  Piccinardi.  Beaulieu  marschirte 
in  jenes  bei  Marcaria,  wohin  Sebottendorf  am  13.  folgte.  Am 
14.  marschirte  die  kaiserliche  Armee  in  das  Lager  bei  Rivaita  und 


171)6 -1797, 


295 


von  hier  wurde  die  Festung  Mautua  mit  einer  hinreichenden  Garnison 
und  Lebensmitteln  versehen,  um  mehrere  Monate  dem  Feinde  einen 
kräftigen  Widerstand  entgegensetzen  zu  können. 

Die  Stellung  bei  Rivaita  konnte  umgangen  werden,  daher  zog 
sich  Beaulieu  am  10.  abends  mit  der  Hauptmacht  über  den  Mincio 
in  ein  Lager  bei  Roverbclla;  23  Bataillone  marschirten  von  hier 
nach  Mantua.  Buon aparte  fand  es  für  gut,  den  Angriff  auf 
diese  Stellung  einstweilen  noch  zu  verschieben,  bis  er  sich  in  dem 
militärischen  Besitz  der  Lorabardie  einigermassen  befestiget  haben 
würde.  Die  Reste  des  3.  Bataillons  marschirten  uun  nach  Bozen  in 
Tirol,  um  sich  zu  reorganisiren  und  Verstärkungen  an  sich  zu  ziehen. 

Der  Regimentsstab  mit  den  beiden  Feld- Bataillons  hatten  sich 
während  diesem  Jahre  in  Wiener-Neustadt  neu  forniirt  und  die 
schon  voriges  Jahr  errichteten  drei  Reserve  -  Divisionen  in  ihren 
Stand  aufgenommen.  So  auf  dem  vollen  Kriegsstand  erhielt  dasselbe 
anfangs  Mai  den  Befehl  sich  marschbereit  zur  Armee  in  Italien 
zu  halten. 

Laut  Eintheilungs-Liste  bestand  das  Offiziers-Korps  aus: 
Obrist- Inhaber  Krzherzog  Maximilian,  Hoch-  und  Teutschuieister. 
ObriBt -.Regiments -Kommandant  Ignaz  Graf  Brandis. 
Obristlicutenant  Johann  von  flansch. 

1.  Major  Ludwig  Baron  de  le  Blavier,  2.  Major  Wilhelm  Beer  von 
PI  eichten.  3.  Major  Josef  Baron  Urracca  (supernuuierär). 
Adjutant  David  Franz. 

Chirnrgus  Ferdinand  Falta   


Kompagnie 

Hanptmann 

1 

i  i  e  u  t  e  n  a  n  t 

Fähnrich 

:x^-  ~  ^= 

Kapitän 

Ober- 

Unter- 

1.  Grenadier- 

Neesen 

Franz 
Graf  Coreth 

Karl  Br. 
Landenberg 

2.  Grenadier- 

Prevost 

Eberhard 
Nies 

Josef 
Br.  Sickel 

Leib- 

Adalbert 
Catti 

Nepomuk 
Schmidt 

Frz.  Kabesch 

Georg 
Graffler 

Obrist- 

Hermann 
Gerger 

Karl  Bauer 

Johann 
Albrecht 

Kaspar 
Graf  Goretti 

Obristlieut.- 

Otto 
Br.  Colletti 

Johann 
Müllöcker 

Johann 
Budkauer 

1.  Major- 

Philipp 
Mertloch 

Mathias 
Schmidt 

Josef 
Petteneck 

Leonhard 
Vanko 

2.  Major- 

Josef 
Albrecht 

Ludwig 
Br.  Stael 

~Adolf~" 
Steffens 

Franz 
Graf  Thum 

200 


179C-1797, 


H  i  11  1 1 f  lf  1  '( ! '  L 
ii  uui/l  UM  II  Jl 

Lieutenant 

Fähnrich 

Kapitän* 

Ober- 

Unter- 

Margo- 

1  .tlH  WH? 

Margo 

Ang.  Berger 

Friedr.Scholz 

Jos.  Niederer 

Fontenett- 

.Initnnn 

de  Fontenett 

Martin 

Rinder 

Franz 

Kosde7kv 

Renette- 

.1  fIKpf 
v  U8C1 

Br.  Renette 

Hvppolit 

Terzi- 

*v  all 

v.  Terzi 

Kiffel 

Frz.  Kaiser 

Heinrich 
Carovie 

Weller- 

Martin 
il  Iii  III  II 

Weller 

Josef 
Wornpr 

Nikolaus 

H  n  m  r»r  h  nfnr 

II  U  1  1  1  1    I  1  1  "  I!  [ 

Neuomuk 
Innbofer 

Petteneck- 

U  a  i  a  t  a  Ii 
I\  «IJ  e  lall 

v.  Pettenek 

Wenzel 
Fiala 

Josef 
Graf  Mohr 

Zurwesten- 

Christof 

■    IJ  I  15  IUI 

v.  Zurwesten 

Johann  Töll 

Job.  Schrott 

JAfl ftnn 

-r  v  n  11 1 1  Ii 

Br.  Delvicu 

Kcllcr- 

Wilhelm 

'»  1 1  UPI  Iii 

v.  Keller 

— 

Johann 
Hamann 

Martin 
Blankenheim 

Ma  v  imi  lian 

Neumann 

Andlau- 

Johann 
Br.  Andlau 

Alois 
Gr.  Ojata 

Frz.  Hcrvay 

Ferd.  Graf 
>V  olkenstein 

Costerus- 

Adolf 
?.  Costerus 

Johann 
Schwarz 

Georg 
Mehlführer 

Friedrich 
Gr.  Attems 

Ostovich- 

Vinccnz 
Ostovich 

Josef  Till 

Wilhelm 
Br.  Bunk 

Splavsky- 

Jgnaz 
v.  Splavsky 

Georg 
Wallek 

Ferdinand 
Wittum 

Josef 
Ellemann 

Zuchari 

Joachim 
de  Zuchari 

Konrad 
Br.  Boul 

Job.  Bauer 

Franz 
von  Wessen 

ölGO  Mann. 


Am  0.  Mai  erschien  der  Befehl  zum  Abmarsch  und  am  11. 
setzte  sich  der  Stab  mit  dem  Ohrist-,  am  12.  das  Leib  -  Bataillon 
in  Bewegimg.  Der  Marsch  ging  stationatim  ohne  Kasttage  durch 
Steiermark  und  Kärnten,  dann  aber,  da  mittlerweile  das  Venetianische 
verloren  gegangen  war  und  sich  F.-Z.-M.  Beaulieu  nach  Tirol 
zurückgezogen  halte,  durch  das  Pusterthal  nach  Bozen  in  Tirol, 
welches  am  8.  und  10.  Juni  erreicht  wurde.  Nach  zwei  Rasttagen 
marschirte  das  Übrist-  Bataillon  am  10.  nach  Meran,  11.  Schlanders 
und  am  12.  nach  TautVers,  um  den  dortigen  Pass  gegen  den  allen- 
falls aus  Graubüuden  vordringenden  Feind  zu  vertheidigen.  Zu  diesem 
Zwecke  besetzte  das  Bataillon  die  Maiser -Heide  und  das  Dorf 
Martinsbruck  im  Vereiue  mit  zahlreichen  Schützen  des  patriotischen 


171MJ-1707. 


297 


Tirolervolkes,  welche  begeistert  von  wahrer  Vaterlandsliebe  herbei» 
geeilt  waren  und  das  Bataillon  mit  Jubel  empfingen.  Das  Leib- 
Bataillon  hielt  zu  Bozen  keinen  Rasttag,  sondern  marschirte  nach 
Kaltem,  dann  nach  Revo,  Malle,  Venniglio  und  endlich  nach  Ponto 
di  Legno,  wo  dasselbe  eine  solche  Stellung  nahm,  die  ihm  gestattete, 
mit  dem  größtmöglichsten  Vortheile  dem  Feinde  den  Einbruch  von 
dieser  Seite  verwehren  zu  können. 

Kaum  in  diesen  beiden  Stellungen  angelangt,  erhielten  die 
Bataillone  den  Befehl  zurflckzumarschiren  und  Ober  Trient  in  das 
Lager  bei  Cagliano  zu  rflcken.  Beide  Bataillone  vereinigten  sich  in 
Deutschmetz  und  rOckteu  dann  vereint  unter  Obrist  Graf  Brandis 
nach  Trient. 

Bei  der  Armee  in  Deutschland  waren  im  Winter  keine  Feind- 
seligkeiten vorgefallen  und  aas  Grenadier  -  Bataillon,  welches  nun 
statt  dem  zum  Obristen  beförderten  Grafen  St.  Julien,  der  Obrist- 
lieutenant,  Maria  Theresien  -  Ordensritter,  L'Aisne  des  Iufanterie- 
Regiments  Nr.  8  befehligte,  war  ununterbrochen  in  Mannheim  ge- 
blieben. Mit  Allerhöchstem  Befehl  vom  29.  Mai  erhielt  dasselbe 
den  Befehl  mit  noch  18  Bataillons,  18  Eskadrons  und  einer  ganzen 
Artillerie  -  Reserve  über  Füssen  und  Reute  durch  Tirol  zur  italie- 
nischen Armee  zu  marschiren.  Hier  im  Juni  angelangt,  erhielt  es  die 
Einthcilung  in  die  Brigade  des  General  Graf  Spork. 

F.-Z.-M.  Beaulieu  hatte  das  Kommando  der  Armee  ad 
interim  an  F.-M.-Lt.  Ritter  Melas  übergeben;  auf  Allerhöchsten 
Befehl  übernahm  am  26.  Juni  Feldmarschall  Graf  Wurms  er  das 
Kommando  der  Armee. 

Der  Kommandant  der  Festung  Mantua  F.-M.-Lt.  Graf 
d'Yrles  hatte  in  mehreren  Schreiben  seit  Ende  Juni  vorgestellt, 
dass  er  sich  nur  mit  höchster  Anstrengung  halten  könne  und  dringend 
um  Hilfe  ersucht.  In  der  zweiten  Hälfte  Juli  wurden  seine  Bitten 
dringender  und  da  der  Feind  nun  der  Festung  mit  Stürmen,  Be- 
schiessung  und  Bombardement  immer  ernster  zusetzte,  so  wuchs  mit 
Mantua's  Gefahr  auch  die  Noth wendigkeit,  den  Entsatz  un verweilt  aus- 
zuführen. Der  Beginn  der  Operationen  wurde  daher  auf  den  29.  Juli  fest- 
gesetzt. Wurmser  theilte  hiezu  die  Armee  in  vier  Hauptkolonnen. 
Das  Grenadier-Bataillon  L'Aisne  kam  in  die  erste,  unter  F.-M.-Lt. 
Q  u  o  s  d  a  n  o  v  i  c  h,  Brigade  Spork,  das  Regiment  in  die  dritte,  unter 
F.-M.-Lt.  Davidovich,  Brigade  General  Graf  Mittrowsky. 


298 


1796 — 1797. 


Die  Kolonne  Q  u  o  s  d  a  n  o  v  i  c  h  brach  am  28.  Juli  nach  Mitter- 
nacht auf  und  marschirte  auf  einem  äusserst  beschwerlichen  Wege 
nach  Condino.  Der  grösste  Theil  des  Geschützes  war  zurückgeblieben, 
da  dasselbe  auf  den  fast  ungangbaren  Wegen  der  Kolonne  nicht 
folgen  konnte.  Von  dem  Versammlungsorte  Condino  setzte  Quos- 
d  a  n  o  v  i  c  h  noch  am  selben  Tage,  nachdem  die  gehörige  Ver- 
pflegung der  Truppen  nicht  erzielt  werden  konnte,  den  Marsch  in 
vier  Kolonnen  fort.  Die  dritte  unter  General  Graf  Spork  mar- 
schirte nach  Noza,  die  übrigen  nach  Barghi  und  Terriso.  Am  folgen- 
den Tage  rückte  Spork  mit  der  Avantgarde  nach  St.  Ossetto ; 
die  Generale  0  c  s  k  a  y  und  Ott  griffen  Salo  und  Gavardo  an  und 
vertrieben  den  Feind,  Brescia  wurde  überfallen  und  mit  grosser 
Beute  genommen.  Die  beiden  Brigaden  Spork  und  Fürst  Reuss 
vereinigten  sich  am  31.  Juli  um  0  Uhr  früh  in  Monte -Chiaro  und 
nahmen  an  den  erwähnten  Gefechten  keinen  Antheil. 

General  Ott  wagte  einen  Angriff  auf  Lonato,  wurde  jedoch 
abgewiesen  und  musste  sich  so  wie  F.-M,-Lt.  Quosdanovich 
mit  den  Brigaden  Spork  und  Rcuss  nach  St.  Marco  zurückziehen ; 
General  Oeskay  wurde  ebenfalls  aus  Salo  gedrängt. 

Buonaparte  Hess  die  Belagerung  Mantua's  aufheben  und 
gab  seinen  Divisionen  den  Befehl,  sich  gegen  Brescia  zu  wenden, 
um  von  dort  aus  dann  den  F.  -  M.  -  Lt.  Quosdanovich  anzugreifen 
und  zu  schlagen,  ehe  er  sich  mit  der  Armee  des  Feldmarschalls 
W  u  r  m  s  e  r  vereinigen  konnte. 

Am  1.  August  eroberte  der  Feind  Brescia;  F.-M.-Lt.  Quos- 
danovich ging  nach  Gavardo,  wo  er  ein  Lager  bezog. 

Am  2.  laugte  vom  Feldmarschall  Wurmser  die  Nachricht 
an,  dass  Mantua  glücklich  entsetzt  sei,  und  dass  nun  die  Armee  den 
Mincio  übersetzen  werde,  um  in  den  Rücken  des  Feindes  zu  operiren. 
F.-M.-Lt.  Quosdanovich  beschloss,  um  nicht  unthätig  zu  sein, 
den  Feind  anzugreifen,  daher  die  Brigade  Oeskay  noch  in  der 
Nacht  um  Uhr  aufbrach.  Vom  General  Ott  lief  die  Meldung 
ein,  dass  eine  feindliche  Kolonne  von  ungefähr  4000  Mann  zwischen 
ihm  und  dem  General  0  c  s  k  a  y  bis  Desenzano  gerückt  sei,  worauf 
Quosdanovich  den  General  Keuss  mit  dem  Regiment  Nr.  14 
dahin  detachirte,  der  jedoch  mit  dem  Feinde  nicht  zusammentraf. 

Die  feindliche  Kolonne  führte  General  G  i  eux,  welchen  Buona- 
parte gegen  den  Rücken  der  Stellung  von  Gavardo  entsendete, 


179«  1797 


290 


während  Mas  sc  na  die  Generale  Ott  und  Oeskay  in  der  Front 
angriff.  Sie  wurden  geworfen  und  es  gelaug  auch  Gieui  mit  Tages- 
anbruch des  3.  August  unbemerkt  bis  in  den  Rücken  des  Lagers  zu 
kommen,  den  ganzen  Artillerie-Park  zu  erobern  und  grosse  Verwirrung 
anzurichten.  In  dieser  kritischen  Lage  eilte  F.-M.-Lt.  Quosdanovich 
mit  den  beiden  Grenadier  -  Bataillonen  Kottulinsky  und  L\Aisne,  sowie 
mit  einem  Bataillon  vom  Regiment  Nr.  10  dem  Feinde  entgegen, 
nahm  ihm  wieder  die  Geschütze  ab  und  warf  ihn  bis  nach  Salo. 

Quosdanovich  erwartete  nun  im  Lager  von  Gavardo  stehend, 
Nachrichten  von  den  Generalen  Ott  und  Oeskay,  sowie  von  dem 
Obristlieuteuant  Vogel.  Das  Unglück  des  Tages,  sowie  hauptsäch- 
lich die  von  der  Hauptarmee  erhaltenen  Weisungen  bewogen  ihn 
noch  in  der  Nacht  den  Rückzug  nach  Nozza  anzutreten,  obgleich 
er  den  richtigen  Entschluss  gefasst  hatte,  Salo  um  jeden  Preis  zu 
nehmen,  um  sich  den  Rückzug- über  das  Gebirge  zu  sichern. 

General  Graf  Spork  bildete  mit  den  Grenadieren  und  dem 
Infanterie  -  Regiment  Nr.  42  die  Arrieregarde;  ein  Bataillon  von 
Nr.  27,  welches  bei  St.  Marco  auf  Vorposten  stand,  sollte  den  Zug 
schliessen.  Die  Grenadiere  nahmen  Stellung  auf  dem  Wege  nach  Salo. 

Der  Feind  rückte  am  4.  August  zeitlich  früh  mit  starker  Macht 
aus  Salo  und  attaquirte  die  Grenadiere  in  der  Front,  gleichzeitig 
Truppen  gegen  das  Defilee  von  Vobarno  entsendend,  um  selbes  zu 
forciren  und  hiedurch  den  Rückzug  abzuschneiden.  Um  6  Uhr  zog 
sich  General  Graf  Spork  zurück,  nachdem  er  vergeblich  auf  das 
Bataillon  des  Regiments  Nr.  27  gewartet  hatte.  Der  Feind  war 
schon  zuvorgekommen,  denn  die  Grenadier  -  Division ,  welche  zur 
Besetzung  der  Brücke  bei  Vobanio  Tags  vorher  vorausgeschickt 
war,  befand  sich  schon  mit  ihm  im  lebhaften  Gefechte;  Spork  be- 
schleunigte daher  seineu  Marsch,  um  sich  womöglich  durchzu- 
schlagen, was  jedoch  nur  den  Grenadieren  mit  sehr  grossem  Verluste 
gelang,  nachdem  die  feindlichen  Tirailleurs,  welche  bereits  die  Höhen 
erstiegen  hatten,  ein  verheerendes  Feuer  unterhielten,  so  dass  nur 
diejenigen  durchkamen,  welche  glücklicher  Weise  eine  Furth  fanden 
oder  schwimmen  konnten  und  dann  die  Höhen  von  Vobarno  und 
Glibio  erreichten.  Dem  Brigadier  General  Graf  Spork  wurden  zwei 
Pferde  unter  dem  Leibe  erschossen  und  es  gelang  ihm  nur  auf 
einem  Ordonnanz  -  Pferde  die  l'hiese  zu  durchschwimmen  und  so 
wieder  die  Kolonne  einzuholen. 


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300 


170«- 1707. 


Das  Infanterie  -  Regiment  Erbach  Nr.  42  war  nach  Gavardo 
zurückgekehrt,  wo  es  sich  mit  dem  lang  erwarteten  Bataillon  von 
Nr.  27  vereinigte  und  dann  bei  Lonato  an  Buon aparte  ergeben 
musste.  Dieser  war  anfangs  nur  mit  einer  Wache  in  Lonato  und  wäre 
daher  bei  einem  raschen  Angriffe  wahrscheinlich  gefangen  worden, 
allein  der  günstige  Augenblick  wurde  mit  Parlamentiren  versäumt, 
während  dem  sich  der  Ober -General  durch  einen  Garten  flüchtete. 

F.  -  M.  -  Lt.  Quosdanovich  rQhmt  in  seiner  Relation 
dto.  Trient  15.  August  1796  „das  standhafte  Benehmen  der  beiden 
»Grenadier -Bataillone  L'Aisne  und  Kottulinsky,  durch  deren  Bravour 
»das  grösste  Unglück  in  der  Affaire  am  3.  August  vermieden  wurde 
„und  durch  deren  Tapferkeit,  die  bereits  in  Feindeshänden  befindliche 
„Artillerie -Reserve  gerettet  worden  ist*  und  sagt  dann  zum  Schlüsse 
„in  denen  Augenblicken,  als  die  Lage  die  Betrübteste  war,  die 
„äussersten  Kräfte  und  Thätigkeit  zum  besten  des  ganzen  angespannt 
„haben  und  hiedurch  fast  mehr  Verdienst  und  Auszeichnung  als  in 
„glücklichen  Augenblicken  sich  erworben  haben." 

In  der  Affaire  vom  3.  und  4.  verlor  das  Bataillon  6  Todte 
und  3  Verwundete,  beim  Rückzüge  geriethen  254  Mann  in  Ge- 
fangenschaft, von  welchen  aber  viele  geblieben  oder  verwundet  waren. 
Auch  der  Kommandant  Obristlieutenant  L'Aisne  und  5  Offiziere 
der  übrigen  Divisionen  wurden  gefangen.  Von  diesem  Verluste 
kömmt  auf  die  Division  Teute chmeister  2  Todtc,  1  Verwundeter  und 
97  Gefangene. 

Die  Kolonne  marschirte  nun,  vom  Feinde  unbehelligt,  am  6. 
nach  Thione,  7.  Baiin,  8.  Torbole,  9.  Movi,  10.  Rivoli ;  in  Rocca 
d'Anfo  blieb  F.-M.-Lt.  Reusa  mit  seinen  Truppen  zurück. 

Das  Regiment  befand  sich,  wie  früher  erwähnt,  bei  der  Vor- 
rückung aus  Tirol  zum  Entsätze  der  Festung  Mantua  in  der  dritten 
Hauptkolonne,  die  linke  des  Centrums,  unter  den  Befehlen  des 
F.-M.-Lt.  Baron  Davidovich,  mit  10  Bataillons,  10  Eskadrons 
und  40  Geschützen.  Sie  wurde  in  drei  Abtheilungen  geschieden,  wovon 
die  zweite,  bei  welcher  sich  das  Regiment  befand,  General  Graf 
Mittrowsky  kommandirtc. 

Am  29.  Juli  bei  anbrechendem  Morgen  setzte  sich  auch  diese 
Kolonne  in  Bewegung,  marschirte  am  linken  Ufer  der  Etsch  gegen  Dolce 
und  unterstützte  den  Angriff  der  zweiten  Kolonne  durch  das  lebhafte 
Feuer,  welches  das  Geschütz  und  die  leichten  Truppen  über  den 


17M-1797.  301 

Fluss  auf  die  an  dor  längs  dem  rechten  Ufer  desselben  hinablaufenden 
Strecke  aufgestellten  feindlichen  Posten  unterhielten. 

General  Se botten dor f  eroberte  das  Dorf  Brcntino  "mit  Sturm. 
Seine  Avantgarde  hatte  unter  dem  heftigsten  Kartätsehenfeuer  des 
Feindes  vorrücken,  sich  in  tiefe  Schluchten  hinablassen  und  steile 
Felsenwände  erklettern  müssen,  um  zu  den  französischen  Schanzen 
zu  gelangen.  Sie  gab  den  nachrückenden  Truppen  ein  glänzendes 
Beispiel  des  Muthes  und  der  Beharrlichkeit.  Die  hartnäckige  Ver- 
teidigung der  französischen  Vorhut  führte  deren  Aufreibung  herbei. 
Denn  indess  sie  in  der  Fronte  nach  langein  Widerstande  endlich 
geschlagen  wurde,  hatte  ihr  das  am  linken  Etschufer  vorrückende 
Regiment  Teutschmeister  bereits  durch  sein  Feuer  auf  der  Strasse 
zwischen  Brentino  und  Preabocco  den  Rückzug  abgeschnitten.  Die 
zweite  leichte  Halb -Brigade  wurde  umringt  und  mit  vier  Kanonen 
gefangen. 

Mittlerweile  hatte  F.- M.- Lt.  Davidovich  mit  dem  Haupttheil 
der  dritten  Kolonne  Dolce  erreicht,  wohin  das  Regiment  nachfolgte. 
Die  Schift'brflcke  wurde  geschlagen,  der  Uebergang  begonnen  und 
die  Vorhut  rückte  gegen  Rivoli  vor.  Als  der  F.-M.-Lt.  Davi- 
dovich mit  der  Spitze  seiner  Kolonne  sich  dort  gegen  Abend  mit  der 
Abtheilung  der  zweiten  Kolonne  unter  F.-M.-Lt.  Sebottendorf 
vereinigt  hatte  und  die  feindlichen  Schanzen  bei  Rivoli  eingenommen 
waren,  befahl  der  Feldmarschall  Wurraser  aus  seinem  Haupt- 
quartiere Dolce,  dass  diese  beiden  Kolonnen  vor  Rivoli  eine  Stellung 
nehmen  und  rechts  Caragion,  links  Campora  an  der  Etsch  besetzen 
und  General  Mittrowsky  die  Chiusa  angreifen  solle.  Dieser  General 
schickte  eine  Abtheilung  Teutschmeister  mit  zwei  Kanonen  dahin, 
an  welche  sich  die  französische,  aus  1  Kapitän,  3  Offizieren  und 
90  Mann  bestehende  Besatzung  noch  spät  in  der  Nacht  auf  die  erste 
Aufforderung  ergab. 

Am  30.  Juli  marschirte  F.-M.-Lt.  Davidovich  über  La 
Sega  und  Campora.  Auf  den  Höhen  zwischen  dem  letzteren  Orte 
und  Piovesauo  stiess  der  Vortrab  auf  Matena,  welcher  hier  den 
grössten  Theil  seiner  Division  gesammelt  hatte.  Er  wies  durch  ört- 
liche üebermacht  den  österreichischen  Vortrab  zweimal  zurück.  Als 
endlich  F.-M.-Lt.  Davidovich  mit  dem  Haupttheile  der  Kolonne 
anlangte,  wurde  Masse  na  geworfen  und  gezwungen  sich  gegen 
Castelnuovo  zurückzuziehen,  nachdem  er  4  Kanonen  und  250  Mann 


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302 


1706-1797. 


verloren  hatte.  Die  dritte  Kolonne  lagerte  diese  Nacht  auf  dem  er- 
kämpften Boden. 

F.-M:  Wurmser  liess  am  Morgen  des  31.  Juli  die  dritte  Kolonne 
von  Campora  über  Sandra  auf  Castelnuovo  marschireu.  Von  dem 
rechten  Flügel  unter  F.-M.-Lt.  Quosdanovich  hatte  man  bisher 
noch  gar  keine  Nachricht  erhalten.  Aber  von  den  Höhen,  über 
welche  der  Marsch  des  Centrums  führte,  unterschied  man  deutlich, 
dass  die  erste  Kolonne  mit  dem  Feinde  im  Gefecht  verwickelt  sei,  auch 
dass  noch  mehrere  französische  Kolonnen  nach  jener  Gegend  zogen. 
Der  Feldmarschall  beschloss.  daher  noch  an  demselben  Tage  bis 
Valleggio  vorzurücken,  dort  über  den  Mincio  zu  gehen  und  hinter 
dem  Rücken  des  französischen  Heeres  dem  rechten  Flügel  die  Hand 
zur  Vereinigung  zu  bieten.  Da  Wurmser  jedoch  vermuthete,  dass 
ein  ansehnlicher  Theil  des  französischen  Heeres  bei  Roverbella  zurück- 
geblieben wäre,  um  die  Belageruug  Mantuas  zu  decken,  so  hielt  er 
es  für  nöthig,  zur  Sicherung  seiner  linken  Flanke  und  des  Rückens 
ein  Korps  aufzustellen.  Hiezu  beorderte  er  die  Brigaden  Spiegel, 
Pittoni  und  Mittrowsky,  welch1  letztere  sogleich  über  die  Brücke  bei 
Bussolengo  über  die  Etsc*h  gehen  musste.  Diese  drei  Brigaden 
sollten  sich  bei  Villafranca  vereinigen  und  das  bei  Roverbella  ver- 
muthete französische  Korps  beobachten.  Die  übrigen  Truppen  des 
Centrums  setzten  um  4  Uhr  nachmittags  von  Castelnuovo  den  Marsch 
gegen  Valleggio  fort. 

General  Mittrowsky  benöthigte  den  ganzen  1.  August,  um 
seine  Brigade  theils  auf  Plätten,  theils  mittelst  der  erst  nachmittags 
von  Dolce  eingetroffenen  Schiffbrücke  über  die  Etsch  zu  setzen. 

Eine  vom  General  Spiegel  abgesendete  Huszaren  -  Patrouille 
hatte  in  Roverbella  keinen  Feind  angetroffen,  ging  dann  weiter  nach 
Goito,  und  als  hier  die  Brücke  hergestellt  war,  bis  in  die  Festung 
Mantua,  deren  Belagerung  in  der  vergangenen  Nacht  der  französische 
General  Serrurier  aufgehoben  und  sich  mit  seinen  Truppen  an 
den  Oglio  gezogen  hatte. 

Der  Feldmarschall  beschloss  nun  mit  seiner  ganzen  Macht 
bei  Goito  über  den  Mincio  zu  gehen.  Die  Brigade  Mittrowsky 
brach  noch  abends  auf,  vereinigte  sich  in  der  Nacht  mit  der 
dritten  Kolonne  und  setzte  sich  mit  dieser,  nach  einer  kurzen  Rast, 
um  3  Uhr  morgens  des  2.  August  nach  Goito  in  Marsch.  Vor  diesem 
Orte  wurde  um  Mittag  das  Lager  bezogen,  während  die  Brigade 


17M-1707. 


303 


Liptay  nach  Castiglione  rückte,  die  Franzosen  verjagte  und  ein  be- 
deutendes "Magazin  eroberte.  Am  3.  August  morgens  3  Uhr  brach 
die  Division  Davidovich  (dabei  Brigade  Mittrowsky  mit  dem  Regiment) 
und  Sebottendorf  auf  und  marschirten  gegen  Giudizzolo.  Um  dieselbe 
Zeit  hatte  sich  auch  die  Avantgarde-Brigade  Liptay  von  Castiglione 
gegen  Montechiaro  in  Marsch  gesetzt,  als  sie  von  der  ihr  an  Truppen- 
zahl weit  überlegenen  Division  Augereau  angegriffen  wurde.  Diese 
Brigade,  welche  nun  zu  beiden  Seiten  von  Castiglione  aufmarschirte, 
hielt  sich  mit  ausnehmender  Tapferkeit  und  zog  sich  erst,  als  sie 
in  beiden  Flanken  mit  Umgehung  bedroht  war,  fechtend  zurück. 

Um  diese  Zeit  begannen  die  ersten  Truppen  des  österreichischen 
Centrums  durch  Giudizzolo  hervorzubrechen.  Der  F.-M.-Lt.  Davi- 
dovich hatte  auf  seinem  Marsche  von  Goito  am  frühen  Morgen 
kaum  das  Feuer  bei  Castiglione  vernommen,  so  schickte  er  Patrouillen 
zu  beiden  Seiten  der  Strasse  vor.  Diese  stiessen  gar  bald  auf  fran- 
zösische Tirailleurs  und  trieben  dieselben  zurück.  Nun  liess  Davi- 
dovich seine  Division  in  Schlachtordnung  aufmarschiren,  so  gut 
das  ungünstige  Terrain  es  erlaubte.  Eine  feindliche  Kolonne  sah  er 
gegen  Medole  ziehen;  eine  andere  war  rechts  von  der  Strasse  auf 
den  Anhöhen  herwärts  Castiglione  aufraarschirt.  Der  Letzteren  gegen- 
über besetzte  Davidovich  einen  rechts  von  der  Strasse  gelegenen 
Berg  mit  zwei  Bataillons.  Mit  den  übrigen  Truppen  seiner  Division 
marschirte  er  vorwärts. 

Liptay  kämpfte  den  ganzen  Vormittag  mit  seinen  wenigen 
Truppen  gegen  die  dreimal  stärkeren  Feinde  mit  der  glänzendsten 
Tapferkeit  und  als  Davidovich  nahte,  liess  er  sogar  eine  offen- 
sive Bewegung  gegen  Augereau's  rechte  Flanke  unternehmen. 
Dieser  französische  General  entwickelte  jetzt  drei  Halb  -  Brigaden 
in  der  Ebene  und  stellte  eine  Kavallerie  -  Division  hinter  denselben 
auf.  Das  Gefecht  wurde  immer  lebhafter  und  blutiger;  mehrere 
französische  Generale,  Offiziere  und  Soldaten  fanden  ihren  Tod  vor 
der  Stellung,  welche  Liptay  so  ruhmvoll  vertheidigte.  Mittag  war 
bereits  vorüber,  als  General  Schub irz  die  bis  auf  die  Höhen  von 
Solferino  vorgerückten  Franzosen  vertrieb. 

Durch  die  unerschütterliche  Festigkeit,  mit  welcher  die  Vor- 
truppen in  dem  so  lang  währenden  Kampfe  die  feindlichen  Angriffe 
zurückgeschlagen  hatten,  gewann  der  Feldraarschall  Zeit,  mit  den 
übrigen  Truppen  des  Centrums  heranzukommen  und  dieselben  auf 


304 


17!»«-  1707. 


den  Höhen  von  Solferino  in  Schlachtordnung  aufzustellen.  Die  ganze 
österreichische  Macht  betrug  nicht  volle  20.000  Mann  und  war  zwar 
den  beiden  französischen  Divisionen  Augereau  und  Killmaine  Ober- 
legen, aber  Wurm ser  unternahm  an  diesem  Tage  keine  offensive 
Bewegung  mehr,  sondern  beschrankte  sich  wegen  Erschöpfung  der 
Truppen  auf  die  Vertheidigung  der  Höhen  von  Solferino.  Das  Re- 
giment Teutschmeister  war  den  ganzen  Vormittag  bis  in  die  Nacht 
in  seiner  Brigade  -Eintheilung  im  Feuer  gestanden  lind  hatte  einen 
ziemlich  bedeutenden  Verlust  erlitten. 

Der  französische  Oberfeldherr  Buon  aparte  war  am  Abend 
des  3.  August  zu  Castiglione  angekommen,  zog  bedeutende  Ver- 
stärkungen an  sich  und  traf  die  Anordnungen  für  den  folgenden  Tag. 
Dieser  verging  unter  verschiedenen,  die  Verbesserung  der  Stellungen 
bezweckenden  Bewegungen  der  beiden  Heere  und  kleinen  Posten- 
gefechten, wodurch  die  Entscheidung  für  den  folgenden  Tag  schon 
eingeleitet  und  vorbereitet  wurde. 

Mit  Anbruch  des  5.  August  rückte  die  französische  Armee  zum 
Angriff  vor.  Der  bei  Solferino  vereinigte  Theil  des  österreichischen 
Heeres  war  in  zwei  Treffen  aufgestellt,  mit  dem  linken  Flügel  auf 
die  Hügel  bei  Mcdole  gestützt,  mit  dem  rechten  Ober  Solferino  aus- 
gedehnt, Es  zahlte,  wie  gesagt,  nicht  volle  20.000  Streiter;  die 
französische  Armee  durch  die  angerückten  Verstärkungen  beinahe 
das  Doppelte. 

Das  Regiment  in  der  Brigade  Mittrowsky  stand  auf  den 
Höhen  von  Solferino  in  der  Nähe  des  Thurmes  spia  d'Italia.  Der 
Kampf  begann  auf  dem  linken  Flügel,  während  der  Feind  gegen 
den  rechten  nur  demonstrirte.  Der  österreichische  rechte  Flügel 
begann  hierauf  eine  Vorwärtsbewegung,  um  den  gegenüber  stehenden 
General  Masse  na  boi  Castel  Venzago  zu  überflügeln.  Jetzt  Hess 
Buonaparte,  dem  diese  Ausdehnung  des  rechten  Flügels  der 
Oesterreicher  erwünscht  war,  den  Angriff  gegen  den  linken  Flügel 
derselben  mit  grösserem  Nachdruck  fortsetzen  und  erobert«  nach 
einem  heftigen  Gefechte  den  Hügel  bei  Medole.  Die  Divisionen 
Augereau  und  Massena  bildeten  sich  Halb-Brigadenweise  in  Angriffs- 
kolonnen und  rückten,  die  Erste  gegen  die  Fronte  des  linken  Flügels 
und  die  Mitte  der  Oesterreicher  bei  Solferino,  die  zweite  gegen  den 
rechten  Flügel  vor.  Die  Oesterreicher  widerstanden  mit  der  grössten 
Entschlossenheit,  durch  das  heldenmflthige  Beispiel  ihrer  Anführer 


17;>Ö-  1707. 


305 


begeistert,  wobei  dem  F. -M.-Lt.  Davidovich  zwei  Pferde  unter 
dem  Leibe  erschossen  wurden. 

Die  Division  Sermrier  war  von  Marcaria  aufgebrochen  und 
nahte  während  diesem  Kampfe  Giudizzolo.  Wurmser  liess  die 
Vorrflckung  des  rechten  Flögeis  einstellen  und  zog  dessen  Truppen 
auf  die  Höhe  rechts  von  Solfcrino  zurück.  A  u  g  e  r  e  a  u  drang  mm 
gegen  die  Mitte  der  österreichischen  Stellung  vor,  wahrend  Masse  na 
zwischen  dieser  und  dem  rechten  Flügel  durchzubrechen  suchte. 

Das  österreichische  Heer  hatte  nun  bereits  durch  mehrere 
Stunden  dem  überlegenen  Feinde  den  tapfersten  Widerstand  entgegen- 
gesetzt; das  Regiment  Teutschmeister  seine  «'ingenommene  Stellung, 
trotz  namhaften  Verlusten,  mit  Bravour  behauptet.  Indess  mehrte 
sich  die  Gefahr  auf  beiden  Flügeln  mit  jeder  Minute  durch  das 
Erscheinen  der  von  Buon aparte  entsendeten  Umgehungskolonnen. 
Bei  längerer  Behauptung  des  Schlachtfeldes  konnte  dem  Heere  die 
Verbindung  mit  den  Uebergangspunkten  des  Mincio  abgeschnitten 
und  dasselbe  in  den  Winkel,  welchen  der  Fluss  mit  dem  Garda-See 
bei  Peschiera  bildet,  zusammengedrängt  werden.  Daher  gab  der 
Feldmarschall  den  Befehl,  nunmehr  den  Rückzug  über  Camana  und 
Volta  nach  Borghetto  zu  beginnen. 

In  diesem  Momente  eroberten  die  Franzosen  den  Thurm  von 
Solferiuo  und  die  demselben  benachbarten  Höhen,  wodurch  der  Rück- 
zug des  rechten  Flügels  beschleunigt  und  dessen  Verlust  vermehrt 
wurde.  Massena  hoffte  denselben  vom  Mincio  abzuschneiden,  setzte 
sogleich  einen  Theil  seiner  Division  in  Marsch,  um  diesen  Flügel 
zu  umgehen  und  die  zur  Brücke  von  Borghetto  führende  Strasse  zu 
gewinnen.  General  Schubirz  mit  seiner  schwachen  Abtheilung  und 
der  General  Mittrowsky,  welcher  nach  dem  Verluste  von  Solferino 
sich  mit  einem  Bataillon  Teutschmeister  an  ihn  angeschlossen  hatte, 
suchten  den  Rückzug  dieses  Flügels  zu  decken.  Oberst  W  ei  den  fei  d, 
welcher  bisher  mit  vier  Bataillons  Peschiera  blockirt  hatte,  erschien 
gerade  um  diese  Zeit  am  Schlachtfelde  und  griff  die  Division  Massena 
in  ihrer  Flanke  mit  solchem  Nachdruck  an,  dass  er  dieselbe  zwang, 
in  ihrer  Bewegung  inne  zu  halten,  wodurch  die  Truppen  des  rechten 
Flögeis  wieder  Fassung  gewannen,  um  den  Marsch  in  Ordnung  an 
den  Mincio  fortzusetzen.  Endlich  erreichten  die  kaiserlichen  Truppen 
die  Brücke  des  Mincio  bei  Borghetto  und  begannen  den  Uebergang 
nach  Valleggio.  Diesen  zu  decken,  stellten  die  Generale  Schubirz 

20 


30f> 


17M-1797. 


und  Mittrowsky  drei  Eskadronen  Huszaren  und  einige  Infanterie 
vorwärts  des  Dorfes  Borghetto  auf.  Nachdem  alle  Truppen  vom 
Feinde  ungehindert  den  Uebergang  ausgeführt  hatten,  gingen  auch 
diese  Generale  Aber  die  Brücke  und  liessen  dieselbe  abbrechen. 

Die  französische  Armee  stellte  sich  in  einiger  Entfernung  am 
rechten  Ufer  des  Mincio  auf. 

Der  Verlust  des  Regiments  an  den  beiden  Schlachttagen  war 
an  Todten :  Hauptmann  Franz  Bertrand,  Kapitän  -  Lieutenant 
Wolfgang  Vukassevich,  Oberlieutenant  Johann  Wehla,  Karl 
Ollinek,  Lieutenant  Wilhelm  Baron  Lindenberg,  Fähnrich 
Franz  M  a  x  m  i  1  i  a  n  und  52  Mann ;  an  Verwundeten :  112  Mann ;  an 
Gefangenen:  Oberlieutenant  Josef  Werner  und  47  Mann  vom  Feld- 
webel abwärts. 

F. -M.  Graf  Wurms  er  war  gesonnen,  sich  so  lange  hinter 
dem  Mincio  zu  halten,  bis  die  erste  Kolonne  unter  F.-M.-Lt.  Quos- 
danovich  und  die  aus  dem  Innern  der  Monarchie  durch  Tirol 
heranziehenden  Bataillons  beim  Heere  eingetroffen  wären.  Nach  Ver- 
einigung seiner  ganzen  Macht  wollte  er  wieder  die  Offensive 
ergreifen.  Um  den  Franzosen  den  Uebergang  zu  verwehren,  stellte 
General  Vukassevich  eine  Vorpostenlinie  von  Valeggio  bis 
Peschiera,  Oberst  Piaczek  von  Valeggio  bis  Goito.  Den  rechten 
Flügel  kommandirte  F.-M.-Lt.  Davidovich,  den  linken 
Sebottendorf. 

Das  Hervorbrechen  des  Feindes  aus  Peschiera  zu  hindern, 
brach  General  Mittrowsky  mit  seiner  Brigade,  dabei  das  Regiment, 
noch  am  Abende  des  5.  August,  nach  einer  Rast  von  zwei  Stunden, 
im  Eilmarsche  gegen  jene  Festung  auf  und  vereinigte  sich  in  der 
Früh  mit  dem  vor  derselben  aufgestellten  General  Bajalics. 

Vor  Anbruch  des  6.  August  sitzte  sich  die  französische  Divi- 
sion Massena  nach  Pescbiera  in  Marsch,  um  das  Blockade-Korps  in 
die  Flucht  zu  schlagen  und  dann  in  die  reclite  Flanke  der  bei 
Valeggio  aufgestellten  Hauptmacht  vorzudringen,  während  Augereau 
nach  Borghetto  vorzurücken  und  durch  die  Besehiessung  Valeggio's 
den  Feldmarschall  festhalten  sollte.  Es  war  ungefähr  '/,!)  Uhr  vor- 
mittags, als  die  Spitze  der  Division  Massena  in  der  Festung  eintraf. 
Zu  gleicher  Zeit  kam  aber  auch  die  Brigade  Mittrowsky  bei  Caval- 
caselle  an.  Beide  Brigaden  zählten  höchstens  5500  Streiter,  welche 
nun  den  Kampf  gegen  11.000  Franzosen  aufnahmen. 


1796-1707. 


307 


Masse  na  brach  mit  den  zuerst  angelangten  Bataillons  gleich 
aus  der  Festung  vor  und  griff  die  Schanzen  an,  mit  welchen  General 
Bajalics  die  Festung  von  dieser  Seite  umzingelt  hatte.  Dieser 
Ausfall  geschah  mit  so  geringer  Energie,  dass  die  österreichischen 
Vortruppen  genügten,  den  Feind  in  die  Festung  zurückzuweisen. 
Indess  hatte  Mittrowsky  sich  hinter  dem  linken  Flügel  der  Eiu- 
schliessungslinie  aufgestellt.  Nach  Beendigung  dieses  ersten  Gefechtes 
bestimmte  dieser  General  das  Regiment  Teutschmeister  zur  Ver- 
stärkung der  Mitte  und  des  rechten  Flügels  der  Brigade  Bajalics. 
Doch  ehe  noch  diese  Entsendung  ganz  ausgeführt  war,  —  um 
'/«.IG  Uhr  —  unternahm  Masse  na  den  zweiten  Ausfall  mit  be- 
deutender Stärke.  Nach  einem  hartnäckigen  Gefechte  wurden  die 
Franzosen  wieder  in  die  Festung  zurückgeworfen.  Sobald  der  Rest 
der  Truppen  Massena's  angelangt  war,  führte  er  seine  ganze 
Macht  aus  der  Festung  und  begann  den  dritten  Angriff.  Weil  er 
den  Oesterreichern  so  sehr  au  Streiterzahl  überlegen  war,  so  endete 
das  Gefecht  zu  seinen  Gunsten.  Er  hatte  sich  mit  dem  Haupttheil 
der  Division  auf  die  am  linken  Flügel  stehenden  Truppen  geworfen 
und  diese  zum  Weichen  gebracht.  Dann  griff  er  den  rechten  Flügel 
der  Brigade  Bajalics  au,  welcher  seine  Stellung  noch  geraume  Zeit 
vertheidigte,  aber  in  der  eutblössten  linken  Flanke  umgangen,  sich 
dann  über  Cavalcaselle  zurückzog.  F. -M.  Wurms  er  hatte  auf  die 
erste,  von  dem  bei  Peschiera  begonneneu  Gefechte  erhaltene  Kunde 
sechs  Eskadrons  von  Valeggio  dorthin  aufbrechen  lassen,  welche  zu 
spät  eintrafen,  aber  durch  ihr  Erscheinen  den  General  Massena 
von  der  Verfolgung  abhielten.  Die  Generale  vereinigten  ihre  Truppen 
bei  Castelnuovo  und  Hessen  ihre  Nachhut  auf  den  Höhen  von 
Pastrengo  und  Cavalcaselle  stehen. 

Der  Verlust  des  Regiments  bestand:  todt  24,  verwundet  41, 
vermisst  110  Mann  vom  Feldwebel  abwärts.  Das  Regiment  brachte 
von  den  vielen  Gefangenen  Franzosen  doch  100  Mann  zurück. 

Durch  das  Vordringen  Massena's  auf  das  linke  Ufer  des 
Mincio  sah  der  Feldmarschall  seine  rechte  Flanke  und  den  Rückzug 
bedroht,  er  befahl  daher  am  Abend,  dass  in  der  Nacht  der  Mincio 
verlassen  und  der  Rückmarsch  nach  Tirol  angetreten  werden  solle. 
Die  Generale  Bajalics  und  Mittrowsky  wurden  beordert,  der 
Ersten1,  sich  in  die  Stellung  bei  Madonna  della  Corona  auf  dem  Monte- 
baldo  zu  ziehen,  der  Zweite  am  Fusse  des  Gebirges,  am  rechteu 

20* 


308 


170«— 1797. 


Ufer  der  Etsch,  bei  Canale  sich  aufzustellen.  Die  Armee  rnarschirte, 
nachdem  gleichzeitig  eine  Division  nach  Mantua  rückte,  gegen 
Verona  zurück,  wo  sie  um  4  Uhr  morgens  am  7.  August  eintraf. 

Bei  Anbruch  des  Tages  ordnete  13 non aparte  die  Verfolgung 
an.  Die  Vortruppen  scharmuzirtcn  an  mehreren  Punkten  mit  dem 
österreichischen  Kachtrab;  auch  Bajalics  wurde  bei  Iiivoli  an- 
gegriffen und  zog  sich  auf  den  Montcbaldo,  Mittrowsky  hatte 
Canale  erreicht  und  besetzte  das  Schloss  Croara  mit  einem  Bataillon 
Teutschmcistcr.  F.  -  M.  -  Lt.  Q  u  o  s  d  a  n  o  v  i  c  h  erhielt  den  Befehl, 
den  General  Spork  mit  drei  Grenadier -Bataillons,  darunter  L'Aisne 
nach  Ala  zu  schicken,  mit  der  übrigen  Infanterie  aber  auf  den 
Montebaldo  zu  ziehen  und  das  Kommando  zu  übernehmen. 

Um  0  Uhr  abends  verliessen  die  kaiserlichen  Truppen  Verona 
und  rückten  in  das  tessinische  Gebirge ;  gegen  Mitternacht  erreichten 
die  Franzosen  Verona. 

Buon  aparte  ordnete  am  9.  den  Angriff  auf  die  österreichischen 
Stellungen  an.  General  Mittrowsky  in  seiner  rechten  Flauke,  mit 
einer  Umgehung  im  Gebirge  bedroht,  verliess  am  Abend  die  Stellung 
bei  Canale  und  zog  sich  nach  Brentino  zurück.  Der  Feldraarschall 
Hess  von  Ala  Truppen  zu  seiner  Unterstützung  vorrücken  und  am 
Vormittage  des  10.  August  besetzte  Mi  ttrowsky  wieder  seine  vorige 
Stellung  bei  Canale  und  Croara.  F.-M.-Lt.  Scbottendorf  über- 
nahm das  Kommando  der  auf  und  nächst  dem  Montebaldo  stehen- 
den Truppen. 

Am  11.  August,  um  die  Mittagsstunde,  drückten  Massena's 
Vortruppen,  von  Torri  her,  den  rechten  Flügel  der  Vorposten  der 
Brigade  Bajalics  zurück,  indess  eine  Kolonne  sich  nach  der  Gegend 
von  Canale  wendete  und  die  Brigade  Mittrowsky  angriff.  Auf  dem 
Montebaldo  wurde  das  Geplänkel  der  Vortruppen  bald  unterbrochen 
und  es  blieb  dann  eine  Stunde  hindurch  ganz  ruhig,  bis  der  Haupt- 
theil  der  Division  Massena  die  Höhe  des  Berges  erreicht  hatte.  Nach 
2  Uhr  wurde  der  AngrifT  erneuert,  der  rechte  Flügel  der  Brigade 
Bajalics  durch  Umgehimg  zum  Rückzüge  nach  dem  Monte  cerbiole 
gezwungen  und  musste  sich  über  das  Dorf  Corona  zurückziehen. 
General  Mittrowsky  hatte  sich  nachmittags,  nachdem  er  die 
Stellung  von  Canale  drei  Stunden  vertheidigte,  hinter  das  Schloss 
Croara  zurückgezogen.  Als  er  dann  Kunde  von  dem  Rückzüge  des 
General  Bajalics  erhalten,  Hess  er  Croara.  räumen,  welches  70 


17M-1797. 


309 


Teutschmeister-  Grenadiere  tapfer  verthcidigt  hatten  und  setzte  um 
9  Uhr  abends  den  Marsch  über  Brentino  nach  Kivalta  fort. 

Das  Vordringen  des  Feindes  im  Gebirge,  der  Verlust  der 
Stellungen  auf  dem  Montebaldo  und  am  rechten  Ufer  der  Etsch, 
hatten  zur  Folge,  dass  auch  F. -M. -Lt.  Davidovich  die  Chiusa, 
Dolce  und  Peri  am  12.  August  räumte  und  sich  nach  Ala  zurück- 
zog. General  M  i  1 1  r  o  w  s  k  y  marschirte  von  Kivalta  nach  Avio  zurück 
und  wurde  Krankheitshalber  im  Kommando  der  Brigade  durch  Obrist 
Weidenfeld  abgelöst.  Die  Grenadiere  standen  unter  Graf  Spork 
im  Val  fredda.  Die  österreichische  Armee  befand  sich  nun  ungefähr 
auf  derselben  Linie,  welche  sie  vor  dem  Aufbruche  zum  Entsätze 
Mantua's  inne  gehabt  hatte. 

Am  13.  August  marschirten  die  Truppen  des  F.-M.-Lt.  Davi- 
dovich, dabei  das  Regiment  und  die  Grenadiere,  durch  Val  fredda, 
Val  buona  und  Val  di  Ronchi  nach  Ala,  dann  bei  Einbruch  der 
Nacht  zurück  nach  Roveredo,  wo  die  Grenadiere  in  der  Brigade 
Spork  verblieben  und  am  14.  nach  Trient.  Kaum  hier  angelangt, 
wurde  das  Regiment  dem  General  Baron  Schubirz  zugetheilt, 
welcher  mit  sechs  Bataillons  und  vier  Eskadrons  eine  Position  am 
rechten  Ufer  der  Etsch  bezog  und  in  derselben  den  von  Ala  mit 
seinen  Truppen  zurückkehrenden  General  Fürst  Reuss  aufnahm. 

Am  folgenden  Tage  marschirte  General  Schubirz  mit  zwei 
Bataillons  Teutschmeister  680  Mann,  und  zwei  Eskadrons  des 
Huszaren-Regiments  Nr.  2  durch  das  Pustertbal  und  Kärnten  nach 
Pontafel,  um  diesen  wichtigen  Pass  zu  besetzen.  Dieser  General 
war  nach  einem  Marsche  von  14  Tagen  am  30.  und  31.  August  zu 
Tarvis  in  der  Nähe  jenes  Passes  angekommen.  Schon  am  1.  Sep- 
tember erhielt  er  jedoch  Befehl,  schleunigst  aufzubrechen  und  durch 
das  venezianische  Gebiet  nach  Bassauo  zu  marschiren;  Feldmarschall 
Wurms  er  hatte  von  Sr.  Majestät  den  Befehl  erhalten,  den  Feind 
nochmals  anzugreifen  und  Mantua  zu  befreien,  daher  er  obige  An- 
ordnungen erliess,  um  die  Armee  am  7.  September  bei  Bassano  zu 
vereinigen.  General  Schubi  rz  meldete,  „dass  er  zwei  Tage  bedürfe, 
„um  seine  bereits  im  Gebirge  vertheilte  Truppe  zu  sammeln,  fünf- 
zehn Tage,  um  den  ihm  nach  Bassauo  vorgeschriebenen  Weg 
„zurückzulegen.  Der  Marsch  durch  das  venezianische  Gebieth  wurde 
„überdiess  Aufsehen  erregen  und  ob  es  ihm  dalier  nicht  gestattet 
„würde,  durch  das  Geil-  und  Pusterthal,  über  Brixen  und  Trient, 


310 


17JMJ-1797, 


„nach  Bassano  zu  marschiren,  welcher  Weg  freilich  18  Tage  erforderte?* 
General  Schub irz  blieb  in  Tarvis  stehen,  um  die  Antwort  des 
Feldmarschalls  abzuwarten.  Am  4.  September  wiederholte  Wurms  er 
den  Marschbefehl,  welchen  jedoch  General  Schub  irz  erst  am 
7.  September  erhielt,  wodurch  diese  Truppen  der  Division  Meszaros 
während  der  ganzen  Zeit  der  Operationen  entgingen.  Ein  Bataillon 
stand  in  Saifnitz,  das  andere  in  Malborghetto,  eine  Kompagnie  in 
Deutsch  -  Pontafel. 

Am  7.  September  brach  General  Schubirz  mit  dem  Regiment 
und  den  Huszaren  auf  und  marschirte  nach  Pontafel,  am  8.  nach 
Reseiuta  und  am  9.  nach  Gemona,  wo  er  den  Befehl  erhielt,  nach 
Pontafel  zurückzukehren  und  wieder  die  früheren  Stellungen  zu 
besetzen;  dieser  Befehl  war  am  12.  ausgeführt. 

Wie  früher  erwähnt,  hatte  Feldmarschall  Wurmser  den  Befehl 
erhalten,  abermals  zum  Entsätze  der  Festung  Mantua  vorzurücken. 
Die  bisher  in  der  Division  des  F.-M.-Lt.  Quosdanovich  im 
Lager  bei  Trient  befindlichen  Grenadiere  marschirten  am  2.  September 
mit  der  Division  nach  Pergine  vor.  Am  3.  wurde  der  Marsch  nach 
Selva  fortgesetzt  und  am  4.  Borgo  di  Valsugana,  am  5.  Ospeda- 
letto  und  am  6.  Primolano  erreicht.  Am  folgenden  Tage  wurde 
nach  Bassano  gerückt  und  auf  einem  sanften  Abhänge,  ungefähr 
2000  Schritte  von  der  Brenta,  parallel  mit  dem  Flusse  und  die 
Fronte  gegen  denselben  gewendet,  ein  Lager  bezogen,  dessen  rechter 
Flügel  sich  an  das  Gebirge  lehnte. 

Zu  gleicher  Zeit  als  die  Oesterreicher  in  das  Venezianische 
vordrangen,  waren  auch  die  Franzosen  in  Tirol  eingerückt,  warfen 
überall  die  schwachen  Posten  des  zur  Beschützung  des  Landes 
zurückgebliebenen  F.-M.-Lt.  Davidovich  zurück  und  besetzten 
Trient.  Der  Feldmarschall  Hess  sich  durch  diese  Unfälle  in  seinem 
Rücken  nicht  abhalten,  seinen  Plan  zum  Entsätze  Mantua's  dennoch 
auszuführen ;  und  als  er  an  diesem  Tage  die  Nachricht  erhielt,  dass 
eine  feindliche  Division  gegen  Bassano  im  Anmärsche  sei,  traf  er 
alle  Anstalten,  um  den  Feind,  wenn  er  noch  in  der  Nacht  angreifen 
oder  den  Abmarsch  am  folgenden  Tage  stören  wolle,  kräftigst  zurück- 
zuweisen. Die  Truppen  traten  iu's  Gewehr,  blieben  jedoch  noch  einst- 
weilen im  Lager  stehen.  Nur  einige  Bataillone  wurden  bei  Campo 
lungo  und  Solagna  aufgestellt,  um  die  Franzosen  zu  hindern,  aus 
dem  Thale  in  die  Ebene  hervorzubrechen. 


17M-17&7 


311 


Um  2  Uhr  morgens  am  8.  September  brach  Buon  aparte 
mit  zwei  Divisionen  von  Oismone  auf  und  zog  am  linken  Ufer  der 
Brenta  gegen  Bassano.  Als  der  Vortrab  dem  Ausgang  des  Thaies 
nahte,  stiess  er  auf  die  bei  Solagna  aufgestellten  Oesterreicher, 
worauf  eine  Division  auf  das  rechte  Ufer  überging. 

Gegen  7  Uhr  morgens  nahm  das  Gefecht  auf  beiden  Ufern 
seinen  Anfang.  Die  beiden  österreichischen  Abtheilungeu  kämpften 
mit  grosser  Entschlossenheit  gegen  die  feindliche  Armee,  wurden 
jedoch  umgangen,  fortwährend  mit  frischen  Abtheilungen  angegriffen, 
und  da  sie  keine  Unterstützung  erhielten,  endlich  zersprengt.  Die 
zurückeilenden  Abtheilungen  nahm  F.  -  M.  -  Lt.  S  e  b  o  1 1  e  n  d  o  r  f  mit 
den  Grenadieren  im  Lager  bei  Bassano  auf. 

Diese  Unfälle  hatten  in  der  Stadt  und  im  Lager  grosse  Be- 
stürzung bereitet  und  in  ersterer  stieg  dieselbe  bald  auf  den  höchsten 
Grad.  Der  Feldmarschall  befahl,  dass  F.  -  M.  -  Lt.  Sebottendorf 
mit  den  Grenadieren  aus  dem  Lager  aufbrechen,  nach  Bassano 
marschiren  und  über  die  Brücke  gehen  solle,  um  den  auf  dem 
rechten  Ufer  anrückenden  Feind  aufzuhalten.  Dieser  Marsch  wurde 
sogleich  angetreten  und  unter  beständigem  Gefechte  mit  der  un- 
gestüm vordringenden  Division  Massena,  Bassano  erreicht.  Aber  hier 
wurden  die  Grenadiere  durch  den  Schwärm  von  Flüchtigen,  welche 
die  Franzosen  von  Campo  lungo  her  verfolgten,  in  Unordnung  ge- 
bracht. Fruchtlos  blieben  die  Anstrengungen,  Bassano  selbst  und 
die  dortige  Brücke  zu  vertheidigen.  Nur  dem  F.-M.-Lt.  Sebotten- 
dorf gelang  es  noch  mit  einem  Grenadier-Bataillon  über  die  letztere 
zu  passiren  und  dann  auf  der  Strasse  von  Vicenza  fortzuziehen. 
Nun  aber  kam  die  Division  Augereau  eilends  herbei,  besetzte  die 
Höhen,  welche  auf  dem  rechten  Ufer  vor  dem  Ausgange  der  Brücke 
liegen  und  empfing  die  dem  F.-M.-Lt.  Sebotteudor f  nach- 
ziehenden Bataillone  mit  Kanonen-  und  Musketenfeuer.  Diese  mussten 
umkehren,  um  bei  dem  Paduaner  -  Thore  den  weiteren  Weg  über 
Cittadella  nach  Vicenza  einzuschlagen.  Augereau  rückte  nun  im 
Sturmschritt  gegen  die  Brücke  vor.  Die  Division  Massena  nahte 
derselben  auf  dem  linken  Ufer  und  eroberte  die  aufgefahrenen  vier 
Geschütze,  worauf  Augereau  über  die  Brücke  und  in  die  Stadt 
drang.  Die  von  Sebottendorf  abgeschnittenen  Grenadier-Bataillone 
L'Aisne  und  Gavassini  bemühten  sich  ihn  aufzuhalten  und  den  Ab- 
zug des  Hauptquartiers  zu  decken.  Sie  konuten  aber  dem  Andränge 


312 


17IMJ  1797. 


der  feindlichen  Uebermacht  nicht  lauge  widerstehen  und  hatten 
viele  Muhe  sich  mit  den  Resten  der  Division  Quosdanovich  zu  ver- 
einigen und  auf  dem  Wege  gegen  Cittadella  zu  retiriren.  Doch 
wurden  auch  diese  Bataillons  vom  Feinde  lebhaft  verfolgt  und  ein 
Theil  derselben  zersprengt.  Von  nun  an  schlug  jeder  Führer  einer 
Abtheilung  den  nächsten  Weg  ein,  der  ihm  geeignet  erschien,  wieder 
zu  seinem  Bataillon  zu  gelangen.  Von  den  Grenadieren  der  Division 
Teutschmeister,  welche  im  Kampfe  18  Todte  und  nebst  dem  ver- 
wundeten Oberlieutenant  Graf  Coreth  13  Gefangeue  und  02  Ver- 
misste  zählten,  vereinigten  sich  bald  hinter  Bassano  auf  dem  Wege 
nach  Vicenza,  die  Hauptleute  mit  50  Alaun,  marschirten  in  diese 
Stadt  und  dann  weiter  bis  hinter  den  Isonzo,  wo  Quosdanovich  die 
aus  dem  Gefechte  von  Bassano  zurückkehrenden  Truppen  sammelte. 
22  Grenadiere  hatten  sich  an  das  Bataillon  Jordis  angeschlossen  und 
der  Rest,  40  Grenadiere,  mit  dem  Oberlieutenant  Nies  und  Lieute- 
nant Baron  Landenberg  retirirten  mit  den  Truppen  des  Feld- 
marschall Wurm s er,  welcher  nach  Legnago  rückte,  daselbst  über  die 
Etsch  setzte  und  Mantua  erreichte,  sich  aber  im  freien  Felde  nicht 
zu  behaupten  vermochte  und  daher  in  die  Festung  werfen  musste. 

Unter  der  Zeit  von  der  Mitte  September  bis  zu  Ende  Oktober 
wuchsen  die  österreichischen  Korps  in  Tirol  und  Friaul  durch  die  von 
allen  Seiten  eingetroffenen  Verstärkungen  wieder  zu  einer  bedeuten- 
den Macht  an.  Ans  der  kroatischen  Grenze  stiessen  15  neu  errichtete, 
aus  Galizien  6  Bataillone  zum  Heere.  Die  schon  früher  hier  ge- 
standenen Regimenter  erhielten  zahlreiche  Ergänzungs  -  Transporte, 
so  das  Regiment  G00  Mann,  welche  zur  Gewinnung  der  Zeit  auf 
Wagen  zum  Heere  gebracht  wurden.  Am  24.  September  übertrugen 
Se.  Majestät  dem  F. -Z. -M.  Baron  Alviuzy  die  Leitung  aller 
Operationen  der  von  den  F. -M.-Lt.  Quosdanovich  uud  Davi- 
dovich  befehligten  Korps.  Da  ihm  befohlen  war,  die  Bewegungen 
zu  Mantua's  Entsatz  sobald  als  möglich  zu  beginnen,  wurde  am  27. 
im  Kriegsrath  zu  Bozen  der  Opcrationsplau  entworfen. 

Die  Brigade  Schubirz  mit  dem  Regiment  Teutschmeister  ver- 
liess  am  2.  Oktober  seine  Stellung  bei  Pontafel  und  marschirte  nach 
Osoppo,  welches  sie  am  G.  erreichte  und  in  den  rechten  Flügel  des 
Friauler  Korps  unter  F.  -  M.  -  Lt.  Marquis  P  r  o  v  e  r  a  eingetheilt 
wurde.  Dieser  bezog  ein  Lager  hinter  dem  Tagliameuto,  bei  Toraba 
di  Buja  nächst  Osoppo. 


175W-17W.  313 

Am  22.  Oktober  begann  die  Vorrückung  des  Friauler  Korps. 
F.-M.-Lt.  Quosdanovich  rückte  mit  den  bei  Görz  versammelten 
10  Bataillons  in's  Lager  bei  Romans,  am  23.  in  jenes  von  S.  Pele- 
grino,  dann  am  24.  nach  Codroipo.  Da  der  Tagliamento  durch  einen 
heftigen  ununterbrochenen  Regen  bereits  weit  aus  seinen  Ufern  ge- 
treten war,  konnte  keine  Brücke  geschlagen  werden,  sondern  die 
Truppen  durchwateten  am  25.  diesen  Fluss  und  bezogen  das  Lager 
bei  Valvasone,  am  26.  jenes  zwischen  Pordenone  und  Cormons. 
An  diesem  Tage  verliess  Provera  das  Lager  bei  Osoppo,  durch- 
watete bei  Pinzano  den  Tagliamento  und  stiess  am  28.  zum 
F.-M.-Lt.  Quosdanovich,  wodurch  die  Vereinigung  vollzogen 
war.  Am  29.  Oktober  marschirte  das  Korps  nach  Fontana  fredda. 
Am  30.  bezog  es  das  Lager  bei  Campana,  wodurch  es  mit  der  Vor- 
hut unter  General  Liptay  vereinigt  war.  Die  Truppen  hatten  durch 
die  so  ungünstige  Witterung  sehr  viel  gelitten  und  die  Nachtheile 
der  höchst  mangeDiaften  Bekleidung  und  Beschuhung  wurden  bereits 
schwer  empfunden.  In  der  Nacht  vom  30.  hörte  endlich  der  Regen 
auf  und  die  Gewässer  fielen  bedeutend.  Gegen  Abend  des  1.  November 
wurde  die  Brücke  über  die  Piave  in  der  Richtung  von  Campana  gegen 
Lowadina  geschlagen,  die  Vorhut  ging  sogleich  hinüber  und  stellte 
sich  am  jenseitigen  Ufer  auf.  An  demselben  Tage  hatte  Massena 
seine  Division  bei  Bassano  gesammelt  und  eine  Halb -Brigade  an 
die  Piave  zur  Beobachtung  der  Oesterreicher  vorgesendet. 

Am  2.  November  ging  das  Friauler  Korps  28.699  Mann  stark 
über  die  Piave  in  das  Lager  bei  Lovadina  und  Valpago.  Die  Vorhut 
rückte  gegen  Castelfranco.  Den  folgenden  Tag  marschirte  das  Korps 
in's  Lager  bei  Barcone  und  am  4.  November  an  die  Brenta  vor. 
General  Liptay  gelangte  bei  Fontaniva  an  das  linke  Ufer,  Hess 
einige  Abtheilungen  Infanterie  und  Reiterei  durch  den  Fluss  setzen 
und  bildete  jenseits  eiue  Postenkette.  Pro  vera  rückte  mit  dem  Reste 
seiner  den  linken  Flügel  bildenden  Division  bis  über  Cittadella  hinaus. 
Quosdanovich  mit  dem  rechten  Flügel  auf  Bassano.  Massena 
nahm  eine  Stellung  auf  halbem  Wege  zwischen  Bassano  und  Vicenza, 
wo  B  u  o  n  a  p  a  r  t  e  am  5.  mit  der  Division  Augereau  anlangte  und 
gegen  Mittag  einen  Theil  der  Division  Massena  gegen  die  Brenta 
vorrücken  liess. 

General  Liptay  hatte  eine  Brücke  bei  Fontaniva  geschlagen 
und  den  Uebergang  mit  seiner  Brigade  am  5.  nachmittags  ausgeführt 


314 


1796-1797. 


als  der  Feind  bereits  über  S.  Pietro  Engu  nahte  und  um  4  Uhr 
nachmittags  die  Vorposten  angriff.  Zweimal  wurden  die  Franzosen 
mit  dem  Bajonnet  zurückgeworfen,  bemächtigten  sich  aber  durch 
Uebermacht  bei  einbrechender  Nacht  der  beiden  Posten  Carmignano 
und  Ospital  di  Brenta.  General  Liptay  zog  sich  auf  Provera's 
Befehl  hinter  den  Fluss  in's  Lager  bei  Fontaniva  zurück  und  wurde 
dann  vom  Feinde  nicht  mehr  beunruhiget. 

Am  Morgen  des  0.  November  ging  die  Vorhut  der  Division 
Quosdanovich  über  die  Brenta,  welcher  bald  der  Haupttheil 
folgte,  weil  heftiger  Kanonendonner  aus  der  Gegend  von  Fontaniva 
die  Gewissheit  gab,  dass  der  Feind  dort  den  Angriff  begonnen  habe. 
Die  Division  ordnete  sich  zum  Gefecht,  lehnte  den  rechten  Flügel 
an  den  Monte  Grado;  vor  der  Fronte  wurden  Marostica,  le  Novo 
und  Marchesane  stark  besetzt  und  hinter  dem  letzteren  Orte  dehnte 
sich  der  linke  Flügel  bis  an  die  Brenta  aus. 

Die  Brigade  Liptay  hielt  sich  mit  heldenmüthiger  Tapferkeit 
gegen  die  immerwährenden  Angriffe  der  Franzosen ;  von  7  Uhr  früh 
bis  6  Uhr  abends  machte  Massena  auf  dieselbe  mehr  als  zehn 
Angriffe,  welche  alle  blutig  abgeschlagen  wurden.  Gegen  3  Uhr 
nachmittags  begann  F. -M. -Lt.  Provera  sich  überzeugt  zu  halten, 
dass  der,  durch  den  üblen  Erfolg  seiner  Angriffe  bestürzte  Feind  keinen 
ernstlichen  Angriff  gegen  einen  anderen  Punkt  mehr  zu  unternehmen 
gedenke  und  sendete  daher  dem  General  Liptay  das  Leib  -  Bataillon 
Teutschmeister,  1  Bataillon  Banater  und  2  Kompagnien  Lacy  zur 
Hilfe.  Das  Bataillon  Teutschmeister  löste  jenes  von  Nr.  51,  das 
bis  jetzt  an  der  Spitze  gefochten,  unter  dem  heftigsten  Kartätschen- 
uud  Musketenfeuer  des  Feindes  ab  und  erwiderte  dasselbe  mit 
vieler  Tapferkeit  auf  das  lebhafteste.  Auch  die  übrigen  eben  genannten 
Truppen  nahmen  am  Gefechte  rühmlichen  Antheil.  Das  Kanonen-  und 
Musketenfeuer  hielt  bis  spät  in  die  Nacht  an  und  der  heftige 
Kampf  währte  in  Allem  volle  11  Stunden. 

General  Liptay  war  im  Gefechte  verwuudet  worden,  blieb 
aber  an  der  Spitze  seiner  Truppen  und  leitete  das  Gefecht  mit 
unerschütterlicher  Festigkeit  bis  zu  Ende.  Derselbe  lobt  in  seiner 
Belation  dtto:  Feldlager  bei  Moutebello  am  10.  November  1790 
,die  Tapferkeit  und  Standhaftigkeit  der  Truppen*  und  sagt  dann 
bei  Anführung  der  Verdienste  einzelner:  »Auch  vom  Teutschmeister 
,Leib- Bataillon  hat  sich  der  Hauptmann  Zuchari,  welcher  sein 


17M-1797. 


315 


, Bataillon  uuter  dem  heftigsten  Kartätscheu-  und  Musketenfeuer 
„vorgefahrt  und  in  aller  Ordnung  die  Splenischen  abgelöst  hat, 
»besonders  ausgezeichnet,  er  wurde  auch  dabei  verwundet  und  sein 
„ Pferd  unterm  Leib  erschossen;  diese  Ordnung  rührte  ganz  sicher 
.von  der  Bravour  der  Offiziers,  die  Alle  Proben  ihres  Wohlverhaltens 
, gegeben  haben. '  F.-M.-Lt.  Provera  bestätigte  als  Augenzeuge 
in  seinem  Bericht  dtto:  Feldlager  bei  Caldiero  14.  November  1796 
diese  Relation. 

Der  Verlust  des  Leib -Bataillons  bestand  in  diesem  ruhmvollen 
Kampfe  an  Todten:  Regiments -Adjutant  Emerich  Radvany  und 
10  Mann,  Verwundeten:  Hauptmann  Zuchari,  Oberlieutenant 
Baillet,  Lieutenant  Pettenek  und  109  Mann  vom  Feldwebel 
abwärts. 

F.-Z.-M.  Alvinzy  traf  in  der  Nacht  vom  6.  auf  den  7.  No- 
vember alle  Anstalten,  um  die  erfochtenen  Vortheile  zu  benützen 
und  beschloss,  mit  der  Division  Quosdanovich  den  Feind  an- 
zugreifen; auch  Pro vera  erhielt  Befehl,  gleichzeitig  bei  Fontaniva 
über  den  Fluss  zu  setzen  und  auf  die  Division  Massena  loszugehen. 
Am  Morgen  langte  jedoch  von  den  Vorposten  die  Meldung  ein, 
dass  kein  Feind  mehr  zu  sehen  sei,  welcher  die  Nacht  benützt 
hatte,  um  in  grösster  Stille  abzuziehen  und  zurück  nach  Vicenza 
zu  marschiren.  Die  Avantgarde  folgte  dem  Feinde,  während  der 
linke  Flügel,  welcher  eine  Brücke  schlagen  musste,  erst  um  1  Uhr 
nachmittags  übergehen  konnte,  dann  über  Carmignano  vorrückte  und 
um  9  Uhr  abends  das  Lager  bei  S.  Pietro  Engu  bezog.  Am  8.  No- 
vember marschirte  das  Friauler- Korps  in's  Lager  bei  Vicenza,  die 
Franzosen  retirirten  bis  Verona.  Am  9.  rückte  das  Korps  in  das 
Lager  bei  Montebello,  am  11.  nach  Villanova.  Die  bei  la  Rotta 
aufgestellte  Avantgarde  wurde  abends  von  dem  Feinde  aus  Verona 
mit  einer  solchen  Leber  macht  angegriffen,  dass  die  Truppen,  welche 
bei  St.  Martin  ■  standen,  bis  Vago  zurückgehen  mussten.  Hier 
behauptete  sich  die  Avantgarde,  nachdem  sie  den  Feind  zurück- 
geschlagen hatte  und  bezog  die  Stellung  bei  Caldiero. 

Am  Morgen  des  12.  November  griff  Buonaparte  mit  seiner 
ganzen  Macht  in  mehreren  Kolonnen  diese  Stellung  an.  Die  Oester- 
reicher  vertheidigteu  jeden  Fussbreit  des  Bodens  mit  der  glänzendsten 
Tapferkeit  und  der  Kampf  währte  ohne  Entscheidung  bis  nachmittags 
ununterbrochen  fort.  Die  Franzosen  hatten  bereits  grosse  Verluste 


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310 


175HJ-17OT. 


erlitten,  als  es  endlich  einer  ihrer  Kolonnen  gelang,  über  llasi  die 
rechte  Flanke  der  kaiserlichen  Stellung  zu  umgehen  und  die  Höhe 
von  Colognola  zu  erreichen. 

F.-Z.-M.  Alvinzy  hatte  aus  dem  Lager  bei  Villanova  auf 
die  Nachricht  von  dem  feindlichen  Angriff  mehrere  Bataillone,  darunter 
Teutschmeister,  aufbrechen  lassen,  um  den  Vortrab  zu  unterstützen. 
Durch  das  den  ganzen  Tag  anhaltende  Regenwetter  waren  jedoch 
die  Strassen  so  verdorben,  dass  die  Truppen  nur  sehr  langsam  fort- 
kommen konnten.  Endlich  in  dem  entscheidendsten  Augenblicke  kam 
die  Spitze  der  einen  über  Soatze  und  Costeggiola  marschirendeu 
Kolonne  unter  General  Schubirz  bei  Colognola  an,  welche  Höhe, 
wie  erwähnt,  der  Feind  bereits  sehr  stark  besetzt  hatte.  Das  Obrist- 
Bataillon  von  Teutschmeister  unter  Kommando  des  Hauptmanns 
Terzi,  welchem  das  Leib  -  Bataillon  folgte,  griff  sogleich  mit 
unwiderstehlicher  Tapferkeit  die  vielfach  überlegenen  und  vorteilhaft 
auf  der  Höhe  postirten  Franzosen  an  und  warf  sie  der  Art  zurück, 
dass  sie  in  Verwirrung  geriethen  und  unter  Zurücklassung  vieler 
Todten  und  Verwundeten  die  Flucht  ergriffen.  FiS  waren  Truppen 
der  Division  Massena,  welche  sich  bald  wieder  sammelten  und 
erneuert  vordrangen,  um  den  Teutschmeistera  die  Höhe  zu  entreissen. 
Diese  waren  aber  schnell  mit  einer  staunenswerthen  Ordnung  auf- 
marschirt,  empfingen  die  Angreifer  mit  einem  mörderischen  Bataille- 
feuer  und  behaupteten  die  so  ruhmvoll  genommene  Stellung  gegen 
alle  Anstrengungen  des  Feindes. 

Mittlerweile  war  auch  F. -M. -Lt.  Provera  mit  den  übrigen 
Truppen  angelangt  und  griff  die  Division  Augereau  in  der  rechten 
Flanke  mit  solchem  Ungestüm  an,  dass  sie  bald  den  Widerstand 
aufgab  und  dann  die  ganze  französische  Macht  nach  Verona  retirirte. 

Das  Regiment  Teutschmeister  hatte  im  Laufe  des  Gefechtes 
ein  Bataillon  von  Nr.  3ö  als  Unterstützung  erhalten.  Während  dieses 
Bataillon  in  Fronte  aufmarschirte,  fiel  das  Obrist- Bataillon  Teutsch- 
meister dem  Feinde  mit  dem  Bajonnet  in  die  linke  Flanke  und 
entschied  dadurch  den  Sieg. 

F.-M.-Lt.  Pro vera  rühmt  in  seiner  Relation  die  ausser- 
ordentliche Tapferkeit  des  Regiments,  ebenso  seines  Adjutanten,  des 
Oberlieutenant  Schmidt  von  Teutschmeister.  General  Schubirz 
hebt  „bei  dieser  das  Ganze  so  bedeutend  entscheidenden  Gelegenheit 
den  raschen  uud  muthvollen  Angriff"  ganz  besonders  hervor. 


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17M-17!)7. 


317 


Das  Regiment  zählte  7  Todte  und  41  Verwundete,  vom  Feld- 
webel abwärts  und  hatte  beim  Verfolgen  CO  Franzosen  gefangen. 
Der  Verlust  des  Feindes  betnig  2500  Mann ;  1  General,  52  Offiziere 
wurden  gefangen;  1  Fahne  und  2  Kanonen  erobert. 

Das  Regiment  stellte  sich  nach  der  Schlacht  mit  einem  Bataillon 
vor  und  mit  dem  andern  bei  dem  Dorfe  Vago  auf  und  bezog  die 
Vorposten;  das  Friauler  -  Korps  hatte  den  rechten  Flügel  auf  den 
Höhen  von  Lavagno  bis  S.  Giacomo,  den  linken  bei  la  Rotta  und 
die  Vorhut  bei  S.  Martino. 

Buonaparte  hatte  den  Entschluss  gefasst,  bei  Ronco  über 
die  Etsch  zu  setzen,  schnell  längs  dem  Wildbache  Alpon  Über  Arcole 
und  S.  Bonifacio  vorzudringen,  den  vor  Villanova  zurückgelassenen 
Artillerie  -  Park  und  Armeegepäck  der  vor  Verona  stehenden  öster- 
reichischen Armee  zu  überfallen  und  diesem  Heere  den  Rückweg 
an  die  Brenta  abzuschneiden.  F.  -  Z.  -  M.  A 1  v  i  n  z  y  war  eben  in 
seinem  Hauptquartier  Gombione  mit  den  Vorbereitungen  beschäftigt, 
um  in  der  Nacht  vom  15.  zum  IG.  November  bei  Zevio  über  die 
Etsch  zu  gehen  und  gleichzeitig  Verona  angreifen  zu  lassen.  Da  ver- 
nahm er  am  Morgen  des  15.,  dass  Buonaparte  mit  den  Divisionen 
Massena  und  Augcreau  in  der  Nacht  den  Fluss  bei  Ronco  übersetzt 
und  die  Vorposten  auf  dem  linken  Flflgel  der  Armee  bei  Arcole  und 
S.  Bonifacio  znrückged rückt  habe. 

Das  Terrain  zwischen  dem  Alpon  und  der  Etsch  ist  ganz  mit 
Morästen  bedeckt,  durch  welche  zwei  Hauptdämme  führen,  auf 
welchen  die  Franzosen  anrückten  und  auf  welchen  die  Schlacht 
geliefert  wurde.  F.-Z.-M.  Alvinzy  liess  den  rechten  Flügel  aus 
der  Stellung  von  Caldiero  über  Porcile  gegen  Bionde  vorrücken. 
Sticker  stiege  auf  dem  Damme  mit  der  Division  Massena  zusammen; 
das  Gefecht  dauerte  hier  mit  abwechselndem  Glucke  den  ganzen 
Tag  fort,  worauf  am  Abende  Massena  den  Rückzug  nach  Ronco 
antrat.  Unterdessen  hatte  Augereau  die  Brücke  über  den  Alpon 
bei  Arcole  angegriffen,  welche  der  österreichische  linke  Flügel  mit 
wahrem  Heldenmuthe  vertheidigte  und  alle  Stürme  abschlug.  Buona- 
parte mit  der  Fahne  in  der  Hand  und  alle  französischen  Generale 
setzten  sich  vergebens  an  die  Spitze  ihrer  Truppen  —  die  Franzosen 
mussten  nach  ungeheueren  Verlusten  weichen.  Bei  Anbruch  der 
Nacht  zog  Buonaparte  sein  Heer  bei  Ronco  über  die  Etsch 
zurück  und  liess  auf  dem  linken  Ufer  nur  einige  Halb  -  Brigaden  zur 


318  175M1-1797. 

Bewachung  der  Brücke  stehen.  Das  Dorf  Arcole  wurde  abends  von 
den  Oesterreichern  geräumt  und  dann  von  den  Franzosen  besetzt. 

AI  vi  dz;  hatte  nachmittags  die  Brigaden  Schubirz,  dabei  das 
Obrist-  Bataillon  Teutschmeister,  und  Stiker  zur  Unterstützung  des 
linken  Flügels  bei  Arcole  an  den  Alpon  aufbrechen  lassen,  wo  sie 
in  der  Nacht  eintrafen  und  unter  das  Kommando  des  General 
Mittrowsky  gestellt  wurden,  dessen  Truppen  nun  14  Bataillons 
betrugen.  Buonaparte  hatte  noch  in  der  Nacht  Arcole  räumen 
lassen. 

Am  Morgen  des  16.  November  liess  er  seine  Truppen  wieder 
über  die  Brücke  bei  Ronco  ziehen  und  auf  den  Dämmen  gegen 
Porcile  und  Arcole  vorrücken.  Die  beiden  österreichischen  Flügel 
waren  zu  derselben  Zeit  in  der  Vorrückung  gegen  die  Brücke  bei 
Konco  begriffen  und  stiessen  daher  mit  den  feindlichen  Kolonnen 
auf  den  Dämmen  zusammen.  Provera  mit  dem  rechten  Flügel 
kämpfte  gegen  M  a  s  s  e  n  a  bei  la  Zerpa  und  musste  endlich  gegen 
Caldiero  zurückweichen. 

Als  die  Truppen  des  General  Mittrowsky  mit  der  Division 
Augereau  auf  dem  Damme  zusammenstiessen,  entspann  sich  ein 
lebhafter  Kampf.  Die  Division  Augereau  wurde  beinahe  bis  an  das 
Ufer  der  Etsch  zurückgedrängt.  Die  Franzosen  schienen  auf  dieser 
Seite  eben  zu  jener  Zeit  zu  unterliegen,  als  die  Kolonne  Provera 
sich  zurückzog.  Die  auf  dem  Damm  von  Arcole  so  rühmlich  käm- 
pfende Kolonne  verlor  jedoch  über  dieses  widrige  Ereigniss,  welches 
von  ihren  Truppen  vollkommen  übersehen  werden  konnte,  ebenfalls 
die  Fassung  und  begann  zu  weichen.  Augereau 's  Vortrab  rückte 
nun  wieder  vor  und  es  war  zu  befürchten,  dass  die  Franzosen  auch 
auf  dieser  Seite  grosse  Vortheile  erringen  würden.  Doch  ein  Bataillon 
Kroaten  schlich  sich  hinter  dem  Damme  vorwärts  und  machte 
plötzlich  ein  so  verheerendes  Feuer  auf  die  am  weitesten  vor- 
gedrungenen Franzosen,  dass  die  meisten  dahingestreckt  und  der 
Rest  mit  Zurücklassung  einer  Kanone  die  Flucht  ergriff. 

General  Mittrowsky  sammelte  um  Mittag  seine  Truppen  an 
der  Brücke  von  Arcole  und  stellte  dieselben  zu  deren  Vertheidigung 
auf.  Das  Obrist- Bataillon  Teutschmeister  mit  einem  Bataillon  Karl- 
städter-Grenzer kam  am  linken  Ufer  des  Alpon  hinter  Arcole. 
Mehrere  neue  Versuche  Augereau's  an  die  Brücke  vorzudringen, 
wurden  vereitelt.  Auf  dem  Damrae  schlug  mau  sich  mit  Hartnäckig- 


1700-1797. 


310 


keit  und  beiderseitigem  grossen  Verlust.  Teutschmeister  und  die 
Grenzer  feuerten  den  französischen  Kolonnen,  so  oft  diese  vorrückten, 
mit  grosser  Wirkung  in  die  Flanke.  Augereau's  Versuch,  die- 
selben mit  Granaten  aus  ihren  Posten  zu  vertreiben,  hatte  keinen 
Erfolg.  Auch  trugen  diese  Bataillone  dazu  bei,  mehrere  Versuche 
der  Franzosen  zur  Uebersetzung  des  unteren  Alpon  zu  vereiteln. 

Mit  Einbruch  der  Nacht  beschlossen  die  Franzosen,  die  den 
ganzen  Tag  fortgedauerten  Gefechte  mit  einem  neuen  Angriff,  bei 
welchem  sie  die  linke  Flanke  tourniren  wollten,  was  aber  gänzlich 
misslang  und  wobei  sie  einige  Geschfltze  verloren. 

In  der  Nacht  führte  Buonaparte  sein  ganzes  Heer  zum 
zweiten  Male  über  die  Brücke  bei  Ronco  zurück  und  Hess  dann  eine 
Bockbrücke  über  den  Alpon  schlagen. 

Am  17.  November  vor  Anbruch  des  Tages  setzte  sich  die 
französische  Armee  in  Bewegung  um  zum  dritten  Male  über  die 
Brücke  bei  Ronco  die  Etsch  zu  passiren.  Gegen  10  Uhr  vormittags 
rückte  die  Division  Massena  auf  beiden  Dämmen  vor.  General  Robort 
gelangte  bis  gegen  die  Brücke  von  Arcole,  wurde  aber  von  Mittrowsky 
geschlagen,  ihm  eine  Kanone  und  einige  hundert  Gefangene  abge- 
nommen. Nun  verfolgten  die  Oesterreicher  die  fliehenden  Franzosen 
bis  gegen  die  Brücke  von  Ronco,  wurden  aber  hier  von  allen  Seiten 
angefallen  und  zurückgedrückt. 

Das  Leib  -  Bataillon  Teutschmeister  und  ein  Grenz  -  Bataillon 
waren  am  Morgen  von  Caldiero  aus  zur  Unterstützung  der  Division 
Mittrowsky  nach  S.  Bonifacio  in  Marsch  gesetzt  worden,  wo  sie 
gegen  Mittag  eintrafen,  am  linken  Ufer  des  Alpon  hinter  Arcole  als 
Reserve  aufgestellt  wurden  und  hier  der  Kolonne  Gardanne  in  ihrem 
Streben  die  Brücke  zu  erstürmen,  ein  Ziel  setzton. 

Die  Division  Augereau  hatte  eine  Brücke  über  den  Alpon 
geschlagen  und  rückte  auf  dem  an  des  Baches  linken  Ufer  fort- 
laufenden Damme,  der  sehr  schwach  besetzt  war,  gegen  Arcole  vor. 
Buonaparte  hatte  einen  Trupp  Reiter  mit  mehreren  Trompetern, 
um  die  Moräste  herum,  gegen  Arcole  eilen  und  in  jener  Gegend 
durch  Blasen  und  Schiessen  einen  gewaltigen  Lärm  verbreiten  lassen. 
Durch  diese  List  wähnton  sich  die  längs  dem  Alpon  aufgestellten 
Truppen  bereits  abgeschnitten  und  setzten  dem  Feinde  einen  ge- 
ringeren Widerstand  entgegen.  Die  von  Legnago  kommende  fran- 
zösische Kolonne  rückte  über  S.  Grazione  in  den  Rücken  von  Arcole, 


320 


179«  -1797. 


und  da  auch  ein  Theil  der  Divison  Massena  längs  dem  rechten  Ufer 
des  Alpon  gegen  die  Brflcke  vorrückte,  so  rausste  der  österreichische 
linke  Flügel  endlich  das  Dorf  räumen  und  zog  sich  nach  S.  Bonifacio, 
wo  auch  der  rechte  Flflgel  von  Galdicro  ankam.  Die  aus  Arcole  vor- 
hrechenden  Franzosen  drangen  Ichhaft  nach  und  es  wäre  ihnen 
beinahe  gelungen,  die  unter  Provera  sich  zurückziehenden  Truppen 
von  Villanova  abzuschneiden.  Aber  F. -Z.-M.  Alvinzy  selbst  setzte 
sich  an  die  Spitze  der  Brigade  Schuhirz,  bei  welcher  sich  das  Obrist- 
Bataillon  befand,  griff  die  verfolgenden  Franzosen  an  und  warf  sie 
nach  Arcole  zurück.  Von  den  Truppen  des  General  Mittrowsky 
stand  nunmehr  der  rechte  Flflgel  an  S.  Bonifacio  gelehnt,  der  linke 
hatte  sich  nach  Cologna  gezogen.  Der  österreichische  rechte  Flügel 
langte  spät  abends  bei  Villanova  an.  In  dieser  Stellung  brachte  das 
Korps,  vom  Feinde  gar  nicht  beunruhigt,  die  Nacht  zu  und  trat  am 
18.  vor  Tagesanbruch  den  Marsch  nach  Montebello  an. 

Die  Armee  hatte  in  dieser  dreitägigen  Schlacht  einen  Gesammt- 
verlust  von  G211  Mann.  Das  Regiment  zählte  31  Todte,  07  Ver- 
wundete und  09  Vermisste,  unter  letzteren  den  Fähnrich  Josef 
Bai  er.  Die  Franzosen  verloren  4500  Mann  .und  fast  alle  ihre 
Generale  waren  todt  oder  verwundet,  da  sie  nur  durch  ihr  eigenes 
Beispiel  und  persönliche  Aufopferung  die  so  oft  zurückgeschlagenen 
Truppen  zum  Vorgehen  bewegen  konnten. 

Ohne  vom  Feinde  verfolgt  worden  zu  sein,  bezog  das  Korps 
am  Abend  des  18.  bei  Olmo  das  Lager.  Alvinzy  hielt  hier  Kriegs- 
rath, in  welchem  alle  Generale  den  ehrenvollen  Beschluss  fassten, 
wieder  vorzurücken,  damit  Buonaparte  sich  nicht  mit  voller 
Macht  auf  das  Tiroler  Korps  werfen  könne. 

Noch  im  Laufe  des  19.  erlangte  man  die  Gewissheit,  dass  die 
französische  Armee  über  Verona  im  vollen  Marsche  gegen  das  Tiroler- 
Korps  begriffen  sei,  daher  das  Friauler  Korps  am  20.  morgens  von 
Olmo  aufbrach,  gegen  Montebello  vorrückte  und  hinter  Villanova 
aufmarschirte.  Am  21.  rückten  die  Kolonnen  gegen  Caldiero  und 
Arcole  vor.  Prinz  Hoheuzollern  erstürmte  die  Höhen  bei 
Caldiero,  worauf  die  Division  Provera  bei  Colognola  das  Lager 
bezog ;  General  Mittrowsky  nahm  bei  Arcole  und  Albaredo 
gegen  Abend  Stellung. 

In  der  Nacht  traf  die  gewisse  Nachricht  ein,  dass  die  Division 
Augereau  über  das  Veroneser  Gebirge  nach  Peri,  in  Rücken  und 


17M-1797. 


321 


Flanke  des  Tiroler  -  Korps  marschirt  sei.  F. -Z.-M.  Alvinzy 
detachirte  daher  am  Vormittage  des  22.  den  General  S  c  h  u  b  i  r  z 
mit  beiden  Bataillons  Teutschmeister  Ober  Lovagno,  Ventri  und 
Quinto  in  das  Val  pontena,  um  der  feindlichen  Kolonne,  welche 
sich  in  diese  Gebirge  eingelassen,  in  den  Rucken  zu  fallen.  Ein 
zweiter,  «lern  General  nachgesendeter  Befehl  wies  denselben  an, 
seinen  Marsch  über  Lugo  zu  nehmen.  Am  23.  sah  sicli  Augereau 
durch  den  Marsch  der  Brigade  Schubirz  in  seinem  Rücken  bedroht 
und  zog  sich  daher  aus  dem  oberen  Etsch-Thale  und  den  Gebirgen 
von  Pen  nach  Dolce  zurück. 

Das  Friauler  Korps  blieb  den  22.  und  23.  in  seinen  Stellungen. 
Vormittags  erfuhr  Alvinzy  das  nachtheilige  Gefecht  bei  Kivoli 
und  den  v  ölligen  Rückzug  des  Tiroler  -  Korps.  Er  gab  nun  jede 
Hoffnung  zur  Fortsetzung  der  offensiven  Operationen  zum  Entsätze 
Mantua's  auf.  Um  den  Rückzug  zu  maskiren,  wurden  die  französischen 
Vorposten  angegriffen  und  nach  Verona  geworfen,  dann  in  der  Nacht 
vom  23.  auf  den  24.  der  Marsch  von  Colognola  bis  Montebello  und 
am  24.  November  nach  Vicenza  ausgeführt.  Hier  wurden  die  Truppen 
in  die  Stellung  hinter  der  Brenta  vertheilt;  F.-M.-Lt.  Quos- 
d  a  n  o  v  i  c  h  stellte  sich  mit  den  Brigaden  Brigido  und  Schubirz  im 
Centrum  bei  Bassauo  auf  und  dann  bezogen  am  25.  die  Bataillone 
Kantonnirungen. 

Das  dritte  Bataillon  hatte  seit  seinem  Einrücken  fortwährend 
den  Garnisonsdienst  in  Bozen  versehen  und  war  erst  im  November 
durch  eingerückte  Verstärkungen  und  aus  der  Kriegsgefangenschaft 
ausgewechselter  Mannschaft  wieder  auf  den  vollen  Stand  gebracht 
worden. 

Seit  den  letzten  Tagen  des  November  waren  die  beiden  sich 
gegenüberstehenden  Heere  fast  ganz  unthätig  geblieben.  Das  Re- 
giment erhielt  aus  dem  Werbbezirk  150  Mann,  auch  rückten  die  in 
Gefangenschaft  gerathenen  Offiziere  -und  viele  von  der  Mannschaft 
ein,  so  dass  das  Regiment  gegen  Ende  Dezember  beinahe  den  vollen 
Kriegsstand  formirte.  Für  die  Verpflegung  war  ausgezeichnet  gesorgt 
und  so  erholten  sich  die  Truppen  zusehends  von  den  unerhörten 
Strapazen  des  Feldzuges  1796.  Der  patriotische  Sinn  der  Wiener, 
welche  ein  schönes  Freiwilligen -Bataillon  von  1000  Mann  errichtet 
hatten,  bedachte  auch  ihre  im  Regiment  Teutschmeister  vor  dem 
Feinde  stehenden  Söhne  mit  vielen  Spenden  an  Geld  und  Wäsche. 

21 


322 


179«  1797. 


Auch  waren  alle  Briefe  voll  des  Lobes  Ober  die  vom  Regiment  be- 
wiesene Tapferkeit  bei  Caldiero  und  Arcole,  welche  die  wackeren 
Bürger  mit  Stolz  und  hoher  Befriedigung  erfüllte. 

Obristlieutenant  Hansch  war  in  Folge  Allerhöchster  Ent- 
schlicssung  vom  14.  Mai  1790  zum  Obristen  beim  Regiment  Nr.  51 
befördert  worden. 

Kaiser  Franz  L  befahl  gegen  Ende  Dezember  abermals  vor- 
zurücken, um  das  hart  bedrängte  Mantua  zu  entsetzen.  Man  beschloss 
zu  diesem  Ende  zwei  Kolonnen  in  der  Ebene  gegen  Mantua  und 
Verona  demonstrativ  vorrücken  zu  lassen,  um  die  Aufmerksamkeit 
des  Gegners  hierher  zu  lenken  uud  dann  mit  sechs  Kolonnen  die 
feste  feindliche  Stellung  bei  Rivoli  anzugreifen.  Das  dritte  Bataillon 
des  Regiments  erhielt  seine  Eintheilung  in  die  vierte  Kolonne,  unter 
dem  Generai  Oeskay,  die  beiden  Feld  -  Bataillone  in  die  fünfte 
Kolonne,  unter  General  Fürst  Reuss. 

Am  7.  Jänner  1797  brachen  die  Kolonnen,  welche  die  weitesten 
Strecken  zurückzulegen  hatten,  von  ihren  Sammlungspunkten  auf; 
die  vierte  von  Rovercdo  gegen  Ala,  die  fünfte  von  Bassauo  durch 
das  Val  suggana  gegen  Trient.  Am  12.  erreichte  die  erstere  Belluno 
und  Rivaita,  die  letztere  Avio.  Die  Infanterie  der  vierten  Kolonne 
hatte,  nach  einem  am  12.  um  5  Uhr  abends  aus  dem  Hauptquartier 
abgegangenem  Befehl,  am  Morgen  des  13.  durch  die  Schlucht  von 
Belluno  nach  der  Höhe  des  Montcbaldo  marschiren  und  sich  der 
dritten  Kolonne  anschliessen  sollen.  Doch  diese  Ordre  kam  erst 
gegen  Mitternacht  des  12.  dem  Oberbefehlshaber  der  vierten  und 
fünften  Kolonne,  F.-M.-Lt.  Quosdanovich,  in  Peri  zu.  Um  halb 
1  Uhr  nach  Mitternacht  des  13.  Jänner  schickte  derselbe  dem  General 
Fürst  Reuss  den  Befehl,  die  Infanterie  der  vierten  Kolonne  in 
Belluno  durch  eine  gleich  grosse  Zahl  ablösen  zu  lassen,  worauf 
jene  erst  den  Marsch  auf  den  Montebaldo  antreten  konute.  Diesen 
Befehl  erhielt  General  Fürst.  Reuss  erst  am  13.  Nachmittag, 
während  die  vierte  Kolonne  den  Vormittag  im  ununterbrochenen 
Marsche  über  Croara  gegen  Canale  und  die  fünfte  hinter  derselben 
auf  Belluno  hinab,  sich  befand.  General  Oeskay  kehrte  mit  seinen 
vier  Bataillons  auf  der  Etschstrasse  über  Croara  und  Preabocco 
zurück  nach  Belluno  und  erstieg  dann  durch  die  dortige  Schlucht 
den  Montebaldo.  Um  7  Uhr  abends  marschirte  er  hinter  der  zweiten 
und  dritten  Kolonne  so  auf,  dass  sich  sein  linker  Flügel  mit  der 


1796-1797. 


323 


dritten  Kolonne  nächst  den  sich  gegen  S.  Marco  dehnenden  Höhen, 
der  rechte  bei  Caprino  mit  der  zweiten  Kolonne  verband.  Die  fünfte 
Kolonne  Hess  mittags  von  Belluno  mehrere  Bataillons  über  Preabocco 
und  Croara  vorrücken,  um  die  früher  für  die  vierte  Kolonne  bestimmte 
Stellung  einzunehmen.  Mit  Einbruch  der  Nacht  stand  der  Vortrab 
der  fünften  Kolonne  vor  Canale,  nahe  an  den  feindlichen  Schanzen. 
Ein  Bataillon  Teutschmeister  marschirte  nach  Peri  und  detachirte 
nach  seinem  Eintreffen  am  14.  zwei  Kompagnien  nach  St.  Anna, 
zwei  nach  Breonio,  um  den  Rücken  des  Obrist  Mixich  zu  sichern 
und  ihn  nöthigenfalls  zu  unterstützen. 

Um  7  Uhr  abends  erliess  F.-Z.-M.  Alvinzy  die  Angriffs- 
Disposition  für  den  14.,  nach  welcher  die  viert«  Kolonne  am  Fussc 
der  Höhen  von  St.  Marco  zwischen  der  dritten  und  zweiten  vor- 
rücken, die  in  der  Tiefe  gelegenen  Orte  S.  Michaele  imd  Lubiara, 
dann  alle  sonstigen  dort  von  den  Franzosen  besetzten  Häuser  erobern 
solle.  Die  fünfte  Kolonne  hatte,  ihrer  Vorhut  folgend,  über  Brentino, 
Preabocco,  Croara  gegen  Canale  hcrabzurucken,  dann  auf  der  Strasse 
der  Osteria  dela  dogana  das  Plateau  zu  ersteigen  und  in  der  rechten 
Flanke  der  Stellung  von  Kivoli  vorzudringen. 

Erst  am  Abend  des  13.  hatte  Buonaparte  die  volle  Ueber- 
zeugung  von  den  eigentlichen  Absichten  der  Oesterreicher  erlangt, 
da  ihn  die  beiden  Kolonnen  in  der  Ebene  durch  ihre  Angriffe  in 
der  Meinung  bestärkten,  dass  hier  die  Entscheidung  beschlossen  sei. 
Vor  Mitternacht,  am  13.,  liess  er  die  Division  Massena  im  Eilmarsch 
nach  Rivoli  rücken,  wohin  er  sich  auch  persönlich  begab.  Noch  in 
der  Nacht  erfuhr  Alvinzy,  dass  der  bei  Kivoli  kommandirende 
General  Joubert  bedeutende  Verstärkungen  unverzüglich  erwarte, 
daher  die  vierte  Kolonne  Befehl  erhielt,  dem  so  wichtigen  Punkte 
der  Markus-Kapelle  näher  zu  rücken. 

Noch  in  der  Nacht  begann  das  Feuer  der  Vorposten,  welches 
beim  Anbruch  des  Tages,  14.  Jänner,  fortwährte  und  nun,  da  die 
zweite,  dritte  und  vierte  Kolonne  gegen  die  Höhen,  auf  welchen 
sich  Joubert 's  Centrum  gestellt  hatte,  vorrückten,  in  die  förmliche 
Schlacht  überging.  Die  dritte  und  vierte  Kolonne  kämpften  um  den 
Besitz  der  Kapelle  von  S.  Marco  und  der  von  dieser  sich  gegen 
Rivoli  herabziehenden  Höhen,  welche  die  französische  Brigade  Vial 
vertheidigte.  Diese  hielt  rechts  die  dritte  Kolonne  zwei  Stunden  in 
ihrem  Vorrücken  auf;  erst  als  General  Oeskay  mit  der  vierten 

21* 


324 


171)« -1797. 


Kolonne,  nachdem  diese  lange  mit  der  14.  Halb -Brigade  um  den 
Besitz  des  Dorfes  S.  Giovanni  gekämpft  hatte,  nach  9  Uhr  vor- 
mittags auf  den  Höhen  westlich  des  Plateaus  von  Rivoli  vorrückte, 
eroberte  auch  die  dritte  Kolonne  die  Höhen  der  Markus  -  Kapelle. 
Die  Brigade  Vial  wich  gegen  die  Verschanzungen  von  Osteria 
zurück  und  wurde  lebhaft  verfolgt.  Oeskay  unterstützte  die  An- 
strengungen der  dritten  Kolonne  auf  das  thätigste,  eroberte  noch 
mehrere  der  vor  ihm  liegenden  Höhen  und  nahm  dem  weichenden 
rechten  Flügel  der  Division  Joubert  zwei  Kanonen  ab.  Bei  allen 
diesen  Kämpfen  war  das  Bataillon  Teutschmeister  in  erster  Linie 
und  zeichnete  sich  durch  besonderen  Muth  und  Entschlossenheit  aus. 

Buonaparte  erkannte  die  Gefahren,  welche  ihm  in  diesem 
Momente  drohten,  denn  auch  die  zweite  Kolonne  war  siegreich  in 
den  Rücken  der  Stellung  vorgedrungen,  aber  zu  seinem  Glücke 
langte  nun  die  Division  Massena  an,  welche  die  ganze  Nacht 
marschirt  war  und  nahm  Stellung  auf  dem  linken  Flügel,  vorwärts 
Rivoli. 

Indessen  war  auch  die  14.  Halb -Brigade  durch  die  vierte 
Kolonne  aus  S.  Giovanni  vertrieben  worden,  welches  die  Grenadiere 
besetzten.  Die  14.  Halb-Brigade  hatte  sich  weiter  rückwärts  noch- 
mals aufgestellt,  widerstand  mit  grösster  Hartnäckigkeit  der  Kolonne 
des  Generals  Oeskay  und  deckte  dadurch  die  über  Lubiara  nach 
Rivoli  führende  Strasse,  auf  welcher  sich  damals  eben  der  rechte 
Flügel  der  Division,  nämlich  die  Brigade  Vial,  von  der  dritten 
Kolonne  lebhaft  gedrängt  und  auch  schon  von  der  fünften  Kolonne 
Fürst  Reu ss  in  ihrer  rechten  Flanke  bedroht,  auf  Rivoli  zurückzog. 
Diese  Halb  -  Brigade  griff  sogar  das  Dorf  S.  Giovanni  aufs  Neue  an. 

Da  um  diese  Zeit  die  zweite  Kolonne  den  linken  Flügel  Joubert's 
in  die  Flucht  getrieben  hatte,  so  gewann  auch  im  Centrum  General 
Oeskay  überall  Terrain.  Nur  um  den  Besitz  des  Dorfes  S.  Giovanni 
rangen  noch  heftig  die  Grenadiere  und  eine  Division  Teutschmeister. 
General  Berthier  suchte  das  Vordringen  der  Oesterreicher  aus 
diesem  Dorfe  auf  der  geraden  Strasse  nach  Rivoli  zu  hindern,  damit 
die  Brigade  Vial  ihren  Rückzug  nach  diesem  Orte  ausführen  könne. 

Da  die  zweite  Kolonne  immer  weiter  in  der  linken  Flanke  der 
bei  S.  Giovanni  fechtenden  14.  Halb-Brigade  vordrang  und  von 
dieser  Seite  bereits  der  Strasse  nach  Rivoli  nahte,  so  rückte 
Massena  mit  einer  Brigade  dieser  Kolonne  entgegen  und  es  gelang 


1706  1707. 


325 


ihm  hier  einige  österreichische  Abtheilungen  aufzuhalten.  Indem 
sich  Massena  auf  den  Höhen  von  Trombalona  behauptete,  ver- 
zögerte er  zwar  die  allgemeine  Niederlage,  doch  schien  dieselbe 
nicht  lange  mehr  zu  vermeiden. 

Nachdem  die  dritte  Kolonne  die  Brigade  Vial  von  den  Höhen 
von  S.  Marco  hinabgeworfeu,  eilte  sie  gegeu  den  Rflcken  der  Ver- 
schanzungen bei  der  Osteria  della  Dogana  vor,  um  der  fünften 
Kolonne  den  Zugang  nach  der  Hochfläche  zu  eröffnen.  General 
Oeskay  Hess  die  diese  Schanzen  besetzende  Halb-Brigade  und  die 
weichende  Brigade  Vial  aus  den  zwei  eroberten  Kanonen  beschiessen 
und  vermehrte  dadurch  die  allgemeine  Verwirrung  der  Franzosen. 

Die  dritte  im  Vereine  mit  der  fünften  Kolonne  erstürmten  die 
Schanzen,  wodurch  die  Spitze  der  letzteren  die  Fläche  erreichte, 
während  die  übrigen  Truppen  dieser  Kolonne,  dabei  das  Feld- 
Bataillon  Teutschmeister,  voll  Eifer  die  Entscheidung  zu  beschleu- 
nigen, sich  durch  den  beschwerlichen  Engweg  nach  der  Höhe  hinauf- 
drängten.  Die  Niederlage  des  rechten  Flugeis  der  Division  Joubert 
war  vollendet.  Auch  die  erste  Kolonne  hatte  die  ihr  durch  die 
Disposition  vorgeschriebenen  Bewegungen  vollendet  und  war  nun  über 
der  Strasse,  welche  von  Rivoli  nach  Campara  führt,  im  Rücken  des 
Feindes  aufmarschirt.  Um  den  Sieg  zu  vollenden,  sollten  die  dritte 
und  vierte  Kolonne  noch  auf  eine  kurze  Strecke  vorwärts  rücken, 
die  Entwickelung  der  fünften  decken  und  dann  vereint  die  von  den 
Franzosen  vor  Rivoli  angelegten  Schanzen,  welche  nach  dem  Ver- 
luste der  Höhen  ohnehin  nicht  mehr  haltbar  waren,  erstürmen. 

Massena  widerstand  mit  zwei  Brigaden  im  Ceutrum  der 
zweiten  und  vierten  Kolonne  und  erhielt  sich  auf  der  Anhöhe  von 
Trombalora;  Joubert  sammelte  seine  iu  grösster  Unordnung  be- 
findlichen Brigaden  bei  Rivoli.  Abteilungen  der  dritten  und  vierten 
Kolonne,  dabei  das  dritte  Bataillon  Teutschmeister,  hatten  nach  und 
nach  die  meisten  die  Hochfläche  von  Rivoli  einfassenden  Höhen 
genommen  und  vermehrten  die  unter  dem  Feinde  herrschende  Ver- 
wirrung durch  ihr  lebhartes  Gewehrfeuer.  Aber  auch  diese  Truppen 
waren  auf  dem  durchschnittenen  Terrain  aus  der  Ordnung  gekommen, 
verfolgten  in  ihrem  Eifer  vereinzelt  die  fliehenden  Feinde  und  Hessen 
sich  zerstreut  in  die  Fläche  von  Rivoli  hinab. 

Indessen  hatte  Buonaparte  der  fluchtigen  Brigade  Vial 
200  Reiter  zu  Hilfe  gesendet,  unter  deren  Schutze  sich  dieselbe 


326 


wieder  sammeln  sollte.  Die  unerwartete  Erscheinung  dieser  Reiter 
machte  auf  die  zerstreut  vordringenden  österreichischen  Plänkler 
einen  überraschenden  Eindruck;  einzelne  begannen  zurückzuweichen. 
Bald  verbreitete  sich  Bestürzung  über  die  ganze  Linie  der  Plänkler 
und  diese  flohen  gegen  ihre  Kolonneu  zurück.  Die  französischen 
Reiter  folgten  anfangs  nur  langsam,  denn  sie  konnten  selbst  die 
grosse  Wirkung  nicht  ahnen,  welche  ihr  Erscheinen  erregt  hatte. 
Die  dritte  und  vierte  Kolonne  waren  mit  ihren  geschlossenen  Haupt- 
theilen  im  steten  Vorrücken  begriffen,  als  die  Schwärme  der  fliehenden 
Plänkler  plötzlich  auf  sie  zurückstürzten  und  hinter  denselben  die 
verfolgende  Reiterei  sich  zeigte.  Da  verloren  auch  diese  Truppen 
die  Fassung,  der  Schreck  wurde  allgemein;  ohne  noch  selbst  an- 
gegriffen zu  sein,  geriethen  sie  in  Verwirrung  und  eilten  nach 
S.  Giovanni  zurück.  Diese  rückgängige  Bewegung  artete  bald  in 
Flucht  aus.  Alle  Bemühungen  und  Aufopferung  der  Offiziere  war 
vergebens;  kaum  hatten  sie  einige  Leute  zusammengebracht,  riss 
sie  ein  dahereilcnder  Schwärm  wieder  auseinander  und  so  wurde  die 
Markus  -  Kapelle  und  alle  die  so  mühsam  erkämpften  Höhen  ver- 
lassen. Auch  die  fünfte  Kolonne  ward  mitgerissen,  doch  gelang  es 
dem  General  Fürst  Reuss  einige  Kompagnien,  wo  sich  die  Strasse 
nächst  dem  Engweg  der  Osteria  naht,  in  die  Laufgräben  zu  werfen, 
welche  die  französische  Infanterie  in  ihrem  Vordringen  aufhielten. 
Diese  Kolonne  begann  dann  den  Rückzug  in  guter  Ordnung  über 
Croara  nach  Preabocco  gegen  Brcntino  und  Rivaita. 

Die  Sammlung  und  Ordnung  der  zweiten,  dritten  und  vierten 
Kolonne  wurde  mit  der  angestrengtesten  Thätigkeit  betrieben  und 
F.-Z.-M.  Alvinzy  befahl  am  nächsten  Tage  wieder  vorzurücken. 
Gegen  8  Uhr  morgens  am  15.  Jänner  stiessen  die  von  beiden 
Theilen  vorrückenden  Truppen  im  Centrum  aufeinander.  Nur  zu 
bald  überzeugte  man  sich,  dass  die  Truppen  der  zweiten,  dritten 
und  vierten  Kolonne  mit  geringer  Kraft  und  Eifer  fochten.  Die 
Unfälle,  welche  am  vorigen  Tage  so  überraschend  den  bereits 
errungenen  Sieg  vereitelten,  hatten  auf  die  Gemüther  der  Soldaten 
einen  zu  tiefen  Eindruck  gemacht,  Kälte,  Hunger  und  Ermattung 
deren  Körperkräfte  abgespannt.  Doch  wurde  das  Gefecht  gegen 
zwei  Stunden  fortgesetzt,  bis  die  französischen  Flügel  -  Kolonnen 
allmählig  Terrain  gewannen  und  die  Umgehung  iu  den  Flanken 
ausführten.  Dann  zogen  sich  die  Truppen  jeuer  drei  Kolonnen  gegen 


17M-17Ö7. 


327 


jene  Wege  und  Schluchten  zurück,  auf  welchen  sie  vor  vier  Tagen 
den  Montebaldo  erstiegen  hatten.  Auch  die  fünfte  Kolonne  zog  sich 
zurück  und  marschirte  gegen  Belluno.  Hier  besetzte  das  Bataillon 
Teutschmeister  die  Schiffbrücke  und  blieb  so  lange  stehen,  als  es 
nöthig  war,  um  den  Bückmarsch  der  übrigen  Kolonnen  zu  decken. 

Der  Verlust  des  Regiments  bestand  an  Todten  91  Mann,  ver- 
wundet 127  Mann,  vermisst  und  gefangen  Hauptmann  Ludwig 
Margo,  Johann  Fönten  et,  Josef  Baron  Renette,  Johann 
Küffel,  Oberlieutenant  Wenzel  Lathe,  Lieutenant  Karl  Baron 
Renette,  Johann  Krall  und  158  Mann  vom  Feldwebel  ab- 
wärts. Dieser  Verlust  betraf  beinahe  nur  das  tapfere  dritte  Bataillon ; 
auch  waren  die  obgenannten  Offiziere  beinahe  alle  verwundet. 

Am  2.  Februar  1797  kapitulirte  die  Besatzung  der  Festung 
Mantua,  nachdem  sie  bei  der  ruhmvollen  achtmonatlichen  Ver- 
theidigung  und  durch  Krankheiten  16.333  Mann  verloren  hatte. 
Oberlieutenant  Eberhard  Nies,  Lieutenant  Karl  Baron  Landen- 
berg nebst  1  Feldwebel,  1  Korporal,  1  Tambour,  1  Pfeifer  und 
2  Grenadiere  marschirten  mit  den  300  Mann,  welche  dem  Feld- 
marschall Wurmser  bewilligt  waren,  zu  den  österreichischen  Vor- 
posten; von  dem  Rest  der  Grenadiere  waren  27  gestorben  oder 
geblieben,  daher  nur  7  Mann  in  Gefangenschaft  gerathen. 

Die  Brigaden  General  Fürst  Reuss  und  Oeskay,  bei  welchen 
sich  das  Regiment  befand,  hatten  sich  am  25.  und  20.  Jänner  1797 
in  Bewegung  gesetzt,  um  durch  das  Valsuggana  am  28.,  29.  und 
30.  Bassano  zu  erreicheu.  Mittlerweile  hatten  die  österreichischen 
Truppen  die  Stellung  au  der  Breuta  verlassen,  daher  sich  F.-Z.-M. 
Alvinzy  entschloss,  die  Vertheidiguog  dieses  Flusses  aufzugeben 
und  sich  auf  jene  der  Piave  zu  beschränken.  Fürst  Reuss  erhielt 
demgemäss  den  Befehl,  nach  Feltre  zu  marschiren,  welches  er  auch 
am  27.  erreichte;  Oeskay  musste  nach  Trient  zurückkehren  und 
dann  in  Eilmärschen  über  Bozen  und  durch  das  Puster -Thal, 
Ober -Kärnten  und  Friaul  an  die  Piave  abrücken.  Ain  29.  erhielt 
auch  Fürst  Reuss  den  Befehl,  mit  seiner  Brigade  zu  dem  Korps 
an  der  Piave  zu  stossen.  nier  vereinigten  sich  die  drei  Bataillons 
des  Regiments,  in  welches  der  Rest  der  Grenadiere  ciugetheilt  war, 
daher  dieselben  als  selbstständige  Division  nicht  mehr  existirten. 

F.  -Z.  -  M.  Baron  Alvinzy  erhielt  um  diese  Zeit  die  Gewährung 
der  mehrmals  wiederholten  Bitte,  wegen  seinem  hohen  Alter  den 


328 


171M»-  1707. 


Heeresbefehl  niederlegen  zu  dürfeu.  Seine  kaiserliche  Hoheit  der 
Erzherzog  Karl  wurde  zum  Oberbefehlshaber  der  österreichischen 
Armee  von  Italien  bestimmt.  Am  9.  Februar  langte  der  Erzherzog 
von  der  Rhein -Armee,  welche  er  zu  so  vielen  Siegen  geführt,  in 
Briien  an,  besichtigte  das  Tiroler  -  Korps,  dann  jenes  an  der  Piave 
imd  befahl,  dass  Letzteres  Erholungsquartiere  hinter  dem  Taglia- 
mento  beziehen  solle,  während  nur  Prinz  Hohen  zollern  mit  der 
Kavallerie  an  der  Piave  zur  Beobachtung  des  Feindes  zurückgelassen 
wurde.  Der  Erzherzog  verbesserte  hierauf  in  aller  Eile  so  viel  er 
konnte  —  die  Regimenter  erhielten  Ergänzungen,  so  Teutschmeister 
300  Mann,  neue  Montureu,  Schuhe  und  Gewehre  —  und  wenn  etwas 
im  Stande  war  den  gesunkeneu  Muth,  den  durch  so  viele  Nieder- 
lagen verloren  gegangenen  kriegerischen  Geist  dieser  Armee  wieder 
aufzurichten,  so  war  es  das  Vertrauen  auf  den  neuen,  schlacht- 
erprobten Feldherrn. 

Bald,  das  ist  am  10.  März,  eröffnete  Buonaparte  an  der 
Piave  die  Operationen  und  Oberschritt  am  12.  mit  43.000  Mann 
gegen  24.000  Oesterreicher  diesen  Fluss.  Auf  die  Nachricht  hievon 
zog  Erzherzog  Karl  seine  Hauptmacht  in  engere  Kantonnirungen 
am  Tagliamento  zusammen  und  theilte  sie  in  die  neue  Schlacht- 
ordnung ein.  Das  Regiment  kam  in  die  Division  F. -M. -Lt.  Graf 
Spork,  Brigade  Obrist  Augustinetz  in  Kantonnirungen  rück- 
wärts um  Beiüolo. 

Am  10.  erzwangen  drei  französische  Divisionen  durch  ihre 
Uebermacht  den  Uebergang  über  den  Tagliamento,  worauf  sich  die 
Oesterreicher  nach  Palma  zurückzogen. 

Der  Erzherzog  wollte  sich  mit  der  überlegeneu  französischen 
Macht  jetzt  noch  nicht  in  ein  entscheidendes  Gefecht  einlassen, 
sondern  hiezu  die  in  Eilmärscheu  anrückenden  Verstärkungen  ab- 
warten. Daher  beschloss  er  den  Rückzug  hinter  den  Isonzo  fort- 
zusetzen, dessen  Uebergang  für  die  Franzosen  mit  bedeutenden 
Schwierigkeiten  verbunden  war. 

Am  17.  marschirte  Obrist  Augustinetz  mit  dem  Regiment 
Teutschmeister  und  Nr.  51  in  die  Festung  Gradiska,  die  Armee 
gegen  den  Isonzo  zurück. 

Am  19.  März  nahte  die  französische  Division  Bernadotte  in 
drei  Kolonnen  Gradiska.  Die  Division  Serrurier  watete  oberhalb  der 
Brücke  von  Cossegliano  durch  den  Isonzo,  drückte  die  österreichischen 


171»«-  1707. 


329 


Vorposten  zurück  und  eilte  dann  auf  dem  Kamme  der  gegen  Gradiska 
ziehenden  Höhen  fort,  den  Platz  von  jeder  Verbindung  auf  dem 
linken  Ufer  abzuschneiden.  Um  die  Aufmerksamkeit  der  Besatzung 
von  jener  Umgehung  abzulenken,  Hess  Bernadotte  den  Platz  auf- 
fordern und,  da  er  kein  Gehör  fand,  den  Angriff  auf  dem  rechten 
Ufer  beginnen.  Die  Befestigung  Gradiska's  war  unvollendet  und  diese 
Stadt  daher  einer  längeren  Verteidigung  gar  nicht  fähig.  Auf  den 
Wällen  standen  nur  zwei  Sechs-  und  fünf  Dreipfündcr.  Das  Geschütz- 
feuer trieb  zwar  anfangs  die  französischen  Tirailleurs  von  dem  Glacis 
zurück  und  demontirte  zwei  Kanonen  von  den  vieren,  welche  Berna- 
dotte gegen  die  Porta  nuova  hatte  autrühren  lassen.  Indess  begann 
es  der  Besatzung  bald  an  Munition  zu  fehlen  ;  auch  war  durch  die 
französischen  Granaten  Feuer  in  der  Stadt  entstanden. 

In  diesem  Momente  erschien  plötzlich  die  Division  Serrurier 
am  linken  Ufer  auf  dem  Damme  des  Isonzo  und  schnitt  für  ihr 
Geschütz,  Batterien  in  demselben  ein.  Christ  Augustinetz  gab 
nun  die  Vertheidigung  der  Brücke  auf,  zog  die  jenseits  gestandenen 
zwei  Kompagnien  Teutschmeister  herüber  und  liess  die  Brücke  zer- 
stören. Dabei  setzte  er  sein  Feuer  ununterbrochen  bis  6  Uhr  abends 
fort.  Nuu  erfolgte  eine  zweite  Aufforderung.  Die  Munition  ging 
bereits  zu  Ende,  indem  nicht  mehr  als  10  Patronen  für  jeden  Mann, 
60  Kartätschen  uud  250  Kugel  -  Patronen  für  das  gesammte  Geschütz 
vorhanden  waren.  Augustinetz  musste  sich  daher  zur  Unter- 
handlung bequemen.  Um  0  Uhr  nachts  wurde  die  Kapitulation  unter- 
zeichnet und  um  V210  Uhr  räumte  die  Besatzung,  die  noch  3  Stabs- 
und G2  Ober -Offiziere,  dann  2448  Mann  zählte,  von  Teutschmeister 
39  Offiziere  imd  1531  Manu,  den  Platz.  Nachdem  der  Ausmarsch 
mit  allen  Kriegsehren  vollzogen  worden,  streckte  die  Garnison  auf 
dem  Glacis  die  Waffen,  dann  wurde  die  Mannschaft  in  die  Kriegs- 
gefangenschaft abgeführt,  die  Offiziere  aber,  auf  ihr  Ehrenwort,  nicht 
vor  der  Auswechslung  gegen  Frankreich  zu  dienen,  den  nächsten 
Vorposten  übergeben. 

„  Der  Verlust  dieser  Besatzung,  welche  anerkannt  zum  Kern 
der  Armee  gehörte,  wurde  dadurch  herbeigeführt,  dass  der  Division 
Serrurier  der  U ebergang  bei  Cossegliano  nicht  länger  und  kräftiger 
verwehrt  worden,  daher  fand  der  Offizier,  welcher  dem  Obrist 
Augustinetz  den  Befehl  überbringen  sollte,  Gradiska  zu  räumen, 
alle  Zugänge  von  den  Truppen  jener  Division  besetzt  und  konnte 


330 


1796-1797. 


nicht  mehr  in  den  Platz  gelangen.  Ebensowenig  vermochten  es  die 
von  der  Brigade  Kerpen  abgeschickten  zwei  Bataillons,  welche  in  der 
Dämmerung  Gradiska  nahten,  um  der  Besatzung  mit  Gewalt  den  Weg 
zum  Rückzüge  zu  öffnen,  durch  die  feindliche  Division  zu  dringen 
und  wurden  gar  bald  genöthigt,  auf  ihre  Haupttruppe  zurückweichen. 
Die  zurückgekehrten  Offiziere  verfügten  sich  zum  Depot  nach  Wiener- 
Neustadt,  wo  sie  sogleich  mit  der  Einexerzirang  der  vielen  Rekruten 
Beschäftigung  fanden ;  von  der  Mannschaft  ranzionirteu  sich  396  Mann 
in  die  Tiroler  Berge,  wo  sie  bei  der  patriotischen  Bevölkerung  die 
herzlichste  und  gastfreundlichste  Aufnahme  fanden  und  dann  über 
die  Gebirge  geleitet,  nach  Oesterreich  und  Wien  gelangten. 

Im  Laufe  des  Jahres  1707  hatten  unter  den  Stabsoffizieren  des 
Regiments  nachstehende  Veränderungen  stattgefunden :  Major  Ludwig 
Baron  de  le  Blavier  war  in  Folge  Allerhöchster  Erschliessung 
vom  G.  Jänner  in  Anerkennung  seiner  hervorragenden  Dienste  bei 
seinem  Uebertritt  in  den  Ruhestand  der  Obristlieutenants-Charakter 
verliehen  worden;  Major  Wilhelm  Beer  von  PI  eichten  zum 
Obristlieutenant  ernannt,  Major  Graf  Wcisscnwolf  vom  Gyulai'schen 
Freikorps  als  erster  Major  eingcthcilt  und  Hauptmann  Joachim 
Zuchari  zum  zweiten  Major  ernannt;  mit  Allerhöchstem  Hand- 
schreiben vom  28.  Februar  Obrist  Ignaz  Graf  Brandis  als  General- 
Major  in  Ruhestand  versetzt;  dagegen  mit  Handbillet  vom  15.  Mai 
Obrist  Karl  von  Brixen  von  dem  Kur  -  Kölner  -  Kontingent  zum 
Obrist  und  Regiments- Kommandanten,  mit  jenem  vom  29.  April 
den  Major  Anton  von  Vcrmatti  des  Regiments  Nr.  17  zum  Obrist- 
lieutenant, mit  8.  Juli  Major  Josef  Baron  Urracca  zum  super- 
numerären  Obristlieutenant,  mit  21.  Juli  Major  Graf  Weissenwolf 
zum  Obristlieutenant  beim  Regiment  Nr.  11  und  in  dessen  Stelle 
der  Hauptmann  Ludwig  Margo  zum  Major  im  Regiment  ernannt. 

Am  27.  Oktober  erhielt  das  Regiment  mittelst  Korpsbefehl 
die  Kunde  von  dem  Friedensschlüsse,  welcher  am  17.  Oktober  1797 
zwischen  Oesterreich  und  der  französischen  Republik  zu  Campo 
formio  unterzeichnet  wurde,  und  gemäss  welchem  Oesterreich  gegen 
Abtretung  der  Niederlande,  Lombardie,  des  Breisgau  und  der  Graf- 
schaft Falkenstein,  das  venezianische  Gebiet  in  der  Terra  ferma, 
dann  Istrien  und  Dalmatieu  erhielt.  Die  entgiltige  Schlichtung  der 
zwischen  dem  deutschen  Reiche  und  Frankreich  noch  schwebenden 
Fragen  übernahm  ein  Kongress  zu  Rastadt,  Hierait  war  der  erste, 


1796-1719. 


331 


sogenannte  Revolutionskrieg  gegen  Frankreich  beendet.  Aehulich  dem 
sich  vollziehenden  politischen  Umgestaltungs-Prozesse  auf  dem  euro- 
päischen Kontinent  machte  sich  in  den  FeldzOgen  1796—97  auch  in 
den  militärischen  Verhältnissen  ein  totaler  Umschwung  geltend. 
Buonaparte  bringt  zum  ersten  Mal  das  Requisitions  -  System 
zur  Anwendung.  Die  veraltete  Linear  -  Taktik  unterliegt  den  um- 
fassenden Tirailleur-  und  Kolonnen  -  Angriffeu  der  Franzosen  und 
eine  neue  Aera  der  Kriegskunst  begann. 


1798-1799. 

Ende  1797  und  anfangs  1798  rfickte  die  in  Kriegsgefangenschaft 
gerathene  Mannschaft  und  viele  aus  den  Spitälern  beim  Regimente 
ein,  wodurch  sein  Stand  bedeutend  den  Kriegsstand  Oberschritt, 
daher  die  überzähligen  Leute  zur  Depot  -  Division  nach  Wiener- 
Neustadt  ihre  Eintheilung  erhielten. 

Am  30.  März  trat  das  zweite  Bataillon  und  die  Grenadier- 
Division  von  Laibach  den  Marsch  nach  Oesterrreich  an  und  traf 
am  23.  April  in  den  Stationen  Mannersdorf  und  Sommerein  ein. 

Mit  1.  Oktober  wurden  die  Direktiv-Regcln  wegen  Bestrafung 
der  Deserteure  in  40  Paragraphen  publizirt;  die  Vermögens  -  Kon- 
fiskationen in  allen,  der  Tod  durch  den  Strang  in  den  meisten 
Fällen  sollten  als  furchtbare  Wächter  die  Soldaten  von  diesem  Ver- 
brechen abschrecken.  Die  Inhaber- Gage,  3798  h\  24  kr.,  welche 
diese,  wenn  sie  nicht  im  Felde  ein  Kommando  hatten,  erhielten, 
wurde  gänzlich  abgeschafft.  Auch  erhielt  das  Regiment  das  Reskript 
vom  20.  Oktober  1798,  laut  welchem  über  Allerhöchsten  Befehl 
mit  1.  Jänner  1799  eine  neue  Adjustirungsvorselirift  in's  Leben 
trat.  Unter  anderen  auf  die  Einführung  dieser  Norm  bezüglichen 
Anordnungen  wurde  die  Errichtung  der  Regiments  -  Offiziers  -  Uni- 
formirungs  -  Anstalten  angeregt,  indem  es  in  dem  Reskripte  heisst: 
„Um  die  Gleichheit  der  Uniformiruug  bei  denen  Regimentern  zu 
„erhalten,  erachten  Sr.  Majestät  das  beste  und  sicherste  Mittel  zu 
„sein,  die  Lieferung  des  Offizierstuches  durch  die  Regimenter 
„besorgen  zu  lassen,  auf  welche  Art  die  Offiziers  auch  mit  weniger 
„Kosten  ihre  Uniform  überkommen  werden. ■ 


332 


179S-17W>. 


Die  Adjustirung  des  Regiments  wur  nun  die  folgende:  Als 
Kopfbedeckung  ein  Helm  aus  schwarz  lackiriem  Terzenleder,  <'>';,  Zoll 
hoch,  vorne  tmg  ein  messingener,  für  Stabs-  und  Oberoffiziere  ver- 
goldeter Schild  den  Allerhöchsten  Namenszug  und  die  den  oberen 
Theil  des  Helmes  zierende  Kammquaste  war  für  Stabsoffiziere  aus 
Goldfransen,  für  Oberoffiziere  aus  gelb  und  schwarzen  Seidenfransen, 
für  Mannschaft  aus  gelb  und  schwarzer  Wolle.  Ausser  Dienst 
trugen  die  Stabs-  und  Ober-Offiziere  dreieckige  Hüte.  Der  Uniform- 
rock für  Stabs-  und  Ober-Offiziere,  sowie  das  „Röckl"  für  die  Mann- 
schaft waren  von  weissem  Tuche  mit  himmelblauen  Kragen  und  Auf- 
schlägen, dann  mittelst  einer  Reihe  gelber  Knöpfe  geschlossen.  Die 
Schosse  des  Uniformrockes,  weiss  gefüttert,  reichten  beim  Nieder- 
knien bis  an  den  Boden,  waren  aber  stets  nach  vorne  umgeschlagen. 
Der  Kragen  mass  in  der  Höhe  zwei,  die  Aufschläge  in  der  Breite 
drei  Zoll  und  es  trugen  auf  letzteren  die  Stabsoffiziere  ein  halbzoll 
breites  goldenes  Distinktionsbördchen.  Das  Mannschafts  -Röckl  war 
eigentlich  ein  Frack  mit  kurzen  Schossen,  welche  zusammengenäht 
und  gleich  den  daran  angebrachten  Taschen  himmelblau  egalisirt 
waren.  Beinkleid  war  für  Offiziere  und  Mannschaft  weiss,  engan- 
liegend; dazu  hatte  letztere  schwarze,  bis  über  die  Knie  herauf- 
reichende Gamaschen  und  Schuhe,  die  Offiziere  bis  an  die  Knie 
reichende  steife  Stiefeln. 

Zur  Schonung  des  weissen  „so  kostbaren  Rockes"  war  den 
Stabs-  und  Oberoffizieren  ein  mit  zwei  Knopfreihen  versehener  Ober- 
rock von  der  Farbe  der  Mannschafts  -  Mäntel  mit  Kragen  und  Auf- 
schlägen von  Egalisirungstuch  gestattet.  Ebenso  trugen  die  Offiziere 
für  gewöhnlich  grau  melirto  enge  Beinkleider. 

Die  Säbelkuppel  für  Stabsoffiziere  mit  einer  2  Zoll  1  Strich 
breiten  Gold  und  schwarzer  Borde  übernäht,  für  Oberoffiziere  von 
derselben  Breite,  jedoch  von  weisslackirtem  Leder  war  mittelst  einer 
4  Zoll  breiten  und  2  Zoll  hohen  stählernen  Schnalle,  auf  welcher 
ein  vergoldeter  Doppeladler  angebracht  war,  geschlossen.  Die  Mann- 
schaft trug  das  Seitengewehr,  welches  künftighin  für  den  Gemeinen 
lediglich  aus  dem  etwas  länger  erzeugten  Bajonnete  bestand,  an 
einem  Ueberschwungriemen  über  die  rechte  Schulter,  über  die  linke 
hing  die  Patrontasche  und  der  neuartige  Tornister  wurde  auf  dem 
Rücken  getragen.  Unteroffiziere  und  Grenadiere  trugen  neben  dem 
Bajonnet  auch  einen  kurzen  Säbel. 


17J>S-170f>. 


333 


Die  Degen  der  Stabs-  und  Oberoffiziere  in  schwarz  lederner 
Scheide  waren  mit  vergoldetem  Messing  montirt.  Das  goldene  Porte- 
d'epee  sollte  künftighin  nicht  aus  einer  runden,  sondern  aus  einer 
platten  Quaste  bestehen;  „die  Generale  und  Stabsoffiziere  können 
„solche,  wenn  sie  wollen,  reicher  haben."  Die  gelb  und  schwarze 
Feldbinde,  für  Stabsoffiziere  von  Seide,  für  Oberoffiziere  aus  Kameel- 
haar,  wurde  zweimal  um  die  Mitte  des  Leibes  geschlungen. 

Der  Mantel  fQr  Stabs-  und  Oberoffiziere  rausste  „ganz  von 
der  Farbe  wie  die  Mäntel  für  die  Mannschaft  sein"  und  bestand 
aus  einem  Rocke  mit  Aermeln,  dann  einem  Regenkragen.  Der  grau 
melirte  Mannschaftsmantel  war  mit  einer  Reihe  Knöpfe  geschlossen 
und  reichte  bis  zu  den  Knien. 

„Um  den  Offizier  in  Reih  und  Glied  um  seiner  eigenen  Er- 
haltung willen  soviel  möglich  mit  der  Mannschaft  in  der  Tracht 
„  gleich  zu  machen,  so  erhält  er  einen  ganz  glatten,  weissledernen 
„zwei  Zoll  breiten  Ueberschwungriemen,  woran  er  eine  kleine  Pistole 
„im  Futteral  umzuhängen  hat." 

Die  Stabs-  und  Oberoffiziere  behielten  das  spanische  Rohr, 
oben  mit  einem  weissen  Knopf,  unten  mit  einem  messingenen  Be- 
schläge; desgleichen  behielten  die  Feldwebels,  Führers  und  äqui- 
parirenden  Chargen  das  Rohr,  die  Korporale  den  Haselstock. 

Die  Haare  wurden  im  Zopf  getragen.  „Die  Umwicklung  des 
„Bandes  hat  vier  Zoll,  das  unten  herausbleibende  Haar  einen  Zoll, 
„daher  der  ganze  Zopf  fünf  Zoll  lang  zu  sein." 

Der  Kongress  zu  Rastadt  sollte  den  Frieden  zwischen  dem 
deutschen  Reiche  und  der  französischen  Republik  herstellen.  Während 
dessen  Dauer  im  Jahre  1798  traten  neue,  den  Frieden  bedrohende 
Ereignisse  ein.  Frankreichs  Truppen  besetzten  im  Februar  den 
Kirchenstaat,  vertrieben  den  Papst  Pius  VI.,  welcher  in  ein  Kloster 
nach  Pisa  flüchtete  und  schufen  die  römische  Republik.  Im  März 
führte  Frankreich  mit  Waffengewalt  die  politische  Umstaltung  der 
Schweiz  aus.  Zu  gleicher  Zeit  wurde  die  eisalpinische  Republik  der 
durch  den  Traktat  von  Campo  formio  zugesicherten  politischen 
Selbstständigkeit  beraubt.  Im  Herbste  erhoben  sich  die  Schweizer 
für  ihre  Unabhängigkeit,  wurden  aber  von  den  Franzosen  nach 
blutigem  Kampfe  unterjocht.  Graubündteu  fürchtete  gleiches  Schick- 
sal, erbat  sich  Oesterreich's  Schutz  und  wurde  auch  im  Oktober 
militärisch  besetzt.  Die  Unterhandlungen  des  zur  Herstellung  des 


334 


17!>H-17M. 


Friedens  in  Rastadt  getagten  Kongresses,  scheiterten  an  den 
ungerechtfertigten  Forderungen  des  Direktoriums  und  es  bildete  sich 
gegen  die  französische  Republik  zur  Wahrung  dos  neuerdings 
bedrohten  europäischen  Friedens  eine  zweite  Koalition.  Diese  um- 
fasste  Oesterreich  einen  Theil  der  übrigen  deutschen  Staaten,  Eng- 
land, Russland,  Neapel  und  die  Türkei,  letztere  wegon  Buona- 
p arte's  Angriff  auf  Aegypten. 

Die  Garnisonen  des  Regiments,  welches  sich  fortwährend  auf 
dem  vollen  Kriegsstand  befand,  blieben  am  Ende  des  Jahres  1798 
dieselben,  mit  Ausnahme  des  dritten  Bataillons,  welches  zu  Pressburg 
in  Kasernen  untergebracht  wurde. 

Nachdem  anfangs  des  Jahres  1700  die  Grenadiere  wieder  in 
Bataillone  zusammengestellt  wurden,  marschirte  die  Division  des 
Regiments  im  Februar  in  das  Venezianische  und  formirte  hier  mit 
den  Divisionen  der  Regimenter  Nr.  IG  und  23  ein  Bataillon,  Ober 
welches  der  Obristlieutenant  Otto  Graf  Hob enf cid  vom  Regiment 
Nr.  23  das  Kommando  ubernahm.  F.-Z.-M.  Kray  führte  ad  Interim 
das  erledigte  Kommaudo  der  Armee  in  Italien,  General  Scher  er 
jenes  der  Franzosen.  Als  dieser  an  verschiedenen  Punkten  Be- 
wegungen gegen  die  Stellungen  der  Oesterreicher  ausführte,  gebot 
die  eigene  Sicherheit  dem  F.-Z.-M.  Kray  sogleich  alle  Tmppen 
zwischen  der  Ktseh,  Vicenza  und  Padua  vorrücken  zu  lassen.  Die 
Division  des  F.-M.-Lt.  Zoph,  bei  welcher  sich  das  Grenadier- 
Bataillon  befand,  war  noch  im  Anmärsche. 

Am  26.  Mint  1700  griffen  die  Franzosen,  ohne  vorher  den 
Waffenstillstand  aufzukündigen,  die  Stellungen  der  Oesterreicher 
an  und  somit  hatte  der  Krieg  begonnen.  Am  9.  April  kam  der 
G.  d.  K.  Ritter  M  e  1  a  s  bei  der  österreichischen  Armee  an  und 
übernahm  das  Oberkommando.  Bald  darauf,  am  14.  April,  rückte 
das  russische  Armeekorps,  16.000  Mann  stark,  in  Verona  ein  und 
der  russische  Feldmarschall  Suworow  fibernahm  das  Kommando 
über  beide  Armeen. 

Das  Grenadier  -  Bataillon  Hohenfeld  erhielt  den  Befehl,  zu 
dem  Armeekorps  des  F.-M.-Lt.  Grafen  Bellegarde  nach  Tirol 
abzurücken  und  setzte  sich  sogleich  dorthin  in  Marsch.  Bei  seinem 
Eintreffeu  in  Bozen  erhielt  dasselbe  Haltbefehl,  da  Bellegarde 
mit  seinen  Truppen  den  französischen  General  Lecourb  bereits 
jn  die  Schweiz  zurückgeworfen  hatte  und  sich  nun  am  Marsche  zur 


335 


italienischen  Armee  befand.  Am  28.  Mai  war  das  ganze  Korps  Belle- 
garde, dabei  das  Grenadier-Bataillon  Hohenfeld,  bei  Como  vereinigt 
und  marschirte  dann  über  Mailand,  Pavia  nach  Tortona. 

Während  das  Grenadier-Bataillon  diese  Bewegungen  ausführte, 
hatte  die  österreichisch  -  russische  Armee  die  Franzosen  auf  allen 
Punkten  geschlagen,  die  Lombardie  erobert  und  war  in  Piemont 
eingerückt.  Das  Grenadier- Bataillon  wurde  nun  zur  Blockade  von 
Tortona  in  der  Brigade  G.  -  M.  A  l  c  a  i  n  i  verwendet.  Es  war  um 
die  Zeit,  als  der  französische  General  Macdonald  mit  seiner 
Armee  über  die  Apcnninen  gegen  Bologna  und  Modena  marschirte, 
um  sich  mit  M  o  r  e  a  u  zu  vereinigen. 

F.-M.-Lt.  Graf  Belle  gar  de  erhielt  den  Befehl,  wenn  der 
Feind  mit  Macht  gegen  ihn  anrücken  sollte,  die  Blockade  von  Tortona 
aufzuheben,  ihn  jedoch  zu  hindern,  etwas  im  Rücken  der  gegen 
Piacenza  vorrückenden  Armee  zu  unternehmen. 

Moreau  hatte  am  IC.  Juni  14.000  Mann  zwischen  Voltagio, 
Garesio  und  Gari  zusammengezogen.  Bellegarde  zog,  auf  die 
Nachricht  davou,  seine  Infanterie  nach  Spinetti  zurück  und  hielt  nur 
Kavallerie  -  Posten  zwischen  der  Orbe  und  der  Scrivia.  Den  18. 
schickte  Moreau  den  General  Grenier  mit  senior  Division  nach 
Seravalle;  Grouchy  mit  der  anderen  besetzte  Novi.  Diese  Be- 
wegung gab  zu  Vorpostengefechten  Anlass,  welche  den  ganzen  Tag 
währten.  Bei  diesen  Umständen  war  es  nicht  rathsam,  die  Blockade 
von  Tortona  fortsetzen  zu  lassen.  Bellegardo  zog  den  General 
Alcaini  mit  dem  Blockade  -  Korps  nach  Spinetti,  wo  er  alle  seine 
Truppen  da,  wo  die  beiden  Strassen  von  Novi  und  Tortona  sich 
vereinigen,  lagerte,  um  den  Feind  anzugreifen,  wenn  er  in  die  Ebene 
herunterkommen  sollte;  Grenier  marschirte  nun  längs  dem  rechten 
Scrivia -Ufer  nach  Tortona.  Grouchy  cotoirte  dessen  Marsch  auf 
dem  linken  Ufer,  vertrieb  die  österreichischen  Vorposten  aus  Rivaita 
und  zog  sich  bis  hinter  Torre  di  Garrafoli.  Am  19.  Hess  Moreau 
den  General  Grenier  seinen  Marsch  bis  Voghera  fortsetzen, 
während  er  selbst  zwischen  beiden  Korps  in  Tortona  blieb.  Grouchy, 
um  den  Marsch  der  anderen  Division  über  Voghera  zu  decken,  griff 
am  20.  die  Vorposten  des  F.-M.-Lt.  Bellegarde  an  und  trieb 
sie  nach  S.  Giuliano  zurück.  Dieser  rückte  Grouchy  entgegen, 
licss  seine  Artillerie  auf  einer  vorteilhaften  Höhe  auffahren,  griff 
unter  dem  Schutze  derselben  dessen  rechten  Flügel  an  und  brachte 


17i)H_17W>. 


ihn  zum  Weichen.  Das  Gefecht  schien  für  die  Oesterreicher  ent- 
schieden zu  sein,  als  gegen  4  Uhr  nachmittags  Moreau  mit  den 
an  der  Scrivia  zurückgebliebenen  Bataillons  herankam ,  auf  den 
rechten  Flügel  der  Oesterreicher  fiel  und  diesen  zurückschlug.  Sie 
zogen  sich  über  die  Bormida  zurück,  ein  Bataillon  blieb  bei  Marengo, 
um  den  Kückzug  zu  decken.  Das  Grenadier  -  Bataillon  Hohenfeld 
hatte  einen  Verlust  von  26  Todten,  51  Verwundeten  und  53  Ge- 
fangenen, darunter  die  Division  Teutschmeister  7  Todte,  21  Ver- 
wundete und  12  Vermisste. 

Indessen  hatte  Suworow  am  19.  und  20.  die  französische 
Armee  unter  General  Macdonald  vernichtet;  dieselbe  verlor 
4000  Mann  an  Todten  und  gegen  13.000  an  Gefangenen.  Nun  eilte 
Suworow  dem  F. -M. -Lt.  Bellegarde  zu  Hilfe,  brach  sofort 
auf  und  bezog  schon  am  27.  ein  Lager  an  der  Orba,  während  seine 
Avantgarde  in  Novi  und  Ovada  Stellung  nahm.  Belle garde  erhielt 
den  Auftrag,  mit  seinen  Truppen  Alessandria  zu  belagern.  Macdonald 
musste  sich  wieder  hinter  die  Apenninen  zurückziehen  und  trachten, 
sich  jenseits  derselben  mit  der  Armee  Moreau's  zu  vereinigen,  um 
sich  neu  zu  organisiren.  Das  Grenadier-Bataillon  Hohenfeld  ward  in  das 
Korps  des  G.  d.  K.  Ritter  Melas,  Division  F.-M.-Lt.  Frehlich  und  in 
die  Brigade  General  Loudon  eingetheilt.  Es  wurde  nun  beschlossen, 
mit  der  Hauptarmee  keine  weiteren  Bewegungen  vorzunehmen,  bis 
nicht  die  Festungen  Mantua,  Alessandria  und  Tortona  gefallen  wären. 

Während  diesen  glücklichen  Ereignissen  bei  der  verbündeten 
Armee  in  Italien,  war  das  Regiment  Ende  Mai  mit  den  beiden  Feld- 
uud  dem  dritten  Bataillon  von  Wien  aufgebrochen,  durch  Steiermark 
und  Kärnten  nach  Italien  marschirt  und  im  Juni  bei  der  Belagerungs- 
armee des  F.-Z.-M.  Kray  vor  Mantua  eingetroffen,  wo  dasselbe 
die  Eintheilung  in  die  Brigade  General  St.  Julien  erhielt. 

Das  Offiziers-Korps  bestand  nach  der  Standes-Liste  des  Monats 
Juni  1799  aus: 

Obrist-Inhabcr  Erzherzog  Maximilian  Kranz.  Hoch-  u.  Teutschmeister. 

Obrist  Regiments -Kommandant  Karl  von  Brixcn. 

Obristlieutenant  Friedrich  Kirchner,  Josef  Baron  Urracca. 

1.  Major  Joachim  de  Zuchari,  2.  Major  Ludwig  Margo. 

Kaplan  CeUus  K  i  c  h  t  e  r. 

Adjutant  Lorenz  Bert  hall. 

Arzt  Ferdinand  Falta. 

Auditor  August  Kittel. 

Rechnungsführer  Franz  Kühne. 


1798-17»». 


337 


Kompagnie 

Hanptmann 

Lieutenant 

'  Fähnrich 

Kapitän-        Ober-  Unter- 

*  >  VJ  I  V  tl  AVI  HI 

Karl 
v.  Tensy 

- 

Josef  Till 
v.  Sternheim 

Ferdinand 
Graf  Attems 

"Wilhelm^ 
v.  Keller 

— 

Jos.  Werner 

Josef 
Pettencck 

Kberhard 
Niess 

Ferdinand 
Wittum 

11  mint 
Mayer 

Karl  Baron 
Laudenberg 

Johann 
Stemmer 

Obriat- 

V WI J  öl 

Wenzel 
Latin' 

Franz 
Graf  Coreth 

Louis 

Gr.  Ayatta 

Johann 
Br.  Dellwig 

Frz.  Br.  Beer 
v.  Plcichten 

Ohrifltl  ioiit  - 

  . 

Johann 
Ilaaman 

Franz 
Kosterzky 

Josef 
(ir.  Mohr 

1  Mfiinr- 

Michael 
Fiala 

Karl 
v.  Führer 

Paul 
v.  (iaismar 

Franz  Gr. 
Heissenstamm 

2  Maior- 



Louis 
Br.  Stael 

Xepomuk    ■  Josef 
Albrecht      Br.  Sichel 

Weiler- 

Martin 
Weller 

— 

Georg 
Wallek 

Sigmund 
Koller 

»ieorg 
Kittkauer 

Josef  Andree 

P<*tton<*k- 

Kajetan 
v.  Pettenek 

— 

Kail 
Br.  Boul 

Dionis 
Benitzky 

Ztirwestan- 

Christof 
v.  Zarwesten 

— 

Johann  Till 
v.  Sternheim 

Kaspar 
Gr.  Coreth 

\  i  1    1  1  'k  1  ]  - 

Johann 
Br  Andlan 

— 

Franz 
Hervay 

Franz 
Gr.  Thum 

Josef 
Riedera 

Franz 
Wisner 

Co^terns- 

VVOttll  HO 

Adolf 
v.  Costerus 

— 

Adolf 
Steffens 

Ferdinand 
v.  Fürer 

Ostoich- 

Vincenz 
Ostoich 

— 

Johann 
Schwarz 

David  Franz 

r  ranz  nun 

Snlavskv- 

Ul'  i  Ca  !  onj 

Ignaz 
v.  Splarsky 

— 

Martin 
Bruder 

Georg 
v.  Grafern 

josei  uonaa 

K i  p^sp] - 

Iii CöOVl" 

.loh  riipQ<spl 

Josef 
Br.  Renette 

Wilhelm 
Br.  Burcel 

Heinrich 
Carove 

Mertloch- 

Philipp 
Mertlocii 

Max 
Blankenheim 

Frz.  Kaiser 

Johann 
Br.  Imhof 

Calti- 

Adalbert 
Catti 

Mathias 
Schmidt 

Peregrin  Gr. 
Wolkenstein 

Franz  Rigl 

Albrecht- 

• 

Jos.  Albrecht 

Aug.  Bergner 
Georg  Dobay 

Josef  Bayer 

Josef 
Br.  Galliot 

Coletti- 

Otto 
Br.  Coletti 

Friedrich 
Scholz 

Johann  Kolb 

Johann  Catti 

Gerger- 

ßamuel 
Gerger 

Georg 
Mehlführer 

Norbert 
Krall 

Bernhard 
Vanotti 

Stand  3620  Mann. 


22 


338 


17!)« -1790, 


Obristli  entenant  Willielm  Beer  v.  PI  eichten  war  in  Foljre 
Allerhöchster  EntSchliessung  vom  13.  Februar  1799  mit  Obrist- 
Charakter  pensionirt  und  in  seine  Stelle  der  Obristlieutenant  Friedrich 
Kirchner  von  Nr.  7  in  das  Regiment  eingetheilt,  mit  jener  vom 
18.  Mai  1798  der  Obristlieutonaut  Anton  v.  Vermatti  zu  Nr.  56 
transferirt  worden. 

Mantua  wurde  von  der  Seite  des  Hornwerks  und  der  Porta- 
Pradella  angegriffen.  Am  5.  Juli  errichtete  man  zwei  Batterien 
bei  C.  Sparavera  und  Simeone  und  zog  in  der  Nacht  auf  den  6. 
eine  verschanzte  Linie  Aber  C.  rossa,  Chiesa  nuova,  Palazzino  bis 
Angioli  an  den  Ober -See.  Die  Belagerten  eröffneten,  als  sie  am  Tage 
diese  Arbeiten  bemerkten  ein  sehr  heftiges  Feuer,  so  dass  die  Arbeiten 
eingestellt  werden  mussten.  Das  Regiment  hatte  2  Todte  und  3  Ver- 
wundete. Nun  wurden  rechts  von  Cerese  vier  Batterien  eingeschnitten, 
welche  in  der  Nacht  vom  9.  zum  10.  Juli  fertig  wurden  und  um 
3  Uhr  früh  ein  sehr  lebhaftes  Feuer  gegen  den  Thurm  eröffneten, 
worauf  zwei  Bataillons  zum  Sturm  vorrückten,  welchen  die  Franzosen 
nicht  abwarteten,  sondern  eiligst  in  die  Hauptverschanzung  flüchteten. 
Am  12.  und  13.  waren  300  Mann  des  Regimeuts,  mit  noch  2900  Mann 
anderer  Regimenter  eifrigst  an  Erbauung  der  Verschanzungen  von 
Pietole  bis  Angioli  beschäftigt,  welche  gegen  Abend  sammt  der 
Kommunikation  vollendet  waren. 

In  der  Nacht  auf  den  14.  wurde  die  erste  Parallele,  am  16.  die 
zweite  eröffnet;  in  jener  auf  den  19.  arbeiteten  abermals  300  Mann 
des  Regiments  im  Vereine  mit  3700  an  den  Batterien  und  Kommuni- 
kationen. Das  Regiment  verlor  2  Todte  und  7  Verwundete,  da  der 
Feind  durch  das  heftigste  Geschütz-  und  Gewehrfeuer  diese  Arbeiten 
stören  wollte.  Ein  heftiges  Gewitter  am  folgenden  Tage  zerstörte 
diese  mühsame  Arbeit  der  Art,  dass  am  21.  und  22.  5000  Arbeiter 
tleissig  beschäftigt  waren,  selbe  wieder  herzustellen.  In  der  Nacht 
auf  den  24.  wurde  das  letzte  Geschütz  eingeführt  und  den  24.  mit 
Tagesanbruch  auf  das  gegebene  Signal  fingen  alle  Batterien  zugleich, 
sowohl  diess-  als  jenseits  des  Mincio  gegen  die  Festung  zu  feuern 
an.  Die  Festung  antwortete  lebhaft,  aber  viele  ihrer  Batterien  wurden 
nach  und  nach  zum  Schweigen  gebracht.  Am  27.  Juli  konnte  man 
in  der  dritten  Parallele  auch  am  Tage  arbeiten,  da  die  feindlichen 
Batterien  ganz  schwiegen.  Gegen  10  Uhr  schickte  F.-Z.-M.  Kray 
in  die  Festung  und  Hess  den  feindlichen  Kommandanten,  Divisions- 


i;jw-i7M. 


330 


General  Foissac- Latour,  zur  Uebergabe  auffordern,  indem  er 
keinen  Entsatz  mehr  hoffen  und  jetzt  noch  eine  ehrenvolle  Kapi- 
tulation erhalten  könne.  Foissac  verlangte  freien  Abzug  der  Garnison 
nach  Frankreich,  welcher  abgeschlagen  wurde.  Abends  gegen  6  Uhr 
kam  indessen  die  Kapitulation  zu  Stande,  und  das  Feuer  wurde  von 
beiden  Seiten  eingestellt.  Die  Garnison  ergab  sich  kriegsgefangen 
und  verpflichtete  sieh,  ein  Jahr  lang  gegen  die  Verbündeten  nicht 
zu  streiten.  Als  die  Garnison,  7820  Mann,  ausmarschirte,  machte 
auf  der  einen  Seite  das  Regiment  Teutschmeister,  auf  der  anderen  das 
Regiment  Nr.  16  Spalier.  600  Kanonen,  13.000  Gewehre,  1260  Pistolen, 
eine  grosse  Masse  Kriegsmateriale  und  Verpflegung  auf  ein  Jahr 
fiel  den  Siegern  in  die  Hände. 

F.-Z.-M.  Kray  Hess  nach  der  Besitznahme  von  Mantua 
7  Bataillons  als  Besatzung  zurück,  11  Bataillons  schickte  er  zur 
Verstärkung  K 1  e  n  a  u  's  gegen  Ancona.  Mit  22  Bataillons,  dabei  das 
Regiment,  zog  er  nach  Cremona,  wo  er  am  5.  August  eintraf  und 
3000  Kranke,  darunter  295  vom  Regiment,  zurücklassen  musste,  so 
dass  er  seinen  Marsch  nur  mit  13.600  Mann  zur  Armee  fortsetzen 
konnte.  Er  erreichte  den  10.  August  Casteggio  und  am  12.  abends 
Alessandria,  wo  er  hinter  der  Hauptarmee  ein  Lager  bezog.  Diese 
hatte  indessen  Alessandria  und  Seravalle  erobert  und  war  noch  mit 
der  Belagerung  von  Tortona  beschäftigt. 

Die  Franzosen  benützten  die  Unthätigkeit  der  Verbündeten  und 
setzten  die  republikanische  Kriegsmacht  auf  450.000  Mann.  Bei  25.000 
Mann  sammelten  sich  hinter  den  Alpen  und  bildeten  eine  neue  Armee, 
mit  welcher  General  Championnet  über  Cuneo  vordringen  sollte. 
General  Joubert,  ein  junger  kühner  Mann,  der  sich  unter  Buona- 
parte  bereits  Ruhm  erworben  hatte,  erhielt  das  Oberkommando  der 
Armee  in  Italien,  welche  auf  75.000  Mann  gebracht  werden  sollte 
und  traf  in  Moreau's  Hauptquartier  zu  Cornigliano  bei  Genua, 
mit  dem  gemessensten  Befehle  des  Direktoriums  ein,  die  Offensive 
ohne  Verzug  zu  ergreifen  und  um  Tortona  zu  entsetzen,  eine  Schlacht 
zu  liefern.  Demgeraäss  brach  er  in  drei  Kolonnen  längs  den  Flüssen 
Lemme  di  Orba  und  Bormida  aus  den  Apennineu  hervor,  liess  die 
Kolonnen  bei  Carosio,  Mornese  und  Acqui  debouchiren  und  bei  Novi 
sich  zusammenziehen. 

Am  13.  August  vertrieb  der  rechte  Flügel  der  französischen 
Armee  die  ihm  entgegenstehenden  Vorposten  und  rückte  in  die 

22* 


340 


179S  171)9. 


Stellung  von  Novi  Tor,  während  sich  der  linke  Flügel  mit  dem 
Centrum  vereinigte  und  auf  den  Höhen  von  Capriata,  westlich  von 
Novi,  lagerte. 

Die  Österreich! sehen  Vorposten  wurden  über  Pasturana  zurück- 
gedrängt; zn  gleicher  Zeit  mussten  sie  die  Gegend  von  Seravalle 
verlassen,  welcher  Ort  von  den  Franzosen  cernirt  wurde. 

S  u  w  o  r  o  w  hatte  zuerst  die  Absicht,  die  Franzosen  unge- 
hindert in  die  Ebene  vorrücken  zu  lassen,  um  von  seiner  Ueber- 
legenheit  an  Reiterei  und  Geschütz  den  gehörigen  Gebrauch  machen 
zu  können ;  doch  änderte  er  plötzlich  seinen  Plan  und  befahl  am 
14.  abends  Kray  mit  dem  rechten  Flflgel  der  Armee,  an  welchen 
sich  Bellegarde  angeschlossen  hatte,  den  auf  den  Höhen  von 
Pasturana  aufmarschirten  linken  Flügel  des  Feindes  anzugreifen, 
während  die  Russen  die  Mitte  und  Melas  den  rechten  Flflgel  be- 
schäftigen würden.  Kray  setzte  mit  einbrechender  Dämmerung 
seine  Truppen  in  zwei  Kolonnen  in  Marsch,  Hess  auf  Kanonen- 
scliussweite  vom  Feinde  in  zwei  Treffen  aufmarschiren  und  erwartete 
den  Anbruch  des  Tages.  Das  Regiment  Teutschmeister  war  in  der 
Kolonne  links  unter  dem  F.-M. -Lt.  Ott,  Brigade  G. -M.  Eisnitz 
im  ersten  Treffen  eingetheilt.  Als  es  hell  wurde,  dass  man  alle 
Gegenstände  von  einander  unterscheiden  konnte,  wurde  der  fran- 
zösische linke  Flflgel  angegriffen.  Die  Huszaren  trieben  die  Vor- 
posten zurück.  Kray  selbst  griff  mit  den  Oguliner  und  Szluiner 
Kroaten  an  der  Spitze  der  linken  Kolonne  die  vom  Feinde  besetzten 
Höhen  an,  während  das  erste  Treffen  dieser  Kolonne  auf  dem  Fusse 
nachfolgte.  Dieser  Angriff  wurde  durch  ein  lebhaftes  Kanonenfeuer 
unterstützt  und  gelang  vollkommen. 

Um  die  nämliche  Zeit  griff  auch  F.-M.-Lt.  Belle  gar  de  mit 
dem  ersten  Treffen  seiner  Kolonne,  den  äussersten  linken  Flflgel  der 
Franzosen  an  und  erstürmte  die  zunächst  der  Ebene  gelegenen  Höhen. 
Diese  beiden  Kolonnen  behaupteten  sich  unter  dem  heftigsten  Feuer 
auf  diesen  Höhen  gegen  zwei  Stunden  und  Bellegarde  Hess  nun 
auch  die  weiter  rückwärts  gelegenen  Höhen  angreifen,  welche  die 
Franzosen  auch  schon  zu  verlassen  begannen.  Indessen  bemerkte 
Joubert,  welcher  von  seiner  dominanten  Stellung  alles,  was  sich 
in  der  Ebene  von  Novi  zutrug,  deutlich  sehen  konnte,  dass  er  für 
seine  Mitte  und  rechten  Flügel  nichts  zu  besorgen  habe,  da  Su- 
worow  und  Melas  nicht  vorrückten.  Er  setzte  sich  daher  an  die 


171)8  1790. 


341 


Spitze  seiner  hinter  Novi  aufgestellten  Reserven  und  grill  die  Truppen 
des  F. -M. -Lt.  Kray,  welche  durch  das  Gelecht  von  mehreren 
Stunden  schon  viel  gelitten  hatten,  in  ihrer  Front  und  linken  Seite 
an,  schlug  sie  zurück  und  nahm  die  meisten  Hohen,  welche  er 
anfanglich  inne  hatte,  wieder  in  Besitz,  ohne  jedoch  den  F.-M.-Lt. 
Kray  in  die  Ebene  zu  verfolgen,  welcher  seine  in  Unordnung  ge- 
ratenen Bataillons  hinter  seinem  zweiten  Treffen  wieder  in  Ordnung 
zu  bringen  suchte.  Die  Division  Bellegarde  behauptete  sich  noch 
auf  den  ersten  Höhen,  wo  man  von  beiden  Seiten  mit  der  grössten 
Hartnäckigkeit  stritt. 

Bei  diesem  Angriff  der  Franzosen  gegen  F.-M.-Lt.  Kray 
hatte  der  Korporal  Strakate  des  Regiments  einen  jungen  fran- 
zösischen General  bemerkt,  welcher  ganz  nahe  an  die  Plänklerlinie 
geritten  kam,  um  den  linken  Flügel  zu  rekognosziren.  Strakate 
eilte  mit  11  Mann,  durch  Bäume  und  Gestrüppe  gedeckt,  rasch  gegen 
ihn  vor,  kommandirte  , Feuer",  worauf  der  feindliche  General,  welcher 
gerade  seinen  Leuten  „en  avant!"  zurief,  tödtlich  getroffen  vom 
Pferde  fiel.  Nach  der  Schlacht  stellte  es  sich  heraus,  dass  der  Ge- 
troffene der  Obergeneral  Joubert  war,  welcher  von  einem  Teutsch- 
meister  -  Infanteristen  durch  die  Brust  geschossen,  wenige  Stunden 
darauf  starb.  Moreau  übernahm  an  seiner  Stelle  das  Oberkommando. 

Der  mit  Einsicht  und  vieler  Entschlossenheit  ausgeführte  An- 
griff des  Kray  'sehen  Korps  würde  vielleicht  schon  das  Schicksal 
dieses  Tages  entschieden  haben,  wenn  eine  Uebereinstimmung  in 
den  ertheilten  Befehlen  geherrscht  hätte.  Allein  Melas  hatte  den 
*  Befehl  erhalten,  nur  einige  Detachemente  gegen  den  feindlichen 
rechten  Flügel  abzusenden,  sonst  aber  keinen  Mann  in  Bewegung  zu 
setzen;  auch  die  Russen  blieben  ruhig  in  ihrem  Lager  und  er- 
schienen erst  um  9  Uhr,  mithin  5  Stunden  später,  vorwärts  Pozzolo 
formigaro. 

Um  diese  Stunde  erhielt  F.-M.  Kray  vom  F.-M.  Suworow 
den  Befehl,  den  Angriff  mit  dem  rechten  Flügel  zu  erneuern,  mit 
der  Versicherung,  dass  die  ganze  Armee  mitwirken  werde.  Kray 
ermahnte  seine  Truppen  und  setzte  sie  augenblicklich  in  Bewegung. 
Mit  festem  Schritt  drang  das  Regiment  Teutschmeister,  sowie  die 
übrigen  Bataillone,  unter  dem  schrecklichsten  Feuer  in  den  Feind. 
Die  beiden  französischen  Divisionen  Lemoine  und  Grouchy  wurden 
in  Unordnung  gebracht,  geworfen  und  die  vorderste  Höhe  ihrer 


342 


179S-1799, 


Stellung  abermals  besetzt.  Zu  gleicher  Zeit  Hess  Suworow  die 
Mitte  der  französischen  Stellung  —  die  wohlbesetzte  Stadt  Novi 
und  die  nächst  der  Stadt  liegenden  steilen  Höhen  —  durch  seine 
Russen  angreifen,  welche  aber  mit  bedeutendem  Verluste  zurück 
mussten.  In  Folge  dieses  ungünstigen  Ereignisses  musste  auch 
F.-M.-Lt.  Kray  wieder  weichen  und  die  zum  zweiten  Male  eroberten 
Höhen  verlassen,  jedoch  nahmen  seine  Truppen  deu  General  Par- 
terrenaux,  weil  er  zu  hitzig  verfolgte,  gefangen.  Kray  sammelte 
in  diesem  gefahrlichen  Augenblick  seine  ganze  Reiterei,  welche  noch 
nicht  in's  Gefecht  gekommen  war,  um  dem  Feinde,  wenn  er  ihm  in 
der  Ebene  folgen  sollte,  damit  entgegen  zu  gehen,  und  liess  zugleich 
sein  gesammtes  Geschütz  aufführen.  Indessen  behauptete  sich  ein 
Theil  der  Infanterie,  darunter  auch  einige  Kompagnien  Teutsch- 
meister  in  den  Hecken  und  Casincn  auf  der  Höhe  links  von  Pastu- 
rana  und  bedrohten  dadurch  immerwahrend  den  französischen  linken 
Flügel.  Einige  französische  Bataillons,  welche  doch  vordrangen, 
wurden  von  der  Kavallerie  mit  verhängtem  Zügel  angegriffen  und  in 
die  Schluchten  und  Graben  zurückgejagt. 

Es  war  bereits  Mittag,  aber  die  Schlacht  war  noch  nicht  ent- 
schieden. Durch  grosse  Anstrengung  und  die  Hitze  des  Tages 
erschöpft,  sah  man  sich  auf  beiden  Seiten  genöthigt,  eine  Pause 
zu  machen,  welche  nur  durch  einzelne  Kanonenschüsse  und  das 
Musketenfeuer  der  leichten  Truppen  hinter  den  Hecken  unter- 
brochen wurde. 

Während  diesem  Kampfe  hatte  M  e  1  a  s  mit  dem  österreichischen 
linken  Flügel  im  Lager  von  Rivaita  auf  einen  Befehl  des  Feld-, 
marschalls  zur  Theilnahme  an  der  Schlacht  gewartet.  Gegen  11  Uhr 
erhielt  er  von  seinen  entsendeten  Detachements  die  Nachricht,  dass 
das  Centrum  und  der  rechte  Flügel  der  Armee  weichen  mussten.  Er 
liess  nun  seine  Truppen  ungesäumt  die  Waffen  ergreifen  und  rückte 
in  drei  Kolonnen  vor.  Die  beiden  russischen  Divisionen  hatten  sich 
wieder  formirt,  um  den  Angriff  mit  aller  Kraft  zu  erneuern.  Das 
Kray'sche  Korps,  welches  durch  eilf  Stunden  mit  der  grössten 
Anstrengung  gefochten,  den  Feind  zweimal  aus  seiner  Stellung  ver- 
drängt, gegen  dessen  üebermacht  sich  behauptet  und  bei  der  grossen 
Hitze  sich  keine  Labung  hatte  verschaffen  können,  weil  in  der 
ganzen  Gegend  nicht  einmal  Wasser  zu  rinden  war,  griff  demunge- 
achtet,  durch  das  Beispiel  seiner  Generale  und  Offiziere  aufgemuntert, 


17t>K-17»f>. 


343 


den  linken  Flügel  der  Franzosen  mit  neuem  Muth  und  Entschlossen- 
heit an.  Es  erstürmte  zum  dritteu  Male  die  von  den  Franzosen  auf 
das  Tapferste  vertheidigteu  Höhen. 

So  glücklich  dieser  neue  Angriff  des  rechten  Flügels  ausfiel, 
so  wenig  konnte  jener  auf  die  Mitte  der  französischen  Stellung 
gelingen,  welche  eigentlich  unangreifbar  war.  Dreimal  stürmten  die 
Russen  mit  ausgezeichneter  Tapferkeit,  konnten  sich  aber  nicht 
behaupten  und  mussteu  wieder  nach  Pozzolo  formigaro  zurück.  K  r  a  y, 
welcher  seine  zum  drittenmale  eroberte  Stellung  um  keinen  Preis 
mehr  aufgeben  wollte,  sicherte  seine  nun  wieder  blosgestellte  Flanke 
durch  die  Kavallerie  uud  einige  Kompagnien,  worunter  sich  auch 
eine  von  Teutschmeister  befand. 

Es  war  nun  kein  Augenblick  mehr  zu  verlieren,  deun  man 
durfte  den  aus  Novi  hervorkommenden  Frauzosen  nicht  Zeit  lassen, 
sich  am  Rande  des  Plateau  festzusetzen.  Melas  traf  zur  rechten 
Zeit  ein ;  seine  vorderste  Brigade  Mittrowsky  hatte  bereits  den  Monte 
rotondo  erreicht,  welcher  die  Brigade  Loudon,  dabei  das  Grenadier- 
Bataillon  Hohenfeld  als  Unterstützung  folgte.  Die  übrigen  Truppen 
schwenkten  rechts  auf,  griffen  sofort  das  Plateau  an  und  zwangen 
den  Feind  zum  Rückzug  nach  Novi.  Nun  erstürmten  die  Truppen 
des  Korps  Melas  auch  die  von  dem  Monte  rotondo  gegen  Novi 
ziehende  Höhe,  welche  die  Franzosen  mit  v  ieler  Hartnäckigkeit  ver- 
theidigten.  Lange  blieb  der  Kampf  unentschieden,  doch  plötzlich 
wendete  sich  der  Sieg  auf  die  Seite  der  Uesterrcicher. 

Die  Brigaden  Mittrowsky  uud  Loudon  hatten  sich  indessen  auf 
dem  Monte  rotondo  formirt  und  rückten  in  geschlossener  Ordnung 
längs  dem  Abfall  herunter,  in  die  rechte  Flanke  der  Franzosen. 
M  o  r  e  a  u  nahm  einige  Bataillons  aus  der  Linie  und  ging  ihnen 
entgegen.  Allein  als  diese  von  den  Grenadier- Bataillons  Weisseu- 
wolf,  Görscher  und  Hohenfeld  geworfen  wurden  und  die  mit  klin- 
gendem Spiel  nachrückenden  Brigaden  sich  endlich  auch  der  Strasse 
von  Novi  und  Gavi  bemeisterten,  so  gab  Moreau  den  Befehl  zum 
Rückzug  über  Tassarolo  und  Pasturaua. 

Die  zur  Deckung  dieses  Rückzuges  aufgestellten  Brigaden 
wurden  nun  überall  geworfen,  auch  Novi  mit  Sturm  genommen  und 
der  Feind  durch  die  Brigaden  des  Korps  Melas  so  lebhaft  ver- 
folgt, dass  er  sich  nirgends  mehr  formiren,  noch  bedeutenden  Wider- 
stand leisten  konnte.  Kray  vereinigte  sich  mit  Melas  und  nahm 


344 


170S-17W. 


bei  dieser  Gelegenheit  2000  Franzosen  gefangen.  Die  Generale 
G  r  o  n  0  h  y  und  P  c  r  i  g  n  o  n  brachten  nocli  einige  Haufen  zusammen, 
um  die  Artillerie  zu  retten ;  nach  einem  heftigen,  aber  kurzen  Ge- 
fechte, au  welchem  sich  auch  einige  Kompagnien  Teutschmeister 
betheiligten,  wurden  auch  diese  geschlagen  und  beide  Generale  ge- 
fangen. Dfe  Russen  erstürmten  Pasturana;  es  entstand  im  Dorf  ein 
fürchterliches  Gemetzel,  wobei  die  Russen  kein  Pardon  gaben.  Nur 
diejenigen  Franzosen,  welche  dem  Kray'schen  Korps  in  die  Hände 
fielen,  retteten  ihr  Leben. 

Die  Franzosen  verloren  22  Kanonen,  28  Munitionskarren  und 
4  Fahnen ;  sie  Hessen  an  Todten  und  Gefangenen  9000  Mann  auf 
dem  Platze.  Das  Krav'sche  Korps  hatte  710  Todte,  3260  Verwundete 
und  1175  Gefangene  oder  Vermisste,  darunter  das  Regiment  Teutsch- 
meister Todte:  Fähnrich  Josef  Andr^e  und  Ferdinand  v.  Führer, 
122  Mann;  Verwundete:  427  Mann;  Gefangen  und  Vermisst:  210  Mann 
vom  Feldwebel  abwärts.  Die  Grenadier -Division  7  Todte,  23  Ver- 
wundete. Die  Schlacht  bei  Novi  war  die  blutigste  seit  dem  Anfange 
des  Revolutionskrieges.  Das  Regiment  Teutschmeister  hatte  sich  an 
diesem  Tage  mit  Ruhm  bedeckt  und  derselbe  füllt  eines  der  ehren- 
vollsten Blätter  seiner  Geschichte. 

G.  d.  K.  Ritter  Melas  als  Oberkommandant  der  österreichischen 
Armee,  sagt  in  der  Relation  über  diese  Schlacht:  „Ich  finde  nicht 
„Ausdrücke  und  Worte  genug,  um  das  Verdienst,  die  unerschütter- 
liche Tapferkeit  und  den  bis  zur  Begeisterung  gestiegenen  Muth 
„der  ganzen  Armee,  sowie  jenen  der  gesammten  Herren  Generals, 
„  Stabs-  und  Oberoffiziere  hinlänglich  zu  schildern  und  ich  muss  ge- 
stehen, dass  jedes  einzelne  Individuum  an  diesen  für  die  k.  k.  Waffen 
„ewig  merkwürdigen  Tage,  wo  jeder  Schritt  mit  Blut  bezeichnet 
„ward,  sich  einen  Anspruch  auf  unsterblichen  Ruhm  und  allgemeine 
„Achtung  erworben  hat." 

Feldwebel  Ignaz  Radmanu,  welcher  sich  in  dieser  Schlacht 
hervorragend  ausgezeichnet  hatte,  erhielt  die  silberne  Ehren -Denk- 
münze. 

So  eifrig  Suworow  vorher  alles  zu  einer  Unternehmung  in 
die  Riviera  vorbereitet  hatte,  so  wenig  nützte  er  den  Sieg  von  Novi, 
der  ihm  doch  den  Weg  nach  Genua  öffnete,  dazu  aus.  Er  beschränkte 
sich  den  Tag  nach  der  Schlacht  darauf,  den  Monte  Mesina  bei  Gavi 
durch  eine  russische  Division  besetzen  zu  lassen,  sendete  Bellegarde 


1798—179». 


345 


nach  Acqui,  Kray  nach  Alessandria  und  Melas  mit  seinem  Korps 
in  das  alte  Lager  bei  Rivaita  an  der  Serivia;  das  Hauptquartier 
blieb  zu  Novi.  Die  Ursache  dieser  Uiithätigkeit  Suworow's  war 
die  ihm  zugekommene  Nachricht,  dass  er  in  Folge  einer  Ueberein- 
kunft  der  drei  verbündeten  Mächte  mit  den  russischen  Truppen 
Italien  verlassen  und  in  die  Schweiz  abrücken  werde. 

Nachdem  sich  die  Truppen  einige  Tage  nach  der  Schlacht 
erholt  hatten,  marschirte  die  ganze  Armee  nach  Asti,  wo  sie  den 
20.  August  eintraf.  Als  hier  die  Nachricht  einlangte,  dass  die 
Truppen  von  dem  Gotthard  und  Symplon  zurflckgedrflckt  worden, 
schickte  der  Feldmarschall  den  F.-Z.-M.  Kray  mit  14  Bataillons, 
dabei  Teutschmeister  und  zwei  Kavallerie-Regimenter  nach  Novarra 
ab,  um  jene  Truppen  im  Nothfalle  zu  unterstützen.  Dieser  lagerte 
den  20.  August  bei  Vigevano  und  erreichte  am  21.  Novaria.  Als  er 
erfuhr,  dass  Lecourbe  sich  wieder  zurückgezogen  habe,  liess  er 
nur  die  Brigade  Loudon  bei  Novarra  stehen ;  er  selbst  aber  ging  am 
27.  August  mit  dem  Ueberrest  seines  Korps  nach  Mortara  zurück. 

»Die  Armee  stand  noch  immer  bei  Asti  und  die  Franzosen 
konnten  ungehindert  sich  hinter  den  Pässen  der  Apennineu  sammeln 
und  wieder  erholen.  Am  8.  September  brach  Suworow  mit  den 
Russen  auf  und  marschirte  in  die  Schweiz.  F.-Z.-M.  Melas 
übernahm  das  Kommando  der  österreichischen  Truppen  und  führte 
sie,  als  am  11.  abends  sich  die  Festung  Tortona  ergeben  hatte,  an 
demselben  Tage  in  das  Lager  bei  Bra,  zwischen  der  Stura  und 
dem  Tanaro. 

Das  Regiment  wurde  im  letzten  Drittel  des  August,  mit  dem 
Regiment  Nr.  48  in  der  Gegend  von  Fossano  und  Savigliano  im 
Tanaro-  und  Maira-Thale  in  Picmout  zur  Unterstützung  der  dort 
stehenden  Kavallerie  in  der  Brigade  seines  Obrist  von  Brixen  vereint, 
zum  Vorpostendienst  verwendet,  wo  es  häufig  Plänkler- Scharmützel 
mit  den  feindlichen  Posten  bestand. 

Der  französische  General  Championnet  liess  am  14.  September 
seine  Vortruppen  aus  dem  Stura-,  Grana-  und  Mairathai  vorbrechen, 
welche  von  den  Oesterreichern  bei  Voltignasco  und  Valdigio  bis  zum 
16.  aufgehalten  wurden.  Am  17.  aber  drangen  die  Franzosen  mit 
7000  Mann  bis  Fossano  und  Savigliano  vor.  Das  Regiment,  welches 
Kompagnieweise  zerstreut  zum  Vorpostendienst  aufgestellt  war, 
konnte  sich  nur  mit  äusserster  Anstrengung,  immerwährend  gegen 


340 


179S-17JM». 


bedeutende  Ucbermaclit  kämpfend,  sammeln.  Nach  einem  mehr- 
stündigen äusserst  hartnäckigen  Gefechte  Hess,  der  mittlerweile  das 
Kommando  der  Brigade  übernommene  General  Gottes  heim  seine 
Truppen  nach  Marcne  vor  Bra  zurückmarsehiren,  wohin  der  Feind 
nachpatrouillirte.  379  Mann  des  Regiments,  welche  auf  Vorposten 
abgeschnitten  wurden,  gerietheil  in  Gefangenschaft;  ausser  diesen 
blieben  13  Mann  todt  und  21  waren  verwundet. 

So  wenig  wahrscheinlich  es  war,  dass  die  aus  den  genannten 
Thälern  vorgedrungenen  französischen  Abtheilungen  einen  Angriff 
auf  die  Stellung  der  österreichischen  Hauptarmee  wagen  würden,  so 
beschloss  M  e  1  a  s  dennoch,  den  Feind  anzugreifen  und  in  die  Gebirge 
zurückzuwerfen.  Hiezu  wurden  zwei  Augriffs  -  Kolonnen,  jede  10.000 
Mann  stark,  unter  F.-M.-Lt.  Ott  und  Kray  formirt.  Die  erste 
Kolonne  unter  Ott,  bei  welcher  sich  Melas  befand,  traf,  nachdem 
sie  am  18.  September  um  11  Uhr  vormittags  aus  der  Stellung  bei 
Bra  aufgebrochen  war,  um  4  Uhr  in  der  Gegend  von  Savigliano 
ein,  stiess  hier  auf  den  Feind  und  warf  ihn  bis  zur  Brücke  Alea 
vor  Savigliano  zurück.  Hier  stellten  sich  aber  die  Franzosen,  ent- 
schlossen alles  anzuwenden,  um  Fluss  und  Brücke  zu  vertheidigen ; 
auch  schlugen  sie  tapfer  den  ersten  Angriff  der  österreichischen 
Infanterie  zurück. 

Während  nun  F.-M.-Lt.  Ott  die  feindliche  Linie  heftig 
kanoniren  Hess,  sandte  er  eiu  Bataillon  gegen  Cavalero  raaggiore, 
welches  die  Grana  durchwatete  und  mit  Ungestüm  in  des  Feindes 
Flanke  fiel.  Ein  Bataillon  ging  über  Canavere  und  bedrohte  des 
Feindes  Rückzug  nach  Cuneo.  Unterdessen  waren  die  zwei  Grenadier- 
Brigaden  angelangt  und  der  Kampf  ward  allgemein.  Im  Sturmschritt 
und  mit  gefülltem  Bajounete  griffen  die  Braven  den  Feind  an,  der 
die  Kolonnen  mit  einem  verheerenden  Kartätschenfeuer  empfing. 
Aber  die  Gefahr  verachtend,  erstürmten  die  Grenadiere  die  Brücke 
und  warfen  den  Feind  aus  Savigliano.  Die  Franzosen  zogen  sich  in 
voller  Unordnung  zurück  und  wurden  bis  Maresco  verfolgt;  2  Kauoneu 
wurden  erobert,  23  Offiziere  uud  G00  Mann  gefaugeu  genommen. 
Der  Franzosen  Verlust  belief  sich  auf  1200  Mann,  jener  der  Oester- 
reicher auf  320  Mann.  Das  Regiment  hatte  5  Todte,  10  Verwundete, 
die  Grenadier -Division  TVutschmcister  11  Verwundete.  Auch  die 
zweite  Kolonne  hatte  den  Feind  total  geschlagen,  welcher  dann  nach 
Cuneo  retirirte. 


1708-179*. 


347 


Nun  sammelte  Melas  seine  Haupttruppe  am  19.  bei  Savigliauo, 
nahm  mit  dem  rechten  Flügel  an  der  Maira  Stellung  und  dehnte 
den  linken  gegen  S.  Lorenzo  aus ;  gleichzeitig  beschloss  er  den  Feind 
aus  den  Ebenen  zu  vertreiben,  bevor  die  Vereinigung  der  feindlichen 
Korps  zu  Stande  käme.  Zu  diesem  Behufe  rückte  F.-M.-Lt.  Fürst 
Liechtenstein  am  22.  mit  18  Bataillons  gegen  Piguerole,  schlug 
dort  am  23.  6000  Franzosen  aus  ihren  verschanzten  Stellungen, 
zwang  sie  nach  Fenestrelles  zu  retirireu  und  rückte  dann  wieder  in 
Savigliauo  ein. 

Durch  diese  siegreichen  Gefechte  waren  des  Feindes  Ab- 
sichten überall  vereitelt.  Melas  konnte  nun  auf  die  Vereinigung 
der  in  der  Riviera  aufgestellten  Truppen  mit  jenen  die  bei  Cuneo 
versammelt  waren,  rechnen.  Am  29.  September  marschirte  die  Armee 
nach  La  Trinitä;  die  Brigade  St.  Julien,  dabei  das  Regiment,  kam 
als  Garnison  nach  Cherasco.  Am  30.  bezog  die  Armee  das  Lager 
bei  Magliano  di  sopra,  um  die  feindlichen  Bewegungen  in  der  Nähe 
zu  bewachen.  Die  französische  Armee  hatte  sich  unterdessen  aus 
der  Riviera  gegen  Cuneo  gezogen;  dieselbe  war  20.000  Mann  stark 
und  vermied  sorgfältig  jede  Gelegenheit  zu  einer  Schlacht. 

Am  1.  Oktober  brach  eine  starke  feindliche  Kolonne  über  Villa 
nuova  gegen  Mondovi  vor,  wurde  aber  abgewiesen.  Um  nun  den 
General  Gottes  heim  in  der  Gegend  von  Villa  nuova  zu  unter- 
stützen, sandte  der  Kommandirende  den  General  Loudon  mit  sechs 
Grenadier  -  Bataillons,  dabei  Hohenfeld,  gegen  Chiusa  vor.  Loudon 
bemächtigte  sich  am  2.  Oktober  dieses  Postens,  nahm  den  General 
Gui Hotte  und  70  Mann  gefangen,  eroberte  einen  Munitionspark 
und  zog  sich  am  3.  über  Bainettc  wieder  in  das  Lager  bei  Magliano. 
Obristlieutenant  Hohenfeld  wurde  in  der  Relation  besonders  an- 
gerühmt. Die  Grenadier-Division  hatte  keinen  Verlust. 

Des  Feindes  Bewegungen  gegen  Acqui  bestimmten  Melas, 
diesen  Ort  zu  besetzen  und  von  Cherasco  aus,  über  Dogliani  und  Bel- 
vedere,  gegen  Mulossano  eine  starke  Rekognoszirung  anzubefehlen. 
Das  Regiment  führte  diese  aus,  ohne  auf  den  Feind  zu  stossen. 

Indessen  hatte  Masse  na  die  Schweiz  erobert  und  durch  die 
Schlacht  bei  Zürich  das  linke  Rhein-Ufer  gewonnen.  Diese  Ereignisse 
machten  die  Lage  des  österreichischen  Heeres  in  Italien  sehr  be- 
denklich, denn  dessen  beide  Flügel  waren  somit  umklammert,  aber 
je  weniger  die  Verhältnisse  die  Absichten  des  österreichischen  Feld- 


348 


1798-17»». 


heim  begünstigten,  je  mehr  erhob  der  Werth  und  die  Tapferkeit 
seiner  Truppen  ihn  über  die  Bedränguiss  seiner  Lage.  F.  -  M.  -  Lt. 
Haddik  wurde  in  Ivrea  zur  Unterstützung  der  Truppen  am  Gotthard 
aufgestellt  und  Aroua  am  Lago  maggiore  in  Verteidigungszustand 
gesetzt. 

Championnet  griff  am  9.  Oktober  früh  mit  12.000  Mann 
Margarita  und  Busca  an,  worauf  drei  Bataillons  zur  Unterstützung 
des  Generals  Gottes  heim  auf  Marozzo  vorrückten  und  den  Feind 
zwangen,  auf  allen  Punkten  zurückzugehen. 

Da  der  Feind  bei  Cuneo  sich  immer  mehr  verstärkte,  beschloss 
Melas,  sein  Lager  bei  Magliano  zu  verlassen,  näher  gegen  Cuneo 
in  die  Ebene  vorzurücken,  dem  Feinde  eine  Schlacht  anzubieten 
und  dadurch  das  Schicksal  Cuneo's  zu  entscheiden.  Am  12.  Oktober 
früh  6  Uhr  setzten  sich  die  T nippen  in  Marsch  und  bezogen  das 
Lager  bei  Margarita.  Obrist  Festenberg  befehligte  die  Vorposten- 
kette von  Villa  nuova  bis  Mondovi  und  zwischen  letzterem  Orte 
bis  Carru  (welches  Obrist  Brixen  von  Cherasco  aus  mit  einem 
Bataillon  Teutschmeister  besetzt  hatte)  längs  dem  Ellero  und  Tanaro. 
Durch  diese  drohende  Stellung  sollte  der  Feind  gezwungen  werden, 
eine  Schlacht  zu  liefern  oder  sich  tief  in  die  Gebirge  zurückzu- 
ziehen. 

Die  Franzosen  hielten  das  auf  der  Strasse  nach  Cuneo  ge- 
legene Dorf  Bainette  mit  2000  Mann  besetzt;  General  Mittrowsky 
griff  sie  am  13.  um  2  Uhr  früh  an  und  warf  sie  nach  einem  hart- 
näckigen Gefechte,  welches  mehrere  Stunden  währte,  gegen  Cuneo 
zurück. 

Um  die  Stellung  der  Armee  mit  dem  rechten  Flügel  in  nähere 
Verbindung  zu  bringen,  wurde  derselbe  am  18.  Oktober  auf  das 
rechte  Stura-Ufer  gezogen,  Castelletto  und  Marozzo  verschanzt. 

Am  19.  allarmirte  der  Feind  die  ganze  Linie.  Am  linken 
Stura  -  Ufer  rückte  er  in  drei  Kolonnen  gegen  Ccntale  und  Benigno 
vor.  Gegen  Mondovi  und  Carru  kamen  ebenfalls  feindliche  Ab- 
theilungen und  gegen  abeuds  bewegten  sich  2000  Mann  auf  Bainette, 
welches  die  Oesterreicher  räumten.  Melas  vermuthete  einen  allge- 
meinen Angriff,  da  sich  um  das  Dorf  Carru  ein  heftiger  Kampf 
entsponnen  hatte.  Er  liess  daher  die  Armee  die  Waffen  ergreifen, 
aber  die  Stellung  der  Oesterreicher  schien  dem  feindlichen  Ober- 
general zu  vortheilhaft ,  dass  er  auch  diesmal  den  Kampf  nicht 


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1 79*  1799. 


349 


wagte,  sondern  nur  die  Division  Victor  bei  Bainette  stehen  Hess 
und  sich  zurückzog.  Bei  Carru  scheiterten  alle  Anstrengungen  der 
Franzosen  an  der  Tapferkeit  und  Standhaftigkeit  des  Bataillons 
Teutschmeister,  welches  alle  Angriffe  blutig  zurückwies. 

F.-M.-Lt.  Ott  griff  am  21.  die  Division  Victor  in  Bainette 
an,  erstürmte  den  Ort,  eroberte  zwei  Kanonen,  nahm  530  Mann 
gefangen  und  zwang  die  Franzosen  mit  einem  Verlust  von  600  Mann, 
welche  todt  oder  verwundet  das  Schlachtfeld  bedeckten,  in  das  Ge- 
birge zu  retiriren.  An  demselben  Tage  vereinigten  sich  die  Brigade 
Gardanne  und  ein  Theil  der  Division  Le  Moino  und  besetzten  die 
Anhöhen  von  Mondovi.  M  elas  schickte  sogleich  den  Ohrist  B rix en 
mit  fünf  Bataillons,  darunter  zwei  des  Regiments  nach  Mondovi, 
mit  dem  Auftrage,  sich  dort  so  aufzustellen,  dass  er  den  Feind, 
welcher  von  Villa  nuova  oder  Monastero  kommen  könnte,  bedrohe. 

Am  25.  erhielt  der  Feind  Über  Vico  und  Lezegno  Verstärkungen 
und  rückte  gegen  Mondovi  vor.  General  L  e  M  o  i  n  e  fordert  am  27. 
den  Obristen  v.  Briien  zur  Uebergabe  auf,  was  dieser  entschlossen 
abschlug.  Durch  den  Besitz  von  Mondovi  hätte  der  Feind  seine  Ver- 
teidigungsstellung sehr  verstärkt;  Melas  sendete  daher  den  General 
Auersperg  mit  6  Bataillons  und  2  Eskadronen  den  Posten  zu 
entsetzen.  Obrist  v.  B  r  i  x  e  n  hatte  mit  seinen  5  Bataillons  und 
3  Eskadronen  die  Vorstädte  Crassone,  Breo  und  Pian  delle  Valle 
besetzt  und  hielt  sich  auf  das  tapferste. 

General  Auersperg  brach  am  26.  aus  dem  Lager  bei 
Montanera  auf  und  zog  sich  nach  Carru.  Am  folgenden  Tage  setzte 
er  sich  gegen  Niella  in  Marsch,  Hess  dort  durch  zwei  Bataillone 
den  Feind  angreifen  und  wandte  sich  mit  seinen  übrigen  Truppen 
nächst  Lezegno  nach  S.  Michele.  Hinter  diesem  Orte  hatte  der  Feind 
die  Reserve  seines  Berennungskorps  von  Mondovi  aufgestellt.  Ent- 
schlossen griff  sie  General  Auersperg  an  und  warf  sie  nach 
Vico ;  gleichzeitig  unternahm  auch  Obrist  B  r  i  x  e  n  einen  Ausfall 
und  schlug  den  Feind  vor  Mondovi  zurück;  die  eingetretene  Nacht 
hinderte  die  weitere  Verfolgung.  Bei  diesem  Ausfall  blieb  der 
Fähnrich  Paul  v.  Gaismar  und  30  Mann  todt,  Lieutenant  Josef 
Baron  G  a  1 1  i  o  t,  Oberlieutenant  Michael  F  i  a  1  a  nebst  47  Mann 
geriethen  in  Gefangenschaft. 

Indessen  sendete  der  Feind  eine  starke  Kolonne  nach  Lezegno, 
um  die  Verbindung  des  General  Auersperg  mit  der  in  Nieila 


3Ö0 


1708-170!). 


zurückgelassene  Truppe  zu  unterbrechen.  Auersperg  Hess  mit 
Tagesanbruch  am  20.  diese  Kolonne  Oberfallen,  eroberte  2  Fahnen 
und  3  Kanonen  und  nahm  den  General  Grossart  mit  20  Offizieren 
und  453  Mann  gefangen.  Le  Moine  marschirte  nach  Monastero,  gab 
seine  Absichten  auf  Mondovi  auf  und  kehrte  in  das  Gebirge  zurück. 

Während  diesen  Kämpfen  um  Mondovi  hatte  der  Feind  die 
Vorposten  bei  Genola  angegriffen  und  zwei  Halb-Brigaden  drängten 
auch  die  österreichischen  Vorposten  vor  Piansey  bis  hinter  die 
Kapelle  von  (iottardo.  In  Piansey  theilte  sich  der  Feind  und  rückte 
durch  das  Pagliola-  und  Pesiothal  auf  Maria  di  Rocca  vor.  Aber 
die  aus  dem  Hauptquartier  vorgeschickten  Unterstützungen  warfen 
alle  drei  Kolonnen  bis  Chiusa,  Bainette  und  S.  Carlo  delle  Gambe 
zurück.  Das  dritte  Bataillon  Teutschmeister,  welches  von  Carru  bei 
der  Armee  eingerückt  war,  kam  hier  in  das  Gefecht.  Major  Joachim 
de  Zuchari  und  fünf  Mann  wurden  verwundet. 

Championnet  zog  am  30.  seine  Truppen  gegen  Murazzo 
und  Centale  vor  und  sammelte  12.000  Mann  auf  dem  linken  Stura- 
Ufer.  Da  diese  den  rechten  Flügel  der  Oesterreicher  bedrohten, 
beschloss  F.-Z.-M.  Melas  sie  anzugreifen  und  durch  einen  Haupt- 
schlag den  theilweisen  Kämpfen  ein  Ende  zu  machen.  Noch 
am  30.  abends  wurden  bei  Montanera  und  Castelletto  im  Angesicht 
des  Feindes  zwei  Brücken  geschlagen.  Die  Divisionen  Ott,  bei 
welcher  sich  das  Greuadier-Bataillon  Hohenfeld  befand,  und  Eisnitz 
sammelten  sich  vor  Tagesanbruch  am  31.  bei  diesen  Brücken  und, 
nachdem  das  österreichische  Geschütz  das  feindliche  bald  zum 
Schweigen  gebracht  hatte,  übersetzten  beide  Kolonnen  zu  gleicher 
Zeit  den  Fluss,  passirten  überraschend  schnell  den  langen  und 
beschwerlichen  Engweg,  und  obgleich  das  Terrain  für  die  Franzosen 
sehr  günstig  war,  wurden  sie  trotz  ihres  mörderischen  Feuers  von 
den  Anhöhen  vertrieben  und  in  die  Ebene  geworfen.  Jetzt  benützte 
die  österreichische  Reiterei  die  Verwirrung  der  Franzosen  und  nur 
die  schnelle  Flucht  rettete  sie  vor  gänzlicher  Aufreibung.  Eisnitz 
verfolgte  den  Feind  bis  unter  die  Kanonen  von  Cnneo;  Ott  ver- 
folgte ihn  bis  Busca.  Bis  zum  Abend  blieb  die  Armee  an  der  Grana ; 
vier  Kanonen  und  800  Gefangene  fielen  in  die  Hände  der  Sieger. 
Die  Grenadier  -  Division  hatte  2  Todte  und  13  Verwundete. 

In  der  Nacht  ging  die  Armee,  da  der  General  Duhesme 
mit  bedeutenden  Verstärkungen  anrückte,  wieder  auf  das  rechte 


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17f)S-  170f». 


351 


Stura-Ufer  zurück  und  bezog  die  Stellung  bei  Magliano  di  sopra. 
Durch  die  eingetroffene  Verstärkung  war  die  Macht  der  Fran- 
zosen auf  45.000  Mann  angewachsen  und  Championnet  fühlte 
sich  nun  stark  genug,  die  Stunde  der  Entscheidung  selbst  herbei- 
führen zu  können.  Schon  am  1.  November  drang  er  wieder  bis 
Murazzo  vor,  drückte  am  2.  die  ganze  österreichische  Vorposten- 
kette zurück,  bemeisterte  sich  des  Ortes  Genola  und  beorderte  am  3. 
eine  Division  nach  Savigliano,  um  den  rechten  Flügel  der  Oester- 
reicher zu  umgehen. 

In  Folge  dieser  Bewegungen  des  Feindes  Hess  F.-Z.-M.  Melas 
die  Armee  wieder  auf  das  linke  Stura-Ufer  übergehen,  Mondovi 
wurde  verlassen ,  dort  zehn  piemontesische  Kanonen ,  die  nicht 
fortzubringen  waren,  vernagelt  und  ihre  Munition  vertilgt  Die 
Besatzung  unter  Obrist  B  r  i  x  e  n,  bei  welcher  auch  das  dritte 
Bataillon  eingerückt,  mithin  das  ganze  Regiment  vereinigt  war, 
marschirte  nach  Cherasco. 

Am  3.  November  um  7  Uhr  abends  rückte  die  feindliche 
Avantgarde  in  die  Vorstadt  von  Fossano.  Melas  bildete  nun  drei 
Angriffskolonnen  und  bestimmte  die  erste  unter  den  Befehlen  des 
F.-M.-Lt.  0  1 1,  Savigliano,  welches  nachmittags  die  österreichischen 
Vorposten  verlassen  und  von  der  Division  Orenier  in  Besitz  ge- 
nommen wurde,  anzugreifen,  den  Feind  daraus  zu  vertreiben,  ihn 
schwach  nach  Laguasco  zu  verfolgen,  mit  der  ganzen  Stärke  sich  aber 
nach  Voltinasco  und  Valdigio  zu  wenden. 

Endlich  erschien  der  von  der  Armee  und  ihrem  Feldherrn  lang 
ersehnte  Tag,  der  4.  November  1799.  Um  4  Uhr  früh,  von  einem 
dunklen  Morgen  begünstigt,  rückten  in  stiller  Ordnung  die  Kolonnen 
beider  Heere  vor,  jeder  Theil  entschlossen,  des  Feldzugs  Ende  zu 
erzwingen,  ihrer  Waffen  Ehre  mit  aller  Kraft  zu  erhalten.  So  stiessen 
die  Divisionen  Victor  und  Grenier,  bei  18.000  Mann  stark,  auf  deu 
F.-M.-Lt.  Ott,  um  Marenne  anzugreifen.  Das  Gefecht  wurde  sogleich 
äusserst  heftig,  die  Batterien  fuhren  auf  und  eine  furchtbare  Kanonade 
war  die  Verkünderin  des  Angriffs  auf  der  ganzen  Linie.  Wechsel- 
weise bestrebten  sich  beide  Theile,  einander  zu  umgehen  und  so  gut 
als  es  das  durchschnittene  Terrain  erlaubte,  entwickelten  sich  die 
Kolonnen.  Der  energische  F.-M.-Lt.  Ott,  welcher  von  einerlangen 
Kanonade  keine  Entscheidung  erwartete,  befahl  auf  seiner  ganzen 
Linie  vorzurücken   und  stürzte  treffenweise   mit  immer  frischen 


352 


1798-  1790. 


Truppen  auf  den  Feind,  welcher  nach  einem  zweistündigen  Wider- 
stand zum  Weichen  gezwungen  war.  Jeden  Schritt  standhaft  ver- 
teidigend, zog  sich  der  Feind  nach  Sayigliano,  wo  die  beiden 
feindlichen  Generale  durch  eine  heftige  Kanonade  den  F. -M. -Lt. 
Ott  in  seinem  Vordringen  hemmen  wollten,  aber  die  Truppen  nahmen 
mit  unwiderstehlicher  Tapferkeit  diesen  Ort.  Ott  Hess  nun  die 
Stadt  durch  ein  Grenadier -Bataillon  besetzten,  schickte  den  General 
Auersperg  mit  einer  Brigade  gegen  Voltinasco  und  verfolgte  mit 
dem  Reste  den  sich  nach  Valdigio  ziehenden  Feind.  Um  2  Uhr 
nachmittags  griff  Ott  diesen  Ort  an,  wo  sieh  auch  die  bereits  von 
Genola  zurückgeschlagenen  französischen  Truppen  aufgestellt  hatten. 
Aber  die  Sieger  fanden  keinen  Widerstand,  denn  der  Feind  trat 
seinen  Rückzug  nach  Centale  an,  um  dort  nach  der  Vereinigung 
den  Kampf  herzustellen.  Aber  M  e  1  a  s  ging  auch  hier  auf  ihn  los 
und  trieb  ihn  gegen  Cuneo,  wo  die  Nacht  dem  Gefechte  ein  Ende 
machte. 

Noch  waren  die  Orte  Madonna  dell'  Olmo,  Ronchi  und  Murazzo 
vom  Feinde  besetzt.  Am  5.  November  Hess  Melas  den  F.-M.-Lt. 
Ott  bis  an  das  verschanzte  Lager  Madonna  dell' Olmo  vorrücken, 
während  Eisnitz  Murazzo  im  Rücken  nahm  und  die  Franzosen 
von  dort  vertrieb.  Zwar  wollte  sich  ein  Theil  derselben  durch  die 
Stura  retten,  was  aber  nur  wenigen  gelang,  denn  bei  400  Mann 
fanden  in  den  Finthen  den  Tod  und  mehr  als  1000  Mann  wurden 
gefangen.  Die  österreichische  Armee  stellte  sich  zwischen  Murazzo 
und  Ronchi  auf;  sie  hatte  einen  glänzenden  Sieg  erfochten!  Die 
Franzosen  hatten  8000  Mann  verloren,  180  Offiziere  und  4000  Mann 
waren  gefangen.  Die  Grenadier -Division  Teutschmeister,  welche  im 
Bataillon  Hohenfeld,  in  der  Grenadier  -  Brigade  Weidenfeld,  die 
Schlacht  und  oft  in  erster  Linie  mit  besonderer  Bravour  mitgemacht 
hatte,  war  vom  Glücke  so  begünstigt,  dass  sie  gar  keinen  Verlust 
zählte.  Obristlieutenant  Graf  H  oben  fei  d  wurde  in  der  Relation 
unter  den  Ausgezeichnetsten  genannt,  ein  Beweis,  dass  das  Bataillon 
sich  besonders  hervorgethan  hatte. 

Melas  beschloss,  allen  möglichen  Vortheil  aus  seinem  Siege 
zu  ziehen,  dem  Feind  jede  Vereinigung  zu  wehren  und  ordnete  daher 
eine  allgemeine  Verfolgung  an.  Die  Divisionen  Ott  und  Mittrowsky 
gingen  zu  diesem  Zwecke,  das  Granathai  durchstreifend,  nach 
Caraglio,  von  wo  dann  Ott  die  Stellung  der  Franzosen  bei  Borgo 


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1708-1790. 


353 


S.  Dalmazzo  rekognoszirte,  diese  angriff  und  nach  einem  hartnackigen 
Kampfe,  in  welchem  die  ausgezeichnete  Wirkung  der  österreichischen 
Artillerie  den  Ausschlag  gab,  den  Feind  zwang  flher  den  Gesso  zu 
gehen  und  nach  Vernate  zu  retiriren. 

Nachdem  nun  der  Feind  bis  zum  Col  di  Tenda  und  an  den 
Tanaro  zurückgeschlagen  war,  Hess  M  e  1  a  s  die  Festung  Cuneo  be- 
lagern. F.  -  M.  -  Lt.  Ffirst  Johann  Liechtenstein  erhielt  das 
Kommando  der  Belagerung:  die  Division  Ott  als  erste  Beobachtungs- 
abtheilung  lagerte  hei  Roccavione,  zwischen  der  Vermagna  und  Gesso, 
beide  Thäler  deckend.  Am  3.  Dezember  kapitulirte  Cuneo;  die 
Garnison  rückte  am  4.  Dezember  nachmittags,  3000  Mann  stark, 
mit  allen  Ehrenzeichen  und  zwei  Kanonen  aus  der  Festung,  streckte 
auf  dem  Glacis  die  Waffen  und  wurde  kriegsgefangen  in  die  öster- 
reichischen Erblande  abgeführt.  In  Cuneo  wurden  14G  Kanonen, 
41  Mörser,  1400  Zentner  Pulver,  2000  Gewehre  und  eine  grosse 
Menge  Kriegsmaterial  erobert. 

Melas  Hos8  die  Hauptarmee  am  8.  Dezember  enge  Kauton- 
nirungen  beziehen.  Die  Grenadiere  in  der  Division  des  F.-M.-Lt.  Graf 
Karaczay.  welcher  zum  Kommandanten  von  Cuneo  ernannt  wurde 
und  in  der  Brigade  General  Weidenfeld  kantonnirten  in  Coni; 
das  Regiment  in  der  Division  F.  -  M.  -  Lt.  Graf  Mittrowsky,  Bri- 
gade Obrist  Brixen  mit  den  Regimentern  Nr.  45  und  48  in  Bra, 
Alba,  Sommariva,  Caramagna,  Moretta,  Polognere  und  Murella. 

Obristlieutenant  Graf  Hohenfeld  wurde  am  21.  November 
zum  Obrist  befördert  und  in  seine  Stelle  der  Obrist  Graf  Kheven- 
hüller  des  Regiments  Nr.  34  zum  Kommandanten  des  Grenadier- 
Bataillons  ernannt. 

Den  Franzosen  war  nun  von  allen  ihren  Eroberungen  in  Italien 
nichts  mehr  übrig,  als  die  westliche  Riviera  von  Genua,  diese  Stadt 
selbst  und  der  kleinere  Theil  der  östlichen  Riviera.  Championnet 
starb  zu  Nizza  und  in  seine  Stelle  erhielt  Massena  das  Ober- 
Kommando. 

In  einem  Armeebefehl  aus  Borgo  S.  Dalmazzo  vom  6.  Dezember 
sprach  der  greise  österreichische  Feldherr  F.  -  Z.  -  M.  Ritter  Melas 
die  Achtung  aus,  welche  die  brave  Armee  in  diesem  ruhmvollen 
Feldzuge  sich  verdient  hatte.  Gerührt  dankte  er  allen  Generalen, 
Stabs-  und  Oberoffizieren  für  ihre  bei  jeder  Gelegenheit  erprobte 
thätige  Mitwirkung  und  Entschlossenheit  in  Gefahren,  —  der  Mann- 


354 


1800. 


schalt  für  ihren  männlichen  Muth  und  Ausharren  in  den  vielfältigen 
Beschwerden  dieses  Feldzuges.  .Da  nun  (sagte  er  am  Schlosse) 
„meine  ganz  besondere  Sorge  auf  die  Erhaltung  des  Mannes  gerichtet 
„ist,  so  kann  durch  den  schnellen  Fall  von  Cuneo  keine  beruhigendere 
„Freude  meinem  Herzen  zugewachsen  sein,  als  das  angenehme 
„Bewusstsein,  meiner  braven  Mannschaft  gute  Winterquartiere  ver- 
schafft und  den  Genuss  derselben  gesichert  zu  wissen.  Ich  werde 
„die  Ruhezeit  dazu  benutzen,  für  ihre  Bedurfnisse  zu  sorgen  und 
„ihren  Muth  zu  erhalten.  Ich  werde  meine  Thätigkeit  vermehren, 
„um  ihnen  alles  dasjenige  zu  verschaffen,  was  zu  ihrem  Unterhalt, 
„Bedeckung  und  Ausrüstung  nur  immer  noth wendig  sein  kann.  Sollte 
„aber  wider  Vermuthen  der  Feind  unsere  winterliche  Ruhe  stören 
„und  uns  um  den  so  schwer  verdienten  Lohn  unserer  Mühe  bringen 
„wollen,  so  verspreche  ich  mir  von  der  ün Verdrossenheit  der  braven 
„Krieger,  dass  auch  dieser  feindliche  Versuch  fruchtlos  bleiben  und 
„ein  neuer  siegreicher  Schlag  uns  diese  Ruhe  nur  um  desto  dauer- 
hafter sichern  wird/ 


1800. 

Der  Feldzug  vom  Jahre  1799  war  für  die  österreichische 
Armee  eine  ununterbrochene  Reihe  glänzender  Siege  gewesen.  Die 
Eroberung  von  ganz  Ober -Italien  mit  22  Festungen  und  festen 
Schlössern  war  die  Frucht  ihrer  Tapferkeit.  So  glänzend  nun  der 
Feldzug  gewesen,  so  sehr  hatte  er  die  Kräfte  der  Armee  erschöpft. 
Die  Regimenter  hatten  durchgehends  viel  gelitten;  Deutschmeister 
zählte  nicht  viel  mehr  als  250  Mann  hei  einem  Bataillon. 

Die  grosse  Entfernung  von  den  Ländern,  aus  welchen  die 
Armee  jede  Unterstützung  beziehen  musste,  hinderte  die  schnelle 
Abhilfe  des  Mangels,  welcher  schon  früher  fühlbar  geworden  und 
am  15.  Jänner  1800  den  Kommandirenden  zwang,  die  zwei  Armee- 
Divisionen  Mittrowsky  und  Haddik  aus  Piemont  bis  an  die  Adda 
zurück  zu  verlegen. 

M  e  1  a  s  hatte  anfangs  beschlossen,  die  Eröffnung  des  nächsten 
Feldzuges  von  feindlicher  Seite  abzuwarten.    Er  beschränkte  sich 


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1S00. 


355 


darauf,  den  Franzosen  ihre  Verpflegung  zu  erschworen  und  die 
Winterquartiere  der  k.  k.  Armee  gegen  feindliche  Anfalle  zu  decken. 
Das  Regiment  erhielt  350  Mann,  welche  von  der  Reserve -Division 
eingerückt  waren. 

Da  bald  darauf  der  günstigste  Zeitpunkt  für  die  Eroberung 
der  Riviera  erschienen  war,  erhielt  die  k.  k.  Armee  die  Disposition, 
in  sechs  Kolonnen  die  Apenninen  zu  ersteigen.  Dieser  gemäss  mar- 
schirte  das  Regiment  in  der  Brigade  des  G.-M.  St.  Julien  nach 
Asti.  Aber  ein  plötzlich  eingetretener  starker  Schneefall  machte 
das  Gebirge  unzugänglich  und  zwang  den  F.-Z.-M.  Melas  den 
Angrifl*  auf  die  bessere  Jahreszeit  zu  verschieben.  M  a  s  s  e  n  a,  von 
den  Bewegungen  der  Oesterreicher  in  Kenntniss  gelangt,  ordnete 
am  5.  März  einen  allgemeinen  Angriff  der  österreichischen  Vor- 
posten an,  welcher  am  6.  ausgeführt  wurde,  worauf  sich  die  Fran- 
zosen aber  am  7.  wieder  zurückzogen. 

Diese  Bedrohungen  veranlassten  neue  Anstalten  zur  Sicherheit 
der  Posten  von  Novi  und  Aqui.  Das  Regiment  wurde  von  Asti  nach 
Feliciano  und  Salerio  vorgezogen. 

Die  eingetretene  mildere  Jahreszeit,  welche  den  Angriff  auf 
die  Riviera  nunmehr  begünstigen  konnte,  machte  eine  engere  Zu- 
sammenziehung der  Truppen  nöthig.  Melas  verlegte  am  24.  März 
sein  Hauptquartier  von  Turin  nach  Alessandria  und  stellte  die  Armee 
am  27.  in  zwei  Abtheilungen  auf.  Der  5.  April  ward  zum  allgemeinen 
Angriff  bestimmt  und  die  gegen  die  Riviera  bestimmten  Kolonnen 
formirten  sich  in  vier  Abtheilungen.  Die  Hauptkolonne  unter  eigener 
Anführung  des  Kommandirenden  32  Bataillons  stark,  darunter 
Deutschmeister,  sammelte  sich  bei  Aqui.  SämmtJiche  Offiziere 
mussten  ihre  Pferde  zurücklassen,  ebenso  blieb  das  Liniengeschütz 
zurück  und  wurden  dagegen  8  Gebirgskanonen  mitgenommen. 

Von  der  Hauptkolonne  sandte  am  4.  April  der  Kommandirende 
die  Brigade  St.  Julien  durch's  Erothal  nach  Mioglia,  mit  der 
Bestimmung  voraus,  das  Regiment  Nr.  48  über  Giuvalla  auf  dem 
ganzen  Bergrücken  aufzustellen.  Dieses  Regiment  sollte  den  Seiten- 
angriff auf  den  Montenotte  bewirken,  während  der  Rest  der  Brigade 
am  6.  April  über  Ponte  Ivrea  und  die  Orte  Montenotte  inferiore 
und  superiore  zum  Frontangriff  des  Montenotte  marschiren  würde. 
Zugleich  sollte  diese  Brigade  Sasello  besetzen  und  sich  für  die 
Vortruppe  einer  starken  Kolonne  ausgeben. 

23* 


356  l*00- 

Am  6.  April  mit  grauendem  Morgen  brach  die  Divison  Mittrowsky 
von  Carcare  auf  und  drang  ohne  grossen  Widerstand  Ober  Altäre 
nach  la  Torre  di  Ca  di  buona.  Der  Feind  empfing  die  Oesterreicher 
mit  heftigem  Kanonenfener,  aber  trotzdem  wurden  alle  Schanzen 
erstürmt  und  die  Franzosen  auf  den  Monte  Ajnto  zurückgeworfen. 
Indessen  frische  Truppen  zum  Angriffe  dieses  Berges  sich  in  Be- 
wegung setzten,  hatte  General  Graf  St.  Julien  den  Montenotte 
bereits  erstiegen  und  war  gegen  den  vom  Feind  besetzten  Monte 
Regino  im  Anmarsch.  General  Lattermann  umging  mit  fünf 
Grenadier  -  Bataillons  die  rechte  Flanke  des  Monte  Ajuto,  während 
andere  Truppen  der  Division  Mittrowsky  den  Feind  mit  Verlust  aus 
seinen  Schanzen  warfen  und  gegen  Savonna  verfolgten.  Der  französische 
General  S  ou  lt  kam  in  diesem  Augenblicke  von  Cornegliano  an,  führte 
die  geworfenen  Truppen  den  Oesterreichern  entgegen  und  hielt  diese 
in  ihrem  Vordringen  auf.  Um  1  Uhr  nachmittags  bezog  Soult  die 
Stellung  von  Monte  moro  und  das  Feuer  verminderte  sich.  Aber 
St.  J  u  1  i  e  n  hatte  mittlerweile  den  Monte  Legino  bezwungen,  1  Kanone 
und  viel  Munition  erobert,  13  Offiziere  und  80  Gemeine  gefangen. 
Er  eilte  jetzt,  die  Division  Mittrowsky  zu  unterstfltzen,  welche  den 
Monte  moro  angriff.  St.  Julien  bedrohte  Arbizola  und  somit  Soult's 
Rückzug,  worauf  dieser  eiligst  zurückging  aber  von  den  Oesterreich era 
mit  solcher  Hitze  nach  Savonna  verfolgt  wurde,  dass  einige  Kom- 
pagnien zugleich  mit  den  Franzosen  in  die  dortigen  Vorstädte  ein- 
drangen. Soult  trieb  diese  jedoch  zurück,  versah  die  Feste  mit 
Lebensmitteln  und  1000  Mann  Besatzung  und  drang  um  2  Uhr 
morgens  über  Arbizola  nach  Genua  durch.  Das  Regiment  hatte  in 
diesen  Gefechten  7  Todte  und  16  Verwundete. 

M  a  s  s  e  n  a  war  durch  dieses  siegreiche  Vordringen  der  Oester- 
reicher von  Suchet  getrennt  und  konnte  die  Vereinigung  nur  durch 
das  Zurückschlagen  der  Hauptkolonne  erreichen.  Melas  stellte  am 
8.  die  Hauptkolonne  längs  dem  Bergrücken  des  Monte  Legino  und 
Montenotte  bis  nach  Arbizola,  wo  sich  der  rechte  Flügel  an  den 
See  lehnte,  hinter  dem  Bache  Reggio  auf;  St.  Julien  bildete  den 
linken  Flügel.  Am  9.  abends  brach  dieser  auf  und  nahm  nach  dem 
Monte  Vereira  die  Richtung.  Der  schlechte  Weg  in  diesen  Gebirgen 
erlaubte  keine  Beschleunigung  des  Marsches  und  so  ereilte  ihn  die 
Nacht.  Die  Kolonne  trennte  sich  auf  diesem  Nachtmarsche,  denn 
auf  dem  Punkte,  wo  sich  der  Weg  nach  Sassello  von  jenem,  welcher 


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1K00. 


357 


über  steile  Felsen  am  kürzesten  nach  Vereira  führt,  scheidet,  Hess 
St.  Julien  einen  Offizier  mit  dem  Auftrage  zurück,  alle  Maulthiere 
mit  dem  Gepäck  und  Lebensmitteln  über  Sassello  nach  dem  Berge 
Yereira  zu  weisen,  da  der  andere  Weg  für  Maulthiere  ganz  ungangbar 
sei.  Als  Oberst  Brilon  mit  dem  Regiment  Deutschmeister  eintraf, 
beschloss  er  diese  Lebensmittel  und  Munition  zu  decken  und  wandte 
sich  ebenfalls  nach  Sassello,  wo  er  am  10.  mittags  um  1  Uhr  ein- 
traf. Seit  19  Stunden  war  das  Regiment  am  Marsche  und  hatte 
also  etwas  Ruhe  nöthig.  Nach  Verlauf  von  einigen  Stunden  war 
Briien  eben  im  Begriff,  auf  den  Berg  Vereira  zu  dem  General 
St.  Julien  zu  stossen,  als  Bauern  die  Nachricht  brachten:  „der 
»Feind  sei  sehr  stark  in  S.  Pietro  eingerückt  und  mache  Miene, 
.Sassello  anzugreifen.*  Es  war  der  General  Poinsot,  welcher  von 
Soult  befehligt  worden,  Sassello  wegzunehmen.  Soult  selbst  nahm 
eine  Stellung  bei  Pallo,  um  den  Monte  Vereira  zu  besetzen.  Oberst 
Briien,  überzeugt  von  dem  Anmärsche  der  Feinde,  stellte  sich 
zwischen  Sassello  und  dem  Monte  Vereira  auf  und  bedrohte  dadurch 
die  Flanke  der  Angreifer.  Als  die  feindliche  Kolonne  vorwärts  rückte, 
liess  er  ein  heftiges  Bataillefeuer  beginnen,  und  sandte  den  Oberstlieute- 
nant Kirchner  mit  einem  Bataillon  in  der  Richtung  gegen  S.  Pietro, 
um  den  General  Poinsot  für  seinen  Rückzug  besorgt  zu  machen. 
Die  Franzosen  hielten  im  Marsche  an,  aber  Poinsot  bemerkte 
bald,  dass  diese  österreichische  Truppe  nicht  stark  genug  war,  seinen 
Angriff  zu  hindern.  Er  entwickelte  gegen  Oberst  Briien  einige 
Bataillons  und  zwang  ihn,  sich  immer  höher  gegen  den  Monte 
Vereira  zu  ziehen.  So  kam  Poinsot  bis  Sassello,  welches  erstark 
besetzte.  Jetzt  erschien  General  St.  Julien  an  der  Spitze  eines 
Bataillons  Nr.  45,  brach  durch  das  Regiment  Deutschmeister  durch, 
stürzte  sich  auf  den  verfolgenden  Feind  und  warf  ihn  in  das  Thal 
zurück.  Aber  der  Angriff  auf  Sassello  selbst  wurde  von  dem  über- 
legenen Feind  zurückgewiesen.  Nun  zog  sich  St.  Julien  gegen 
S.  Giustina  und  vereinigte  sich  mit  General  Belle  gar  de.  Oberst 
Briien  setzte  seinen  Marsch  auf  den  Monte  Vereira  fort  und  traf 
dort  um  Mitternacht  ein. 

Soult  beschloss  am  Morgen  des  11.  April,  den  Monte  Vereira 
anzugreifen.  St.  Julien  aber  liess  den  Berg  mit  1300  Mann  unter 
Oberst  Briien  besetzt  und  zog  mit  3000  Mann  gegen  den  Berg 
Ormetta.   Oberst  Briien  hatte  kaum  seine  Anstalten  zur  Vcr- 


358 


isoo. 


theidigung  getroffen,  als  er  schon  von  Sassello  her  angegriffen  ward. 
Das  schwache  Regiment  Nr.  48  konnte  dem  immer  stärkereu  Druck 
nicht  widerstehen.  B  r  i  x  e  u  liess  gleich  den  Pass  nach  dem  Ormetta 
besetzen,  sandte  alles  Gepäck  sammt  den  Tragthieren  dahin  und 
folgte  fechtend  mit  dem  Kegimente  nach.  Indessen  hielten  die  Regi- 
menter Deutschmeister  und  Nr.  45  (900  Mann)  noch  immer  den 
Vereira  besetzt  und  kämpften  muthig  gegen  die  sich  immer  mehren- 
den Feinde.  Soult  und  Gazan  waren  bereits  auf  der  Hohe 
angelangt,  aber  die  Oesterreicher  unter  der  Anführung  des  tapferen 
Majors  v.  Z  u  c  h  a  r  i  vertheidigten  sich  entschlossen  gegen  des  Feindes 
Uebermacht.  Endlich  nach  einem  achtstündigen  Kampfe  mussten  sie 
weichen.  Mit  dem  Reste  von  200  Mann  zog  sich  Zuchari  nach 
Tagliarino,  fand  sich  aber  bald  von  allen  Seiten  umringt  und  ge- 
zwungen, sich  zu  ergeben.  Er  fand  jedoch  schon  am  21.  die  Ge- 
legenheit, sich  mit  seinem  Kommando  mit  seltener  Kühnheit  zu 
ranzioniren. 

Poinsot  blieb  zwischen  Puzone  und  Sassello  stehen  und 
Soult  stellte  sich  gegeuüber  des  Ormetta  auf  dem  Passo  grosso, 
als  eben  St.  Julien  mit  dem  Reste  seiner  Brigade  von  Ormetta 
Besitz  nahm.  Soult  liess  nun  auch  gegen  diesen  Berg  den  Angriff 
fortsetzen ;  sein  linker  Flügel  rückte  mit  Erfolg  vor,  aber  sein  rechter 
wurde  noch  immer  zurückgehalten,  als  auch  General  Fressinet 
erschien.  Soult  drang  nun  um  so  lebhafter  vor  und  vereinigte  sich 
bei  Untergang  der  Sonne  auf  dem  Ormetta  mit  diesem  General. 
St.  Julien  marschirte  nach  S.  Giustina  zurück. 

Während  hier  der  französische  rechte  Flügel  Vortheile  erkämpfte, 
drang  Melas  am  11.  gegen  Congaretta  vor  und  warf  die  Feinde 
bis  Arenzano.  Indessen  hatte  Massena  seine  Absicht  erreicht; 
Soult  hatte  den  Kern  der  Truppen  vereinigt,  stand  in  der  linken 
Flanke  der  österreichischen  Armee  und  hinderte  deren  Vordringen 
gegen  Genua. 

Am  12.  April  früh  hielten  die  Brigaden  Bellegarde  und  Bren- 
tano den  Monte  fajale  besetzt;  St.  Julien  stand  mit  den  Resten 
seiner  Truppe  bei  St.  Giustina.  Am  frühen  Morgen  bildete  Soult 
drei  Angriffskolonnen  und  um  10  Uhr  geschah  der  Angriff.  Fres- 
sinet erstürmte  nach  zweistündigem  Kampfe  den  Monte  fajale  und 
die  Oesterreicher  zogen  sich  nach  Brico  di  Cavallo  und  Stella  zurück. 
Nun  beschloss  Soult  auch  den  Brico  Cavallo  zu  erstürmen.  Drei 


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359 


Mal  wurde  der  Sturm  uuteraonimen,  doch  ebenso  oft  zurückgewiesen. 
Die  eintretende  Nacht  endete  das  Gefecht,  welches  den  Franzosen 
weit  über  1000  Mann  gekostet  hatte. 

Gegen  diese  Vortheile,  welche  Soult  errungen  hatte,  setzte 
nun  M  e  1  a  s  schnell  eine  nachdrucksvolle  Bewegung  entgegen,  indem 
er  seinen  rechten  Flügel  auf  die  Höhen  von  Arhizola  und  Monte 
Legino  zurückzog.  Als  dieser  am  14.  in  den  Stellungen  anlangte, 
wurde  St.  Julien  nach  alle  Moglie  gesendet,  um  Sassello  zu 
bedrohen.  Soult  sammelte  seine  Hauptmacht  auf  dem  Ormetta  und 
liess  nachmittags  am  15.  die  Oesterreicher  angreifen,  wurde  aber 
überall  zurückgeschlagen.  Endlich  drang  der  Feind  mit  verstärkter 
Macht  auf  die  Stellung  alle  Moglie  ein,  aber  General  Bussy  liess 
den  Monte  Lovrino  leicht  besetzt,  warf  sich  mit  zwei  Regimentern 
in  des  Feindes  Flanke  und  half  dadurch  St.  Julien  seine  Stellung 
behaupten. 

Soult  hielt  den  Ormetta  besetzt  und  schien  auch  Sassello 
behaupten  zu  wollen.  Am  IG.  April  mit  Tagesanbruch  beorderte 
Melas  die  Brigaden  St.  Julien  und  Bussy  gegen  Sassello  und  die 
Brigaden  Bellegarde,  Brentano  und  Sticker  nach  dem  Monte  Ormetta 
zum  Angriff.  Die  Franzosen  wichen,  sobald  sie  die  österreichischen 
Kolonnen  durch  s  Gebirge  vordringen  sahen,  auf  dem  Wege  gegen 
Vereira  nach  dem  Ormetta,  um  sich  mit  Soult  zu  vereinigen.  Die 
Oesterreicher  erstürmten  den  Monte  fajale,  auch  rückte  eine  ihrer 
Abtheilungen  im  Rücken  Soult's  vor.  Dieser  ordnete  in  der  Nacht 
seine  Kolonne  und  setzte  sie  am  17.  früh  über  Areuzauo  nach  Voltri 
in  Marsch,  wohin  auch  Masse  na  von  Varraggio  seinen  Rückzug 
nahm. 

So  wie  die  Franzosen  den  Ormetta  und  die  anderen  Höhen 
verliessen,  nahmen  Bellegarde's  Vortruppeu  diese  Punkte  eiu. 
Melas  beorderte  den  Geueral  St.  Julien  ebenfalls  nach  dem 
Ormetta,  wo  sodann  unter  Bellegarde's  Befehlen  die  Brigaden 
Sticker,  Brentano  und  St.  Julien  vereint  waren.  Am  18.  wurden  die 
Feinde  auch  bei  Voltri  geschlagen  und  dieser  Ort  von  den  Oester- 
reichern besetzt,  worauf  sich  Soult  am  19.  nach  Genua  zurückzog. 

Melas  t heilte  jetzt  seine  Truppen  in  zwei  Haupttheile:  in 
das  Blockadekorps  um  Genua  und  in  die  Beobachtungsarmee.  Um 
die  Umzinglung  von  Savonna  mit  grösserem  Nachdruck  fortzusetzen, 
wurde  General  St.  Julien  mit  seiner  Brigade,  dabei  das  Regiment, 


360 


l.NÖO. 


dahin  beordert.  Der  Generale  uartiermeister  General  Zach  besichtigte 
die  Stellung  des  Umzinglungskorps  und  ordnete  die  Errichtung 
mehrerer  Batterien  an,  um  die  Festung  zu  beschiessen.  Der  Kom- 
mandant derselben  (B  u  g  e  t)  forderte  soeben  die  Burger  von  Savonna 
zu  den  Waffen  auf,  um  zur  Befreiung  seiner  engen  Erschliessung 
mitzuwirken  und  drohte  im  Weigerungsfalle,  die  Stadt  in  Asche  zu 
legen.  General  Graf  St.  Julien  Hess  ihm  erklären:  „Er  habe 
„Macht  zu  thun,  was  ihm  bedanke.  Nur  möge  er  nicht  vergessen, 
„dass  in  Kurzem,  wo  er  sich  doch  ergeben  müsste,  man  Repressalien 
„an  Jenem  brauchen  würde,  der  gewissenlos  über  alle  Kriegsgebräuche 
„sich  wegzusetzen  aumasste."  Ein  unbedeutender  Ausfall  wurde  schnell 
zurückgewiesen  und  hiemit  die  Unterhandlung  abgebrochen.  Das 
Regiment  war  nun  in  der  Lage,  sich  einigermassen  von  den  grossen 
Strapazen  zu  erholen,  denn  dasselbe  war  in  der  Brigade  St.  Julien 
allen  vorbezeichneten  Bewegungen  gefolgt  und  stellte  täglich  50  Mann 
zum  Schanzenbau  auf  dem  Kapuzinerberge.  Am  15.  Mai  verlangte 
General  Buget  zu  kapituliren,  wornach  die  Besatzung  bestehend 
aus  einem  Generalen,  48  Offizieren  und  998  Mann  am  IG.  um  3  Uhr 
nachmittags  auf  dem  Glacis  die  Waffen  streckte  und  über  Sassello, 
Alessandria  als  kriegsgefangeu  abgeführt  wurde.  Die  Feste  befand 
sich  noch  im  vollkommenen  Vertheidigungsstandc  und  es  wurden  in 
derselben  146  schwere,  meist  metallene  Geschütze,  100.000  Patronen, 
200  Zentner  Pulver  nebst  vielem  Kriegsmaterial  erbeutet.  General 
Graf  St.  Julien  erhielt  den  Befehl,  den  Oberst  Brixen  mit  dem 
Regiment  Deutschmeister  in  der  Feste  als  Besatzung  zu  lassen 
und  mit  den  übrigen  Regimentern  nach  Nizza  zu  marschiren.  Am 
4.  Juni  kapitulirte  auch  Genua  und  somit  war  ganz  Picmont  sammt 
der  Riviera  in  deu  Bänden  der  siegreichen  Oesterreicher. 

Bis  zu  diesem  Abschnitte  war  der  Feldzug  für  die  öster- 
reichischen Waffen  ein  glänzender,  leider  sollte  sich  aber  das  Kriegs- 
glück nur  zu  bald  von  denselben  wenden.  Die  französische  Reserve- 
Armee,  welche  der  erste  Konsul  Buon aparte,  30.000  Mann  stark, 
bei  Dijon  versammelt  hatte,  setzte  sicli  schon  im  April  in  Bewegung, 
überschritt  Mitte  Mai  deu  grossen  und  kleinen  St.  Bernhard  und 
drang  in  Ober- Italien  im  Rücken  Melas  ein,  da  das  hier  aufgestellte 
Beobachtungskorps  unter  F.-M.-Lt.  Keim  zu  schwach  war,  um 
diess  verhindern  zu  können.  Melas  erfuhr  am  18.  von  dieser 
Bewegung,  Hess  F.-M.-Lt.  Eisnitz  mit  17.000  Mann  am  Var- 


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361 


Flusse  Suchet  gegenüber  stehen  uud  eilte  mit  30.000  Mann  nach 
Turin,  wohin  er  den  Marsch  der  Reserve -Armee  gerichtet  glaubte. 
Buonaparte  hatte  aber  nur  das  Korps  Lannes  von  Ivrea  aus 
gegen  Turin  vorgeschoben,  war  selbst  nach  Mailand  raarschirt  und 
rückte  über  Piacenza  nach  Marengo  bei  Alessandria  vor,  wo  er  mit 
Melas  zur  Schlacht  am  14.  Juni  zusammentraf.  Schon  hatten  die 
Oesterreicher  den  Sieg  errungen  und  verfolgten  lebhaft  die  reti- 
rirenden  Franzosen,  als  durch  das  plötzliche  Eintreffen  der  Division 
Desaix  in  der  Flanke  die  durch  das  eilige  Verfolgen  aus  der  taktischen 
Ordnung  gerathenen  österreichischen  Truppen  nach  Alessaudria 
zurückgeworfen  wurden.  (Das  Nähere  folgt  bei  den  Bewegungen 
der  Grenadiere.) 

Um  dieselbe  Zeit  war  auch  £  1  s  n  i  t  z  von  Suchet  mit  Ueber- 
legenheit  angegriffen  und  über  den  Col  di  Tenta  gegeu  Mondovi 
zurückgeworfen  worden.  Früher,  am  5.  Juni,  hatte  Oberst  Brixen 
die  Besatzung  des  Kastells  Finale,  4  Offiziere,  90  Mann  sammt  den 
dortigen  Pulvervorrathen  nach  Savonna  gezogen. 

Die  Regimentsgeschichte  hat  die  Grenadiere  Ende  1799  in  der 
Kantonnirung  zu  Coni  verlassen.  Anfangs  Jänner  1800  marschirte 
die  Grenadier -Brigade  General  Weidenfeld  nach  Saluzzo  bezog 
hier  Kantonnirungen  und  versah  auch  den  Vorpostendienst  von  Ellero 
bis  einschliesslich  des  Po-Thales.  Im  Februar  marschirte  die  Brigade 
nach  Turin  und  erhielt  ihre  Eintheilung  in  die  Division  Morzin. 

Mit  Armeebefehl  vom  11.  Februar  1800  erhielt  der  bisherige 
Kommandant  des  Grenadier-Bataillons  Oberst  Graf  Khevenhüller 
das  Kommando  des  Regiments  Nr.  IG. 

Als  Melas  die  Armee  in  zwei  Theile  schied,  kam  die  Brigade 
unter  den  F.  -  M.  -  Lt.  Baron  E  1  s  11  i  t  z  und  marschirte  nach  Bra, 
am  30.  März  nach  Bene,  dann  nach  Cera,  wo  sich  die  Truppen  des 
rechten  Flügels  vereinigten,  dann  den  3.  April  nach  Monte  Zemolo, 
4.  Millcsirao,  5.  Carcare,  0.  nach  Mallere,  nahm  ohne  besonderen 
Widerstand  die  Höhen  von  St.  Giacomo  und  besetzte  die  Linie  von 
Vado  bis  zu  den  benannten  Höhen. 

Am  10.  April  griff  der  französische  General  Suchet  die  Stellung 
an,  es  gelang  ihm  die  Brigade  Ulm  durch  einen  dichten  Nebel  be- 
günstigt eiuzuschliessen  und  grossen  Theils  gefangen  zu  nehmen, 
sowie  Sette  pauni  zu  besetzen.  Nun  wendete  sich  Suchet  am 
12.  April  gegen  den  St.  Giacomo -Berg,  hier  wurde  er  jedoch 


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362 


1800. 


kräftig  empfangen,  zurückgeworfen  und  abends  noch  bis  Madonna  della 
neve  verfolgt.  Die  Grenadiere,  welche  sich  so  tapfer  geschlagen  hatten, 
dass  sie  im  Armeebefehl  vom  17.  April  öffentlich  belobt  wurden, 
hatten  einen  Verlust  von  4  Todten  und  17  Verwundeten  erlitten. 

Suchet  hatte  am  19.  April  alle  seine  Truppen  aus  dem 
Tanaro-Thale  an  sich  gezogen  und  besehloss  am  kommenden  Tage 
einen  Hauptschlag  auf  St.  Giacomo  auszuführen.  E 1  s  n  i  t  z  hatte 
schon  um  Mitternacht  die  Waffen  ergreifen  lassen,  um  die  Feinde 
zu  empfangen.  Mit  grauendem  Morgen  stürzte  sich  Suchet  mit 
drei  Kolonnen  auf  die  Fronte  der  österreichischen  Stellung,  die  er 
durch  eine  vierte,  gegen  Feligno  vorgeschobene  erschüttern  wollte. 
Der  Heftigkeit  des  Angriffs  wurde  eine  kalte  Entschlossenheit  entgegen 
gesetzt.  Suchet  erkannte  bald  die  Unmöglichkeit  eine  so  vortheil- 
hafte  und  wohl  vertheidigte  Stellung  einzunehmen  und  zog  sich  mit 
bedeutenden  Verlusten  zurück.  Eisnitz  verfolgte  ihn  über  Malere 
und  Costa.  Die  Grenadier-Division  hatte  7  Verwundete.  F.-M.-Lt. 
Eisnitz  sagt  in  seiner  Relation  über  dieses  Treffen:  „Ich  kann 
»nicht  anders,  «als  das  ganze  Korps,  nämlich  die  sechs  Greuadier- 
„ Bataillone  der  Brigade  Weidenfeld,  sowie  alle  übrigen  Truppen 
»besonders  anzurühmen  und  zu  bitten,  die  ausgezeichneten  Ver- 
dienste dieser  Truppen  öffentlich  bekannt  machen  zu  wollen/ 

Am  21.  marschirte  Eisnitz  von  Malere  gegen  Madonna 
della  neve  und  vertheilte  seine  Truppen  zum  Angriff'  der  feind- 
lichen Stellungen.  Aber  heftige  Regengüsse  und  darauffolgende 
dichte  Nebel  verhinderten  alle  Unternehmungen  in  diesem  Hoch- 
gebirge, daher  E 1  s  n  i  t  z  in  der  Stellung  von  St.  Giacomo  blieb, 
bis  der  Feind  selbst  die  Gelegenheit  zum  Angriffe  herbeiführen 
würde.  Abends  am  28.  kam  der  Chef  des  General -Quartiermeister- 
stabes General  Zach  in  St.  Giacomo  an  und  fand  die  Entwürfe 
zum  Angriffe  schon  bereit.  Suchet  verliess  am  29.  abends  die 
Stellung  auf  dem  Sette  pauni  und  marschirte  gegen  Capo  di  S.  Spirito. 
Am  folgenden  Tage  setzten  sich  die  Oesterreicher  in  drei  Kolonnen 
zur  Verfolgung  in  Bewegung.  Die  des  F.  -  M.  -  Lt.  M  o  r  z  i  n  mit 
der  Brigade  Weidenfeld  hatte  mit  zahllosen  Hindernissen,  die  in 
diesen  Felsengebirgen  den  Truppen  im  Wege  standen  und  die  durch 
den  vorangegangenen  Hegen  noch  vermehrt  wurden,  zu  kämpfen 
und  machten  es  ihr  unmöglich  die  festgesetzten  Punkte  zur  vor- 
geschriebenen Zeit  zu  erreichen.    Mit  grosser  Anstrengung  war 


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1800. 


303 


M  o  r  z  i  n  auf  der  Höhe,  die  von  Monte  Calvo  zwischen  Giustenice 
und  Turo  läuft,  am  30.  abends  angekommen.  Suchet  stand  in 
der  Stellung  von  S.  Spirito  und  hielt  Loano  stark  besetzt. 

Am  1.  Mai  vereinigten  sich  die  beiden  Kolonnen  Morzin  und 
Brentano  bei  Monte  Calvo,  um  dem  Feinde  das  Vordringen  gegen 
Sette  panni  zu  verweigern.  Morzin  bemerkte  am  2.  eine  Blosse 
des  Feindes,  Hess  vier  Bataillone  gegen  Kocca  barbena  vorrücken 
und  zwang  den  Feind  nach  einem  Gefechte,  welches  von  10  Uhr 
morgens  bis  abends  währte,  sich  auf  Col  di  Sambucco  zurückzuziehen. 
F.  -  M.  -  Lt.  Morzin  sammelte  hierauf  seine  drei  Brigaden  in  der 
Stellung  von  Kocca  barbena.  Die  Grenadiere  waren  nicht  in's  Feuer 
gekommen. 

Mittlerweile  hatte  F.-M.-Lt.  Eisnitz  mit  den  übrigen  Truppen 
die  Stellung  des  Feindes  bei  S.  Spirito  umgangen,  welcher,  nun 
ohne  einen  Angriff  abzuwarten,  unter  Zurücklassung  von  vier  Kanonen, 
sich  hinter  Allassio  zurückzog.  Morzin  marschirte  hierauf  nach 
Kocca  di  Curiaira  und  am  5.  Mai  nach  Ubaga.  Der  Feind  hielt  die 
Höhen  von  Muchio  delle  Pietre,  nördlich  von  Cessio  besetzt.  Der 
Angriff  wurde  auf  den  6.  beschlossen,  jedoch  wegen  Erschöpfung 
der  Truppen  auf  den  7.  verschoben.  Die  Division  Morzin  rückte  in 
drei  Kolonnen,  das  Grenadier  -  Bataillon  in  der  Hauptkolonne  zum 
Angriffe  vor. 

Um  724  Uhr  früh  begann  die  Vorrückung ;  das  Regiment  Nr.  49 
drang  in  die  feindliche  Stellung,  während  die  Grenadiere  durch 
Seitenschluchten  in  die  Flanken  vorbrachen;  das  Gefecht  war  sehr 
lebhaft  und  mörderisch.  Das  rechtzeitige  Eintreffen  der  Nebenkolonnen, 
sowie  die  Tapferkeit  der  Truppen,  warfen  den  Feind  vollkommen. 
General  Cravöl,  60  Offiziere,  gegen  1500  Mann  und  eine  Fahne 
fielen  in  die  Hände  der  Oesterreicher.  Um  7  Uhr  früh  war  das 
Gefecht  beendet.  Das  mit  Leichen  bedeckte  Feld  bezeichnete  die 
noch  grösseren  Verluste  des  Feindes.  Die  Grenadiere  hatten  19  Ver- 
wundete. 

F.-M.-Lt.  E 1  s  n  i  t  z  bezog  mit  der  Division  Morzin  die  Stellung 
an  der  Toggia  bei  Monte -Alto  und  traf  am  10.  in  Dolce  Aqua 
ein,  wo  er  sich  mit  den  Generalen  Goriupp  und  Lattermann 
vereinigte. 

Die  Truppen  hatten  viel  zu  leiden,  sie  waren  10  Tage  ununter- 
brochen im  Marsche  in  dieser  unwirklichen  Gegend,  die  Mannschaft 


864 


fast  ohne  Schuhe,  du  selbst  die  Aushilfe  mit  Ochsenhäuten  den  Mann 
im  trockenen  Wetter  mehr  beschwerte,  als  der  Gang  mit  blossen 
Füssen ;  auch  die  Verpflegung  traf  nicht  pünktlich  ein,  doch  sämmt- 
liche  Truppen  ertrugen  standhaft  das  Ungemach,  was  oft  unaus- 
weichlich den  Muth  des  Soldaten  prüft  und  ihn  adelt,  wenn  er  sich 
durch  Selbstbeherrschung  den  Dank  des  Vaterlandes  erwirbt. 

F. -M. -Lt.  Eisnitz  traf  am  14.  in  seiner  Stellung  am  Var 
ein,  wo  er  mit  13.648  Mann  ein  starkes  Observations  -  Korps  bildete. 
Die  Brigade  Weidenfeld  stand  nebst  zwei  anderen  in  der  Mitte  und 
zwar  die  sechs  Grenadier  -  Bataillone  gegen  den  Brückenkopf.  Am 
26.  wurde  dieser  von  der  Land-  und  Seeseite  stark  beschossen  und 
um  10  Uhr  abends  sollten  die  Grenadiere  ihn  und  dann  die  Brücke 
über  den  Var-Fluss  erstürmen.  Dieser  Angriff,  welchen  die  beiden 
Bataillone  Neny  und  Paar  unternahmen,  misslang  und  wurde  nicht 
wieder  versucht. 

Suchet  hatte  Verstärkungen  aus  der  Provence  erhalten  und 
griff  am  27.  den  rechten  Flügel  der  Oesterreicher  und  am  28.  die 
Stellung  des  F.-M.-Lt.  Eisnitz  an.  Er  liess  die  Stellung  der 
Grenadier -Brigaden  nur  beobachten  und  rückte  mit  voller  Macht 
gegen  jene  bei  Aspremont.  F.-M.-Lt.  E 1  s n i t z  wurde  genöthigt, 
den  Rückzug  anzutreten.  Aber  um  diesen  mit  Ruhe  ausführen  zu 
können,  drang  er  vorerst  mit  den  Grenadier -Brigaden  vor  und  zwang 
Suchet,  wieder  in  den  Brückenkopf  zurück  zu  gehen.  Bei  dieser 
Gelegenheit  hatten  die  Grenadiere  des  Regiments  2  Todte,  5  Ver- 
wundete und  1  Vermissten. 

Am  29.  erfolgte  der  weitere  Rückzug  auf  den  Col  di  Raus, 
wo  am  30.  die  Brigaden  versammelt  waren.  Hier  erhielt  F.  -  M.  -  Lt. 
Eisnitz  den  Befehl  die  Riviera  zu  räumen.  Am  2.  Juni  marschirte 
die  Brigade  Weideufeld  nachmittags  aus  ihrer  Stelluug  über  S.  Agostino 
nacli  Bordighera  und  traf  hier  abends  mit  der  Brigade  L at ter- 
ra a  n  n  ein.  Am  3.  lagerten  beide  Brigaden  bei  S.  Remo,  ohne  vom 
Feinde  beunruhigt  worden  zu  sein.  Um  sich  aus  seiner  gefährlichen 
Lage  zu  retten,  musste  Eisnitz  den  Gebirgskamm  früher  erreichen, 
als  Suchet,  denu  kam  ihm  dieser  zuvor,  so  drohte  dem  Korps  Ver- 
nichtung. Am  4.  Juni  brachen  daher  die  Grenadiere  schon  mit 
Tagesanbruch  von  S.  Remo  auf  und  nachdem  sie  drei  Stunden  bei 
Oneglia  gerastet  und  abgekocht  hatten,  setzten  sie  nachmittags  ihren 
Marsch  nach  la  Pieve  fort.   Die  Anstrengung  und  Ermattung  der 


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36S 


braven  Truppen  hatte  einen  ausserordentlichen  Grad  erreicht,  sie 
konnten  nicht  mehr  weiter,  es  bildeten  sich  eine  Menge  Nachzügler, 
die  weder  mit  Gflte,  noch  mit  Strenge  weiter  zu  bringen  waren. 
Am  5.  war  es  wieder  möglich  geworden,  die  Truppen  zu  sammeln 
und  den  Marsch  auf  den  Monte  -  Nave  anzutreten,  wo  sie  um  Mitter- 
nacht ankamen.  Am  G.  Hess  F.-M. -Lt.  Eisnitz  die  Grenadier- 
Brigade  Lattermann  hei  Monte -Nave  stehen,  —  die  Brigade  Weiden- 
feld besetzte  Ormea.  Um  11  Uhr  griff  der  Feind  an,  dreimal  wurde 
er  durch  die  Brigade  Lattermann  geworfen.  Die  Brigaden  Ulm  und 
Bellegarde,  welche  gegen  den  Monte  Grano  im  Anmarsch  waren, 
wurden  von  den  Franzosen  abgeschnitten,  angegriffen  und  zersprengt. 
Hierauf  rückten  sie  dem  General  Lattermann  auch  in  die  Flanke, 
welcher  dadurch  genöthigt  wurde,  seine  so  tapfer  vertheidigte  Stellung 
zu  verlassen  und  sich  auf  Ponte  di  Nave  zurückzuziehen. 

Am  folgenden  Tag  geschah-  der  allgemeine  Rückzug  des  Korps 
nach  Ceva,  Priero  und  Monte  Zemolo:  dann  am  7.  nach  Carru, 
8.  Cherasco,  0.  Alba,  10.  Asti  und  den  11.  nach  Alessandria. 

Von  den  Ueberresten  des  Korps  des  F.-M. -Lt.  Eisnitz 
konnten  nur  die  beiden  Grenadier -Brigaden  zum  Hauptschlag  ver- 
wendet werden,  die  übrigen  Regimenter  waren  so  herabgekommen, 
dass  sie  als  Besatzung  nach  Alessandria  gelegt  wurden.  Nach  der 
Ordre  de  bataille  zur  Schlacht  von  Marengo  stand  die  Brigade 
Weidenfeld  in  der  Grenadier -Division  Morzin,  in  der  Hanptkolonne, 
bei  der  sich  F.-Z. -M.  Melas  aufhielt. 

Mit  grauendem  Morgen  des  14.  Juni  zogen  die  Oesterreicher 
mit  gewohnter  Fassung  und  ruhiger  Entschlossenheit  zum  Kampfe. 
Nachdem  sich  die  Treffen  entwickelt  hatten,  blieben  die  Grenadiere 
rückwärts  als  Reserve  in  Kolonnen  aufgestellt.  Nach  9  Uhr  begann 
die  Schlacht  mit  der  allgemeinen  Vorrückung  des  ersten  Treffens. 
Am  Fontanone  -  Bach  entspann  sich  ein  mörderischer  Kampf  und 
nachdem  dieser  endlich  fiberschritten  war,  ebenso  um  das  Dorf 
Marengo.  Aber  auch  dieses  erstürmten  die  Oesterreicher  und  drangen 
auf  der  ganzen  Linie  siegreich  vor.  Um  1  Uhr  mittags  leisteten  die 
Franzosen  nur  noch  schwachen  Widerstand  und  traten  mit  allen 
ihren  Divisionen  den  Rückzug  an ;  alle  Wege  waren  mit  Flüchtlingen, 
Verwundeten  und  Leichen  bedeckt.  Im  vollen  Bewusstsein  des  Sieges 
folgten  die  Oesterreicher  den  geschlagenen  Feinden  nicht  in  bester 
Ordnung;  nur  die  Grenadier  -  Brigade  Weidenfeld  rückte  fest  ge- 


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1S00. 


schlössen  als  Reserve  nach.  Aber  die  Lage  der  beiden  Armeen 
wurde  durch  die  Ankunft  der  französischen  Division  Desaii  plötzlich 
verändert.  Es  war  gegen  5  Uhr  abends,  als  diese  von  Rivaita  vor 
S.  Giuliano  ankam.  So  wie  die  Oesterreicher  gegen  diesen  Ort  vor- 
rückten, wurden  sie  durch  ein  fürchterliches  Kanonen-  und  Flinten- 
feuer überrascht,  wodurch  sie  in  Unordnung  geriethen  und  auf  das 
zweite  Treffen  zurückwichen. 

Nun  ergriff  Desaix  die  Offensive,  welcher  sich  auch  die 
übrigen  französischen  Divisionen  anschlössen,  stürzten  sich  mit  ausser- 
ordentlicher Wuth  in  das  erste  Treffen  des  österreichischen  Vortrabs 
und  brachten  es  zum  Weichen;  die  französische  Kavallerie,  rasch 
bei  der  Hand,  rieb  ihn  nun  beinahe  auf.  Die  Bataillone  des  zweiten 
österreichischen  Treffeus  wollten  aufmarschiren,  wurden  aber  von  den 
Flüchtigen  überritten  und  auseinandergesprengt  und  durch  den 
reissenden  Strom  gewaltsam  in  die  Verwirrung  mit  hineingezogen. 
Bei  diesem  bedenklichen  Zustande  langte  die  französische  Reiterei 
an  und  hieb  sogleich  in  die  Infanterie  ein.  Die  Unordnung  erreichte 
nun  den  höchsten  Qrad.  Auf  und  neben  der  Strasse  ging  alles  in 
Unordnung  zurück.  Nur  die  sechs  Grenadier -Bataillone,  welche  unter 
General  Weidenfeld  in  der  Höhe  von  Spinetta  aufgestellt  waren, 
hielten  Stand.  Vergeblich  war  zwar  ihr  Bemühen  geblieben,  die 
Weichenden  aufzuhalten,  doch  liess  Weidenfeld  links  von  der 
Strasse  seine  Grenadiere  eine  Stellung  nehmen  und  bereitete  sich, 
die  Feinde  mit  allem  Nachdruck  zu  empfangen. 

Es  war  schon  eine  geraume  Zeit  verstrichen,  dass  die  Flücht- 
linge bei  den  Grenadieren  vorbeigezogen  waren  und  noch  zeigte 
sich  kein  Feind.  Die  französische  Reiterei  hatte  nämlich  mit  dem 
Verfolgen  in  so  lange  eingehalten,  bis  das  französische  Fussvolk 
wieder  Terrain  gewonnen  hatte.  Aber  kaum  war  diess  bewirkt,  als 
sie  auch  vor  Marengo  erschien,  wohin  die  Grenadiere  marschirt 
waren  und  dort  so  lange  zu  halten  beschlossen,  bis  die  österreichische 
Division  O'Reilly  von  Frugarolo  mit  ihneu  in  gleicher  Höhe  würde 
angekommen  sein.  General  Weidenfeld  empfing  die  Franzosen 
mit  einem  lebhaften  Kanonen-  und  Gewehrfeuer,  setzte  der  Ver- 
folgung ein  Ziel,  und  sowie  er  die  Annäherung  O'Reilly's  gewahrte, 
zog  er  sich  in  Ordnung  gegen  den  Brückenkopf. 

Die  Grenadier -Division  des  Regiments  hatte  4  Todte,  57  Ver- 
wundete, darunter  Lieutenant  Joh.  Br.  Dallwig  und  32  Vermisste. 


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367 


Nach  der  Schlacht  bei  Marengo  wurde  Kriegsrath  gehalten 
und  in  diesem  beschlossen,  mit  dem  französischen  Obergeneral  zu 
unterhandeln.  Diese  Unterhandlung  führte  am  15.  Juni  zu  einer 
Uebereinkunft,  nach  welcher  die  österreichische  Armee  Piemont  und 
alle  in  diesem  Lande  befindlichen  Festungen  und  Schlösser  räumte 
und  sich  in  die  Lombardie  zurückzog.  Gleichzeitig  wurde  ein  Waffen- 
stillstand gegen  Htägige  Kündigung  abgeschlossen.  Das  Regiment 
zog  demnach  am  24.  Juni  mit  allen  kriegerischen  Ehren  aus  Savonna 
und  vereinigte  sich  auf  der  kürzesten  Route  mit  dem  aus  Genua 
abgezogenen  F.-M.  -  Lt.  Prinz  H  o  h  e  n  z  o  1 1  e  r  n.  Bei  Nevi  erhielt 
dieser  von  allen  Seiten  die  bittersten  Klagen  über  das  anmassende 
Benehmen  der  französischen  Generale  und  Truppen.  Die  zurück- 
gebliebenen österreichischen  Offiziere  wurden  sehr  übel  behandelt; 
die  Kranken  erhielten  weder  Wartung  noch  Verpflegung,  auch 
wandten  die  Franzosen  alles  an,  um  die  österreichischen  Truppen  zur 
Entweichung  zu  verführen,  aber  bei  den  Soldaten  von  Deutsch- 
meister war  diese  Mühe  vergebens.  Kleine  feindliche  Abtheilungen 
vermischten  sich  während  dem  Marsche  mit  den  österreichischen 
Kolonnen  und  plünderten  Pferde  uud  Bagagen.  Von  jetzt  an  mar- 
schirte  Hohenzollern  in  strengster  Ordnung,  mit  brennenden 
Lunten,  als  ob  es  zur  Schlacht  ginge.  Kein  Franzose  durfte  sich 
mehr  weder  seinen  Kolonnen,  noch  dem  Lager  nähern.  In  Tortona 
wollte  man  ihm  kein  Holz  für  seine  Truppen  ausfolgen  lassen  und 
die  Fassung  der  Naturalien  verhindern.  Hohenzollern  schrieb 
hierauf  dem  Kommandanten :  „Ein  General  an  der  Spitze  von 
„10.000  Kriegern  lässt  sich  so  etwas  nicht  vorschreiben.  Ich  werde 
„keinen  Schritt  weiter  marschiren,  bis  ich  meinen  Truppen  die  Ver- 
pflegung gesichert  habe.*  Er  liess  nun  selbst  Holz  fällen,  doch 
bedurfte  es  keiner  fernem  Zwangsmittel,  da  der  französische  Kom- 
mandant sich  nicht  mehr  weigerte,  die  andern  Verpflegsartikel  zu 
erfolgen.  Der  weitere  Marsch  der  Kolonne  ging  nun  Über  Voghera, 
Stradella,  Piacenza,  Borgo  S.  Donino,  Parma,  Quastalla  und  Borgo- 
forte  nach  Mantua,  wo  sich  die  Armee  am  5.  Juli  vereinte  und 
auch  die  Grenadiere  auf  derselben  Route  von  Alessandria  zurück- 
marschirend  eingetroffen  waren. 

Hier  kehrten  nun  die  ausgewechselten  Gefangenen  zurück  und 
da  das  Regiment  auch  einen  Nachschub  von  500  Mann  von  der 
Reserve -Division  erhielt,  hatte  dasselbe  beinahe  wieder  seinen  voll- 


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ständigen  Stand.  Die  eingerückten  Gefangenen  erhielten  ans  den 
Depots  der  Festungen  die  Armatur  und  Rüstung,  auch  wurden  dem 
Regiment  von  dem  aus  Cremona  geretteten  Montnrs  -  Depot  viele 
Monturen,  Wäsche  und  Schuhe  ühergehen. 

In  einem  Allerhöchsten  Handschreiben  hatte  Se.  Majestät  der 
Kaiser  dem  G.  d.  K.  Ritter  Melas  geboten,  der  ganzen  Armee 
seinen  Dank  für  ihre  tapferen  Anstrengungen  während  der  letzten 
Periode  erkennen  zu  geben  und  die  Zuversicht  ausgedruckt,  dass 
ein  augenblicklicher  Wechsel  des  Olflckes  den  Muth  der  Armee 
nicht  beugen  werde.  Indem  der  Oberbefehlshaber  der  Armee  diese 
huldreichen  Gesinnungen  des  Monarchen  in  einem  Armeebefehl  mit- 
theilte, schloss  er  diese  mit  den  Worten :  a Stolz,  an  der  Spitze 
„einer  solchen  Armee  zu  stehen,  sehe  ich  mit  Zuversicht  und  ruhig 
„dem  Augenblick  entgegen,  in  welchem  vielleicht  neuerdings  der 
„Ruf  des  besten  Monarchen,  das  Wohl  des  Vaterlandes  und  die 
„Sicherstellung  der  Erblande  uns  gebieten  sollten,  den  durch  die 
„letzten  Ereignisse  stolz  gewordenen  Feind  zu  bekämpfen.  Ich  bin 
„ganz  überzeugt,  dass  dieser  Zeitpunkt  die  Armee  mit  einem  wett- 
eifernden Bestreben  beseelen  nnd  derselben  Gelegenheit  verschaffen 
„werde,  durch  den  entscheidendsten  Erfolg  das  zu  ersetzen,  was 
„einigen  Theilen  durch  Zufall  an  Ruhm  benommen  worden  war." 

Mit  Armeehefehl  vom  28.  Juni  erhielt  Major  Joachim  von 
Zuchari  das  erledigte  Grenadier- Bataillon  und  der  Hauptmann 
Andreas  Lang  v.  Langenau  des  Regiments  Nr.  34  wurde  zum 
dritten  Major  im  Regimente  ernannt. 

General  B rigid o  marschirt  gegen  Ende  Juli  mit  8  Bataillons, 
darunter  1  Deutschmeister,  nach  Ferrara,  über  welche  im  August 
F.-M.-Lt.  Baron  Mylius  das  Kommando  übernahm. 

Der  Waffenstillstand  in  Italien,  welcher  auch  bei  der  Armee 
in  Deutschland  eingetreten  war,  dauerte  fort  und  wurde  zur  An- 
knüpfung von  Friedensunterhandlungen  benützt.  Diese  zerschlugen 
sich  mehrmals,  wurden  aber  wieder  angeknüpft  und  darum  der 
Waffenstillstand  erneuert. 

F.-Z.-M.  Melas  beschloss,  zur  Sicherheit  seines  rechten 
Flügels  ein  Truppenkorps  von  10.000  Mann  im  südlichen  Tirol 
aufzustellen,  welches  in  Verbindung  mit  dem  F.-M.-Lt.  H i  1 1  e  r 
in  Graubündten  zur  Vertheidigung  Tirols  mitwirken  und  dadurch 
die  Stellung  der  kaiserlichen  Armee  am  Mincio  sichern  sollte.  Er 


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erwählte  hiezu  den  F. -M.-Lt.  Vukassevich  mit  19  Bataillons 
und  8  Schwadronen  11.213  Mann.  Unter  diesen  befand  sich  das 
Regiment  Deutschmeister  mit  2  Bataillons  in  der  Brigade  General 
Kottulinsky,  welche  nun  nach  Trient  marschirten,  wo  Vukas- 
sevich sein  Korps  zu  sammeln  hatte,  am  hei  der  nächsten  feind- 
lichen Gefahr  mit  demselben  auf  die  Hauptmasse  des  Feindes  ein- 
dringen zu  können.  Das  dritte  Bataillon,  welches  sich,  wie  oben 
gesagt,  unter  General  Brigido  in  Ferrara  befand,  wurde  ebenfalls 
zu  dem  Regiment  in  das  Lager  bei  Trient  gezogen.  Die  Grenadiere 
befanden  sich  im  Korps  der  Reserve  unter  F. -M.-Lt.  Schellen- 
berg, in  der  Grenadier  -  Brigade  des  General  Weidenfeld. 

Am  4.  September  1800  um  4  Uhr  nachmittags  langte  aus  dem 
französischen  Hauptquartier  ein  Kourier  mit  der  Aufkündigung  des 
Waffenstillstandes  in  Verona  an.  Zufolge  dieser  sollten  binnen 
10  Tagen,  nämlich  am  13.  September,  die  Feindseligkeiten  beginnen. 
Nach  dem  Eintreffen  dieser  Nachricht  in  Wien  begaben  sich  Se.  Ma- 
jestät der  Kaiser  nach  Alt-Oetting  zur  Armee  in  Deutschland,  Ober 
welche  Erzherzog  Johann  zum  Oberbefehlshaber  ernannt  wurde. 

Mittelst  eines  Generalbefehls  vom  0.  September  erklärten 
Se.  Majestät  den  beiden  Armeen :  „dass  Sie  bisher  Alles  versuchten, 
„Ihren  Königreichen,  Provinzen  und  Völkern  einen  anständigen 
„Frieden  zu  verschaffen;  die  französische  Regierung  habe  aber, 
„ungeachtet  einiger  friedlichen  Schritte,  den  zu  diesem  Endzweck 
„abgeschlossenen  Waffenstillstand  aufgekündiget.  Wenn  daher,  ohne 
„  Rücksicht  auf  diese  Handlungen,  die  Feindseligkeiten  französischer 
„Seits  wirklich  ausgeübt  werden  sollten,  so  würden  Sie  alles  zur 
„Beschützung  ihrer  Erblandc  und  Völker  aufbieten.  Se.  Majestät 
„seyen  von  der  bisherigen  Tapferkeit  und  dem  Ihren  Armeen  eigenen, 
„der  ganzen  Welt  bekannten  Muth  und  Beharrlichkeit  so  überzeugt, 
„dass  Sie  sich  für  den  zu  erzielenden  Endzweck  den  besten  Erfolg 
,  versprechen.* 

Am  12.  September  setzte  sich  die  Armee  gegen  den  Mincio 
in  Bewegung.  Das  Reserve  -  Korps,  dabei  die  Grenadiere,  formirte 
das  dritte  Treffen,  brach  aus  seinem  bisherigen  Lager  bei  S.  Michaele 
auf  und  rückte  in  jenes  bei  Tombetta.  Am  13.  nach  dem  Abkochen 
rückte  das  Reserve -Korps  nach  Villafranca  und  erhielt  hier  den 
Befehl,  das  Lager  zu  beziehen,  da  abermals  ein  Waffenstillstand 
gegen  24stündige  Kündigung  abgeschlossen  wurde. 

24 


370 


180«. 


F.-Z.-M.  Ritter  Melas  hatte  wiederholt  wegen  seinem  hohen 
Alter  um  die  Abberufung  vom  Armee -Kommando  gebeten.  Se.  Ma- 
jestät geruhte  den  G.  d.  K.  Graf  Heinrich  Belle  gar  de  zum  Ober- 
befehlshaber der  Armee  in  Italien  zu  ernennen  und  dem  F.-Z.-M. 
Melas  das  Generalkommando  in  Innerösterreich  zu  übertragen. 
Belle garde  übernahm  demnach  am  15.  das  Kommando. 

Der  Waffenstillstand  war  keineswegs  geeignet,  der  Truppe 
einige  Bequemlichkeit  zu  verschaffen,  weil  24  Stunden  nach  der  Auf- 
kündigung die  Feindseligkeiten  eröffnet  werden  durften,  folglich  auch 
alles  auf  der  ganzen  Linie  in  der  alten  Stellung  und  in  Bereitschaft 
bleiben  musste.  Um  den  F.-M.-Lt.  Vukassevich  von  der  Auf- 
kündigung baldigst  verständigen  zu  können,  wurde  eine  Telegraphen- 
linie zwischen  Peschiera  und  Trient  errichtet,  auch  rückten  bei 
demselben  noch  6  Bataillons  Verstärkung  ein. 

Am  24.  September  erhielt  die  Armee  die  Nachricht,  dass  am 
20.  September  ein  Waffenstillstand  auf  45  Tage  zu  Hohenlinden 
abgeschlossen  worden  sei.  Diesem  zu  Folge  bezog  die  Armee  Kan- 
touuirungen;  das  Reserve  -  Korps  kam  nach  Padua  und  Vicenza. 
Die  Truppen  des  F.-M.-Lt.  Vukassevich  wurden  auch  etwas 
bequemer  bequartirt,  aber  das  Regiment  hatte  täglich  200  Mann 
beim  Schanzenbau,  bei  Castello  della  pietra,  vorwärts  Cagliano. 

Mit  Handbillet  vom  29.  Oktober  1800  wurde  Oberst  Karl  von 
Brixen  zum  General-Feldwachtmeister  befördert;  Oberstlieutenant 
Friedrich  Kirchner  führte  ad  internim  das  Regiments -Kommando. 

Die  Friedensunterhandlungen  blieben  wieder  ohne  Erfolg;  am 
13.  Oktober  kündigten  die  Franzosen  in  Italien  den  Waffenstillstand, 
daher  Bellegarde  die  Armee  wieder  im  Lager  bei  Villafranca 
vereinigte.  Das  Reserve  -  Korps  verliess  am  28.  seine  Kantonnirungen 
und  marschirte  nach  Verona,  dann  nach  Lonigo. 

Kaum  hatte  die  Armee  ihre  Stellungen  bezogen,  als  die  Fran- 
zosen abermals  einen  Waffenstillstands -Antrag  gegen  lOtägige  Kündi- 
gung machten,  der  auch  angenommen  wurde.  Aber  auch  dieser  führte 
zu  keinem  Resultat,  sondern  wurde  am  13.  November  wieder  auf- 
gekündigt, wornach  die  Feindseligkeiten  am  23.  beginnen  konnten. 
Am  22.  bezogen  die  Truppen  ihre  Stellungen;  das  Reserve  -  Korps 
bei  S.  Michele. 

Das  Regiment,  welches  während  dieser  Zeit  von  Trient  nach 
Ala  vorgerückt  war,  erhielt  am  21.  November  die  Bestimmung,  zur 


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371 


Armee  nach  Italien,  brach  noch  denselben  Tag  auf  und  erreichte 
am  22.  Verona,  wo  dasselbe  mit  dem  Regiment  Nr.  47  dio  Ein- 
teilung in  die  Brigade  des  General  S  z  e*  n  ä  s  y,  Division  F.-M.-Lt. 
O'Reilly  im  zweiten  Treffen  erhielt. 

Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  26.  November  1800  wurde 
Oberstlieutenant  Friedrich  Kirchner  zum  Oberst  und  Regiments- 
Kommandanten,  Oberstlieutenant  Josef  Baron  Uracca  mit  Belassung 
in  seiner  Anstellung  beim  Regiments  -  Inhaber  zum  zweiten  Oberst, 
Major  Joachim  von  Zuchari  zum  Oberstlieutenant,  mit  Beibehält 
des  Grenadier-Bataillons,  Major  Andreas  Lang  v.  Langenau  zum 
ersten,  Hauptmann  Christof  Zurwesten  zum  zweiten  und  Johann 
Baron  An  dl  au  zum  dritten  Major  ernannt. 

Aus  den  verschiedenen  Lagern,  in  welchen  sich  die  Truppen 
am  22.  November  gesammelt  hatten,  brach  die  österreichische  Armee 
am  23.  in  das  Hauptlager  bei  Gherla  auf;  der  Vortrab  ging  über  den 
Mincio.  Nun  fanden  bei  den  Vortruppen  viele  kleine  Gefechte  statt, 
welche  ftr  das  Ganze  ohne  Entscheidung  blieben;  beide  Armeen 
hielten  sich  auf  der  Defensive.  Als  aber  die  Nachricht  von  der  für 
die  österreichischeu  Waffen  unglücklich  ausgefallenen  Schlacht  bei 
Hohenlinden  anlangte,  formirten  sich  die  Franzosen  zum  Angriffe  und 
rückten  am  21.  Dezember  auf  allen  Punkten  vor;  auf  der  Höhe  von 
Volta  wurden  die  sechs  Signalschüsse  gegeben,  worauf  sich  die 
österreichische  Armee  bis  Mittag  in  der  Stellung  bei  Gherla  sammelte 
und  der  Vortrab  nach  hartnäckigen  Gefechten  über  den  Mincio 
zurückkehrte.  Das  erste  Treffen  besetzte  den  Mincio,  das  zweite  und 
das  Reserve  -  Korps  standen  im  Lager  bei  Gherla  zwischen  Valleggio 
und  Villafranca  und  in  dieser  Stellung  wartete  Bellegarde  die 
weiteren  Bewegungen  der  Franzosen  ab,  welche  sich  am  22.  und 
23.  nur  mit  Rekognoszirungcn  am  Mincio  beschäftigten. 

Mit  grauendem  Morgen,  am  25.  Dezember,  hatte  der  Feind 
die  Höhen  bei  den  Mühlen  von  Goito,  oberhalb  Pozzolo  erreicht, 
vertrieb  mit  einem  helligen  Kanonen-  und  Flintenfeuer  die  öster- 
reichischen Vorposten  vom  Ufer,  setzte  in  Kähnen  einige  Truppen 
über  den  Mincio  und  begann  mit  dem  Brückenschlag.  Dieser  war 
bald  fertig  und  nun  marschirte  die  Brigade  Musnier  über  dieselbe 
gegen  Pozzolo,  welches  nur  mit  fünf  Kompagnien  Jäger  besetzt 
war.  Pozzolo  wurde  von  einer  Halb -Brigade  genommen  und  nun 
stellten  sich  die  Franzosen  längs  dem  Damme  von  Pozzolo  bis  zu 

24* 


372 


1*00. 


den  Mühlen  auf.  0.  d.  K.  Graf  Bellegarde  vereinigte  gegen  1  Uhr 
vier  Brigaden  und  leitete  selbst  den  Angriff.  Der  Feind  wurde  aus 
allen  Stellungen  geworfen,  Fozzolo  wieder  erobert  und  die  fliehenden 
Franzosen  bis  gegen  die  Bracke  verfolgt.  Ein  verlierendes  Feuer 
aus  27  Geschatzen  von  den  jenseitigen  Höhen  setzte  den  vordringen- 
den Oesterreichern  Schranken;  um  aber  doch  die  errungenen  Vor- 
theile mit  Nachdruck  verfolgen  zu  können,  hatte  Bellegarde  die 
Brigade  Sztfnäsy  vom  Rideau  hinter  Pozzolo  zur  Unterstatzung  vor- 
gesendet. Wahrend  dieser  Vorrückung  wurde  das  Regiment  Deutsch- 
meister zur  Division  des  F. -M.-Lt.  Keim  detachirt,  welche  bei 
Pozzolo  sich  im  heftigsten  Kampfe  befand,  wo  die  Franzosen  an 
der  Brücke  den  verzweifeltsten  Widerstand  leisteten.  Unter  dem 
Schutze  der  Artillerie,  welche  die  Oesterreicher  vom  Ufer  entfernte, 
hatte  sich  der  Feind  gesammelt  und  rückte  wieder  gegen  Pozzolo 
vor.  In  Massen  stürmte  er  nun  diesen  Ort,  kam  wieder  in  den 
Besitz  desselben  und  F. -M.-Lt.  Keim  suchte  das  Rideau  mit 
seinen  Brigaden  wieder  zu  gewinnen,  da  seine  Truppen  durch  die 
feindlichen  Geschütze  ausserordentlich  gelitten  hatten. 

Der  feindliche  General  Dupont  sammelte  alle  seine  Trappen 
und  drang  gegen  das  Rideau  vorwärts,  wurde  aber  mit  einem 
mörderischen  Kanonenfeuer  empfangen,  worauf  die  österreichischen 
Brigaden  dem  Feinde  muthig  entgegenrückten.  Es  entspann  sich 
neuerdings  ein  heftiges  Gefecht  in  der  Ebene,  Pozzolo  ward  wieder 
genommen  und  Dupont  zurückgeworfen. 

Das  Regiment  hatte  bei  seinem  Anrücken  in  Pozzolo  gekämpft 
und  sich  nun  bei  dieser  Vorrückung  besonders  ausgezeichnet.  Die 
französische  Brigade  Gazan  bemächtigte  sich  abermals  jenes  Dorfes, 
hatte  sich  aber  noch  nicht  in  dessen  Besitze  befestigt,  als  sie  wieder 
herausgeworfen  wurde.  General  Lesuire  rückte  demungeachtet 
wieder  auf  Pozzolo  los  und  nahm  zum  vierten  Male  das  Dorf  ein, 
um  dessen  Besitz  so  wüthend  gekämpft  wurde.  Die  Erbitterung  um 
den  Besitz  dieses  Ortes  hatte  bei  beiden  Theilen  unglaubliche 
Anstrengungen  erregt.  Die  Oesterreicher  stürmten  abermals  und  die 
Franzosen  müssen  wieder  weichen.  Im  Orte  selbst  gerathen  die 
Kämpfer  wuthentbrannt  aneinander.  Das  Gewirr  der  Streiter,  die 
nur  Schritt  für  Schritt  weichen  und  das  Getümmel  in  den  Häusern, 
welche  hin  und  wieder  von  französischen  Soldaten  besetzt  blieben 
und  nun  von  den  eindringenden  Oesterreichern  gestürmt  wurden, 


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1K0O. 


373 


hatte  die  Hitze  des  Kampfes  auf  das  Höchste  gesteigert.  Nach  und 
nach  waren  die  Kompagnien  sämmtlicher  Bataillone  des  Regiments 
liier  im  Feuer.  Endlich  siegten  die  Oesterreicher  und  General 
Lesuire  rausste  das  Dorf  räumen;  indessen  blieben  mehrere  Häuser 
von  den  Franzosen  besetzt. 

Während  diesem  Kampfe  um  den  Ort  hatten  die  Franzosen 
bedeutende  Truppenmassen  auf  das  linke  Ufer  gezogen  und  unter- 
nahmen nun  einen  Angriff  gegen  die  ganze  Linie  der  Oesterreicher. 
Die  ganze  Division  Loison  erstürmte  Pozzolo,  in  welchem  mehrere 
Offiziere  und  Mannschaft  des  Regiments,  die  sich  in  den  Häusern 
vertheidigten,  gefangen  genommen  wurden.  Die  österreichischen 
Brigaden  hatten  sich  mit  Schnelligkeit  auf  dem  Rideau  aufgestellt 
und  das  lebhaft  unterhaltene  Kanonenfeuer  von  diesen  Höhen  zeigte 
dem  Feinde  den  Entschluss  zur  hartnäckigen  Vertheidigung. 

Als  der  Abend  hereingebrochen  war,  wurde  es  auf  dem  Kampf- 
platze ruhiger ;  die  Oesterreicher  blieben  über  Nacht  in  der  Stellung 
auf  dem  Rideau,  die  Franzosen  in  Pozzolo  und  bei  den  Brücken.  Das 
Reserve-Korps,  welches  in  Erkrankung  des  F.-M.-Lt.  Schellenberg 
der  F.-M.-Lt.  Friedrich  Graf  Bellegarde  übernommen  hatte, 
wurde  mit  einbrechender  Nacht  aus  dem  Lager  von  Gherla  vorgezogen 
und  so  disponirt,  dass  es  nach  Umständen  schnell  gegen  Monzambano, 
Valleggio  oder  Pozzolo  in  Bewegung  gesetzt  werden  konnte. 

Unter  Begünstigung  eines  starken  Nebels  überschritten  am 
20.  Dezember  um  7  Uhr  früh  die  Franzosen  bei  Monzambano  den 
Mincio,  schlugen  rasch  zwei  Brücken,  vertrieben  die  schwachen 
österreichischen  Truppen  und  rückten  in  zwei  Kolonnen,  eine  gegen 
den  Monte  bianco,  die  andere  gegen  Valeggio  vor.  General  Lezzeny 
wollte  mit  seiner  Brigade  den  Feind  aufhalten,  musste  aber  gegen 
Valeggio  weichen. 

Unter  diesen  Ereignissen  war  F.-M.-Lt.  Bellegarde  mit 
dem  Grenadier- Korps  über  Valeggio,  auf  der  Strasse  gegen  Castel- 
nuovo  um  die  Mittagszeit  eingetroffen.  F.-M.-Lt.  Prinz  Ho h en- 
zolle rn  erhielt  den  Befehl  nur  eine  Division  vor  Pozzolo  zu  be- 
lassen, mit  allen  übrigen  Truppen  aber  zur  Unterstützung  des 
Grenadier-Korps  über  Valeggio  zu  rücken.  Letzteres  drang  auf  der 
Strasse  von  Castelnuovo  gegen  Saiionze  vor;  die  Anstrengungen 
aber,  den  Monte  bianco  wieder  zu  erobern,  scheiterten  an  den  Terrain- 
vortheilen, die  der  Feind  mit  bedeutender  Macht  inne  hatte. 


374 


Während  diesem  Gefechte  der  Grenadiere  war  Prinz  H oh  en- 
zoller u  mit  seinen  Truppen  über  Valeggio  auf  der  Strasse  nach 
Castelnuovo  eingetroffen  und  marschirte  neben  dem  Maffeischen 
Garten  mit  der  Front  gegen  die  Höhen  von  Valeggio  auf.  Eben 
hatten  drei  Grenadier- Bataillone,  darunter  Zuchari,  den  Feind  bei 
dem  Hause  Parozie  angegriffen,  um  ihm  sein  Vordringen  gegen 
Valeggio  längs  den  Höhen  zu  verwehren.  Die  Grenadiere  erstürmten 
die  Höhe,  aber  es  währte  nicht  lange,  so  raussten  sie  einem  er- 
neuerten Anfalle  wieder  weichen.  Mehrmals  wurde  von  den  Grena- 
dieren dieser  Angriff  wiederholt,  aber  die  Franzosen  hatten  bedeutende 
Verstärkungen  erhalten,  welche  den  Grenadieren  die  errungenen  Vor- 
theile entrissen,  sie  wieder  zum  Weichen  nöthigten  und  in  die  Ebene 
verfolgten.  Nun  hieb  aber  die  österreichische  Kavallerie  -  Brigade 
Nimptsch  wacker  ein,  trieb  die  Franzosen  auf  die  Höhe  zurück  und 
rettete  die  Grenadiere.  Aber  hier  hatten  die  Franzosen  ihre  Vortheile 
schon  verfolgt  und  waren  nahe  gegen  die  Mauer  von  Valeggio 
vorgedrungen.  Zwar  unternahm  das  Regiment  Nr.  34  noch  einen 
brillanten  Angriff  unter  persönlicher  Führung  des  F.-Z.-M.  Belle- 
garde, aber  er  blieb  ohne  Erfolg,  da  die  Feinde  bereits  die  Mauer 
erstiegen  und  auch  in  der  Ebene  vordrangen.  Hohen  zollern  that 
jedoch  dem  Vordringen  des  Feindes  durch  sein  Geschütz  Einhalt 
und  trieb  ihn  mit  der  Reiterei  zum  zweiten  Male  auf  die  Höhe  zurück. 

Nun  richteten  die  feindlichen  Generale  ihren  Angriff  gegen 
Valeggio  in  zwei  Kolonnen,  von  welchen  eine  den  Brückenkopf  von 
Borghetto  im  Rücken  nahm,  während  die  andere  in  den  Ort  eindrang, 
in  welchem  sich  nun  ein  heftiger  Kampf  entspann.  Die  Brigade 
Weissenwolf  warf  sie  wieder  hinaus,  aber  bald  darauf  erstürmten  die 
Franzosen  abermals  den  Ort.  Indessen  lief  das  Regiment  Deutsch- 
meister, welches  das  Kastell  besetzt  und  in  welches  sich  auch  der 
F.-M.-Lt.  Graf  St.  Julien  geworfen  hatte,  Gefahr,  von  der  Armee 
abgeschnitten  zu  werden.  General  d'Aspre  stürmte  aber  mit  den 
Regimentern  Nr.  19  und  34  aufs  Neue  den  Ort,  und  obgleich  dieser 
Angriff  nicht  den  erwünschten  Erfolg  hatte,  so  gab  er  dennoch  Ge- 
legenheit, dass  der  Feldwebel  Rubinig  vom  Regiment  Nr.  26  der 
Besatzung  den  Abrückungsbefehl  überbringen  konnte. 

Hohenzollern  liess  nun  einige  Batterien  gegen  den 
Ort  aufführen  und  mit  Granaten  und  Kartätschen  dem  Verfolgen 
Einhalt  thun.   Auch  wurde  es  nach  diesem  Kanonenfeuer  nach  und 


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180«. 


375 


nach  so  stille  in  Valeggio,  dass  es  schien,  der  Feind  habe  dasselbe 
geräumt,  was  wegen  der  eingebrochenen  Dunkelheit  nicht  wahrzu- 
nehmen war.  Mehrere  Heiterpatrouillen  ritteu  in  den  Ort,  um  den 
Feind  zu  erforschen  und  bemerkten  bald,  dass  die  Franzosen  noch 
anwesend  waren.  Während  nun  die  Dragoner  eine  Verwirrung 
anrichteten,  benützte  F.-M.-Lt.  St.  Julien  diese  Gelegenheit,  führte 
das  Regiment  Deutschmeister  aus  dem  Kastell,  vermehrte  in  dem  Orte 
die  Verlegenheit  des  Feindes,  von  welchen  viele  von  den  Deutsch- 
meistern niedergemacht  wurden  und  zog  frei  heraus  zur  Armee. 

F.-Z.-M.  Bellegarde  beschloss  den  Kampf  nicht  zu  erneuern, 
sondern  die  Armee  hinter  die  Etsch  zu  führen.  Die  Grenadier- 
Brigade  Weidenfeld  deckte  die  Strasse  nach  Castelnuovo  und  zog 
sich  nach  Somma-Campagna  zurück.  Die  übrige  Annee  setzte  sich 
um  9  Uhr  abends  in  Marsch  und  rückte  über  die  Schiffbrücke  bei 
Tomba  in  das  Lager  bei  S.  Michaele. 

Der  Verlust  des  Regiments  an  diesen  beiden  Schlachttagen 
bestand  anTodten:  4G;  Verwundeten:  Major  Christof  Zurwesten, 
Oberlieutenant  Josef  Ott  und  42  Mann;  Gefangenen  Hauptmann 
Ignaz  Splavsky,  Emanuel  Gerger,  Wenzel  Lathe,  Josef 
Werner,  Kapitänlieutenant  G  ottlieb  H  a  h  ra  a  n  n,  Oberlieutenant 
Norbert  Krall,  Lieutenant  Johann  Prohaska,  Fähnrich  Clement 
Spillmann  und  444  Mann  vom  Feldwebel  abwärts;  darunter 
befanden  sich  von  den  Grenadiers  6  Todte,  12  Verwundete  und 
35  Gefangene. 

Das  zweite  Treffen,  F.-M.-Lt.  Graf  O'Reilly,  dabei  das 
Regiment,  lagerte  am  28.  vor  San  Michaele,  wo  sich  auch  das  Haupt- 
quartier befand;  das  Reserve-Korps  marschirte  hinter  diesen  Ort. 
Um  Mitternacht  vom  2.  zum  3.  Jänner  1801  setzte  sich  die  Armee 
in  drei  Kolonnen  in  die  Stellung  von  Caldicro  in  Bewegung,  am  4. 
marschirte  dieselbe  nach  Montebello  und  bezog  hier  in  drei  Treffen 
das  Lager,  brach  am  7.  in  der  Früh  5  Uhr  wieder  auf  und  rückte 
in  die  Stellung  Montecchio  maggiore.  Der  Feind  war  hierher  auf  dem 
Fusse  gefolgt  und  es  kam  zu  einem  hartnäckigen  Kampfe  zwischen 
der  österreichischen  Arrieregarde  und  zwei  französischen  Divisionen. 
Als  es  schon  dunkel  wurde,  erhielt  die  Brigade  Szenäsi  den  Befehl, 
zur  Unterstützung  vorzurücken ;  bei  ihrem  Eintreffen  hatte  der  Kampf 
schon  ein  Ende  erreicht  und  so  lagerte  man  auf  einen  Flintenschuss 
von  den  Franzosen  entfernt  mit  den  Waffen  in  der  Hand. 


1H01-1H04. 


Um  Mitternacht  gab  Bellegarde  den  Befehl  zum  Rückzüge. 
Die  Armee  schlug  den  Weg  über  Vicenza  ein,  in  Lisiera  wurde 
gerastet,  von  hier  F.-M.-Lt.  Prinz  Hohenzollern  mit  vier 
Brigaden  zur  Aufnahme  des   von  Tirol  anrückenden  F.-M.-Lt. 
Vukassevich  nach  Bassano  gesendet,  während  Belle garde  den 
Rest  der  Armee  nach  Fontaniva  hinter  die  Brenta  dann  am  13. 
nachdem  sich  die  ganze  Armee  vereinigt  hatte,  bei  Lovadina  über 
die  Piave  führte.  Nun  wurde  Waffenstillstand  geschlossen,  der  zu 
dem  Friedensschlüsse  von  Luneville  fahrte,  in  welchem  Oesterreich 
mit  geringen  Veränderungen,  die  im  Vertrag  von  Campo  formio 
erworbenen  Länder  behielt. 


1801-1804. 

Im  April  konzentrirte  sich  das  Regiment  in  Udine  und  trat 
sodann  den  Marsch  nach  Oesterreich  an,  woselbst  es  im  Monat  Juni 
in  seinen  alten  Stationen  Wien,  Bruck  an  der  Leitha,  Hainburg  und 
Wr.  -  Neustadt  eintraf. 

Der  parademässige  Einmarsch  des  Regiments  in  den  Friedens- 
stationen bot  kein  glänzendes  Bild,  denn  die  erduldeten  unerhörten 
Fatiken  des  beschwerlichen  Feldzuges  spiegelten  sich  gar  deutlich 
in  dem  Aussehen  der  Truppe.  In  abgenützten,  der  Farbe  nach  un- 
kenntlichen Monturen,  ohne  heitere  Weisen  türkischer  Musik,  denn 
auch  diese  hatte  sich  theilweise  aufgelöst,  kehrten  die  Abtheilungen 
des  Regiments  in  ihre  Heimat  zurück.  Aber  wenn  auch  der  äussere 
Glanz  und  Schimmer  fehlte,  so  konnten  doch  die  Heimkehrenden 
mit  Stolz  auf  ihre  sämmtlichen  makellos  erhaltenen  Fahnen  weisen 
und  mit  dem  erhebenden  Bewußtsein  treu  erfüllter  Pflicht,  die  viel- 
fachen .herzerhebenden  Ovationen  entgegeunehmen,  mit  welchen  die 
immer  patriotischen  Oesterreicher  und  besonders  die  Wiener,  ihr 
aus  schweren  Kämpfen  heimkehrendes  „Haus- Regiment"  festlich 
begrüssten. 

Bald  nach  dem  Einrücken  erreichte  der  Efl'ektivstand  des 
Regiments  eine  die  vorgeschriebene  Stärke  weit  überragende  Höhe, 
denn  nicht  nur  die  kriegsgefangene,  sondern  auch  jene  Mannschaft 


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1801  1804. 


377 


rückt«  ein,  die  während  dem  Kriege  anderwärts  verwendet  war;  so 
wurden  am  1.  Jänner  1802  Ober  1000  Mann  auf  Urlaub  geschickt. 

Die  aus  der  französischen  Kriegsgefangenschaft  eingerückten 
Offiziere  und  Mannschaft  erzählten,  dass  sie  anständig  behandelt 
wurden.  Es  war  eben  nicht  mehr  der  Konvent  an  der  Spitze  der 
französischen  Regierung,  denn  diesen  hatte  Buonapartemit  seinen 
Grenadieren  auseinander  gejagt  und  an  dessen  Stelle  waren  die 
Konsule  getreten.  Der  Stabsoffizier  hatte  täglich  65  Sous,  Haupt- 
mann 50,  Oberlieutenant  38,  Lieutenant  und  Fähnrich  27,  Feld- 
webel 8,  Korporal  6,  Gefreiter  4,  Gemeiner  3  Sous.  Die  Offiziere 
konnten  zwei  Stunden  vor  die  Stadt  spazieren,  wenn  ein  Bürger 
cavirte;  die  Mannschaft  war  in  Quasi  -  Kasernen  untergebracht  und 
erhielt  auch  Brod. 

Oberstlieutenant  Joachim  v.  Zuchari,  welcher  45  Jahre  gedient 
und  sich  in  allen  Feldzügen  durch  besondere  Tapferkeit  ruhmvoll 
ausgezeichnet  hatte,  trat  zum  tiefsten  Bedauern  des  Regiments,  wegen 
seiner  durch  viele  Wunden  sehr  geschwächten  Gesundheit  am  letzten 
Oktober  1801  mit  Oberstens  -  Charakter  ad  honores  in  den  wohl- 
verdienten Ruhestand ;  in  seine  Stelle  wurde  mit  1.  November  der 
Oberstlieutenant  Frauz  Baron  Engelhardt  von  Nr.  29  in  das  Re- 
giment eingetheilt. 

Im  Jahre  1801  erhielten  die  subalternen  Offiziere,  der  Kaplan 
und  Auditor  auch  im  Frieden  eigene  Diener.  Diese  führton  die  Be- 
zeichnung ,  Privatdiener '  und  sollten  aus  Leuten  bestehen,  die  sich 
der  Invalidität  näherten ;  auch  wurde  in  diesem  Jahre  das  geistliche 
Verdienstkreuz  pro  piis  meritis  gestiftet. 

In  der  Nacht  vom  26.  zum  27.  Juli  1801  starb  der  Oberst- 
Inhaber  des  Regiments,  Se.  königl.  Hoheit  Erzherzog  Maximilian 
Franz,  Kurfürst  von  Köln,  Hoch-  und  Deutschmeister,  der  jüngste 
Sohn  der  Kaiserin  Maria  Theresia  und  Franz  I.  von  Loth- 
ringen, geboren  am  8.  Dezember  1756.  Er  war  in  seiner  Jugend 
ffir  den  Militürstand  bestimmt,  für  den  sich  bei  ihm  Anlage  und 
Neigung  vereinigten ;  auch  hatte  er  unter  seinem  Bruder,  dem  Kaiser 
Josef  II.  den  bairischen  Erbfolgekrieg  mitgemacht.  Aber  durch 
einen  Sturz  vom  Pferde  zog  er  sich  ein  Uebel  am  linken  Fusse  zu, 
das  ihn  hinderte,  seiner  Neigung  zu  folgen.  Er  wurde  im  Alter  von 
14  Jahren  Coadjutor  des  Hoch-  und  Deutschmeisters  Karl  von 
Lothringen,  seines  Oheims  und  1780  des  Kurfürstens  von  Köln 


378 


1S01-18O4. 


und  Bischofs  von  Monster.  In  Köln  gelangte  er  noch  1780,  in 
Münster  aber  erst  1784  zum  vollen  Besitze  dieser  Würden.  Beim 
Ausbruche  der  französischen  Revolution  hielt  er  sich  von  jeder  offen- 
baren Theilnahme  der  Emigranten  fern;  als  Keiehsfürst  stellte  er 
sein  Kontingent  in*s  Feld  gegen  Frankreich.  Als  im  Herbste  1794 
Bonn  von  den  Franzosen  besetzt  wurde,  verliess  er  diese  Stadt,  die 
bis  dahin  seine  Residenz  gewesen  und  die  insbesonders  seiner  Regie- 
rung viel  verdankte,  begab  sich  nach  Münster,  später  nach  Mergen- 
theim und  Ellingen.  Im  Frühjahre  1800  verfügte  er  sich  nach  Wien, 
bezog  das  kaiserliche  Lustschloss  Helzendorf,  starb  aber  schon  im 
folgenden  Jahre,  erst  45  Jahre  alt.  In  seinen  letzten  Lebensjahren 
nahm  der  Umfang  seines  Körpers  so  zu,  dass  er  gestorben  über  fünft- 
halb Zentner  wog.  Als  Regent  und  Mensch  lebt  er  in  der  Erinnerung 
seines  Landes,  dessen  letzter  Kurfürst  er  war,  das  unter  seiner 
segensvollen  Regierung  den  entschwundenen  Wrohlstand  wiederkehren, 
Kunst,  Wissenschaft  und  Industrie  wieder  aufblühen  sah.  Körper- 
schönheit und  Geistesstärke  machten  ihn  bald  bei  seinen  Unterthanen 
beliebt.  Er  unterstützte  Talente  und  belohnte  Verdienste.  Bonn  ins- 
besonders dankt  seiner  Munifizeuz  die  Erweiterung  der  Universität, 
die  er  überdiess  zur  Landes-Universität  erhob,  und  die  Begründung 
der  reichen  Bibliothek.  Der  Erzherzog  sprach  mehrere  Sprachen, 
war  in  verschiedenen  Gebieten  der  Literatur  bewandert  und  mit  den 
ausgezeichnetsten  literarischen  Produkten  vertraut.  Die  Anlagen  von 
Godesberg,  Poppelsdorf  und  Augustusburg  zeigen  seinen  Sinn  für 
Naturschönheit.  Für  alles  brachte  er  ein  reges  Interesse  mit;  jeder- 
mann hatte  zu  ihm  Zutritt,  konnte  seine  Beschwerde  persönlich 
vorbringen  und  seines  Schutzes  gewiss  sein.  Auch  das  Regiment  er- 
freute sich  seiner  besonderen  Fürsorge;  zahlreiche  Unterstützungen 
der  aus  dem  Felde  Heimgekehrten,  insbesondere  den  krüppelhaft 
gewordenen  Soldaten,  hoher  Gerechtigkeitssinn  bei  den  Beförderungen 
und  reichliche  Versorguog  mit  Uniformen  und  den  neuen  Gewehren 
gaben  volle  Beweise  der  Zuneigung. 

In  seine  Stelle  wurde  Erzherzog  Karl  zum  Hoch-  und  Deutsch- 
meister erwählt  und  demselben  mit  Allerhöchstem  Handbillet  vom 
5.  August  1801  als  Oberst -Inhaber  das  Regiment  verliehen. 

Für  die  konskribirten  Erblande  wurde  1802  die  lebenslängliche 
Dienstzeit  aufgehoben  und  die  Konskription,  das  ist:  Dienstzeit  auf 
eine  bestimmte  Anzahl  Jahre  eingeführt.   Das  ärztliche  Personale 


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1  SOI -1804. 


370 


erhielt  statt  Chirurg  die  Benennung  Feldärzte,  die  Bataillons- 
Chirurgen  den  Titel  Oberärzte,  erstere  mit  14  H.  letztere  mit  19  fl. 
monatlichem  Gehalt.  Die  Fahnen-Kadeten  gingen  ein. 

Im  Jahre  1802  befanden  sich  die  Grenadiere,  der  Regiments- 
stab, das  erste  und  zweite  Bataillon  in  Wien,  das  dritte  zu  Wiener- 
Neustadt. 

Oberst  Friedrich  von  Kirchner  wurde  mit  Allerhöchster 
Entschliessung  vom  13.  Dezember  1802  am  1.  Jänner  1803  mit 
Generalmajors-Charakter  in  den  Ruhestand  übersetzt  und  der  Oberst 
Philipp  von  Faber  von  Nr.  17  als  zweiter  Oberst  in  das  Regiment 
eingetheilt. 

Mit  12.  März  1803  erhielten  die  Regiments  -  Adjutanten  den 
Fähnrichsrang ;  sie  waren  seither,  bis  auf  das  goldene  Porte  -  d'£pee, 
wie  die  Offiziere  uniformirt. 

Major  Johann  Baron  A  n  d  1  a  u,  deutscher  Ordensritter,  wurde 
am  30.  April  1803  zum  Infanterie  -  Regiment  Nr.  10  transferirt. 
Oberst  und  Regiments -Kommandant  Josef  Baron  Uracca  trat  am 
29.  November  1803  mit  Generalmajors-Charakter  in  Ruhestand  und 
nun  Obernahm  Oberst  von  F  a  b  e  r  das  Regiments-Kommando.  Major 
Josef  Zur westen  trat  am  15.  Dezember  1803  in  Pension;  in  seine 
Stelle  wurde  der  Major  Josef  von  Mecsery  des  Infanterie-Regiments 
Nr.  10  in  das  Regiment  eingetheilt.  Major  Lang  v.  Langenau 
wurde  in  das  Ministerial  -  Bureau,  dagegen  Major  Graf  Lazansky 
in  das  Regiment  eingetheilt.  Hauptmann  Konrad  Baron  Boul  erhielt 
bei  seiner  Quittirung  mit  8.  November  1803  den  Majors  -  Charakter. 

Erzherzog  Karl  legte  am  letzten  Juni  1804  die  Würde  eines 
Hoch-  und  Deutschmeisters  nieder,  dagegen  wurde  Erzherzog  Anton 
am  1.  Juli  hiezu  gewählt  und  auch  mit  demselben  Tage  zum  Oberst- 
Inhaber  des  Regiments  ernannt.  (Handbillet  vom  30.  Juni  1804.) 

Im  Jahre  1804  quittirte  Lieutenant  Kaspar  Baron  Gaismar 
seine  Charge,  trat  in  russische  Dienste  und  avancirte  dort  in  der 
Folge  zum  General  der  Infanterie  und  Korps-Kommandanten. 


380 


1805. 


1805. 

Während  das  Regiment  unter  dem  alltäglichen  Treiben  friedlichen 
Garnisonslebens  in  seinen  Stationen  gestanden  war,  gingen  in  Europa 
grosse  Dinge  vor  sich.  Im  Jahre  1801—1802  veränderte  Buona- 
parte  die  Verfassungen  der  italienischen  Republiken  und  Helvetiens 
auf  solche  Weise,  dass  dieselben  ihre  politische  Selbstständigkeit 
verloren  und  nunmehr  ganz  von  Frankreich  abhingen.  Im  August  1802 
Hess  er  sich  zum  lebenslänglichen  Konsul  erheben  und  im  Juli  1803 
den  grössten  Theil  des  Reiches  Neapel  von  den  Franzosen  militärisch 
besetzen.  Im  Mai  1804  wurde  Buon aparte  als  erblicher  Kaiser 
der  Franzosen  ausgerufen  und  am  2.  Dezember  als  Napoleon  I. 
gekrönt.  Im  März  1805  nahm  er  auch  die  italienische  Königs  würde 
an  und  setzte  sich  die  eiserne  Krone  auf  das  Haupt,  Im  Juni  wurde 
Ligurien,  im  Juli  Parma  und  Piacenza  mit  Frankreich  vereinigt. 
Diese  vielfachen  Usurpationen  mussten  neuerdings  ganz  Europa 
gegen  Frankreich  bewaffnen.  Schon  am  8.  Mai  1803  erklärte  England 
den  Krieg,  mit  dem  sich  Russland  und  Schweden  verbanden  und 
Oesterreich  schloss  sich  bald  darauf  diesen  Mächten  an. 

Kaiser  Franz  hatte  laut  Pragmatikalgesctz  vom  11.  August 
1804  als  Franz  I.  den  Titel  und  die  Würde  eines  Erb-Kaisers  von 
Oesterreich  angenommen,  wodurch  die  Königreiche  und  Länder,  aus 
denen  die  österreichische  Monarchie  bestand,  noch  unauflöslicher  als 
bisher,  als  für  ewige  Zeiten  unzertrennbares  Ganzes  aneinander 
gekettet  wurden. 

Freudig,  voll  Glut  für  das  gute  Recht  und  erfüllt  von  Kampf- 
lust, gewahrte  das  Regiment  die  Anzeichen  zum  neuen  Kriege. 
Begeistert  eilten  im  Mai  1805  die  einberufenen  Urlauber  zu  den 
Fahnen  und  die  regste  Thätigkeit  herrschte  in  allen  vom  Regimente 
besetzten  Orten.  Es  wurde  täglich  nach  der  neu  herabgelangten, 
vom  Erzherzog  Karl  verfassten  Vorschrift  exerzirt,  welche  die  bisher 
vorgeschriebenen  Evolutionen  der  Infanterie  wesentlich  vereinfachte 
und  unter  anderen  das  Niederknieen  des  ersten  Gliedes  beim  Feuern 
abschaffte,  sowie  die  blos  zeremoniellen  zwecklosen  Handgriffe 
beschränkte. 


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1798  -  1809. 


S;rmtHprtinn  Druck  des  k  k  wllt  gtsgrjf  JnstiUitct 


Offizier  und  Gemeiner  von 
Hoch-und  Deutschmeister. 


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1805 


381 


Die  Regimenter  wurden  in  1  Grenadier-  und  4  Füsilier- 
Bataillone  ä  4  Kompagnien,  das  Grenadier- Bataillon  aus  einer 
Division  mit  der  Zulage  und  aus  einer  zweiten  (Jung- Grenadiere) 
ohne  Zulage  eingethcilt.  Zwei  Bataillone  wurden  durch  Hauptleute 
koramandirt,  die  nehstbei  auch  noch  ihre  Kompagnien  versahen, 
jedoch  die  Stabs- Offiziers -Fourage- Portionen  bezogen.  Major  Graf 
Lazanski  erhielt  das  Grenadier -Bataillon. 

In  allen  Theilen  wurde  eifrigst  gerüstet  und  mit  frischem 
aufgeweckten  Sinn  sah  das  Regiment  ungeduldig  dem  ersehnten 
Marschbefehle  entgegen.  Noch  ehe  dieser  herablangte,  erschien  ein 
Befehl,  welcher,  wie  Traditionen  es  konstatiren,  der  Mannschaft  und 
auch  manchem  alten  Offizier  gar  nahe  an's  Hera  ging,  es  wurde 
nämlich  der  Haarzopf  bei  der  ganzen  Armee  abgeschafft.  Das 
bezügliche  Allerhöchste  Handbillet  vom  30.  Juli  1805  lautet:  »Nach 
»dem  Vorschlag  Meines  Kriegsministers,  des  Erzherzogs  Karl 
»Liebden  habe  Ich  beschlossen,  bei  Meiner  ganzen  Armee  den 
»bisherigen  Haarputz  abzuschaffen,  und  dagegen  zu  gestatten,  dass 
»die  Haare  kurz,  d.  i.  in  der  Länge  von  1  Zoll  abgeschnitten,  so 
»wie  sie  natürlich  fallen,  getragen  werden  sollen. 

»Diese  Länge  der  Haare  muss  an  dem  ganzen  Kopfe  gleich 
»sein;  die  Mannschaft  hat  sie  uneingeschmiert  und  ungepudert  zu 
»tragen,  alle  Stabs-  und  Oberoffiziere  aber  pomadirt  und  gepudert. 
»Diesen  ist  dabei  auf  das  Ernstlichste  zu  bedeuten,  dass  sie  sich 
»genau  an  die  obige  Vorschrift  halten,  mithin  jede  Mode,  von 
»welcher  Art  sie  sein  möge,  gänzlich  vermeiden  sollen,  wie  dann 
»auch  die  Uebertretter  mit  unnachsichtlicher  Strenge  dafür  anzusehen 
.sein  würden. 

»Es  versteht  sich  von  selbst,  dass  die  Haare  von  Zeit  zu  Zeit 
»wieder  geschnitten  werden  müssen,  damit  ihre  Länge  niemals  das 
»oben  vorgeschriebene  Mass  mehr  als  •/«  Zoll  übersteigen  möge. 
»Auch  ist  die  Mannschaft  aufzumuntern  und  anzuhalten,  sich  den 
»Kopf  öfter  mit  frischem  reinen  Wasser  zu  waschen,  denn  die 
»Gesundheit,  Reinlichkeit  und  Erleichterung  Meiner  treuen  und  tapferen 
»Soldaten,  zugleich  aber  die  damit  verbundene  Ersparung  eines  für 
»sie  nicht  unbeträchtlichen  Aufwandes  von  ihrer  Löhnung  sind  die 
»Hauptbeweggründe,  welche  den  Erzherzog  Kriegsminister  zu  diesem 
.Vorschlag  und  Mich  zu  der  Genehmigung,  die  Ich  demselben  mit 
.Vergnügen  ertheile,  veranlasst  haben. 


382 


1805. 


, Allen  Meinen  Generalen  bleibt  es  überlassen,  die  Haare  wie 
, bisher  oder  nach  dieser  neuen  Art  zu  tragen,  jedoch  müssen  sie 
,sich  in  letzterem  Fall  eben  auch  genau  nach  der  obigen  Vorschrift 
,  verhalten.' 

Dieser  Befehl  wurde  beim  Regimente  mit  15.  August  1805 
in  Vollzug  gesetzt. 

Oberst  Philipp  v.  Faber  erhielt  mit  Allerhöchstem  Befehl 
vom  19.  Juni  die  Anstellung  als  Unter  -  Direktor  in  der  Neustadter 
Militär  -  Akademie.  In  Folge  dessen  wurde  mit  Armee -Befehl  vom 
2.  August  Oberstlieutenant  Franz  Baron  Engelhardt  zum  Oberst 
Regiments  -  Kommandanten,  Major  Josef  v.  Mccscry  zum  Oberst- 
lieutenant, der  zweite  Major  Max  Graf  Lazansky  zum  ersten  Major 
und  Grenadier  -  Hauptmann  Vincenz  Ostoich  zum  zweiten  Major 
befördert. 

Ein  gewaltiges  Heer  sammelte  sich  unter  Erzherzog  Karl  in 
Italien,  wo  man  den  Hauptschlag  zu  führen  gedachte,  während  ein 
zweites  unter  F.-M.-Lt.  Mack  in  Verbindung  mit  den  unter 
Kiitusow  heranmarschirenden  Russen  nach  Deutschland  bestimmt 
war.  Im  August  schon  wurden  die  Tmppen  unter  dem  Vorwande 
von  Exerzierübungeu  in  mehrere  Lager  zusammengezogen.  Die 
Offiziere  erhielten  den  20.  August  eine  zweimonatliche  Gratisgage. 

Ungeachtet  aller  Vorbereitungen  hatte  man  in  den  entscheiden- 
den Kreisen  die  Hoffnung,  den  Frieden  zu  erhalten,  noch  nicht 
gänzlich  aufgegeben  und  die  seit  lange  schon  eingeleiteten  Unter- 
handlungen wurden  aufs  eifrigste  fortgesetzt.  Doch  als  die  Nach- 
richt von  der  am  27.  August  erfolgten  Aufhebung  des  Boulogner- 
lagers  und  dem  Anmärsche  Napoleons  gegen  den  Rhein,  zu  Wien 
einlief,  erfolgte  der  Marschbefehl.  Man  hoffte  durch  schnelles  Vor- 
rücken noch  rechtzeitig  den  Kurfürsten  von  Baiern  zum  Eintritt  in 
die  Allianz  zu  bewegen,  aber  Napoleon  war  es  bereits  gelungen, 
die  deutschen  Mittelstaaten  von  der  gemeinsamen  Sache  zu  trennen. 

Nach  der  Standes  -  Liste  des  Monats  September  1805  bestand 

das  Offiziers -Korps: 

Oberst -Inhaber  Erzherzog  Anton,  F.-Z.-M.,  Hoch-  und  Deutschmeister. 
Oberst,  Begiments-Kommandant  Franz  Baron  Engelhardt. 
Oherstlientenant  Josef  v.  Mccsery. 

Major  Max  Gf.  Lazansky,  Vincenz  Ostoich,  Valentin  Niedermann. 
Kaplan  Johann  Eohaut. 
Auditor  Peter  Di  polt. 


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1MU». 


383 


Rechnungsführer  Johann  Aicher  v.  Aichcncgg. 
Regiments  -  Adjutant  August  v.  Witte. 
Arzt  Johann  Kelter  er. 

Bataillons-Adjutant  Johann  Sa  eher,  Franz  Buell,  Gottfried  Conradi, 
Franz  Maasburg,  Hermann  Kavanagh. 


|  Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

i 

tS 

Kapitän- 

Ober- 

Unter- 

1. 

Johann 
Schwarz 

— 

Karl 
v.  Andujar 

Xarl 
v.  Frosch 

2. 

Stephan 
Br.  Erdmann 

— 

Nepomuk 
Holbe 

Josef 
Br.  Welten 

3. 

Ludwig 
Br.  Stael 

— 

Wilhelm 
Br.  Burcell 

Josef 
Wagenheim 

* 

Otto 
Br.  Collctti 

— 

Georg 
Rickauer 

Josef 
Kraushaar 

■ 

L 

Christian  Br. 
Stockhausen 

August 
Wermersch 

Franz 
Adrario 

Leopold 
( "araoi  ol  1  a 

OD 

2. 

Eberhart 
Niess 

David  Franz 

Frz.  Aumer 

Karl  Voigt 

U 

W 

3. 

— 

Hermann 
Velten 

Johann 
Alborl 

Simon 
Carove 

Joh.  Novak 

4. 

Michael 
Fiala 

- 

Johann 
Br.  Sichel 

— 

Josef 

in  au  i  vi 

5. 

Georg 
Mehlfübrer 

Johann 
Blasius 

Karl 
Stokhammer 

Titus 

L>1  it  J )  tv  L  1 1  II  (  1  1 1  ( 

00 

<v 

6. 

Gr,  Loeben 

— 

Georg  Bach 

Ludwig 
Gr.  d'Angest 

Johann 

Schwarz 

Sc 
N 

7. 

Nepomuk 
Schmidt 

Mathias 

Kirzinger 

Franz 
Fürst  Ruspoli 

Andreas 
Müller 

8. 

Karl  Baron 
Landenberg 

Josef 
Br.  Renette 

Georg 
Schlinger 

Ludwig  Graf 
Moranville 

9. 

Johann  Till 

Franz 
Montluisant 

Gabriel 
Schneichel 

Stephan 
Kersehmar 

00  1 

o>  1 

10. 

v.  üilg 

Lorenz 
Berthai 

Andreas 

Stöker 

Franz 
Brünner 

•c 

Q 

11. 

(ieorg 
Wallek 

Norbert 
Krall 

Johann 
Sourville 

Peter 
Wagner 



12.1 

Engelbert 
Br.  Bretten  | 

Lorenz 
v.  Zach 

Johann 
Tranquilini 

2 

13. 

Anton 
Gr.  Bubna 

Androas 
Roggen 

Konrad 
Möhlmann 

Franz 
Bechini 

1 

14. 

Georg 
Br.  Hertwig 

Johann 
Baumann 

Johann 
Schnantz 

Franz 
Unkclhäuser 

384 


1805. 


i 

Komp.! 

naupiniann 

Lieutenant 

r  auunon 

ö 

Kapitän- 

Ober- 

Unter- 

s 

g 

15. 

Mörs 

Frz.  Riegel 

Frz  Eisnitz 

r eruinanu 
Engelhardt 

a 
> 

16. 

Franz 
v.  Hcrvay 

Edmund 
Rr.  Droste 

1. 

Gottlieb 
iiahmann 

Alexander 
Geluciani 

 :  

Job.  Katty 

Karl 
Strakatte 

Reserve- 

2. 

Dntranolu-e 

Josef 
Ried  er 

Johann 
Rudnyack 

Johann 
Mondenay 

3. 

Anton 
Rr.  Stentseh 

Lorenz 
Maier 

Josef 
Karaczay 

4. 

Marquis 
de  Villa 

Josef  Piller 

Johann 
O'Karin 

Mit  Armee  -  Refohl  vom  1.  September  1805  wurde  Oberst- 
lieutenant v.  Bosio  des  Peusionstandes  zum  Kommandanten  des 
Reserve  -  Bataillons  mit  Majorsgage  ernannt  und  der  Hauptmann 
Valentin  Nieder  mann  des  Regiments  Nr.  49  zum  3.  Major  im 
Regiment,  dagegen  Hauptmann  Kieffel  zum  Major  bei  Nr.  40 
befördert. 

Pas  Regiment  marschirte  am  14.  September  1805  aus  seinen 
Stationen  zur  Armee  in  Deutschland  und  traf  am  7.  Oktober  1805 
in  Ingolstadt  bei  dem  Korps  des  P. -M. -Lt.  Baron  Kienmayer 
ein,  dessen  Hauptmacht  sich  nach  dem  Ucbergangc  der  Franzosen 
bei  Donauwörth,  bei  Aicha  konzentrirte.  Am  G.  wurden  unter  Be- 
deckung des  Lieutenants  Stokhammer  1,002.435  fl.  CM.  zur 
Feldoperationskasse  der  Armee  in  Deutschland  abgeschickt. 

Der  Generalquartiermeister  F.  -  M.  -  Lt.  M  a  c  k  hatte  den  Plan 
gefasst,  das  österreichische  Heer  am  linken  Donau  -  Ufer  in  der  ver- 
schanzten Stellung  bei  Ulm  zu  vereinigen,  daselbst  die  Ankunft  der 
Russen  und  deren  Vereinigung  mit  Kienmayer  zu  erwarten  oder 
nach  Umständen  sich  gegen  eine  der  durch  die  Pilsse  des  Schwarz- 
waldes anmarschirenden  französischen  Kolonnen  zu  werfen.  Doch 
Napoleon  im  Besitze  einer  Streitmacht,  welche  nach  seiner  Ver- 
einigung mit  den  alliirten  deutschen  Truppen  die  österreichische  um 
mehr  als  60.000  Mann  Oberragte,  war,  ohne  sich  um  die  Neutralitat 
Preussens  zu  kümmern,  mit  einem  Theil  seiner  Armee  durch  das 
preussische  Gebiet  von  Anspach  marschirt  und  näherte  sich  rasch 
in  Mack's  Flanke  und  Rücken  der  Donau.  Zwischen  dem  7.  und 


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isor,. 


385 


8.  Oktober  trafen  schon  die  Korps  der  Marschälle  Lannes  und 
Soult,  dann  die  Garden  unter  Bessieres  nebst  einem  Theile 
der  Reiterei  Murat's  bei  Donauwörth  ein,  stellten  unter  dem 
Schutze  zahlreicher  Batterien  die  Brücke  her  und  drängten  den 
F.-M.-Lt.  Ki en m a y  er  zurück,  welcher,  um  seine  Verbindung  mit 
den  heranziehenden  Russen  nicht  zu  verlieren,  den  Rückzug  nach 
Schwabhausen  antrat  und  am  10.  in  das  Lager  von  München  ein- 
rückte. Die  Avantgarde  hielt  Tachau  besetzt.  Am  13.  ging  das  Gros 
des  Korps  nach  Amphingen,  am  18.  bezog  es  die  Stellung  bei  Mühl- 
dorf, endlich  jene  von  Binghausen,  um  die  unter  Kutusow  nahenden 
Russen  zu  erwarten,  deren  Vortrab  mit  Fürst  Bagration  bereits 
bei  Braunau  angelangt  war. 

F.-M.-Lt.  Kienmayer,  der  die  Bestimmung  zur  Haupt- 
armee uach  Böhmen  erhielt,  übergab  das  Kommando  seines  Korps 
dem  F.-M.-Lt.  Grafen  Mcrveld,  welcher  die  Angriffe  der  jetzt 
mit  grosser  Macht  vorrückenden  Franzosen  nicht  weiter  erwartete  und 
gegen  Salzburg  zurückging,  während  Kutuso  w  die  Russen  nach 
Lambach  führte.  Am  20.  Oktober  erhielten  die  Regimenter  Deutsch- 
meister und  Nr.  57  nebst  IG  Kürassier -Eskadronen  den  Auftrag, 
am  rechten  Ufer  der  Enns  längs  diesem  Flusse,  von  seiner  Mündung 
angefangen  bis  nach  Stever  Kantonnirungsquartiere  zu  beziehen. 
Die  Mannschaft  des  Regiments  hatte  auf  diesem  Rückzüge  wegen 
schlechter  Beschuhung  viel  gelitten,  worüber  auf  Befehl  des  Hof- 
kriegsraths-Präsidentcn  die  strengste  Untersuchung  eingeleitet  wurde. 

Man  hoffte  durch  einen  kombinirten  Angriff  die  bereits  be- 
drohte Verbindung  mit  der  noch  in  Böhmen  verweilenden  Haupt- 
armee wieder  zu  sichern ;  aber  die  Bewegungen  Napoleon 's,  so 
wie  der  Flankenmarsch  B  e  r  n  a  d  o  1 1  e  's  auf  Salzburg  bedrohten 
immer  mehr  die  Stellungen  der  Alliirten  und  erzwangen  bald  das 
Aufgeben  der  Inn-  und  der  Traunlinie,  an  welch1  letzterem  Flusse 
die  Nachhut  M  e  r  v  e  1  d's  bei  dem  Markte  Lambach  noch  einen 
blutigen  Kampf  zu  bestehen  hatte.  Während  dieser  Zeit  war  das 
Regiment  in  der  Division  des  F.  -  M.  -  Lt.  Fürst  Hohenlohe  nach 
Strasswalchen  und  Friedberg,  am  30.  Oktober  in  die  Stellung  bei 
Dimelkam,  31.  Lambach  und  am  2.  November  an  das  rechte  Enns- 
Ufer  bei  Steyer  marschirt. 

Obgleich  es  nun  im  Plane  lag  sich  an  der  Enns  festzusetzen, 
um  die  so  nothwendige  Vereinigung  der  österreichisch  -  russischen 

25 


38(5 


1S05. 


Streitkräfte  zu  ermöglichen ,  so  war  doch  bald  K  u  t  u  s  o  w  ge- 
zwungen, längs  des  Donauthales  über  Strengberg  und  Amstetten 
zurückzuweichen,  während  Merveld  nach  lebhaftem  Kampfe  Steyer 
verliess,  als  die  Marschälle  D  a  v  o  u  s  t  und  Marraont  unterhalb 
der  Stadt  die  Enns  überschritten. 

Vom  Regiment  wurden  am  4.  November  zwei  Bataillons  unter 
dem  General  Baron  Schustek  nach  Neustift  detachirt ,  um 
daselbst  in  einer  guten  Stellung  Posto  zu  fassen,  die  beiden  andern 
Bataillons  unter  dem  General  Devchich  stellten  sich  bei  Aschau 
auf  und  hatten  die  Bestimmung,  die  Strasse  von  St.  Peter  auf  das 
hartnäckigste  zu  vertheidigen. 

Merveld  beschloss  aber  nun  sich  durch  das  Gebirge  zurück- 
zuziehen und  über  Lunz,  Mariazell,  St.  Pölten  wieder  mit  den  Russen 
zu  vereinigen.  Das  Korps  marschirte  daher  in  der  Nacht  auf  deu 
5.  in  guter  Ordnung  über  Ternberg  bis  Gross -Raming  in  die  feste 
Stellung  hinter  deu  Neustiftgraben,  wo  dasselbe  nach  einem  er- 
schöpfenden Marsche  am  5.  abends  anlangte. 

Diese  Stellung  bot  nun  grosse  Vortheile.  Gesichert  im  Rücken, 
an  einer  vortrefflichen  Strasse,  die  in  kürzester  Linie  auf  Leobeu 
führte,  geschützt  durch  wichtige,  fast  nicht  zu  nehmende  Pässe  und 
Stellungen  lag  der  Gedanke  nahe,  den  durch  lange  und  angestrengte 
Märsche  tief  erschöpften  Truppen  eine  kurze  Rast  zu  gönnen  und 
die  weiteren  Schritte  des  Feindes  abzuwarten.  Doch  Merveld 
hielt  seinen  Plan  aufrecht,  hoffte  mit  Bestimmtheit  die  Vereinigung 
zu  erzielen,  zum  mindesten  aber  durch  seine  Märsche  den  Feind 
für  seine  Flanke  besorgt  zu  machen  und  zu  starken  Detachirungcn 
gegen  das  Gebirge  zu  nöthigen.  Vergebens  wurde  der  Korps -Kom- 
mandant auf  das  Gefahrliche  dieses  Schrittes  aufmerksam  gemacht, 
da  die  Brigade  Hendelet  des  Korps  Davoust  schon  auf  Waidhofen 
und  Gaming  vordrang,  vergebens  wurde  auf  die  physische  Er- 
schöpfung der  Truppen,  welche  solch*  forcirten  Märscheu  durch  das 
unwegsame,  schwierige  Gebirge  nicht  mehr  gewachsen,  endlich  auf 
den  vollständigen  Mangel  aller  Verpflegung  hingewiesen;  Merveld 
blieb  bei  seinem  Entschlüsse  und  ordnete  die  Fortsetzung  des 
Marsches  noch  für  den  6.  abends  an.  Bereits  war  die  Nacht  weit 
vorgerückt,  als  die  Kolonne,  auf  dem  schlechten  Wege,  beständig 
durch  die  Artillerie  aufgehalten,  erschöpft  bei  Reith  ankam,  wo 
man  seit  fünf  Tagen  das  erste  Mal  für  einen  Tag  Brod  fand, 


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1S05. 


387 


obwohl  General  Auer  schon  den  3.  von  Wien  der  Verptlegs- 
anstalten  wegen  vorausgeschickt  war,  welcher  aber  bei  der  armen 
Bevölkerung  und  wegen  Mangel  aller  Transportsmittel  seinen  Auftrag 
nicht  erfüllen  konnte. 

Bald  nach  dem  Eintreffen  der  Kolonne  in  Reith  traf  die 
Nachricht  ein ,  dass  die  Marschälle  D a v o u s t  und  Bernadotte 
über  Seitenstetten  in  Waidhofen  eingeröckt  seien  imd  die  dort  auf- 
gestellte Uhlanen  -  Eskadron  von  den  Franzosen  angegriffen  uud  bis 
Gaming  verfolgt  wurde.  Die  Franzosen  waren  somit  nur  durch  den 
Gruberg  von  Lunz  getrennt,  durch  welchen  Ort  die  einzige  Rückzugs- 
linie  des  Korps  ging  und  konnten  mithin  denselben  weit  früher  als 
Merveld  von  Reith  erreichen.  Noch  war  es  Zeit  bei  Göstling 
sich  nach  Eisenerz  zu  wenden,  aber  Merveld  blieb  bei  seinem 
Entschluss  und  wollte  den  andern  Tag  noch,  den  7.,  bis  Neuhaus 
gelangen.  Da  jedoch  schon  bei  Hollenstein  die  gebahnte  Strasse 
gänzlich  aufhörte  und  das  eingetretene  leichte  Thauwetter  die  Wege 
sehr  verdorben  hatte,  so  konnten  die  letzten  Bataillone  Deutsch- 
meister des  Abends  erst  zu  Lunz  eintieften,  wo  das  ganze  Korps 
auf  dem  sogenannten  „Oisboden*  ein  Lager  im  Schnee  bezog.  Die 
zuerst  in  Lunz  angekommeueu  Bataillone  hatten  schnell  alle  Lebens- 
mittel in  dem  kleinen  Orte  aufgezehrt,  denn  die  patriotischen  Be- 
wohner gaben  recht  gern  alles  her,  um  die  hungernden  Soldaten  zu 
verpflegen.  Als  das  Regiment  Deutschmeister  anlangte,  war  nichts 
mehr  vorhanden  und  ein  junger  Fähnrich  des  Regiments,  welcher 
seine  goldene  Uhr  für  ein  Stück  Brod  anbot,  konnte  es  nicht  mehr 
erhalten. 

Merveld  stellte  das  Grenadier  -  Bataillon  Deutschmeister 
auf  den  Weg,  der  über  Boding  nach  Ipsitz  führt  und  ein  zweites 
auf  der  Strasse  nach  Gaming  auf,  um  sich  in  seiner  linken  Flanke 
zu  sichern.  Gleich  hinter  Lunz  befindet  sich  ein  äusserst  steiler 
Gebirgsrücken,  ,der  Durchlass",  welcher  das  Lunzer-  von  dem 
Langauer- Thale  trennt,  über  welchen  der  Weg  nach  Neuhaus  führt. 
Der  nach  leichtem  Regen  in  der  Nacht  noch  einfallende  Frost  hatte 
diesen,  zur  günstigen  Jahreszeit  schon  höchst  schwierigen  Weg, 
mit  Glatteis  überzogen.  Merveld  versprach  20  Gulden  für  jedes 
Geschütz,  welches  heute  noch  bis  Neuhaus  gebracht  würde.  Mit 
namenloser  Mühe  und  Anstrengung  war  es  zuletzt  möglich,  nachdem 
sich  hunderte  der  braven  Soldaten  vor  die  Geschütze  gespannt,  auch 

85* 


.388  1WS. 

die  Offiziere  und  sogar  Major  Graf  Lazansky  Hand  angelegt  hatten, 
die  Geschfitze  jene  steile  Höhn  hinaufzubringen,  da  die  durch  längeren 
Mangel  der  Fourage  entkräfteten  Pferde  bald  jeden  Dienst  versagten. 

Unter  diesen  Anstrengungen  ging  der  Tag  und  die  darauf- 
folgende Nacht  vorüber  und  als  der  Morgen  des  8.  November  an- 
brach, war  erst  ein  geringer  Theil  der  Kolonne  zu  Neuhaus  einge- 
troffen, aber  nicht,  ohne  dass  selbst  von  diesen  Bataillonen  ein 
ansehnlicher  Theil  auf  der  ganzen  Länge  des  Weges  in  gänzlich 
erschöpftem  Zustande  zurückgeblieben  wären.  Es  war  um  9  Uhr 
morgens,  als  sich  der  Rest  der  Kolonne  zwischen  Langau  und  Neu- 
haus  mQhsam  endlich  bis  an  das  letzte  DefibSe  geschleppt  hatte  und 
eben  anfing  die  Kanonen  hinaufzuziehen.  Die  Arrieregarde,  welche 
das  Grenadier-Bataillon  Deutschmeister  unter  Major  Graf  Lazansky 
bildete,  marschirte  nach  Uebersteigung  des  Durchlasses  gegen  das 
Thal,  als  plötzlich  Rittmeister  M  e  n ge n  auf  der  Strasse  von  Garning 
im  Carriere  nach  Neuhaus  eilte  und  dort  dem  F.-M.-Lt.  Merveld 
die  Meldung  erstattete,  dass  der  Feind  über  den  Gruberg  in  dichten 
Kolonnen  ihm  rasch  auf  dem  Fusse  folge.  Gleich  darauf  erschien 
französische  Kavallerie  mit  einem  Bataillon  Infanterie,  welche  trotz 
dem  Feuer  der  Grenadiere  gegen  Langau  vordrangen,  dann  aber 
vom  Oberstlieutenant  Volkmann,  des  General  -  Quartierraeister- 
stabes,  mit  einigen  eiligst  zusammengerafften  Abtheilungen  des 
Regiments  Deutschmeister  von  vorne  und  von  den  Grenadieren  im 
Rücken  angegriffen,  zur  Waflenstreckung  gezwungen  wurden. 

Die  Unordnung  unter  den  gänzlich  erschöpften  österreichischen 
Truppen,  welche  seit  drei  Tagen  nur  eine  Portion  Brod  erhalten 
hatten,  war  aber  so  gross,  dass  weder  dieser  Vortheil  benützt,  noch 
die  Gefangenen  fortgebracht  werden  konnten.  Die  Lage  des  Korps 
wurde  von  Augenblick  zu  Augenblick  desto  kritischer,  als  die  Haupt- 
kolonne der  Franzosen  in  dicht  geschlossenen  Reihen  anrückte,  ihre 
Chasseurs  auf  die  Höhen  sendete,  welche  ihr  Feuer  auf  die  Be- 
spannungspferde richteten,  während  die  Kavallerie  zu  verschiedenen 
Malen  angriff,  um  auf  der  Strasse  durchzubrechen.  Major  Graf 
Lazansky  sah  sich  genöthigt  den  Rückzug  anzubefehlen. 

Zwei  sechspfündige  Kanonen  und  zwei  Munitionskarren,  deren 
Pferde  erschossen  waren,  mussten  stehen  bleiben,  jedoch  konnte 
man  noch  eine  Kanone  vernageln.  Der  Feind  drängte  äusserst  leb- 
haft, vorzüglich  mit  seiner  Kavallerie. 


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1K0.V 


380 


Um  die  stehen  geblichenen  Kanonen  zu  retten,  befahl  Mer- 
veld  den  Abtheilungen  des  Regiments,  welche  einige  Höhen  erklommen 
hatten,  und  ein  heftiges  Bataillefeuer  unterhielten,  herabzusteigen 
und  die  vorgedrungenen  Franzosen  zurückzuwerfen.  Oberst  Baron 
Engelhardt  stieg  vom  Pferde,  zog  den  Degen  und  ging  mit  dem 
Rufe  „ Deutschmeister  mir  nach!*  kühn  dem  Feinde  entgegen.  Die 
anwesenden  Offiziere,  Major  Graf  Lazanski,  Hauptmann  v.  Hervay, 
Baron  Stael,  Baron  Stok hausen,  Lieutenant  Conrady  und 
mehrere  andere  umringten  ihren  tapferen  Obersten  und  eilten  mit 
ihm  unter  dem  Rufe  „Deutschmeister  vor!*  vorwärts,  warfen  den 
Feind  eine  beträchtliche  Strecke  zurück,  kounten  aber  nicht  zu  den 
Geschützen  gelangen,  da  die  Franzosen  schon  alle  Höhen  besetzt 
hielten  und  durch  ihr  Feuer  viele  Leute  des  Regiments  tödteten  und 
verwundeten.  Auch  der  Korps-Kommandant  F.-M.-Lt.  Graf  Merveld 
hatte  diesen  Angriff  in  den  vordersten  Reihen  mitgemacht  und  sich 
so  ausgesetzt,  dass  ihm  einige  Franzosen  in  die  Zügel  fielen,  welche 
Feldwebel  Matern  des  Regiments  mit  dem  Bajonnet  niedermachte 
und  hiedurch  den  Korps -Kommandanten  vor  Gefangenschaft  rettete. 

Ungefähr  8/4  Stunden  hielt  Oberst  Baron  Engelhardt  mit 
seinen  Braven  in  diesem  mörderischen  Feuer  von  den  Höhen  tapfer 
aus  und  schlug  mehrere  Angriff**  der  Franzosen  zurück,  bis  diese 
die  Stellung  überflügelten  und  die  Kämpfenden  abzuschneiden  drohten. 
Nun  wurde  der  Rückzug  nach  Neuhaus  angetreten  und  hier  wieder 
Stellung  genommen. 

Lieutenant  Kraushaar  und  Feldwebel  Muckenfuss 
erkletterten  mit  40  Grenadieren,  denen  sich  der  Oberlieutenant 
Frohaska  von  Riese-Grenadier  mit  einigen  seiner  Leuten  anschloss, 
den  mit  hohem  Schnee  und  Eis  bedeckten  Felsen  und  behaupteten 
diesen  Berg  über  eine  Stunde  gegen  alle  Anstrengungen  des  Feindes. 
Gegen  1  Uhr  bemächtigte  sich  derselbe  der  beiderseitigen  Gebirge 
und  nun  trat  im  Thalc  unter  den  retirirenden  ganz  erschöpften 
Truppen  Unordnung  ein.  General  Devchich  Major  Graf  Lazansky 
und  die  Offiziere  gaben  sich  alle  Mühe,  die  Truppen  zum  Halten 
zu  bringen,  aber  es  war  alles  vergebens,  da  der  Feind  stürmend 
nachdrängte,  die  rechte  Flanke  gewann  und  mit  seinem  heftigen 
Feuer  iu  dieser  regellosen  Masse  viele  Leute  tödtete. 

Bei  diesem  Rückzüge  geschah  es,  dass  der  die  Fahne  der 
Grenadiere  tragende  Korporal  erschossen  wurde  und  mit  dem  Panier 


MO 


iu  das  I'recepisse  stürzte,  aus  dem  er  nicht  mehr  herausgeholt 
werden  konnte.  Die  Fahne  wurde  ein  Opfer  der  Elemente,  denn 
die  Franzosen  haben  sie  nicht  erbeutet. 

Die  Anstrengungen  der  Grenadiere,  welche  bis  hinter  Langau 
sich  auf  das  tapferste  vertheidigt  hatten,  blieb  ohne  Unterstützung 
und  so  mussten  auch  sie  auf  eiligen  Rückzug  bedacht  sein,  um  der 
Gefangenschaft  zu  entgehen. 

Major  Graf  Lazansky,  Oberlieutenant  Rickauer,  Lieutenant 
Conrad y,  Kraushaar  und  Feldwebel  Matern  bildeten  mit 
einigen  Grenadieren  die  Arrieregarde  bis  in  den  Wald  vor  Mariazell, 
wo  sieh  das  Grenadier- Bataillon  wieder  ziemlich  gesammelt  hatte. 
Das  Bataillon  stand  schon  eine  Weile  am  Waldsaurae,  als  Haupt- 
mann v.  Hervay  mit  einem  Trupp  Franzosen  erschien,  welchen  er 
mit  sechs  Mann  gefangen  genommen  hatte ;  bald  nach  ihm  erschien 
der  Feind,  welchem  nun  das  Grenadier -Bataillon  bis  4  Uhr  Wider- 
stand leistete. 

Gleich  beim  Beginn  des  Kampfes  war  Hauptmann  Graf  Loeben 
mit  seiner  Division  (5.  und  6.  Kompagnie)  abgeschnitten  worden. 
Es  blieb  ihm  nichts  übrig,  als  wieder  über  den  Durchlass  zurück- 
zuraarschiren,  wo  er  die  Nachricht  erhielt,  dass  eine  starke  Kolonne 
Franzosen  bereits  in  Lunz  eingerückt  seien.  Nun  marschirte  er  in 
die  enge  Schlucht  gegen  den  Mittersee,  in  der  Hoffnung,  vielleicht 
doch  auf  einem  Gebirgspfade  den  Dürenstein  zu  übersteigen  und  so 
seine  Truppe  nach  Steiermark  zu  retten.  Aber  gleich  beim  Betreten 
dieser  Schlucht  hatte  die  Division  mit  den  grössten  Terrainschwierig- 
keiten zu  kämpfen,  sie  musste  durch  den  Bach  waten,  über  Felsen 
klettern  und  sich  durch  dichtes  Niederholz  winden.  Endlich  erreichte 
sie  den  Mittersec  und  hoffte  sich  geborgen,  als  ihr  am  Ende  des- 
selben steile  mit  Schnee  und  Eis  bedeckte  Felsenwände  den  Weg 
versperrten.  Graf  Loeben  Hess  den  Muth  nicht  sinken  und  ver- 
traute auf  die  in  dieser  Gegend  befindliche,  stets  vom  wärmsten 
Vaterlandsgefühle  begeisterte,  biedertreuc  Bevölkerung.  Er  erwartete 
ruhig  die  Nacht  und  sendete  dann  einen  Unteroffizier  gegen  Lunz, 
um  Jemand  von  der  Bevölkerung  aufzusuchen,  der  die  Division 
vielleicht  auf  einem  andern  Wege  nach  Steiermark  geleiten  könne. 
Im  ersten  Bauernhause  am  See  erhielt  der  Korporal  Bauernkleider 
und  ging  dann  nach  Lunz  zu  dem  ihm  als  richtigen  Mann  bezeichneten 
Eisenwerksbesitzer  Johann  v.  Amon.   Dessen  Haus  war  angefüllt 


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391 


mit  zechenden  französischen  Offizieren  und  Soldaten,  aber  doch  gelang 
es  dem  Korporal  mit  A  m  o  n  allein  zu  sprechen,  welcher  sich  sogleich 
bereit  erklärte,  persönlich  die  Division  zu  retten. 

Um  Mitternacht  kam  dieser  echte  Patriot,  nachdem  er  Weib 
und  Kinder,  Hab  und  Gut  bei  den  übermüthigen  Feinden  zurück- 
gelassen, mit  einigen  seiner  Gewerkarbeiter  bei  der  Division  an  und 
vertheilte  vorerst  Branntwein  und  sonstige  Lebensmitteln  unter  die 
gänzlich  erschöpften  Soldaten.  Dann  wurden  in  dem  Eise  an  der 
schroffen  Wand  Stufen  ausgehauen,  wo  im  Sommer  ein  schmaler 
Pfad  hinaufführt.  Mit  höchster  Lebensgefahr  erstiegen  nun  die 
Soldaten  diese  schwindelnde  Höhe  und  erreichten,  von  Amon  und 
seinen  Leuten  unterstützt,  den  Obersee,  ohne  dass  ein  Mann  ver- 
unglückt wäre.  Von  hier  ging  der  Marsch  nun  über  Schnee  und  Eis 
nach  dem  6000  Fuss  hohen  Dürenstein,  der  auch  glücklich  über- 
stiegen wurde,  und  so  war  die  Division  gerettet.  Den  Dank  der 
Division  wiess  Amon  mit  der  einem  Patrioten  würdigen  Aeusserung 
zurück:  „dass  er  nur  seine  Pflicht  als  Oesterreicher  erfüllt  habe!"*) 

Auf  dem  Weitermarsche  des  Korps  gegen  Mariazell  folgte  der 
Feind  demselben  auf  dem  Fusse.  Bei  Mariazell  angekommen,  galt 
es  vor  allem  so  lauge  Widerstand  zu  leisten,  bis  die  namhaften 
Aerarialgüter  aus  dem  Orte  uud  bedeutenden  Schätze  aus  der  Wall- 
fahrtskirche in  Sicherheit  gebracht  werden  konnteu.  Oberlieuteuant 
Johann  Montluisant  entschloss  sich  das  Wagstück  zu  unter- 
nehmen, forderte  Freiwillige  Deutschmeister  auf,  welche  sich  mit 
ihm  dem  Feinde  entgegenstellen  wollten  und  als  im  Augenblicke 
viele  um  ihn  versammelt  waren,  liess  er  seinen  kühnen  Entschluss 
zur  Tbat  werden. 

Der  tapfere  Offizier  eilte,  ohne  sich  um  des  Gegners  Stärke 
weiter  zu  kümmern,  mit  der  auserwählten  Schaar  den  Franzosen 
entgegen  und  nahm  auf  der  Strasse  eine  so  vortheilhafte  Stellung, 
dass  er  nicht  nur  dem  zehnfach  überlegenen  Feinde  Trotz  bieten, 

*)  Am  13.  Juni  1810  erschien  br.  Majestät  Kaiser  Franz  I.  persönlich 
im  Hause  des  Edlen  von  Amon  mit  den  Worten:  „Ich  danke  Ihnen  für  Ihren 
bewiesenen  Patriotismus  in  Meinem  und  des  Vaterlandes  Nnmcn!"  Und  als 
•las  Regiment  am  Rückmärsche  von  Neapel  Waidhofen  passirte,  wollte  das 
Offizierskorps  die  Gelegenheit  benützi'ii,  Amon  ebenfalls  den  Dank  abzustatten, 
fand  aber  zu  seinem  innigen  Leid  den  Patrioten  im  Grabe,  in  welchem  er  schon 
seit  25.  März  1825  ruhte. 


392 


1805. 


solidem  diese  auch  deii  liest  des  Tages  mit  seltener  Bravour 
behaupten  konnte.  Die  Schätze  frommer  Meinungen  der  Wallfahrts- 
kirche, darunter  das  höchst  werthvolle  silberne  Gitter,  eine  Spende 
der  Kaiserin  Maria  Theresia,  eine  kaiserliche  Kasse  und  die  im 
Gefechte  bei  Neuhaus  geretteten  Kanonen,  konnten,  begünstigt  durch 
diesen  heroischen  Widerstand  der  Deutschmeister,  in  Sicherheit 
gebracht  werden.  Erst  als  die  Nacht  einbrach,  als  der  heldenmüthige 
Oberlieutenant  Montluisant  durch  einen  Schuss  im  Fusse  und 
durch  sieben  Bajonnetstiche  entkräftet  zur  Erde  fiel  und  in  Feindeshand 
gerieth,  war  es  den  Franzosen,  welche  bedeutende  Verluste  erlitten 
hatten,  möglich,  ihr  Vorhaben,  nach  Mariazell  zu  dringen,  zu 
erreichen;  sie  fanden  aber  das  nicht  mehr,  was  sie  gehofft  hatten. 

Oberlieutenant  Johann  Montluisant  wurde  in  der  71.  Pro- 
motion im  April  180C  für  diese  Heldenthat  mit  dem  Ritterkreuz 
des  Maria  Theresien- Ordens  belohnt. 

In  Mariazell  war  für  das  Korps  auf  mehrere  Tage  Brod  in 
Bereitschaft,  aber  die  Truppen  hatten  nur  kurze  Zeit  zu  ihrer  Samm- 
lung benützt,  waren  dann  unaufhaltsam  nach  Wegscheid  retirirt  und 
die  Braven  von  Deutschmeister,  welche  sich  bis  in  die  Nacht  wacker 
mit  den  Franzosen  herumgeschlagen  hatten,  fanden  dann  auch  keine 
Zeit  mehr  die  Verpflegung  zu  sich  zu  nehmen,  sondern  mussten 
sich,  von  dem  Feinde  hart  gedrängt,  ebenfalls  nach  Wegscheid 
zurückziehen.  Hier  hatte  Merveld  mittlerweile  eine  ziemlich  vor- 
teilhafte Stellung  eingenommen  und  die  Grenadiere  von  Deutsch- 
meister bezogen  die  Vorposten. 

Auf  diesem  Rückzüge  vou  Neuhaus  bis  Wegscheid  (hinter 
Mariazell)  hatte  das  Regiment  verloren  an  Gefangenen:  Kapitän- 
lieutenaut  Christian  Br.  Stockhausen,  Oberlieutenant  Job.  Mont- 
luisant, Mathias  Kirzinger,  Franz  Aumer,  Johann  Albori, 
Lieutenant  Konrad  Mühl  mann,  Job.  Okarin,  Andreas  Stöcker, 
Peter  Wagner,  Fähnrich  Franz  U  n  k  e  1  h  ä  u  s  e  r ,  Joh.  E  b  e  r  1  i  n, 
Regiments  -  Adjutant  Joh.  Sa  eher  und  937  Mann  vom  Feldwebel 
abwärts,  nebst  8  Artilleristen ;  todt  sind  nur  2  Grenadiere  aus- 
gewiesen. Von  den  als  gefangen  ausgewiesenen  rückten  über  200  Mann 
beim  Regiment  bald  ein,  —  auch  dürfte  eine  bedeutende  Zahl  todt 
geblieben  sein. 

Am  9.  November  früh  3  Uhr  wurde  die  Aufstellung  vor  Weg- 
scheid verlassen,  über  Seewiesen  nach  Allenz  marschirt  und  vor 


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1H0... 


393 


dem  Orte  mit  den  Grenadieren  Stellung  genommen,  während  das 
Regiment  und  die  übrigen  Truppen  ihren  Rückmarsch  fortsetzten. 
Um  '/jl2  Uhr  rückten  300  feindliche  Huszaren  und  einige  Bataillons 
Infanterie  zum  Angriffe  vor,  wurden  aber  zurückgewiesen,  worauf 
eine  Division  Merveld  -  Uhlanen  die  Huszaren  über  den  Haufen 
warf,  viele  tödtete  und  mehrere  gefangen  nahm.  Das  Gefecht,  in 
welchem  die  Grenadiere  2  Todte  und  7  Gefangene  verloren  hatten, 
währte  bis  !/t2  Uhr,  um  welche  Zeit  eine  halbe  Stunde  hinter  Aflenz 
zurückmarschirt  und  auf  den  Höhen  wieder  Stellung  genommen 
wurde.  Nach  einer  Viertelstunde  musste  das  Bataillon  wieder  auf- 
brechen, da  sich  bedeutende  feindliche  Abtheilungen  auf  beiden 
Gebirgsseiten  bewegten  und  marschirte  über  Kapfenberg  bis  vor 
Bruck  a.  d.  Mur,  wo  General  Devchich,  welcher  die  Arriere- 
garde  kommandirte,  den  Befehl  erhielt,  mit  dem  Grenadier-Bataillon 
Lazansky  umzukehren  und  die  Brücke  bei  Kapfenberg  zu  besetzen. 
Als  dieser  Befehl  um  9  Uhr  abends  ausgeführt  war,  zeigte  es  sich, 
dass  der  Feind  bereits  in  beiden  Flanken  vorgerückt  und  im  Be- 
griffe stand,  von  den  Höhen  herabzusteigen  und  so  dem  Grenadier- 
Bataillon  den  Rückzug  nach  Bruck  zu  verlegen.  Der  grösste  Theil 
der  Mannschaft  war  ohne  Schuhe  und  hatte  durch  den  Marsch  auf 
der  steinigen  Strasse  wunde  Füsse,  war  seit  3  Uhr  früh  theils  im 
Kampfe  oder  am  Marsche  ohne  Verpflegung,  ausser  einigen  Laib 
Brod,  welche  die  Bevölkerung  der  einzelnen  Hütten  den  vorbei- 
ziehenden Grenadieren  geschenkt  hatte.  Man  kann  sich  einen 
Begriff  von  der  unerhörten  Ausdauer  dieses  braven  Bataillons 
machen,  bei  der  Thatsache,  dass  seit  Reith  der  Kommandant  Major 
Graf  Lazansky  ausser  einem  Laib  Brod  nur  von  vier  Eiern 
lebte,  die  Offiziere  und  die  Mannschaft  hatte  gewiss  nicht  mehr. 

An  einen  Abmarsch  und  ein  Gefecht  war  mithin  mit  dem 
gänzlich  erschöpften  Bataillon  nicht  zu  denken;  Major  Graf  Lazansky 
Hess  nur  kleine  Posten  unter  den  Waffen  und  den  Rest  rasten. 
Noch  bei  völliger  Duukelheit  am  10.  November  um  4  Uhr  früh 
brach  das  Bataillon  in  aller  Stille  auf.  Alles  strengte  seine  letzten 
Kräfte  an,  um  die  ungebahnten  mit  Schnee  und  Eis  bedeckten 
Gebirge  zu  ersteigen;  man  erreichte  Stainz,  dann  über  den  äusserst 
steilen  und  hohen  Schanzberg  Fischbach,  welches  um  l|55  Uhr  nach- 
mittags erreicht  und  die  Quartiere  bezogen  wurden.  Hier  konnten 
seit  14  Tagen  die  braven  Grenadiere,  von  welchen  auch  nicht  einer 


304 


ISO». 


zurückgeblieben  war,  endlich  eine  Nacht  ruhig  schlafen  und  erhielten 
hinlängliche  Nahrung. 

Am  folgenden  Tage  ging  der  Marsch  über  Pirki'eld  nach  Pellau, 
welches  um  7  Uhr  abends  erreicht  und  die  Truppe  bequartirt  wurde. 
Hier  rückte  Hauptmann  Graf  L  o  e  b  e  n  mit  seiner  Division  ein 
und  8chloss  sich  au  das  Bataillon  an.  Am  12.  wurde  nach  Blumenau 
und  am  13.  nach  Fürstenfeld  raarschirt,  wo  das  Eegiment  mit  den 
Resten  des  Korps  Merveld,  welches  von  Wegscheid  direkt  über 
Graz  hierher  gerückt  war,  angetroffen  wurde.  G.-M.  Ruschofsky 
übernahm  das  Kommando  der  Grenadier  -  Brigade. 

Napoleon  war  um  diese  Zeit  bereits  in  Wien  eingerückt 
und  es  war  zu  befürchten,  dass  er  weiter  nach  Pressburg  vordringe. 
Merveld  hielt  es  daher  am  gerathensten  seinen  Rückzug  nach 
Raab  fortzusetzen.  In  Folge  desseu  marschirte  das  Korps  am  14. 
über  Heiligenkreuz  nach  St.  Michael,  15.  über  Könnend  nach 
Bologvär,  16.  über  Steinamanger  nach  Schaar,  wo  der  Ober- 
lieutenant Baron  Burcell  und  Lieutenant  Schlinger  nebst 
25  Grenadiers,  welche  bei  Neuhaus  abgeschnitten  sich  über  das 
Gebirge  gerettet,  einrückten,  17.  nach  Papa,  18.  Thot  und  am  19. 
nach  Raab.  Hier  erhielt  Merveld  aus  dem  Armee  -  Hauptquartier 
den  Befehl  sich  unverweilt  an  die  mittlerweile  durch  Napoleon 
nach  Mähren  zurückgedrängte  vereinigte  österreichisch  -  russische 
Armee  anzuschliessen.  Das  Korps  überschiffte  somit  am  21.  mittelst 
zwei  Plätten  bei  Medvet  die  Donau,  am  22.  bei  Niaros  die  Donau- 
armee und  rückte  nach  Dalos,  23.  nach  Abraham,  24.  Liets  und 
nachmittags  nach  Tyrnau,  wo  den  25.  und  26.  die  dringend  nöthigen 
Rasttage  gehalten  wurden.  Am  27.  brach  das  Korps  wieder  auf  und 
marschirte  nach  Wessely,  28.  Neustadt  a.  d.  Waag  und  den  29. 
nach  Ungarisch  -  Brod.  Hier  schloss  sich  das  Wiener  Freikorps 
Maria  Theresia,  820  Mann  stark,  unter  Oberst  Baron  G  e  r  a  m  b 
an  das  Korps  an.  Am  30.  der  Marsch  über  Ostrau  nach  Bisenz. 
Die  Uhlanen  der  Avantgarde  nahmen  mehrere  französische  Offiziere 
und  Mannschaft  bei  Göding  gefangen;  von  der  Gegend  aus  Brünn 
hörte  man  deutlich  Kanonendonner;  1.  Dezember  über  Göding  nach 
Birnbaum,  wo  am  2.  um  4  Uhr  früh  gegen  Lundenburg  Stellung 
genommen  wurde.  Der  Stand  des  Regiments  betrug  23  Offiziere  und 
828  Mann,  jeuer  der  Grenadiere  212  Mann.  F.-M.-Lt.  Graf  Mer- 
veld sendete  von  hier  den  Oberlieutenant  v.  Andujar  bis  Auspitz 


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ISO.',. 


305 


rekognosziren,  «reicher  mehrere  Gefangene  zurückbrachte.  Den  ganzen 
Tag  währte  heftiger  Kanonendonner  bis  in  die  sinkende  Nacht  bei 
Austerlitz. 

F.  -  M.  -  Lt.  Graf  M  e  r  v  c  1  d  wollte  von  hier  den  Marsch 
gegen  Austerlitz  fortsetzen,  als  der  unglückliche  Ausgang  der  Schlacht 
die  Lage  der  Dinge  betrübend  änderte. 

Am  3.  Dezember  nach  dreiviertelstündigem  Marsch  stellte  sich 
das  Korps  zwischen  Neudorf  und  Nikolitsch  in  Schlachtordnung  auf 
um  den  Rückzug  der  Armee  zu  decken.  Deutschmeister-  und  Riese- 
Grenadiere  besetzten  die  äussersten  Posten  und  plänkelten  mit  feind- 
lichen Kavalleristen.  Erst  abends  9  Uhr  bei  eisiger  Kälte  und 
stürmischem  Wetter  erhielten  die  Truppen  Holz  und  etwas  Stroh, 
auch  brachten  die  braven  Bauern  jener  Gegend  um  Mitternacht  den 
hungernden  Soldaten  Lebensmitteln. 

Schon  mit  Tagesgrauen  am  4.  Dezember  begann  das  Gewehr- 
feuer auf  der  ganzen  Vorpostenlinie ;  das  Grenadier  -  Bataillon  wurde 
durch  das  Regiment  um  9  Uhr  in  der  vordersten  Linie  abgelöst 
und  stellte  sich  zwischen  Nikolitsch  und  Lesitsch  um  '/„II  Uhr  auf. 
Zahlreiche  feindliche  Kavallerie  war  in  der  Ferne  sichtbar  und  alles 
war  in  Erwartung  des  bevorstehenden  Kampfes,  als  um  4  Uhr  nach- 
mittag ein  französischer  Parlamentär  erschien  und  die  Nachricht 
von  dem  abgeschlossenen  Waffenstillstand  überbrachte.  Nachts  11  Uhr 
schlugen  die  Franzosen  in  ihrem  Lager  Generalmarsch  und  verliessen 
ihre  Stellung;  um  dieselbe  Zeit  brach  auch  das  Korps  Merveld  auf 
und  bezog  um  7,1  Uhr  nachts  die  Stellung  vor  Göding,  in  unmittel- 
barer Nähe  vor  der  Armee.  Generalmajor  Auer  übernahm  das 
Vorposten-  und  Generalmajor  Mond  et  statt  dem  erkrankten  General 
Baron  Schustek  das  Divisions  -  Kommando. 

Am  5.  Dezember  abends  5  Uhr  wurde  die  Stellung  bei  Göding 
verlassen  und  im  Dorfe  Radiskovich  Kantonnirung  bezogen,  dann 
am  6.  nach  Holitsch  marschirt,  wo  das  Grenadier -Bataillon  den 
Dieust  im  Hauptquartier  Sr.  Majestät  des  Kaisers  bis  zum  Abmärsche 
der  Russen  am  10.  versah.  Da  nun  die  Friedensunterhandlungen  zu 
Nikolsburg  begannen,  wurde  das  Regiment  nach  Trentschin,  das 
vierte  Bataillon  nach  Olmütz  verlegt.  Am  27.  Dezember  erfolgte  zu 
Pressburg  der  Friedensschluss,  in  welchem  Oesterreich  an  Frank- 
reich Venedig,  Dalmatien,  Tirol  und  die  deutschen  Vorlande  abtrat 
und  dafür  Salzburg  und  Berchtesgaden  erhielt. 


306 


IHOG-lSOn. 


Obcrstlieutenant  Josef  v.  Mecsery  war  auf  Allerhöchsten 
Befehl  vom  8.  November  zur  ungarischen  Insurrektion  abgegangen, 
Oberstlieutenant  v.  Bosio  am  letzten  Oktober  wieder  in  den  Pen- 
sionsstand zurückgetreten,  dagegen  hatte  Major  Johann  Baron  Andlau 
das  Kommando  des  Reserve  -  Bataillons  übernommen,  welches  bei 
dem  Vordringen  der  Franzosen  gegen  Wien,  nach  Galizien  abmar- 
schirt  war. 

Im  Monate  Juli  1805  war  der  Befehl  erschienen,  dass  die 
Kompagnien  nicht  mehr  die  Namen  ihrer  Hauptleute,  sondern  die 
laufenden  Nummern  zu  führen  haben  und  nach  diesen  auch  zu 
benennen  sind. 

Oberlieutenant  Willi,  v.  Kozebue  wurde  mit  31.  August  1805 
zum  Generalquartiermeisterstab  transferirt,  quittirte  nach  dem  Feld- 
zug seine  Charge,  trat  in  die  kaiserlich  -  russische  Armee,  in  welcher 
er  bis  zum  General  vorrückte  und  sich  als  solcher  bedeutenden 
Ruhm  erwarb. 


Das  Regiment  stand  im  Jänner  und  Februar  1806  in  Marchegg 
und  rückte  anfangs  März  in  seine  alten  Garnisonen  nach  Wien, 
Neustadt  und  Hainburg  ein.  Das  Reserve  -  Bataillon  war  nach  Lubnitz 
marschirt  und  wurde  im  März  aufgelöst. 

Oberstlieutenant  Josef  Mecsery  wurde  mit  Generals -Befehl 
vom  8.  März  1806  wieder  von  der  ungarischen  Insurrektion  in  das 
Regiment  eingetheilt.  Major  Johann  Baron  Andlau  trat  am  15.  März 
in  den  Ruhestand  zurück;  Hauptmann  Johann  Traut  mann  des 
Grenz -Regiments  Nr.  11  wurde  am  1.  April  zum  Major  im  Regiment 
befördert  und  übernahm  nach  seiner  Einrückuug  das  Konskriptions- 
geschäft. Oberst  Philipp  v.  Faber  wurde  am  7.  Oktober  1806  von 
seiner  Stellung  in  der  Wiener  -  Neustädter  Akademie  enthoben  und 
in  das  Regiment  eingetheilt. 

Im  April  1806  wurden  die  aus  der  Gefangenschaft  zurückge- 
kehrten Offiziere  zu  Offenburg  präsentirt  und  rückten  beim  Regiment 
ein;  die  Mannschaft  kehrte  truppweise  zu  30  und  50  Mann  nach 
und  nach  zurück. 


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ISO«  -1809.  397 

f 

Im  Juni  erhielt  das  Regiment  zwei  neue  Fahnen,  welche  zu 
Wiener  -  Neustadt  mit  den  gewöhnlichen  Feierlichkeiten  geweiht 
wurden. 

Im  Dezember  1806  ergingen  einige  Aendeningen  in  der  Ad- 
justirung.  Die  bemerkbarste  in  derselben  war  die  Einführung  der 
Czako  anstatt  der  Helme.  Die  Czako  waren  von  schwarzem 
Tuche,  nach  oben  stark  ausgeschweift,  mit  einem  Sonnen-,  einem 
Nacken-  und  zwei  Seitenschirmen  versehen.  Sie  waren  vorne 
mit  einer  Schlinge  und  Kokarde  von  Messing,  sowie  mit  einer  schwarz 
und  gelben  wollenen  Kose  geziert.  Die  Offiziere  trugen  den  Czako 
in  gleicher  Form  wie  die  Mannschaft,  jedoch  ohne  Nacken-  und 
Seitenschirm  und  hatten  die  Schlinge,  Kokarde,  Rose  sowie  die 
Chargen -Abzeichen  von  Goldborden.  Die  Stabsoffiziere  erhielten  statt 
der  Helme  goldbordirte  Hüte  ohne  Federbusch. 

Major  Otto  Baron  Coletti  wurde  am  15.  Februar  1807  zum 
Regiment  Nr.  42  transferirt.  Major  Max  Graf  Lazansky  quittirte 
am  letzten  März  1807  seine  Charge;  in  seine  Stelle  wurde  Haupt- 
mann Johann  Nied  ermann  zum  zweiten  Major  ernannt. 

Mit  dem  Reskripte  vom  15.  August  1807  wurde  ein  Distinktions- 
zeichen  für  jene  Veteranen  gegründet,  welche  ihre  gesetzliche  Ka- 
pitulation bereits  hinterlegt  hatten  und  sich  reengagiren  Hessen. 
Dieses  Distinktionszeiehen  bestand  ans  zwei  Klassen  und  zwar  ein 
ovales  für  14  und  ein  sechseckiges  messingenes  Schild  mit  einer 
Trophäe  und  der  Unterschrift  „Veteranis*  fOr  20  vollstreckte 
Dienstjahre. 

In  diesem  Jahre  erhielt  die  Armee  das  vom  Erzherzog  Karl 
ausgearbeitete  Dienst  -  Reglement,  ein  Musterwerk,  welches  in  Europa 
als  das  Ausgezeichnetste  anerkannt  war.  Selbes  erhielt  sich  unver- 
ändert nahezu  40  Jahre;  sein  Geist  wird  für  ewige  Zeiten  Geltung 
behalten.  Auch  erschien  ein  neues  Abrichtungs-  und  Exerzier- 
Reglement.  Die  Kompagnien  führten  nun  Nummern  nebst  den  Namen 
ihrer  Hauptleute  und  Kapitänlieutenants,  welch'  letztere  die  Flügel- 
Kompagnien  kommandirten.  Der  Oberstlieutenant  befehligte  das  dritte, 
der  erste  Major  das  erste  und  der  zweite  Major  das  zweite  Bataillon. 
Die  Offiziere  und  Unteroffiziere  standen  theils  in,  theils  drei  Schritte 
hinter  der  Front.  Die  Tambours  und  Zimmerleute  hatten  ihren  Platz 
hinter  der  Mitte  des  Bataillons.  Die  Charge  der  Pfeifer  ging  ein; 
auch  wurde  befohlen,  dass  das  Seheibenschiessen  einen  ganzen  Monat 


1MW-1H00. 


vorzunehmen  sei  und  jedes  Bataillon  nur  eine  Fahne  zu  führen  habe. 
Die  Armee  erhielt  neue  Kriegsartikel,  40  an  der  Zahl  und  ein  neues 
Diäten  -  Normale. 

Im  Jahre  1808  stand  der  Regimentsstab  mit  der  1.,  2.,  3.  und 
4.  Kompagnie  in  Wr. -Neustadt,  die  Grenadier-Division  in  Perchtolds- 
dorf,  die  5.,  15.  und  16.  Kompagnie  in  Mödling,  6.  Brunn,  7.  Leobcrs- 
dorf,  8.  und  12.  Neustadt,  9.  Vöslau,  10.  Gainfarn,  11.  Weigels- 
dorf,  13.  und  14.  Laxenburg,  300  Mann  waren  beim  Festungsbau 
in  Ofen  und  mehrere  Offiziere,  Unteroffiziere  und  Tambours  zur 
Ablichtung  der  Landwehr  kommandirt. 

Kaiser  Franz  stiftete  am  14.  Juli  1808  zur  Verherrlichung 
des  ruhmwürdigen  Andenkens  seines  Vaters  Kaiser  Leopold  II. 
und  zur  Belohnung  besonderer  Verdienste  um  den  Kaiser  und  das 
Vaterland  den  .Leopold  -  Orden"  in  drei  Klassen. 

Oberst  Philipp  v.  Faber  wurde  im  August  1808  zum  Kom- 
mandanten der  Neustädter  Militär- Akademie  ernannt. 

Der  Inhaber  erhielt  die  Befugniss,  dein  Rechnungsführer  bei 
guter  Verwendung  den  Hauptmannstitel  zu  verleihen. 

Seit  dem  Pressburger  Frieden  waren  grosse  Veränderungen  in 
Europa  vor  sich  gegangen.  Im  Juli  1800  unterzeichneten  10  deutsche 
Fürsten,  darunter  Bayern,  Württemberg  und  Baden  einen  Vertrag, 
in  welchem  sie  als  »rheinische  Bundesstaaten"  einen  besonderen 
Bund  schlössen,  sich  vom  deutschen  Reiche  lossagten  und  in  den 
Schutz  und  die  Dienstpflicht  Frankreichs  begaben.  Am  1.  August 
wurde  der  Beschluss  dem  Reichstage  in  Regensburg  mitgetheilt  und 
die  Erklärung  abgegeben,  dass  man  das  deutsche  Reich  als  aufgelöst 
ansehe.  Da  nun  die  deutsche  Kaiserwürde  ohne  Inhalt,  Recht  und 
Gewalt  war,  erklärte  Kaiser  Franz  am  6.  August  180t3,  dass  er 
die  deutsche  Kaiserkrone  niederlege. 

Karl  der  Grosse  hatte  im  Jahre  800  die  römische  Kaiser- 
würde erneuert ;  seit  Otto  I.,  962,  war  sie  bei  dem  Reiche  deutscher 
Nation  und  seit  1438  bei  dem  Hause  Oesterreich;  Kaiser  Franz  II. 
war  der  zwanzigste  und  letzte  in  der  Reihe  der  Fürsten  seines 
Hauses,  welche  die  deutsche  Kaiserkrone  getragen.  Hinfort  nannte 
er  sich  Franz  I.,  Kaiser  von  Oesterreich. 

Im  selben  Jahre  schlössen  Preussen,  England,  Russland  und 
Schweden  eine  Koalition,  um  den  völkerrechtswidrigen  Gewaltthaten 
Napoleon 's  Einhalt  zu  thun,  jedoch  vergebens,  denn  ihre  Truppen 


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300 


wurden  in  den  Schlachten  hei  Jena,  Eylau  und  Friedland  geschlagen 
und  diese  Koalition  rausste  den  Frieden  zu  Tilsit  1807  mit  schweren 
Opfern  erkaufen.  Preussen's  Bestand  hatte  dadurch  beinahe  aufgehört. 

Terrorisirender  denn  je  griff  Napoleon  in  die  Geschicke 
Europa's.  1808  schuf  er  in  Spanien  ein  neues  Königreich;  da  aber 
dieses  Volk  sich  widersetzte,  wodurch  Napoleon  zu  bedeutenden 
Truppensendungen  gezwungen  wurde,  benutzte  Oesterreich  die  Ge- 
legenheit, um  nicht  länger  in  leideuder  Haltung  die  französischen 
Uebergrifle  zu  erdulden  und  ergrifl'  das  Schwert. 

Die  Armee  war  auf  400.000  Mann  gebracht  und  in  Korps 
eingetheilt,  die  Artillerie  verbessert  und  durch  Errichtung  der  Land- 
wehr der  Armee  eine  bedeutende  Reserve  geschaffen.  Der  ruhm- 
gekrönte und  allgemein  geliebte  Erzherzog  Karl,  Generalissimus, 
f  ührte  mit  unumschränkter  Vollmacht  den  Befehl  Ober  die  in  Böhmen 
und  Oberösterreich  sich  sammelnde  Hauptarmee,  welche  aus  sechs 
Armee-  und  zwei  Reserve- Korps  bestand.  Zwei  Korps  wurden  in 
Italien,  eines  in  Galizien  aufgestellt. 

Beim  Regiment  wurde  die  17.  und  18.  Kompagnie,  sowie  eine 
Reserve  -  Divisiou  errichtet.  Sämmtliche  Offiziere  und  Unteroffiziere, 
welche  zur  Ablichtung  der  Landwehr  kommandirt  waren,  nickten 
ein,  auch*  wurde  die  Kadeten  -  Akademie  in  Krems,  Ober  welche 
Hauptmann  Innerhofer  das  Kommaudo  führte,  aufgelöst. 

Oberstlieutenant  Josef  v.  Meesery  wurde  mit  Armee -Befehl 
vom  16.  Februar  1800  zum  Infanterie  -  Regiment  Nr.  28  transferirt, 
dagegen  der  Major  Josef  v.  Klop stein  des  Regiments  Nr.  48  mit 
gleichzeitiger  Beförderung  zum  Oberstlieutenant  in  das  Regiment 
eingetheilt. 

Das  Regiment  brach  am  25.  Februar  1800  aus  seinen  Garni- 
sonen auf  und  marschirte  auf  der  Reichsstrasse  aber  St.  Pölten, 
Enns,  Linz,  Efferding  nach  Neumarkt  in  Oberösterreich,  woselbst 
es  vom  12.  bis  30.  März  in  Kantonnirungen  stand  und  seine  Ein- 
theiluug  in  das  sechste  Armee -Korps  des  F. -M. -Lt.  Baron  Hiller, 
Division  F.-M.-Lt.  Kottulinsky,  Brigade  G.-M.  Graf  Weissen- 
wolf,  erhielt. 

Die  Grenadiere  befanden  sich  mit  den  Divisionen  von  Nr.  49 
und  63  im  Bataillon  Major  Scovaud,  beim  zweiten  Reserve-Korps 
F.-M.-Lt.  Baron  Kienmayer,  mit  fünf  Grenadier- Bataillons  in 
der  Brigade  General  d'  A  s  p  r  e. 


400 


1SOG-180». 


Laut  Eintheilungs-Liste  de9  Monats  Februar  1809  bestand  das 
Offiziers-Korps : 

Oberst-Inhaber  Erzherzog  Anton  Hoch-  und  Deutschmeister.  F.-Z.-.M. 
Oberst-Regiuients-Kominandant  Xaver  Baron  Engelhardt. 
Oberstlieutenant  Josef  von  K  1  o  {>  6  t  e  i  n. 

Major  Vincenz  0  s  t  o  i  c  h,  Job.  Niedcrmann,  Joh.  T  r  a  u  t  in  a  n  n. 
Kaplan  Johann  Kohant 
Auditor  Peter  D  i  b  o  1 1. 
Arzt  Dr.  Johann  K  c  1 1  e  r  e  r. 

Rechnungsführer  Johann  A  i  c  h  e  r  von  Aichenegg. 
Adjutant  Oberlioutenant  August  von  Witte. 

Bataillons  -  Adjutanten  Simon  C  a  r  o  v  e,  Vincenz  T  n  e  h  i,  Alexander 
Baron  Engelhardt. 


5 

Komp. 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fihnrich 

«-» 

es 
23 

Ober- 

Unter- 

Ii 

1. 

Br.  Krdtmann 

Eduard 

v.  Droste 

Georg  Sehlinger 

— 

!f 

2. 

v.  Stael 

Johann 
Bamiianti 

Josef 
Gr.  Sourvilie 



1. 

Nepomuk  Kolbe 

A  Ii  rrn  cf 

Vemersch 

Johann  Schwarz 

Urban  Wilhelm 

2. 

ÜOOlg 

Mchlfiihrcr 

Josrf  Möllmann 

Wenzel  Beohinie 

Karl  Mebfführer 
Anton  Braun 

OD 

& 

a 

Christian 
Br.  Stockhausen 

Thaddäus 
Tonetti 

Johann 
Feldmann 

Julius  Strasoldo 

* 

w 

4. 

Norbert  Krall 

Georg  Ri  kauer 

Karl  Voigt 

Johann 
Schönberger 

5. 

Franz  Beer 

Franz  Adrario 

Josef  Maurer 

Georg  Hollbein 



i;. 

Br.  Stensen 

Johann 
Montluisant 

Johann 
l'ukelhäuser 

Heorg  Miller 

 .. . ,  t  

7. 

Gilg 

Josef  Kraushaar 

Andreas  Stüter 

Caspar  Ingram 

s. 

Faber 

Josef  Rieder 

Johann  Sacher 

Johann  Eidem 

* 

.  - 

;». 

Till 

Georg  Bach 

Franz  Dietrich 

Frani  Stadler 

 4-?; 

'S 
äs 
>a 

10. 

Andujar 

Josef  Br.  Sichel 

Josef  Zipfer 

Vincens  Sellien 

» 

Wallek 

Clement  Baron 
Stockhausen 

Sigmund 
Ruspoli 

Ludwig  Meyer 

12. 

Br.  Bretton 

Franz  Riegel 

Stephan 
Kerschmar 

Ignaz  Antoine 

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ISOO^ISOD. 


401 


Bataii. 

a 

Hauptmann 

• 

Lieutenant 

Fähnrich 

© 

m 

Obcr- 

Unter- 

18. 

Schwarz 

Lugwig 
d'Hangest 

Thaddäus 

Bruckinaver 

J 

r  .    %     •       TT  L 

Ludwig  Hahn 

1  A 

14. 

Michael  r  iala 

Franz  Aumer 

Friedr.  Elsnitz 

Ludwig 
Eberling 

• 

10. 

Anton  Br. 
de  Bnrvillo 

Josef  Püller 

Josef 
Heiden8chreiter 

Franz 
Wertenfeld 

'C 
Q 

16. 

du  Chateau 



Johann  Albory 

 .  

Josef  Wurst 

Sebastian 
Wermuth 

17. 

Josef 
Innerhoffer 

David  Franz 

Georg  Roetter 

Alois  Jesehkn 

18. 

Andrä  Kosgen 

Josef  Blasius 

Frz.  Jankovich 

Philipp  Bctza 

> 

3 

1. 

Niess 

Johann  Catti 

Franz  Buell 

Anton  Reinert 

Depot- 

2. 

Göttlich 
Hahmann 

Gabriel 
Schneifels 

Melchior  Gang 

Krnst  Alstcr 

Stand  4405  Mann.  - 

-  IIS  Soldaten  we 

ber  beim  Depot. 

Am  G.  April  1800  erliess  Erzherzog  Karl  folgenden  denk- 
würdigen Armeebefehl: 

»Der  Schutz  des  Vaterlandes  ruft  uns  zu  neuen  Thaten. 
„So  lange  es  möglich  war  den  Frieden  durch  Aufopferungen  zu 
.erhalten  und  so  lange  die  Aufopferungen  verträglich  waren  mit 
„der  Ehre  des  Throns,  der  Sicherheit  des  Staates  und  mit  der 
„Wohlfahrt  der  Völker,  so  lange  schwieg  jede  schmerzliche  Empfin- 
dung in  dem  Herzen  unseres  gütigen  Monarchen.  Aber  wenn  alle 
„Versuche  fruchtlos  sind,  unsere  glückliche  Selbstständigkeit  gegen 
„den  unersättlichen  Ehrgeiz  eines  fremden  Eroberers  zu  bewahren; 
„wenn  Nationeu  um  uns  fallen  und  rechtmässige  Regenten  von  den 
„Herzen  ihrer  ünterthanen  losgerissen  werden;  wenn  endlich  die 
„Gefahr  der  allgemeinen  Unterjochung  auch  Oesterreichs  gesegneten 
„Staaten  und  ihren  ruhigen  glücklichen  Bewohnern  droht:  so  fordert 
„das  Vaterland  von  uns  seine  Rettung  und  wir  stehen  zu  seinem 
„Schutze  bereit.  Auf  Euch,  meine  tapferen  Waflfengefährten !  ruhen 
„die  Augen  der  Welt  und  Aller,  die  noch  Sinn  für  Nationalehre 
„und  Nationaleigenthum  haben.  Ihr  sollt  die  Schmach  nicht  theilen, 
„Werkzeuge  der  Unterdrückung  zu  werden;  Ihr  sollt  nicht  unter 
„entfernten  Himmelsstrichen  die  endlosen  Kriege  eines  zerstörenden 

20 


402 


ISO« -l ho». 


.Ehrgeizes  fuhren.  Ihr  werdet  nie  för  fremdes  Interesse  und  fremde 
„Habsucht  bluten,  Euch  wird  der  Fluch  nicht  treffen,  schuldlose 
,  Völker  zu  vernichten  und  auf  den  Leichen  erschlagener  Vaterlands- 
„vertheidiger  den  Weg  zum  geraubten  Throne  einem  Fremdling  zu 
„ bahnen!  Auf  Euch  wartet  ein  schöneres  Loos:  die  Freiheit 
„ Europens  hat  sich  unter  unsere  Fahnen  geflüchtet! 
«Euere  Siege  werden  ihre  Fesseln  lösen  und  Eure  deutschen  Brüder 
„  —  jetzt  noch  in  feindlichen  Reihen  —  harren  auf  ihre  Erlösung. 
„Ihr  gehet  in  rechtlichen  Kampf,  sonst  stände  ich  nicht  an  Eurer 
„Spitze.  Wir  werden  auf  den  Feldern  von  Ulm  und  Marengo,  an 
„die  uns  der  Feind  so  oft  prahlend  erinnert,  die  glorreichen  Thatcn 
„von  Würzburg  und  Üsterach,  von  Liptingen  und  Zürich,  von  Verona, 
„der  Trebbia  und  Novi  erneuern;  wir  wollen  unserm  theuern  Vater- 
„lande  einen  dauerhaften  Frieden  erkämpfen.  Aber  wir  können  das 
„grosse  Ziel  nur  durch  grosse  Tugenden  erreichen  ;  unbedingte  Folg- 
samkeit, strenge  Disziplin,  ausharrender  Muth  und  unerschütterliche 
„Standhaftigkeit  in  der  Gefahr  sind  die  Begleiter  der  wahren  Tapfer- 
keit. Nur  Einheit  des  Wirkens,  Zusammenwirken  des  Ganzen  führen 
„zum  Siege.  Seine  Majestät,  mein  Monarch  und  Bruder,  hat  mir 
„ausgedehnte  Vollmacht  zum  Belohnen  und  zum  Strafen  gegeben; 
„ich  werde  überall  in  Euerer  Mitte  sein  und  den  ersten  Dank  des 
„Vaterlandes  sollt  Ihr  von  Euerem  Feldherrn  auf  dem  Schlachtfelde 
„erhalten.  Der  Patriotismus  vieler  Edlen  Oesterreichs  ist  Euren 
„Bedürfnissen  zuvorgekommen,  er  verbürgt  Euch  das  höchste  Mass 
„der  allgemeinen  Erkenntlichkeit.  Aber  auch  die  Strafe  wird  unnach- 
,  sichtlich  jeder  Pflichtverletzung  folgen.  Das  Verdienst  wird  Belohnung, 
.das  Vergehen  Ahndung  treffen,  ohne  Rücksicht  der  Person  und  des 
„Ranges.  Mit  Schande  gebrandmarkt,  soll  der  Unwürdige  hinaus- 
„gestossen  werden,  dem  sein  Leben  theurer  ist,  als  seine  und  unsere 
„Ehre;  mit  den  Merkmalen  der  öffentlichen  Achtung  geziert,  werde 
„ich  unserem  Souverän  und  der  Welt  jene  Tapferen  vorstellen,  die 
„sich  um  das  Vaterland  verdient  gemacht  haben  und  deren  Namen 
„ich  ewig  in  meiuem  Herzen  tragen  werde.  Noch  bleibt  mir  eine 
„Erinnerung  übrig;  der  wahre  Soldat  ist  nur  dem  bewaffneteu  Feinde 
.furchtbar,  ihm  dürfen  die  bürgerlichen  Tugenden  nicht  fremd  sein. 
.Ausser  dem  Schlachtfelde,  gegen  den  wehrlosen  Bürger  und  Land- 
smann ist  er  bescheiden,  mitleidig  und  menschlich.  Er  kennt  die 
„Leiden  des  Krieges  und  sucht  sie  zu  mildern.  Ich  werde  jeden 


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403 


.muthwilügen  Frevel  um  so  strenger  ahnden,  als  die  Absicht  unseres 
,Monareheu  nicht  daliiu  geht,  benachbarte  Völker  zu  bedrücken, 
.sondern  sie  von  ihren  Bedrückern  zu  befreien  und  mit  ihren  Regeuten 
«ein  festes  Band  zur  Erwirkung  einer  dauerhaften  Ruhe  und  zur 
„Handhabung  allgemeiner  Wohlfahrt  und  Sicherheit  zu  knüpfen. 
,Bald  werden  fremde  Truppen  im  innigen  Verein  mit  uns  den 
„gemeinschaftlichen  Feind  bekämpfen ;  dann  tapfere  Waffengefährten, 
„ehret  und  unterstützet  sie  als  Euere  Brüder.  Nicht  Ruhmredigkeit, 
„sondern  männliche  Thaten  ehren  den  Krieger.  Durch  Kühnheit 
„vor  dem  Feinde  müsst  Ihr  zeigen,  dass  Ihr  die  ersten  Sol- 
daten seid.  So  führe  ich  Euch  dann  einst,  begleitet  von  der 
„Achtung  der  Feinde  und  von  dem  Dankgefühle  fremder  Nationen, 
„nach  erkämpftem  rühmlichen  Frieden  in  das  Vaterland  zurück,  wo 
„Euch  die  Zufriedenheit  unseres  Monarchen,  der  Beifall  der  Welt, 
.die  Belohnungen  der  Tapferkeit,  die  Segenswünsche  Euerer  Mit- 
bürger und  das  Selbstgefühl  verdienter  Ruhe  erwarten. 

„Erzherzog  Karl  m/p.,  Generalissimus.* 

Am  9.  April  setzte  der  Erzherzog- Generalissimus  den  Marschall 
Lefevre,  Obcrgeneral  der  französischen  Armee  in  Bayern,  von  der 
Eröffnung  der  Feindseligkeiten  in  Kenutniss  und  am  folgenden  Tage 
überschritt  die  kaiserliche  Armee  bei  Braunau,  dann  zwischen  diesem 
Orte  und  Schärding,  fernen  bei  Schärding  und  Wasserburg  den  Inn 
und  stand,  die  Bayern  in  kleinen  Gefechten  vor  sich  herdrängend, 
am  15.  auf  dem  rechten  Ufer  der  Isar. 

Das  Regiment,  welches  mit  Beibehalt  seiner  Brigade-Eintheilung 
den  F.-M.-Lt.  Vincent  zum  Divisionär  erhalten  hatte,  war  den 
Bewegungen  des  sechsten  Armeekorps  gefolgt,  welches  vereint  mit 
dem  fünften  Armee-  und  dem  zweiten  Reservekorps  (Grenadier- 
Bataillon  Scovaud)  am  10.  April  früh  4  Uhr  den  Inn  überschritt 
und  an  diesem  Tage  vor  dem  Dorfe  Stamham  unweit  Marktl  ein 
Bivouak  bezog.  Am  11.  April  folgten  die  Regiments  -  Abtheilungen 
dem  Zuge  der  drei  vereinigten  Korps  und  zwar  das  Regiment  mit 
dem  sechsten  Armeekorps  nach  Neu-Oetting,  das  Grenadier-Bataillon 
Scovaut  mit  dem  zweiten  Reservekorps  nach  Marktl,  worauf  am  12. 
das  Regiment  in  Mühldorf  und  Mössling  die  Kantonnirungen  und 
das  Grenadier  -  Bataillon  in  seinem  Korpsverbande  bei  Hohenwart 
an  der  Alp  das  Freilager  bezog.  Am  14.  brach  das  Regiment  fortan 

2«;* 


404 


l  MC  -  isno 


im  Brigadeverbando  mit  dem  Infanterie  -  Regimente  Nr.  49  von 
Mühldorf  auf,  marschirte  auf  der  Chaussee  bis  Ampfing,  wendete 
sich  dort  nördlich  gegen  Neumarkt  und  lagerte  bei  Lohkirchen; 
das  Grenadier -Bataillon  war  an  diesem  Tage  mit  dem  Reserve- 
korps über  Neu  -  Otting  bis  Stetten  marschirt. 

Aus  dem  Bivouak  bei  Mflhldorf  waren  in  der  Nacht  der  Tam- 
bour Johann  M  a  y,  die  Gemeinen  Peter  C  h  a  q  u  e  und  Jakob 
I)  e  p  r  e  meineidig  entwichen.  Sämmtliche  drei  waren  Ausländer, 
welche  im  vergangenen  Jahre  freiwillig  ins  Regiment  eingetreten.  Die 
patrouillirende  Kavallerie  wurde  derselben  habhaft  und  im  Lager 
bei  Lohkirchen  erfolgte  vor  der  Front  des  Regiments  ihre  .stand- 
rechtmässige  Hinrichtung  mit  Pulver  und  Blei. 

Am  15.  erreichte  das  Regiment  bei  äusserst  schlechtem  Wetter 
in  seinem  Korpsverbande  Aber  Ober  -  Bergkirchen  das  Städtchen 
Buchbach  und  die  Grenadiere  (Iber  Neumarkt  das  Dorf  Ekelhofen; 
am  IG.  marschirte  das  Regiment  mit  dem  sechsten  Korps  über 
Taufkirchen  bis  nach  Buch  und  die  Grenadiere  mit  dem  zweiten 
Reservekorps  in  der  Richtung  auf  Landshut  bis  zu  dem  Bauern- 
hofe Annaburg,  wo  das  vereinigte  erste  und  zweite  Reservekorps 
bivouakirten. 

Am  Morgen  des  17.  April  folgte  das  Regiment  dem  sechsten 
Armeekorps  nach  Moosburg,  wurde  dort  sehr  gedrängt  bequartirt 
und  hielt  am  18.  Rasttag,  wahrend  das  zweite  Reservekorps  nach 
Pfeffenhausen  marschirte  und  sich  mit  dem  fflnften  Armeekorps 
vereinigte.  Am  10.  kam  das  Regiment  mit  dem  sechsten  Korps 
Aber  Randlstadt  nach  Au,  wo  F.-M.-Lt.  Hill  er  den  Befehl 
erhielt,  sich  auf  das  Schleunigste  Ober  PfefTenhausen  mit  dem 
fünften  Armee-  und  zweiten  Reservekorps  zu  vereinigen,  welche  an 
diesem  Tage  bei  Siegenburg  standen  und  mittelst  der  bei  Kirch- 
dorf aufgestellten  Brigade  Thiery  die  Verbindung  mit  den  gegen 
Regensburg  operirenden  Korps  der  Hauptarmee  erhielten.  Nach  der 
Vereinigung  sollte  F.-M.-Lt.  H i  1 1  e  r  das  Kommando  der  drei 
Korps  übernehmen  und  die  Operationen  auf  Regensburg  in  Flanke 
und  Rücken  decken. 

Der  Erzherzog- Generalissimus  hatte  nämlich  den  Plan  gefasst 
nach  Regensburg  vorzurücken,  um  den  dort  aufgestellten  Marschall 
Davoust  zu  schlagen,  bevor  dieser  sich  mit  der  über  Abensberg 
erwarteten  Hauptmacht  Napoleon's  vereinigen  könne.  Desshalb 


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1806-1809. 


405 


hatte  er  am  Morgen  des  19.  in  drei  Kolonnen  den  Vormarsch  be- 
gonnen ;  weil  aber  gleichzeitig  auch  die  Franzosen  sich  von  Regens- 
burg gegen  die  Abens  in  Marsch  gesetzt  hatten,  so  waren  die 
beiderseitigen  Kolonnen  bald  auf  einander  gestossen  und  es  kam  bei 
Haufen  zum  blutigen  Gefechte. 

Schon  war  dieses  Gefecht  im  Gange,  als  F.  -  M.  -  Lt.  H  i  1 1  e  r 
den  erwähnten  Befehl  zur  Vereinigung  mit  dem  fünften  Armee-  und 
zweiten  Reserve  -  Korps  erhielt.  Es  trat  zwar  unmittelbar  nach  dem 
Abkochen  das  sechste  Korps  den  Weitermarsch  von  Au  an,  erreichte 
aber  spät  abends  erst  Mainburg  und  musste  die  angestrebte  Ver- 
einigung auf  den  folgenden  Tag  verschieben. 

Mittlerweile  hatte  das  Gefecht  bei  Hausen  für  die  Oesterreicher 
eine  ungünstige  Wendung  genommen  und  gleichzeitig  war  es  den 
Franzosen  gelungen,  nach  Zurückdrängung  der  bei  Kirchberg  auf- 
gestellten Brigade  Thiery  nach  OfTenstetten,  das  fünfte  und  sechste 
Armee-  dann  das  zweite  Reserve  -  Korps  v  on  der  übrigen  Armee  zu 
trennen.  Napoleon  war  mit  der  Hauptmacht  am  Abend  zu  Abens- 
berg eingetrofl'en ;  er  überzeugte  sich  sofort,  dass  die  unter  Kommando 
des  F.-M.-Lt.  Hill  er  gestellten  drei  Korps  durch  einen  grossen 
Zwischenraum  von  der  übrigen  Armee  getrennt  waren  und  fasste 
den  Plan  auf  der  Strasse  über  Rohr  nach  Laudshut  zu  operiren  und 
den  Generalissimus  vom  F.-M.-Lt.  Hiller  unwiederbringlich  zu 
trennen.  Zur  Ausführung  dieses  Planes  liess  Napoleon  durch  die  Mar- 
schälle Davon  st  und  La  nn  es  die  Hauptmacht  des  Generalissimus 
an  der  Laber  festhalten,  während  er  selbst  über  Kirchdorf,  Rohr, 
Rottenburg  gegen  Hill  er  vorging. 

Am  20.  April  9  Uhr  morgens  begann  die  Angriffsbewegung 
auf  Offeustetteu;  General  Thiery  zog  sich  vor  der  Uebermacht 
auf  Rohr,  wohin  der  Kommaudant  des  von  Siegenburg  auf  Ludmanns- 
dorf  zurückgedrückten  fünften  Korps  Erzherzog  Ludwig,  den 
F.-M.-Lt.  Schustek  zur  Aufnahme  der  Retirirenden  disponirte. 

Das  sechste  Armeekorps  war  am  20.  mit  Tagesanbruch  von 
Mainburg  aufgebrochen  und  marschirte  über  Attenhofen  und  Ober- 
Hornbach.  F.-M.-Lt.  Hill  er  begab  sich  voraus  nach  Ludmanns- 
dorf,  um  sich  mit  dem  Kommandanten  der  übrigen  zwei  Armee- 
korps über  die  nächsten  Massnahmen  zu  besprechen.  Während  der 
diessfälligen  Unterredung  langte  vom  F.-M.-Lt.  Schustek  der 
Rapport  an,  dass  er  von  einer  ganz  unverhältuissmässigen  Ueber- 


•100 


ISO«  — 1  SOI». 


macht  angegriffen  und  hitzig  verfolgt  sei.  Man  beschloss  sofort,  «las 
im  Anmärsche  begriffene  sechste  Korps  nach  Rohr  zu  disponiren 
und  F.  -  M.  -  Lt.  Hiller  beeilte  sich,  die  nöthigen  Anstalten  zu 
treffen. 

Die  an  der  Spitze  des  Korps  marschirende  Division  Vincent, 
dabei  das  Regiment  in  der  Brigade  G.-M.  Graf  Weissenwolf, 
wurde  zur  Unterstützung  Schustek's  beordert;  dieselbe  rückte 
gegen  Rottenburg,  in  dessen  Nähe  sie  auf  der  Chaussee  eine  Wagen- 
kolonne fand,  in  welche  bereit«  einige  feindliche  Reiter  eingedrungen 
waren  und  mit  der  Bedeckung  Schüsse  wechselten.  Es  blieb  kaum 
noch  Zeit,  einige  Kompagnien  nach  Rottenburg  zu  werfen;  aber 
auch  diese  waren  nicht  mehr  im  Stande,  die  Laber  -  Brücke  und  das 
morastige  Flussufer  gehörig  zu  besetzen,  denn  schon  kam  die  feind- 
liche Kavallerie  mit  der  österreichischen  vermischt  auf  und  neben 
der  Strasse  heran.  F.-M.-Lt.  Vincent  Hess  die  beigehabten  vier 
Eskadronen  zur  Aufnahme  des  F.-M.-Lt.  Schustek  vorgehen, 
während  die  Regimenter  Nr.  31  und  51  im  vollen  Laufe  voreilten, 
um  noch  vor  den  Franzosen  die  Höhen  hinter  Rottenburg  zu  besetzen, 
was  ihnen  auch  gelang.  Bald  nach  Besetzung  der  Höhen  erschien 
auch  der  Feind,  welchen  F.-M.-Lt.  Vincent  mit  heftigem  Kanonen- 
feuer empfing  und  zum  Stehen  brachte;  die  mittlerweile  angerückte 
Brigade  Weissenwolf  stellte  sich  links  neben  den  obgenannten 
Regimentern  auf  und  lehnte  sich  mit  ihrem  linken  Flügel  an  ein 
sehr  sumpfiges  Terrain,  wodurch  sie  gegen  die  Angriffen  der  zahl- 
reichen feindlichen  Kavallerie  in  Sicherheit  war. 

Inzwischen  war  auch  F.  -  M.  -  Lt.  H  i  1 1  e  r  zu  Rotteuburg  ange- 
kommen, um  sich  selbst  von  der  Lage  der  Dinge  zu  überzeugen. 
Er  sendete  sogleich  den  Obersten  C  z  o  1  i  c  h ,  Chef  seines  General- 
stabes, zu  dem  General  Weissenwolf  mit  dem  Auftrage,  den 
Wald  vom  Mostanerhofc,  wo  der  rechte  Flügel  des  Feindes  stand, 
anzugreifen.  Es  war  gegen  7  Uhr  abeuds,  als  das  Regiment  Deutsch- 
meister in  schönster  Ordnung  mit  fliegenden  Fahnen  und  klingendem 
Spiele  gegen  den  Wald  vorrückte  und  ihn  auch  im  ersten  Anlaufe 
mit  besonderer  Bravour  erstürmte.  Ueber  300  Bayern  wurden 
gefangen,  viele  erschossen  oder  niedergestochen  und  mit  Sieges- 
gew issheit  drangen  die  Abteilungen  im  Walde  vorwärts,  in  welchem 
die  Feinde  jeden  Abschnitt  hartnäckig  vertheidigten.  Napoleon, 
welcher  persönlich  anwesend  war,  beorderte  aber  sofort  eine  Brigade 


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ISOG-lHOft. 


407 


zur  Unterstützung  der  Bayern  in  den  Wald.  Nun  entspann  sich  ein 
mörderischer  Kampf,  Mann  gegen  Mann,  aber  das  Regiment  musste 
von  der  üebermacht  von  allen  Seiten  angefallen,  trotz  seiner  emi- 
nenten Tapferkeit  weichen.  Oberlieutenant  Carove,  dann  die 
Lieutenants  Voigt  und  Unkelhäuser  traten  au  die  Spitze  von 
160  Freiwilligen,  warfen  den  Feind  Ober  eine  Schlucht  auf  die 
bayerische  Division  zurück  und  hielten  sich  bis  zur  eingebrochenen 
Dunkelheit  in  der  so  tapfer  eroberten  Stellung.  Das  Regiment  hatte 
wieder  seine  frühere  Stellung  eingenommen  und  dessen  Verlust 
bestand  an  Todten:  Fähnrich  Alois  Jeschka  und  35  Mann,  Ver- 
wundeten und  Gefangeneu:  Hauptmann  Michael  Fiala,  Kapitän- 
Lieutenant  Josef  Baron  Sichel,  Norbert  Krall,  Oberlieutenant 
Johann  Catti,  Fähnrich  Georg  Hollbein  und  Ferdinand  Jeschka, 
welcher  während  der  Gefangenschaft  zum  Fähnrich  avancirte  und 
241  Mann  vom  Feldwebel  abwärts.  Die  10.  Kompagnie  hatte  den 
grössteu  Verlust,  denn  sie  zählte  18  Todte. 

Nach  beendetem  Kampfe  zog  sich  das  sechste  Armee -Korps 
auf  Türkenfeld  und  das  fünfte  Armee-,  sowie  das  zweite  Reserve- 
Korps  nach  Pfeft'enhausen.  Trotz  der  allgemeinen  Ermüdung  und  der 
grossen  Finsterniss  befahl  F.  -  M.  -  Lt.  H  i  1 1  e  r  den  sofortigen  Rück- 
zug an  die  Isar;  und  zwar  sollte  das  Reserve  -  Korps  diesen  beginnen, 
dann  das  sechste  und  endlich  das  fünfte  Armee -Korps  folgen. 

Landshut,  das  nächste  Ziel  des  Rückzuges,  liegt  mit  dem 
grösserem  Stadttheile  auf  dem  rechten  Isar -Ufer,  während  der 
kleinere  Stadttheil  von  einem  Arme  dieses  Flusses  eingeschlossen 
wird ;  jenseits  desselben  liegt  die  Vorstadt  Seelingenthal.  Vor  dieser 
Vorstadt  dehnt  sich  eine  sumpfige  Niederung  bis  zu  den  Dörfern 
Altdorf  und  Ergolding  aus,  über  welche  eine  einzige  lange  Damra- 
strasse an  das  Brücken  -  Detilee  von  Landshut  führt. 

Nächst  Ergolding  und  Altdorf,  also  vor  der  Dammstrasse  und 
vor  dem  Brücken  -  Defilee,  befanden  sich  die  Kolonnen  -  Magazine, 
Bagagen,  kurz  ein  sehr  namhafter  Train  und  furchtbar  wurde  die 
Verwirrung,  welche  bald  in  dem  zügellosen  Trosse  entstand,  als 
jeder  sich  bemühte,  zuerst  in  Sicherheit  zu  kommen. 

Um  also  Zeit  zu  gewinnen  die  Niederung  und  die  Brücken  zu 
passiren.  befahl  Hiller  dem  F. -M.-Lt.  Vincent  sich  mit  seiner 
verstärkten  Reiterei  bei  Altdorf  und  Ergoldingen  aufzustellen.  Hiller 
selbst  ordnete  inzwischen  die  in  einander  gerathenen  Truppen  des 


408  1800-1809. 

fünften  und  sechsten  Korps  und  liess  sie  über  die  Brücken  defiliren, 
während  das  Regiment  den  Befehl  erhielt,  sich  vor  dem  Orte  zur 
Unterstützung  des  F.-M.-Lt.  Vincent  aufzustellen.  Es  mochte 
10  Uhr  gewesen  sein,  als  das  Regiment  diesem  Befehle  nachkam. 
Bald  näherten  sich  die  Franzosen  und  zwar  Napoleon  mit  der 
Kürassier -Division  Nansouty,  mit  der  bayerischen  Division  Wrede 
und  mit  den  Württembergern  auf  der  Strasse  von  Altdorf,  Lannes 
mit  zwei  Infanterie  -  Divisionen  und  der  bayerischen  Kavallerie- 
Brigade  auf  jener  von  Ergolding.  Während  Nansouty  die  Reiterei 
des  F.-M.-Lt.  Vincent  links  und  die  Bayern  dieselbe  rechts  angriff, 
wurde  das  Regiment  beordert,  sich  auf  Landsnut  zurückzuziehen. 

Der  Anprall  der  feindlichen  Kavallerie  war  so  gewaltig,  dass 
Vincent  nicht  lange  Stand  zu  halten  vermochte  und  sich  auf 
Landshut  ziehen  musste.  Noch  vor  dem  Rückzüge  der  Kavallerie 
war  es  einem  Tlioil  des  Regiments  gelungen,  glücklich  über  die 
Isar  zu  kommen,  während  der  Rest  in  einen  heftigen  Kampf  mit 
dem  Feinde  verwickelt  wurde,  zwar  standhaft  Widerstand  leistete, 
aber  doch  bald  zum  Rückzüge  gezwungen  wurde.  Der  Adjutant 
Napoleon's,  General  Mo u ton,  stürmte  nun,  ohne  einen  Schuss 
zu  thun,  über  die  bereits  in  Brand  gesteckte  Brücke  und  es  mochte 
nicht  viel  über  1  Uhr  gewesen  sein,  als  die  Franzosen  in  die  Stadt 
eindrangen.  Hier  verbreitete  sich  das  erschütternde  Gerücht,  dass 
der  Feind  bereits  im  Rücken  von  Landshut  stehe  und  gegen  das 
Defilöe  von  Geisenhausen  dränge.  Die  Sache  hatte  ihre  Richtigkeit, 
denn  während  die  Franzosen  von  Rottenburg  her  die  geschilderte 
Verfolgung  ausführten,  hatten  sie  eiue  zweite  starke  Kolonne  über 
Moosburg  dirigirt,  welche  die  dort  postirten  schwachen  österreichischen 
Abtheilungen  geworfen  hatte  und  nun  auf  dem  linken  Ufer  der  Isar 
gegen  Landshut  vordrang. 

Sofort  beschloss  Hill  er  den  weitern  Rückzug.  F.-M.-Lt. 
K  i  e  n  m  a  y  c  r  übernahm  in  Person  das  Kommando  der  Arrieregarde, 
welche  aus  vier  Grenadier  -  Bataillone ,  hiebei  Scovaud,  und 
mehreren  Kavallerie  -  Abteilungen  gebildet  war.  Der  Feind  folgte 
dem  Nachtrabe,  welcher  mit  Ordnung  und  ruhiger  Haltung  marschirte 
und  ohne  Verlust  durch  den  Hohlweg  bei  Geisenhausen  kam.  Zwei 
schwache  Grenadier -Kompagnien  von  Deutschmeister  waren  zu  dessen 
Deckung  in  einem  Gehölze  aufgestellt  gewesen  und  befanden  sich 
beim  Rückmärsche  aus  demselbeu,  mitten  in  einer  Ebene,  plötzlieh 


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1  HO(j    1 809, 


400 


von  einer  zahlreichen  feindlichen  Kavallerie  bedroht.  Ein  Grenadier 
bemerkt  verlassene  Pulverkarren  zwischen  der  Division  und  dem 
Feinde;  er  eilt  darauf  los,  gibt  Feuer,  sprengt  sie  in  die  Luft 
und  fällt  als  Opfer  seines  Muthes ;  *)  die  Grenadiere  marschiren 
unangefochten  unter  Begünstigung  dieser  Explosion,  welche  die  Luft 
verdunkelt  und  die  Erde  erbeben  macht,  durch  die  Ebene  und  treffen 
glücklich  und  ohne  allen  Verlust  bei  ihrem  Bataillone  ein. 

Während  dem  ferneren  Rückzüge  wurde  das  Grenadier-Bataillon 
Scovaud  auf  der  Anhöhe  rechts  der  nach  Neumarkt  führenden  Strasse 
aufgestellt,  um  die  zerstreuten  Truppen  aufzunehmen  und  den  Feind 
am  Vorrücken  zu  hindern.  Bald  darauf  machten  die  Grenadier- 
Bataillone  Scovaud  und  Scharlach  die  Nachhut  des  rechten  Flügels. 
Der  Feind  besetzte  ein  an  der  Strasse  gelegenes  Gebäude,  aus 
welchem  er  diese  Bataillone  beunruhigte,  aber  daraus  vertrieben  ward. 
Scovaud  machte  nun  auf  dem  weitern  Marsche  allein  die  Nachhut 
und  hielt  das  unablässig  drängende  feindliche  Fussvolk  in  Respekt. 
Jetzt  erschien  Reiterei  und  machte  Miene,  in  Scovaud's  Gre- 
nadiere einzuhauen,  als  diese  eben  Geisenhausen  erreicht  hatten. 
Sofort  wurden  die  Eingänge  mit  Wägen  verrammelt  und  sich  vor 
der  feindlichen  Reiterei  gesichert.  Ein  bayerisches  Chevauxlegers- 
Regiment  umritt  den  Ort  und  wartete,  bis  die  Grenadiere  im  Verfolg 
des  weiteren  Rückzuges  ihn  zu  verlassen  genöthigt  sein  würden.  Sie 
traten,  um  nicht  abgeschnitten  zu  werden,  in  Massen  formirt  den 
weiteren  Marsch  an.  Mit  kaltem  Blute  wurden  die  feindlichen  Reiter 
erwartet;  50  Schritte  hatten  sie  sich  den  Massen  genähert,  da 
kommandirte  Major  Scovaud  , Feuer"  und,  dieses  wohl  angebracht, 
trieb  die  Feinde  mit  Hinterlassung  mehrerer  Todten  und  Ver- 
wundeten in  die  Flucht  und  liess  sie  von  der  weiteren  Verfolgung 
abstehen. 

Das  Regiment  war  dem  allgemeinen  Rückzüge  gefolgt,  der  in 
Folge  falscher,  durch  versprengte  Kavalleristen  verbreiteter  Nach- 
richten in  grosser  Unordnung  Über  Vilsbiburg  bis  Neumarkt  fort- 
gesetzt wurde. 


*)  Der  Name  dieses  Helden  ist  leitler  nicht  zu  eruiren.  Die  Grenadier- 
Division  weisst  in  der  vorhandenen  Standes -Liste  für  den  Monat  April  1801» 
nur  26  Gefangene  und  nicht  einen  Todten  namentlich  aus  und  doch  war  der 
Mann  vom  Regiment  Deutschmeister,  da  diess  in  allen  Berichten  und  Geschichta- 
werken  ausdrücklich  gesagt  wird. 


410 


1S06-180». 


Schwer  lässt  sich  der  Zustand  beschreiben,  in  welchem  die 
Truppen  Neumarkt  erreichten.  Seit  drei  Tagen  hatten  sie,  ohne 
abzukochen,  zwei  Gefechte  geliefert  und  waren  in  fast  beständiger 
Bewegung.  Die  erlittenen  Verluste  waren  namhaft;  vom  Regiment 
blieben  in  dem  Gefechte  bei  Landshut  Major  Vincenz  Ostoich  und 
37  Manu  todt  auf  dem  Felde  der  Ehre;  verwundet  wurden:  Oberst 
Franz  Baron  Pingelhardt,  Kapitänlieutenant  Anton  Baron  Bur- 
v  i  1 1  e ,  Lieutenant  Karl  Voigt,  Fähnrich  Franz  S  t  a  d  e  r  und 
122  Mann,  welche  Mannschaften,  da  sie  nicht  fortzubringen  waren, 
mit  noch  1147  Mann  vom  Feldwebel  abwärts,  die  grösstenteils  an 
der  Brücke  abgeschnitten  wurden,  in  feindliche  Gefangenschaft 
geriethen.  Sehr  viele  dieser  Mannschaft  rückten  nie  mehr  ein  und 
es  ist  mithin  gewiss,  da  sich  die  Leute  sehr  tapfer  schlugen,  dass 
sie  im  Kampfe  geblieben  sind. 

Dem  General  Graf  Weissenwolf  wurde  von  dem  F.-M.-Lt 
Hill  er  in  der  Relation  das  Zeugniss  gegeben,  dass  er  mit  den 
Regimentern  Deutschmeister  Nr.  4  und  Kerpen  Nr.  49  bei  den 
Angriffen  am  20.  und  21.  April  auf  einen  weit  zahlreicheren  Feind 
Alles  gethan,  was  sich  von  Unerschrockenheit  und  Tapferkeit  er- 
warten lässt. 

Noch  am  22.  April  überschritt  F.-M.-Lt.  Baron  Hill  er  mit 
dem  ihm  unterstehenden  Armeekorps  den  Inn  und  lagerte  bei  Neu- 
Oetting. 

Auf  diesem  Marsche  wurde  bei  Au  der  Oberlieutenant  David 
Franz  und  10  Mann  mit  dem  Regiments  -  Fuhrwesen  von  der 
nachfolgenden  Kavallerie  gefangen. 

Die  Trennung  der  drei  Armeekorps  von  der  österreichischen 
Hauptmacht  war  nun  entschieden  und  hätte  nur  gehoben  werden 
können,  wenn  der  Erzherzog  Karl  einen  grossen  Sieg  erfocht. 
Aber  auch  die  Gefechte,  welche  die  unter  dem  Generalissimus  ver- 
bliebenen Heerestheile  am  22.  April  den  Franzosen  lieferten  und  als 
Schlacht  von  Eggmühl  bekannt  sind,  endeten  ungünstig,  worauf  sich 
der  Erzherzog  zum  Rückzug  hinter  die  Donau  entschloss. 

Der  seit  8.  April  zu  Schärding  weilende  Kaiser  Franz  hatte 
am  23.  die  Meldung  über  den  Ausgang  der  Schlacht  bei  Eggmühl, 
sowie  über  den  notwendigen  Rückzug  hinter  die  Donau  erhalten 
und  in  Folge  dessen  alle  öffentlichen  Kassen,  Archive  u.  s.  w.  von 
Wien  nach  Pest  beordert,  wohin  der  Regierungssitz  verlegt  werden 


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1H06 — 1809. 


411 


sollte.  Gleichzeitig  dachte  man  Allerhöchsten  Orts  daran,  den 
F. -M. -Lt.  H  i  1 1  e  r  in  offensiver  Absicht  gegen  die  Donau  vor- 
rücken zu  lassen,  um  den  Rücken  der  Franzosen  zu  bedrohen,  falls 
diese  dem  Generalissimus,  welcher  den  Weg  nach  Böhmen  ein- 
schlug, nachfolgen  sollten.  Bevor  aber  noch  F.-M. -Lt.  Hiller 
diese  Allerhöchste  Willensmeinung  empfing,  hatte  er  bei  den  ersten 
Gerüchten  über  den  Ausgang  der  Schlacht  bei  Eggmühl  den  Plan 
zu  einer  Offensiv  -  Bewegung  über  Dingolfing  entworfeu.  Dieser 
Entwurf  H  i  1 1  e  r  's  basirte  jedoch  auf  der  Vermnthung,  dass  sich 
der  Erzherzog  über  Straubing  und  Passau  hinter  den  Inn  zurück- 
ziehen werde. 

F.-M. -Lt.  Hiller  theilte  seine  Truppen  in  drei  Kolonnen 
mit  drei  Avantgarden,  welch'  letztere  sich  nachmittags  am  23.  jen- 
seits des  Inn  aufstellten.  Das  Regiment  war  mit  dem  49.  Infanterie- 
Regiment,  eine  Brigade  -  Batterie  und  eine  halbe  Eskadron  Knesevich- 
Dragoner  beim  Vortrab  der  zweiten  Kolonne,  Division  F.-M. -Lt. 
Kottulinsky,  Brigade  General  Weissenwolf. 

Am  24.  April  um  3  Uhr  morgens  rückten  sämmtliche  Kolonnen 
bei  Neu-Oetting  über  den  Inn  und  näherten  sich  Neumarkt ;  F.-M.-Lt. 
Kienmayer  folgte  mit  fünf  Grenadier  -  Bataillons,  dabei  Scovaud. 
Der  Vortrab  des  Centrums  fand  den  Feind  auf  der  Strasse  jenseits 
des  Dorfes  Stetten.  So  wie  die  Bayern  die  Spitzen  der  öster- 
reichischen Kolonnen  wahrnahmen,  marschirten  sie  auf  den  Höhen 
vor  Neuniarkt  in  Schlachtordnung  auf;  ihren  linken  Flügel  stützten 
sie  auf  das  Dorf  Scherm  und  an  die  Waldungen;  der  rechte  war 
durch  Kavallerie  gedeckt. 

Die  erste  österreichische  Kolonne  manövrirte  so  ausgezeichnet 
in  die  linke  Flanke  des  Feindes  und  griff  denselben  mit  solcher 
Tapferkeit  an,  dass  er  von  Höhe  zur  Höhe  zurückgeworfen  und 
zuletzt  bis  hinter  Neumarkt  auf  die  Strasse  bei  Eklhofen  zurück- 
gedrängt wurde. 

Die  Vortheile,  welche  diese  Kolonne  erfocht,  erleichterten  der 
mittleren,  welche  sehr  kanonirt  wurde,  ihr  Vorrücken.  Die  dritte 
fand  gar  keinen  Feind  vor  sich  und  ging,  ohne  Widerstand  zu  finden, 
bis  an  den  Rottbach. 

Als  die  Bayern  ihren  linken  Flügel  weichen  sahen,  traten  sie 
mit  ihrem  Centrum  ebenfalls  den  Rückzug  an ;  allein  das  Defilee 
vor  Neumarkt,  welches  sie  im  Rücken  hatten  und  die  Uebereilung 


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412 


IHOfl-lSOfl. 


waren  Ursache,  dass  sie  dabei  ganz  in  Unordnung  geriethen.  Um 
3  Uhr  nachmittags  war  das  Gefecht  vollkommen  entschieden. 

General  Weissenwolf  folgte  dem  Vortrabe  der  zweiten 
Kolonne  nach  Neumarkt;  dort  fand  er  den  Feind  geschlagen  und 
von  den  Truppen  der  ersten  Kolonne  verfolgt;  er  ging  daher  links 
von  der  Stadt  durch  den  Rottbach,  rückte  nach  Heising  und  das 
Regiment  Deutschmeister,  welches  an  der  Spitze  marschirte,  verjagte 
alles,  was  es  von  feindlichen  Truppen  vor  sich  fand. 

Der  Verlust  des  Regiments,  welches  einige  Stunden  im  heftigsten 
Kanonenfeuer  unerschütterlich  gestanden  war,  bestand  an  Todten :  5, 
Verwundeten:  34,  darunter  Oberlieutenant  Franz  Aumer,  Franz 
Adrario,  Verraissten  12  Mann  vom  Feldwebel  abwärts. 

General  Graf  Weissenwolf  nennt  in  seiner  Relation  die 
Hauptleute  Br.  Bretton,  Mehlführer,  Rösgen,  Innerhofer 
als  die  ausgezeichnetsten. 

Am  folgenden  Tage  wollte  F. -M.-Lt.  Hill  er,  welcher  für 
diesen  glänzend  erfochtenen  Sieg  das  Kommandeurkreuz  des  Maria 
Theresien  -  Ordens  erhielt,  die  errungenen  Vortheile  weiter  ausbeuten, 
als  ihm  noch  in  der  Nacht  zum  25.  ein  Allerhöchstes  Handbillet 
zuging,  woraus  er  den  Marsch  des  Erzherzogs  Generalissimus  nach 
Böhmen  entnahm  und  sich  behufs  Deckung  der  Residenz  zum  Rück- 
züge aus  Bayern  bemüssigt  sah.  In  Folge  dessen  brachen  die  drei 
vereinigten  Korps  in  der  Früh  des  25.  April  aus  dem  Lager  bei 
Neumarkt  auf,  passirten  bei  Neu  -  Oetting  den  Inn  und  nahmen  dort 
ein  Lager.  Noch  am  selben  Abend  folgte  das  Grenadier  -  Bataillon 
Scovaud  dem  zweiten  Reserve  -  Korps,  welches  über  Marktl  nach 
\  Braunau  abgesendet  wurde,  um  die  nöthigen  Vorkehrungen  zur  Ab- 
brennung der  Inn -Brücken,  sowohl  bei  Marktl  als  bei  Braunau  zu 
treffen.  Am  26.  erreichte  das  zweite  Reserve  -  Korps  Braunau  und  an 
diesem  Tage  marschirte  F. -M.-Lt.  Hill  er  mit  dem  fünften  und 
sechsten  Korps  nach  Burghausen,  am  27.  aber  nach  Braunau.  Aber 
nur  kurze  Zeit  fanden  die  Truppen  Ruhe,  denn  noch  auf  dem  Marsche 
nach  Braunau  hatte  H  i  1 1  e  r  die  Nachricht  erhalten,  dass  der  Feind 
die  Stadt  Schärding  in  Brand  geschossen  und  nach  Zurückdrängung 
des  dort  aufgestellten  F. -M.-Lt.  Dedovich  den  Inn  passirt  habe. 
Desshalb  marschirte  Hiller  ungeachtet  des  bereits  hinterlegten 
neunstündigen  Marsches,  unmittelbar  nach  dem  Abkochen  bis  auf 
die  Höhen  bei  Weng  und  beorderte  das  zweite  Reserve  -  Korps  nach 


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413 


Altheira,  von  wo  dasselbe  am  Nachmittage  durch  Dedovich  abgelöst, 
sofort  bis  nach  Ried  rflckte.  Dort  vereinigten  sich  am  28.  die  drei 
Korps,  marschirten  am  29.  nach  Obern -Haag,  am  30.  nach  Lambach, 
am  1.  Mai  nach  Wels  und  am  2.  in  die  Stellung  vor  Linz. 

Die  französische  Armee  war  dem  F.-M.-Lt.  Hiller  in  zwei 
grossen  Abtheilungen  gefolgt.  Auf  der  Strasse  von  Straubing  nach 
Linz,  voran  der  Marschall  Masse  na,  dann  der  Marschall  Davon  st, 
endlich  der  Marschall  Bernadotte,  deren  Streitkräfte  zusammen 
eine  Truppenmacht  von  82.000  Mann  bildeten,  während  auf  der 
Strasse  von  Landshut,  Braunau,  Wels  Napoleon  mit  der  Garde, 
die  Marschälle  Lannes  und  Bessieres,  dann  der  General  Van- 
damme,  zusammen  58.000  Mann  marschirten.  Die  Streitkräfte, 
welche  F.-M.-Lt.  Hille  r  der  grossen  französischen  Armee  ent- 
gegen zu  setzen  hatte,  betrugen  zwar  im  ganzen  nicht  mehr  als 
32.000  Mann;  nichtsdestoweniger  war  er  aber  mit  dem  Vorsatze 
nach  Linz  gezogen,  dort  den  Kampf  aufzunehmen.  In  der  Nacht 
zum  3.  Mai  erhielt  jedoch  der  Feldmarschall -Lieutenant  den  Befehl 
zum  Rückzüge  auf  das  linke  Donau -Ufer,  wesshalb  er  die  Stellung 
bei  Ebelsberg  zu  gewinnen  trachtete,  um  dann  die  Donau  bei  Maut- 
hausen zu  überschreiten. 

Zur  Aufnahme  des  die  Nachhut  bildenden  F.-M.-Lt,  Schustek, 
welcher  sich  von  Maria  Scharten  gegen  die  Traun  zurückzog,  hatte 
die  Brigade  Radetzky  auf  der  Welser  Haide  Stellung  genommen, 
und  da  der  Marschall  Bessieres  zeitlich  frfl.li  am  3.  Mai  in  der 
Richtung  von  Wels  gegen  Ebelsberg  aufbrach,  so  wurde  auf  der 
Welser  Haide  schon  gekämpft,  als  Hill  er,  welchem  der  Marschall 
Masse  na,  von  Efferding  her,  mit  aller  Macht  nachrückte,  kaum 
im  Rückzüge  von  Linz  war.  Bevor  noch  das  Gros  diesen  Rückzug 
antrat,  war  der  F.-M.-Lt.  Vincent  mit  der  Brigade  Hofmeister 
auf  Klein-  München  geeilt,  um  dort  eine  Aufnahms  -  Stellung  zu 
nehmen,  durch  welche  sich  das  retirirende  Gros  und  zwar  zuerst 
das  zweite  Reserve  -  Korps,  hierauf  das  sechste,  dann  das  fünfte 
Armeekorps  und  endlich  die  Nachhut  -  Brigade  zu  ziehen  hatten. 

Kaum  als  F.-M.-Lt.  Hill  er  Linz  geräumt  hatte,  nahm 
Massena  diese  Stadt  in  Besitz,  worauf  ein  Theil  der  französischen 
Division  Claparede,  geführt  von  dem  Brigade  -  General  Coehorn, 
unverweilt  der  Nachhut  -  Brigade  folgte.  Von  Wels  her  standen  die 
Dinge  nicht  besser,  denn  gleichwie  Coehorn  von  Linz,  so  drang 


1KÖB--1K09. 


von  Wels  der  Marschall  Bessieres  mit  vollem  Ungestüm  an  die 
Traun.  Gegen  Bessieres  hatte  aber  der  General  Graf  Kadetzky 
mit  vollendeter  Meisterschaft  die  Aufnahme  des  F.-M.-Lt.  Schustek 
bewirkt  und  das  Defiliren  des  Letzteren  über  die  Traun  ermöglicht, 
worauf  Radetzky  sich  auf  Klein -München  zurückzog  und  an  den 
linken  Flügel  der  Brigade  Hofmeister  anschloss. 

Indessen  war  auch  das  Gros  des  F.-M.-Lt.  Hiller,  nach 
Ceberwindung  zahlreicher  Hindernisse,  über  die  Traun  gekommen 
und  hatte  nur  die  Brigade  Weissenwolf,  Regiment  Deutschmeister 
und  Kerpen,  a  cheval  der  Strasse  auf  dem  jenseitigen  Ufer  auf- 
gestellt, zurückgelassen.  So  wie  die  Nachhut  -  Brigade  ebenfalls  die 
Traunbrücke  passirt  hatte,  marschirte  General  Weissenwolf  mit 
seiner  Brigade  ebenfalls  hinüber  und  stellte  sich  auf  dem  linken 
Flügel  der  Höhen  hinter  Ebelsberg,  beiläufig  80Ü  Schritte  von  der 
nach  Enns  führenden  Strasse  auf. 

Bald  drangen  die  Franzosen  von  Linz  her  gegen  die  Brigade 
Hofmeister,  sowie  von  Wels  gegen  die  Brigade  Radetzky.  Um  den 
Besitz  von  Klein -München  entbrannte  nun  ein  heftiger  Kampf, 
welches  endlich  von  den  beiden  Brigaden  geräumt  werden  musste; 
Radetzky  zog  sich  nach  einem  rühmlichen  Kampfe  über  die 
Traun  zurück  und  nun  standen  nur  die  beiden  Siebenbürger  -  Regi- 
menter Nr.  .31  und  51  allein  vor  der  Brücke,  wo  sie  eiuen  engen  Raum 
inne  hatten  und  vom  Gegner  mit  einem  Hagel  von  Projektilen  über- 
schüttet wurden.  Immer  näher  rückten  die  feindliehen  Massen  der  ganzen 
Division  Claparede  und  schon  griff  man  zur  blanken  Walle,  während 
einzelne  Franzosen  die  an  der  Strasse  stehen  gebliebenen  Pulver- 
karren in  die  Luft  sprengten.  Der  Kampf  entbrannte  immer  heftiger 
und  immer  furchtbarer  wurde  sein  Bild.  Die  ganze  Macht  des  feind- 
lichen Angriffes  hatte  sich  gegen  die  wenigen  kaiserlichen  Bataillons 
gerichtet,  welche  mit  ihrer  Brust  einen  lebendigen  Wall  bildeten 
und  sich  wie  Verzweifelnde  wehrten.  Dieser  heroische  Widerstand 
hielt  den  Feind  eine  geraume  Zeit  in  der  Front  auf;  da  aber  rückten 
endlich  einzelne  französische  Abtheilungen  längs  dem  Ufer  der  Traun 
heran,  gelangten  so  in  den  Rücken  der  Vertheidiger  und  gleichzeitig 
unternahmen  die  Massen  Claparede 's  einen  neuen  gewaltigen 
Anprall.  Die  Widerstandskraft  war  jetzt  gebrochen ;  die  Bataillone 
der  Brigade  Hofmeister  betraten,  vermengt  mit  der  französischen 
Brigade  Coehorn,  die  Brücke  und  die  schmale,  geländerlosc  Bahn 


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18M-  isoi). 


415 


öffnete  für  gar  Viele  den  traurigen  Weg  in  die  schäumenden  Flutheu 
der  Traun.  Furchtbar  wurde  das  Gedränge  auf  der  Brücke,  wo 
Freund  und  Feind,  Mann  an  Mann  dicht  gedrängt,  den  Geschossen 
der  Batterien  von  beiden  Seiten  blosgestellt  war.  Es  war  ein  seltenes, 
schreckliches  Schauspiel,  dieser  verworrene  Zug  von  Oesterreichern 
und  Franzosen,  die,  umschwirrt  von  mörderischen  Projektilen,  auf 
der  langen  Brückenbahn  das  Handgemenge  fortsetzten. 

Um  diese  Zeit  erhielt  General  Weissenwolf  den  Befehl 
mit  der  Brigade  rechts  abzumarschiren  und  sich  auf  der  Haupt- 
strasse nach  Enns  mit  den  übrigen  Truppen  näher  zu  verbinden. 

Der  Brigade  Coehoru  folgte  unmittelbar  der  Rest  der  Division 
Claparede,  welche  die  von  den  Oesterreichern  besetzten  Häuser  an 
der  Brücke  erstürmte,  dann  aber  über  den  Markt  durch  das  Enuser 
Thor  bis  gegen  deu  Friedhof  und  links  gegen  das  Schloss  vordrang. 
In  diesem  entscheidenden  Augenblicke  stürzten  sich  die  Wiener 
Freiwilligen  dem  Feinde  entgegen  und  fochten,  obschon  sie  das 
erste  Mal  in's  Feuer  geführt  wurden,  mit  einer  Unerschrockenheit 
sonder  Gleichen. 

Schon  begann  ein  Theil  der  Division  Claparede  sich  über  die 
Brücke  zurückzuziehen,  als  die  ersten  sechs  Bataillone  der  nach- 
gerückten Division  Legrand  anlangten  und  über  die  Brücke  vor- 
drangen. Die  Oesterreicher  verloren  wieder  ihre  Vortheile  und  es 
begann  um  dieselben  neuerdings  ein  erbitterter  Kampf.  Da  hatte 
der  Artillerie-Korporal  Gabetta  mittelst  einer  Granate  ein  von  den 
Franzosen  nahe  an  der  Brücke  besetztes  Haus  gezündet,  das  in  Flam- 
men aufschlug  und  schnell  auch  die  nebenstehenden  Häuser  ergriff. 
Die  französische  Artillerie  und  Reiterei  konnte,  da  bald  der  ganze 
Ort  in  Flammen  stand,  nicht  folgen  und  so  vermochte  nur  die  In- 
fanterie der  Divisionen  Claparede  und  Legraud  den  von  Ebelsberg  sich 
zurückziehenden  Oesterreichern  nachzurücken.  Als  diese  die  Streit- 
kräfte des  F.  -  M.  -  Lt.  H  i  1 1  e  r  in  Schlachtordnung  auf  dem  Schilden- 
berge aufgestellt  sahen,  stellten  sie  sich  links  und  rechts  von  Ebels- 
berg in  zwei  Vierecke  auf  und  der  Kampf  würde  ohne  Zweifel 
fortgesetzt  worden  sein,  wenn  Hill  er  nicht  die  Nachricht  erhalten 
hätte,  dass  der  französische  Marschall  L  a  n  n  e  s  gegen  Steyer  und 
andere  feindliche  Abtheilungen  am  rechten  Traun -Ufer  vorrücken, 
worauf  österreichischerseits  der  weitere  Rückzug  gegen  Strengberg 
angetreten  wurde. 


416 


IM)« -ISO». 


Das  Regiment  Deutschmeister  in  Verbindung  mit  Truppen  des 
F.  -  M.  -  Lt.  Först  R  e  u  s  s  erhielt  den  Befehl,  den  Rückzug  zu  decken. 
Die  Bataillone  marschirten  hiezu  ä  cheval  der  Strasse  in  Fronte  auf 
und  empfingen  die  nachrückenden  Franzosen  mit  einem  heftigen 
Bataille- Feuer.  Oberst  Baron  Engelhardt  wurde  bald  schwer 
verwundet  und  nun  übernahm  Oberstlieutenant  v.  Klopstein  das 
Kommando  des  Regiments,  welches  abwechselnd  Bataillonsweise  eine 
Strecke  zurückging,  wieder  Posto  fasste  und  einige  Dechargen  abgab 
und  in  dieser  Art  bis  in  die  sinkende  Nacht  den  Rückzug,  so 
vortrefflich  deckte,  dass  ihm  von  allen  Generalen  das  beste;  Lob 
ertheilt  wurde.  Major  Niedermann  hatte  sich  mit  dem  ersten 
Bataillon  hervorragend  ausgezeichnet,  indem  er  einige  Mal  die  rasch 
folgenden  Franzosen  mit  dem  Bajonnet  angriff  und  zurückwarf;  auch 
werden  in  der  Relation  der  Hauptmann  Mehlführer  und  Lieute- 
nant Anton  Tichy  nebst  dem  Feldwebel  Johann  Webel  wegen 
ihrem  tapferen  und  umsichtigen  Benehmen  genannt. 

Der  Verlust  des  Regiments  bestand,  todt  vom  Feldwebel  an  32, 
verwundet  Oberst  Franz  Baron  Engelhardt,  welcher  schon  am 
8.  Mai  in  Wien  seinen  schweren  Wunden  erlag,  Hauptmann  Christian 
Baron  Stockhausen,  Oberlieutenant  Thaddäus  Bruckmayer, 
Fähnrich  Johann  Schönberger  und  137  Mann,  Gefangene  184, 
vermisst52  Mann.  Hauptmann  Stockhausen  und  Fähnrich  Schön- 
berger geriethen,  sowie  alle  verwundete  Mannschaft,  da  die  Wagen 
zum  Fortbringen  fehlten,  in  Gefangenschaft. 

Um  11  Uhr  nachts  hatten  sämmtliche  Truppen  die  Enns  über- 
schritten, worauf  die  Brücke  den  Flammen  Preis  gegeben  wurde. 

Das  zweite  Reserve -Korps  (Grenadier -Bataillon  Scovaud)  war, 
nachdem  es  die  Traun  bei  Ebelsberg  überschritten  hatte,  vorerst 
hinter  diesem  Orte  aufgestellt ;  es  wurde  später  gegen  Asten  disponirt, 
und  rausste  endlich  die  von  Ebelsberg  retirirenden  Korps  aufnehmen, 
worauf  es  die  weiteren  Schritte  des  Gegners  aufhielt  und  um  10  Uhr 
nachts  den  Rückzug  antrat. 

Zeitlich  früh  am  4.  brachen  sämmtliche  Truppen  aus  ihren 
Bivouaks  auf  und  marschirten  bis  Amstetten ;  die  Division  Kottulinsky 
stellte  sich  zwischen  Zeilern  und  Amstetten  auf.  Vor  dem  Abmärsche 
erhielt  Obcrstlieutenant  von  Klopstein  den  gemessenen  Befehl, 
sich  mit  dem  dritten  Bataillon  und  einer  Division  Lichtenstein- 
Huszaren  an  der  Enns  aufzustellen,  dem  Feinde  den  Uebergang  zu 


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1808— -1  $00, 


417 


verwehren  und  sich  bis  abends  8  Uhr  zu  halten,  auch  wenn  er  ganz 
umrungen  würde;  als  Belohnung  für  diese  Aufopferung,  wodurch 
die  Armee  gerettet  würde,  erhielt  er  den  Maria- Theresien  Orden 
zugesagt. 

Oberstlieutenant  v.  Klopstein  theilte  dem  Bataillon,  welches 
kaum  300  Mann  in  seinen  Reihen  zahlte,  den  erhaltenen  ehrenvollen 
Auftrag  mit,  worauf  alle  sich  bereit  erklarten,  tapfer  bis  zum  letzten 
Mann  zu  streiten.  Hierauf  wurden  die  am  rechten  Ufer  liegenden 
Häuser  des  Ortes  Ennsdorf,  sowie  die  in  der  Nacht  verfertigten 
Aufwürfe  rechts  und  links  an  der  Brücke  besetzt,  hinter  den  Hausern 
die  Reserve  verdeckt  aufgestellt  und  beide  Flanken  durch  Offiziers- 
Piquets,  sowie  die  entferntere  Gegend  längs  dem  Flusse  durch 
Huszaren- Patrouillen  gesichert,  welche  die  hiezu  kommandirte  erste 
Majors -Division  von  Lichtenstein -Huszaren  Nr.  7  unter  Kommando 
ihres  Majors  Josef  Garnica  versah. 

Um  7  Uhr  früh  erschien  eine  französische  Kavallerie -Patrouille 
von  30  Mann,  welche  das  linke  Ufer  und  die  Brücke  rekognoszirte. 
Schon  diesen  wurde  die  Anwesenheit  der  Deutschmeister  durch 
einige  wohlgezielte  Schüsse  kund,  welche  mehrere  Reiter  und  Pferde 
niederstreckten.  Bald  darauf  erschienen  zwei  Kavallerie  -  Regimenter 
in  zwei  Kolonnen,  welche,  von  den  Liniengeschützen  empfangen, 
sofort  die  Enns  aufwärts  gegen  Steyer  abschwenkten. 

Etwa  eine  halbe  Stunde  später  erschien  die  französische  Infanterie 
in  dicht  geschlossenen  Kolonnen  und  marschirte  links  von  Enns  auf 
der  Anhöhe  auf.  Zwei  Kanonen  eröffneten  gleichzeitig  das  Feuer 
gegen  die  hinter  Ennsdorf  aufgestellte  Huszaren -Division  und  eine 
Batterie  gegen  die  Stellung  des  Bataillons,  jedoch  ohne  alle  Wirkung, 
da  sämmtliche  Kugeln  zu  hoch  gingen.  Da  der  Feind  diess  selbst 
zu  bemerken  schien,  setzte  er  noch  eine  Batterie  in's  Feuer,  welche 
nun  die  Stellung  des  Bataillons  mit  einem  Hagel  Projektilen  über- 
schüttete. Obgleich  einige  Soldaten  schwer  verwundet  wurden,  zeigte 
die  Mannschaft  doch  die  grösste  Entschlossenheit  in  Behauptung 
ihres  Postens. 

Um  die  Mittagszeit  brachte  der  Feind  eine  grosse  Feuerspritze 
an  die  Brücke,  um  den  Brand  derselben  zu  löschen,  was  bei  der 
Mannschaft  grosse  Heiterkeit  erzeugte.  Nachdem  einige  Franzosen 
erschossen  wurden,  Hessen  die  übrigen  die  Spritze  im  Stich  und  eilten 
im  vollen  Lauf  und  unter  dem  Gelächter  der  Deutschmeister  zurück. 

27 


418 


IS©«- IHM. 


Gegen  2  Uhr  fuhr  der  Feind  gegenüber  dem  rechten  Flügel- 
Piquet  vier  Kanonen  auf,  die  sogleich  ein  heftiges  Feuer  eröffneten. 
Unter  dieser  Protektion  liess  er  drei  grosse  Pontons  in  das  Wasser, 
in  welchen  je  50  Mann  Platz  nahmen  und  sofort  gegen  das  dies- 
seitige Ufer  ruderten.  Trotz  dem  heftigen  Kanonenfeuer  stellten  sich 
Lieutenant  Tichy,  Korporal  Franz  Kugler,  Anton  Kleinert, 
Josef  Seemayer,  Gefreiter  Franz  Linkhauer,  Josef  Fuchs  mit 
den  Gemeinen  Josef  Daiba,  Josef  Pflanzer,  Rick  und  Schmid 
diesen  Feinden  kühn  entgegen  und  vereitelten  nicht  nur  deren 
Landimg,  sondern  brachten  ihnen  auch  sehr  nahmhafte  Verluste  bei. 
Jede  Kugel  traf  in  den  vollgepfropften  Schiften  ihren  Mann  und 
obgleich  auch  aus  diesen  ein  heftiges  Gewehrfeuer  unterhalten  wurde, 
wodurch  der  Gefreite  Linkhauer  und  die  Gemeinen  Rick  und 
Schmid  schwere  Wunden  erhielten,  so  musste  der  Feind  doch 
zurück,  die  Schiffe  verlassen  und  in  der  Flucht  sein  Heil  suchen. 
Mehrere  Huszaren  waren  bei  dieser  Gelegenheit  von  ihren  Pferden 
abgesessen  und  hatten  mit  ihren  Karabinern  wacker  mitgefeuert. 

Das  feindliche  Kanonenfeuer  hatte  inzwischen  auf  der  ganzen 
Linie  fortgewährt,  welches  Oberstlieutenant  v.  Klopstein  mit 
seinen  zwei  Geschützen  zwar  schwach,  aber  mit  sichtbar  gutem 
Erfolge  beantworten  liess;  auch  waren  zahlreiche  Plänklerschwärme 
an  das  jenseitige  Ufer  vorgedruugen  und  so  währte  das  gegenseitige 
Feuer  bis  zum  Einbrüche  der  Nacht  ununterbrochen  fort.  Um  diese 
Zeit  kamen  die  beiden  feindlichen  Kavallerie  -  Regimenter  von 
Steyer  zurück  und  einzelne  Trupps  versuchten  durch  die  Enns  zu 
schwimmen,  wurden  aber  durch  gut  angebrachte  Schüsse  mit  Verlust 
zurückgetrieben. 

Zum  Schluss  rückten  1000  Franzosen  vor  und  eröffneten 
ein  heftiges  Bataillefeuer,  welches  aber  ebenso  kräftig  erwidert 
wurde  und  als  es  dunkel  wurde  nach  und  nach  gänzlich  ver- 
stummte. 

Es  war  gegen  10  Uhr  abends,  als  der  Oberstlieutenant  von 
Klopstein  das  Bataillon  raillirte,  welches  29  meistens  schwer 
Verwundete  zählte.  Die  Aufgabe  war  glänzend  gelöst.  300  Deutsch- 
meister hatten  eine  französische  Armee  -  Division  einen  ganzen  Tag 
aufgehalten  und  dadurch  den  Korps  des  F.-M. -Lt.  Hille r  die 
Gelegenheit  geboten,  in  aller  Ruhe  Amstetten  zu  erreichen  und 
noch  am  selben  Abende  nach  Blindenmarkt  zu  marschiren. 


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410 


Höchst  schmerzlich  war  es  für  das  Bataillon,  die  braven  ver- 
wundeten Kameraden  zurücklassen  zu  müssen,  denn  es  fehlten  alle 
Transportsmittel.  Da  die  Brückenjoche  bis  an  das  Wasser  abgebrannt 
waren,  setzte  sich  das  Bataillon  mit  den  Huszaren  in  Marsch,  traf 
dann  in  der  Nacht  auf  die  Division  Schustek,  welche  zu  seiner 
Aufnahme  aufgestellt  war  und  die  Deutschmeister  mit  einem  Jubel- 
geschrei empfing.  Nach  eiuer  kurzen  Rast  marschirte  das  Bataillon 
am  5.  um  3  Uhr  früh  im  Verein  mit  dieser  Division  über  Oed  und 
stellte  sich  dann  zwischen  diesem  Orte  und  Amstetten  auf. 

Die  drei  Armeekorps  hatten  am  4.  Mai  Strengberg  erreicht, 
marschirten  nach  dem  Abkochen  bis  Amstetten,  erreichten  am  5. 
Kemmeibach,  am  6.  Melk,  marschirten  am  7.  über  St.  Pölten  bis 
Meidling  bei  Wolfing;  das  zweite  Reserve  -  Korps  bis  Göttweig  bei 
Furt,  passirten  am  8.  bei  Mauthern  die  Donau  und  bezogen  die 
Kantonnirungen.  Das  dritte  Bataillon  mit  der  Division  Schustek 
hatte  dieselben  Marsche  zurückgelegt  und  traf  am  9.  beim  Re- 
giment ein,  welches  um  Grafenwörth,  die  Grenadiere  in  Langenlois 
kantonnirten. 

Dem  Marsche  des  F.  -  M.  -  Lt.  Hille  r  über  die  Donau  lag 
die  angestrebte  Verbindung  mit  dem  Generalissimus  zum  Grunde; 
allein  während  sich  die  Oesterreicher  jetzt  auf  dem  linken  Donau- 
Ufer  befanden,  eilte  Napoleon  auf  dem  rechten  Ufer  gegen 
Wien  und  schon  am  9.  Mai  erhielt  H  i  1 1  e  r  von  dem  Komman- 
danten der  bedrohten  Residenz  Erzherzog  Maximilian  die  Auf- 
forderung, sofort  nach  Wien  zu  marschiren.  Unter  Avantgarde  des 
zweiten  Reserve-Korps  brach  H  i  1 1  e  r  am  10.  nach  Kirchberg  auf, 
marschirte  nach  dem  Abkochen  bis  Pettendorf  und  sendete  das 
Reserve-Korps,  welches  an  diesem  Tage  bereits  in  Korneuburg  ein- 
getroffen war,  nach  zwei  Raststunden  bis  .1  Allersdorf  am  Spitz.  Am 
11.  um  7  Uhr  früh  war  das  zweite  Reserve-Korps  bereits  am  Spitz 
eingetroffen,  das  fünfte  und  sechste  Korps  aber  marschirten  an 
diesem  Tage  über  Korneuburg  gegen  die  Residenz,  wohin  die 
Division  Vincent  vorangeeilt  war  und  zwischen  Jedlersee  und  Jedlers- 
dorf  am  Spitz  Aufstellung  genommen  hatte. 

Eben  als  das  zweite  Reserve-Korps  am  Spitz  eintraf,  besetzten 
die  Franzosen  die  Vorstädte  Mariahilf,  Laimgrube,  Lerchenfeld  und 
Rossau;  am  Abend  des  11.  rückten  die  Grenadier  -  Bataillone  unter 
F.-M.-Lt.  Kienraaycr  nach  Wien  und  besetzten  die  Leopold- 

U7* 


420 


1*00-1  NO». 


stadt,  sowie  die  innere  Stadt,  welche  Napoleon  in  der  folgenden 
Nacht  aus  Haubitzen  bewerfen  Hess.  Gleichzeitig  okkupirten  die 
Franzosen  das  Landhaus  im  Prater  uud  da  Napoleon  jetzt  leicht 
in  der  Lage  war,  die  Verbindung  der  Residenz  mit  dem  linken 
Donau -Ufer  aufzuheben,  verliess  Erzherzog  Maximilian  am 
Morgen  des  12.  Mai  mit  dem  grössten  Theile  der  Besatzung  Wien, 
ging  auf  das  linke  Donau -Ufer  und  brannte  hinter  sich  die  Tabor- 
brOcke  ab.  Der  in  Wien  zurückgebliebene  F.-M.-Lt.  Graf  O'Reilly 
musste  die  Residenz  dem  Feinde  mit  Kapitulation  Obergeben. 

Die  vom  Regiment  in  Wien  stationirte  Depot -Division  in  der 
Stärke  von  11  Offizieren  und  2050  Rekruten,  wovon  der  grösste  Theil 
erst  vier  bis  acht  Tage  diente,  mithin  nicht  das  mindeste  vom 
Dienst  und  Exerzieren  kannte,  war  am  0.  Mai  auf  dem  Wall  zwischen 
dem  Schotten-  und  Neuthor  aufgestellt,  besetzte  die  Batterie  Nr.  10 
und  blieb  die  Nacht  in  dieser  Stellung  ohne  vom  Feinde  beunruhigt 
zu  werden.  Frflh  G  Uhr  marschirte  Fähnrich  Reinert  mit  4  Kor- 
porals und  50  Gemeinen  als  Eskorte  der  Arrestanten  des  Stabsstock- 
hauses nach  Brünn.  Gegen  7  Uhr  wurde  die  Division  in  den  Häusern 
am  Hof,  Freiung  und  Tuchlauben  bequartirt,  musste  aber  dann 
sogleich  wieder  auf  den  Wall  rücken,  da  einzelne  französische  Reiter 
durch  das  Kärntnerthor  bis  in  die  Stadt  sprengten.  Um  11  Uhr 
mittags  besetzten  von  der  Division  6  Offiziere  und  G00  Mann  den 
Burgwall  von  der  Limonade  -  Hütte  bis  an  die  Melker  -  Bastei  und 
die  Batterien  Nr.  7  und  8,  dann  1  Offizier  mit  50  Mann  das  ver- 
rammelte Burgthor,  G00  Mann  unter  Hauptmann  Schwarz  und 
Oberlieutenant  Kraushaar  blieben  als  Reserve  am  Burgplatz,  die 
übrigen  600  Mann  wurden  in  den  Häusern  am  Michaelerplatz  und 
Kohlmarkt  bequartirt  und  hier  von  den  biederen  Bewohnern  mit 
Speise  und  Trank  im  Ueberfluss  versehen.  Die  Bürger  -  Garde  hatte 
den  Wall  von  der  Melker-  bis  zur  Schotten  -  Bastei  besetzt. 

Am  11.  Mai  wurde  Oberlieutenant  Kraushaar  mit  3  Offiziers 
und  160  Mann  in  dem  Vorwerk  vor  dem  Kärntnerthor  aufgestellt. 
Abends  Schlag  9  Uhr  eröffnete  der  Feind  ein  heftiges  Kanonenfeuer 
aus  den  hinter  den  kaiserlichen  Stallungen  errichteten  Batterien, 
welches  die  ganze  Nacht  bis  gegen  4  Uhr  morgens  währte  und  wo- 
durch mehrere  Häuser  in  Brand  geschossen  wurden.  Um  11  Uhr 
nachts  unternahm  der  Feind  einen  Angriff  gegen  das  Vorwerk,  ging 
aber,  mit  einem  heftigen  Bataillefeuer  begrflsst,  bald  zurück.  Die 


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ISO«  -1S09. 


421 


Besatzung  in  diesem  Werke  konnte  nicht  viel  leisten,  da  wie  gesagt, 
die  Rekruten  mit  den  Waffen  gar  nicht  umgehen  konnten,  desto 
besser  machte  aber  die  brave  Börgergarde  ihre  Sache,  die  trotz  dem 
feindlichen  Geschützfeuer,  welches  ihre  Stellung  mit  Granaten  und 
Kartätschen  überschüttete,  nicht  nur  wacker  Stand  hielt,  sondern 
ein  so  ausgiebiges  Bataillefeuer  unterhielt,  dass  die  Franzosen  recht 
bald  umkehrten. 

Am  12.  morgens  gegen  8  Uhr  wurde  das  Feuer  beiderseits 
eingestellt  und  am  13.  die  Kapitulation  abgeschlossen,  worauf  der 
französische  General  Andreossi  mit  den  Oudinot'schen  Grenadiers 
in  Wien  einrückte  und  die  Besatzung  in  die  Kriegsgefangenschaft 
abmarschirte.  Dieses  Loos  traf  vom  Regiment  die  Hauptleute  Faber 
und  Nies,  Oberlieuteuant  Kraushaar,  Wissiak,  Witte,  Rieder, 
Fähnrich  Bechinie,  Braun,  Grampaire,  Baron  Synnot  und 
Fischer.  Die  Fähnriche  waren  eben  aus  der  Neustädter-  und  In- 
genieur-Akademie ausgemustert  worden.  Den  grössten  Theil  der 
Mannschaft,  denn  nur  640  Mann  geriethen  in  Gefangenschaft,  ver- 
sahen die  patriotischen  Bürger  Wien's  mit  Civilkleidcrn  und  hielten 
sie  mit  Gefahr  ihres  Lebens  und  Eigenthums  in  den  Häusern 
verborgen. 

Die  früher  von  Wien  abgezogenen  Truppen  traten  unter  Kom- 
mando des  F.-M.-Lt.  Hill  er,  der  noch  am  12.  Mai  mit  dem 
fünften  und  sechsten  Armeekorps  bei  Stammersdorf  und  mit  dem 
zweiten  Reserve  -  Korps  bei  Seyring  das  Lager  bezog. 

An  dem  Tage,  als  die  Kapitulation  der  Residenz  vollzogen 
wurde,  erhielt  die  Brigade  Weissenwolf,  welche  durch  die  drei 
Landwehr -Bataillone  4,  5  und  0  verstärkt  worden  war,  um  6  Uhr 
abends  den  Befehl,  dem  Feinde  die  Nussdorf  gegenüber  liegende 
Insel  „schwarze  Lacken"  wegzunehmen.  Hiezu  wurde  das  Regiment 
Kerpen  Nr.  49  und  das  Landwehr  -  Bataillon  Obergefall  Nr.  6  be- 
stimmt, während  das  Regimeut  Deutschmeister  in  nächster  Nähe 
Stellung  nahm.  Das  Regiment  Nr.  49  und  die  Landwehr  griffen  die 
französischen  Grenadiere,  welche  die  Insel  hartnäckig  vertheidigten, 
mit  wahrem  Heldenrauthe  au ;  lange  währte  der  Kampf  bis  es  dem 
Major  O'Bricn  durch  das  Wasser  watend  gelang,  dem  Feinde  in 
die  Flanke  zu  fallen,  worauf  er  total  geschlagen  mit  dem  Verluste 
vieler  Offiziere  und  500  Mann  die  Insel  räumte.  Nun  wurde  die 
Insel  durch  das  Regiment  Deutschmeister  besetzt,  welches  in  der 


422 


1S06-1809. 


Nacht  die  wiederholten  Versuche  des  Feindes,  sich  wieder  in  deren 
Besitz  zu  setzen,  blutig  abwies.  Bei  diesem  Nachtkample  hatte  das 
Regiment  2  Todte  und  5  Verwundete. 

Es  wurde  nunmehr  die  Bestimmung  der  Brigade,  den  Feind 
in  jeder  Art  zu  hindern,  sich  der  Insel  wieder  zu  bemächtigen.  Die 
schwarze  Lacken  wurde  verschanzt,  mit  Kanonen  besetzt  und  taglich 
kamen  zwei  Bataillons  auf  Vorposten;  der  Rest  stand  im  Bivouak 
bei  Strebersdorf.  Leider  entging  dadurch  dem  Regiment  die  ersehnte 
Gelegenheit,  an  dem  ewig  denkwürdigen  Siege  der  Hauptarmee  am 
21.  und  22.  Mai  Theil  zu  nehmen  und  war  dabei  nur  durch  seine 
Grenadiere  vertreten. 

Der  Brigadier  des  Regiments,  G. -M.  Graf  Wei ssenwolf, 
hatte  eine  anderweitige  Bestimmung  erhalten  und  Oberstlieutenant 
v.  Klopstein  übernahm  ad  interim  das  Brigade  -  Kommando. 
Major  Niedermann  kommandirte  in  Folge  dessen  das  Regiment, 
Hauptmann  Baron  Erdmann  und  Drohn  spater  das  erste  und 
zweite  Bataillon. 

Nach  der  Einnahme  von  Wien  breitete  sich  die  französische 
Armee  in  der  Umgegend  aus.  Napoleon  wollte  das  linke  Donau- 
Ufer  gewinnen;  er  entschied  sich  für  den  Uebergang  unterhalb 
Kaiser  -  Ebersdorf  und  besetzte  die  Insel  Lobau.  Der  Generalissimus, 
welcher  am  17.  Mai  sich  mit  dem  F.-M.-Lt.  Hill  er  vereinigt 
hatte  und  Höchstweicher  jetzt  mit  der  Armee  zwischen  dem  Bisam- 
berge und  dem  Russbache  (die  Grenadiere  bei  Seyring)  lagerte,  setzte 
seinem  Gegner  keine  Hindernisse  entgegen;  der  Landstrich  vom 
Bisamberge  bis  an  die  ungarische  Grenze  heisst  das  Marchfeld.  Hier 
hatte  Rudolf  von  Habsburg,  der  Stammherr  unseres  erlauchten 
Herrscherhauses  vor  mehr  als  einem  halben  Jahrtausend  seinem 
Geschlechte  die  Herrschaft  über  diese  Länder  erstritten.  Herzog  von 
Lothringen  erwartete  hier  die  Polen,  um  mit  ihnen  die  Türken 
zu  vertreiben.  Nun  lagerte  auf  diesem  Boden  wieder  eine  öster- 
reichische Armee,  bereit  mit  einem  mächtigen  Feinde  zu  kämpfen 
für  des  Landes  Recht  und  Freiheit. 

Die  Franzosen  begannen  am  20.  Mai  auf  drei  Brücken  den 
Uebergang  in  die  Insel  Lobau,  rückten  dann  mit  mehreren  Bataillons 
und  Eskadronen  auf  einer  vierten  Brücke  über  den  schmalen  Arm, 
wurden  aber  von  der  österreichischen  Reiterei  in  die  Auen  zurück- 
geworfen. Da  die  Brücke  noch  am  selben  Abende  durch  Hochwasser 


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18ÖÄ — 1800. 


423 


zerstört  und  erst  in  der  Nacht  wieder  fertig  wurde,  rückte  die  Haupt- 
masse erst  am  Morgen  des  21.  auf  das  linke  Ufer;  zuerst  das  Korps 
Massena,  dann  die  Garde,  zwei  Divisionen  Kürassiere  und  eine  In- 
fanterie-Division vom  Korps  Lannes,  ungefähr  30.000  Mann. 
Massena  besetzte  Asperu,  Lannes  Esslingen,  zwischen  diesen 
Dörfern  stellten  sich  die  Kürassiere,  hinter  diesen  die  Garden  und 
Grenadiere.  Die  Franzosen  waren  ungewiss,  wo  sie  die  Oesterreicher 
treffen  würden :  in  der  Nacht  hatten  sie  an  den  langen  Feuerstreifen 
erkannt,  dass  die  Armee  am  Bisamberge  lagere.  Die  österreichische 
Armee  hatte  in  den  letzten  Tagen  die  Ruhe  genossen,  deren  sie 
nach  so  vielen  Anstrengungen  und  in  der  Erwartung  einer  bevor- 
stehenden Schlacht  bedurfte.  Man  hatte  den  Uebergang  bei  Nuss- 
dorf  erwartet,  als  jedoch  am  19.  die  Vorposten  meldeten,  dass  die 
Franzosen  auf  die  Lobau  übersetzten,  Hess  Erzherzog  Karl  die 
Avantgarde  K 1  e  n  a  u  's  eine  Rekognoszirung  vornehmen,  bei  welcher 
unsere  Reiter  den  Feind  überall  zurückwarfen  und  die  Bestätigung 
des  Ueberganges  keinem  Zweifel  mehr  unterlag.  Am  20.  hatte  die 
Avantgarde  den  Befehl,  sich  in  dem  Maasse  wie  der  Feind  sich 
ausbreiten  würde,  zurückzuziehen,  denn  der  Erzherzog  hatte  die 
grosse  Absicht,  den  Feind  in  dem  Augenblicke,  wo  derselbe  vor- 
rücken und  sich  zu  entwickeln  suchen  würde,  anzugreifen  und  in 
einer  grossen  Entscheidungsschlacht  über  die  ersten  Donauarme 
zurückzuwerfen,  während  zugleich  durch  vorbereitete  Schilfe  die 
Brücken  zerstört  werden  sollten. 

Noch  am  Abende  des  20.  erliess  der  Erzherzog  den  Schlacht- 
befehl mit  den  Worten:  »Morgen  ist  Schlacht,  das  Schicksal  der 
.Monarchie  hängt  von  ihr  ab,  ich  werde  meine  Schuldigkeit  thun 
„und  erwarte  dasselbe  von  der  Armee.' 

Kaiser  Franz,  welcher  bei  der  Armee  eingetroffen  war,  über- 
nachtete in  Wolkersdorf.  Napoleon  auf  der  Lobau;  die  Truppen 
blieben  in  ihren  früheren  Stellungen. 

Sowie  am  21.  Mai,  es  war  der  erste  Pfingsttag,  der  Morgen 
graute,  Hess  Erzherzog  Karl  die  Armee  in's  Gewehr  treten  und 
formirte  sie  in  zwei  Treffen  auf  der  sanften  Höhe  hinter  Gerasdorf, 
zwischen  dem  Bisamberge  und  dem  Russbache.  Als  die  Kolonnen 
den  Marsch  antraten,  sang  alles  mit  lauter  Stimme  unter  Begleitung 
der  Feldmusik  das  Volkslied:  „Gott  erhalte  Franz  den  Kaiser!' 
Um  9  Uhr  des  Morgens  liess  der  Erzherzog  Karl  die  Gewehre  in 


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1H06-1H09. 


Pyramiden  stellen  und  abkochen.  Auf  die  Meldung  des  Postens  am 
Bisamberge,  dass  die  Brücke  Ober  die  Donau  hinter  der  Lobau  voll- 
endet sei  und  dass  über  dieselbe,  sowie  auf  Fahrzeugen  unausgesetzt 
Truppen  in  die  Insel  defiliren,  sowie  auf  die  Meldung  der  Vorposten, 
dass  sich  der  Feind  allmälig  in  Stadl-Enzersdorf,  Esslingen  und  Aspern 
ausbreite  und  gegen  Hirschstätten  vorrücke,  erkannte  Erzherzog  Karl, 
dass  der  rechte  Augenblick  erschienen  sei,  die  Schlacht  zu  beginnen. 
Rasch  begab  er  sich  nach  Gerasdorf,  die  Bataillone  ergriffen  die 
Gewehre,  die  Offiziere  sprachen  ihre  Soldaten  an.  Um  12  Uhr 
mittags  brachen  die  Kolonnen  auf  und  marschirten  fest  geschlossen 
auf  den  bestimmten  Wegen  zur  Schlacht  wie  zu  einer  Parade.  Vor 
Süssenbrunn  stand  der  Kaiser.  «Seid  brav  meine  Kinder,  Gott  wird 
euch  segnen!"  rief  dieser  hart  geprüfte,  allgeliebte  Vater  seiner 
Völker  mit  bewegter  Stimme  und  thränenvollem  Blicke.  Ein  all- 
gemeines begeistertes  .Lebehoch*  ertönte  aus  allen  Kehlen  und 
diente  als  heiliger  Schwur:  Blut  und  Leben  für  Kaiser  und  Vater- 
land unbedingt  zu  opfern. 

103  Bataillone,  148  Schwadronen,  ungefähr  75.000  Mann  mit 
288  Geschützen,  die  beste  Armee,  welche  der  Erzherzog  Generalissimus 
in  seinem  ruhmreichen  Leben  in's  Feuer  führte,  rückten  nun  in  fünf 
Kolonnen  vor.  Wer  diese  Armee  gesehen  in  ihrer  Mannigfaltigkeit, 
in  ihrer  Krall  und  Bewegung,  in  ihrem  unwandelbaren  Gehorsam, 
dem  stellte  sich  ein  Bild  des  vielgestaltigen  Oesterreich  dar.  Deutsche, 
Czecheu,  Kroaten,  Ungarn,  Rumänen  waren  hier  vereinigt:  alle  von 
einem  Geiste  geleitet  und  allo  bereit,  Tod  und  Verderben  in  die 
Reihen  der  Feinde  zu  tragen.  Wohl  waren  die  Uniformen  abgetragen, 
theilweise  sogar  die  Schuhe  zerrissen,  aber  die  Ehre  und  die  Waffen 
waren  blank,  die  Fahnen  wehten  unbefleckt  in  den  Lüften,  der  Muth 
hoch,  die  Herzen  schlugen  freudig. 

Die  erste  Koloune  führte  Hill  er  gegen  Stadlau  und  Aspern, 
die  zweite  und  dritte  unter  Bellegarde  und  Holl en zoll ern 
über  Breitenlee  ebenfalls  gegen  Aspcrn,  Rosen berg  die  vierte 
nach  Esslingen,  die  fünfte  Dedovich  Über  Enzersdorf  an  die  Donau. 
Den  Raum  zwischen  der  Mitte  und  dem  linken  Flügel  füllte  die 
Kavallerie-Reserve  unter  Johann  Lichtenstein  aus;  die  Grenadiere, 
dabei  die  Regiments- Division,  blieben  bei  Gerasdorf. 

Napoleon  hatte  noch  am  Morgen  die  Schlacht  nicht  erwartet, 
aber  er  nahm  sie  an,  obwohl  die  Verbindung  mit  dem  rechten  Ufer 


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unterbrochen  war.  Er  traf  seine  Verfügungen,  um  die  Stellung  am 
linken  Ufer  zu  behaupten.  Hiller's  Vortrab  warf  um  4  Uhr  von 
Stadlau  die  feindlichen  Vorposten  zurück  und  drängte  gegen  Aspern. 
Die  Franzosen  standen  vor  dem  Dorfe  durch  Gräben  und  Gebüsche 
gedeckt.  Als  die  Oesterreicher  mit  gefälltem  Bajonnet  anstörmten, 
zogen  sie  sich  zurück.  Das  Dorf  bildet  eine  lange  Gasse.  Die  ersten 
Häuser  waren  rasch  erobert,  aber  weiter  innen  leisteten  die  Franzosen 
zähen  Widerstand.  Sie  feuerten  aus  jedem  Hause,  aus  den  Fenstern, 
Kellern  und  Dachlucken.  Die  Oesterreicher  mussten  jede  Mauer, 
jede  Hecke  erkämpfen.  Es  war  ein  wahrhaft  mörderisches  Gefecht, 
das  mehrere  Stunden  dauerte ;  die  Flammen  stiegen  aus  den  Häusern 
auf,  Bäume  und  Büsche  verbrannten.  Von  der  zweiten  Kolonne 
waren  bereits  mehrere  Bataillone  im  Feuer,  auch  die  dritte  Kolonne 
kam  nun  bei  Aspern  an  und  griff  mit  in  den  Kampf  ein,  während 
die  vierte  und  fünfte  Kolonne  gegen  Esslingen  und  Enzersdorf 
anrückten  und  die  Schlachtlinie  schlössen.  Der  Andrang  gegen  die 
beiden  Endpunkte  der  französischen  Stellung  war  gewaltig.  Napoleon 
wollte  nun  in  der  Mitte  durchbrechen  und  dadurch  sowie  bei  Austerlitz 
die  Schlacht  entscheiden.  Er  gab  Bessieres  und  d  Espagne  Befehl, 
mit  12  Heiter  -  Regimentern  und  2  der  Linien  -  Infanterie  vorzurücken. 
Es  war  diess  die  entscheidende  Stunde  des  Tages.  Bessieres  ver- 
suchte wiederholt  unsere  Geschütze  zu  nehmen,  endlich  rückte  die 
feindliche  Kavallerie  in  voller  Linie  an.  Las  alle  gegen  Lichteu- 
stein,  d'Espague  gegen  Hohcnzollern,  Bellegarde  und 
die  Geschütze.  Muthvoll  warfen  sich  die  Chevauxlegers- Regimenter 
Nr.  5  und  11  den  feindlichen  Kürassieren  entgegen;  doch  sie  ver- 
mögen ihrem  gewaltigen  Anprall  nicht  zu  widerstehen  und  schon 
glaubt  der  Feind  auch  die  Geschütze  nehmen  zu  können,  als  sie 
sich  noch  rasch  genug  retten ;  nun  aber  dringt  d'Espagne  auf  die 
in  der  Flanke  entblösste  Infanterie  ein  und  Bessieres  wendet  sich 
gleichfalls  hierher.  Ein  folgenschwerer  Augcublick.  Erzherzog  Karl 
sprengt  herbei  und  wird  mit  Jubel  empfangen.  Bataillone  der  Re- 
gimenter Nr.  15,  21,  28,  50,  54,  57  und  das  zweite  der  böhmischen 
Legion  standen  nun  im  Angesichte  des  Feindes  ruhig,  ernst  und 
mauerfest.  Wie  eine  Woge  des  Meeres  braust  die  Masse  der  gehar- 
nischten Reiter  über  die  Felder  her.  Kaum  100  Schritte  von  den 
Oesterreichern  hält  die  Masse.  In  voller  Siegesgewissheit  reiten  einige 
Offiziere  vor  und  rufen:  .Streckt  die  Waffen!'   „Holt  sie  Euch!" 


42G 


hallt  es  von  den  Oesterreichern  zurQck  und  einige  Schüsse  fallen. 
Nim  sprengen  die  Kürassiere  an.  Sie  sind  kaum  15  Schritte  entfernt, 
da  erschallen  die  Kommandos  Feuer.  Salven  auf  Salven  kuattern. 
jedes  Bataillon  scheint  ein  Vulkan,  der  Feuer  speit.  Ganze  Reihen 
französischer  Heiter  stürzen,  der  Boden  ist  mit  Helmen,  Kürassen, 
Menschen  und  Pferden  bedeckt;  die  noch  lebenden  wenden  zur 
Flucht  und  nun  stürmen  die  Bataillone  mit  gefällten  Bajonneten; 
auch  sind  die  beiden  Chevauxlegers  -  Regimenter  wieder  bei  der  Hand, 
ebenso  Johann  Fürst  Lichteusteiu,  der  echte  Ritter  ohne  Furcht 
und  Tadel  und  werfen  den  Feind  in  das  Alignement  Aspern-Esslingen. 

Dieser  glückliche  Erfolg  in  der  Mitte  setzte  Hiller  in  den 
Stand,  den  Angriff  auf  Aspern  zu  erneuern.  Das  Dorf  wurde  mit 
einem  Hagel  von  Kugeln  überschüttet  und  mit  Granaten  gezündet. 
Wieder  fand  ein  grauenhaftes  Gemetzol  statt.  In  zwei  Stunden 
wurde  das  Dorf  dreimal  genommen  und  dreimal  verloren.  Bataillone 
der  Regimenter  Nr.  11  und  47  rückten  wieder  zum  Sturm  herbei, 
General  Vaquant  geht  mit  der  Fahne  voran  und  wieder  wird  das  Dorf, 
die  Kirche  und  der  Friedhof  genommen ;  12.000  Franzosen  müssen 
hinaus,  aber  Massena  fuhrt  zwei  frische  Regimenter  heran,  die  sich 
in  den  letzten  Häusern  halten.  Erst  in  der  Nacht  9  Uhr  hört  der 
Kampf  auf.  Auch  auf  diesem  Punkte  sind  die  Franzosen  geschlagen. 

Nur  aus  Esslingen  waren  die  Feinde  nicht  zu  vertreiben.  Die 
Truppen  der  vierten  und  fünften  Kolonne,  welche  Rosenberg  von 
Wagram  her  zum  Kampfe  führte,  erstiegen  den  kleinen  Damm  vor 
dem  Dorfe,  aber  die  Häuser  des  Dorfes,  besonders  der  Schüttkasten 
waren  in  Festungen  verwandelt.  Auf  Befehl  des  Erzherzogs  gingen 
Bataillone  der  Regimenter  Nr.  2,  33,  44,  46  noch  um  7  Uhr  zum 
Sturme  vor,  aber  Marschall  Lannes  vertheidigt  diesen  Stützpunkt 
der  französischen  Armee  mit  der  grössten  Hartnäckigkeit 

Nach  8  Uhr  liess  Napoleon  nochmals  durch  Bessieres 
mit  3000  Reiter  die  Mitte  angreifen,  aber  der  Angriff  scheiterte 
wie  mittags.  Ein  Huszaren-  und  ein  Dragoner  -  Regiment  nahm  sie 
in  die  Flanke  und  schlug  sie  völlig  zurück. 

Die  Armee  blieb  über  Nacht  mit  dem  Gewehr  im  Arm  auf 
dem  Boden,  den  sie  blutig  erkämpft  hatte.  Die  Franzosen  erhielten 
Verstärkungen,  die  sie  auf  100.000  Mann  brachten;  Erzherzog  K a r  1 
Hess  die  Grenadiere,  welche  während  der  Schlacht  um  5  Uhr  nach- 
mittags nach  Breitenlee  marschirt  waren,  näher  heranrücken,  sonst 


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1806-1809. 


427 


wurde  an  der  Disposition  nichts  geändert.  Das  Flintenfeuer  währte 
die  ganze  Nacht,  alles  stand  unter  den  Waffen  und  schon  gegen 
2  Uhr  morgens  nahm  das  Feuer  an  Lebhaftigkeit  zu  und  verbreitete 
sich  später  Ober  die  ganze  Schlachtlinie. 

Mit  Tagesanbruch  am  22.  Mai  begann  der  Kampf  heftiger  als 
Tags  vorher.  Die  französische  Garde  -  Infanterie  rückte  gegen  Aspern 
vor,  der  dichte  Nebel  verdeckte  ihren  Anmarsch;  sie  stürmte  rasch 
das  Dorf  und  V  a  q  u  a  n  t  wurde  bis  an  den  Kirchhof  zurückgedrängt. 
Das  Regiment  Nr.  14  hielt  sich  eine  Stunde  mitten  unter  Trümmern, 
Leichen  und  Flammen,  bis  es  auch  von  der  Garde  verdrängt  wurde. 
Gegen  10  Uhr  rückte  das  Regiment  Nr.  31  im  Sturmschritt  herbei, 
eroberte  im  ersten  Anlauf  die  Kirche  und  den  Friedhof,  dessen 
Mauern  sogleich  niedergerissen  wurden,  stürmte  dann  mit  wahrem 
Heldenmuthe  in  das  Dorf  und  warf  die  Franzosen  trotz  ihrem  ver- 
zweifelten Widerstand  hinaus;  alle  ihre  ferneren  Anstrengungen, 
Aspern  wieder  zu  gewinnen,  scheiterten  an  der  Tapferkeit  und  Aus- 
dauer dieses  artberühmten  Regiments. 

Auch  an  diesem  Tage  suchte  Napoleon  die  Entscheidung  in 
der  Mitte  zu  erreichen,  aber  diesmal  verwendete  er  Infanterie  und 
Geschütz.  400  Kanonen  eröffneten  ein  Feuer,  wie  es  die  ältesten 
Soldaten  nie  erlebt  haben,  dann  rückten  fünf  Divisionen  in  ge- 
schlossenen Massen  gegen  unsere  zweite  und  dritte  Kolonne.  Lichten- 
stein ging  mit  der  Kavallerie  entgegen  und  hieb  tapfer  ein. 
Napoleon  Hess  unsere  Infanterie  heftig  beschiessen,  aber  die 
Bataillone  der  Regimenter  Nr.  18,  21,  50  und  57  standen  wie  die 
Mauern  und  schlugen  den  Angriff  ab.  Das  Regiment  Nr.  15  begann 
zu  wanken,  da  führte  Erzherzog  Karl  selbst  ein  Bataillon  herbei, 
das  Regiment  Nr.  28  marschirt  in  drei  Massen  auf  und  weist  einen 
Sturm  von  vier  französischen  Reiter  -  Regimentern  zurück.  Der  Erz- 
herzog ergreift  die  Fahne  des  Regiments  Zach  Nr.  15  und  führt 
ein  Bataillon  im  Kampf  so  nahe,  dass  ihn  die  französischen  Offiziere 
erkennen.  Die  Infanterie  rückt  vor,  Smola  führt  seine  Batterien 
auf  und  schmettert  Tod  und  Verderben  in  die  Feinde  und  so  tapfer 
die  Franzosen  fochten,  sie  mussten  zurück  und  nahmen  wieder  die 
Stellung  zwischen  den  Dörfern  ein.  Der  Sieg  war  in  der  Mitte  ent- 
schieden auf  Seite  der  Oesterreicher. 

Es  war  zwischen  8  und  9  Uhr  morgens.  Napoleon  gab  den 
Tag  bereits  für  verloren.  Die  Brücken  waren  wieder  zerstört  und  so 


428 


1K06  —  180J>. 


befahl  er,  Aspern  so  lange  als  möglich,  Esslingen  aber  um  jeden 
Preis  zu  halten,  denn  nur  durch  den  Besitz  dieses  Dorfes  war  der 
Rückzug  der  Franzosen  möglich.  Wie  schon  gesagt,  wurde  Aspern 
um  10  Uhr  genommen  und  behauptet:  Rosenberg  hatte  Ess- 
lingen schon  seit  frühem  Morgen  gestürmt,  konnte  aber  nicht 
eindringen. 

Alles  hing  nun  davon  ab,  dem  Gegner  Esslingen  zu  entreissen; 
allein  Napoleon  hatte  dort  eine  sehr  achtunggebietende  Defensiv- 
Stellung.  Die  Notwendigkeit,  den  letzten  feindlichen  Stützpunkt  zu 
nehmen,  bewog  endlich  den  Generalissimus,  gegen  11  Uhr  vor- 
mittags den  F.-M.-Lt.  Fürst  Rosenberg  zu  befehligen,  »Esslingen 
abermals  anzugreifen."  Um  diese  letzte  Kraftanstrengung  folgenreicher 
zu  machen,  wies  man  dem  Fürsten  noch  die  vier  Grenadier  -  Ba- 
taillone Kirch enbetter,  Scovaud,  Scharlach  und  Georgi  zu.  Diese 
erprobten  Bataillone  sollten  die  nordwestliche  Dorfseite,  F.-M.-Lt. 
Dedovich  aber  den  Schüttkasten  angreifen.  Im  ersten  Anlaufe 
gewannen  die  Grenadiere  deu  grossen  Garten  an  der  Nordseite  von 
Esslingen.  Das  Grenadier- Bataillon  Scovaud  war  dem  Bataillon 
Scharlach  als  Unterstützung  gefolgt.  Links  des  Friedhofes  waren 
mehrere  feindliche  Garde -Bataillone  und  eine  Batterie  aufgestellt, 
welche  ein  verheerendes  Feuer  gegen  das  anrückende  Bataillon 
Scharlach  unterhielten.  Dieses  wich  gegen  Enzersdorf  aus  und  Oberst- 
lieutenant Scovaud,  als  Unterstützung,  hätte  dieser  Bewegung 
folgen  sollen;  er  erkannte  aber  nur  zu  gut,  dass  durch  diese 
Bewegung  der  eigentliche  Zweck,  das  Centrum  des  Feindes  zu  werfen 
und  ihn  für  deu  Rückzug  über  die  Brücke  besorgt  zu  machen,  ver- 
loren ging  und  grill',  nachdem  er  das  auf  40  Mann  geschmolzene 
Bataillon  Kirchenbetter  an  sich  gezogen  hatte,  mit  seinem  Bataillon 
aus  freiem  Antriebe  ganz  allein  das  hartnäckig  vertheidigte  Esslingen 
mit  dem  Bajonnet  an,  bemächtigte  sich  auch  des  Friedhofes  und 
zwang  die  links  aufgestellten  Garden  zum  Weichen,  obgleich  er  in 
beiden  Flanken  beschossen  wurde.  Mangel  an  Munition  und  der 
unglückliche  Irrthum,  dass  das  Bataillon,  welches  sich  ohne  Unter- 
stützung zu  weit  vorgewagt,  von  den  österreichischen  Batterien  für 
Feinde  gehalten  und  angeschossen  wurde,  nöthigten  dasselbe  den 
blutig  errungenen  Vortheil  aufzugeben. 

F.-M.-Lt.  Dedovich  fand,  an  dem  Fusse  des  Schüttkastens 
angekommen,  unüberwindlichen  Widerstand.  Die  Grenadiere  verfolgten 


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1886-1809. 


429 


ihren  Angriff  gegen  die  zur  Vertheidignng  krenelirte  Gartenmauer, 
konnten  aber  ungeachtet  aller  Anstrengungen  hier  nicht  durchdringen. 
Ffinfmal  wurde  der  Anlauf  wiederholt;  mit  der  äussersten  Bravour 
drangen  die  Grenadier -Bataillone,  voran  ihre  braven  Offiziere,  bis 
an  die  Maueru;  wtlthend  stiesseu  sie  ihre  Bajonnette  in  die  Schiess- 
scharten; allein  immer  neue  Verstärkungen  des  Gegners  vereitelten 
den  Erfolg,  und  so  sah  sich  endlich  Fürst  Rosenberg  veranlasst, 
alle  weiteren  Versuche  aufzugeben. 

Die  Grenadiere  erbittert  ob  des  feindlichen  Widerstandes  trugen 
sich  nun  freiwillig  zum  neuen  Angriffe  an;  allein  der  Generalissimus 
dem  das  Blut  seiner  braven  Soldaten  viel  zu  kostbar  dünkte,  verbot 
jeden  weitern  Angriff  auf  Esslingen  und  bereitete  einen  entscheiden- 
den Schlag  gegen  die  feindliche  Mitte  vor.  Die  Batterien  rflckten 
in  breiten  Fronten  vor;  hinter  ihnen  die  Bataillonsmassen  und  Reiter- 
geschwader. Es  war  der  Vormarsch  eines  siegreichen  Heeres,  welcher 
jedoch  den  allmälig  ersterbenden  Riesenkampf  nur  noch  schwach 
aufflackern  liess,  denn  Napoleon,  längst  schon  zum  Rückzüge 
entschlossen,  befahl  dessen  Ausführung.  Mit  hereinbrechendem  Abend 
hatte  sich  der  Kampf  in  ein  mattes  Wänklerfeuer  aufgelöst. 

Die  Franzosen  zogen  sich  in  die  Lobau  zurück;  die  Schlacht 
war  beendet,  welche  am  22.  Mai  15  Stunden  gedauert  hatte  und 
vielleicht  die  furchtbarste  seit  dem  Beginne  des  Revolutionskrieges 
war.  Die  Geschichte  Oesterreichs  hat  dieselbe  in  ihre  schönsten 
Blätter  genommen  und  im  Laufe  dieser  Schlacht  hatten  sich  auch 
die  Grenadiere  von  Deutschmeister  eines  dor  schönsten  Blätter  ge- 
schrieben. Alle  sechs  Offiziere  der  mit  200  Mann  in  den  Kampf 
gerückten  Grenadier- Division ,  nämlich  Hauptmann  Baron  Erd- 
mann, Stahl  v.  Holstein,  Oberlieutenant  Droste  v.  Senden, 
Baumann,  Lieutenant  Graf  S o u r v i  1 1  e  und  Baron  B e c h i n i e  nebst 
62  Mann  vom  Feldwebel  abwärts  waren  verwundet,  16  Grenadiere 
todt  und  in  der  letzten  Stunde  der  Schlacht  kommandirte  Korporal 
Ferdinand  Fischer  die  Reste  der  tapferen  Division,  welcher  auch 
zur  Belohnung  zum  Fähnrich  avancirte. 

Die  Oesterreicher  hatten  in  diesen  zwei  Tagen  23.000  Mann, 
darunter  87  Offiziere,  4286  Mann  todt,  verloren ;  von  den  Franzosen 
wurden  7000  Mann  auf  dem  Schlachtfelde  begraben,  5000  Ver- 
wundete lagen  in  den  Verbandhäusern,  29.773  Verwundete  wurden 
in  Wien  untergebracht,  1  Marschall  und  4  Generale  waren  gefallen. 


430 


1H4MJ  1H00. 


Die  österreichische  Armee  nahm  in  der  Nacht  die  Stellung 
zwischen  Aspern  nnd  Esslingen  ein. 

Am  23.  Mai  kam  Kaiser  Franz  zur  Armee.  Sie  war  in 
Schlachtordnung  aufgestellt,  als  der  geliebte  Monarch  vor  ihr  erschien 
und  Angesichts  aller  der  Tapferen  seinen  Bruder  Erzherzog  Karl 
und  dann  den  Fürsten  Johann  Li  cht  enstein  umarmte.  Hierauf 
eilt  er  unter  enthusiastischem  Jubel  der  Soldaten  die  Front  hinab  und 
sprach  noch  jedem  Chef  und  Fahrer  insbesonders  seinen  Dank  aus. 

Am  folgenden  Tage  erhielten  die  Truppen  den  nachstehenden 
Tagsbefehl:  ,Die  Tage  vom  21.  und  22.  Mai  werden  ewig  denk- 
würdig bleiben  in  der  Geschichte  der  Welt.  Die  Armee  hat  Be- 
weise von  Patriotismus,  von  Heldengeist,  von  Verachtung  der  Ge- 
fahren gegeben,  welche  die  Nachwelt  bewundern  und  unseren 
„ Enkeln  als  Beispiele  seltener  Grossthaten  darstellen  wird.  Sie  hat 
„dem  Feinde,  der  unlängst  erst  mit  ihrer  Vernichtung  prahlte,  ihr 
,  Dasein  blutig  bewiesen.  Sie  hat  meine  grossen  Erwartungen  über- 
großen und  ich  fühle  mich  stolz,  ihr  Anführer  zu  sein.  Ihr  seid 
„auf  dem  Schlachtfelde  die  ersten  Soldaten  der  Welt! 
.Seid  und  bleibt  es  im  Geiste  der  Disziplin,  der  Ordnungsliebe,  der 
.Ehrfurcht  für  das  Eigenthum  der  Bürger!  Dann  seid  ihr  nicht 
.allein  die  erste,  dann  seid  ihr  auch  die  einzige  Armee  und 
.das  dankbare  Vaterland  wird  euere  Thaten  segnen.  Unser  an- 
gebeteter Monarch  vertraut  und  dankt  euch  mit  väterlichem  Gefühl 
.die  Sicherheit  seines  Thrones  und  die  Wohlfahrt  euerer  Angehörigen. 

„Ich  erwarte  ehestens  die  umständliche  Relation.  Das  Vater- 
,land  und  der  Monarch  wollen  die  Stützen  ihrer  Unabhängigkeit, 
„ihres  Ruhmes  und  ihrer  Grösse  kennen;  ihre  Namen  sollen  in  den 
„Annalen  Oesterreichs  glänzen.  Bis  dahin  kann  ich  nur  jene  nennen 
.und  belohnen,  deren  ausgezeichnetes  Verdienst  entweder  von  der 
„ganzen  Armee  anerkannt  ist,  oder  die  der  Zufall  meiner  persönlichen 
.Ueberzeugung  näher  brachte. 

.Erzherzog  Karl  m.  p.,  Generalissimus.« 

Oberstlieutenant  Franz  Scovaud  de  Bastite,  der  tapfere 
Kommandant  der  Grenadiere,  erhielt  das  Ritterkreuz  des  Militär- 
Maria  Theresien  -  Ordens. 

In  der  Stellung  vor  Aspern  blieb  die  Armee  bis  zum  25.  Mai, 
au  welchem  Tage  dieselbe  eine  Aufstellung  von  der  .schwanen  Lacke* 


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UM*  1*00. 


431 


Wagram,  Baumersdorf  bis  Markgraf-Neusiedel  nahm ;  das  Grenadier- 
Korps  aber  Aber  Aderklaa  in  ein  Lager  bei  Helmahof  marschirte. 
Hier  wurde  den  Truppen  nachstehendes  Allerhöchstes  Handschreiben 
Sr.  Majestät  des  Kaisers  dto.  Wolkersdorf  24.  Mai  1809  publizirt: 

.Lieber  Herr  Bruder  Erzherzog  Karl!  Ich  habe  Ihnen  zwar 
«gestern  den  lebhaftesten  Dank  für  den  erfochtenen  glorreichen  Sieg 
.mündlich  gezollet,  aber  dieses  genügt  Meinem  Herzen  nicht.  Ich 
.wül  es  Ihnen  hiemit  und  in  jeder  Gelegenheit  wiederholen,  weil 
.Ich,  den  die  göttliche  Vorsicht  zum  Beherrscher  einer  grossen 
„Monarchie  gemacht  hat,  Mich  ausser  Stand  finde,  Sie  lieber  Herr 
.Bruder!  Ihre  nächsten  Waffengefährten  und  Meine  tapfere  Armee 
.nach  Verdienst  zu  belohnen.  Ihnen  war  es  vorbehalten,  das  fünf- 
zehnjährige Waffenglück  des  stolzen  Gegners  zuerst  zu  unterbrechen. 
.Sie,  der  Meinem  Herzen  theuere  Bruder,  Sie,  die  erste  Stütze 
.Meines  Thrones,  Sie  sind  der  Retter  des  Vaterlandes  das  Ihnen, 
.so wie  der  Monarch  ewig  danken  und  Sie  segnen  wird. 

.Mit  inniger  Rührung  sah  Ich  gestern  den  hohen  Muth,  die 
.Begeisterung  der  Truppen  und  ihren  männlichen  Entschluss,  die 
.Unabhängigkeit  der  Monarchie  zu  erkämpfen.  Es  war  der  schönste 
.Augenblick  Meines  Lebens,  ein  seltenes,  gemüth erhebendes  Schau- 
,  spiel,  das  in  Meinem  Herzen  unvergänglich  bleiben  wird.  Ich 
.ersuche  Sie  lieber  Herr  Bruder!  dieses  Meiner  braven  Armee  zu 
.sagen  und  für  die  Erhaltung  dieses  seltenen  Geistes  alles  aufzubieten." 

Zum  ersten  Male  war  Napoleon  aus  einer  offenen  Feld- 
schlacht gewichen,  der  Zauber  seines  Namens  und  seiner  Unbesieg- 
barkeit dahin.  Die  Soldaten,  welche  aus  Esslingen  abzogen,  konnten 
es  gar  nicht  begreifen.  Durch  ganz  Europa  brachte  die  Botschaft 
einen  gewaltigen  Eindruck  hervor.  In  Oesterreich,  in  Deutschland 
richteten  sich  alle  Herzen  wieder  auf.  Seit  Zenta  und  Kolin  war 
kein  solcher  Sieg  erfochten.  Mit  Recht  sagte  der  Bericht  des  Erz- 
herzogs Karl  an  den  Kaiser:  »dass  es  bei  dem  allgemeinen  Wett- 
streite der  höchsten  militärischen  Tugenden  kaum  möglich  gewesen 
.sei,  die  Tapfersten  zu  sondern  und  erkläre  alle  Soldaten  von 
„Aspern  der  öffentlichen  Dankbarkeit  würdig."  Der  Tag  von  Aspern 
hat  der  Welt  bewiesen,  dass  der  Oesterreicher  sein  Vaterland  bis  zum 
Tode  liebe,  dass  dieses  Reich  fest  gekittet  sei  in  allen  seinen  Theilen. 

Die  Franzosen  verzeichnen  in  ihren  Büchern  keine  Schlacht 
von  Aspern,  sondern  nur  eine  von  Esslingen ;  und  wie  hoch  nun  die 


432 


IM6-1M». 


Armee  bei  Napoleon  im  Ansehen  stand,  beweist  seine  Antwort  an 
Jene,  welche  sich  wunderten,  dass  er  Oesterreich  nicht  zerstückelt 
habe:  „Ihr  urtheilt  wio  die  Blinden  von  der  Farbe;  Ihr  habt  die 
„Oosterreicher  bei  Aspern  nicht  gesehen,  folglich  habt  Ihr  gar 
„nichts  gesehen." 

Beim  Regiment  wurde  mit  Armee- Befehl  ddto.  Markgraf- 
Neusiedel,  vom  27.  Mai  1800  der  Oberstlieutenant  Josef  v.  Klop- 
stein  zum  Oberst -Regiments -Kommandanten ,  Major  Johann 
•Niedermann  zum  Oberstlieutenant,  der  Grenadier- Hauptmann 
Stefan  Baron  Eid  mann  zum  ersten  und  Hauptmann  Franz  Drohn 
von  Nr.  50  zum  zweiten  Major  befördert. 

Zwei  Tage  vor  der  Sohlacht  bei  Aspern  erschien  ein  hof- 
kriegsrathliches  Reskript,  welches  die  Statuten  der  Ehren-Denkmünze 
verbesserte,  die  hinfort  „Tapferkeit« -Medaillen'  genannt  wurden. 

Die  beiden  Armeen  standen  sich  nun  ruhig  mehrere  Wochen 
lang  gegenüber.  Erzherzog  Karl  zog  die  Landwehren  aus  Böhmen 
und  Mähren,  dann  das  Korps  Kollowrat  an  sich.  Das  Regiment 
erhielt  mit  Nr.  40  und  dem  fünften  Wiener  Freiwilligen  -  Bataillon 
Salis  die  Einteilung  in  die  Brigade  G.-M.  Mayer,  Division 
F.-M.-Lt.  Graf  Weissenwolf,  im  fünften  Armee-Korps  F.-M.-Lt. 
Fürst  Reu ss. 

Erzherzog  Karl  hatte  die  Armee  auf  122.000  Mann  mit 
15.000  Reitern  und  452  Geschützen  gebracht;  das  Hauptquartier 
war  in  Wagram ;  das  fünfte  Korps  lagerte  am  Fusse  des  Bisam- 
berges bei  Strebersdorf,  die  Grenadiere  vor  Seyring,  die  Offiziere 
und  Soldaten  hatten  sich  Erdgruben  ausgeworfen  und  diese  mit 
Rasen  und  Laubzweigen  überdacht.  Auch  Napoleon  hatte  in  den 
sechs  Wochen  frische  Tnippen  und  Geschütze  herbeigezogen.  In 
den  ersten  Julitagen  hatte  er  180.000  Mann  mit  600  Geschützen 
zur  Verfügung.  Die  Lobau  war  durch  Brückenköpfe  und  Verschanzungen 
in  eine  Festung  verwandelt. 

Seit  dem  30.  Juni  war  alles  zu  einem  Angriffe  bereit.  An 
diesem  Tage  Hess  Napoleon  an  derselben  Stelle  wie  im  Mai 
einige  Tnippen  überschiffen.  Es  kam  zu  einer  Kanonade;  Erzherzog 
Karl  Hess  die  Tnippen  vorrücken,  worauf  die  Franzosen  wieder 
zurückgingen;  ebenso  bezog  der  Erzherzog  die  früheren  Stellungen. 
Korps  Hohenzollern,  Bellegarde  und  Rosenberg  lagerten  hinter  dem 
Kussbach.  Die  Grenadiere  und  Reiter  bei  Gerasdorf,  Kollowrat 


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ISO«-  1S09. 


133 


und  Heu ss  am  Felde  des  Bisamberges  und  nur  das  sechste  Korps 
unter  Kien  au  war  bis  an  die  Donau  vorgeschoben.  Am  4.  Juli 
erging  der  Befehl  an  den  Erzherzog  Johann,  sogleich  nach  dem 
Schlachtfelde  aufzubrechen. 

Am  1.  Juli  erhielt  die  Brigade  Mayer  den  Befehl,  über 
Lang -Enzersdorf  nach  Stadl- Enzersdorf  zu  marschiren,  woselbst  sie 
mit  der  Brigade  Kiese  und  dem  Regiment  Hessen-Homburg-Huszaren 
als  Reserve  aufgestellt  wurde.  Am  4.  eröffneten  die  französischen 
Batterien  ihr  Feuer  und  bald  stand  Enzersdorf  in  hellen  Flammen; 
die  Brigade  Mayer  formirte  Massen  und  blieb  die  ganze  Nacht  in 
ihrer  Stellung  im  Bereiche  des  feindlichen  Geschützes. 

In  der  Nacht  vom  4.  auf  den  5.  Juli  Hess  Napoleon  bei 
einem  furchtbaren  Unwetter  fünf  Brücken  über  den  Donauarra  bei 
Enzersdorf  und  Mühlleiten  schlagen  und  ging  auf  das  linke  Ufer. 
Nun  entspann  sich  sogleich  ein  Gefecht  mit  der  Vorhut;  da  aber 
der  Erzherzog  den  Kampf  in  der  Stelluug  hinter  dem  Russbache 
aufnehmen  wollte,  wurde  die  Vorhut,  das  Korps  Klenau  und  auch  die 
Brigaden  Mayer  und  Riese  zurückberufen.  Da  das  ganze  5.  Korps  an 
der  Schlacht  nicht  theilnahm,  so  war  die  Armee  um  30.000  Mann 
und  42  Geschützen  schwächer,  als  früher  angegeben. 

Napoleon  Hess  seine  Korps  bis  mittags  von  der  Donau  bis 
Markgraf-Neusiedel  fächerförmig  aufmarschiron  und  um  1  Uhr  rückten 
die  Massen  in  die  Ebene  des  Marchfeldes.  Auf  der  ganzen  Linie 
unterhielten  beide  Theile  ein  so  furchtbares  Kauonenfeuer,  dass  vor 
Rauch  anfangs  nichts  zu  sehen  war.  Erst  gegen  Abend  zwischen 
6  und  7  Uhr  brach  die  Schlacht  los. 

Die  beiden  Brigaden  wurden  auf  ihrem  Marsche  an  den  Russ- 
bach wiederholt  von  der  feindlichen  Kavallerie  angegriffen  und  als 
diese  nichts  auszurichten  vermochte,  mit  Granaten  beworfen,  wodurch 
sie  empfindliche  Verluste  erlitten.  Nichtsdestoweniger  wurde  der 
feindlichen  Uebermacht  das  Vorrücken  auf  das  Aeusserste  erschwert 
und  erst  um  8  Uhr  abends  war  die  Brigade  Mayer  am  Russbach 
angelangt,  woselbst  sie  auf  dem  äussersten  linken  Flügel  als  Reserve 
für  die  Avantgarde  des  F.-M.-Lt.  Nordmann,  sowie  für  das 
sechste  Korps  aufgestellt  wurde. 

Mittlerweile  hatten  die  Frauzosen  den  Angriff  auf  Wagram 
und  Gaunersdorf  begonnen,  welches  sie  mit  40  Kanonen  beschossen, 
aber  Hardegg  behauptete  letzteres  mit  beispielloser  Entschlossen- 

2« 


|;J4  180« -180». 

lieit.  Am  linken  Flügel  trieb  Rosenberg  die  feindlichen  Reiter 
zurück.  Die  Sonne  war  schon  im  Untergehen,  als  zwei  feindliche 
Kolonnen  rechts  und  links  von  Gaunersdorf  über  den  Russbach 
gingen  und  die  Hohen  erstiegen.  Die  Kolonne  rechts  wurde  zurück- 
geworfen und  weit  verfolgt,  aber  jene  links  brachte  mehrere  Regi- 
menter in  Unordnung;  da  rückte  das  Regiment  Erbach  Nr.  42  aus 
dem  zweiten  Treffen  vor  und  warf  den  Feind  mit  dem  Bajonnet 
zurück.  (Dieses  tapfere  Regiment  erhielt  in  Folge  dieser  That  die 
Auszeichnung,  bei  jeder  Gelegenheit  den  Grenadier  -  Marsch  zu 
schlagen.)  Der  feindliche  Angriff  war  hiemit  auch  hier  abgeschlagen 
und  die  Franzosen  konnten  sich  erst  bei  ihrer  Garde  wieder  sammeln. 
Der  Erzherzog  Karl  wurde  bei  dieser  Gelegenheit  verwundet,  blieb 
aber  bei  dem  Sturme  bis  die  Franzosen  über  den  Russbach  ge- 
worfen waren.  Auch  Wagram  wurde  bis  in  die  Nacht  tapfer  ver- 
theidigt  und  behauptet. 

Es  war  spät  in  der  Nacht  als  der  Kanonendonner  und  das 
Kleingewehrfeuer  verstummte.  Die  Armee  behielt  die  Stellung  von 
Markgraf- Neusiedel  bis  Wagram;  die  Truppen  ruhten  mit  den 
Waffen  in  der  Hand,  ihnen  gegenüber  lagerten  die  Franzosen  von 
Hirschstetten  bis  Glinzendorf.  Zahlreiche  Bivouakfeuer  bezeichneten 
die  Richtung  von  Freund  und  Feind. 

Erzherzog  Karl  Hess  noch  in  der  Nacht  die  Armeekorps  ihre 
Bewegungen  beginnen.  Rosenberg  kam  schon  um  4  Uhr  morgens 
vor  Neusiedl  mit  dem  rechten  Flügel  des  Feindes  in  s  Feuer,  zog 
sich  aber  auf  Befehl  des  Erzherzogs  nach  Neusiedl  zurück,  welches 
er  gegen  die  heftigsten  Stürme  D.avoust's  behauptete.  Die  Kolonnen 
K 1  e  n  a  u  und  K  o  1 1  o  w  r  a  t  kommen  am  lichten  Tag  über  Breitenlee 
und  Hirschstetten  an  den  Feind.  Ihr  Angriff  war  so  entscheidend, 
dass  die  feindliche  Division  Bondet  bis  hinter  Aspern  und  Esslingen 
zurückweichen  musste,  welche  Kien  au  besetzte,  während  sich 
Kol  low  rat  links  anschloss.  Bellegarde  rückte  von  Wagram 
bis  Aderklaa  vor;  dieses  griffen  aber  die  Franzosen  so  ungestüm 
an,  dass  einige  Bataillone  in  Unordnung  geriethen,  welche  aber  der 
Erzherzog  -  Generalissimus  wieder  gegen  den  Feind  führte  und  durch 
die  Greuadiere  unterstützt,  Aderklaa  wieder  erstürmte  und  die  Fran- 
zosen und  Sachsen  so  auseinander  sprengte,  dass  Napoleon  und 
M  a  s  s  e  n  a  Mühe  hatten,  sie  wieder  zu  sammeln ;  sie  liessen  über 
3000  Todte  und  Verwundete  zurück.    Das  Grenadier  -  Bataillon 


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1HW1-  ]SW>. 


435 


Scovaud,  welches  sich  beim  Sturm  auf  Aderklaa  durch  seine  Bravour 
sehr  ausgezeichnet  hatte,  hielt  nun  diesen  Ort  bis  zum  anbefohlenen 
Rückzüge  besetzt.  In  derselben  Stunde  unternahm  Bessieres  mit 
12  französischen  Reiter  -  Regimentern  einen  Angriff  auf  das  Korps 
Kollowrat,  aber  die  Bataillone  standen  wie  eine  Mauer,  schlugen 
den  Angriff  glänzend  ab  und  warfen  die  Reiter  und  die  nachfolgende 
Infanterie  zurück.  Besseres  selbst  wurde  verwundet 

Gegen  10  Uhr  vormittags  waren  die  Oesterreicher  auf  allen 
Punkten  im  Vortheil.  Am  rechten  Flügel  war  die  Schlacht  gewonnen, 
der  Feind  bis  an  die  Lobaubrücke  zurückgedrängt,  welche  die  öster- 
reichischen Kanonen  beschossen.  Nicht  so  gut  ging  es  am  linken 
Flügel,  wo  wie  bekannt  das  Regiment  in  seiner  Brigade-Eintheilung 
stand ;  hier  unternahm  der  Feind  eine  Ueberflügelung  und  als 
Napoleon  sah,  dass  seine  Truppen  über  Neusiedl  hinausgekommen 
waren,  erneuerte  er  seinen  Angriff  gegen  die  Mitte.  »Tout  rartillerie 
de  la  garde,  en  avant!"  rief  er  auf  seine  Umgebung  und  nun  fuhren 
100  Kanonen  im  Galopp  auf,  welche  mit  einem  Hagel  Granaten 
und  Kartätschen  die  österreichischen  Bataillone  überschütteten.  Diese 
Tapferen  stürmten  wiederholt  gegen  die  Batterien,  aber  der  Kugel- 
regen streckte  ganze  Reihen  nieder.  Nun  griff  Macdonald  mit 
zwei  Divisionen  an,  aber  die  Oesterreicher  erwarteten  sie  bis  auf 
hundert  Schritte  und  eröffneten  dann  ein  heftiges  Bataillefeuer. 
Der  Erzherzog  kam  herbeigesprengt  und  ermunterte  die  Soldaten. 
Napoleon  Hess  auch  die  Kürassiere  der  Garde,  Eugen's  Divisionen 
und  die  Bayern  vorrücken;  aber  alle  konnten  nichts  ausrichten,  die 
Oesterreicher  wichen  keinen  Schritt. 

Es  war  Mittag  und  die  Oesterreicher  in  der  Mitte  und  am 
rechten  Flügel  entschieden  Sieger.  Aber  am  linken  Flügel  stand  es 
schlecht.  Mit  Sehnsucht  erwartete  der  Generalissimus  das  Korps 
des  Erzherzogs  Johann:  einige  Bataillone  von-  Marchegg  her 
mussten  den  Sieg  entscheiden.  Immer  mehr  überflügelte  der  Feind 
die  österreichische  Linke;  fünf  Bataillone  und  ein  Regiment  Ka- 
vallerie, welches  Fürst  Johann  Lichtenstein  zur  Verstärkung 
schickte,  konnte  sie  vor  Ueberflügelung  nicht  mehr  sichern. 

Gegen  10  Uhr  vermehrte  der  Feind  sein  Artilleriefener  und 
demontirte  den  grössten  Theil  der  vor  Nensiedl  aufgestellten  Kanonen. 
Das  Erlöschen  des  österreichischen  Artilleriefeuers  vor  Neusiedl 
gewährte  dem  Feinde  den  Vortheil,  zu  seinem  vorgehabten  Angriffe 

28* 


43G 


1S0U-  1M)9. 


unbeirrt  schreiten  zu  können.  Er  formirte  sich  in  der  linken  Flanke 
in  zwei  Treffen,  eine  andere  Kolonne,  den  Ort  Russbach  zur  linken 
lassend,  im  dritten  Treffen,  das  leichte  Geschütz  war  vor  der  Front, 
die  schweren  Batterien  hinter  dem  zweiten  Treffen  aufgeführt. 
F. -M. -Lt.  Nostitz  konnte  diesem  wtlthendeu  Artilleriefeuer  nur 
den  Rest  zweier,  zum  Theil  demontirter  Batterien  entgegenstellen, 
er  liess  die  Brigade  Mayer,  dann  die  bis  jetzt  rfickwärts  in  Reserve 
gestandene  Brigade  Riese  mit  einer  Batterie  eine  Flanke  bilden, 
vor  welcher  er  alle  disponiblen  Geschütze  aufführte.  Der  Feind 
drang,  dichte  Plänklersehwärmo  voraus,  gegen  Neusiedl  vor;  da3 
gut  unterhaltene  Feuer,  sowie  die  wackere  Verteidigung  schlug 
mehrere  Stürme  ab,  bis  endlich  die  Ermattung,  die  Flammenhitze 
des  brennenden  Dorfes,  sowie  die  feindliche  Uebermacht  den  Ver- 
lust der  rechts  von  dem  Dorfe  gelegenen  Mühle  bewirkten,  wonach 
auch  ein  Theil  des  vor  Neusiedl  besetzten  Grabens  dem  Feinde 
überlassen  werden  musste.  Hierauf  wurde  das  Gefecht  vor  dem  Orte 
allgemein,  nachdem  aber  keine  Truppen  zur  Unterstützung  disponibel 
waren,  so  mussten  die  Brigaden  zum  Rückzüge  auf  die  Höhen 
beordert  werden. 

Unterdessen  näherten  sich  die  in  einem  Winkel  ganz  nach 
der  Form  der  österreichischen  Stellung  formirten  feindlichen  Linien 
unter  dem  Schutze  eines  verheerenden  Artilloriefeuers.  Die  vor  Neu- 
siedl sich  formirenden  feindlichen  Plänklcr  unternahmen  mehrere 
Angriffe,  winden  jedoch  immer  abgewiesen,  bis  endlich  ans  den  von 
Ober-Siebenbrunn  auf  die  linke  Flanke  vorgerückten  feindlichen 
Kolonneu,  —  sechs  Massen  in  drei  Linien  —  zum  Angriffe  aus  dem 
ersten  Treffen  vorrückten,  während  das  zweite  die  entstandenen 
Lücken  ausfüllte.  F.-M.-Lt.  Nostiz  befahl  den  Erzherzog  Fer- 
dinand -  Huszaren  diese  Massen  zu  attaquiren,  wodurch  ein  kleiner 
Aufschub  gewonnen  wurde. 

Auch  später,  als  die  Massen  den  Angriff  erneuernd,  durch  das 
Feuer  der  Brigade  M  a  y  e  r  zurückgewiesen  wurden,  versuchten  zwei 
Huszaren  -  Regimenter  einen  jedoch  erfolglosen  Angriff.  Hierauf  stiess 
die  erste  feindliche  Linie  auf  die  Brigade  Mayer,  wurde  jedoch 
von  dem  in  erster  Linie  kämpfenden  Regiment  Deutschmeister 
zurückgeschlagen ;  sogleich  stürmte  die  zweite  Linie  der  Massen  vor, 
aber  auch  dieser  Angriff  scheiterte  an  der  Standhaftigkeit  der  tapferen 
Brigade.  Erst  die  dritte  Linie  brachte  sie  zum  Weichen.   Die  im 


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lMlfi — 1H00. 


437 


zweiten  Treffen  stehenden  schwachen  Abteilungen  der  Regimenter 
Nr.  44,  46  und  58  brachen  nun  mit  grosser  Bravour  vor,  um  dem 
ersten  Treffen  Zeit  zur  Raillirung  zu  geben,  wurden  aber  durch  die 
immer  sich  mehrenden  Feinde  ebenfalls  zum  Rückzüge  gezwungen. 

Die  Reste  der  Regimenter  Nr.  3,  33  und  59  hatten  gegen  den 
Thurm  eine  Flanke  formirt  und  leisteten,  was  brave  Soldaten  ver- 
mochten. Rosenberg  hoffte  daraufhin,  diesen  wichtigen  Punkt  dem 
Feinde  wieder  zu  entreissen,  als  ein  kreuzendes  Kartatschenfeuer, 
welches  die  Angreifenden  niederschmetterte,  diesen  letzten  Versuch 
vereitelte.  Nun  konnte  man  nicht  länger  auf  die  Ankunft  des  Erz- 
herzogs Johann  warten;  dieser  war  um  12  bis  1  Uhr  mittags  von 
Marchegg  aufgebrochen,  kam  um  4  Uhr  in  die  Gegend  von  Ober- 
Siebenbrunn  und  da  er  die  Meldung  erhielt,  dass  bereits  alles  vor- 
ober und  nichts  mehr  zu  machen  sei,  sendete  er  seine  Kavallerie 
auf  Streifung,  welche  sogar  das  französische  Hauptquartier  momentan 
in  heillose  Verwirrung  brachte,  machte  einige  Gefangene  und  kehrte 
dann  nach  Pressburg  zurück. 

Der  Erzherzog  -  Generalissimus  gab  um  1  Uhrdes  Nachmittags 
dem  vierten  Korps  den  Befehl  zum  Rückzüge.  Somit  verliess  dasselbe 
die  durch  das  feindliche  Geschütz  enfilirte  Stellung  am  Russbach 
und  trat  den  Rückzug  gegen  Bocklliess  an.  Als  gegen  Abend  das 
Korps  das  Defilße  bei  diesem  Orte  passirte,  langte  der  Befehl  an, 
dass  getrachtet  werden  solle  noch  an  diesem  Abende  Hohenleithcn 
zu  erreichen.  Der  Rückzug  wurde  nun  dorthin  gerichtet,  um  jedoch 
die  Eingänge  des  Thaies  von  Schweinbarth,  durch  welches  der  Feind 
Gaunersdorf  früher  hätte  erreichen  können,  zu  decken,  wurden  die 
Reste  der  Regimenter  Deutschmeister,  Nr.  44,  40,  49,  58,  ein  Jäger- 
Bataillon,  das  erste  Znaimer  Bataillon  und  drei  Huszareu-Regimenter 
unter  dem  Kommando  des  F.-M.-Lt.  Radetzky  dahin  beordert. 
Dort  angelangt,  bezogen  sie  auf  den  Höhen  von  Schweinbarth  und 
hinter  diesem  Orte  eine  Aufstellung,  welche  den  Thaleingang  deckte 
und  die  sie  die  Nacht  hindurch  behaupteten. 

Beinahe  gleichzeitig  mit  dem  vierten  Korps  hatten  auch  die 
übrigen  Armeetheile  den  Rückzug  angetreten;  Hohenzollern  gegeu 
Wolkersdorf,  Bellegarde  auf  die  böhmische  Strasse,  die  Grenadiere, 
die  Korps  Kollowrat  und  Klenau  schlössen  sich  an.  Gegen  6  Uhr 
abends  war  die  ganze  österreichische  Armee  hinter  der  Strasse  nach 
Mähren,  die  Franzosen  aber  so  erschöpft,  dass  sie  nicht  folgten 


488 


1H0«  1H09. 


und  datier  Napoleon  Aber  liichiung  und  Ziel  der  Bewegung  im 
Unklaren  blieb. 

Die  Franzosen  hatten  am  5.  und  C.  Juli  14.000  Todte  und 
Verwundete,  unter  ihnen  viele  Generale.  Die  Oesterreicher  zählten 
20.000  Todte  und  Verwundete,  8000  waren  gefangen.  Das  Kegiment 
hatte  45  Todte,  darunter  den  Oberlieutenant  Baron  Stockhausen, 
Lieutenant  Tichy  und  Fähnrich  Schack,  dann  089  Mann  vom 
Feldwebel  abwärts  an  Verwundeten  und  Gefangenen,  wovon  jedoch 
die  letzteren  auch  grösstenteils  verwundet  waren.  Diese  hatten 
meistens  ihre  Wunden  durch  Kanonen-  oder  Kartätschenkugeln 
erhalten  und  wurden  in  die  Scheunen  und  Häuser  von  Markgraf- 
Neusiedl  gebracht.  Als  dieser  Ort  in  Flammen  aufging,  verbrannten 
beinahe  alle  diese  Unglücklichen,  denn  nur  ein  sehr  geringer  Theil 
rückte  nach  dem  Friedensschlüsse  ein.  .Das  Geschrei  dieser  Opfer6, 
schrieb  ein  Augenzeuge  der  Schlacht,  „in  dem  brennenden  Orte, 
übertönte  den  Donner  der  Kanonen  und  machte  das  Herz  erstarren." 

Am  folgenden  Tage  früh  am  Morgen  setzte  das  Korps  seinen 
Marsch  über  Gaunersdorf  nach  Mistelbach  fort.  Der  Feind  griff  um 
6  Uhr  morgens  die  bei  Schweinebarth  und  in  der  dortigen  Gegend 
aufgestellte  Vorkette  an,  während  eine  andere  starke  Kavallerie- 
Kolonne  gegen  Gaunersdorf  vorrückte.  Die  Versuche  des  Feindes, 
diesen  Ort  zu  nehmen,  wurden  immer  abgewiesen  und  derselbe  erst 
dann  verlassen,  als  sämmtliche  Infanterie  und  das  ganze  Fuhrwerk 
einen  beträchtlichen  Vorsprung  erreicht  hatten.  Gegen  Mittag  besetzte 
der  Feind  Gaunersdorf;  seine  ferueren  Versuche,  sich  der  Höhe  zu 
bemächtigen,  blieben  ohne  Erfolg.  Am  Abende  rückte  die  Arriere- 
garde  bei  Mistelbach  ein;  bei  diesem  Orte  fand  am  8.  Juli  ein 
Arrieregardegefecht  statt. 

Das  Korps  setzte  seinen  Rückzug  in  zwei  Kolonnen  fort,  die  eine 
über  Siebenhirten  nach  Hierersdorf,  die  andere  über  Markt  Aspern 
nach  Altmans,  wo  beide  Stellungen  bezogen ;  da  aber  die  Arrieregarde 
durch  des  Feindes  Bewegungen  zum  Rückzüge  von  Mistelbach 
genöthigt  wurde,  so  trat  das  Korps  um  4  Uhr  nachmittags  seinen 
weiteren  Rückmarsch  gegen  Laa  an.  Mit  anbrechendem  Morgen  des 
9.  Juli  hatte  der  Feind  die  Arrieregarde  angegriffen  und  über  Hierers- 
dorf zurückgedrängt.  Während  diesem  Gefechte  langte  die  Tete  des 
Korps  bei  Düruholz  an  und  setzte  ihren  Marsch  bis  Weissstätten 
fort,  wo  gerastet  und  abgekocht  wurde. 


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1806-1809.  4:J9 

Um  die  Chausseen  nach  Brünn  und  Olmütz  bei  Zeiten  zu 
gewinnen,  brach  das  Korps  gegen  Abend  in  zwei  Kolonnen  von 
Weissstätten  wieder  auf.  Die  erste  unter  F. -M. -Lt.  Radetzky, 
dabei  das  Regiment,  rückte  gegen  Maria -Hilf,  wo  sie  sich  auf  der 
Höhe  zwischen  diesem  Orte  und  Weissstätten  a  cheval  der  Strasse 
aufstellte,  die  zweite  zog  nach  Muschau  und  nahm  hinter  diesem 
Orte  Stellung.  Am  frühen  Morgen  des  10.  Juli  rückte  der  Feind  mit 
einigen  Kavallerie  -  Regimentern  von  Nikolsburg  gegen  das  neue 
Wirthshaus  vor.  Die  Besatzung  der  Brücke,  eine  Division  Huszaren, 
wurde  durch  zwei  Bataillone  verstärkt,  worauf  der  Feind  sich  auf 
die  Höhe  bei  dem  neuen  Wirthshause  zurückzog,  wohin  ihn  die 
Huszaren  verfolgten.  Es  kam  zu  einem  kleinen  Gefechte,  während 
welchem  die  Brücke  zum  Abbrennen  hergerichtet  wurde.  Das  Korps 
erreichte  auf  seinem  Rückmärsche  beide  nach  Brünn  und  Olmütz 
führenden  Strassen  und  nahm  Stellung. 

Während  diesem  geordneten  Rückzüge  des  vierten  Korps, 
welchen  das  Regiment  in  seinem  Brigade  -  Verbände  gefolgt  war, 
hatte  das  fünfte  Korps,  welches  die  Schlacht  bei  Wagram  nicht 
mitgemacht  hatte,  sich  mit  dem  ersten,  dritten  und  Grenadier-Korps 
vereinigt  und  erhielten  den  Befehl,  die  Strasse  nach  Znaim  zu  ver- 
folgen. Sie  bezogen  am  7.  eine  Stellung  bei  Kreuzenstein,  während 
das  Kavallerie  -  Korps  hinter  Korneuburg  die  Arrieregarde  bildete. 
Der  Erzherzog  erhielt  am  9.  die  Nachricht,  dass  eine  feindliche 
Kolonne  unter  Davoust  über  Staats  und  Laa  nach  Znaim  im 
Anmärsche  sei  und  dass  ihre  Avantgarde  bereits  das  Dorf  Erdberg 
zwei  Stunden  vor  Znaim  erreicht  habe.  Da  nun  kein  Augenblick  zu 
versäumen  war,  so  brach  sogleich  das  ganze  Reserve  -  Korps  der 
Grenadiere  und  der  Kavallerie  auf,  um  die  Höhe  bei  Znaim  auf 
beiden  Ufern  der  Thaya  zu  besetzen;  die  Armee  folgte  noch  vor 
Tagesanbruch  und  ihre  Arrieregarde  hatte  Schöngraben  und  Hetzels- 
dorf aufs  Aeusserste  zu  halten. 

Kaum  hatten  die  Grenadiere  so  viel  Zeit,  den  Uebergang  durch 
Erreichung  der  Höhen  hinter  Teschwitz  und  Zuckerhandl  am  linken 
und  jene  von  Pumlitz  und  Oblas  am  rechten  Ufer  zu  decken,  als 
es  schon  zum  Gefechte  mit  den  feindlichen  Plänkleru  kam.  Die 
Brigade  Merville,  dabei  das  Grenadier -Bataillon  Scovaud  besetzte 
die  Brücke  und  wurde  auch  am  rechten  Thaya-LJfer  gegen  den  über 
Naschebitz  vorrückenden  Feind  verwendet. 


440  1806-1809. 

Indessen  hatte  jedoch  der  Feind  die  vortheilhaftesten  Punkte 
auf  den  Höhen  gewonnen  und  als  er  durch  seine  herbeigekommenen 
Kolonnen  auf  12  bis  14.000  Mann  verstärkt  worden,  griff  er  sogleich 
unter  einem  heftigen  Geschützfeuer  die  Brigade  Steyrer  auf  der  Höhe 
vor  Teschwitz  an.  Ohne  einen  Schritt  zu  weichen,  hielt  diese  fünf 
Stunden  lang  im  heissesten  Kampfe,  bis  sich  der  Feind  endlich  gegen 
ihre  beiden  Flauken  bewegte.  Nun  zog  sie  sich  auf  Teschwitz  zurück 
und  allsogleich  warf  sich  der  Feind  auf  das  Grenadier  -  Bataillon 
Hromada.  Aber  mit  heldenmüthiger  Ausdauer  vertheidigte  diess  die 
nach  Teschwitz  führende  Schlucht  so  lange,  bis  sich  die  übrigen 
Bataillone  hinter  demselben  formiren  konnten.  Ein  mörderisches  Feuer 
entstand  am  Eingänge  des  Ortes,  welches  endlich  dem  Feind  über- 
lassen ward,  als  Steyrer  die  rückwärtigen  Höhen  besetzt  hatte. 
Scovaud  trieb  den  Feind  am  rechten  Ufer  über  Naschebitz  zurück, 
während  der  Artillerie  -  Park  und  das  ganze  Armee  -  Fuhrwesen 
durch  Znaim  defilirte.  Die  anmarschirenden  Armeekorps  erreichten 
nun  nach  und  nach  ihre  Stellungen  und  Erzherzog  Karl  beschloss 
am  folgenden  Tage  11.  Juli  dem  Feinde  hier  die  Schlacht  zu  liefern. 

Am  11.  Juli  mit  Tagesanbruch  standen  die  Truppen  zum 
Empfang  des  Feindes  mit  dem  Gewehr  im  Arme  bereit.  Die  Grena- 
diere waren  anfangs  in  zweiter  Linie  hinter  Brenditz  später  zur 
Unterstützung  des  rechten  Flügels  näher  gegen  Znaim  aufgestellt. 
Die  feindliche  Armee  war  auf  den  Höhen  hinter  Teschwitz  und 
Zuckerhandl  angekommen ;  Massen  ;i  erschien  um  6  Uhr  des  Morgens 
mit  seinem  Korps  bei  Neuschallersdorf  am  rechten  Thaya-Ufer 
und  traf  die  Anstalten  zum  Uebergange. 

Gleich  nach  Sonnenaufgang  umschwärmteu  die  feindlichen 
Plankler  die  vorgeschobene  Stellung  der  Oesterreicher  bei  Teschwitz 
und  um  die  siebente  Morgenstunde  verbreitete  sich  das  Gefecht 
gegen  die  Thaya.  Lange  konnte  sich  kein  Thcil  eines  Vortheils 
rühmen,  bis  der  Feind  endlich  die  vordersten  Truppen  der  Oester- 
reicher durch  ein  mörderisches  Kartätschenfeucr  verdrängte  und  den 
Uebergang  über  die  Brücke  forcirtc.  Immer  heisser  entbrannte  der 
Kampf  auf  den  Höhen  von  Znaim,  so  dass  der  Erzherzog  das 
Grenadier  -  Korps  zur  Unterstützung  auf  jenen  Punkt  abgehen  lioss. 
Die  Grenadiere  kamen  herbei,  als  M  a  s  s  c  n  a  um  4  Uhr  nachmittags 
mit  Ungestüm  gegen  Znaim  vordrang  uud  das  Wiener- Thor  beinahe 
erreicht  hatte.  Sogleich  Hess  jetzt  F.  -  M.  -  Lt.  Fürst  Ilcuss  das 


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ISO« -ISO». 


441 


Grenadier -Bataillon  Leiningen  auf  der  Heerstasse  in  Masse  vor- 
rucken. In  diesem  Augenblicke  ergiesst  sich  ein  starker  Platzregen, 
dass  vom  Feuern  keine  Rede  sein  kann,  ja,  dass  man  die  Gegen- 
stände auf  kurze  Entfernung  nicht  erkennt.  Während  dieses  Platz- 
regens führt  der  tapfere  Lein  in  gen  die  Grenadiere  gegen  den 
Feind,  der  in  gedrängter  Kolonne  auf  der  Heerstrasse  steht,  anfangs 
im  Schnellschritt  dann  im  vollen  Rennen.  Zwei  französische  Generale 
und  mehrere  Offiziere  werden  an  der  Spitze  gefangen  und  wie  ein 
Strom,  der  seine  Dämme  durchbricht,  wälzen  die  Grenadiere  den 
Feind  vor  sich.  Wie  Sturraeswehen  reisst  der  Grenadiere  Beispiel 
alle  Truppen  in  höchster  Begeisterung  hin.  Alle  eilen  gegen  den 
Feind  zu,  unmöglich  ist's,  die  Reserven  zurückzuhalten,  kein  Befehl 
fruchtet,  dem  ungestümen  Angriffe  und  der  Verfolgung  Einhalt 
zu  thun.  Da  brechen  plötzlich  aus  einer  Seitengasse  ein  paar  hundert 
feindliche  Kürassiere  hervor  und  da  sie  keinen  Widerstand  an 
Reserven  finden,  fallen  sie  den  vorgedrungenen  siegenden  Kolonnen 
in  die  Flanke  und  seh  neiden  sie  in  der  Mitte  ab.  Das  Grenadier- 
Bataillon  Scovaud  kam  glücklich  zurück,  aber  die  übrigen  Truppen 
verloren  viele  Leute  und  wurdeu  bis  an  das  Stadtthor  verfolgt,  wo 
sich  aber  das  fünfte  Wiener  Freiwilligen -Bataillon  dem  Feinde  ent- 
gegenwarf und  ihn  zurücktrieb. 

Die  Sonne  neigte  sieh,  als  ein  feindlicher  Parlamentär  erschien 
und  die  Gegenwart  Berthier's  mit  Waffenstillstandsvorschlägen 
ankündigte;  er  wurde  mit  einer  Salve  vom  Pferde  geschossen  und 
entwaffnet.  Die  erbitterten  Truppen  waren  noch  eine  Weile  nicht 
aus  dem  Feuer  zu  bringen.  Als  die  Waffenruhe  eintrat,  blieben  beide 
Theile  in  ihrer  gegenseitigen  Stellung.  Die  Grenadiere  des  Regiments 
hatten  4  Todte  und  17  Verwundete  verloren. 

Der  Waffenstillstand  wurde  in  der  Nacht  abgeschlossen,  ver- 
möge welchem  der  Brünncr-Kreis  geräumt  und  das  fünfte  Korps, 
dabei  das  Regiment,  nach  Prossnitz  befehliget  wurde.  Um  4  Uhr 
nachmittags  am  13.  Juli  setzte  sich  das  Korps  nach  Raussnitz  in 
Marsch,  rückte  am  14.  nach  Wischau  und  erreichte  am  15.  Pross- 
nitz, wo  in  der  Konkurrenz  die  Kautonnirungen  bezogen  wurden. 
Am  28.  Juli  rückte  das  Regiment  nach  Oltschan  u.id  Olmütz  und 
wurde  in  den  nächsten  Ortsehafteu  untergebracht.  Hier  löste  dasselbe 
wegen  sehr  schwachem  Stande  12  Kompagnien  auf  und  formirte 
nurmebr  ein  Bataillon  zu  sechs  Kompagnien,  bis  es  im  September 


442 


1M6-19W. 


durch  800  Mann  der  Regimenter  Nr.  17  und  42  in  Stand  gesetzt 
wurde,  wieder  zwei  Bataillons  zu  formiren. 

Die  Grenadiere  bezogen  nach  abgeschlossenem  Waffenstillstand 
am  12.  das  Lager  bei  Budwitz.  Am  20.  wurden  dieselben  wieder 
dem  Korps  der  Reserve  zugewiesen  und  marschirten  nach  Pardubitz; 
brachen  am  28.  wieder  auf  und  trafen  am  23.  August  in  Surany 
beim  Hauptquartier  des  Reserve -Korps  ein. 

Die  am  1.  August  zu  Ungarisch -Altenburg  eröffneten  Friedens- 
unterhandlungen drohten  in  Folge  der  flbermüthigen  Forderungen 
Frankreichs  zu  scheitern,  daher  auch  Kaiser  Franz  sich  über  den 
zweifelhaften  Fortgang  derselben  in  dem  Armeebefehl  ddto.  Komorn, 
16.  August,  folgendermaßen  aussprach:  »Meine  geliebten  Unter- 
Chanen,  und  selbst  Meine  Feinde,  wissen,  dass  Ich  bei  dem  gegen- 
wärtigen Kriege  weder  durch  Eroberungssucht,  noch  durch  gereitzte 
.leidenschaftliche  Empfindungen  zur  Ergreifung  der  Waffen  bewogen 
»wurde. 

.Selbsterhaltung  und  Unabhängigkeit,  Friede,  der  sich  mit  der 
.Ehre  der  Krone  vertragt,  in  dem  Meine  Völker  Sicherheit  und  Ruhe 
.finden,  war  von  jeher  der  erhabene,  der  einzige  Zweck  Meines 
.Strebens. 

.Das  wandelbare  Glück  der  Wafl'en  entsprach  Meinen  Erwar- 
.tungeu  nicht;  der  Feind  drang  in  das  Innere  Meiner  Staaten  und 
.überzog  sie  mit  allen  Verheerungen  des  unversöhnlichen  Krieges 
.und  einer  grenzenlosen  Erbitterung;  aber  er  lernte  dabei  den  Ge- 
.meingeist  Meiner  Völker  und  die  Tapferkeit  Meiner  Armee  kennen 
.und  schätzen. 

.Diese  von  ihm  blutig  erkaufte  Erfahrung  und  Meine  stets 
.gleiche  Sorgfalt  für  das  Glück  Meiner  Staaten  führten  die  gegen- 
wärtige Annäherung  zu  friedlichen  Unterhandlungen  herbei.  Meine 
.Bevollmächtigten  sind  mit  jenen  des  französischen  Kaisers  zusammen- 
getreten. 

.Mein  Wunsch  ist  ein  ehrenvoller  Friede,  ein  Frieden,  in 
.dessen  Bestimmungen  Möglichkeit  und  Aufsicht  seiner  Dauer  liege. 
»Die  Tapferkeit  Meiner  Kriegsheere  und  ihr  unerschütterlicher  Muth, 
»ihre  warme  Vaterlandsliebe  und  ihr  lauter  Wunsch,  die  Waffen 
»nicht  eher,  als  nach  Erlangung  eines  ehrenvollen  Friedens  nieder- 
zulegen, können  Mir  nie  gestatten,  Bedingungen,  welche  die  Grund- 
„  feste  der  Monarchie  zu  erschüttern  drohen  und  es  entehren,  nach 


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IHM  1HÜV 


443 


„so  grossen  und  edlen  Aufopferungen,  nach  so  viel  vergossenem 
„Blute  für  das  Vaterland  einzugehen. 

.Der  hohe  Geist,  der  die  Armee  belebt,  ist  Mir  und  ihr  Bürge, 
„dass,  sollte  der  Feind  Uns  dennoch  misskennen,  Wir  den  Lohn  der 
„ Statthaftigkeit  einst  sicher  erlangen  werden." 

Das  Regiment  kam  im  September  nach  Przimislau  in  Böhmen 
und  am  14.  Oktober  1809  endlich  nach  den  vom  Kaiser  Napoleon 
absichtlich  in  die  Länge  gezogeneu  Verhandlungen  der  Friede  von 
Wien  zu  Stande,  in  welchem  Oesterreich  2000  Quadratmeilen 
Flächeninhalt  und  vierthalb  Millionen  Seelen  verlor.  Wenn  auch 
dieser  Friedensschluss  empfindliche  Nachtheile  für  die  Monarchie 
brachte,  so  hatte  doch  der  Krieg  vom  Jahre  1809  in  den  Völkern 
des  Kaiserstaates  das  unauslöschliche  Bewusstsein  hoher  innerer 
Kraft  zurückgelassen  und  mit  Stolz  blickte  jeder  Oesterreicher,  jeder 
Deutsche  auf  Erzherzog  Karl  und  sein  wackeres  Heer,  welches  in 
allen  Gelegenheiten  des  jüngst  abgelaufenen  ereignissreichen  Feld- 
zugjahres dem  sieggewohnten  Feinde  volle  Achtung,  ja  Bewunderung 
abzuzwingen  wusste. 

Am  1.  November  marschirte  das  Regiment  nach  Iglau  und 
den  29.  Dezember  wieder  in  die  Werbbezirksstation  Wien;  am 
8.  Dezember  waren  24  aus  der  Gefangenschaft  zurückgekehrte  Offiziere 
wieder  beim  Regiment  eingerückt.  Die  Grenadiere  standen  im  August 
in  Neuhäusel,  marschirten  im  November  nach  Sommerein,  dann  nach 
Baraniay  und  rückten  ebenfalls  Ende  Dezember  in  Wien  ein. 

Die  Landwehr  wurde  am  23.  Dezember  1809  aufgelöst,  viele 
Offiziere  des  Regiments,  welche  beim  Beginn  des  Feldzuges  zu  der- 
selben transferirt  worden,  rückten  nun  wieder  in  ihr  früheres  Rangs- 
verhältniss  ein.  Das  betreffende  kaiserliche  Auflösungs-Patent  sagte : 
„Das  Vaterland  achtet  Euch,  Ihr  habt  Euch  im  Kriege  Ehre  erworben!* 

Oberst  Anton  v.  Klopstein  erhielt  mit  der  73.  Promotion  für 
die  tapfere  Verteidigung  des  Enns  -  Ueberganges  das  Ritterkreuz 
des  Militär-Maria-Theresien-Orden8 ;  auch  die  nachstehende  Mann- 
schaft wurde  für  ihre  tapferen  Thaten  in  diesem  Feldzuge  in  Folge 
Medaillen  -  Kommissions  -  Beschluss  belohnt : 

Korporal  Thomas  J  a  m  e  k  gerieth  bei  Ebelsberg  in  Gefangen- 
schaft, wusste  sich  mit  besonderer  Kühnheit  selbst  zu  ranzioniren, 
ging  auf  das  linke  Donau -Ufer,  woselbst  er  in  Gemeinschaft  mit 
den  patriotischen  Landbewohnern  den  Feind  durch  Muth,  Umsicht 


444  lftoe-lftoo. 

und  Tapferkeit  durch  längere  Zeit  am  Uebergang  aufhielt:  erhielt 
die  goldene  Tapferkeits  -  Medaille. 

Korporal  Franz  Kugler  hat  sich  in  den  Affairen  bei  Lands- 
hut, Neumarkt,  Ebelsberg  und  Enns  unter  Anführung  des  auf  dem 
Felde  der  Ehre  gebliebenen  Lieutenant  T  i  c  h  y  auf  das  Kühmlichste 
ausgezeichnet.  Als  die  Feinde  bei  Enns  auf  drei  Schiffen  über  den 
Fluss  zu  setzen  suchten,  war  er  unter  der  Zahl  jener  Braven,  die 
durch  ihren  Muth  diesen  Uebergang  vereitelten.  Bei  Landshut  rettete 
er  dem  in  der  Folge  vor  dem  Feinde  gebliebenen  Hauptmann  Baron 
Tinti  vom  Regiment  Nr.  49  das  Leben,  indem  er  den  feindlichen 
Soldaten  in  dem  Augenblick  niedermachte,  als  dieser  den  Haupt- 
mann mit  dem  Bajonuet  durchbohren  wollte;  die  silberne  Tapfer- 
keits -  Medaille  war  der  Lohn  seiner  tapfereu  Thaten. 

Führer  Johann  Mallath  hielt  bei  Markgraf- Neusiedl  trotz  des 
heftigsten  Kartätschen-  und  Gewehrfeuers  die  Fahne  hoch  und  trug  sie 
kühn  dem  Feinde  entgegen;  er  trug  durch  seine  Aufopferung  und 
Standhaftigkeit  viel  dazu  bei,  dass  sich  das  dritte  Bataillon  nach 
zwei  abgeschlagenen  Stürmen  trotz  den  wüthenden  Angriffen  der 
Franzosen  wieder  schnell  um  die  Fahne  sammelte  und  dem  Feinde 
so  lange  Widerstand  leistete;  erhielt  die  silberne  Tapferkeits-Medaille, 
ebenso  der  Regiments- Tambour  Anton  Henzenberger  und  der 
Feldwebel  Franz  Holdenauer,  welche  bei  allen  Gelegenheiten  der 
Mannschaft  das  schönste  Beispiel  der  Tapferkeit  gegeben  hatten. 

Die  Gemeinen  Karl  Jestel,  Michael  Putz  und  Franz  Him- 
mer, drei  echte  Wiener -Kinder  und  gute  Kameraden,  langweilten 
sich  auf  Vorposten  in  der  schwarzen  Lacken  und  baten  zur  Ab- 
wechslung ihren  Offizier,  die  Donau  in  einem  sogenannten  Seelen- 
tränker  überschiffen  zu  dürfen,  um  den  Franzosen  die  Gegenwart 
der  Deutschmeister  bekaunt  zu  geben.  Jestel  setzte  zweimal  über 
die  Donau ;  das  erstemal  erbeutete  er  mit  seineu  beiden  Kameraden 
32  Stück  Schlachtvieh  und  machte  bei  dieser  Gelegenheit  einen 
französischen  Kapitän  nebst  dessen  bewaffneten  Bedienten  gefangen, 
die  er  aus  einem  Hause  bei  Nussdorf  herausholte.  In  der  Folge 
setzte  er  noch  einmal  über  die  Donau,  nahm  an  der  Spitze  dreier 
Landwehrmänner  G  feindliche  Infanteristen  gefangen,  schlug  mit 
Entschlossenheit  7  feindliche  Jäger  zu  Pferd,  welche  zur  Befreiung 
ihrer  Kameraden  herbeieilten,  in  die  Flucht  und  brachte  die  Ge- 
fangenen in  das  Lager. 


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lsio-isi-». 


445 


Putz  setzte  allein  Ober  die  Donau,  Oberrumpelte  acht  feindliche 
Infanteristen  in  einem  Hause,  nahm  sie  gefangen  und  brachte  sie 
in's  Lager.  Hiezu  hatte  er  sich  am  jenseitigen  Ufer  ein  besseres 
Fahrzeug  verschafft,  schiffte  dann  mit  dem  Geraeinen  Himmer 
nochmals  hinüber,  hielt  einen  aus  Nussdorf  kommenden  Pulverkarren 
an,  jagte  die  Bedeckung  in  die  Flucht,  warf  die  Munition  in  den 
Strom,  schiffte  die  Pferde  ein  und  brachte  sie  unter  dem  Jubel  df»r 
Vorposten  herüber. 

Himraer  Hess  sicli  auch  nicht  nehmen,  allein  ein  Wagstück 
auszuführen.  Fjr  schiffte  hinüber  und  nahm  einen  französischen 
Kriegskommissär  nebst  seinem  Bedienten  und  zwei  Infanteristen 
gefangen. 

Jeder  dieser  wackeren  Leute  erhielt  laut  Kommissionsbeschluss 
drei  Dukaten  in  Oold  Belohnung. 


1810-1812. 

Im  Jänner  1810  stand  der  Hegimentsstab,  die  Grenadiere  und 
das  1.  Bataillon  in  Wien,  die  7.  und  8.  Kompagnie  in  Perchtolds- 
dorf,  9.  10.  in  Mödling,  11.  12.  in  Laxenburg,  13.  Atzgersdorf, 
14.  Mauer,  15.  Kaltenleutgeben,  16.  in  Liesing.  In  demselben  Monat 
rückten  die  letzten  in  Kriegsgefangenschaft  gerathenen  Offiziere, 
sowie  ein  grosser  Theil  der  Mannschaft  ein. 

Major  Alexander  Baron  Majus  wurde  am  1.  Februar  1810 
vom  Regiment  Nr.  13  eingetheilt;  ebenso  Major  Johann  v.  Vollny 
am  16.  April  von  der  Jäger- Division  Nr.  C. 

Die  im  Jahre  1809  aushilfsweise  erhaltenen  8(X)  Maun  rückten 
wieder  zu  ihren  Regimentern  ein  und  das  Regiment  war  Ende 
Februar  durch  die  aus  der  Kriegsgefangenschaft  zurückgekehrte 
Mannschaft  und  Rekruten  mit  2  Grenadier-  und  16  Füsilier -Kom- 
pagnien wieder  vollkommen  koraplet. 

Am  15.  März  1811  wurde  im  Regiment  das  Allerhöchste  Patent 
vom  20.  Februar  kundgemacht,  welches  das  bisher  zirkulirte  Papier- 
geld, die  „Banco -Zettel*  auf  den  fünften  Theil  ihres  Nennwerthes 
herabsetzte.  Der  Gulden  erhielt  den  Werth  von  12  kr.,  zwei  Gulden 
galten  jetzt  24  kr.,  fünf  Gulden  1  11.  u.  s.  w. 


140 


1810-1812, 


Der  seit  1802  bestandene  Unterschied  in  der  Kapitulationszeit 
wurde  1811  dadurch  ausgeglichen,  dass  die  Dienstzeit  bei  allen  in 
den  Erbländern  Konskribirten  ohne  Rücksicht  der  Waffengattung  auf 
14  Jahre  festgesetzt  wurde.  Von  nun  an  durften  auch  keine  Aus- 
länder bei  der  leichten  Kavallerie,  Artillerie  und  den  Jägern  an- 
genommen werden. 

Ein  hofkriegsräthliches  Reskript  legte  besonderes  Gewicht  auf 
das  Seheibenschicsscn;  das  Regiment  nahm  diese  Uebung  im  Juni 
vor,  und  das  Resultat  derselben  ist  in  soferne  bemerkenswerth,  als 
unter  21.210  Schüssen  1933  Treffer  und  nicht  weniger  als  19.277  Fehl- 
schüsse waren. 

Der  Maria-Theresien-Ordensritter  Oberstlieutenant  Rudolf  Graf 
8  a  Iis  des  Infanterie -Regiments  Nr.  3  erhielt  das  Kommando  des 
Grenadier -Bataillons.  Oberst  Josef  v.  Klopstein  wurde  in  den 
Freiherrustand  mit  dem  Prädikate  „Ennsbruck*  erhoben. 

Major  Alexander  Baron  Majus  wurde  am  15.  Juni  1811  zum 
Infanterie -Regiment  Nr.  24  transferirt;  Hauptmann  Johann  Kray- 
selle vom  Regiment  Nr.  22  am  1.  November  1811  zum  super- 
numerären  Major  im  Regiment  befördert,  und  hatte  bis  zur  Einbringimg 
in  die  Wirklichkeit  mit  der  Hauptmannsgage  zu  dienen.  Major 
Franz  v.  Drohn  und  Johann  v.  Vollny  wurden  am  31.  Juli  1812 
ersterer  zum  Regiment  Nr.  10,  letzterer  zu  Nr.  24  transferirt,  da- 
gegen Major  Johann  Kray  seile  beim  Regiment  in  die  Wirklichkeit 
eingebracht. 

Nach  dem  Wiener  Frieden  stand  Kaiser  Napoleon  auf  dem 
Gipfel  der  Macht  und  Grösse!  Nur  der  Gedanke,  keinen  Leibeserben 
zu  haben,  quälte  ihn;  darum  Hess  er  sich  von  seiner  Gemahlin 
J  o  s  e  f  i  n  e  scheiden  und  vermählte  sich  mit  M  a  r  i  a  L  o  u  i  s  e,  Tochter 
Kaiser  Franz  I. 

Am  11.  April  1810  feierte  er  seine  Vermählung  mit  der 
„ Tochter  der  Cäsaren*,  wobei  fflnf  Königinnen  die  Schleppe  trugen 
und  eine  unerhörte  Pracht  entfaltet  wurde.  Aber  der  Brand  bei  dem 
Ballfeste,  das  der  österreichische  Botschafter  Fürst  Schwarzen- 
berg zu  Ehren  der  Vermählten  veranstaltete,  und  wobei  dessen 
Schwägerin,  die  Gemahlin  seines  älteren  Bruders,  des  regierenden 
Fürsten  von  Schwarzenberg,  als  sie  ihre  Tochter,  die  nach- 
herige Fürstin  von  Schönburg,  retten  wollte,  in  den  Flammen 
umkam,  wurde  als  Unheil  verkündende  Vorbedeutung  genommen. 


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1810-1818. 


417 


Als  dem  Kaiser  im  nächsten  Jahre  ein  Sohn  geboren  wurde,  der 
den  Titel  eines  Königs  von  Rom  erhielt,  schien  sein  Glück  vollendet 
und  Frankreichs  Zukunft  entschieden.  Doch  Stolz  und  Herrschsucht 
trieben  ihn  von  Unternehmung  zu  Unternehmung  und  machten  seinen 
Namen  zum  Schrecken  der  Fürsten  und  Völker. 

Anfangs  April  1812  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  die  zwei 
ersten  Bataillone  auf  180  Gemeine  per  Kompagnie  zu  komplettiren 
und  diese  zum  Ausmarsche  bereit  zu  halten.  Gleichzeitig  wurde  das 
dritte  Bataillon  aus  seinen  vereinzelten  Stationen  in  Perchtoldsdorf  mit 
den  beiden  ersten  Bataillons  in  Wien  vereinigt.  Das  dritte  Bataillon 
gab  seine  sämmtliche  kriegsdiensttangliche  Mannschaft  an  das  erste 
und  zweite  Bataillon,  —  mobile  Bataillone  genannt  —  erhielt  aber 
dafür  die  minder  tauglichen  Leute  dieser  Bataillone. 

Die  Mobilisirung  des  Regiments  war  eine  Folge  der  Rüstungen 
Oesterreichs,  welches,  gebunden  durch  Traktate,  dem  französischen 
Kaiser  auf  seinem  Kriegszuge  gegen  die  Russen  mit  einem  Auxiliar- 
Korps  beistehen  musste.  Das  Regiment  wurde  jedoch  nicht  zu  diesem 
Hilfskorps  bestimmt,  welches  30.000  Mann  stark,  sich  unter  Kom- 
mando des  G.  d.  K.  Fürst  Karl  Schwarzenberg  Mitte  Juni  bei 
Lemberg  sammelte,  anfangs  Juli  die  russische  Grenze  betrat  und  den 
rechten  Flügel  jener  grossen  Armee  bildete,  an  deren  Spitze  Na- 
poleon seine  siegreichen  Adler  auf  dem  Kreml  von  Moskau  auf- 
pflanzte. Dort  aber  erreichte  das  Geschick  den  Unüberwindlichen; 
denn  durch  den  Brand  der  heiligen  Stadt,  gezündet  von  russischen 
Händen,  gingen  dem  Eroberer  die  gehofften  Winterquartiere  in  Rauch 
und  Flammen  auf,  und  zu  spät  dachte  er  an  den  Rückzug.  Die 
Schnee-  und  Eismassen  der  russischen  Steppen  begruben  das  stolze 
Heer,  und  die  Beresina  verschlang  die  letzten  Trümmer  jener  Legionen, 
welche  siegreich  die  halbe  Welt  durchzogen  hatten.  Von  270.000  Mann, 
der  Centrumsarmee,  welche  den  Niemen  im  Juni  1812  überschritten, 
waren  nur  4000  Mann  im  kläglichsten  Zustande  im  Jänner  1813 
zurückgekehrt. 

Oberstlieutenant  Stanislaus  de  Best  des  Regiments  Nr.  03 
erhielt  statt  dem  zum  Obersten  beförderten  Grafen  Sa  Iis  das 
Kommando  des  aus  den  Divisionen  der  Regimenter  Nr.  3,  4  und  63 
zusammengesetzten  Grenadier  -  Bataillons. 


448 


1813-181«. 


1813-1815. 

Oberstlieutenant  Johann  Niedermann  v.  Mayenfeld  war 
am  31.  März  1813  in  Ruhestand  getreten  und  erhielt  in  Anerkennung 
seiner  vorzüglichen  Dienstzeit  im  Kriege  und  Frieden  den  Obersten- 
Charakter;  in  seine  Stelle  avancirte  am  10.  März  Major  Stefan 
Baron  E  r  d  m  a  n  n  und  Johann  Trautmann  zu  Oberstlieutenants, 
letzterer  mit  Belassung  in  seiner  Anstellung  beim  Konskriptions- 
geschäft, Major  Johann  Kray  seile  zum  ersten  Major  und  der  Major 
Franz  Jaentschkc  des  Regiments  Nr.  20  wurde  am  IG.  April  in 
das  Regiment  eingetheilt. 

Die  Reste  der  grossen  französischen  Armee  wichen  im  Jänner 
1813  von  der  Memel  hinter  die  Weichsel,  —  in  den  ersten 
Tagen  des  März  über  die  Oder,  später  hinter  die  Elbe.  Die 
Preussen  hatten  sich  den  Russen  angeschlossen.  Beide  rückten  nun 
vereint  gegen  ihre  Feinde  und  im  April  wurde  auf  vielen  Punkten 
lebhaft  gefochten. 

Als  eine  neue  französische  Armee  vom  Rheine  au  die  Elbe 
gelangte,  kam  es  dann  im  Mai  zu  den  Schlachten  bei  (iross- 
Görschen  und  Bautzen.  Die  Franzosen  blieben  im  Vortheil.  Die 
Alliirtcn  zogen  sich  zurück.  Am  4.  Juni  ward  ein  Waffenstillstand 
unterzeichnet. 

Das  Regiment  lag  wie  im  verflossenen  Jahre  in  seinem  Werb- 
bezirke zu  Wien  in  Garnison.  Im  Monat  Juni  wurde  die  beurlaubte 
und  die  Reserve -Mannschaft  einberufen,  das  dritte  Bataillon  wieder 
errichtet,  die  Aufstellung  der  zwei  Landwehr -Bataillone  (die  Offiziers- 
stellen wurden  mit  Offizieren  des  Pensiousstandes  besetzt;  das  erste 
Bataillon  kommandirte  der  Maria  -  Theresien  -  Ordensritter  Oberst- 
lieutenant Leopold  Baron  Richter,  das  zweite  Major  Sebastian 
Stein  borg  v.  Lcidenthal)  und  der  Reserve  -  Division  anbefohlen 
und  das  Regiment  somit  auf  den  Kriegsfuss  gesetzt.  Alle  diese 
Anstalt«  Mi  wurden  mit  solcher  Anstrengung  und  patriotischem  Eifer 
betrieben,  dass  schon  anfangs  Juli  1813  das  dritte  Linien-  und  erste 
Landwehr- Bataillon  armirt,  montirt  und  exerzirt  waren  und  zu  jeder 
Stunde  mobil  gemacht  werden  konnten. 


igni. 


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1809  —  1835. 


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1809  —  1835. 


SOntllprfMtn  Oruck  dtt  k  k  mihi  |«oJr<f  Jnllituttt 


Offizier  und  Gemeiner  von 
Hoch-und  Deutschmeister. 


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449 


Die  seit  dem  letzten  Frieden  im  Regimeute  stattgehabten 
Militärsehulen  hatten  eine  hinlängliche  Anzahl  Kadeten  in  den 
ihrem  Stande  notwendigen  Wissenschaften  gebildet,  wodurch  das 
Regiment  bei  der  beträchtlichen  Vermehrung  der  Offiziere  nicht 
nur  in  keine  Verlegenheit  gesetzt  wurde,  sondern  auch  noch  an- 
deren Regimentern  mit  geschickten  Individuen  auszuhelfen  im 
Stande  war. 

Iu  Prag  wurde,  unter  der  Vermittlung  Oesterreich^,  über  den 
Frieden  unterhandelt.  So  wie  Frankreich  boten  auch  Russland  und 
Preusseu  alle  Kräfte  ihrer  Länder  auf,  um,  wenn  der  Friede  nicht 
zu  Stande  käme,  den  Krieg  mit  aller  Anstrengung  fortzusetzen. 
Der  Prager  Kongress  führte  zu  keinem  Vergleich,  weil  Napo- 
leon von  Nachgiebigkeit  entfernt  war.  Daher  schlössen  sich 
Oesterreich  und  Schweden  dem  verbündeten  Russland,  England 
und  Preusseu  an. 

Der  verlängerte  Waffenstillstand  endete  am  10.  August.  Oester- 
reich hatte  in  den  letzten  Monaten  sein  Heer  auf  mehr  als  400.000 
Mann  vermehrt;  in  Deutschland  wurden  in  drei  Armeen  485.000 
Alliirte  aufgestellt,  über  welche  Feldmarschall  Fürst  Schwarzen- 
berg den  Oberbefehl  führte. 

In  ganz  vorzüglichem  Zustande  brachen  das  erste  und  zweite 
Linien  -  Bataillon,  dann  das  erste  Landwehr- Bataillon  am  4.  August 
nach  Oberösterreich  auf.  Ihnen  folgte  am  10.  das  dritte  Bataillon. 
Das  zweite  Landwehr  -  Bataillon,  sowie  die  Reserve -Division  blieben 
in  Wien  zurück. 

Laut  Eintheilungs  -  Liste  für  den  Monat  August  1813  bestand 
das  Offiziers  -  Korps  aus: 

Oberst-Inhaber  Erzherzog  Anton,  F.-Z.-M.,  Hoch-  und  Deutschmeister. 

Oberst  Regiments  -  Kommandant  Josef  Baron  K 1  o  p  s  t  e  i  n. 

Oberstlieutenant  Stefan  Baron  Erdmann,  supernuinerär  Johann  von 
Trautmann. 

Major  Johann  von  Kray  seile,  Johann  v.  Jaentschke. 
Landwehr -Bataillons -Kommandanten,  Oberstlieutenant  Leopold  Baron 
Richler,  Major  8ebastian  v.  Steinberg. 
Kaplan  Michael  Wüntsch. 
Auditor  Peter  Dibold. 
Arzt  Dr.  Johann  Ketterer. 
Rechnungsführer  Josef  Ha  ekel. 

Adjutant  Oberlieut.  Alexander  Br.  Engelhardt  v.  Schnellenstein. 
Bataillons-Adjutant  Philipp  v.  Bolza,  Franz  Di  trieb,  Daniel  Schnor- 
busch;  bei  der  Landwehr  Kran/.  Berger,  Baron  H Immelberg. 

29 


450 


1*13-1815. 


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ss 

■3 

A 

KompJ 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

TTntor- 

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5 
1 

1. 

Georg 
v.  Wallek 

Ferdinand 
Steiger 

Caspar 
von  Ingram 

— 

s> 

Li 

2. 

Anton 
Baron  Stentseh 

Franz 
von  Aumer 

Thomas  Fabry 

— 

1. 

Georg  Rieauer 

Georg 
Schlinger 

Michael  Mattern 

Wenzel 
Mcssinger 

Christian  Br. 
Stookhausen 

Stefan 
Kerohmar 

Georg  Rodler 

Josef  Körn 

Uti 

B 
-*-» 

a. 

Johann 
von  Till 

Josef  Wend 

Josef 
Bachnitzer 

Heinrich 
Neumann 

X 

E 

4. 

David  Kranz 

Georg  Schulz 

Thaddäus 
Baron  Bessler 

Erasmus 

Bar.  Bcchinie 

5. 

Nepomuk  Kolbe 

Josef  Zihser 

Urban  Wilhelm 

Josef  Sack 



<;. 

Johann 
Bar.  Bretton 

Josef 
Heiaensohreiter 

Ludwig  Hahn 

Anton  Buteani 

7. 

Jakob  Strasky 

Conrad 
Möllmann 

Wenzel 
Bar.  Beduine 

Theodor 
Purtscher 

8. 

Josef  Faber 

Franz  Ardrario 

Franz  Stadler 

Franz 
von  Ernst 

o 

9. 

Andreas 
Rösgen 

Franz 
von  Buell 

Martin 
von  Buell 

Ferdinand 
Jeschka 

n: 

10. 

Josef  Hoffmann 

Thaddäus 
Bruckmayer 

Ferdinand 
Bar.  Leydnitz 

Karl  Bauernfeld 

11. 

Johann 

VOM  (tilg 

Adolf 
Hcrdlitzka 

Ernst  Alster 

IT  1 

Karl 
Bar.  Synoth 

12. 

Johann 
Birkenstook 

Caspar  Riegel 

Ludwig 
von  Mayer 

DI  _    J  •  * 

v erdinand 
Fischer 

13. 

Wenzel  Ernst 

August  Witte 

Antou  Braun 

Nikolaus 
Maurer 

14. 

Georg 
Mehlfuhrer 

(iabriol 
Sehneichels 

Karl 
Mehlfiihrer 

Karl  Metz 

/. 

. — 

15. 

Philipp 
Weikcrsreiter 

Johann 
Unkel  hauser 

Franz 
von  Wertenfeld 

Ferdinand 
Fischer  II 

16. 

Johann  Ficbtl 

Johann 
Schwarz 

Anton  Reinert 

Franz  Braun 

17. 

Michael 
von  Schwabl 

Johann  Catty 

Johann 
Br.  Maasburg 

Karl 

von  Niedermann 

18. 

Caspar  Gaya 

Josef 
Gf.  Sürville 

Ludwig 
Eberling 

Johann 
Freisinger 

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isi.l-tsi:,. 


151 


£. 

5 
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Hauptmann 

Li  eutenan t 

Fähnrich 

1 

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i§ 

1. 

Jobann  Schwarz 

Andrä  Stober 
Johann  Sacher 

Johann 
Schönberger 

"     —  T —  — rj 
Kgydius 
Prohaska 

II 

2. 

Josef  Blasius 

Josef  Wurst 
Jos.  Kranshaar 

Melichor  Ganz 

Josef 
Schmucker 

1. 

1  

Graf  liilleis 

Adam 

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\\  igenheJm 

Ignaz 

Antuoine 

Ignaz  Pein 

• 

— 

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— 

2. 

Peter 
Baron  Milius 

Stefan  Voigt 

Jeau  Maria 
StiereiiHtid 

Johann 
Baumeister 

3. 

.lo*ef  Pech 

Wenzel 
Baron  Bolza 

IgDU 
l'otelly 

Johann 
Mann  hart 

ites  L; 

4. 

Johann 
Bar.  Sichel 

Philipp 
<if.  Gruiidernann 

Franz 
Schütter 

Mathias  Holzer 

c 

5. 

Anton  Honig 

Alexander 
Br.  Lichtenstern 

Heinrich 
Neumann 

Ludwig 
Br.  Büren 

& 

TT      *  1 

Heinrich 
Carove 

Alois 

Malafas<  bitz 



Baron  Ncf/ern 

l/lll  «II        *  ^  V  I  #  r  *    1  Ii 

Franz  Siegler 

7. 

Karl  Josefi 

Itrnaz  Kriehuber 

Jobann 
Mayer 

Karl 
Br.  Bolzer 

■ 

u 

8. 

Johann 

von  Nuce 

Franz 
Bcrthotii 

.Josef 
Maurer 

Peter  Kilian 

audwe 

9. 

Stanislaus 
von  Manzy 

Andreas  Balzer 

Karl 
Trens«  hensky 

Karl 
Jnnphauser 

09 
O 

10. 

Michael  Mimzel 

Ijrnaz 
von  Hol  heim 

Max 
Rar.  MoBhardi 

Ferdinand 
Castaldo 

'S 

11. 

Wilhelm 
von  Dittrich 

Edmund 
Baron  Drosde 

Andreas 
Baader 

Adam  Menzel 

12. 

Johann  Gumbert 

Oeorg 
Oiassem 

Johann 
Kornblum 

Josef  Wallner 

Hauptmann  Johann  Innerhofe  r,  Generalkommando  -  Adjutant. 
Stand  6749  Mann,  Proviant-Bespannung   39  Mann,  97  Pferde;  Pack- 
Personal  6  Mann,  96  Pferde.  Beim  37  Soldatcnweiber. 


In  der  schönsten  Stimmung,  mit  heissem  Durst  nach  I  liaten 
gegen  die  Feinde  des  Vaterlandes,  bezogen  am  20.  August  die  drei 
Bataillons  das  Lager  bei  Wimspach.  Das  erste  Linien  -  Bataillon 
kam  unter  die  Befehle  des  Vorposten  -  Kommandanten  Oberst  Baron 
Mengen  von  Schwarzenberg  -  ühlanen  Nr.  2  nach  Wels,  welchem 
am  28.  August  auch  noch  das  erste  Landwehr  -  Bataillon  beigegeben 
wurde  und  die  Verschanzungen  bei  Lambach  besetzte.  Bis  hierher 
zählten  diese  vier  Bataillons  seit  ihrem  Ausmarsche  aus  Wien  nicht 
mehr  als  17  Kranke. 

29* 


•152 


1818  1815 


Oberst  Josef  Baroii  v.  Klops tein  wurde  mit  Allerhöchstem 
Befehl  vom  1.  September  1813  zum  General- Major  und  Brigadier, 
Oberstlieutenant  Stefan  Baron  Erdmann  mit  15.  desselben  Monats 
zum  Obersten  und  Regiments-Kommandanten,  Oberstlieutenant  Johann 
Trautmann  zum  supernumerären  Obersten.  Major  Johann  von 
Krayselle  zum  Oberstlieutenant,  zweiter  Major  Johann  Jaentschke 
zum  ersten  und  Hauptmann  Johann  Baron  Wöber,  des  Infanterie- 
Regiments  Nr.  12  zum  Major  im  Regiment,  dagegen  der  Grenadier- 
Hauptmann  Georg  v.  Walleck  zum  Major  bei  Nr.  12  befördert. 

Am  5.  September  feierte  die  Donau  -  Armee  in  ihrem  Lager 
bei  Wrimspach  das  Te  Deum  Aber  die  von  den  verbündeten  Heeren 
erfochtenen  glorreichen  Siege.  Die  Regimenter  gaben  dabei  ihre 
Begeisterung  laut  zu  erkennen  und  die  angenehmste  Witterung 
begünstigte  die  Feierlichkeit.  Bald  aber  fiel  ein  solches  anhaltendes 
Regenwetter  ein,  dass  alle  Bäche  und  Flüsse  austraten,  das  Lager 
überschwemmten  und  desshalb  die  Truppen  am  10.  September  in 
Kantonnirungs  -  Quartiere  verlegt  werden  mussteu.  Deutschmeister 
erhielt  seine  Dislokation  nach  WTels  und  Umgegend. 

Hier  wurde  den  Truppen  mit  Armeebefehl  vom  14.  Oktober  1813 
kund  gemacht,  dass  mit  dem  König  von  Bayern  Frieden  und  eine  Allianz 
abgeschlossen  wurde,  kraft  welcher  die  österreichischen  Truppen  sich 
mit  den  bayerischen  vereinigten  und  gegen  die  Franzosen  marschirten. 
Die  Division  des  F.-M.-Lt,  P  flach  er,  bestehend  aus  den  Regi- 
mentern Deutschmeister,  Nr.  31,  dem  4.  Jäger  -  Bataillon  und  den 
Brigade -Batterien,  erhielt  aber  den  Befehl  zur  Abrückung  nach  Inner- 
Oesterreich, um  sich  au  die  Armee  des  F. -Z.-M.  Baron  Hill  er 
auzuschliessen,  welche  bestimmt  war,  gegen  Italien  zu  operiren. 

Am  17.  Oktober  brach  das  Regiment  in  der  Brigade  des 
G.-M.  Baron  Süden  an  seine  neue  Bestimmung  auf  und  marschirte 
in  starken  Märschen  ohne  Rasttag  über  Wmdischgarstcn,  Unzmarkt 
nach  St.  Veit  in  Kärnten,  wo  es  am  28.  Oktober  ankam  und  den  Be- 
fehl vom  F.-Z.-M.  H  i  1 1  e  r  erhielt,  seinen  Marsch  so  zu  beschleunigen, 
dass  es  am  11.  November  in  Trient  eintreffe.  Von  Villach  an,  mussteu 
täglich  doppelte  Märsche  gemacht  werden,  jedoch  waren  zur  Trans- 
portirung  der  Tornister  und  Maroden  für  jede  Kompagnie  in  den 
Stationen  zwölf  halbe  Vorspannswagen  bereit. 

Nach  tinermüdeter  Anstrengung  ohne  wesentliche  Erkrankung 
der  Mannschaft  legte  das  Regiment,  trotz  der  eingetretenen  äusserst 


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1818-181R 


453 


ungünstigen  Witterung  diese  beschwerlichen  Marsche  zurrick  und 
erhielt  bei  seinem  Eintreffen  in  Trient  die  Weisung,  gleichfalls  mit 
doppelten  Märschen  durch  das  Val  sugana  nach  Vicenza  abzurücken, 
woselbst  es  am  15.  November  anlangte.  F. -Z. -M.  Baron  Hill  er, 
welcher  dem  Regiment  entgegenritt,  belobte  die  Haltung,  die  es 
diesen  angestrengten  Märschen  ungeachtet,  bewahrte. 

So  dringend  nöthig  der  Mannschaft  auch  nur  ein  Rasttag  zur 
Erholung  und  Ausbesserung  der  Armatur-  und  Montursstücke  gewesen 
wäre,  so  gestattete  doch  die  damalige  Lage  der  Dinge  denselben 
nicht  und  schon  um  Mitternacht  musstc  das  Regiment  wieder  auf- 
brechen, um  nach  Montebello  vorzurücken  und  die  Anhöhen  von 
Sario  zu  besetzen.  Da  jedoch  der  Tags  zuvor  bis  Villa  bella  an  den 
Alpon  vorgerückte  Feind  keine  weiteren  Bewegungen  machte,  so  blieb 
das  Regiment  am  16.  und  17.  ruhig  in  dieser  Stellung. 

Am  18.  rückte  die  Armee  gegen  Verona  vor.  Das  3.  Bataillon 
ward  der  Avantgarde  unter  dem  Befehle  des  G.-M.  Baron  Ekardt 
zugetheilt;  die  andern  Bataillone  lagerten  sich  bei  Colognola  auf 
jenen  Höhen,  welche  1796  Zeuge  der  ruhmvollen  Thaten  des  Regi- 
mentes waren.  Am  19.  mit  Tagesanbruch  ward  der  Feind  auf  s  Neue 
angegriffen  und  aus  dem  eine  Stuude  von  Verona  gelegenen  S.  Martiuo 
vertrieben.  Das  dritte  Bataillon  musste  vorgezogen  werden  und  hatte 
zum  ersten  Male  Gelegenheit,  unter  den  Augen  des  kommaudirenden 
Generals  Beweise  seiner  Tapferkeit  an  den  Tag  zu  legen.  Zwei 
Kompagnien  waren  zur  Deckung  des  rechts  von  S.  Martino  aufge- 
führten Geschützes  beordert;  du;  übrigen  vier  Kompagnien  rückten 
mit  ihrem  Kommandanten,  Oberstlieutenant  Krayselle,  in  Ab- 
theilungen unter  einem  heftigen  Kanonenfeuer  gerade  auf  der  Strasse 
gegen  S.  Michaele  vor,  schwenkten  sodann  links,  verjagten  den  Feind 
aus  Ghetto  und  lehnten  den  rechten  Flügel  an  die  Etsch.  Da  die 
Absicht  des  kommandirenden  Generals  erreicht  war,  den  Feind  bis 
unter  die  Thore  von  Verona  zurückzudrängen,  so  machte  die  Nacht 
diesem  blutigen  Gefechte  eiu  Ende.  Dieses  Bataillon,  beim  Ausmarsche 
neu  errichtet,  bewies  hier  einen  grossen  Grad  von  Muth  und  Ent- 
schlossenheit, wovon  sich  der  F. -Z.-M.  Baron  Hiller  persönlich 
überzeugte.  Es  zählte  8  Todte,  31  Verwundete  und  12  Vermisste. 
Unter  den  Verwundeten  befanden  sich  die  Hauptleute  v.  W  e  i  ke  r  s- 
reiter  und  v.  Fichtl.  Der  Armeebefehl  vom  2.  Dezember  erwähnt 
rühmlichst  die  Auszeichnung  des  Oberstlieuteuant  v.  Kray  seile, 


454 


1*13-1815. 


sowie  der  obgenanntcn  beideu  Hauptleute,  welche  mit  ihren  Kom- 
pagnien die  Meierhöfe  rechts  von  Ghetto  erstürmt  hatten. 

Bei  eintretender  Dämmerung  wurden  auch  die  andern  drei 
Bataillons  vorgerufen  und  das  Regiment  übernahm  die  Vorposten- 
kette von  Montorio  bis  an  die  Etsch.  In  diesem  beschwerlichen 
Dieust  verblieb  dasselbe  bis  zum  6.  Dezember,  worauf  es  vom  Re- 
giment Nr.  27  abgelöst  und  zur  Unterstützung  rückwärts  nach 
Colognola,  Illasi  und  Caldiero  gelegt  wurde.  Die  Beschwerden, 
welchen  das  Regiment  besonders  in  den  letzten  Wochen  auf  Vor- 
posten bei  immerwährender  regnerischer  Witterung  unterworfen  war, 
wirkten  so  nacbtheilig  auf  die  Gesundheit  der  Mannschaft,  dass  die 
Anzahl  der  Kranken  und  Maroden  sich  beinahe  täglich  auf  80  bis 
100  Mann  belief. 

Major  Sebastian  v.  Steinberg  war  am  1.  November  1813  in 
Ruhestand  getreten,  dagegen  hatte  am  16.  November  Major  Josef 
Graf  Gilleis  des  Ruhestandes  das  Kommando  des  zweiten  Land- 
wehr -  Bataillons  erhalten. 

Feldmarschall  Graf  Bellegarde,  welcher  am  16.  Dezember 
das  Kommando  der  Armee  in  Italien  übernommen  hatte,  hielt  am 
27.  Heerschau  über  die  unterstehenden  Truppen.  Mittlerweile  war 
auch  das  zweite  Landwehr- Bataillon  unter  dem  Kommando  des 
Majors  Grafen  Gill  eis  von  Wien  in  Marsch  gesetzt  worden.  Es 
traf  in  den  ersten  Tagen  dieses  Monats  in  Mestre  ein,  kam  unter 
den  Befehl  des  F. -M.-Lt.  Baron  Marschall  und  wurde  bei  der 
Blockade  von  Venedig  verwendet.  Desgleichen  rückte  das  Grenadier- 
Bataillon  de  Best,  bei  welchem  die  Grenadier-Division  des  Regiments 
eiugetheilt  war  und  bei  Hanau  ruhmvoll  mitgefochten  hatte,  gleich- 
falls bei  der  Armee  in  Italien  im  Hauptquartier  zu  Vicenza  ein. 

Da  die  feindliche  Armee,  Streifkorps  über  Quinto  Romagnano 
bis  nach  Cero  entsandte  und  dadurch  die  österreichische  rechte 
Flanke  bedrohte,  so  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  mit  einem 
Bataillon  Cero  zu  besetzen.  Das  zweite  Bataillon,  welches  zu  dieser 
Unternehmung  beordert  wurde,  fand  zwar  den  Ort  vom  Feinde 
wieder  verlassen,  ward  aber  in  dieser  ausgedehnten  Stellung,  welche 
es  den  ganzen  Monat  Jänner  1814  hindurch  inne  hatte,  von  feind- 
lichen Patrouillen  ununterbrochen  beunruhigt. 

Die  rückgängigen  Bewegungen  der  Franzosen  in  den  letzten 
Tagen  des  Monats  Jänner  veranlassten  die  Vorrückung  der  öster- 


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1S1.1— 1H15. 


455 


reichisehen  Armee  über  die  Etseh.  Das  liegiment  ward  am  3.  Februar 
nach  S.  Martino  vorgezogen.  Am  4.  marschirte  es  als  Unterstützung 
der  Avantgarde  in  der  Brigade  des  G.-M.  Baron  Bogdan  durch 
Verona,  unter  einem  enthusiastischen  Freudengeschrei  der  Bewohner, 
welche  zu  Tausenden  den  österreichischen  Truppen  entgegenströmten. 
Es  bezog  abends,  als  der  Vortrab  bei  Villafranca  mit  dem  feind- 
lichen Nachtrab  ein  kleines  Gefecht  bestanden  hatte,  das  Lager  bei 
Dosso  buono.  Am  5.  rückte  es  über  Villafranca  nach  Valeggio,  wo 
es  die  Anhöhen  am  Mincio  besetzte. 

Der  8.  Februar  war  zur  Vorrückung  über  diesen  Fluss  be- 
stimmt. In  der  Nacht  vom  7.  auf  den  8.  musste  bei  den  Mühlen 
von  Valeggio  eine  Bockbrücke  geschlagen  werden,  wozu  das  zweite 
Bataillon  des  Regiments  verwendet  wurde.  Mit  Tagesanbruch  setzten 
unter  den  Befehlen  des  F. -M.-Lt.  Kadi  v  oje  vi  ch  die  Brigaden 
Steffanini  und  Bogdan  über  diese  Brücke.  Die  feindliche  Division 
Fressinet,  welche  bei  Monzambano  stand,  hatte  ihre  Vortruppen  bei 
Borghetto,  gegenüber  Valeggio.  Diese  wurden  angegriffen  und  ge- 
worfen. Als  ihnen  aber  der  Feind  Verstärkungen  zusandte,  wurde 
das  erste  Landwehr  -  Bataillon  des  Regiments  beordert,  den  Feind 
von  einer  Höhe  zu  vertreiben,  deren  er  sich  bemächtiget  hatte.  Das 
Bataillon  führte  diesen  Auftrag  unter  seinem  ergrauten  tapferen 
Anführer  Oberst  Baron  Richlcr  mit  bewunderungswürdigem  Muthe 
und  Ordnung  aus.  Die  Anhöhe  ward  genommen  und  der  Feind  in 
die  Ebene  längs  dem  Ufer  des  Mincio  getrieben.  Indessen  ward 
auch  das  dritte  Bataillon  dem  mit  neuen  Verstärkungen  anrücken- 
den Feind  entgegengeschickt.  Oberstlieutenant  Kray  seile  griff 
ihn  mit  diesem  Bataillon  entschlossen  an,  erstürmte  einige  Häuser, 
in  welchen  er  sich  festgesetzt  hatte  und  verfolgte  ihn  in  Verbindung 
mit  dem  Landwehr -Bataillon  gegen  Monzambano.  Es  wurden  bei 
diesem  Angriffe  viele  GcfaDgene  gemacht  und  dem  Feinde  ein  nam- 
hafter Verlust  beigebracht. 

Ein  Versuch,  welchen  ein  feindliches  Bataillon  in  die  linke 
Flanke  des  dritten  Bataillons  unternehmen  wollte,  ward  durch  die 
Hauptleute  v.  Adlersburg  und  v.  Gaya  mit  ihren  Kompagnien 
vereitelt.  Im  immerwährenden  heftigsten  Kanonen-  und  Gewehrfeuer 
blieben  diese  beiden  Bataillons,  bis  das  erste  und  zweite  Feld- 
Bataillon,  welche  anfänglich  gegen  Volta  zu  marschiren  befehliget 
waren,  von  dort  zurückgeholt,  und  ebenfalls  auf  die  Höhen  von 


450 


1813-1815. 


Monzambano  geführt  wurden.  Das  zweite  Bataillon  wurde  sogleich 
zur  Ablösung  des  dritten  Bataillons,  welches  seine  Munition  ver- 
schossen hatte,  beordert.  Mit  kühner  Entschlossenheit  drang  solches 
unter  Kommando  des  Majors  Baron  Wöber  vor,  vertrieb  den  Feind 
aus  den  von  ihm  besetzten  Häusern  imd  hinderte  dadurch  alle  seine 
Versuche,  nochmals  vorzudringen.  In  dieser  Aufstellung  dauerte  das 
Gefecht  bei  Monzambano  mit  gleicher  Hartnäckigkeit  bis  zur  ein- 
brechenden Nacht. 

Das  erste  Bataillon  war  auf  der  rückwärtigen  Anhöhe  als 
Reserve  aufgestellt,  woselbst  sich  auch  das  aus  dem  Feuer  zurück- 
gezogene dritte  Bataillon  sammelte  und  mit  frischer  Munition  ver- 
sehen wurde.  Diese  beiden  Bataillons  erhielten  nun  den  Befehl, 
sogleich  über  den  Mincio  zurückzumarschiren  und  sich  vor  Valeggio 
auf  der  Strasse  nach  Bozzolo  aufzustellen,  um  die  Division  des 
F.-M.-Lt.  Baron  Mer rille  zu  verstärken,  welche  von  der  feind- 
lichen Hauptmacht  aus  Mantua  angegriffen,  den  ganzen  Tag  hin- 
durch mit  der  grösster  Tapferkeit  gegen  deren  Ueberlegenheit  ge- 
fochten hatte.  Kaum  in  dieser  neuen  Stellung  angelangt,  wurde  eine 
Division  des  dritten  Bataillons  unter  Kommando  des  Hauptmanns 
v.  Adlersburg  zum  Angriff  beordert.  Zugleich  rückte  Oberst 
Erdmann  mit  dem  ersten  Bataillon  in  des  Feindes  rechte  Flanke 
und  Hess  die  Häuser  Ii  Furoni  wegnehmen,  wobei  60  Franzosen 
niedergemacht,  2  Offiziere  und  8  Mann  gefangen  wurden.  Das  dritte 
Bataillon  rückte  indessen  unaufgehalten  rechts  der  Strasse  vor, 
während  der  Major  v.  Jaentschke  mit  einer  Division  des  ersten 
Bataillons  im  Sturmschritt  mit  klingendem  Spiele  den  Feind  von 
vorne  angriff.  Ein  lebhaftes  Feuer  aus  dem  Geschütz  unterstützte 
diesen  Angriff,  worauf  der  Feind,  von  der  bereits  eingetretenen 
Nacht  begünstigt,  seinen  Rückzug  antrat. 

Bei  diesen  blutigen  Gefechten  hatte  das  Regiment  einen  Ver- 
lust von  34  Todten,  366  Verwundeten,  13  Gefangenen  und  45  Ver- 
missten ;  darunter  waren  todt :  Oberlieutenaut  Karl  v.  Witt  e, 
verwundet:  Hauptmann  Strasky,  Hönig,  Oberlieutenant  Schulz, 
Schwarz,  Baron  Leidnitz,  Lieutenant  Sack,  v.  Werte  n  fei  «I, 
v.  Buell,  Baron  Synoth,  Fähnrich  v.  Niedermann,  Pfau, 
Baron  Büren  und  Pein. 

Oberlieutenant  v.  Witte  blieb  bei  einem  Kavallerieangriff 
vor  Monzambauo  ruhmvoll  auf  dem  Felde  der  Ehre,  nachdem  die 


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1*18-1815. 


457 


von  ihm  kommandirte  Abtheilung,  durch  sein  tapferes  Beispiel 
enmithiget,  die  Kavallerie  kühn  zurückgewiesen  hatte. 

Der  Armeebericht  vou  diesem  hartnäckigen  Gefechte  rühmt 
das  tapfere  Betragen  summtlicher  Offiziere  und  Mannschaft  des  Regi- 
ments und  benennt  nebst  dem  Obersten  und  Kommandanten,  dessen 
tapferer  und  zweckmässigen  Leitung  man  die  so  glücklichen  Resultate 
verdankte,  noch  die  besondere  Auszeichnung  des  Oberstlieutenants 
und  Landwehrbataillons  -  Kommandanten  Baron  R  i  c  h  1  e  r ,  des 
Oberstlieutenants  v.  Kray  seile,  der  Majors  v.  Jaentschke  und 
Baron  Wöber,  welche  ihren  braven  Bataillons  zum  Beispiele  gedient 
und  vor  allem  das  Zeugniss  des  muthvollsten  Betragens  sich  er- 
worben haben;  ferners  den  Hauptmann  Carove,  welcher  gleich 
anfangs  mit  seiner  Division  eine  Anhöhe  erstürmte ;  den  Hauptmann 
Baron  Mylius,  welcher  durch  einen  beherzten  Augriff  eine  vom 
Feinde  bereits  abgeschnittene  halbe  Kompagnie  des  11.  .Tager- 
bataillons von  der  Gefangenschaft  befreite ;  den  Hauptmann  H  ö  n  i  g, 
welcher  ungeachtet  zweier  Wunden  sich  dennoch  nicht  von  seiner 
Kompagnie  entfernte ;  den  Hauptmann  Baron  Stockhausen, 
welcher  den  Angriff  in  die  feindliche  Flanke  bei  den  Häusern  le 
Furoni  mit  besonderer  Entschlossenheit  unternahm;  die  Oberlieute- 
nants v.  Schulz,  v.  Zipser  und  Heidenschreiter,  welche 
bei  Einnahme  dieser  Häuser  zuerst  in  selbe  eindrangen,  dann  den 
Hauptmann  v.  Adlersburg,  Oberlieutenant  Unkelhäuser 
und  Lieutenant  Eckstein,  die  durch  ihr  ermunterndes  Beispiel 
den  Mutli  der  Truppen  belebten  und  in  schwierigen  Augenblicken 
die  Ordnung  handzuhaben  beflissen  waren.  Feldwebel  Eisen  von 
der  15.  Kompagnie  zeichnete  sich  bei  Gelegenheit,  als  das  Bataillon 
zum  Aufmarsch  aus  Abtheilungeu  in  die  Front  kommandirt  war  und 
ein  Kartätsch enschuss  in  seiner  Abtheiluug  Verheerung  anrichtete, 
durch  sein  vorzüglich  tapferes  und  unerschrockenes  Benehmen  aus, 
wofür  er  am  Schlachtfelde  zum  Fähnrich  befördert  wurde.  Feldwebel 
Grimmel  von  der  vierten  Kompagnie  erhielt  die  goldene,  ferner 
die  Feldwebels  Johann  Fuchsgruber  und  Johann  Höpfel,  dann 
der  Korporal  Ludwig  von  der  fünften  und  Gemeiner  Hirnschall 
von  der  sechsten  Kompagnie  die  silberne  Tapferkeits-Medaille,  deren 
sie  sich  bei  Erstürmung  mehrbesagter  Häuser  Ii  Furoni  würdig 
gemacht  hatten;  Fuchsgruber  hatte  überdies  den  schwer  ver- 
wundeten Lieutenant  Baron  Synoth  aus  den  Händen  der  Feinde, 


158 


lftlS-lftl». 


mit  edler  Selbstaufopferung  befreit,  auf  den  Verbandplatz  gebracht, 
war  aber  dann  wieder  in  seine  Eintheilung  zurückgekehrt. 

Se.  Majestät  der  Kaiser  verlieh  dem  Hauptmann  Baron  Mylitis 
das  Kitterkreuz  des  Leopold- Ordens;  Se.  Majestät  der  Kaiser  von 
Russland  dem  Obersten  v.  Er d mann,  wegen  seiner  Auszeichnung  in 
diesem  Treffen,  den  St.  Anna -Orden  zweiter  Klasse. 

Auch  die  Grenadier  -  Division  nahm  in  der  Division  des  F.-M.-Lt. 
Mervillc  vorzüglichen  Antheil  an  dem  Kuhme  dieses  blutigen 
Tages.  Ihr  Verlust  bestand  in  11  Todten  und  45  Verwundeten. 

Am  10.  Februar  griffen  die  Franzosen,  die  auf  dem  rechten 
Ufer  des  Mincio  bei  Borghetto  stehenden  Oesterreicher  mit  vielem 
Nachdruck  an  und  bemühten  sich  vergeblich,  dieselben  über  diesen 
Fluss  zurückzudrücken.  Vom  Regiment  wurde  das  zweite  Bataillon 
in  dieses  Gefecht  verwickelt,  wobei  es  abermals  mit  Ruhm  gefochten 
und  sich,  sowie  dessen  Kommandant,  Major  Baron  Wöber,  den 
besonderen  Beifall  des  kommandirenden  General  erworben  hat.  Es 
verlor  hiebei:  2  Todte,  52  Verwundete,  darunter  Lieutenant  Fischer 
jun.  und  8  Gefangene. 

Nach  dieser  Affaire  wurde  das  Regiment  auf  dem  Monte 
Magarino  am  linken  Ufer  des  Mincio  aufgestellt,  von  wo  es  am 
17.  Februar  mit  der  ganzen  Division  des  F.-M.-Lt.  v.  Radi- 
vojevich  in  das  Lager  bei  Querni  abrückte.  Eine  ungewöhnlich 
starke  Kälte  trat  jetzt  ein ;  Krankheiten  nahmen  überhand  und  der 
Mangel  an  Lebensmitteln  in  dieser  Gegend  ward  täglich  fühlbarer, 
was  den  Kommandirenden  bewog,  der  Armee  eine  ausgedehntere 
Kantonni rang  an z u weise u . 

Das  Regiment  brach  am  9.  März  von  Querni  auf  und  marschirte 
in  das  Hauptquartier  nach  Verona  zurück.  Hier  hatte  es  Gelegenheit 
sich  zu  erholen ;  Ergänzungstransportc  rückten  ein ,  welche  den 
erlittenen  Verlust  ersetzten.  Ein  heiteres  Frühlingswetter  gestattete 
die  Waffenübungen  und  bald  war  jede  Wunde  vernarbt,  die  dieser 
Feldzug  geschlagen  hatte. 

Oberst  Johann  v.  Traut  mann  wurde  am  letzten  Februar  1814 
zum  Regiment  Nr.  15  transferirt,  dagegen  der  Maria  -  Tberesien- 
Ordensritter  Oberstlieutenant  Leopold  Freiherr  v.  Rieh  ler  am 
3.  März  zum  Obersten  befördert. 

Am  27.  April  1814  ward  nach  der  mit  dem  Vicekönig  von 
Italien  geschlossenen  Konvention  die  Vorrückung  in  die  Lombardie 


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1K1S  -IK15. 


459 


befohlen,  worauf  am  28.  das  Regiment  von  Veroua  aufbrach  und  am 
7.  Mai  zur  Besatzung  in  Mailand  einrückte.  Am  27.  Mai  ging  das 
erste  Landwehr  -Bataillon  von  Mailand  nach  Venedig  ab.  Desgleichen 
marschirte  am  8.  Juni  das  zweite  Landwehr- Bataillon  von  Venedig 
nach  Wien  zurück,  welchem  am  13.  Juli  auch  das  erste  Landwehr- 
Bataillon  folgte.  Die  Grenadier- Division  verliess  gleichfalls  am 
14.  August  Mailand,  um  nach  Wien  zurückzukehren. 

Am  30.  Mai  1814  war  der  Pariser  Frieden  unterzeichnet 
worden;  Napoleon  hatte  am  12.  April  zu  Fontainebleau  der 
Regierung  entsagt  und  die  Insel  Elba  zum  Aufenthalte  angewiesen 
erhalten.  König  Ludwig  XVIII.  bestieg  den  Thron  Frankreich^. 
Oesterreich  erhielt  die  meisten  der  durch  die  Traktat«  1805  und 
180D  verlorenen  Provinzen  zurück,  dazu  die  Lombardie  und  M antun. 

Se.  Majestät  Kaiser  Franz  stiftete  als  Auszeichnung  für  alle, 
welche  den  Feldzug  1813  und  1814  mitgemacht  haben,  ein  Kreuz. 
Das  diesbezügliche  Handschreiben  Se.  Majestät  ddto.  Paris,  21.  Mai 
1814  lautet: 

„Um  das  Andenken  an  die  letztverflossene  merkwürdige  Epoche 
„und  die  grossen  Ereignisse,  woran  Meine  Armee  so  vielen  Antheil 
,  hatte,  auf  die  spätesten  Zeiten  zu  übertragen,  finde  Ich  Mich 
.bestimmt,  ein  eigenes  Zeichen  zu  stiften,  welches  die  Brust  der 
»österreichischen  Krieger  ohne  Unterschied  des  Banges,  welche  das 
„  Glück  hatten,  an  dem  beendeten  Kriege  Theil  zu  nehmen,  zieren 
.soll;  dieses  wird  aus  eroberteu  Kauonenmetall  geprägt  und  hat  die 
.Gestalt  eines  mit  einem  Lorbeerkranze  umwundenen  Kreuzes,  auf 
.der  einen  Seite  die  Legende:  Libertate  Europac  asserta  1813  1814, 
.auf  der  Kehrseite:  grati  prineeps  et  patria.  Franciscus  imp.  Aug., 
,zu  erhalten.  Es  wird  an  einem  gelb  und  schwarz  eingefassten 
.seideneu  Band  am  Knopfloch  getragen  und  besteht  für  alle  Krieger 
.aus  einer  Klasse. 

.Diese  Ehrenzeichen  werden  nur  einmal  vertheilt,  sie  bleiben 
.den  Erben.  Jedem  Theilhabenden  steht  es  frei,  seinen  Namen  auf 
.den  Rand  des  Kreuzes  stechen  zu  lassen.  Individuen  in  Meinen 
.Diensten  haben  auf  diese  Auszeichnung  allein  Anspruch." 


4»io 


1813-1815. 


Die  Erhebung  der  Bourbons  mit  Ludwig  XVIII.  durch  die 
Alliirten  auf  den  Thron  Frankreich^  hatte  die  Eitelkeit  des  fran- 
zösischen Volkes  verletzt  und  die  Erinnerung  au  den  Ruhm  und  die 
Siege  Napoleon's  nach  erhalten. 

Seit  dem  Herbste  1814  war  der  Monarchen -Kongress  in  Wien 
versammelt,  um  die  Karte  Europa's  auf  festen  Grundlagen  fest- 
zustellen; aber  die  Arbeiten  machten  lange  Zeit  nur  geringe  Fort- 
schritte, ja  es  waren  wegen  Sachsen  und  Polen  sogar  ernste  Zerwürf- 
nisse entstanden. 

Napoleon,  von  allen  diesen  Vorgängen  wohl  unterrichtet, 
fand  die  Zeit  gelegen,  sich  wieder  des  verlorenen  Thrones  zu 
bemächtigen  und  hoffte  aus  der  Uneinigkeit  der  Mächte  den  Nutzen 
zu  ziehen,  sich  auf  demselbeu  zu  behaupten. 

Da  durchflog  plötzlich  die  staunenerregende  Kunde  alle  Länder, 
dass  der  entsetzte  Franzosen -Kaiser  am  20.  Februar  1815  mit  den 
ihm  belassenen  1200  Garden  Elba  verlassen  und  am  l.  März  bei 
Cannes  au  der  südfrauzösischen  Küste  gelandet  sei.  Die  gegen 
ihn  ausgesendeten  Truppen  gingen  zu  ihm  über  und  schon  am 
20.  März  zog  er  in  Paris  ein,  welches  Ludwig  XVIII.  Tags  vorher 
verlassen  hatte. 

Nach  seiuer  Thronbesteigung  gab  er  den  Alliirten  die  bündigsteu 
Erklärungen  seiner  friedlichen  Absichten,  aber  gleichzeitig  hatte  sein 
Schwager  Murat,  König  von  Neapel,  Oesterreich  den  Krieg  erklärt 
und  so  schenkte  man  seinen  Versicherungen  keinen  Glauben,  um 
so  weniger,  als  er  seine  Armee  schnell  auf  375.000  Krieger  brachte. 
Diese  Ereignisse  bewirkten  schnell  die  Einigkeit  im  Kongress  zu 
Wien.  Napoleon  wurde  in  die  Acht  erklärt  uud  alle  Armeen  der 
Alliirten  in  Bewegung  gesetzt. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  vom  11.  Februar  1815  wurde  Major 
Ferdinand  Baron  Voith  v.  Sterbecz,  Kefereut  beim  General- 
Kommando  superuumerär  dem  liegimente  iu  Stand  gegeben. 

Als  sich  im  Monat  März  1815  die  Armee  gegen  den  König 
Murat  am  Po  zusammeuzog,  musste  das  Regiment  iu  Mailand  ver- 
bleiben und  machte  dessen  alleinige  Besatzung  aus.  Dass  es  sich 
aber  auch  hier  während  dieser  kritischen  Epoche  vorteilhaft  ver- 
wenden Hess,  beweist  die  Auszeichnung,  welche  Se.  Majestät  dem 
Obersten  Krdmanu  durch  Verleihung  des  österr.  kaiserl.  Ordens 
der  eisernen  Krone  angedeihen  zu  lassen  geruhten. 


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isis  isir,. 


401 


Major  Ottavio  Bernardo  wurde  am  1.  Mai  1815  von  der 
italienischen  Armee  in  Stand  gegeben,  qnittirte  aber  an  dem- 
selben Tage. 

Gleich  nach  den  ersten,  mit  den  Neapolitanern  siegreich  ge- 
lieferten Gefechten,  Obernahm  der  General  der  Kavallerie  Baron 
Frimont  das  Kommando  der  Armee  in  Italien  gegen  Frankreich 
und  das  Regiment  ward  am  4.  Juni  einstweilen  nach  Monza  verlegt. 
Am  15.  Juni  brach  es  von  dort  auf  und  rückte  Aber  Arona,  Domo 
Dossola  und  den  Simplon  durch  das  Walliserland  nach  Genf  vor,  wo 
es  nach  angestrengten  Märschen  am  29.  das  Lager  bezog.  In  der 
Nacht  vom  3.  auf  den  4.  Juli  erhielt  das  Regiment  den  Befehl, 
Ober  Frangy  nach  Eloise  vorzurücken  und  mit  Tagesanbruch  den 
dortigen  Brückenkopf  an  der  Rhone  zu  erstürmen.  Der  Feind  mag 
von  dieser  Vorrückung  unterrichtet  worden  sein  und  hielt  es  für 
besser,  in  der  Nacht  sich  zurückzuziehen  und  die  steinerne  Brücke 
zu  sprengen.  Mit  aller  Thätigkeit  ward  sogleich  unter  der  Leitung 
des  Oberstlieutenant  Wirker  vom  Pionnier- Korps  zu  der  Errichtung 
einer  Nothbrücke  geschritten,  welche  aber  wegen  der  steilen  und 
sehr  hohen  Ufer  erst  am  6.  in  der  Früh  hergestellt  und  von  der 
Division  des  F.-M. -Lt.  Ignaz  Graf  Hardegg,  zu  welcher  das 
Regiment  gehörte,  passirt  werden  konnte.  Zwei  Kompagnien  des 
dritten  Bataillons  unter  Kommando  des  Hauptmann  v.  Adlersburg 
marschirten  über  Seysell  zur  Berennung  der  Forts  Pierre  Chatcl; 
zwei  andere  Kompagnien  desselben  Bataillons  unter  Anführung  des 
Hauptmann  v.  Emst  wurden  zur  Einschliessung  des  Forts  I/Ecluse 
entsendet.  Die  andern  Bataillone  setzten  ihren  Marsch  gegen  Nantua 
fort.  Am  See  Syant  stiessen  sie  auf  den  Feind,  welcher  keine  Miene 
machte,  die  weitere  Vorrflckung  zu  verwehren.  F.-M. -Lt.  Graf 
Hardegg  beorderte  das  Regiment,  den  Feind  in  der  Front  anzu- 
greifen, während  die  Landwehr -Bataillone  der  Regimenter  Nr.  49 
und  8  denselben  auf  seinen  beiden  Flügeln  zu  umgehen,  befehliget 
wurden.  Nach  einigem  Widerstand  wurde  der  Feind  bis  Nantua 
zurückgeworfen.  Das  Regiment  verlor  1  Todten,  1.3  Verwundete  und 
3  Vermisste.  Korporal  Josef  Scharf  der  achten  Kompagnie  erhielt 
wegen  besonderer  Auszeichnung  eine  Belohnung  von  sechs  Dukaten 
in  Gold. 

Am  8.  rückte  Hauptmann  v.  Ernst  mit  seiner  Division  wieder 
beim  Regimente  ein,  nachdem  sich  am  7.  mit  Tagesanbruch  das 


462 


1818-1815. 


Fort  de  L'Ecluse  mit  seiner  Besatzung  auf  Diskretion  an  ihn  ergeben 
hatte,  da  durch  das  wohlangebrachte  Feuer  der  österreichischen 
Artillerie  das  Pulvermagazin  in  die  Luft  gesprengt  worden  und  dann 
an  eine  fernere  Verteidigung  nicht  mehr  zu  denken  war. 

Am  11.  versuchte  der  Feind  zwischen  Maximieux  und  Montuel 
sich  abermals  dem  Vordringen  nach  Lyon  zu  widersetzen.  Der  kom- 
mandirende  General  Baron  Frimont  ordnete  die  Regimenter  zum 
Angriff,  worauf  es  jedoch  der  Feind  nicht  ankommen  Hess,  sondern 
jenen  Vertrag  unterzeichnete,  kraft  welchem  am  15.,  IG.  und  17.  Juli 
Lyon  geräumt  und  übergeben  werden  musste.  Am  15.  rückte  das 
Regiment  in  die  Verschanzungen  von  Lyon  und  am  16.  besetzte  es 
die  Vorstädte  am  linken  Ufer  der  Saone,  in  welchen  es  am  17.  von 
Truppen  des  Armee-Korps  des  F.-M.-Lt.  Grafen  Bubna  abgelöst 
und  in's  Lager  nach  Chalous  sur  Saone  gezogen  wurde.  Da  indessen 
der  allgemeine  Waffenstillstand  geschlossen  war  und  die  österreichische 
Hauptarme«  sich  mehr  südlich  hinabdehnte,  so  ging  die  Armee  des 
Generals  Baron  Frimont  nach  Lyon  zurück  und  dem  Regimente 
wurden  die  Kantonniruugs  -  Quartiere  in  St,  Vallier,  Departement 
de  la  Drome  angewiesen. 

Auch  die  unter  Kommando  des  Hauptmanns  v.  Adlersburg 
zur  Einschliessung  des  Forts  de  Pierre  Chatel  entsendete  Division 
hatte  ihren  Auftrag  zur  Zufriedenheit  ausgeführt,  einen  Ausfall  der 
Besatzung  tapfer  zurückgewiesen  und  sich,  nachdem  sie  von  dem 
Landwehr- Bataillon  des  Regiments  Nr.  41»  abgelöst  worden,  schon 
am  19.  Juli  wieder  mit  dem  Regimente  vereinigt. 

In  St.  Vallier  blieb  das  Regiment  bis  zum  29.  August,  von  wo 
es  durch  Savoyen  und  über  den  Mont  Cenis  nach  Mailand  zurück- 
marschirte  und  daselbst  bis  zum  6.  April  1816  in  Garnison  verblieb. 

Das  erste  Landwehr  -  Bataillon  ward  von  Wien  nach  Italien 
in  Marsch  gesetzt  und  war  längere  Zeit  die  Besatzung  von  Ancona. 
Das  zweite  Landwehr -Bataillon  rückte  im  Jahre  1815  nicht  in's  Feld. 

Die  Grenadier  -  Division  war  im  Verbände  des  Grenadier- 
Bataillons  de  Best  im  April  1815  von  Wien  aufgebrochen  und  über 
Linz,  Straubing,  Regensburg,  Ingolstadt  nach  Stuttgart  marschirt, 
wo  dasselbe  am  30.  Mai  eintraf  und  die  Eintheilung  in  die  Brigade 
des  G.-M.  v.  Trapp,  kurz  nachher  G. -M.  Bentheim,  Division 
F.-M.-Lt.  Erzherzog  Ludwig,  im  Reserve  -  Korps  G.  d.  K.  Erz- 
herzog Ferdinand  d'Este  erhielt. 


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1818  isir>. 


403 


Auf  die  Nachricht  von  der  Schlacht  bei  Waterloo  überschritt 
Feldmarschall  Fürst  Schwarzenberg  die  französische  Grenze. 
Das  Reserve  -  Korps  bildete  mit  dem  ersten  und  zweiten  Armee- 
Korps  den  linken  Flügel  der  Ober  -  Rhein  -  Armee  und  wurde  gegen 
Basel  und  Rheinfelden  in  Marsch  gesetzt,  wo  das  Grenadier- 
Bataillon  in  seiner  Brigade  am  28.  Juni  eintraf  und  daun  nach 
zwei  Rasttagen  den  Marsch,  ohne  mit  dem  Feinde  in  Berührung  zu 
kommen,  in  die  Gegend  von  Troycs  fortsetzte.  Hier  angelangt, 
erhielt  F.  -  M.  -  Lt.  Fürst  Moriz  Lichtenstein  am  11.  Juli  den 
Befehl,  mit  den  zwei  Kürassier- Regimentern  Nr.  5  und  8,  dann 
der  Grenadier  -  Brigade  Bentheim  (Bataillon  de  Best)  nach  Paris  zu 
marschiren. 

Am  12.  kam  die  Grenadier- Brigade  in  Quartier  zu  Troyes 
und  am  nächsten  Tage  setzte  sie  sich  gegen  Paris  in  Marsch,  wo 
sie  am  10.  Juli  en  parade  einmarschirte  und  nach  der  auf  dem 
Place  de  la  Concorde  erfolgten  Besichtigung  durch  die  Monarchen 
Oesterreichs,  Russlands  und  Preussen3  kasernirt  wurde. 

Nach  einem  zweimonatlichen  Aufenthalte  in  Paris  marschirte 
die  Grenadier  -  Brigade  in  das  grosse  Parade  -  Lager  bei  Dijon,  wo 
sich  65  Bataillone,  128  Eskadronen  und  37  Batterien  versammelten. 

Der  4.  Oktober  war  zur  Heerschau  und  zu  einem  grossen 
Manöver  bestimmt.  An  diesem  Tage  verliessen  die  Truppen  vor 
Sonnenaufgang  das  Lager  und  stellten  sich  rechts  von  Couternon, 
Front  gegen  Dijon,  in  Massen  formirt,  auf.  Um  7  Uhr  morgens 
erschienen  Se.  Majestät  der  Kaiser  Franz,  der  Kaiser  Alexander 
von  Russland,  der  Kronprinz  von  Württemberg,  der  Prinz 
Emil  von  Hessen,  der  Herzog  von  WT e  1 1  i n g t o n,  Fürst 
Wrede  u.  a.  m.  mit  einem  glänzenden  Gefolge  von  über  500  Offizieren 
aller  Grade  und  aller  Nationen  auf  der  Höhe  von  Varois.  Unbeschreib- 
licher Jubel  erschallte  aus  den  Massen  bei  Annäherung  der  Souveräne, 
Allerhöchstweiche  nach  Besichtigung  der  Tmppen  sich  wieder  auf 
die  Höhe  von  Varois  verfügten,  worauf  zwei  Kanonenschüsse  das 
Zeichen  zum  Beginne  des  vom  F.-M. -Lt.  Grafen  Radetzky 
entworfenen  Manövers  gaben. 

Dieses  denkwürdige  Manöver ,  bei  welchem  General  Graf 
Degenfeld  mit  den  Regimentern  Nr.  31  und  56  und  dem 
Huszaren  -  Regiment  Nr.  4  den  Feind  zu  markiren  hatte,  wird  in 
dem  Operations  -  Journal  vom  Jahre  1815  folgendermassen  geschildert : 


m 


1818-181$. 


„Der  Feind  hat  eine  Stellung  auf  den  Höhen  zwischen  Mirando  und 
„ApoHnaire  bezogen;  seine  Avantgarde  steht  am  Barmont  -  Bache, 
„sein  Gros  auf  der  Bergrläche  von  ApoHnaire;  die  Dörfer  Russey, 
„Chivey,  Varois,  Carco  und  Chevigny  sind  von  ihm  besetzt.  Dieses 
„feindliche  Korps,  beiläufig  10.000  Mann  stark  unter  General 
„Degenfeld,  sollte  von  der  grossen  Armee  angegriffen,  sein  linker 
»Flügel  umgangen  und  dessen  Centrum  gesprengt  werden. 

„Das  Signal  zum  Angriffe  war  erfolgt;  da  brachen  die  Avant- 
garden der  Flügel-Kolonnen  aus  der  Heermassa  vor;  der  Erzherzog 
„Maximilian  rückte  rechts  gegen  Varois,  seine  leichten  Truppen 
„reinigten  schnell  vor  sich  das  Terrain  und  gewannen  die  Höhe 
„von  Varois.  Dieses  Dorf  wurde  hartnäckig  vertheidigt,  der  Erzherzog 
„Hess  seine  Batterien  auffahren  und  es  beschiessen  und  das  sechste 
„Jäger- Bataillon  nahm  es  endlich  mit  Sturm.  Die  Avantgarde  unter 
„F.-M.-Lt.  Stutterheim  ging  links  gegen  die  Mühle  TEmperey; 
„indessen  bildeten  sich  die  Massen  der  Hauptarmee  in  Angriffs- 
, Kolonnen  und  Erzherzog  Ferdinand  Hess  das  erste  Treffen 
„über  den  Barmont -Bach  setzen,  während  das  zweite  und  dritte 
„sich  auf  der  Höhe  von  Varois  entwickelte.  Starke  Kolonnen,  be- 
sonders an  Kavallerie,  umgingen  das  Dorf  Varois  und  wendeten 
.sich  gegen  den  feindlichen  linken  Flügel.  Nun  rückte  der  rechte 
„Flügel  des  Feindes  vor  und  es  begann  ein  heftiges  Artillerie-  und 
,  Kleingewehr  -  Feuer. 

„Der  Feind  rückte  vorwärts,  mit  grösster  Anstrengung  wurde 
„das  Dorf  Chevigny  erstürmt  und  erst  nach  dem  Vorrücken  der 
„Reserve  und  den  heftigen  Angriffen  mehrerer  Kavallerie-Regimenter 
„konnte  das  Alignemeut  von  la  Motte  genommen  werden.  Während 
„diesem  Vorgange  hatte  sich  die  Schlacht  gleich  stark  auf  dem 
„liuken  feindUchen  Flügel  und  nach  und  nach  im  Centrum  entsponnen. 
„Schon  waren  die  Divisionen  Erzherzog  Maximilian  und  Kinsky  bis 
„gegen  Russey  und  in  des  Feindes  Hnke  Flanke  vorgedrungen,  als  sich 
„bei  Champleve  grosse  Massen  der  feindlichen  Kavallerie  zeigten,  die 
„entschlossen  schienen,  einen  Angriff  zu  wagen  und  das  Centmm 
„von  dem  rechten  Flügel  zu  trennen.  Da  erschien  F.-M.-Lt.  Nostitz 
„mit  der  Kavallerie-Reserve,  in  den  Flanken  durch  zahlreiche  leichte 
„Reiter  gedeckt  und  sechs  Batterien  mit  sich  führend.  Tn  gestrecktem 
„Trabe  wurden  die  Stücke  aufgeführt  und  es  begann  ein  heftiges 
„Feuer  auf  die  feindliche  Kavallerie,   während  sich  hinter  den 


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1*15. 


4fi5 


„Batterien  die  sechs  Kürassier  -  Regimenter  en  echellons  zum  An- 
griffe mit  ausserordentlicher  Schnelligkeit  hildeten.  Diesen  gegen- 
über stand  das  Huszarcn-Regiment  Nr.  4.  Dieses  wurde  angegriffen 
.und  geworfen.  Kaum  war  dieses  geschehen,  als  aus  dem  im  starken 
„  Bataille-Feuer  engagirten  Centrum  die  Grenadier-Bataillons  de  Best 
„und  Haller  hervorbrachen  und  das  Dorf  St.  Apolinaire,  von  dem 
.Regimente  Nr.  31  aufs  Hartnäckigste  vertheidigt,  mit  Sturm 
„ nahmen.  General  Degenfeld,  in  seiner  linken  Flanke  durch  den 
, Erzherzog  Maximilian  und  F.-M.-Lt.  Kinsky  bedroht  und 
, angegriffen ,  im  Centrum  von  der  Infanterie  des  Erzherzogs 
„Ferdinand  gedrückt,  zog  sich  nun  fechtend  nach  den  Regeln 
„der  Kriegskunst  aus  seiner  Stellung  zurück,  in  welcher  sich  die 
»siegende  Armee  aufstellte  und  sodann  die  hohen  Monarchen  mit 
„ einem  Lauffeuer  durch  die  drei  unabsehbaren  Treffen  begrfisste. 

„Nach  Beendigung  des  Manövers  formirte  sich  die  Armee  zum 
„Defiliren.  Um  2  Uhr  nachmittags  begann  der  Zug;  an  der  Spitze 
„der  Kaiser,  nach  ihm  Fürst  Schwarzenberg,  dann  die  Armee 
„in  gedrängter  Kolonne,  die  Infanterie  mit  halber  Divisions-,  die 
„Kavallerie  mit  Eskadrons-,  die  Artillerie  in  Batterie-Breite  vorüber- 
ziehend; jeder  anwesende  Regiments -Inhaber  führte  sein  Regiment 
„selbst  vor." 

Se.  Majestät  der  Kaiser  erliess  aus  Dijon,  7.  Oktober  1815, 
an  F. - M.  Fürst  Schwarzenberg  nachstehendes  Allerhöchstes 
Handschreiben,  welches  der  gesammten  Armee  publizirt  wurde: 

„Lieber  Feldmarschall  Fürst  Schwarzenberg! 

„Ich  habe  Mich  überzeugt,  dass  Meine  braven  Armeen  auch 
„diesmal  mit  voller  Hingebung  freudig  dem  Rufe  des  Ruhmes,  der 
„Ehre  und  Pflicht  gefolgt,  durch  gewohnte  Tapferkeit,  Mannszucht 
„und  Ordnung  sich  ausgezeichnet  und  dadurch  allen  Meinen  Erwar- 
tungen zu  Meiner  ganz  besonderen  Zufriedenheit  entsprochen  haben. 

„Kaum  von  einem  früheren  mühe-  und  gefahrvollen  Kriege 
„zurückgekehrt,  mussten  Meine  braven  Armeen  neuen  Beschwerlich- 
keiten, Meine  guten  Unterthancn  sich  neuen  Anstrengungen  unter- 
ziehen. Der  grosse  Kampf,  der  Europa' s  Völkerruhe,  der  uns  mit 
„diesen  Glück  und  Wohlfahrt  versichert,  ist  nun  glücklich  beendet. 
„In  dem  Augenblick,  wo  Ich  einen  bedeutenden  Theil  der  Armee 
„hier  versammelt  und  Mich  von  dem  guten  Geiste,  der  sie  beseelt, 

30 


4t>r,  ISIS  1815. 

„überzeugt  habe,  linde  Ich,  da  selbe  nun  ihre  Rückkehr  nach  der 
.Heimat  antritt,  Ihnen,  lieber  Fürst,  für  die  grossen  Anstrengungen 
«und  zweckmässige  Leitung  des  Ganzen  zu  danken  und  Ihnen 
.zugleich  aufzutragen,  Meinen  gesammten  Armeen  und  insbesondere 
.der  italienischen  und  neapolitanischen,  sowie  ihren  koramandirenden 
„Generalen,  welche  in  diesem  Feldzuge  mehrere  Gelegenheit  hatten, 
„sich  durch  hohen  Muth  und  Tapferkeit  aufs  Neue  auszuzeichnen, 
„Meine  besondere  Zufriedenheit  zu  erkennen  zu  geben  und  Meine 
„gesammten  Armeen  zu  versichern,  dass  Mir  ihr  Bestes,  so  wie 
„bisher,  auch  stets  vorzüglich  am  Herzen  liegen  wird,  weil  Ich 
„überzeugt  bin,  dass  Sie  die  neuerdings  vor  der  Welt  beurkundeten 
„militärischen  Tugenden  sorgfältig  zu  bewahrcu  wissen  werden.' 

Jedem  Infanterie-  und  Kavallerie  -  Regiment  wurde  gestattet, 
einen  Hauptmann,  respektive  Kittmeister  sammt  Nachrfickung  zu 
ernennen;  desgleichen  erhielt  jeder  Stabs-  und  Oberoffizier  der  zu 
Paris  in  Garnison  gestandenen  Truppen  einen  Eqnipirungs  -  Beitrag 
von  500  Francs,  alle  übrigen  Offiziere  der  in  Frankreich  anwesenden 
Truppen  den  Betrag  von  -100  Francs;  jene  Stabsoffiziere,  deren 
monatliche  Gage  mehr  als  400  oder  500  Francs  betrug,  erhielten  eine 
einmonatliche  Kriegs  -  Gratis  -  Gage. 

Am  2.  und  3.  Mai  hatten  die  Oesterreicher  das  neapolitanische 
Heer  bei  Tolentino  vollständig  geschlagen;  Murat  verliess  seine 
Truppen  und  eilte  in  seine  Hauptstadt.  Jeden  Vorschlag  von  Unter- 
handlungen, die  der  König  mit  dem  General  Nu  gen  t  anknüpfen 
wollte,  von  sich  weisend,  setzten  die  Oesterreicher  ihren  Sieges- 
marsch unaufhaltsam  fort  und  zogen  am  23.  in  Neapel  ein,  von  wo 
Murat,  um  der  Volkswuth  zu  entgehen,  schon  einige  Tage  früher 
hatte  entfliehen  müssen. 

Nach  einer  Zeit  versuchte  Murat  mit  einem  kleinen  Anhang 
sich  wieder  des  Thrones  zu  bemächtigen,  wurde  aber  von  der 
Bevölkerung  verhaftet,  dann  von  der  neapolitanischen  Regierung  vor 
ein  Kriegsgericht  gestellt  und  am  15.  Oktober  zu  Pizzo  erschossen. 

Nach  der  am  18.  Juni  verlorenen  Schlacht  bei  Waterloo  war 
Napoleon  nach  Paris  geeilt  und  Alles  bis  auf  ein  kleines  Häuflein 
Getreuer  hatte  sich  nun  von  ihm  abgewandt,  Am  22.  stellte  er 
seine  Verzichtleistung  auf  den  Thron  Frankreichs  aus  und  ging 
am  25.  nach  Malmaison,  während  die  Engländer  und  Preussen  Paris 
immer  näher  rückten.  Am  5.  Juli  wurde  Paris  übergeben,  am  7. 


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1818-1815. 


467 


besetzt  und  am  8.  zog  König  Ludwig  XVI1L  wieder  in  seine 
Hauptstadt  ein. 

Der  nun  zum  zweiten  Male  gestnrzte  Kaiser  der  Franzosen, 
nun  einfach  , General  Napoleon  Buonaparte*,  hatte  am  28.  Juni 
Malmaison  verlassen  und  sich  gegen  die  Kflste  Frankreichs  gewandt. 
Am  3.  Juli  war  er  in  Rochefort  und  nachdem  es  ihm  unmöglich 
war,  den  englischen  Kreuzern  zu  entrinnen,  um  nach  Nordamerika 
zu  kommen,  bestieg  er  am  15.  Juli,  sich  Englands  Schutz  anver- 
trauend, den  „Bellorophon",  der  ihn  nach  Plymuth  führte.  In  Paris 
wurde  am  2.  August  von  den  Ministem  der  verbündeten  Mächte  ein 
Uebereinkommen  unterzeichnet,  laut  dessen  der  General  Napoleon 
Buonaparte  als  gemeinschaftlicher  Kriegsgefangener  der  verbün- 
deten Mächte  erklärt,  jedoch  der  Obhut  England's  anvertraut  wurde. 
Am  8.  August  wurde  der  General  Buonaparte  an  Bord  des 
„Nothumberland*  gebracht  und  auf  eine  kleine  Felseninsel  im  atlan- 
tischen Weltmeere,  mehr  als  1800  Seemeilen  vom  nächsten  Festlande 
entlegen,  nämlich  nach  St.  Helena  geführt,  wo  er  1821  starb. 

Am  20.  November  1815  war  der  zweite  Pariser  Friede  ge- 
schlossen worden.  Das  grosse  Werk  der  Befreiung  Enropa's  von 
der  Gewaltherrschaft  eines  übermächtigen  Mannes  und  der  Wieder- 
herstellung der  staatlichen  Verhältnisse  des  Welttheils  war  voll- 
bracht. Was  Oesterreich  betrifft,  hatte  es  sich  durch  die  Weisheit 
und  Kraft  seines  Kaisers  und  durch  den  Patriotismus  seiner  Völker 
aus  dem  Zustande  tiefster  Erniedrigung  nicht  Mos  auf  seine  frühere 
Höhe  emporgeschwungen,  sondern  stand  mächtiger  da  als  je! 

Das  Regiment  Hoch-  und  Deutschmeister  hatte  in  diesen 
zwanzigjährigen  Kriegen  „in  90  Schlachten  und  Gefechten  oft  sieg- 
reich!  immer  mit  Ehren!*  gefochten. 

Sein  Gesammtverlust  an  Todten,  Verwundeten,  Gefangenen  und 
Vermissten  betrug  190  Offiziere  und  11.777  Mann  vom  Feldwebel 
abwärts. 


30* 


1 


408  1S10-1819. 


1816-1819. 

Nach  dem  zweiten  Pariser  Frieden  wurde  die  Lorobardie  wieder 
mit  Oesterreich  vereinigt  und  Kaiser  Franz  I.  stiftete  am  1.  Jänner 
1816  zum  Andenken  den  Orden  der  eisernen  Krone. 

Oberst  Moriz  Graf  0 "Don eil  wurde  am  1.  Jänner  1816  vom 
Regiment  Nr.  61  als  supernumerär  in  das  Regiment  eingetheilt. 

Die  Grenadier- Division  im  Bataillon  de  Best  war  im  Oktober 
1815  von  Dijon  aufgebrochen  und  rflekte  am  22.  Jänner  1816  in 
Wien  ein,  wo  dasselbe  in  der  Gumpendorfer  -  Kaserne  untergebracht 
wurde. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  wurden  die  Reserve  -  Division  und 
beide  Landwehr- Bataillone  am  letzten  Februar  1816  aufgelost;  ihre 
beiden  Kommandanten,  Oberst  Leopold  Baron  Rieh ler,  Maria- 
Theresien  -  Ordensrittor,  trat  in  Pension  (starb  22.  Dezember  1830 
zu  Wien)  und  Major  Josef  Graf  Gill  eis  in  das  Civil  zurück,  wobei 
dem  letzteren  der  Oberstlieutenants  -  Charakter  verliehen  wurde.  Die 
Offiziere  dieser  Bataillone  wurden  dem  Regiment  einverleibt;  die 
aus  dem  Pensionsstand  eingeteilten,  sowie  die  aus  dem  Civile  über- 
nommenen, aber  wieder  in  ihr  früheres  Verhältniss  zurückversetzt. 

Das  Regiment  brach  mit  den  drei  Feld  -  Bataillons  am  11., 
12.  und  13.  April  1816  von  Mailand  auf  und  rückte  im  Juni,  das 
erste  Bataillon  in  Wiener  -  Neustadt,  der  Regimentsstab  und  das 
zweite  in  St.  Pölten,  der  Stab  und  eine  Kompagnie  des  dritten  Batail- 
lons in  Purgstall  ein,  die  übrigen  Kompagnien  dieses  Bataillons  wurden 
nach  Steinakirchen,  Rothenhaus,  Oberndorf,  Ipsitz  und  Waidhofen 
verlegt,  von  wo  sie  im  Oktober  ebenfalls  nach  St.  Pölten  gezogen 
und  in  Cadre  gesetzt  wurden. 

Nach  dem  Einrücken  in  diese  Garnisonen  fand  die  feierliche 
Vertheilung  der  Medaillen  und  Geld  -  Douceurs  an  jene  Mannschaft 
statt,  welche  bereits  in  der  Geschichte  der  Feldzüge  1814  und  1815 
benannt  sind;  ausser  diesen  erhielt  noch  der  Feldwebel  Firk  für 
hervorragende  Tapferkeit  bei  Palestrina,  die  silberne  Tapferkeits- 
Medaille,  Korporal  Scharf  und  Gemeiner  Bartholomäus  H  u  b  i  a  n  o, 
ersterer  für  Nantua  sechs,  letzterer  für  Palestrina  drei  Dukaten 
in  Gold. 


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1*20-1*28. 


400 


Oberst  Moriz  Graf  0 'Doneil  wurde  am  letzten  September  1816 
zu  dem  Regiment  Nr.  45  transferirt. 

Sc.  Majestät  geruhte  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom 
24.  Juli  1817  die  neue  Regiments  -  Bezirks  -  Eintheilung  in  den 
deutschen  konskribirten  und  den  italienischen  Provinzen  zu  bestätigen. 
Das  Regiment  behielt  seinen  alten  Werbbezirk,  verlor  aber  jenen 
Antheil  in  Galizien,  indem  dort  11  Werbbezirke  für  Regimenter 
errichtet  wurden.  In  diesem  Jahre  war  auch  das  Reskript  erschienen, 
wornach  nicht  mehr  als  der  sechste  Theil  der  Offiziere  eines  Regi- 
ments verheiratet  sein  dürfen. 

Die  neue  Regiments  -  Bezirks  -  Eintheilung  bedingte  eine  neue 
Eintheilung  der  Grenadier -Bataillone.  Die  Division  des  Regiments 
Nr.  63  kam  in  das  Bataillon  Bilharz  und  statt  dieser  rückte  die 
Division  des  Regiments  Nr.  8  beim  Bataillon  ein,  welches  nun  der 
Oberstlieutenant  Ignaz  Moese  v.  Nollendorf  von  Nr.  8  kom- 
mandirte. 

Oberstlieutenant  Johann  v.  Krayselle  trat  am  31.  Juli  1819 
in  den  Ruhestand ;  in  seine  Stelle  wurde  am  30.  August  der  Maria- 
Theresien-Ordensritter  Major  Ferdinand  Freiherr  Voith  v.  Sterpetz 
zum  Oberstlieutenant  befördert. 

In  diesem  Jahre  erhielt  das  Regiment  das  hofkriegsräthliche 
Reskript,  dass  an  Sonn-  und  Feiertagen  kein  Spiel  zu  rühren  sei 
und  auch  die  Wachen  in  der  Stille  anzuziehen  haben,  um  durch 
das  Spiel  den  Gottesdienst  nicht  zu  stören. 


In  Portugal  waren  im  Jahre  1819  Unruhen  ausgebrochen, 
welche  damit  endigten,  dass  der  König  die  spanische  Konstitution 
einführte.  Die  Carbonari  in  Italien  wurden  dadurch  ermuthigt;  es 
brach  eine  Militärverschwörung  aus  und  König  Ferdinand  sah 
sich  genöthigt,  ebenfalls  in  die  spanische  Verfassung  zu  willigen, 
ebenso  wurde  Sizilien  von  den  Aufständischen  zur  Annahme  dieser 
Verfassung  gezwungen.  Aehuliches  geschah  in  Piemont  Der  König 
entsagte  dem  Throne  zu  Gunsten  seines  Bruders  Karl  Felix.  Die 


470 


1820-1828. 


Insurgenten  waren  im  Besitz  der  Hauptstadt  und  der  Citadelle  und 
so  bewilligte  auch  dieser  die  verlangte  spanische  Konstitution. 

Die  Häupter  der  heiligen  Allianz,  durch  diese  Vorgänge  beun- 
ruhigt, versammelten  einen  Kongress  in  Laibach,  wo  beschlossen 
wurde,  diesen  revolutionären  Bewegungen  ein  Ende  zu  machen  und 
Oesterreich  beauftragt,  diesen  Beschluss  zu  vollziehen. 

Das  Regiment  erhielt  den  Befehl,  sich  mit  dem  ersten  und 
zweiten  Bataillon  auf  den  Kriegsstand  zu  setzen  und  marschbereit 
zu  halten.  Major  Franz  v.  Jaentschke  wurde  am  20.  Februar  1820 
zum  Regiment  Nr.  45  als  Oberstlieutenant  befördert,  dagegen  der 
Major  Maximilian  Baron  Fürth  von  Nr.  57  in  das  Regiment  ein- 
geteilt. 

Laut  Eintheilungs- Liste  im  Monate  August  1820  bestand  das 
Offiziers  -  Korps : 

Oberst-Inhaber  Erzherzog  Anton  Viktor,  F.-Z.-M.,  Hoch-  und 
Deutschmeister. 

Oberst  Regiments-Kommandant  Stefan  v.  E  r  d  m  a  n  n. 

Oberstlieutonant  Ferdinand  Freiherr  V  o  i  t  h  von  S  t  e  r  p  e  t  z,  Maria- 
Tlierosien-Ordensritter,  Generalkommando-Adjutant  in  Nieder-Oesterreich. 

Major  Johann  Freiherr  Wöbe  r,  Maximilian  Freiherr  Fürth. 

Kaplan  Anton  Lamprceht. 

Auditor  Johann  Schwabonick. 

Arzt  Dr.  Johann  K  e  1 1  e  r  e  r. 

Rechnungsführer  Josef  Unkel. 

Adjutant  Philipp  von  B  o  1  z  a. 

Bataillons -Adjutanten  Anton  Braun,  Franz  Stadler,  Leop.  Eisen. 


a 

es 

s 

© 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

« 

a 

Ober- 

Unter- 

l 

5 
'•3 

— 

1. 

Eugen 
Br.  Bretton 

Joliann 
rnkelhäuser 

Ludwig  Hahn 

Greni 

2. 

Anton 
Br.  Stensch 

Josef 
Gr.  Sourville 

Daniel 
Schnorbusch 

1. 

Vincenz  Viktor 



Anton  Braun 

Robert 
Br.  Basse 

Ambros  Fenk 

2. 

Nepouiuk  Kolb 

Johann 
v.  Schwarz 

Wenzel 
Messinger 

Ferdinand 
v.  Hartenfeld 

CK 

n 
(- 

a. 

Andreas 
Rosgen 

Adam 
Wagcuhcim 

Karl  Metz 

Georg  Reither 

4. 

Wenzel  Ernst 

Ludwig  v.  Mayer 

Nikolaus  Maurer 

Johann 
Fuchsgruber 

5. 

Johann 
v.  Till 

Josef  v.  Zipser 

Kerd.  Prinz  H< >- 
seu-Philippstbal 

Josef 
v.  Horvath 

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18*0-1828. 


471 


!5 

Hauptmann 

Lieutenant 

i  annnen 

i 

Ober- 

Unter- 

m 

Ol 

t 

6. 

Johann  Sacher 

Georg  Schulz 

Ferdinand 
Fischer  jun. 

1  J         1  f  t  Fl  II  M 

Dormann 

7. 

Karl 
ßr.  Legisfeld 

Karl  Voigt 

Josef  Sack 

josei  unroii 
Starenfeld 

8. 

Georg 
Br.  Hikauer 

 .         .  — 

Georg  Schlinger 

Bernhard  Matt 

Kranz 
r  Taut 

v.  Ratky 

J 

9. 

Jobann 
v.  Birkenstock 

Franz 
v.  Dueii 

Karl  Neumann 

Josef  Martinolli 

10. 

Josef 
v.  Innerhofer 

Franz 
or  iicianiiz 

Anton  Lacroix 

Franz  Lindlau 

11. 

Philipp 
v.  Weikersreiter 

Frani 
v.  JJietrien 

Franz  Schiitter 

Karl  Stephan 

12. 

Nikolaus 
Brunner 

Georg  Roller 

Ferd.  Joschka 

0  Uli  Zill  11 

Frauendorfer 

13. 

Thaddäus 
Bruckmayer 

 - 

Ludwig 
hberling 

Christof  Nonner 

v.  Violand 

14. 

Josef  Hoffmann 

Joh.Schemberger 
Melchior  Ganz 

Kgid  Prohaska 

Johann  Klimsch 

g 

15. 

Johann 
v.  Gilg 

Br.  Lichtenstern 
Anton  Beinert 

Franz  Pfau 

Josef 
Br.  Hannig 

s 

16. 

Johann 
Br.  Fichtel 

Stephau 
KersL-hmar 

Philipp  Litter 

Karl 
v.  Haan 

17. 

Michael 
v.  Schwabel 

Job.  Bachnitzer 
Andreas  Stöbe r 

Friedrich 
Hofbauer 

Peter 
Br.  Westbof 

18. 

Karl  v.  Mayer 

Max  v.  Jarisbnrg 
K.  v.  Mehlführer 

Ferdinand 
Fischer  seu. 

Anton  Bosio 

Fähnrich  Karl  HS  ring,  Krziohungshaus- Kommandant. 


Der  Regimentsstab,  das  erste  und  zweite  Bataillon  vereinigte 
sich  am  24.  August  1820  zu  Wr. -Neustadt  und  marschirte  durch 
Steiermark,  Krain,  Görz,  das  Venezianische  nach  Bergamo.  Hier  kam 
das  Regiment  in  die  Reserve -Division  des  F.-M. -Lt.  Graf  Lilien- 
berg. 49  Bataillons,  40  Eskadrons  und  17  Batterien  in  den  fünf 
Divisionen  der  Generale  Wallmoden,  Wied-Runkel,  Stutter- 
heim,  Hessen-Homburg  und  Lederer  harrten  des  Aufbruches 
über  den  Po. 

Hauptmann  Anton  Baron  Steutsch  avancirte  am  24.  Sep- 
tember 1820  zum  Major  beim  Regiment  Nr.  49,  dagegen  von  dort 
der  Hauptmann  Ludwig  Baron  Fels  zum  Major  im  Regiment. 


472 


1820  — 


Im  Dezember  erhielt  das  Regiment  die  Eintheilung  in  die 
Division  des  F.-M.-Lt.  Baron  Stutterheim  und  in  die  Brigade 
des  G.-M.  Baron  Geramb  und  gehörte  nun  zu  den  mobilen 
Truppen.  Diese  wurden  nach  der  Mitte  des  Jänner  1821  näher  gegen 
den  Po  kouzeutrirt  Am  4.  Februar  machte  der  G.  d.  K.  Baron 
Frimont  der  Armee  durch  Generalsbefehl  seine  Ernennung  zum 
Kommandanten  derselben  bekannt.  Die  um  Mantua  kantonnirende 
Division  Stutterheim,  dabei  das  Regiment,  wurde  bei  San  Benedetto 
Ober  den  Po  geschifft  und  jenseits  konzentrirt.  Das  Regiment  führte 
einen  unangrciflicheu  viertägigen,  die  Kolonnen -Magazine  einen 
achttägigen  Proviant- Vorrath  mit  sich,  so  dass  das  Regiment  stets 
auf  zwölf  Tage  mit  Lebensmitteln  versehen  war. 

Am  9.  traf  die  Division  Wallmoden  in  Bologna  ein,  wendete 
sich  von  hier  links  gegen  Ancona,  während  die  Hauptmacht  rechts 
gegen  Florenz  zog.  Am  15.  Februar  kam  das  Hauptquartier  in  Florenz 
an.  Die  Division  Stutterheim  hatte  bereits  Sieua  erreicht.  Am  17. 
traf  die  Division  Wallmoden  in  Ancona  ein  und  bildete  nun  bei  der 
weiteren  Vorrückung  gegen  Rom  den  linken  Flügel.  In  der  Mitte 
marschirte  der  Kommandirende  mit  den  Divisionen  Wied,  Hessen- 
Homburg  und  Lederer  über  Perugia  gegen  Foligno,  die  Division 
Stutterheim  auf  dem  rechten  Flügel  über  Morosi  gegen  Civita 
Castellano. 

Am  21.  laugte  der  Kommandirende  in  Perugia  an,  wo  die 
Nachricht  eintraf,  dass  die  neapolitanische  Armee  in  zwei  Kolonnen 
vormarschire.  Stutterheim  erhielt  daher  den  Befehl,  sich  zwischen 
Civita  Castellano  und  Monte  Rosi  aufzustellen,  die  Brücke  der  Tiber 
stark  zu  besetzen  und  das  jenseitige  Land  gegen  Rieti  und  Terni 
zu  überwachen,  was  auch  am  22.  in  Vollzug  gesetzt  wurde. 

Nachdem  am  25.  von  der  Division  1  Bataillon  und  2  Eska- 
drons  an  die  Tiber  nach  Borghetto  gerückt  waren,  um  des  Feindes 
Bewegungen  gegen  Rieti  zu  beobachten,  konzcutrirte  sich  die 
Division  am  27.  in  Monte*  Rosi  und  marschirte  am  folgenden  Tage 
nach  Ponte  mollc  bei  Rom,  dann  am  1.  März  nach  Tivoli. 

Hier  erhielten  die  Truppen  das  Mauifest  des  Königs  von  Neapel, 
worin  derselbe  seiner  gesammten  Land-  und  Seemacht  befahl,  die 
Truppen  seiner  erlauchten  Alliirten  als  ein  Heer  zu  betrachten, 
welches  nur  allein  für  das  wahre  Wohl  des  Königreiches  handle, 
ebenso  eine  Proklamation  des  Kommaudirenden  in  vielen  gedruckten 


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1*20 -182h. 


473 


Exemplaren,  um  dieselben  in  den  benachbarten  neapolitanischen 
Provinzen  zu  verbreiten.  Beide  hatten  nicht  den  gewünschten  Erfolg, 
im  Gegentheile  konzentrirten  sich  die  Neapolitaner  bei  Civita  Ducale, 
um  den  Kampf  zu  beginnen. 

Am  3.  März  blieben  die  Truppen  der  österreichischen  Armee 
in  ihren  Stellungen,  und  zwar:  Wallmodeu  in  Rieti  und  Casa- 
Vicentini,  Wied  und  Hessen-Homburg  bei  Terni,  Lederer 
in  Foligno  und  Stutterheim  in  Tivoli. 

Am  4.  März  wurde  die  Armee  zur  bevorstehenden  Vorrückung, 
da  die  Neapolitaner  sich  zu  widersetzen  erklärten,  in  zwei  Korps 
geschieden.  Das  Eine,  bestehend  aus  den  Divisionen  Wallmoden  und 
Wied,  sollte  F.-M.-Lt,  Baron  Mohr  links  gegen  die  Abruzzeu 
führen;  mit  dem  Zweiten,  Divisionen  Stutterheim,  Hessen-Homburg 
und  Lederer,  wollte  F  r  i  m  o  u  t  selbst  gegen  den  Garigliauo  operiren. 
Die  Disposition  für  den  am  9.  März  bestimmten  Angriff  auf  die 
neapolitauischen  Linien  wurde  am  G.  hiuausgegeben.  Aber  schon  am 
7.  griff  der  feindliche  General  ohne  vorausgesandte  Kriegserklärung 
die  österreichischen  Vorposten  der  Division  Wallmoden  bei  Rieti  an. 
Bald  entwickelte  sich  der  Kampf,  der  zwei  Stunden  währte  und  mit 
der  Flucht  des  Feindes  endete.  Auch  bei  Pie  di  Lugo  hatte  der  Feind 
an  demselben  Tage  zwei  österreichische  Bataillons  angegriffen,  war 
aber  ebenfalls  in  die  Flucht  geschlagen  worden.  Die  in  Tivoli  stehende 
Division  Stutterheim  wurde  an  diesem  Tage  gar  nicht  angegriffen, 
sondern  erhielt  den  Befehl,  am  8.  März  nach  Arsoli  vorzurücken, 
am  0.  Carfoli  zu  nehmen,  bis  Colli  zu  gehen  und  Tagliacozzo  zu 
bedrohen.  Der  Vormarsch  der  Division  erfolgte  am  8.  in  mehreren 
Kolonnen,  welche  sich  bei  Vicovaro  sammelten.  Am  Morgen  des 
9.  März  bewegten  sich  die  Truppen  von  allen  Punkten  zum  Angriffe. 
Die  Division  Wallmodeu  sticss  bei  Cauetra  auf  den  Feind  und  warf 
ihn  nach  Borghetto  zurück.  Die  Besatzung  des  Caatells  Antrodocco 
suchte  Widerstand  zu  leisten,  ergriff  aber  nach  kurzer  Beschiessung 
die  Flucht,  worauf  der  Feind  theils  gegen  Aquila  retirirte,  theils 
sich  im  Gebirge  zerstreute.  Die  Division  Stutterheim  war  während 
diesen  Vorfällen  über  Rio  freddo  und  Arsoli  marschirt,  stellte  sich 
bei  der  Osteria  Cavalierc  und  hatte  keinen  Feiud  getroffen. 

Am  lo.  März  rückte  Wallmoden  von  Antrodocco  über  die 
Hochfläche  von  Passo  del  corno,  gegen  Aquila  vor.  G.  d.  K.  Baron 
Frimont  übertrug  dem  F.-M.-Lt.  Mohr  die  Leitimg  der  Be- 


474 


1S20-1828. 


wegungen  auf  dieser  Seite  und  reiste  uach  Frascati,  um  die  Vorrückung 
der  Divisionen  Stutterheim,  Hessen  -  Homburg  und  Lederer  gegen 
San  Oermano  und  Mignano  zu  leiten,  wo  man  einer  bedeutenden 
feindlichen  Macht  zu  begegnen  erw  artete.  An  demselben  Tage  schlugen 
die  Truppen  des  F.  -  M.  -  Lt.  Mohr  die  Feinde  bei  Aquila,  Monte 
reale  und  Marano  derart,  dass  sie  gänzlich  aufgelöst  in  wilder  Flucht 
in  dem  Gebirge  ihr  Heil  suchten.  So  hatte  nun  das  zweite  feindliche 
Armeekorps  zu  existiren  aufgehört,  auf  dieser  Seite  war  kein  Wider- 
stand mehr  zu  erwarten. 

Stutterheim  nahm  am  10.  Kocca  di  Cervo.  Kr  hatte  Befehl, 
mit  dem  giö8sten  Theil  seiner  Division  über  Valmonte  zu  marschiren, 
wohin  auch  die  Division  Hessen  -  Homburg  ihre  Richtung  nahm, 
welche  beide  Divisionen  sich  bei  dem  Uebergang  Ober  den  Liris  bei 
Coprano  vereinigen  sollten.  Die  Division  Lederer  stand  zu  Terni. 
Am  11.  ergab  sich  die  Citadelle  zu  Aquila;  Stutterheim  traf  mit 
der  Brigade  Klopstein  zu  Arsoli  ein,  die  Brigade  Geramb  zu  Val- 
montone,  Lederer  rückte  auf  Terni  nach.  Der  Teverone  konnte  am 
folgenden  Tage  nirgends  passirt  werden,  daher  raarschirte  die  Brigade 
Klopstein  nach  Tivoli  zurück  und  das  Geschütz  wurde  über  Kom 
nach  Valmontone  geschickt.  Die  Brigade  Geramb  blieb  an  dem  und 
dem  folgenden  Tage  in  diesem  Orte  stehen  und  raarschirte  am  14. 
nach  Anagni,  Klopstein  und  die  Division  Hessen -Homburg  nach 
Valmontone,  Lederer  nach  Monte  -Kosi. 

Am  15.  marschirte  die  Division  Stutterheim  nach  Frosinoue, 
am  17.  über  Ceprano,  wo  die  Pionuiere  eine  Bockbrücke  über  die 
Liris  schlugen,  nach  Arcc  und  lagerte  bei  liocca  -  secca,  die  Avant- 
garde bei  Pallazuolo.  Eine  nach  San  Germano  geschickte  Patrouille 
brachte  abends  die  Kunde,  dass  diese  Stadt  vom  Feinde  verlassen, 
das  befestigte  Kastell  Monte  Gassino  aber  besetzt  sei.  Am  folgenden 
Tage  bezog  die  Division  Stutterheim  ein  Lager  bei  San  Germano, 
Hessen  -  Homburg  am  Flusse  Melsa,  Ledei  er  bei  Caprano.  Am 
19.  März  setzte  die  Division  Stutterheim  ihren  Vormarsch  auf  der 
Strasse  nach  Trano  fort.  Das  in  der  Geschichte  so  berühmte  Kloster 
Monte  Gassino  wurde  von  den  zwei  Grenadier- Kompagnien,  die 
dessen  Besatzung  bildeten,  an  diesem  Tage  auf  die  zweite  Auf- 
forderung mit  cilf  Gcschützeu  übergeben. 

Am  20.  März  vereinigten  sich  die  beiden  österreichischen  Korps 
gegen  Capua.  Die  Division  Stutterheim  lagerte  sich  bei  Toricella. 


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475 


Am  folgenden  Tage  wurde  eine  Konvention  abgeschlossen,  welcher 
zufolge  alle  Feindseligkeiten  eingestellt,  Capua  und  Aversa  von  öster- 
reichischen Truppen  besetzt  werdeu  sollten.  Stutterheim  und  die 
übrigen  beiden  Divisionen  lagerten  nun  um  Capua,  hielten  hier  am 
22.  Rasttag  und  marschirten  am  23.  nach  Aversa,  wo  die  Vorbe- 
reitungen getroffen  wurden,  um  am  folgenden  Tage  in  voller  Parade 
in  die  Hauptstadt  des  zu  pacincireuden  Reiches  einzurücken. 

Mit  Tagesanbruch  konzentrirten  sich  die  österreichischen  Divi- 
sionen auf  dem  riesigen  Exerzierplatze  Neapel's  auf  dem  Campo  di 
marte.  Da  lag  Stadt,  Rhede  und  der  Vesuv  vor  den  Augen  der 
Soldaten.  Nach  den  Strapazen  einer  siebenwöchentlichen  Winter- 
operation durch  die  unwirklichen  Appeninnengebirge  glänzten  ihnen 
die  Annehmlichkeiten  einer  so  zu  sagen  unvergleichlichen  Garnison 
entgegen.  Die  Arme  stelltee  sich  en  Ordre  de  bataille  nach  Divisionen 
und  Brigaden  auf  und  rückte  bis  Reclusorio  vor.  Sodann  erschien 
der  Kommandirende  G.  d.  K.  Baron  Frimont  an  der  Spitze  einer 
glänzenden  Suite  und  sofort  begann  der  Einzug  der  Armee  in  Neapel. 

Das  Regiment  Nr.  51  mit  einem  Zug  Huszaren  an  der  Spitze, 
betrat  zuerst  das  Innere,  um  die  Stadt  militärisch  zu  besetzen. 
Sodann  erst  setzten  sich  die  übrigen  Truppen  in  folgender  Reihen- 
folge in  Bewegung.  Als  Avantgarde  marsehirte  eiue  Division  des 
Huszaren  -  Regimentes  Nr.  5  mit  dem  Chef  des  Gencralstabs,  zwei 
Ordonnanz-Offiziere  und  vier  Adjutanten  voran.  Darauf  ritt  der  Kom- 
mandirende  mit  allen  nicht  bei  der  Truppe  verwendeten  Generalen 
und  der  Suite  unmittelbar  an  der  Spitze  der  nachiolgenden  Divisionen 
Wallmodeu,  Hessen-Homburg,  Stutterheim  und  Lederer.  Alles  befand 
sich  in  vollster  Parade  und  trug  Feldzeichen  von  Olivenzweigen.  Der 
Einzug  der  Armee  glich  nicht  etwa  dem  Einmarsch  eiuer  als  feindlich 
angesehenen  Truppe,  sondern  im  Gegeutheile  einem  wahren  Fest- 
gepränge. Die  Fenster  und  Balkons  waren  allenthalben  mit  Teppichen 
geschmückt,  von  allen  Seiten  wurde  den  Oesterreichern  zum  Will- 
komm mit  Tüchern  eutgegengesehwenkt,  der  erste  Gruss  mit  grünen 
Baumzweigen  zugewinkt.  Donnernde  Evivas  schallten  zu  Ehren  der 
Befreier  von  Rebellenanarcbie.  Die  Kolonne  bewegte  sich  durch  dio 
Strada  Toria,  bei  Fossi  dei  Grani  vorbei,  über  den  Largo  Mercatcllo, 
durch  die  Strada  Toledo  zum  Palazzo  reale,  von  dessen  Balkon  der 
Kronprinz  Franz  sammt  der  königlichen  Familie  der  Detiliruug  der 
Armee  anwohnte.   Und  durch  dieselben  Gassen,  welche  vor  wenig 


47(5 


im- im. 


Stunden  ein  pittoreskes  Bild  von  ltebellenhaufen  dargeboten  hatten 
und  in  denen  die  prahlerische  Drohung  erschallt  war,  dass  die 
Oesterreicher  bis  auf  den  letzten  Mann  würden  vertilgt  werden, 
durch  dieselben  Gassen  hallte  nun  der  Jubelruf  des  bei  weitem 
grosseren  Theiles  jener  Bevölkerung,  welche  sich  nach  Ordnung  und 
Ruhe  sehnte.  Nach  geendigter  Defilirung  machte  der  kommandirende 
General  mit  der  gesammten  Generalität  und  allen  Stabsoffizieren 
der  königlichen  Familie  die  Aufwartung.  Das  Regiment  erhielt  die 
Quartiere  in  der  Stadt. 

Major  Johann  Baron  Wöber  war  am  27  Februar  1821  zum 
Oberstlieutenant  und  Hauptmann  Karl  Baron  B  r  ä  u  n  e  c  k  von  Nr.  28 
am  10.  März  zum  Major  im  Regiment  befördert  worden. 

Anfangs  Mai  wurde  auch  die  Insel  Sizilien  vom  F. -M.-Lt. 
Graf  Wallmoden  mit  8000  Mann  besetzt.  Gleichzeitig  wurde  das 
Regiment  gegen  die  Grenzen  Calabriens  nach  Nocera  di  pagani, 
La  Cara  und  Salerno  vorgeschoben,  in  welcher  Provinz  die  Neigung 
zur  öffentlichen  Ordnung  noch  nicht  zur  vollen  Beruhigung  der 
Regierung  zurückgekehrt  war. 

Ein  zusammengesetztes  Streifkorps  aus  dem  ersten  Bataillon 
des  Regiments,  einer  Abtheilung  Jäger  und  Kavallerie  bestehend, 
marschirte  unter  Kommaudo  des  Obersten  v.  E  r  d  m  a  u  n  im  Monate 
August  von  Nocera  über  Salerno  und  Eboli  in  das  uuwirthbare 
Calabrieu  mit  der  schwierigen  Bestimmung,  diese  ganze  Provinz  bis 
au  ihre  äusserste  südliche  Spitze  an  der  Meerenge  von  Messina  uud 
Reggio  zu  durchstreifen  und  dadurch  die  Autorität  der  politischen 
Behörden  zu  befestigen.  Das  erste  Feld  -  Bataillon  kommandirte 
Oberstlieutenaut  Freiherr  v.  W  ö  b  e  r ;  das  in  Nocera  zurückgebliebene 
zweite  Bataillon  Major  Freiherr  v.  Fels,  welchem  für  die  Zeit  der 
Detachirung  des  Obersten  auch  das  Regiments  -  Kommando  über- 
tragen war;  das  in  Wien  gurnisonireude  Grenadier- Bataillon  Oberst- 
lieutenant Georg  Freiherr  v.  Waldstätten  des  Regiments  Nr.  3. 

Binnen  weniger  als  drei  Monaten  wurde  diese  wichtige  uud 
zugleich  militärisch  -  politische  Aufgabe  bei  vielen  Entbehrungen, 
Terrainhindcruissen  und  schädlichen  klimatischen  EiuHüssen  gelöst. 
Der  Verlust  an  Mannschaft  war  um  so  bedeutender,  als  Calabrieu 
hinsichtlich  seines  Iunern  wenig  bekannt,  seit  undenklichen  Zeiten 
von  keiuer  regulären  Truppe  durchzogen  worden  war  uud  daher 
aller  Anstalten  einer  geregelten  Unterkunft  und  Verpflegung  des 


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1820- 


177 


Soldaten  entbehrte.  Krankheiten,  von  anstrengenden  Märschen  und 
dem  Klima  erzeugt,  lichteten  die  Reihen  der  den  Kriegsbeschwerden 
keineswegs  entfremdeten  Mannschaft,  welchen  insbesondere  die  fünfte 
Kompagnie  unter  Kommando  des  Hauptmanns  Konrad  Mollmann 
bei  ihrer  Detaehimng  zu  Cosenza  ausgesetzt  war.  Im  Monate  Oktober 
1821  nach  Nocera  zurückgekehrt,  erfreuten  sich  diese  ermüdeten 
Truppen  einer  baldigen  Erholung  in  der  Wiedervereinigung  mit  ihren 
Waffenbrüdern  unter  dem  mildesten  und  fruchtbarsten  Himmels- 
striche Italien's.  Auch  das  zweite  Bataillon  unter  Major  Baron  Fels 
unternahm  noch  in  diesem  Jahre  eine  ähnliche  Expedition  in  die 
Provinz  Basilicata,  kehrte  aber  in  kurzer  Zeit  zurück.  Hierauf  kan- 
tonnirte  das.  Regiment  in  dem  Distrikte  von  Nocera  ununterbrochen 
bis  zum  Monat  Juni  1822,  zu  welcher  Zeit  ihm  die  Bestimmung 
wurde,  die  Hauptstadt  des  alten  Parthenope  zu  beziehen. 

Vor  dem  Abmärsche  dahin  feierte  es  das  Geburtsfest  Seiner 
Majestät  des  Kaisers  Franz  1.  am  12.  Februar  1822  auf  der  Haide 
von  Nocera  an  einem  jener  herrlichen  südlichen  Frühlingsmorgen, 
geschaart  um  das  unter  freiem  Himmel  errichtete  Kapellenzelt  auf 
eine  für  das  Regiment  ebenso  merkwürdige  als  rührende  Weise. 
Nach  beendetem  Gottesdienste  traten  nämlich  die  zwei  Aeltesten 
jeder  Charge  vom  Feldwebel  abwärts  aus  den  Reihen  hervor  und 
überreichten  dem  Obersten  v.  E  r  d  m  a  n  n  ein  von  ihnen  freiwillig 
zusammengelegtes  Kapital  von  200  fl.  C.-M.  mit  der  Bitte,  hievon 
zum  immerwährenden  Andenken  an  jene  Allerhöchste  Geburtsfeier 
des  allgcliebten  Kaisers  F  r  a  n  z  I.  eine  Stiftung  zu  gründen,  von 
deren  Interessen  alljährig  am  12.  Februar  die  zwei  ältesten  Invaliden 
des  Regiments  betheilt  werden  sollen.  Diese  Stiftung  wurde  dem- 
nach auch  realisirt  und  den  patriotischen  Gründern  das  Allerhöchste 
Wohlgefallen  öffentlich  zu  erkennen  gegeben.  Der  im  Jahre  1823 
am  20.  Juli  von  weiland  Se.  Majestät  Kaiser  Franz  I.  unter- 
fertigte Stiftungsbrief  ist  beim  Regimente  hinterlegt. 

Tilajor  Maximilian  Baron  Fürth  des  Regiments  wurde  1822 
Kommandant  des  Grenadier  -  Bataillons. 

Vom  Monate  Juni  1822  angefangen  garnisonirten  beide  Feld- 
Bataillons  des  Regiments  durch  drei  Jahre  in  Neapel  und  zwar  bis 
zum  10.  Juli  1825,  worauf  dieselben  an  die  Stelle  des  nach  Ober- 
Italien  zurückmarschirten  Infanterie  -  Regiments  Nr.  21  als  Besatzung 
in  die  Festung  Capua  rückten. 


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478 


1820-1828. 


Während  dieser  Zeit  am  22.,  23.  und  24.  Oktober  1822  fand 
ein  imposanter  Ausbruch  des  Vesuv's  statt.  Der  Feuer-Regen  reichte 
bis  Torrc  Anunziate,  der  Aschen -Regen  über  Neapel,  Salerno  bis 
Capua ;  in  Nocera  wahrte  .%  Stunden  volle  Finsterniss.  Die  Soldaten 
des  Regiments  gingen  bis  zur  glühenden  Lavastrasse  alla  Scala  del 
Cardinale,  wurden  aber  hier  durch  einen  heftigen  Steinregen  aus  dem 
Krater  zum  Rückzug  genöthigt. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  8.  April  1824  war  Oberst 
Stefan  v.  Erdmann  zum  General-Major  und  Brigadier  in  Mailand, 
dagegen  mit  IG.  Juni  der  Oberstlieutenant  und  General -Kommando- 
Adjutant  in  Nieder-Oesfrrreich  Ferdinand  Voith  Freih.  v.  Sterpetz 
zum  Obersten  und  Regiments-Kommandanten  ernannt  worden.  Major 
Baron  Fürth  wurde  am  31.  August  1824  zum  Regiment  Nr.  29 
transferirt,  dagegen  von  dort  der  Major  Friedrich  Prinz  zu  Nassau 
am  1.  September  in  das  Regiment  eingetheilt. 

Oberstlieutenant  Baron  Wöber,  welcher  im  Jahre  1823  mit 
einer  Abtheilung  des  Regiments  aus  Neapel  mit  auerkanntem  Erfolge 
einen  abermaligen  Streifzug  durch  Calabrien  unternommen  hatte, 
wurde  zu  dem  in  Wr.- Neustadt  garnisouirenden  dritten  Bataillon, 
dagegen  Major  Karl  Baron  v.  Bräun  eck  zum  ersten  Bataillon 
übersetzt. 

Nachdem  das  Regiment  in  der  Kantonnirung  zu  Nocera  in  der 
Brigade  des  G.-M.  Baron  Geppert  und  der  Division  des  F.-M.-Lt. 
Baron  Leder  er,  während  der  Garnisonirung  in  Neapel  aber  in  der 
Brigade  des  Generalen  v.  Söldenhofen,  Division  F.-M.-Lt.  Prinz 
zu  Hessen-Homburg  gestanden,  wurde  es  während  der  Okku- 
pation der  Festung  Capua  in  die  Brigade  des  G.-M.  und  Festungs- 
Kommandanten  Baron  Paumgarten,  Division  des  F.-M.-Lt. 
Baron  Lederer  eingetheilt. 

Die  Mnnifizenz  des  Regenten  hatte  in  Anerkennung  der  Ver- 
dienste des  k.  k.  Okkupations  -  Korps  um  die  Wiederherstellung  der 
öffentlichen  Ordnung  in  dem  Königreiche  beider  Sizilien  den  Truppen 
der  dortigen  Besatzung  durch  die  ganze  Zeit  ihrer  Anwesenheit  und 
bis  zu  dem  Rückmärsche  über  den  Po,  die  ursprünglich  eingeführte 
Etappen  -  Verpflegung  belassen. 

Diese  bestand  für  den  Hauptmann  ausser  der  gewöhnlichen 
Kriegsgebühr  in  täglichen  0  Franken  und  für  den  subalternen  Offizier 
in  täglichen  5  Franken.  Die  Mannschaft  bezog  ein  tägliches  Etappen- 


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1S20-1S29.  .170 

Belutum  von  10  Kreuzern.  Ueberdiess  lohnte  Se.  Majestät  König 
Franz  I.  die  besonderen  Verdienste  um  den  väterlichen  Thron 
durch  zahlreiche  Ordensverleihungen.  General  v.  Er d mann  erhielt 
das  G rosskreuz,  Oberstlieutenant  Baron  Wöber  das  Kommandeur-, 
Hauptmann  v.  W ei kers reite r  als  Platzkommandant  von  Capua 
das  Ritterkreuz  des  k.  sizilianischen  St.  Georg- Ordens. 

In  der  Festung  Capua  garaisonirte  das  Regiment  bis  zu  seinem 
Rückmärsche  aus  dem  Königreiche,  nämlich  bis  zum  Monate  März 
1827.  Durch  Verträglichkeit  mit  dem  Civile,  in  allen  Garnisonen 
Italien's  gerne  gesehen,  erwarb  sich  das  Regiment  besonders  in 
Capua  die  Liebe  der  Bewohner  durch  Verbesserung  der  Strassen 
und  Anlegung  eines  öffentlichen  Gartens.  Diese  Verschönerungen 
bewirkten  die  Arbeiten  der  Mannschaft  und  zum  Theil  auch  die  frei- 
willigen Beiträge  des  Offiziers- Korps  in  Bezug  auf  den  zum  Bereich 
der  Kaserne  gehörigen  Garten. 

Vor  dem  Abmärsche  des  Regiments,  der  letzten  aus  Neapel 
zurückkehrenden  Kolonne,  verehrte  demselben  die  Stadt  Capua  unter 
Repräsentation  ihres  würdigen  Syndikus,  des  vormaligen  Obersten 
Conte  Friozzi  ein  reichgesticktes  Fahnenband  mit  einer  passenden, 
die  Dankbarkeit  und  fortdauernde  Erinnerung  der  Börger  an  die 
Humanität  des  Regiments  ausdruckenden  Inschrift. 

Am  5.  Mai  1825  hatte  der  Wiener  Börger  und  gewesene 
Feldwebel  Gottlieb  Reymann  zum  Andenken  seiner  Dienstleistung 
im  Regiment  Hoch-  and  Deutschmeister  eine  Stiftung  errichtet, 
vermöge  welcher  von  den  alljährlich  entfallenden  Interessen  des  in 
1000  fl.  C.-M.  bestehenden  Stiftungs  -  Kapitales  dem  ältesten  Feld- 
webel des  Regiments  die  Hälfte,  dem  ältesten  Korporal  ein  Vier- 
theil und  den  ältesten  zwei  Gemeinen  ebenfalls  ein  Viertheil  als 
Zulage  erfolgt  werden  soll. 

Im  Monat  März  1827  nach  wiederbefestigter  Ordnung  im 
Königreiche  Neapel  trat  das  Regiment  seinen  Rückmarsch  nach 
Ober -Italien  über  Teracina,  Viterbo,  Rom,  Florenz,  Bologna  und 
Modena  an,  überschritt  den  Po  bei  St.  Benedetto  und  erhielt  die 
Bestimmung,  unter  Kommando  des  F.-M.-Lt.  Br.  Lederer  in 
Bozzolo  am  Oglio  und  Casalmaggiore  am  Po  zu  kantonniren,  wo  das 
Regiment  im  Monat  Mai  eintraf.  Bei  dem  Marsche  durch  Rom 
wurde  dem  mit  dem  Regimentsstabe  vereinigten  zweiten  Bataillon 
am  Rasttage  die  Auszeichnung  zu  Theil,  nach  gehörtem  Messopfer 


480  1  «0-1*23. 

in  dem  prachtvollen  Riesentempel  des  heiligen  Petrus  den  Segen 
des  Papst  Leo  X.  zu  empfangen,  nach  welcher  feierlichen  Weihe 
das  Offiziers -Korps  im  Empfangssaale  des  Vatican  zum  Kusse  des 
päpstlichen  Fischerringes  zugelassen  wurde.  Diese  religiöse  Feier 
erheischt  hesonders  darum  eine  ausdrückliche  Erwähnung,  weil  ehen 
damals  im  Jahre  1827  das  Säcular-Fest  des  heiligen  Jahres  ein- 
getreten war. 

Zum  besondern  Gedächtnis«  derselben  wurden  von  Se.  päpstlichen 
Heiligkeit  jedem  der  Feld -Bataillons  eine  silberne  Denkmünze  ver- 
liehen, welch*'  auf  Befehl  Sr.  kaiserl.  Hoheit  des  durchlauchtigsten 
Herrn  Regiments -Inhabers  Erzherzog  Anton  dem  Erziehungshause 
zur  Aufbewahrung  Obergeben  wurden.  Die  wirkliche  Uebergabe  fand  in 
Gegenwart  des  Ohcrstlieutenants  Baron  Wöber  und  des  gesammten 
Offiziers -Korps  des  dritten  Bataillons  nach  einer  von  dem  Katecheten 
Franz  Stock may er  an  die  versammelten  Zöglinge  gerichteten 
angemessenen  Rede  statt. 

Vom  Monate  Mai  1S27  bis  zum  März  1820  stationirte  das 
Regiment  in  Casalmaggiore  und  Bozzolo,  in  Ersterem  der  Regiments- 
stab  mit  dem  zweiten  und  in  Letzterem  das  erste  Bataillon. 

Nachdem  Unter- Italien  und  auch  das  päpstliche  Gebiet  von 
der  österreichischen  Besatzung  mit  Ausnahme  von  Ferara  vollständig 
geräumt  worden  war,  gebot  es  die  Vorsicht,  zur  Verhinderung  von 
Reaktionen  in  den  kleinen  italienischen  Staaten  ein  Observations-Korps 
zwischen  dem  Po,  Mincio  und  Oglio  aufzustellen.  Dieses  Korps,  in 
beiläufiger  Stärke  von  14.000  Mann,  stand  unter  dem  Befehle  des 
F.-M.-Lt.  Br.  Lederer  und  behielt  zu  seiner  Mobilität  die  Kriegs- 
Rationen.  Das  Regiment  bildete  demnach  gleichsam  die  Vorhut 
jenes  Observations-Korps,  mit  dem  rechten  Flügel  gegen  Parma  und 
Quastalla  und  mit  dem  linken  gegen  Mantua  und  S.  Benedetto 
gelehnt,  mit  der  Front  gegen  Modena  und  den  Kirchenstaat  gestellt. 

Am  17.  Mai  1827  verlor  das  Regiment  zu  Casalmaggiore  an 
der  Lungenlähmung  seinen  Kommandanten,  Oberst  Freiherr  Voith 
v.  Storp  et z,  einen  erfahrenen,  einsichtsvollen  und  gerechtigkeits- 
liebenden  Chef,  dessen  vorgerückte  Jahre  und  Gebrechlichkeit  in 
Folge  schwerer,  schon  im  Tfirkenkriegc  erhaltenen  Wuuden  dem 
fremden  klimatischen  Einflüsse  unterlagen.  Das  Interims  -  Regiments- 
Kommando  übernahm  Major  Baron  Fels,  dessen  Bataillon  dem 
Grenadier  -  Hauptmann  Adlcrsburg  übertragen  wurde. 


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1*29-1847. 


481 


Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  27.  Juni  1827  wurde 
Oberstlieutenant  Freiherr  v.  Wöber  zum  Obersten  und  Regiments- 
Kommandanten,  Major  Ludwig  Baron  Fels  zum  Oberstlieutenant 
und  Kommandant  des  dritten  Bataillons  ernannt  und  der  Oberst- 
lieutenant Friedrich  Prinz  zu  Nassau  als  supernumerär  in  das 
Regiment  eingetheilt. 


1829-1847. 

Beim  Beginn  des  Jahres  1829  wurde  das  um  Cremona  und 
Mautua  aufgestellte  Observations-Korps  aufgelöst  und  das  Regiment 
zum  Rückmarsch  beordert.  Dieser  ging  Ober  Mantua,  Verona,  Vicenza, 
Treviso,  ödine,  Cremona  und  Ponteba  nach  Kärnten,  wo  das  Regiment 
am  1.  und  2.  Mai  in  Klagenfurt  eintraf.  Das  erste  Bataillon  mit 
dem  Regimentestab  garnisonirte  in  der  Hauptstadt  Kärntens,  das 
zweite  Bataillon  mit  vier  Kompagnien  in  St.  Veit  unter  Kommando 
des  mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  1.  Mai  1820  vom  Haupt- 
mann zum  Major  beförderten  Michael  v.  Adlers  bürg  und  die 
sechste  Division  zu  Villach. 

Oberstlieutenant  Friedrich  Prinz  zu  N assau  wurde  letzten 
März  1820  zum  Regiment  Nr.  51  transferirt. 

Die  Annehmlichkeit  dieser  Garnisonen,  in  welchen  die  Mann- 
schalt nach  langer  Entbehrung  wieder  mit  kräftiger  deutscher  Nahrung 
versehen,  sich  einer  heiteren  Zufriedenheit  flberliess,  wurde  nur  noch 
erhöht  durch  die  biedere  Zuvorkommenheit  der  Bewohner  und  ihre 
bei  allen  Gelegenheiten  hervorgetretene  Liebe  und  Achtung  für 
das  Regiment. 

Im  Monate  Juni  1830  schien  der  Zeitpunkt  gekommen  zu  sein, 
wo  die  aus  Italien  zurückgezogenen  Truppen  nach  langer  Entfernung 
in  ihre  Werbbezirke  verlegt  werden  sollten.  Das  Infanterie-Regiment 
Nr.  7,  damals  in  Ober- Oesterreich  stationirt,  erhielt  die  Bestimmung 
in  seine  Heimat  zurückzukehren  und  das  Infanterie  -Regiment  Hoch- 
und  Deutschmeister  in  den  obigen  Garnisonen  abzulösen.  Noch  vor 
dem  Eintritte  des  Wechsels  hatten  Seine  Majestät  Kaiser  Franzi, 
mit  Ihrer  Majestät  der  Kaiserin  Karoline  Auguste  die  Stadt 
Klagenfurt  unvorhergesehen  mit  einem  Besuche  überrascht,  das 

31 


482  1S2»-1H47. 

Regiment  ausrücken  lassen,  besichtiget  und  nach  der  Defiliruug  die 
Allergnädigste  Zufriedenheit  mit  dem  guten  frischen  Aussehen  und 
Haltung  der  Mannschaft  zu  erkennen  gegeben.  Bei  dieser  Gelegenheit 
geruhte  Se.  Majestät  huldvoll  zu  äussern,  die  Mannschaft  ihrer 
Heimat  bald  näher  zu  bringen,  das  Regiment  aber  vor  der  Hand 
nach  Enna  und  Wels  zu  disloziren.  In  Folge  dieser  Allerhöchsten 
Bestimmung  marschirte  das  erste  und  zweite  Feld  -  Bataillon  in  dem 
gedachten  Monate  mit  dem  Regimentsstabe  über  St.  Veit,  Neumarkt, 
Zcyring,  aber  den  unteren  Tauren,  sodann  über  Lietzen  und  den  Byhm 
auf  der  sogenannten  Eisenstrasse  durch  Weyer  und  Steyer  nach  Enns. 
wo  das  zweite  Bataillou  mit  dem  Regimentsstabe  verblieb,  das  erste 
Bataillon  über  die  Kreisstadt  Wels  zur  Garnisonirung  erhielt.  Durch 
gleichzeitige  Beurlaubungen  wurden  die  Kompagnien  auf  den  Friedens- 
stand herabgesetzt  und  alles  schien  sich  dem  Genuss  einer  längeren 
Ruhe  hingeben  zu  können.  Allein  plötzlich  erhob  sich  in  Paris  die 
Juli  -  Rev  olution  und  die  demokratische  Tendenz  der  Nation  zwang 
Karl  X.  zu  der  bekannten  Abdikation  und  zum  Verlassen  seines 
insurgirten  Königreichs.  Die  nächste  Folge  dieser  Umwälzung  war 
die  schnelle  Verbreitung  ähnlicher  Versuche  in  Italien,  welche  jedoch 
bis  dahin  noch  zu  keinem  entschiedenen  Ausbruche  gekommen  waren. 
Ihrer  Heimat  kaum  wiedergegeben,  wurden  abermals  deutsche 
Truppen  zur  Verstärkung  der  österreichischen  Waffen  nach  Italien 
beordert. 

Das  Regiment  erhielt  inzwischen  die  Bestimmung,  von  Enns 
und  Wels,  in  die  Nähe  von  Wien  zu  marschiren,  wohin  es  am 
10.  September  aufbrach.  Während  der  Regimentsstab  mit  dem  ersten 
Bataillon  in  St.  Pölten  blieb  und  einige  Kompagnien  nach  Wilhelms- 
burg und  Ochsenburg  verlegt  worden  sind,  wurde  das  zweite  Bataillon 
unter  Kommando  des  Majors  v.  Adlers  bürg  nach  Möllersdorf, 
Perchtoldsdorf  und  die  sonstige  Konkurrenz  der  Hauptstadt  vor- 
geschoben. 

Schon  am  30.  Oktober  1830  wurdeu  beide  Feld  -  Bataillons 
mit  dem  Stabe  wieder  nach  Oberösterreich  zurückbeordert  und  da 
das  bisher  in  Linz  stationirte  Infanterie  -  Regiment  Nr.  18  nach  Italien 
aufbrechen  musste,  so  bezog  das  Regiment  die  dadurch  erledigte 
Garnison  in  der  Hauptstadt  Ober-Oesterreichs  wo  es  am  1.  und  2.  No- 
vember eintraf.  Hier  stand  es  die  Monate  November  und  Dezember 
1830,  dann  Jänner  und  Februar  1831  in  der  Brigade  General  Baron 


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1829-1847 


483 


Schneider  v.  Arno,  Division  F. -M.-Lt.  Baron  Mecse'ry, 
welcher  ehemals  als  Obcrstlieutenant  im  Regiment  diente. 

Oberstlieutenant  Prinz  Karl  zu  Hessen  und  bei  Rhein 
wurde  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  19.  Jänner  1831  von 
Nr.  21  in  das  Regiment  eingetheilt  und  übernahm  das  Kommando 
des  Grenadier  -  Bataillons. 

Die  iu  Folge  der  Juli  -  Revolution  entstandene  Gährung  in  den 
italienischen  Provinzen,  besonders  in  Parma,  Modena  und  dem 
Kirchenstaate,  hatte  sich  zu  einem  förmlichen  Ausbruche  gegen  die 
bestehenden  Regierungsformen  vorbereitet.  Der  ehemalige  französische 
General  Zuchy,  seit  dem  Pariser  Frieden  pensionirter  österreichischer 
Feldmarschall  -  Lieutenant,  verliess  heimlich  Mailand  und  stellte  sich 
an  dio  Spitze  der  Insurrektion  im  Kirchenstaate.  In  Folge  dieses 
Ereignisses  marschirte  das  Regiment  am  23.  Februar  1831  ohne 
Rasttage  aus  Ober  -  Oesterreich  zuerst  nach  Klagenfurt  und  St.  Veit 
in  Kärnten,  in  der  bestimmten  Voraussetzung  ohne  Aufenthalt  die 
italienische  Grenze  zu  überschreiten  und  an  der  Expedition  gegen 
die  gedachte  Insurrektion  Tbeil  zu  nehmen.  Allein  treffen  alle  Er- 
Wartung  verblieb  es  fortan  auf  dem  Friedensfussc  in  den  vorgenannten 
Garnisonen  vom  Monate  März  bis  Ende  Juli  1831.  Erst  im  Monate 
August  erschien  die  langersehnte  Weisung,  Italien  näher  zu  rücken, 
in  deren  Folge  das  erste  und  zweite  Feld  -  Bataillon  mit  Anfang  des 
Monats  August  über  den  Loibel  nach  Görz  und  Konkurrenz  vorrückte. 
Inzwischen  hatte  sich  das  erste  aktive  Landwehr-Bataillon  formirt, 
welches  unter  Kommando  des  Major  Lorenz  v.  Kurz,  welcher  am 
8.  Februar  1831  aus  dem  Pensionsstando  mit  mehreren  Offizieren 
eingetheilt  worden,  ebenfalls  dahin  beordert  wurde.  Mit  dem  Stande 
von  180  Gemeinen  bei  jeder  Kompagnie  erreichte  das  nun  aus  drei 
kompleten  Bataillons  bestehende  Regiment  eine  Stärke  von  mehr 
als  4000  Mann  und  einen  imposanten  Eindruck  gewährte  die  am 
24.  September  1831  auf  der  ausgedehnten  Haide  bei  Gradiska  von 
dem  General  v.  Bub  na  abgehaltene  Revision. 

Am  30.  September  1831  folgte  das  Regiment  der  eben  erflossenen 
Bestimmung  den  Isonzo  zu  überschreiten  und  das  italienische  Gebiet 
zu  betreten.  Ucber  Gradiska  und  Versa  marschirten  die  beiden  Feld- 
Bataillons  mit  dem  Stabe  nach  Udine,  formirten  daselbst  statt  des 
nach  Trcviso  dislozirten  Infanterie  -  Regiments  Nr.  26  die  Garnison 
mit  der  dazu  gehörigen  Konkurrenz  und  Besatzung  der  Festung 

31* 


4S4  1829-1847. 

Palmanuora,  wahren»!  das  erste  Landwehr  -  Bataillon  am  linken  Ufer 
des  Isouzo  einstweilen  noch  zwischen  Oörz  und  Gradiska  in  Kanton- 
nirnng  znrnckhlieb. 

Laut  Kinthcilungs  -  Liste  bestand  das  Offizier  -  Korps  aus: 

Oberst  -  Inhalier  Erzherzog  Anton  Viktor,  P. -Z. -M.,  Hoch-  und 
Deutschmeister. 

Oberst,  Regiments-Kommandant  Johann  Baron  Wöber. 

Obcrstlieutenant  Ludwig  Baron  Fels,  Karl  Prinz  zu  Hessen  und  bei 
R  he  i  n. 

Major  Kar!  Baron  Bräu  neck,  Michael  von  Adlersburg,  Loren* 
von  Kurz. 

Kaplan  Adalbert  Bittennann. 
Auditor  Wenzel  See  mann. 
Arzt  Renatus  Kromayer. 
Rechnungsführer  Franz  Moderier. 
Adjutant  Olierlientenant  Leopold  Eisen. 

Bataillons-Adjutaiit  Kranz  von  Ratky,  Leopold  de  Kavalla,  Anton 
Stadler. 


1 

d. 
S 

Hauptmann 

L  i  e  u  t  e  n  a  n  t 

Fähnrich 

ä 

Ober- 

l'nter- 

i 

-o 
es 

i. 

Karl  v.  A  inner 

au  p^ert 

Florid  Leeb 

C 

i 

I 

Johann  v.  Kolbe 

Karl  Hiiring 

Vincenz  Dcwald 

Franz  Stadler 

Aegid 
Prohaska 

Ludw.  Lechncr 

Johann  Kofler 

2. 

Karl 
Br.  Legisfeld 

Anton  Lacroix 

Karl  Wolff 

Karl  Leithe 

S 

3. 

Karl 
v.  Mayer 

Josef 
ßr.  Hannig 

Karl  Budie 

Georg  Ritter 
Ncumüller 

2 

4. 

Nikolaus 
Brunner 

Franz  Lind  lau 

Eduard  Baron 
La  Marre 

Karl 

v.  Dollhopfen 

6. 

Josef  Wurst 

Ambros  Denkh 

Ludwig 
v.  Dagnen 

Josef  Nickerl 

6. 

Johann 
Schembergcr 

Josef 
M  ar  tinoll  y 

Kduard 
Baron  Geisau 

Jobann  Blatt 

7. 

Daniel 
Schnorl>usch 

Josef  Sehiftor 

Josef  Huber 

'S 

& 

Georg  Schlinger 

Philipp 
v.  Bitter 

Peter  Schermeng 

Johann  Gillich 

& 

9. 

Karl  Voigt 

Karl  Stephan 

Josef  Prucker 

Vincenz  Viktor 

,,.| 

Adam 
Wagenheim 

Ferdinand 
Fischer  jun. 

Adam  Eisen 

Johann 
Sp&tzierer 

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1S29  1S47. 


485 


"3 

en 

Hauptmann 

Lieutenant 

Fähnrich 

"2 
aa 

o 

UOcr- 

fTntor- 
U  BMI " 

ce 

'3 

11. 

Johann 
Unkelhäuser 

Ferdinand 

TT*  1 

tischer  sen. 

Joh.  Schiitter 

Johann  Bocky 

S 
N 

12. 

Franz  Schiitler 

Karl  Neumann 

Rudolf 
v.  Botter 

Ferdinand  Platz 

13. 

Ludwig  Hahn 

Karl  v.  Haan 

Jakob  Mauthner 

Adolf  Microys 

1 

14. 

Johann 
t.  Birkfnstock 

Friedrich 

TT  ^1 

Hofbauer 

Karl  Ochs 

Eduard  Graf 
Kotumarofsky 

Im 

Q 

15. 

Johann 

t.  Schwarz 

Ludwig 
v.  Roland 

Casimir 
Br.  Lutzendorf 

Margio  Marquis 
de  Bonne 

16. 

Johann  Sacher 

Ludwig 

TT         o  A» 

Br.  Saffram 

Sigismund 
Gr.  Thnrn 

L 

Alois 
Br.  Sternegg 

Heinrich  Icke 

Rudolf 
Ertel  t.  Seau 

— 

2. 

Kran  7 

i  i  am» 

Br.  Leidnitz 

Johann 
Frauendorfer 

Eduard  Kolb 

Landwehr- 

8. 

Franz 
?.  Dietrich 

Ferdinand  Linz 

Jakob 

Gr.  Colloredo 

4. 

Max 

Br.  Lichtetistein 

Karl 
v.  Mehlführer 

Benedikt  Kollet 



5. 

Karl  v.  Frank- 

Franz  I'fau 

Josef  Strack 

6. 

Karl  Kaprotti 

Karl 
Herdliczka 

Karl  Pelrkscvieh 

1 

Wegen  der  aus  dem  südlichen  Ungarn  heraufziehenden  Seuche 
(Cholera)  wurde  ein  Sauitäts  -  Kordon  gezogen,  Kontumaz -Anstalten 
errichtet,  jede  Kommunikation  geschlossen  und  das  Regiment  erhielt 
die  schwierige  Bestimmung,  die  ausgedehnte,  Ober  das  hohe  Gebirge 
gezogene  Kordonslinie  von  Kärnten,  Krain  und  dem  KQstenlande 
an  der  ganzen  Umgebungslinie  von  Friaul  zu  besetzen,  welche  Auf- 
gabe mit  Ordnung  und  zur  Zufriedenheit  der  Provinzial  -  Direktion 
des  Kordons  gelöst  wurde. 

Major  Lorenz  v.  Kurz  war  am  30.  September  1831  in  Iluhe- 
stand  zurückgetreten  und  in  seine  Stelle  wurde  mit  Allerhöchster 
Entschliessung  vom  1.  Oktober  1831  Hauptmann  Karl  A  inner 
v.  Galtivini  zum  Major  und  Kommandanten  des  ersten  Landwehr- 
Bataillons  ernanut.  Dieses  Bataillon  wurde  nach  Besetzung  der  Kor- 
donslinie durch  die  Feld  -  Bataillons,  gleichfalls  nach  Italien  gezogen 


4SG 


1*29  1S47. 


und  theils  zur  Besetzung  der  Festung  Palmanuova,  theils  zur  Ver- 
richtung des  Garnisonsdieustes  in  Udine  verwendet.  Nachdem  diese 
Bataillone  abwechselnd  vom  Monate  Oktober  1831  bis  August  1832 
in  der  Provinz  Friaul  kantonnirt  hatten,  wurde  das  Regiment,  näm- 
lich die  beiden  Feld  -  Bataillone  mit  dem  Stabe  im  Monate  Sep- 
tember 1832  nach  Bassauo  und  Belluno  vorgeschoben.  Die  Route 
ging  über  Codroipo,  Pordenone  und  von  hier  das  erste  Bataillon 
nach  Belluno,  wo  dasselbe  zugleich  Seravalle  und  Feltre  besetzte, 
für  das  zweite  Bataillon  und  den  Stab  aber  Ober  Treviso  nach 
Bassano,  wo  es  am  2.  September  1832  eintraf. 

Oberst  und  Regiments  -  Kommandant  Johann  Baron  Wöber 
avancirte  in  Folge  Allerhöchster  Erschliessung  vom  30.  Oktober  1832 
zum  Generalmajor  und  Brigadier;  Major  v.  Adlersburg  ubernahm 
bis  zur  provisorischen  Ernennung  des  Oberstlieutenants  Baron  Fels, 
das  Regiments  -  Kommando. 

Der  Frühling  des  Jahres  1833  weckte  die  allgemeinen  grossen 
Truppen  -  Konzentrirungen  der  mobilen  Armeekorps  in  Italien  und 
da  das  Regiment  zu  denselben  noch  nicht  eingeteilt,  sondern  seit 
Ueberschreitung  des  Isonzo  blos  mit  der  Hälfte  der  Kriegsrationen 
betheilt,  dem  Reserve  -  Korps  beigegeben  worden  war,  so  traf  es  die 
Bestimmung,  während  des  Monats  Mai  mit  beiden  Feld  -  Bataillons 
die  Garnisonsdienste  in  Verona  zu  versehen,  mit  1.  Juni  aber  das 
Uebungslager  bei  Altavilla  zwischen  Viceuza  und  St.  Bonifacio  zu 
beziehen,  wo  sowohl  Offiziere  als  Mannschaft  in  hölzernen  Baraken 
untergebracht  waren. 

Das  niedere,  hie  und  da  mit  Sümpfen  durchzogene  Terrain, 
das  Beisammenleben  in  den  Baraken,  nächtliche  Regengüsse  und  die 
brennende  Hitze  am  Tage,  verbunden  mit  den  anstrengenden  Feld- 
übungen erzeugten  ein  schnell  um  sich  greifendes  Fieber,  welches  in 
kurzer  Zeit  mehr  als  300  Mauu  als  Opfer  forderte.  In  der  That  ein 
Verlust,  welcher  ein  wirklicher  Feldzug  kaum  gekostet  haben  würde. 
Im  Monate  Juli  kehrte  das  Regiment  zwar  wieder  in  seine  vorigen  ge- 
sunden Stationen  Bassauo  und  Belluno  zurück,  inusste  jedoch  in  Folge 
der  herbstlichen  Truppen  -  Konzentrirung  gegen  Ende  August  1833 
abermals  nach  Verona  marschiren  und  daselbst  während  des  Monats 
September  die  Garnisonsdienste  versehen.  Erst  mit  Anfang  des  Monats 
Oktober  wurde  das  Regiment  dieser  Verwendung  enthoben,  um  sodann 
die  Winterquartiere  in  den  vorljcnamiteu  Städten  zu  beziehen. 


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1K29-1S47. 


487 


Oberstlieutenaut  Prinz  Karl  zu  Hessen  und  bei  Kh ein  hatte 
am  11.  März  1833  seine  Charge  quittirt  und  Oberstlieutenant  Fer- 
dinand Baron  Wenz  des  Regiments  Nr.  3  das  Kommando  des 
Grenadier- Bataillons  übernommen. 

Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  31.  Dezember  1833 
wurde  Hauptmann  Karl  Baron  Legisfeld  zum  Major  befördert; 
Major  Karl  Aumer  v.  Galtivini  am  15.  Februar  1834  in  Ruhe- 
stand übernommen  und  au  dessen  Stelle  Hauptmann  Karl  Fischer 
v.  See  des  Regiments  Nr.  23  mit  2.  April  zum  Major,  Oberst- 
lieutenant Ludwig  Baron  Fels  mit  21.  April  1834  zum  zweiten 
Oberst  beim  Regiment  Nr.  42  und  von  dort  Oberstlieutenant  Karl 
Fürst  zu  Schwarzenberg  mit  17.  April  1834  zum  Obersten  und 
Kommandanten  des  Regiments  befördert. 

Das  Regiment  marschirte  im  Monate  Juli  1834  abermals  nach 
Verona,  garnisonirte  daselbst  während  des  Monats  August  und  bezog 
anfangs  September  die  Kantonnirung  zu  Valeggio  und  Mouzambano. 
In  der  zweiten  Hälfte  des  Monats  September  wurde  es  nach  Villa- 
franca dislozirt  und  auch  hier  zu  den  fortgesetzten  Manövers  des 
zweiten  mobilen  Armeekorps  verwendet.  Diese  endeten  mit  Anfang 
Oktober  in  dem  nördlichen  Theil  der  Provinz  Verona  nach  ab- 
wechselnder Kantonnirung  mit  der  grossen  Kirchenparade  auf  der 
Haide  bei  Medole.  Mit  geringen  Ausnahmen  war  die  gesammte 
Truppenmacht  der  k.  k.  italienischen  Armee  unter  dem  Komman- 
direnden  G.  d.  K.  Graf  Radetzky  hier  versammelt. 

Unmittelbar  nach  Beendigung  dieser  grossartigeu  militärischen 
Feierlichkeit,  welcher  nebst  Ihrer  Majestät  der  Erzherzogin  Maria 
Louise  auch  noch  mehrere  andere  Personen  hohen  Ranges,  dann 
Generale  und  Stabsoffiziere  verschiedener  Mächte  beiwohnten,  mar- 
schirte das  Regiment  nach  Volta  und  verblieb  daselbst  bis  18.  Oktober. 

In  Folge  der  Anerkennung,  welche  sich  das  Regiment  unter 
der  ausgezeichneten  Führung  seines  Obersten  Fürsten  Schwarzen- 
berg bei  den  grossen  Feldübungen  nächst  Verona  erworben  hatte, 
erhielt  es  die  Bestimmung  nach  Mailand  zu  marschiren  und  einen 
Theil  der  Garnison  zu  bilden,  wohin  dasselbe  über  Desenzano,  Tra- 
vagliato  und  Chiari  marschirte  und  am  20.  Oktober  1834  zu  Mai- 
land eiutraf.  Das  erste  Bataillon  wurde  in  die  Kasernen  St.  Fran- 
cesco, Eustorgio  und  Vittore  bequartirt,  das  zweite  aber  nach  Pavia 
detachirt. 


488 


1829-1847. 


Major  Michael  Schwabl  Edler  v.  Adlersburg  wurde  mit 
Allerhöchster  Erschliessung  vom  13.  Juni  1834  zum  Oberstlieutenant 
und  Hauptmann  Karl  Unkelhäuser  mit  jener  vom  18.  August  1834 
zum  Major,  ebenso  Hauptmann  Josef  Ritter  v.  Stand eisky  von 
Nr.  60  mit  jener  vom  15.  September  1834  zum  supernumerären 
Major  im  Regiment,  mit  der  Zutheiluug  als  Personal  -  Adjutant  beim 
Erzherzog  Inhaber,  befördert.  Major  v.  Kolb  übernahm  das  Kom- 
mando des  Grenadier -Bataillons. 

In  der  Nacht  vom  1.  zum  2.  März  1835  starb  in  Wien  Kaiser 
Franz  I.  im  67.  Lebens-  und  43.  Regierungsjahre.  Die  Nachricht 
von  diesem  Trauerfall  gelangte  am  4.  (Aschermittwoch)  nach  Mai- 
land, am  5.  legte  das  Regiment  die  grosse  Trauer  für  den  abge- 
schiedenen Monarchen  an.  Kaiser  Ferdinand  I.,  geboren  19.  April 
1793,  bestieg  mit  dem  Wahlspruche  „Recta  tueri*  den  Thron  seiner 
Väter  und  machte  dem  Heere  den  grossen  Verlust  durch  nach- 
stehendes Handschreiben  an  den  Hofkriegsraths  -  Präsidenten  bekannt: 

,  Lieber  Graf  Hardegg! 

,1m  Anschlüsse  theile  Ich  Ihnen  eine  Abschrift  Meines  soeben 
„au  den  eisten  Obersthofmeister  erlassenen  Handschreibens  mit, 
»dessen  Inhalt  Ihnen  in  Beziehung  auf  die  administrativen  Organe 
„der  Kriegsverwaltung  von  demselben  auch  im  herkömmlichen  Wege 
„ eröffnet  werden  wird,  zugleich  ist  es  aber  Mein  Wille,  dass  Sie 
„Meiner  getreuen  Armee  den  grossen  Verlust,  den  sie  erlitt,  ohne 
„Verzug  bekannt  machen. 

„Ich  verweise  die  ganze  Generalität,  Stabs-  und  Oberoiliziere, 
„sowie  die  gesammte  Mannsehall  Meiner  Armee  auf  ihre  aufhabende 
„Eidespflicht  und  erwarte,  dass  in  Folge  derselben  die  Befehlshaber 
sallerGrade  fortfahren  weiden,  ihre  Pflichten  nach  ihren  bekleideten 
„Chargen  und  Aemtern  getreulich  zu  erfüllen  und  den  ihnen  anver- 
trauten Truppeukörper  nach  den  Reglements-  und  Dienstes  -  Vor- 
schriften vorstehen. 

„Meine  Armee  hat  zu  alleu  Zeiten  und  in  jeder  Gelegenheit 
„die  Tugenden  strenger  Ordnung  und  Mannszucht  unerschütterlicher 
„Treue  und  ruhmvoller  Tapferkeit  bewährt  und  Ich  rechne  darauf, 
„diese  Eigenschalten  stets  in  ihren  Reihen  einheimisch  zu  finden.* 

„Wien,  2.  März  1835." 


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1*20-1847, 


489 


Gleichzeitig  wurde  nachstehender  Auszug  des  Testamentes 
weiland  Sr.  k.  k.  Apostolischen  Majestät  des  Kaisers  Franz  I.  der 
Armee  kundgemacht: 

„Meine  Liebe  vermache  Ich  Meinen  ünterthanen,  Ich  hoffe, 
„dass  Ich  für  sie  bei  Gott  werde  beten  können  und  Ich  fordere  sie 
„auf  zur  Treue  und  Anhänglichkeit  gegen  Meinen  legitimen  Nach- 
folger, so  wie  sie  Mir  dieselbe  in  guten  und  schlimmen  Tagen 
„bewiesen  haben. 

„Ich  sage  Meiner  treuen  Armee  Meinen  herzlichen  Dank  für 
„die  Dienste,  welche  sie  Mir  erwiesen  und  durch  welche  sie  Meinen 
„Thron  erhalten  hat.  Ich  fordere  sie  auf,  dieselbe  Treue  und  Anhäng- 
lichkeit immerfort  zu  beweisen. 

„Allen  Staatsdienern,  die  Mir  gut  dienten,  bezeige  Ich  hiemit 
„Meinen  Dank." 

Dieses  Allerhöchste  Handschreiben,  sowie  der  Absatz  aus  dem 
Testamente  Kaiser  Franz  I.  wurde  dem  en  parade  ausgerückten 
Regimente  feierlich  kundgemacht;  auch  fand  in  dem  prachtvollen 
Mailänder  Dom,  der  hiezu  ganz  schwarz  ausgeschlagen  war,  ein 
Trauergottesdienst  statt,  während  welchem  Offiziere  des  Regiments, 
mit  gezogenen  Degen  die  Spalier  am  Castrum  doloris  bildeten. 

Am  2.  April  1835  starb  auch  der  Inhaber  des  Regiments, 
Erzherzog  A  n  t  o  u,  Hoch-  und  Deutschmeister,  k.  k.  Feldzeugmeister. 

Erzherzog  Anton  war  zu  Florenz  am  31.  August  1779  geboren, 
achter  Sohn  des  Kaisers  Leopold  II.  und  Maria  Ludovika, 
wurde  anfänglich  zum  geistlichen  Stande  bestimmt  und  wuren  ihm 
auch  die  Bisthümer  Köln  und  Münster  zugedacht;  aber  im  Hinblick 
auf  die  revolutionären  Bewegungen  in  Frankreich  lehnte  er  beide 
Würden  ab.  Als  Erzherzog  Karl  das  Hochmeisterthum  des  deutschen 
Ordens  ablegte,  wurde  der  Erzherzog  am  30.  Juni  1804  dazu  berufen 
und  bekleidete  diese  Würde,  welche  am  20.  Dezember  1805  im 
Pressburgcr  Frieden  erblich  au  Oesterreich  überging,  zeitlebens, 
verlor  aber  durch  Artikel  4  des  Wiener  Friedens  14.  Oktober  1809 
alle  Güter,  welche  von  den  deutschen  Fürsten  mit  Beschlag  belegt 
worden  sind  und  blieb,  da  der  Orden  in  Deutschland  und  Italien 
aufgehoben  wurde,  auf  die  österreichische  Monarchie  beschränkt 
Im  Oktober  1805  begab  er  sich  in  einer  Sendung  nach  Berlin,  als 
Mack  die  Festung  Ulm  übergeben  hatte  und  der  siegreiche  Feind 
die  Kaiserstadt  bedrohte,  um  Preussen  zu  einer  Offensiv-Allianz  zu 


400 


1K29-1H47. 


gewinnen,  welche  jedoch  ohne  das  gewünschte  Resultat  blieb.  Im 
Jahre  1816  wurde  der  Erzherzog  Vicekönig  des  eben  gegründeten 
lombardisch  -  venezianischen  Königreiches,  welchen  Posten  jedoch 
anfangs  1828  sein  Bruder  Erzherzog  Rainer  übernahm. 

Erzherzog  Anton  lebte  nunmehr  abschliessend  seinem  Berufe, 
den  Wissenschaften  und  dem  Wohlthun.  Seit  mehreren  Jahren  be- 
wohnte er  den  Sommer  über  in  Baden  eine  freundliche  Villa  und 
verdankt  ihm  diese  Stadt  die  mannigfaltigsten  Verschönerungen. 
Nach  dem  unglücklichen  Brande  1812  war  es  der  Erzherzog,  der 
den  Wiederaufbau  der  Stadt,  von  der  137  Häuser  eingeäschert 
wurden,  wesentlich  förderte.  Auch  unterstfitzte  er  auf  das  Kräftigste 
das  Blinden -Institut,  erwirkte,  dass  dasselbe  zu  einer  Staatsanstalt 
erhoben  wurde  und  führte  dessen  Verbindung  mit  der  als  Privat- 
unternehmen gegründeten  Versorgungs-  und  Beschäftigungs  -  Anstalt 
für  unheilbare  erwachsene  Blinde  durch.  Nach  dem  Tode  seines 
Bruders  des  Erzherzogs  -  Kardinals  Rudolf  übernahm  er  auch  das 
Protektorat  der  „Gesellschaft  für  Musikfreunde"  und  in  der  kurzen 
Frist  seines  Schutzes  erhob  sich  diese  Anstalt  zu  einer  hohen  Be- 
deutung; ferner  das  Protektorat  der  „Gesellschaft  der  Gartenfreunde", 
welche  durch  seine  Munifizenz  in  die  Lage  kam,  die  Zahl  ihrer 
Preise  zu  vermehren  und  überhaupt  die  sich  gestellten  Zwecke 
energisch  zu  fördern. 

Um  das  Regiment  war  der  Erzherzog  sehr  bemüht,  ging  bei 
den  Beförderungen  mit  der  strengsten  Gerechtigkeit  zu  Werke  und 
schützte  dasselbe  möglichst  vor  Einschoben.  Als  grosser  Wohlthäter, 
welcher  viel  Gutes  im  Verborgenen  that,  wurde  auch  das  Regiment 
oft  reichlich  bedacht,  insbesouders  das  Erziebuugshaus  und  die 
Musik  sehr  unterstützt. 

Erzherzog  Anton  war  Ilumanist  in  des  Wortes  edelster  Be- 
deutung, ein  Freund  und  Förderer  der  Wissenschaften  und  sein 
Thatenkreis  auf  den  Bereich  des  inneru  Menschen,  wissenschaftliche 
Arbeiten  und  des  edelsten  Wohlthuns  beschränkt. 

In  seine  Stelle  wurde  Se.  königliche  Hoheit  Erzherzog  Maxi- 
milian Josef  d' Este  zum  Hoch-  und  Deutschmeister  und  mit 
Allerhöchster  Erschliessung  vom  2(3.  April  1835  zum  Oberst-Inhaber 
des  Regiments  ernannt. 

Major  Karl  Baron  Legisfeld  wurde  mit  1.  April  1835  in 
den  normalmässigen  Ruhestand  übernommen  und  Hauptmann  Heinrich 


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1*2»  1H47 


401 


Edler  v.  Hab  ermann  des  General -Quartiermeisterstabes  mit 
8.  April  zum  Major  im  Regiment  befordert.  Major  Johann  Unkel- 
häuser trat  am  1.  Juni  in  den  Ruhestand,  dagegen  wurde  der  bis- 
herige Adjutant  Sr.  k.  Hoheit  weiland  Erzherzogs  Anton,  Major 
Josef  Ritter  v.  Standeisky,  in  die  Wirklichkeit  eingebracht. 

Mit  dem  Eintritte  der  Sommermonate  1835  begannen  wieder 
die  gewöhnlichen  Feldübungen  sowohl  für  das  mit  dem  Regiments- 
stabe in  Mailand  garnisonirende  erste,  als  auch  für  das  in  Pavia 
detachirte  zweite  Feld -Bataillon. 

"Während  den  gewöhnlichen  Feldübungen  der  Mailander  Garnison 
wurde  das  erste  Bataillon  in  die  nähere  Konkurrenz  von  Mailand, 
später  aber  im  August,  September  und  für  die  erste  Hälfte  Oktober 
in  die  Kantonnirung  von  Monza,  Vimercata,  Mariano  und  Cautu  bis 
an  die  Ufer  des  Corner -See's  dislozirt,  für  welche  Zeit  das  zweite 
Bataillon  den  Garnisonsdienst  in  Mailand  versah.  Am  15.  Oktober 
marschirte  das  erste  Bataillon  wieder  nach  Mailand  zurück,  wogegen 
das  zweite  seine  vorige  Station  Pavia  bezog. 

Auch  das  erste  Landwehr -Bataillon  war  im  Herbste  1835 
aus  dem  venezianischen  Königreiche  in  die  Lombardie  nachgesendet 
worden  und  kantonnirte  bis  zum  erfolgten  Rückmarsch  nach  Oester- 
reich in  Treviglio,  Vimercatc  und  Konkurrenz. 

Oberstlieutenant  Michael  Schwabel  Edler  v.  Adlers- 
burg trat  am  10.  Jänner  1830  in  den  Ruhestand;  in  seine  Stelle 
wurde  mit  dem  selben  Tage  Major  Viucenz  Viktor  des  Regiments 
Nr.  42  zum  Oberstlieutenant  im  Regiment,  Major  Karl  Fischer 
v.  See  dagegen  zum  Oberstlieutenant  beim  Regiment  Nr.  42 
befördert;  Major  Johann  Kolb  v.  Riesthal  am  1.  April  1830 
mit  Oberstlieutenauts  -  Charakter  und  Pension  in  den  Ruhestand  über- 
nommen und  Hauptmann  Franz  Per  in  mit  12.  März  zum  Major 
im  Regiment  ernannt.  Das  Grenadier- Bataillon  erhielt  Major  Guido 
Edler  v.  Giraldi  des  Regiments  Nr.  3. 

Im  Monate  April  1S30  erfolgte  die  Allerhöchste  Bestimmung, 
gemäss  welcher  die  italienische  Armee  auf  ein  mobiles  Korps  von 
25.000  Maun  und  ein  zweites,  sogenauutes  Reserve -Korps,  von 
gleicher  Truppenzahl  reduzirt  wurde.  Mehrere  Regimenter  marschirten 
in  ihre  Heimat  zurück  und  daruuter  befand  sich  auch  das  erste 
und  zweite  Feld-  sammt  dem  Landwehr- Bataillon  des  Regiments 
und    dem  Regimentsstabe.    Hiernach   marschirte  das  Landwehr- 


492 


1829-1847. 


Bataillon  von  Monza  am  16.  Mai  1836  nach  Oesterreich  ab,  welchem 
das  zweite  mit  dem  Regimentsstabe  am  17.  aus  Mailand  folgte.  Das 
erste  Bataillon  verliess  in  gleicher  Marschordnung  Mailand  am 
18.  Mai.  Der  Marsch  dieser  Bataillone  ging  über  Gorgonzola,  Brescia, 
Desenzano,  Pesehiera,  Verona,  Vicenza,  Treviso,  Pordenone  nach 
Udine,  wo  sie  in  lebhafter  Erinnerung  au  die  Garnisoniruug  1831—1832 
von  den  Einwohnern  mit  der  herzlichsten  Auszeichnung  empfangen 
wurden,  dann  weiter  über  Ponteba,  Villach,  Klagenfurt,  Neumarkt, 
Leoben,  Bruck  an  der  Mur,  am  4.  Juli  nach  Wiener -Neustadt,  wo 
das  zweite  Bataillon  verblieb,  während  der  Regimentsstab  mit  dem 
ersten  Bataillon  nach  Kaiser  Ebersdorf,  das  Landwehr -Bataillon  noch 
nach  Mödling  marschirte. 

Am  30.  August  marschirte  das  Regiment  mit  dem  zu  Korneu- 
burg stationirten  dritten  Bataillon  zur  Truppen  -  Konzentrirung  nach 
Wien,  wo  die  Mannschaft  durch  den  ganzen  Monat  September  von 
den  Bürgern  der  Vorstädte  Wieu's  gastfreundschaftlich  bewirthet 
wurde.  Daselbst  ereignete  sich  der  seltene  Fall,  dass  am  15.  Sep- 
tember an  einer  im  Gartensaale  der  goldenen  Birn  in  der  Vorstadt 
Landstrasse  veranstalteten  grossen  Tafel  alle  Offiziere  der  vier  Ba- 
taillons und  der  Grenadier- Division  versammelt  waren.  Nach  vollen- 
deter Waflcuübung  und  Revue  der  Garnison  vor  Sr.  Majestät  dem 
Kaiser  am  28.  September  marschirte  das  Regiment  am  29.  wieder 
nach  Kaiser  Ebersdorf  zurück,  erwartete  hier  das  zu  seiner  Ab- 
lösung bestimmte  Infanterie  -  Regiment  Nr.  3,  brach  dann  am  1.  No- 
vember auf  und  erreichte  am  14.  seine  neue  Garnison  Linz,  von  wo 
die  dritte  Division  nach  Enus  detachirt  wurde. 

Hauptmann  Franz  v.  Hranaky  avancirte  in  Folge  Aller- 
höchster Entschliessuug  vom  24.  Februar  1837  zum  Major. 

Im  Sommer  des  Jahres  1837  war  der  Hauptstadt  Oberöster- 
reich's  die  langersehnte  Freude  vorbehalten,  das  hochgeliebte 
Herrscherpaar  in  ihren  Mauern  zu  bewillkommeu.  Schon  im  Juni 
bereiste  deshalb  der  kommandirende  General,  F.-Z.-M.  Baron 
Wimpffen,  die  gedachte  Provinz,  liess  beide  Bataillone  ausrücken 
und  dieselben  einige  Involutionen  ausführen. 

Am  2.  Juli  1837  verkündete  der  Kanonendonner  aus  allen 
umliegenden  WaHenthürmen  des  Gebirges  von  Liuz  die  Ankunft 
Ihrer  Majestäten  des  Kaisers  Ferdinand  I.  und  der  Kaiserin 
Maria  Anna,  Allerhöchstweiche  im  Regierungspalaste  abstiegen, 
um  die  Bewohner  von  Linz  durch  einen  mehrtägigen  Aufenthalt  zur 


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1S29  1S47. 


493 


allgeraoinen  Freude  mit  Ihrer  Gegenwart  zu  beglücken.  Am  3.  Juli 
geruhten  Ihre  Majestäten  das  Offiziers  -  Korps  der  Garnison  zu 
empfangen  und  am  4.  die  beiden  Feld -Bataillons  des  Regiments  in 
Parade  ausrücken  zu  lassen.  Die  auf  dem  Exerzierplätze  unter  dem 
Kommando  des  Obersten  Karl  Fürsten  zu  Schwarzenberg  rasch 
und  mit  Präzision  ausgeführten  Bewegungen  erwarben  sich  die 
Zufriedenheit  Sr.  Majestät  des  Kaisers,  worüber  sich  ein  Tagsbefehl 
des  Militär -Oberkommandanten  sehr  ehrenvoll  für  das  Regiment 
aussprach.  Am  G.  Juli  veranstaltete  der  durchlauchtigste  Regiments- 
Inhaber  am  Freienberg  Ihren  Majestäten  ein  überraschend  schönes 
militärisches  Fest.  Alle  Soldaten  der  Garnison  zu  Linz  und  Kon- 
kurrenz waren  von  Sr.  königl.  Hoheit  dem  Herrn  Erzherzog  Maxi- 
milian mit  den  Generalen,  Stabs-  und  Oberoffizieren  sammt  ihren 
Familien  und  alle  Honoratioren  auf  der  herrlichen  den  ganzen  En- 
viron  von  Linz  beherrschenden  Anhöhe  zu  Gaste  geladen,  um  daselbst 
einige  Stunden  unbeschreiblichen  Jubels,  das  hochgeliebte  Hcrrscher- 
paar  in  ihrer  Mitte,  an  wohlbesetzten  Tafeln  unter  dem  blauen 
Himmelszelte  gemessen  zu  können.  Oberlieutenant  Erco  beschrieb  das 
denkwürdige  Fest  ebenso  schön  als  treffend  in  einem  Gedichte,  wofür 
er  von  Sr.  Majestät  mit  inner  kostbaren  goldenen  Dose  beehrt  wurde. 
Am  8.  Juli  verlicssen  Ihre  Majestäten  Linz  und  setzten  Ihre  Reise,  be- 
gleitet von  den  Segenswünschen  aller  Bewohner,  nach  Salzburg  fort. 

Der  Monat  September  1837  rief  die  beurlaubte  Mannschaft  zu 
den  gewöhnlichen  Waffenübungen,  nach  deren  Beendigung  die  dritte 
Division  zu  Enns  durch  die  sechste  abgelöst  wurde. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  10.  Mai  1837  wurde 
Major  Josef  Ritter  v.  S  t  a  n  d  e  i  s  k  y  zum  Oberstlieuteuant  bei  dem 
Infanterie-Regiment  Nr.  2  und  in  seine  Stelle  der  Hauptmann  Anton 
Hertz inger  des  Regiments  Nr.  25  zum  Major  ernannt.  Oberst- 
lieutenant Standeisky  war  während  mehrerer  Jahre  als  Erzieher 
des  Herzogs  von  Reichstadt  kommandirt  und  erhielt  für  seine  er- 
spriesslichen  Dienste  in  dieser  Verwendung  das  Ritterkreuz  des  kais. 
österr.  Leopold-  und  dos  parmaischen  Constantin-St.-Oeorg-Ordens. 

Die  Zurückberufimg  des  Infanterie- Regiments  Nr.  14  aus  Italien 
in  seinen  Werbbezirk  veranlasste  die  Dislozirung  des  Regiments  nach 
Kaiser  Ebersdorf.  Der  Marsch  dahin  wurde  mit  dem  Stabe  und  dem 
zweiten  Bataillon  am  8.  April  1830  angetreten  und  am  20.  zurück- 
gelegt. Einen  Tag  später  rückte  das  erste  Bataillon  in  die  Stationen 
Perchtoldsdorf,  Laxenburg  und  Mödling  ein. 


404  1821»-1S47. 

Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  G.  Mai  1839  wurde  der 
Oberstlicutenant  Vincenz  Viktor  zum  Obersten  und  Kommandanten 
des  Infanterie-Regiments  Nr.  12,  der  Major  Heinrich  Edler  v.  Haber- 
mann zum  Oberstlieutenant  und  der  Hauptmann  Ernst  Blank ardt 
von  Nr.  12  zum  Major  im  Regiment  befördert. 

Am  4.  September  beging  das  Regiment,  welches  mit  allen 
vier  Bataillons  in  Wien  zu  den  Waffenflbnngcn  konzentrirt  war,  die 
erhabene  und  tief  orgreifende  Feier  der  Fahnenweihe  für  die  beiden 
Feld -Bataillone  in  der  Kathedral-  und  Domkirehe  zum  heil.  Stefan. 
Um  0  Uhr  vormittags  rückten  die  Bataillons  mit  der  Grenadier- 
Division  in  Parade  auf  den  Stefansplatz  und  formirten  unter  dem 
Zudrang  einer  zahlreichen  Volksmenge,  welche  das  Ungewöhnliche 
dieser  heiligen  Handlung  versammelte,  ein  Viereck  um  die  imposante 
Kathedrale.  Ihnen  schlössen  sich  eine  Abtheilung  Invaliden  nebst 
einer  bedeutenden  Anzahl  von  Borgern  der  Residenz  an,  welche  als 
ehemalige  Veteranen  des  Regiments  mit  Rflhrung  dem  Wechsel  der 
alten  Feldzeichen  entgegensahen,  die  ihnen  so  oft  auf  der  Bahn  zum 
Siege  und  zur  Ehre  vorangeweht.  Die  k.  k.  Generalität,  an  ihrer 
Spitze  der  Hofkriegsrathsprasident  0.  d.  K.  Graf  H  ardegg,  der 
.  Kommandirende  F. -  Z.  - M.  Baron  W  i  m  p  f  f  e  n,  Divisionär  F. - M. -Lt. 
Baron  C  s  o  r  i  c  h  und  der  Brigadier  G.-M.  Graf  Bellegarde 
nebst  einer  zahlreichen  Suite  Stabs-  und  Oberoifiziere  der  Garnison 
versammelten  sich  zum  Empfang  des  Erzherzogs  Regiments-Inhabers 
Maximilian  d'Este,  welcher  in  Begleitung  seines  Bruders  des 
Herzogs  Franz  von  M  o  d  e  n  a  erschien  und  die  Ankunft  Ihrer 
Majestät  der  Kaiserin  Maria  Anna  erwartete,  welche  für  das 
Regiment  die  dasselbe  hoch  ehrende  Huld  hatte,  der  erhabenen 
Feier  als  Fahnenmutter  beizuwohnen,  eine  Auszeichnung,  die  noch 
keinem  Regiment«  zu  Theil  wurde. 

Nach  dem  Eintreffen  der  Allerhöchsten  Herrschaften  eröffnete 
der  Regiments  -  Kaplan  Johann  Dreising  durch  eine  vor  dem 
Thore  der  Kathedrale  gehaltene  feierliche  Rede  die  heilige  Handlung. 
Bei  der  Uebergabe  der  neuen  Fahnen  an  die  Führer  G  r  u  h  e  r  und 
Lach  mann  erinnerte  der  Oberst  Fürst  Schwarzenberg  an  den 
unverwelklichen  Waffenruhm  des  Regiments  an  den  Tagen  von  Novi, 
Ebelsberg,  Wagram  und  Valeggio  in  folgenden  Worten: 

„ Soldaten!  Die  alten  Fahnen  werden  euch  nicht  mehr  voran- 
gehen, sie  schmücken  zum  letzten  Male  euere  Reihen,  aber  die 


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405 


»Geister  der  Helilen,  welche  in  ihrer  Bewachung  rühmlich  gefallen 
„und  den  Ruhm  des  Regiments  erkämpften,  werden  euch  umschweben, 
.wenn  diese  Fahnen  sich  entfalten.  Dass  ihr  deren  Beispiel  folgen, 
„dass  ihr  die  euch  vom  Vaterlande  als  Pfand  des  Vertrauens  über- 
sehenen Paniere  nie  verlassen  werdet,  dass  ihr  bereit  seid,  fflr 
.deren  Verteidigung  das  Leben  hinzugeben,  werdet  ihr  durch  einen 
„Eid  geloben,  dass  ihr  ihn  halten  werdet,  dafür  bfirgen  die  Helden- 
„thaten  von  Novi,  Ebelsberg,  Wagram,  Valeggio  und  überhaupt  des 
„Wieners  stets  bewährte  Tapferkeit,  Treue  und  Hingebung  für  sein 
„Fürstenhaus,  an  welchen  der  Uebennuth  so  mancher  Feinde  sich 
„gebrochen.  Vor  Wien's  Mauern  sanken  wiederholt  die  feindlichen 
„Rossschweife  und  Standarten. 

„Blickt  auf  diese  Fahnen,  seht  ihr  dieses  Band?  Euere 
„Kaiserin  knüpfte  es  an  Euere  Fahne  als  Zeichen  Ihrer  Huld  und 
„Ihres  Vertrauens  in  Eueren  Muth,  Euere  Tapferkeit  und  Euere 
„Treue.  Dürfte  dieses  doppelt  geheiligte  Panier  Euch  je  entrissen 
„werden?  Könnte  einer  von  Euch  diese  Schande  überleben?  Nein, 
„so  lange  ein  Blutstropfen  in  unsern  Adern  rollt,  werden  diese 
„Fahnen  wehen  zu  Oesterreichs  Ruhm,  zur  Ehre  des  Regiments 
„Und  Euch  die  Balm  zeigen  zum  Siege  oder  zum  Tode  für  Kaiser 
„und  Vaterland!" 

Hierauf  wurde  vor  den  Allerhöchsten  Herrschaften  auf  dem 
Graben  defilirt.  Um  3  Uhr  nachmittags  versammelte  sich  das  ge- 
sammte  Offizierskorps  nebst  der  dazu  geladenen  Generalität,  zu  einem 
von  dem  Erzherzoge  Regiments- Inhaber  in  dem  Kiosk  des  Volks- 
gartens veranstalteten  glänzenden  Gastmahle. 

Die  alten  Fahnen  wurden  auf  Befehl  des  Erzherzog  Inhabers 
durch  den  Oberlieutenant  Microis  nach  Linz  gebracht  und  dem 
Kloster  am  Frauenberge  durch  den  F. -M. -Lt.  Schneider  feier- 
lichst übergeben. 

Nach  beendeter  Waffenübung  im  Jahre  1840  kehrten  die  Feld- 
Bataillone  nicht  mehr  in  ihre  früheren  Stationen  zurück,  sondern 
kamen  an  die  Stelle  des  Infanterie  -  Regiments  Nr.  3  nach  Wien  in 
die  Aiser -Kaserne. 

Oberst  Karl  Fürst  zu  Schwarzenberg  wurde  mit  Aller- 
höchster Entschliessung  vom  20.  Oktober  1840  zum  General  -  Major 
und  Brigadier,  Oberstlieutenant  Heinrich  Edler  v.  Habermann 
mit  jener  vom  20.  Jänner  1841  zum  Obersten  und  Regiments- 


406 


1829-1H47 


Kommandanten,  Major  Franz  Per  in  Edler  v.  Wogenburg  zum 
Oberstlicutenant  bei  Nr.  18,  Hauptmann  Franz  Baron  Leidnitz 
zum  Major  bei  Nr.  40,  Major  Franz  Bub  na  v.  Warlich  von 
Nr.  50  zum  Oberstlieutenant,  zweiter  Major  Anton  Hertz inger 
zum  ersten,  Major  Ernst  Blank  Ii  ardt  zum  zweiten  und  Haupt- 
mann Nikolaus  v.  Lagusius  von  Nr.  40  zum  Major  im  Regiment, 
endlich  mit  jener  am  0.  Juli  Major  Anton  Hertzinger  zum  Oberst- 
lieutenant bei  Nr.  20  und  der  Hauptmann  Franz  Wunsch  von 
Nr.  2G  zum  Major  im  Regiment  befordert. 

Wfifcrend  der  Waffenübung  des  Jahres  1841  befand  sich  das 
Regiment  bei  der  vor  der  Bundeskommission  stattgefundenen  Heer- 
schau und  trug  durch  gute  Haltung  und  vortheilhaftes  Aussehen 
das  Seiuige  dazu  bei,  von  der  Kommission  die  schmeichelhafte 
Anerkennung  zu  erhalten,  dass  der  Zustand  des  österreichischen 
Kontingents  in  jeder  Art  den  Erwartungen  des  Bundes  entspreche. 
Das  dritte  Feld  -  Bataillon  wechselt«;  dann  die  Garnison  mit  dem 
ersten  Landwehr- Bataillon,  so  dass  das  erstcre  nach  Wr.- Neustadt, 
das  letztere  dagegen  nach  Korneuburg  kam. 

Mit  Reskript  des  Hofkriegsrathes  vom  0.  August  1843  wurde 
dem  Regiment  bekannt  gegeben,  dass  der  Tabak-Distrikts-Verleger 
und  ehemaliger  Lieutenant  des  Regiments  Karl  Strakate  eine 
Stiftung  gegründet  habe,  wornach  von  den  entfallenden  Interessen 
des  Kapitals  von  500  fl.  CM.  alle  Jahre  am  15.  August,  als  dem 
Gedachtnisstage  der  im  Jahre  1700  bei  Novi  gewonnenen  Schlacht, 
bei  welcher  das  Regiment  Deutschmeister  sich  durch  vorzügliche 
Tapferkeit  hervorthat,  nach  dem  an  diesem  Festtage  abgehaltenen 
Gottesdienste  acht  bestkonduisirte  und  (wenn  der  Fall  einträfe)  durch 
Tapferkeit  ausgezeichnete  Männer  und  zwar  1  Korporal  und  7  Gemeine 
der  sechsten  Kompagnie,  mit  welcher  der  Stifter  als  Feldwebel  der 
Schlacht  beiwohnte,  nach  der  vom  Regimentskommando  getroffenen 
Auswahl  betheilt  werden  sollen. 

Im  Jahre  1844  wurde  am  20.  Oktober  die  bisher  in  den  Ort- 
schaften um  Korneuburg  bequartirte  zweite  Landwehr  -Division  in 
die  neu  gebaute  Kaserne  zu  Stockerau  untergebracht. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  1.  Jänner  1844  wurde 
Hauptmann  Daniel  Schnorbusch  zum  Major  befördert  und  der 
Hauptmann  Gustav  Graf  Breda  als  Major  zum  Infanterie  -  Regi- 
ment Nr.  12  transferirt. 


1S29-1847. 


497 


Regimentsarzt  Dr.  Renatus  Frommayer  erhielt  mit  Aller- 
höchster Entschliessung  vom  28.  Juni  1844  in  Anerkennung  seiner 
durch  38  Jahre  geleisteten  ausgezeichneten  Dienste  die  grosse  goldene 
Medaille  am  Oehr  und  Band  und  als  am  2.  Dezember  seine  Er- 
nennung zum  dirigirenden  Feldstabsarzte  und  kaiserlichen  Rathe 
erfolgte,  sah  sich  das  Offiziers-Korps  veranlasst,  dem  Scheidenden, 
welcher  beinahe  21  Jahre  im  Regiment  mit  Auszeichnung  gedient, 
ein  Silber-Service  für  12  Gedecke  als  Zeichen  der  besonderen  Hoch- 
achtung zu  verehren,  damit  er  sich  recht  oft  an  das  Regiment 
erinnern  möge. 

Am  31.  August  rückte  das  dritte  Bataillon  aus  seiner  Garnison 
zu  Wiener  -  Neustadt  und  das  Landwehr  -  Bataillon  aus  Korneuburg 
und  Stockerau  zur  Waffenübung  in  grösseren  Körpern  nach  Wien 
und  nach  Beendigung  derselben  wieder  in  ihre  Stationen  zurück. 

In  diesem  Jahre  ereignete  sich  der  im  Regiment  unerhörte 
Fall,  dass  der  Korporal  Anton  Weissböck  und  Gefreiter  Josef 
Schlögel  durch  Gemeine  der  Kompagnie  meuchelmörderisch  um's 
Leben  gebracht  wurden.  Die  beiden.  Mörder,  schon  im  Civile  ver- 
kommene Individuen,  bfissten  ihr  Verbrechen  durch  Henkershand 
an  dem  Galgen. 

Major  Nikolaus  v.  Lagusius  trat  am  15.  Jänner  1845  in 
Ruhestand  und  in  seine  Stelle  avancirte  mit  Allerhöchster  Ent- 
schliessung vom  23.  Jänner  Hauptmann  Franz  Lindlau  zum  Major. 

Im  Jahre  1845  erhielt  die  Infanterie  ein  neues  Abrichtungs- 
Reglement  und  die  bisherige  14jährige  Kapitulation  wurde  auf 
acht  Jahre  herabgesetzt. 

Major  Franz  Hranaky  avancirte  in  Folge  Allerhöchster  Ent- 
schliessung vom  9.  Mai  1845  zum  Oberstlicutenant. 

Im  Monat  August  erhielt  das  Regiment  die  Uniform  und  Rüstung 
zum  Andenkeu,  in  welcher  Se.  kaiserliche  Hoheit  Erzherzog  Franz 
Josef  durch  den  Kapitänlieutenant  Rudolf  Ertl  v.  Seau  in  dem 
Infanterie  -  Abrichtungs  -  Reglement  unterrichtet  wurde. 

Vom  31.  August  bis  Ende  Dezember  war  das  Regiment  zu 
den  Waflfenfibungen  in  Wien  konzentrirt;  am  17.,  18.,  20.  und  21. 
wurde  das  erste  Feld-Bataillon  auf  dem  Lerchenfeldcr  Exerzierplatz 
von  Sr.  kaiserlichen  Hoheit  Erzherzog  Wilhelm  exerzirt.  Am  letzten 
Tage  war  dabei  Se.  kaiserliche  Hoheit  Erzherzog  Albrecht  an- 
wesend, wobei  das  Bataillon  mit  Sack  und  Pack  in  Parade  ausrückte. 


408 


die  volle  Zufriedenheit  erwarb  nnd  jeder  Mann  eine  4tägige  Gratis- 
lohnung  erhielt. 

Am  18.  November  fand  in  Folge  der  herabgesetzten  Kapitula- 
tion die  Entlassung  von  1059  Mann  statt. 

Gelegentlieh  der  Anwesenheit  Sr.  Majestät  des  Kaisers  Niko- 
laus von  Russland  in  Wien  fand  am  31.  Dezember  eine  grosse 
Revue  der  ganzen  Garnison  vor  den  Majestäten  statt.  Das  Regiment 
erhielt  die  besondere  Zufriedenheit,  Oberst  Heinrich  Edler  v.  Haber- 
mann den  kaiserlich  russischen  St  Anna -Orden  zweiter  Klasse, 
Major  Ernst  Blankhardt  den  kaiserlich  russischen  St.  Wladimir- 
Orden  vierter  Klasse. 

Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  10.  Jänner  1840  wurde 
dem  Major  Daniel  Schnorbusch  in  Anerkennung  seiner  stets 
ausgezeichneten  43jährigen  Dienstzeit  im  Regiment  und  seiner  er- 
littenen schweren  Wunden  im  Feldzuge  1815,  bei  seinem  Uebertritt 
in  den  wohlverdienten  Ruhestand  der  Oberstlieutenants  -  Charakter 
nebst  der  mit  dieser  Charge  verbundenen  Pension  von  1000  tl.  CM. 
huldreichst  verliehen. 

Europa  befand  sich  in  tiefster  Ruhe  und  Frieden;  allseits 
herrschten  die  besten  diplomatischen  Beziehungen  und  diese  Ver- 
hältnisse Hessen  die  Ausübung  der  Kriegskunst  nicht  so  bald  erwarten. 

Nach  der  blutigen  Niederwerfung  des  polnischen  Aufstandes 
gegen  Russland  im  Jahre  1831  hatte  sich  die  polnische  Emigration 
in  Frankreich.  England,  der  Schweiz  und  Belgien  gebildet,  welche 
ununterbrochen  an  dem  Nenbaue  des  alten  Polens  arbeitete.  Emissäre 
und  Flugschriften  überzogen  die  Länder  polnischer  Zunge  und  be- 
reiteten den  Aufstand.  Krakau,  dem  durch  den  Wriener  Kongress 
1815  die  letzten  Reste  politischer  Unabhängigkeit  unter  dem  Schutze 
von  Oesterreich,  Russland  und  Preussen  erhalten  blieben,  wurde  zum 
Stapelplatz  der  Revolution  ausersehen  und  der  21.  Februar  1846 
als  der  Tag  des  Ausbruches  bestimmt.  An  diesem  Tage  kam  es 
richtig  mit  der  schwachen  Brigade  Collin  zum  Kampfe,  welche  zwar 
Sieger  blieb,  aber  dann  doch  wegen  Mangel  an  Munition  und  Lebens- 
mitteln die  Stellung  in  Podgorce  besetzte.  Nun  beschlossen  die  drei 
genannten  Mächte  in  Krakau  einzurücken,  um  die  Revolution  im 
Keime  zu  ersticken.  Die  österreichischen  Truppen  in  Galizien  wurden 
zum  Theile  gegen  Krakau  konzentrirt  und  auch  Truppen  ans  den 
anderen  Provinzen  herbeigezogen.    So  erhielt  das  Regiment  am 


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1*29-1*47. 


199 


27.  Februar  1846  den  Befehl  mit  dem  Stabe  und  den  beiden  Feld- 
Bataillons  am  3.  und  4.  März  mittelst  Eisenbahn  von  Wien  nach 
Leipnik  in  Mähren  abzurücken. 

Vor  seinem  Abmärsche  erliess  der  Kommandirende  General 
Erzherzog  Albrecht  folgenden,  das  Regiment  sehr  ehrenden  Ge- 
nerals -  Befehl : 

„Ein  Allerhöchster  Befehl  ruft  das  Infanterie  -  Regiment  Hoch- 
,und  Deutschmeister  an  eine  sehr  ehrenvolle  Bestimmung;  dasselbe 
„wird  am  3.  und  4.  künftigen  Monats  mit  der  Eisenbahn  nach 
„Leipnik  rücken  und  von  dort  nach  weiterer  Weisung  den  Marsch 
„  fortsetzen. 

„Dieses  Regiment  hat  sich  während  seiner  mehrjährigen 
„Dienstesleistung  in  der  Haupt-  und  Residenzstadt  durch  gute 
„Mannszucht,  durch  pünktliche  Erfüllung  seiner  Berufspflichten, 
„durch  eine  ausgezeichnete  Haltung  und  sein  schönes  militärisches 
„Acussere  hervorgethan ;  es  ist  mir  daher  eine  angenehme  Pflicht, 
„dem  Regiments,  dessen  ich  schon  oft  rühmlich  erwähnte,  auch  bei 
„dem  gegenwärtigen  Aulasse  die  volle  Anerkennung  seines  Werthes 
„in  der  Ueberzeugung  auszusprechen,  dass  seine  vorzüglichen  Eigen- 
schaften ihm  auch  die  Zufriedenheit  jener  Vorgesetzten  sichern 
„wird,  deren  Führung  es  nun  anvertraut  sein  wird. 

„Wien,  28.  Februar  184C. 

„Erzherzog  Alb  recht  m.  p.* 

Am  1.  März  fand  die  letzte  Kirchenparade  in  der  Aiser -Kaserne 
statt,  welcher  Se.  kaiserliche  Hoheit  Erzherzog  Albrecht  mit  der 
Generalität  beiwohnte.  Nach  der  Defilining  geruhte  der  Erzherzog 
noch  huldvolle  Abschiedsworte  an  das  Offiziers  -  Korps  zu  richten; 
auch  der  greise  Generalissimus  Erzherzog  K  a  r  1  sagte  dem  Obersten 
v.  Habermann  bei  der  Abschiedsvorstellung  das  Regiment  hoch 
ehrende  Worte. 

Am  3.  erfolgte  der  Ausmarsch  des  ersten  und  am  4.  jener  des 
zweiten  Bataillons  mit  dem  Regimentsstabe.  Das  Regiment  erhielt 
seine  Eintheilung  in  das  Armeekorps  des  F. -M. -Lt.  GrafWrbna, 
Division  General  Graf  Schaffgotsch  und  Brigade  General  Graf 
Nobili. 

Der  Andrang  des  Publikums  beim  Abmärsche  war  der  Art, 
dass  er  das  Fortkommen  hemmte.  Erzherzog  Albrecht,  mit  sämmt- 

38* 


I 

500 


-1S47. 


liehen  Generalen,  Stabs-  und  Oberoffizieren  der  Garnison  begleitet« 
beide  Bataillone  nacb  dem  Bahnhof  der  Nordbahn.  Bei  dem  Ein- 
treffen in  diesen,  defilirto  jedes  Bataillon,  wornaeh  sämmtliche 
Offiziere  und  das  Publikum,  so  weit  dasselbe  Platz  fand,  eintrat. 
Die  huldvolle  Weise,  womit  der  Erzherzog  der  Mannschaft  seine 
Gunst  bezeugte,  steigert«'  den  Beifallssturm  stets  höher  und  unter 
Vivats  HBr  Se.  Majestät  und  den  durchlauchtigsten  Erzherzog  fuhr 
der  Zug  um  8  Uhr  ah. 

In  Leipnik  am  selben  Tage  auswaggonirt,  marsehirte  das  erste 
Bataillon  am  A.  nach  Neutitschein,  5.  Tesehen,  0.  Skotsehau, 
Bielitz,  10.  Kenty.  Der  Stab  und  das  zweite  Bataillon  folgten  in 
dieselben  Stationen  einen  Tag  später  und  machten  am  10.  in  Biala 
Halt.  An  diesem  Tage  besetzte  Hauptmann  Scan  mit  droi  Kom- 
pagnien die  Sola-Brrtcko  bei  Kopernice,  während  Kapitänlieutenant 
Microy  in  der  Nacht  mit  seiner  Kompagnie  auf  Streifung  gegen 
herumziehende  Insurgenten  abging.  Die  dritte  Division  marschirte 
nach  Oswieczim  und  besetzte  das  Ufer  der  Weichsel  von  Brzesze  bis 
Machnati. 

Mittlerweile  hatte  sich  die  Stadt  Krakau  am  3.  März  unter 
den  Willen  der  drei  Schntzmächte  unterworfen  und  noch  denselben 
Tag  rückten  die  Oesterreicher  und  Russen  ein. 

Es  folgte  nun  der  zweite  Akt  des  Aufstamles,  das  eigentliche 
Trauerspiel,  jene  höchst  beklagenswerthe  Katastrophe,  in  welcher 
die  kaum  entstandene  Revolution  ihre  furchtbaren  Stacheln  mit 
abscheulicher  Grausamkeit  gegen  ihre  eigenen  Erzenger  wendete. 
Die  Häupter  des  Aufruhrs  trachteten  nämlich,  das  galizische  Land- 
volk zur  Theilnahme  zu  bewegen.  In  Lisia  Gora  lagen  Waffen, 
Munition  und  Lebensmitteln  und  dahin  beschied  man  die  Bauern. 
Da  sprach  man  zu  ihnen  von  Wiederherstellung  des  alten  Polen- 
reiches, Abschaffung  aller  Adelsrechte  u.  dgl.  Das  alte  Polen  war 
aber  für  die  Bauern  ein  Schreckbild,  denn  es  mahnte  sie  an  die 
furchtbarste  Zeit  ihres  Standes,  an  die  Leibeigenschaft.  Dieses,  nicht 
minder  das  brutale  Benehmen  einiger  Revolutionäre,  welche  Zwangs- 
mittel anwendeten,  stachelte  die  Bauern  zur  entschiedenen  Weigerung, 
die  Waffen  gegen  eine  Regierung  zu  fahren,  die  sie  stets  geschützt 
und  der  sie  nur  Dank  schuldig  waren.  Leider  blieb  ihr  Loyalitäts- 
gefnhl  bei  dieser  Weigerung  nicht  stehen,  sondern  sie  zflekten  das 
ihnen  aufgedrungene  Schwert  gegen  den  Adel.  Im  Sandecer  -  Kreise 


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1029-18*7, 


501 


sammelten  sieb  bewaffnete  Bauern,  auch  fielen  solche  in  Massen  aus 
den  umliegenden  Kreisen  über  Cziczkovice,  Podole,  Kenty,  Szocerzec, 
Dobra  und  Limanow  unter  dem  Rufe  „Ordnung  zu  machen*  ein. 
Sie  zogen  nach  den  Edelsitzen  und  indem  die  dämonische  Wirkung 
des  Branntweines  den  letzten  Funken  des  Loyalitätssinnes  erstickte, 
leitete  bald  nur  Rachegefühl  die  halbthierische  Menge.  Allenthalben 
wurde  unter  haarsträubenden  Szenen  summarische  Justiz  geübt  und 
Empörer,  sowie  gänzlich  Unschuldige  jeden  Alters  und  Geschlechts 
fielen  unter  den  grässlichsten  Martern,  nur  weil  sie  dem  Adel 
angehörten. 

Um  diesen  Grcuelthaten  Schranken  zu  setzen,  beeilte  man  sich, 
Truppen  nach  den  bedrohten  Punkten  zu  entsenden  und  so  erhielt 
auch  das  Regiment  den  Befehl,  einzelne  Orte  zu  besetzen  und  die 
Zusammenrottung  der  Bauern  strengstens  hintanzuhalten.  Drei  Kom- 
pagnien marschirten  nach  Kenty,  die  füulte  Kompagnie  nach  Bilany, 
nachdem  sie  zur  Ucberwachung  des  Ortes  Osieck  30  Mann  zurück- 
gelassen hatte.  Am  23.  besetzte  eine  Kompagnie  Andrichau  und  eine 
Division  Wadowice.  Beim  Erscheinen  der  Regimentsabtheilungen 
kehrte  sogleich  Ruhe  und  Ordnung  zurück.  Am  ü.  erhielt  das  Re- 
giment den  Befehl,  seine  Stationen  zu  verlassen  und  mit  den  beiden 
Bataillons  nach  Tamow  abzurücken.  Das  erste  Bataillon  marschirte 
daher  am  0.  nach  Wadowice,  10.  Iszdebuik,  11.  Gdow,  12.  Bochnia, 
13.  Woynitz  und  ruckte  am  14.  in  Tamow  ein;  der  Regimentsstab 
und  das  zweite  Bataillon  marschirten  am  9.  nach  Kenty,  lo.  Klacza, 
11.  Iszdebnik  12.  Nigowice,  13.  Bochnia,  14.  Woynitz  und  vereinigten 
sich  am  15.  zu  Taruow  mit  dem  ersten  Bataillon.  Hier  wurde  ein 
sehr  strenger  Garnisonsdieust  gehandhabt,  die  Stadt  mit  Piquets 
umgeben,  eine  Kompagnie  nach  Tuchow,  eine  nach  Dembice,  eine 
in  das  Schloss  Gumnisk  und  eine  Division  nach  Pilsno  detachirt. 

Nachdem  auch  in  dieser  Gegend  die  gesetzliche  Ordnung  rasch 
hergestellt  war,  marschirte  der  Regimeutsstab  und  das  zweite  Ba- 
taillon auf  derselben  Route  am  23.  Juni  nach  Wadowice  zurück,  wo 
dieselben  am  1.  Juli  eintrafen  und  mit  je  einer  Kompagnie  Zator, 
Kenty,  Skawina  und  Oswicczim  besetzten. 

Hauptmann  Ludwig  Hahn  wurde  zum  Major  beim  Iulänterie- 
Regimcnt  Nr.  50  befördert,  dagegen  von  dort  Major  Friedrich  Baron 
Merville  in  das  Regiment  eingeteilt.  Major  Franz  Wunsch 
trat  am  18.  Juli  1840  in  den  normalmassigen  Kuhestand  und  iu 


502 


1H29-1H47. 


seine  Stelle  avancirte  der  Hauptmann  Ferdinand  Schlemöller 
des  Regiments  Nr.  60  zum  Major  im  Regiment. 

Das  dritte  Bataillon  befand  sich  im  Monat  September  im 
Exerzierlager  zu  Floridsdorf,  wurde  dort  vom  Regiments  -  Inhaber 
Erzherzog  Maximilian  besichtigt  und  in  Folge  der  errungenen 
höchsten  Zufriedenheit  mit  einer  zweitägigen  Gratislöhnung  belohnt. 

Tn  Rücksicht  des  ungünstigen  Gesundheitszustandes  der  in  der 
Weichselgegend  kantonnirenden  Truppen  wurde  die  12.  Kompagnie 
von  Oswieczim  nach  Sucha,  die  11.  Kompagnie  nach  Jordanow  ver- 
legt. Sämmtliche  Abtheilungen  des  Regiments  passirten  im  September 
die  Musterung. 

Die  Bequartierung  der  Mannschaft  und  auch  vieler  Offiziere 
in  den  verschiedenen,  vom  Regiment  besetzten  Stationen  liess  viel 
zu  wünschen  übrig,  war  aber  bei  der  Armuth  der  Bevölkerung  nicht 
zu  ändern.  Hier  bewährte  sich  wieder  der  Wohlthätigkeitssinn  des 
Wieners  im  schönsten  Lichte.  Um  den  armen  Leuten  zu  helfen, 
veranstalteten  Unteroffiziere  und  Gemeine  in  Tarnow  eine  theatralische 
Abendunterhaltung  und  der  Erfolg  erwies  sich  so  günstig,  dass 
129  rl.  30  CM.  und  1  Dukaten  in  Gold  dem  Magistrat  abgeführt 
werden  konnte.  Auch  bei  den  Feuersbrünsten  zu  Pilsno  und  Sucha 
zeichnete  sich  die  Mannschaft  beim  Löschen  hervorragend  aus,  80 
dass  das  k.  k.  Kreisamt  erklärte,  dass  es  nur  ihrer  äusserst  that- 
kräftigen  Unterstützung  zu  danken  sei,  dass  beide  Orte  nicht  ein 
Raub  der  Flammen  wurden.  Als  dann  der  Magistrat  60  fl.  CM.  als 
Belohnung  für  die  Mannschaft  spendete,  leistete  sie  darauf  mit  der 
Bitte  Verzicht,  mit  dem  Gelde  Getreide  für  die  armen  Einwohner 
ankaufen  zu  wollen.  Hierüber  gab  der  kommandirende  General 
F.-M.-Lt.  Baron  Hammersteiu  mit  Erlass  vom  10.  April  1847 
sein  besonderes  Wohlgefallen  zu  erkennen. 

Am  17.  April  wurde  unter  Trommelschlag  und  mit  präsentirtem 
Gewehr  der  nachstehende  Zusatz  zum  ersten  Kriegsartikel  publizirt: 
„Auch  jener,  der  sich  eines  nächsten  Mordversuches  gegen  einen 
„Vorgesetzten  in  oder  ausser  dem  Dienste  schuldig  macht,  begeht 
„das  Verbrechen  der  Subordinationsverletzung  im  höchsten  Grade 
„und  ist  mit  gleicher  Strafe  zu  belegen." 

Major  Franz  Lind  lau  trat  am  letzten  April  1847  in  den 
normalmässigen  Ruhestand.  Major  Koloman  Baron  Wimpffen  von 
Nr.  44  und  Ferdinand  Rossy  von  Nr.  34  wurden  am  1.  August 


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1S-29-1K47 


503 


in  das  Regiment  eingetheilt,  ersterer  aber  am  15.  zu  Nr.  34 
transferirt. 

Am  1.  Mai  1847  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  sich  zum 
Marsche  in  die  Landeshauptstadt  Lemberg  bereit  zu  halten.  Am  12. 
marschirte  der  Regimentsstab  und  das  zweite  Bataillon  nach  Kai- 
varia, 13.  Mislenice,  14.  Gdow,  10.  Bochnia,  17.  Brzesko,  18.  Won- 
nitz, 20.  Taruow,  21.  Pilsuo,  22.  üembica,  24.  Szendiczow,  25.  Rze- 
szow,  20.  Lancut,  28.  Przeworsk,  29.  Radymuo,  30.  Przemysl,  1.  Juni 
Mosciska,  2.  Szandowawiznia,  3.  Grodek  und  am  5.  nach  Lemberg. 
Das  erste  Bataillon  brach  am  20.  Mai  auf,  marschirte  dieselbe 
Route  und  erreichte  am  3.  Juni  Lemberg.  Das  zweite  Bataillon 
marschirte  am  0.  Juni  weiter  nach  Zolkiew,  wo  der  Regiments-  und 
Bataillonsstab  nebst  der  8.,  9.,  10.  und  11.  Kompagnie  verblieben, 
während  die  7.  nach  Sokal,  die  12.  nach  Beiz  verlegt  wurden.  Am 
15.  September  trat  Major  Ernst  Blank hardt  in  Ruhestand. 

Am  20.  November  1849  wurde  dem  Regimente  der  nach- 
stehende Geueralsbefehl  publizirt: 

,Es  ist  mir  die  Anzeige  zugekommen,  dass  der  im  hiesigen 
„Spitale  als  Oberwärter  kommandirte  Gemeine  Leopold  Ober- 
„inaier  der  1.  Kompagnie  von  Deutachmeister  Infanterie  die  ärztliche 
„Ordination  an  dem  in  der  höchsten  Gefahr  gänzlicher  Erblindung 
.gestandenen  Grenadier  Georg  Nomiak  von  Regiment  Bianchy  mit 
„solch'  hingebendem  Fleiss  und  einer  ebenso  verständigen,  als  auch 
„beschwerlich  mühevollen  Plage  vollzogen  und  unterstatzt  hat,  dass 
„es  hiedurch  gelang,  diesen  Grenadier  vor  gänzlicher  Erblindung 
„zu  retten. 

„Dieses  verdienstliche  und  menschenfreundliche  Benehmen  des 
„Gemeinen  Obermaicr,  womit  derselbe  eine  echtmilitärische, 
„kameradschaftliche  Theilnahme  bewährte,  rinde  ich  hiemit  öffentlich 
„zu  beloben  und  das  Regiment  Deutschmeister  zu  beauftragen, 
„diesem  Manne  raeine  Anerkennung  bekannt  zu  geben. 

Baron  Hammerstein  inp.  F.-M.-Lt. 


1836  —  1848. 


Seh.iclprttstn-Druck  dt*  k  k  milit  gtojraf  Jnstitutts. 

Gemeiner  und  Grenadier  von 
Hoch-und  Deutschmeister. 


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504 


1848. 

Das  Jahr  1848  fand  den  grösseren  Theil  Europa' s  von  Neuerungs- 
gelüsten erfüllt,  jede  gesellschaftliche  Ordnung  wurde  angetastet  und 
allerwärts  offenbarte  sich  das  Verlangen  nach  einer  gewaltsamen 
Umwälzung  des  Bestehenden.  Der  Sonderbundkrieg  im  Jahre  1847, 
die  politische  Aufregung  in  Italien  seit  der  Thronbesteigung  Pius  IX. 
waren  die  Vorboten  der  nahen  Krise  und  endlich  brach  im  Februar  1848 
zu  Paris  die  Revolution  aus,  deren  Sieg  zündend  in  die  zur  Mode 
gewordene  Sucht  zum  Umstürze  traf  und  über  Europa  eine  fieberhafte 
Freiheitssucht  erzeugte,  welche  die  ehrwürdigsten  Institutionen  zu 
vernichten,  grosse  alte  Reiche  zu  zertrümmern  und  geheiligte  Throne 
zu  stürzen  drohte. 

Auch  Oesterreichs  immer  loyale  Völker  entgingen  nicht  dem 
Einflüsse  dieser  geistigen  Epidemie.  Es  ist  nicht  Sache  einer  Regiments- 
geschichte politische  Begebenheiten  zu  schildern,  da  der  Armee 
diese  fremd  sind  und  unter  allen  Umstanden  fremd  bleiben  müssen; 
mithin  werden  diese  nur  in  so  ferne  berührt,  als  sie  auf  die  Be- 
wegungen des  Regiments  und  seiner  Abtheilungeu  Bezug  haben,  in 
einer  Zeit,  in  welcher  der  grosse  Dichter  mit  Recht  ausrufen  konnte: 
„in  deinem  Lager  ist  Oesterreich!" 

Beim  Beginn  des  Jahres  1848  war  der  Regimentsstab  mit  dem 

I.  Bataillon  in  Lemberg,  die  7.  Kompagnie  in  Sokal,  8.,  9.,  10.  und 

II.  inZolkiew,  12.  Beiz,  13.  Pisling,  14.,  15.,  16.  Wiener -Neustadt, 
1.  und  2.  Landwehr -Kompagnie  in  Stockerau,  3.  und  4.  in  Kor- 
neuburg; die  Greuadier-Division  im  Bataillon  Schwarzl  in  Wien. 

Die  nieder -österreichischen  Laudstände  hatten  für  den  13.  März 
einen  Zusammentritt  zur  Berathung  dringender  Reformen  beschlossen ; 
aber  schon  am  11.  legten  die  Bürger  Wien's  eine  Adresse  öffentlich 
auf,  welche  die  Wünsche  der  Bevölkerung  enthielt  und  daher  auch 
rasch  mit  tausenden  Unterschriften  bedeckt  war.  Sie  wurde  am 
folgenden  Tage  dem  verordneten  Kollegium  überreicht;  gleichzeitig 
beschloss  aber  der  akademische  Senat,  eine  Deputation  mit  der 
Adresse  Se.  Majestät  dem  Kaiser  vorzustellen,  was  auch  wirklich 
um  6  Uhr  abends  geschah. 


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505 


Am  13.  März  versammelten  sich  die  Studirenden  schon  morgens 
in  der  Aula  und  zogen  dann  unter  dem  Zusammenflusse  einer  bedeu- 
tenden Menschenmenge  in  das  ständische  Haus,  wo  eine  Deputation 
aus  ihrer  Mitte  vor  die  versammelten  Landstände  beschieden  wurde, 
um  ihre  Wünsche  darzulegen. 

Mittlerweile  hatte  sich  der  Hofraum  des  Landhauses  mit 
Menschen  gefüllt;  auch  in  der  Herrengasse,  auf  der  Freiung,  dem 
Hofe,  dem  Ballplatze  bildeten  sich  zahlreiche  Versammlungen  unter 
denen  einzeluc  Itedner  auftraten,  welche  über  nothwendige  Aen- 
derungen  im  Verwaltuugssystem,  Censur  und  Unmöglichkeit  hoch- 
gestellter Personen  debattirten. 

Um  die  aufgeregten  Massen  zu  beruhigen,  entschlossen  sich 
die  Stände,  die  Wünsche  des  Volkes  zur  Kenntniss  Sr.  Majestät 
zu  bringen.  Während  dieser  Berathung  begann  die  im  Hofraume 
versammelte  Menge  tumultuariscb  aufzutreten,  Thüren  zu  erbrechen 
und  die  Einrichtungsstücke  in  mehreren  Zimmern  zu  zerschlagen. 

Diese  Vorgänge  bemüssigten  die  Regierung,  ernste  militärische 
Massregeln  zu  ergreifen.  Die  Thore  der  Stadt  wurden  für  Fahrende 
gesperrt,  die  Basteien  mit  Kauonen  besetzt,  solche  auf  mehreren 
riätzen  aufgefahren  und  diese  mit  Truppen  -  Abtheilungen  besetzt. 

Um  12  Uhr  mittags  rief  das  Allarmzcichen  die  Garnison  unter 
die  Waffen.  Die  Grenadier -Division  des  Regiments  rückte  auf  den 
Minoritenplatz  und  nach  einer  Stunde  in  geschlossener  Kolonne  durch 
die  Landhausgasse,  wo  sie  mit  allen  Arten  Geräthschallen  aus  den 
Fenstern  des  landständischen  Gebäudes  beworfen  wurde.  Um  diesem 
Treiben  Einhalt  zu  thuu,  feuerten  die  Grenadiere  einzelne  Schüsse 
gegen  jene  Fenster  und  als  dann  die  Kolonne  am  Ausgange  in  die 
Herrengasse  mit  Steinwürfen  und  Beschimpfungen  empfangen  in 
ihrem  Weitermarsche  aufgehalten  wurde,  jagte  die  erste  Abtheilung 
mit  dem  Bajounet  die  Masse  auseinander.  Nach  dem  Anlangen 
einer  anderen  Kolonne  stellte  sieh  eine  Grenadier- Kompagnie  im 
Hofraume  des  Landhauses  auf,  während  die  andere  auf  den  Minoriten- 
platz zurück  marschirte.  Nach  ungefähr  drei  Stunden  rückte  die 
Kompagnie  aus  dem  Laudhau.se  auch  liier  ein,  wo  dann  die  Division 
bis  den  folgenden  Tag  stehen  blieb. 

Noch  am  1U.  abends  wurde  unter  der  Bevölkcruug  die  Kund- 
machung des  nieder-österreichischen  Kegieruugs-Präsidiums  vertheilt, 
dass  Se.  Majestät  die  Aufhebung  der  Censur,  Einführung  der  Press- 


50G 


1848. 


freiheit,  Errichtung  der  Nationalgarde  angeordnet  und  seinen  Staaten 
eine  Konstitution  zugesagt  habe.  Unbeschreiblicher  Jubel  erfüllte 
ganz  Wien,  welches  wie  durch  einen  Zauberschlag  beleuchtet  war. 

Inzwischen  wurden  die  in  der  Nähe  Wiens  stationirten  Truppen 
herbeigezogen.  Vor  dem  Abende  erhielt  das  dritte  Bataillon,  um 
8  Uhr  das  Landwehr-Bataillon  Befehl,  mittelst  Eisenbahn  nach  Wien 
abzurücken,  wo  beide  noch  in  der  Nacht  eintrafen  und  am  Glacis 
zwischen  dem  Burg-  und  Schottenthorc  das  Freilager  bezogen. 

Am  14.  in  der  Früh  rückte  das  dritte  Bataillon  iu  die  kaiser- 
liche Hofburg,  stellte  eine  Division  zu  den  Ausgängen  gegen  den 
Kohlmarkt  und  der  Schauflergasse,  eine  Kompagnie  auf  die  Bellaria 
und  eine  zum  äussern  Bunrtbor.  Die  Grenadiere  blieben  bis  10  Uhr 
am  Minoritenplatz,  rückten  dann  in  die  Kaserne,  wurden  aber  um 
1  Uhr  mittags  wieder  allarmirt  und  beim  Franzensthor  aufgestellt. 
Das  Landwehr  -  Bataillon  bezog  die  Posten  bei  den  Hof-Stallungen, 
dem  Arbeitshause,  dem  Kärutncrthore,  beim  General-Kommando  und 
Ballplatze.  In  diesen  Stellungen  blieben  die  Abtbeilungen  des  Regi- 
ments bis  zum  16.  März. 

Am  Abende  wurde  den  Uegimentsabtheiluugen  nachstehender 
Generalsbefehl  des  Erzherzog  AI  brecht  publizirt:  .Laut  Aller- 
höchstem Handschreiben  vom  heutigen  Tage,  waren  Se.  Majestät 
.der  Kaiser  mit  der  ausnehmend  guten  Haltung,  musterhaften  Ord- 
nung, Mässigung  und  Ausdauer,  welche  die  hiesige  Garnison  am 
.gestrigen  Tage  bewiesen  hat,  höchst  zufrieden  und  haben  derselben 
.für  diesen  Tag  eine  Gratislöhnung  vom  Feldwebel  abwärts  zu 
.bewilligen  geruht."  Daun  erfolgte  am  folgenden  Tage,  15.  März, 
ein  zweiter,  nachstehenden  Inhalts:  .Se.  kaiserliche  Hoheit  der 
.durchlauchtigste  Erzherzog  Albrecht,  welcher  das  Kommando 
.über  die  Truppen  im  hiesigen  Generalate  ad  iuterim  abgelegt 
.haben,  sehen  sich  hiebei  huldreich  augeregt,  für  die  ihm  jederzeit 
.bewiesene  Anhänglichkeit  und  Ergebenheit  seinen  wärmsten  Dank 
.ausdrücken  zu  lassen.  Ich  schätze  mich  glücklich,  so  wohlbewährte 
.Truppen  unter  meinen  Befehl  zu  erhalten  und  schmeichle  mir, 
,dass  mich  dieselbeu  mit  gleichem  guten  Willen,  Ausdauer  und 
.Thätigkeit  iu  meineu  Anordnungen  zur  Herstellung  der  Ruhe  und 
.Ordnung  unterstützen  werden.  Mit  viel  Befriedigung  habe  ich  die 
.Hingebung  ersehen,  mit  welcher  sich  die  Truppen  bis  nun  allen 
»Anstrengungen  unterzogen  haben  und  ich  hoffe  mit  Zuversicht,  dass 


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1848.  507 

„sie  auch  fortan  allen  von  den  gegenwärtigen  Umstanden  gebotenen 
»Anforderungen  entsprechen  werden. 

„Fürst  Windisch -Grätz  m.  p.,  F.-M.-Lt." 

Se.  Majestät  Kaiser  Ferdinand  der  Gütige  begab  sich  am 
15.  ohne  jede  Begleitung  unter  die  Bevölkerung  und  wurde  mit 
nicht  endenwolleudem  Jubel  umsomehr  empfangen,  als  gleichzeitig 
die  Verleihung  der  Konstitution  erschien.  Abends  strahlte  Wien  und 
seine  Vorstädte  in  prachtvollster  Illumination.  Am  folgenden  Tage 
nahm  die  Stadt  wieder  allmählig  ihr  gewohntes  Ansehen  an.  Die 
siebente  Division  marschirte  zur  KaketenhQtte  auf  der  Haide,  die 
achte  Division  blieb  in  ihrer  Stellung;  das  Landwehr -Bataillon 
konzentrirtc  sich  auf  dem  Burgplatze,  wohin  auch  die  Grenadiere 
vom  Franzensthore  abrückten.  In  dieser  Postirung  blieben  die  Re- 
giments -  Abteilungen  am  17.  und  18. 

Sonntag  den  19.  März  war  für  alle  in  der  Hofburg  kampiren- 
den  Truppen  Kircheuparade,  nach  welcher  dieselben  vor  Sr.  Majestät 
dem  Kaiser  detilirteu.  Nachmittags  rückte  das  Landwehr -Bataillon 
und  die  achte  Division  wieder  auf  das  Glacis,  wo  sie  bis  den 
folgenden  Tag  bivouakirten,  die  Grenadier  -  Division  aber  in  die 
Salzgrits -Kaserne.  Am  20.  erhielt  das  Landwehr -Bataillon  und  die 
achte  Division  Quaitiere  in  der  Leopoldstadt. 

Gleich  nach  dem  Bekanntwerden  der  Vorfälle  in  Wien  wurde 
in  Lemberg  eine  Adresse  am  Fcrdiuandsplatzc  aufgelegt,  öffentliche 
Reden  gehalten  und  die  Bevölkerung  zur  Unterschrift  aufgefordert.  Um 
die  Gemüther  zu  beruhigen,  entliess  der  Gouverneur  Graf  Stadion 
in  Anhoffung  der  Genehmigung  Sr.  Majestät  die  politischen  Ver- 
brecher gegen  Bürgschalt ,  was  einen  unendlichen  Enthusiasmus 
hervorbrachte  und  sämrutliche  Häuser  wurdeu  illuminirt.  Am  folgen- 
den Tage,  21.  März,  hielt  man  eiu  feierliches  Seelenamt  für  die  in 
Wien  Gebliebenen  ab,  wozu  alle  Behörden  und  auch  die  Offiziere 
geladen  wurdeu,  welchen  die  Damen  nach  dem  Gottesdienste  Blumen- 
sträusscheu  prüsentirten.  Schon  hoffte  man,  dass  alles  ruhig  ab- 
laufen werde,  als  nachmittags  durch  das  sich  schnell  gebildete 
revolutionäre  Comite,  Demonstrationen  und  Ruhestörungeu  in 
Szene  gesetzt  und  überspanntere  Forderungen  an  den  Gouverneur 
gestellt  wurden.  Als  die  Volkshaufen  drohendere  Stellungen  an- 
nahmen, wurde  um  %5  Uhr  Allarm  geschlagen.    Das  erste  Ba- 


508 


1848. 


taillon  besetzte  sofort  alle  Regierungsgebäude  und  wichtigen  Punkte. 
Der  lärmende  Volkshaufe  auf  dem  Ringplatze  vor  dem  Magistrate 
und  der  Hauptwache  war  nicht  zu  beruhigen  und  zum  Aus- 
einandergehen zu  bewegen,  bis  nicht  der  Moment  eintrat,  wo 
die  gestörte  Ruhe  durch  Waffengewalt  hergestellt  werden  sollte. 
Erst  dann  ging  alles  auseinander  und  die  Garnison  blieb  bis 
11  Vü  Uhr  nachts  unter  dem  Gewehr. 

Durch  energische  Kundmachungen  des  Gouverneurs,  das  ent- 
schlossene Benehmen  der  Truppen  und  wohl  auch  durch  die  ent- 
schieden ausgesprochene  Stimmung  des  loyalen  Landvolkes  wurde 
bewirkt,  dass  die  Ordnung  und  Ruhe  keine  weitere  Störung  erlitt. 
Trotzdem  hatten  die  Truppen  einen  so  angestrengten  Dienst,  dass 
sich  Offiziere  und  Mannschaft  eine  gauze  Woche  nicht  entkleiden 
konnten. 

In  Wien  hob  ein  Handschreiben  Sr.  Majestät  die  militärische 
Bereitschaft  auf.  In  demselben  wurde  das  durchaus  musterhafte  Be- 
nehmen der  Truppen  während  der  bewegten  Tage  und  der  gelieferte 
Beweis  von  dem  trefflichen  Geiste,  welcher  das  tapfere  Heer  unter 
allen  Verhältnissen  beseelt,  lobend  erwähnt  und  erhielt  jeder  Stabs- 
und Oberoffizier  eine  Gratifikation,  die  Mannschaft  eine  viertägige 
Gratislöhnung  uud  die  Grenadiere  eine  Zulage. 

Mit  Reskript  vom  28.  März  wurde  die  Erhöhung  auf  den 
kompleteu  Kriegsstand,  die  Errichtung  der  9  Feld-  und  3  Laudwehr- 
Divisiouen  angeordnet,  da  in  Mailand  am  18.  die  Revolution  aus- 
gebrochen war,  die  sich  schnell  über  das  ganze  lombardisch-venetia- 
nische  Königreich  verbreitete  und  zu  deren  Unterdrückung  die  ge- 
ringen militärischen  Kräfte  unter  Feldmarschall  Graf  Radetzky 
nicht  ausreichten. 

In  Wien  organisirten  sich  Freiwilligen -Bataillone  mit  der  Be- 
stimmung gegen  die  Feinde  in  Italien  zu  marschiren.  Major  S  c  h  1  e- 
müller  erhielt  den  Befehl  diese  Leute  aufzunehmen,  zu  verpflegen 
und  sie  förmlich  zu  organisiren.  Am  30.  März  marschirte  das  Land- 
wehr-Bataillon nach  Korneuburg  und  Stoekerau;  mehrere  Detache- 
ments  streiilen  auf  dem  ilachen  Lande,  um  arbeitsscheue  Leute, 
welche  dort  arge  Excesse  verübten,  aufzugreifen  und  zu  ver- 
scheuchen. 

Se.  kais.  Hoheit  Erzherzog  AI  brecht  nahm  am  31.  März 
mit  folgendem  Befehle  von  den  Truppen  Abschied:  „Seine  Majestät 


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1 


509 


»der  Kaiser  hat  mich  auf  meine  unterthänigste  Bitte  von  der  Führung 
„des  Generalkommando-Geschäftes  allerguädigst  zu  entheben  geruht. 
„Ich  setze  die  unter  meinem  Befehl  gestandenen  Truppen  hievon  in 
„Kenntniss  und  erfülle  zugleich  eine  theuere,  aber  höchst  schmerz- 
liche Pflicht,  indem  ich  mich  von  ihnen  beurlaube  und  ihnen  ein 
.herzliches  Lebewohl  wünsche.  Ich  danke  allen  Herren  Generalen, 
„Stabs-  und  OberofTizieren,  ich  danke  der  gesammten  Mannschaft 
,für  die  mir  bewiesene  Anhänglichkeit  und  den  strengen  Gehorsam, 
„wodurch  die  Erfüllung  der  ehrenvollen  Pflichten,  welche  das  Aller- 
höchste Vertrauen  mir  übertrug,  so  leicht  und  lieb  gemacht  wurde. 
„Obgleich  nunmehr  dem  dienstlichen  Wirken  dieser  Truppen  ent- 
fernter stehend,  werde  ich  ihnen  immer  die  wärmste  Anerkennung 
„ihrer  militärischen  Tugenden  gewähren  und  mich  durch  die  Hotf- 
„nung  trösten,  dass  ihnen  und  dem  sämmtlichen  Heere  von  der  Zu- 
„kunft  noch  glänzende  Erfolge  auf  der  Bahn  des  Ruhmes  und  der  Ehre 
„vorbehalten  sind,  auf  welchen  wir  uns  vereinigt  wiederfinden  werden." 

Anfangs  April  bezog  die  achte  Division  mit  den  bereits  zahl- 
reich versammelten  Freiwilligen  das  Bivouak  in  der  Kaserne  am 
Rennwege.  Jeder  Offizier  dieser  Division  hatte  über  400  Freiwillige 
zu  kommandiren  und  nach  Leoben  zu  transportiren.  Oberlieutenant 
Ludwig  Baron  Vogelsang  und  Lieutenant  Friedrich  Baron  Schweik- 
hardt  haben  sich  durch  ihr  erfolgreiches  Wirken  bei  dieser  Ge- 
legenheit die  Zufriedenheit  Sr.  königl.  Hoheit  des  Herrn  Regiments- 
Inhabers  erworben. 

Am  3.  April  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  auch  die  beiden 
Feld  -  Bataillone  auf  den  Kriegsstand  zu  setzen ;  die  detachirte  vierte 
Division  rückte  in  Lemberg  ein. 

Oberst  und  Regiments -Kommandant  Heinrich  Edler  v.  Hab  er- 
mann wurde  mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  26.  März  1848 
zum  Generalmajor  und  Brigadier,  mit  jener  vom  19.  April  Oberst- 
lieutenant Franz  Vahr  lieh  v.  Bub  na  zum  Oberst  und  Regiments- 
Kommandanten,  Major  Friedrich  Freiherr  Merville  zum  Oberst- 
lieutenant und  Hauptmann  Wilhelm  v.  Mertens  des  zweiten 
Wallachen  -  Grenz  -  Regimentes  mit  1.  Mai  zum  Major  im  Regiment, 
dagegen  Hauptmann  Michael  v.  B  a  j  z  a  t  h  mit  19.  April  zum  Major 
bei  Nr.  12  betordert.  Hauptmann  Aegidius  Prohaska  erhielt  bei 
seiner  Versetzung  in  den  Ruhestand  den  Majors  -  Charakter  und 
800  fl.  CM.  Pension. 


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510 


L848 


Das  Landwehr  -  Bataillon  brach  am  21.  April  von  Korneuburg 
auf,  marschirte  stationatim  nach  Linz  und  bezog  dort  die  Fabriks- 
Kaserne. 

Am  15.  Mai  fand  in  Wien  abermals  eine  Erhebuug  statt.  Man 
war  mit  der  am  27.  April  publizirten  Verfassung  nicht  zufrieden; 
abends  rückte  die  bewaffnete  Nationalgarde  und  Studenten  -  Legion, 
gefolgt  von  einer  grossen  Volksmenge  in  den  Schweizerhof  der  Hof- 
burg und  es  wurden  Sr.  Majestät  dem  Kaiser  durch  eine  Deputation 
beim  Ministerium  die  Forderungen  abgedrungen.  Indem  hiedurch 
das  kaiserliche  Ansehen  verletzt  wurde,  dankte  das  Ministerium  ab. 
Se.  Majestät  verliessen  Wien  und  begaben  sich  nach  Innsbruck, 
nachdem  gleichzeitig  das  Vorgefallene  in  einem  Manifeste  den 
Völkern  Oesterreich 's  kundgegeben  wurde. 

Zur  Sicherung  des  Monarehen  hatte  die  erste  fircnadier-Kom- 
pagnie  in  der  Burg,  die  zweit«;  auf  der  Deilaria  Stellung  genommen, 
wo  beide  bis  zum  Morgen  verblieben. 

Am  20.  Mai,  gelegentlich  der  Auflösung  der  akademiacben 
Legion  kamen  wieder  Ruhestörungen  vor;  die  Grenadiere  besetzten 
die  Nationalbank.  Dann  wurde  aber  beschlossen,  der  Nationalgarde 
die  Herstellung  der  Ordnung  zu  überlassen  und  das  k.  k.  Militär 
wurde  bis  auf  einige  Wachen  zurückgezogen. 

In  Wiener -Neustadt  hatte  eine  Hotte  arbeitsscheuer  Leute 
am  28.  Mai  abends  das  Haus  eines  Hackers  erstürmt  und  dessen 
Habe  zertrümmert.  Da  alle  gütlichen  Aufforderungen  zur  Ruhe  nichts 
fruchteten,  mussten  die  drei  Kompagnien  des  dritten  Dataillons  über 
Aufforderung  der  Behörde  ausrücken.  Da  aus  einem  Fenster  des 
erstürmten  Hauses  auf  die  Truppe  gefeuert  wurde,  so  machte  auch 
diese  von  den  Waffen  Gebrauch,  wodurch  ein  Ruhestörer  getödtet 
und  zwei  verwundet  wurden.  Die  Volksmasse  zerstreute  sich  rasch 
und  der  grösste  Theil  der  Uebelthäter  wurde  verhaftet. 

Von  Lemberg  wurde  der  Oberlieutenant  Rudolf  Längs  fei  d 
mit  40  Mann  und  einem  Zug  Huszaren  in  mehrere  Ortschatten 
abgesendet,  um  die  Autorität  der  Behörde  gegen  die  widerspenstige 
Landbevölkerung  herzustellen,  was  ihm  vollkommen  gelang  und 
worauf  das  Kommando  am  28.  Juni  wieder  einrückte. 

Das  dritte  Bataillon  erhielt  den  Befehl,  in  Eilmärschen  nach 
Triest  abzugehen,  brach  am  10.  Juni  auf,  fuhr,  nachdem  der  Semmering 
überschritten  war,  mit  der  Eisenbahn  bis  Cilli  und  dann  mittelst 


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1  h4^» 


511 


Vorspannswagen  nacli  Triest,  wo  dasselbe  schon  am  20.  eintraf. 
Die  neunte  Division  rückte  nach  Wiener-Neustadt,  um  .nach  voll- 
endeter Kompletirung  dem  Bataillon  nachzufolgen.  Bei  dem  Eintritte 
des  dritten  Bataillons  in  das  Gebiet  von  Triest  erhielt  dasselbe  die 
Kriegsgebühr;  auch  wurde  dasselbe  für  sein  vorzügliches  Aussehen 
vom  F.-M.-Lt.  Graf  Gyulay  ganz  besonders  belobt. 

Der  Ilegiments-Tagsbefehl  vom  16.  Juni  brachte  dem  Regimente 
das  edclmüthige  Benehmen  des  Gemeinen  Adalbert  Kopilka  bei 
Rettung  eines  Hirtenknaben  aus  den  Fluthell  als  belobende  Anerkennung 
dieses  wackeren  Mannes  zur  Keuntniss. 

Mit  Befehl  vom  1.  Juni  wurde  die  Errichtung  des  ersten  Reserve- 
Bataillons  angeordnet  und  zum  Kommandanten  der  Hauptmann  Rudolf 
Ertl  v.  Seau  ernannt. 

In  Folge  der  Ereignisse  im  Mai  in  Wien  und  der  dadurch 
herbeigeführten  Alueise  des  geliebten  Kaisers  nach  Tirol  hat  sich 
die  Garnison  Lemberg,  zu  weither  acht  Kompagnien  des  Regiments 
gehörten,  veranlasst  gefunden,  einen  Aufruf  an  die  Armee  zu  erlassen, 
um  diesen  Wirren  zu  steuern  und  die  Generale  zu  bitten,  «uns 
, dorthin  zu  stellen,  wo  wir  Kaiser  und  Vaterland  schirmen  können!* 
Dieser  Aufruf  vom  23.  Mai  mit  den  Unterschriften  aller  Generale, 
Stabs-  und  Überoffiziere  und  per  Kompagnie  eines  Mannes  von  jeder 
Charge  wurde  dem  Kriegsmiuisterium  und  Sr.  Majestät  unterlegt. 
Se.  Majestät  geruhte  die  darin  ausgedrückten  loyalen  Gesinnungen 
und  treueste  Anhänglichkeit  an  Monareheu  und  Vaterland,  dann  den 
sehnlichen  Wunsch  für  Gesetz  und  Ordnung  mit  unbedingter  Auf- 
opferung einzustehen  mit  Wohlgefallen  zur  Allerhöchsten  Kenntniss 
zu  nehmen. 

Ende  Juni  eskortirte  eine  Division  des  dritten  Bataillons  unter 
Hauptmann  Leeb  1000  gefangene  Piemontesen,  welche  in  die 
Festungen  Böhmen's  transporlirt  wurden,  bis  EiYcrding  und  rückte 
dann  wieder  beim  Bataillon  ein.  Am  3.  Juli  erhielten  die  beiden 
Feld -Bataillone  ihre  Ergänzungsmannschaft  auf  den  vollen  Kriegs- 
stand. Am  10.  Juli  war  auch  die  dritte  Division  des  dritten  Bataillons 
komplet  und  selbe  erhielt  den  Befehl,  nicht  nach  Triest  zu  mar- 
schiren,  sondern  bis  auf  weiteres  in  Wr.- Neustadt  zu  verbleiben. 

Das  neu  errichtete  erste  Reserve -Bataillon  bezog  am  28.  Juli 
die  Station  Langenlois.  700  freiwillige  Wiener  befanden  sich  in 
seineu  Reihen. 


512 


184S. 


Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  1.  Juli  1848  wurde  der 
Hauptmann  Eduard  Freiherr  La  Marre  zum  Major  beim  Regiment 
Nr.  11  befördert. 

Anfangs  August  erhielt  das  Landwehr -Bataillon  den  Befehl, 
sich  zum  Marsche  zur  Armee  des  Feldmarschalls  Radetzky  nach 
Italien  in  Bereitschaft  zu  setzen.  Mit  wahrer  Begeisterung  wurde 
dieser  Befehl  entgegen  genommen,  durch  welchen  endlich  der  lang 
ersehnte  Wunsch,  sich  mit  den  Feinden  des  Vaterlandes  zu  messen, 
in  Erfüllung  gehen  sollte.  Schon  am  4.  August  brachte  der  Telegraf 
die  Aufbruchs- Ordre,  die  mit  unbeschreiblichem  Jubel  aufgenommen 
wurde.  Am  5.  August  setzte  sich  die  erste  Division  unter  Begleitung 
der  Generalität  und  der  Linzer  Nationalgarde -Offiziere  von  Linz  aus 
in  Marsch;  ihr  folgte  am  <i.  die  zweite  Division.  Am  8.  August 
hatten  beide  Divisionen  das  Glück,  erstere  am  Marsch  von  Unken 
nach  St.  Johann,  letztere  von  Salzburg  nach  Lofer  Sc.  Majestät 
Kaiser  Ferdinand  I.  auf  seiner  Reise  von  Innsbruck  nach  Wien 
zu  begegnen.  Die  Divisionen  stellten  sich  mit  militärischer  Präzision 
auf  der  Strasse  in  die  Fronto  gekehrt  auf.  Als  Se.  Majestät  an  der 
Spitze  derselben  anlangte,  vcrliessen  Höchstdieselbeu  den  Wagen, 
besichtigten  die  Reiben,  die  Front  hinabgehend,  sprachen  mit  mehreren 
Soldaten  in  der  bekannt  herablassenden  Freundlichkeit,  reichten  dann 
dem  Bataillons -Kommandauten  Major  Mertens  die  Hand  und 
bestiegen  mit  dem  herzlichen  Zurufe  an  die  Divisionen  „ auf  baldiges 
Wiedersehen!41  den  Wagen,  die  Reise  nach  Wien  fortsetzend.  Am 
10.  August  marschirte  auch  die  dritte  Division  von  Korneuburg  nach 
Italien  und  das  erste  Reserve -Bataillon  nickte  von  Langenlois  in 
diese  Garnison.  Die  beiden  ersten  Landwehr -Divisionen  erreichten 
am  21.  und  22.  August  Verona,  traten  nun  in  die  Kriegsgebühr  und 
erhielten  reichliche  Etappen- Verpflegung;  schon  nach  einigen  Tagen 
wurde  das  Bataillon  nach  Brescia  verlegt  und  rückte  dort  am  4.  Sep- 
tember ein.    Am   11.  nahm  F.-M. -Lt.  Baron  Hayn  au  dessen 
Inspizirung  vor  und  sprach  seine  volle  Zufriedenheit  aus.  Schon  am 
15.  verliess  das  Bataillon  Brescia  und  rückte  am  18.  wieder  in 
Verona  ein,  wo  Tags  vorher  auch  die  dritte  Division  angelangt  war. 

Major  Anton  Meinong  v.  Handschuchsheim  wurde  mit 
Allerhöchster  Erschliessung  vom  28.  September  von  Nr.  31  in  das 
Regiment  eingetheilt  und  übernahm  das  Kommando  des  ersten 
Reserve  -  Bataillons. 


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184«. 


513 


Die  beiden  in  Zolkiew  stationirten  Divisionen  des  zweiten 
Bataillons  rückten  Ende  September  beim  Regimente  in  Lemberg 
ein ;  die  siebente  Division  war  am  3.  Oktober  von  Triest  aufgebrochen, 
um  Palmanuova  zu  besetzen,  erhielt  aber  in  Monfalcone  den  Befehl, 
hier  bis  auf  weiteres  stehen  zu  bleiben.  Da  dann  die  Festung  das 
zweite  steierische  Freiwilligen  -  Bataillon  als  Besatzung  erhielt,  rückte 
die  Division  am  8.  wieder  in  Triest  beim  3.  Bataillon  ein,  welches 
am  selben  Tage  eine  Kompagnie  nach  Cormons  detachirtc. 

Mittlerweile  waren  in  Ungarn  ernste  Konflikte  ausgebrochen. 
Die  Südslaven  wollten  sich  durchaus  nicht  au  dieses  Reich  anschliessen, 
man  grilT  beiderseits  zu  den  Waffen,  der  Banns  von  Kroatien  rückte 
mit  seinen  Bataillonen  in  Ungarn  ein,  stand  schon  am  27.  September 
bei  Weissenburg  und  bedrohte  Pest.  Durch  diesen  Umstand  fand 
sich  der  Palatin  Erzherzog  Stephan  bewogen,  diese  Würde  in  die 
Hände  des  Kaisers  niederzulegen,  Allerhöchstwclchcr  »im  den  in  der 
Armee  entstandenen  Zwiespalt  auszugleichen  und  den  Bürgerkrieg 
zu  verhindern,  den  F.-M.-Lt.  Franz  Graf  Lamberg  als  ausser- 
ordentlichen kaiserlichen  Kommissär,  mit  ausgedehnten  Vollmachten 
nach  Ungarn  sendete,  um  das  Oberkommando  über  die  k.  k.  und 
ungarischen  Landwehr- Truppen  zu  übernehmen  und  in  Ungarn  die 
Ruhe  herzustellen. 

Die  königliche  Verordnung,  sowie  der  Aufruf  an  die  Truppen 
zur  Rückkehr  wurde  noch  in  der  Nachtsitzung  des  ungarischen 
Landtags  vom  27.  als  Verletzung  der  Konstitution  verworfen  und 
F.-M.-Lt.  Graf  Lamberg  am  30.  September  auf  dem  Wege  in 
die  Reichsversammlung  auf  der  Schiffbrücke  ermordet. 

In  Folge  dieser  Gräuelthat  erliess  der  Kaiser  am  3.  Oktober 
ein  neues  Manifest,  in  welchem  der  ungarische  Landtag  als  aufgelöst 
erklärt,  das  Königreich  unter  das  Kriegsgesetz  gestellt  und  der 
Banus  zum  königlichen  Kommissär  mit  den  umfassendsten  Voll- 
machten ernannt  wurde. 

Nach  der  Eintheilungs-Liste  bestand  das  Offiziers-Korps  anfangs 
Oktober  1848  aus: 

Oberst-Inhaber  Erzherzog  Maximilian  Josef  d'Kste.  F.-Z.-M.  Hoch-  und 
Deutschmeister. 

Oberst,  Regiments-Kommandant  Franz  Bubna  von  Warlich. 
Oherstlieutenant  Friedrich  Baron  Merville.  Franz  Hranaky. 
Major  Ferdinand  Sc h  I  e  in ü Her,  Ferdinand  Rossi,  Anton  Meinong 
von  Handscbuchsheim,  Wilhelm  Ritter  vor  Mertens. 

33 


514 


IMS. 


Kaplan  Franz  Peer. 
Auditor-Hauptmann  Johann  Hineiss. 
Arzt  Dr.  Anton  Unger. 
Rechnungsführer  Wenzel  Friedl. 
Adjutant  überlicntenant  Anton  Keller. 

Bataillons-Adjutant  Lieutenant  Franz  Fabrici,  Friedrich  Br.  Schweik- 
hardt,  Friedruh  Kühne,  Ferdinand  Much,  Kduard  Enthoffer,  Edmund 
v.  Karwinsky. 


'3 

S 

Hauptmann 

Lieutenant 

« 

© 
fad 

Über- 

höherer Gebühr  minderer  Gebühr 

\ 

1. 

Ludw.  Lechner 

Ferdinand  Paar 

Robert 
Br.  Rueber 

— 

Grein 

2. 

Josef 
Brandmayer 

Kurl 
Br.  Grainger 

Antou 
lloratscheck 

— 

1. 

Adolf  Microis 

Anton  Kapiller 

Jakob  Nitschner 

Rudolf  Alxcr 

2. 

August 
v.  Amberg 



Franz  Wolf 

Franz  Schwarz 

Karl  Schrömmer 

3 

3. 

Rudolf 
Langsfeld 

Eduard 
v.  Eliatsc  he k 

Josef  Helmich 

Karl  Iwansky 

m 

4. 

Josef  Trucker 

Eduard  Lyncker 

Franz 
v.  Czikowski 

Georg  Fürst 

5. 

Casimir 
Br.  Lütgendorf 

Chev. 
Johann  Gcrand 

Mathias 
Lukasseck 

Kaspar 
Br.  Riesenfels 

6  j  August 
Wallnöfer 

—  ~ 

Theodor 
Br.  Riesenfels 

Adolf  du  Rieux 

Alois  Ritter 
Haymerle 

7. 

Friedrich 
Wussin 

Eduard 
v.  Wolfenburg 

Ludwig 
Rumpelmaycr 

Ferdinand 
Hofmann 

8. 

Gustav  Schuster 

Friedrich 
Tichatschek 

Wilhelm  v.  Weil 

Johann 
Drakullich 

« 

<•* 

9. 

Friedrich  Benda 

Wilh.  Hössner 

Hermann 
Kolleschowsky 

Eugen 
Ruczizka 

3 
Es 
K! 

10. 

Anton  Keller 

Adolf  Catty 

Ladislaus 
v.  Mottusz 

Ludwig 
v.  Rosenkranz 

^. 

Ludwig  Dagnen 

Ferdinand 
v.  Fröhlich 

Wilhelm 
Br.  Stokhardt 

Georg  Meissl 

12. 

Eduard  Kolb 

Wilhelm 
v.  Ekart 

Karl  v.  Tretter 

Eduard  Loos 

13. 

Josef  Schifter 

Andreas  Rossi 

Moriz  Adelmann 

Martin  Türk 

Drittes 

14. 

Anton  Joss 

Friedrich  Br. 
Schweikhardt 

Hermann  v.  Lill 

Paul  Gledttsch 

15. 

Franz  Schwarz 

Josef 
v.  Riekauer 

Anton 
v.  Högerstein 

Heinrich 
Reinhold 

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1S4S. 


515 


'3 

en 

a 

Hauptmann 

i 

Lieutenant 

«9 
=Q 

Ober- 

j  höherer  Gebühr  [minderer  Gebühr 

16. 

Nikolaus  Baber 

Mathias 
i  lannennoiz 

Adolf 
Effenberger 

Norbert  Albert 

Drittes 

17. 

Ludwig 
Br.  Vogelsang 

Franz  Seraphin 

Johann  Svalla 

Franz  Thomas 

18. 

Karl  Leithe 

Franz 

1  .tli'll'l  l'.lllh 

Matth.  Hänger 

Adolf  Vitzthum 



1!». 

Rudolf 
v.  Seau 

Josef 
v.  iicrmincninai 

Anton  Triulzi 

Frommeyer 

20. 

Johann  Linke 

Leopold  Eckher 

Alfred  v.  Lebin 

Viertes 

21. 

Friedr.  Arming 

Adolf 
iMifnuergtr 

Ernst 
Schwerdtner 

Alexander 
Strnad 

22. 

Josef  Appel 

Viktor  Graf 

WTim  irrt  r«  L*  v 

Jgnaz  Kaiser 

Anton  v.  Weil 

23. 

Max  Trzecinsky 

Heinrich  Kutzer 

Eduard  Aichner 

24. 

Moriz  Schlier 

Camillo  (.'onte 

Dl'IlllUMS.t 

(!eut  "  (ioissler 

Alfred  Graf 
Aichelburg 

1. 

Karl 
v.  Terputoez 

Leopold 
Halkowitsch 

Josef  Wiesinger 

Andreas  Geiger 

2. 

Florid  Leeb 

Philipp 
du  Rieux 

Josef  Lintz 

Christ.  Schmidt 

Landwehr- 

3. 

Nikolaus  Baber 

Willi.  Clement 

August  Kopp 

Josef  Leithner 

4. 

Johann  Koffler 

Wilhelm 
v.  Kegeln 

Karl  Müker 

Fcrd.  Ascher 

5. 

Josef  Bolletny 

Johann  Catty 

Heinrich 
Lahousen 

Heinrich 
Schannberg 

6. 

Johann  Oillich 

Friedrich  Lohr 

Eduard  Schwarz 

Zur  Verstärkung  der  Tmppen  in  Ungarn  sollte  das  Grenadier- 
Bataillon  Richter,  bestehend  aus  den  Divisionen  der  Regimenter 
Nr.  14,  49  und  59  von  Wien  nach  Pressburg  abgehen.  Am  6.  Oktober 
brach  dasselbe  zeitlich  frflh  aus  seiner  Kaserne  auf  und  marschirte 
gegen  den  Tabor.  Schon  auf  diesem  Wege  stellte  sich  ihm  eine 
bedeutende  Volksmenge  entgegen,  welche  aber  gesprengt  wurde. 
Trotzdem  folgten  aber  die  meisten  dem  Bataillon  und  als  dasselbe 
endlich  den  Tabor  erreichte,  um  sich  nun  einzuwaggoniren,  sah  es 
sich  von  einer  ungeheueren  höchst  aufgeregten  Menschenmenge 

33* 


51  Ii 


1S4S. 


umringt,  welche  mit  den  Waffen  in  der  Hand  das  Abziehen  des 
Bataillons  durch  Aufreisscn  der  Schienen  etc.  zu  verhindern  trachtete. 
Da  man  dicss  vorausgesehen  hatte,  waren  vier  Kompagnien  des  Re- 
giments Nr.  15  unter  Oberstlieutenant  Klein  bald  darauf  ebenfalls 
erschienen,  welche  rechts  der  Brücke  in  Fronte  aufmarschirten. 

Der  anwesende  General  v.  Bredy  war  eifrigst  bemüht,  das 
Volk  zu  fiberreden,  dem  Abmarsch  der  Grenadiere  kein  Hinderniss 
zu  bereiten.  Diese  Unterhandlungen  währten  bis  Mittag,  während 
welcher  Zeit  sich  immer  mehr  Volk  ansammelte  und  auch  das 
Bataillon  von  Nr.  15  ganz  umringten.  Plötzlich  zwischen  12  und 
1  Uhr  fielen  zwei  Schüsse  und  General  v.  Bredy  sank  todt,  Oberst- 
licutenaut  Klein  schwer  verwundet  vom  Pferde.  Diese  beiden 
Schüsse  waren  das  Signal  für  die  Revolutionäre,  welche  nun  die 
Truppen  mit  Gewehrfeuer  und  Steinwürfen  angriffen.  Die  Kom- 
pagnien von  Nr.  15  eröffneten  nun,  zu  ihrer  Vertheidigung  ohne 
Kommando  das  Feuer  und  schnell  war  der  Kampf  allgemein,  welcher 
dann  mehrere  Stunden  fortwährte. 

Tn  der  Stadt  war  die  Kunde  von  diesem  Kampfe  schnell  ver- 
breitet, die  Nationalgarde  trat  unter  das  Gewehr,  die  Truppen  der 
Garnison  rückten  theils  nach  Schönbrunn  und  andere  Orte.  Nur  ein 
Bataillon  des  Regiments  Nr.  15,  drei  Kompagnien  Pionniere  und  die 
Grenadier  -  Division  Deutschmeister  blieben  in  der  Stadt  zurück. 
Der  Ministerrath  war  im  Kriegsgebäude  versammelt  und  empfing 
viele  Deputationen.  Die  Grenadier-Division  erhielt  den  Befehl  dieses 
Gebäude  und  das  Zeughaus  zu  besetzen  und  gegen  die  Aufständischen 
zu  vertheidigen.  Die  erste  Kompagnie  mit  einem  Zuge  der  zweiten, 
zusammen  12G  Mann,  besetzten  unter  Kommando  des  Oberlieutenants 
Ferdinand  Paar  das  Zeughaus ;  die  andern  drei  Züge  der  zweiten 
Kompagnie  unter  Hauptmann  Brandmayer  und  Oberlieutenant 
Karl  Baron  Grainger  das  Kriegsgebäude.  Diese  wurde  in  einzelnen 
Rotten  zu  den  Thoren  und  Fenstern  zur  Vertheidigung  des  Hauses 
aufgestellt.  Kurz  darauf  marschirte  das  Landwehr -Bataillon  von 
Nr.  15  mit  den  Pionuieren  auf  dem  Hofe  auf  und  es  war  nach  der 
Aufregung,  welche  sich  bei  den  zahlreich  versammelten  obskuren 
Gestalten  zeigte,  der  nahe  Kampf  in  gewisser  Aussicht. 

Als  um  2  Uhr  Revolutionäre  den  Stefansthurm  besteigen 
wollten,  um  Sturm  zu  läuten,  hinderten  sie  wackere  National- 
gardisten, welchen  der  Sinn  für  Gesetz  und  Ordnung  noch  nicht 


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lH-lK. 


517 


abhanden  gekommen  war.  Es  entspann  sich  ein  Kampf,  welcher 
dann  auch  im  Innern  der  Kirche  geführt  wurde  und  um  die 
Nationalgarde  in  ihrem  ehrenvollen  Werke  zu  unterstützen,  rückten 
die  Pionniere  auf  den  Graben,  wurden  aber  aus  den  Fenstern  so 
heftig  beschossen,  dass  sie  zurück  mussten.  Die  Menschenmasse 
drängte  ihnen  nach,  aus  den  meisten  Fenstern  wurde  auf  die  Truppe 
gefeuert,  so  dass  sich  die  Pionniere  im  Verein  mit  dem  Bataillon 
von  Nr.  15  zuerst  auf  die  Freiung  und  endlich  gegen  4  Uhr  durch 
die  Schottengasse  auf  das  Glacis  zurückzogen. 

Die  ganze  überaus  grosse  Menschenmenge  versammelte  sich 
nun  vor  dem  Kriegsgebäude,  dessen  Wache  sich  in  das  Innere 
zurückgezogen  und  die  Thore  geschlossen  hatte.  Eine  Kanone  wurde 
in  dem  Hofe  des  Kriegsgebäudes  gegen  das  Thor  gerichtet;  die 
Grenadiere  von  Deutschmeister  und  die  Wachmannschaft  derart  an 
den  Thoren  placirt,  wie  sie  das  Eindringen  abzuwehren  hätten.  So 
vorbereitet  harrten  die  Grenadiere  mit  dem  Gewehr  im  Arm  im 
vollen  Bewusstsein  ihrer  Pflicht,  gepaart  mit  dem  festen  Willen, 
diesen  auch  als  Männer  von  Ehre  zu  erfüllen. 

Man  beschloss  im  Falle  des  Einbrechens  des  Hauptthores 
nach  Abfeuerung  der  Kanone  mit  den  Grenadieren  einen  Bajonnet- 
ausfall  gegen  die  eindringenden  Aufrührer  zu  machen.  Indessen 
sollte  es  anders  kommen. 

Ein  Student  hatte  sich  im  versammelten  Ministcrrathe  Ein- 
gang zu  verschaffen  gewusst  und  hier  erklärt,  dass,  wenn  an  das 
Militär  der  Befehl  zum  Einstellen  des  Feuers  gegeben  würde,  sich 
das  Volk  gewiss  beruhigen  und  auseinandergehen  werde.  Nach  einer 
kurzen  Berathung  diktirte  der  Kriegsminister  F. -Z. -M.  Theodor 
Graf  Baillet-Latour  den  Befehl:  „das  Feuer  ist  überall  ein- 
zustellen," welchen  dann  die  Minister  unterfertigten  und  von  dem 
Studenten  und  mehreren  Anwesenden  aus  einem  Fenster  des  ersten 
Stockwerkes  dem  Volke  vorgelesen  wurde.  Allein  sein  Bemühen 
blieb  ohne  Erfolg;  die  Menge,  welche  mittlerweile  eine  bedeutende 
Oeffnung  im  Thorrlügel  durchgeschlagen  hatte,  schrie  und  tobte 
wild  durcheinander,  verlangte  den  Abzug  des  Militärs,  die  Oeffnung 
der  Thore  und  viele  Stimmen  verlangten  die  Abdankung,  ja  sogar 
den  Tod  des  Kriegsministers. 

Ein  dem  edelmüthigen  Kriegsmiuister  gemachter  Vorschlag, 
sich  unter  dem  Schutze  der  Grenadiere  auf  das  Glacis  durch- 


518 


im. 


zuschlagen,  lehnte  derselbe,  um  nicht  das  Leben  der  übrigen  Minister 
preiszugeben,  ab. 

Da  nun  die  Katastrophe  jeden  Augenblick  hereinbrechen  musste, 
hatte  man  die  Kanone  mit  Kartätschen  geladen  und  knapp  vor- 
geschoben, während  die  Grenadiere  fest  geschlossen  mit  fertigem 
Gewehr  daneben  standen,  bereit  ihre  Pflicht  zu  erfüllen.  In  diesem 
kritischen  Momente  befahl  F. -Z.-M.  Graf  Latour,  zweifellos  in 
der  Hoffnung  durch  eine,  männliches  Vertrauen  zeigende  Handlung 
die  aufgestachelten  Gemüther  zu  beruhigen  und  neues  Blutvergiessen 
zu  verhindern,  dem  General  Frank,  die  Thore  zu  öffnen,  das  Volk 
hereinzulassen  und  mit  demselben  zu  reden.  Nebenbei  rief  er  durch 
das  geöffnete  Fenster  den  Grenadieren  im  Hofe  zweimal  hinab: 
„ nicht  feuern!* 

Auf  diesen  Befehl  waren  die  Grenadiere  wie  erstarrt  und  es 
bemächtigte  sich  diesen  braven  Soldaten  das  Gefühl  der  tiefsten 
Niedergeschlagenheit;  mechanisch  setzten  sie  den  gespannten  Hahn 
in  die  Ruhe  und  auf  Befehl  die  Gewehre  in  Pyramiden.  Die  Kanone 
wurde  bei  Seite  geschoben,  die  Thore  geöffnet  und  nun  stürmte 
ein  wilder  Haufe  Aufrührer,  darunter  vielo  mit  verwitterten  un- 
heimlichen Gesichtern  in  den  Hof.  Ein  Grenadier  stellt«  sich  mit 
gefälltem  Bajounet  entgegen,  wurde  aber  sofort  zu  Boden  ge- 
rissen, entwaffnet  und  unter  argen  Misshandlungen  gefangen  weg- 
geschloppt. 

Immer  mehr  und  mehr  drangen  zahlreiche  bewaffnete  und 
mitunter  trunkene  Kotten  in  das  Kriegsgebäude,  dessen  untere 
Räume  allmälig  durch  sie  besetzt  wurden;  auch  drängten  sie  sich 
unter  die  Grenadiere  und  forderten  sie  theils  durch  Drohungen, 
theils  durch  allerlei  Verheissuugen  zur  Auslieferung  der  Waffen  und 
Munition  auf.  Entschieden  verweigerten  die  Grenadiere  die  Ablegung 
der  Waffen,  aber  demungeachtet  löste  sich  unter  solchen  Einwir- 
kungen und  bei  dem  Mangel  aller  Energie  der  Führer  doch  zum 
Theile  die  militärische  Ordnung  der  Mannschaft,  um  sowohl  bei  ihr 
als  den  Offizieren  einer  vollständigen  Verwirrung  und  Rathlosigkeit 
Platz  zu  machen. 

Der  dritte  Zug  hatte  einige  Zeit  die  Hauptstiege  in  der  Rich- 
tung gegen  den  Bazar  behauptet  und  als  diese  Mannschaft  auch 
hier  durchbrochen  und  verdrängt  ward,  wälzte  sich  die  Menge  nun 
schrankenlos  über  die  Treppe,  was  etwas  früher  schon  auf  den 


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1818. 


510 


anderen  der  Fall  wai»,  in  die  .oberen  Räume  und  Zimmer,  wo  sie 
das  Werk  einer  vandalischen  Zerstörung  begann. 

Hauptmann  Brandmayer,  welcher  während  seiner  ganzen 
Dienstzeit  als  ein  sehr  tüchtiger  und  energischer  Offizier  bekannt 
war,  schien  durch  das  Eindringen  des  Volkes  alle  Fassung  verloren 
zu  haben;  anstatt  mit  aller  Energie  seine  Leute  zu  sammeln  und 
fest  beisammen  zu  halten,  entsendete  er  von  seiner  ohnehin  nicht 
zahlreichen  Mannschaft  ein  Kommando  auf  die  Hauptwache,  um  von 
dort  Verwundete  in  das  Spital  zu  schaffen,  dann  einen  anderen  Theil 
seiner  Leute  in  das  erste  Stockwerk  und  sah  mit  Oberlieutenant 
Baron  Grainger  ruhig  der  allmäligen  Auflösung  und  Zerstreuung 
der  Mannschaft  zu,  von  welchen  sich  einige  in  die  Stallungen  zurück- 
zogen, andere  einzeln  oder  gruppenweise  im  Volksgedränge  des 
Hofes  standen. 

Auf  die  Anfrage  des  Feldwebels,  was  zu  thun  sei,  gab  Haupt- 
mann Brandmayer  die  Weisung,  dass  sich  die  Mannschaft  in  die 
Kaserne  begeben  solle,  was  denn  auch  theilweise  geschah.  Aus- 
drücklich muss  aber  bemerkt  werden,  dass  Offiziere  und  Mannschaft 
im  festen  Glauben  waren,  der  Kriegsminister  habe  bereits  das  Gebäude 
verlassen  und  sei  mithin  gerettet. 

Bald  darauf  wurde  der  Kriegsminister  im  oberen  Stockwerke 
gefunden,  in  den  Hof  geschleppt  und  hier  auf  die  grausamste  Art 
ermordet. 

Nach  dieser  gräulichen  Schandthat  eilte  alles  gegen  das  Zeug- 
haus, in  der  Hoffnung  auch  hier  so  leicht  fertig  zu  werden  und  in 
den  Besitz  der  dort  aufgespeicherten  Wallen  zu  gelangen.  Aber  hier 
war  der  energische  Oberlieutenant  Paar,  dann  eine  Kompagnie 
Grenadiere  des  Regiments  Nr.  8  unter  Oberlieutcnant  Naske  und 
der  Artillerie  -  Hauptmann  Castel. 

Ungefähr  um  '/g5  Uhr  geschah  der  erste  Anfall,  einige  freche 
Bursche  verlangten  die  Auslieferung  der  Waffen,  die  keiner  Antwort 
gewürdiget  wurden.  Nun  versuchten  die  Aufrührer  die  Mauern  zu 
untergraben  und  auch  sonst  einzubrechen,  worauf  Oberlieutenant 
Paar  einen  Ausfall  machte  und  diese  Leute  verjagte. 

Vor  Mittemacht  rückte  eine  Schaar  mit  einer  Kanone  an.  Der 
erste  Kanonenschuss,  welchen  sie  von  der  hohen  Brücke  abfeuerte, 
zerschmetterte  das  alte  morsche  Thor  des  Zeughauses,  worauf  die 
Besatzung  rasch  ihre  einzige  Kanone  in  den  Thoreingang  stellte  und 


520 


184». 


einen  Kartätschenschuss  abfeuerte.  Gleich  hierauf  machte  Ober- 
lieutenant Paar  mit  seinen  Grenadieren  einen  Ausfall,  warf  die 
Angreifer  zurück  und  eroberte  die  Kanone,  welche  sofort  in  das 
Zeughaus  abgeführt  wurde. 

Nach  Mitternacht  erschien  unter  argem  Lärmen  und  Schreien 
eine  lange  Kolonue  mit  Fackelträgern,  welche  eine  Kanone  mitzogen, 
sich  durch  die  Wipplingerstrasse  über  die  hohe  Brücke  gegen  das 
Zeughaus  in  Bewegung  setzte  und  viele  Flintenschüsse  gegen  das- 
selbe abfeuerte.  Auch  diese  wurde  mit  einem  Kartätschenschuss 
empfangen,  worauf  die  ganze  Kolonne  zu  Boden  fiel,  bei  welcher 
Gelegenheit  die  Aufrflhrer  mit  den  brennenden  Fackeln  sich  die 
Kleider  anzündeten.  Oberlieutenant  Paar  machte  abermals  einen 
Ausfall,  nahm  diese  Kanone,  während  alles  sofort  auseinander  stäubte 
und  die  Munizipal -Garden  die  \ielen  Todten  und  Verwundeten 
fortschleppten. 

Nach  diesem  Ausfalle  erschienen  die  Aufrührer  bald  wieder 
in  einzelnen  Gruppen,  suchten  durch  Pechkränze  das  Zeughaus  in 
Brand  zu  stecken  und  nun  nahm  der  Kampf  einen  sehr  ernsten 
Charakter  an. 

Die  Angriffe  wurden  von  mehreren  Seiten  versucht  und  von 
den  gegenüberliegenden  Häusern  das  Gewehrfeuer  eröffnet;  drei 
Kanonen  fuhren  auf  der  Bastei  auf  und  beschossen  auf  das  Heftigste 
das  Gebäude,  so  dass  ein  Thcil  des  rückwärtigen  Traktes  ein- 
stürzte und  in  Brand  gerietb.  Die  tapfere  Besatzung  bekämpfte 
die  Angriffe  von  aussen  und  den  Brand  der  zu  wiederholtenmalen 
entstand,  mit  wahrem  Heldcnmuthe  und  aller  Aufopferung  bis  den 
andern  Tag  '/t8  Uhr  früh,  um  welche  Zeit  auf  Befehl  des  Reichs- 
raths die  Uebergabe  an  die  Natioual  -  Garde  erfolgte  und  die  Gre- 
nadiere, welche  nur  den  Grenadier  Alois  Winkelmayer  todt  und 
vier  Verwundete  eingebüsst  hatten,  durch  das  untere  Thor  in  die 
Kaserne  unangefochten  einrückten. 

Oberlieutenaut  Ferdinand  Paar,  welcher  sich  ausser  den  Aus- 
fällen auch  bei  der  Vertheidigung  ruhmvoll  ausgezeichnet  und  seinen 
Leuten  das  schönste  Beispiel  der  Tapferkeit  und  der  heldenmflthigsten 
Ausdauer  gegeben  luitte,  wurde  mit  dem  Militär-  Verdienstkreuz, 
Feldwebel  Georg  Kocher,  Grenadier  Autou  Grein  er,  Anton 
Kappen  bei  ger,  Martin  Strauss  und  Viktor  Kämmerzell, 
Welche  bei  der  Vertheidigung  unter  den  Tapfereu  die  Tapfersten 


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1H4S. 


521 


waren,  und  zwar  Grenadier  Anton  Greiner  mit  der  silbernen 
Tapferkeit* -Medaille  erster,  alle  übrigen  mit  jener  zweiter  Klasse 
belohnt. 

Die  grauenhafte  Ermordung  des  greisen  Kriegsministers  hatte 
auf  Se.  Majestät  den  Kaiser  einen  tief  schmerzlichen  Eindruck 
hervorgebracht,  so  dass  sich  der  gütige  Monarch  entschloss,  aber- 
mals Wien  zu  verlassen  und  nach  Olmütz  zu  reisen.  Dieser  Entschluss 
wurde  auch  am  7.  Oktober  in  der  Frflh  1 ,7  l'hr  ausgeführt.  20  Kom- 
pagnien und  6  Eskadronen  Kürassiere  begleiteten  den  kaiserlichen 
Wagen  bei  der  Abfahrt  von  Schönbrunn,  während  der  junge  Erz- 
herzog Franz  Joseph  zu  Pferde  den  Wagen  des  Kaisers  begleitete. 
Diesem  Kommando  hatte  sich  der  Werbbezirks -Revisor  Lieutenant 
Christian  Schmidt  mit  seinen  Leuten  angeschlossen  und  war  bis 
Klosterneuburg  marschirt,  dann  aber  wieder  nach  Wien  zurück- 
gekehrt. 

Vor  seiner  Abreise  erliess  der  Kaiser  an  den  Reichstag  die 
nachstehende  Botschaft: 

„ Alles,  was  ein  Herrscher  an  Güte  und  Vertrauen  für  sein 
.Volk  thun  kann,  habe  Ich  erschöpft,  habe  Mich  Meiner  vererbten 
,  absoluten  Macht  begeben,  um  durch  die  Konstitution  der  Selbst- 
ständigkeit Spielraum  zu  gewähren,  durch  dieselbe  die  Kraft  und  das 
„Selbstgefühl  Meiner  Völker  zu  erhöhen.  Und  wenn  die  Gewalt  des 
„15.  Mai  Mich  aus  der  Burg  Meiner  Väter  vertrieben  hat,  so  ward 
„Ich  doch  nicht  müde,  zu  gewähren.  Auf  der  breitesten  Grundlage 
„des  Wahlrechtes  wurde  ein  Reichstag  berufen,  um  in  Ueberein- 
„ Stimmung  mit  Mir  die  Konstitution  zu  berathen.  Hierauf  kehrte 
„Ich  in  Meine  Hauptstadt  zurück,  ohne  für  Meine  persönliche  Sicher- 
heit eine  andere  Bürgschaft  zu  verlangen,  als  das  Rechtsgefühl 
„und  die  Dankbarkeit  Meiner  Völker.  Allein  eine  geringe  Anzahl 
„Irregeführter  bedroht  die  Hoffnung  jedes  Vaterlandsfreundes  mit 
„Vernichtung.  Die  Anarchie  hat  ihr  Aeusserstes  vollbracht.  Wien 
„ist  mit  Brand  und  Mord  erfüllt.  Mein  Kriogsminister,  den  schon 
„sein  Greisenalter  hätte  schirmen  sollen,  hat  unter  den  Händen 
„meuchelmörderischer  Rotten  geendet.  Ich  vertraue  auf  Gott  und 
„Mein  Recht,  verlasse  die  Nähe  Meiner  Hauptstadt,  um  Mittel  zu 
„finden,  dem  unterjochten  Volke  Hilfe  zu  bringen.  Wer  Oester- 
deich, wer  die  Freiheit  liebt,  schaare  sich  um  seinen 
„Kaiser  !* 


522 


1S4S. 


Noch  vormittags  11  Uhr  um  7.  Oktober  erhielt  die  Grenadier- 
Division  den  Befehl,  nach  Zurücklassung  sämmtlicher  Bagagen  in 
den  Schwarzenberg- Garten  am  Renuwege  zu  rücken,  wo  sich  mittler- 
weile die  ganze  Garnison  versammelt  hatte.  Bei  ihrem  Eintreffen 
Hess  sich  Feldmarschall -Lieutenant  Graf  Auers  perg  die  Grena- 
diere vorstellen,  welche  in  treuer  Erfüllung  ihrer  Pflicht  so  tapfer 
das  Zeughaus  vertheidigt  hatten.  Er  begrüsste  ihren  Heldenmuth 
mit  abgezogenem  Hute  und  lobender  Anerkennung  vor  allen  Truppen 
und  reichte  ihrem  Führer ,  dem  tapfern  Überlieutenant  Paar, 
die  Hand. 

Inzwischen  wurde  das  Zeughaus  rein  ausgeplündert ;  eine  grosse 
Zahl  Waffen,  angesammelte  seltene  Alterthümer,  Trophäen  aus  einer 
für  Wien  ruhmreichen  Zeit  wurden  in  kurzer  Zeit  eine  Beute  der 
Proletarier.  In  der  Stadt  blieben  die  Barrikaden  besetzt,  Wachfeuer 
brannten  auf  den  Wällen  und  überall  bivouakirte  die  Nationalgarde. 

Major  v.  Meinong  hatte  mit  einer  Division  des  vierten  Ba- 
taillons die  grosse  Donaubrücke  bei  Stein  besetzt,  um  selbe  bis  zur 
Ankunft  des  Allerhöchsten  Hofes  vor  Zerstörung  zu  schützen.  Am 
Tage  der  Ankunft  wurde  das  ganze  Bataillon  von  Langenlois  herbei- 
gezogen, welches  dann  in  der  Stadt  Spalier  machte,  das  Bataillon 
von  Nr.  49  ablöste  und  dann  die  Ehre  hatte,  Se.  Majestät  auf  der 
Heise  bis  Znaim  zu  begleiten,  wo  seine  Ablösung  durch  ein  Bataillon 
von  Nr.  8  erfolgte.  Nach  einer  Hast  von  fünf  Tagen  rückte  das 
Bataillon  in  Eilmärschen  nach  Troppau  und  von  hier  4  Kompagnien 
nach  Teschen,  2  nach  Biclitz  und  Biala. 

Der  Banns  von  Kroatien,  F. -M.-Lt.  Baron  Jelacitf,  war  auf 
die  Nachricht  von  den  traurigen  Vorfällen  in  der  Residenz  aus  seiner 
Stellung  zu  Altenburg  sogleich  aufgebrochen  und  erschien  schon  am 
10.  Üktober  mit  seinen  kampfesmuthigen  Bataillonen  beim  Neu- 
gebäude vor  Wieu. 

Am  12.  Üktober  um  5  Uhr  früh  rückte  die  Garnison  aus  dem 
Schwarzenberggarten  und  Belvodere  an  den  Lauerberg ;  das  Grenadier- 
Bataillon  Schwarzl  bezog  in  Inzersdorl  Kantonnirungen.  Hier  befand 
sich  das  Hauptquartier  und  die  Truppen  umschlossen  Wrien  in  einem 
Halbkreise  von  Simmering  bis  über  Schönbrunu,  sich  an  die  Truppen 
des  Banns  anschliessend,  welche  bis  gegen  die  Leitha  ausgedehnt, 
eine  beobuchtende  Stellung  gegen  die  aus  Ungarn  im  Anrücken 
begriffene  Armee  uuter  Moga  einnahmen. 


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1848. 


523 


Feldwebel  Johann  Meier  und  Gefreiter  Veith  waren  in  dieser 
Zeit  nach  Wien  gegangen  und  brachten  über  alle  dortigen  Vorgänge 
die  genauesten  Rapporte.  Beide  wurden  im  Tagsbefehl  belobt  und 
durch  Beförderung  belohnt. 

Die  Grenadier  -  Division  des  Regiments  besetzte  am  13.  das 
Neugebäude  und  blieb  dort  bis  zum  17.,  worauf  dieselbe  wieder  in 
die  Eantonnirungsstation  einrückte. 

Se.  Majestät  der  Kaiser  erliess  von  Olmfltz  am  16.  Oktober 
jenes  berühmte  Manifest  „au  meine  Völker!4,  in  welchem  der  Feld- 
marschall-Lieutenant Fürst  Win  (lisch -Grit«  zum  Oberbefehls- 
haber über  sämmtliche  Truppen,  mit  Ausnahme  jener  unter  Feld- 
marschall Radetzky  in  Italien  und  zum  Feldmarschall  ernannt 
und  ihm  die  Herstellung  der  Ruhe  und  Ordnung  anbefohlen  wurde. 
Der  Fürst  erliess  hierauf  von  Lundenburg  eine  Proklamation,  welche 
Wieu  und  die  Vorstädte  in  Belagerungszustand  erklärte  und  zur 
Uebergabe  aufforderte.  Dieser  Aufforderung  wurde  keine  Folge  ge- 
leistet. Nun  rückten  die  Truppen  vom  20.  an,  mittelst  Kisenbahn 
und  in  Eilmärschen  gegen  Wien  und  bald  waren  58  Bataillone, 
07  Eskadronen,  mit  204  Geschützen  in  drei  Korps,  unter  dem  Banus 
Jelacic,  F.-M.-Lt.  Graf  Auersperg  und  Fürst  Reuss  und 
eine  Reserve  -  Division  unter  Serbeloni,  vor  Wien  versammelt. 

Während  dem  Anrücken  der  Truppen  hatte  der  Fürst  Wien 
zum  zweitenmalc  aufgefordert  und  den  26.  Oktober  als  letzten  Termin 
zur  Uebergabe  festgesetzt.  Auch  dieser  verstrich  ohne  Erfolg  und 
so  nahinen  an  diesem  Tage  die  Truppen  ihre  Stellungen  zum  An- 
gritfe  ein.  Das  Kommando  des  Grenadier -Bataillons  hatte  Major 
Martini  vom  Regiment  Nr.  8  übernommen  und  dasselbe  seine 
Kintheiluug  in  die  Brigade  Generalmajor  Frank,  mit  den  Grenadier- 
Butaillons  Strastil  und  Gaus  erhalten.  Am  27.  um  %9  Uhr  früh 
brach  die  Brigade  von  lnzersdorf  auf,  marschirte  durch  Simmering 
die  Haide,  über  die  Donau,  beim  k.  k.  Lusthause  vorüber  in  den 
Prater  und  bezog  hier  ein  Freilager,  mit  dem  rechten  Flügel  an 
die  Militär- Schwimmschule  und  mit  dem  liuken  au  die  Brigade 
Gramont  gelehnt. 

Am  28.  Oktober  eröffneten  die  kaiserlichen  Batterien  ihr  Feuer 
gegen  alle  Linienthore,  mit  Ausnahme  gegen  jenes  von  St.  Marx. 
Um  die  cilfte  Stunde  begann  der  Angritr  auf  diese  Linie  und  gegen 
die  Leopoldstadt.    Nach  einem  hartnäckigen  Kampfe  wurden  die 


524  18**- 

Barrikaden  erstürmt  und  die  vorgerückten  Truppen  standen  in  un- 
mittelbarer Verbindung.  Während  General  Hart  lieb,  welcher  beim 
Franzensthor  eingedningen  war,  sich  immer  mehr  in  der  Stadt  aus- 
breitete, leistete  die  Barrikade  an  der  Johanneskirche  in  der  Jager- 
zeile, obgleich  die  grosse  Barrikade  am  Pratersterne  bereits  ge- 
nommen war,  noch  immer  Widerstand. 

Um  diese  zu  nehmen  wurden  vom  Grenadier-Bataillon  Martini 
die  Divisionen  der  Regimenter  Nr.  3  und  8  zum  Durchschlagen  der 
Häuser,  dagegen  die  Division  Deutschmeister  zum  direkten  Angriffe 
beordert.  General  Frank  erinnerte  die  Grenadiere  der  ersten  Kom- 
pagnie an  ihre  Tapferkeit  bei  Vertheidigung  des  Zeughauses  und 
rief  der  zweiten  zu:  „Ihr  habt  eine  Scharte  auszuwetzen,  die  Ge- 
legenheit dazu  ist  hier!«  Ein  Grenadier  erwiederte:  „Es  war  nicht 
unsere  Schuld.« 

Nun  rückte  die  Division  vor.  Die  erste  Kompagnie  an  der 
Tete  unter  Oberlieutenant  Paar  an  der  rechten  Häuserreihe,  die 
zweite  unter  Hauptmann  Brandmayer  an  der  linken.  Sogleich 
wurden  einige  Grenadiere  niedergeschossen ,  aber  unaufhaltsam 
stürmten  beide  Kompagnien  vor.  Hauptmann  Brand mayer 
muthig  voran,  fiel  kaum  3U  Schritte  in  der  Gasse  durch  eine  Kugel 
tödtlich  getroffen,  wodurch  in  seiner  Kompagnie  eine  Stockung  ein- 
trat Paar  war  so  gegen  2U0  Schritte  mit  seinen  Leuten  voraus, 
warf  sich  schnell  in  ein  Haus  uud  Hess  von  dessen  Fenstern  die 
Barrikade  lebhaft  beschicssen.  Nun  fuhr  die  in  Bereitschaft  ge- 
standene Zwölfpfünder  -  Batterie  am  Eingange  der  Jägerzeile  auf 
und  überschüttete  die  Barrikade  mit  Projektilen.  Oberlieutenant 
Paar  sammelte  seine  Leute  unter  der  HausHur  und  stürmte  im 
vollen  Laufe  ge£en  die  Barrikade.  Dieser  muthige  Offizier  war  der 
Erste  oben,  während  seine  braven  Grenadiere  rasch  folgten  mid 
sich  auch  jene  der  zweiten  Kompagnie  anschlössen.  Die  Aufrührer 
hatten  in  der  Flucht  ihr  Heil  gesucht  und  nur  aus  den  Fenstern 
Helen  noch  einzelne  Schüsse.  Man  rückte  bis  zum  Theater  vor,  wo 
sich  die  Truppen,  auch  jene,  welche  durch  die  Seiteugassen  vor- 
gedrungen waren,  sammelten  und  das  Lammgasthaus  und  die  Kaffee- 
häuser an  der  Schlagbrücke  besetzten.  General  Frank  rief  den 
Grenadieren  zu:  „Ihr  habt  euch  recht  tapfer  betragen!«  Die  Division 
hatte  nebst  dem  Hauptmann  Brandmayer  noch  fünf  Verwundete, 
stellte  sich  abends  bei  dem  Theater  und  der  kleiuen  Fuhrmanus- 


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184«. 


525 


gasse  auf  und  wurde  von  der  nun  zahlreich  erscheinenden  Be- 
völkerung als  Retter  begrflsst  und  die  Grenadiere  reichlich  mit 
Speise  und  Trank  bewirthet. 

Der  Feldmarschall  Hess,  um  das  Blutvergiessen  zu  vermeiden, 
den  andern  Tag  die  Angriffe  nicht  fortsetzen.  Die  Brigade  Frank 
marschirte  gegen  4  Uhr  nachmittags  durch  den  Prater  (Iber  die  ge- 
schlagene Schiffbrücke  und  Simmering  auf  den  Laaerborg,  wo  sich 
der  Feldmarschall  schon  eingefunden  hatte,  um  die  Bewegungen  der 
Ungarn  zu  beobachten,  deren  Stärke  sich  auf  21  reguläre  und  einige 
freiwilligen  Bataillone,  20  Eskadronen  und  71  Kanonen  belief. 

In  der  Nacht  vom  20.  auf  den  30.  erschien  eine  Deputation 
aus  Wien,  welche  ihre  Unterwerfung  ankündigte  und  um  schleuniges 
Einrücken  bat,  da  volle  Anarchie  herrsche  und  nichts  mehr  sicher 
sei.  Der  Feldmarschall  bestimmte  die  Kommission  zur  Festsetzung 
der  Punkte  und  sagte  die  Einrücknng  zu. 

Am  Morgen  des  folgenden  Tages  rückten  die  Ungarn  auf  allen 
Punkten  vor  und  es  entspann  sich  ein  heftiges  Kanonen-  und  Ge- 
wehrfeuer. Unter  dem  Donner  der  Kanonen  wurde  der  Grenadier- 
Division  Deutschmeister  die  belobende  Anerkennung  Sr.  Majestät 
des  Kaisers  und  dem  tapferen  Überlieutenant  Ferdinand  Paar,  welchen 
der  Feldmarschall  ausser  der  Tour  zum  Kapitän  -  Lieutenant  be- 
förderte, die  Allerhöchste  Zufriedenheit  bekannt  gegeben ;  auch  erhielt 
Korporal  Georg  Schober  und  Grenadier  Josef  K  o  b  i  n  g  e  r, 
welche  sich  besonders  ausgezeichnet  hatten,  die  silberne  Tapferkeits- 
Medaille  erster  Klasse,  ausserdem  ersterer  von  einem  österreichischen 
Patrioten  50  tl.  C.-M.  In  Folge  dieser  Allerhöchsten  Belobung  brach 
unter  der  Truppe  ein  begeisterter  Jubel  aus,  in  welchen  die  ganze 
Brigade  recht  kameradschaftlich  einstimmte  und  insbesondere  war 
der  durch  des  Kaisers  Huld  ausgezeichnete  Kapitän  -  Lieutenant 
Paar  Gegenstand  der  allgemeinen  wohlverdienten  Ovationen. 

Auch  der  Erzherzog- Inhaber  und  der  Oberst  Regiments -Kom- 
mandant fanden  sich  bewogen,  Paar  durch  eigenhändige  Schreiben 
auszuzeichnen;  das  erstere  lautet: 

.Mit  Freuden  erfüllt  über  Ihr  ausgezeichnet  tapferes  Benehmen 
, sowohl  bei  der  Verteidigung  des  Zeughauses  am  6.  Oktober,  als 
.bei  der  Erstürmung  der  Barrikade  in  der  Jägerzeile  fühle  ich  das 
.Bedürfniss,  Ihnen  hierüber  Glück  zu  wünschen,  so  wie  ich  dem 
.ganzen  Regimente,  dessen  Inhaber  zu  sein  ich  mir  zur  grössten 


520 


1848. 


„Ehre  rechne,  aufrichtig  Glück  wünsche,  einen  so  ausgezeichneten 
„Offizier  in  seiner  Mitte  zu  haben,  der  den  Ruhm  desselben  auf 
„solche  Weise  erhebt.  Erfreut  war  ich  nicht  minder  darüber,  dass 
„Ihnen  eine  öffentliche  Anerkennung  Ihres  Verdienstes  durch  den 
„Kommandirenden  Feldmarschall  Fürst  Windisch-Grätz  zu 
„Theil  wurde  durch  Ihre  Beförderung  zum  Hauptmann.  Mögen  Sie 
„stets  fiberzeugt  sein  meiner  aufrichtigsten  Hochschätzung." 

, Ebenzweier,  5.  November  1848. 

„ Erzherzog  Maximilian.' 

So  wie  den  Major  Graf  So  ro  bei  Kolin  als  seinen  ersten 
Theresien-Ordensritter,  zählt  das  Regiment  den  Kapitän-Lieutenant 
Paar  mit  Stolz  zu  seinem  ersten  Ritter  der  eisernen  Krone. 

Die  Kanonade,  auf  welche  sich  der  Kampf  bis  Nachmittag  be- 
schränkte, war  sehr  heftig.  Die  Umsturzpartei  in  Wien  schöpfte 
neue  Hoffnung,  die  meisten  Fahnen  verschwanden  und  von  allen 
Thörmen  heulten  die  Sturmglocken:  der  Sieg  der  Ungarn  wurde 
allenthalben  publizirt  und  die  Bevölkerung  zum  Widerstande  terrorisirt. 
In  Folge  dessen  begann  das  Feuer  gegen  die  Truppen,  welche  in 
friedlicher  Absicht  gegen  Wien  vorrückten. 

Die  Grenadier -Division  marsehirte  nacli  Schönbrunn,  passirte 
das  Schlott,  rückte  nach  Rustendorf,  besetzte  die  Gassen  in  Fönf- 
und  Sechshaus  und  endlich  die  Ausgänge  gegen  Wien.  Die  ungarische 
Armee  war  gegen  Abend  geschlagen  und  im  vollen  fluchtartigen 
Rückzüge;  nur  die  einbrechende  Nacht  rettete  sie  vor  einer  totalen 
Niederlage,  welche  durch  die  grosse  Zahl  der  österreichischen  vor- 
trefflichen Kavallerie  so  leicht  gewesen  wäre. 

Der  grösste  Theil  der  Bevölkerung  Wien's  wollte  sich  nun 
ergeben,  aber  es  herrschte  Anarchie  und  wilde  Rotten  drohten  die 
kaiserliche  Burg  und  andere  Gebäude  den  Flammen  Preis  zu  geben. 
Auf  die  bestimmte  Drohung  des  Feldmarschalls,  den  Angriff  auf 
die  Stadt  zu  eröffnen,  wenn  sie  bis  2  Uhr  am  31.  Oktober  nicht 
fibergeben  würde,  erbat  sich  der  Gemeinderath  eine  Verlängerungs- 
frist  bis  den  folgenden  Tag,  was  unter  der  Bedingung  zugestanden 
wurde,  dass  sofort  das  Schiessen  eingestellt  werde.  Da  aber  der 
Gemeinderath  gar  keine  Macht  besass  und  das  bewaffnete  Proletariat 
und  insbesondere  viele  Fremde  erklärten,  sich  eher  unter  den  Trüm- 
mern Wien's  begraben  zu  lassen,  blieb  wohl  dem  Feldmarschall 


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1  ^4^i 


527 


nichts  flbrig  als  dio  Erstürmung  der  Stadt  zu  befehlen.  LTm  3  Uhr 
wurde  der  Angriff  von  den  Truppen,  welche  bereits  die  Vorstädte 
durchzogen  hatten,  begonnen,  fanden  überall  nur  unbedeutenden 
Widerstand  und  um  5  Uhr  war  die  Stadt  militärisch  besetzt;  der 
heklagenswerthe  Aufstand  hatte  sein  Endo  erreicht. 

Die  Regiments  -  Geschichte  hat  die  Vorfälle  der  Grenadier- 
Division  etwas  ausführlicher  beleuchtet,  weil  dieselben  sehr  entstellt, 
meistens  unrichtig  bekannt  geworden  waren.  Die  hier  Aufgezeichneten 
sind  vollkommen  richtig  und  nur  aus  offiziellen  Akten  und  Mit- 
theilungeu  von  Männern  von  Ehre  geschöpft. 

Am  1.  November  nahm  die  Grenadier- Division  Stellung  bei 
Casa  picola  und  entsendete  ein  Detachement  in  die  Salzgries-Kaseme, 
um  die  dort  zurückgelassenen  Effekten  und  Bagagen  der  Offiziere 
und  Mannschaft  abzuholen.  Diese  Sendung  war  nutzlos,  denn  das 
Proletariat  hatte  alles  geraubt. 

Am  folgenden  Tage  wurde  den  Truppen  der  nachstehende 
Armee -Befehl  publizirt: 

„Die  für  die  Erhaltung  der  Monarchie  durch  den  vortrefflichen 
„Geist,  die  Entschlossenheit  und  Ausdauer  der  hier  vereinten  Tmppen 
„erreichten  glänzenden  und  bedeutungsvollen  Resultate  machen  es 
„mir  zum  wahren  Bedürfnisse,  Euch  tapferen  Kämpfern  für  die  ge- 
heiligten Rechte  unseres  Monarchen,  für  die  Ruhe  und  Sicherheit 
„des  redlichen  Staatsbürgers,  hiemit  aus  dem  Grunde  meines  Herzens 
.die  gebührende  Anerkennung  Euerer  schönen  Thaten  auszudrücken 
„und  Euch  zuzurufen:  „„Ich  Inn  stolz  an  Euerer  Spitze  zu  stehen 

„Hetzendorf,  2.  November  1848. 

„Fürst  Windisch -Gr  ätz  m.  p.,  Feldmarschall.  * 

Hauptmann  Josef  Brandmayer  starb  nach  unsäglichen 
Schmerzen  an  der  erhaltenen  Schusswunde  am  4.  November  im 
Spitale  der  barmherzigen  Brüder.  Sehr  treffend  sagt  der  Befehl  des 
Militär  -  Kommandanten  in  Triest:  „Mit  besonderer  Befriediguncr 
„muss  ich  hervorheben,  dass  die  Grenadier  -  Kompagnie  Deutsch- 
meister, die  am  6.  Oktober  im  Kriegsgebäude  die  Wache  hatte, 
„durch  besonderes  herzhaftes  Benehmen  sich  vollkommen  rehabilitirte. 
„Der  Kommandant  derselben  liess  an  einer  Barrikade  der  Jägerzeile 
„zur  Sühnung  der  ihm  allenfalls  an  jenem  verhängnissvollen  Tage 
„treffenden  Schuld  sein  Leben." 


52* 


1K4S. 


An  demselben  Tage  als  in  Wien  der  Aufstand  niedergeworfen 
wurde,  erhob  derselbe  in  Lemberg  sein  Haupt.  Ein  geringfügiger 
Anlass,  nämlich  eine  Balgerei  zwischen  einem  Artilleristen  und 
Nationalgardisten  am  Abend  des  l.  November,  gaben  der  Umsturz- 
partei die  erwünschte  Gelegenheit  mit  den  Waffen  in  der  Hand 
aufzutreten.  Es  kam  zu  einem  Angriffe  gegen  die  Artillerie-Kaserne 
und  gegen  10  Uhr  riefen  Allarmschusse  die  Garnison  unter  die 
Waffen.  Das  Regiment  rückte  vor  das  Generalkommando -Gebäude 
und  sendete  von  hier  die  Kompagnien  auf  die  schon  bestimmten 
Posten  ab.  Die  dritte  Division  besetzte  das  Verpflegsamt,  die  neunte 
Kompagnie  die  Frohnfeste;  die  zweite  Division  stellte  sich  unter 
Hauptmann  Längsfeld  längs  dem  Wiener  Kaffeohause  mit  der 
Front  gegen  das  Gubcrnium  auf.  Die  übrigen  Kompagnien  besetzten 
die  Ostseite  der  Stadt,  Oberlieutenant  Guerard  kam  mit  zwei 
Zügen  zur  Kanonenbedeckung  auf  dem  Wall,  ebenso  rechts  von  ihm 
Hauptmann  Wallnüfer  mit  der  sechsten  Kompagnie,  während 
vier  Kompagnien  das  Postgebäude  und  das  Karmeliter  -  Kloster  be- 
setzten. In  diesen  Stellungen  blieb  die  Truppe  die  ganze  Nacht 
unter  dem  Gewehr.  Im  Innern  der  Stadt  wurden  Barrikaden  gebaut 
und  an  verschiedenen  Punkten  auch  auf  die  kaiserlichen  Patrouillen 
gefeuert. 

Parlamentäre  erschienen  beim  Kommandirenden  F.-M.-Lt 
Baron  Hammerstein,  um  eine  gütliche  Vermittlung  mit  dem 
Nationalgarde  -  Kommandanten  vorzuschlagen,  welche  angenommen 
und  die  strengste  Untersuchung  des  bei  der  Artillerie  -  Kaserne  vor- 
gefallenen Excesses  zugesagt  wurde.  Um  7  Uhr  morgens  begann  das 
Civil  die  Barrikaden  einzureissen.  was  von  den  Truppen  mit  nicht 
zu  bemeisternden  Lebehochrufen  aufgenommen  ward,  denen  dann 
die  Absiugung  der  Volkshymne  folgte.  Es  hatte  den  Anschein  als 
wenn  die  Sache  ohne  Blutvergiessen  abgehen  sollto  und  schon  erhielt 
das  Regiment  den  Befehl,  nach  Wegiäumung  der  Barrikaden  in  die 
Kaserne  einzurücken. 

Die  zahlreich  in  Lemberg  anwesenden  Emigranten,  welche  sich 
nach  dem  raisslungenen  Aufruhr  in  Krakau  hieher  begeben  hatten, 
thaten  nun  alles  Mögliche,  um  den  Aufstand  doch  in's  Leben  zu 
rufen.  Leider  Hessen  sich  mehrere  Hitzköpfe  von  diesen  Leuten  ver- 
leiten, und  anstatt  die  Barrikaden  zu  zerstören,  fing  man  an,  neue 
zu  bauen,  auch  wurde  ganz  plötzlich  auf  die.  Patrouillen  und  auf 


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1*4«. 


520 


die  Division  vor  dem  Guberniiim  geschossen,  was  aber  diese  mit 
einer  vollen  Decharge  erwiderte.  Von  allen  Seiten  mit  Barrikaden 
eingeschlossen,  zog  sich  die  Division  in  das  Innere  des  Gubemiuras 
zurück  und  traf  alle  Anstalten  zur  Vertheidigung. 

Der  kommandirende  General  vermied  den  Strassenkampf,  und 
liess  die  Stadt  bombardiren.  Um  10  Uhr  begann  das  Feuer  aus  allen 
Geschützen  und  schon  um  12  Uhr  wehte  die  weisse  Fahne  als 
Zeichen  der  Unterwerfung  auf  dem  Rathhausthurme,  worauf  das 
Feuer  sogleich  eingestellt  wurde.  Es  erschien  eine  Deputation,  welcher 
eine  Frist  zur  sofortigen  Unterwerfung  bis  2  Uhr  bewilligt  wurde. 
Nachdem  aber  das  Feuer  nicht  eingestellt  wurde,  begann  das  Bom- 
bardement aufs  Neue  und  nun  so  energisch,  dass  bald  mehrere 
Gebäude  in  hellen  Flammen  standen.  Erst  jetzt  kam  die  Kapitulation 
zu  Stande,  deren  Bedingnisse  die  Ablegung  der  Waffen,  Ausweisung 
saramtlicher  Emigranten  aus  den  österreichischen  Staaten  u.  a.  m. 
enthielten.  Nach  eingetretener  Ruhe  marschirten  die  Tnippcn  in  die 
Stadt  und  besetzten  die  Plätze  und  öffentlichen  Gebäude,  von  wo 
sie  dann  am  folgenden  Tage  in  ihre  Kasernen  einrückten.  An  diesem 
Tage  wurde  aus  einem  Hause  in  der  Nähe  des  Generalkommando"^ 
auf  vorübergehende  Soldaten  geschossen.  Oberlieutcnant  v.  Fröh- 
lich nahm  mit  der  halben  12.  Kompagnie  dieses  Haus  mit  Sturm 
und  arretirte  dessen  Bewohner.  Die  Gemeinen  Michael  Karibuck 
und  Franz  Döller  wurden  wegen  ihrem  muthigen  Benehmen  auf 
Patrouille,  wobei  der  letztere  drei  National -Gardisten,  die  ihn  mit 
den  Waffen  in  der  Hand  angegriffen,  niedergeschossen  hatte,  im 
Regiments -Tagsbefehl  belobt.  Der  Verlust  des  Regiments  bestand 
in  4  Verwundeten  vom  Feldwebel  abwärts. 

Bis  10.  November  hielten  die  Bataillons  strenge  Bereitschaft; 
dann  begann  der  gewöhnliche  Dienst  und  Ruhe  und  Ordnung  wurde 
nicht  weiter  gestört.  Ein  Generalsbefehl  hob  die  Leistungen  der 
Truppen  lobend  hervor,  auch  wurde  dem  Regiment  die  Zufriedenheit 
des  Erzherzogs  -  Inhaber  kund  gemacht. 

Die  Grenadier -Division  erhielt  am  14.  November  im  Verbände 
des  Bataillons  Martini  ihre  Eintheilung  in  die  Brigade  G.-M.  Liebler, 
Division  F.-M.-Lt.  Fürst  Schwarzenberg,  im  Reserve  -  Korps 
unter  F.-M.-Lt.  Duca  Serbelloni. 

Die  neunte  Division  in  Wr.  Neustadt,  welche  Ende  Oktober 
im  Streif- Kommando  des  Oberst  Horväth  zur  Aufrechthaltung 

34 


530 


1H4R. 


der  Ruhe  in  jener  Gegend  mitgewirkt  hatte,  war  nun  mit  dem  Ab- 
nehmen der  Wallen  in  den  nächsten  Ortschaften  beschäftigt,  was 
ohne  Anstand  vor  sich  ging.  Das  vierte  Bataillon  in  Teschen  hatte 
die  Hälfte  seiner  Mannschaft  fortwährend  auf  Kommandos  und 
Eskorten  kommandirt.  Die  20.  Kompagnie  unter  Hauptmann  Linke 
transportirte  eine  halbe  Raketen  -  Batterie  und  1000  Gewehre  mit 
der  Munition  nach  Teschen,  mit  welchen  das  gegen  Ungarn  bestimmte 
slovakische  Freikorps  zu  bewaffnen  war.  Dieses  Korps  unter  dem 
Agitator  H  n r  b a n ,  welchem  der  Oberstlieutenant  Frischeisen 
mit  vier  Kompagnien  des  Regiments  Nr.  30  und  ein  Flügel  Chevaux- 
legers  beigegeben  wurde,  sammelte  sich  am  23.  November  in  Teschen 
und  marschirte  dann  Aber  Jablunka  nach  Ungarn.  Die  21.  Kom- 
pagnie unter  Hauptmann  A  r  m  i  n  g  besetzte  zur  Unterstützung  dieser 
Kolonne  am  3.  Dezember  Jablunka,  sowie  die  eine  halbe  Stunde  vor- 
liegende Schanze  und  errichtete  hier  ein  Depot  mit  Waffen  und 
Lebensmitteln.  Lieutenant  Strnad  versah  bei  der  Kolonne  die 
Pionuier  -  Dienste. 

Am  2.  Dezember  1848  entsagte  Kaiser  Ferdinand  I.,  der 
Gütige,  zu  Gunsten  Allerhöchst  Seines  Neffen,  des  Erzherzogs 
Franz  Joseph,  des  Thrones. 

Erhebend  waren  die  Worte,  welche  der  scheidende  Monarch 
zu  seinen  Kriegern  sprach:  .Unserer  tapferen  Armee  sagen  Wir 
»dankend  Lebewohl!  Eingedenk  der  Heiligkeit  ihrer  Eide,  ein  Boll- 
werk gegen  auswärtige  Feinde  und  gegen  Verräther  im  Innern, 
.war  sie  stets  und  nie  mehr,  als  in  neuester  Zeit  eine  feste  Stütze 
»Unseres  Thrones,  ein  Vorbild  von  Treue,  Standhaftigkeit  und  Todes- 
verachtung, ein  Hort  der  bedrängten  Monarchie,  der  Stolz  und  die 
„Zierde  des  gemeinsamen  Vaterlandes.  Mit  gleicher  Liebe  und  Hin- 
»  gebung  wird  sie  sich  auch  um  ihren  neuen  Kaiser  schaaren!* 

Mit  der  hohen  Befriedigung,  welche  dieses  ehrende  Vertrauen 
hervorrief,  vernahm  die  Armee  dann  die  Stimme  ihres  jungen 
ritterlichen  Kaisers  Franz  Joseph  I..  welche  in  nachstehendem 
Erlasse  des  Kriegsministers  bekannt  gegeben  wurde. 

An  die  k.  k.  Armee: 

»Se.  Majestät  der  Kaiser  Franz  Joseph  der  Erste  hat 
»den  Thron  Seiner  Väter  bestiegen. 

»Indem  ich  dieses  durch  das  angeschlossene  Manifest  bekräftigte, 
»welthistorische  Ereigniss  der  tapferen  Armee  verkünde,  lasse  ich 
»die  Allerhöchsten  eigenen  Worte  hier  wiederholt  anfahren: 


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531 


..Von  Unserer  glorreichen  Armee  versehen  Wir  Uns  der  alt- 
bewährten Tapferkeit,  Treue  und  Ausdauer;  Sie  wird  Uns,  wie 
.»Unseren  Vorfahren  ein  Pfeiler  des  Thrones,  dem  Vaterlande  und 
„„den  freien  Institutionen  ein  unerschütterliches  Bollwerk  sein." 

.Dies  sind  die  wenigen,  aber  inhaltreichen  Worte,  die  Seine 
„Majestät  der  jugendliche  Kaiser  an  uns  gerichtet;  eine  weitere 
„Erklärung  derselben  kommt  mir  nicht  zu,  die  unerschütterliche 
„Treue  der  Armee  ist  unbestritten,  sie  belebt  die  biedern  Herzen 
„aller,  bewährte  sich  stets  durch  Thaten  und  bedarf  weiterer  Worte 
„nicht. 

„In  einem  feierlichst  abzuhaltenden  Te  Deum  wird  es  an  uns 
„sein,  den  Allmächtigen  zu  bitten,  damit  er  uns  die  Kraft  verleihe, 
„unserem  neuen  jugendlichen  Herrn  bei  Vollführung  der  grossen 
„Aufgabe,  als  jene  unerschütterliche  Stütze  zu  dienen,  welche  die 
„Zeitverhältnisse  mehr  denn  jemals  erfordern. 

„Kremsier,  am  2.  Dezember  1848. 

„Cordon  m.  p.,  Generalmajor,  Kriegsrainister.* 

Unterm  10.  Dezember  erliess  Se.  Majestät  nachstehendes  Aller- 
höchstes Handbillet  an  den  Kriegsmiuister: 

„Die  vieleu  Beweise  von  Treue,  Hingebung  und  Tapferkeit, 
»durch  welche  sich  Meine  Armee  als  die  wahre  Stütze  des  Thrones, 
„als  sicherer  Hort  der  Ordnung  und  Gesetzlichkeit  jederzeit  bewährt 
„hat,  veranlassen  Mich,  derselben  ein  erstes  Denkmal  Meines  unbe- 
„  dingten  Vertrauens  dadurch  zu  geben,  dass  Ich  gleich  Meinen 
„erhabenen  Vorfahren,  alle  Generale,  Stabs-  und  Oberoffiziere,  sowie 
„die  gosammte  Mannschaft  von  der  bei  Thronbesteigungen  sonst 
„üblichen  eigenen  Eidesabiegung  entbinde  und  hiemit  lediglich  auf 
»ihre  aufhabende  Eidespflicht  verweise,  welches  Meinem  gesammten 
»Heere  in  allen  Sprachen  bekannt  zu  geben  ist.* 

Während,  wie  früher  erwähnt,  die  21.  Kompaguie  in  Jablunka 
Stellung  genommen  hatte,  rückte  die  Kolonne  des  Oberstlieutenant 
Frischeisen  am  1.  Dezember  in  Ungarn  ein  und  marschirte  nach 
einem  imbedeutenden  Gefechte  über  Csucsa  nach  NeustadÜ.  Die 
21.  Kompagnie  wurde  nun  nach  Csucsa  beordert  und  hatte  nach 
ihrem  Eintreffen  einen  sehr  angestrengten  Dienst,  da  der  Angriff 
durch  feindliche  Nationalgarden  avisirt  war.  Frischeisen  rückte 
am  11.  von  Neustadtl  nach  Sillein  und  lieferte  hier  dem  Feinde  ein 

H* 


532  184«. 

glückliches  Gefecht.  Trotz  dem  musste  er  sich  ans  dieser  exponirten 
Stellung  nach  Csncsa  zurückziehen,  da  ihm  jeder  Rückhalt  fehlte. 
In  letzterem  Orte  blieb  dann  Hauptmann  Arming  mit  der  21.  Kom- 
pagnie noch  24  Stunden  als  Nachhut  stehen  und  folgte  dann  der 
Kolonne  nach  Jablunka,  welches  besetzt  wurde.  Major  v.  M  e  i  n  o  n  g 
sendete  die  22.  und  24.  Kompagnie  als  Unterstützung  in  diese 
Stellung,  welche  aber  vom  Feinde,  der  nur  bis  Csuesa  gefolgt  war, 
nicht  angegriffen  wurde. 

In  Teschen  rückte  dann  je  ein  Bataillon  der  Regimenter  Nr.  15 
und  03  ein,  auch  erhielt  das  vierte  Bataillon  einen  Ergänzungs- 
transport von  107  Mann  und  Aber  diese  Truppen  übernahm  General 
Götz  das  Kommando.  Als  dieser  General  neuerdings  vorzurücken 
beschloss,  wobei  das  vierte  Bataillon  nur  eine  Aufnahmsstellung 
beziehen  sollte,  baten  zwei  Korporale  im  Namen  des  Bataillons  auch 
in  den  Kampf  geführt  zu  werden.  In  Folge  dessen  besetzte  eine 
Division  bei  der  Vorrückung  Jablunka,  eine  zweite  Csucsa,  wohin 
sie  mit  Vorspann  gebracht  wurde,  während  nur  die  dritte  in  Teschen 
verblieb. 

Auch  die  Hauptarmee,  bei  welcher  sich  die  Grenadiere  im 
Bataillon  Martini  im  Reserve-Korps  befanden,  eröffnete  gegen  Mitte 
Dezember  die  Campagne.  Am  14.  Dezember  rückte  dieses  Bataillon 
aus  dem  Standquartiere  ab  und  bezog  ein  Lager  bei  Fischamend, 
am  15.  bei  Prellenkirchen.  Die  Armee  überschritt  die  Leitha  und 
zog  in  Pressburg  ein,  welches  der  Feind  ohne  Widerstand  verlassen 
hatte.  Wegen  der  strengen  Kalte  verliess  das  Reserve  -  Korps  das 
Lager  bei  Prellenkirchen  und  bezog  Kantonnirungen,  in  welcher 
dasselbe  bis  23.  verblieb,  an  welchem  Tage  die  Brigade  Liebler 
aufbrach,  bis  Sandorf  marschirte,  hier  den  24.  rastete,  den  25. 
nach  Zanek,  26.  nach  Hochstrass  und  am  27.  gegen  Raab  vorrückte. 

Diese  Stadt  hatte  der  Feind  stark  besetzt  und  mit  bedeuten- 
den Verschanzungen  umgeben.  Die  Vorrückung  geschah  daher  am 
27.  in  voller  Gefechtsbereitschaft.  Nachdem  das  erste  Korps  ober 
der  Stadt,  das  zweite  unter  derselben  die  Raab  passirt  hatten  und 
somit  der  Rückzug  des  Feindes  bedroht  war,  verliess  derselbe  eiligst 
alle  seine  festen  Positionen  ohne  den  geringsten  Widerstand  zu 
leisten  und  zog  sich  mit  dem  Haupttheile  gegen  Komorn,  während 
der  geringere  Theil  auf  der  Fleischhauerstrasse  nach  Ofen  retirirte. 
Als  der  Feldmarschall  an  der  Spitze  des  Reserve  -  Korps  gegen  die 


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1H48. 


533 


Rähnitz  und  danu  gegen  Raab  vorrückte,  war  der  Feind  schon  ab- 
gezogen und  die  kaiserlichen  Truppen  (Brigade  Liebler)  besetzten 
ohne  Anstand  die  Stadt  Raab,  welche  abends  illuminirte. 

Da  der  Feldmarschall  die  Nachricht  erhielt,  dass  ein  feind- 
liches Korps  auf  der  Fleischhauerstrasse  anrücke  und  bei  Babolna 
lagern  werde,  entsendete  er  noch  in  der  Nacht  auf  den  28.  die 
Kavallerie -Brigade  Ottinger  in  jene  Gegend,  um  den  Feind  zu  Ober- 
fallen. Früh  den  28.  erschallte  aus  der  Ferne  Kanonendonner  und 
schon  Mittag  wurde  bekannt,  dass  Otting  er  dem  Feind  ein  sehr 
günstiges  Gefecht  geliefert  und  gegen  600  Mann  eines  über- 
gegangenen Regiments  von  den  tapferen  Kürassieren  zusammen- 
gehauen worden. 

Das  zweite  Korps  marschirte  gegen  Komorn,  das  erste  unter 
Banus  Jelacic  gegen  Stuhlweissenburg ,  das  Reserve -Korps 
rückte  auf  der  Fleischhauerstrasse  vor  und  die  Brigade  Liebler 
erreichte  am  31.  Dezember  Böny.  Die  Witterung  war  sehr  günstig, 
immer  trockene  Kälte  und  sehr  heitere  Tage;  die  Truppen  wurden 
gedrängt  bequartirt. 

Major  Schlemüllcr,  Kommandant  des  dritten  Bataillons  in 
Triest,  hat  sich  durch  einen  Fall  so  stark  beschädigt,  dass  Haupt- 
mann Schifter  ad  interim  das  Kommando  übernehmen  rausste; 
das  Landwehr- Bataillon  stand  wie  früher  in  Verona. 

An  bemerkeuswertheu  Aenderungen  in  der  Armee  im  Jahre 
1848  sind  anzuführen:  die  Bewilligung  des  Tragens  der  Schnurbärte 
für  Stabs-  und  Oberofliziere  mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom 
5.  April;  die  Abschaffung  der  Feldwebels-Röhre  und  Korporals- 
Stöcke,  dafür  die  Einführung  der  weisswollenen  Litzen  an  den 
Krügen,  welche  dann  auch  die  Offiziere  nach  den  Knöpfen  von 
Gold  und  Silber  erhielten,  die  Benennung  der  Unterolfiziere  mit 
„Sie"  statt  dem  bisherigen  „Er*  mit  Allerhöchster  Erschliessung 
vom  18.  April  und  endlich  die  Einführung  der  Säbel  statt  den  bis- 
herigen Degen  bei  den  Offizieren  der  deutschen  Infanterie-Regimenter 
mit  Allerhöchster  Entschliessuug  vom  22.  April  1848. 


534 


1840. 


•  1849. 

Laut  Eintbeilungs  -  Liste  für  den  Monat  Jänner  1849  bestand 
das  Offiziers-Korps: 

Oberst-Inhaber  Erzherzog  M  a  i  i  m  i  1  i  a  n  Josef  d'Este,  F.-Z.-M.  Hoch-  and 
Deutschmeister. 

Oberst,  Regiments-Kommandant  Franz  Warlich  von  Bubna. 
Oberstlieutenant  Friedrich  Baron  Merville,  Franz  Hranacky. 
Major  Ferdinand    8ch lern ül ler,   Ferd.  Rossi.   Anton  Meinong 
v.  Handschuchsheim,  Wilhelm  Ritter  von  Merten. 
Kaplan  Franz  Peer. 
Arzt  Dr.  Franz  I  nger. 
Auditor-Hauptmann  Johann  H  i  n  e  i  ■  8. 
Rechnungsführer  Hauptmann  Wenzel  F  r  i  e  d  1. 
Adjutant  Oberlieutenant  Franz  F  a  b  r  i  c  i. 

Bataillons-Adjutant  Lieutenant  Gustav  Baron  Schweikhardt,  Friedrich 
Kühne,  Ferdinand  Much,  Eduard  Enthoffor,  Edmund  v.  Karwinsky. 


1 

Hauptmann 

Lieutenant 

«a 

CQ 

o 

Ober- 

1.  Klasse 

•    2.  Klasse 

adier- 

L 

Ludwig  Lechner 

Johann  Catty 

Hermann  v.  Lill 

s 

Ol 

B 
CS 

2. 

Ferdinand  Paar 

Karl 
Br.  Grainger 

Anton 
Horatscheck 

1. 

Adolf  Microis 

Anton  Kapiller 

Karl  Schrömmer 

Eugen 
Ruczizka 

2 

Augast  v.Amberg 

Theodor 
Br.  Riesenfels 

Franz  Schwarz 

Rudolf  Alxer 

09 

m 

au 

3. 

Rudolf 
Längsfeld 

Eduard 
v.  Wolfenburg 

Eduard  Schwarz 

Johann 
Drakulich 

c 
m 

4. 

Josef  Pruokcr 

Eduard 
v.  Eliatschek 

.losef  Helmich 

Johann 
v.  Kostecky 

5. 

Casimir 
Br.  Liitgendorf 

Adolf  Catty 

Heinrich  Kutzer 

Kaspar 

Br.  Riesenfels 

ti. 

August 
Wallnöfer 

Jokann 
Chcv.  Gerard 

- 

Mathias 
Lukasseck 

Georg  Meissl 

7. 

Friedrich 
WuBsin 

Franz  WolfT 

Adolf  du  Rieux 

Ludwig 
v.  Rosenkranz 

weites 

8. 

Gustav  Schuster 

Eduard  Lyucker 

Ludwig 
Rumpelmayer 

Karl  Jaiiski 

i 

|7 

1 

Friedrich  Benda 

Friedrich 
Tichatseheck 

Wilhelm  v.  Weil  Robert  Englisch 

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184'J. 


535 


1 

* 

aa 

|  Komp.  1 

Hauptmann 

Lieutenant 

Ober- 

1.  Klasse 

2.  Klasse 

■ 

10. 

Anton  Keller 

Wilh,  Hössner 

Hermann 
Kolleschowsky 

Ferdinand 
Hofmann 

1 

II. 

Ludwig  Dagnen 

Friedrich  Lohr 

Georg  Fürst 

Alois 
Haymerle 

s: 

12. 

Eduard  Kolb 

Ferdinand 
v.  Fröhlich 

Wilhelm 
Br.  8tockhardt 

Eduard  Loop 

— 

13. 

Josef  Schifter 

Wilhelm 
v.  Ekart 

Karl  v.  Tretter 

Josef  Putsalko 

14. 

Anton  Jose 

— 

Moriz  Adelmann 

Paul  Gleditsch 

OD 

lf>. 

Franz  Schwarz 

Friedrich 
Br.  Schweikhardt 

Christian 
Schmidt 

Heinrich 
Reinhold 

o 

16. 

Nikolaus  Baber 

Josef v.  Rickauer 

Anton 
v.  Högerstein 

Norbert  Albert 

17. 

Ludwig 

Dl  -      *  UgClBclilg 

Mathias 
Pfannenholz 

Adolf 
Effenberger 

Franz  Thomas 

18. 

Karl  Leithe 

Franz  Seraphin 

Josef  Leithncr 

Adolf  Vitzthum 

19. 

Rudolf  v.  Seau 

Matthäus  Gänger 

Nennel 

Ignaz 

Frommayer 

20. 

Johann  Linke 

Josef 
v.  Herruinenthal 

Anton  Triulzi 

Alfied 
v.  Lebin 

— 

21. 

Friedr.  Arming 

Leopold  Eckher 

Ladislaus 
v.  Mottusz 

Alexander 
Strnad 

> 

22. 

Andreas  Appel 

Adolf 
Effenberger 

Ernst 
Schwerdtner 

Anton  v.  Weil 

23. 

Max 
Br  Trxecinskv 

Viktor 
Gr.  Wengersky 

Ignaz  Kaiser 

Eduard  Aichner 

21. 

Moriz  Schlier 

Franz 
Vanderbank 

Franz 
v.  Czichowsky 

Alfred  firaf 
Aichelburg 

1. 

Karl 

Camillo  Contc 
Benincasa 

Georg  Geisslcr 

Andreas  Geiger 

2. 

Florid  Leeb 

Leopold 
Hai  ko  witsch 

Josef  Wiesinger 

Karl  Frisch 

1 

(1 

ja 

o> 

3. 

Nikolaus  Baber 

Philipp 
du  Rieux 

Josef  Liutz 

Martin  Türk 

o 

J3 

4. 

Johann  Koffler 

Willi.  Clement 

August  Kopp 

Ferd.  Ascher 

5. 

Josef  Bolletny 

Wilhelm 
v.  Kegeln 

Karl  Möcker 

Heinrich 
Spannberg 

6. 

Johann  Gillich 

Robert 
Br.  Ruebcr 

Heinrich 
Lahonsen 

Heinrich 
Hössler 

Supernumerär  Hauptmann  Johann  S  c  h  o  n  a  t.  Stand  7001»  Mann. 


530 


1S4!>, 


Das  Reserve -Korps  raarschirte  am  1.  Janner  1849  gegen  die 
Hauptstadt  Ungarns  auf  der  Fleischhauerstrasse  bis  Nagy-Igmänd. 
Da  das  zweite  Korps  auf  die  Aufförderang  zur  Uebergabe  Kornorns 
eine  abschlägige  Antwort  erhalten  hatte,  Hess  dasselbe  ein  Beobach- 
tungs -Korps  bei  Szöny  zurück  und  marschirtc  über  Nagy-Igmänd 
ebenfalls  gegen  die  Hauptstadt,  welchem  das  Reserve -Korps  über 
Kors  und  Schemling  am  2.  folgte. 

Ueber  die  Zustände  in  Ofen  hatte  man  keine  Nachrichten  und 
die  Armee  erwartete  unter  den  Mauern  der  alten  Königsstadt  auf 
ernsten  Widerstand  zu  stossen.  Aber  der  ungarische  Reichstag  hatte 
nach  der  Niederlage  der  ungarischen  Truppen  bei  Moor  die  Räumung 
von  Buda-Pest  und  den  Rückzug  des  grösseren  Theiles  seiner  Armee 
hinter  die  Sümpfe  der  Theiss  beschlossen.  In  der  Nacht  vom  4. 
auf  den  5.  wurden  daher  die  Städte  verlassen  und  am  Morgen  des 
5.  besetzte  ein  Theil  des  zweiten  Armeekorps  Ofen.  Das  Reserve- 
Korps  war  am  3.  bei  20  Grad  Kälte  bis  Saar,  am  4.  bis  Oedegg 
marschirt  und  rückte  am  5.  ebenfalls  um  1  Uhr  nachmittags  in 
Ofen  ein,  wo  das  Grenadier- Bataillon  Martini  in  der  Wasserstadt 
die  Quartiere  bezog. 

Der  Feind  hatte  sich  mit  einem  Theile  seiner  Streitkräfte  nach 
dem  Norden  gegen  die  Bergstädte  gezogen.  Zur  Verfolgung  des- 
selben rückte  am  7.  bei  hohem  Schnee  und  empfindlicher  Kälte  das 
zweite  Korps  aus  Pest  und  marschirte  nach  Duna-Keszi,  dann  am 
8.  nach  Waitzeu,  von  wo  ein  Theil  des  Korps  wieder  nach  Pest 
zurückkehrte  und  nur  eine  Division  unter  General  Csorich  die 
weitere  Verfolgung  fortsetzte. 

In  den  Karpatheu  rückte  am  5.  Jänner  Major  T  r  e  n  k  mit 
einer  Kompagnie  von  Nr.  24  und  der  23.  und  24.  von  Deutschmeister 
bis  Budatin  vor.  Lieutenant  S  t  r  n  a  d  leistete  wesentliche  Dienst« 
durch  den  raschen  Brückenschlag,  so  dass  das  Detacheraent  die 
Waag  überschreiten  und  am  9.  Sz.  Märton  besetzen  konnte.  Die 
20.  Kompagnie  marschirte  nach  Csucsa,  die  21.  Budatin,  die  22. 
nach  Neustadt.  Die  Mannschalt  wurde  in  dieser  kalten  Jahreszeit 
von  mancher  patriotischen  Sammlung  unterstützt.  Di«'  Stadt  Teschen 
sendete  70  Ii.,  die  erzherzoglichen  Beamten  03  11.  und  der  Kauf- 
mann B  u  t  s  c  h  e  k  in  Teschen  20  Stück  Wollstoffe. 

Das  erste  Feld- Bataillon  war  am  9.  Jänner  mit  der  Be- 
stimmung in  die  Bukowina  von  Lemberg  abmarschirt,  erhielt  aber 


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1H45J. 


537 


schon  am  11.  den  Befehl  Ober  Stryi  an  die  ungarische  Grenze  zu 
nicken.  Da  täglich  zwei  Stationen  zur  Zurücklegung  bestimmt  waren, 
wurde  das  Bataillon  täglich  eine  Station  mit  Vorspann  expedirt  und 
langte  so  schon  am  15.  in  Stryi  ein. 

In  Budatin  war  am  11.  Jänner  Feuer  ausgebrochen,  wobei 
sich  der  Korporal  Rechthaler  durch  seine  umsichtige  Leituug 
beim  Löschen  und  eigene  Handanlegung  so  vortheilhafte  auszeichnete, 
dass  nur  ihm  die  Erhaltung  des  Ortes  zu  danken  war. 

Am  15.  marschirte  die  21.  Kompagnie  bis  St.  Märton  vor  und 
wurde  unter  die  Befehle  des  Major  Trenk  gestellt.  Die  19.  Kom- 
pagnie rückte  nach  Csucsa  und  die  20.  nach  Neustadt. 

Lieutenant  Frommeyer  besetzte  am  16.  Jänner  den  Thurocser- 
.  Fass  Hess  die  Strasse  abgraben  und  Verhaue  anlegen. 

Am  17.  traf  die  mobile  Kolonne  bei  Mosocs  auf  den  Feind. 
Es  kam  zu  einem  Gelechte,  in  welchem  eine  Haubitze  erobert  und 
viele  Gefangene  gemacht  wurden.  Leider  fiel  1  Stabs-  und  1  Ober- 
ofllzier  nebst  27  Manu  in  Gefangenschaft,  welche  sich  durch  das 
Schwenken  mit  weissen  Tüchern  irre  leiten  Hessen.  Noch  in  der 
Nacht  wurde  lebhaft  gekämpft,  bis  der  Feind  sich  gegen  Kremnitz 
zurückzog.  Während  General  Götz  weiter  vorrückte,  erhielt  die 
12.  Division  den  Befehl  am  22.  Jänner  nach  Mosocs  zurück  zu 
marschiren,  um  den  Rücken  der  Kolonne  zu  decken.  Durch  das 
plötzlich  eingetretene  Thauwetter  war  die  Kisucsa  ausgetreten, 
daher  eine  halbe  Kompagnie  zur  Herstellung  der  Verbindung  Kadola 
besetzte. 

Die  22.  und  23.  Kompagnie  rückten  den  29.  gegen  Turany 
und  die  24.  den  30.  Jänner  nach  Krepelan,  um  in  der  Arva  und 
Liptau  die  Insurgenten  zurückzuweisen.  Bei  dem  Vorrücken  der 
22.  Kompagnie  über  Puran  war  Korporal  Michael  Prem  mit  einem 
Detachemeut  von  1  Gefreiten  und  15  Gemeinen,  an  welche  sich 
20  Freiwillige  unter  Leitung  des  Landsturmführers  Zach  an- 
geschlossen hatten,  bestimmt,  die  feindlichen  Vorposten  zu  um- 
gehen und  in  der  Flanke  anzugreifen.  Es  kam  bei  Kluknowa  in  der 
Zips  zum  Gefecht  mit  feindlichen  Vorposten,  auf  welche  diese  Ab- 
theilung stiess.  Bei  dieser  Gelegenheit  hat  sich  die  gesammte  Mann- 
schaft sehr  tapfer  und  entschlossen  betragen,  Korporal  Prem, 
Gefreiter  T  r  o  h  a  r  t  s  c  h  und  Gemeiner  Franz  K  o  b  e  r  wurden  be- 
sonders gerühmt.   Der  Feind  liess  3  Todte  und  1  Verwundete  am  • 


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538 


1H49. 


Platze,  während  das  Detaihement,  welches  noch  2  Gefangene  maehte, 
keinen  Verlust  erlitt. 

In  den  Monaten  Februar  und  März  wurden  die  Kompagnien 
des  vierten  Bataillons  vielseitig  zu  Detachirungen  verwendet,  ohne 
in  eine  feindliche  Gelegenheit  zu  kommen.  Im  Monat  April  waren 
die  Kompagnien  im  Trentschiner  Komitat,  in  der  Thurocz  und  Arva. 
Lieutenant  Purkini c,  welcher  mit  einem  Kommando  Waffen  nach 
Leopoldstadt  transportiren  sollte,  konnte,  da  überall  der  Feind  vor- 
drang, nicht  mehr  auf  dem  geraden  Wege  in  das  Trentschiner  Komitat 
gelangen,  entkam  aber  sehr  umsichtig  nach  Mähren  und  rflckte 
dann  in  Budatin  beim  Bataillon  wieder  ein.  Die  halbe  21.  Kompagnie 
unter  Oberlieutenant  Czichowsk y  war  am  7.  April  zur  Verstärkung 
nach  Kremnitz,  dann  die  vereinigte  21.  Kompagnie  am  15.  nach  Xeu- 
sohl  zum  Schutze  der  Kassen  marschirt.  Die  Kassen  von  Kremnitz  und 
Schemnitz  mit  grossen  Vorräthen  wurden  nacli  Wien  geschafft  und 
da  letzterer  Ort  schon  am  17.  in  die  Hände  des  Feindes  fiel,  so 
ging  die  21.  Kompagnie  am  2U.  April  mit  der  Kasse  von  Neusohl  nach 
St.  Märtou  zurück.  Immer  mehr  zeigten  sich  feindliche  Patrouillen, 
daher  alle  Detachirungen  einberufen  und  der  Kückzug  an  die  Grenze 
augetreten  wurde,  auf  welchem  die  21.  Kompaguie  die  Nachhut  bildete. 

Da  der  Feind  rasch  nachrOckte,  wurde  in  der  Nacht  auf  den 
22.  ein  Ueberfall  vorgenommen.  Der  Feind  bezweckte  dasselbe  und 
so  sticss  mau  morgens  2  Uhr  bei  dem  Dorfe  Pribowec  zusammen. 
Die  feindliche  Kavallerie  brach  durch  die  Infanterie  -  Kolonne,  ver- 
lor viele  Todte  und  Verwundete,  während  die  Infanterie  keinen  Ver- 
lust hatte.  Oberlieutenaut  Cziehowsky,  welcher  gute  Ordnung 
hielt  und  dem  Feinde  namhafte  Verluste  beibrachte,  wurde  vom 
Major  Trenk  ganz  besonders  belobt. 

Auf  die  Kuude  von  dem  Kückzuge  rückte  Major  v.  M  e  i  n  o  n  g 
mit  der  19.  und  20.  Kompagnie  zur  Sicherung  des  Waagüberganges 
bis  Budatin  in  Eilmärschen  vor.  Um  Umgehungen  zu  verhüten, 
detachirte  er  den  Lieutenant  Nenncl  mit  der  halben  Ii).  Kom- 
pagnie in  das  bei  Krasno  ausmündende  Thal;  die  andere  Hälfte 
rückte  nach  Csucsa  uuter  Hauptmann  v.  Seau  zur  Deckung  des 
Jablunka  -  Passes.  Ende  April  vereinigte  sich  das  vierte  Bataillon  in 
Budatin;  die  22.  Kompagnie  stand  in  Nedetz,  die  12.  Division  in 
Variu.  Ihnen  gegenüber  befand  sich  der  Feind,  welcher  Anstalten 
traf  bei  Varin  die  Waag  zu  überschreiten. 


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1849. 


530 


Am  1.  Mai  früh  5  Uhr  griff  der  Feind  mit  einer  bedeutenden 
Uebermacht  aller  Waffengattungen  die  Stellung  der  12.  Division 
lebhaft,  an.  Unter  dem  Schutze  eines  heftigen  Eanonenfeuers  rückten 
die  feindlichen  Huszaren  rasch  vor,  wurden  aber  an  dem  verharri- 
kadirten  Orte  so  lange  aufgehalten,  bis  sich  die  zum  Theile  bequartirte 
Mannschaft  gesammelt  hatte.  Obgleich  nun  die  Stellung  behauptet 
wurde,  musste  sich  die  Division,  um  nicht  abgeschnitten  zu  werden 
und  da  sie  keine  Unterstützung  zu  hoffen  hatte,  doch  zurückziehen. 
Oberlieutenant  Kapiller  formirte  eine  Tirailleurkette  und  deckte 
den  Rückzug  gegen  den  Feind,  welcher  unter  fortwährendem  Kanonen- 
und  Tirailleurfeuer  folgte.  So  erreichte  die  Division  im  steten  Kampfe, 
wobei  sich  alles  sehr  tapfer  hielt,  die  zu  ihrer  Aufnahme  vorgerückte 
11.  Division,  mit  welcher  vereint,  immer  vom  Feinde  gefolgt,  dann 
der  weitere  Rückzug  über  Nedest,  Hellan,  Moisz  und  Tepliczka  bis 
Csucsa  fortgesetzt,  wo  dann  um  1U  Uhr  abends  Stellung  genommen 
wurde.  Lieutenant  Nennel  liess  sogleich  die  Brücke  über  den 
Kisucsatiuss  abtragen  und  die  21.  Kompagnie  deckte  durch  eine 
gute  Aufstellung  die  von  dem  Gefechte  und  einem  Hstündigen 
Marsche  sehr  ermüdeten  Kompagnien. 

In  diesem  Kampfe  bei  Varin  waren  theils  gleich  todt,  theils 
in  Folge  Verwundung,  12  Mann  geblieben  (Gemeine  Johann  Karger, 
Thomas  Kübel  ka,  Anton  Schlich  tinger,  Eduard  Vall,  Franz 
Kattner,  Leopold  Schefböck,  Ferdinand  Guutersdorfer, 
Alexander  Bittner,  Gottfried  Seyfert,  Alois  Zangerl,  Johann 
Braunst  einer,  Alois  Müller)  23  waren  verwundet,  22  gefangen. 
Korporal  Michael  Neger,  Georg  Krenn,  Gemeiner  Josef  Filip, 
Josef  Hofmann,  Karl  Koblisch  haben  sich  durch  besonderen 
Muth  und  Entschlossenheit  ausgezeichnet.  Die  Gemeinen  Peter 
Eigner  und  Wenzel  Tichofsky  haben  im  Gefechte,  obwohl  ver- 
wundet, fortgekämpft  und  ihre  Kameraden  durch  Wort  und  Beispiel 
aufgemuntert  zum  tapferen  Kampfe. 

Am  2.  Mai  raarschirte  das  Bataillon  mit  den  übrigen  Truppen 
nach  Jablunka  und  verblieb  hier  bis  9.  in  Kantounirung. 

Am  folgenden  Tage  betrat  das  Bataillon  im  Vereine  mit  einer 
Kompagnie  von  Nr.  30,  zwei  von  Nr.  0,  einer  Division  Kflrassiere, 
einer  halben  Fuss-  und  einer  halben  Raketten- Batterie  abermals 
den  ungarischen  Boden  und  nickte  in  die  frühere  Stellung  an  der 
Waag.  Major  v.  M  e  i  n  o  n  g  blieb  mit  dem  linken  Flügel  in  Budatin. 


540 


1H4Ü. 


In  dieser  Zeit  zog  General  Benedek,  nach  ihm  F.-M. -Lt. 
Vogel  aus  Galizien  durch  die  Zips  über  Varin  nach  Sillein ;  am 
28.  traf  die  Brigade  Barco  ein. 

Das  erste  Feld  -  Bataillon  befand  sich,  wie  früher  erwähnt,  seit 
15.  Jänner  in  Stryi.  Bei  Gelegenheit  eines  ausgebrochenen  Feuers 
haben  sich  hier  der  Gefreite  Balthasar  W  i  e  s  e  r  und  Gemeiner  Felix 
Knopp  er  durch  aufopfernde  Entschlossenheit  und  edle  Menschen- 
freundlichkeit ausgezeichnet,  indem  sie  aus  dem  brennenden  Hause 
mit  der  höchsten  Gefahr  für  ihr  eigenes  Leben  eine  kranke  Jüdiu 
sammt  ihren  beiden  Kindern  dem  sicheren  Flammentode  entrissen. 

Gegen  Mitte  Februar  rückte  das  erste  Bataillon,  welches  sich 
in  der  Brigade  des  G.  -  M.  Barco  eingetheilt  befand,  an  die  Grenze 
Ungarns  vor.  Die  dritte  Kompagnie  Hauptmann  Längsfeld  kam 
hart  an  die  Grenze  nach  Welosianka,  um  den  dortigen  Pass  zu 
hfithen,  die  vierte  und  fünfte  Kompagnie  nach  Klinice.  500  Schritte 
vor  diesem  Orte  wurde  ein  einzeln  stehendes  Haus  mit  3G  Mann 
besetzt.  Lieutenant  Baron  Uiescnfcls  war  mit  45  Mann  in  Zupanich 
aufgestellt  und  sicherte  seine  Stellung  durch  Vedetten;  die  sechste 
Kompagnie  stand  in  Tucholk*,  welches  von  Klinice  durch  den  Lassa- 
Berg  getrennt  ist;  die  erste  und  zweite  Kompagnie  in  Skob  mit 
einer  kleinen  Abtheilung  in  Stryi.  Jede  Nacht  stiesseu  die  Patrouillen 
auf  feindliche,  worauf  sich  immer  ein  Plänklerfeuer  entspann. 

Am  27.  Februar  versuchte  der  Feind  die  äussersteu  Posten 
der  vierten  und  fünften  Kompagnie  auzugreifen  und  begann  schon 
auf  300  Schritte  ein  erfolgloses  Feuer.  Korporal  Krainel  sendet* 
kleine  Patrouillen  in  des  Feindes  Flanke,  rückte  mit  seinem  Piquet 
in  eine  Plänklerlinie  formirt  herzhall  dem  Feinde  entgegen  und 
trieb  ihn  mit  einigen  Schüsseu  in  die  Flucht. 

Am  folgenden  Tage  rückte  die  halbe  dritte  Kompagnie  unter 
Hauptmann  Längste ld  über  die  Grenze,  um  den  feindlichen  Posten 
in  Torouya  aufzuheben.  Auf  dem  Marsche  stiess  die  Avantgarde  im 
Dorfe  Prislub  auf  ein  feindliches  Piquet,  welches  aus  einem  Hause 
das  Feuer  eröfl'nete.  Korporal  Nostwitz,  welcher  die  Avantgarde 
führte,  nahm  dieses  Haus  mit  Sturm,  in  welchem  1  Unteroffizier 
und  3  Mann  getödtet,  3  verwundet  und  2  gefangen  wurden.  Gemeiner 
Maisch raiter  war  der  Tapferste  und  der  Erste  eingedrungen. 
Die  Feinde  in  Toronya  hatten  Nachricht  von  dem  Anrücken  der 
Truppe  erhalten  und  suchten  in  der  Flucht  ihr  Heil.  Hauptmann 


1849. 


541 


Längs  fei  d  fand  bei  seinem  Eintreffen  das  Nest  leer,  erbeutete 
aber  Waffen,  Munition  und  Lebensmitteln  und  kehrte  mit  diesen  in 
die  Station  zurück. 

Anfangs  März  wurde  die  isolirte  dritte  Kompagnie  durch  die 
zweite  verstärkt,  welche  drei  Züge  in  Intenkorate  und  den  Lieutenant 
Rolletsc bek  mit  dem  vierten  Zug  in  Operetz  aufstellte.  Am 
7.  März  um  10  Uhr  morgens  ruckten  beide  Kompagnien  gegen 
Wattowa,  um  diesen  Ort,  der  eine  Besatzung  von  300  Mann  haben 
sollte,  zu  fiberfalleu.  Der  Marsch  ging  über  die  Dörfer  Holatyn, 
Mayden  ohne  Hinderniss ,  trotz  des  tiefen  Schnee's  und  strenger 
Kälte  von  statten.  Um  3  Uhr  früh  langten  die  Kompagnien  die  zweite 
voraus  bei  Soyme  an.  Hier  hatte  der  Feind  seine  Piqnets,  welche 
sogleich  Feuer  gaben.  Lieutenant  Schwarz  als  Kommandant  der 
Avantgarde  Hess  dasselbe  erwidern,  als  der  Oberlieutenant  Baron 
Riesen  fei  d  erschien  und  sofort  zum  Sturme  kommandirte.  Diese 
beiden  Offiziere  eilten  kflhn  voraus ,  fiberschritten  den  einzigen 
Balken,  welchen  der  Feind  zu  seiner  Kommunikation  auf  der  Brücke 
liegen  gelassen  hatte;  die  Mannschaft  folgte  rasch  nach,  aber  der 
Feind,  begünstigt  durch  die  Dunkelheit  lief,  nach  Znrficklassung 
eines  Todten  und  eines  Verwundeten  nach  allen  Richtungen  aus- 
einander. Um  mit  dem  Feinde  zugleich  Wattowa  zu  erreichen,  rückten 
die  Kompagnien  unaufhaltsam  vorwärts,  und  als  sie  gegen  Tages- 
anbruch bei  diesem  Orte  anlangten,  hatte  der  Feind  denselben 
bereits  verlassen  und  eine  Stellung  auf  dem  südlich  gelegenen 
Gebirge  genommen.  Alles  war  derart  vom  Tbatendurst  und  dem 
Wunsche,  endlich  au  den  Feind  zu  kommen,  durchdrungen,  dass 
beide  Kompagnon  trotz  des  höchst  beschwerlichen  Nachtmarsches 
mit  bewundernswerther  Schnelligkeit  den  hohen  mit  Eis  bedeckten 
Berg  erstiegen.  Hier  empfing  sie  der  Feind  mit  einer  vollen  Lage 
aus  300  Gewehren,  aber  zum  höchsten  Spass  der  Deutschmeister 
war  auch  nicht  ein  Mann  getroffen.  Baron  Riesenfeld  an  der 
Spitze,  Hess  das  Feuer  nicht  erwidern,  sondern  stürmte  mit  der 
zweiten  Kompagnie  gegen  die  Bergspitze.  Der  Feind  wartete  den 
Kampf  mit  dem  Bajonnet  nicht  ab,  sondern  ergriff  die  Flucht.  Nun 
feuerten  die  Soldaten  fleissig  nach,  wodurch  der  Feind  viele  Leute 
verlor,  alles  von  sich  warf  und  sich  auf  das  Eiligste  den  Kugeln 
zu  entziehen  trachtete.  Gegen  zwei  Stunden  weit,  bis  zum  Dorfe 
Wihow,  wurde  die  Verfolgung  fortgesetzt  und  hier  ein  reissendes 


542 


1*49. 


Gebirgswasser  bis  zum  Oberschenkel  durchwatet,  welches  dem  Feinde 
viele  Leute  kostete,  die  hier  ertranken.  Nun  wurde  die  Verfolgung 
eingestellt  und  nach  Wattowa  zurfickmarschirt.  Der  Feind  Hess 
20  Todte  am  Platze,  15  wurden  gefangen;  viele  Gewehre,  Trommeln, 
Tornister,  Feldkesseln,  welche  die  Feinde  auf  der  Flucht  weggeworfen 
hatten  und  ein  Fass  mit  GOOO  Patronen  waren  die  Trophäen  der 
Sieger. 

Um  5  Uhr  nachmittags  marschirten  die  Kompagnien  nach 
Novaseiice  zurück,  da  vielseitig  die  Nachricht  einlief,  dass  der  Feind 
mit  bedeutenden  Streitkräften  anrflckc.  Der  Rückmarsch  war  mit 
sehr  vielen  Beschwerlichkeiten  verbunden,  da  durch  das  an  diesem 
Tage  eingetretene  Thauwctter  die  Gcbirgsbäehc  bedeutend  anschwollen, 
welche  durchwaten  werden  mnssten,  daher  auch  die  Kompagnien 
erst  am  folgenden  Tage  5  Uhr  frfth  Novaseiice  erreichten.  Im 
Gefechte-  hatten  sich  hervorragend  ausgezeichnet:  Oberlieutenant 
Baron  Riesenfels  und  Lieutenant  Schwarz,  Feldwebel  Boyn- 
ger,  Kadet  Hofmann,  Korporal  Planer,  Gefreiter  Wieser  und 
Wächter,  Gemeine  Lei  bl,  Bachmeier,  Schmidt,  Willinger, 
Staudinger,  Burkhardt,  Krassel  und  Rainlander. 

Ueber  den  Bericht  des  Brigadier  General  Barco  hat  sich  der 
kommandirende  General  Baron  Hammerstein  mit  Prasidial-Krlass 
vom  15.  sehr  belobend  für  die  bewiesene  Bravour  ausgesprochen 
und  besonders  den  Kommandanten  der  Expedition,  Kapitänlieutenant 
L  ä  n  g  s  f  e  1  d  und  dann  den  Oberlieutenant  Baron  R  i  e  s  e  n  f  e  1  s  und 
Lieutenant  Franz  Schwarz  anerkennend  genannt. 

Am  16.  erhielt  die  Division  die  Mittheilung,  dass  der  Feind 
beabsichtige,  Aber  Holadin  einen  AngritT  auszuführen.  Die  Kom- 
pagnien rückten  um  0  Uhr  abends  aus  den  Quartieren  und  kampirten 
kampfbereit  am  Eingange  des  Passes  im  hohen  Schnee  und  bei 
eisiger  Kälte  bis  6';2  Uhr  früh.  Da  sich  nichts  vom  Feinde  zeigte, 
blieb  eine  halbe  Kompagnie  stehen,  während  die  übrigen  Abtheilungen 
in  die  Quartiere  zurückkehrten.  Gegen  11  Uhr  mittags  wurde  diese 
halbe  Kompagnie  plötzlich  von  drei  Seiten  mit  Uebermacht  an- 
gegriffen, und  um  nicht  abgeschnitten  zu  werden,  zog  sie  sich  eiligst 
fechtend  zurück.  Die  Mannschaft,  zu  zwei  und  drei  im  Orte  bequartiert, 
der  beinahe  eine  halbe  Stunde  lang  war,  griff  rasch  zu  den  Waffen 
und  eilte  auf  die  Gasse.  Aber  schon  waren  die  Feinde  eingedrungen 
und  rückten  rasch  vor.  Oberlieutenant  Baron  Riesenfels  sammelte 


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1S49. 


543 


mehrere  Leute  und  setzte  am  Ende  des  Ortes  dem  Feinde  kräftigen 
Widerstand  entgegen,  obgleich  er  von  drei  Seiten  heftig  beschossen 
wurde.  Mittlerweile  hatteu  sich  die  zurückeilenden  Leute  am  Ein- 
gange der  Thalschlucht  um  ihre  Offiziere  gesammelt  und  hielten 
hier  nun  wacker  Stand.  Ein  feindlicher  Huszaren- Offizier,  welcher 
mit  seinen  Huszaren  einbauen  wollte,  wurde  saramt  Pferd,  ebenso 
der  ihm  am  kühnsten  gefolgte  Huszar  erschossen.  Diese  todten  Pferde 
bildeten  einen  guten  Wall,  welchen  die  Leute  sofort  benützten  und 
hinter  denselben  gedeckt  fleissig  auf  die  Feinde  feuerten.  Besonders 
unerschrocken  bewies  sieb  bei  dieser  Gelegenheit  Feldwebel  Boyn- 
ger  und  Kubasta,  welch'  letzterer  von  der  anderen  Seite  der 
Thalschlucht  durch  Tirailleurfeuer  gerade  den  Feind  noch  aufhielt, 
als  Baron  Riesenfcls  ebenfalls  in  die  Schlucht  gelangen  wollte. 
Um  3  Uhr  nachmittags  kam  die  Truppe  nach  einem  sehr  geringen 
Verlust,  1  Vermis8ter  und  3  Verwundete  auf  den  Beskid,  welcher 
Galizien  von  Ungarn  scheidet.  Hier  nahm  die  Truppe  Stellung  und 
erhielt  den  Befehl,  diese  auf  das  Hartnäckigste  zu  vertheidigen. 
Im  hohen  Schnee  und  bei  12  und  mehr  Graden  Kälte,  heftigen 
Wind  und  unausgesetztem  Schneegestöber  stand  hier  die  Division 
am  18.,  19.  und  20.  März  im  Bivonak. 

Lieutenant  Schwarz  hatte  am  10.  März  mit  59  Mann  das 
1  '/i  Stunden  östlich  von  Novaseiice  gelegene  Dorf  Toronya  besetzt, 
um  die  linke  Flauke  der  Division  zu  decken.  Am  17.  machte  der 
Lieutenant  mit  5  Mann  eine  Streifung  gegen  das  nächste  Dorf  und 
traf  auf  dem  halben  Wege  mit  einer  im  Vorrücken  begriffenen 
feindlichen  Kolonne  zusammen,  deren  Avantgarde  stehen  blieb  und 
das  Feuer  eröffnete.  Diesen  Umstand  benutzte  der  Lieutenant,  um 
eiligst  zurückzukehren  und  eine  Verteidigungsstellung  vor  Toronya 
zu  nehmen.  Um  12  Uhr  mittags  rückte  der  Feind  in  der  Stärke 
von  200  Mann  an,  zog  sich  jedoch  nach  einem  kurzen  Geplänkel, 
in  welchem  er  3  Tode  verlor,  wieder  zurück  ohne  verfolgt  zu  werden, 
da  die  gute  Position  nicht  zu  verlassen  war.  Um  G  Uhr  abends  er- 
schien der  Feind  von  Neuem,  besetzte  das  Terrain  gegenüber  des 
Dorfeinganges  und  nun  entspann  sich  ein  Tirailleurgefecht,  welches 
eine  halbe  Stunde  währte.  Da  dieses  jedoch  zu  keinem  Resultate 
führte,  rückte  der  Feind  mit  einer  geschlossenen  Abtheilung  von 
beiläufig  100  Mann  zum  Sturme  vor.  Lieutenant  Schwarz  ging 
ihm  mit  dem  Reservezug  kühn  entgegen.  Hess  auf  kurze  Distanz 


544 


1K4». 


eine  Decharge  geben  und  warf  ihn  mit  dem  Bajonnet  zurück.  7  Todte 
und  schwer  Verwundete  bedeckten  den  Wahlplatz,  während  vom 
Detachement  nur  2  Mann  leicht  verwundet  waren. 

Der  Feind  zog  sich  weiter  zurück,  und  da  in  der  Nacht  1 1  Uhr 
der  mit  der  Meldung  nach  Novaseiice  gesendete  Bote  mit  der 
Nachricht  zurückkehrte,  dass  der  Feind  diesen  Ort  besetzt  und  auf 
Toronya  im  Anmärsche  sei,  marschirte  Lieutenant  Schwarz  mit 
seinem  braven  Detachement  um  4  Uhr  frflh  ab  und  rückte  über 
den  Beskid  nach  Wiszkow.  Hier  fand  er  eine  Abtheilung  Grenzwache, 
welche  sogleich  auf  Vorposten  auf  den  Beskid  gegen  Toronya  ge- 
sendet wurde,  um  dem  Detachement  einige  Kühe  zu  gönnen;  auch 
ging  die  Meldung  von  dem  Vorfalle  an  das  Brigade-Kommando  ab. 

General  Baron  Barco  beschloss  nun  den  Feind  in  den  ein- 
genommenen Orten  Novaseiice  und  Toronya  zu  überfallen.  Hiezu 
wurden  8  Kompagnien,  und  zwar  4  vom  Regiment  und  4  von 
Nr.  9  bestimmt.  Die  feindliche  Kolonne  zählte  2 — 3000  Mann  und 
hatte  ihre  Vorposten  an  dem  Gebirgsfuss  der  Beskiden  bis  auf  600 
Schritte  gegen  die  Truppen  der  Brigade  vorgeschoben,  welche  ihrer- 
seits die  Ucbergängo  bei  Klimetz,  Wolosianka  und  Wyszkow  be- 
setzt hielten. 

Um  7  Uhr  abends,  am  20.  Marz,  brach  die  Kolonne  auf. 
Oberstlieutenant  Baron  Her  Till  6  mit  der  dritten  und  sechsten 
Kompagnie  des  Regiments  und  der  14.  und  15.  von  Nr.  9  machte 
eine  Umgehung,  um  den  Feind  in  Toronya  zu  überfallen:  die  erste 
und  zweite  Kompagnie  unter  Hauptmann  Microi  s  hatte  den  Angritf 
auf  die  Fronte  zu  machen,  während  Lieutenant  Ekher  das  Dorf 
Studena  zur  Sicherung  der  linken  Flanke  mit  80  Mann  besetzte  und 
General  Barco  selbst  mit  50  Mann  des  Regiments,  unter  Lieutenant 
Schwarz  und  25  Mann  von  Nr.  0,  welchen  eine  Division  dieses 
Regiments  folgte,  von  Jelenkowce  über  Hlasowec,  längs  dem  so- 
genannten faulen  Bache,  zum  Angriffe  der  rechten  Flanke  des  Feindes 
bei  Novasei icc  vorrückte. 

So  ausgedehnt  diese  Disposition  war,  uud  bei  den  äusserst 
schwierigen  Terrainverhältnissen  nur  mit  grosser  Ausdauer  ausgeführt 
werden  kounte,  gelang  selbe  doch  vollkommen.  Bei  einem  furchtbaren 
Sturmwindo  und  Schneegestöber,  bis  über  die  Kniee  im  Schnee 
watend,  wurde  der  Marsch  über  die  4000  Fuss  hohen  Beskiden  auf 
Strecken,  durch  welche  kein  Weg  führte,  zurückgelegt.  Nach  1  Uhr 


1S49. 


545 


Mitternacht  langte  Oberstlieutenant  Merville  bei  dem  letzten 
Hause  des  jenseitigen  Theiles  von  Novaseiice  an.  Die  Umgehung 
war  vollkommen  gelungen;  das  erste  Piquet  wurde  ohne  Lärm  auf- 
gehoben, Niemand  ahnte  bei  diesem  Unwetter  einen  Ueberfall.  Die 
Piquete  gegen  die  andere  Seite  wurden  auch  überfallen,  theils  ge- 
langen oder  niedergemacht. 

Nun  liess  General  Barco  in  der  Fronte  angreifen.  Ober- 
lieutenant Baron  Kiesenfels  stürmte  mit  der  zweiten  Kompagnie 
voraus  in  den  Ort,  überrumpelte  das  Hauptpiquet  und  nahm  den 
Kommandanten  persönlich  gefangen.  Durch  den  Lärm  aufgeschreckt, 
flohen  die  Feinde  aus  den  Häusern,  trachteten  sich  zu  formiren, 
was  aber  die  im  Sturmschritte  vorrückende  Division  verhinderte  und 
selbe  an  das  Ende  des  Ortes  jagte,  wo  sie  Oberstlieutenant  Merville 
mit  der  Division  mit  gefälltem  Bajonnet  erwartete.  Viele  wurden 
niedergemacht,  ein  grosser  Theil  gefangen;  aber  durch  das  rasche 
Nachdringen  der  Division  war  die  andere,  welche  in  der  Dunkelheit 
Feind  vom  Freunde  nicht  unterscheiden  konnte,  gerade  bereit,  eine 
Lage  abzufeuern,  als  Oberlieutenant  Baron  Kiesenfels,  als  der 
Vorderste,  noch  rechtzeitig  die  Irrung  aufklären  konnte.  Nun  erschien 
auch  General  Barco  mit  seinen  Leuten;  es  entspann  sich  noch  ein 
Kampf  im  Orte,  da  aus  manchen  Häusern,  welche  starke  Ein- 
quartierungen hatten,  heftig  geschossen,  oder  andere  feindliche 
Abtheilungen  sich  durchzuschlagen  trachteten. 

Korporal  Johann  Molly,  welcher  mit  zehn  Mann  die  Avant- 
garde des  General  Barco  führte,  stürmte  auf  dessen  Befehl  mit 
besonderer  Bravour  ein  vom  Feinde  stark  besetztes  Haus,  wobei  7 
getödtet  und  15  gefangen  wurden. 

Um  9  Uhr  früh  war  des  Gefecht  beendet  und  der  Zweck  voll- 
kommen erreicht;  der  Feind  war  total  geschlagen,  140Todte  bedeckten 
den  Wahlplatz,  über' 500  waren  gefangen  und  der  Rest  unter  Be- 
günstigung der  Nacht  nach  allen  Richtungen  einzeln  geflohen. 
Trotz  diesem  mitunter  sehr  erbitterten  Kampfe  hatten  die  Kom- 
pagnien des  Regiments  nur  drei  Verwundete,  von  welchen  der 
Gemeine  Ertel  in  der  Früh  seiner  Wunde  erlag.  Den  meisten 
Offizieren  waren  zwar  die  Uniformen  durchschossen,  aber  nicht  einer 
verwundet. 

Die  Relation  nennt  als  die  Ausgezeichnetsten:  Hauptmann 
Microis,  Oberlieutenant  Baron  Riesenfels,  v.  Wolfenburg, 

35 


546 


1*40 


Kühne,  K  c  k  h  e  r ,  Lieutenant  D  r  a  k  u  1  i  c  h ,  Korporal  Moll  y, 
Meier,  Schmidt,  Rudolf,  Halluscha,  Derntl,  Mayer, 
Zimmermann,  Nenlingcr,  Gemeine  Hauer,  Fromeier  und 
Janitschek.  Hauptmann  Microis,  Oberlieutenant  Hiesenf  eis 
und  Wolfenburg  erhielten  die  Allerhöchste  Belobung  Sr.  Majestät 
des  Kaisers  und  dann  statt  deren  das  Militär- Verdienstkreuz;  Kor- 
poral M  olly  und  Gemeiner  Bau  er  die  silberne  Tapferkeits-Medaille 
zweiter  Klasse.  General  Ii a reo  erhielt  das  Maria -Theresien- Kreuz. 

Auch  der  U eberfall  von  Toronya  ^olaiij?  vollkommen.  Lieutenant 
Schwarz  hatte  von  der  hier  agirenden  Division  des  Regiments 
Nr.  9  zu  seinem  Dataehement  noch  25  Mann  Verstärkung  erhalten, 
mit  welchen  vereint  er  nachts  2  Uhr  das  Dorf  in  der  rechten  Flanke 
umging,  die  zunächst  liegenden  und  vom  Feinde  besetzten  Häuser 
überrumpelte  und  die  Besatzung  gefangen  nahm.  Eine  Abtheilung 
der  fliehenden  Feinde  stellte  sich  auf  einer  Anhöhe,  wurde  aber 
umrungen  und  musste  die  Waffen  strecken.  Der  Verlust  des  Feindes 
bestand  in  52  Todten,  worunter  2  Offiziere,  und  149  Gefangene  mit 
dem  Bataillons  -  Chef  und  G  Offizieren. 

Bei  diesen  beiden  Unternehmungen  hatten  sich  Offiziere  und 
Mannschaft  durch  Ertragung  unerhörter  Strapazen,  durch  Tapferkeit 
und  Muth  im  Angriffe  sehr  ausgezeichnet  und  lobende  Anerkennungen 
des  Brigadiers  und  kommandirenden  Generaleu  erworben. 

Die  Feinde  Hohen  zehn  Meilen  weit  und  unternahmen  in  dieser 
Gegend  nichts  mehr.  Noch  am  Vormittage  trat  die  Truppe  ihren 
Rückmarsch  an;  die  erste  Kompagnie  führte  die  Gefangenen  nach 
Stryi,  unter  welchen  sich  mancher  befand,  der  die  Revolution  in  Wien 
mitgekämpft  und  dann  beim  Feinde  um  einige  Gulden  Dienst  ge- 
nommen hatte.  Ein  Schelm,  welcher  früher  im  Regiment  als  Feld- 
webel, dann  in  der  Wiener  Revolution  bei  den  Aufständischen  in 
einer  höheren  Stellung  diente,  wurde  in  diesem  Gefechte  von  einem 
Soldaten  des  Regiments  mit  dem  Bajonnet  durchbohrt. 

Auch  die  vierte  und  fünfte  Kompagnie  unternahmen  unter 
Führung  des  Oberstlieutenauts  Merville  von  Klinitz  aus  einen 
Angriff  gegen  den  Feind.  Gegen  Mitternacht  auf  den  25.  März 
marschirte  die  vierte  Kompagnie  unter  Hauptmann  P rucker  über 
die  Grenze  nach  Wrbiasz,  die  fünfte  unter  Hauptmann  Lütgen- 
dorf über  Zapanic  und  das  hohe  Schneegebirge  ebenfalls  dahin. 
Lieutenant  Meissl  unternahm  gleichzeitig  mit  70  Mann  eine  Um- 


1*49. 


547 


gehung  und  Lieutenant  Thal  er  hatte  den  Feind  in  Rosloki  zu 
überfallen. 

Gegen  3  ühr  morgens  waren  die  Abtheilungen  auf  den  be- 
stimmten Punkten  angelangt  und  unternahmen  sofort  den  Angriff, 
welcher  vollkommen  gelang.  Obcrlieutenant  Kühne  erstürmte  das 
Wirthshans,  wobei  sich  die  Gemeinen  L  a  g  1  e  r  und  Schenk 
besonders  auszeichneten  und  nahm  einen  feindlichen  Offizier  mit 
47  Mann  gefangen.  1«)  Todte  bedeckten  den  Kampfplatz  und  von 
den  Kompagnien  war  nur  der  Gemeine  Alois  Ho  fb au  er  geblieben. 
Auch  der  Ueberfall  auf  Rosloki  war  vom  besten  Erfolg  begleitet; 
der  Feind  Höh  nach  allen  Richtungen  und  verlor  mehrere  Todte  und 
Verwundete.  Nach  der  Expedition  marschirteu  die  Kompagnien  nach 
Klinitz  zurück  und  Ende  März  stand  die  zweite  und  dritte  Kom- 
pagnie in  Strvi,  der  Bataillonsstab  mit  den  übrigen  Kompagnien  in 
Klimetz. 

Im  Monat  April  wurde  beschlossen,  auch  von  Norden  in  Ungarn 
einzubrechen,  wozu  sämmtliche  Truppen  unter  das  Kommando  des 
F.-M.-Lt.  Vogel  gestellt  wurden  und  der  Regimentsstab  mit  dem 
zweiten  Bataillon  den  Befehl  erhielt,  Lemberg  zu  verlassen  und  sich 
in  Strvi  mit  dem  ersten  Bataillon  zu  vereinigen.  Am  14.  April  raar- 
schirte  der  Stab  und  das  zweite  Bataillon  unter  Begleitung  sämmtlicher 
Generale,  Stabs-  und  Überoffiziere  und  einer  grossen  Volksmenge 
von  Lemberg  ab,  vereinigte  sich  in  Stryi  mit  dem  ersten  Bataillon 
und  traf  am  18.  in  Klimetz  bei  der  Brigade  ein. 

G.  -  M.  Baron  B  a  r  c  o  erliess  hier  folgenden  Befehl : 

„Soldaten!  Morgen  überschreiten  wir  auf  Befehl  unseres  allge- 
, liebten  Kaisers  und  Herrn  die  Grenze  und  rücken  nach  Ungarn 
„vor,  um  mit  unserem  letzten  Blutstropfen  die  Rechte  unseres 
„Monarchen  zu  vertheidigen.  Es  freut  mich  innigst  an  Euerer  Spitze 
„zusein,  denn  Ihr  seid  brave  und  tapfere  Soldaten !  Das  Eigenthum 
„der  Bewohner  Ungarns  sei  uns  heilig,  nur  der  ist  unser  Feind,  der 
„uns  mit  der  Waffe  in  der  Hand  entgegentritt.  Ich  hoffe,  dass  Ihr 
„Euerem  Generalen,  der  mit  Euch  leben  und  sterben  wird,  die 
„Freude  machen  werdet,  ihn  nie  in  die  Lage  zu  setzen,  strafen  zu 
„müssen.  Musterhafte  Ordnung  und  Discipliu  sind  die  schönsten 
„Zierden  eines  tapferen  Soldaten. 

„Die  Namen  derjenigen,  welche  Gelegenheit  haben  werden, 
„sich  auszuzeichnen,  werde  ich  in  die  Zeitung  setzen  lassen.  Bedenkt 

86« 


548 


184». 


„Ihr  Söhne  Oesterreichs!  welche  Freude  Euere  Eltern,  Geschwister 
„und  Verwandte  haben  werden,  wenn  sie  die  Namen  der  geliebten 
„Fernen  ruhmvoll  genannt  lesen  werden,  die  sich  ausgezeichnet 
„haben  in  Vertheidigung  für  Kaiser  und  Vaterland.  Darum  Soldaten 
„mit  Gott  vorwärts.  Hoch  lebe  Franz  Joseph  LI- 

Am  folgenden  Tage  zwischen  2  und  3  Uhr  nachmittags  passirte 
die  Brigade  Barco  mit  klingendem  Spiel  und  dem  Jubel  der  Soldaten 
die  Grenze.  Das  dritte  Bataillon  vom  Regiment«  Nr.  9  war  die 
Avantgarde,  dann  folgten  die  beiden  Bataillone  des  Regiments,  die 
Batterie  und  Kavallerie.  Hauptmann  Dagnen  hatte  die  Verpflegung 
der  Brigade,  Oberlieutenant  Lukas sek  das  Proviantgeschäft  beim 
Regiment  zu  versehen. 

Mit  dem  ersten  Schritte  auf  feindlichem  Boden  begannen  auch 
die  Hindernisse;  die  Brücken  waren  zerstört,  Strassen  abgegraben, 
so  dass  man  die  alte  Strasse  Aber  den  Beskid  benützen  musste.  Zur 
Sicherung  der  rechten  Flanke  marschirte  die  vierte  Division  durch 
Rostok  und  dann  längs  den  Höhen,  drei  Kompagnien  von  Nr.  9 
rückten  über  Timsen  und  Felsö-Verecske  in  den  Rücken  von  Also- 
Verecske.  Die  feindlichen  Vorposten  zogen  sich  nach  einigen  Schüssen 
zurück  und  deren  Haupt-Truppe  verliess  ihre  Stellung,  ohne  Wider- 
stand zu  leisten. 

Die  Dörfer  waren  öde  und  leer,  das  Vieh  weggetrieben  und 
nur  hie  und  da  ein  Einwohner  sichtbar.  An  der  Vereinigung  der 
Strassen  von  Felsö-  und  Also  -  Verecske  wurde  das  erste  Bivouak 
bezogen,  welches  sehr  nass  war,  da  es  bereits  fünf  Stunden  regnete. 
Am  20.  früh  3  Uhr  brach  das  zweite  Bataillon  auf  und  marschirte 
über  Felsö-Verecske  nach  Volocz  und  Szölgira,  um  dieses  Thal  vom 
Feinde  zu  reinigen  und  durch  Bedrohung  seiner  Kommunikation 
zum  Rückzüge  zu  zwingen.  Die  Brigade  trat  eine  Stunde  später  den 
Marsch  an  und  fand  wie  am  vorigen  Tage  alle  Brücken  über  die 
angeschwollenen  Gebirgsw&sser  abgetragen  und  auch  theilweise  die 
Strasse  zerstört,  was  einigen  Aufenthalt,  insbesondere  für  die 
Batterie  verursachte. 

Der  Feind  über  800  Mann  stark,  in  beiden  Flanken  bedroht, 
da  auch  eine  Kompagnie  über  Kis-Abrunka  vorgerückt  war,  verliess 
ohne  Kampf  alle  Stellungen  und  unbegreiflicherweise  auch  den 
Engpass,  der  nur  mit  wenigen  Leuten  gegen  eine  bedeutende 
Macht  zu  halten  gewesen  wäre  und  zog  sich  bis  Rozdilow  zurück. 


1N41). 


549 


Nachdem  die  Brücken  nothdfirftig  hergestellt  waren,  wurde  dem 
Gegner  mit  einem  Bataillon  gefolgt,  während  das  andere  Bataillon, 
die  Geschütze  und  Kavallerie  nur  langsam  weiter  kommen  konnten. 
Bei  Rozdilya  fand  die  Avantgarde  den  Feind  in  einer  vortheilhaften 
verschanzten  uud  mit  Verhauen  verstärkten  Position  auf  dem  Berge 
mit  beiläufig  1200  Mann  aufgestellt. 

Sowie  die  Feinde  die  Avantgarde  ausichtig  wurden,  begannen 
sie  schon  auf  7—800  Schritte  ganze  Lagen  abzufeuern,  welche 
natürlich  Niemand  beschädigten.  Die  erste  Kompagnie  rückte  rechts, 
die  zweite  löste  sich  als  Avantgarde  in  Plänkler  auf  und  das 
Bataillon  folgte  zum  Sturme,  zwei  Haubitzen  fuhren  auf.  Aber  noch 
bevor  sie  sich  in's  Feuer  gesetzt  hatten,  trat  der  Feind  in  höchster 
Eile  fluchtartig  den  Kückzug  an,  und  als  das  Bataillon  die  steile 
Höhe  möglichst  rasch  im  heftigsten  Regen  erstiegen  hatte,  war  der 
.  Feind  spurlos  verschwunden. 

Dieses  fortwährende  Verlassen  der  günstigen  Stellungen  ver- 
anlasste deu  Brigadier  um  in  keinen  Hinterhalt  zu  gcratheu,  mit 
aller  Vorsicht  und  stets  kampfbereit  vorzurücken.  Nach  Kücklegung 
von  5Vi  Meilen,  Passirung  von  neun  Brücken,  von  welchen  fünf 
zerstört  waren,  kam  die  Brigade  mit  Einbruch  der  Nacht  erschöpft 
und  durchnässt  nach  Potena,  wo  sie  das  Freilager  bezog. 

Major  Kossi  hatte  an  diesem  Tage  mit  dem  zweiten  Ba- 
taillon eine  Umgehung  von  14  Stunden  gemacht.  Gegen  G  Uhr 
abends  stiess  man  auf  einen  Verhau,  der  vom  Feinde  verlassen 
war,  dann  um  8  Uhr  auf  ein  kleines  Dorf,  welches  der  Feind  in 
eiligster  Flucht  verliess.  Erst  um  1 1  Uhr  nachts  rückte  das  Bataillon 
in  Polyra  ein,  wo,  um  sich  vor  dem  Unwetter  zu  schützen,  in  den 
Häusern  Stellung  genommen  wurde. 

Am  21.  April  brach  die  Brigade  wieder  auf,  vereinigte  sich 
mit  dem  zweiten  Bataillon  und  marschirte  bis  Paszika  in's  Lager. 
Der  Feind  war  bis  in  seine  Stellung  vor  Munkats  geflohen  und  die 
Brigade  hatte  daher  auf  diesem  Marsche  nur  mit  Terrainhindernissen 
zu  kämpfen.  Es  war  zwar  erst  Mittag,  als  die  Brigade  das  Lager 
bezog,  aber  doch  keine  Holl'uung,  vor  abends  die  feindliche  Stellung 
zu  erreichen,  auch  wareu  die  Truppen  seit  48  Stunden  ohne 
Nahrungsmitteln.  Die  Brigade  kochte  ab,  alles  war  fröhlich  und 
guter  Dinge,  jeder  von  Kampfeslust  beseelt,  und  als  abends  die 
Regimentsmusik  die  Volkshvmue  intouirte,  erschollen  aus  dem  Munde 


550 


lR4i>. 


eines  jeden  Soldaten  begeisterte  Hocbs  auf  das  Wohl  des  jungen 
ritterlichen  Kaisers. 

Am  22.  früh  5  Uhr  brach  ein  Bataillon  von  Nr.  9,  eine 
Eskadron  und  zwei  Geschütze  als  Avantgarde  aus  dem  Lager  auf, 
welcher  die  Brigade  später  folgte.  St.  Miklos  war  vom  Feinde  ver- 
lassen, welcher  erst  hinter  der  zerstörten  Brücke  der  Latoreza 
Stellung  genommen  hatte.  Zum  Angriffe  eröffneten  die  beiden  Ge- 
schütze der  Avantgarde  das  Feuer,  während  das  zweite  Bataillon 
gegen  Kolczeny  zur  Unternehmung  eines  Scheinangriffes  und  um 
den  Feind  zur  Demaskirung  seiner  Streitkräfte  zu  zwingen,  vorrückte. 
Die  Brigade  marschirte  auf,  der  Rest  der  Batterie  und  drei  Kom- 
pagnien folgten  dem  zweiten  Bataillon  als  Unterstützung.  Das  erste 
Bataillon  rückte  gegen  die  Brücke  vor,  um  die  links  über  derselben 
aufgestellten  Geschütze  zu  nehmen,  konnte  aber  nichts  ausrichten, 
da  kein  Material  zur  Herstellung  der  BrQcke  vorhanden  und  das  hoch 
angeschwollene  Wasser  unmöglich  zu  passiren  war;  dasselbe  kehrte 
daher  zurück  und  rangirte  sich  an  der  Queue. 

Der  Angriff  des  zweiten  Bataillons  auf  Kolczeny  veranlasste 
den  Feind  seine  Streitkräfte  zu  entwickeln  und  seine  vielen  Geschütze 
in's  Feuer  zu  setzen,  welche  denn  auch  den  Ort  mit  einem  Eisen- 
hagel überschütteten.  Das  Terrain  bot  keine  gute  Stellung  zum  Auf- 
fahren der  Brigade -Geschütze,  welche  sich  daher  nur  einzeln  ins 
Feuer  setzen  konnten,  worauf  der  Feind  diese  mit  allen  seinen  Ge- 
schützen auf's  Korn  nahm  und  zum  Abfahren  zwang.  Das  zweite 
Bataillon  warf  zwar  den  Feind  aus  dein  Orte,  aber  nun  zeigte  sich 
dem  vorgesprengten  Brigadier,  dem  hier  ein  Pferd  unter  dem  Leibe 
erschossen  wurde,  dass  die  feindliche  Stellung  nur  mit  Aufopferung 
der  Brigade  zu  nehmen  sei.  Er  befahl  daher  den  Bückzug,  zu  dessen 
Deckung  sogleich  vier  Kompagnien  des  ersten  Bataillons  die  auf 
die  Rückzugslinie  einmündenden  Pässe  besetzten,  worauf  dann  die 
Brigade  ohne  vom  Feinde  verfolgt  zu  werden,  in  bester  Ordnung 
zurückging. 

Der  Verlust  der  beiden  Bataillone  bestand  in  5  Todten  und 
34  Verwundeten,  unter  letzteren  schwer  an  der  Hüftgegend  der 
Oberst  und  Regiments  -  Kommandant  Warlich  von  Bubua. 

Die  Brigade  rückte  am  22.  bis  zu  einem  Meierhofe,  am  23. 
nach  Vereczke,  überschritt  am  24.  die  Grenze  und  marschirte  bis 
Klimetz.   Einen  schönen  Beweis  von  Anhänglichkeit  gab  die  brave 


1841». 


551 


Mannschaft,  indem  sie  freiwillig  den  im  Regiment  sehr  verehrten 
Obersten  auf  einer  improvisirten  Bahre  alle  diese  Stationen  und 
dann  noch  bis  Stryi  trug. 

Vor  seinem  Scheiden  aus  Klimetz  diktirte  der  Oberst  unter 
den  heftigsten  Schmerzen  noch  nachstehenden  Abschied,  an  „ seine 
„  .braven  Deutschmeister" " :  da  ich  wegen  der  im  Gefechte  bei  Munkats 
.erhaltenen  schweren  Verwundung  das  Regiments  -  Kommando  sieht 
»mehr  fortführen  kann,  sondern  mich  zur  ärztlichen  Behandlung 
„nach  Stryi  begebe,  so  hat  Herr  Oberstlieutenant  Baron  Merville 
„das  Regiments  -  Kommando  zu  übernehmen,  dagegen  das  Kommando 
„des  ersten  Feld  -  Bataillons  an  Herrn  Hauptmann  Pr  ucker  zu 
„übergeben. 

„Kameraden!  Euer  Oberst  blutet  an  einer  höchst  ehrenvollen 
„Wunde  für  Kaiser  und  Vaterland  und  scheidet  vielleicht  für  immer 
„aus  den  Reihen  eines  Regiments,  das  durch  seine  ausgezeichnete 
„Haltung,  guten  Geist  und  Treue  zu  seinem  angestammten  Kaiser 
„und  Herrn  sich  bisher  der  vollen  Anerkennung  aller  Vorgesetzten 
„stets  im  hohen  Grade  zu  erfreuen  hatte. 

„Lasst  mich  also  die  Beruhigung  mitnehmen,  dass  Ihr  auch 
„jetzt,  wo  das  bedrängte  Vaterland  der  aufopfernden  Mitwirkung 
„eines  jeden  Einzelnen  so  sehr  bedarf,  das  Vertrauen  das  man  in 
„Euch  setzt,  rechtfertigen  und  durch  eine  ausgezeichnete  Disciplin, 
„Muth  und  Entschlossenheit  vor  dem  Feinde  keinem  Truppenkörper 
„unserer  ruhragekrönten  Armee  nachstehen  werdet." 

Am  25.  und  26.  April  blieb  das  Regiment  mit  dem  ersten 
Bataillon  in  Klimetz;  das  zweite  in  Zapanic  und  Calsdorf.  Täglich 
bezog  je  eine  Kompagnie  die  Vorposten  und  hütete  die  Grenze,  bis 
am  27.  und  28.  die  Bataillone  nach  Stryi  marschirten  und  dort  am 
29.  und  31.  eintrafen. 

Am  6.  Mai  trat  das  Regiment  in  der  Brigade  Barco  den 
Marsch  nach  Westen  an  und  erreichte,  jeden  Tag  eine  Station  in 
Fussmärschen,  die  zweite  mittelst  Wagen  zurücklegend,  am  18. 
Laas.  Von  hier  rückte  das  erste  Bataillon  mit  dem  Regimentsstabe 
am  19.  bis  Seybusch,  wo  sich  am  2;i.  die  ganze  Brigade  sammelte, 
dann  am  24.  bis  Kamesnika,  am  25.  über  die  Grenze  nach  Ungarn  bis 
Csucsa,  am  20.  nach  Sepluzka  und  bezog  hier  das  Lager.  Dieses  wurde 
am  folgenden  Tage  nach  Budatin  verlegt,  wo  sich  das  Regiment  mit 
dem  seit  längerer  Zeit  hier  stehenden  vierten  Bataillon  vereinigte. 


552 


1849. 


Hauptmann  Karl  Adelsberger  von  Illingcnthal  von 
Nr.  18  wurde  am  30.  März  zum  Major  befördert  und  in  das 
Regiment  eiugetheilt,  Hauptmann  Floridus  Leeb  am  22.  April 
zum  Major  befördert.  Major  Ferdinand  Schleemüller  war  am 
15.  April  1849  in  Kubestand  getreten  und  in  seine  Stelle  wurde 
Hauptmann  Josef  Vandony  von  Nr.  17  mit  1.  Mai  zum  Major 
im  Regiment  befördert.  Major  Karl  Kellner  von  Köllen  st  ein, 
des  Regimentes  Nr.  35,  avancirte  am  3.  Mai  zum  Oberstlieutenant 
im  Regiment  und  Obernahm  das  Kommando  des  Grenadier-Bataillons; 
Major  Wilhelm  Ritter  von  Mertens  wurde  am  15.  Mai  zum 
19.  Jäger -Bataillon  transferirt. 


Die  Regimentsgeschichte  hat  die  Grenadier  -  Division  beim 
Reserve -Korps  in  Ofen  verlassen.  Als  die  Hauptarmee  ihre  weiteren 
Operationen  begann,  verliess  auch  das  Grenadier  -  Bataillon  am 
20.  April  seine  Quartiere  in  Ofen  und  marschirte  an  diesem  Tage 
bis  Deregh  bei  Gran,  rückte  am  rechten  Donau -Ufer  am  21.  bis 
Neudorf,  den  22.  bis  Nazfaly  gegen  Dotis.  Am  24.  wurde  dasselbe 
bis  0  Szöny  vorpoussirt  und  bezog  hier  die  Vorposten  am  25.  April. 
Die  erste  Kompagnie,  mit  dem  rechten  Flflgel  an  die  Donau  gelehnt, 
schloss  sich  mit  dem  linken  an  der  Einfassung  des  Ortes  an  die 
zweite  an;  die  Unterstützung  und  das  Bataillon  war  im  Dorfe, 
welches  dasselbe  zu  vertheidigen  hatte,  wozu  ihm  eine  Kanone  bei- 
gegeben war. 

Um  Mitternacht  unternahm  der  Feind  mit  bedeutenden  Streit- 
kräften einen  Ausfall,  erstürmte  gegen  2  Uhr  den  nur  mit  einem 
Bataillon  besetzten  Sandberg  und  drang  gegen  0- Szöny  vor.  Als 
in  der  Nähe  Schüsse  fielen,  Hess  Oberstlieutenant  von  Kellner 
Allarm  schlagen  und  begab  sich,  nachdem  das  Bataillon  formirt 
war,  zu  den  äussersten,  gegen  Komorn  aufgestellten  Piquets,  von 
wo  er,  da  die  Finsterniss  keine  Aussicht  gestattete,  Patrouillen  vor- 
sendete, welche  meldeten,  dass  in  der  Richtung  gegen  die  Schanze 
Nr.  8  ein  Kampf  stattfinde.  Bald  darauf  wurde  das  Schiessen  immer 
heftiger  und  es  schien  sich  gegen  den  Ort  zu  ziehen.  Oberstlieutenant 
von  Kellner  marschirte  nun  mit  den  beiden  Divisionen  der  Regi- 
menter Nr.  3  und  8,  mit  der  Kanone  und  Kavallerie  aus  dem  Ort 
und  nahm  eine  sehr  vortheilhafte  Stellung  beim  kalvinischen  Fried- 


igle 


1849. 


553 


hofe.  Es  verging  eine  Stunde,  der  Kampf  währte  fort,  aber  die 
Dunkelheit  und  Entfernung  Hessen  den  Stand  der  Dinge  nicht 
erkennen. 

Die  Grenadiere  des  Regiments  hatten  den  Befehl,  so  lange  in 
der  Vorposten3tellung  zu  verbleiben,  bis  der  Tambour  Vergatterung 
schlagen  oder  ein  eigener  Befehl  das  Abrücken  verordnen  würde. 
Als  der  Feind,  schon  sehr  nahe  anrückte  und  sich  auch  in  den 
Flanken  ausdehnte,  erhielt  der  Divisions  -  Kommandant  Hauptmann 
Lechner  den  Befehl,  die  Ortsvertheidigung  aufzugeben,  dann  aber 
den  weiteren,  sich  auf  das  Kavallerie  -  Lager,  welches  sich  3000 
Schritte  links  befand,  zurückzuziehen.  Obgleich  der  Bataillons- 
Kommandant  die  Absicht  hatte,  die  Division  aufzunehmen,  so  konnte 
die  vereinzelte  Brigade  bei  dem  übermächtigen  Vordringen  des 
Feindes  nicht  länger  verweilen,  ohne  sich  der  Gefahr  auszusetzen, 
abgeschnitten  zu  werden,  befehligte  daher  das  Bataillon  zum  Nach- 
rücken und  marschirte  ab. 

Die  Grenadiere  des  Regiments  waren  eben  im  debouchiren  aus 
dem  Dorfe  begriffen,  als  der  Bataillons- Adjutant  mit  der  Weisung 
erschien,  dass  die  Division  rasch  dem  Bataillon  zu  folgen,  im  Falle 
eines  feindlichen  Angriffes  aber  sich  in  die  Weingärten  zurück- 
zuziehen habe.  Kavallerie  -  Ordonnanzen  riefen  noch  die  einzelnen 
Posten  der  Division  zwischen  O-Szöny  und  Puzeto  ein,  welche  auch 
glücklich  zum  Bataillon  gelangten. 

Als  die  Division  das  Dorf  verlassen  hatte,  erschien  sogleich  in 
ihrer  rechten  Flanke  feindliche  Reiterei,  der  Andrang  wurde  immer 
stärker  und  der  gerade  Rückmarsch  gegen  die  Haupttruppe  nicht 
mehr  rathsam,  daher  nichts  übrig  blieb,  als  sich  in  die  Wein- 
gärten zurückzuziehen.  Hinter  diesen  hegt  flacher  Wiesengrund; 
die  feindliche  Reiterei  mit  einer  halben  Batterie  hatte  die  Wein- 
gärten rasch  umritten  und  nahm  im  Rücken  der  Division  Stellung. 
Man  bemerkte  in  der  Niederung  ein  günstiges  Terrain,  welches  nun 
die  Division  zu  erreichen  trachtete,  aber  die  feindliche  Kavallerie  war 
schneller,  schloss  dieselbe  von  drei  Seiten  ein  und  liess  auf  der 
vierten  die  Geschütze  auffahren.  Ein  Stabsoffizier  forderte  zur  Ueber- 
gabe  auf  und  überliess  es  den  Offizieren  sich  von  der  Lage  zu 
überzeugen,  und  da  sie  sahen,  dass  aller  Widerstand  fruchlos  sein 
müsse,  legte  die  Division  die  Gewehre  ab,  und  wurde  in  die  Festung 
geführt.    So  geriethen  3  Offiziere,  Hauptmann  Lechner,  Paar, 


554 


1H49. 


und  Lieutenant  Li  11,  3  Feldwebels,  18  Korporals,  4  Tambours, 
2  Zimmerleute  und  221  Grenadiere  in  feindliche  Gefangenschaft. 
In  der  Festung  wurde  den  Offizieren  der  Säbel  abgenommen  und 
die  Mannschaft  von  ihnen  getrennt.  Die  Offiziere  blieben  vier  Wochen 
in  Komorn  und  wurden  dann  mittelst  Wagen  nach  Erlau,  von  da 
nach  Szegedin,  Gyula  und  Lippa  gefahren  und  erhielten  ihre  Freiheit 
nach  der  Waffenstreckuug  des  Feindes  bei  Vilägos.  Die  Mannschaft 
blieb  meistentheils  in  Komorn  und  wurde  zum  Krankendienste  ver- 
wendet. Kein  einziger  Mann  hatte  Dienste  beim  Feinde  genommen, 
selbst  jene  nicht,  welche  an  andere  Orte  transportirt,  die  härteste 
Behandlung  ertragen  mussten.  Sie  erhielten  ihre  Freiheit  bei  Ueber- 
gabe  der  Festung  Ende  September;  viele  waren  in  Komorn  gestorben. 


Die  neunte  Division  war  seit  dem  vorigen  Jahre  als  Garnison 
in  Wiener-Neustadt.  Am  9.  April  marschirte  dieselbe  nach  einem 
herzlichen  Abschiede  von  Seite  der  loyalen  Bürger  nach  Oedenburg, 
wo  sie  untor  das  Kommando  des  Distrikts-Kommandanten  F.-M.-Lt. 
Graf  Castiglione  gestellt  wurde.  Hauptmann  Baron  Vogelsang 
marschirte  mit  der  18.  Kompagnie  am  29.  nach  Unter  -  Pulndorf, 
woselbst  nach  den  Gerüchten  sich  ein  Landsturm  gebildet  haben 
sollte,  welche  sich  aber  unrichtig  bewiesen,  denn  die  Ruhe  wurde 
nicht  gestört. 

Am  2.  Mai  bezogen  drei  Züge  gegen  Hurka,  Kolnhof  und  Wolfs 
Vorposten,  rückten  jedoch  am  4.  wieder  in  Oedenburg  ein.  Am 
folgenden  Tage  wurde  Hauptmann  Baron  Vogelsang  nach  Eisen- 
stadt  gesendet  und  musste  dort  einige  Arretirungen  vornehmen  lassen. 
Auch  fand  eine  strenge  Untersuchung  wegen  Abnahme  der  kaiser- 
lichen Fahne  vom  Thurine  statt. 

Da  das  Anrücken  feindlicher  Abtheilungen  zu  besorgen  war, 
stellte  die  Division  Piquete  am  Neusiedler -See  bis  20.  Mai  auf.  In 
dieser  Zeit  fanden  viele  Truppeumärscho  durch  Oedenburg  statt, 
auch  wurden  verschiedene  Streifkorps  zusammengesetzt,  jedoch  die 
Division  nicht  dazu  verwendet  und  alle  Bemühungen  des  Divisions- 
Komraandanten  wirklich  vor  den  Feind  zu  kommen,  blieben  fruchtlos. 
Da  jedoch  dieser  Wuusch  bei  Offizieren  und  Mannschaft  immer  leb- 
hafter wurde,  so  nahm  der  Kommandant  Veranlassung  diess  in  einem 
Promemoria  direkte  dem  Armee  -  Kommandanten  zur  Kenntniss  zu 


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1H49. 


555 


bringen  und  um  die  Einüieilung  zu  einer  gegen  den  Feind  rücken- 
den Truppe  zu  bitten.  Diese  Bitte  wurde  willfahrt  und  die  Division 
statt  der  in  Gefangenschaft  gerathenen  Grenadier- Division  in  das 
Grenadier- Bataillon  Kellner  eingetheilt.  In  gehobener  Stimmung, 
nachdem  ihr  F.-M.-Lt.  Graf  Castiglione  für  die  musterhafte 
Aufführung  und  erspriesslichen  Dienste  seine  volle  Zufriedenheit  aus- 
gesprochen hatte,  trat  die  Division  am  30.  Mai  den  Marsch  nach 
Pressburg  an. 

Schon  anfangs  Mai  waren  die  diplomatischen  Verhandlungen 
zwischen  den  Kabineten  Oesterreichs  und  Russlands  so  weit  gediehen, 
dass  die  Vorrückung  einer  russischen  Hilfsarmee  in  naher  Aussicht 
stand;  bis  zu  ihrem  Eintreffen  suchte  F.-M.-Lt.  Baron  Weiden, 
welcher  statt  dem  Feldmarschall  Fürst  Windisch-Grätz  das 
Kommando  der  Armee  in  Ungarn  übernommen  hatte,  durch  Manöver 
seiner  geübteren  Truppen  den  kaum  organisirten  Gegner  in  Schach 
zu  halten. 

Der  strategische  Missgriff,  welchen  der  Feind  durch  die  Be- 
lagerung von  Ofen  mit  bedeutenden  Kräften  beging,  kam  der  öster- 
reichischen Armee  sehr  wohl  zu  Statten  und  gewährte  ihr  Zeit  sich 
festzustellen  und  zu  verstärken,  so  dass  das  Gleichgewicht  der  Kräfte 
bereits  hergestellt  war,  als  der  Feind  nach  dem  Falle  von  Ofen  mit 
bedeutender  Stärke  an  der  Waag  und  an  der  Raab  erschien.  Eine 
k.  russische  Hilfsarmee  von  130.000  Mann  war  bereits  an  der  nörd- 
lichen Grenze  von  Galizien  konzentrirt,  um  in  Ungarn  einzubrechen; 
von  dieser  Armee  wurde  die  neunte  Infanterie  -  Division  (2  Linien- 
und  2  Jäger- Regimenter  zu  4  Bataillons  mit  48  Geschützen)  unter 
Führung  des  G.-Lt.  1' an u Line  detachirt  und  von  Krakau  bis 
Hradisch  in  Mähren  auf  der  Eisenbahn  befördert,  wo  sie  am  14. 
und  15.  Mai  mit  der  Bestimmung  eintraf,  der  k.  k.  österreichischen 
Donau -Armee  als  Unterstützung  zu  dienen. 

Die  neunte  Division  rückte  am  1.  Juni  in  Pressburg  ein  und 
vereinigte  sich  am  folgenden  Tage  mit  dem  Grenadier- Bataillon, 
welches  nun  Major  Baron  Koudelka  kommandirte,  da  Oberst- 
lieutcuant  v.  Kellner  zur  Ueberuahmc  des  Regiments  -Kommandos 
statt  dem  schwer  verwundeten  Oberst  v.  Bub  na  nach  Budatin 
abgegangen  war.  Am  3.  marschirte  das  Bataillon  über  Lanschütz, 
4.  Dioszeg  und  am  5.  nach  Szered  au  die  Waag,  wo  dasselbe  die 
Uebergängo  zu  beobachten  hatte.    Dieser  Marsch  war  wegen  der 


556 


1849. 


abnormen  Hitze  sehr  beschwerlich;  drei  Mann  blieben  am  Sonnen- 
stich todt. 

Am  0.  Juni  bezog  die  Division  Vorposten  mit  der  Abwechs- 
lung, dass  sie  einen  Tag  in  erster  und  den  folgenden  in  zweiter 
Linie  stand.  F.-M.-Lt.  Benedek  deckte  den  Waag- Uebergang  im 
Norden  und  die  Pässe  uach  Mahren,  Schlesien  und  West  -  Galizien 
und  eröffnete  die  Verbindung  mit  dem  russischen  G.-Lt.  Saas  über 
Kubin  nach  Rosenberg.  Dahin  kam  aucli  die  russische  Division 
Panutine,  die  nach  dem  Eintreffen  bei  Pressburg  wegen  Umsichgreifen 
der  Cholera  einstweilen  nach  Bösing  und  Modern  verlegt  wurde. 

Auch  im  Lager  der  drei  Bataillone  des  Regimentes  zu  Budatin 
brach  die  Cholera  mächtig  aus  und  forderte  viele  Opfer.  130  Mann 
starben  in  kurzer  Zeit  und  viele  Krauke  konnten  dem  nun  beginnenden 
Siegeszuge  nicht  beiwohnen.  Unter  den  Verstorbenen  betrauerte  das 
Regiment  vorzüglich  den  Oberstlieuteuant  und  Regiments-Komman- 
danten  Kellner  v.  Köllenstein  und  Oberlieutenant  Kaiser, 
welche  beide  am  7.  Juni  ein  Opfer  der  Epidemie  wurden.  Das 
Leichenbegängniss  fand  am  9.  abends  6  Uhr  statt,  wozu  die  beiden 
Feld  -  Bataillone  in  Parade  ausrückten.  Major  Rossi  übernahm  das 
Kommando  des  Regiments,  Hauptmann  Appel  jenes  des  ersten, 
Hauptmann  Prucker  des  zweiten  Bataillons;  statt  dem  erkrankten 
Oberlieutenant  Schromer  übernahm  Oberlieutenant  Kühne  den 
Regiments  -  Adjutanten  -  Dienst. 

Um  die  Verbindung  mit  dem  russischen  Korps  Saas  herzustellen, 
war  das  vierte  Bataillon  aus  der  Vorpostenstellung  bei  Nedest  mit 
drei  Geschützen  und  50  Mann  Kavallerie  am  9.  Juni  über  Varin  bis 
Wialkovetz  bei  Kubin  bis  au  das  russische  Lager  des  Avantgarde- 
Korps  Rüdiger  gerückt  und  kehrte,  da  der  Operations  -  Plan  dieses 
Korps  zur  russischen  Hauptarmee  einberief,  am  folgenden  Tag 
wieder  zurück. 

Die  Epoche  von  Anfang  Mai  bis  Mitte  Juni  1849  wurde  an  der 
oberen  Donau  durch  kein  kriegerisches  Ereigniss  von  Bedeutung 
ausgefüllt.  Der  Feind  hatte  zwar  00.000  Mann  bei  Komorn  und 
an  der  Waag  konzentrirt  und  schien  zu  einem  Angriffe  entschlossen, 
aber  die  Vorbereitungen  hiezu,  die  Ungewissheit  über  Stärke  und 
Stellung  der  k.  k.  Armee  und  über  die  Richtung,  welche  die 
k.  russischen  Armeckörper  einschlugen,  verzögerten  sein  Unternehmen 
bis  Mitte  Juni. 


1841). 


557 


F.  -Z.  -M.  Baron  Weiden,  welcher  der  k.  k.  Armee  eine 
Achtung  gebietende  Aufstellung  gegeben,  legte  wegen  zerrütteter 
Gesundheit  das  Oberkommando  nieder,  worauf  F. -M. -Lt.  Baron 
Hayn  au  um  die  Mitte  Mai  von  Italien  berufen  und  unter  gleich- 
zeitiger Ernennung  zum  Feldzeugmeister  mit  dem  Oberkommando  über 
sämmtliche  in  Ungarn  und  Siebenbürgen  operirenden  k.  k.  Truppen 
betraut  wurde.  Hayn  an  traf  am  22.  Mai  in  Pressburg  ein  und 
theilte  die  Armee  in  vier  Armeekorps;  Chef  des  Generalstabes  war 
Oberstlieutenant  Kam  min  g,  Artillerie  -  Direktor  G.  -  M.  Haus  lab, 
Genie -Direktor  Oberstlieutenant  PI  atz  er.  Das  Grenadier-Bataillon 
Koudelka  befand  sich  mit  noch  drei  Grenadier  -  Bataillons  und  der 
sechspfündigen  Fussbatterie  Nr.  10  in  der  Brigade  G.-M.  Baron 
Perin,  Division  G.-M.  Herzinger;  das  1.,  2.  und  4.  Bataillon  des 
Regiments,  das  zwölfte  Jäger-  und  Landwehr -Bataillon  von  Nr.  18, 
acht  Eskadrons  Erzherzog  Karl  Chevauxlegers,  nebst  der  sechs- 
pfündigen Fussbatterie  Nr.  31  und  Kavallerie  -  Batterie  Nr.  20  in 
der  Avantgarde  -  Brigade  G.-M.  Kitter  Benedek,  viertes  Armee- 
korps F.  -  M.  -  Lt.  Baron  W  o  h  1  g  e  m  u  t  h.  Dieses  Armeekorps  führte 
auch  den  Namen  „Reserve -Korps.* 

Der  Feind  hatte  am  8.  Juni  nachmittags  ein  Korps  in  Urmfay 
gesammelt  und  rückte  am  9.  vor  Anbruch  des  Tages  zum  Angriff 
auf  Schintau  vor.  Noch  am  vorhergehenden  Tage  um  7  Uhr  abends 
hatte  die  17.  Kompagnie  eine  Stunde  vor  Schintau  den  Wald  besetzt. 
Beim  Angriff  des  Feindes  am  9.  zogen  sich  die  schwachen  Vor- 
truppen überall  zurück  und  nur  die  17.  Kompagnie,  welche  in  ihrer 
vorpoussirten  Stellung  keine  Kenntniss  von  der  Lage  hatte,  blieb 
noch  einige  Zeit  stehen,  bis  Hauptmann  Baron  Vogel  sang  der 
feindlichen  Vortruppen  ansichtig  wurde,  worauf  auch  die  Kompagnie 
zurückging.  Das  feindliche  Korps  sammelte  sich  hierauf  bei  Köpösd 
und  unternahm  eine  Rekognoszirung  gegen  Pata  und  Sopornya.  Als 
auch  hier  die  österreichischen  Vorposten  zurückgezogen  waren,  rückte 
eine  feindliche  Division  selbst  bis  Pata  vor,  während  eine  zweite 
nach  Sopornya  mit  der  Bestimmung  zog,  den  Brückenkopf  bei 
Schintau  durch  eine  Bewegung  längs  der  Waag  aufwärts  in  der 
Flanke  anzugreifen.  Die  Brigade  Perin,  welche  mit  drei  Bataillons 
bei  Szered  stand,  nahm  hinter  Pata  eine  Aufstellung,  musste  aber  bald 
vor  der  fünf  Bataillons,  acht  Eskadrons  und  17  Geschützen  starken 
feindlichen  Division  weichen.  Da  der  Bau  des  Brückenkopfes  bei 


558 


1S40. 


Schintau,  gegenüber  von  Szered  noch  nicht  vollendet  war,  so  zog 
sich  auch  das  Bataillon  Koudelka  zurück.  Die  17.  Kompagnie, 
welche  sich  mit  der  18.  vereinigt  hatte,  übersetzten  mit  einer  Schiff- 
brücke schon  im  Angesichte  des  Feindes  den  Fluss,  worauf  diese 
verbrannt,  ein  Theil  jener  bei  Szered  abgetragen  wurde  und  die 
Brigade  Perin  die  Stellung  auf  dem  rechten  Ufer  bezog,  um  den 
Uebergang  des  Feindes  zu  hindern. 

Um  9  Uhr  vormittags  wurde  das  Geschützfeuer  auf  beiden 
Seiten  eröffnet  und  dauerte  bis  l\  Uhr  nachmittags,  wornach  der 
Feind,  durch  das  wirksame  Feuer  der  österreichischen  Geschütze  an 
jedem  weiteren  Versuche  gehindert,  sich  wieder  nach  l'ata  zurückzog 
und  nur  schwache  Vortruppen  bei  Schintau  Hess.  Das  Resultat 
dieses  feindlichen  Angriffes  war  die  momentane  Besitznahme  des 
linken  Waag -Ufers  bei  Schintau. 

Die  nennt«»  Division  musste  noch  an  demselben  Tage  am  Flusse 
weiter  hinabrücken,  bezog  dann  unterhalb  Waga  an  der  Waag  die 
Vorposten,  welche  fortwährend  vom  Feinde  beunruhigt  wurden. 

Haynau  wollte  die  Uebergiinge  bei  Freistadt  und  Szered  fest- 
halten, um  das  rechte  Waag- Ufer  zu  beherrschen,  den  Gegner  an 
die  Waag  zu  fesseln  und  ihn  in  der  Täuschung  zu  erhalten,  als 
beabsichtige  die  österreichische  Armee  eine  Offensive  am  linken 
Donau-Ufer.  Es  wurde  demnach  angeordnet,  Freistadt  zu  halten,  die 
Brücke  bei  Szered  wieder  herzustellen  und  durch  Verschanzungen 
zu  sichern. 

Am  15.  Juni  war  nicht  nur  die  Brücke  fertig,  sondern  auch 
das  linke  Ufer  nach  unbedeutendem  Widerstande  des  Feindes  wieder 
in  Besitz  genommen,  die  Verschanzungen  daselbst  vollendet,  und 
darin,  sowie  in  dem  zur  Verteidigung  hergerichteten  Dorfe  Schintau 
die  Grenadier -Bataillone  Koudelka  und  Päszthory  nebst  neun  Ge- 
schützen aufgestellt.  Die  neunte  Division  bezog  vorwärts  dieser 
Stellung  die  Vorposten  und  blieb  hier  auch  die  folgenden  Tage. 

Tags  darauf  besichtigte  F.-Z.-M.  Baron  Haynau  die  neu 
angelegten  Verschanzungen  bei  Schintau  und  Hess  sämmtliche 
Grenadier  -  Bataillone  vor  sich  ausrücken,  wobei  er  seine  üeber- 
zeugung  aussprach,  dass  diese  Kerntruppe  bei  nächster  Gelegenheit 
die  Scharte  von  Nagy-Sarlo  auswetzen  und  stets  ihren  alten  ehren- 
vollen Ruf  auf  eine  glänzende  Weise  bewähren  werde.  Noch  am 
selben  Abende  ergab  sich  hiezu  die  Gelegenheit.  Der  Feind,  in  der 


1S49. 


559 


Absicht  die  Waag -Linie  durch  einen  Angrifl'  auf  die  Mitte  der 
kaiserlichen  Donau-Armee  zu  durchbrechen  und  so  deren  Flflgel  zu 
trennen,  rückte  um  5  Uhr  nachmittags  mit  seinem  ganzen  ersten 
Korps  zu  einem  kräftigen  Angriff  auf  Schintau  vor.  Hier  und  in 
Szered  standen  3  Grenadier- Bataillone,  1  Division  Kürassiere  und 
9  Geschfitze  der  Brigade  Perin  («las  Bataillon  Koudelka  hinter  der 
Brücke  am  rechten  Ufer  in  Reserve),  0  Bataillone  feindliche  Land- 
wehr und  2  Geschütze  mit  einigen  Eskadronen  nahmen  auf  den 
Anhöhen  von  Schintau  eine  vortheilhafte  Stellung,  eröffneten  ein 
sehr  heftiges  Geschützfeuer  gegen  die  Verschanzungen  an  der 
Neutraer  -  Strasse  und  rückten  mit  einigen  Bataillons  zum  Sturm 
auf  Schintau  vor.  Der  Feind  gewann  anfangs  einige  Vortheile,  brachte 
unsere  Batterien  momentan  zum  Schweigen  und  drang  in  die  ersten 
Häuser  des  barrikadirten  Dorfes  Schintau  ein. 

F.-M.-Lt.  Baron  Wohlgem  uth,  welcher  das  Gefecht  persönlich 
leitete,  hatte  die  Unterstützung  der  Brigade  Perin  aus  Szered  auf 
das  linke  Waag -Ufer  gezogen,  Hess  1  Bataillon  und  2  Eskadronen 
links  von  der  Strasse  gegen  die  Weingärten  von  St.  Havast  vor- 
rücken, um  die  feindlichen  Kolonnen  in  der  rechten  Flanke  zu  fassen 
und  verstärkte  die  Besatzung  von  Schintau,  welcho  nunmehr  den 
eingedrungenen  Feind  mit  dem  Bajonnet  wieder  hinauswarf  und 
verfolgte. 

Mittlerweile  waren  die  Feinde  mit  ihren  Batterien  immer  weiter 
auf  der  Strasse  vorgerückt,  zogen  ihre  Reserven  heran,  richteten 
ein  mörderisches  Feuer  auf  die  Verschanzungen  an  der  Neutraer- 
Strasse  und  drangen  in  diese  sowohl,  als  in  den  Friedhof  von 
Schintau  ein.  In  diesem  kritischen  Momente  befehligte  F.-M.-Lt. 
Baron  Wohlgem  uth  das  Grenadier-Bataillon  Koudelka  mit  einer 
halben  Raketten  -  Batterie  vor.  Die  Grenadier -Division  von  Nr.  8 
nahm  bei  der  Brücke  Stellung,  während  die  neunte  Division  Deutsch- 
meister im  Laufschritt  über  dieselbe  eilte.  „Sie  müssen  Schintau 
„nehmen  und  behaupten,  dann  brauche  ich  nur  Ihren  Namen",  rief 
F.-M.-Lt.  Wohlgemuth  dem  Hauptmann  Baron  Vogelsang  zu. 
Ueber  der  Brücke  formirte  die  Division  die  Sturmkolonne ;  die  junge 
Mannschaft  wurde  mit  einigen  Worten  zum  tapferen  Streite  ent- 
flammt und  dann  im  ersten  Anlaufe  mit  unwiderstehlicher  Tapferkeit 
Schintau  genommen,  wobei  die  erste  Grenadier  -  Kompagnie  von 
Nr.  8  unter  Oberlieutenant  Weigl  redlich  mitgewirkt  hatte. 


5tiü 


184f>. 


Der  Divisions-Kommandant  gab  dem  Hauptmann  Pfanneuholz 
den  Befehl,  mit  seiner  Kompagnie  das  Dorf  zu  besetzen  und  zu 
halten  und  rückte  dann  mit  der  17.,  gefolgt  von  der  Kompagnie  von 
Nr.  8  unter  dem  heftigsten  feindlichen  Geschütz-  und  Gewehrfeuer 
aus  dem  Dorfe  heraus,  eilte  im  Laufschritt  über  die  freie  Wiese, 
erstürmte  mit  lautem  Hurrah  den  mit  dichtem  Weidengebüsch  und 
vom  Feinde  stark  besetzten  Graben  und  erstieg  dann  rasch  die 
vorliegende  Höhe,  wodurch  die  Kompagnien  den  feindlichen  Ge- 
schützen in  der  Flanke  standen. 

Obgleich  die  Mannschaft  durch  diese  angestrengten  Stürme 
sehr  erschöpft  war,  dachte  Niemand  an  Ruhe  und  alles  eilte  den 
fliehenden  Feinden  nach.  Feldwebel  Maier  und  Korporal  Schwinge  n- 
schlögel  stürmten  mit  ihren  Planklern,  welchen  Oberlieutenant 
Basso  mit  einem  Zuge  folgte,  mit  wahrem  Heldenmuthe  bis  an 
die  Mündungen  der  Kanonen.  Die  Batterie  -  Bedeckung  (Huszaren) 
wurden  im  freien  Felde  mit  dem  Bajonnet  attaquirt,  in  die  Flucht 
gejagt  und  so  vier  zwölfpfündige  Kanonen  erobert. 

Der  Angriff  war  somit  hier  mit  glänzendem  Erfolge,  zu  welchem 
die  Division  Deutschmeister  ruhmvoll  beigetragen  hatte,  abgeschlagen 
und  der  Verlust  ungeachtet  des  heftigsten  feindlichen  Feuers,  welcher 
meist  überschoss,  nur  gering.  Er  bestand  bei  der  Brigade  in  9  Todten 
und  40  Verwundeten;  die  Division  Deutschmeister  hatte  nur  durch- 
schossene Mantel  und  Czako's. 

Noch  um  10  Uhr  abends  wurde  gemeldet,  dass  der  Feind 
nächst  Kirälyfalva,  drei  Meilen  abwärts  von  Szered  einen  Brücken- 
schlag mit  Schiftmühlen  beabsichtigte;  F.-M.-Lt.  Baron  W obi- 
ge muth  schob  noch  in  der  Nacht  ein  Bataillon  bis  Väghä  und  das 
Bataillon  Koudelka  nach  Szerdahely,  wo  die  Division  Deutsch- 
meister den  Brückenkopf  besetzte. 

Sowohl  F.-Z.-M.  Baron  Hayn  au,  der  dem  Gefechte  bis  zum 
Ende  beigewohnt  hatte,  als  auch  F.-M.-Lt.  Baron  Wohlgemuth 
sprachen  sich  höchst  belobend  über  die  bewiesene  Tapferkeit  aus. 
Von  der  Division  wurden  in  der  Relation  als  die  ausgezeichnetsten 
genannt:  Der  Divisions  -  Kommandant  Hauptmann  Ludwig  Baron 
Vogelsang  (erhielt  den  Orden  der  eisernen  Krone  dritter  Klasse), 
Lieutenant  Matthäus  Gänger  und  Josef  Basso  (erhielten  die 
Allerhöchste  Zufriedenheit  und  später  statt  derselben  das  Militär- 
Verdienstkreuz)  und  Lieutenant  Romani;  von  der  Mannschaft:  Feld- 


1*4». 


501 


webel  Johann  Mai  er  erhielt  die  goldene  Tapferkeits-Medaille  und 
das  k.  russische  Georgs -Kreuz  dritter  Klasse,  Korporal  Michael 
Schwingensch lögel  die  goldene  Tapferkeits-Medaille,  Korporal 
Anton  Löhn  er  und  Michael  Dolzer  die  silberne  Tapferkeits- 
Medaille  erster  Klasse,  Korporal  Johann  Kreitmeier,  Johann 
Kittenbauer,  Samuel  Bodenstein,  Gefreiter  Josef  Viere  ekel, 
Zimmermann  Johann  Wegremel,  Grenadier  Friedrich  Hauer, 
Gemeine  Emst  Jagd  schütz,  Laurenz  Müller,  Iguaz  Berthold 
Vincenz  Dolezal,  Johann  Gross,  Michael  Fischer  und  Leopold 
Schraml,  sämmtliche  die  silberne  Tapferkeits  -  Medaille  zweiter 
Klasse. 

Mit  Tagesanbruch  des  17.  Juni  zeigten  sich  am  Waldrande 
vor  dem  Brückenkopf  feindliche  Kolonnen,  welche  Miene  machten, 
diesen  anzugreifen.  Um  die  schwache  Besatzung  und  den  Mangel 
an  Geschütz  zu  maskiren,  rückte  die  Division  vorwärts  und  benfitzte 
das  hier  liegende  sehr  coupirte  Terrain  zu  einem  Tirailleurgefecht, 
welches  von  4  Uhr  früh  bis  4  Uhr  nachmittags  wahrte.  Wiederholt 
versuchte  der  Feind,  welcher  durch  eine  halbe  Batterie  unterstützt 
wurde,  die  Division  zurückzuwerfen,  aber  jedesmal  scheiterte  dieses 
Beginnen  an  der  Standhaftigkeit  der  Deutschmeister,  welche  um 
Mittag  alle  Patronen  verschossen  hatten  und  dann  GOOO  frische 
erhielten.  Leicht  blessirte  Leute  eilten  freiwillig  wieder  in  den 
Kampf  und  es  herrschte  überhaupt  der  fröhlichste  Muth.  Hier  blieb 
die  Division  bis  20.  Juni.  —  Täglich,  gewöhnlich  in  den  Mittags- 
stunden, wiederholten  sich  die  feindlichen  Angriffe. 

Am  20.  Juni  rückte  die  Division  nach  Waga,  um  das  Grenadier- 
Bataillon  Rattai  abzulösen,  welches  gegen  Zsigard  abrückte.  Um 
diese  Zeit  war  auch  die  russische  Division  Panutine  bei  Dioszeg 
zur  Unterstützung  des  vierten  Korps  eingetroffen  und  die  oberen 
Truppen  im  Anmärsche.  Die  18.  Kompagnie  bezog  die  Vorposten, 
während  die  17.  noch  in  der  Nacht  wieder  nach  Szerdahely  zurück 
disponirt  wurde.  Am  folgenden  Tage,  21.  Juni,  fand  die  Schlacht 
bei  Pered  statt,  in  welcher  der  Feind  geschlagen  und  nach  Verlust 
von  2254  Mann,  6  Kanonen  und  1  Fahne  zum  Verlassen  der  Gegend 
diesseits  der  Waag  und  an  dem  Neuhäusler  Donauarme  gezwungen, 
auch  über  die  Schutt  die  Kommunikation  auf  das  rechte  Donau-Ufer 
eröffnet  wurde.  Zeitlich  früh  an  diesem  Tage  hatte  der  Feind  die 
Gewissheit  erlangt,  dass  bei  W;aga  nur  eine  Kompagnie  stehe  und 

36 


562 


184». 


traf  sogleich  alle  Anstalten  zum  Brückenschlag.  Unter  dem  heftigen 
Feuer  von  drei  Zwölfpfündern  liess  er  um  Mittag  die  ersten  Flosse 
ein,  doch  die  Mannschaft  der  18.  Kompagnie,  welche  kühn  his  an's 
Ufer  vorging,  tödtete  durch  ihr  wohlgezieltes  Feuer  mehrere  und 
trieb  dadurch  wiederholt  die  übrigen  in  die  Flucht.  Gegen  2  Uhr 
langte  Hauptmann  Haugwitz  mit  einer  Grenadier  -  Kompagnie  von 
Nr.  8  mit  zwei  Geschützen  zur  Ablösung  an,  als  sich  die  Mann- 
schaft von  Deutschmeister  bereits  verschossen  hatte.  Die  18.  Kom- 
pagnie wollte  von  Ablösung  nichts  wissen,  sondern  liess  sich  von 
den  Grenadieren  Patronen  geben  und  blieb  im  Gefecht.  Bald  war 
abermals  Mangel  an  Munition  eingetreten,  als  Hauptmann  Baron 
Vogelsang  mit  der  17.  Kompagnie  und  einer  halben  Raketen- 
Batterie  erschien,  wodurch  das  Gleichgewicht  mit  der  feindlichen 
Stärke  hergestellt  war.  Der  Feind  wurde  nun  gezwungen,  seine 
Geschütze  zurückzuziehen  und  sein  Vorhaben  gänzlich  aufzugeben, 
wobei  das  Dorf  Vapornya  in  Flammen  aufging.  Hauptmann  Baron 
Vogelsang  und  Pfannenholz,  Oberlieutenant  Gänger,  Lieute- 
nant Baron  Stockard  und  Eckher  hatten  sich  besonders  hervor- 
gethan  und  erhielt  Hauptmann  Pfannen  holz  die  Allerhöchste  Zu- 
friedenheit ausgesprochen,  daher  später  das  Militär  -  Verdienstkreuz. 
Von  der  Mannschaft  leuchteten  durch  besondere  Tapferkeit  und 
Ausdauer  hervor:  Feldwebel  Josef  Murmann,  Eduard  Fuchs. 
Korporal  Franz  Angelmaier,  Franz  Regner,  Georg  Strak,  Alois 
Alber,  Josef  Isel,  Michael  Iser,  Michael  Christian,  Grenadier 
Johann  Malinsky,  Johann  Laseicky,  Mathias  Davidek,  Michael 
Körper,  Gemeiner  Michael  Marschall,  Andreas  Schneider, 
Johann  Trauh  und  Rudolf  Pank,  welche  sämmtliche  mit  der 
silbernen  Tapferkeits  -  Medaille  zweiter  Klasse  ausgezeichnet  wurden. 
Der  Verlust  der  Division  bestand  in  7  Verwundeten. 

Noch  in  der  Nacht  des  22.  Juni  bezog  die  Division  wieder 
die  Stellung  bei  Szerdahely  und  stellte  am  23.  die  Vorposten  aus. 

F.-Z.-M.  Baron  Hayn  au  erliess  am  24.  Juni  nachstehenden 
Armee-Befehl:  »Soldaten!  Unser  Feind  ist  am  20.  und  21.  Juni 
, entscheidend  geschlagen  worden.  Die  Truppen  des  Armee-Reserve- 
, Korps  unter  Führung  des  umsichtigen  und  tapferen  F.-M.-Lt. 
„ Baron  Wohlgemut h,  nebst  der  Brigade  Pott,  in  Verbindung  mit 
„der  k.  russischen  Division  unter  den  Befehlen  des  gleich  tapferen 
„und  kriegserfahrenen  G.-Lt.  Pa nutine  haben  das  über  die  Waag 


1K4«.>. 


563 


.gedruugene  Rebellenheer  Görgey's  in  wilder  Flucht  wieder  zurüek- 
. getrieben.  Mit  freudigem  Hochgefühle  gebe  ich  es  der  gesainniten 
.Armee  bekannt,  dass  sich  der  kühne  Muth  und  die  Hingebung 
.unserer  Truppen  jeder  Waffe,  die  unwiderstehliche  Ruhe  und  Tapfer- 
keit der  nissischen  Bataillons  gegenseitig  zu  uberbieten  suchten. 
,  Hiermit  hat  an  der  Waag  eine  Reihe  neuer  Siege  begonnen,  deren 
„letzter  alle  Stützen  niederträchtigen  Verrathes  in  diesem  un- 
glücklichen Lande  zu  Boden  geworfen  haben  wird.  Soldaten !  Harret 
„muthig  aus  im  wiederbegonnenen  Kampfe  zur  Ehre  unseres  Vater- 
landes, zum  fortgesetzten  Ruhme  der  Armee  Oesterreichs;  der 
.Dank  Eueres  geliebten  Kaisers  und  der  Völker,  denen  Ihr  den 
.ersehnten  Frieden  bringt,  wird  Euer  schönster  Lohn  sein." 

Am  23.  abends  rückte  die  Division,  welche  sich  mit  dem  Ba- 
taillon Koudelka  vereinigte,  in  das  Bivouak  von  Kiralyrev,  am  24. 
in  jenes  von  Podasa  in  der  Schütt,  am  25.  vor  Döborgaz,  wo  die 
ganze  Infanterie  des  vierten  Armeekorps  auf  Dampfschiffen  auf 
das  rechte  Donau-Ufer  überführt  wurde  und  lagerte  am  26.  hinter 
Ungarisch  -  Altenburg ,  dem  Konzeutrirungspunkte  des  gesammten 
vierten  Korps. 

Während  diesen  geschilderten  Begebenheiten  war  die  Brigade 
Barco,  dabei  das  1.,  2.  und  4.  Bataillon  des  Regiments,  am  16.  Juni 
von  Budatin  abmarschirt  und  hatte  auf  der  vom  Oberlieuteuant 
Eckher  gebauten  Flossbrücke  die  Waag  überschritten.  Am  17.  über- 
nahm G.-M.  Ritter  Benedek  das  Kommando  der  Brigade,  welche 
an  diesem  Tage  nach  lllava,  18.  Trentsiii,  19.  Vag-Ujhely,  20.  Koz- 
tolän  und  am  21.  nach  Tyrnau  marschirte,  wo  das  vierte  Bataillon 
verblieb ;  am  22.  und  23.  Juni  wurden  der  Regimentsstab  und  die 
beiden  ersten  Feld  -  Bataillons  mit  der  Pferde  -  Eisenbahn  nach 
Pressburg  befördert  und  hier  vom  F.-Z.-M.  Baron  Haynau  be- 
sichtigt. Am  24.  wurde  der  Marsch  nach  Altenburg  und  am  25.  nach 
Kaltenstein  fortgesetzt,  wo  sich  beide  Bataillons  in  der  Brigade 
vereinigten. 

Mit  Ausnahme  des  zweiten,  auf  dem  linken  Donau-Ufer  zur 
Vertheidigung  der  grossen  Schütt  und  Beobachtung  der  Waag  zurück- 
gebliebenen Korps  war  nunmehr  die  ganze  Donau -Armee  am  rechten 
Ufer  der  Donau  auf  der  Pressburg -Raaber -Hauptstrasse  zu  einem 
Hauptschlage  auf  die  bei  Raab  in  einer  vortheilhaften  Stellung 
befindlichen  Heerestheile  des  Gegners  vereinigt. 

36* 


504 


lK4f>. 


Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  22.  Juni  wurde  Oberst- 
lieutenant Friedrich  Barou  M  er  vi  11  e  zum  Obersten  beim  Regiment 
Nr.  49,  dagegen  der  Major  Albert  Fürst  des  Regiments  Nr.  46 
zum  Oberstlieutenant  und  mit  jeuer  vom  27.  Juni  die  Hanptleute 
Eduard  Rottee  von  Nr.  10  und  Johann  Baron  Rüstel  von  Nr.  34 
zu  Majors  im  Regiment  befördert. 

Heim  Beginn  der  Operationen  wurde  dem  Regiment  der  nach- 
stehende Armee-Befehl  des  F.-Z.-M.  Baron  Haynau  vom  20.  Juni 
publizirt: 

„Soldaten!  Die  Armee  ist  zum  Wiederbeginne  der  Operationen 
.versammelt.  Aus  diesem  Anlasse  ist  auch  unser  gütiger,  für  das 
„Wohl  seines  Heeres  unablässig  besorgter  Monarch  in  unsere  Mitte 
„gekommen.  Soldaten  Oesterreichs!  Euer  ritterlicher  und  hoch- 
herziger Kaiser  und  Herr  und  Ihr,  nissische  Krieger,  der  Freund 
„Eueres  erlauchten  Czars,  will  Zeuge  sein  unseres  gemeinschaft- 
lichen Wetteifers  im  Kampfe,  diess  soll,  diess  wird  unseren  Muth 
„zur  Begeisterung  entflammen,  unsere  Kraft  verdoppeln,  deren 
„Streiche  das  Heer  der  magyarischen  Rebellen  und  ihrer  verworfenen 
„Genossen  erschüttern  und  vernichten  werden.  Es  ist  nicht  Ungarns, 
„nicht  Oesterreichs  Frieden  allein,  den  zu  erringen  wir  gemein- 
schaftlich berufen  sind.  In  ganz  Europa  werden  Millionen,  die  das 
„Glück  der  Staaten  in  Ruhe  und  Ordnung,  in  gesetzlicher  Entwicklung 
„suchen,  unseren  Siegen  zujubeln,  unsere  Erfolge  segnen.  Darum 
„seid  muthig  und  ausharrend  in  der  Gefahr  des  Kampfes,  seid  aber 
„auch  edel  und  menschlich  gegen  die  wehrlosen  und  bedrängten 
„Landesbewohner,  übt  diese  Tugenden  im  Vereine  mit  Tapferkeit 
„zur  Ehre  unseres  Standes  und  zur  Ehre  unseres  Sieges.  Soldaten! 
„Ich  vertraue  auf  Euch,  so  wie  auch  ihr  überzeugt  sein  möget, 
„dass  ich  Eueren  Anstrengungen  die  verdiente  Anerkennung  Eueres 
„geliebten  Kaisers  und  Herrn  zu  verschaffen  mir  zur  angenehmsten 
„Pflicht  machen  werde." 

Das  vierte  Armeekorps  rückte  am  27.  Juni  nach  Leyden;  die 
Avantgarde  Brigade  Benedek  bis  Encse  vor  und  suchte  dann  in  der 
Nacht  zum  28.  einen  Uebergang  in  der  Gegend  von  Raba-Patona. 
Der  Fluss,  obgleich  nur  50  bis  60  Schritt  breit,  hat  schlammigen 
Grund  und  sumpfige  Ufer,  so  dass  nur  wenige  Stellen  zu  einem 
Brückenschlage  sich  eignen.  Durch  die  vorhergegangenen  Regentage, 
mehr  noch  durch  das  Abstechen  der  Dämme  war  die  ganze  Strecke 


zwischen  der  Kaab  und  Marczul  bei  Käba  -  Patona ,  Ikreny  und 
bis  über  Gyarmath  hinab  ganz  ungangbar.  Da  ein  Uebergang  des 
vierten  Korps  auf  dieser  Strecke  unmöglich  war,  so  wies  der  Feld- 
zeugmeister diesem  Korps  um  7  Uhr  früh  die  Richtung  über  Lesvür 
mit  der  Bestimmung  an,  zwischen  der  Kaab  und  der  Rabnitz  vor- 
zurücken, die  feindlichen  Verschanzungen  an  der  Abda- Brücke  im 
Rücken  zu  nehmen  und  dadurch  dem  ersten  Armeekorps  den  Ueber- 
gang über  die  Rabnitz  zu  öffnen. 

Dieser  Disposition  gemäss  rückte  das  vierte  Korps  über  Lesvär 
gegen  Abda  vor.  Eine  Stunde  über  Lesvär  hinaus  traf  die  Avant- 
garde Brigade  Benedek  auf  die  feindlichen  Vortruppen,  die  sich 
zurückzogen.  Nach  kurzer  Verfolgung  entwickelte  der  Feind,  eine 
halbe  Stunde  vor  Raab,  eine  lange  Liuie  Kavallerie  in  zerstreuter 
Schlachtordnung  mit  Batterien,  hinter  dieser  aber  geschlossene 
Fronten.  General  Benedek  führte  seine,  sowie  die  zu  seiner  Unter- 
stützung vorgezogene  Zwölfpfünder- Batterie  auf  vortheilhafte  Punkte 
vor  und  ehe  sich  seine  Kavallerie  zum  Angriffe  entwickelt  hatte, 
zog  sich  schon  der  Feind  nach  kurzem  Geschützkampfe  in  die  Ver- 
schanzungen zurück. 

Durch  dieses  rasche  Vordringen  der  Brigade  Benedek,  welcher 
das  Gros  des  vierten  Korps  folgte,  musste  der  Feind  seine  Ver- 
schanzungen an  der  Abda -Brücke  eilig  verlassen  und  das  erste 
Korps  konnte  die  in  Brand  gesteckte  Brücke  herstellen. 

Nachdem  der  Feind  diese  Brücke  verlassen  hatte,  wurde  die 
Brigade  Benedek  von  der  Rabnitz  weg  und  mehr  rechts  gezogen, 
um  gegen  den  linken  offenen  Flügel  der  Verschanzungen  verwendet 
zu  werden,  aus  welchen  der  Feind  alsbald  auf  weite  Distanz  ein 
sehr  lebhaftes  Geschützfeuer  eröffnete.  Er  machte  sogar  Miene,  aus 
seinen  Stellungen  hervorzubrechen  und  die  Brigade  Benedek  anzu- 
greifen. F.-M.-Lt.  Wolligem uth  Hess  aber  zu  deu  Batterien  der 
Avantgarde  noch  zwei  Fuss-  und  eine  Kavallerie -Batterie  rasch  iu 
die  Gefechtslinie  vorziehen  und  richtete  ein  gemessenes  aber  sehr 
wirksames  Feuer  auf  die  feindlichen  Batterien.  Das  vierte  Korps 
marschirte  unterdessen  in  Schlachtordnung  auf. 

Zur  Unterstützung  der  Brigade  Benedek  folgte  die  Grenadier- 
Division  Herzinger,  dabei  das  Bataillon  Koudelka,  in  zwei  Treffen. 

Das  Regiment  Karl  -  Chevauxlegers  von  der  Brigade  Benedek 
bildete  im  ersten  Treffen  den  rechten  Flügel  des  Korps  und  brach 


r>r,<; 


184». 


gegen  den  offenen  Kaum  zwischen  der  verschanzten  Linie  und  dem 
Flusse  vor.  Ihm  folgte  als  zweites  Treffen  die  Kavallerie-  Brigade 
Lederer,  und  nun  ubernahm  F.  -M.-Lt.  Graf  Schlick  die  Leitung 
Ober  alle  zwischen  der  Raab  und  Rabnitz  vereinigten  Truppen  des 
ersten  und  vierten  Korps. 

Kaum  hatte  der  Feind  den  Aufmarsch  des  vierten  Korps  und 
die  Entwicklung  der  Kavallerie  am  rechten  Flügel  wahrgenommen, 
als  er  mit  bedeutenden  Kavalleriemassen  aus  dem  offenen  Räume 
vor  der  Wiener  Vorstadt  hervorbrach  und  die  rechte  Flanke  des 
Korps,  besonders  der  aufgefahrenen  Batterien,  bedrohte.  Aber  die 
raschen  Bewegungen,  welche  die  Chevauilegers  dagegen  ausführten 
und  wodurch  sie  die  linke  Flanke  der  Uuszaren  zu  gewinnen  wussteu, 
hielten  sie  vom  ferneren  Vorrücken  ab.  Mehrereraale  wiederholte 
sich  ihr  Versuch,  aber  erfolglos;  und  als  auch  die  Kavallerie- 
Brigade  Lederer  zur  Umgehung  der  üuszaren  in  Bewegung  gesetzt 
wurde,  zog  sich  die  feindliche  Reiterei,  ohne  ein  ernstes  Gefecht 
angenommen  zu  haben,  innerhalb  die  Verschanzungen  zurück. 

Nachdem  noch  zwei  Batterien  in  die  Gefechtslinie  vorgezogen 
waren,  avancirten  nun  die  zusammengefahrenen  Batterien,  42  Ge- 
schütze, in  einer  umfassenden  Linie  bis  auf  500  Schritte  gegen  die 
linke  zurückgebogene  Flanke  der  feindlichen  Verschanzungen.  Es 
entspann  sich  ein  lebhafter  Geschützkampf,  welcher  von  unserer 
Artillerie  mit  so  gutem  Erfolg  geführt  wurde,  dass  schon  nach  einer 
Stunde,  in  welcher  vier  feindliche  Munitionskarren  in  die  Luft  flogen, 
viele  Mannschaft  und  Pferde  getödtet  wurden,  die  Besatzung  der 
verschanzten  Linie  in  volle  Unordnung  gerieth  und  mit  Zurück- 
lassung zweier  Kanonen  und  Karren  sich  eilig  nach  Raab  zurück- 
zog. Unsere  brave  Artillerie  wartete  nicht  erst  das  Nachrücken  der 
Infanterie  -  Angritfskolonnen  ab,  sondern  drang  selbst  in  die  Ver- 
schanzungen und  nahm  sie  in  Besitz.  Der  Feind  besetzte  nun  die 
zum  Theil  harrikadirten  Eingänge  der  Raaber  Vorstädte,  um  Zeit 
zur  Abführung  seines  Geschützes  und  zum  Abtragen  der  Brücken 
zu  gewinnen.  Um  aber  dem  Feind  diese  nicht  zu  gönnen,  Hess 
Schlick  sogleich  nach  Einnahme  der  verschanzten  Linie  fünf 
Batterien  vorrücken  und  die  Stadt  sammt  den  Vorstädten  beschiesseu. 

Die  vorrückenden  Truppen  trafen  erst  an  der  Rabnitz  in  der 
Stadt  selbst  auf  ernstlichen  Widerstand.  Die  Brücke  über  den  Fluss 
war  abgetragen  und  in  Brand  gesteckt.  Die  Feinde  unterhielten  von 


1K49. 


5C7 


den  Stadtwklleu  uud  einigen  Häusern  der  Vorstadt  ein  sehr  lebhaftes 
Feuer  gegen  die  Kolonne  des  Fürsten  Lichtenstein,  welches 
jedoch  durch  die  an  der  Tete  befindlichen  Tiroler  -  Kaiser  -  Jäger 
und  eine  Rakettenbatterie  erwidert  wurde.  Als  hiedurch  ein  Haus 
in  Brand  gerieth,  fing  der  Feind  zu  wanken  au  und  zog  sich  bald 
zurück.  Se.  Majestät  der  Kaiser,  welcher  dem  Angriffe  auf  die  Ver- 
schanzungen vor  der  Wiener  Vorstadt  im  heftigsten  Geschützfeuer, 
so  dass  die  feindlichen  Kanonenkugeln  die  Erde  faktisch  aufackerten, 
beiwohnte,  und  dessen  Gegenwart  die  Truppen  begeisterte,  zog 
gleichzeitig  durch  die  Wiener  Vorstadt,  während  noch  heftig  in  den 
Gassen  gefeuert  wurde,  an  der  Spitze  des  Regiments  Deutschmeister, 
Brigade  Benedek,  in  Raab  ein.  Das  erste  Bataillon  hatte  hier  die 
Ehre,  vor  dem  Quartiere  Sr.  Majestät  in  der  Wiener  Vorstadt  die 
Ehrenwache  beizustellen ;  beide  Bataillone  lagerten  auf  der  Haupt- 
strasse dieser  Vorstadt  bis  29.  Die  Grenadiere  waren  durch  Raab 
marschirt  uud  die  Division  des  Regiments  bezog  nachts  1  Uhr  auf 
den  Höhen  von  Szabadhegy  die  Vorposten,  wo  sie  immer  durch 
Huszaren  umschwärmt  war,  welchen  aber  die  Uebcrzeugung  bei- 
gebracht wurde,  dass  die  Deutsehmeister  ihr  Pulver  nicht  umsonst 
verschieden,  denn  so  mancher  Huszar  büsste  seine  Kühnheit  mit 
dem  Leben. 

Die  Bataillone  des  Regiments  waren  im  heftigsten  feindlichen 
Geschützfeuer  wie  Mauern  gestanden  und  nur  die  siebente  Kompagnie 
hatte  zwei  Verwundete  verloren. 

Am  20.  stand  der  Feind  hinter  dem  Czonczo-Bach,  von  der 
Donau  bis  Nagy-Igmänd  ausgedehnt  und  wurde  aus  der  Komorner- 
Garnison  verstärkt.  Hier  beabsichtigte  er  einen  entscheidenden 
Kampf  aufzunehmen  und  zog  daher  auch  sein  drittes  Korps  vom 
linken  auf  das  rechte  Donau-Ufer. 

Das  erste  Bataillon  hatte  an  diesem  Tage  die  Ehrenwache 
bei  Sr.  Majestät  dem  Kaiser  dem  zweiten  Bataillon  übergeben  und 
wurde  auf  einige  Stunden  bequartirt.  Dem  Regiment  wurde  der 
nachstehende  Brigade-Tagsbefehl  publizirt: 

„Es  ist  mir  eine  augenehme  Pflicht,  sämratlicheu  Stabs-,  Ober- 
„officieron  und  der  Mannschaft  meine  unbegränzte  Hochachtung  für 
»die  in  der  heutigen  Schlacht  au  den  Tag  gelegte  Bravour,  Manns- 
,zucht  und  Ruhe  zu  bezeugen.  Eine  Truppe,  die  so  tapfer  und 
.ehrenvoll  kämpft,  wie  ich  tieute  die  Brigade  zu  kommandiren  die 


1H49. 


„Khre  uud  das  Glück  hatte,  wird  sich  auch  bei  jeder  Gelegenheit 
„durch  Dienstordnung,  den  strengsten  Gehorsam,  moralisches  und 
„ehrenvolles  Benehmen  auszeichnen.  Dies  fühlend,  kann  ich  nur 
„aufrichtig  gestehen,  dass  es  mich  unendlich  ehrt  und  beglückt, 
„der  Kommandant  einer  so  braven  und  wohl  geordneten  Brigade 
„zu  sein. 

„Raab,  am  28.  Juni  1849. 

„Beuedek  m.  p.  G.-M.* 

Am  29.  brach  die  Donau -Armee  auf,  um  in  drei  Kolonnen 
bis  in  die  Höhe  von  Komorn  vorzurücken;  das  vierte  Korps  rückte 
auf  der  Fleischhauerstrasse  bis  Böny  und  nahm  hier  Stellung.  Am 
folgenden  Tage  rückte  das  Korps  an  den  Czonczo-Bach,  wo  es  bei 
Csanati  Stellung  nahm  und  Nagy-Igmänd  besetzte;  unterwegs  war 
dasselbe  vor  Sr.  Majestät,  welcher  mit  dem  Hauptquartier  raitfolgte, 
defiliert. 

Der  Feind  hatte  sich  ganz  nach  Komorn  zurückgezogen  und 
hielt  die  ausgedehnten,  auf  dem  rechten  Donau-Ufer  aufgeworfeneu 
Verschanzungen  besetzt.  In  der  Hoffnung  ihn  zu  einer  entscheidenden 
Schlacht  zu  bewegen,  ordnete  F.-Z.-M.  Baron  Hayn  au  am  2.  Juli 
eine  allgemeine  Vorrückung  gegen  die  Festung  an. 

An  diesem  Tage  um  5  Uhr  früh  rückte  das  vierte  Korps  von  Nagy- 
und  Kis-Igmänd  über  Puszta-Cscm  auf  der  Strasse  von  Uj-Szöny 
bis  in  die  Höhe  von  Puszta  -  Harkäly  vor.  Sr.  Majestät  der  Kaiser 
setzten  sich  selbst  au  die  Spitze  dieses  Korps,  welches  bis  nahe 
in  den  Geschützbereich  des  feindlichen  Lagers  in  geschlossener 
Schlachtordnung  und  mit  klingendem  Spiele  marschirte  und  nun  auf 
den  gegen  Komorn  hin  sanft  abfallenden  Hügelreihen  mit  der 
Division  Herzinger  im  zweiten  Treffen  Stellung  nahm. 

Der  Feind  hatte  sich  beinahe  gänzlich  in  seine  Verschanzungen 
zurückgezogen,  nur  den  ausserhalb  derselben  am  linken  Flügel 
liegenden  Ort  O-Szöny  stark  besetzt,  und  durch  zahlreiche  Batterien 
gedeckt.  Bald  aber  vermehrte  der  Feind  seine  vor  der  Festung 
befindliche  Kavallerie,  besonders  gegen  O-Szöny  hin  bedeutend  und 
rückte  mit  dieser  und  mehreren  Batterien  gegen  die  österreichische 
Stellung,  weshalb  eine  Kavallerie-Division  vorbrach  und  die  Huszaren 
bald  in  die  Verschanzungen  zurückdrängte.  Der  feindliche  Angriff 
wiederholte  sich  indessen  bald  wieder,  aber  die  österreichischen 


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1840. 


569 


Chevauxlegers  warfen  die  Huszureu  in  grösstcr  Unordnung  bis  hinter 
die  Weingärten  von  O-Szöny  zurück  und  nahmen  ihnen  sechs 
Geschütze  ab. 

Auch  gegen  die  Front  des  vierten  Korps  war  der  Feind  mit 
mehreren  Batterien  aus  seinen  Verschanzungen  hervorgebrochen, 
und  liess  vorzüglich  in  der  Richtung  auf  Puszta  -  Harkaly  grosse 
Kavallerie-Massen  und  Geschütz  vor  seinem  Lager  sich  formiren.  Das 
4.  Korps  rückte  demungeachtet  so  weit  als  es  der  Ertrag  des  Festungs- 
geschützes erlaubte  vor  und  brachte  die  vorgefahrenen  Batterien 
des  Feindes  nach  und  nach  zum  Schweigen.  Schon  während  dieser 
Vorrückung  wurde  die  Brigade  Benedek  gegen  das  Dorf  O-Szöny 
an  der  Donau  entsendet,  um  es  zu  nehmen,  da  dessen  Besitz  für 
die  Erschliessung  der  Festung  von  Wichtigkeit  schien.  Die  Ka- 
vallerie-Brigade Simbschen  sollte  diese  Vorrückung  unterstützen. 
Mit  Benützung  der  deckenden  Terrain  -  Gegenstande  rückte  General 
Benedek,  den  Feind  in  der  linken  Flanke  bedrohend,  bis  gegen 
O-Szöny  vor.  Die  Jäger  des  12.  Bataillons  versicherten  sich  der 
Zugänge  und  verjagten  die  im  Orte  befindlichen  Feinde,  worauf 
dasselbe  durch  eine  Division  des  Landwehr  -  Bataillons  vom  Regi- 
ment Nr.  18  besetzt  und  in  Eile  barrikadirt  wurde.  Die  Brigade 
stellte  sich  ausserhalb  des  Ortes  auf  und  hier  sowie  beim  vierten 
Korps  verstummte  bald  darauf  der  Kampf. 

Gegen  Mittag  war  der  Feind  auf  allen  Punkten  in  sein  ver- 
schanztes Lager  zurückgeworfen  und  der  Zweck  der  allgemeinen 
Vorrückung  schien  erreicht.  Das  vierte  Korps  wurde  gegen  4  Uhr 
nachmittags  in  die  ihr  bezeichnete  Lagerstellung  bei  Mocsa  in 
Marsch  gesetzt,  die  Brigade  Benedek  vor  O-Szöny  zurücklassend. 
Am  linken  Flügel  der  Armee,  von  welchem  Abtheilungen  siegreich 
sogar  bis  in  die  Verschanzungen  eingedrungen  waren,  war  jedoch 
mittlerweile  ein  Rückschlag  erfolgt.  Der  feindliche  Oberkommandant 
Görgey  trieb  seine  zur  Flucht  gewendeten  Bataillone  mit  Kar- 
tätschenschüssen in  den  Kampf,  der  österreichische  linke  Flügel  wurde 
zurückgedrückt  und  immer  heftiger  wurde  der  Kampf  im  Acser- 
walde  und  bei  Puszta  Harkaly.  Zwischen  4  und  5  Uhr  sah  auch  die 
Brigade  Benedek  sich  bei  O-Szöny  mit  bedeutender  Kraft  angegrill'en. 

Zum  Sturm  liess  der  Feind  vier  Bataillone,  welchen  drei  Ba- 
taillone als  Unterstützung  folgten,  unter  einem  mörderischen  Feuer 
aus  IG  Geschützen,  vorrücken.    General  Benedek  liess  dieses 


570 


1H49. 


heftige  Geschützfeuer  kräftig  erwidern,  zwei  feindliche  Bataillons 
drangen  durch  Gärten  gedeckt  in  das  Dorf  ein  und  besetzten  die 
Hälfte  desselben,  während  sich  die  Vertheidiger  bis  an  die  barrikadirte 
Brücke  zurückziehen  niussten. 

Um  O-Szöny  zu  halten  und  den  Feiud  wieder  hinauszuwerfen, 
sendete  Benedek  das  zweite  Bataillon  Deutschmeister  mit  dem 
12.  Jäger  -  Bataillon  und  zwei  sechspfündigen  Kanonen  in  das  Dorf, 
während  das  erste  Bataillon  en  Reserve  blieb.  Der  Feind  überschüttete 
mit  seinen  vielen  Geschützen  den  noch  besetzten  Theil  des  Dorfes 
und  die  Brigade  mit  einem  Hagel  aller  Projektilen,  aber  frischen 
Muthes  rückte  die  sechste  Division  in  Schwärme  aufgelöst,  die  zehnte 
Kompaguie  als  Bedeckung  der  beiden  Geschütze,  die  neunte  als 
Flankendeckung  und  die  vierte  Division  als  Reserve,  dem  Feinde  ent- 
gegen, welcher  bereits  bis  zur  steiuernen  Brücke  an  der  Kirche 
vorgedrungen  war.  Mit  unwiderstehlicher  Tapferkeit,  unter  lautem 
Hurrah  stürmten  die  Deutschmeister  in  den  Ort  und  obgleich  sie 
aus  Fenstern,  Dachluckeu  und  Kellerlöchern  mit  dem  lebhaftesten 
Feuer  begrüsst  wurden,  warfen  sie  mit  gefälltem  Bajonuet  den  Feind 
hinaus.  Dieser  hatte  mittlerweile  seino  drei  Bataillons  Reserve  knapp 
herangezogen,  welche  wieder  eindrangen  und  nun  entspann  sich  ein 
mörderischer  Kampf  im  Dorfe.  General  Benedek  unterstützte  die 
Kämpfenden  mit  der  dritten,  vierten,  fünften  und  sechsten  Kompagnie 
Deutschmeister,  welche  sogleich  in  das  Gefecht  mit  besonderer 
Bravour  eingriffen  und  so  vereint  den  Feiud  derart  hinausschlugen, 
dass  er  sich  unter  den  Schutz  seiner  Batterien  flüchten  musste,  welche 
ihr  Feuer  mit  aller  Heftigkeit  auf  das  Dorf  fortsetzten,  ohne  hiemit 
einen  Erfolg  zu  erzielen.  Es  war  8  Uhr  abends. 

F.-M.-Lt  Wohlgemut  Ii  hatte  auf  seinem  Rückmärsche  mit 
dem  vierten  Korps  etwa  um  5  Uhr  erfahren,  dass  Benedek  heftig 
angegriffen  sei,  daher  er  die  Brigade  Jablonowski  zu  seiner  Unter- 
stützung disponirte;  allein  das  Vorrückeu  des  Feindes  auch  gegen 
Puszta-Harkäly  bestimmte  den  Fcldmarschall  -  Lieutenant  mit  seinem 
ganzen  Korps  auf  diesen  Punkt  der  Entscheidung  zu  eilen  und  er 
ertheilte  demgeraäss  an  General  Benedek  den  Befehl,  falls  er  sich 
nicht  halten  könne,  den  minder  wichtigen  und  nunmehr  isolirten 
Punkt  zu  verlassen  und  sich  auf  Mocsa  zurückzuziehen. 

Nachdem  auch  die  Kavallerie -Brigade  Simbschen  von  den 
Höhen  der  O-Szönyer  Weingärten  sich  gegen  Harkäly  gewendet 


1849. 


571 


hatte,  so  durfte  die  Brigade  Bcnedek  oline  Gefahr  abgeschnitten 
zu  werden,  nicht  länger  in  O-Szöny  verweilen.  Als  nun  General 
Benedek  seine  Truppen  fechtend  und  in  bester  Ordnung  zurück- 
zog, stürzte  sich  der  Feind  in  das  Dorf  und  suchte  die  Brigade  zu 
verfolgen,  welche  jedoch  in  ruhiger  und  geregelter  Vertheidigung 
denselben  abwies,  so  dass  er  von  der  Verfolgung  bald  ganz  ab- 
stand und  die  Brigade  ihren  Marsch  nach  Mocsa  unangefochten 
fortsetzen  konnte. 

Der  Kampf  um  die  Behauptung  des  Ortes  O-Szöny  unter  der 
Leitung  dieses  tapferen  und  einsichtsvollen  Generals  war  einer 
der  schönsten  uud  heissesten  im  ganzen  Feldzuge. 
Der  Feind  liess  vor  dem  Orte  200  Todte  und  80  Gefangene  führte 
die  Brigade  beim  Rückzüge  mit.  Das  vierte  Korps  lagerte  nach 
beendigtem  Gefechte  am  Abende  bei  Mocsa. 

Lieutenant  Ad  eis  heim  und  vier  Mann  blieben  todt  auf  dem 
Felde  der  Ehre;  Hauptmann  Eliatschek,  Oberlieutenant  du  Rieux 
und  Weil  nebst  sieben  Mann  wurden  verwundet.  Einer  dieser  Ver- 
wundeten verlor  durch  eine  Kanonenkugel  den  Fuss  und  wurde  von 
einem  Oberarzt  der  Jäger  verbunden.  Als  er  beim  Wegtragen  den 
abgeschossenen  Fuss  mitnehmen  wollte  und  der  Arzt  fragte,  zu  was 
er  solchen  brauche,  er  möge  ihn  liegen  lassen,  gab  er  kaltblütig 
zur  Antwort:  »Was  wird  denn  der  Herr  Hauptmann  sagen,  wenn 
ich  ohne  meine  neuen  Schuh  einrück?" 

Hervorragend  haben  sich  ausgezeichnet  die  beiden  Hauptleute 
Friedrich  Benda  und  Ludwig  Daguen;  von  der  Mannschaft  Ge- 
freiter Franz  St  ix  und  Privatdiener  Lorenz  Fernhammer,  ferner 
Feldwebel  Johann  Roberiech ner,  Kadet  Karl  Stadler,  Korporal 
August  Lisch  ka,  Franz  Schiffer,  Gefreiter  Johann  Hof  mann 
und  die  Gemeinen  Anton  Fuchs,  Gustav  Czemy,  Johann  Winter- 
meier, Kaspar  Finter,  Ferdinand  Dussak,  Leopold  Köbel, 
Lorenz  Schöfböck,  Josef  Hönig,  welche  erstere  beide  mit  der 
silbernen  Tapferkeits-Medaille  erster  Klasse,  alle  übrigen  mit  jener 
zweiter  Klasse  dekorirt  wurden.  Feldwebel  Karl  Pich ler,  Gefreiter 
Gustav  Minkovits,  Gemeiner  Johann  Schneider  und  Josef 
Ried  er  erhielten  im  Regiments  -  Tagesbefehl  die  belobende  An- 
erkennung ihrer  Tapferkeit. 

Lieutenant  Bataillons -Adjutant  Weil  war  im  Dorfgefechte 
verwundet  worden.  Der  Gefreite  Johann  Swoboda  des  Regiments 


572 


1S4Ö. 


Nr.  18  schützte  ihn  im  heiligsten  Kugelregen  mit  dem  eigenen 
Körper,  verband  die  Wunde  nach  Möglichkeit  und  entfernte  dann 
den  Verwundeten  aus  dem  Schussbereiche,  selben  den  Gemeinen 
Josef  Laisner  und  Johann  K o u b a  übergebend,  welche  ihn  in  die 
links  des  Dorfes  liegenden  Gärten  trugen.  Bald  drang  der  Feind 
auch  auf  diesen  Punkt  vor  und  suchte  die  hier  stehende  Reserve 
abzuschneiden.  Ohne  Aufforderung  brachten  die  beiden  Wackeren  den 
Blessirten  ungeachtet  der  Ermüdung,  in  die  der  mehrstündige  Kampf 
sie  bereite  versetzt,  auf  den  Verbandplatz,  übergaben  ihn  hier  und 
eilten  als  brave  Soldaten  wieder  in's  Gefecht.  Gefreiter  Johann 
S  wob  oda  erhielt  die  silberne  Tapferkeits  -  Medaille  erster,  die 
Gemeinen  Josef  Laisner  und  Johann  Kouba  jene  zweiter  Klasse. 

Das  k.  k.  Hoflager  und  das  Armee -Hauptquartier  wurden  am 
3.  Juli  nach  Babolna  verlegt,  von  wo  Se.  Majestät  der  Kaiser,  welcher 
sich  bei  der  Aflaire  am  vorigen  Tage  mit  bewunderungswürdiger 
Ruhe  dem  heftigsten  Kanonenfeuer  ausgesetzt  hatte,  über  Raab  nach 
Wien  zurückkehrte.  Das  vierte  Korps  marschirtc  von  Mocsa  nach 
Puszta-Cscm  und  stellte  sich  in  enger  Verbindung  mit  dem  ersten 
Korps  bei  Puszta-Harkäly  und  Csem  auf.  Ausser  kleinen  Patrouillen- 
Gefechten  hei  bis  zum  11.  Juli  nichts  von  Bedeutung  vor. 

Oberstlieutenant  Albert  Fürst  rückte  am  9.,  von  Italien 
kommend,  beim  Regimente  ein  und  übernahm  am  10.  das  Kommando; 
Major  Rottöe  befehligte  nun  das  erste,  Major  Baron  Rüstel  das 
zweite  Bataillon. 

Am  10.  Juli  entsendete  F.-Z.-M.  Haynau  zwei  Brigaden 
des  dritten  Korps  über  Acso- Galla  nach  Ofen -Pest,  um  sich  dieses 
wichtigen  Punktes  zu  bemächtigen,  von  wo  aus  sie  dann  den  auf 
der  Linie  Erlau  und  Hatvan  siegreich  vorrückenden  Russen  die  Haud 
reichen  oder  gegen  Süden  Operiren  konnten.  Eine  dritte  Brigade 
war  zur  Nachrückung  bestimmt,  welche  am  11.  sich  über  Moor 
nach  Stuhlweissenburg  in  Marsch  setzte. 

Der  Feind  hielt  den  Abmarsch  des  dritten  Korps  für  den 
richtigen  Moment  zu  einem  Durchbruchversuche  der  von  der  kaiser- 
lichen Douauarmee  nothwendig  eingenommenen  weiten  Zerniruugs- 
linie.  Durch  einen  dichten  Nebel  begünstigt,  dem  später  eiu  starker 
Regen  folgte,  brach  der  Feind  am  11.  Juli  vormittags  10  Uhr  mit 
40.000  Mann,  7000  Pferden  und  160  Geschützen  aus  seiner  ver- 
schanzten Stellung,  welchen  kaum  32-  bis  34.000  Mann  mit  176  Ge- 


1M0. 


573 


schützen  entgegengestellt  werden  konnten ;  so  sehr  hatte  die  Cholera 
die  kaiserlichen  Truppen  dezimirt. 

Der  Kampf  entbrannte  zuerst  auf  dem  liuken  Flügel ;  mehrere 
feindliche  Divisionen  griffen  den  Acscr-Wald  heftig  an,  wurden 
aber  vom  ersten  Korps  Schlick  mit  gewohnter  Tapferkeit  empfangen. 
Gegen  das  österreichiche  Centrum  war  der  Hauptangriff  des  Feindes 
gerichtet.  Zwei  seiner  Korps,  wovon  das  eine  gleichzeitig  den  Acser- 
Wald  umgehen  sollte,  griffen  hier  an.  F.-Z.-M.  Baron  Hayn  au 
beorderte  die  nissische  Division  Panutine  zur  Vorriiekung  nach  Puszta- 
Cs6m,  das  vierte  Korps  links  von  demselben  auf  die  Höhen  von 
Puszta - Harkäly.  Die  (irenadier- Division  Herzinger  formirte  sich 
rechts,  von  vier  Kskadrons  in  Stoffel  gefolgt,  zwischen  Puszta- 
Harkaly,  wo  die  Brigade  Benedek  stand,  und  Puszta -Cs^m  in 
Schlachtordnung  und  rückte  ungesäumt  mit  vorgezogenem  rechten 
Flügel  vor,  um  die  feindliche  (Jeschützlinie,  welche  Puszta-Harkaly 
heftig  beschoss,  in  der  linken  Flanke  zu  fassen.  Mittlerweile  war 
aber  ein  feindliches  Korps  auf  dem  von  Uj-Szöny  gegen  Puszta- 
Csem  führenden  Wege  mit  seiner  Avantgarde,  durch  das  trübe 
Wetter,  sowie  durch  die  vorgeschobenen  Batterien  maskirt,  bis  nahe 
an  den  rechten  Flflgel  der  Division  Herzinger  gelangt.  Einige 
feindliche  Landwehr  -  Bataillons  hatten  sich  in  dem  wellenförmigen 
Terrain  herangeschlichen,  verbargen  sich  in  den  hier  liegenden  Mais- 
feldern, deren  Frucht  mannshoch  stand  und  fielen  nun  überraschend 
die  Tete,  nämlich  das  Bataillon  Koudelka,  der  Division  Herzinger 
an.  Das  Bataillon  stutzte,  aber  auf  den  Ruf  , vorwärts"  griff  das- 
selbe sogleich  den  Feind  mit  dem  Bajonnet  an,  wobei  sich  die 
Division  Deutschmeister  durch  Herzhaftigkeit  auszeichnete ;  der  Feind 
rückte  aber  in  Kolonnen  vor,  führte  Batterien  auf  und  umging  die 
Division  in  der  rechten  Flanke  mit  grösseren  Kavallerie-Abtheilungen. 
Die  Division  Herzinger,  deren  rechter  Flügel  ohne  Anlehnuug  war, 
wich  dann  vor  diesem  überraschenden  Gegenangriffe  und  ward 
fechtend  in  eine  Stellung  zurückgezogen,  welche  sich  links  an  die 
Brigade  Benedek,  rechts  an  Puszta  -Cseua  lehnte. 

Es  war  beiläufig  7,8  Uhr  nachmittags,  als  diese  Krisis  der 
Schlacht  eintrat.  Das  erste  und  vierte  Korps  bildeten  eine  Linie, 
auf  deren  linkem  Flügel  die  Feinde  den  Acser-Wald  in  Besitz 
genommen  hatten  und  ihre  Anstrengungen  verdoppelten,  um  gegen 
Acs  selbst  vorzudringen ;  auf  dem  rechten  Flügel  des  vierten  Korps 


574 


waren  sie  ebenfalls  mit  Erfolg  bis  Csem  vorgerückt  und  gingen  nun 
zum  Sturm  auf  diesen  Maierhof  über.  Die  Schlachtlinie  gestaltete 
sich  daher  zu  einem  Bogen,  dessen  vorspringende  Mitte  die  Brigade 
Benedek,  Regiment  Deutschmeister,  bei  Puszta  -  Harkäly  bildete.  Auf 
diesen  Punkt  richtete  sich  nun  das  konzentrische  Feuer  von  fünf 
Batterien  mit  beispielloser  Heftigkeit.  Die  tapferen  Truppen  dieser 
Brigade,  beseelt  durch  den  bekannten  Heldenmuth  ihres  Führers, 
wichen  während  mehreren  Stunden  des  mörderischen  Geschützkampfes 
nicht  einen  Schritt  aus  ihrer  exponirten,  durch  keinen  Terraingegen- 
stand gedeckten  Stellung  und  imponirten  dem  Feinde  derart,  dass  er 
weder  zu  einem  Bajonnet-  Angriffe,  noch  zu  einer  Attaque  mit  seiner 
zahlreichen  Kavallerie  überzugehen  wagte.  Von  der  Kavallerie-Batterie 
Nr.  20  wurden  viele  Leute  und  Pferde  getödtet,  auch  fünf  Geschütze 
demoutirt;  Oberlieutenant  Kühne  und  Kadet-Feldwebel  Herdliczka 
begaben  sich  freiwillig  zu  dieser  Batterie  uud  als  auch  Freiwillige 
des  Regiments  zur  Geschützbedienung  gerufen  wurden,  stellten  sich 
bedeutend  mehr  ein,  als  nöthig  waren.  Durch  angestrengteste 
Thatigkeit  gelang  es  diesen  braven  Leuten  mit  den  wenig  übrig 
gebliebenen  Artilleristen,  im  heftigsten  feindlichen  Feuer  drei  demon- 
tirtc  Geschütze  wieder  brauchbar  herzustellen  und  in  eine  solche 
Position  zu  bringen,  dass  dem  Fejnde,  welcher  schon  auf  sehr  nahe 
Distanz  vorgerückt  war,  ein  bedeutender  Verlust  beigebracht  werden 
konnte.  Dem  General  Benedek,  Oberstlieutenant  F  ü r s t  und  dem 
Adjutanten  Georg  Fürst  wurden  die  Pferde  unter  dem  Leibe  er- 
schossen. 

Durch  diese  heldeumüthige  Sündhaftigkeit  bat  die  Brigade 
Benedek  das  erneuerte  Vordringen  der  beiden  Flügeln  unserer 
Schlachtlinie  nicht  nur  erleichtert,  sondern  auch  der  noch  nicht 
in's  Gefecht  gebrachten  Reserve  die  Zeit  zur  Mitwirkung  verschallt 
und  auf  diese  Art  die  rasche  Wendung  des  Kampfes  ermöglicht. 

F.  -  M.  -  Lt.  R  a  m  m  i  n  g  sagt  in  seinem  Werke,  über  dieses 
heroische  Aushalten  der  Brigade: 

„Wir  bewundern  stets  mit  erhebendem  Gefühle  die  aus  einem 
„raschen  und  kühnen  Angriffe  entspringenden  Thaten  der  Krieger; 
„und  doch  ist  es  unläugbar  schwieriger  und  heroischer,  unter  un- 
günstigen Umständen,  wo  eine  Reaktion  momentan  unmöglich  wird, 
„passiv  auszuharren:  das  Gemflth  entbehrt  hier  jenen  zauberhaften 
.Schwung,  der  sich  fast  immer  des  Stürmenden  bemächtigt,  von 


1840 


.Glied  zu  Glied  durch  Beispiel  fortreisst  und  das  Ziel  erreichen 
,  macht,  ehe  das  Bewusstsein  der  Gefahr  vor  die  begeisterte  Seele 
.tritt." 

Mit  welchem  Gleichmut!)  als  die  Deutschmeister  in  diesem 
Gefechte,  in  welchem  der  Tod  in  seinen  entsetzlichsten  Gestalten 
an  sie  herantrat,  sich  benahmen,  möge  von  den  vielen  Beispielen 
nur  eines  hier  seinen  Platz  finden.  Eine  Kanonenkugel  reisst  einem 
Tambour  den  Czako  vom  Kopfe;  lachend  setzt  er  die  Holzmütze 
auf  und  als  ihm  bald  darauf  auch  diese  von  einer  Kanonenkugel 
weggerissen  wird,  sagt  er:  .Jetzt  sein  alle  hin,  jetzt  könnts  mi 
—  gern  haben.* 

Während  so  die  Bataillone  Benedek's  (Deutschmeister)  eine 
eherne  Mauer  bilden,  an  welcher  alle  Durchbruchsversuche  des 
Feindes  zerschellen,  stürmt  F.-M.-Lt.  Schlick,  der  nun  alle  seine 
Kräfte  entwickelt  hat,  den  Aeser  Wald  und  wirft  nach  einem 
mörderischen  Gefechte  die  eingedrungenen  feindlichen  Kolonnen  aus 
allen  Waldtheilen  wieder  heraus.  Gleichzeitig  geht  F.-M.-Lt.  Baron 
Wohlgemut!)  mit  der  durch  eine  Zwölf- Pfünder-  und  Baketen- 
Batterie  verstärkten  Division  Herzinger  entschieden  zum  Angriffe 
über.  Der  Feind,  durch  die  Batterien  des  vierten  Korps  heftig  be- 
schossen, geriet!)  in  Unordnung  und  wich  zurück.  Die  Division 
Herzinger  rückt  ihm  rasch  am  Fusse  nach.  In  diesem  Augenblicke 
erscheint  P  a  n  u  t  i  n  e  mit  seiner  Division  auf  der  Anhöhe  von  Puszta- 
Csem  gegen  Kis-Igmänd  und  bewirkt  seinen  Aufmarsch;  der  Feind, 
vom  F.-M.-Lt.  Wohlgemuth  verfolgt,  gerieth  nun  in  den  konzen- 
trischen Angriff  von  drei  Seiten,  versucht  es  noch  einmal  sich  zu 
stelleu,  aber  es  war  zu  spät!  F.-Z.-M.  Baron  Hayn  au  ordnet  nun 
die  Vorrückung  der  Division  Panutine  an  und  zwar  rechts  neben  der 
in  Verfolgung  des  Feindes  begriffenen  Grenadier-Division  Herzinger, 
um  den  Feind  in  der  Flanke  zu  fassen.  Die  Batterien  richten  ein 
so  mörderisches  Feuer  auf  den  bereits  ausser  Fassung  gebrachten 
Feind,  dass  er  Höhe  um  Höhe  verlässt  und  der  Rückzug  der  Infanterie 
in  volle  Flucht  ausartet. 

Gegpn  5  Uhr  nachmittags  verhallte  das  Feuer  und  der  ge- 
schlagene Feind  zog  sich  unter  den  Schutz  seiner  Festungswerke 
zurück.  Die  k.  k.  Armee  umgab  dieselben  in  einem  grossen  Halb- 
kreise und  blieb  Iiis  zur  einbrechenden  Nacht  in  dieser  Stellung, 
worauf  sie  mit  verstärkten  Vorposten  ihre  früheren  Lagerplätze  bezog. 


570 


1840. 


Nach  dem  Gefechte  sprachen  der  Korps-Kommandant  F.-M.-Lt. 
Baron  Wohlgemuth  und  der  Brigadier  General  Benedek  dein 
Regiment  Deutschmeister  das  wohlverdiente  Lob  seiner  Tapferkeit 
aus;  auch  waren  mehrere  Generale  herbeigeritten  und  beglück- 
wünschten dasselbe  zu  dem  erworbenen  Ruhme.  Ks  war  in  der  Armee 
nur  eine  Stimme,  dass  die  Brigade  Benedek,  dann  ein  Bataillon 
Nassau  und  die  Truppen  Sehlick'a  siel»  die  Palme  des  Sieges  er- 
rungen haben. 

Lieutenant  Christian  Ohle  wurde  so  schwer  verwundet,  dass 
er  schon  Tags  darauf  starb,  1  Gefreiter  und  19  Mann  blieben  todt 
am  Platze,  02  Mann  waren  verwundet,  von  welchen  viele  zu  Babolna 
und  Raab  in  den  Feldspitäleru  ihren  Wunden  erlagen.  Die  neunte 
Division  in  der  Grenadier -Division  Heranger  hatte  keinen  Todten,  ■ 
dagegen  war  der  Hauptmann  Divisions- Kommandant  Baron  Vogel- 
sang von  einer  Kanonenkugel,  0  Mann  schwer,  8  Mann  leicht 
verwundet. 

General  Benedek  sagt  in  seiner  Relation :  „Bei  der  Wichtig- 
keit meiner  Stellung  als  Pivot  beider  zurückgewichenen  Flügel  bot 
.ich  alles  auf,  dieselbe  zu  erhalten,  was  jedoch  nur  mit  einer 
»Truppe,  die  mit  ihrer  Tapferkeit,  unbedingten  Gehorsam  und 
„Appel,  sowie  mit  ihrem  fröhlichen  Muthe  und  ihrer  Kriegslust 
„sich  den  Würdigsten  anreiht,  ausführbar  war",  und  F.-Z.-M.  Baron 
Hayn  au:  .Alle  Truppen,  angeeifert  durch  das  glänzende  Beispiel 
„ihrer  Führer,  haben  mit  ausgezeichnetem  Muthe  und  Tapferkeit 
„gefochten.  An  der  Ruhe  und  Ordnung,  mit  welcher  sie  unter  dem 
„heftigsten  Kanonenfeuer  wie  auf  dem  Exerzierplatze  manövrirten, 
„erkannte  man  kriegsgeübte  Truppen,  die  mit  Siegesahnung  in  den 
„Kampf  gehen.* 

Major  Eduard  K  o  1 1  e  e,  Hauptmann  Ludwig  Baron  Vogel- 
sang, Oberlieutenant  Friedrich  Kühne  und  Lieutenant  Ferdinand 
Hof  mann  erhielten  die  Allerhöchste  Zufriedenheit  und  dann  später 
das  Militär-  Verdienstkreuz.  In  der  Relation  des  Regiments  wurden 
wegen  hervorragender  Tapferkeit  genannt :  Oberlieutenant  Schwarz, 
Lieutenant  Georg  Fürst  und  Ludwig  J  a  n  s  k  y,  Korporal  Lorenz 
Edermaier,  Johann  Hofstadler,  Gefreite  Ignaz  Haumer, 
Michael  Schill,  Gemeine  Franz  Stangelmaier,  Anton  Bock, 
Georg  T  r  ö  p  t  y,  Heinrich  H  i  n  s  e  n,  Mathias  B  i  n  d  e  1,  Michael 
Stark,  Franz  Patzelt,  Georg  Hub  er,  Johann  Bauer,  Alois 


577 


Esner,  Josef  Janauschek,  Franz  Watzing,  Josef  Pilwein, 
Anton  Schaufler,  Johann  Hanusch  ek,  Josef  Schneller, 
Mathias  Lehncr  und  Karl  Z  e  i  r  i  n  g  c  r. 

Am  12.  Juli  blieb  die  Brigade  Benedek  auf  Vorposten,  wurde 
am  13.  abends  G  Uhr  abgelöst,  bezog  das  Lager  bei  Pusta-Csem 
und  blieb  hier  den  14.  Am  folgenden  Tage  um  11  Uhr  mittags 
rückte  die  Brigade  in  der  Insel  Schritt  Ober  die  bei  Leväd  gegen 
Lei  geschlagene  Brücke  und  bezog  bei  Aranyos  ein  Lager.  Den 
IG.  Juli  wurde  wieder  nach  Puszta  -  Harkaly  zurückmarschirt  und 
die  Brigade  bezog  abermals  die  Vorposten. 

Görgey  hatte  mit  drei  Armeekorps  2G-  bis  28.000  Mann 
mit  140  Geschützen  in  der  Nacht  vom  13.  auf  den  14.  nach  Zurück- 
iassung  von  20.000  Mann  die  Festung  Komorn  verlassen.  F.-Z.-M. 
Baron  Hayn  au  rückte  nach  Zurücklassung  des  ersten  und  zweiten 
Armeekorps  zur  Zernirung  Komorns,  am  IG.  Juli  mit  der  Donau- 
Armee  gegen  Pest.  Das  vierte  Korps  marschirte  am  17.  Juli  nach 
Kocs  und  traf  über  Also-Galla  18.,  Bicske  10.  und  Buda-Eörs  20., 
am  21.  in  Pest  ein,  wo  sich  nunmehr  im  Lager  östlich  der  Stadt 
die  ganze  Donau  -Armee  mit  Ausnahme  der  beiden  vor  Komorn 
zurückgebliebenen  Armeekorps  sammelte. 

Die  russische  Hauptarmee  hatte  einstweilen  den  ganzen  nörd- 
lichen Theil  Ungarns  erobert  und  sich  mit  der  Donau- Armee  am 
12.  Juli  in  Verbindung  gesetzt,  während  die  Streitkräfte  des  Feindes 
in  zwei  Theile  zersprengt,  jeder  isolirt,  in  divergirender  liiehtung 
gegen  Norden  und  Süden  in  eiligem  Rückzüge  gegen  die  Theiss  ihr 
Heil  suchen  mussten. 

F.-M.-Lt.  Baron  Wohlgemuth  wurde  zum  Gouverneur  in 
Siebenbürgen  ernannt  und  F.-M.-Lt.  Fürst  Lichtenstein  über- 
nahm das  Kommando  des  vierten  Korps;  nach  Abgang  des  G.-M. 
P  e  r  i  n  erhielt  G.  -  M.  Graf  T  h  u  n  das  Kommando  der  zweiten 
Grenadier  -  Brigade  in  der  Division  Herzinger. 

F.-Z.-M.  Baron  Haynau  dirigirte  nun  die  Donau -Armee  in 
drei  Kolonnen  zum  Entsätze  der  hart  bedrängten  Festung  Temesvär 
gegen  Szegedin.  Das  vierte  Korps  brach  zuletzt  am  24.  Juli  von 
Pest  auf,  erreichte  am  26.  Czeghid,  schob  noch  an  demselben  Tage 
seine  Avantgarde -Brigade  Benedek  nach  Abony  vor  und  Hess  Streif- 
kommanden bis  Törtöl  und  Szolnok  ziehen.  Am  27.  besetzte  Benedek 
mit  einem  Theile  seiner  Brigade  (ein  Bataillon  Deutschmeister) 

37 


578 


1*4». 


Szoluok  obne  Widerstand  und  fand  daselbst  22  zum  Theil  sehr  be- 
schädigte Lokomotive  der  Eisenbahn  vor.  Das  Gros  des  vierten  Korps 
war  am  27.  nach  N.  Körös  und  am  28.  in  Kecskem^t  eingerückt, 
um  sich  mit  der  Hauptkolonne  zu  verbinden. 

Wahrend  des  bisherigen  Vorrilckens  der  Armee  wurden  die 
k.  k.  Truppen,  welche  eine  musterhafte  Disziplin  hielten,  fast  Überall 
mit  Bereitwilligkeit  empfangen ;  nur  aus  wenigen  Ortschaften  hatten 
sich  die  Bewohner  aus  Furcht  geflüchtet  und  kehrten  allmälig  wieder 
zurück.  Alle  ausgesprengten  Gerücht«  vom  Verschütten  der  Brunnen, 
Verheeren  der  eigenen  Saaten,  Anzfiudeu  der  Häuser  von  Seite  der 
Landbewohner  erwiesen  sich  als  unbegrfludet.  Das  eigentliche  Land- 
volk verhielt  sich  selbst  in  den  echt  magyarischen  Bezirken  ganz 
ruhig  und  nahm  am  Waffendienst  nur  gezwungen  Theil.  Es  musste 
daher  um  so  mehr  fiborraschen,  als  in  der  Stadt  Csongräd  ein  Haufe 
bethörter  und  fanatisirter  Leute  Venrath  ausübten.  Zwei  Eskadrons 
waren  nämlich  am  29.  Juli  in  dieser  Stadt  eingerückt,  wurden 
plötzlich  von  vielen  Bewaffneten  unvermuthet  angegriffen  und  es  blieb 
ihnen  nichts  übrig,  da  gleichzeitig  auch  der  Feind  mit  Kavallerie 
und  Geschütz  anrückte,  um  den  Rückzug  abzuschneiden,  als  sich 
nach  Felegyhaza  zurückzuziehen.  Auf  die  Meldung  dieser  Vorgänge 
sendete  der  Armee -Ober -Kommandant  am  30.  Juli  die  ganze  Gre- 
nadier-Brigade Thun  nach  Csongräd,  bei  deren  Annäherung  nicht 
nur  die  feindliche  Kavallerie,  sondern  auch  die  Bewohner  Csongräd's, 
deren  Zahl  20.000  beträgt,  mit  Ausnahme  weniger  die  Stadt  ver- 
liessen  und  sich  über  die  Theiss  flüchteten.  Die  der  Brigade  bei- 
gegebene Kavallerie  rückte  in  die  Stadt,  während  das  Grenadier- 
Bataillon  Päszthory  eine  Rekognoszirung  des  Theiss  -  Ueberganges 
bei  Szentes  vornahm.  Die  übrige  Infanterie  besetzte  am  31.  die 
Stadt  ohne  Widerstand,  aber  nachmittags  brach  an  sieben  Stellen 
zugleich  Feuer  aus  und  griff  so  mächtig  um  sich,  dass  die  Brigade 
für  diese  Nacht  Csongräd  räumte  und  erst  am  1.  August  wieder 
besetzte.  Noch  an  diesem  Tage  erfolgte  der  Abmarsch  der  Grenadier- 
Brigade  Thun,  mit  Zurücklassung  eines  Bataillons  in  Csongräd,  nach 
Felegyhäza,  am  2.  nach  Kis-Telek  und  am  3.  nach  dem  von  der 
Hauptkolonne  bereits  besetzten  Szegedin. 

Die  Brigade  Benedek  hatte  sich  am  30.  bei  Toszeg  gesammelt, 
rückte  am  31.  nach  Uj-Kecske,  1.  August  Csongräd  und  am  2.  bis 
Kis-Tellek.  Hier  wurde  die  Mannschaft  der  beiden  Bataillons  mit 


579 


neuen  Mänteln,  Kitteln  und  Wäsche  betheilt,  denn  dieselbe  hatte 
bereits  seit  längerer  Zeit  an  reiner  Wäsche  empfindlichen  Mangel 
gelitten;  auch  waren  die  Uniformen  sehr  herabgekommen. 

Am  3.  marschirte  die  Brigade  im  Verein  mit  dem  vierten 
Korps  gegen  Szegedin,  welches  der  Feind  ohne  einen  Schuss  räumte, 
die  Theissübergänge  abbrach  und  nach  Szflreg  retirirte;  nur  seine 
Arrieregarde,  welche  das  liuke  Theiss-Ufer  bei  Uj -Szegedin  fest- 
hielt, beunruhigte  die  Stadt  Alt -Szegedin  durch  Geschützfener. 

F.-Z.-M.  Baron  Hayn  au  schlug,  gleichwohl  schon  am  3. 
früh,  sein  Hauptquartier  in  dieser  Stadt  auf  und  beschloss,  den  Feind 
unverzüglich  aus  Uj- Szegedin  zu  delogiren.  Trotz  der  sehr  starken 
und  wohl  besetzten  feindlichen  Stellung  übersetzte  General  Beue- 
-dek  an  der  Spitze  des  12.  Jäger- Bataillons  auf  Pontons  den  Fluss 
mit  glänzender  Bravour.  Die  erston  Jäger  -  Abtheiluugeu  warfen  sich 
jubelnd  auf  die  vom  Feinde  besetzten  Häuser  des  jenseitigen  Ufers, 
nahmen  sie  in  Besitz,  eroberten  eine  Kanone  und  schlugen  nun  alle 
Angriffe  des  Feindes  ab,  bis  eine  Grenadier -Division  zur  Unter- 
stützung heranrückte.  Oberhalb  der  Stadt  fand  dann  noch  ein  lebhafter 
Kampf  um  den  Brückenkopf  statt,  bis  auch  dieser  von  den  Oester- 
reichern  mit  dem  Bajonnet  erstürmt  ward. 

Die  Thätigkeit  der  Pionniere  hatte  den  Brückenschlag  in 
2'/j  Stunden  vollendet,  worauf  gegen  3  Uhr  die  Brigade  Dossen 
übersetzte,  in  die  Ebene  debouchirte  und  sich  in  zwei  Treffen 
formirte. 

Der  forcirte  Theiss-Uebergang  bildete  die  strategische  Ein- 
leitung zur  Schlacht  bei  Szöreg  am  5.  August.  Die  feindliche 
Theiss -Armee  hatte  in  der  Nacht  auf  den  2.  August  das  aus- 
gedehnte verschanzte  Lager  vor  Szegedin,  auf  dessen  Widerstands- 
fähigkeit der  Feind  grosse  Hoffnungen  gesetzt  hatte,  ohne  einen 
Schuss  zu  thun  geräumt  und  sich  nach  Szöreg  zurückgezogen.  In 
dieser  sehr  festen  Stellung  hatte  der  Feind  41.000  Mann  mit  mehr 
als  100  Geschützen  zum  nachdrücklichsten  Widerstand  vereinigt. 
Die  Front  war  durch  die  sumpfige  Beschaffenheit  des  Bodens  und 
durch  einen  hohen  breiten  Damm  gedeckt,  hinter  welchem  50  Ge- 
schütze, zumeist  Zwölfpfünder,  aufgeführt  waren. 

Dem  Feinde  lag  alles  daran,  diese  Stellung  zu  halten,  um  das 
Debouchiren  der  Oesterreicher  in  die  Ebene  des  Banate  zu  hindern 
und  um  Görgey  die  Zeit  einzuräumen,  seine  Vereinigung  über 

37* 


580 


1H40. 


Arad  zu  bewirken;  allein  das  Eintreten  des  ersten  Korps  am 

4.  August  bei  Mako  veranlasste  den  feindlichen  Kommandanten  am 

5.  August  um  12  Uhr  mittags  den  allmäligen  Rückzug  Ober  Be'ba 
anzuordnen.  Der  Angriff  der  Oesterreicher  an  diesem  Tage  nach- 
mittags erfolgte  also  eben  zur  günstigen  Stunde,  um  noch  die  feind- 
liche Armee  zu  treffen  und  ihr  einen  entscheidenden  Schlag  zu 
versetzen. 

Um  4  Uhr  nachmittags  war  die  k.  k.  Armee  im  Brückenkopfe 
formirt ;  die  Brigade  Benedek  stand  im  ersten  Treffen  links  von  der 
Araderstrasse,  im  zweiten  Treffen  die  Grenadier  -  Division  Herzinger. 
Die  hier  vereinten  Heerestheile  hatten  eine  Stärke  von  25.000  Mann, 
worunter  bei  5000  Mann  Kavallerie  mit  160  Kanonen. 

Auf  dem  linken  Flügel  debouchirten  zuerst  die  zwei  ZwÖlf- 
pffindcr-Batterien  Nr.  9  und  10  des  vierten  Korps  aus  dem  Brücken- 
kopf, fuhren  rasch  bis  auf  800  Schritte  an  die  feindlichen  Ver- 
schanzungen heran  und  eröffneten  das  Feuer,  während  alle  übrigen 
Batterien  des  vierten  Korps  successive  nachfolgten  und  sich  rechts 
von  den  ersteren  formirten.  Gleichzeitig  mit  den  genannten  zwei 
Zwölfpfünder  -  Batterien  ruckte  die  Brigade  Benedek  (Regiment 
Deutschmeister)  mit  überraschender  Schnelligkeit,  dnreh  den  Strassen- 
damra  gedeckt,  mit  der  Kavallerie  -  Batterie  Nr.  20  und  einer  Ra- 
ketefbatterie  an  der  Spitze,  längs  der  Maros  bis  an  den  Strassen- 
bug  zunächst  der  feindlichen  Verschanznng  vor.  Zwei  Mann  des 
Regiments  wurden  bei  dieser  Gelegenheit  schwer  verwundet. 

Auch  auf  dem  rechten  Flügel  debonchirte  die  ganze  Geschütz- 
Reserve  und  rückte  gleichzeitig  mit  den  Batterien  des  vierten  Korps 
vor.  Die  Bewegung  dieser  Geschützmasse  von  lö'/s  Batterien  geschah 
unter  der  Leitung  des  Artillerie  -  Generals  H  a  u  s  1  a  b  mit  solcher 
Präzision  und  Schnelligkeit,  dass  alle  Batterien  gleichzeitig  in  einem 
weiten  Halbkreise  vor  den  feindlichen  Verschanzungen  auffuhren  und 
ihr  Feuer  eröffneten.  Der  Feind  erwiderte  dasselbe  sehr  lebhaft, 
besonders  gegen  den  vorgeschobenen  linken  Flügel,  überschoss  aber 
meist  die  im  steten  Vorrücken  begriffeneu  Batterien  und  als  diese 
in  ihrer  umfassenden  Bogenlinie  eingefahren  waren,  beschossen 
unsere  09  Geschütze  durch  ihr  wohlgezieltes  Feuer  derart  die  feind- 
liche Artillerie,  dass  sie  allmälig  in  ihrem  Feuer  nachlie  s,  dann  ganz 
verstummte  und  ihren  Abzug  begann.  Tausendstimmiger  Jubel  der 
Truppen  lohnte  unsere  brave  Artillerie  für  diese  eminente  Leistung. 


1H49. 


581 


Nun  rückte  die  Infanterie  zum  Sturme  vor,  um  das  zu  vollen- 
den, was  die  Artillerie  so  ausgezeichnet  vorbereitet  hatte.  Die  Brigade 
Benedek  bildete  die  Tete,  welche  längs  dem  mit  Auen  bedeckten 
Ufer  der  Maros  eine  Jäger  -  Kompagnie,  welcher  zwei  Kompagnien 
Deutschmeister  als  Unterstützung  folgten,  kotoyirte.  Rechts,  als 
Echelon  folgte  die  Brigade  Jablonowski,  dieser  die  Grenadier-Division 
Herzinger  in  zwei  Treffen  formirt,  endlich  noch  weiter  rechts  eine 
Brigade  Hussen. 

Die  Brigade  Benedek,  welche  nach  abermaliger  Verwundung 
ihres  tapferen  Generals  jetzt  vom  Oberst  Siegenthal  befehligt 
wurde,  fand  die  Verschanzung  bereits  vom  Feinde  verlassen;  nicht 
„  so  die  Brigade  Jablonowski,  welche  rechts  von  dieser  zum  Sturm 
schritt  und  der  als  Unterstützung  die  Grenadier  -  Brigade  Thun  auf 
dem  Fusse  folgte.  Einige  feindliche  Landwehr -Bataillons  mit  einer 
Batterie  hielten  hier  noch  die  Mitte  des  Dammes,  um  den  Abzug 
der  Geschütze  zu  decken  und  schlugen  den  ersten  Angriff  ab,  der 
nur  von  den  zwei  vordersten  Kompagnien  mit  Verwegenheit  unter- 
nommen worden.  Als  aber  drei  andere  Kompagnien  als  Unterstützung 
folgten,  wurde  der  Sturm  sogleich  erneuert,  der  Feind  mit  dem 
Bajonnet  vom  Damm  vertrieben  und  ihm  zwei  Geschütze  abgenommen. 
Der  Kampf  auf  diesem  Theile  des  Schlachtfeldes  hatte  kaum  zwei 
Stunden  gedauert  und  schon  war  der  Schlüssel  der  Stellung  in 
unseren  Händen.  Nun  erfolgte  noch  ein  Reitergefecht,  welches  mit 
dem  Rückzüge  der  geschlagenen  feindlichen  Huszaren  endete. 

Das  Dorf  Szöreg,  welches  von  den  Einfällen  der  Serben  in 
einen  Schutthaufen  verwandelt  war,  liess  sich,  rechts  au  die  Maros 
gestützt,  mit  seinen  vortheilhaft  erhöhten  Punkten  dennoch  ziemlich 
gut  vertheidigen ;  aber  der  Feind  war  bereits  am  eiligen  Rückzug 
und  nur  seine  Arrieregarde  schien  sich  hier  halten  zu  wollen.  F.-M.-Lt. 
Fürst  Lichtenstein  liess  nach  kurzer  Beschiessung  das  Regiment 
Deutschmeister  zum  Sturm  vorrücken.  Der  Feind  wartete  aber  auch 
diesen  nicht  ab,  sondern  floh  in  der  Richtung  auf  Dessk,  wohin  ihn 
Kavallerie-Abtheilungen  der  Brigade  verfolgten  und  einige  Hunderte 
Gefangene  machten. 

Nach  beendigtem  Kampfe  rückte  die  Avantgarde  Brigade 
Benedek  über  Szöreg  hinaus  auf  dem  Wege  von  Zombor  und 
schob  ihre  Kavallerie  bis  gegen  Dessk  vor.  Die  Grenadier -Division 
Herzinger  besetzte  Szöreg  und  bezog  hinter  dem  Dorfe  das  Lager. 


582 


Die  Schlacht  von  Szöreg  war  kurz  aber  von  grosser  Ent- 
scheidung, denn  sie  verschaffte  der  österreichischen  Armee  nicht  nur 
den  freien  Eintritt  in  das  Banat,  sondern  führte  am  folgenden  Tage 
die  Vereinigung  mit  dem  dritten  und  ersten  Korps,  folglich  der 
ganzen  Armee  herbei.  Die  Trophäen  bestanden  in  sechs  eroberten 
Geschützen  und  in  3  bis  400  Gefangeneu,  deren  Zahl  aber  bei  der 
Verfolgung  der  nächsten  zwei  Tage  anf  mehrere  Tausende  stieg. 
Allenthalben  blieben  in  den  hohen  Maisfeldern  Nachzügler  zurück, 
welche  die  Waffen  streckten. 

Vom  Regiment,  welches  in  dieser  Schlacht  mit  Enthusiasmus 
in's  Feuer  gegangen  war,  blieben  die  Gemeinen  Mathias  Bauer 
und  Ignaz  Hammer  todt,  10  wurden  schwer  verwundet. 

Mit  tiefer  Trauer  nahm  die  Brigade  von  ihrem  tapferen  Führer 
General  Benedek,  welcher  durch  eine  Granate  am  Fusse  ver- 
wundet war,  Abschied.  Unter  seiner  Führung  war  das  Regiment  als 
das  Erste  in  Raab  eingedrungen,  focht  tapfer  den  isolirten  Kampf 
bei  O-Szöny,  trug  aufopfernd  mit  aller  Ausdauer  durch  mehrere 
Stunden  das  Gewicht  der  Schlacht  am  11.  Juli,  stürmte  Szöreg,  den 
Schlüssel  der  feindlichen  Stellung,  und  hatte  seinen  alten  Ruf  von 
Zenta  her,  eines  der  tapfersten  Regimenter  der  ruhmgekrönten  öster- 
reichischen Armee  zu  sein,  nach  dem  öffentlichen  Ausspruche  hervor- 
ragender Generale,  mit  neuen  Lorbeeren  geschmückt.  Die  Brigade 
übernahm  Oberst  Siegenthal  von  Karl  Chevauxlegers. 

Den  6.  August  rückte  das  vierte  Korps  nach  Zombor,  den  7. 
nach  St.  Miklos,  und  den  8.  nach  Paszak  vor.  Das  Grenadier- 
Bataillon  Koudelka,  dabei  die  9.  Division  blieb  als  Besatzung  in 
Szegedin,  wo  dann  auch  die  ranzionirten  Grenadiere  einrückten. 

Am  9.  vereinigte  sich  das  vierte  Korps  über  Kn£z,  bei  Hodony 
mit  den  übrigen  gegen  Temesvar  vorrückeuden  Armeetheilen.  Die 
Avantgarde  -  Brigade  Siegenthal  ward  bis  Merzidorf  vorgeschoben, 
um  die  allenfalls  von  Temesvar  gegeu  Arad  abziehenden  feindlichen 
Truppen  und  Transporte  anzugreifen  und  abzufangen.  In  der  Nähe 
des  Ortes  angekommen,  stiess  sie  hier  auf  eine,  zwei  Bataillons 
und  vier  Eskadrons  starke  feindliche  Abtheilung,  warf  sie  zurück 
und  war  ebeu  im  Begriffe,  sie  zu  verfolgen,  als  F.-M.-Lt.  Fürst 
Lichtenstein  daselbst  erschien  und  die  Brigade  gegen  St.  Andreas 
zur  Theilnahmc  an  der  siegreichen  Schlacht  bei  Temesvar  führte. 
Der  Kampf  war  bereits  auf  allen  Punkten  entbrannt  und  die  früher 


184». 


583 


nach  St.  Andrds  beorderte  Division  Herzinger  hatte  die  Feinde 
bereits  gegen  die  Waldungen  zurückgedrückt,  als  nach  ihrem  Ein- 
treffen die  Brigade  Siegenthal  östlich  vom  Orte  auf  der  Arader- 
Chauss£e  vorgezogen  wurde,  um  den  Nyäräd-Bach  im  Rücken  der 
feindlichen  Stellung  zu  überschreiten.  Diess  steigerte  die  Verwirrung 
der  feindlichen  Infanterie  so  sehr,  dass  ihr  Rückzug  in  regellose 
Flucht  ausartete.  Einige  Huszaren  -  Regimenter  suchten  zwar  ihre 
Infanterie  zu  decken,  wurden  jedoch  durch  die  Batterien  des  Korps 
in  ein  so  mörderisches  Kreuzfeuer  genommen,  dass  sie  jeden  Wider- 
stand aufgaben.  Das  vierte  Korps  überschritt  hierauf  den  Nyärad- 
Bach  und  rückte  gegen  den  Jagdwald  vor,  wobei  die  Brigade 
Siegenthal  gegen  den  nördlichen  Rand  desselben  disponirt  war. 
Das  richtige  Eintreffen  des  vierten  Korps  am  Kampfplatze  hatte 
die  Schlacht  entschieden.  Am  Abende  lagerte  Oberst  Siegenthal 
bei  Kovacsi. 

Der  Verlust  des  Regiments  bestand  in  2  Todten,  6  Verwun- 
deten und  7  Vermissten  vom  Feldwebel  abwärts;  die  Letzteren 
waren  vor  Erschöpfung  zurückgeblieben,  denn  das  Regiment  hatte 
fünf  Meilen  zurückgelegt,  war  von  Früh  morgens  unter  den  Waffen 
und  mehrere  Stunden  im  heissesten  Kampfe  ohne  Speise  und  bei 
der  brennenden  Sonnenhitze  ohne  Tropfen  Wasser. 

Zur  Auszeichnung  einzelner  Individuen  war  wenig  Gelegenheit 
vorhanden,  da  die  Schlacht  eigentlich  nur  aus  einem  grossen  Ge- 
schützkampf, begleitet  von  einzelnen  Reitergefechten  bestand. 

Am  10.  August  erliess  F.-Z.-M.  Baron  Haynau  folgenden 
Armeebefehl:  .Soldaten!  die  von  Euch  auf  dem  beschwerlichen 
.Marsche  von  Pest  hieher  überstandenen  Entbehrungen  und  Müh- 
seligkeiten, die  blutigen  Kampfe  an  der  Theiss  und  Maros,  und 
.der  gestrige  harte  zwölfstündige  Kampf  sind  von  dem  glänzenden 
»Erfolge  des  Entsatzes  von  Temesvär  gekrönt  worden.  Ihr  werdet 
.schon  aus  diesem  Erfolge  den  Lohn  für  alle  von  Euch  mit  der 
.männlichsten  Ausdauer  und  Un  Verdrossenheit  erduldeten  Beschwerden 
.und  Gefahreu  finden,  ihn  aus  Eurer  eigenen  Brust  schöpfen  können. 
.Ihr  seid  die  Befreier  jener  Helden  geworden,  die  durch  eine  drei- 
„  monatliche  Belagerung  schon  hart  bedrängt,  vielleicht  bald  wegen 
.Mangel  dem  traurigen  Loose  verfallen  wären,  Rebellen  als  ihre 
.Sieger  anerkennen  zu  müssen.  Ihr  habt  durch  die  Schnelligkeit 
.Eurer  Märsche,  welchen  die  Kriegsgeschichte  wenige  gleiche  zur 


584 


„Seite  zu  stellen  vermag,  durch  Eure  Tapferkeit  das  wichtigste 
„  Bollwerk  Nieder-Ungams  gerettet. 

, Soldaten!  Unser  geliebter  ritterlicher  Kaiser  wird  diese  Enere 
„Thaten  anerkennen,  Euer  Lob  aus  seinem  Munde  ist,  wie  ich  weiss, 
„der  höchste  Lohn,  nach  dem  ihr  strebet.  Ich,  der  Zeuge  Eueres 
„Muthes,  Euerer  Beharrlichkeit,  kann  Euch  nur  meinen  Dank  sagen 
„für  die  freudige  Bereitwilligkeit,  womit  Ihr  meine  Befehle  bei  jeden, 
„selbst  den  schwierigsten  Anlässen  vollzogen  habt.  Ich  drücke  er- 
neuert meine  Erwartung  aus,  dass  Ihr  die  gleiche  Ausdauer  und 
„Tapferkeit  auch  in  der  weiteren  Folge  dieses  Krieges  bewähren 
„und  dadurch  denselben  seinem  baldigen  ruhmwürdigen  Ende  zuführen 
„werdet." 

Am  10.  August  wurde  die  Armee  zur  raschen  Verfolgung  des 
total  geschlagenen  Feindes  wieder  in  Bewegung  gesetzt.  Das  vierte 
Korps  rückte  nach  Gyarraäth  und  unterhielt  die  Verbindung  mit  dem 
ersten  Korps  über  Vinga,  dann  am  12.  von  Gyarmäth  nach  Janova, 
um  das  dritte  Korps  in  der  linken  Flanke  zu  unterstützen.  Es  traf 
auf  keinen  Widerstand,  nachdem  der  Feind  schon  vor  Tagesanbruch 
die  Orte  Janova  und  Jassvie  verlassen  hatte,  schob  sogleich  die  Avant- 
garde -  Brigade  Siegenthal  bis  Hernyakora  vor  und  entsendete  Streif- 
parteien bis  Thes,  dann  über  Bencsek  und  Fibisch  gegen  Allicos. 

Am  13.  Hess  Haynau  die  vorgeschobenen  Heerestheile  in 
ihren  Aufstellungen,  weil  die  wiederholten  Versuche  Görgey's,  die 
Maros  zu  übersetzen,  vielleicht  das  Entgegenrücken  mit  einem  Theile 
der  Hauptarmee  auf  Lippa  erheischen  konnte.  Aber  der  letzte  Ver- 
such des  Feindes  wurde  am  12.  früh  von  den  Truppen  des  ersten 
Korps  bei  Lippa  zurückgewiesen  und  so  blieb  Görgey,  dem  die 
Russen  auf  dem  Fusse  folgten,  nichts  übrig,  als  mit  23.000  Mann 
und  130  Kanonen  in  der  Ebene  von  Szöllös,  unweit  Vilägos,  vor 
dem  dritten  russischen  Korps  die  Waffen  zu  strecken. 

Um  die  feindliche  Stellung  bei  Kissettf  anzugreifen,  setzte  sich 
das  vierte  Korps  am  14.  wieder  in  Bewegung,  rückte  um  4  Uhr 
von  Janova  nach  Hernyakora  und  Lukarecz,  mit  der  Avantgarde  bis 
Zusanorecz.  Der  Feind  setzte  der  Avantgarde  des  dritten  Korps  nur 
eiueu  geringen  Widerstand  entgegen  und  zog  sich  eiligst  gegen  Lugos 
zurück.  Um  ihn  auch  von  hier  zu  vertreiben,  rückte  das  dritte 
Korps  am  15.  gegen  diese  Stadt  vor,  während  das  vierte  Korps 
nach  Kostil  marschirte,  um  den  auf  Lugos  dirigirten  Heerestheileu 


1840. 


585 


als  Unterstützung  zu  dienen.  F.-M.-Lt.  Fürst  Lichtens tein  hatte 
schon  früh  morgens  die  Brigade  Siegenthal  über  Perul  nach  Hezeris 
dirigirt,  um  den  Angriff  des  dritten  Korps  zu  unterstützen.  Diese 
Brigade  erschien  auf  den  Anhöhen  von  Hezeris  eben  in  dem  Augen- 
blicke, als  der  Feind  bei  Poganjest  seine  zweite  Position  bezog. 
Fürst  Lichtenstein  Hess  nun  die  Brigade  sogleich  von  Hezeris 
auf  die  Facseter-Strasse  herabrüeken,  um  den  Feind  in  der  Flanke 
zu  fassen;  allein  das  Erscheinen  der  an  der  Tete  murschirenden 
Bataillone  Deutsehmeister  reichte  schon  hin,  den  Gegner  zum  eiligen 
Rückzug  bis  Bossur  zu  bewegen. 

Am  17.  rückte  die  Division  Herzinger  nach  Facset,  wahrend 
ein  Theil  der  Brigade  Siegenthal,  das  erste  Bataillon  Deutschmeister, 
6  Eskadronen  und  1  Batterie  von  Rakitta  aus  nach  Birkis  in  das 
Maros-Thal  entsendet  wurde,  um  das  dorthin  geflüchtete  feindliche 
Korps  Vecsey  aufzusuchen  und  zu  verfolgen.  Als  die  Avantgarde 
dieser  Kolonne  auf  den  Anhöhen  vor  Birkis  ankam,  entdeckte  man 
die  Kolonnen  des  feindlichen  Korps,  welches  bei  Soborcin  die  Maros 
überschritten  hatte  und  sich  über  Töt-Värad  längs  dem  Flusse 
hinabzog.  Die  Kavallerie  eilte  bis  an  den  Fluss  vor  und  zwang  durch 
einige  Kanonenschüsse  den  Train  zum  Halten,  worauf  eine  Eskadron 
Huszaren  und  2150  Wagen  in  Beschlag  genommen  wurden.  Die 
Kavallerie  setzte  die  Verfolgung  eifrig  fort  und  fand  über  Slatina 
hinaus  sämmtliches  Geschütz  ohne  Bespannung;  viele  Huszaren  und 
Landwehr,  welche  umherlagerteu  streckten  die  Waffen.  71  Geschütze, 
62  Munitionskarren  und  1200  Gefangene  fielen  dem  Kommando  in 
die  Hände.  Der  Rest  des  feindlichen  Korps  streckte  am  20.  August 
mit  7440  Mann,  1007  Pferden  und  2  Geschützen  auf  Gnade  und 
Ungnade  die  Waffen. 

Die  Division  Herzinger  erreichte  am  18.  August  Kossova;  die 
beiden  Bataillons  des  Regiments  wurden  der  Brigade  Simbschen 
zugetheilt  und  marschirten  in  Doppelmärschcn  aus  dem  Maros-Thal 
über  Facset  und  Lugos  gegen  Karansebes.  Der  Feind  hatte  in  der 
Nacht  vom  18.  zum  19.  diesen  Ort  verlassen  und  zog  sich  flucht- 
artig nach  Obresca  auf  der  Hätseger  Strasse  zurück.  Die  Avant- 
garde besetzte  sofort  am  19.  früh  ohne  Kampf  Karansebes  und 
unterbrach  die  Verbindung  mit  jenem  feindlichen  Korps,  welches  nach 
Mehadia  floh  und  hier  am  Abende  desselben  Tages  mit  3000  Mann, 
000  Reitern  und  36  Geschützen  die  Waffen  streckte.   Die  Brigade 


586 


1H4D. 


rückte  am  21.  bis  Zaguzsen  vor  und  entsendete  Streifkommandos 
nach  allen  Richtungen,  um  die  zahlreich  herumirrenden  zersprengten 
feindlichen  Abtheilungen  gefangen  zu  nehmen,  von  welchen  sich 
übrigens  die  meisten  selbst  stellten,  um  der  Rache  des  erbitterten 
Landvolkes  zu  entgehen. 

F.-Z.-M.  Baron  Hayn  au  erliess  am  18.  August  nachstehenden 
Armee -Befehl: 

« Soldaten!  Es  ist  für  mich  ein  erhebendes  Gefühl,  heute  am 
« glorreichen  Geburtsfeste  unseres  geliebten  Kaisers  und  Herrn,  Euch 
»verkünden  zu  können,  dass  der  grösste  und  schwierigste  Theil 
« unserer  Aufgabe  im  gegenwärtigen  Kriege,  ja  dieser  selbst  seinem 
«Ende  zugeführt  ist.  Mit  der  unbedingten  Unterwerfung  und  Ent- 
waffnung der  Rebellen  -  Armee  des  Görgey,  der  Besitznahme  der 
„Festung  Arad,  mit  der  Flucht  der  anderen  Insurgentenkorps,  welche 
«völlig  aufgelöst,  ohne  Munition  und  Lebensmittel  von  unseren 
«tapferen  Truppen  bereits  an  der  Grenze  Siebenbürgens  verfolgt 
«wurden,  kann  die  Macht  der  Rebellen  nunmehr  als  gebrochen  au- 
sgesehen werden.  Soldaten!  Dieser  in  unerhört  kurzer  Zeit  erreichte 
«Sieg  ist  das  Werk  Euerer  Tapferkeit,  Eueres  Gehorsams,  Euerer 
«unverdrossenen  Beharrlichkeit  in  Ertragung  aller  Mühen  des  Krieges. 
«Mit  Stolz  dürft  Ihr  auf  die  glänzenden  Früchte  Euerer  Leistungen 
«blicken,  sie  gewannen  Euch  gerechten  Anspruch  auf  den  Dank  des 
«Vaterlandes,  die  Anerkennung  aller  Völker,  dio  ihre  Beglückung 
«in  Achtung  vor  dem  Gesetze,  in  sittlicher  Freiheit  und  Ordnung 
«suchen;  die  Geschichte  wird  es  der  Nachwelt  bewahren,  dass  Euere 
«Treue,  Euere  Tapferkeit  und  Ausdauer,  österreichischer  Krieger 
«würdig  ist.  Unseres  erhabenen  Monarchen  Liebe  für  sein  Heer, 
«dasselbe  seit  dem  ersten  Augenblick  seiner  glorreichen  Thronbe- 
«steigung  durch  so  viele  huldvolle  Beweise  stets  beglückend,  wird 
»nach  diesen  Eueren  glänzenden  Thaten  in  Seinem  ritterlichen  und 
«heldenmüthigen  Vaterherzen  noch  tiefere  Wurzeln  fassen,  denn  diese 
, Thaten  bringen  ihm  die  Gewähr  des  ersehnten  Friedens  Seiner 
«Völker,  sie  umstrahlen  Seine  Kriegsbanner  mit  neuem  Ruhme. 

«Meinen  Dank  Euch  mit  Worten  auszudrücken,  vermag  ich 
«um  so  weniger,  als  mir  der  grosse  Umfang  jener  Leistungen  und 
«Mühen  stündlich  vor  Augen  schwebt,  die  ich  Euch  aufzubürden, 
«um  des  grossen  Zweckes  willen,  gezwungen  war.  So  erkennt  denn 
«meinen  innigsten  Dank  in  der  Versicherung,  dass  ich  überglücklich 


1819. 


587 


Jim.  meine  kühnsten  Erwartungen  durch  Eueren  guten  Willen, 
„  Gehorsam,  Standhaftigkeit  und  Tapferkeit  übertroffen  gesehen  zu 
„habeu.  Den  väterlichen  Absichten  unseres  allverehrten  Kaisers 
,und  dem  ewigen  Gesetze  edler  Krieger  gemäss,  werdet  Ihr  nun 
„dein  unglücklichen  Brudervolke,  dessen  feindlich  erhobene  Waffen 
„Ihr  geschlagen,  durch  Euer  Benehmen  beweisen,  dass  wir  als  be- 
freundete Mitbürger  zu  seinem  eigenen  Wohle  das  Land  betreten 
«haben.  Strenge  Disziplin  ist  eine  ebenso  grosse  Kriegertugend  als 
„Muth  und  Tapferkeit." 

Sr.  Majestät  der  Kaiser  belohnte  wenige  Tage  darauf  das  Heer 
durch  nachstehende  Worte  des  Dankes: 

»Mein  tapferes  Heer  hat  sich  neue  unvergängliche  Verdienste 
,uin  Mein  Haus  uud  das  Vaterland  erworben.* 

„Die  Gefahren,  womit  Aufruhr  und  Verrath  den  Bestand  des 
»Reiches  bedrohten,  sind  besiegt  und  Euren  muthigen  Thaten,  Eurer 
„heldenmüthigen  Ausdauer  wird  es  die  Wiederkehr  des  Friedens 
„und  die  Eintracht  im  Innern,  die  Kräftigung  seiner  Macht  nach 
„Aussen  zu  verdanken  haben.' 

„Söhne  aller  Stämme  des  Keiches  haben  den  Brüderbund,  der 
„sie  umschlingt,  in  den  Reihen  Meines  glorreichen  Heeres  mit  ihrem 
„Blute  neu  besiegelt  und  im  edlen  Wetteifer  Oesterreich's  alten 
„Kriegsruhm  äusseren  und  inneren  Feinden  gegenüber,  glänzend 
„bewährt.  Soldaten!  Euer  Kaiser  dankt  Euch  im  Namen  des  Vater- 
„laudes;  Ihr  werdet  Euch  stets  gleich  bleiben,  der  Stolz  und  die 
„Zierde  Oesterreich's,  die  unerschütterliche  Stütze  des  Thrones  und 
„der  gesellschaftlichen  Ordnung.* 

.Schönbrunn,  23.  August  1849." 

„Franz  Joseph  m.  p." 

Das  Grenadier  -  Bataillon  Müller  bestand  vor  Mehadia,  wo 
wieder  eine  versprengte  feindliche  Abtheilung  Posto  gefasst  hatte, 
am  23.  ein  kleines  Gefecht,  da  dieses  Bataillon  ganz  isolirt  war, 
wurde  das  erste  Bataillon  Deutschmeister,  welches  an  diesem  Tage 
bis  Teregova  gerückt  war,  nach  Mehadia  befehligt.  Der  feindliche 
Kommandant  suchte  einen  achttägigen  Waffenstillstand  an,  um  sich 
vonGörgey's  Waffenstreckuug  zu  überzeugen,  verliess  aber  in  der 
Nacht  den  Pass,  zog  gegen  Orsowa  und  setzte  sich  eine  Meile  vor 
diesem  Orte,  bei  dem  Schlüssel  von  Koramik  neuerdings  fest,  um 


588 


1S40. 


den  Uebergang  der  Flüchtenden  über  die  Donan  in  das  türkische 
Gebiet  zu  decken.  Am  24.,  noch  bevor  die  Avantgarde  von  Deutsch- 
meister ihn  einholen  konnte,  verliess  auch  die  letzte  Abtheilung 
des  Feindes  den  österreichischen  Boden,  um  sich  in  den  Schutz  der 
Türkei  zu  begeben,  welche  die  Flüchtlinge  etwa  1800  Mann  ent- 
waffnen und  nach  Widdin  abfahren  Hess. 

Der  Regimentsstab  mit  dem  ersten  Bataillon,  dem  das  zweite 
am  folgenden  Tage  folgte,  setzten  sich  am  1.  September  mit  den 
beiden  Rakettenbatterien  Nr.  22  und  26  von  Karansebes  nach  Pest 
stationatim  über  Lugos,  Teraesvär,  Szegedin  in  Marsch  und  erreichten 
am  22.  Ofen,  wo  dieselben  Quartiere  bezogen.  Die  neunte  Division, 
welche  in  Szegedin  garnisonirte,  hatte  diese  Stadt  am  7.  September 
verlassen  und  war  am  10.  in  Szolnok  eingerückt,  wo  sie  bis 
20.  verblieb,  dann  mit  der  Eisenbahn  bis  Pest  fuhr  und  sich  in 
Ofen  mit  dem  Regiment  vereinigte.  Die  Grenadier-Division,  so  weit 
sie  sich  in  Szegedin  formirt  hatte,  blieb  in  Szolnok  im  Bataillon 
Haymann,  wurde  mit  den  aus  den  Feld  -  Bataillonen  ausgesuchten 
Leuten  wieder  kompletirt  und  rückte  im  November  nach  Pest. 

Oberstlieutenant  Hranaky  war  am  1.  August  in  den  Ruhe- 
stand getreten,  und  Major  v.  Meinong  in  seine  Stelle  zum  Oberst- 
lieutenant vorgerückt;  Major  Baron  Rüstel  wurde  mit  Allerhöchster 
Entschliessung  vom  10.  September  mit  dem  Major  Julius  Graf 
Pöttin g  des  Regiments  Nr.  33  verwechselt. 

Gegen  Ende  September  erhielt  das  Regiment  die  Weisung 
vor  Komorn  zu  rücken.  Vor  dem  Abmärsche  fand  am  30.  September 
vor  dem  auf  der  Generalswiese  en  Parade  ausgerückten  Regiment 
die  feierliche  Vertheilung  der  Tapferkeits-Medaillen  an  jene  Braven 
statt,  welche  bei  den  verschiedenen  Schlachten  bereits  namentlich 
angeführt  erscheinen.  Der  Korps  -  Kommandant  F.  -  M.  -  Lt.  Fürst 
Lichtenstein  bellete  jedem  einzelnen  Mann  die  wohlverdiente 
Medaille  persönlich  an  die  tapfere  Brust  und  äusserte  sich  in 
Gegenwart  der  anwesenden  Generalität  und  seines  Stabes:  „Ich 
„habe  in  mehreren  Schlachten  Regimenter  kämpfen  gesehen,  auch  am 
.11.  Juli  vor  Komorn  das  Regiment  Deutschmeister  und  muss  sagen : 
„Sr.  Majestät  unser  allgeliebtester  Kaiser  hat  kein 
„Regiment,  welches  besser  und  tapferer  kämpft,  als 
,ich  es  von  diesem  Regimente  dort  gesehen  habe!* 


1M9. 


589 


Wie  bekannt,  war  das  vierte  Bataillon  des  Regiments  unter 
Major  v.  M  e  i  n  o  n  g  bei  der  Vorrückung  der  Donau-Armee  gegen 
Raab  in  Tyrnan  zurückgeblieben,  erhielt  anfangs  Juli  die  Einteilung 
in  die  Brigade  G.-M.  Pott,  brach  am  11.  Juli  von  Tyrnau  auf, 
vereinigte  sich  zu  Szered  an  der  Waag  mit  der  Brigade  und  wurde 
zu  Streifungen  nach  Neutra  und  Mocsonek  zur  Abnahme  der  Waffen 
verwendet.  Hierauf  rückte  die  Brigade  zur  Cernimng  vor  Koraorn, 
erreichte  am  10.  Neuhäuscl  und  am  20.  stellte  das  Bataillon  die 
Vorposten  gegen  Baics  bis  Bagota  und  O-Gyula  aus. 

Am  27.  rückte  das  Bataillon  im  Verbände  der  Brigade  nach 
St.  Peter  zur  engeren  Cemirung  der  Festung  vor,  und  wurde  von  da 
mit  einem  Zug  Ublanen  nach  Het<5ny  auf  die  äusserste  Vorpostenlinie 
detachirt.  Die  Brigade  Pott  mit  5  Bataillons,  2  Eskadrons  und 
6  Geschützen  befand  sich  nun  in  der  Division  des  F.-M.-Lt.  Fürsten 
Colloredo,  zweites  Korps  F.-M.-Lt.  Baron  Csorich,  IG  Bataillons, 
6  Escadrons  in  der  Starke  von  11  —  12.000  Mann,  1300  Reiter 
und  75  Geschütze.  Der  Feind  in  der  Festung  verfflgte  über  22  Ba- 
taillons, 12  Eskadrons  und  GO  Feld -Geschütze;  auf  den  Wällen 
befanden  sich  310  Stück.  Die  unverhältnissmässige  Schwäche  des  Cer- 
nirung8-  Korps  blieb  dem  Feinde  nicht  lange  unbemerkt  und  er 
beschloss  die  Offensive  gegen  die  einzelnen  Theile  desselben  und 
zwar  zuerst  gegen  die  Brigade  Pott  zu  ergreifen. 

Am  29.  Juli  abends  um  11  Uhr  rückte  der  Feind  mit  10  Ba- 
taillous.  G  Eskadrons  und  24  Geschützen  aus  der  Festung  nach 
Path,  sammelte  sich  daselbst  und  ging  am  30.  mit  Tagesanbruch 
in  drei  Kolonnen  zum  Angriffe  über.  Seine  Absicht  war,  die  Brigade 
Pott  in  beiden  Flanken  zu  umgehen,  von  Neuhäusel  abzuschneiden, 
gefangen  zu  nehmen  oder  aufzureiben. 

General  Pott,  der  sich  auf  den  ersten  Allarm  zu  dem  in 
Hete*ny  stehenden  vierten  Bataillon  Deutschmeister  begeben  hatte,  kon- 
zentrirte,  als  er  die  Richtung  der  feindlichen  Angriffs -Kolonnen 
übersehen  hatte,  seine  Truppen  zwischen  Hetäny  und  St.  P£ter  und 
zog  sich  fechtend  bis  zu  der  von  ihm  für  solche  Fälle  fürgewählten 
Position  auf  den  Höhen  zwischen  Bagora  und  St.  P6ter  zurück,  wo 
das  vierte  Bataillon  Stellung  nahm  und  so  lange  den  energischesten 
Widerstand  leistete,  bis  die  in  Kurtakeszi  und  Marczalhäza  gestan- 
denen zwei  Bataillons  mit  einem  Geschütz  und  den  Uhlanen  heran- 
gekommen waren. 


500 


Noch  zweimal  nahm  das  vierte  Bataillon  wahrend  dem  weiteren 
Rückzüge  auf  den  Höhen  Stellung  und  dieser  Kampf  währte  (Iber 
eine  Stunde  vorzüglich  mit  Geschützen,  bis  die  erwähnten  Bataillons 
diese  Höhen  ebenfalls  erreichten,  worauf  General  Pott  durch  das 
Vorrücken  einer  feindlichen  Kolonne  auf  der  Strasse  nach  0  -  Gyula 
für  seine  rechte  Flanke  und  Rückziigslinie  besorgt,  sowie  gegen  die 
feindliche  Uebermacbt  jeden  ferneren  Widerstand  für  zwecklos  er- 
kennend, den  Befehl  zum  Rückzug  gegen  Bajts  gab. 

Dieser  wurde  in  bester  Ordnung  angetreten,  dann  das  vor 
Bajts  liegende  Wäldchen  mit  der  zehnten  Division  Deutschmeister 
besetzt  und  durch  1'/,  Stunden  tapfer  vertheidigt.  Ja  diese  brave 
Arrieregarde  ging  sogar  momentan  zur  Offensive  über,  griff  eine 
feindliche  Sturmkolonne  mit  dem  Bajonnet  an  und  warf  sie  zurück. 
Hauptmann  Johann  Linke  wurde  bei  dieser  Gelegenheit  verwundet. 

Im  heftigsten  feindlichen  Feuer  wurde  sofort  der  Uebergang 
über  die  Zsitva  bei  Bajts  und  Tiber  den  einig«1  100  Schritte  weiter 
Hiesseuden  Abzugskanal  bewirkt,  sodann  die  Brücke  durch  den  Ober- 
lieutenant E  c  k  h  e  r  mit  einigen  Zimmerleuten  und  Kanoniers  ab- 
getragen und  verbrannt,  wobei  er  durch  das  Feuer  einer  halben 
Batterie  protegirt  wurde.  Zimmermann  Josef  Peingere r,  welcher 
bald  einen  Schuss  erhielt,  legte  doch  weiter  Hand  an  die  gefähr- 
liche Arbeit  und  forderte  seine  Kameraden  zum  muthigen  Ausharren 
auf.  Dieser  Brave  erhielt  die  silberne  Tapferkeit^ -Medaille  erster 
Klasse ;  Oberlieutenant  Leopold  E  c  k  h  e  r,  dessen  Umsicht,  Tapfer- 
keit und  Ausdauer  überhaupt  die  Zerstörung  der  Brücke  im  feind- 
lichen Feuer  zu  danken  war,  die  Allerhöchste  Zufriedenheit  und  in 
Folge  deren  dann  das  Militär- Verdienstkreuz. 

Kaum  war  die  Brücke  zerstört  und  der  weitere  Rückzug  an- 
getreten, traf  auch  die  feindliche  rmgehungskolonnc  von  Uj-Gyula 
zum  Glück  etwas  verspätet  bei  Bajts  ein ;  General  Pott  hielt  mit 
der  aus  3  Kompagnien,  1  Eskadron  und  G  Geschützen  gebildeten 
Arrieregarde  auch  dieses  Detile'e  noch  eine  längere  Zeit  und  setzte 
sodann  seinen  Rückzug,  vom  Feinde  nur  eine  kurze  Strecke  ver- 
folgt, nach  Neuhäusel  fort. 

Der  Verlust  des  vierten  Bataillons  in  diesem  sieben  bis  acht- 
stündigen Kampfe  bestand  in  20  Todten  oder  schwer  Verwundeten 
und  82  Vermissten.  Diese  letzteren  waren  theils  an  der  Cholera 
erkrankt,  theils  verwundet  oder  erschöpft  zurückgeblieben,  in  feind- 


1S49. 


591 


liehe  Gefangenschaft  oder  hilflos  umgekommen,  denn  nach  dem 
Frieden  kehrten  nur  wenige  zurück.  Ausser  Hauptmann  Linke 
war  auch  Lieutenant  Bataillons  -  Adjutant  Josef  Kaufmann  ver- 
wundet. 

Major  Anton  Meinong  v.  Hau  d  schlich  sheim  erhielt  für 
die  umsichtige  Leitung  und  Tapferkeit  die  Allerhöchste  belobende 
Anerkennung  und  in  Folge  deren  das  Militär  -  Verdienstkreuz.  Feld- 
webel Karl  Grillen  1) erger,  Zimmermann  Franz  Jung,  Gefreite 
Ernst  Paska  und  Johann  Doblitzky,  Gemeine  Anton  Schwein- 
hof er  und  Karl  Gell  hofer,  welche  durch  besondere  Tapferkeit 
hervorleuchteten  ,  sammtliche  die  silberne  Tapferkeit«?  -  Medaille 
zweiter  Klasse. 

Am  31.  entsendeten  die  Feinde,  welche  in  Bajts  stehen 
geblieben,  Streifkolonnen  gegen  Surany  in  Flanke  und  Kücken  der 
Brigade  Pott  und  wollten  Tags  darauf  auch  gegen  Neuhäusel  vor- 
rücken, um  so  die  Brigade  von  zwei  Seiten  anzugreifen.  General 
Pott  marschirte  aber  in  der  Nacht  auf  den  1.  August  in  der  Stille 
von  Neuhäusel  nach  Csike  und  weiter  bis  Tardosked,  indem  er  die 
gegen  Surany  entsendete  feindliche  Streifkolonne  selbst  abzuschneiden 
beabsichtigte.  Der  Feind,  seine  Absicht  vereitelt  sehend,  zog  sich 
hierauf  mit  dem  grüssten  Theile  seiner  Truppen  wieder  in  die 
Festung  zurück.  General  Pott  rückte  am  3.  August  wieder  nach 
Neuhäusel  vor  und  sollte  wieder  die  frühere  Stellung  bei  Hcteny 
einnehmen,  als  der  Feind  mit  allen  disponiblen  Kräften  einen  Aus- 
fall machte  und  das  schwache  Cernirungs-Korps  sprengte,  wodurch 
die  Vorrückung  der  Brigade  Pott  unterbleiben  musste.  Als  am 
4.  August  der  Feind  seine  Vorrückung  gegen  Raab  fortsetzte,  zogen 
sich  die  Cernirungs-Truppen  an  diesem  Tage  bis  Nyarasd  und  Gutta 
zurück,  räumten  auch  die  Schütt,  marschirten  am  5.  bis  Szerdahelv 
und  am  6.  bis  Waltersdorf  und  Bruck,  wo  sie  stehen  blieben.  Die 
Brigade  Pott  hatte  ebenfalls  den  Befehl  zum  Rückzüge  hinter  die 
Waag  und  Pressburg  erhalten,  wurde  aber  in  Dioszeg  zum  Halten 
und  Wiederbesetzen  der  Waaglinie  beordert. 

Das  k.  k.  Kriegsministerium  hatte  gleich  nach  den  Vorfällen 
bei  Komorn,  den  F.  -  M.  -  Lt.  Grafen  Nobili  mit  den  in  Wien  und 
Konkurrenz  disponiblen  Truppen  nach  Ungarisch -Altenburg  gesendet. 
Unter  diesen  Truppen  befand  sich  auch  das  zweite  Landwehr -Ba- 
taillon des  Regiments,  welches  im  Februar  in  Krems  errichtet  worden 


592 


1*49. 


und  seine  Offiziere  theils  vom  Regiment,  theils  aus  dem  Pensions- 
stand erhalten  hatte.  Zum  Kommandanten  war  der  Major  Friedrich 
Ferari  da  quada  des  Regiments  Nr.  45  ernannt,  welcher  aber 
nicht  eiurOckte  und  daher  Hauptmann  Pengg  ad  interim  das 
Kommando  führte,  bis  Major  v.  Adelsberg  eintraf.  Am  10.  Mai 
war  dasselbe  mittelst  Dampfschiff  von  Krems  nach  Wien  gefahren, 
wurde  am  12.  nach  Aderklaa  und  in  die  nächsten  Ortschaften  im 
Marchfelde  verlogt,  fibernahm  am  IG.  Juni  die  Ueberwachung  der 
ungarischen  Orenze  längs  der  March  von  ihrem  Eiuflusse  in  die 
Donau  bis  Hohenau  und  blieb  hier  bis  zum  obangeffihrten  Marsche 
im  Korps  Nobili  nach  Ungarisch  -Altenbnrg. 

Am  10.  August  war  dieses  Korps  im  Lager  bei  üngarisch- 
Altenburg  und  Wieselburg  eingetroffen  und  wurde  in  das  zweite 
Korps  einverleibt.  Am  14.  traf  der  Kriegsminister  F.-M.-Lt.  Graf 
Gyulay  im  Hauptquartier  zu  Karlburg  ein  und  fibernahm  das 
Kommando  des  zweiten  Korps.  Am  15.  August  wurde  vorgerückt, 
während  der  Feind  auf  die  Nachricht  von  der  Schlacht  bei  Temesvär 
und  gänzlicher  Auflösung  der  Armee  schon  am  13.  Raab  verlassen 
und  sich  nach  Komom  zurfickgezogen  hatte.  Am  IG.  wurde  Raab 
besetzt,  am  20.  nach  Acs  marschirt,  am  Csoncsa-Bach  Stellung 
genommen  und  der  feindliche  Kommandant  zur  Uebergabe  der 
Festung  aufgefordert,  was  zur  Abschliessung  eines  14tägigen  Waffen- 
stillstandes ffihrte.  Die  Brigade  Pott  (vier  Bataillone)  marschirte  am 
3.  September  in  die  Schfitt,  lagerte  bei  Vasarkut,  später  bei  Ekel 
und  versah  bis  IG.  den  Vorpostendienst. 

Nach  langwierigen  Unterhandlungen  erschien  F.-Z.-M.  Baron 
Hayn  an  am  26.  September  persönlich  bei  der  Belagerungs-Armee 
und  am  folgenden  Tage  waren  nach  einer  zweistündigen  Unterredung 
mit  der  aus  der  Festung  erschienenen  Deputation  die  Kapitulations- 
Bedingungen  festgestellt  und  auch  unterfertigt.  Am  3.  Oktober  zog 
die  Besatzung  ohne  Waffen  ab,  wohin  sie  wollte,  die  Oesterreicher 
besetzten  die  Festung  und  damit  hatte  dieser  unheilvolle  Krieg,  in 
welchem  das  Regiment  Hoch-  und  Deutschmeister  zu  seinem  alten 
Ruhme  von  Ausdauer,  Hingebung  und  Heldenmuth  neue  Lorbeeren 
gewunden  hatte,  ein  Ende. 

Das  zweite  Landwehr  -  Bataillon  war  am  10.  September  nach 
Oberlaa,  Rothneusiedl,  Schwechat  und  Klederling  marschirt;  am  24. 
ging  die  29.  und  30.  Kompagnie  nach  Wien  ab  und  hatte  in  der 


1H41). 


593 


Gumpendorfer  Kaserne  die  vielen  Transenen  und  Gefangenen  zu  über- 
wachen. Das  Regiment  war  am  1.  Oktober  von  Ofen  aufgebrochen 
und  stationatim  nach  Komorn  marschirt,  wo  dasselbe  am  6.  ein- 
rückte ;  auch  das  vierte  Bataillon  war  von  Aranyos  abmarschirt  und 
vereinigte  sich  am  selben  Tage  in  Komorn  mit  dem  Regiment. 

Die  Soldaten  waren  vorerst  bei  den  Borgern  untergebracht, 
denn  die  Gebäude  der  Festung  waren  in  einem  Ekel  erregenden, 
nicht  zu  beschreibenden  Zustande.  Alles  war  zerstört  und  unwohnbar 
gemacht,  Fenster  und  Thürstücke  aus  den  Mauern  gebrochen,  die 
Fussböden  aufgerissen,  verfaulte  Kadaver  lagen  in  den  mit  Unrath 
gefällten  Zimmern.  Die  Reinigung  der  beschmutzten  Bettfornituren 
war  ebenso  schwierig,  wie  die  der  Lokalitäten.  Die  Mannschaft  hatte 
zur  Lagerstätte  Stroh  und  als  Decke  dieute  nur  der  Mantel. 

Das  zweite  Landwehr-Bataillon  vereinigte  sich  am  12.  Oktober 
in  der  Kaserne  zu  Kaiser- Ebersdorf. 

Oberstlieutenant  Albert  Fürst  avancirte  mit  Allerhöchster 
Entschliessung  vom  13.  Oktober  1849  zum  Obersten  und  Regiments- 
Kommandanten  ,  Hauptmann  Anton  Appel  erhielt  mit  jener  vom 
17.  Oktober  bei  seinem  Uebertritt  in  den  Ruhestand  den  Majors- 
Charakter  ad  honores. 


Das  erste  Landwehr-Bataillon,  welches  die  Regiments-Geschichte 
Ende  des  Jahres  1848  in  Verona  verlassen  hat,  erhielt  im  Monat 
Jänner  1849  die  Eintheilung  in  die  Brigade  G.-M.  v.  Schönhals, 
Division  F.-M.-Lt.  Fürst  Taxis,  rückte  am  13.  von  Verona  ab,  kam 
am  18.  in  seiner  neuen  Garnison  Bergamo  an  und  sendete  ein 
Streifkommando  von  50  Mann  unter  Lieutenant  Möker  nach  Mar- 
tinengo und  Romano,  um  in  jenen  Gegenden  die  öffentliche  Sicher- 
heit zu  wahren. 

Die  mit  Sardinien  abgeschlossene  Waffenruhe  war  zu  wieder- 
holten Malen  verlängert  und  beiderseits  zu  Rüstungen  verwendet 
worden.  Die  österreichische  Armee  in  Italien  zählte  anfangs  März 
1849  nahezu  120.000  Streiter  mit  340  Geschützen.  Die  glänzenden 
Leistungen  im  letzten  Feldzuge  hatten  die  moralische  Kraft  der 
Armee  sehr  gesteigert.  Die  Truppen  waren  gut  geschult,  von  Treue 
und  kriegerischem  Geiste  beseelt,  so  dass  die  Aufkündigung  des 
Waffenstillstandes,  am  12.  März  mit  Blitzesschnelle  verbreitet,  mit 

38 


594 


1*49. 


wahrem  Jubel  und  Begeisterung;  von  den  österreichischen  Kriegern 
aufgenommen  wurde.  Die  ganze  Armee,  vom  greisen  Feldmarschall 
bis  zum  jüngsten  Soldaten,  trug  das  Vorgefühl  des  Sieges  zur  Schau! 
Das  hoflnungsgrflno  Feldzeichen  aufgesteckt,  zogen  die  Truppen 
durch  die  Strassen  ihrer  Garnisonen  und  brachten  unter  den  Klängen 
des  Volksliedes  dein  Kaiser  und  ihrem  Feldherrn  begeisterte  Hochs. 

Folgender  denkwürdiger  Armeebefehl  verkündete  die  Thatsache : 

„Soldaten!  Euere  heissesten  Wünsche  sind  erfüllt:  der  Feind 
„hat  uns  den  Waffenstillstand  aufgekündigt.  Noch  einmal  streckt 
„er  seine  Hand  nach  der  Krone  Italien 's  aus;  doch  er  soll  erfahren, 
„dass  sechs  Monate  nichts  an  Eurer  Treue,  an  Eurer  Tapferkeit, 
„an  Eurer  Liebe  für  filtern  Kaiser  und  König  geändert  haben.  Als 
„Ihr  aus  den  Thoren  Verona's  auszogt,  und  von  Sieg  zu  Sieg  eilend, 
„den  Feind  in  seine  Grenzen  zurücktriebt,  gewährte  Ihr  ihm  gross- 
„mflthig  einen  Waffenstillstand;  denn  er  wollte  den  Frieden  unter- 
handeln, so  sagte  er,  doch  statt  diesem  hat  er  sich  zu  neuem 
, Krieg  gerüstet.  Wohlan  denn,  auch  wir  sind  gerüstet!  Den  Frieden, 
„den  wir  ihm  grossmfithig  geboten,  wollen  wir  in  seiner  Hauptstadt 
„erzwingen.  Soldaten!  der  Kampf  wird  kurz  sein;  es  ist  derselbe 
„Feind,  den  ihr  bei  Santa  Lucia,  bei  Somma  Campagna,  bei  Custozza, 
„bei  Volta  und  vor  den  Thoren  Mailand'*  besiegt  habt.  Gott  ist 
„mit  uns,  denn  unsere  Sache  ist  die  gerechte. 

„Auf  also,  Soldaten!  Noch  einmal  folgt  Eurem  greisen  Führer 
„zum  Kampf  und  Siege!  Ich  werde  Zeuge  Eurer  tapfern  Thaten 
„und  es  wird  der  letzte  frohe  Akt  meines  langen  Soldatenlebens 
„sein,  wenn  ich  in  der  Hauptstadt  eines  treulosen  Feindes  die  Brust 
„meiner  wackeren  Gefährten  mit  dem  blutig  und  ruhmvoll  errungenen 
„Zeichen  ihrer  Tapferkeit  werde  schmücken  können. 

„Vorwärts  also,  Soldaten!  nach  Turin  lautet  die  Losung;  dort 
„finden  wir  den  Frieden,  um  den  wir  kämpfen.  Es  lebe  der  Kaiser! 
„es  lebe  das  Vaterland! 

„Hauptquartier  Mailand,  am  12.  März  1840. 

Graf  Kadetzky  m.  p.,  Feldmarschall.* 

Diese  schwungvollen  Worte  steigerten  noch  mehr  die  Be- 
geisterung der  Armee,  das  Losungswort  Turin  entflammte  vollends. 

Das  Landwehr  -  Bataillon,  anfangs  sowie  alle  übrigen  Land- 
wehren als  Besatzungstruppe  bestimmt,  erhielt  am  15.  März  den 


1S49. 


595 


Befehl  am  folgenden  Tage  aufzubrechen.  Unbeschreiblich  war  hierüber 
der  Jubel,  nun  auch  der  operir enden  Armee  anzugehören.  In  das  dritte 
Armeekorps  F.-M.-Lt.  Baron  Appel,  Truppen  -  Division  F.-M.-Lt. 
Fürst  Thum  und  Taxis  und  Brigade  G. -M.  Graf  Thun  ein- 
geteilt, war  es  nebst  jenem  von  Nr.  20  das  einzige  Landwehr- 
Bataillon,  welches  dem  zu  eröffnenden  Feldzuge  beigezogen  wurde. 

Die  operirende  Armee,  in  vier  Annce-  nnd  ein  Reserve-Korps 
eingetheilt,  zahlte  58.000  Streiter  mit  18G  Geschützen,  unter  Kom- 
mando des  F.-M.  Graf  Kudetzk y;  jene  des  Feindes  98.000  Streiter 
mit  150  Geschützen,  unter  dem  Oberbefehl  Karl  Albert's,  Königs 
von  Sardinien. 

Das  dritte  Korps  stand  um  Brescia  und  Bergamo  und  erhielt 
den  Befehl,  sich  am  17.  in  Lodi  zu  konzentriren.  Diesem  gemäss 
setzte  sieh  das  Landwehr- Bataillon  am  IG.  unter  schmetternder 
Feldmusik  und  dem  Jubel  der  Truppen  in  Bewegung,  rückte  bis 
mittags  1  Uhr  in  gedrängte  Kantonnirung  zu  Cassano  und  am  17. 
nach  Lodi,  wo  die  Vereinigung  mit  dem  Korps  stattfand.  Am  18. 
setzte  die  Brigade  den  Marsch  über  Columbano  fort  und  erreichte 
zu  Mittag  auf  der  Strasse  nach  Pavia  Chiogolo  am  Po,  wo  das 
Bataillon  die  Vorposten  bezog.  Am  19.  mittags  12  Uhr  marsehirte 
das  Bataillon  im  Verbände  der  Division  auf  der  Hauptstrasse  nach 
Pavia  über  liinaldo,  Corte  Olona  und  Belgiojoso  bis  vor  St.  Donino, 
wo  um  9  Uhr  abends  das  Bivouak  bezogen  wurde.  In  der  Nacht 
wüthete  ein  heftiger  Orkan  bei  empfindlicher  Kälte.  Tags  darauf 
war  bei  Pavia  die  ganze,  zum  Operiren  bestimmte  Armee  ver- 
sammelt. Mit  dem  zwölften  Glockenschlage  der  Mittagsstunde, 
welcher  den  Ablauf  des  Waffenstillstandes  verkündete,  ertönte  der 
Ruf  „Vorwärts!  nach  Turin!"  aus  jedem  Munde  des  dicht  in  Massen 
zusammengedrängten  Heeres.  Der  Feldmarschall  Hess  die  Truppen 
mit  klingendem  Spiele  vor  seinem  Absteigequartier,  auf  dessen 
Balkon  er  trat,  zu  den  Brücken  vorbeiziehen.  Der  Anblick  des 
geliebten  Führers  wirkte  elektrisirend ;  ein  Jubelruf  war  es,  den 
Alle,  vom  Generalen  bis  zum  einfachen  Soldaten,  ihm  zujauchzten! 
Ein  Wunsch  beseelte  die  ganze  Armee:  zu  siegen  oder  zu  sterben! 
Gleich  den  Kriegern  des  Alterthums  zog  das  Heer  wie  zu  einem 
Freudenfest  in  den  gerechten  Kampf.  Die  überraschende  Vereinigung 
bei  Pavia  hatte  das  Vertrauen  in  die  geistvolle  Führung  Radetzky's, 
so  wie  die  Siegeszuversicht  in  der  Armee  noch  erhöht. 

38* 


r.oo 


Der  üebergang  Ober  den  Ticino  begann;  das  zweite  Korps 
bildete  die  Tete,  ihm  folgte  nachmittags  gegen  3  Uhr  das  dritte 
Korps.  Die  Stellung  von  la  Cava  wurde  nach  unbedeutendem  Wider- 
stande genommen  und  beide  Korps  setzten  ihren  Marsch  Ober  Car- 
bonara  nach  Cropello  fort.  Das  erste  Korps  lagerte  hei  Zerbolo, 
das  vierte  bei  la  Cava,  das  Reserve- Korps  vor  Oraveltone;  eine 
zusammengesetzte  Truppen  -  Division  blieb  als  Rückendeckung  in 
Pavia.  Durch  dieses  rasch  ausgeführte  Manöver  war  bereits  die 
feindliche  Linie  durchbrochen,  ihr  rechter  Plflgel,  die  Heerestbeile 
jenseits  des  Po,  von  der  Hauptmacht  getrennt  und  diese  in  der 
rechten  Flanke  umgangen. 

Um  die  nämliche  Stunde,  als  das  österreichische  Heer  über 
Pavia  hereinbrach,  hatte  der  König  von  Sardinien  mit  einem  Theile 
seines  Heeres  den  Ticino  bei  Magenta  überschritten  und  fand  zu 
seinem  grössten  Erstaunen  den  Weg  nach  Mailand  frei.  Als  abends 
die  Nachricht  von  dem  Uebergange  Radetzky's  bei  Pavia  ein- 
laugte, berief  der  König  den  bei  Magenta  übergangenen  Heerestheil 
schleunigst  zurück  und  ertheilte  den  Befehl  zur  Konzentrirung  bei 
Vigevano  und  Mortara. 

Unter  den  Jubelchören  »1er  Regimentsmusiken  begrüsste  die 
kaiserliche  Armee  die  aufgehende  Sonne  des  21.  März  nach  einer 
eisig  kalten  Nacht  und  setzte  nach  dem  Abkochen  ihren  Marsch  in 
der  Richtung  auf  Mortara  fort;  das  erste  Korps  gegen  Gambolo, 
das  zweite  und  dritte,  gefolgt  vom  Reserve -Korps,  über  Garlasco 
nach  Trumello;  das  vierte  über  Domo  und  St.  Giorgio.  Das  erste 
Korps  drückte  den  Feind  nach  lebhaftem  Widerstande  bis  St.  Siro, 
Gambolo  und  Sforsezza  bis  Vigevano  zurück  und  bestand  hier  einen 
glänzenden  Kampf  gegen  drei  feindliche  Divisionen,  wahrend  das 
zweite  Korps  bei  Mortara  gegen  die  erste  und  Reserve -Divisionen 
des  feindlichen  Heeres  einen  herrlichen  Sieg  erfocht,  6  Kanonen 
und  10  Munitionskarren  eroberte  und  gegen  3000  Feinde  ausser 
Gefecht  setzte.  Das  erste  Korps  lagerte  nachts  bei  Gambolo,  das 
zweite  bei  Mortara,  das  dritte  bei  Trumello,  das  vierte  bei  St.  Gior- 
gio und  das  Reserve  -  Korps  bei  Cropello. 

Am  22.  morgens  setzte  sich  die  Armee  um  11  Uhr  vormittags 
in  der  Richtung  von  Novara  neuerdings  in  Bewegung.  Das  erste 
Korps  erreichte  an  diesem  Tage  Cillavegna,  das  zweite  und  dritte 
sowie  das  Reserve- Korps  rückten  dagegen  auf  der  Strasse  von 


1840. 


597 


Morton  gegen  Novara  vor.  Das  zweite  lagerte  vor  Vespolate,  seine 
Avantgarde  bei  Carbagna;  das  dritte  und  Reserve-Korps,  das  erstere 
eine  Miglie  hinter  Vespolate,  das  letztere  aber  vor  Mortara.  Das 
vierte  Korps  rückte  Aber  Robbio  an  die  Agogna,  wo  es  lagerte  und 
in  nahe  Verbindung  mit  dem  zweiten  trat. 

Am  23.  März  um  10  Uhr  vormittags  nach  dem  Abkochen 
brach  die  Armee  auf.  In  Ungewissheit  über  die  Rückzugsbewegungen 
des  Feindes  disponirte  der  Feldmarschall  das  zweite  Korps,  gefolgt 
vom  dritten  und  Reserve-Korps  gegen  Novara ;  das  erste  und  vierte 
gegen  Bergo  -  Vercelli  in  paralleler  Richtung  gegen  die  Rückzugs- 
linie des  Gegners,  um  sich  nach  Umständen  auf  Vercelli  oder 
Novara  wenden  zu  können. 

Die  Piemontesen  hatten  sich  von  Vigevano  und  Mortara  nach 
Novarra  zurückgezogeu  und  hier  ihre  Streitkräfte,  60.000  Mann  mit 
122  Geschützen,  in  einer  sehr  vortheilhaiten  Stellung  konzentrirt. 

F.-Z.-M.  Baron  d'Aspre  war  morgens  10  Uhr  nach  dem 
Abkochen  mit  dem  zweiten  Korps,  der  vorgeschobensten  Spitze  der 
Armee  auf  dor  Strasse  gegen  Novarra  aufgebrochen.  Die  Truppen- 
Division  F.-M.-Lt.  Erzherzog  Albrecht  bildete  die  Avantgarde.  Es 
war  beiläufig  um  11  Uhr  vormittags,  als  vor  dem  Orte  Olengo  die 
äusserste  Avantgarde  des  Erzherzogs  auf  den  Feind  stiess,  der  die 
Hohen  rechts  und  links  besetzt  hielt.  Allsogleich  entspann  sich  ein 
heftiges  Plänklerfeuer,  das  neunte  Jäger-Bataillon  warf  die  Bersag- 
lieri  zurück  und  F.-Z.-M.  d'  A  s  p  r  e  formirte  zu  beiden  Seiten  der 
Strasse  die  Angriffs  -  Kolonneu.  Erzherzog  A  1  b  r  e  c  h  t  übernimmt 
links  der  Strasse  selbst  die  Leitung  des  Gefechtes  und  es  gelingt 
ihm  trotz  dem  Kreuzfeuer  der  piemontesischen  Batterien,  bis  Villa- 
Visconti  vorzudringen.  Allein  König  Karl  Albert,  welcher 
düsterer  Vorahnungen  voll  sich  an  diesem  Tage  jeder  Gefahr  aus- 
setzte, führt  die  tapferen  Brigaden  Savoyen  und  Savona  persönlich 
in's  Gefecht,  welche  die  Gehöfte  bis  Gravalotta  wieder  erstürmen 
und  die  linke  Flanke  des  Erzherzogs  bedrohen.  G.-M.  Graf  Stadion 
rückte  hier  zur  Unterstützung  vor,  worauf  der  Erzherzog  so- 
gleich wieder  den  Angriff  auf  den  in  den  vorliegenden  Häusern 
sich  festgesetzten  Feind  unternahm,  welcher  aber  ebenso  wie  der 
folgende,  trotz  der  ausgezeichneten  Tapferkeit  der  Truppen,  durch 
das  an  Zahl  überlegene  und  verheerende  feindliche  Geschützfeuer 
misslang. 


508 


1H49 


Beim  Beginn  des  Kampfes  war  eiue  Seiten-Kolonne  in  die 
rechte  Flanke  des  Feindes  detachirt  worden,  welche  um  diese  Zeit 
bei  Torrione-Quartera  erschien  und  durch  ihre  kühnen  Angriffe  den 
Feiud  an  seinem  Vorhaben,  unseren  linken  Flügel  zu  umgehen,  mit 
aller  Kraft  verhinderte. 

In  dieser  äusserst  schwierigen  und  verzweifelten  Lage  der 
Front  der  Schlachtlinie,  in  welcher  Offiziere  und  Mannschaft  die 
grösste  Aufopferung  bewiesen,  sendete  F. -M.-Lt.  Graf  Schaf  f- 
gotsch  noch  zwei  Bataillone  in  die  erste  Linie,  allein  auch  ihr 
muthiger  Angriff  scheiterte  an  der  Festigkeit  der  feindlichen  Stellung. 
Mit  der  grössten  persönlichen  Anstrengung  und  der  treuen  Hilfe 
seiner  Umgebung  sammelte  und  ordnete  der  tapfere  Erzherzog 
seine  Truppen,  um  mit  ihnen  die  äussersten  südlichen  Häuser  zu 
halten  und  Verstärkungen  abzuwarten.  Zugleich  traf  die  Kunde  ein, 
dass  die  Seiten-Kolonne  von  grosser  feindlicher  Uebermacht  gedrängt, 
in  ein  sehr  gefährliches  Gefecht  verwickelt  wäre.  Nun  erhielt  nur 
der  Heldenmuth  und  die  Aufopferung  des  Erzherzogs  Albrecht 
und  die  Standhaftigkeit  seiner  wenigen  erschöpften  Truppeu,  unter- 
stützt von  zwei  tapferen  Batterien  diese  Stellung,  gegen  welche 
der  Feind  dann  keinen  weiteren  Angriff  wagte. 

In  derselben  Zeit,  als  der  Kampf  auf  dem  linken  Flügel  der 
Division  Erzherzog  Albrecht  so  heilig  eutbrannte,  war  G.-M.  Graf 
Ko  low  rat  gegen  den  linken  Flügel  des  Feindes  vorgedrungen. 
Zweimal  stürmte  er  an  der  Spitze  seiuer  Truppen  die  stark  besetzte 
Casine  Castelazzo,  doch  ward  er  jedesmal  durch  die  Uebermacht 
des  Feindes  gezwungen,  diese  zu  verlassen.  Mit  zwei  angelangten 
frischen  Bataillonen  wird  der  Sturm  wiederholt,  Castelazzo  genommen 
und  der  Feind  stürmend  gegen  Forsada  verfolgt,  woselbst  jedoch 
durch  die  l  ebermacht  des  Feindes  dem  weiteren  Vorgehen  neuer- 
dings Einhalt  gelhan  wurde.  Der  Feiud  ergriff  nun  hier  eine  gross- 
artige Offensive  und  draug  mit  solcher  Uebermacht  vor,  dass  sich 
die  Bataillone  zurückziehen  mussten,  ja  der  Feind  drang  sogar  bis 
an  das  Dorf  Olengo  vor,  welches  aber  die  Tiroler  Kaiser -Jäger 
auf  das  heldcumüthigste  vertheicligten  und  dem  schon  siegreichen 
Feinde  durch  ihre  über  jedes  Lob  erhabene  Todesverachtung  ein 
kralliges  Halt  boten. 

Es  war  gerade  in  diesem  kritischen  Momente,  2'/2  Uhr  nach- 
mittags, als  von  dem  Feldmarschall  angefeuert,  das  dritte  Korps 


184Ü. 


500 


mit  14  Bataillonen,  dabei  Landwehr  Deutschmeister  anlangte,  um 
das  mit  aller  Anstrengung  fechtende  und  erschöpfte  zweite  Korps 
zu  unterstützen. 

Die  Truppen  -  Division  F.  -  M.  -  Lt.  Graf  Lichuowsky  bildete 
die  Spitze  und  wurde  gleich  nach  ihrem  Eintreffen  auf  beiden  Flügelu 
des  zweiten  Korps  v  ertheilt.  Die  Truppen  -  Division  Fürst  Taxis 
blieb  als  Rückhalt  hinter  der  Mitte  in  Divisions- Kolonnen  neben  der 
Strasse  formirt,  um  das  Eintreffen  des  Reserve  -  Korps  abzuwarten. 
24  Geschütze  fuhren  vor  und  eröffneten  ihr  Feuer  gegen  die  feind- 
liche Schlachtlinie. 

Drei  Bataillone  mit  einer  Batterie  rückten  auf  den  linken  Flügel. 
Mit  seltener  Kühnheit  griffen  diese  todesmuthigen  Truppen  den  weit 
überlegenen  Feind  mit  dem  Bajonnet  an  und  obwohl  das  mörderische 
feindliche  Feuer  verheerend  dagegen  wirkte,  wurde  derselbe  bald 
geworfen.  Auf  dem  rechten  Flügel  der  Schlachtlinie  waren  die  kaiser- 
lichen Truppen,  nachdem  sie  ebenfalls  drei  Bataillone  des  dritten 
Korps  zur  Unterstützung  erhalten  hatten,  rasch  über  Olengo  vor- 
gedrungen, hatten  den  Hof  Forsada  mit  Sturm  genommen,  vertrieben 
den  Feind  aus  allen  seinen  Stellungen  und  bedrohten  hart  seine 
linke  Flanke.  Endlich  wurde  das  letzte  Dorf  vor  Novara,  Biccoca 
siegreich  mit  Sturm  genommen  und  so  der  Feind  noch  in  der  dunklen 
Nacht  bis  an  die  Thore  uud  Wälle  von  Novarra  getrieben. 

Das  vierte  Korps  war  gegen  G  Uhr  abends  in  der  rechten 
Flanke  des  Feindes  erschienen  uud  beschleunigte  durch  seine  Angriffe 
dessen  allgemeinen  Rückzug.  Die  bereits  eingetretene  Duukelheit, 
welche  bei  einem  starken  Regen  bald  in  gänzliche  Finsterniss  über- 
ging, machte  die  Fortsetzung  des  Kampfes  unmöglich  und  die 
Truppen  des  zweiten,  dritten,  vierten  und  Reserve -Korps,  welch' 
letzteres  auch  gegen  Abend  auf  dem  Schlachtfelde  eingetroffen  war, 
lagerten  in  ihren  Gefechtsstellungen.  Radetzky  ritt  mit  seinem 
Stabe  nach  Vespolate. 

Die  Schlacht  von  Novarra  war  glänzend  gewonnen ;  der 
23.  März  1840  steht  mit  goldenen  Lettern  in  der  Geschichte  Oester- 
reich's.  Der  fünftägige  Feldzug,  beispiellos  iu  der  Geschichte  wegen 
seiner  kurzen  Dauer,  die  Art  seiner  Führung  und  grossen  Erfolge 
war  beendet.  F.-M.  Graf  Radetzky  spricht  sich  bezüglich  der 
Leistungen  der  k.  k.  Truppen  in  seinem  Berichte  vom  24.  März  an 
den  Minister-Präsideuten  Fürsten  Schw  arzenberg  folgendermasseu 


600 


1SI9. 


aus:  „Ich  kann  bei  diesen  Kämpfen  nur  mit  gerührtem  Herzen  die 
„Ergebung  für  Sr.  Majestät  Dienst  und  die  an  höchste  Begeisterung 
„grenzende  Tapferkeit  meiner  würdigen  Generale,  der  tapferen  Offiziere 
„und  der  Mannschaft  meines  tapferen  Heeres  erwähnen.  Jeder  Einzelne 
„war  ein  Held.  Um  gerecht  zu  sein,  müsste  Ich  eigentlich  alle  nennen; 
„denn  der  tapfere  Einklang  von  oben  herab  war  der  gerechten  Sache 
„würdig.  Ich  wünsche  Sr.  Majestät  Glück  zu  so  einem  Heere.  Viribus 
„unitis  war  der  Wahlspruch  dieser  Schlacht.  Niemand  war  zu  halten, 
„man  wollte  nicht  nur  allein  nicht  der  Letzte,  man  wollte  überall 
„der  Erste  sein." 

Der  Verlust  des  Landwehr-Bataillons  bestand  nur  in  zwei  todten 
Gemeinen,  da  dasselbe  in  der  Reserve  -  Stellung  verbleiben  musste. 

Am  25.  März  sprach  F.-M.  Graf  Radetzky  den  Truppen 
mittelst  nachstehendem  Armee-Befehl  seine  dankende  Anerkennung 
ihrer  Leistungen  aus: 

„Soldaten!  Ihr  habt  Euer  Wort  rühmlich  gelöst,  Ihr  habt  einen 
„Feldzug  gegen  einen  Euch  an  Zahl  überlegenen  Feind  begonnen 
„und  in  fünf  Tagen  siegreich  beendet.  Die  Geschichte  wird  Euch 
„den  Ruhm  nicht  streitig  machen,  dass  es  keine  tapferere,  keine 
„treuere  Armee  gibt,  als  diejenige,  deren  Oberbefehl  mir  raein  Herr 
„und  mein  Kaiser  anvertraute. 

„Soldaten!  Im  Namen  des  Kaisers  und  Vaterlandes  danke  ich 
„Euch  für  Euere  tapferen  Thaten,  für  Euere  Hingebung,  für  Euere 
„Treue.  Mit  trübem  Blicke  weilt  mein  Auge  auf  den  Grabhügeln 
„unserer  im  rühmlichen  Kampfe  gefalleneu  Brüder,  ich  kann  an  die 
„Ueberlebenden  mein  dankbares  Wort  nicht  richten,  ohne  mit  Rührung 
„der  Todten  zu  gedenken. 

„Soldaten!  Unser  hartnäckigster  Feind  K arl  Albert  ist  vom 
„Throne  gestiegen;  ich  habe  mit  seinem  Nachfolger,  dem  jungen 
„Könige  einen  Wartenstillstand  geschlossen,  der  uns  Bürgschaft  für 
„den  baldigen  Abschluss  des  Friedens  gewährt. 

„Soldaten!  Mit  Jubel  hat  uns,  Ihr  wäret  Zeuge  davon,  das 
„Land  unseres  Feindes  empfangen,  das  in  uns  Retter  von  Anarchie 
„und  keine  Unterdrücker  erblickte.  Ihr  werdet  diese  Erwartungen 
„rechtfertigen  und  durch  Beobachtung  strenger  Manuszucht  der  Welt 
„beweisen,  dass  Oesterreich'«  Krieger  ebenso  furchtbar  im  Kampfe 
„wie  ehrenhaft  im  Frieden  sind,  dass  wir  gekommen  sind,  um  zu 
„erhalten,  nicht  um  zu  zerstören.  Ich  baue  auf  Euch.  Ich  sehe  den 


1KI9. 


601 


„Namen  jener  Tapferen  entgegen,  die  sich  besonders  auszeichneten, 
„um  ihre  Bmst  mit  dem  rühmlich  errungenen  Zeichen  der  Tapfer- 
keit entweder  sogleich  schmücken,  oder  mir  dieselben  von  Seiner 
.Majestät  dem  Kaiser  erbitten  zu  können.* 

Die  Gemeinen  Karl  Klein  und  Josef  Katzert  erhielten  die 
silberne  Tapferkeits-Medaille  zweiter  Klasse ;  ersterer  hat  einen  ver- 
wundeten Hauptmann  eines  anderen  Truppenkörpers  mit  der  höchsten 
Gefahr  aus  den  Gewühle  der  Schlacht  getragen,  letzterer  war  von 
einer  Patrouille  abgekommen,  mit  einer  anderen  Truppe  bis  an  die 
Mauern  von  Novarra  gerückt  und  hatte  sich  hervorragend  tapfer 
benommen. 

Bis  26.  März  blieb  das  Landwehr  -  Bataillon  im  Bivouak  vor 
Novarra  bei  St.  Martino.  Am  27.  trat  es  mit  dem  dritten  Korps  den 
Bückmarsch  nach  Magenta,  am  28.  nach  Mailand  an.  Von  hier  rückte 
dasselbe  am  29.  nach  Stessalora,  30.  Rho  und  am  31.  nach  Monza. 

Noch  am  Tage  der  Schlacht  von  Novara  hatte  sich  in  Brescia 
das  Gerücht  verbreitet,  die  kaiserliche  Armee  sei  in  Piemont  gänzlich 
geschlagen  worden  und  in  voller  Flucht  begriffen.  Diess  war  das 
Signal  für  diese  Stadt  sich  zu  erfrechen,  die  Fahne  des  Aufruhrs 
aufzupflanzen,  dafür  aber  auf  eine  Weise  gezüchtiget  wurde,  wie  sie 
es  verdiente.  Hier  hatten  sich  gegen  Ende  März  nahe  bei  2000  In- 
surgenten eingefunden,  welche  die  Beamten  zur  Flucht  zwangen  und 
eine  revolutionäre  Junta  einsetzen.  Die  Besatzung  des  Castells  war 
zu  schwach,  um  die  fremden  Eindringlinge  abzuwehren  oder  die 
Empörung  niederzuhalten  und  so  begann  die  Pöbelherrschaft  ihr 
Wirken  mit  Misshandlung  und  Gefangennehmung  einzelner  Offiziere 
und  Soldaten,  von  welchen  viele,  die  sich  im  Spitale  krank  befanden 
oder  nicht  in  das  Castell  flüchten  konnten,  auf  die  grausamste  Art 
ermordet  wurden. 

Das  dritte  Korps  hatte  die  Bestimmung  erhalten,  in  Brescia 
Ordnung  zu  machen  und  traf  am  1.  April  spät  in  der  Nacht  vor 
der  Stadt  ein.  Allein  F.-M.-Lt.  Baron  Haynau  hatte  am  näm- 
lichen Tage  bereits  mit  einer  schnell  kouzeutrirten  Brigade  die  Stadt 
nach  einem  äusserst  hartnäckigen,  25  Stunden  fortgesetzten  Wider- 
stande mit  Sturm  genommen.  Vergeblich  hatte  Haynau  die 
Empörer  zur  Niederlegung  der  Waffen  aufgefordert,  vergeblich  die 
ihnen  hiezu  gewährte  Frist  um  mehrere  Stunden  verlängert;  man 
antwortete  mit  Sturmgeläute  und  dem  lebhaftesten  Feuer  von  allen 


002 


Thürmen  und  Dächern  gegen  das  Castell.  Die  DeniQihigung  folgte 
auf  dem  Fusse,  aber  erst  in  Blut  und  Flammen  konnte  der  Auf- 
stand unterdrückt  werden. 

Am  2.  April  zog  das  Landwehr- Bataillon  in  die  Stadt  ein. 
Die  Truppen  blieben  in  den  Kasernen  konsignirt,  die  Thore  wurden 
besetzt  und  durch  Patrouillen  die  verborgenen  Insurgenten  auf- 
gegriffen. Gemeiner  Josef  Kötzer,  welcher  im  dortigen  Armee- 
spitale  kommaudirt  war,  hatte  sich  besonders  tapfer  und  muthvoll 
benommen  und  wurde  hiefür  vom  Feldmarschall  mit  Erlass  vom 
4.  Juni  belobt. 

Den  schönen  Schluss  des  glorreichen  Feldzuges  bildete  der 
Dank  des  Kaisers  an  seine  Armee,  welchen  der  Feldmarschall  im 
nachstehenden  Armeebefehle  verlautbarte. 

„Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König  haben  mir  mit  Aller- 
, gnädigstem  Handschreiben  vom  3.  d.  M.  (April)  die  Allerhöchste 
«Zufriedenheit  über  die  Siege  ausgesprochen,  die  wir  unter  dem 
„ Schutze  des  Allmächtigen  jüngst  erfochten  haben.  „.Sagen  Sie 
„„ Meiner  tapferen  Armee  (das  sind  die  Worte  des  Kaisers),  dass 
„„sie  sich  in  Meinem  Herzen  ein  unvergängliches  Denkmal  der  Liebe 
„„und  Dankbarkeit  errichtet  hat.'"'  Seine  Majestät  fügen  die  für 
„mich  so  höchst  schmeichelhaften  Worte  bei:  „„aus  dem  Munde 
„„ihres  würdigen  Feldherrn  wird  sie  diesen  Ausspruch  am  liebsten 
„„vernehmen.4"4  Soldaten!  mit  Stolz  erfülle  ich  diesen  Allerhöchsten 
„Befehl;  denn  Euerer  Treue,  Euerer  Tapferkeit  verdanke  ich  die 
„Zufriedenheit  meines  Kaisers.  Lasst  uns  hoffen,  dass  der  entflohene 
„Frieden  und  mit  ihm  liuhe  und  Glück  bald  wieder  in  das  schwer 
„geprüfte  Vaterland  zurückkehren,  werden.  Sollten  jedoch  die  Stürme, 
„die  es  heimgesucht,  noch  nicht  ausgetobt  haben,  so  sind  wir  heute 
„wie  jüngst  bereit  den  letzten  Blutstropfeu  für  einen  geliebten 
„Kaiser,  für  deu  liuhm,  die  Ehre  und  die  Einheit  des  Vaterlandes 
„freudig  zu  verspritzen.  Das  sind  meine,  das  sind  Euere  Gesüi- 
„nungen;  Ihr  habt  sie  mir  auf  so  manchem  Schlachtfeld  gelobt  und 
„bis  jetzt  treu  und  ehrlich  erfüllt." 

Die  Brigade  Oberst  Graf  Thun  verliess  schon  am  3.  April 
Brescia  und  rückte  nach  Palazollo,  am  4.  nach  Bergamo,  verblieb 
hier  bis  8.  und  marschirte  dann  wieder  nach  Brescia  zurück. 

Im  Einklänge  mit  dem  im  Monate  April  im  Grossherzogthume 
Toscana  vordringenden  zweiteu  Anneckorps  sollte  auch  im  Kircheu- 


IM». 


003 


Staate  eine  entsprechende  Heeresabtheilung  Ober  Bologna  gegen 
Ancona  operiren.  Die  von  der  Anarchie  durchwühlten  römischen 
Provinzen  unter  die  Herrschaft  ihres  legitimen  Souveräns  zurück- 
zuführen, den  Wiederaufbau  der  gesellschaftlichen  Ordnung  anzu- 
bahnen und  eine  geordnete  Verwaltung  wieder  herzustellen,  war  der 
Zweck  der  von  der  kaiserlichen  Regierung  beschlossenen  Intervention. 

Die  Lösung  dieser  schwierigen  Aufgabe  wurde  dem  F.-M.-Lt. 
Franz  Graf  Wim  pffen  übertragen  und  zu  diesem  Ende  eine  Armee- 
Division  unter  dem  Titel:  „detaehirte  Division  in  der  Romagna* 
unter  seine  Befehle  gestellt,  in  welcher  das  Landwehr -Bataillon 
Deutschmeister  in  der  Brigade  Oberst  Graf  Thun  mit  2  Bataillons 
des  Regiments  Nr.  3,  der  6pfündigen  Fussbatterie  Nr.  23,  6  Ge- 
schütze, einer  halben  Pionnier-Kompagnie  mit  einer  halben  Brücken- 
Equipage  und  einer  Sanitäts- Abtheilung  ihre  Eintheilung  erhielten. 

Das  Landwehr -Bataillon  brach  am  29.  April  von  Brescia  auf 
und  marschirte  nach  Potisella,  wo  sich  die  Brigade  sammelte  und 
bezog  liier  enge  Kantonnirungen.  Für  den  6.  Mai  war  der  Beginn 
der  Operationen  befohlen,  daher  das  Bataillon  am  5.  nach  Maria 
Maddalena  marschirte,  mit  Tagesanbruch  des  0.  den  Po  überschiffte, 
mit  der  zweiten  Division  die  Strasse  nach  Ferara  besetzte  uud  die 
übrigen  Kompagnien  in  die  rechte  und  linke  Flanko  zur  Beobachtung 
der  Strassen  nach  Casaglia  und  Ivancoliuo  aufstellte.  In  dieser 
Stellung  erwartete  das  Bataillon  das  Regiment  Nr.  3,  welches  erst 
um  9  Uhr  den  Po  passirte.  Nach  geschehener  Passirung  des  Flusses 
marschirte  die  Brigade  ohne  auf  den  geringsten  Widerstand  zu 
stossen,  direkt  nach  Ferrara,  wo  sie  auf  dem  Glacis  der  Citadelle 
ein  Lager  bezog. 

Tags  darauf,  den  7.  Mai,  setzte  die  Brigade  den  Marsch  nach 
Cento  fort,  bivouakirte  bei  diesem  Orte  bis  12  Uhr  nachts,  um 
welche  Zeit  wieder  aufgebrochen  und  gegen  Bologna  vorgerückt 
wurde.  Eine  vorgesendetc  Kavallerie  -  Patrouille  fand  die  Porta 
galliera  orten,  welche  aber  bei  ihrem  Anrücken  geschlossen  und  da 
die  Reiter  von  deu  Bolognesern  mit  Flintenschüssen  von  den  Wällen 
begrüsst  wurden,  befahl  der  Brigadier  das  Thor  mit  Kanonenkugeln 
einzuschiessen.  Zwei  Geschütze  rückten  auf  der  Strasse  mit  der 
Bedeckung  unter  Lieutenant  Alxer  des  Bataillons  vor,  protzten 
ab  und  eröffneten  ihr  Feuer  auf  das  Thor,  jedoch  ohne  Erfolg.  So- 
gleich begrüsste  der  Feind  diese  Geschütze  mit  einem  so  heftigeu 


«04 


1849 


Feuer,  dass  eines  nach  kurzem  Kampfe  demontirt  war.  Mehrere 
Leute  der  Bedienungsmannschaft  blieben  todt  oder  wurden  verwundet, 
darunter  der  Feuerwerker,  welchem  Lieutenant  Rudolf  A 1  x  e  r  hilf- 
reich beisprang,  dabei  aber  selbst  einen  Schuss  in  das  RQckgrad 
erhielt,  in  Folge  dessen  er  am  15.  in  Modena,  von  seinen  Kameraden 
allgemein  betrauert,  starb. 

Die  Brigade  zog  sich,  um  nicht  nutzlos  viele  Leute  von  dem 
gedeckt  feuernden  Feinde  zu  verlieren,  in  die  nächst  der  Strasse 
liegenden  Häuser.  Das  Landwehr  -  Bateilion  in  den  nur  einige  Häuser 
zählenden  Weiler  Lasacca. 

Unter  dem  Schutze  eines  heftigen  Feuers  machten  gegen  Mittag 
40  feindliche  Reiter  einen  Ausfall,  um  die  auf  der  Strasse  liegende 
Kanone  zu  nehmen.  Die  Geschützbedeckung,  welche  nun  Feldwebel 
Josume  kommandirte,  empfing  sie  mit  einem  wohlgezielten  Feuer, 
so  dass  viele  todt  vom  Pferde  fielen ;  insbesondere  hat  der  genannte 
Feldwebel  den  an  der  Spitze  reitenden  Obersten  todtgeschossen.  Die 
Reiter  brachen  im  wilden  Rennen  durch,  geriethen  dann  aber  in 
das  Feuer  der  Brigade,  so  dass  keiner  zurückkehrte  und  sich  nur 
einige  zu  Fuss  in  die  dichte  Kultur  retteten.  Die  Bedeckungsmann- 
schaft warf  nun  im  heftigsten  feindlichen  Feuer  beide  Geschütze  in 
den  Strassengraben,  da  wieder  ein  Ausfall  zu  besorgen  stand,  hielt 
aber  in  ihrer  exponirten  Stellung  wacker  aus. 

In  der  Abenddämmerung  zog  man  beide  Kanonen  wieder  aus 
dem  Graben  heraus  und  brachte  sie  sofort  in  Sicherheit.  Die  braven 
Leute  unterzogen  sieh  auch  dieser  Arbeit  im  feindlichen  Feuer  mit 
der  grössten  Anstrengung  und  mit  todesverachtender  Aufopferung. 
Erst  nachdem  die  schon  fast  verloren  geglaubten  zwei  Geschütze 
geborgen  waren,  zog  sich  sofort  auch  die  ganze  Brigade  aus  dem 
Schussbereiche  bis  Corticella  zurück. 

Der  Verlust  des  Bataillons  bestand  ausser  dem  schon  genannten 
Lieutenant  Rudolf  Alxer  aus  Gemeiner  Johann  Podeschl  todt, 
Lieutenant  Möcker,  den  übrigens  seine  starke  Uhr  vor  dem  Ein- 
dringen der  Kugel  rettete,  und  2  Mann  verwundet.  Hervorragend 
ausgezeichnet  haben  sich:  Lieutenant  Rudolf  Alxer,  welchem  auch 
die  Allerhöchste  kaiserliche  Anerkennung  zu  Theil  wurde ;  Feldwebel 
Ferdinand  Josume,  Korporal  Markus  Vollgold  und  Dominik 
Piest,  Gemeiner  Heimich  Huber  und  Jakob  Seidl,  sämmtliche  diese 
Braven  erhielten  die  belobende  Anerkennung  Sr.  Majestät  des  Kaisers. 


1849. 


005 


Während  dieses  oben  geschilderten  Kampfes  war  die  rechte 
Seitenkolonne  und  endlich  auch  die  Hanpttroppe  der  Division  auf 
der  anderen  Seite  gegen  Porta  Feiice  vorgerückt  und  hatte  durch 
zwei  Stunden  die  Stadt  mit  Granaten  beworfen.  Gegen  Abend 
erschien  eine  Deputation  mit  der  dringenden  Bitte,  um  einen 
24stündigen  Waffenstillstand,  in  welcher  Zeit  sie  der  Pobelanarchie 
Meister  zu  werden  hoffte.  Diese  Frist,  welche  bis  zum  nächsten 
Mittag,  0.  Mai,  währte,  verstrich  ohne  Resultat,  daher  die  Beschiessnng 
mit  Granaten  von  Neuem  begann  und  die  Truppen  ihre  früheren 
Stellungen  bezogen,  während  die  Brigade  Thun  schon  in  der  Früh 
2  Uhr  von  Corticella  wieder  in  ihre  gestrige  Position  vorgegangen  war. 

Durch  zwei  Stunden  währte  die  Beschiessnng  ohne  ein  anderes 
Resultat,  als  dass  neuerdings  eine  Deputation  des  Municipiums  er- 
schien und  wieder  dasselbe  Ansuchen  stellte,  was  abermals  bewilliget 
wurde.  Aber  trotzdem  währte  das  Feuer  von  den  Wällen  fort  und 
nachmittags  2  Uhr  machten  sogar  gegen  500  Mann  einen  Ausfall 
gegen  die  einzelnen  Häuser,  welche  Hauptmann  Bolletny  mit  der 
dritten  Division  besetzt  hatte.  Dieser  Hauptmann  sammelte  sogleich 
die  6.  Kompagnie,  rückte  den  Insurgenten  mit  gefälltem  Bajonnet 
entgegen  und  warf  sie  nach  einem  kurzen  Kampfe  in  die  Stadt 
zurück.  Lieutenant  Sp  a  n  n  her  g,  welcher  die  Plänkler  kommandirte, 
war  den  Insurgenten  bis  an  das  Thor  gefolgt  und  wurde  durch 
einen  Schuss  in  die  linke  Seite  verwundet.  Die  Division  bezog  ihre 
frühere  Aufstellung  und  hatte  nur  vier  Verwundete,  während  die 
Insurgenten  einen  bedeutenden  Verlust  erlitten. 

Mittlerweile  wurde  der  Nachmittag  des  0.  und  der  10.  Mai 
benützt,  um  die  (.'eruirung  der  Stadt,  soweit  es  die  schwachen 
Kräfte  erlaubten,  zu  vervollständigen.  Die  Brigade  Thun,  als  linker 
Flügel,  (Bataillon  Deutschmeister)  beobachtete  den  Umfang  der 
Stadt  von  Porta  Galliera  bis  Porta  Maggiore,  nämlich  bis  zu  der 
von  Bologna  über  Imola  ziehenden  Emilienstrasse ;  das  Gros  war  auf 
der  Ferrareser  Strasse  postirt.  Alle  aus  der  Stadt  führenden  Wege 
wurden  verrammelt,  die  Wasserleitung  nächst  S.  Michele  in  Bosco 
gänzlich  zerstört  und  auch  der  Renokanal,  welcher  die  meisten 
Mühlen  in  Bologna  treibt,  durch  Schliessung  der  Schleusse  trocken 
gelegt. 

F.-M.-Lt.  Wimpffen  beschloss,  durch  einen  Sturm  auf  die 
Porta  Saragossa  in  die  Stadt  einzudringen   und  schon  waren  hiezu 


606 


1S40. 


für  die  Nacht  vom  11.  auf  den  12.  Mai  die  Dispositionen  vertheilt, 
als  die  Nachricht  anlangte,  dass  der  G.  d.  K.  Gorczkowsky 
mit  8  Bataillons  und  2  Batterien  im  Anmärsche  sei  und  sehon  am 
14.  eintreffen  werde,  in  Folge  dessen  auch  die  Ausführung,  um 
Menschen  und  Munition  für  die  ferneren  und  ernsteren  Unter- 
nehmungen zu  sparen,  eingestellt  wurde. 

Im  österreichischen  Hauptquartier  war  die  Nachricht  eingelangt, 
dass  eine  Insurgenten -Kolonne  mit  Geschütz  auf  der  Strasse  von 
Imola  im  Auzuge  sei  und  dass  am  13.  morgens  aus  Bologna  ein 
Ausfall  stattfinden  solle,  um  den  Hinmarsch  der  an  demselben  Tage 
erwarteten  Verstärkung  zu  unterstützen.  Um  dieses  zu  verwehren, 
wurde  Oberst  Graf  Thun  mit  dem  steierischen  Schützen- Bataillon, 
einer  halben  Eskadron  und  zwei  Geschützen  auf  der  Emilienstrasse 
aufgestellt,  welcher  den  anrückenden  Feind  angriff,  in  die  Flucht 
schlug  und  ihm  drei  Geschütze  abnahm.  Die.  Geschlagenen  zerstreuten 
sich  mit  Windeseile  nach  allen  Richtungen.  Gleichzeitig  unternahm 
der  Feind  mit  700  päpstlichen  Soldaten  und  Guardia  civica  einen 
Ausfall  aus  der  Porta  maggiore.  Major  Lech,  welcher  diesen  Ausfall 
von  einem  dominirenden  Gebäude  beobachtete,  Hess  die  dritte  Division 
unter  Hauptmann  Bolletny  vorrücken,  welcher  eine  halbe  Kompagnie 
in  Plänkler  auflöste,  mit  der  zweiten  Hälfte  die  an  der  Strasse 
liegenden  Hänser  besetzte  und  die  sechste  Kompagnie  als  Reserve 
behielt.  Der  Feind,  anstatt  anzugreifen,  blieb  auf  der  Strasse  stehen 
und  bemühte  sich  eine  Barrikade  zu  errichten.  Erst  als  diese  beinahe 
hergestellt  war,  sendete  er  eine  Abtheilung  gegen  den  rechten  Flügel 
der  Division,  welcher  aber  der  Lieutenant  I) ob ler  mit  der  halben 
vierten  Kompagnie  entgegenrückte  und  durch  ein  wirksames  Feuer  zum 
Stehen  brachte.  Nun  rückte  der  Feind  auch  auf  der  Strasse  vor  und 
besetzte  ein  vor  der  Plänklerlinie  gelegenes  Haus.  Hauptmann  Bol- 
letny hatte  das  Feuern  beim  Anrücken  verboten  in  der  richtigen 
Voraussicht,  dass  dann  der  Feind  dieses  Haus  besetzen  werde.  So  wie 
dieser  Fall  eingetreten  war,  stürmte  Lieutenant  Türk  mit  einem 
Zuge  Freiwilliger  mit  Überraschender  Schnelligkeit  und  ausnehmender 
Bravour  darauf  los  und  kaum  hatten  die  Feinde  Zeit  ihre  Gewehre  abzu- 
schiessen,  als  auch  schon  der  Lieutenant  mit  seinen  Leuten  eindrang, 
wobei  mehrere  Feinde  niedergemacht  und  gefangen  wurden,  während 
die  Reste  durch  die  Fenster  ihr  Heil  in  der  Flucht  suchten.  Gleichzeitig 
mit  Lieutenant  Türk  war  rechts  Hauptmann  Bolletny  vorgerückt, 


007 


liesst  wie  Türk  mit  dem  Aufräumen  jener  Besatzung  fertig  war, 
Sturmstreieh  schlagen,  worauf  die  Division  mit  lautem  Hurrah  und 
wahrer  Kampfeslust  den  ehen  vorrückenden  Insurgenten  im  vollen 
Laufe  mit  gefälltem  Bajonnet  entgegenstürmte,  alles  niedermachte 
was  sich  in  den  Weg  stellte  und  die  Ueberlehenden  bis  an  das 
Stadtthor  verfolgte.  Unterwegs  fand  man  ein  Haus  mit  40  Insurgenten 
besetzt;  auch  dieses  wurde  im  ersten  Anlaufe  erstürmt  und  wer  sich 
widersetzte  niedergemacht.  Die  Mannschaft  war  so  erbittert,  dass 
sie  nur  wenig  das  Bajonnet  benützten,  sondern  die  meisten  Insur- 
genten mit  den  Kolben  niederschmetterten.  Nach  diesem  siegreichen 
Kampfe  gingen  die  Kompagnien  wieder  in  ihre  Stellung  zurück  und 
stellten  die  Vorposten  gegen  die  Stadt  aus. 

Der  Korps-Kommandant  erliess  anlässig  dieses  Gefechtes  nach- 
stehenden Tagesbefehl  ddto.  Borg«  Harre  gallo  14.  Mai  1849: 

/Das  erste  steierische  Schützen- Bataillon  und  eine  Division 
»des  Infanterie  -  Regiments  Hoch-  und  Deutschmeister  nebst  zwei 
„ Geschützen  der  Batterie  Nr.  213  haben  gestern  unter  Kommando 
„des  Herrn  Obersten  qua  Brigadier  Graf  Th  im  den  Feind  geschlagen 
„und  demselbeu  drei  Kanonen  abgenommen.  Ich  bringe  diese  glän- 
zende WafTenthat  zur  Kenntnis*  meiner  braven  Truppe,  weil  ich 
„deren  Antheil  an  jeder  neuen  Siegesnachricht  kenne  und  dabei 
, zugleich  Gelegenheit  linde,  diesen  Tapferen  hiemit  öffentlich  meinen 
„Dank  im  Namen  Sr.  Majestät  des  Kaisers  und  unseres  hochver- 
ehrten Feldmarschalls  Grafen  Kadctzkv  auszudrücken. 

.Wo  wir  den  Feind  im  offenen  Felde  und  nicht  feige  hinter 
,deu  Mauern  verborgen  rinden,  wird  er  überall  geschlagen  sein  und 
„vor  den  siegreichen  Waffen  der  österreichischen  Soldaten  fliehen." 

Sechs  Mann,  vom  Feldwebel  abwärts  waren  verwundet.  Feld- 
webel Ignaz  H  o  1  z  m  a  n  n ,  Ferdinand  L  ü  d  e k  e  und  Erhardt  Stein- 
mann, Gefreiter  Franz  Wiedermaun  und  Gemeiner  Vincenz 
Jellinek  haben  sich  in  dieser  Affaire  durch  Muth  und  Entschlossen- 
heit sehr  vortheilhaft  ausgezeichnet;  ersterer  erhielt  die  silberne 
Tapferkeits  -  Medaille  erster,  Lüdeke  jene  zweiter  Klasse,  allen 
übrigen,  sowie  den  Lieutenants  Türk  und  Dobler  wurde  die  be- 
lobende Anerkennung  zu  Theil. 

Die  Strasse  gegen  Ancona  zu  blieb  mit  sechs  Kompagnien 
steierischer  Schützen,  zwei  Kompagnien  Deutschmeister,  eine  halbe 
Eskadron  Chevauxlegers  und  zwei  Geschützen  besetzt,  zu  welchen 


1*49. 


am  folgenden  Tage  noch  das  dritte  Wiener  Freiwilligen  -  Bataillon 
mit  zwei  weiteren  Geschützen  stiessen. 

Mittags  am  14.  erfolgte  die  Ankunft  des  G.  d.  K.  Gorcz- 
kowsky  mit  seinen  Truppen  und  zwei  Mörsern,  mit  welchen  abends 
einige  Probewürfe  abgegeben  wurden,  welche  den  Muthwillen  der 
bewaffneten  Insurgenten  so  einschüchterten,  dass  kein  Schuss  mehr 
vom  Walle  fiel.  Am  folgenden  Tage  begann  das  Bombardement  aus 
den  beiden  Mörsern  und  IG  Haubitzen,  welches  zwei  Stunden  dauern 
•  sollte;  doch  schon  nach  einer  halben  Stunde  wehten  die  weissen 
Fahnen  auf  dem  Thurme  »los  Palazzo  apostolico,  die  sich  bald  ver- 
vielfältigten und  die  Einstellung  des  Feuers  zur  Folge  hatten.  Nach 
einigen  Stunden  erschien  eine  Deputation,  die  um  Schonung  bat; 
doch  ward  selbe  mit  der  ausdrücklichen  Erklärung  entlassen,  dass, 
wenn  sich  die  Stadt  bis  5  Uhr  des  nächsten  Morgens  nicht  unbedingt 
ergebe,  das  Bombardement  wieder  beginnen  würde.  In  Folge  dessen 
erschien  am  10.  um  die  bestimmte  Stunde  eine  Deputation  und 
nach  längeren  Unterhandlungen  kam  die  Kapitulation  zu  Stande. 
Die  Thore  wurden  geöfluet  und  die  Stadt  militärisch  besetzt. 

Am  17.  Mai  sammelten  sich  drei  Brigaden,  dabei  Graf  Thun, 
auf  der  Via  Emilia  vor  der  Porta  maggiore  und  traten  am  Mittage 
unter  Kommando  des  F.-M.-Lt  Graf  Wimpffen  den  Marsch 
nach  Aucona  an.  Die  Tmppen  rückten  an  diesem  Tage  bis  zu  dem 
Dörfchen  S.  Lazzaro,  wo  sie  Stellung  nahmen;  die  Avantgarde  bis 
Castel  S.  Pietro.  Am  18.  wurde  nach  Imola,  19.  Forli,  20.  Cesena, 
21.  nach  Bimini  marschirt,  wo  Stellung  genommen  wurde,  da  der 
feindliche  Oberst  Garibaldi  das  Gerücht  ausgestreut  hatte,  auf 
den  Höhen  südlich  von  Cattolica  einen  entscheidenden  Kampf  auf- 
zunehmen. Schon  waren  die  Dispositionen  zu  dem  ersehnten  Kampfe 
gegeben,  wornach  die  Brigade  Thun  den  Feind  in  der  Fronte  an- 
greifen sollte,  als  man  sich  überzeugte,  dass  der  Feind  seine  vor- 
theilhafte  Stellung  fluchtartig  verlassen  habe.  Selbst  die  rasch  nach- 
gesendete Kavallerie  konnte  ihn  nicht  mehr  erreichen.  Am  22. 
marschirte  das  Expeditionskorps  nach  Pesaro  und  am  23.  Mai  nach 
Sinigaglia,  ohne  das  geringste  Hinderniss.  Am  24.  wurde  unter 
Verdoppelung  aller  militärischen  Vorsichtsmassregeln  die  weitere 
Vorrückung  gegen  Ancona  fortgesetzt.  Unterwegs  fand  an  den  Ufern 
des  Esino  zum  Abkochen  eine  kurze  Rast  statt,  während  welcher 
das  k.  k.  Seegeschwader  auf  dem  Meere  erschien,  welches  mit 


1S49. 


609 


Jubel  von  den  Truppen  begrüsst  wurde.  Nach  wenigen  Ruhestunden 
brachen  die  Truppen  wieder  auf  und  rückten  vor  Ancona.  Die  Bri- 
gade Graf  Thun  bezog  als  Reserve  bei  Torette  ein  Lager  und  liess 
das  Landwehr -Bataillon  Deutschmeister  bei  dem  Artillerieparke  am 
Flusse  Esino  ;rts  Bedeckung  zurück. 

Am  27.  Mai  war  die  Cernirung  geschlossen,  daher  der  Artillerie- 
Park  unter  Bedeckung  des  Bataillons  nach  Torette  vorgenommen 
wurde.  Hier  blieb  das  Bataillon  während  der  ganzen  Zeit  der  Be- 
lagerung und  kam  nicht  zur  Aktion.  Am  19.  Juni  kapitulirte  Ancona 
und  wurde  von  den  österreichischen  Truppen  besetzt,  welche  130  Ge- 
schütze übernahmen. 

Während  der  Belagerung  handelte  es  sich  im  Röcken  des 
Blockade -Korps  um  die  Beruhigung  der  Provinzen,  wo  noch  herum- 
ziehende Banden  ihr  Unwesen  trieben.  Es  wurde  am  4.  Juni  Haupt- 
mann B  olle  tu  y  mit  seiner  Kompagnie  und  ein  Flügel  Chevaui- 
legers  über  Corinaldo  nach  Barchi  disponirt,  wo  noch  eine  Kom- 
pagnie von  Nr.  38  dazu  stioss,  worauf  diese  Kolonne  das  von  den 
Insurgenten  geräumte  Fossombrone  besetzte.  Die  Gefahr  mit  seiner 
immerhin  noch  sehr  schwachen  Abtheilung  in  dem  gebirgigen  Terrain 
ohne  Geschütz  weiter  vorzurücken,  bestimmte  jedoch  den  Komman- 
danten, nach  kurzem  Aufenthalte  zu  Fossombrone  nach  Pesaro  zu 
marschiren,  von  wo  die  Kompagnie  von  Nr.  38  ihren  Rückmarsch 
nach  Bologna  fortsetzte  und  der  Flügel  Kavallerie  in  das  Lager  vor 
Ancona  wieder  einrückte.  Die  Landwehr -Kompagnie  Deutschmeister 
diente  nun  dazu,  die  anfangs  blos  aus  marschunfähigen  Maroden 
gebildete  kleine  Garnison  von  Pesaro  zu  verstärken  und  so  auch  den 
Rayon  der  Stadt  gegen  Beunruhigung  durch  Guerillas  zu  schützen. 

Die  glückliche  Beendigung  dieses  kurzen,  aber  schönen  Feld- 
zuges gestattete,  einen  Theil  der  entbehrlichen  Truppen  aus  der 
Romagna  und  den  Marken  zur  Belagerung  vor  Venedig  zu  ziehen. 
Schon  am  25.  Juni  brach  die  Brigade  Thun  gegen  die  Lagunenstadt 
auf.  Das  Landwehr -Bataillon  erreichte  am  2.  Juli  Bologna,  hielt  hier 
am  3.  Rasttag,  marschirte  am  4.  nach  Malalbergo,  5.  nach  Ferrara 
und  am  7.  nach  Adria,  wo  dasselbe  die  Eintheilung  zu  der  beim 
Cernirungs- Korps  vor  Venedig  befindlichen  Brigade  G.-M.  Dierkes, 
Division  F.-M.-Lt.  Baron  Simbschen,  erhielt,  dann  am  8.  nach  Cavar- 
cere,  wo  drei  Kompagnien  Stellung  nahmen,  während  die  anderen 
drei  sich  am  linken  Ufer  der  Etsch  aufstellten. 

39 


610 


1849. 


Um  den  Insurgenten  die  Gelegenheit  zu  benehmen,  Schlacht- 
vieh zu  requiriren,  wurde  auf  dem  üussersten  rechten  Flügel  der 
ganze  Landstrich  vom  Meere  angefangen,  auf  dem  rechten  Etschufer 
bis  an  den  Lorno-  Kanal,  am  linken  hingegen  bis  Cavarcere  alles 
Vieh  zurückgetrieben,  wozu  auch  Abtheilungen  des  Bataillons  ver- 
wendet wurden. 

Schon  einige  Tage  nach  dem  Anlangen  des  Bataillons  erkrankten 
viele  Offiziere  und  Mannschaft  am  Lagunen -Fieber,  so  dass  der  Vor- 
postendienst bei  der  Brigade  namhaft  vermindert  werden  musste. 

Am  19.  Juli  waren  die  Vorbereitungen  zur  Beschiessung  der 
Stadt  Venedig  vollendet.  Gegen  halb  12  Uhr  nachts  des  30.  Juli 
begann  das  Feuer  aus  10  unter  einem  Winkel  von  45  Graden  auf- 
gestellten Geschützen  und  aus  Morsern  gegen  die  feindliehen  Batterien. 
Bis  zum  Morgen  des  31.  Juli  wurden  2130  Schüsse  und  Würfe 
gemacht  und  die  Stadt  mit  glühenden  Kugeln  und  Granaten  auf 
Dreiviertel  ihrer  Ausdehnung  erreicht.  Hiedurch  sah  Venedig  seine 
Sicherheit  verschwunden ;  die  Einwohuer  durch  die  zerstörenden  Ge- 
schosse aus  ihren  W'ohnungen  vertrieben,  mussten  in  den  entlegeneren 
Theilen  eine  Unterkunft  suchen.  Allein  auch  diess  konnte  den  Starr- 
sinn der  Machthaber  nicht  beugen,  welche  die  Verteidigung  fort- 
setzten. Zu  dem  Lagunen-Fieber  gesellte  sich  gegen  Ende  des  Monats 
Juli  auch  noch  die  Cholera  und  die  Standesliste  des  31.  weist 
13  Offiziere  und  8G1  Mann  vom  Bataillon  als  krank  aus.  Alle  dispo- 
niblen Truppen  mussten  in  erster  Linie  verwendet  werden,  zur  Ab- 
lösung blieb  nichts  mehr  übrig.  Ja  schon  einige  Tage  spater  hatten 
die  Krankheiten  derart  um  sich  gegriffen,  dass  eine  120  Mann  starke 
Kompagnie  nach  Verlauf  von  14  Tagen  nur  12  Dienstfähige  hatte. 

In  Hinblick  auf  diese  ausserordentlichen  Opfer  drängte  Alles 
zur  endlichen  Entscheidung  und  der  Feldmarschall  beorderte  neuer- 
dings vier  Bataillone  zur  Unterstützung  des  Cernirungs-  Korps,  wo- 
durch es  möglich  wurde,  einige  Truppen  zurückzuziehen ;  unter  diesen 
war  auch  das  Landwehr -Bataillon,  welches  nach  Monfelice  zurück- 
raarschirte. 

Der  Krankenstand  war  anfangs  August  14  Offiziere  und  907 
Mann.  Die  Cholera  wüthete  schrecklich  in  den  Reihen  des  braven 
Bataillons,  viele  Kranke  starben  in  wenigen  Stunden.  In  diesem 
Zustand  erhielt  dasselbe  den  Befehl  nach  Rovigo  aufzubrechen, 
welches  am  8.  erreicht  wurde.  Hier  blieben  zwei  Kompagnien,  je 


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1*49. 


eine  halbe  rückte  nach  Polesella  und  Maria  Maddalena  und  drei  nach 
Adria  mit  der  Bestimmung,  die  im  Römischen  gesprengten  Banden 
Garibaldi^,  welche  von  allen  Seiten  Venedig  zu  erreichen  trachteten, 
unschädlich  zu  machen.  Diese  Aufstellung  wurde  indessen  schon 
nach  einigen  Tagen  dahin  abgeändert,  dass  nur  eine  Kompagnie 
Polesella  und  die  Po  -  Ueberfuhr  bei  Pontelago  scuro  besetzte  und 
alle  übrigen  Kompagnien  nach  Rovigo  einnickten.  In  der  gut  ein- 
gerichteten Kaserne  hätten  sich  die  Soldaten  wieder  erholen  können, 
aber  auch  hier  forderte  die  Cholera  noch  viele  Opfer,  so  dass  das 
Bataillon  zur  Feier  des  Geburtsfestes  Sr.  Majestät  nur  eine  Kom- 
pagnie formiren  konnte. 

Am  24.  August  1849  kapitulirte  Venedig  und  wurde  am  28. 
von  den  kaiserlichen  Truppen  besetzt.  Das  Bataillon  brach  an  dem- 
selben Tage  von  Rovigo  auf  und  marschirte  über  Monfelice  und 
Vrerona  nach  Brescia.  Auf  dem  Marsche  erschien  der  weitere  Befehl 
nach  Lecco  zu  rücken,  wo  dasselbe  am  7.  September  eintraf  und 
die  Kintheilung  in  der  Division  des  G.-M.  Baron  Jellacie  erhielt. 
Hier  blieb  das  Bataillon  20  Tage,  brach  am  27.  September  nach 
Görz  auf  und  traf  am  10.  Oktober  dort  ein,  aber  schon  am  15.  De- 
zember erschien  der  Befehl,  dass  alle  Landwehr- Bataillone  in  ihre 
Regiments  -  Werbbezirke  einzurücken  haben.  Das  Bataillon  brach 
daher  am  20.  von  Görz  auf,  marschirte  stationatim  bis  Laibach, 
von  hier  am  27.  mittelst  Eisenbahn  nach  Mürzzuschlag,  dann  am 
29.  mit  Fussmarsch  über  den  Semmering  und  rückte  am  29.  in 
Wiener  Neustadt  ein. 


Die  Regimentsgescbichte  hat  das  dritte  Feld  -  Bataillon  Ende 
des  Jahres  1848  in  Triest  verlassen,  wo  dasselbe  auch  in  den 
Monaten  Jänner,  Februar  und  März  1849  den  Garnisondienst  ver- 
sah und  am  29.  März  von  dem  mit  Allerhöchster  Entschliessung 
vom  21.  März  vom  Regiment  Nr.  17  anher  transferirten  Major  Josef 
V  a  n  d  o  n  i  übernommen  wurde. 

Am  14.  April  erhielt  das  dritte  Bataillon  die  Weisung  an  die 
Meeresküste  abzurücken  und  etwaige  Landungsversuche  der  sardo- 
venezianischen  Flotte  zu  verhindern;  demgemäss  brach  dasselbe  am 
14.  auf  und  marschirte  nach  Capo  d'Istria,  wo  die  16.  Kompagnie 

39* 


612 


1*49. 


verblieb.  Am  folgenden  Tage  rückten  die  übrigen  Kompagnien  nach 
Buje,  wo  der  Stab  mit  der  13.  und  14.  Kompagnie  verblieb,  während 
die  15.  am  IG.  April  nach  Visignano  marschirte.  Nun  stellte  das 
Bataillon  untereinander  verbundene  Posten  von  Orsera  bis  Capo 
d'Istria  aus.  Da  jedoch  um  die  Mitte  des  Monats  die  österreichische 
Flotte  zur  Blockirung  Venedigs  ausgelaufen  und  ein  Landungsversuch 
nicht  mehr  zu  besorgen  war,  kam  der  Stab  nach  Picano,  die  14.  Kom- 
pagnie nach  Visinado,  15.  Parenyo,  die  13.  blieb  in  Buje  und  die 
16.  in  Capo  d'Istria. 

In  diesen  Garnisonen  blieb  das  Bataillon  bis  6.  Dezember  1849, 
an  welchem  Tage  dasselbe  nach  Triest  und  dann  weiter  nach  Treviso 
marschirte,  welches  am  27.  Dezember  erreicht  wurde. 

Wie  wahr  es  ist,  dass  unter  dem  österreichischen  Kommissrock 
ein  echter  ritterlicher  Mann  steckt,  hat  auch  die  Mannschaft  dieses 
Bataillons  bewiesen.  Als  sie  durch  die  Tagesbefehle  die  Kunde  erhielt, 
dass  so  viele  Kameraden  theils  durch  auf  dem  Felde  der  Ehre  er- 
haltene Wunden,  theils  durch  die  Epidemien  sich  in  den  Spitälern 
befinden,  machten  sie  unter  sich  zur  Verbesserung  des  Looses  der 
Kranken  eine  freiwillige  Sammlung  von  ihrer  kargen  Löhnung  und 
führten  an  das  Regiments  -  Kommaudo  die  unter  diesen  Verhältnissen 
jedenfalls  sehr  bedeutende  Summe  von  275  fl.  CM.  ab,  welche  dann 
die  Mannschaft  des  Landwehr- Bataillons  auf  400  fl.  ergänzte.  Diese 
menschenfreundliche  That  wurde  im  Regiments  -  Tagsbefehle  belobt 
und  zur  Kenntniss  des  Armee-Kommandanten  F.-M.  Grafen  Radetzky 
gebracht,  welcher  Bezug  nehmend  auf  die  Biederkeit  und  Mildthätig- 
keit  der  Wiener,  dieser  Mannschaft  seine  besondere  Anerkennung 
ertheilte. 

Während  dem  Feldzuge  war  auch  ein  Reserve  -  Bataillon  er- 
richtet, welches  in  Wien,  Korneuburg,  Wr.-Neustadt  den  Garnisons- 
Dienst  versah,  im  Npvember  aber  aufgelöst  wurde. 

In  den  Feldzügen  1848  und  1849  wurden  für  hervorragend 
ausgezeichnete  Leistungen,  welche  bereits  in  der  Geschichte  ange- 
führt erscheinen,  im  Regimente  nachstehende  Auszeichnungen  ver- 
liehen: das  Ritterkreuz  des  Leopold  -  Ordens  Oberst  Albert  Fürst; 
den  Orden  der  eisernen  Krone  dritter  Klasse  Major  Johann  Freih. 
v.  R ü s 1 1,  Hauptmann  Ferdinand  Paar,  Ludwig  Baron  Vogel- 
sang, Ferdinand  Fröhlich  v.  El mbach,  Mathias  Pfannenholz, 
Oberlieutenant  Friedrich  Kühne;  das  Militär- Verdienstkreuz  Oberst 


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IM» 


G13 


Franz  War  lieh  v.  Bub  na,  Oberstlieutenant  Anton  Mcinong 
v.  Handschuchsheim,  Major  Eduard  Rottee,  Hauptmann  Fer- 
dinand Paar,  Ludwig  Baron  V o g e  1  s a n g,  Ludwig  Dagnen,  Adolf 
Microis,  Friedrich  Lohr,  Theodor  Baron  Riesenfels,  Eduard 
Wolfv.  Wolfenburg,  Friedrich  B e n d a,  Oberlieutenant  Leopold 
Eckher,  Matthäus  Gänger,  Josef  Basso,  Lieutenant  Ferdinand 
Hofmann,  Martin  Türk;  die  Allerhöchste  Zufriedenheit  Ober- 
lieutenant Friedrich  Kühne;  den  kaiserlich  russischen  St.  Anna- 
Orden  zweiter  Klasse  Oberst  Franz  War  lieh  v.  Bubna  und 
Albert  Fürst;  den  kaiserlich  russischen  Wladimir  -  Orden  vierter 
Klasse  Major  Johann  Freih.  v.  Rüstl,  Eduard  Rottee  und  Haupt- 
mann Friedrich  Arming. 

Im  Mai  1849  haben  Se.  Majestät  der  Kaiser  für  lange  und 
gute  Militärdienste,  sowohl  für  Offiziere  als  auch  für  die  Mannschaft 
des  Heeres,  das  «Militär- Dienstzeichen "  am  schwarzgelben  Bande 
gestiftet.  Dasselbe  ist  ausschliesslich  nur  für  .wirklich  Kombattanten" 
bestimmt.  Mit  12.  Mai  wurde  das  Tragen  von  Civilkleidern  gänzlich 
untersagt. 

Mittelst  Allerhöchsten  Kabinetsschreiben  vom  5.  Juni  1849 
geruhte  Se.  Majestät  der  Kaiser  nachstehende  Allerhöchste  Bestim- 
mungen zu  erlassen: 

1.  Jeder  brave  Soldat  Meiner  Armee  kann  bei  wiederholten 
tapferen  WafTenthaten  mit  der  goldenen  und  silbernen  Tapferkeits- 
Medaille  erster  und  zweiter  Klasse  ausgezeichnet  werden,  ohne  bei 
Erhalt  eines  höheren  Grades  jenes  des  niederen  ablegen  zu  müssen, 
so  dass  alle  drei  Ehrenzeichen  die  Brust  eines  solchen  Tapferen 
zieren  können. 

2.  Die  goldene,  dann  die  silberne  Medaille  erster  Klasse  geben 
jede  für  sich  Anspruch  auf  den  systemisirten  ganzen  oder  halben 
Löhnungszuschuss,  so  dass  Leute,  die  sich  durch  wiederholte  Züge 
von  persönlichem  Muthe  und  Tapferkeit  beider  Medaillen  würdig 
gemacht  haben,  für  jede  derselben  die  entsprechende  Zulage  gemessen. 

Mit  der  Vorschrift  vom  30.  August  wurde  der  weisse  Waffen- 
rock eingeführt  und  statt  der  Litzen  Sterne  als  Auszeichnung  be- 
stimmt; die  Hauptleute  und  Kapitänlieutenants  erhielten  die  Be- 
zeichnung: Hauptleute  erster  und  zweiter  Klasse,  sowie  die  Unter- 
lieutenants höherer  und  niederer  Gebühr,  jene:  Unterlieutenants 
erster  und  zweiter  Klasse.  Bei  jeder  Grenadier  -  Kompagnie  wurde 


614 


1850-  1*5S. 


ein  Lieutenaut  zweiter  Klasse  systemisirt,  dagegen  ging  der  drei- 
zehnte Korporal  ein. 

Se.  Majestät  der  Kaiser  stiftete  mit  Allerhöchster  Entschliessung 
vom  22.  Oktober  1849  in  huldvoller  Anerkennung  der  vielen  aus- 
gezeichneten Waffenthaten  und  der  bei  jeder  Gelegenheit  bewieseneu 
aufopfernden  Hingebung  der  Armee,  das  Militär  -  Verdienstkreuz  am 
Bande  der  Tapferkeits  -  Medaille.  Dasselbe  wird  nur  an  wirkliche 
Offiziere  verliehen,  welche  im  Kriege  durch  höhere  Einsicht,  Muth 
und  Entschlossenheit,  im  Frieden  durch  hervorragenden  Eifer  und 
Thatkraft  besonders  erspriessliehe  Dienste  geleistet  haben;  über 
Allerhöchsten  Befehl  wurde  jedem  Offizier,  welcher  sich  in  den 
Feldzugen  1848—1849  die  Allerhöchste  Belobung  erworben  hatte, 
ausnahmsweise  das  Militär  -  Verdienstkreuz  verliehen.  Auch  wurde 
mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  2.  Dezember  der  Franz  Joseph- 
Orden  in  drei  Klassen  gestiftet. 


1850-1858. 

Am  19.  Juni  rückte  der  Regimentsstab  und  das  1.  Bataillon 
Ober  Bäth  und  Verbelly  in  die  neue  Kantonnirung  nach  Neutra; 
die  1.  Division  wurde  nach  Freistadt,  die  5.  Kompagnie  nach 
Aranyos  -  Maroth  und  die  G.  nach  Kis  -  Tapolczän  verlegt  Die 
18.  Kompagnie  rückte  von  Gradiska  nach  Görz  und  es  verblieb  nur 
ein  Offizier  mit  einem  Detachement  zurück.  Das  4.  Bataillon  war 
in  Leva,  Ipolysägh  und  Balassa-Gyarmäth  bequartiert.  Von  letzterer 
Station  marschirte  die  22.  Korapaguie  am  12.  Juni  nach  Nagy- 
Oroszi.  Auch  beim  Landwehr- Bataillon  fanden  Dislokations  -  Ver- 
änderungen statt,  dessen  3.  Kompagnie  kam  nach  Lichtenwörth  und 
die  4.  nach  Theresienfeld. 

Am  22.  Juni  fand  die  Vertheilung  der  päpstlichen  Erinnerungs- 
Medaillc  an  jene  Offiziere  und  Mannschaft  statt,  welche  an  der 
Intervention  im  römischen  Gebiete  theil  genommen  hatten.  Den 
folgenden  Tag  trat  das  Landwehr  -  Bataillon  seinen  Marsch  über 
Traiskirchen  und  Wien  nach  Korneuburg  an,  wo  dasselbe  am  25.  Juni 


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1850  —  1860 


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Hauptmann  und  Fahnenträger  von 
Hoch- und  Deutschmeister. 


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1H50-1R&8. 


615 


anlangte  und  von  den  loyalen  Bewohnern  dieser  Stadt  aut  das 
feierlichste  und  freundlichste  empfangen  wurde.  Vor  dem  Thore 
begrüssten  der  Magistrat  und  die  Beamten  die  Angekommenen,  lauter 
Jubel  empfing  dieselben  in  der  Stadt,  Offiziere  und  Mannschaft 
wurden  gastlich  bewirthet.  Der  Stab  und  die  2.  Division  blieb  in 
Korneuburg,  die  1.  Division  kam  nach  Stockerau,  die  5.  Kompagnie 
nach  Leobendorf,  die  6.  nach  Richersdorf. 

Major  Eduard  Rottet  Edler  v.  Romaroli  wurde  im  Juli 
1850  zum  15.  Gendarmerie  -  Regiment  transferirt. 

Im  August  1850  wurde  der  Hauptmann  Michael  Baron  Lütgen- 
dorf zum  Major  befördert  und  zum  Infanterie -Regiment  Nr.  21 
transferirt,  dagegen  von  dort  der  Major  Johann  Plochl  in  das 
Regiment  eingetheilt. 

In  Folge  Allerhöchsten  Befehls  wurden  in  diesem  Monat 
sämmtliche  vierten  Bataillone  in  ihre  Werbbezirke  zurückgezogen 
und  der  Stand  einer  Kompagnie  auf  60  Gemeine  reduzirt ;  das  dritte 
Bataillon  dagegen  zum  Regiment  einberufen.  Auch  das  Regiment 
erhielt  Marschbefehl,  brach  am  17.  aus  seinen  Stationen  auf  und 
erreichte  der  Regimentsstab  und  das  erste  Bataillon  am  11.  September 
Kaschau,  das  zweite  am  30.  Eperies,  welches  eine  Division  nach 
Leutschau  und  je  eine  Kompagnie  nach  Käsmarkt  und  Bartfeld 
detachirte,  endlich  das  dritte  Bataillon,  welches  am  6.  von  Görz 
aufgebrochen  war,  am  18.  Erlau,  welches  drei  Kompagnien  in  Mis- 
kolcz  bequartierte.  Das  vierte  Bataillon  war  am  17.  aufgebrochen 
und  am  31.  in  Stockerau  eingerückt  und  wurde  am  5.  September 
nach  Krems  verlegt. 

Während  diesen  Märschen  hatten  die  Regiments-Abtheilungen 
am  15.  August  den  Jahrestag  der  für  das  Regiment  sehr  ruhm- 
reichen Schlacht  bei  Novi  zum  fünfzigsten  Male  gefeiert  und  die 
Interessen  der  Strakati'schen  Stiftung  an  jene  Leute  vertheilt, 
welche  sich  im  letzten  Feldzuge  hervorragend  ausgezeichnet  hatten. 
Der  edle  Stifter  und  ehemalige  tapfere  Korporal  des  Regiments 
war  zwei  Tage  früher,  am  13.,  zu  Teplitz  gestorben. 

Oberlieutenant  Friedrich  Kühne,  Ritter  der  eisernen  Krone, 
war  am  21.  September  mit  der  6.  Kompagnie  in  das  Zempliner 
Komitat  bis  an  die  Theiss  auf  Räuberkommando  abgerückt  und  es 
gelang  seiner  Umsicht  und  Energie,  in  12  Tagen  122  solcher  Schelme 
und  viele  Waffen  den  Gerichten  abzuliefern. 


616  1850-1868. 

Die  Regimenter  hatten  kaum  die  Friedensformation  angenommen 
und  ihre  Bespannungen  und  Packpferde  abgegeben,  als  eine  neue 
politische  Verwicklung  durch  das  eigenmächtige  Vorgehen  Preussen's 
gegen  die  Unabhängigkeit  der  deutschen  Bundesstaaten  eintrat, 
gegen  welche  Se.  Majestät  der  Kaiser  beschloss,  sein  gutes  Recht 
mit  militärischen  Kräften  zu  verfechten.  Eine  Armee  wurde  mit 
überraschender  Schnelligkeit  an  den  Grenzen  Sachsens  und  Preussens 
aufgestellt,  und  da  zu  derselben  mehrere  Regimenter  aus  Ungarn 
abrückten,  änderte  auch  das  Regiment  seine  Dislokationen.  Das 
vierte  Bataillon  rückte  nach  Bruck  a.  d.  Leitha,  der  Regimentsstab 
mit  dem  zweiten  und  dritten  Bataillon  nach  Komorn,  das  erste  nach 
Fünfkirchen,  das  Landwehr  -  Bataillon ,  nachdem  es  sich  auf  den 
Kriegsstand  gesetzt  hatte,  nach  Marchegg  und  die  Grenadier-Division 
im  Bataillon  Wetzlar  von  Ofen  nach  Wien. 

Nach  dem  Abrücken  der  Bataillone  aus  ihren  Garnisonen 
erschien  von  der  dortigen  Bevölkerung  nachstehender  Nachruf  in 
den  öffentlichen  Blättern:  „Mit  wahrem  Bedauern  sehen  wir  das 
.erst  eine  kurze  Zeit  bei  uns  und  in  der  Umgegend  stationirt  ge- 
„wesene  Infanterie  -  Regiment  Hoch-  und  Deutschmeister  wieder 
.scheiden  und  rufen  demselben  ein  herzliches  Lebewohl  nach ; 
.Offiziere  und  Soldaten  haben  sich  während  ihrer  hiesigen  Statio- 
.nirung  die  Liebe  und  Achtung  der  Bewohner  erworben  und  mit  Ver- 
„gnögen  werden  wir  der  wackeren  Deutschmeister  gedenken,  die  sich 
.durch  ihre  Disciplin  und  Humanität  besonders  ausgezeichnet  haben." 

Lieutenant  Franz  Höchsmann,  bisher  als  Lehrer  in  der 
Vorbereitungsklasse  der  Neustädter  Akademie  kommandirt,  rückte 
beim  Regiment  ein  und  erhielt  vom  Kriegsministerium  die  vollste 
Zufriedenheit  über  seine  erfolgreiche  Verwendung  ausgedrückt 

Major  Karl  Adelsberger  v.  Illingenthal  wurde  im 
Dezember  1850  zum  Militär- Referenten  beim  Generalkommando  zu 
Wien  ernannt  und  dann  zum  Obcrstlieutenant  beim  Infanterie- 
Regiment  Nr.  40  befördert,  dagegen  Major  Adolf  Freiherr  von 
Wimpffeu  von  Nr.  18  in  das  Regiment  transferirt. 

Die  politischen  Verhältnisse  gestalteten  sich  sehr  bald  fried- 
licher und  nachdem  die  Konvention  von  OlmQtz  zu  Stande  gekommen 
war,  in  welcher  Preussen  von  seinen  Fordeningen  abstand,  wurde 
die  Armee  wieder  auf  deu  Friedensfuss  gesetzt  und  die  Regimenter 
marschirten  von  der  Stellung  an  der  Grenze  in  ihre  Garnisonen. 


ls«0  18Ö8 


617 


Bis  Ende  Dezember  war  das  Landwehr-  and  vierte  Bataillon  wieder 
auf  60  Geraeine  per  Kompagnie  herabgesetzt;  die  Grenadiere  rückten 
mittelst  Eisenbahn  nach  Prag,  wo  sie  bis  zur  Auflösung  der  Grenadier- 
Bataillone  verblieben. 

Von  den  Neuerungen  im  Jahre  1850  sind  hervorzuheben:  Die 
Unteroffiziere  erhielten  am  Kragen  Distinktionssterne  von  weissem 
Tuche.  Für  jene  Mannschalt,  die  zweimal  kriegsrechtlich  bestraft 
war,  wurden  in  Festungen  Disciplinar-Kompagnien  errichtet.  Das  Ab- 
geben schlecht  konduisirter  Mannschaft  der  Kavallerie  und  Artillerie 
zur  Infanterie  hörte  auf.  Die  Oftlzierswohnungen  in  den  Aerarial- 
gebäuden  erhielten  die  nöthige  Einrichtung.  Die  Mannschaft  erhielt 
längere  Mäntel  mit  zwei  Knopfreihen.  Mit  1.  November  trat  das 
Armee -Verordnungsblatt  in"s  Leben. 

Anfangs  Februar  1851.  wechselte  das  vierte  mit  dem  Landwehr- 
Bataillon  seine  Garnison.  In  diesem  Monat  wurde  der  Oberstlieute- 
nant Anton  Meinong  v.  Handschuchsheim  zum  Obersten 
und  Kommandanten  des  aus  den  aufgelösten  Szekler- Grenzern  neu 
errichteten  Infanterie -Regiments  Nr.  5  ernannt,  dagegen  Oberst- 
lieutenant Johann  Böck  vom  zweiten  Szekler  in  das  Regiment 
transferirt.  Auch  erschien  der  Allerhöchste  Befehl,  dass  14  Tage 
nach  dessen  Erhalt  sämmtliclie  Truppen  nur  mehr  die  systemisirte 
Friedeusgcbühr  zu  erhalten  haben.  Die  Grenadiere  und  das  dritte 
Bataillon  wurden  auf  80  Gemeine  per  Kompagnie  reduzirt,  letzteres 
rückte  beim  Regiment  in  Komom  ein.  Die  Armee  erhielt  ein  neues 
Exerzier -Reglement  und  um  dieses  gleichförmig  einzuführen,  wurden 
Lehr- Bataillons  zusammengestellt.  Beim  Regiment  komraandirte  das- 
selbe der  Major  Baron  W  i  m  p  f  f  e  n ;  vom  vierten  Bataillon  war  Haupt- 
mann Friedrich  A  r  ra  i  n  g  mit  den  nöthigen  Chargen  nach  Mauer 
kommandirt.  Oberlieutenant  Julius  Schwerdtner  befand  sich  bis 
30.  April  mit  einem  Kommando  von  80  Mann  am  Kordon  von  der 
ungarischen  Grenze  bis  Marchegg. 

Das  Offiziers  -  Korps  des  Regimeuts  hatte  während  seiner 
Garnisonirung  zu  Komorn  den  Beschluss  gefasst,  den  am  2.  uud 
11.  Juli  1819  auf  den  Feldern  der  Ehre,  bei  Puszta  -  Harkäly 
gebliebenen  Regimentsmitgliedern,  zur  immerwährenden  Erinnerung 
ein  Denkmal  zu  setzen  und  dieses  auch  sofort  ausgeführt.  Der  Guts- 
besitzer jener  Gegend,  Herr  Camillo  Graf  Zichy,  übergab  in  einem 
eigenen  Schreiben  dem  Regiment  den  zum  Monumente  nöthigen 


618 


18*0- 18&8. 


Raum  von  fünf  Klafter  mit  ihn  sehr  ehrender  Bereitwilligkeit  and 
so  konnte  schon  am  9.  Juni  1851  die  Einweihung  dieses  schönen 
Denkmales  stattfinden.  Hiezu  rückte  das  erste  und  zweite  Bataillon 
in  vollkommenster  Parade  auf  das  Schlachtfeld  und  stellten  sich 
vor  dem  Monument  in  Massen  formirt  auf.  Der  Truppen  -  Brigadier 
6.-M.  Baron  Paumgarten  nebst  vielen  Stabs-  und  Oberoffizieren, 
sowie  eine  grosse  Zahl  der  Bevölkerung  waren  bei  dem  neben 
dem  Monumente  aufgeschlagenen  Kapellenzelte  erschienen. 

Nach  Besichtigung  der  Bataillone  begann  die  heilige  Messe, 
welche  zum  Andenken  an  die  für  Kaiser  und  Vaterland  auf  diesen 
Feldern  gebliebenen  vom  Regiments-Kaplan  celebrirt  wurde,  welcher 
dann  eine  treffliche  Rede  hielt,  darin  auf  die  Treue  und  Tapferkeit 
hinweisend,  welche  als  erste  Soldatentugenden  immerdar  das  Regi- 
ment Hoch-  und  Deutschmeister  zu  seiner  Ehre  und  Ruhm  ge- 
schmückt haben. 

Nach  deren  Schluss  erfolgte  die  kirchliche  Weihe,  worauf 
Oberstlieutenant  Böck  statt  dem  erkrankten  Obersten  eine  kernige 
Rede  hielt,  welche  mit  dreimaligem  Hoch  auf  Se.  Majestät  den 
geliebten  Kaiser  Franz  Joseph  I.  endete,  in  welche  alle  An- 
wesenden enthusiastisch  einstimmten. 

Der  Regiments  -  Kaplan  erthcilte  dann  den  Segen,  worauf  drei 
Ehren -Salven  von  den  Bataillons  über  das  Schlachtfeld  gefeuert 
wurden.  Zum  Schlüsse  liess  General  Baron  Paumgarten  die 
Truppe  defiliren  und  nach  einer  Rast,  während  welcher  der  Herr 
Graf  Zichy  das  Offizierskorps  in  splendidester  Weise  bewirthen 
liess,  wurde  wieder  nach  Komorn  zurückmarschirt.  Der  Herr  Graf 
liess  hier  jedem  ausgerückten  Mann  ein  halbes  Pfund  Fleisch  und 
ein  Seidel  Wein  verabreichen. 

Das  Denkmal  steht  auf  der  Höhe  eines  Hügels  nächst  Harkäiy. 
von  allen  Seiten  bis  auf  eine  Meile  sichtbar.  Dasselbe  ist  ein 
Obelisk  von  rothem  Marmor,  12  Schuh  hoch,  oben  mit  einem  Bündel 
gestürzter  Fackeln,  darüber  mit  einem  Kriegerhelm  bedeckt.  Die 
Vorderseite  gegen  Komorn  gewendet,  enthält  die  Inschrift:  „Denk- 
„mal  der  in  den  Schlachten  bei  Komorn  gefallenen  Krieger  des 
» Regiments  Hoch-  und  Deutschmeister  Nr.  4  im  Jahre  1849*,  ober 
dieser  ein  Kreuz  und  unter  derselben  ein  Schwert.  Auf  der  Rück- 
seite sind  die  Namen  der  am  2.  und  11.  Juli  Gefallenen,  welche 
mit  jenen  der  Lieutenants  Adelsheim  und  ühle  beginnen. 


1Ü50-1858. 


619 


Am  folgenden  Tage  begann  der  Abmarsch  aus  Komorn;  der 
Regimentsstab  und  das  erste  Bataillon  marschirten  nach  Raab,  das 
zweite  nach  Pest. 

Se.  kaiserl.  Hoheit  Erzherzog  Maximilian  d'Este,  Regiments- 
Inhaber  besichtigte  in  diesem  Monat  die  Grenadier  -  Division  in 
Prag  und  sprach  derselben  nicht  nur  seine  volle  Zufriedenheit  aus, 
sondern  liess  auch  den  Offizieren  ein  Equipirungs  -  Douceur,  der 
dekorirten  Mannschaft  Geldgeschenke  und  ausserdem  der  gesammten 
Mannschaft  eine  doppelte  Gratislöhnung  übergeben. 

Schon  im  August  1851  änderte  das  Regiment  abermals  seine 
Garnisonen;  der  Regimentsstab  und  das  erste  Bataillon  rückten 
nach  Pressburg,  das  dritte  nach  Raab.  Hier  hielt  das  Letztere  am 
28.  August  1851  die  Weihe  seiner  neuen  Fahne  ab. 

Zu  dieser  erhebenden  Feier  war  der  Korps  -  Kommandant 
F.-M.-Lt.  Fürst  Colloredo-Mannsfeld,  der  Divisionär 
F. -M. -Lt.  Erzherzog  Ernst,  der  Festungs  -  Kommandant  von 
Komorn  F.-M.-Lt.  Baron  Simunich,  der  Oberst  Regiments- 
Kommandant  Fürst,  das  Offizierskorps  des  ersten  Bataillons  und 
v  iele  Offiziere  des  zweiton,  vierten  und  Landwehr  -  Bataillons  er- 
schienen. Ihre  kaiserliche  Hoheit  die  durchlauchtigste  Frau  Erz- 
herzogin Hilde  gar  de,  Gemahlin  Sr.  kaiserl.  Hoheit  des  Armee- 
Kommandanten  G.  d.  K.  Erzherzog  Albrecht  hatte  huldreichst 
die  Stelle  als  Fahnenmutter  angenommen  und  liess  sich  durch  die 
Frau  Gräfin  Attems  vertreten. 

Am  Vorabende  wurde  der  Zapfenstreich  mit  Musik  abgehalten 
und  eine  ebensolche  Tag  -  Reveille  verkündete  die  Feier  des  Tages. 
Um  9  Uhr  rückte  das  Bataillon  in  vollkommenster  Parade  auf  den 
Stadthausplatz  und  nahm  vor  dem  Portale  der  Benedictiner  -  Kirche 
Stellung.  Der  Diüzesan  -  Bischof  K  a  r  n  e  r  empfing  die  Herrschaften 
in  Pontificalibus  umgeben  von  einer  zahlreichen  Assistenz  am  Kirchen- 
portale und  der  Regimentskaplan  Patanitschek  eröffnete  dann 
die  kirchliche  Funktion  mit  einer  Predigt  an  das  Bataillon  und  die 
sehr  zahlreiche  Volksmenge,  welche  den  Platz  füllte.  Er  erinnerte 
an  den  Ruhm,  welchen  sich  das  Bataillon  in  den  Feldzügen  1809, 
1813,  1814  und  1815  unter  der  alten  Fahne  erworben  hatte  und 
-  forderte  zu  gleich  erhabenen  Thaten  unter  der  neuen  auf,  erwähnte 
die  Pflichten  eines  wackeren  Kriegers  und  schloss  mit  einem  ergreifen- 
den Epilog,  dem  ein  Gebet  folgte. 


620 


1H50-1H5H. 


Nun  verlügten  sich  die  Gäste  und  das  Offizier  -  Korps  in  die 
Kirche,  wo  nach  abgehaltenem  Hochamte  Bischof  Käme  r  die  Fahne 
weihte  und  dieselbe  dann  mit  nachstehenden  Worten  dem  Obersten 
überreichte:  »Nehmet  Sie  hin,  die  mit  dem  göttlichen  Segen  geweihte 
.Fahne,  sie  sei  furchtbar  den  Feinden  unseres  durchlauchtigsten 
.glorreichen  Kaisers,  des  Erzhauses,  des  Vaterlandes  und  seinen 
„Völkern;  der  Herr  verleihe  Ihnen  und  Allen,  die  zu  dieser  Fahne 
„schwören,  die  Gnade,  damit  sie  im  siegreichen  Kampfe  unverletzt 
„die  Reihen  der  Feinde  durchschreiten,  zur  Verherrlichung  des  gött- 
lichen Namens,  zum  Schutze  und  zur  Vertheidigung  des  Aller- 
höchsten Thrones,  des  Staates  und  der  heiligen  Kirche." 

Nun  verfügte  sich  alles  vor  die  Kirche,  wo  die  Ceremonie  des 
Nägeleinschlagens  stattfand.  Nach  deren  Beendigung  bestieg  der 
Oberst  Fürst  sein  Pferd  und  übergab  dem  Bataillon  seine  neue 
Fahne,  dekorirt  mit  dem  wahrhaft  fürstlich  ausgestatteten  blauen 
Bande,  welches  auf  dem  einen  Ende  das  Wappen  des  deutschen 
Ritterordens,  auf  dem  anderen  die  Devise:  „Bewahret  den  alten 
Ruhm  Oesterreichs"  und  das  Familien wappen  der  durchlauchtigsten 
Frau  Erzherzogin  führte,  mit  der  kräftigen  Anrede:  „Soldaten!  Ich 
„übergebe  Euch  die  soeben  durch  Se.  bischöfliche  Gnaden  geweihte 
„und  von  Ihrer  kaiserlichen  Hoheit  der  Erzherzogin  Hildegarde 
„mit  diesem  köstlichen  Fahnenbande  geschmückte  Fahne  und  bin 
„überzeugt,  dass  Ihr  sie  bei  jeder  Gelegenheit  schützen,  unter  ihr 
„tapfer  und  muthvoll  streiten  und  treu  ausharren  werdet  im  ehren- 
vollen Kampfe  und  willig  hingeben  werdet  Euer  Blut  und  Leben 
„für  unseren  allgeliebten  Kaiser,  dem  wir  auch  ausbringen  ein  drei- 
maliges herzliches  Lebehoch!« 

Nachdem  der  Oberlieutenant  Regimentsadjutant  Karl  Schröm- 
mer  die  Kriegsartikeln  vorgelesen  hatte,  leistete  das  Bataillon  den 
Eid  der  Treue.  Die  Gäste  und  der  Klerus  begaben  sich  dann  wieder 
in  die  Kirche,  wo  der  Bischof  das  Te  Deum  anstimmte,  welches 
das  Bataillon  mit  einer  General  -  Decharge  erwiderte,  und  dann  dem 
Bataillon  vom  Portale  aus  mit  dem  Hochwürdigsten  den  Segen 
ertheilte,  dem  noch  zwei  Dechargen  folgten.  Zum  Schlüsse  defilirte 
das  Bataillon  in  schönster  Haltuug  vor  den  Herrschaften,  welche 
durch  ihre  Gegenwart  das  Fest  verherrlicht  hatten. 

Um  1  Uhr  mittags  war  Empfang  beim  Erzherzog  Ernst  und 
dann  Tafel  beim  Bischof  Karner,  welcher  einen  zum  Herzen 


1850-  185*. 


021 


dringenden  Toast  auf  das  Wohl  Sr.  Majestät  des  Kaisers  ausbrachte 
der  mit  stürmischen  Hochs  seine  Erwiderung  fand.  Das  Offizierskorps 
bewirthete  alle  anderen  Gäste,  die  wegen  beschranktem  Räume  an 
der  bischöflichen  Tafel  keinen  Platz  fanden,  im  ersten  Hotel  mit 
einem  Mahle,  hei  welchem  ungemeiner  Frohsinn  herrschte  und  eben- 
falls begeisterte  Toaste  ausgebracht  wurden.  Abends  war  vom  Offiziers- 
korps ein  Festball  im  Redoutensaale  veranstaltet,  zu  welchem  die 
Elite  der  Raaber  Einwohner  geladen  nnd  durch  die  Gegenwart  der 
hohen  Herrschaften  und  des  Klerus  verherrlicht  wurde;  erst  der 
anbrechende  Morgen  machte  dem  unvorgesslichen  Feste  ein  Ende. 
Auch  die  Soldaten  hatten  einen  fröhlichen  Tag ;  das  Offizierskorps 
gab  denselben  per  Mann  eiu  Pfund  Fleisch  und  die  Stadt  Raab 
10  Eimer  ganz  vorzfl glichen  Wein. 

Der  Herr  Bischof  von  Raab,  Anton  Karner,  ersuchte  um  die 
Aufbewahrung  der  alten  Fahne  in  dem  dortigen  Dome  und  als  hiezu 
der  Regimentsinhaber  Erzherzog  Maximilian  die  Zustimmung 
ertheilte,  richtete  er  nachstehendes  Schreiben  an  den  Obersten: 

„Die  geehrteste  Mittheilung  lautet  für  mich  um  so  erfreulicher, 
„als  Se.  köng.  Hoheit  der  durchlauchtigste  hochwürdigste  Herr  Re- 
„gimentsinhaber  Erzherzog  Maximilian  von  der  b.  Funktion, 
«welche  ich  bei  der  kirchlichen  Weihe  der  Fahne  des  dritten  Ba- 
»taillons  vom  löbl.  k.  k.  Regiment  Hoch-  und  Deutschmeister  zu 
.verrichten  die  Ehre  hatte,  nicht  nur  zur  gefälligen  höchsten  Kennt- 
,  niss  zu  nehmen,  sondern  auch  meiner  unterthänigsten  Bitte  bezuglich 
„der  alten  rühmlichst  geführten  Fahne  zu  willfahren  huldvollst 
,  geruht  haben. 

„An  diese  nunmehr  raeine  Domkirche  zierende  Fahne  knüpft 
„sich  das  freundliche  Andenken  an  ein  k.  k.  löbl.  Regiment,  dessen 
„verebrungs-  und  liebenswürdiger  Oberst  und  gesammtes  Offizierkorps 
„sich  die  Hochachtung  und  Liebe  der  Bürger  von  Raab  derart 
»erwarb,  dass  bei  dem  wohlthuenden,  allgemein  dankbar  anerkannten 
.Einvernehmen,  welches  zwischen  dem  k.  k.  Militär  und  der  Raaber 
„Stadt,  vorzüglich  seit  der  Anwesenheit  des  Bataillons  Hoch-  und 
„Deutschmeister  stattfindet,  von  Seite  der  Einwohner  von  Raab 
„nichts  so  angelegentlich  als  die  Aufrichtigkeit  und  Dauer  dieses 
„so  angenehmen  Verhältnisses  gewünscht  werden  kann. 

„Die  meiner  Kathedrale  gewidmete  Fahne  hat  daher  für  Raab 
„einen  zweifachen  Werth,  weil  sie  bei  Freunden  aufbewahrt  wird, 


022 


1860-1868. 


»die  der  tapferen  und  humanen  Krieger  des  Regiments  Hoch-  und 
.Deutschmeister  stets  mit  Warme  und  freundlichen  Wünschen  ge- 
denken werden.* 

Im  Septemher  1851  avancirte  Oberstlieutenant  Johann  Böck 
zum  Obersten  des  ersten  Liccaner  Grenz  -  Regiments  und  der  Oberst 
Gabriel  Ritter  v.  Rodich,  bisher  Flflgel  -Adjutant  heim  Banus 
Ton  Kroatien,  wurde  als  zweiter  Oberst  iu  das  Regiment  eingetheilt. 
In  diesem  Monat  befand  sich  das  vierte  und  Landwehr  -  Bataillon 
bei  der  Konzentrirung  im  Marchfelde;  auch  der  Regimentsstab  und 
das  erste  Bataillon  wurden  zu  einem  grossen  Manöver  mittelst 
Eisenbahn  von  Pressburg  beigezogen  und  erhielten  die  Allerhöchst« 
Belobung  Sr.  Majestät  des  Kaisers.  Nach  dem  Manöver  nickten  alle 
Truppen  wieder  in  ihre  früheren  Garnisonen. 

Am  18.  September  brach  in  Leopoldau  ein  heftiges  Feuer  aus, 
welches  durch  die  thätige  Hilfeleistung  des  dort  stationirt  gowesenen 
vierten  Bataillons  bewältiget  wurde,  worüber  die  k.  k.  Bezirkshaupt- 
mannschaft demselben  den  verbindlichsten  Dank  ausdrückte. 

Das  zweite  Feld  -  Bataillon  brach  am  Iii.  Oktober  1851  von 
Pest  auf  und  marschirte  stationatim  nach  Trentschin,  wo  dasselbe 
am  22.  eintraf.  Das  dritte  Bataillon  vcrliess  am  10.  Raab  und  mar- 
schirte stationatim  nach  Neutra,  wo  der  Stab  und  die  siebente 
Division  verblieb;  die  beiden  anderen  Divisionen  setzten  den  Marsch 
fort,  die  achte  Division  blieb  dann  in  Schemnitz  und  die  nennt« 
rückte  nach  Neusohl. 

In  diesem  Monat  erhielt  das  Regiment  den  Allerhöchsten 
Befehl,  wornach  das  vierte  Bataillon  auf  60  Geraeine  per  Kompagnie 
zu  reduziren,  die  Mittel -Division  des  Landwehr-  Bataillons  ganz 
aufzulösen,  die  übrigen  Kompagnien  aber  auf  den  Chargenkadre 
herabzusetzen  sind,  was  auch  sofort  in  Vollzug  gesetzt  wurde.  Der 
Kadre  kam  nach  Kornenburg. 

Am  17.  November  verliess  das  dritte  Bataillon  wieder  seine 
erst  vor  einigen  Tagen  bezogenen  Garnisonen  und  marschirte  nach 
Pressburg. 

In  Folge  Allerhöchster  Entschliessung  erhielt  der  Ritter  der 
eisernen  Krone,  Oberlieutenant  Friedrich  Kühne  im  Jänner  1852 
für  seine  freiwillige  Hilfeleistung  bei  der  Batterie  Nr.  20  am  11.  Juli 
1849  vor  Komorn  die  Allerhöchste  Zufriedenheit,  Die  Gemeinen 
Franz  Stanglmaier,  Anton  Beck,  Heinrich  H i n s o n  und 


1*50^  1S58. 


623 


Michael  Binder  wegen  derselben  That,  ersterer  die  silberne 
Tapferkcits- Medaille  erster,  die  übrigen  jene  zweiter  Klasse. 

Im  Laufe  des  Jahres  1851  hatten  viele  Neuerungen  und  Aende- 
mngen  stattgefunden.  Am  5.  Janner  wurde  die  Verwendung  der 
Soldaten  als  Statisten  bei  Theatervorstellungen  untersagt,  die  Assen- 
tirung  von  ei  propriis  Gemeinen  eingestellt,  das  Institut  der  Kadeten 
auf  neue  Grundlagen  gesetzt  und  durch  diese  jedem  gebildeten  jungen 
Manne  ohne  Standesunterschied  die  Möglichkeit  geboten,  Kadet  zu 
werden.  Im  März  erschien  ein  neues  Abrichtungs-  und  Exerzier- 
Reglement  und  jede  Kompagnie  erhielt  IG  mit  KammerbQchsen  be- 
waffnete Schfltzeu  und  2  Hornisten ;  auch  waren  gleichzeitig  Aende- 
mngen  in  der  Adjustimngs- Vorschrift  ergangen.  Die  Bemerkens- 
wertheste traf  die  Czakos,  welche  statt  wie  bisher  aus  Tuch,  aus 
wasserdichtem  Filz  erzeugt  wurden.  An  Stelle  der  Kokarden  traten 
als  Embleme  die  Adler  und  statt  den  wollenen  Rosen  jene  aus 
Messing.  Die  Infanterie  -Stabsoffiziere,  welche  bisher  goldbordirte 
Höte  (seit  1849  mit  schwarzem  Federbusch)  trugen,  erhielten  jetzt 
gleichfalls  Czako.  Der  Infanterie -Säbel  wurde  mit  gerader  Klinge, 
der  Griff  mit  einem  Stichblatt  versehen,  auch  wurden  die  Schurz- 
felle der  Zimmerlente  abgeschafft. 

Am  15.  Mai  erschien  eine  Bequartinings- Vorschrift  des  Heeres. 
Jedes  Regiment  erhielt  eine  Musikbande  von  10  Hautboisten  und 
38  Bandisten.  Die  Zulagen  des  Maria -Theresien- Ordens  und  der 
Tapferkeits- Medaillen  wurden  von  der  Einkommensteuer  befreit; 
endlich  die  Vertheilung  von  Prämien  für  die  besten  Schützen  an- 
geordnet und  mit  Armeebefehl  Nr.  13  vom  0.  Juli  die  Gagen  und 
Naturalgebühren  für  den  Frieden,  die  Bereitschaft  und  den  Krieg 
erhöht  und  geregelt. 

Im  Monat  Februar  1852  rückte  die  sechste  Division  von 
Trentschin  nach  Tyrnau;  am  18.  d.  M.  die  neunte  Kompagnie  zur 
Dämpfung  eines  ausgebrochenen  Arbeiteraufstandes  nach  Schemnitz 
und  nachdem  rasch  die  Ordnung  hergestellt  war,  wieder  nach 
Tyrnau  zurück ;  im  Monat  März  erhielt  die  sechste  Division  Pressburg 
als  Garnison. 

Bei  dem  am  7.  April  in  Pressburg  ausgebrochenen  Feuer 
hatten  sich  beim  Löschen  die  Kompagnien  des  dritten  Bataillons  so 
ausgezeichnet,  dass  der  Magistrat  seinem  Danke  auch  noch  einige 
Eimer  Wein  für  die  brave  Mannschaft  beifügte.   Ende  desselben 


024 


1850-18Ö8. 


Monats  wurde  auch  das  zweite  Bataillon  nach  Pressburg  gezogen, 
dagegen  raarschirte  im  Mai  das  dritte  nach  Komorn,  welches  im 
Juni  mit  dem  zweiten  wechselte. 

Im  September  rflckte  der  Rcgiraentsstab  mit  den  drei  Feld- 
Bataillons  in  das  Lager  bei  Pest  am  Rakos,  wohnte  hier  den  grossen 
Manövern  vor  Sr.  Majestät  bei  und  marschirte  dann  wieder  in  die 
früheren  Garnisonen  zurück.  Am  8.  Oktober  kam  auch  das  vierte 
Bataillon  nach  Pressburg,  wo  sieh  nun  der  Stab,  das  erste,  zweite, 
dritte  und  vierte  Bataillon  vereinigt  befanden;  je  eine  Division  war 
in  Neutra,  Raab  und  Tyrnau  detachirt. 

Oberst  Gabriel  Ritter  v.  Rodich  wurde  im  Dezember  1852 
zum  Kommandanten  des  Infanterie  -  Regiments  Nr.  46,  Major 
Adolf  Baron  Wimpffen  zum  Oberstlieutenant  bei  Nr.  30,  Haupt- 
mann Ludwig  Lechner  zum  Major  bei  Nr.  54  ernannt,  dagegen 
erhielten  der  Oberst  Anton  v.  L  a  a  b  a  von  Nr.  30  als  zweiter  Oberst 
und  der  Major  Johann  Edler  v.  Weissbarth  von  Nr.  54,  im 
Regimente  ihre  Kintheilung.  Hauptmanu  Johann  S  c  h  o  n  a  t  avan- 
cirte  zum  Major  und  Kommandanten  des  Kadeten  -  Instituts  zu 
Neu-Cilli. 

Mit  der  in  diesem  Jahre  eingeführten  neuen  Organisation  der 
Infanterie  trat  das  »Reserve -Statut"  in's  Leben,  womit  in  allen 
Kronländern  die  Reserve  -  Verpflichtung  eingeführt;  nämlich  jeder 
Soldat  nach  vollstreckten!  Liniendienst  von  acht  Jahren,  noch  eine 
zweijährige  Reservepflicht  zu  erfüllen  hatte. 

Kraft  einer  Reorganisirung  der  Militär -Bildungs- Anstalten 
hörten  die  Regiments  -  Knaben  -  Erziehungshäuser  auf.  Dankbarst 
fühlte  die  Armee  die  Munifizenz  Sr.  Majestät,  Allerhöchstwelcher  in 
väterlicher  Obsorge  für  das  Wohl  des  Heeres  den  Bildungs-Anstalten 
desselben  eine  in  diesem  Fache  bisher  nicht  geahnte  reiche  Aus- 
stattung verliehen  hatte.  Bei  dem  Aufhören  des  eigenen  Regiments- 
Knaben  -  Erziehungshauses  aber  kann  die  Regimentsgeschichte  nicht 
umhin  eine  anerkennende  Erinnerung  diesem  Institute  zu  bewahren, 
welchem  es  im  Laufe  seines  Bestehens  trotz  der  vom  Staate  karg 
zugemessenen  Mittel  gelungen  war,  dem  Regimente  sehr  viele 
praktische  Unteroffiziere,  ja  auch  tüchtige  Oberoffiriere  zu  liefern. 

Im  Februar  1853  marschirte  die  achte  Kompagnie  nach  Bruck, 
die  sechste  Division  nach  Hainburg  zur  Versehung  des  Garnisons- 
dienstes, dann  vier  Kompagnien  des  ersten  Bataillons  nach  Waiien 


lSöO-lSf,«. 


625 


und  die  Mittel  -  Division  nach  Komorn;  endlich  das  vierte  Bataillon 
nach  Kaiser  -  Ebersdorf,  kehrte  aber  schon  nach  drei  Tagen  wieder 
nach  Pressburg  zurück.  Im  April  wurde  die  17.  Kompagnie  nach 
Tyrnau  verlegt,  wohin  im  Mai  das  dritte  Bataillon  folgte. 

Mit  1.  Juni  1853  wurde  das  Kriegsministerium  in  das  .Armee- 
Oberkommando"  umgewandelt;  bei  Beförderungen  hörte  die  einjährige 
Gage -Karrenz,  ebenso  das  bisher  übliche  Sterbquartal  auf  und  an 
deren  Stelle  trat  die  ,  Dienstestaxe •.  Die  Zimmerleute  erhielten 
Pionniersäbel,  die  Fourierschützen  und  Privatdiener  die  Benennung 
Offiziersdiener  und  blaue  Montur.  Die  Proviantwägen  und  Packpferde 
wurden  abgeschafl't,  dafür  zweispännige  vierräderige  Bagagekarren, 
einer  per  Kompagnie,  eingeführt. 

Major  Josef  V  a  n  d  o  n  y  trat  im  Juli  1853  mit  Oberstlieutenants- 
Charakter  in  Pension,  Major  Floridus  Leeb  normalmässig  in  den 
Ruhestand,  dagegen  wurden  die  Majore  Leodegar  Kneissler  von 
Nr.  16  und  Wilhelm  v.  Aggermann  von  Nr.  11  in  das  Regiment 
eingetheilt  und  die  Hauptleute  Ludwig  Dagnen  und  Adolf  Mi- 
crois  zu  Majors,  ersterer  bei  Nr.  11  und  letzterer  bei  Nr.  16, 
ernannt. 

Im  September  rückte  das  dritte  Bataillon  wieder  von  Tyrnau 
ab  und  marschirte  nach  Komorn,  wohin  im  Oktober  auch  der  Re- 
gimentsstab mit  dem  ersten  und  zweiten  Bataillon  von  Pressburg 
folgte.  Hier  wurden  sodann  die  Kompagnien  auf  60  Gemeine  herab- 
gesetzt und  die  Mittel-Divisionen  der  dritten  und  vierten  Bataillons 
ganz  aufgelöst. 

Auf  Allerhöchsten  Befehl  Sr.  Majestät  blieben  von  nun  an  alle 
Diener-  und  Manipulationsposten  bei  allen  landesfflrstlichen  Aemtern 
und  Staatsanstalten,  23.000  Civilbedienstungen,  ausschliesslich  Unter- 
offizieren und  Soldaten  zur  Belohnung  langer  und  treuer  Dienste 
vorbehalten. 

Major  Leodegar  Kneissler  trat  im  März  1854  in  Ruhestand. 

Die  traditionelle  Politik  Russlands,  welche  im  Laufe  der  Zeiten 
stets  eine  Ausbreitung  nach  dem  Süden  anstrebte,  wähnte  den  Zeit- 
punkt herangekommen,  diese  Pläne  zu  verwirklichen.  Noch  im  Jahre 
1853  besetzten  russische  Truppen  die  Moldau  und  Walachei  und 
Oesterreich  musste,  weil  sich  auch  Serbien  rührte,  im  Winter 
1853—1854  ein  Beobachtungs- Korps  an  dieser  Grenze  konzentriren. 
Bald  kam  es  an  der  untern  Donau  zwischen  Russen  und  Türken 

40 


020 


zum  Kampfe,  der  aber  ohne  wesentliche  Erfolge  blieb,  dagegen 
erhielten  die  Türken  an  Frankreich  und  England  Alliirte,  welche 
ebenfalls  an  Russland  den  Krieg  erklarten.  Als  nun  der  Krieg  grössere 
Dimensionen  annahm,  musste  auch  Oesterreich  zur  Wahrung  seiner 
Interessen  grössere  Streitkräfte  an  den  östlichen  Grenzen  sammeln, 
verharrte  aber  in  strenger  Neutralität  und  bot  Alles  auf,  um  eine 
befriedigende  Vermittlung  herbeizuführen. 

Mit  dem  Allerhöchsten  Erlasse  vom  28.  Februar  wurde  nebst 
der  allgemeinen  Mobilisirung  der  Reserven  im  Innern  der  Monarchie 
auch  die  sogleiche  Versetzung  des  neunten  Armeekorps  auf  den 
Kriegsstand  angeordnet.  Das  Regiment  berief  daher  die  Mannschaft 
auf  den  kompleten  Kriegsstand  ein,  brach  mit  dem  zweiten,  dritten 
und  vierten  Bataillon  am  5.  und  6.  März  von  Komorn  auf  und 
marschirte  nach  Wien,  um  das  von  dort  in  das  Ranat  abrückende 
Regiment  Nr.  37  abzulösen.  Bei  seinem  Eintreffen  in  Wien  am  7. 
und  8.,  wohin  auch  am  31.  das  erste  Bataillon  folgte,  wurden  die 
Mittel  -  Divisionen  des  dritten  und  vierten  Bataillons  wieder  auf- 
gestellt: das  erste,  zweite  und  dritte  Bataillon  stationirten  in  der 
Heumarkt-  und  Aiser- Kaserne,  das  vierte  in  Mauer. 

Im  April  1854  avnncirte  Oberst  Albert  Fürst  zum  General- 
Major  und  Brigadier;  Oberst  Anton  La  aha  v.  Rosenfeld  über- 
nahm das  Regiments -Kommando. 

Am  6.  April  besichtigte  der  Oberst -Inhaber  Erzherzog  Maxi- 
milian die  Kasernlokalitäten  der  Regimentsabtheilungen  und  liess 
zum  Zeichen  der  Zufriedenheit  jedem  Mann  vom  Feldwebel  abwärts 
1  fl.  ausbezahlen. 

Zu  dem  am  23.  April  erfolgten  Einzüge  Ihrer  kömglichen  Hoheit 
Elisabeth,  Amalie,  Boge  nie,  Herzogin  in  Bayern,  der  durch- 
lauchtigsten Braut  unseres  allergnädigsten  Herrn  und  Kaisers,  aus 
dem  Theresianum  in  die  k.  k.  Hofburg,  bildeten  das  erste  und  dritte 
Bataillon  die  Spalier  vom  Stock  im  Eisenplatze  bis  zur  Burg;  die 
zweite  Grenadier- Kompagnie  stand  auf  der  Burgwache.  Am  24. 
abends  V*?  Uhr  fand  die  feierliche  Vermählung  in  der  Augustiner- 
Hofkirche  statt,  wozu  die  vier  Grenadier- Kompagnien  des  Regiments 
in  ein  Bataillon  formirt,  mit  der  Regiments -Musik  und  der  Fahne 
des  dritten  Bataillons  auf  der  Augustiner  -  Bastei  Parade  -  Stellung 
nahmen  und  die  Dechargen  gaben,  welche  von  den  Batterien  der 
Basteien  sekundirt  wurden. 


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1*50-1*58. 


(>27 


Auf  Allerhöchsten  Befehl  Sr.  Majestät  erhielt  jeder  ausge- 
rückte Grenadier  1  h\,  Korporal  2  und  jeder  Feldwebel  3  fl.  CM. 
Gratifikation. 

Im  Monate  Mai  1854  wurde  Oberst  Anton  L a a b a  v.  Ro seil- 
te ld  zum  Festungs  -  Kommandanten  in  Palmanuova,  dagegen  der 
Oberstlieutenant  Karl  Wächter  Edler  v.  Wachenhain  des 
Regiments  Nr.  37  zum  Oberst  und  Regiments  -  Kommandanten,  Major 
Johann  Plochl  zum  Oberstlieutenant,  und  Hauptmann  Friedrich 
Arming  zum  Major  befördert,  dieser  mit  gleichzeitiger  Transferirung 
zum  Regiment  Nr.  14,  ferner  Hauptmann  Gottfried  Graf  Auersperg 
von  Nr.  13  mit  der  Beförderung  zum  Major  und  Major  Josef  Ple  ug- 
makers  von  Nr.  3  in  das  Regiment  eingetheilt. 

Am  2.  Mai  fand  grosse  Parade  der  gesammten  Garnison  auf 
dem  Josefstädter-Glaeis  vor  Sr.  Majetät  dem  Kaiser  statt,  bei  welcher 
auch  Ihre  Majestät  die  Kaiserin  das  erste  Mal  erschien.  Se.  königl. 
Hoheit  Erzherzog  Maximilian  führte  als  Oberst-  Inhaber  persönlich 
das  Regiment  den  Majestäten  vor,  welches  für  sein  gutes  Aus- 
sehen und  gelungene  Dehliruug  die  Allerhöchste  belobende  Aner- 
kennung erhielt. 

Am  15.  rückte  das  vierte  Bataillon  mit  Ausnahme  einer  Division, 
welche  seit  vorigem  Monat  in  Wr. -Neustadt  garnisonirte ,  nach 
Wien  in  die  Salzgries  -  Kaserne ;  aber  schon  am  27.  erhielt  dasselbe 
die  Bestimmung  nach  Komorn,  wohin  es  auch  am  selben  Tage 
abging  und  unterwegs  die  Division  aus  Wr.  -  Neustadt  an  sich  zog. 

Die  friedlichen  Versuche  Oesterreichs  scheiterten,  seine  Be- 
ziehungen zu  Russland  gestalteten  sich  immer  schroffer  und  riefen 
endlich  eine  drohende  Aufstellung  k.  k.  Truppen  gegenüber  der 
in  den  Donau  -  Fürstentümern  weilenden  Russen  hervor.  Letztere 
räumten  hierauf  die  Fürstenthfimer ,  welche  das  österreichische 
.Serbisch -Banater- Armeekorps"  besetzte.  Dem  neunten  Armeekorps 
fiel  die  Bestimmung  nach  Siebenbürgen  zu,  wohin  es  sich  über 
Grosswardein  in  Marsch  zu  setzen  hatte.  Der  Regimentsstab  mit 
dem  ersten,  zweiten  und  dritten  Bataillon  verliessen  am  6.,  7.  und 
8.  Juni  Wien  und  rückten  mittelst  Eisenbahn  nach  Pest,  wo  jedes 
Bataillon  einen  Tag  Rast  hielt  und  dann  am  8.,  9.  und  10.  wieder 
mittelst  Eisenbahn  nach  Szolnok  fuhren.  Von  hier  marschirten  die 
Bataillone  den  Tag  nach  ihrem  Eintreffen  stationatim  über  Gross- 
wardein nach  Klausenburg,  wo  sie  am  29.  und  30.  Juni  eintrafen. 

40* 


028 


Der  Regimentsstab  mit  dorn  ersten  Bataillon,  dann  der  4.  und 

6.  Division  blieben  in  Klausenbnrg,  die  0.  Kompagnie  wurde  zu 
Bacs,  die  10.  zu  Szuozag,  der  Stab  des  dritten  Bataillons  mit  der 

7.  Division  zu  Thorda,  die  8.  in  Mihayfalva,  die  17.  Kompagnie  zu 
Egerbegy  und  die  18.  zu  Gyeros  bequartirt.  Das  Regiment  bezog 
die  Bereitschaftsgebühren  und  erhielt  dir  Kintheilung  in  das  cilfite 
Armeekorps. 

Im  Sommer  wurde  die  Armee  auf  den  Kriegsfuss  gesetzt 
und  F.-Z.-M.  Freilierr  v.  Hess  zum  Oberkommandanten  der  von 
Sr.  k.  k.  Hoheit  dem  G.  d.  K.  Erzherzog  A  1  b  r  e  c  h  t  komraan- 
dirten  dritten  und  der  vom  G.  d.  K.  Grafen  Schlick  befehligten 
vierten  Armee  ernannt.  Die  im  grossartigsten  Massstabe  einge- 
leiteten Rüstungen  erforderten  von  Oesterreich  ungeheuere  Opfer. 
Zur  Erschwingung  derselben  hatte  man  eine  Anleihe  durch  frei- 
willige Beiträge  der  Bevölkerung  des  (Jesammtstaates  ausgeschrieben, 
wozu  auch  das  Offizierskorps  des  Regiments  eine  bedeutende 
Summe  subskribirte. 

Vermöge  Armeebefehls  vom  29.  Juni  wurde  das  eilfle  Armee- 
korps in  die  Bukowina  und  nach  Galizien  beordert.  Deragemäss 
brach  das  Regiment  am  12.  und  14.  von  Klausenburg  und  Thorda 
auf  und  marschirte  über  Walazut,  Does,  Remete,  Szigeth,  Tribusa, 
Körös,  Janina,  Delatyn,  Nadvorna  nach  Bohorrozan,  wo  der  Stab 
und  das  erste  Bataillon  verblieben,  dagegen  das  zweite  in  Szolotvina, 
das  dritte  in  Ottynia  und  Konkurrenz  bequartirt  wurden.  In  Tribusa 
hatten  die  Bataillone  bivouakirt  und  bei  Ueberschreitung  der  galizi- 
schen  Grenze  das  Regiment  die  Einteilung  in  die  vierte  Armee 
erhalten.  Am  1.  Juli  war  das  vierte  Bataillon  von  Komorn  nach 
Pest  zurück. 

Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  12.  Juli  geruhten  Seine 
Majestät  anzuordnen,  dass  die  vier  Grenadier -Kompagnien  sich  in 
ein  Bataillon  zu  vereinigen  und  an  deren  Stelle  die  1.,  7.,  13.  und 
19.  Füsilier -Kompagnie  aus  Reservemännern  zu  errichten  seien.  Zum 
Kommandanten  des  Grenadier -Bataillons  geruhte  Se.  Majestät  den 
Oberstlieutenant  Johann  P 1  o  c  h  1  und  als  Kommandanten  des  Trains 
bei  der  dritten  Armee  den  Hauptmann  Alexander  Strasser  unter 
gleichzeitiger  Beförderung  zum  Major  zu  ernennen. 

Die  vier  obgenannten  Füsilier -Kompagnien  wurden  in  Korneu- 
burg so  überraschend  schnell  errichtet,  dass  dieselben,  nachdem  sie 


1860-1888. 


629 


die  Fahne  des  ehemaligen  Landwehr-Bataillons  erhalten  hatten,  schon 
am  30.  mit  der  Eisenhahn  nach  Pest  abgehen  konnten,  wo  sie  am 
folgenden  Tage  eintrafen  und  die  Quartiere  bezogen.  Die  19.  Kom- 
pagnie rückte  hier  beim  vierten  Bataillon  ein,  wogegen  sich  die 
vierte  Grenadier -Kompagnie  an  die  neuen  Kompagnien  am  4.  Sep- 
tember beim  Weitermarsche  anschloss.  Diese  vier  Kompagnien  fuhren 
an  diesem  Tage  mittelst  Eisenbahn  nach  Szolnok  und  dann  nach 
Tokay.  Diese  Fahrt  wahrte  drei  Tage  und  vier  Nächte.  Von  Tokay 
wurde  der  Marsch  stationatim  über  Keresztur,  Beregszasz,  Munkaez 
gegen  Stryi  fortgesetzt.  Mittlerweile  hatte  die  Brigade  G.-M.  Graf 
Monteforte  Marschbereitschaft  erhalten  und  das  Bataillon  wurde 
zu  St.  Miklos  befehligt  mit  dem  Stabe  in  Munkaez  zu  verbleiben, 
die  Kompagnien  in  der  Umgebung  zu  bequartireu  und  den  weiteren 
Marschbefehl  abzuwarten. 

Das  Regiment  erhielt  in  seiner  Stabsstation  Bohorodzan  den 
Befehl  zum  Befestigungsbau  nach  Przemysl  1  Stabs-,  10  Ober- 
offiziere,  34  Korporale  und  1035  Gemeine  abzusenden,  daher  am 
14.  September  Major  Aggermanu  mit  10  Offizieren  und  per 
Kompagnie  59  Mann  aus  Bohorodzan  aufbrachen  und  am  25.  zu 
Przemysl  anlangten. 

Major  Josef  Pleugmakers  trat  im  September  in  Ruhe- 
stand, Hauptmann  August  Wallnöfer  avancirte  zum  Major  beim 
Regiment  Nr.  42,  dagegen  von  dort  Hauptmann  Leopold  Mayer- 
h  o  f  e  r  v.  G  r  ft  n  b  ü  h  1  und  Hauptmann  Eduard  C  a  1  v  a  s  von 
Nr.  31  zu  Majors  im  Regiment. 

Nach  dem  Abzug  der  Russen  aus  den  Donau  -  Fürstentümern 
gestalteten  sich  die  Verhältnisse  zwischen  Oesterreich  und  Russland 
friedlicher,  die  Alliirteu  aber  landeten  in  der  Krim,  wo  nach  einigen 
Affairen  die  Verbündeten  an  die  Belagerung  von  Sebastopol  schritten. 
Diese  Belagerung,  welcher  für  alle  Zeiten  ein  denkwürdiger  Abschnitt 
in  der  Kriegsgeschichte  eingeräumt  bleiben  wird  und  die  mit  dem 
Falle  des  russischen  Bollwerks  und  der  russischen  Macht  an  dem 
schwarzen  Meere  endete,  brachte  dann  auch  den  Orientkrieg  zum 
Abschlüsse,  dem  der  Frieden  von  Paris,  30.  März  1850,  folgte. 

Das  11.  Armeekorps  wurde  Ende  September  in  die  Winter- 
quartiere beordert. 

Am  L,  2.  und  4.  Oktober  verliessen  der  Regimentsstab  mit 
den  drei  Feld  -  Bataillons  ihre  Stationen  und  marschirten  über  Mi- 


630 


1K50-1858. 


Uli/in.  Körösmczö,  Tribusa  nacb  Szigeth,  wo  der  Stab  und  das 
erste  Bataillon  verblieb ;  der  rechte  Flügel  des  dritten  wurde  in 
Hozumezö,  der  linke  in  Szlatina,  das  zweite  Bataillon  in  Fecsö 
und  Huszth  bequartirt.  An  demselben  Tage  waren  auch  die  Ersatz- 
Kompagnien  von  Munkacz  in  Szigeth  eingetroffen,  welche  nun  zu 
ihren  Bataillons  einrückten,  wahrend  die  Grenadier  -  Kompagnien 
beim  Regimentsstab  im  Bataillon  sich  sammelten. 

Major  Alexander  Strasser  erhielt  im  November  1854  die 
Einteilung  zum  Regiment  Nr.  40.  Major  Eduard  Calvas  wurde 
im  Mai  mit  dem  Major  Friedrich  Ritter  v.  Friess  des  Regiments 
Nr.  2  verwechselt, 

Am  2.  Mai  erhielt  das  Regiment  Marschbereitschaft  und  am 
5.  den  Marschbefehl  nach  Ober-Ungarn.  Die  Bataillone  brachen  am 
8.,  9.  und  10.  aus  ihren  Stationen  auf  und  rückten  über  Szöllös, 
Ujlak,  Munkacz  nach  Kaschau,  wo  der  Regimentsstab  mit  dem 
Grenadier- Bataillon  verblieb;  das  erste  Bataillon  kam  nach  Rosenau, 
das  zweite  Moldau  und  das  dritte  nach  Rima  -  Szombäth. 

Vermöge  Allerhöchster  Erschliessung  vom  12.  Juui  1855 
hatten  sich  die  Infanterie  -  Regimenter  auf  vier  Feld  -  Bataillone  zu 
je  ein  Grenadier-  und  fünf  Füsilier- Kompagnien  zu  stellen,  was  die 
Auflösung  des  Grenadier-Bataillons  und  der  vier  Ersatz-Kompagnien 
zur  Folge  hatte.  Gleichzeitig  mit  der  Reduzirung  erhielt  das  Regi- 
ment Marschbefehl  nach  Pest,  setzte  sich  auf  den  Friedensstand 
und  rückte  in  drei  Kolonnen  am  9.  Juli  aus  seinen  Stationen  nach 
Pest  ab,  wo  dasselbe  am  20.,  23.  und  24.  anlangte.  Am  18.  Juli 
war  das  vierte  Bataillon  von  Pest  mittelst  Eisenbahn  nach  Wien 
gefahren  und  dann  nach  Korneuburg  gerückt.  Hier  eingetroffen,  trat 
es  in  die  Obliegenheiten  des  Depot- Bataillons,  welches  nun  eben- 
falls aufgelöst  wurde ;  auch  rückte  im  Oktober  das  Arbeiter-Detache- 
ment  von  Przemysl  beim  Regimente  ein.  Hauptmann  Friedrich  Baron 
Schweikhardt  wurde  als  Professor  in  das  Kadeten  -  Institut  zu 
Strass,  ebenso  Lieutenant  Josef  Weil  in  die  Genie  -  Akademie 
kommandirt.  Ende  Oktober  rückte  der  rechte  Flügel  sammt  dem 
Stabe  des  dritteu  Bataillons  nach  Stuhlweissenburg. 

Die  bemerkenswerthen  Neuerungen  aus  dem  Jahre  1855  sind: 
Mit  Allerhöchstem  Befehlschreiben  vom  15.  Jänner  wurde  die  Spitz- 
ruthenstrafe, das  sogenannte  Gassenlaufen,  abgeschafft.  Mit  Armee- 
Befehl  Nr.  20  vom  23.  Juli  erschien  ein  neues  Pensions  -  Normale 


18M-18S8. 


631 


für  Generale,  Stabs-  und  Oberoffiziere  und  am  1.  Juli  1855  ein 
neues  Militär  -  Strafgesetzbuch  und  Kriegsartikeln  35  an  der  Zahl. 

Am  1.  Juni  185G  begann  die  Bezahlung  der  Offiziers  -  Geld- 
gebühren im  Vorhinein,  statt  wie  bisher  nachträglich. 

Vom  1.  bis  26.  Juni  befand  sich  das  Regiment  im  Exerzier- 
Lager  zu  Vörösvär.  Am  27.  August  marschirte  das  erste  Bataillon 
zur  Einweihung  des  Domes  nach  Gran  und  rückte  am  1.  September 
wieder  in  Pest  ein,  worauf  am  7.  am  Räkos  eine  grosse  Feldraesse, 
zu  welcher  die  gesammte  Garnison  ausrückte,  stattfand. 

Se.  Majestät  der  Kaiser  langte  am  21.  September  1856  mitteist 
Dampfschiff  in  Ofen  au.  Die  zweite  Grenadier  -  Kompagnie  war  als 
Ehren  -  Kompagnie  am  Landungsplatze  aufgestellt  und  am  folgenden 
Tage  fand  eine  Revue  auf  der  Haide  bei  Keresztur  statt,  nach 
welcher  Se.  Majestät  dem  versammelten  Offiziers  -  Korps  Allerhöehst- 
seiue  Zufriedenheit  über  das  gute  Aussehen  und  die  Maiiüvririähig- 
keit  des  Kegiineuts  in  den  huldvollsten  Ausdrücken  bekannt  zu  geben 
und  jedem  Manne  eine  dreitägige  Gratislöhuuug  zu  bewilligen  geruhte. 
Abends  brachte  die  Gemeinde  Sr.  Majestät  einen  Fackelzug,  bei 
welchem  Kapellmeister  Josef  D  u  b  e  z  des  Regiments  sämmtliche 
vereinigten  Musikbanden  dirigiite.  Am  26.  reiste  Se.  Majestät  nach 
Czegled  ab,  zu  welchem  Behule  sich  sämmtliche  Stabs-  und  Ober- 
oftiziere  bei  der  k.  Burg  versammelten. 

im  Oktober  1856  trat  Hauptmann  Josef  Bolletny  in  den 
Ruhestand  und  erhielt  für  seine  ausgezeichnete  42jährige  Dienstzeit 
den  Majors  -  Charakter  ad  honores. 

Die  Werbbezirke  erhielten  im  März  1857  die  Benennung  „  Er- 
gänzungsbezirke *  und  wurden  regulirt.  Das  Regimeut  erhielt  zu 
seinem  alten  Bezirk  in  Nieder -Oesterreich  mit  der  Reichs-,  Haupt- 
und  Residenzstadt  Wien  noch  einen  Aushilfs  -  Bezirk  im  Pressburger- 
Comitate  mit  der  Stadt  Pressburg  und  14  Ortschalten.  Major  Wilhelm 
Aggermann  v.  Bellenberg  erhielt  im  April  1857  unter  Ver- 
setzung in  den  Armeestand  die  Eintheiluug  bei  der  Hauptmonturs- 
kommission  zu  Stockerau. 

Das  Regiment,  welches  seit  dem  Jahre  1839  statt  den  Stein- 
schloss-  mit  Zünder -Gewehren  bewaffnet  war,  erhielt  nun  solche 
mit  Kapseln  und  gezogenen  Läufen;  die  grossen  Patrontaschen 
wurden  durch  kleinere  ersetzt  und  an  dem  Riemen  eine  schiebbare 
Kapseltasche  angebracht. 


632 


lftSO-lftftft. 


Beim  feierlichen  Einzüge  Ihrer  Majestäten  anfangs  Mai  in  Ofen 
stand  die  erste  Grenadier  -  Kompagnie  auf  der  Burgwache  und  zwei 
Bataillone  bildeten  Spalier  von  der  Kettenbrücke  bis  zum  Thore. 
Am  6.  rückte  die  ganze  Garnison  zu  einem  Parade  -  Produktions- 
Exerziren  vor  Sr.  Majestät  auf  dem  Rakos  aus;  die  Mannschaft 
erhielt  eine  dreitägige  Gratis -Löhnung. 

Am  18.  Juni  ward  in  allen  Garnisonen  Oesterreichs  das 
hundertj ährige  Bestehen  des  Militär- Maria -Theresien- Ordens  ge- 
feiert. Eine  besondere  Pracht  war  diesfalls  in  Wien  entfaltet,  wo 
von  Seite  des  Regiments  der  Ritter  der  eisernen  Krone  Haupt- 
mann Kühne  mit  1  Feldwebel,  1  Korporal,  1  Grenadier  und  1  Ge- 
meinen, sämmtliche  mit  Tapferkeits-Medaillen  Dekorirte,  als  Depu- 
tation anwesend  waren. 

Hundert  Jahre  waren  seit  dem  Tage  vergangen,  an  welchem 
sich  das  Regiment  bei  Kolin  hohen  Ruhm  erwarb  und  seitdem  es 
das  stolze  Bewusstsein  trägt,  mit  seiner  Tapferkeit  und  seinen] 
Blute  zur  Gründung  des  Maria  Theresien-Ordens  redlich  beigetragen 
zu  haben. 

Würdig  den  Tapferen,  die  damals  unter  dem  alten  Namen 
»Hoch-  und  Teutschmeister*  gekämpa,  focht  seither  das  Regiment 
in  allen  Feldzügen,  die  Oesterreich  führte  und  seine  in  der  Ge- 
schichte verzeichneten  Thaten  in  so  vielen  Schlachten  geben  Zeugniss, 
dass  die  Tapferkeit  der  Deutschmeister  bei  Kolin  an  ihre  Nach- 
kommen ungeschmälert  überging. 

Am  2.  Juli  marschirte  das  Regiment  in  das  Zeltlager  bei 
Vörösvär,  machte  alle  Uebungen  mit  und  rückte  am  31.  wieder  in 
Pest  ein.  Major  Johann  Schonat  wurde  im  November  1857  zum 
Kommandanten  des  Kadeten -  Instituts  zu  Strass  ernannt;  Major 
Friedrich  Ritter  v.  Friess  am  28.  Dezember  zum  Regiment  Nr.  20 
transferirt. 

In  diesem  Jahre  war  im  Februar  ein  „Organisation  -  Statut* 
erschienen,  nach  welchem  das  Regiment  im  Frieden :  Aus  dem  Stabe 
mit  94,  und  4  Feld  -  Bataillons  gleich  2730  Mann;  im  Kriege:  Stab 
166  und  in  32  Kompagnien  6720  Mann,  76  Pferden,  29  Bagage- 
karren, 1  Feldschmiede,  1  Kassa-  und  1  Sanitätswagen  zu  bestehen 
hatte.  Bei  jeder  Kompagnie  erfolgte  die  Systemisirung  von  4  Zugs- 
führern. Diese  erhielten  die  bisherigen  Distinktionszeichen  der  Feld- 
webel, letztere  aber  noch  eine  schmale  gelbe  Borte  an  den  Kragen 


lKoO-isr,*. 


633 


der  Waffenröcke.  Die  Auditore  verloren  deu  Offiziers  -  Charakter.  Das 
Adjutanten  -  Korps  wurde  errichtet. 

Am  14.  Jänner  1858  wurde  in  der  Pfarrkirche  zu  Pest  ffir  den 
verstorbenen  Helden  Oesterreichs,  Feldmarschall  Grafen  Radetzky, 
ein  Trauergottesdienst  abgehalten,  bei  welcher  Gelegenheit  sechs 
Oberlieutenants  des  Regiments  mit  gezogenen  Säbeln  am  Katafalke 
die  Wache  hielten. 

In  Ofen  verkündeten  am  21.  August  1858,  101  Kanonenschüsse 
die  Geburt  des  Kronprinzen  Erzherzog  Rudolf. 

Im  Laufe  der  Konzentrirung  erhielt  das  Regiment  die  Ver- 
ständigung, dass  die  Abhaltung  der  seit  einigen  Jahren  unterbliebenen 
Musterungen  wieder  angeordnet  wurde,  in  Folge  dessen  das  Regiment 
am  30.  August  die  Musterung  passirte.  Zur  nämlichen  Zeit  wurde 
kundgemacht,  dass  die  Offiziere  in  Fällen  von  Privattrauer  den 
ArmHor  ausser  Dienst  tragen  können. 

Am  1.  Oktober  1858  rückte  der  Regimentsstab  mit  dem  ersten 
Bataillon  mittelst  Eisenbahn  nach  Debreczin,  das  zweite  nach  Szegedin 
und  von  hier  stationatim  nach  Arad,  am  3.  das  dritte  Bataillon 
mittelst  Eisenbahn  nach  Grosswardein  in  Garnison.  Am  1.  November 
erschien  ein  neues  Gebühren  -  Reglement,  welches  alle  Gebührensätze 
der  Armee  umfasste. 

Lieutenant  Josef  Weil  wurde  nach  zurückgelegter  sechsjähriger 
Dienstzeit  in  der  Bildungsanstalt  ausser  der  Tour  zum  Oberlieutenant 
ira  Regiment  Nr.  57  ernannt.  Derselbe  quittirte  später,  wurde  Pro- 
fessor an  der  k.  k.  Kriegsschule  und  Oustos  an  der  k.  k.  Hof- 
Bibliothek.  Hatten  schon  seine  patriotischen  Gedichte  »die  Männer 
vom  Schwerte*  noch  während  seiner  Verwendung  in  der  Akademie, 
in  der  Armee  den  ungetheiltestcu  Beifall  gefunden,  so  vorschafften 
ihm  dann  seine  vorzüglichen  Tragödien,  welche  im  k.  k.  Burg- 
theater zur  Aufführung  gelangten,  in  weiten  Kreisen  den  Ruf 
eines  genialen  Dichters  und  Se.  Majestät  der  Kaiser  belohnte 
seine  Krfolge  in  der  Kunst  und  Wissenschaft  mit  dem  Orden  der 
eisernen  Krone. 


634 


1S59. 


1859. 

Im  Angesichte  der  zu  Beginn  des  Jahres  1859  in  ganz  un- 
bescheidenem Masse  angewachsenen  Forderungen  und  feindlichen 
Kundgebungen  Sardinien^,  dann  des  mit  diesem  Staate  alliirten 
Frankreichs  wurden  die  Garnisonen  der  Lombardie  verstärkt  und 
weil  die  genannten  beiden  Staaten  in  einer  für  Oesterreich  bedroh- 
lichen Weise  rQsteteu,  wurde  auch  bald  der  grösste  Theil  der 
k.  k.  Regimenter  auf  den  Kriegsstand  gesetzt. 

So  erhielt  auch  das  Regiment  mit  Allerhöchstem  Befehl  vom 
24.  April  die  Weisung,  sich  mit  seinen  vier  Feld  -  Bataillonen  auf 
den  vollen  Kriegsstand  zu  setzen  und  das  Grenadier-  und  Depöt- 
Bataillon  zu  errichten;  ferner  wurde  mit  16.  Mai  die  Aufstellung 
eines  fünften  Bataillons,  die  Versetzung  der  Depot  -  Kompagnien  auf 
den  Stand  von  180  Gemeinen  uud  die  Einziehung  sämmtlicher 
Urlauber  uud  Reservemänner  angeordnet.  Am  20.  April  erhielt  das 
Regiment  Marschbereitschaft ;  am  29.  rückten  die  Bataillone  mittelst 
Eisenbahn  aus  ihren  Garnisonen  ab  und  erreichten  am  30.  Pest. 
Der  Regimentsstab  und  das  erste  Bataillon  fuhren  noch  am  Abende 
dieses  Tages  ab,  welchen  in  der  Nacht  die  übrigen  Bataillone  folgten 
und  am  1.  Mai  das  ganze  Regiment  in  Wien  eintraf. 

Major  Gottfried  Graf  Auersperg  avaucirte  im  Mai  zum 
Obersüieutenant  und  Kommandanten  des  zweiten  Wieuer  Freiwilligen- 
Bataillons,  Hauptmann  Friedrich  Fröhlich  v.  Elmbach  und 
Wilhelm  Eckart  v.  Eckenfeld  zu  Majors,  enterer  beim  Regiment 
Nr.  8,  letzterer  bei  Nr.  42,  dagegen  wurden  die  neu  beförderten 
Majore  Otto  Schön  vom  Regiment  Nr.  8  und  Cornelius  v.  Henning 
von  Nr.  42  in  das  Regiment  cingetheilt,  in  welchem  Hauptmann 
Eduard  Baron  Eliatschek  von  Siebenburg  zum  Major  vorrückte. 

Während  dieser  geschilderten  Veränderungen  im  Innern  des 
Regiments  hatte  es  die  italienische  Kriegspartei  so  weit  gebracht, 
dass  das  zum  Aeussersten  gedrängte  Oesterreich  am  23.  April  ein 
Ultimatum  an  Piemont  sendete,  welches  die  Regierung  in  Turin 
am  26.  ablehnte  und  den  Krieg  proklamirte,  während  Frankreich 
seine  Truppen  über  den  Mont  Cenis  zu  Land,  dann  über  Marseille 


1851). 


635 


nach  Genua,  zur  See  in  Bewegung  setzte.  Aiu  28.  erliess  Se.  Majestät 
der  Kaiser  Franz  Joseph  I.  ein  Manifest  an  Seine  Völker  und  am 
21».  erfolgte  von  Seite  Oesterreichs  die  Kriegserklärung. 

Die  Truppen  erhielten  folgenden  Armee  -  Befehl :  „Nach  frucht- 
losem Bemühen,  Meinem  Reiche  den  Frieden  zu  erhalten  ohne  seine 
„Wörde  in  Frage  zu  stellen,  bin  Ich  gezwungen  zu  den  Waffen  zu 
„greifen.  Mit  Zuversicht  lege  Ich  Oesterreichs  gutes  Recht  in  die 
„besten  und  bewährten  Hände  Meiner  braven  Armee.  Ihre  Treue 
„und  Tapferkeit,  ihre  musterhafte  Disziplin,  die  Gerechtigkeit  der 
„Sache,  die  sie  verlieht  und  eine  glorreiche  Vergangenheit  verborgen 
„Mir  den  Erfolg.  Soldaten  der  zweiten  Armee !  An  Euch  ist  es,  den 
„Sieg  an  die  unbefleckten  Fahnen  Oesterreich^  zu  binden.  Geht  mit 
„Gott  und  dem  Vertrauen  Eueres  Kaisers  in  den  Kampf! 

„Wien,  am  27.  April  1859. 

„Franz  Joseph  m.  p." 

Die  zweite  Armee  rückte  am  30.  April  über  den  Tessin  in 
Fiemont  ein,  während  die  sardinische  Armee  hinter  den  Po  und  die 
Sesia  gegangen  war,  um  unter  dem  Schutze  der  Festungen  Ales- 
sandria und  Casale,  die  Ankunft  der  Franzosen  zu  erwarten,  deren 
Spitze  schon  am  26.  in  Genua  gelandet  war. 

Die  Oesterreicher  fanden  beim  Ueberschreiten  der  Grenze  keinen 
Anstand,  setzten  unangefochten  ihren  Marsch  bis  an  die  Sesia  fort 
und  gestatteten  in  dem  von  dem  Po  und  der  Sesia  geschützten 
Dreieck  Vercelli,  Valenza,  Pavia  den  Anmarsch  der  Franzosen,  die 
sich  bald  mit  den  Sarden  vereinigt  hatten.  In  dieser  Stellung,  eine 
Demonstration  über  die  Sesia  ausgenommen,  verblieben  die  Truppen 
bis  18.  Mai,  an  welchem  Tage,  da  durch  die  Konzentrirung  der 
Feinde  bei  Alessandria  der  linke  Flügel  der  k.  k.  Armee  bedroht 
schien,  die  Stellung  am  Po  durch  das  fünfte  Korps  verstärkt  wurde. 
Gleichzeitig  erhielt  dieses  Korps  den  Befehl  mit  drei  Brigaden  den 
Po  zu  überschreiten  und  eine  forcirte  Rekognoszirung  in  der  Richtung 
gegen  Voghera  auszuführen.  Am  20.  Mai  geschah  diese  Vorrückung, 
welche  zu  dem  Gefechte  bei  Montebello  führte,  in  welchem  sich  die 
k.  k.  Bataillone  mit  besonderer  Bravour  schlugen,  so  dass  Se.  Majestät 
der  Kaiser  nachstehende  telegraphische  Depesche  an  den  Armee- 
Kommandanten  seudete:  „Ich  danke  Meinen  braven  Truppen  für  ihre 
„ausgezeichnete  Tapferkeit  bei  dem  Gefechte  von  Montebello." 


«36 


1850. 


Mit  heisser  Ungeduld  hatte  das  Regiment  bisher  die  Abberufung 
auf  den  Kriegsschauplatz  erwartet,  als  endlich  der  Befehl  erschien, 
am  17.  aufzubrechen  und  zum  Korps  nach  Istrien  zu  rucken,  welches 
die  Meeresküste  zu  decken  hatte.  In  der  Brigade  G.-M.  v.  Anthoine 
trat  das  Regiment  mit  dem  Grenadier-,  ersten,  zweiten  und  dritten 
Bataillon  und  der  Kavallerie  -  Batterie  Nr.  18  den  Marsch  am  ge- 
nannten Tage  mittelst  Eisenbahn  an.  Der  Brigadestab  und  die 
Batterie  blieben  in  Adelsberg,  während  alle  fibrigen  Abtheilungeu 
nach  »St.  Peter  weiter  fuhren,  von  wo  der  Regimentsstab  mit  dem 
ersten  Bataillon  nach  Feistritz,  das  zweite  nach  Grafenbrunn  und 
das  dritte  in  Sagurie  bequartirt  wurden,  während  die  Grenadiere  in 
St.  Peter  verblieben.  Die  Brigade  Pionniere  und  Zimmerleute  unter 
Oberlieutenant  Bauer  marschirten  nach  Fiume,  mit  dem  Auftrage, 
die  dorthin  führenden  Strassen  und  Brücken  auszubessern  und  prakti- 
kabel herzustellen. 

In  dieser  Kantonnirung  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  auch 
das  fünfte  Bataillon  zu  errichten,  wozu  Hauptmann  Franz  Fabrici 
bestimmt  wurde,  welcher  mit  den  nöthigen  Offizieren  sogleich  nach 
Korneuburg  abging.  Das  Regiment  übte  den  Vorpostendienst,  das 
Patrouilliren  und  Tirailliren,  als  am  27.  der  General  und  Brigadier 
v.  Anthoine  den  Befehl  erhielt,  sogleich  mit  allen  Abtheiluugen  auf- 
zubrechen und  in  Doppelmärschen  ohne  Rasttag  nach  Italien  zu  mar- 
sehiren.  Noch  am  Abende  desselben  Tages  rückten  die  Abtheilungen 
jubelnd  aus  ihren  Dislokationen,  kouzentrirten  sich  in  und  um  St.  Peter 
und  nach  eiuer  dreistündigen  Rast  setzte  sich  die  Brigade  über  Pre- 
wald,  Wippach,  Görz,  Gradiska  in  Bewegung  und  traf  am  2.  Juni 
in  Treviso  ein,  wo  am  3.  der  erste  Rasttag  gehalten  wurde. 

Oberst  Karl  Wächter  Edler  v.  Wachenhain  wurde  zum 
General  -  Major  und  Brigadier,  Oberstlieutenaut  Johann  Plochl 
zum  Oberst  und  Regiments  -  Kommandanten,  Major  Johann  Weiss- 
bar t  h ,  Edler  v.  0  u  r  t  Ii  e  -  W  c  h  r  zum  Oberstlieutenaut,  Major 
Johann  Schonat  zum  Oberstlieutenaut  im  Armeestande,  Hauptmann 
Franz  Fabrici  und  Theodor  Baron  Riesenfels  zu  Majors,  letzterer 
in  seiner  Anstellung  als  Inhabers- Adjutant,  endlich  der  Ritter  der 
eisernen  Krone  Hauptmann  Friedrich  Kühne  zum  Kommandanten 
des  dritten  Wiener  Freiwilligen  -  Bataillons  ernannt. 

In  Italien  kam  die  Brigade  Anthoine  in  die  Armee -Division 
des  F.-M.-Lt.  v.  Marziani,  welche  den  Po  gegen  das  Korps  des 


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1859. 


037 


Prinzen  Napoleon  zu  beobachten  und  zu  decken  hatte,  damit  die 
linke  Flanke  und  der  Rucken  der  operirenden  Armee  gesichert  sei. 
Se.  Majestät  geruhte  zu  befehlen,  dass  zur  möglichsten  Schonung 
der  Soldaten  die  Tornister  auf  Wagen  naehgeführt,  ferner  dass  auf 
Doppelmärschen  zweimal  abgekocht  und  wo  diess  nicht  möglich, 
dem  Manne  eine  Durchzugsgebühr  zu  seiner  Verfügung  ausbe- 
zahlt werde. 

Am  4.  Mai  marschirte  die  Brigade  nach  Noale,  0.  Padua, 
0.  Estevo,  wo  am  7.  Rasttag  gehalten  wurde,  am  8.  nach  Montagnana 
und  am  9.  nach  Ostiglia.  In  allen  diesen  Stationen  waren  die 
Bataillons  in  Kirchen,  Schulen  oder  sonst  leeren  Gebäuden  unter- 
gebracht. Vom  9.  au  hatte  täglich  eine  Division  per  Bataillon 
Bereitschaft,  welche  nach  dem  Abessen  in  der  Mitte  der  Station 
Stellung  nahm  und  unter  den  Waffen  blieb.  Der  Brigade-  und  Re- 
gimentsstab mit  dem  ersten  und  dritten  Bataillon  blieben  in  Ostiglia, 
das  Grenadier-Bataillon  wurde  nach  Veravalle  verlegt  und  das  zweite 
über  den  Po  nach  Revere  vorgeschoben,  von  wo  am  10.  der  linke 
Flügel  dieses  Bataillons  nach  Sermide  detachirt  wurde,  um  feind- 
lichen Einfällen  aus  dem  modenesischen  Gebiete  begegnen  zu  können. 

Während  diesen  Bewegungen  der  Brigade  hatte  der  Feind 
durch  einen  Flankenmarsch  über  Novara  sich  dem  Tessin  genähert 
und  diesen  Fluss  am  3.  Juni  passirt.  Tags  darauf  fand  die  Schlacht 
bei  Magenta,  statt  und  obgleich  die  österreichische  Armee  mit  an- 
erkannter heldenmüthiger  Tapferkeit  focht,  hatte  diese  doch  deu 
Rückzug  des  k.  k.  Heeres  über  die  Adda  und  Chiese  gegen  den 
Miucio  zur  Folge. 

Am  13.  Juni  rückte  das  Regiment  aus  seiner  vorhezeichneten 
Stellung.  In  Ostiglia  blieb  eine  Division  des  dritten  Bataillons,  drei 
Kompagnien  desselben  wurden  nach  Ronca  nuova  und  eine  nach 
Bergantino  verlegt;  der  Regimentsstab  mit  dem  ersten  und  zweiten 
Bataillon  nebst  der  Pionnier-Abtheiluug  kamen  nach  Sanguinetto, 
das  Grenadier- Bataillon  nach  Nogara.  Die  Pionnier- Abtheilung  er- 
baute Batterien,  richtete  Häuser  zur  Verteidigung  ein  und  ver- 
nichtete die  Fahrzeuge  auf  dem  Po.  Am  folgenden  Tage  wurden  auf 
Befehl  Sr.  Majestät  zur  weiteren  Erleichterung  des  Mannes,  die 
Waffenröcke  und  Kamaschen  in  der  Festung  Legnago  deponirt. 

Am  15.  brach  das  Regiment  wieder  auf  und  marschirte  der 
Regimentsstab  mit  dem  ersten  und  zweiten  Bataillon  nach  Ronca 


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nuova,  Gazzo  uud  Corezzo;  das  Grenadier -Bataillon  nach  Ponte 
molivo;  das  dritte  Bataillon  blieb  mit  einer  Division  in  Ostiglia, 
verlegte  je  eine  Kompagnie  nach  Melara  und  Massa  und  zwei  nach 
Ficearolo. 

Am  21.  Juni  wurde  die  Lombardie  zum  grössten  Theil  von 
der  österreichischen  Armee  geräumt,  welche  nach  Zuröcklassung 
von  vier  Brigaden  auf  dem  rechten  Mincio -Ufer  über  diesen  Fluss 
zurückging.  Nachdem  am  22.  Juni  die  neue  Ordre  de  Bataille  in 
der  Armee  durchgeführt  war,  erfolgte  am  23.  die  allgemeine  Vor- 
rückung sämmtlicher  Heerestheile  in  der  Linie  Pozzolengo,  Solferino, 
Cavriana,  Guidizzolo. 

Am  24.  erfolgte  die  Schlacht  bei  Solferino.  Früh  morgens 
hallte  schon  der  Kanonendonner  der  mit  den  Feinden  engagirten 
Armee,  dumpf  bis  in  die  Stellung  des  Regiments  herüber  und  ira 
weiteren  Verlaufe  des  Vormittags  bewies  das  ferne  Rollen  der 
Kanonenschüsse,  dass  die  ganze  Armee  ira  Kampfe  sei. 

Wahrend  das  achte  Korps  siegreich  die  Piemontesen  weit 
zurflckdrückte,  hatten  die  Franzosen  nachmittags  nach  dem  hart- 
nackigsten Widerstande  der  Oesterreicher  das  Centrum  der  Schlacht- 
linie, die  Höhen  von  Solferino  mit  ihrer  Uebermacht  erstürmt  und 
nachdem  das  zweimalige  Vorrücken  des  linken  Flügels  in  den  Ebenen 
von  Guidizzolo  auch  nicht  den  erwünschten  Erfolg  hatte,  wurde  der 
allgemeine  Rückzug  angetreten.  Schritt  für  Schritt,  dabei  öftere 
OfFensivstösse  ausführend,  gingen  nun  die  Korps,  gefolgt  von  den 
Feinden,  zurück,  bis  sich  gegen  5  Uhr  ein  furchtbarer  Sturm  erhob 
und  einen  wolkenbruchartigen  Regen  über  die  Kämpfenden  entlud, 
welcher  der  Schlacht  ein  Ende  machte.  Noch  bis  10  Uhr  hielten 
Abtheilungen  Guidizzolo,  Volta  und  Pozzolengo  besetzt  und  rückten 
erst  am  25.  hinter  den  Mincio. 

Die  Brigade  Anthoine  wurde  am  27.  abends  nach  Vigo  und 
Trecenta  zurückgezogen.  Am  4.  Juli  rückten  das  Grenadier-  erste, 
zweite  und  dritte  Bataillon  in  einem  Marsche  über  Villa  nuova  nach 
Rovigo  und  am  11.  wurde  der  Regimentsstab  mit  den  Grenadieren 
nach  Monfelice,  das  erste  Bataillon  nach  Tubano,  das  dritte  nach 
Conselve  verlegt. 

Nachdem  sich  die  österreichische  Armee  gegen  Verona  zurück- 
gezogen hatte,  überschritt  der  Feind  den  Mincio  und  rückte  bis 
Villafranca  vor.  Am  11.  Juli  fand  dann  in  diesem  Orte  eine  persön- 


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039 


liehe  Zusammenkunft  der  beiden  Kaiser  Franz  Joseph  I.  und 
Napoleon  III.  statt,  wobei  letzterer  mit  Friedensanträgen  hervor- 
trat. Tags  darauf  wurde  der  Präliminar  -  Friede  zu  Villafranca  unter- 
zeichnet und  den  Truppen  mit  nachstehendem  Armeebefehl  Nr.  41, 
dto.  Verona  12.  Juli  1859  kundgegeben: 

a  Gestützt  auf  Mein  gutes  Recht,  bin  Ich  in  den  Kampf  für 
»die  Heiligkeit  der  Vertrage  getreten,  zählend  auf  die  Begeisterung 
, Meiner  Völker,  auf  die  Tapferkeit  Meines  Heeres  und  auf  die 
„natürlichen  Bundesgenossen  Oesterreichs. 

„ Meine  Völker  fand  Ich  zu  jedem  Opfer  bereit;  die  blutigen 
„Kämpfe  haben  der  Welt  den  Heldenmuth  und  die  Todesverachtung 
„Meiner  braveu  Armee  erneuert  gezeigt,  die  in  der  Minderzahl 
„kämpfend,  nachdem  Tausende  von  Offizieren  und  Soldaten  ihre 
„Pflichttreue  mit  dem  Tode  besiegelt,  ungebrochen  an  Kraft  und 
„Muth  der  Fortsetzung  des  Kampfes  freudig  entgegensieht. 

„Ohne  Bundesgenossen  weiche  Ich  nur  den  ungünstigen  Ver- 
hältnissen der  Politik,  denen  gegenüber  es  Mir  vor  Allem  zur 
,  Pflicht  wird,  das  Blut  Meiner  Soldaten,  sowie  die  Opfer  Meiner 
„Völker  nicht  erfolglos  in  Anspruch  zu  nehmen.  Ich  schliesse  Frieden 
„ihn  auf  die  Minciolinie  basirend. 

„Aus  vollstem  Herzen  danke  Ich  Meiner  Armee;  sie  hat  Mir 
„aufs  Neue  gezeigt,  wie  unbedingt  Ich  bei  künftigen  Kämpfen  auf 
„sie  rechnen  kann. 

„Franz  Joseph  m.  p." 


Das  vierte  Bataillon  war  im  April  stationatim  nach  Schärding 
marschirt,  hatte  hier  die  Eintheilung  im  sechsten  Armeekorps  in  die 
Brigade  G. - M.  Baron  Henikstein  erhalten,  welche  bestimmt 
war  mit  den  Truppen  des  deutschen  Bundes  sich  zu  vereinigen  und 
zur  Bekämpfung  des  Feindes  mitzuwirken. 

Die  Verhandlungen  mit  Preussen  stellten  jedoch  bald  die 
deutsche  Bundeshilfe  keineswegs  in  sichere  Aussicht  und  so  erhielt 
das  sechste  Korps  am  31.  Mai  die  Weisung,  in  stärkeren  Märschen 
ohne  Verzug  sich  nach  Süd-Tirol  in  Bewegung  zu  setzen,  wobei  in 
möglichst  grossen  Kolonnen  und  unterwegs  bivouakirend  zu  mar- 
schiren,  die  Tornister  aber  mittelst  Vorspann  mitzufühlen  waren. 


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640  185». 

Das  vierte  Bataillon  erhielt  nun  die  Eintheilung  in  die  zweite 
Marschkolonne,  welche  aus  fünf  Bataillons  bestand  und  am  7.  Juni  nach 
Salzburg,  8.  Lofer,  0.  Wörgol  und  den  10.  nach  Innsbruck  marschirte. 
Hier  wurde  ein  Rasttag  gehalten,  dann  am  12.  nach  Steinach, 
13.  Sterling,  14.  Brixen,  15.  Klausen  und  Bötzen  weiter  marschirt. 

Am  17.  abends  setzte  sich  die  Brigade  Henikstein  zur  Be- 
setzung der  Thaleingänge  Rocca  d'Anfo,  Bagolino,  Riva,  Vezzano, 
Cles  und  Male  in  Bewegung.  Auf  dem  Marsche,  am  18.  in  Cassavo 
erhielt  die  Brigade  den  Befehl,  Rocca  d'Anfo  und  Bagolino  zu 
besetzen,  das  Val  Bona  und  den  Zugang  zu  deu  Judicarien  zu  ver- 
teidigen. Diesem  gemäss  besetzte  die  zwölfte  Division  Deutsch- 
meister unter  Kommando  des  Hauptmanns  August  Kopp  Rocca 
d'Anfo,  welche  Feste  ohne  Oeschfitz  und  hinsichtlich  des  Unter- 
haltes lediglich  auf  Requisition  angewiesen  war;  drei  Kompagnien 
besetzten  Bagolino  und  eine  den  Monte  Zuello,  die  gegen  den  in 
das  Val  Trompia  fahrenden  Passo  della  Maniva,  dann  gegen  den 
wichtigen  Uebergang  Passo  di  Croce  domini  in  das  Val  Camonica 
streiften.  Als  Reserve  lagerten  zwei  Kompagnien  Tiroler  Kaiserjäger 
und  eine  halbe  Raketten  -  Batterie  in  Cassano. 

Am  20.  Juni  brachten  Reisende  die  Mittheilung,  dass  be- 
deutende feindliche  Streitkräfte  am  Anmärsche  sich  befinden,  daher 
von  Rocca  d'Anfo  eine  Patrouille  von  14  Mann  auf  der  Strasse 
gegen  Treviso  vorgesendet  wurde,  welche  bei  einer  Strassenwendung 
bei  Laverone  auf  ein  feindliches  Bataillon  stiess  und  theils  gefangen, 
theils  zersprengt  wurde.  Der  zur  Unterstützung  dieser  Patrouille 
nachgesendete  Oberlieutenant  Mai  er  stiess  eine  halbe  Stunde  von 
Rocca  d'Anfo  bei  Casa  d'Idro  ebenfalls  auf  den  Feind  und  zog  sich 
fechtend  zurück.  Um  die  Mittagszeit  rückten  mehrere  feindliche 
Kolonnen  in  Anfo  ein,  welche  am  22.  die  Stärke  von  drei  Bataillons 
mit  vier  Geschützen  erreichten. 

Lieutenant  Karl  H  o  f  f  m  a  n  n  hielt  mit  60  Mann  der  24.  Kom- 
pagnie die  Kaserne  besetzt,  deren  Thor  verbarrikadirt  und  mit 
Schiessscharten  versehen  war.  Im  Fort  selbst  wurden  alle  Wachen 
verstärkt  und  die  übrige  Mannschaft  auf  den  Waffenplätzen  kon- 
8ignirt.  Am  21.  um  V42  Uhr  nachmittags  begann  der  Angriff  des  Feindes 
mit  einem  heftigen  Geschützfeuer  gegen  die  Kaserne,  gleichzeitig 
eröffneten  ungefähr  200  Schützen  von  den  die  Feste  umgebenen 
Höhen  ein  lebhaftes  Feuer  auf  die  ungedeckt  stehenden  Wachen, 


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ist», 


041 


bestrichen  die  Waffenplätze  und  alle  inneren  ungedeckten  Ver- 
bindungen. 

Nachdem  Lieutenant  Hoffmann  dem  Feinde  tapferen  Wider- 
stand geleistet  hatte,  erhielt  er  den  Refehl,  sich  in's  Fort  zurück- 
zuziehen, was  dieser  nur  mit  Verlust  eines  Todten,  Gemeiner  Christ, 
in  bester  Ordnung  ausführt«'.  Nun  besetzte  der  Feind  die  verlassene 
Kaserne,  sowie  auch  die  venezianische  Mauer  placirte  eine  Hatterie 
von  vier  Geschützen  vor  ihrem  Sfidthore  und  verbarrikadirte  dasselbe, 
nachdem  er  es  zuvor  eingeschossen  hatte. 

Durch  den  Geschützdonner  aufmerksam  gemacht,  brach  der 
Vorposten  -  Kommandant  Major  Sc  lud  lach  sofort  mit  einem  Zug 
Tiroler  Kaiserjäger,  zwei  Kompagnien  des  Regiments  Nr.  4ß  und 
zwei  Raketen  -  Geschützen  zur  Unterstützung  der  Besatzung  auf. 

Um  4  Uhr  gelangten  zwei  Raketen -Geschütze,  welche  aber 
nur  mit  je  vier  Geschossen  versehen  waren,  in  das  Fort,  richteten 
ihr  Feuer  auf  die  feindliche  Ratterie,  ohne  jedoch  ein  besonderes 
Resultat  zu  erzielen. 

Ungefähr  um  5  Uhr,  als  der  Feind  die  Gewissheit  hatte,  dass 
das  Fort  ohne  Geschütze  sei,  rückte  derselbe  mit  zahlreichen 
Tirailleurs  gegen  dasselbe  vor.  Ein  heftiges  von  allen  Seiten  und 
aus  jeder  Schiessscharte  eröffnetes  und  wohlunterhaltenes  Feuer 
trieb  denselben  jedoch  bald  mit  dem  Verlust  von  einigen  Todten 
und  Verwundeten  hinter  die  Kaserne  zurück,  wo  er  sich  verbarri- 
kadirte und  das  Feuer  der  Resatzung  erwidert«.1. 

Gegen  5l/2  Uhr  erschien  die  obgenannte  Unterstützung  und 
eröffnete  das  Feuer  gegen  die  Tirailleurs  auf  den  Höhen,  ohne  sie 
vertreiben  zu  können.  Um  die  siebente  Stunde  abends  verstummte  das 
Geschützfeuer  und  fielen  auch  die  letzten  Gewehrschüsse. 

Der  Verlust  der  Division  bestand  in  1  Todten  und  2  Ver- 
wundeten, von  welchen  einer  in  der  Nacht  seiner  Wunde  erlag. 

Bei  Bagolino  standen,  wie  bekannt,  vom  Bataillon  drei  Kom- 
pagnien, während  die  22.  zur  Beobachtung  des  Feindes  am  Monte 
Zuello  detachirt  war.  Oberlieutenant  Maison  v.  Lobenstein 
hielt  mit  einer  Abtheilung  das  dortige  Blockhaus  besetzt ;  Vorposten 
waren  ausgestellt  und  Patrouillen  streiften  in  der  Gegend. 

Am  22.  nachmittags  4  Uhr  wurde  eine  Patrouille  unter  Führer 
Wohlmuth,  welche  auf  dem  Berge  gegenüber  Bagolino  sich  auf- 
stellen sollte,  vom  Feinde  am  Passo  della  Maniva  angegriffen,  ura- 

41 


642 


gangen  und  nach  kurcer  Gegenwehr  durch  die  Uebermacht  gefangen. 
Hierauf  beorderte  der  Bataillons  -  Kommandant  Major  Baron  Eli  ät- 
sch elc  den  Oberlieutenant  Buchfelder  mit  zwei  Zügen  und  den 
Feldwebel  Lang  mit  einem  Zuge  in  jene  Gegend,  um  den  Feind 
im  ferneren  Vordringen  aufzuhalten,  welcher  sich  aber  schon  in 
weiter  Ferne  zurückzog  und  hinter  dem  Berge  sein  verschanztes 
Lager  bezog.  Diese  Abtheilungen  nickten  dann  beim  Bataillon  wieder 
ein,  welches,  da  die  Nacht  hereingebrochen  war,  am  Fusse  des 
Berges  die  Vorposten  aufstellte  und  auf  dem  mit  Mauern  umgebenen 
Friedhofe  von  Bagoliuo  kampfbereit  lagerte. 

Am  23.  Juni  gegen  9  Uhr  morgens  bemerkte  Major  Baron 
Eliatschek  auf  der  Höhe  des  Monte  Maniva  stärkere  Plänkler- 
schwärme,  denen  Kolonnen  in  der  Stärke  von  mehreren  1000  Mann 
folgten.  Diese  Uebermacht  und  der  im  Röcken  der  Stellung  gelegene 
Markt  Bagolino,  dessen  gegen  4000  Einwohner  zählende  Bevölkerung 
feindlich  gesinnt  war,  bestimmten  den  Kommandanten,  den  feind- 
lichen Angriff  abzuwarten. 

Bald  darauf  zeigten  sich  auf  den  Gebirgsrücken  des  Monte 
Maniva,  Monte  Dasdana,  Monte  Bagoligolo  und  Monte  C'arena,  wie 
auf  den  Felswänden  des  Dosso  Alto,  Leute  in  Hemdärmeln  und 
zwar  auf  den  schwierigsten  und  unbekanntesten  Pfaden.  In  kurzen 
Intervallen  waren  sie  in  Sicht,  bald  in  Gruppen,  bald  einzeln  und 
verschwanden  wieder,  ihren  Weg  fortsetzend.  Major  Baron  Eliat- 
schek zog  darüber  Erkundigungen  bei  der  Bevölkerung  ein,  welche 
erwiderte;  es  seien  Bauern,  die  aus  der  Kirche  heimkehren.  Es 
wurden  jetzt  von  der  Gemeinde  Führer  verlangt,  um  sich  durch 
Patrouillen  von  jener  verdächtigen  Annäherung  überzeugen  zu  lassen; 
aber  im  ganzen  Orte  wollte  sich  Niemand  rinden,  der  die  Steige 
kannte  oder  als  Führer  zu  dienen  geeignet  war. 

Gegen  2  Uhr  nachmittag  debouchirte  der  vom  Passo  della 
Maniva  herankommende  Feind,  grösstenteils  reguläre  piemontesische 
Truppen,  bei  6000  Mann  stark,  theils  aus  der  Schlucht  Recigano 
und  dem  Valle  di  Vaja,  theils  von  Prefegno,  über  den  Dosso  Alto 
kommend,  aus  dem  Valle  della  Berga,  erstieg,  den  Thalrand  ver- 
meidend, sofort  die  Hänge  des  Dosso  Alto  und  Monte  Piazza,  in 
der  Front  durch  Plänkler  sich  deckend.  Auf  das  Feuerzeichen  wurde 
es  an  allen  Hängen  mit  einem  Male  lebendig ;  heftiges  Gewehrfeuer 
drang  aus  dem  Walde  in  der  rechten  Flanke  der  Stellung,  unsicht- 


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1859. 


cm 


bare  Schützen  sandten  auch  einzelne  Schüsse  aus  dem  Walde  am 
Monte  Piazza.  Jetzt  erschienen  auch  in  der  Front  die  Tirailleurs 
der  mehrfach  überlegenen  feindlichen  Hauptmacht.  Eines  Sturmes 
gewärtig,  hielt  Major  Baron  Eliatschek  eine  Kolonne  zur  Abweisung 
desselben  bereit;  doch  der  Feind  beschränkte  sich  darauf,  die  drei 
Kompagnien  Deutschmeister  in  der  Front  durch  ein  unwirksames 
Gewehrfeuer  zu  beschäftigen,  um  die  Umgehung  der  rechten  Flanke 
durch  Gewinnung  des  östlichen  Ortsausganges  zu  vollenden.  Diess 
und  eine  unverkennbare  Aufregung  im  Orte  Bagolino  selbst  bewogen 
den  Kommandanten  zum  Kückzuge.  Kaum  aus  dem  Orte  gelangt, 
wurden  die  drei  Kompagnien  schon  von  mehreren  Salven  geschlossener 
Abtheilungen  empfangen,  die  von  dem  hoher  gelegenen,  nach  Ricco- 
massimo  führenden  Wege  gegeben  wurden.  Auf  diesem  Rückzüge, 
den  Kompagnien  voraneilend,  stand  der  Feind  schon  in  der  Flanke 
der  Ponte  Reinieri,  als  kaum  erst  die  Tete  derselben  diese  Brücke 
überschritten  hatte  und  beunruhigte  aus  sicherem  Versteck  den 
Uebergang. 

Die  mittlerweile  unter  Major  S  c  h  i  d  1  a  c  h  auf  deu  Höhen  von 
Riccomassimo  angelangte  Unterstützung  setzte  der  feindlichen  Ver- 
folgung eiu  Ziel.  Der  Feind  rannte  zwar  auch  gegen  die  Stellung 
von  Riccomassimo  an,  Hess  aber,  durch  einige  Raketenwflrfe  er- 
schüttert, bald  von  weiteren  Angriffen  ab.  Um  G  Uhr  abends  hatte 
Major  Baron  Eliatschek  mit  seinen  drei  Kompagnien  Deutsch- 
meister den  Monte  Zuello  erreicht  und  besetzte  die  dortigen  Ver- 
schanzungen. Die  Front  gegen  Bagolino  gewendet,  bestanden  diese 
aus  einem  auf  der  Höhe  erbauten  Blockhause,  welches  durch  Ver- 
haue und  Palissadirungen  mit  einer  am  Hange  aufgeworfenen  Brust- 
wehr zusammenhing.  Behufs  Bestreichung  der  Strasse  und  des 
Bergabhanges  war  eine  Batterie  für  zwei  Geschütze  errichtet,  am 
Fusse  der  Höhe  die  Strasse  durch  zwei  Sperren  gesichert.  Die 
Geschütze  waren  nicht  vorhanden,  daher  der  Brigadier  mit  zwei 
Raketen  -  Geschützen  aushalf. 

Der  feindliche  General  Cialdini  ging  am  24.  Juni  zum  An- 
griffe dieser  Stellung  mit  seinen  6000  Mann  in  drei  Kolonnen  vor, 
wovon  eine  den  Weg  auf  der  Lehne  des  linken  Caffaro-  Ufers  gegen 
die  Position  des  Major  Schidlach  bei  Riccomassimo,  die  zweite 
von  Bagolino  direkt  auf  Monte  Zuello,  die  dritte  endlich  aus  dem 
oberen  Theile  des  Valle  di  Lerrazzo,  und  von  den  k.  k.  Truppen 

41* 


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644 


1*59. 


unbemerkt  auf  dem  Kamme  des  zwischen  dem  See  und  dem  Caffaro- 
Baeh  liegenden  Rückens  die  Richtung  gegen  die  linke  Flanke  der 
Befestigung  nahm. 

Die  Truppen  des  Generals  Cialdini  griffen  mit  Ungestüm 
an,  wurden  aher  am  Blockhause  vom  Oberlieutenant  v.  Maison 
mit  seiner  tapferen  Besatzung  kräftig  empfangen.  Der  Kampf  währte 
hier  eine  volle  Stunde,  bis  der  wackere  Oberlieutenant  der  Ueber- 
macht  weichend,  vom  Feinde  hart  gedrängt,  sich  zum  Bataillon  in 
die  Verschanzungon  zurückzog.  Der  Feind  besetzt«'  nun  das  Block- 
haus und  die  nur  100  Schritte  entfernten  Höhen,  von  welchen  die 
Stellung  der  nun   vereinigten    vier  Kompagnien  eingesehen  und 
beschossen  werden  konnte.   Nach  einem  lebhaften  Feuer  versuchte 
der  Feind  einen  Sturm,  der  aber  von  der  Mesatzung  der  Ver- 
schanzung abgeschlagen  wurde.  Major  Baron  Eliatsehek  Hess 
nun  das  Blockhaus  mit  Raketen  so  glücklich  bewerfen,  dass  schon 
nach  dem  zweiten  Wurf  die  hellen  Flammen  autloderten  und  der 
Feind  seine  Errungenschaft  verlassen  musste.  Mittlerweile  suchte 
derselbe  die  linke  Flanke  der  Verschanzung  zu  umgehen  und  unter- 
nahm gegen  das  hier  an  der  Strasse  palisadirte  Thor,  welches  von 
der  halben  20.  Kompagnie  besetzt  war,  einen  Sturm.  Als  diess 
bemerkt  wurde,  eilte  die  andere  Hälfte  der  Kompagnie  herbei  und 
so  gelang  es  dieser,  nicht  nur  den  Sturm  abzuschlagen,  sondern 
auch  dem  Feinde  bedeutende  Verluste  beizubringen.   Die  Deutsch- 
meister hatten  hier  ihr  Pulver  nicht  umsonst  verschossen,  denn 
viele  Todte  bedeckten  den  Wahlplatz  und  viele  Verwundete  schleppte 
der  Feind  auf  seinem  Rückzüge,  der  in  volle  Flucht  ausartete,  mit 
sich  zurück.  Die  übrigen  Positionen  des  Feindes  wurden  nun  mit 
Raketen  beworfen  und  aus  der  Verschanzung  heftig  beschossen,  so 
dass  derselbe  bald  sein  Vorhaben  aufgab  und  sich  fluchtartig  gegen 
Rocca  d'Anfo  zurückzog.  Die  vier  Kompagnien  Deutschmeister  hatten 
mithin  die  Stellung  am  Monte  Zuello  gegen  G000  Feinde,  dessen 
zweite  Kolonne  der  Stellung  des  Major  Schidlach  ausgewichen 
und  ebenfalls  gegen  Monte  Zuello  vorgerückt  war,  nicht  nur  helden- 
müthig  vertheidigt,  sondern  auch  den  Feind  in  die  Flucht  geschlagen. 
Der  Verlust  des  Bataillons  bestand  an  den  beiden  Tagen  in  13  Todten 
und  20  Verwundeten  vom  Feldwebel  abwärts. 

Gemeiner  Wenzel  Lukesch,  welcher  sich  bei  Vertheidigung 
des  Blockhauses  besonders  ausgezeichnet  hatte,  erhielt  die  silberne 


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1H6». 


645 


Tapferkeits-Medaille  erster  Klasse,  Korporal  Anton  Seholtes  uud 
Gemeiner  Andreas  Fr  an  kl,  welche  sich  hei  Vertheidigung  der 
Schanzen  sehr  tapfer  benommen  hatten,  jene  zweiter  Klasse.  Mit 
derselben  Medaille  wurde  auch  der  Gemeine  Ferdinand  Kohlen- 
berger  ausgezeichnet,  welcher  mit  der  Patrouille  am  21.  vor 
Rocca  d'Anfo  gefangen  wurde.  Die  Freischärler  hatten  ihn  nicht  nur 
seiner  Barschaft  beraubt,  sondern  rissen  ihm  auch  unter  empörenden 
Misshandlungen  alle  Kleider  vom  Leibe  und  eskortirten  ihn  nur  im 
Hemde  weiter.  Diess  war  dem  echten  Wiener-Kind  denn  doch  zu 
stark,  und  schon  an  der  nächsten  Biegung  der  sehr  engen  Strasse 
stiess  er  den  einen  mit  dem  Kopf  so  tüchtig  an  die  nahe  Felsen- 
wand, dass  er  taumelnd  zusammenstürzte  und  im  selben  Augen- 
blicke schlug  er  den  zweiten  mit  einem  kräftigen  Fausthieb  zu 
Boden,  sprang  dann  in's  Wasser,  schwamm  hinüber  und  entkam 
glücklich  in  die  Berge,  obgleich  ihm  die  beiden,  als  sie  ihrer  Sinne 
wieder  mächtig  wurden,  nachfeuerten.  Nach  dreitägigem  mühseligem 
Herumirren  in  den  Gebirgen  ohne  Speise  erreichte  er  seine  Kom- 
pagnie. Diese  Thatsachc  bestätigten  feindliche  Offiziere  und  auch 
Bauern,  welch'  letztere  selbst  zugesehen  hatten.  Mit  Korps-Befehl 
wurden  für  besondere  Tapferkeit  belobt:  Zugsführcr  Jakob  Haas 
und  Mathias  Schierl,  Korporal  Anton  Zaut  und  Leopold  Rein- 
berg er,  Gemeiner  Ferdinand  Kubetz  und  Karl  Trausmüller. 
Der  Oberst-Inhaber  Erzherzog  Maximilian  beschenkte  noch  den 
Gemeinen  Lukesch  mit  drei,  den  Gemeinen  Kubetz  mit  einem 
und  alle  übrigen  mit  zwei  Dukaten  in  Gold  und  gab  mit  Erlass 
vom  28.  Juli  dem  Bataillon  seine  volle  Zufriedenheit  über  sein 
braves  und  tapferes  Verhalten  kund. 

General  Baron  Heuikstein  erhielt  über  die  Meldung  der 
angeführten  Vorfälle  vom  Korps-Kommando  den  Befehl  wieder  nach 
Bagolino  vorzurücken,  welcher  am  26.  in  drei  Kolonnen  ohne 
Anstand  ausgeführt  wurde,  da  General  (Maldini  am  24.  nach 
dem  Gefechte  am  Monte  Zucllo  den  Befehl  zum  Abmärsche  in  das 
Val  Trompia  erhalten  und  denselben  am  25.  vollzogen  hatte. 

Die  vier  Kompagnien  des  vierten  Bataillons  waren  nach  dem 
Gefechte  abends  10  Uhr  von  vier  Kompagnien  des  Regiments  Nr.  56 
abgelöst  worden  und  dann  nach  Condino  zurückmarschirt,  wo  erst 
nach  Mitternacht  abgekocht  werden  konnte.  Am  folgenden  Tage 
rückten  zwei  Kompagnien  gegen  Montagna  Darza  und  stellten  die 


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646 


1*59. 


Vorposten  aus.  Bei  der  Brigade  rückten  eilf  Tiroler  Landesschützen- 
Kompagnien  ein. 

Seit  23.  Juni  war  der  Feind  vor  Rocca  d'Anfo,  welches  die 
Division  Deutschmeister  besetzt  hielt,  unthätig,  bis  er  am  27.  Ver- 
stärkungen in  bedeutender  Stärke  und  noch  vier  Geschütze  erhielt. 
Am  Abende  dieses  Tages  begann  der  Feind  nun  in  der  alten  Rocca 
und  an  der  venezianischen  Mauer  an  einem  Durchbruche  des 
Gemäuers  zu  arbeiten,  um  ein  günstiges  Emplacement  für  die 
Geschütze  zu  gewinnen.  In  der  Feste  selbst  trat  nach  und  nach 
Proviantmangel  ein;  am  26.  Juni  abends  wurde  zwar  ein  kleiner 
Lebensmittel-Transport  glücklich  hineingebracht,  dagegen  aber  das 
Trinkwasser  täglich  imgeniessbarer. 

In  der  Erwartung  jeden  Augenblick  angegriffen  zu  werden, 
kam  vom  Brigade -Kommando  der  Befehl  alle  Feindseligkeiten  ein- 
zustellen, indem  am  8.  Juli  zu  Villafranca  ein  fünfwochentlicher 
Waffenstillstand  abgeschlossen  wurde.  Die  Division  blieb  in  Rocca 
d'Anfo,  der  Bataillonsstab  mit  den  übrigen  Kompagnien  in  Condino. 
Erst  am  6.  September  wurde  das  Bataillon  in  seinen  Stellungen 
vom  vierten  Bataillon  des  Regiments  Nr.  46  abgelöst  und  mar- 
schirtc  nach  Tione,  dann  am  24.  nach  Bozen,  wo  es  am  29.  an- 
langte und  die  Winterquartiere  bezog.  Hauptmann  Friedrich  Baron 
Schweikhardt  war  im  Juli  zum  Major  avancirt. 

Behufs  des  Abmarsches  aus  Italien  nach  Ungarn  konzentrirte 
sich  das  Regiment  am  9.  August  in  Padua,  von  wo  dasselbe  am 
10.  Bataillonsweise  nach  C'asarsa  mittelst  Eisenbahn  befördert  wurde, 
marschirtc  dann  am  11.  nach  Codroipo,  12.  Palma,  13.  Monfalcone 
und  am  14.  nach  Nabresina;  von  hier  dann  weiter  mittelst  Eisen- 
balm  über  Wien  nach  Pressburg  als  Garnison.  Das  Grenadier-  und 
Reserve -Bataillon  wurde  aufgelöst  und  die  Offiziers -Avancements 
eingestellt.  Am  18.  marschirte  das  zweite  Bataillon  als  Garnison 
nach  Tyruau.  Das  vierte  Bataillon  verliess  am  20.  Oktober  Bozen 
und  rückte  am  8.  November  iu  Korneuburg  ein.  Am  4.  Dezember 
marschirtc  das  zweite  Bataillon  nach  Komorn.  Sämmüiche  Mann- 
schaft deutscher  Nationalität  wurde  zum  ersten  und  vierten,  jene 
der  slavischen  zum  zweiten,  dritten  und  Depot-Bataillon  transferirt. 
Das  Depot -Bataillon  verliess  Korueuburg  und  rückte  am  29.  in 
Pressburg  als  seiner  künftigen  Kantounirungsstation  ein.  Der  Stand 
sämmtlicher  Kompagnien  wurde  auf  80  Gemeine  herabgesetzt. 


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1860-18«. 


647 


1860-1865. 

Im  Jänner  1860  setzte  sich  das  Regiment  per  Kompagnie  von 
80  auf  60  Gemeine  herab.  Major  Otto  Schön  trat  in  den  normal- 
massigen  Ruhestand. 

Gemäss  Allerhöchster  Entschliessung  vom  27.  Dezember  1859 
hatte  zu  Anfang  Februar  1860  die  Umwandlung  der  bisher  im  Frieden 
zu  je  vier  Bataillone  bestandenen  62  Linien  -  Infanterie  -  Regimenter 
in  80  derlei  Regimenter  zu  je  drei  Bataillone,  dann  einer  Depöt- 
Division  im  Kriege  stattzufinden.  In  Durchführung  dieser  Formation 
wurde  das  zweite,  dritte  und  Depot  -  Bataillon  mit  dem  gesammten 
Offiziers-  und  Mannschaftsstande  am  1.  Februar  1860  zu  dem  neu 
errichteten  Infanterie  -  Regiment  Nr.  72  transferirt  und  demselben 
auch  der  frühere  Aushilfsbezirk  des  Regiments,  Pressburg  zuge- 
wiesen. Diesem  gemäss  rückten  mit  diesen  Bataillonen  Major  Eduard 
Baron  Eliatschek  von  Siebenburg  und  Friedrich  Baron 
Schweikhardt  nebst  82  Oberoffizioren  an  ihre  neue  Bestimmung 
ab.  Dagegen  wurde  in  das  Regiment  das  dritte  Bataillon  des  Regi- 
ments Nr.  14  eingeteilt  und  erhielt  die  Nr.  2 ;  das  ehemalige  vierte 
wurde  nun  das  dritte  Bataillon. 

Diese  neue  Organisation  hatte  im  österreichischen  Heere  auch 
der  Grenadier-Truppe  ein  Ende  gemacht.  Die  Grenadier-Kompagnien 
wurden  in  die  1.,  7.  und  13.  Füsilier-Kompagnien  umgewandelt;  die 
bisherigen  Grenadiere  behielten  zwar  fortan  diese  Benennung  und 
ihre  Abzeichen,  allein  es  durften  keine  Neukreirungen  mehr  stattfinden. 

Das  vom  14.  Regiment  eingetheilte  Bataillon  rückte  am 
2.  Februar  unter  Kommando  des  Major  Henning  in  Pressburg 
ein;  beim  Tyrnauer  -  Schranken  von  dem  Offiziers  -  Korps  mit  der 
Regimentsmusik  erwartet,  wurde  es  in  die  Schlosskaserne  begleitet, 
wo  Oberst  Plochl  an  die  Offiziere  nachstehende  Begrüssungs- 
rede  hielt: 

»Ich  bin  stolz  darauf,  eine  Abtheilung  des  vor  dem  Feinde 
„mit  ausserordentlicher  Bravour  ausgezeichneten  Regiments  erhalten 
„zu  haben  und  bin  im  vorhinein  überzeugt,  dass  diese  Abtheilung 
„auch  unter  meinem  Kommando  in  jeder  Beziehung  vollkommen 
.entsprechen  wird.* 


648  18«0-1865. 

Durch  die  grossen  Reduzirungen  waren  sehr  viele  supernumeräre 
Offiziere  entfallen,  und  weil  der  stark  hergenommene  Staatsschatz 
eine  Erleichterung  dringend  benüthigte,  so  wurde  den  Offizieren 
freigestellt,  mit  zehnperzcntigem  Gageabzug  in  Disponibilität  zu 
treten  und  die  Chargequittirung  gegen  zweijährige  Gageabfertigung 
bewilligt.  Mit  Ende  1860  hatten  vom  Regiment  1  Ober-  und  5  Unter- 
lieutenauts  gegen  Gagenabfertigung  quittirt ;  5  waren  in  Disponibilität 
getreten. 

Am  27.  Februar  besichtigte  der  Oberst  -  Inhaber  Erzherzog 
Maximilian  das  Regiment,  liess  sich  dann  die  dekorirte  Mann- 
schaft vorstellen,  sprach  mit  jedem  einzelnen  in  herzlichst  gütigster 
Weise  imd  beschenkte  sie  fürstlich.  Höehstderselbe  hielt  sich  mehrere 
Tage  beim  Regimcnte  auf  und  hielt  eingehende  Belehrungen  über 
die  von  ihm  erfundenen  Spingarden,  von  welchen  sechs  Stück  den 
Kompagnien  zur  Erprobung  übergeben  wurden.  Die  Bedienungs- 
mannschaft dieser  Geschütze  hiessen  im  Regiment  „Spingardiere* 
und  wurde  der  Unterricht  vom  Oberlieutenant  Balogh  geleitet, 
während  bei  den  Uebungen  Oberlieutenant  Beck  und  Lieutenant 
Tritton  als  Batterie  -  Kommandanten  fungirteu. 

Mit  kais.  Entschliessung  vom  12.  Januar  1860  wurde  an- 
geordnet, dass  die  unmittelbar  vor  dem  Feinde  erworbenen  De- 
korationen zum  Unterschied  gegen  jene,  welche  für  anderweitige 
militärische  oder  Civil  -  Staatsverdienste  verliehen  werden,  die  Be- 
zeichnung «Kriegs -Dekoration  des  N.  Ordens  oder  Militärverdienst- 
kreuzes *  zu  erhalten  und  mit  einem  Lorbeerkranz  auszuzeichnen  sind. 

Oberstlieutenant  Johann  Weissbarth  Edler  v.  Ourthe- 
Wehr  trat  im  September  1860  als  Real -Invalid  in  Ruhestand  und 
erhielt  für  seine  ausgezeichneten  Dienste  den  Obersten- Charakter  ad 
honores;  in  seine  Stelle  avancirte  der  Major  Leopold  May  erhofer 
v.  Grün b Ohl  zum  Oberstlieutenant  und  Hauptmann  Anton  Kastel 
des  16.  Jäger -Bataillons  zum  Major  im  Regiment. 

Bemerkcnswerthe  Neuerungen  im  Jahre  1860  sind:  Die  pen- 
sionirten,  gleichwie  die  mit  Charakter -Beibehalt  quittirten  Stabs- 
und Oberoffiziere,  welche  bisher  eine  eigene  Uniform,  bestehend  aus 
weissem  Rock  mit  weissem  Kragen,  rothen  Aufschlägen  und  Hut 
mit  schwarzem  Federbusch  trugen,  sollten  von  nun  an  mit  Ausnahme 
der  Feldbinde,  ihre  volle  bisherige  Uniform  beibehalten  und  als 
Unterscheidung  nur  den  Kragen  des  Wafl'enrockes  von  der  Farbe 


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I 


Uli 


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1860  —  1867. 


Scn«iijrfjs«n  Druck  in  .  «  mhl  gtogrjf  Jiutitutes 

Offizier  und  Gemeiner  von 
Hoch-und  Deutschmeister. 


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610 


des  letzteren  uud  nicht  vom  Egalisirungstuche  tragen.  Ferners  wurde 
anbefohlen,  dass  in  Hinkunft  jede  Ernennung  in  eine  Ofhziers-Charge 
dem  Betreffenden  mittelst  besonderem  Ernennungsdekrete  bekannt 
gegeben  und  dass  allen  dermal  aktiven  Offizieren  die  Ernennung  in 
ihre  gegenwärtige  Charge  nachträglich  zu  bestätigen  sei.  Die  Truppen- 
Divisionen  wurden  aufgelassen.  Die  von  Alters  her  in  der  k.  k.  Armee 
vorgesehrieben  gewesenen  Bchabraquen  von  rothem  Tuche  mit  Gold- 
borden wurden  abgeschafft  und  hiefür  die  Wallrappe  (schwarze 
Lammfelle)  eingeführt. 

In  Folge  Allerhöchsten  Befehls  vom  22.  Dezember  1860  hatte 
Bich  das  erste  und  zweite  Bataillon  auf  dem  Kriegsstand  zu  setzen. 
Da  nun  der  Belagsraum  in  Pressburg  fehlte,  so  wurde  die  erste 
Division  nach  Neutra  verlegt,  wo  im  Jänner  1861  Unordnungen 
stattfanden,  daher  Oberstlieutenaut  v.  Mayerhof  er  mit  noch  vier 
Kompagnien  dorthin  abrückte,  die  Behörden  in  ihren  Wirkungskreis 
einsetzte  und  dann  wieder  nach  Pressburg  zurückkehrte.  Die  vierte 
Division  wurde  ebenfalls  wegen  Mangel  an  Raum  nach  Theben  verlegt. 

Noch  im  Laufe  dieses  Monats  fanden  in  Ungarn  die  bekannten 
Steuerverweigerungen  und  andere  Unordnungen  statt.  Um  diese  hintan- 
zuhalten, wurde  eine  mobile  Armee-Division  unter  F.-M.-Lt.  Cseh 
formirt,  in  welcher  auch  das  Regiment  in  der  Brigade  O.-M.  Vcver 
die  Eintheilung  erhielt.  Hiezu  setzte  sich  dasselbe  am  7.  und  8.  Februar 
in  Bewegung  und  rückte  am  1».  und  10.  in  Grosswardein  ein;  acht 
Kompagnien  bezogen  das  Castell,  vier  wurden  in  der  Stadt  bequartirt. 

Von  hier  fanden  die  Steuer- Einhebungen  durch  die  Finanz- 
beamteu  statt,  welchen  ganze  Kompagnien  zur  Unterstützung  bei- 
gegeben wurden.  Bei  diesem  schwierigen  Geschäfte  that  sich  die 
Mannschaft  durch  richtigen  Takt  und  Selbstverläugnung  sehr  hervor 
und  es  war  auch  nicht  ein  Exzess  zu  verzeichnen,  obgleich  derselbe 
von  der  Bevölkerung  nur  zu  oft  provozirt  wurde.  In  Szilagy-Somlyö 
und  Zilah  wurden  Kommandos  zu  1  Offizier  und  60  Mann  aufgestellt, 
welche  erst  am  20.  Juni  180^  wieder  beim  Regiment  einrückten. 

Am  1.  November  1861  wurde  der  Kriegsstand  per  Kompagnie 
um  58  Gemeine  verringert,  daher  die  überzählige  Mannschaft  sofort 
in  ihre  Heimat  abgeschickt.  Dagegen  wurde  das  vierte  Bataillon  mit 
sechs  Kompagnien  zu  20  Gemeinen  in  Korneuburg  neu  errichtet. 
Viele  Offiziere  und  Mannschaft  erkrankten  in  Folge  der  schlechten 
Quartiere  und  Kost  am  Wechseltieber  und  das  Regiment  hatte  viele 


650 


IHM)-  1HK5. 


Sterbcialle  zu  verzeichnen;  durch  Transferirung  der  Kranken  nach 
Korneuburg  wurde  dem  Uebel  möglichst  gesteuert. 

Das  vierte  Bataillon  hatte  nach  seiner  Formirung  in  feier- 
lichster Weise  nach  dem  Reglement  die  Fahnenweihe  abgehalten 
und  hiezu  ein  prachtvolles  Fahnenband  von  Ihrer  königlichen  Hoheit 
Adelgunde,  Herzogin  von  Modena  als  Fahnenmutter,  mit  der 
Devise  „Treue  und  Sieg  begleite  Dich"  erhalten. 

Ende  Jänner  18G1  war  für  die  gesammten  Fusstruppen  der 
Waffenrock  mit  umgeschlagenem  Kragen  und  einer  Reihe  Knöpfe 
eingeführt  worden.  Der  Waffenrock  für  Offiziere  erhielt  eine  goldene, 
schwarz  geritzte  Achselschlinge  sammt  kleinem  Knopfe  zum  Fest- 
halten der  nun  von  der  rechten  Schulter  zur  linken  Hüfte  zu  tragen- 
den Feldbinde.  Auch  über  dem  mit  zwei  tuchenen  Achselspangen 
versehenen  Offiziersmantel  war  die  Feldbinde  in  der  vorbeschriebenen 
Art  zu  tragen.  Im  Felde  und  auf  Friedensmärschen  musste  der 
Mantel  stets  angelegt  werden;  bei  warmer  Witterung  über  dem 
Hemde,  bei  kaltem  Wetter  über  dem  Waffenrocke.  Die  Kittel  blieben 
bei  Ausbruch  eines  Feldzuges  zurück. 

Von  den  im  k.  k.  Heere  18G1  eingetretenen  Neuerungen  sind 
noch  bemerkenswerth :  Bei  jeder  Kompagnie  wurden  .zwei  Kom- 
pagnie -  Schuster"  kreirt ;  die  kleinen  Feldflaschen  fQr  jeden  Mann 
eingeführt,  das  Tragen  der  Mäntel  en  bandalier,  statt  wie  bisher 
auf  den  Tornister  geschnallt  anbefohlen.  Ein  neues  Ausmass  der 
Fuhrwerke  bestimmte  für  ein  Infanterie  -  Regiment  einen  vier- 
spännigen Kassawagen,  einen  zweispännigen  Sanitätswagen,  einen 
zweispännigeu  Bagagewagen  für  deu  Regimentsstab  und  einen  derlei 
Karren  für  jede  Division,  einen  zweispännigen  Rüstwagen  per,  Ba- 
taillon zur  Unterbringung  der  Offiziers  -  Bagagen  und  einen  vier- 
spännigen Proviantwagen  für  jede  Division. 

Oberst  Johann  Plochl  war  im  Januar  1861  in  Ruhestand 
getreten,  Oberstlieutenaut  Leopold  Mayerhof  er  von  Grünbühl 
wurde  mit  dem  Oberstlieutenant  Josef  Kolbenschlag  Ritter  von 
Reinhartsstcin  des  Regiments  Nr.  49  verwechselt  und  Major 
Heinrich  Med  er  von  Nr.  13  in  das  Regiment  eingetheilt. 

Anfangs  Februar  erschien  die  Verordnung,  wonach  die  Regi- 
ments- und  Bataillons- Adjutanten  mit  Dienstpferden  versehen  wurden. 

Gefreiter  Port  rettete  am  2.  Februar  1862  einen  Tag- 
löhner  mit  eigener  Lebensgefahr  vom  Tode  des  Ertrinkens  und 


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1860  1865 


651 


wurde  für  diese  menschen  freundliche  That  mit  Inhaber-Befehl  öffent- 
lich belobt. 

Im  Monate  Februar  1802  stiegen  die  Gewässer  der  Donau 
in  höchst  bedrohlicher  Weise  und  überschwemmten  endlich  Wien 
und  dessen  Umgebung.  Auch  für  Korneuburg  war  die  höchste 
Gefahr  vorhanden,  welche  aber  durch  die  Erhaltung  des  Dammes, 
an  welchem  die  Bevölkerung  und  Soldaten  durch  vier  Tage  und 
Nächte  ununterbrochen  mit  aller  Anstrengung  arbeiteten,  abgewendet 
wurde.  Diese  Thätigkeit  fand  Allerhöchsten  Orts  Anerkennung  uud 
es  wurden  für  ihre  Aufopferung  und  Unermüdlichkeit  nachbenannten 
Individuen  des  vierten  Bataillons  die  Allerhöchste  Zufriedenheit  im 
Armee  -  Befehle  bekannt  gegeben:  Korporal  Johann  Novinski, 
Gefreiter  Robert  Hacker,  Zimmermann  Ferdinand  Schneider, 
Gemeiner  Michael  L  e  h  n  e  r,  Johann  Kant,  Mathias  Wurm- 
bauer, Georg  D  o  1 1  i  n  g  e  r ,  Vinzenz  W  o  s  e  i  t  z  k  i ,  Karl 
Harr  ich,  Anton  Wild,  Nikolaus  Borsos,  Michael  Flasser, 
Anton  Steininger  und  Johann  S  c  h  i  e  s  s  1. 

Das  Offiziers  -  Korps  betheiligte  sich  an  den  Sammlungen, 
welche  zu  Gunsten  der  von  dem  Elementar- Ereignisse  hart  Be- 
troffenen eingeleitet  wurde,  mit  dem  Betrage  von  500  fl.,  welcher 
für  Wien  bestimmt  wurde. 

Bei  jedem  Reginiente  wurde  eine  eigene  Sanitats- Abtheilung 
eingeführt,  welche  die  Verwundeten  zurückzutragen  hatte  und  bei  der 
Infanterie  die  über  100  Jahre  bestandene  Stellung  in  drei  Gliedern 
aufgehoben,  dagegen  jene  in  zwei  Gliedern  eingeführt,  worüber  eigene 
Exerzier- Vorschriften  erschienen. 

Anfangs  April  1862  erhielt  das  Regiment  den  Befehl  nach 
Alt-Arad  als  neue  Garnison  zu  marschiren.  Nachdem  alle  Exekutions- 
Kommandos  eingezogen  wareu,  wurde  am  8.  April  mit  dem  ersten 
Bataillon  vou  Grosswardein  aufgebrochen  und  über  N.-Zerend,  Kis- 
Jennö  am  14.  in  Alt-Arad  eingerückt.  Das  zweite  Bataillon  blieb 
in  Grosswardein.  Am  7.  Mai  wurde  das  erste  Bataillon  als  Besatzung 
in  die  Festung  Arad  verlegt  und  es  verblieb  nur  der  Regimentsstab 
und  die  vou  Grosswardein  herbeigezogene  sechste  Division  in  Alt- 
Arad,  worauf  dann  in  demselben  Monate  die  Rückversetzung  des 
Regiments  vom  Kriegs-  auf  den  Friedensstand  mit  80  Gemeinen 
und  den  restringirten  Chargen  per  Kompagnie  erfolgte. 

Am  20.  November  1862  marschirte  das  dritte  Bataillon  nach 


652 


1  H60 —  1  Hl»t>. 


Stockerau;  das  vierte  war  in  Korneuburg,  bei  welchem  die  Lieute- 
nants zweiter  Klasse  auf  Allerhöchsten  Befehl  wegzubleiben  hatten. 

Weisse  Aermelleibel  von  Sehafwollstoff  traten  an  die  Stelle 
der  Kittel  und  an  den  Gewehren  wurden  neue  Riemen  angebracht, 
die  beliebig  verlängert  oder  verkürzt  werden  konnten.  Die  Musik- 
bande erhielt  den  iStand  von  10  Mann ,  jedoch  konnten  weitere 
26  Mann  des  Lokostandes  für  die  Musik  entnommen  werden. 

Oberstlieutenant  Josef  K  o  1  b  e  n  s  c  h  1  a  g  Ritter  von  R  e  i  n- 
hartsstein  avancirte  im  Jahre  1862  zum  Oberst  and  Regiments- 
Kommandanten  ,  Oberstlieuteuant  Hieronymus  Graf  Z  e  d  t  w  i  t  z 
wurde  vom  dritten  Pionnier  -  Bataillon ,  Major  Anton  C  a  r  m  a  g- 
n  o  1  a  vom  Regiment  Nr.  44  eingethcilt,  dagegen  Major  Kornelius 
H  e  u  d  i  n  g  zu  Nr.  43  und  Major  Anton  Kastel  zu  Nr.  11 
transferirt. 

Am  1.  Jänner  1863  wurde  das  seit  dem  Feldzuge  1859  ein- 
gestellte Avancement  wieder  eröffnet.  Die  Mannschaft  erhielt  neue 
Czakos  von  kleinerer  und  gefälligerer  Form. 

Erzherzog  Maximilian  Josef  dEste,  Feldzeugmeister, 
Hoch-  und  Deutschmeister  und  Oberst- Inhaber  des  Regiments,  starb 
am  L  Juni  1863  zu  Ebenzweier.  Am  2.  Juni  erhielt  das  Regiment 
diese  Trauerkunde  mit  dem  schmerzlichsten  Bcwusstsein  nicht  nur 
den  Inhaber,  sondern  deu  wahren  gütigen  Vater,  der  durch  28  Jahre 
mit  unzähligen  Licbeswerkeu  und  Wohlthaten.  die  er  nicht  nur  dem 
Ganzen,  sondern  jedem  Einzelnen  in  herzlichster  Weise  angedeihen 
liess,  sich  die  Liebe  und  Verehrung  aller  erwarb,  uuu  verloren  zu 
haben.  Ein  ausgesprochener  Wohlthätigkeitssiun  im  engsten  Bunde 
mit  allen  Tugenden,  die  den  Menschen  adeln,  bezeichneten  seinen 
,     zurückgelegten  Lebenspfad  von  81  Jahren. 

Zur  feierlichen  Beerdigung  wurden  der  Oberst,  Regiments- 
Kommaudant  Ritter  v.  Kolbensehl  ag,  nebst  einer  Deputation 
von  1  Stabs-  uud  2  Oberoffizieren,  dann  6  Unteroffizieren  nach 
Ebenzwoier  befohlen,  welcher  sich  viele  Offiziere  des  dritten  und 
vierten  Bataillons  freiwillig  anschlössen.  Am  6.  Juni  wurde  die 
Leiche  des  dem  Regimente  unvergesslichen  hohen  Verstorbenen  nach 
seinem  eigenen  Wunsche  zu  Alt -Münster  der  „Erde"  übergeben. 
Nebst  den  hohen  Leidtragenden  und  zahlreich  herbeigeströmtem  Volke, 
wohnten  diesem  Trauerakte  eine  Masse  Landleute  aus  der  Umgegend 
des  Schlosses  Ebenzweier  bei.  Trauernd  und  klagend  folgten  diese 


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iH«o-iHftr. 


653 


armen  Gebirgsbewohner  der  Bahre,  welche  die  entseelte  Hfllle  ihres 
Wohlthäters  enthielt.  In  allen  Regimentsstationen  wurden  feierliche 
Exequien  ffir  den  hohen  Verstorbenen  abgehalten. 

Mit  7.  Juni  1803  geruhte  Se.  Majestät  der  Kaiser  den  Nach- 
folger des  hohen  Verstorbenen  als  Grossmeister  des  hohen  deutschen 
Kitter -Ordens  Se.  k.  k.  Hoheit  Kr/herzog  Wilhelm,  k.  k.  Feld- 
marschaU  -  Lieutenant,  zum  Oberst -Inhaber  des  Regiments  zu  er- 
nennen, höehstwelcher  aus  diesem  Aulasse  nachstehenden  Tnhabers- 
Befehl  erliess: 

„Durch  die  Allerhöchste  (Suade  Sr.  Majestät  des  Kaisers  zum 
»Oberst- Inhaber  des  Regiments  ernannt,  drängt  es  Mich,  die  ersten 
„Worte  an  dasselbe  in  jenem  feierlichen  Augenblicke  zu  richten, 
„wo  der  tief  empfundene  Schmerz  Ober  den  Verlust  Meines  dahin- 
geschiedenen durchlauchtigsten  Herrn  Vorgängers  in  der  Brust 
„jedes  einzelnen  Regiments  -  Angehörigen  gewiss  erschütternden 
„Nachhall  findet.  Ks  sind  vor  Allem  Worte  des  Trostes,  deren  das 
„Regiment  bedarf,  bei  der  Erinnerung  an  den  durchlauchtigsten  Ver- 
glichenen, Höchstdessen  langjährige  Inhaberschaft,,  nur  durch  edles 
„Wirken  und  Akte  der  ritterlichsten  Hochherzigkeit  gekennzeichnet 
„ist;  os  sind  aber  auch  Gefühle  höchster  Befriedigung,  denen  Ich 
„Meinerseits  Ausdruck  zu  geben  wünsche,  da  Ich  Mich  mit  Stolz 
„als  Inhaber  eines  Regiments  sehe,  das  an  Treue,  Tapferkeit 
„und  Hingebung  für  seinen  Allerhöchsten  Kriegsherrn  ein  würdiges 
„Glied  der  glorreichen  kaiserlichen  Armee  ist  und  gewiss  auch 
„bleiben  wird. 

0 

„Mögo  das  Regiment  versichert  sein,  dass  Ich  ihm  mit  Meiner 
„ersten  Begrüssung  die  wohlwollendsten  Gesinnungen  entgegen  bringe, 
„und  dass  ich  die  Uebertragung  der  erprobten  Anhänglichkeit  des 
„Regiments  für  dessen  Höchstseligen  Herrn  Oberst  -  Inhaber  auf 
„Meine  Person  als  ein  theueres  Vermäch tniss  hochhalten  werde." 

„Wrien  am  7.  Juni  1803. 

Erzherzog  Wilhelm  m.  p.,  F.-M.-Lt.* 

Am  27.  Juli  wurde  der  Stab,  das  erste  Bataillon  und  die 
sechste  Division  von  Arad,  am  28.  das  zweite  Bataillon  von  Gross- 
wardein  mittelst  Eisenbahn  in  die  neue  Garnison  Pest  befördert  und 
dann  am  15.  August  der  feierliche  Akt  der  Fahnenweihe  von  beiden 
Bataillons  auf  der  Generalswiese  zu  Ofen  begangen. 


CM  1860-1MS, 

Dieser  vom  schönsten  Wetter  begünstigten  Feier  wohnten  der 
Landes  -  Koramandirende  F.-Z.-M.  Graf  Corouini  nebst  allen 
Generalen  und  vielen  Stabs-  und  Oberoffizieren  der  Garnison  bei. 
Vom  dritten  und  vierten  Bataillon  aus  Stockerau  und  Korneuburg 
hatte  sich  eine  Deputation  Offiziere  eingefunden.  Nach  einer  den 
Gehorsam,  die  Ehrenhaftigkeit,  Treue  und  Tapferkeit,  sowie  die 
vielen  glanzenden  Momente  der  Geschichte  des  Regiments  hervor- 
hebenden Rede  des  Regiments  -  Kaplans  Pospischill  wurde  die 
kirchliche  Funktion  und  Weihe  durch  den  k.  k.  Feldsuperior  fflr 
Ungarn,  Keller,  vollzogen. 

Die  neuen  Fahnen  wurden  durch  die  durchlauchtigsten  Fahnen- 
mütter, und  zwar  jene  des  ersten  Bataillons  durch  Ihre  k.  k.  Hoheit 
die  Frau  Erzherzogin  E Ii s abeth,  jene  des  zweiten  durch  die  Frau 
Erzherzogin  Maria  Theresia  zu  Oesterreich  -  Este  mit  pracht- 
vollen Bändern  geziert,  deren  erstes  die  Devise  „Mit  mir  trotzet 
jedem  Feinde,  keinem  weichet",  das  zweite  .Mit  Gott, 
fflr  Kaiser  und  Vaterland!"  fflhrt.  Als  Stellvertreterinnen 
fungirten  Ihre  Excellenzen  Frau  Gräfin  Pälffy,  Gemahlin  des  Statt- 
halters von  Ungarn  und  Frau  Ritter  von  Frank,  Gemahlin  des 
nachmaligen  Feldmarschall  -  Lieutenants  und  Kriegsrainisters. 

Der  Oberst  und  Regiments  -  Kommandant  Josef  Ritter  von 
Kolbenschlag  hielt  bei  Ueberreichung  der  neuen  Fahne  an  die 
Fahnenfflhrer  eine  kurze  Ansprache,  der  Trappe  aber  stellte  er  die 
Fahnen  mit  folgenden  Worten  vor: 

„Und  ihr  Soldaten!  die  ihr  heute  den  Eid  der  Treue  und 
.Ergebenheit  erneuert,  Ihr  werdet  diese  heiligen  Paniere  diese 
„Zeichen  des  höchsten  Vertrauens  nie  verlassen.  Ihr  werdet  Euch 
„vielmehr  im  Gewflhle  der  Schlachten  dicht  um  dieselben  schaarend, 
„ich  bin  es  gewiss,  als  brave  Oesterreicher,  dieselben  muthvoll  ver- 
„theidigen,  wie  heute  vor  64  Jahren,  wo  das  Regiment  durch  Muth. 
„Tapferkeit  und  zähe  Ausdauer  den  Sieg  mit  erringen  half  und  sich 
„mit  unvergänglichem  Ruhm  bedeckte. 

„So  werdet  Ihr  zur  Ehre  und  zum  Ruhrae  des  Regiments,  zum 
„Stolze  des  theueren  Vaterlandes,  zur  Ehre,  zum  Ruhm  und  Stolze 
„des  obersten  Kriegsherrn  die  Wahlsprüche  erfüllen,  welche  die 
„prachtvollen,  von  höchsten  Händen  grossmüthig  gespendeten  Fahnen- 
.bänder  tragen:  „„Mit  Gott,  für  Kaiser  und  Vaterland,  jedem  Feinde 
„,zu  trotzen,  keinem  zu  weichen.*" 


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1SA0-1M5. 


055 


Die  alten  ehrwürdigen  Feldzeichen  wurden  an  die  Garnisons- 
kirche zu  Ofen  übergeben. 

Nachmittags  versammelte  sich  das  Offiziers -Korps  zu  einem 
Festdiner  im  Offiziers -Kasino,  welches  auch  der  kommandirende 
General,  sowie  viele  Generale,  Stabs-  uud  Oberoffiziere  der  Garnison 
mit  ihrer  Gegenwart  beehrten.  Den  ersten  Toast  brachte  der  Oberst 
auf  Se.  Majestät  den  Kaiser  aus,  welchen  der  koramaudireude  General 
mit  einem  sehr  ehrenden  „Hoch"  auf  das  Regiment  erwiderte.  Die 
Mannschaft  erhielt  an  diesem  Festtage  Braten  und  Wein. 

Mit  Ende  Jänner  1864  wurde  bei  allen  80  Infanterie -Regi- 
mentern ein  Depot-Divisions-Kadre  von  1  Hauptmann,  2  Lieutenants 
und  10  Mannschafts-Chargen  aufgestellt,  die  Reserve-Mannschaft  in 
den  Grundbuchsstand  der  Depnt-Division  eingetheilt  und  der  Kriegs- 
stand mit  120  Gemeinen  per  Kompagnie  systemisirt.  Auf  Aller- 
höchsten Befehl  wurde  das  Tragen  der  Kittel  bei  den  Generalen,  Stabs- 
und Oberoffizieren,  sowie  auch  die  erst  vor  Kurzem  eingeführte 
Neuerung  des  Tragens  der  Feldbinde  fiber  den  Mantel  abgestellt. 

Oberst  Josef  Kolbenschlag,  Ritter  v.  Reinhartsstein 
wurde  zum  Regiment  Nr.  42,  dagegen  von  dort  Oberst  Johann  Töply 
v.  Hohenvest  in  das  Regiment,  ferner  Oberstlieutenant  Hieronymus 
Graf  Zedtwitz  zum  Regiment  Nr.  23  und  von  dort  Oberstlieutenant 
Wilhelm  Peinlich  in  das  Regiment  transferirt.  Major  Cajetan 
Baron  Lazarini  des  Regiments  Nr.  17  wurde  Dienstkämmerer  bei 
Sr.  kaiseil.  Hoheit  dem  Herrn  Erzherzog  Wilhelm  und  dem  Re- 
gimente  in  Stand  gegeben. 

Am  21.  Juli  1864  besichtigte  der  Oberst  -  Inhaber  Erzherzog 
Wilhelm  das  erste  Mal  sein  Regiment,  gab  demselben  seine  volle 
Zufriedenheit  in  jeder  Richtung  zu  erkennen  und  lud  das  Offiziers- 
Korps  zur  Tafel,  bei  welcher  Höchstderselbe  durch  seine  bekannte, 
in  unserem  hochverehrten  Kaiserhause  traditionelle  herablassende 
Freundlichkeit  alle  Herzen  gewann,  wodurch  sich  auch  diese  Tafel 
zu  einer  Art  Familienfest  gestaltete. 

Die  in  Ungarn  dislozirten  Truppen,  dabei  das  Regiment,  wurden 
in  ein  Armeekorps  (sechstes)  vereinigt  und  F.-M.-Lt  Baron  Ramming 
zum  Kommandanten  ernannt.  Aus  diesem  Anlasse  erhielt  das  dritte 
Bataillon  den  Befehl,  seine  Garnison  Stockerau  zu  verlassen  und 
nach  Pest  zum  Regiment  zu  rücken,  was  sofort  mittelst  Eisenbahn 
ausgeführt  wurde. 


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G5G 


Am  12.  Dezember  18G5  langten  So.  Majestät  der  Kaiser  in 
Pest -Ofen  an,  um  persönlich  den  zusammengetretenen  Landtag  zu 
eröflnen.  Am  K3.  rückte  die  Garnison  vor  Sr.  Majestät  aus,  Aller- 
höchstwelcher  am  10.  die  vom  Regimente  belegte  fllöer  -  Kaserne 
besichtigte,  die  erste  Division  ausrücken  und  im  Kasernhofe  einige 
Bewegungen  ausfuhren  liess.  Sowohl  über  die  Nettigkeit  in  den 
Lokalitäten,  als  auch  hinsichtlich  des  guten  Aussehens  und  Haltung 
der  ausgerflekteu  Division,  geruhten  Se.  Majestät  die  Allerhöchste 
Zufriedenheit  huldreichst  auszusprechen. 


Den  29.  Jänner  18GG  geruhten  Ihre  Majestäten  der  Kaiser 
und  die  Kaiserin  nach  Ofen  zu  kommen  und  daselbst  bis  5.  Marz 
zu  verbleiben.  Am  G.  Februar  fand  vor  Sr.  Majestät  ein  Manöver 
auf  dem  Räkos  statt. 

Das  dritte  Bataillon  hatte  am  IG.  April  die  Fahnenweihe  auf 
der  fJencralswiese  zu  Ofen,  wozu  das  Regiment  mit  drei  Bataillons 
en  Parade  ausrückte.  Ihre  k.  k.  Hoheit  die  durchlauchtigste  Frau 
Erzherzogin  Mathilde  zierten  die  Fahne  mit  einem  prachtvollen 
Bande,  welches  die  bezeichnenden  Worte:  „Der  immerwährende 
Ruhm  des  deutschen  Ordens*  als  Devise  enthielt.  Die 
kirchliche  Weihe  ging  in  vorgeschriebener  Weise  vor  sich,  nach 
deren  Beendigung  der  Oberst  von  Töply  die  neue  Fahne  mit 
folgenden  Worten  überreichte: 

„Fahnenführer!  Hier  übergebe  ich  Ihnen  unser  neues  Panier, 
„das  Heiligthum  des  Soldaten!  —  Sind  Sie  stets  eingedenk  des 
„ehrenden  Vertrauens  und  ketten  Sie  in  gefahrvollen  Momenten  Ihr 
„Leben  mit  jener  Hingebung  an  diese  Fahne,  wie  es  die  Pflicht 
„Ihres  Standes  fordert. 

„ Und  jetzt  ein  Wort  an  Euch  „„Soldaten  des  Regi- 
ments Deutschmeister.'"  Blickt  auf  diese  alte  Fahne,  die 
„heute  von  uns  scheidet,  Ihr  seht  sie  zum  letzten  Male,  sie,  die 
„vor  58  Jahren  unseren  Vorfahren  mit  heiliger  Weihe  übergeben 
„wurde.    Sie  ist  dem  Einflüsse  der  Zeit  erlegen,  aber  Alle,  die  sie 


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ISA«. 


G57 


»zuerst  erhoben  als  heiliges  Panier  ihrer  Treue  für  Kaiser  und 
.Vaterland,  sie  alle  sind  vorausgegangen,  haben  die  Reihen  des 
.Regiments  längst  verlassen. 

»Dieser  letzte  heute  von  uns  scheidende  Veteran  der  damaligen 
»Zeit  ist  Zeuge  des  von  unseren  Voifahren  gegebenen  und  treulich 
.gehaltenen  Versprechens.  Makellos  haben  sie  dieses  Panier  auf  uns 
.übertragen,  makellos  wird  es  von  uns  zur  Ehrenruhc  der  heiligen 
.Stätte  abergeben. 

.Deutschmeister!  Ihr  wackeren  Söhne  der  Kaiserstadt  Wien! 
.Ihr  echten  Kinder  vom  Herzen  Oesterreichs!  Hier  fibergebe  ich 
.Euch  ein  neues  Siegeszeichen,  das  Euer  Kaiser  und  Herr  Euch 
.anvertraut.  Ihr  werdet  zu  dieser  neuen  Fahne  schwören  den  alten 
.Schwur  der  Treue.  Ihr  werdet  au  diese  Fahne  knüpfen  die  alte 
.Ehre,  Ihr  werdet  sie  bewahren  mit  Euern  Bajonneten,  mit  Eurem 
.Herzblute  die  alte  Ehre  und  Treue  des  Regiments  Deutschmeister. 

.Seit  seinem  Bestellen  durch  170  Jahre  fuhrt  es  diesen  Ehren- 
.namen  und  mit  Stolz  können  wir  sagen,  es  führt  ihn  mit  unge- 
, schmückten  Ruhme.  Das  weiss  Euer  Vaterland,  das  wusste  auch 
.die  hohe  Frau,  die  unsere  ueue  Fahne  mit  dem  Bande  schmückte, 
.das  lag  Ihr  im  Sinne  als  Sie  darauf  die  goldenen  Worte  schrieb: 
..Der  immerwährende  Ruhm  des  deutschen  Ordens."  •  Mit  diesen 
»Worten  hat  die  hohe  Fahnenmutter,  selbst  einem  Heldengeschlechte 
.entsprossen,  den  Heldensinn  des  Regiments  gekennzeichnet,  mit 
»diesen  Worten  hat  Sie  in  sinnreicher  Deutung  das  vollste  Ver- 
» trauen  in  uns  gesetzt. 

»Dieses  Vertrauen  werden  wir  rechtfertigen  und  treu  den 
»Wahlspruch  unserer  vier  Fahnen:  »Mit  Gott  für  Kaiser  und  Vater- 
»land,  jedem  Feinde  trotzen,  keinem  weichen,  von  Treue  und  von 
.Sieg  begleitet,  zum  immerwährenden  Ruhm  des  deutschen  Ordens, 
.unsere  Banner  drohend  wenden  gegen  jeden  Feind  unseres  Kaisers 
.und  des  grossen  mächtigen  Oesterreichs. 

»Wo  dann  unsere  Fahnen  flattern,  da  winkt  unsere  Ehre,  da 
»ruft  unser  Kaiser,  da  folgen  wir  und  gelte  es  auch  den  blutigsten 
»Kampf.  Wir  werden  ihn  als  brave  Deutschmeister  kämpfen,  wir 
»werden  siegen  oder  sterben  für  Kaiser  und  Vaterland.  Diess  ge- 
, loben  wir  unserem  höchsten  Kriegsherrn,  diess  schwören  wir  unserem 
.Kaiser,  Ihm  gehört  unser  Leben,  Ihm  unsere  Liebe,  Ihm  unsere 
.Treue  und  so  lasst  uns  nun  unter  freiem  Himmel  unser  innigstes 

42 


058 


1«««. 


„Wünschen  in  einen  lauten  Ruf  aus  Herzensgrund  zusammendrängen  : 
„Es  lebe  hoch  unser  Kaiser!  hoch  das  ganze  Kaiserhans!  Hoch! 4 
Oberst  v.  T  ö  p  1  y  hatte  jedem  Einzelnen  aus  der  Seele  ge- 
sprochen. Ein  tausendstimmiges  enthusiastische  stürmisches  Hoch 
erscholl  aus  den  Reihen ;  es  war  ein  erhebender,  bedeutungsvoller 
Moment. 

Die  Generalität,  der  Landeskommandirende  G.  d.  K.  Fürst 
Friedrich  Lichtenstein  au  der  Spitze  (einer  jener  Helden  aus 
Radetzky's  Armee),  das  Offiziers -Korps  der  Garnison,  sowie  eine 
grosse  Menge  Znseher  wohnten  dem  feierlichen  Akte  bei. 

Keldxig  1H60  gcgei  Preissei. 

Laut  Rangs-Liste  für  April  1866  bestand  das  Offiziers-Korps : 
Oberst-Inhaber  Erzherzog  Wilhelm,  F.-M.-Lt.,  Hoch-  und  Deutschmeister. 
Oberst  und  Regiments-Kommandant  Johann  Tüply  v.  Hohenvest. 
Oberstlieutenant  Wilhelm  reinlich. 

Major  Anton  Garmagnola,  Franz  Fabrici  Edler  Ton  Südwaiden. 
Heinrich  Med  er  t.  Nemes-Apäthy,  Kajetan  Freiherr  von  Lazarini.  (sup.) 
Kaplan  Johann  Pospischill. 
Auditor  Hauptmann  Karl  Meixner. 
Arzt  Dr.  Ignaz  Degn,  Dr.  Friedrich  Golling. 
Adjutant  Oberlieutenant  Franz  Gaipl. 
Rechnungsführer  Moriz  Seitner. 

Hanptkute  1.  Klasse  Anton  LcHer,  Gustav  Freiherr  von  Schweik- 
bardt,  Franz  Schwarz,  Heinrich  Lahousen,  Anton  Triulzi,  Karl 
Schrömmer,  Rudolf  Merkt,  Eduard  Ai  ebner  von  Possbach,  Karl 
Iwänsky,  Demeter  Orubetir,  Robert  Englisch,  Moriz  Edler  von  Bari* 
sani,  Kajetan  Mai  er,  Maximilian  Freiherr  v.  Potier  des  Echelles,  Eduard 
Weidlich,  Karl  Preyss,  Josef  Selig,  Sebast.  Romanok.  Eduard  Mcissl. 

Hauptleute  2.  Klasse  Anton  Chitry  von  Fraiselsfeld,  Mathias 
Prüger,  Stephan  v.  Balogb,  Basil.  Bian,  Karl  Ficcohi,  Karl  Saxinger, 
Karl  R  u  d  d  a,  Jakob  P  a  b  1  a  s  e  k,  Alois  Player. 

Oberlieutenant  Thomas  Neubauer,  Boguslaw  von  Krüger,  Frans 
Gaipl,  Josef  Risch  ner,  Jobann  L  c  u  s  s  m  a  n  n,  Karl  Buch  fei  der,  Adolf 
v.  Einem,  Michael  Fried,  Joh.  Gzeriuak,  August  Chandelier,  Edmund 
Ritter  von  Troll,  Wilhelm  Geissler,  Karl  Weissgärber,  Johann  Beck, 
Wilhelm  Wannisch,  Johann  Arthold,  Karl  Ferrari,  Adolf  Walter, 
Josef  Frediani,  Alexander  Hold,  Anton  Rössler,  Ludwig  Castaldo, 
Alois  Prohaska,  Franz  Troharsoh.  Karl  Ballitzer,  Johann  Pointner, 
Josef  Kleindienst,  Philipp  Gunsam,  Anton  Furian. 

Unterlieutenant  1.  Klasse  Wilhelm  Kuhn,  Johann  Wieninger,  Wilh. 
Schroll,  Karl  Torna,  Franz  Bergmaie r,  Mathias  Hohensinn.  August 
Schubert,  Ludwig  Fikar,  Ferdinand  S  ch  an  dl,  Joh.  Muck,  Jakob  Kraus, 
Franz  Prawdik,  Peter  Ennser,  Eduard  Luschinsky,  Ignaz  Schmidt, 


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f.59 


Emil  Oaitncr,  recte  Rouland,  Johann  Krück  mü  11  er,  Michael  Becher, 
Alexander  Preschnofsky,  Roman  Lbckber. 

Unterlieutenants  2.  Klasse  Ludwig  Köborl,  Ferdinand  Karger,  Karl 
Leveling,  Krail  Clodi,  Sava  Pavlovi«'-,  Martin  Podgorschegg,  Ciisar 
Potesta,  Friedrich  Ritter  von  Hauer,  Alexander  Ritter  von  FrieBB,  Leo 
Grimm,  Andreas  Dostahler,  Alois  Frühwirth,  Franz  (iugler,  Leopold 
Ts c h e b u lz  Kdlcr  v.  T s e h n  I y,  Kmil  8 pi  ndle r,  Karl  Mülle r.  Adolf  R  o  s- 
manith,  Ferdinand  Gramzow,  Friedrich  Jäger,  Karl  Weibl,  Eduard 
Schmidt,  Hermann  Bartl,  Franz  Höckmayer,  Johann  Uppenaucr. 

Kadetcn  Adalbert  A  bs al o n,  (iuido  Ritter  v.  Arnstorff,  Alois  Honan- 
bauer,  Julius  Edbauer,  Kuierioh  Etiler  v.  G  e  u  /.  i  n  g«  r,  Anton  G  e  tti  n  ge  r, 
Willibald  G  roh,  Karl  Holtz,  Anton  Katt,  Karl  Kleindicnst,  Hermann 
K  n  o  t  z,  Josef  K  o  1 1  o  w  i  1 8  c  h,  A  lois  L  a  c  h  n  i  k,  M  a  n  f  r  e  d  i  L  a  n  z  a,  Marchese 
di  Morcato  Bianco,  Anton  Marc  hetti,  Franz  Merenda  du  Bosse,  Josef 
Oester  reicher,  Anton  Paschor,  Karl  Pichl,  Job.  Platt,  Karl  Sturm, 
Adolf  v.  S  z  e  1  c  o  z  k  y,  Tgnaz  V  e  i  t  h,  Johann  Z  w  i  o  k  I. 

Zu  Ende  des  Jahres  18G3  hatte,  sich  Oesterreicli  mit  Preussen 
verhnnden,  um  die  deutschen  Herzogtümer  Schleswig-Holstein  von 
Danemark  zu  trennen.  In  dieser  Absicht  rückte  anfangs  des  Jahres 
1864  ein  österreichisches  und  kombinirtes  preussisches  Armeekorps 
an  die  Grenzen  dieser  Herzogtümer.  Am  letzten  Jänner  geschah 
die  Einrückuug,  wo  die  Dänen  durch  die  vordringenden  Oesterreicher 
zum  Verlassen  der  starken  Dannewirkstellung  gezwungen  und  in 
einer  Reihe  von  Gefechten  besiegt  wurden;  die  Preussen  nahmen 
dann  die  Düpplerschanzen  und  hierauf  die  Insel  Alsen. 

Am  30.  Oktober  erfolgte  zu  Wien  der  Friedensschluss,  in 
welchem  Dänemark  Schleswig- Holstein  sammt  Lauenburg  an  Oester- 
reich und  Preussen  abtrat.  Letztere  Macht  schuf  jedoch  bald  hin- 
sichtlich des  beiderseitigen  Besitzrechtes  mancherlei  Schwierigkeiten 
und  mit  diesen  eine  sich  mehr  und  mehr  steigernde  Spannung 
zwischen  beiden  Mächten.  Um  diese  nun  zu  begleichen  fand  am 
14.  August  zu  Gastein  der  Abschluss  einer  Konvention  statt,  ver- 
möge welcher  Oesterreich  in  Holstein  und  Preussen  in  Schleswig 
die  im  Wiener  Frieden  enthaltenen  Rechte  ausüben  sollte. 

Die  preussische  Regierung  trat  jedoch  mit  ihren  Absichten, 
beide  Herzogtümer  gänzlich  zu  erwerben,  immer  mehr  hervor  und 
erlaubte  sich,  der  Gasteiner  -  Konvention  zuwider,  derartige  Ueber- 
griffe,  dass  es  bald  zu  einem  ernsten  Zerwürfnisse  zwischen  Oester- 
reich und  Preussen  kommen  musste,  und  da  es  schon  zu  dieser  Zeit 
allgemein  bekannt  war,  dass  Preussen  nicht  nur  die  umfangreichsten 
Rüstungen  treffe,  sondern  auch  mit  Italien  in  Allianzverhandlungen 

42* 


GGO 


stehe,  so  war  es  nicht  mehr  zweifelhaft,  dass  Prenssen  den  Krieg 
mit  Oesterreich  aurh  wegen  der  Suprematie  in  Deutschland  suche. 

Unter  diesen  Umständen  ward  nun  auch  Oesterreich  gezwungen, 
seinerseits  zu  Rüstungen  für  den  Krieg  zu  schreiten  und  es  setzte 
demnach  seine  Armee  in  Italien  am  21.  April,  die  ganze  Armee 
mit  7.  Mai  auf  den  Kriegsfuss,  gab  aber  dennoch  den  Beweis  seiner 
Friedensliebe,  indem  es  wiederholt  seine  Bereitwilligkeit  für  eine 
gleichzeitige  beiderseitige  Abrüstung  erklärte.  Preussen  erwiderte 
mit  Gegenansinnen,  deren  Annahme  eine  Preisgebung  der  Ehre  und 
Sicherheit  des  Reiches  gewesen  wäre  und  machte  alle  Verhand- 
lungen scheitern.  Am  1.  Juni  übertrug  daher  Oesterreich  die  Ent- 
scheidung dem  deutschen  Bunde;  doch  auch  dagegen  protestirte 
Preussen,  und  indem  es  am  7.  Juni  seine  Truppen  in  Holstein 
einrücken,  die  dort  von  dem  kaiserlichen  Statthalter  einberufene 
Ständeversammlung  sprengen  und  die  Regicrungsgewalt  auch  in 
Holstein  ausschliesslich  Mir  sich  in  Anspruch  nehmen  Hess,  nöthigte 
es  die  nur  aus  einer  Brigade  bestehende  österreichische  Besatzung 
mit  seiner  Uebermacht  zur  Räumung  dieses  Herzogthums.  Die 
österreichische  Regierung  erklärte  nun  diese  Besetzung  als  einen 
Vertragsbruch  und  stellte  beim  Bunde  den  Antrag  auf  schleunige 
Mobilmachung  des  ganzen  Bundesheeres  mit  Ausnahme  der  zu 
Preussen  gehörenden  Korps.  Dieser  Antrag  wurde  in  der  Bundestag- 
sitzung am  14.  Juni  mit  Stimmenmehrheit  angenommen  und  die 
Mobilisirung  des  7.,  8.,  9.  und  10.  Bundes-Armee-Korps  beschlossen. 
Preussen  erklärte  hierauf  den  Bund  für  aufgelöst  und  legte  einen 
neuen  Reformentwurf  vor,  erklärte  aber  auch  schon  am  15.  Juni  an 
Sachsen,  Hannover,  Kurhessen  offiziell  den  Krieg  und  rückte  sofort 
in  diese  Länder  ein. 

Am  17.  Juni  verkündete  Sr.  Majestät  der  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  Seinen  Völkern  durch  ein  Allerhöchstes  Manifest,  dass 
auch  für  Oesterreich  der  Ausbruch  eines  Krieges  unvermeidlich  sei 
und  wirklich  erfolgte  am  20.  Juni  von  Seite  Italiens  die  formelle 
Kriegserklärung,  am  selben  Tage  dagegen  von  Seite  Preussens  die 
einfache  Anzeige,  dass  es  Oesterreichs  Forderungen  am  Bunde  als 
Krieg  ansehe. 

Im  Vertrauen  auf  seine  deutschen  Bundesgenossen  nahm 
Oesterreich  zur  Vertheidigung  seines  ihm  damals  von  fast  ganz 
Europa  zuerkaunten  Rechtes,   den  Doppelkampf  auf  und  stellte 


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18««.  061 

gegen  Italien  8U.000  Manu  mit  278  Geschützen  mit  der  Benennung 
, Süd -Armee*  unter  Sr.  k.  Hoheit  dem  Feldmarschall  Erzherzog 
Albrecht  und  gegen  Preussen  230.000  Mann  mit  704  Geschützen 
als  „ Nord- Armee"  unter  Kommando  des  Feldzeugmeisters  Ritter 
Beuedek  in's  Feld.  Bayern  stellte  45.000  Manu  und  144  Geschütze, 
Sachsen  23.000  Mann  und  50  Geschütze  und  Hannover  21.000 
Mann  und  50  Geschütze,  von  welchen  sich  aber  nur  die  Sachsen 
mit  den  Oesterreichern  vereinigen  konnten. 

Das  Avancement,  welches  seit  1864  eingestellt  war,  wurde  mit 
17.  April  wieder  eröffnet.  Tags  darauf  erhielt  das  Regiment  den 
Befehl,  die  Kriegsformation  anzunehmen  und  empfing  an  demselben 
Tage  seine  Kriegsbespannung.  Auch  erfolgte  die  Ergänzung  der 
Depöt-Division  auf  die  volle  Kriegsstarke,  wahrend  diess  beim  vierten 
Bataillon  schon  am  12.  März  stattgefunden  hatte. 

Ein  Erlass  des  Kriegsministeriums  vom  3.  Mai  ordnete  auch 
die  Versetzung  des  Stabes  und  der  drei  Feld  -  Bataillons  auf  den 
vollen  Kriegsstand  und  jener  vom  7.  Mai  die  Errichtung  des  fünften 
Bataillons  an,  welches  aus  der  bereits  bestehenden  Depöt-Division 
und  zwei  neu  zu  errichtenden  Kompagnien  zusammenzustellen  war; 
in  demselben  Erlasse  wurde  auch  die  Ergänzung  des  Stabes  und 
der  drei  Feld  -  Bataillons  in  der  Offiziers  -  Charge  auf  dem  Kriegs- 
stand angeordnet,  in  Folge  dessen  mit  11.  Mai  bedeutende  Beför- 
derungen erfolgten;  der  Moment  war  herangerückt,  den  jedes 
wackere  Soldatenherz  mit  Freude  begrüsst,  im  Regiment  herrschte 
ein  unbeschreiblicher  Jubel  und  alles  bemühte  sich,  so  rasch  als 
möglich  die  Komplettirung  zu  vervollständigen. 

Das  Regiment  mit  einem  streitbaren  Stand  von  2825  Mann 
und  89  Pferden  befand  sich  mit  dem  Regiment  Nr.  55,  dem  Jäger- 
Bataillon  Nr.  17  und  4pfünder  Fuss  -  Batterie  Nr.  3  X  in  der  Brigade 
des  G.-M.  v.  Rosenz  weig,  zusammen  6930  Streitbare,  im  sechsten 
Armeekorps  unter  F.-M.-Lt.  Baron  Rammin g,  welches  noch 
aus  den  Brigaden  Waldstätten,  Hertwek  und  Jonak,  in  der  Gesammt- 
stärke  von  27.149  Mann,  587  Pferden  und  72  Geschützen  bestand. 

Am  21.  Mai,  Pfingstmontag,  setzte  sich  der  Stab  mit  neun 
Kompagnien  abends  6  Uhr  mittelst  Eisenbahn  von  Pest  in  Bewegung 
und  langte  am  22.  um  10  Uhr  nachts  in  Weisskirchen  an;  der 
Transport  der  anderen  neun  Kompagnien  wurde  um  8  Uhr  abends 
am  21.  in  derselben  Weise  bowirkt,  so  dass  am  23.  Mai  der  Stab 


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IHM. 


mit  dem  Train  und  der  7.,  8.,  9.  Kompagnie  in  Draholusch,  das 

I.  Bataillon  in  Weisskirchen,  die  10.  Kompagnie  in  Sla?ic,  11.  Kägs- 
dorf. 12.  Wittenau,  5  Kompagnien  des  3.  Bataillons  in  Jessernik, 
die  18.  Podhorn  bequartirt  waren.  Der  Brigade -Stab  befand  sieh  in 
Weisskirchen,  das  Korps -Hauptquartier  in  Prerau. 

Vom  25.  Mai  angefangen  wurde  die  eifrigste  Tbätigkeit  im 
Exerzieren  der  eingerückten  Urlauber  und  Rekruten  entwickelt  und 
auch  das  Scheibensch iessen  fieissig  geübt.  In  diesen  Tagen  erhielt 
das  Regiment  den  Armee-Befehl  vom  12.  Mai,  welchen  der  Regiments- 
Kommandant  den  versammelten  Bataillonen  publizirte  und  dieselben 
aufforderte,  den  allbewährten  Kriegsruhm  des  Regiments  Hoch-  und 
Deutschmeister  auch  in  den  folgenden  Kämpfen  zu  bethätigen.  Ein- 
stimmig antwortete  das  Regiment  auf  diese  Ansprache:  ,Es  lebe 
der  Kaiser!  Es  lebe  unser  Kommandant!" 

Für  den  bevorstehenden  Feldzug  wurde  angeordnet,  die  Aermel- 
leibel  und  Fäustlinge  zurückzusenden,  den  Mantel  stets  angezogen 
zu  tragen  und  den  Waffenrock  unter  dem  Tornisterdeckel  zu  ver- 
packen. 

F.-Z.-M.  Benedek  hatte  sich  in  Folge  der  aus  Wien  er- 
haltenen Mittheilungen  über  die  Bewegungen  der  feindlichen  Armee 
zum  Abmarsch  nach  Böhmen  in  die  Stellung  Josefstadt  -  Miletin  ent- 
schlossen und  am  17.  Juni  die  nöthigen  Dispositionen  hiezu  erlassen; 
auch  wurde  gleichzeitig  den  Truppen  der  Armee -Befehl  Nr.  29 
kundgemacht,  welcher  den  Beginn  der  Fcinseligkeiten  anzeigte. 

Se.  Majestät  geruhte  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom 

II.  Juni  1800  den  Oberstlieutenant  Wilhelm  Peinlich  zum  Obersten 
und  Regiments  -  Kommandanten,  den  Major  Anton  Carmagnola 
zum  Ober8tlieuteuant  und  den  Hauptmann  Gustav  Freiherr  von 
Schweikhardt  zum  Major  zu  ernennen. 

Oberst  von  Töply  erhielt  eine  Brigade  bei  der  Süd -Armee. 

Das  sechste  Korps  begann  die  Bewegung  gegen  Böhmen  am 
18.  Juni  und  zwar  hatte  sich  das  Regiment  am  17.  in  Leipnik 
kouzentrirt  und  marschirte  am  18.  über  Olmütz  nach  Krönau,  das 
erste  Bataillon  nach  Bruchstein.  Nachmittags  besuchte  der  Regiments- 
Inhaber  Erzherzog  Wilhelm  das  Regiment  und  Hess  die  Mannschaft 
reichlich  mit  Bier  versehen.  Am  19.  wurde  wieder  aufgebrochen  und 
mit  dem  Stab,  dritten  Bataillon  und  sechsten  Division  nach  Schwarz- 
bach, ersten  Bataillon,  vierten  und  fünften  Division  nach  Dreihöfen, 


IM1, 


003 


am  20.  nach  Muglitz  und  am  21.  nach  Mährisch-Trübau  marschirt 
und  hier  von  der  patriotischen  Bevölkerung  in  herzlich  gastfreund- 
licher Weise  aufgenommen ;  am  22.  nach  Ober-Johnsdorf,  wegen  der 
Nahe  des  Feindes  in  voller  Kampfbereitschaft  mit  geladenen  Ge- 
wehren, 23.  über  Rothwasser.  Wetzdorf,  Erlitz  nach  Geiersberg,  am 
24.  über  Senftenberg,  Helkowic,  Slatina  nach  Jamornice  gerückt. 
Die  ganze  Nacht  vom  24.  auf  den  25.  fiel  ein  strömender  Regen, 
daher  wurde  der  Marsch  nach  Suchrow  freudig  angetreten,  um  den 
während  der  Nacht  im  nassen  Grase  und  Regen  erstarrten  Körper 
durch  die  Bewegung  wieder  zu  erwärmen,  wozu  der  Marsch  auf  Wegen 
schlechtester  Art  hinlängliche  Gelegenheit  bot.  Am  26.  marschirte 
die  Brigade  über  Dobruschka,  Gross-Putitz  nach  Pohor,  wo  dieselbe 
eine  Zeit  lang  unter  den  Waffen  blieb,  da  die  Nachricht  einlangte, 
dass  der  Feind  von  Lewin  über  Giesshübel  und  Neu-Hradek  anrücke. 
Auf  die  neuere  Meldung,  dass  nur  ein  feindliches  Detachement  von 
200  Reitern  und  60  Infanteristen  sich  mittags  in  Giesshübel  gezeigt 
und  nach  vollzogener  Requirirung  von  Lebensmitteln  wieder  über 
die  Grenze  zurückgegangen  sei,  wurde  das  Bivouak  bezogen.  Hier 
erhielt  das  Regiment  die  freudige  Mittheilung,  dass  der  Kommandant 
der  Süd-Armee,  Erzherzog  A 1  b  r  e  c  h  t,  am  24.  Juni  einen  glänzenden 
Sieg  bei  Custozza  erfochten  habe,  welche  mit  grossem  Jubel  be- 
grüsst  wurde. 

Das  Armee-Kommando  hatte  in  Erfahrung  gebracht,  dass  sich 
grössere  feindliche  Streitkräfte  an  der  Neisse  befanden  und  erliess 
am  26.  um  8  Uhr  abends  aus  Josefstadt  folgenden  Befehl:  .Nach 
„soeben  eingelaufenen  Meldungen  rücken  bedeutende  feindliche  Ab- 
teilungen über  Polic  gegen  Trautenau  und  Starkenbach  vor. 
«Ich  befehle  demnach  Folgendes:  Das  sechste  Korps  rückt  am 
,27.  um  3  Uhr  früh  von  Opocno  gegen  Skalic,  wo  es  Stellung 
«nimmt  und  eine  Avantgarde  gegen  Nachod  vorpoussirt.  Die  erste 
»Reserve -Kavallerie -Division  wird  diesem  Korps -Kommando  unter- 
geordnet. Die  beihabende  Kavallerie  ist  zu  weitausgehenden,  jedoch 
»starken  Patrouillen,  in  Front  und  Flanken  zu  verwenden." 

Dieser  Befehl  war  kurz  nach  Mitternacht  im  Hauptquartiere 
des  sechsten  Korps  zu  Opocno  übergeben  worden.  F.-M.-Lt.  Ra  In- 
nung äuderte  daher  die  bereits  hiuausgegebene  Marsch-Disposition, 
wornach  das  Korps  am  27.  den  Marsch  auf  dem  rechten  Elbe-Ufer 
in  die  nächste  Umgebung  von  Josefstadt  hätte  antreten  sollen  und 


664 


orduete  au,  dass  die  Brigade  Rosenzweig  um  3  Uhr  früh  aufzubrechen, 
Aber  l'erncic,  Krcin,  Nahofan,  Lhota,  Spita  nach  Skalic  zu  marschiren 
und  nördlich  vom  Orte  am  rechten  Ufer  der  Aupa,  Front  gegen 
Osten,  eine  Aufstellung  zu  nehmen  habe;  der  Marsch  wird  mit 
kleiner  Bagage  zurückgelegt  und  die  grosse  ist  sogleich  nach  Opocno 
zu  senden. 

Die  ziemlich  beträchtliche  Entfernung  des  Korps-Hauptquartiers 
von  der  Brigade  verursachte  eine  Verzögerung  in  der  Zustellung 
dieses  Befehls  und  somit  auch  im  Abmarsch  der  Brigade,  welche 
erst  zwischen  4  und  5  Uhr  aufbrechen  konnte.  Das  17.  Jäger- 
Bataillon  bildete  die  Avantgarde,  hierauf  folgte  das  Regiment  Nr.  55, 
dann  die  Batterie  und  an  der  Queue  das  Regiment  Deutschmeister, 
nach  Ausscheidung  der  neunten  Kompagnie,  welche  den  Train  eskor- 
tirte.  Auf  dem  Weitermarsche  in  Bohuslawitz  wurde  der  grosse  Train 
in  nordwestlicher  Richtung,  der  kleine  unter  Bedeckung  der  Arriere- 
garde  der  neunten  Kompagnie  von  Oerncic  aus  direkte  nach  Skalic 
dirigirt.  Bis  Cerncic  wurde  in  raschem  Tempo  marschirt,  hier  eine 
kurze  Rast  gehalten,  und  da  man  die  Nachricht  erhielt,  dass  die 
Preussen  das  Plateau  der  Branka-Höhe  bereits  besetzt  hätten,  die 
Gewehre  geladen  und  dann  der  Marsch  fortgesetzt. 

Ks  war  gegen  '/29  Uhr  als  die  ersten  Kanonenschüsse  aus  der 
Gegend  von  Wrchonim  ertönten;  die  Brigade  Hertwek,  welche  den 
rechten  Flügel  des  Korps  bildete,  war  bereits  im  Gefecht.  In  allen 
Ortschaften,  welche  das  Regiment  passirte,  standen  Schaaren  von 
geflüchteten  Landleuten,  welche  mit  ihren  Wagen,  Geräthschaften  und 
Vieh  fast  die  Strassen  verstopfton. 

F.-M.-Lt,  Ramming  sendete  der  Brigade  den  Befehl,  nicht 
nach  Skalic,  sondern  nach  Kleny  zu  marschiren;  um  8%  Uhr  über- 
stieg dieselbe  das  Plateau  östlich  Dombravicz  und  war  somit  im 
Angesichte  des  Feindes. 

Nachdem  der  Angriff  des  ersten  Treffens  der  Brigade  Hertwek 
vom  Feinde  zurückgewiesen  worden,  forderte  der  Brigadier  den 
Obersten  Jonak  zur  Unterstützung  auf,  welcher  mit  seiner  Brigade 
um  9  Uhr  bei  Domkow  eingetroffen  war,  nun  sofort  gegen  Sonov 
vorrückte  und  als  er  dieses  erreicht  hatte,  sich  zum  Angriffe  vor- 
bereitete. 

Die  Brigade  Rosenzweig,  beinahe  gleichzeitig  mit  der  Brigade 
Jonak  bei  Domkow  angelangt,  schlug  ebenfalls  die  Richtung  gegen 


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665 


den  Kampfplatz  ein  und  stellte  sich  unter  den  Augen  des  nach  dem 
Kampffelde  vorgeeilten  Korps  -  Kommandanten,  konzentrirt  östlich 
von  Prowodow  auf.  Nur  das  17.  Jäger  -  Bataillon  unter  Oberst- 
lieutenant Kr  zisch,  welches  als  Avantgarde  der  Brigade  schon  die 
Hauptstrasse  bei  Kleny  erreicht  und  sich  von  dort  gegen  die  Höhen 
gewandt  hatte,  war  bereits  gegen  das  nördlich  Wenzelsberg  liegende 
Wäldchen  vorgegangen,  so  zwar,  dass  dasselbe  ziemlich  gleichzeitig 
mit  der  Brigade  Jonak  zum  Angriffe  schritt. 

Der  Aufmarsch  der  Brigade  erfolgte:  im  ersten  Treffen  das 
Regiment  Nr.  55 ;  im  zweiten  Treffen  das  Regiment  Deutschmeister, 
dessen  rechter  Flflgel  das  dritte  Bataillon  unter  Hauptmann  Franz 
Schwarz,  neunte  Division  Hauptmann  Sebastian  Roraanek,  achte 
Moriz  v.  Barisani,  siebente  Eduard  Meisl;  Centrum,  erstes 
Bataillon  unter  Major  Gustav  Baron  Schweikhardt,  zweite 
Division  Hauptmann  Franz  Gaipl,  erste  Anton  Triulzi,  dritte 
Anton  v.  Chitry;  linker  Flügel  zweites  Bataillon  unter  Oberst- 
lieutenant Anton  Carmagnola,  vierte  Division  Hauptmann  Bo- 
guslav  v.  Kröger,  sechste  Karl  Saxinger,  fünfte  nur  die  zehnte 
Kompagnie  unter  Hauptmann  Thomas  Neubauer.  Die  neunte 
Kompagnie  Hauptmann  Josef  Selig  auf  Trainbedeckung  bei  Skalic. 

Die  Batterie  nahm  ihre  erste  Position  hinter  Sonov  am  rechten 
Flügel  der  Brigade,  am  Kamme  der  südlich  gelegenen  Anhöhe  und 
begann  ihr  Feuer  auf  die  vor  und  zunächst  des  Jägerhauses  auf- 
marschirten  feindlichen  Bataillons,  später  auf  die  westlich  der 
Wenzelskapelle  gelegene  Waldparzelle. 

Die  Brigade  Jonak  leitete  den  Angriff  ein,  indem  sie  vom 
Sonower-  Maierhofe  die  Höhen  erstieg  und  die  Richtung  gegen  die 
Wenzelskapelle  nahm.  Während  der  Vorrückung  dieser  Brigade 
wurde  dem  17.  Jäger- Bataillon,  welches,  wie  bereits  gesagt,  im 
Vormarsche  gegen  das  Wäldchen  begriffen  war,  die  Annahme  einer 
mehr  östlichen  Direktion  befohlen,  um  die  vorrückenden  Truppen 
von  dem  belästigenden  Feuer  aus  dem  Wäldchen  zu  befreien  und 
die  feindlichen  Abtheilungen  von  dort  zu  vertreiben.  Die  braven 
Jäger  drangen  sonach  an  der  Nordwestspitze  des  Wäldchens  ein, 
kamen  dadurch  den  Preussen  in  den  Rücken  und  zwangen  sie  zum 
Rückzüge. 

Das  Gros  der  Brigade  liosenzweig  war  mittlerweile  mit  klingen- 
dem Spiele  (die  Musikbande  von  Deutschmeister  spielte  den  Radetzky- 


» 


Üt>6  1866. 

Marsch  so  lange,  bis  einige  Musiker  verwundet  wurden)  gegen  die 
Südspitze  des  Waldchens  vormarschirt.  Dieser  Marsch  war  bei  der 
sehr  schwülen  Temperatur  durch  die  hohen  Kornfelder  und  den 
steil*  u  Bergrücken  hinan  sehr  erschöpfend,  doch  blieben  die  Divi- 
sionen, welche  hiebei  mehrere  Todte  und  Verwundete  zahlten,  fest 
wie  am  Exerzierplatze  geschlossen.  Da  Oberst  Jonak  eine  Unter- 
stützung seines  linken  Flügels  verlangte,  wurden  vom  General 
v.  Rosenzweig  die  beiden  Batailloue  von  Nr.  55  —  das  dritte  war 
als  Geschützbedeckuug  zurückgeblieben  —  beordert,  von  der  West- 
seite in  das  Wäldchen  zu  rücken.  Das  Regiment  Deutschmeister 
hielt  einige  Zeit  ausserhalb  des  Wäldchens  an  der  südwestlichen 
Spitze  desselben,  wo  auch  inzwischen  die  Batterie  aufgefahren  war, 
ging  aber  dann,  eine  Frontveränderung  rechts  ausführend,  gleichfalls 
vor  und  zwar  mit  dem  dritten  und  zweiten  Bataillon  in  der  Richtung 
über  die  Kapelle  und  mit  dem  ersten  durch  das  Wäldchen ;  letzteres 
Bataillon  brach  beiläufig  in  der  Mitte  der  Südlisiere  wieder  heraus 
und  schloss  sich  als  linker  Flügel  an  das  Regiment,  welches  durch 
diese  Vorrückung  die  noch  an  der  Kirsch -Allee  (beim  Gehölz) 
stehenden  zwei  feindlichen  Halb  -  Bataillons  des  Oberstlieutenants 
v.  Eberstein  trotz  ihres  mörderischen  Schnellfeuers,  welches  viele 
Leute  niederstreckte,  zum  Rückzüge  zwang  und  selbst  bis  ungefähr 
an  diese  Allee  vordrang.  F.-M.-Lt.  Ramraing  besorgt,  das  Re- 
giment Deutschmeister  würde,  von  Kampfesmuth  hingerissen,  sich 
zu  sehr  engagireu,  sandte  um  diese  Zeit  dem  Brigadier  den  Befehl, 
die  Verfolgung  nicht  zu  weit  auszudehnen. 

Obgleich  durch  das  lauge  beschwerliche  Bergsteigen  im  scharfen 
Marschtempo  bei  drückendster  Mittagshitze  bereits  der  äusserste 
Grad  der  Erschöpfung  eingetreten  war  und  das  Regiment  bereits 
den  Verlust  der  gebliebenen  tapferen  Lieutenants  Emil  Clodi  und 
Friedrich  Ritter  v.  Hauer,  dann  mindestens  15  Mann  per  Division 
erlitten  hatte,  war  doch  alles  von  Kampflust  beseelt  und  in  bester 
Ordnung. 

Der  Feind  zog  sich  nach  Verlassen  des  Waldes  hinter  die 
Brankaschlucht  zurück;  auch  die  feindlichen  Abtheilungen  bei  der 
Unterföisterei  und  Sochors,  deren  Rückzug  durch  das  siegreiche 
Vordringen  des  Regiments  und  der  Brigade  Jonak  auf  das  Aeusserste 
bedroht  war,  zogen  sich  ebenfalls  nach  dem  Branka- Walde  zurück 
und  nahmen  an  der  Neustädter  -  Strasse  Stellung.  Das  feindliche 


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1*4}<5. 


667 


8.  Dragoner-  und  1.  Uhlanen  -  Regiment  waren  um  dieselbe  Zeit 
auf  dem  Plateau  bei  Wisokow  von  der  Kavallerie  -  Brigade  Prinz 
Solms  angegriffen  und  nach  heissem  Kampfe  zurückgeworfen  worden. 

Es  war  12  Uhr  mittags,  bisher  war  alles  gut  gegangen;  die 
Truppen  des  sechsten  Korps  waren  auf  allen  Punkten  des  rechten 
Flügels  vollständig  Sieger;  die  Brigaden  Jonak  und  Bosenzweig 
hatten  den  Feind  entschieden  geworfen  und  sich  zu  Herren  des 
Plateaus  südlich  von  Wisokow  gemacht. 

Gleich  nach  dem  Kavalleriekampfe  war  die  Tete  der  preussischen 
10.  Division  auf  dem  Kampfplatze  eingetroffen  und  deren  ersten 
Bataillone  erschienen  schon  südlich  der  Chaussee,  als  sich  die 
preussische  Kavallerie  nach  dem  Kampfe  in  der  Nähe  derselben 
rallirte. 

Um  diese  Zeit  versuchten  die  am  nordöstlichen  Saume  des 
Wäldchens  angelangten  österreichischen  Bataillons  des  Regiments 
Nr.  20  und  andere  ebendahin  vorgegangene  Abtheilungen  des 
25.  Jäger  -Bataillons  und  des  Regiments  Nr.  41  gegen  den  grossen, 
von  der  feindlichen  Infanterie  besetzten  Wald  an  der  Neüstädter- 
Strasse  vorzudringen  und  traten  aus  dem  Wäldchen  auf  den  offenen 
Raum,  der  sie  von  der  feindlichen  Aulstellung  trennte.  Auch  das 
17.  Jäger- Bataillon  war  bei  dieser  Vorrückung  gefolgt  und  gelangte, 
gleich  allen  übrigen  genannten  Abtheilungen,  in  das  heftigste  Klein- 
gewehrfeuer  der  in  der  Mulde  an  der  Chaussee  und  längs  des  Wald- 
saumes gedeckt  stehenden  fünf  bis  sechs  feindlichon  Halb-Bataillons. 
Da  sich  in  demselben  Augenblicke  auch  feindliche  Kavallerie  zeigte, 
formirten  diese  Truppen  Klumpen  und  zwangen  dieselbe,  sich  mit 
empfindlichen  Verlusten  zurückzuziehen.  Das  nun  erneuert  beginnende 
feindliche  Infanteriefeuer  nöthigte  die  vorgegangenen  Abteilungen, 
den  Angriff  aufzugeben  und  zurück  zu  gehen. 

Während  der  linke  Flügel  diese  Rückwärtsbeweguug  antrat, 
war  das  Regiment  Nr.  55  und  auch  Deutschmeister  vorgebrochen. 
Der  Lärm,  den  der  feindliche  Kavallerie  -  Angriff  in  der  vordersten 
Linie  verursachte,  dann  das  Erscheinen  einer  anderen  feindlichen 
Kavallerie  -  Abtheilung  auf  der  Neustädter  -  Strasse  veranlasste  hier 
ebenfalls  die  Formation  der  Quarrees.  Die  feindliche  Kavallerie  stand 
jedoch  vom  Angriffe  ab  und  die  beiden  Regimenter  rückten  gegen 
die  Neustädter  -  Strasse  vor.  Dort  von  der  im  Walde  gedeckt 
postirten  feindlichen  Infanterie  mit  heftigem  Schnellfeuer  empfangen, 


668 


IHM. 


gelang  es  ihnen  nicht,  die  Strasse  zu  erreichen,  sondern  mussten 
sich  auf  Wenzelsberg  zurückziehen. 

Das  Regiment  Deutschmeister  war  beim  Beginn  der  vor- 
beschriebenen  Gefechts  -  Momente  in  Divisionskolonnen  mit  vor- 
gesendeten Plänklern  im  feindlichen  Feuer  ohne  zu  stocken  vor- 
gerückt. Letztere  mussten  endlich  bis  auf  eine  halbe  Kompagnie 
verstärkt  werden,  so  furchtbar  wüthete  das  feindliche  Feuer  unter 
denselben.  Die  Quartes  und  Klumpen  wurden  mit  aller  Ordnung 
formirt  und  ein  kühner,  feindlicher  Offizier,  welcher  seiner  Truppe 
vorausattaquirte,  todt  vom  Pferde  geschossen.  Als  hierauf  die  Ka- 
vallerie verschwand  und  die  Kolonnen  formirt  waren,  setzten  sich 
dieselben  ohne  zu  zaudern  in  Bewegung.  Jeder  einzelne  Mann  fühlte, 
dass  er  dem  sicheren  Tod  entgegen  gehe,  aber  auch  nicht  einer 
verlor  den  Muth.  Schon  in  der  Stellung  der  Quarrees  blieb  der  Boden 
mit  Todten  und  Verwundeten  dicht  besät,  trotz  all1  dem  hörte  man 
nur  den  Ruf  »vorwärts!*  aus  den  Reihen  der  braven  Soldaten.  Ja 
einzelne  stürmten  mit  gefälltem  Bajonnet  todesmuthig  kühn  voraus 
gegen  die  feindliche  Stellung,  die  wie  ein  feuerspeiender  Krater  die 
Geschosse  in  die  Reihen  schleuderte,  so  dass  die  Offiziere  ihnen 
zurufen  mussten  „wollt  ihr  denn  allein  gegen  Bataillone  stürmen!* 
Furchtbar  wüthete  auf  diese  Art  das  feindliche  Feuer  und  doch 
rückten  die  Kolonnen  noch  immer  vorwärts. 

In  dieser  kurzen  Spanne  Zeit  hatte  der  Tod  fürchterliche 
Ernte  im  Regiment  gehalten:  Oberst  Peinlich,  welcher  stets  an 
den  gefährlichen  Stellen  als  ein  schönes  Beispiel  der  Aufopferung 
und  Tapferkeit  vorleuchtete,  erhielt  einen  Schuss  in  die  Hüfte, 
während  gleichzeitig  sein  Pferd  todt  zusammenstürzte;  nach  einem 
schnell  angelegten  Noth verbände  war  der  wackere  Oberst  auf  dem 
Pferde  des  Adjutanten  wieder  an  der  Spitze  des  Regiments.  Oberst- 
lieutenant Carmagnola  sank  schwer  verwundet  vom  Pferde,  ebenso 
Major  Baron  Schweikhardt.  Letzterer  kam  nur  zögernd  dem 
Andringen  der  Offiziere  nach,  sich  auf  den  Verbandplatz  bringen  zu 
lassen,  in  diesem  Momente  traf  ihn  ein  zweiter  Schuss,  der  diesen 
Helden  todt  niederstreckte;  ebenso  blieben  Hauptmann  Gaipl  und 
Neubauer  todt  auf  dem  Felde  der  Ehre.  Dem  Hauptmann  Schwarz, 
Kommandant  des  dritten  Bataillons  und  S  a  x  i  n  g  e  r  wurden  die 
Pferde  unter  dem  Leibe  erschossen,  viele  von  der  Mannschaft  blieben 
todt,  eine  grosse  Anzahl,  dabei  auch  viele  Offiziere,  wurden  ver- 


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IHM. 


G69 


wundet.  Das  Regiment  hatte  somit  alle  Stabsoffiziere  verloren. 
Erwägt  man  die  Situation,  in  welcher  sich  die  Regiments -Abthei- 
lungen in  diesem  kritischen  Momente  befanden,  so  ist  es  ein- 
leuchtend, dass  ein  ferneres  Darauflosgehen  in  diesem  mörderischen 
Schnellfeuer  nur  die  unnütze  Aufreibung  des  Regiments  herbei- 
geführt haben  mflsste.  In  der  rechten  Flanke  und  den  Hohlweg 
enfilirend  stand  das  zweite  Bataillon  dos  feindlichen  37.  Regiments, 
direkte  in  der  Flanke,  ja  sogar  im  Rücken  war  die  zweite  und 
dritte  Kompagnie  des  58.  Regiments.  Diese  beiden  feindlichen 
Abtheilungen  wehrten  sich  mit  dem  Mnthe  der  Verzweiflung  in  der 
höchsten  Gefahr,  durch  das  Regiment  abgeschnitten  und  gefangen 
zu  werden.  Die  linke  Flanke  bedrohten  .Tilger  des  fünften  Bataillons 
und  Abtheilungen  des  37.  und  58.  Regiments ;  auch  war  es  im 
letzten  Momente  der  zehnten  feindlichen  Division  gelungen,  sich 
auf  der  mit  Fuhrwerken  arg  verstopften  Strasse  Bahn  zu  brechen 
und  mit  13  frischen  Halb  -  Bataillons  der  in  das  Wäldchen  zurück- 
gegangenen Brigade  .Tonak  zu  folgen.  Das  Regiment  stand  allein, 
ohne  Unterstützung  und  ohne  günstige  Rückzugsstellung,  da  die 
Brigade  Waldstätten  mittlerweile  auch  in  die  erste  Gefechtslinie 
gegen  Wysokow  gerückt  war. 

Iu  diesem  Momente,  ungefähr  3  Uhr  nachmittag,  deckte  das 
erste  Bataillon  die  linke  Flanke  offensiv  mit  der  Fronte  fast  nörd- 
lich gegen  die  Branka,  das  zweite  Bataillon  stand  im  Centrum, 
zunächst  der  Wiese  am  Plateau  mit  der  Front  gegen  das  Wegkreuz 
von  Bracec  und  das  dritte  Bataillon  mit  einer  Division  im  Hohlwege 
von  Bracec,  einer  an  dessen  Lehne,  während  die  dritte  den  Rand 
behauptete.  Der  tiefe  Weg  von  der  evangelischen  Kirche  gegen  die 
Altstädter -Strasse,  war  mit  Todten  und  Verwundeten  so  angefüllt, 
dass  er  nicht  zu  passiren  war. 

In  dieser  Stellung  blieb  das  Regiment  fast  dreiviertel  Stunden 
im  heftigsten  Kampfe,  als  der  Befehl  zum  Rückzüge  erfolgte,  welchen 
das  erste  Bataillon  decken  sollte.  Das  ganze  Regiment,  in  dessen 
Gliedern  die  wirkliche  Lage  weniger  aufgefasst  wurde,  hatte  trotz 
seiner  Verluste  und  Ermüdung  jeden  Augenblick  erwartet,  zum  ent- 
scheidenden Sturme  gefuhrt  zu  werden,  —  die  Ungeduld  in  den 
Reihen  war  sichtlich,  umsomehr  war  es  enttäuscht  als  der  Befehl 
zum  Rückzug  erscholl,  welcher  nun  bedeutenden  Schwierigkeiten 
unterlag,  da  sich  die  Situation  durch  das  Vordringen  der  13  feind- 


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670 


liehen  Halb  -  Bataillons  wesentlich  verschlimmert  hatte.  Es  gab  nur 
mehr  den  Rückzug  nach  Bracec  -  Sonov,  aber  trotz  seiner  Gefährlich- 
keit wurde  er  mit  staunenswerther  Präzision  ausgefflhrt.  Die  Kom- 
mandanten des  zweiten  und  dritten  Bataillons  suchten  vor  allem  die 
Schlucht  zu  gewinnen,  fanden  aber  dieselbe  vollgepfropft  mit  Todten 
und  Verwundeten,  auch  feuerte  nun  der  langsam  nachrückende  Feind 
in  dieselbe  und  lichtete  im  vollen  Sinne  des  Wortes  ein  Blutbad  an. 
Wie  erschöpft  die  Leute  waren,  zeigte  hier  der  Umstand,  dass  sich 
dieselben  um  eine  kleine  schmutzige  blutgedrängte  Lacke  im  heftigsten 
feindlichen  Feuer  drängten,  um  den  brennenden  Durst  zu  löschen. 
Es  war  ein  Momeut  der  Verzweiflung.  Die  Offiziere  hatten  alle 
Mühe,  um  dio  Mannschaft  aus  diesem  Mcnschenknäuel  fortzubringen 
und  den  Berg  hinabzuführen. 

Das  erste  Bataillon,  welches  nun  Hauptmann  Triulzi  kom- 
mandirte,  mit  der  dritten  Division  als  letzte  Arrieregarde,  wich 
Schritt  für  Schritt,  fechtend  längs  den  Obstgärten  des  Wenzelsberges 
gegen  don  Weg  von  Sonov  zurück ;  mit  ihr  verliess  auch  die  Batterie 
ihre  Position,  welche  bis  zum  letzten  Augenblicke  dio  Bewegung 
kraftigst  unterstützt  hatte. 

Hauptmann  v.  Krüger  war  mit  der  vierten  Division  aus 
der  Schlucht  hinter  dem  Wenzelsberge  rasch  zu  dem  Wäldchen 
geeilt,  hatte  dort  die  zurückkehrenden  Leute  gesammelt  und  eine 
sehr  gute  Position  bezogen,  um  durch  einen  kräftigen  Offensivstoss 
den  Gegnor  an  dem  Debouchiren  ans  dem  Orte  zu  hindern,  bis 
das  Regiment  eine  neue  Stellung  bezogen  habe.  Ein  feindlicher  be- 
rittener Offizier,  welcher  rekognosziren  wollte,  wurde  todt  vom 
Pferde  geschossen,  und  nachdem  das  zweite  und  dritte  Bataillon 
sich  hinter  dem  Bache  von  Sonov  aufgestellt  und  das  erste  Bataillon 
den  Maierhof  besetzt  hatte,  rückte  auch  die  vierte  Division  ein. 

In  dieser  Stellung,  mit  einigen  Pänklern  vor  der  Front,  wurden 
nun  die  Abtheilungen  geordnet  und  die  Rückkunft  einzelner  Plänkler 
erwartet,  welche  im  Feuergefecht  das  Signal  nicht  gehört  hatten. 
Der  Feind  folgte  ihnen  in  geschlossenen  Abtheilungen  sehr  vorsichtig 
und  ohne  Kampf  nur  bis  zum  Fusse  der  Höhen,  so  dass  noch  viele 
einrückten,  während  das  Feuer  ganz  verstummte. 

Der  Brigadier  G.-M.  von  Rosenzweig  ordnete  nun  eine 
neue  Vorrückung  an,  um  den  Feind  vom  Verfolgen  abzuhalten 
und   zurückzuwerfen.    Nachdem  aber  der  Angriff  auf  Wysokow 


♦ 


ISO«. 


071 


durch  die  Brigade  Waldstatten  auch  nicht  das  gewünschte  Resultat 
erzielt  hatte  und  die  Erfolglosigkeit  dieser  Unternehmung  nach  der 
ganzen  Gefechtslage  vorauszusehen  war,  so  wurden  die  sich  bereits 
in  Bewegung  gesetzten  und  auf  die  ersten  Höhen  vorgerückten  Batail- 
lone zurückbeordert. 

Der  Korpskommandant  befahl  nach  4  Uhr  den  Rückmarsch 
des  Korps  nach  Skalic  und  liess  denselben  dnreh  drei  Batterien  der 
Geschütz- Reserve  und  die  Kavallerie  -  Brigade  G.-M.  Schindlöker 
decken.  Der  Feind  vom  langen  Marsche  und  Kampf  selbst  äusserst 
erschöpft,  belästigte  den  Rückmarsch  fast  gar  nicht.  Das  Feuer 
seiner  Reserve -Artillerie,  die  mit  40  Geschützen  auf  dem  Plateau 
Stellung  nahm,  erreichte  die  retirireuden  Truppen  nicht  mehr.  Nach- 
dem das  Korps  Skalic  erreicht  hatte,  bezog  das  Regiment  ein  Lager 
vor  dem  Plateau  und  stellte  die  Vorposten  längs  der  Bahnlinie  aus; 
das  erste  Bataillon  besetzte  den  Bahnhof,  das  Gasthaus  und  alle 
zunächst  gelegenen  Gebäude  mit  dem  speziellen  Befehle,  im  Falle 
eines  Angriffes  Skalic  zu  vertheidigen.  In  dieser  Stellung,  Angesichts 
des  Feindes  wurde  abgekocht  und  hiezu  die  Geschirre  aus  Skalic 
requirirt,  da  das  Regiment  während  dem  Kampfe  am  Wenzelsberge 
wegen  der  grossen  Hitze  die  Tornister  abgelegt  und,  weil  man  an 
dieselbe  Stelle  nicht  mehr  zurückkam,  auch  sammt  den  Kochkesseln 
und  Essschalen  verloren  hatte,  ein  Umstand,  der  sich  dann  während 
dem  weiteren  Feldzuge  sehr  fühlbar  machte. 

Die  Verluste  des  Regiments  in  dem  Treffen  bei  Nachod  am 
27.  Juni  waren  sehr  bedeutend.  Todt:  Oberstlieutenant  Anton  Car- 
magnola,  Major  Gustav  Baron  Sch weickhardt,  Hauptmann 
Thomas  Neubauer,  Franz  Gaipl,  Oberlieutenant  Alois  P ro- 
ch aska,  Martin  Deveranne,  Lieutenant  Emil  Clodi,  Friedrich 
Ritter  v.  Hauer,  Anton  Malocsay,  Ferdinand  Prinz  Salm- 
Reifferscheid  und  37  Manu  vom  Feldwebel  abwärts;  verwundet: 
Oberst  Wilhelm  Peinlich,  Hauptmann  Anton  Rössler,  Ober- 
lieutenant Mathias  Hohcnsinn  und  Johann  Bruckmüller, 
Lieutenant  Eduard  Schmidt,  Josef  Kollowitsch,  Georg  Schubert, 
Arthur  Baron  Sommaruga  und  118  Mann,  dazu  verwundet 
gefangen,  die  auf  dem  Schlachtfelde  liegen  blieben,  62  Mann,  un- 
verwundet gefangen  68  und  vermisst  123  Mann  vom  Feldwebel 
abwärts.  Die  Vermissten  waren  bis  zum  Monate  Mai  1868  nicht 
zu  eruiren  und  können  daher  zu  den  Todten  gezählt  werden, 


072 


IHM. 


Die  Fahnenstange  des  dritten  Bataillons  erhielt  beim  Vorgehen 
gegen  Bracec  einen  Gewehrschuss,  in  Folge  dessen  dieselbe  entzwei 
brach,  wurde  jedoch  vom  Fahnenführer  Qiratschek  im  Gefechte 
so  weit  reparirt,  nämlich  die  Stflcke  zusammengebunden,  dass  sie 
getragen  werdeu  konnte.  In  dem  preussischen  Armee  -  Bulletin 
Sr.  königl.  Hoheit  Friedrich  Wilhelm  Kronprinz  von  Preussen 
kam  die  irrige  Bemerkung  vor:  „die  Fahne  des  dritten  Bataillons 
Deutschmeister  fiel  dabei  in  unsere  Hände*,  welche  später  von 
preussischer  Seite  natürlich  dahin  berichtigt  wurde,  dass  jene  Fahne 
nicht  dem  Regiment  Deutschmeister,  sondern  Nr.  20  gehört  habe. 
Während  des  kurzen  Aufenthaltes  des  Regimentes  nach  dem  Feld- 
zuge zu  Wien  wurden  die  Stangentheile  durch  einen  Metall-Oy  linder 
verbunden  und  an  der  Stelle  des  Bruches  eine  Platte  mit  der  Auf- 
schrift angebracht  .Durchschossen  im  Gefechte  bei  Nachod  beim 
Sturme  auf  Waclawicc  am  27.  Juni  18G6.« 

Der  Korps- Kommandant  F.-M.-Lt,  Baron  Hamming  sagt 
in  seiner  Relation  über  das  Regiment:  „Dem  Regimente  Deutsch- 
meister Nr.  4,  unter  Führung  des  Herrn  Obersten  Peinlich, 
„wurde  die  Aufgabe  zu  Theil,  den  Sturm  gegen  Kirche  und  Plateau 
„von  Wenzelsberg  zu  unternehmen,  welcher  vollkommen  glückte; 
„sogleich  wurde  die  Kirche  und  deren  Umfassungsmauer  zur  Ver- 
teidigung hergerichtet,  von  einem  Theile  des  Regiments  Deutsch- 
meister besetzt,  während  der  übrige  Theil  des  Regiments  auf  dem 
„Plateau  Stellung  nahm  und  den  Feind  mit  Plänkleru  verfolgte.  Bei 
„diesem  Sturme  litten  die  Truppen  durch  das  Kleingewehrfeuer 
„beträchtliche  Verluste,  dennoch  wurde  die  Ordnung  aufrecht  erhalten 
„und  die  Verbindung  mit  den  uebeustehenden  Truppen  bewirkt." 
Und  dann  zum  Schlüsse:  „Sämmtliche  Truppen  des  sechsten  Armee- 
„korps  sind  mit  grösster  Bravour  in  den  Kampf  gegaugen.  Das 
„grösste  Lob  gebührt  in  dieser  Beziehung  der  Artillerie.  Nicht 
„minder  ausgezeichnet  haben  sämmtliche  Fusstruppen  des  Korps 
„gefochten." 

In  diesem  Treffen  haben  sich  besonders  ausgezeichnet: 
Vor  Allen  ist  es  Pflicht  der  Regimentsgeschichte,  die  hervor- 
ragende Tapferkeit,  Umsicht  und  Entschlossenheit  des  Brigadiers 
G.-M.  Rosenzweig  v.  Drau  wehr  aufzuführen.  Das  Regiment, 
sowie  die  ganze  Brigade  erfüllte  ein  Ruf  der  Dankbarkeit  und  An- 
erkennung des  Muthes  ihres  Führers  im  festen  Vertrauen  auf  seine 


186«. 


673 


Massnahmen.  Vom  Beginn  bis  zum  Ende  der  Aktion  sah  ihn  das 
Regiment  im  verheerendsten  Kugelregen,  theils  in  den  Reihen  der 
Plankler  und  immer  an  den  gefährlichsten  Punkten  mit  der  grössten 
Ruhe  und  Kaltblütigkeit  die  Befehle  ertheilen  und  zum  Schlüsse 
nur  schwer  die  Versuche  aufgeben,  die  durch  die  Ungunst  der  Ver- 
hältnisse kein  Resultat  mehr  erreichen  konnten.  Die  Uniform  des 
verehrten  Generals  wurde  von  Kugeln  durchlöchert,  wiederholt  rissen 
feindliche  Geschosse  Federn  aus  dem  Federbusch,  doch  blieb  er  zur 
allgemeinen  Freude  unversehrt. 

Führer  K n c h t a  und  Gefreiter  Josef  Morhammer  zeichneten 
sich  durch  kühnes  Vorgehen  und  Aneiferung  der  übrigen  vortheilhaft 
aus.  Korporal  Rudolf  Ritter  v.  Gyra,  welcher  sich  in  demselben 
Zuge  befand,  übersprang  der  Erste  eine  vom  Feinde  hartnäckig  ver- 
theidigte  Hecke  zunächst  der  Wenzels- Kapelle ;  ihm  folgten  die 
Uebrigen  und  er  hatte  die  Genugthuung,  die  Feiude  eine  weite 
Strecke  zurückgedrängt  zu  haben.  Gefreiter  Anton  Brenner  übte 
einen  vorzüglichen  EinÜuss  auf  seine  Kameraden,  durch  seine  mit 
Wienerischem  Humor  gewürzten  Aneiferungcn.  Der  nicht  combattante 
Kompagnie  -  Schuster  Josef  H  o  1  z  i  n  g  e  r  ergriff  das  Gewehr  eines 
Gefallenen,  trat  in  die  Reihen  und  verrichtete  mit  Bravour  den  Dienst 
des  streitbaren  Mannes.  Hornist  Anton  W  a  d  1  hatte  eben  das  Gewehr 
eines  Gefalleneu  ergriffen,  als  das  Quarree  -  Signal  erfolgte.  Ein 
feindlicher  ReiterofHzier  hatte  sich  genähert,  um  vor  der  Attaque  zu 
rekognoszieren,  diesen  nahm  er  sofort  aufs  Korn  und  schoss  ihn 
todt  vom  Pferde,  worauf  die  hinter  dem  Offiziere  nachrückende 
Abtheilung  sogleich  umkehrte.  Feldwebel  Johann  Zimmermann 
hatte  im  Getöse  das  Rückzugs  -  Signal  überhört  und  suchte  nun  mit 
seinen  Leuten  die  Truppe  zu  erreichen.  Bei  dieser  Gelegenheit  sali 
er  Plänkler  des  Regiments  so  arg  vom  Feinde  bedrängt,  dass  für 
sie  die  höchste  Gefahr  vorhanden  war,  abgeschnitten  und  gefangen 
zu  werden.  Schnell  warf  er  sich  mit  seinen  Leuten  den  Feinden  in 
die  Flanke,  wodurch  jene  Plänkler  Zeit  gewannen,  sich  zu  sammeln 
und  mit  ihm  vereint  die  Feinde  zurückzuwerfen  und  von  der  Ver- 
folgung abzuhalten.  Tambour  Schirm  er  schoss  einen  höheren 
feindlichen  Offizier  nächst  der  Wenzels  -  Kapelle  vom  Pferde,  auch 
Zimmermann  Wunder  ergriff  das  Gewehr  eines  Gefallenen  und 
feuerte  fleissig  in  der  Plänklerlinie.  Bataillons  -  Hornist  Hallaba 
blieb,  obgleich  verwundet,  in  den  Reihen  und  war  eifrigst  bemüht, 

43 


G74 


die  Leute  anzueifern.  Korporal  Pioringer  und  Gemeiner  Slaraa 
waren  ebenfalls  verwundet  und  konnten  nicht  bewogen  werden,  aus 
dem  Gefechte  zu  gehen.  Kadet  -  Feldwebel  Levasseur,  obwohl 
krank,  hielt  sich  mit  aller  Aufopferung  aufrecht  und  belebte  seine 
Mannschaft  durch  Wort  und  Beispiel ;  dieser  Brave  fand  bei  König- 
grätz  den  Ehrentod  auf  dem  Schlachtfelde.  Feldwebel  Ludwig 
Föderl  erschoss  einen  feindlichen  Offizier  an  der  Spitze  seiner 
Truppe  und  erhielt  die  silberne  Tapferkeit«  -  Medaille  zweiter  Klasse. 
Korporal  Jakob  Berger  zeichnete  sich  durch  besonderes  muthvolles 
Benehmen  ans.  Führer  Qua-Feldwebel  Wolfgang  Marktbereiter  gab 
die  vorzflglichsten  Beweise  seiner  Tapferkeit  und  Geistesgegenwart. 
Als  Kommandant  der  vordersten  im  Vorrücken  begriffenen  Abtheilung 
sah  derselbe  plötzlich  die  Flanke  der  Schwannkette  durch  eine  feind- 
liche Abtheilung  bedroht.  Schnell  besonnen,  Inste  er  seine  Ab- 
theilung in  Schwärme  auf  und  trieb  den  Feind  durch  einen  kühnen 
Angriff  zurück;  Führer  Franz  Pillwein,  Gefreiter  Johann  Tullner 
und  Alois  II  s  k  a  r  n  i  t  h  standen  ihm  hiebei  herzhaft  zur  Seite  und 
letzterer  hatte  überdicss  wiederholt  seinen  Hauptmann  gebeten,  zum 
Sturme  geführt  zu  werden;  der  tapfere  Felwebel  Marktbereiter 
erhielt  die  silberne  Tapferkeits- Medaille  erster  Klasse. 

Gefreiter  Johann  Hoff  mann  hatte  sich  beim  Vormarsche  auf 
den  Wenzelsberg  durch  seine  Kühnheit  besonders  bemerkbar  gemacht. 
Jede  Deckung  verschmähend,  der  ganzen  Kette  voraus,  immer 
urwüchsige  Wiener  Witze  im  Munde,  war  er  für  seine  Abtheilung 
das  belebende  Element  und  gab  durch  sein  kühnes  Drauflosgehen 
gegen  jene  Gegend,  von  wo  das  heftigste  Feuer  auf  ihn  gerichtet 
war,  das  schönste  Beispiel  muthiger  Todesverachtung.  Dieser  Kühne 
erhielt  die  silberne  Tapferkeits -Medaille  zweiter  Klasse. 

Feldwebel  Martin  Koch  trug  den  schwerverwundeten  Lieute- 
nant Baron  Soramaruga  auf  seinen  Armen  aus  dem  Gefechte,  erhielt 
dabei  einen  Prellschuss,  kehrte  aber  doch  augenblicklich  wieder  in 
das  Gefecht  zurück,  wo  er  auf  das  Eifrigste  seine  Leute  aneiferte  und 
die  besten  Dienste  leistete ;  erhielt  die  silberne  Tapferkeits  -  Medaille 
zweiter  Klasse. 

Führer  Georg  Stiefel  und  Gefreiter  Johann  Hamböck, 
standen  zunächst  des  Oberstlieuteuant  Carmagnola,  als  dieser 
tödtlich  getroffen,  vom  Pferde  fiel  und  nun  der  Gefahr  ausgesetzt 
war,  in  Gefangenschaft  zu  gerathen.  Schnell  hoben  diese  Braven  den 


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lfm. 


675 


Oberstlieutenant  von  der  Erde  auf  und  trugen  ihn  zurück,  wobei 
Führer  Stiefel  ebenfalls  verwundet  wurde;  für  diese  edle  Selbst- 
aufopferung erhielten  diese  Braven  jeder  die  silberne  Tapferkeits- 
Medaille  zweiter  Klasse. 

Führer  Hermann  Judtmann  verliess,  obgleich  am  Kopfe 
bedenklich  verwundet,  so  dass  ihm  das  Blut  das  Gesicht  überströmte, 
nicht  einen  Augenblick  seine  Abthciluug  und  gab  ein  schönes  Bei- 
spiel der  Ausdauer.  Auch  war  seine  Thätigkeit  im  Gefechte  vom 
besten  Erfolge  begleitet;  erhielt  die  silberne  Tapferkeits -Medaille 
zweiter  Klasse.  Feldwebel  Karl  Hof  bau  er,  Gefreiter  Swatz  und 
Gemeiner  Welk  thaten  sieh  in  der  Kette  durch  ausgezeichnetes 
Schiessen  hervor;  vorzüglich  setzte  der  Feldwebel  eine  bedeutende 
Anzahl  feindlicher  Tirailleurs  ausser  Gefecht ;  er  erhielt  die  silberne 
Tapferkeits-Medaillc  zweiter  Klasse.  Ebenso  der  Kompagnie- Schuster 
Johann  Gabmayer,  welcher  mit  dem  Gewehre  eines  Gefallenen 
stets  in  den  ersten  Reihen  mit  aller  Tapferkeit  focht. 

Sämmtlichc  Stabs-  und  Oberoffiziere  haben  sieh  nach  Aus- 
spruch der  Generale  mit  Ruhm  bedeckt. 

Das  achte  Armee -Korps  erschien  um  0  Uhr  morgens  des 
28.  Juni  bei  Skalic  und  löste  das  sechste  Korps  in  seineu  Stellungen 
ab.  Die  Brigade  Schulz  übernahm  die  Position  der  Brigade  Rosen- 
zweig, worauf  letztere  um  8  Uhr  als  Arrieregarde  des  sechsten  Korps 
nach  Tfebisow  zurückraarschirte.  Der  Feind  war  gleichzeitig  mit 
bedeutenden  Kräften  von  Naehod  vorgerückt  und  griff  nnverweilt 
das  achte  Korps  bei  Skalic  an. 

Nun  erhielt  die  Brigade  Rosenzweig  den  Befehl  sich  als  letzte 
Brigade  des  sechsten  Korps,  jedoch  vor  dem  achten  Korps  zurück- 
zuziehen. Der  durch  die  feindliche  Uebermacht  herbeigeführte  Rück- 
zug des  letzteren  Korps,  sowie  die  Gefahr,  in  welcher  die  auf  der 
Strasse  zusammengedrängten  Truppen  dieses  Korps  schwebten,  über- 
zeugten den  General  Rosenzweig  von  der  Noth wendigkeit,  eine 
Stellung  in  der  Höhe  von  Trebisow  zu  beziehen,  um  so  dem  in  Aus- 
sicht stehenden  Nachdrängen  des  Feindes  Schranken  zu  setzen  und 
dem  achten  Korps  Zeit  zu  verschaffen  unbelästigt  das  vierte  Korps 
zu  erreichen. 

Das  Regiment  Deutschmeister  bildete  den  linken  Flügel  und 
besetzte  mit  zwei  Divisionen  den  ausgedehnten  Meierhof,  der  sogleich 
zur  Verteidigung  hergerichtet  wurde;  eine  Division  stand  hinter 

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G7Ö 


dem  Gebäude  als  Unterstützung.  Ein  Bataillon  besetzte  die  längs  der 
Strasse  sich  hinziehende  Höhe  und  das  dritte  wurde  rechts  der 
Strasse  aufgestellt.  Das  Regiment  kommandirte  ad  interim  Haupt- 
mann Franz  Schwarz,  das  erste  Bataillon  Hauptmann  Anton 
Triulzi,  dessen  Divisionen,  und  zwar  die  erste  Hauptmann  Karl 
Buchfclder,  zweite  Adolf  von  Einem,  dritte  Anton  von  Chitry; 
das  zweite  Bataillon  Hauptmanu  Josef  Selig,  vierte  Division  Haupt- 
mann Boguslav  Krneger,  fünfte  Oberlientenant  Wilhelm  Schroll, 
sechste  Hauptmann  Karl  Saxinger;  drittes  Bataillon  Hauptmann 
Karl  Rudda,  siebente  Division  Hauptmann  Eduard  Meisl,  achte 
Moriz  von  B  a  r  i  s  a  n  i,  neunte  Oberlieutenant  Karl  F  e  r  a  r  i ;  Brigade- 
Batterie-Bedeckung  Oberlieutenant  Alexander  Ritter  von  Friese  mit 
24  Mann.  Das  55.  Regiment  und  Jäger  -  Bataillon  stellten  sich  als 
rechter  Flügel  auf;  die  Batterie,  welcher  am  27.  ein  Geschütz  de- 
montirt  wurde,  protzte  in  der  Ebene  mit  sieben  Geschützen  in  der 
Mitte  der  Brigade  ab  und  eröffnete  unter  Kommando  ihres  Ober- 
lieutenants Eis ler  sogleich  das  Feuer  gegen  die  vor  Skalic  aufge- 
fahrenen feindlichen  Geschütze  mit  so  gutem  Erfolge,  dass  sich 
jenes  der  letzteren  bald  verminderte.  Nun  suchte  der  Feind  durch 
Verstärkung  seiner  Geschütze,  die  ein  sehr  lebhaftes  Feuer  gegen 
die  Brigade  eröffneten,  dieselbe  zum  Rückzüge  zu  zwingen,  jedoch 
umsonst,  donn  die  Bataillone  blieben  ruhig  in  ihren  Stellungen,  wo- 
durch das  achte  Korps  den  Rückzug  hinter  denselben  vollziehen 
konnte.  Das  Regiment  Nr.  8  und  die  Batterie  der  Brigade  Schulz 
schlössen  sich  an  die  Truppen  des  General  Rosenzweig  an;  ebenso 
verstärkten  später  zwei  Uhlanen-  und  ein  Kürassier  -  Regiment  den 
rechten  Flügel. 

Das  nachdrängende  feindliche  Regiment  Nr.  52  wurde  von  der 
im  Maierhofe  postirten  Division  Deutschmeister  mit  einem  lebhaften 
Gewehrfeuer  empfangen  und  zurückgewiesen.  Die  16  Geschütze  der 
Brigade  Rosenzweig,  welche  nun  eine  vorzügliche  Stellung  nördlich 
Trebisow  genommen  hatten,  hielten  den  Feind  vom  Vordringen  ab, 
steckten  einen  Theil  von  Skalic  in  Brand,  wodurch  das  Debouchiren 
der  Preussen  zum  Theil  verhindert  wurde. 

In  dieser  Stellung  verblieb  die  Brigade  bis  5  Uhr,  als  der 
Befehl  zu  ihrem  Rückzüge  anlangte.  Nachdem  die  Division  den 
Meierhof  verlassen  hatte,  suchte  der  Feind  sogleich  sich  darin  fest- 
zusetzen, wurde  aber  durch  das  Geschützfeuer  bald  wieder  hinaus- 


677 


geworfen.  Das  erste  Bataillon  Deutschmeister  bildete  die  Arrieregarde, 
und  nachdem  das  erste  Treffen  des  8.  Korps,  welches  aus  Batterien 
bestand,  passirt  war,  zog  auch  dieses  auf  der  Strasse  nach  Josef- 
stadt der  Brigade,  vom  Feinde  unbehelligt  nach,  welche  Ober  Westez, 
Billic,  Dubenec  erst  mit  grauendem  Morgen,  vollständig  erschöpft, 
Lancow  erreichte.  Die  Brigade  war  nur  mit  einem  kurzen  Auf- 
enthalte die  ganze  Nacht  marschirt. 

Der  Verlust  des  Regiments  bei  Trebisow  betrug  nur  einen 
Verwundeten  und  einen  Vermissten. 

Der  kurze  Aufenthalt  zu  Lancow  wurde  zum  Abkochen  benutzt, 
und  dann  um  5  Uhr  abends  wieder  aufgebrochen.  Der  Marsch  ging 
nach  Dubenec  und  bei  der  Kirche  dieses  Ortes  links  auf  die  Strasse 
nach  Schurz  einbiegend,  gegen  Sibojed.  Es  war  in  der  Dämmerung, 
als  das  Regiment  den  Pfarrhof  passirte,  vor  welchem  sich  der 
Armee-Kommandant  F.-Z.-M.  Ritter  Benedek  mit  seinem  Stabe 
zur  Besichtigung  der  Truppen  aufgestellt  hatte  und  Worte  des 
Muthes  und  der  Hoffnung  auf  glücklichere  Tage  an  die  vorbei- 
ziehenden Soldaten  richtete.  Sichtlich  erfreut  war  das  Regiment 
Aber  das  Erscheinen  seines  verehrten  Inhabers,  Sr.  kais.  Hoheit  des 
Herrn  Erzherzog  Wilhelm,  Höchstweicher  eine  Strecke  mit  dem- 
selben zu  marschiren,  mit  mehreren  Offizieren  zu  sprechen  und  sich 
über  den  Zustand  Seines  Regimentes  zu  erkundigen  geruhte. 

Auf  dem  Weitermarsche  wurde  das  Regiment  oftmals  durch 
andere  Regimenter  im  Ausschreiten  gehindert,  es  musste  oft  eine 
halbe  Stunde  und  auch  länger  gehalten  werden,  worüber  die  Nacht 
hereinbrach.  Während  einem  dieser  längeren  Aufenthalte  erschien 
plötzlich  eine  Kavallerie  -  Abtheilung  im  scharfen  Tempo,  die  man 
in  dem  Dunkel  der  Nacht  nicht  erkennen  konnte.  Die  Ahnung  der 
Nähe  des  Feindes  erzeugte  eine  plötzliche  Verwirrung  unter  den 
Soldaten,  welche  sich  für  überfallen  hielten;  die  Batterie  versuchte 
umzukehren,  Schüsse  fielen  von  allen  Seiten,  kurz  es  begann  in 
der  Finsterniss  ein  verhängnissvolles  Durcheinander. 

Die  Abtheilungen  des  Regiments  formirten  sich  mit  über- 
raschender Schnelligkeit  rechts  von  der  Strasse  auf  der  Höhe  in 
Bataillonsmassen.  Plänkler  rückten  vor  und  Patrouillen  von  Offizieren 
geführt,  wurden  ausgeschickt,  welche  bald  mit  der  Meldung  ruck- 
kehrten, das8  keine  Spur  vom  Feinde  zu  entdecken  sei.  Nun  ruckte 
das  Regiment  zunächst  der  Strasse  in  Gefechtsstellung  vor,  und  als 


67g 


18««. 


man  sich  überzeugt«,  dass  alles  nur  blinder  Lärm  gewesen,  wurde 
wieder  die  Kolonne  formirt  und  der  Marsch  fortgesetzt.  Trotz  dieser 
heillosen  Verwirrung  hatte  nicht  ein  Manu  in  Reih'  und  Glied 
gefehlt. 

Die  Stockungen  dieses  Marsches  waren  so  unerhört,  dass  zur 
Hinterlegung  der  kurzen  etwa  dreiviertel  Stunden  langen  Wegstrecke 
von  Dubenec  bis  Silberleit  am  Abhänge  des  Elbethales  fast  die 
ganze  Nacht  in  Anspruch  genommen  wurde.  Es  graute  bereits  der 
Morgen,  als  das  Regiment  am  Kamme  der  Höhe  anfmarschirte.  Die 
Brigade  uahm  an  den  waldigen  Abhängen  von  Silberleit  eine  Ver- 
teidigungsstellung gegen  Norden;  das  erste  Bataillon  besetzte 
Schurzleiten,  hatte  Vorposten  längs  der  Elbe  und  war  rechts  mit 
einem  Detachement  des  zweiten  Korps  nächst  Schurz  in  Verbindung ; 
nächst  diesem  Bataillon  links  bezog  das  17.  Jäger  -  Bataillon  die 
Vorposten,  hinter  welchem  das  dritte  Bataillon  des  Regiments  eine 
Verteidigungsstellung  auf  einem  äusserst  abschüssigen  steinigen 
Terrain  einnahm.  Rückwärts  des  dritten  Bataillons  auf  dem  Höhen- 
kamme stand  die  abgeprotzte  Batterie  und  hinter  dieser  das  Gros 
der  Brigade  mit  vier  Bataillons,  dabei  das  zweite  des  Regiments 
mit  dem  Stabe.  Die  ganze  Position  war  rechts  mit  der  Brigade 
Waldstättun  und  links  mit  der  Brigade  Jonak  in  Verbindung. 

Am  Morgen  des  30.  Juni,  kaum  nach  vollendeter  Aufstellung 
tönte  der  Kanonendonner  vom  linken  Flügel  aus  der  Stellung  des 
zweiten  Korps  herüber,  der  gegen  Mittag  verstummte.  Nachmittags 
war  grosse  Bewegung  im  feindlichen  Lager  bemerkbar;  man  hörte 
deutlich  das  Hurrah  -  Kufen  und  das  Spielen  der  Musiken,  mit 
welchen  die  Preussen  die  Ankunft  ihres  Königs  bei  der  Armee 
feierten.  Gegen  10  Uhr  versuchte  sich  feindliche  Kavallerie  gegen- 
über von  Schurz  zu  postiren,  die  aber  durch  einige  gute  Schüsse 
der  Brigade  -  Batterie  sehr  schnell  vertrieben  wurde.  An  diesem  Tage 
übernahm  Major  Fabrici  das  Kommando  des  Regiments,  dagegen 
Hauptmann  Schwarz  jenes  des  dritten  Bataillons. 

Die  Stellung  Josefstadt -Miletin  war  nach  dem,  was  bisher 
bei  den  einzelnen  Korps  vorgefallen  war,  nicht  mehr  zu  halten, 
daher  erliess  am  30.  Juni  der  Armee-Kommandant  die  Dispositionen 
zur  Sammlung  der  Armee  bei  Königgrätz. 

Um  11  Uhr  nachts  erhielt  die  Brigade  den  Befehl,  um  Mitter- 
nacht aufzubrechen  und  die  Lagerfeuer  zur  Täuschung  des  Feindes 


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nicht  auszulöschen.  Die  Brigade  konzentrirte  sich  am  Plateau  nächst 
Zibojed,  trat  um  1  Uhr  nachts  den  Marsch  an,  erreichte  um  2  Uhr 
nachmittags  Wsestar  und  bezog  längs  der  Strasse  Jiciu  -  Königgrätz 
ein  Bivouak.  Der  Nachmittag  des  1.  und  der  ganze  2.  Juli  war 
endlich  dem  Regiraente  nach  diesen  übennässigen  Anstrengungen 
zur  Erholung  gegönnt  und  sichtlich  wirkte  diese  auf  die  Thatkraft 
der  Leute,  welche  hier  das  erste  Mal  Wein  erhielten;  auch  war  zu 
bemerken,  dass  sich  viele  Leute  wieder  Tornister  und  Kochgeschirre 
verschafft  hatten ;  ein  Tornister  auf  der  Strasse  oder  sonst  bemerkt, 
wurde  mit  Freuden  aufgenommen  und  recht  gerue  getragen. 

Die  am  2.  Juli  weitausgehenden  Patrouillen  meldeten  überein- 
stimmend das  Anrücken  zahlreicher  feindlicher  Streitkräfte  (Armee 
des  Prinzen  Friedrich  Karl  und  Elbe -Armee)  von  Nordwest. 
Am  Abende  stand  das  sechste  Korps  an  der  Chaussee  bei  Wsestar 
und  erhielt  für  den  3.  Juli  die  Disposition,  dass  das  Korps  für  den 
Fall,  als  der  feindliche  Angriff  sich  auf  den  linken  Flügel  der  Armee 
beschränkte,  nur  in  Bereitschaft  zu  halten,  sollte  aber  der  feind- 
liche Angriff  grössere  Dimensionen  annehmen  und  auch  gegen  die 
Mitte  oder  den  rechten  Flügel  gerichtet  werden,  dann  trete  die 
ganze  Armee  in  Schlachtordnung  und  es  sollte  das  erste  und  sechste 
Korps,  die  fünf  Kavallerie  -  Divisionen  und  die  Armee  -  Geschütz- 
Reserve,  die  Reserve  der  Armee  zur  ausschliesslichen  Verfügung 
des  Armee  -  Kommandanten  bleiben.  Das  sechste  Korps  hatte  sich 
in  diesem  Falle  auf  den  Höhen  von  Wsestar  zu  sammeln. 

Schon  zeitlich  früh  am  Morgen  des  3.  Juli  als  das  Regiment 
abkochte,  verkündeten  Kanonenschüsse  bei  Sadowa,  dass  der  Feind 
zum  Angriff  schreite  und  um  3  Uhr  begab  sich  der  Armee -Kom- 
mandant mit  seinem  Stabe  nach  dem  Kampfplatze.  Beim  Vorfiber- 
reiten  des  Hauptquartiers  richtete  der  Oberst- Inhaber  Erzherzog 
Wilhelm  einige  das  Regiment  ehrende  Worte  au  dessen  Kom- 
mandanten und  genehmigte  den  Ersatz  der  durch  die  Verluste  bei 
Wissokow  nöthigeu  Beförderungen  im  Offiziers -Korps,  welche  auch 
sofort  unter  dem  Donner  der  Kanonen  publizirt  wurden. 

Unter  strömendem  Regen  gegen  8  Uhr  wurde  das  Geschütz- 
feuer immer  mehr  gegen  den  rechten  Flügel  hörbar.  F.-M.-Lt. 
Rammiug  ordnete  um  Uhr  die  Konzentrirung  des  Korps  auf 
der  Höhe  zwischen  Wsestar  und  Sweti  au,  wobei  die  Brigade 
Rosenzweig  den  rechten  Flügel  des  ersten  Treffens  zu  bilden  hatte. 


G80 


Der  Zeitpunkt  des  Eintreffens  in  diese  Stellung  wurde  von  einem 
speziellen  Befehle  abhängig  gemacht  und  da  dieser  eine  ge- 
raume Zeit  nicht  erschien,  so  wurde  beim  Regimente 
die  Mannschaft  mit  Wein  und  Branntwein  betheilt. 

Später  erhielt  F.-M. -Lt.  Kam  min  g  den  Befehl,  das  Korps 
in  der  Richtung  von  Langenhof  in  Bewegung  zu  setzen  und  in  der 
Niederung  südöstlich  dieses  Ortes  in  konzentrirter  Aufstellung  die 
weiteren  Befehle  zu  erwarten,  üm  11 74  Uhr  war  diese  Bewegung 
durchgeführt  und  stand  das  sechste  Armeekorps  in  Massen  formirt, 
östlich  Langenhof  mit  den  Brigaden  Rosenzweig  und  Jonak  im 
ersten,  Waldstätten  und  Hertwek  im  zweiten  Treffen,  das  Regiment 
Clam-Uhlanen  am  linken  Flügel  des  ersten  Treffens,  die  Korps- 
Geschütz -Reserve  hinter  der  Brigade  Hertwek.  Bei  der  Brigade 
Rosenzweig,  welche  den  rechten  Flügel  bildete,  stand  rechte  das 
17.  Jäger-,  dann  das  erste  und  zweite  Bataillon  des  Regiments  im 
ersten,  das  dritte  Bataillon  und  das  Regiment  Nr.  55  im  zweiten 
Treffen. 

Rechts  vorwärts  dieser  Korps -Aufstellung  stand  das  dritte 
Korps  bei  Lipa  und  Chlum,  das  fünfte  Korps  vor  Langenhof,  das 
vierte  Korps  aber  nordwestlich  von  Nedelist  im  Kampfe.  Vom  letzt- 
genannten Korps  wurde  F.-M. -Lt.  Ramming  um  Unterstützung 
gebeten;  dieser  wies  jedoch  die  Forderung  au  den  Armee-Komman- 
danten, von  dem  er  hierauf  den  Befehl  erhielt,  zur  Unterstützung 
des  zweiten  und  vierten  Korps  nordöstlich  vom  Aufstellungsplatze 
abzurücken.  F.-M. -Lt.  Ramming  setzte  seine  Brigaden  gegen 
Nedelist  in  Bewegung ;  doch  fast  unmittelbar  darauf  wurde  der  Befehl 
widerrufen  und  F.-M. -Lt.  Ramming  angewiesen,  in  der  Reserve- 
steilimg zu  verbleiben, 

Trotz  der  peinlichen  Unthätigkeit,  zu  welcher  sich  das  Re- 
giment verurtheilt  sali,  war  docli  alles  recht  guter  Stimmung,  zu 
welcher  die  Klänge  der  Musik  das  ihrige  beitrugen;  jeder  Mann 
sehnte  sich  nach  Revanche  für  die  vorhergegangenen  Kämpfe  und 
einige  Male  kam  die  Nachricht,  dass  die  Schlacht  gut  stände  und 
vorzüglich  unsere  brave  Artillerie  mörderisch  in  den  feindlichen 
Reihen  wirke.  Unter  den  K laugen  der  Volkshymne  ertheilte  der 
Kaplan  Pospischill  dem  Regimeute  die  General -Absolution. 

Um  10  Uhr  hatte  der  Regen  nachgelassen,  dagegen  lagerte 
sich  der  Pulverdampf  einiger  Hundert  im  heftigsten  Feuer  stehender 


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18««. 


681 


Geschütze,  deren  Donner  die  Erde  erbeben  machte,  wie  ein  Schleier 
auf  dem  Schlachtfelde.  Gegen  3  Uhr  nachmittags  stand  Chlum  in 
Flammen  und  Gewehr -Projektile  schlugen  bis  in  der  Nähe  des 
Korps  in  die  Erde,  ein  Zeichen,  dass  der  Kampf  sich  naher  zog 
und  bald  das  ersehnte  Angreifen  des  Regiments  zu  erwarten  stand. 

Um  3  Uhr  nachmittags  begann  plötzlich  auf  der  Höhe  von 
Chlum  Geschütz-  und  Kleingewehrfeuer.  F. -M. -Lt.  Kamming 
hatte  früher  schon  auf  eine  neue  dringende  Aufforderung  des  4. 
Korps  einen  Theil  seiner  Geschützreserve  in's  Feuer  gesetzt  und 
ordnete  nunmehr  die  Entwicklung  des  Korps  in  die  rechte  Flanke  an. 

Die  Armee  des  Kronprinzen  von  Preussen  hatte  sich  durch 
das  wellenförmige  Terraiu  gedeckt  in  eine  entstandene  Gefechtslücke 
zwischen  Maslowed  und  Sendrasitz  geschoben,  die  Höhen  von  Ohlum 
und  Nedelist  forcirt  und  somit  die  rechte  Flanke  der  österreichischen 
Armee  biosgestellt. 

Der  Aufmarsch  des  6.  Korps  geschah  im  heftigsten  Feuer 
der  feindlichen  Artillerie,  von  welcher  acht  Batterien  auf  den 
Höhen  bei  Chlum  aufgefahren  waren.  Noch  während  des  Auf- 
marsches erhielt  das  Korps  vom  Armee-Kommandanten  den  Befehl, 
gegen  Chlum  vorzurücken.  F.-M.-Lt.  Ramming  disponirte  nun  die 
Brigade  Rosenzweig  zum  Angriffe  auf  Chlum,  die  Brigade  Wald- 
stätten auf  Rozbefic.  Die  beiden  Brigade  -  Batterien  setzten  sich 
sogleich  in  den  Brigade  -  Intervallen  in's  Feuer,  um  den  Sturm 
einigermassen  vorzubereiten. 

Mit  dem  17.  Jäger  -  Bataillon  vor  der  Front,  dem  Regiment 
Deutschmeister  im  ersten,  Nr.  55  im  zweiten  Treffen,  rückte  die 
Brigade  Rosenzweig  vor,  warf  sich  aber,  als  sie  aus  Rozbefic  heftig 
beschossen  wurde,  gegen  diesen  Ort,  welchen  preussische  Garden 
besetzt  hatten. 

Das  Regiment  Deutschmeister,  welches  die  400  Schritte  bis 
zum  Dorfe  im  heftigsten  Feuer  der  feindlichen  Elite  -  Truppe,  daher 
mit  grossen  Verlusten  zurückzulegen  hatte,  stockte  nicht  einen 
Augenblick,  denn  jeder  hatte  sich  vorgenommen,  für  den  27.  Juni 
Revanche  zu  nehmen.  Schon  beim  Orte  angelangt,  fand  man  den 
Eingang  verrammelt,  daher  kühne  Leute  vorgingen,  um  aufzuräumen, 
während  die  vordersten  Abtheilungen  ein  heftiges  Feuer  eröffneten, 
wodurch  viele  Feinde  getödtet  oder  verwundet  wurden.  Kaum  war 
die  Verrammlung  geöffnet,  so  erscholl  ein  tausendstimmiges  Hurrah 


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IBM, 


und  mit  gefälltem  Bajounet  drang  das  Regiment,  obgleich  aus  allen 
Fenstern,  Dackluken  und  hinter  deckenden  Gegenständen  auf  selbes 
gefeuert  wurde,  in  das  Dorf  und  sprengte  die  hier  befindlichen 
Garde -Bataillone  auseinander,  welche,  geführt  von  tapferen  Offizieren, 
sich  dann  in  Haufen  hinter  den  Häusern,  Hecken  etc.  zu  halten 
suchten.  Aber  unwiderstehlich  war  der  Augriff  des  Regiments,  in 
kurzer  Zeit  der  Feind  hinausgeworfen  und  2  Offiziere  nebst  200  Garden 
gefangen,  welche  Lieutenant  Frühwirth  zur  Rücktransportirung 
übernahm.  Die  preussisehen  Abtheilungen  zogen  sich  auf  die  Höhe 
östlich  von  Chlum  und  es  war  schwer,  dieselbe  zu  ordnen;  doch 
besetzten  dichte  Haufen  den  Hohlweg  südlich  des  Ortes,  wo  der 
grösste  Theil  der  ersten  Garde -Division  vereint  war. 

G.-M.  Rosen  zweig  gab  dem  Regiment  Deutschmeister  den 
Befehl,  das  in  Brand  gerathene  Rozberic  zu  besetzen,  während  er 
persönlich  mit  dem  Regiment  Nr.  55  den  Angriff  gegen  Chlum  fort- 
setzte. Ein  verheerendes  Feuer  der  südlich  Chlum  stehenden  Batterien 
und  der  dicht  zusammengedrängten  feindlichen  Infanterie  empfing 
das  vorstürmende  Regiment.  Nichtsdestoweniger  drang  es  gegen  den 
brennenden  Ort  vor  und  occupirtc  den  oberen  Theil  desselben  bei 
der  Kirche,  worauf  der  Brigadier  das  Regiment  Deutschmeister  auf- 
forderte, Chlum  ebenso  tapfer  wie  früher  Rozberic  zu  stürmen  und 
dessen  Vorrückung  befahl.  Das  dritte  Bataillon,  welches  Hauptmann 
Triulzi  überraschend  schnell  gesammelt  und  an  der  Dorf  -  Lisiere 
aufgestellt  hatte,  setzte  sich  nun  gegen  Chlum  mit  frohem  Muthe 
in  Bewegung,  während  die  beiden  übrigen  Bataillone  nachrückten. 

Der  Feind  war  nach  dem  Angriffe  des  Regiments  Nr.  55  in 
Unordnung  zurückgewichen  und  seine  Artillerie,  die  durch  die  öster- 
reichischen Batterien  sehr  stark  gelitten  hatte,  in  eine  rückwärtige 
Position  auf  die  Anhöhe  nordöstlich  Chlum  abgefahren.  Drei  Ge- 
schütze fielen  in  die  Hände  der  Angreifer  und  der  feindliche  General 
Hill  er,  welcher  bald  darauf  von  einer  Granate  getroffen  fiel,  gab 
bereits  seinen  auseinander  gekommenen  Truppen  Befehl  sich  rück- 
wärts zu  sammeln. 

Doch  der  Erfolg  der  kaiserlichen  Truppen  war  kein  andauernder 
und  der  kritische  Moment  für  die  erste  preussische  Garde -Division 
ging  bald  vorüber,  indem  sie  von  allen  Seiten  bedeutende  Verstärkungen 
erhielt  Der  Angriff  der  Brigade  Rosenzweig  war  ganz  vereinzelt 
unternommen  worden ;  die  Brigade  Waldstätten  war,  als  die  Brigade 


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186«. 


683 


Rosenzweig  die  Kirche  bei  Ohlum  erreichte,  erst  in  Rozbefic  ein- 
getroffen, somit  bei  1000  Schritte  von  dieser  entfernt  und  ausser 
Lage  sie  zu  unterstützen. 

F.-M.-Lt.  Ramming  führte  wohl  persönlich  zwei  Bataillone 
des  Regiments  Nr.  00  gegen  den  Feind  vor,  doch  war  diese  Hilfe 
zu  gering. 

General  Rosenzweig  hatte  sich  kaum  notdürftig  bei  Chlum 
festgesetzt,  als  er  in  der  Front  und  Flanke  von  bedeutenden  Streit- 
kräften angegriffen,  wieder  Ober  die  Höhe  zurückgedrängt  ward. 
Viele  Gefangene  und  die  eroberten  Geschütze  mussten  zurückgelassen 
werden.  Dabei  entwickelte  sich  links  neben  der  Garde  auf  den  Höhen 
bei  Nedelist  die  preussische  11.  Division  und  unterhielt  aus  zahl- 
reichen Geschützen  ein  verheerendes  Feuer. 

Das  Regiment  Deutschmeister,  welches  Chlum  noch  nicht  er- 
reicht hatte,  musste  unter  diesen  Umständen  ebenfalls  zurück;  das 
erste  und  zweite  Bataillon  besetzte  wieder  Rozbefic,  welches  nun 
der  Feind  mit  einem  Hagel  von  Projektilen  überschüttete.  Trotzdem 
uud  obgleich  der  ganze  Ort  in  hellen  Flammen  stand,  hielten  sich 
die  beiden  Bataillone  doch  so  lange  bis  jede  Hoffnung  verschwunden 
war,  Chlum  erneuert  zu  nehmen,  und  Hauptmann  Selig  blieb  dann 
mit  einer  Abtheilung  bis  zum  Eindringen  des  Feindes.  Hauptmann 
Triulzi  hatte  mit  dem  dritten  Bataillon  Wsestar  besetzt  und  war 
eifrigst  bemüht  die  Westseite  des  Ortes  in  Vertheidigungsstand  zu 
setzen,  obgleich  dessen  Ucberfüllung  mit  Verwundeten  eine  nach- 
haltige Vertheidiguug  sehr  in  Frage  stellte.  Doch  hielt  er  sich  so 
lange  bis  ein  grosser  Theil  der  Verwundeten  fortgeschafft  und  der 
Ort  durch  die  leiudliche  Ueberflügelung  von  Sweti  her  nicht  mehr 
haltbar  war. 

Der  grössere  Theil  des  Regiments  zog  sich  nach  Königgrätz, 
der  kleinere  nach  Pardubitz  zurück.  Auf  diesem  Rückzüge  ging  die 
taktische  Ordnung  durch  das  Ineinanderschieben  aller  Truppen- 
gattungen und  das  heftige  feindliche  Geschützfeucr  theilweise  ver- 
loren. Aber  immer  waren  die  Leute  in  kurzer  Zeit  wieder  gesammelt ; 
Unteroffiziere,  ja  sogar  Infanteristen  trachteten  bei  diesen  Momenten 
der  Unordnungen  Erhöhungen  zu  erreichen,  von  wo  sie  mit  lauter 
Stimme  „Deutschmeister  hierher!"  riefen,  und  so  gelang  es  den 
Offizieren,  von  der  braven  Mannschaft  unterstützt,  ihre  Abteilungen 
beisammen  zu  halten. 


684 


im. 


In  der  Dämmerung  gelang  es  erst  den  in  den  Aussenwerken 
der  Festung  Königgrätz  eingetroffenen  Abtheilungen  durch  die  Stadt 
zu  gelangen  und  in  Neu  -  Königgrätz  sich  mit  den  übrigen  Abthei- 
lungen des  Regiments  zu  vereinigen.  G. - M.  von  Rosenzweig 
befahl  eine  mehrstündige  Rast,  worauf  am  4.  Juli  um  3  Uhr  früh 
aufgebrochen  und  nach  Holic  marschirt  wurde,  wo  sich  die  gan2e 
Brigade  vereinigte. 

Hier  konnte  man  erst  die  bedeutenden  Verluste,  welche  das 
Regiment  erlitten,  übersehen.  Lieutenant  Ignaz  Veith  und  Simon 
Blaschke  waren  beim  Sturm  auf  Rozböfic  todt  geblieben;  an 
den  erhaltenen  Wunden  starben:  Hauptmann  Karl  Rudda  nach 
einigen  Wochen  in  Wien,  Lieutenant  Franz  Höckmayer  und  Emil 
Levasseur  in  den  Feldspitälern;  verwundet  waren  Hauptmann 
Moriz  v.  Barisani,  Eduard  Meisl,  Anton  Chitry  v.  Fraiselsfeld, 
Josef  Rischner,  Karl  Buchfelder,  Boguslav  v.  Krfiger,  Johann 
Czermak,  Oberlieutenant  Adolf  Walter,  Lieutenant  Leo  Grimm. 
Konrad  Sturm,  Adolf  Loidolt,  Josef  Czernick,  Emerich  v.  Gen- 
zinger,  Adolf  v.  Szeleczky,  Josef  Witt  mann,  Alois  Donau- 
bauer; Oberlieutenant  Peter  Ennser  und  Lieutenant  Alois  Schuh, 
welch'  letztere  beide  aber  dienstbar  blieben.  Von  diesen  Verwundeten 
mussten  auf  dem  Schlachtfelde  zurückgelassen  werden,  welche  dann 
in  Gefangenschaft  geriethen,  Hauptmann  Meisl,  Krüger,  Lieute- 
nantSturm,  Czernick,  Genzingcr,  Donauberger,Lieutenant 
Alfred  Becher  gerieth  wegen  gänzlicher  Erschöpfung  und  Julius 
Barth  gelegentlich  selbstaufopfernder  Hilfeleistung  ebenfalls  in 
Gefangenschaft.  Vermisst  waren:  Hauptmann  Franz  Schwarz  und 
Oberlieuteuant  Adjutant  Ferdinand  Karger,  welche  bis  heutigen  Tag 
nicht  mehr  zu  eruireu  waren,  daher  jedenfalls  todt  auf  dem  Schlacht- 
felde blieben.  Von  der  Mannschaft  waren  67  Mann  todt,  98  ver- 
wundet, 113  verwundet  gefangen,  84  gefangen  und  103  vermisst. 
Diese  Vermissten  sind  ebenfalls  zu  den  Todten  zu  zählen,  da  auch 
nicht  einer  mehr  einrückte. 

Major  v.  Fabrici,  welcher  durch  einen  Sturz  mit  dem  ver- 
wundeten Pferde  eine  bedeutende  Kontusion  erlitten  und  so  gezwungen 
war,  sich  zurücktragen  zu  lassen,  hatte  sich  nach  der  Schlacht 
so  weit  erholt,  dass  er  wieder  das  Regiments-Kommando  übernahm. 

General  Major  v.  Rosenzweig  hebt  in  seiner  Relation  .die 
»Tapferkeit  und  Entschlossenheit  des  Regiments,  trotz  der  sehr 


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IS««. 


085 


.beträchtlichen  Verluste«  hervor.  F.-M.-Lt.  Baron  Ramming 
sagt  in  der  seinigen  zum  Schluss:  „Aber  auch  die  Fusstruppen 
„des  sechsten  Armeekorps  haben  in  dieser  Schlacht  bis  zum  Eintritt 
„des  allgemeinen  Rückzuges  eine  gute  feste  Haltung  bewiesen.  So 
„unglücklich  auch  der  Ausgang  dieses  Kampfes  fflr  die  k.  k.  Armee 
„gewesen,  so  darf  doch  den  Truppen  des  sechsten  Armeekorps  das 
„ehrenvolle  Zengniss  nicht  versagt  werden,  dass  sie  bei  dem  Ein- 
tritte der  ungünstigen  Wendung  fast  allein  den  Kampf  fibernahmen. 
„Das  sechste  Korps  war  in  geordneter  Schlachtstellung  das  letzte 
„auf  dem  Kampfplatze,  hat,  obgleich  in  beiden  Flanken  stark  be- 
„  droht,  dem  Nachdrängen  des  Feindes  lange  Zeit  kräftigen  Wider- 
„  stand  geleistet  und  dadurch  die  Armee  vor  noch  grösseren  Verlusten 
„bewahrt.« 

Von  der  Mannschaft  haben  sich  hervorragend  ausgezeichnet: 
Der  auf  Kriegsdauer  eingetretene  Ffihrer  Julius  Kämpf  nahm  in 
Rozb£fic  24  preussische  Garden  gefangen  und  lieferte  sie  dem  Festungs- 
kommando in  Königgrätz  ein;  Gemeiner  Josef  Sei  dl  verrichtete 
freiwillig  als  die  Unteroffiziere  ausser  Gefecht  gesetzt  waren,  mit 
besonderer  Bravour  und  bestem  Erfolge  deren  Dienste  und  bewies 
sich  als  ein  ganz  ausnehmend  tapferer  unerschrockener  Mann ;  beide 
erhielten  die  silberne  Tapferkeit«  -  Medaille  erster  Klasse.  Korporal 
Josef  Mitterer,  Gefreiter  Moriz  Berthold  und  Gemeiner  Anton 
Zellner  zeichneten  sich  im  Handgemenge  in  Rozbefic  nicht  nur 
durch  ihre  Kühnheit  besonders  aus,  sondern  trugen  auch  ihren 
schwer  verwundeten  Hauptmann  Meisl  im  heftigsten  Feuer  aus 
dem  Gefechte;  jeder  erhielt  die.  silberne  Tapferkeits- Medaille  zweiter 
Klasse,  ebenso  der  Gemeine  Heinrich  Hess,  welcher  schon  bei 
Wysokow  einen  schwer  verwundeten  Jäger- Offizier  und  nun  den 
verwundeten  Hauptmann  Barisani  vor  Gefangenschaft  rettete. 
Ausser  diesen  erhielten  noch  Ffihrer  Josef  Nachtmann,  Zimmer- 
mann Josef  Heller,  Gemeiner  Franz  Schodl,  Franz  Hubert 
und  Georg  Huber  für  bewiesene  Bravour  die  silberne  Tapferkeits- 
Medaille  zweiter  Klasse,  Regiments  -  Tambour  Josef  Swoboda, 
Feldwebel  Johann  Holz  er,  Johann  Karl,  Führer  Hubert  Dietl, 
Jakob  Hescb,  Lorenz  Kalfer,  Kadet  Korporal  Karl  Holz  und 
Anton  Jäger,  Korporal  Anton  Heller,  Gefreiter  Ignaz  Klaus, 
Gemeiner  Johann  Dusch ek  und  Johann  Milkowitsch  die  Aller- 
höchste belobende  Anerkennung  Sr.  Majestät  des  Kaisers.  Ausser 


686  18««. 

diesen  wurden  noch  als  sehr  tapfer  genannt:  Feldwebel  Sehauf- 
linger, Marktbereiter,  Martin  Koch,  Korporal  Kastner, 
Wegrath,  Rietl  nnd  Neu  gsehwandtner.  Fuhrer  Haakel, 
Gemeiner  Wimberger,  Schneider,  Heuvogel,  Bockenbauer, 
Gruber  und  Schreibeis.  Feldwebel  Satzke  hatte  sich  durch 
Muth  und  erfolgreiche  Führung  seiner  Abtheilung  hervorragend  aus- 
gezeichnet und  wurde  als  Belohnung  zum  Lieutenant  befördert.  Viele 
wackere  Thatcn  konnten  in  dem  Kampfgew ilhle  nicht  beobachtet 
werden,  oder  gingen  mit  so  manchem  Tapforn  zu  Grabe;  alle  Stabs- 
und Ober -Offiziere,  deren  Beruf  die  Führung  des  Regiments  oder 
einzelner  Abtheilungen  in  der  Schlacht  war,  sind  einstimmig  in  dem 
Lobe  der  Tapferkeit,  des  Heldeumuthes  und  der  Ausdauer  der  Mann- 
schaft in  diesem  Kriege  und  Niemand  konnte  mehr  leisten,  als  die 
braven  Soldaten  des  Regiments  Deutschmeister. 

Auch  der  im  Regiment  einheimische  heitere  fröhliche  Muth 
ging  seihst  in  den  Momenten,  als  der  Tod  in  dessen  Reihen  die 
fürchterlichste  Ernte  hielt,  nicht  verloren;  von  den  vielen  urwüchsigen 
Aeussernngen,  die  bei  solchen  Gnlegcnheiten  alles  beleben,  möge  die 
folgende  hier  Platz  finden :  Beim  Sturm  auf  Rozbefic,  schon  nahe 
des  barrikadirten  Einganges  wurden  viele  Leute  erschossen  oder 
verwundet;  da  ertönte  eine  laute  Stimme  aus  den  Reihen:  „Halt's 
eng  Leutl,  nur  allerweil  vorwärts!  alle  bleiben  mer  not,  und  wann 
mer  a  alle  bleiben,  so  sein  mor  do  a  schöne  G'sellschaft!* 

Die  Stabs-  und  Oberoffiziere  dienten  auch  hier  der  Mannschaft 
als  Muster  der  Tapferkeit  und  es  herrschte  im  Korps  nur  eine 
Stimme,  dass  sie  sich  durch  den  brillanten  Angriff  und  die  tode3- 
muthige  Erstürmung  von  Rozbefic  mit  Ruhm  bedeckt  haben. 

Se.  k.  Hoheit  der  durchlauchtigste  Oberst- Inhaber,  Erzherzog 
Wilhelm,  der  einzige  Inhaber,  welcher  seit  der  Errichtung  des 
Regiments  mit  demselben  auf  dem  Schlachtfelde  gegenwärtig  war, 
befand  sich  als  Artillerie-  Direktor  iu  der  Suite  des  Armee -Kom- 
mandanten in  dem  Momente  als  der  Feind  aus  Chlum  vordrang 
und  die  Suite  mit  einem  heftigen  Fcuor  begrüsste.  Bei  dieser  Ge- 
legenheit wurden  einige  Offiziere  der  Suite  getödtet,  Se.  k.  Hoheit 
durch  eine  Flintenkugel  am  Kopfe  verwundet.  Ruhig  hielt  der 
tapfere  Sohn  des  Helden  von  Aspern  im  nahen  Feuer  aus,  bis  das 
Blut  das  Gesicht  überströmte,  worauf  er  dem  Armee-Kommandanten 
von  seiner  Verwundung  die  Meldung  erstattete  und  dann  in  Be- 


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184MJ 


G87 


gleitung  seines  Adjutanten  Oberst  Röblitz  auf  den  Verband- 
platz ritt 

Am  Morgen  nach  der  Schlacht  kommandirte  Major  Fabrici 
das  Regiment,  Hauptmann  Tritt  Izi  das  erste,  Selig  das  zweite 
und  B  o  e  h  e  i  m  das  dritte  Bataillon.  Noch  am  4.  wurde  nach  einiger 
Rast  der  Weitormarsch  nach  Hohenmauth  angetreten,  woselbst  die 
Uber  Pardubitz  zurflckgelangtcn  Theile  des  Regiments  anlangten  und 
eingereiht  wurden.  Das  Regiment  war  von  diesem  Tage  an  wieder 
vollständig  organisirt  und  schlagfertig.  Per  weitere  Rückmarsch  der 
Armee  nach  Olmfltz  wurde  anbefohlen  und  das  Regiment  rückte  im 
Verbände  des  sechsten  Korps  am  5.  nach  Lcitomischel,  wo  die 
Tmppen  Fleisch,  Brod  und  Wein  erhielten,  aber  nichts  wurde  mit 
grösserem  Jubel  begrflsst,  als  die  lang  entbehrten  Cigarren,  auch 
wurde  die  Munition  ergänzt. 

Am  6.  übernahm  das  Korps  den  Arricregarde- Dienst  für  die 
ganze  Marschkolonne  und  bezog  das  Lager  bei  Nikel ;  am  folgenden 
Tage  mnsste  dasselbe  Zwittau  passiren,  wurde  dort  durch  Fuhr- 
werke und  die  eben  eintreffenden  sächsischen  Truppen  bedeutend 
aufgehalten  und  bezog  dann  nordöstlich  von  Mährisch -Trübau  ein 
Lager  an  der  Strasse  nach  Altstadt. 

Am  8.  setzte  die  Armee  ihren  Rückmarsch  fort;  das  sechste 
Korps  marschirte  auf  der  Hauptstrasse  und  bezog  Lager  im  Osten 
von  Gewitsch,  nördlich  des  Weges  nach  Jaromefitz,  rückte  am  9. 
in  zwei  Kolonnen,  die  Brigade  Rosenzweig  auf  der  Hauptstrasse  über 
Könitz  nach  Laschkau,  am  10.  über  Gross -Latein  nach  Nebetein 
und  nachdem  hier  Rast  gehalten  war,  in  das  Lager  zwischen  der 
Eisenbahn,  dem  Bistfitza-Flnss,  der  March  und  der  Holitzer-Wiese. 

Den  Truppen  wurden  nun  in  Olmütz  und  dessen  Umgebung 
nach  den  langen  harten  Strapatzen,  Entbehrungen  und  erschüttern- 
den Unglücksfällen  einige  Tage  der  Ruhe  und  Erholung  gegönnt. 
Die  Depot -Division  des  Regiments,  welche  sich  in  Olmütz  als  Be- 
satzung in  der  Brigade  Müller  befunden  hatte,  rückte  ein  und  wurde 
unter  die  Kompagnien  des  dritten  Bataillons  vertheilt,  welches  am 
meisten  gelitten  hatte. 

Hier  kam  dem  Regimente  der  Armeebefehl  zu,  mittelst  welchem 
Se.  Majestät  der  Kaiser  Sr.  k.  Hoheit  den  Herrn  Erzherzog  Albrecht 
zum  Kommandanten  der  Nord-  und  Süd -Armee  zu  ernennen  geruhte, 
auch  wurde  der  darauf  bezügliche  nachstehende  Armeebefehl  des 


68H 


18««. 


Erzherzogs  vom  13.  Juli  publizirt:  ,Se.  Majestät  der  Kaiser  haben 
„allergnädigst  mir  das  Kommando  der  gesammten  operativen  Armee 
.anzuvertrauen  geruht  und  ich  flbernehme  dasselbe  mit  heutigem 
.Tage. 

.Soldaten  vom  Norden  und  vom  Süden !  treue  wackere  Ver- 
bündete aus  Sachsen!  Vereint  wie  unsere  Oefiihle  stets  gewesen, 
.wird  nun  auch  unser  Wirken  sein !  Mächtiger  als  je  zuvor,  sammelt 
»sich  eine  Armee  aus  kampfgeühten,  an  Tapferkeit  und  Ausdauer 
.gleichbewährten  Kriegern,  die  mit  dem  Bewusstseiu  einerseits  schon 
.errungenen  Sieges  und  anderseits  mit  dem  heissen  Verlangen  ein 
.unverdientes  Missgeschick  zu  rächen,  sicli  nach  der  Gelegenheit 
.sehnen,  dem  Ueberrauthe  des  Feiudes  ein  Ende  zu  machen! 

.Lasst  uns  mit  vereinten  Kräften  das  grosso  Werk  vollbringen 
.und  uns  hiebei  stets  in  Erinnerung  halten,  dass  der  Erfolg  dem- 
jenigen zu  Theil  wird,  der  Kopf  und  Herz  zugleich  am  rechten 
.Flecke  hat,  der  gleichzeitig  ruhig  zu  denken  und  energisch  zu 
.handeln  und  dass,  möge  das  Glück  begünstigen  wen  es  wolle,  nur 
.derjenige  verloren  ist,  der  sich  einschüchtern  lässt  und  sich  selbst 
.aufgibt.  Lasst  uns  also  unerschütterlich  vertrauen  auf  Gott,  der 
.die  gerechte  Sache  schützt,  auf  unsere  Monarchen,  welche  von  uns 
,die  Wahrung  der  Wohlfahrt  ihrer  Völker  erwarten,  lasst  uns  ver- 
trauen auf  unsere  eigene  Kraft,  die  sich  mit  jeder  neuen  Aufgabe 
.neu  belebt  und  dann  getrost  zum  Entscheidungskampf  schreiten 
.mit  dem  alten  Rufe:  Es  lebe  der  Kaiser!- 

Das  sechste  Korps  erhielt  bei  dem  Aufbruche  der  Armee  zum 
Marsch  an  die  Donau  die  Bestimmung,  in  Olmütz  zurückzubleiben, 
da  aber  der  Erzherzog  befahl,  dass  die  Besatzung  nur  aus  10  Ba- 
taillons zu  bestehen  habe,  rückte  das  Korps  am  15.  Juli  nach  Leipnik 
ab.  Das  Regiment  brach  im  Verbände  der  Brigade  Rosenzweig  um 
4  Uhr  morgens  von  Olmütz  als  Avantgarde  auf,  marschirte  über 
Leipnik  hinaus  bis  in  die  Gegend  von  Jeffernik  und  stellte  zwischen 
diesem  Orte  und  Bohuslawek  Vorposten  aus.  Am  16.  brach  die 
Brigade  um  4  Uhr  aus  dem  Lager  auf,  marschirte  über  Weiss- 
kirchen bis  auf  die  Wasserscheide  zwischen  diesem  Orte  und  Bölten, 
nahm  hier  Stellung  mit  der  Front  gegen  Nordost  und  kochte,  durch 
vorausgesandte  Patrouillen  gedeckt,  ab.  Nach  dem  Abkochen  bildete 
die  Brigade  die  Tete  des  Korps  und  marschirte  bis  Walachisch- 
Meseritsch,  am  17.  nach  dem  Abessen  um  9  Uhr  in  ein  Lager 


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l  *<;<;. 


GBO 


zwischen  Wsetin  und  Aasti,  am  18.  in  das  Lager  zwischen  Przikas 
und  Klohauk.  Um  4  Uhr  morgens  am  19.  brach  die  Brigade  aus 
diesem  Lager  auf,  nahm  bei  Bilnitz  Stellung  und  entsandte  das 
erste  Bataillon  nebst  der  Batterie  zur  Deckung  der  Flanke  des 
vorbeimarschirenden  Korps  nach  Stittna,  welches  in  einer  Aufstellung 
zwischen  diesem  Orte  und  Jastrabi  das  G.  Jäger  -  Bataillon  mit  der 
demselben  beigegebenen  Kavallerie- Abtheilung  aufnahm.  Nach  dem 
Abessen  wurde  dasselbe  vom  zweiten  Bataillon  abgelöst  und  bei  dem 
Abmärsche  der  Brigade  die  Stellung  verlassen.  Wahrend  eines 
wüthenden  Sturmes  und  Wolkenbruches  musste  der  Wlar-Pass 
passirt  werden  und  erst  nach  Ueberwindung  vieler  Schwierigkeiten 
rückte  das  Regiment  um  10»/,  Uhr  nachts  bei  Nemsova  in's  Bivouak, 
wo,  den  Pass  beobachtend,  Stellung  genommen  wurde.  In  Folge  der 
erhaltenen  Kontusion  und  ununterbrochenen  angestrengten  Dienst- 
leistung erkrankte  Major  v.  Fabrici  ernstlich  und  war  genöthigt, 
das  Regiments -Kommando  dem  Hauptmann  Triulzi  zu  abertragen, 
von  welchem  Hauptmann  Einem  jenes  des  ersten  Bataillons  über- 
nahm ;  am  folgenden  Tage  (20.  Juli)  wurde  ein  sehr  nöthiger  Rast- 
tag gehalten,  dann  am  21.  wieder  aufgebrochen,  zwischen  Kostolna 
und  Somarovec  ein  Bivouak,  nachmittags  aber  wegen  der  überaus 
schlechten  Witterung  Kantonnements  bezogen. 

Hier  erhielt  das  Regiment  vom  Inhaber  das  Telegramm,  dass 
Se.  Majestät  mit  Allerhöchster  Kntschliessung  vom  17.  Juli  den 
Major  Franz  Fabrici  von  Südwaiden  zum  Oberstlieutenant, 
Hauptmann  Anton  Triulzi  zum  Major  zu  befördern  geruhte; 
Major  Anton  L  e  i  1  e  r  war  am  genannten  Tage  in  Ruhestand 
getreten. 

Am  22.  marschirte  die  Brigade  im  Korps-Verbande  nach  Waag- 
Neustadtl,  23.  Gross-Orowitsch,  24.  Dubovan,  25.  Klein-Schenkwitz, 
passirte  am  26.  um  2  Uhr  nachmittags  mittelst  Dampf  -  Schleppern 
die  Donau  und  rückte  nach  Kitsee,  am  27.  nach  Neudorf  in  enge 
Kantonnirungen.  An  demselben  Tage  wurden  die  Friedens  -  Prä- 
liminarien und  der  Waffenstillstand  zu  Nikolsburg  abgeschlossen. 
Am  2.  August  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  am  folgenden  Tage 
nach  Wien  zu  marschiren;  am  frühen  Morgen  des  3.  formirte  sich 
dasselbe  unter  Kommando  des  Major  Triulzi  in  konzentrirter  Auf- 
stellung in  Divisions -Massen,  worauf  der  hochverehrte  Korps-Kom- 
mandant F.-M.-Lt.  Wilhelm  Freiherr  Ramming  v.  Riedkirchen 

44 


f 


690  18««. 

mit  seinem  Stabe  erschien,  das  Offiziers -Korps  vor  die  Front  berief 
und  nachstehende  Ansprache  hielt: 

.Meine  Herren!  Als  ich  gestern  den  Befehl  erhielt,  dass  das 
, Regiment  aus  dem  Verbände  des  Korps  zu  treten  habe,  war  ich, 
.waren  wir  alle  höchst  unangenehm  überrascht. 

„Ich  komme  also,  um  von  Ihnen  Abschied  zu  nehmen,  der 
.Dienst  fordert  es,  dass  wir  auch  unangenehme  Befehle  willig  voll- 

.Das  Regiment  hat  in  allen  Zeiten  seinen  guten  Ruf  bewahrt, 
.es  hat  in  der  Garnison  sich  herrorgethan,  nicht  allein  durch  Mannes- 
zucht und  Disziplin,  Nettigkeit,  Frohsinn,  Kameradschaft,  gutes 
.Einvernehmen  mit  den  Bewohnern,  auch  durch  seine  schöne  Haltung 
.und  Adjustirung,  so  dass  selbst  Se.  Majestät  die  allerhöchste  Zu- 
friedenheit auszudrücken  geruhten. 

.Das  ist  aber  Alles  noch  wenig;  das  Regiment  hat  noch  mehr 
.geleistet!  Ks  bat  in  jüngster  Zeit  in  beiden  Fällen,  wo  es  Gelegen- 
heit hatte,  mit  Muth,  Ausdauer  und  hingebender  Aufopferung  ge- 
.kämpft.  Alle  Truppen  des  sechsten  Armee-Korps  haben  sich  tapfer 
.gehalten,  insbesondere  aber  das  Regiment  Deutscb- 
.meister!  es  war  so  brav  wie  wenige;  Ihre  gefallenen  Kameraden 
.und  Sie  haben  der  Mannschaft  das  Beispiel  dazu  gegeben.  Ich 
.danke  Ihnen  dafür! 

.In  diesen  ernsten  Tagen  trennen  uns  die  Geschicke,  können 
.uns  aber  auch  ebenso  schnell  wieder  vereinen,  und  so  hoffe  ich, 
.dass,  wenn  das  Regiment  nicht  wieder  unter  mein  Kommando  ge- 
stellt werden  sollte,  ich  mit  demselben  doch  recht  bald  wieder  in 
.Berührung  komme.  Und  so  leben  Sie  wohl,  meine  Herren,  ich 
.scheide  bewegt,  ich  wünsche  Ihnen  viel  Glück.  Sagen  Sie  dies 
.Alles  auch  der  Mannschaft.  Gott  geleite  Sie  auf  allen  Ihren  Wegen. 
.Auf  frohes  Wiedersehen!  Adieu!* 

Jedem  Mitgliede  des  Regiments  war  die  Trennimg  von  dem 
hochverehrten  sehr  beliebten  Korps -Kommandanten,  der  sich  schon 
von  den  Schlachtfeldern  von  1848  her  den  Ruf  eines  tüchtigen 
Generals  erworben  hatte,  umso  schmerzlicher,  als  durch  die  üeber- 
nahme  des  Armee  -  Kommandos  durch  den  Helden  von  Novara 
und  Sieger  bei  Custozza,  den  Erzherzog  Albrecht,  dem  alle 
Soldatenherzen  freudig  entgegen  schlugen,  jedes  Gemüth  in  der 
Ahnung  künftiger  Siege  für  die  Grösse  und  Machtstellung  des  theueren 


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1R«6.  691 

Vaterlandes  wieder  frisch  auflebte  und  daher  den  bewährten  Korps- 
Kommandanten  ungern  vermisste. 

Das  Regiment  defilirte  hierauf  zum  letzten  Male  vor  dem  Korps- 
Kommandanten  und  marschirte  nach  Schwadorf,  am  4.  nach  Wien, 
wo  es  beim  Einmarsch  an  der  Manerlinie  die  Freude  hatte,  seinen 
verehrten  Obersten  von  Töply  an  der  Spitze  seiner  Brigade,  mit 
welcher  er  sich  bei  Custozza  hervorragend  ausgezeichnet  hatte,  zu 
sehen.  Unter  stürmischem  Jubel  zogen  die  Bataillone  an  ihrem  ge- 
liebten alten  Obersten  vorüber  und  bezogen  in  den  westlichen  Vor- 
städten die  Quartiere.  Erst  jetzt,  gerade  in  der  Heimat,  konnten 
sich  die  Soldaten  seit  dem  Beginn  des  Feldzuges  in  einem  Bett 
ausruhen. 

Der  Aufenthalt  in  Wien  war  nur  von  sehr  kurzer  Dauer,  denn 
schon  am  8.  wurde  das  Regiment  Bataillonsweise  mittelst  Eisenbahn 
nach  Villach  befördert,  wo  sich  dasselbe  am  9.  konzentrirte.  Erzherzog 
Albrecht  befahl  die  Czako  und  WafFenröcke  in  Klagenfurt  zu 
deponiren,  worauf  der  Stab  mit  dem  ersten  Bataillon  im  Orte  Lack, 
das  zweite  in  St.  Georg  und  das  dritte  in  Hersdorf,  sämmtliche 
Orte  im  CJail-Thal  gelegen,  am  10.  Quartiere  bezog.  Um  12  Uhr 
nachts  wurde  Allann  geschlagen  und  das  Regiment  marschirte 
sogleich  nach  Tarvis,  dann  am  13.  bis  Uggowitz  vor.  Jeden  Augen- 
blick erwartete  mau  den  Befehl  zum  Ueberschreiten  der  italienischen 
Grenze;  statt  dessen  blieb  das  Regiment  ruhig  in  diesem  Orte  und 
erhielt  in  Folge  des  mit  Italien  abgeschlossenen  vierwöchentlichen 
Waffenstillstandes  die  Weisung  zum  Rückmärsche  bis  Feistritz  in 
das  Gail-Thal,  wo  dasselbe  nach  einem  höchst  beschwerlichen 
Marsche  Ober  die  Alpen  am  15.  anlangte.  Stab  und  erstes  Bataillon 
blieben  in  Feistritz,  das  zweite  kam  nach  Sack,  das  dritte  nach 
Emmeredorf.  Die  18.  Kompagnie  war  seit  10.  auf  Bedeckung  des 
Kolonnen -Magazins  und  rückte  erst  am  23.  September  ein. 

Oberst  Wilhelm  von  Peinlich  rückte  am  19.  August,  von 
seiner  am  27.  Juni  erhaltenen  Wunde  genesen,  beim  Regimente  ein 
und  übernahm  am  folgenden  Tage  das  Kommando.  Die  Zeit  der 
Ruhe  wurde  zum  Einexerziren  der  jungen  Mannschaft,  Felddienst 
und  Scheibenschiessen  verwendet,  und  dass  viele  angenehme  und 
vergnügte  Stunden,  die  beim  bekannt  kameradschaftlichen  Sinn  im 
Regimente  natürlich  nicht  fehlten,  die  sonst  monotone  Zeit  in  diesen 
einsamen  Orten  wesentlich  verkürzte,  ist  wohl  selbstverständlich. 

44* 


002 


I8M. 


Am  23.  August  wind»1  der  Friede  zwischen  Oesterreich  und 
Preussen  und  am  3.  Oktober  auch  mit  Italien  abgeschlossen. 

Feldmarschall  Erzherzog  Alb  recht  hatte  am  17.  August 
folgenden  Armeebefehl  erlassen : 

»Soldaten!  Der  Abschluss  des  Waffenstillstandes  im  Norden 
»wie  im  Sflden  hat  voraussichtlich  den  kriegerischen  Operationen 
»nunmehr  ein  linde  gemacht. 

»In  der  ersten  Periode  dieses  Krieges  hattet  Ihr  Gelegenheit 
»in  grossen  Schlachten  wie  in  kleineren  Gefechten  FiUren  Helden- 
»muth,  Eure  aufopfernde  Hingebung  zu  beweisen.  Am  südlichen 
„Kriegsschauplatze  hat  der  Erfolg  gesprochen,  der  unseren  Fahnen 
»zu  Wasser  wie  zu  Lande  gegen  einen  tapferen  und  überlegenen 
»Feind  zu  Theil  geworden.  Aber  auch  im  Norden,  wo  das  Glück 
»uns  nicht  begünstigte,  war  die  Welt  einig  in  Anerkennung  der 
»Tapferkeit,  welcher  Ihr  einer  nicht  unerheblichen  Ueberzahl,  einer 
»überlegenen  Feuerwaffe  und  den  ungünstigsten,  die  Ausdauer  des 
»Soldaten  auf  die  härtesten  Proben  stellenden  Verhältnissen  ent- 
gegengesetzt. 

»Der  bedrohten  Reichshauptstadt  vom  Norden  und  Süden  zu 
»Hilfe  eilend,  hat  die  am  Donanstrande  versammelte  Armee  durch 
»ihre  achtunggebietende  Stellung  dem  Vordringen  des  Feindes  ein 
»Ziel  gesetzt. 

»Als  inzwischen  der  Gegner  in  Italien  den  Abmarsch  der  Süd- 
» Armee  benützend  mit  frisch  gesammelten  Kräften  den  offenen 
, Theil  Veneziens  überschwemmte  und  über  die  Grenzen  der  deutschen 
»Provinzen  vorzudringen  begann,  hat  sich  wieder  dort  mit  bisher 
»beispielloser  Schnelligkeit  aus  dem  Norden  eine  Armee  ihm  ent- 
» gegen  geworfen,  deren  Erscheinen,  im  Vereine  mit  der  tapferen 
»ausdauernden  Gegenwehr  in  Tirol,  ihn  zum  Rückzüge  auf  allen 
»Punkten  und  zum  Begehren  eines  Waffenstillstandes  veranlasste. 

»Dio  österreichische  Armee  hat,  auf  zwei  Seiten  angegriffen 
»von  den  Heeren  mächtiger  Staaten  und  am  entscheidenden  Kriegs- 
, schauplatze  vom  Unglücke  heimgesucht,  unter  den  obwaltenden 
»Umständen  das  Möglichste  geleistet  und  erreicht. 

»Der  Krieg  hat  dem  Kaiserstaate  schwere  Opfer  gekostet; 
»das  Blut  von  Tausenden  seiner  Helden  ist  aber  nicht  umsonst 
»geflossen.  Es  hat  dem  Stolze  und  Schilde  Oesterreichs,  seiner 
»Armee  ruhmvolle  Erinnerungen  und  wichtige  Lehren,  die  dank- 


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603 


.bare  Theilnahme  des  Vaterlandes,  die  Anerkennung  seiner  Gegner, 
„die  Achtung  der  ganzen  Welt  erkauft.  Bereichert  durch  die  ge- 
dachten Erfahrungen  möge  die  Armee  mit  unerschütterlicher  Zu- 
versicht in  die  Zukunft  blicken.  Des  Rufes  unseres  erhabenen 
«Monarchen  gewärtig,  werden  wir  selbem  stets  wieder  freudig  folgen 
,mit  der  gleichen  Losung,  mit  welcher  wir  diesen  Krieg  begonnen 
»haben  und  beschliessen  wollen.» 

„Hoch  Oesterreich!  Es  lebe  der  Kaiser!« 

Mit  Allerhöchster  Entschliossung  vom  1.  September  wurde 
Hauptmann  Friedrich  Ochsenheim  er  des  Regiments  Nr.  42  zum 
Major  im  Regiment  befördert,  dann  mit  jener  vom  8.  September 
Oberst  Wilhelm  Peinlich  zum  Regiment  Nr.  20  transferirt, 
dagegen  der  bei  der  Süd  -  Armee  als  Brigadier  in  Verwendung 
gewesene  Oberst  Johann  Töply  von  Hohenvest  wieder  zur 
Uebemahme  des  Rcgiments-Kommando's  angewiesen. 

Beim  Scheiden  des  Oberst  Peinlich  aus  dem  Regiment, 
welches  nun  ad  interim  Major  Triulzi  kommandirte,  erliess  der 
Oberst  nachstehenden  Abschieds-Befehl: 

«Indem  ich  das  Regiments  -  Kommando  an  seinen  früheren 
„Kommandanten  Herrn  Oberst  von  Töply  wieder  zurück  übergebe, 
»sage  ich  allen  Herren  Offizieren,  Chargen  und  Mannschaft  ein 
»herzliches  Lebewohl! 

»Ich  war  stolz,  das  Kommando  über  ein  so  treu  bewährtes, 
.tapferes  und  intelligentes  Regiment  zu  führen;  der  vortreffliche 
.Geist  uud  die  biedere  Kameradschaft  im  Offiziers  -  Korps,  vereint 
„mit  dem  willigen  und  anhänglichen  Sinn  der  Mannschaft,  welche 
»Tugenden  mein  Herr  Vorgänger  mit  so  richtigem  Takte  zur 
»höchsten  Blflthe  zu  erheben  wusste,  so  wie  vor  allem  die  An- 
»erkennung,  welche  das  Regiment  in  diesem  Feldzuge  sich  erworben 
»hat,  machten  mich  zu  einem  überaus  glücklichen  Obersten. 

»Mit  dem  tiefsten  Schmerze  scheide  ich  aus  dem  Verbände 
»eines  Regiments ,  welches  uuvergesslich  in  meiner  Erinnerung 
»bleiben  wird." 

Oberst  Peinlich  hatte  den  Wunsch  ausgesprochen,  als 
letzten  Dienst  in  dem  ihm  lieb  gewordenen  Regiment  die  Medaillen- 
Vertheilung  vornehmen  zu  wollen.  Das  Regiment  rückte  hiezu  auf 
einem  Felde  bei  Feistritz  am  20.  September  aus,  bei  welcher 
Gelegenheit   nach  Anheftung  der  Medaillen  auf  die  Brust  der 


694 


1866. 


Wackeren  und  Verlesung  der  Allerhöchsten  Belobungen,  der  vom 
Regiment  hochverehrte  Oberst  noch  einmal  Anlass  nahm,  in  herz- 
erhebenden  Worten  Abschied  zu  nehmen. 

Es  erübrigt  nur  noch  die  Vorfalle  und  Leistungen  des  vierten 
Bataillons  zu  schildern,  welches  beim  Ausbruche  des  Feldzuges  die 
Bestimmung  als  Stabstruppe  erhielt. 

Die  19.  und  20.  Kompagnie  waren  dem  8.  Armeekorps  bei- 
gegeben, erstere  folgte  diesem  bis  zum  28.  Juni,  dem  Gefechtstage 
von  Skalic,  als  Bedeckung  des  Trains  bis  Dölau.  Am  29.  war  die 
Kompagnie  in  Lancow  und  in  der  Nacht  in  Kasow ;  dort  von  feind- 
licher Artillerie  beschossen,  wurde  dieselbe  nach  Dubenec  dirigirt, 
rückte  am  1.  Juli  nach  Nedelist  und  kam  am  3.  nach  Kuklena. 
Bei  dem  allgemeinen  Bückzuge  nach  der  Schlacht  retirirte  der 
Train  nach  Pardubitz  und  von  dort  am  4.  über  Chrast,  Borowa, 
Stangendorf,  Trübau  und  langte  am  11.  bei  Olmütz  an.  Am  15. 
wurde  der  Rückzug  des  Trains  fortgesetzt,  musste  jedoch  in  Folge 
des  Gefechtes  bei  Tobitschau  über  die  March  ausweichen  und 
gelangte  nach  Prerau,  rückte  dann  in's  Waagthal  und  passirte  am  25. 
die  Donau.  Nach  mehrtägigem  Aufenthalte  in  Bruck  a.  d.  Leitha 
marschirte  der  Train  am  5.  August  nach  Wien,  woselbst  die  Kom- 
pagnie bis  zur  Auflösung  des  Armeekorps  am  15.  September  verblieb. 
Als  ein  Zeichen  der  Anerkennung  für  die  geleisteten  Dienste  liess 
der  Korps  -  Kommandant  100  fi.  unter  die  Mannschaft  vertheilen. 

Die  20.  Kompagnie  deckto  das  Kolonnen -Magazin  des  8.  Korps 
und  folgte  bis  7.  der  Route  der  21.  Kompagnie.  Die  sächsischen 
Truppen  hatten  auf  dem  Rückzüge  am  7.  Juli  an  der  Strasse  von 
Leitomischl  -  Zwittau  keine  regelmässige  Vorposten  -  Stellung  ge- 
nommen, und  als  nachmittags  5  Uhr  die  Nachricht  einlief,  dass 
der  Feind  mittags  in  Leitomischl  eingerückt  sei,  ertheilte  der  Kron- 
prinz von  Sachsen  den  Befehl,  dass  eine  Eskadron  nach  Nihel 
vorausgehen  und  sich  mit  den  Posten  des  8.  Korps  verbinden  solle. 
Die  Ausführung  dieses  Befehls  verzögerte  sich,  und  so  wurde  es 
700  preussiseheu  Reitern  mit  zwei  Geschützen  möglich,  ohne  auf 
Widerstand  zu  stossen,  bis  an  die  westlichen  Ausgänge  von  Zwittau 
zu  gelangen  und  den  dort  aufgestellten  Train  und  Munitions  -  Park 
des  8.  Korps  zu  uberfallen.  Diese  waren  gerade  im  Abmärsche 
begriffen  und  die  als  Bedeckung  kommandirte  20.  Kompagnie  des 
Regiments  bei  den  600  Wagen  vertheilt.    Der  Feind  setzte  seine 


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IHM. 


695 


Geschütze  in's  Feuer,  was  in  dem  Train  eine  heillose  Verwirrung 
hervorbrachte.  Nichtsdestoweniger  sammelten  die  Offiziere  schnell 
ihre  Leute  und  rückten  dem  Feinde  entgegen,  der  aber  mit  seiner 
üebermacht  sie  nach  kurzem  Gefechte  bald  umzingelte  und  gefangen 
nahm.  Hiedurch  gerieth  Hauptmann  Player,  Oberlieutenant  Muk, 
Lieutenant  Gugler  (verwundet)  und  Soyka  ferner  93  Mann, 
darunter  5  verwundet,  in  feindliche  Gefangenschaft.  33  Mann  gelang 
es  zu  entkommen,  welche  Führer  Johann  Auer  dann  zur  19.  Kom- 
pagnie brachte.  Den  Train  Hessen  die  Feinde  stehen,  daher  die 
Armee  weiters  keinen  Verlust  einbüsste. 

Die  20.  Kompagnie  wurde  unter  Oberlieutenant  Koberl  mit 
der  Bestimmung  für  das  10.  Korps  neu  aufgestellt,  aber  nicht  ver- 
wendet, sondern  am  4.  Oktober  wieder  aufgelöst 

Die  eilfte  Division  mit  dem  Bataillons  -  Stab  befand  sich  beim 
zweiten  Korps.  Nach  Abkommandirung  des  Major  Fabrici  zur 
Uebernahme  des  Regiments- Kommandos  führte  Hauptmann  Aichner 
jenes  des  vierten  Bataillons.  Selbe  trat  am  6.  August  nach  vorzüglich 
geleisteten  Diensten  aus  dem  Verbände  dieses  Korps  und  bildete 
dann  die  Bedeckung  der  Armee -Geschütz -Reserve.  Der  Korps- 
Kommandant  erliess  beim  Abgehen  der  Division  nachstehenden  Tags- 
befebl:  „Ich  kann  diese  braven  Truppen  nicht  scheiden  sehen,  ohne 
«selben  meine  vollständige  Anerkennung  für  die  bei  jeder  Gelegenheit 
«bewiesene  Tapferkeit  und  Ausdauer,  sowie  für  ihr  musterhaftes 
„Verhalten  mit  dem  Beisatze  auszusprechen,  dass  es  für  mich 
«eine  angenehme  Pflicht  sein  wird,  die  besonders  hervorragenden 
„Leistungen  zur  verdienten  Belohnung  namhaft  zu  machen.* 

Die  23.  Kompagnie,  welche  beim  ersten  Korps  das  Kolonnen- 
Magazin  mit  1000  Wägen  und  200  Reserve -Pferden  zu  decken 
hatte,  bewies  ihre  Trefflichkeit  vorzüglich  in  der  Deckung  des 
Marsches  bei  Libna  und  Horsic.  Ein  besonderes  Verdienst  erwarb 
sich  diese  Kompagnie  im  Sammeln  der  vielen  Versprengten  nach 
der  Schlacht,  welche  geordnet  ihren  Truppenkörpern  zugesendet 
wurden.  Auch  während  dem  Gefechte  bei  Prerau  hielt  sie  strenge 
Ordnung  in  der  Kolonne,  so  dass  dieselbe  immer  im  gleichen  Trott 
den  Rückzug  fortsetzte. 

Die  24.  Kompagnie  eskortirte  den  Train  des  ersten  Korps. 
Nach  bedeutenden  Schwierigkeiten  war  es  den  aufopfernden  Anstren- 
gungen der  Offiziere  und  Mannschaft  gelungen,  den  Train  nach  dem 


696 


mm. 


Gefechte  bei  Gitschin  nach  Kuklena  zu  bringen.  Während  dem  irrigen 
Allarm  am  30.  Juni,  besetzte  die  Kompagnie  rasch  einen  tiefen 
Wassergraben  nebst  der  Brücke  mit  der  festen  Absicht,  sich  so 
lange  zu  halten,  bis  der  Train  gesichert  sei,  auch  gab  sie  sich  alle 
Mühe,  Ordnung  unter  den  Fuhrwerken  beim  Abfahren  zu  halten, 
worüber  sich  der  Korps  -  Kommandant  sehr  lobend  im  Tagesbefehle 
ausdrückte. 

Der  Wiener  Männer  -  Gesangsverein,  gleich  berühmt  durch  seine 
künstlerischen  Leistungen  als  seinen  Patriotismus,  hat  am  9.  August 
ein  Kapital  von  864  fl.  70  kr.  Oe.  W.  respektive  die  dafür  an- 
gekaufte Staatsschuldverschreibung  von  2000  fl.  zur  Gründung  einer 
Invalidenstiftung  für  das  Regiment  derart  gewidmet,  dass  mit  den 
jährlichen  Interessen  invalid  gewordene  Krieger  des  Regiments  vom 
Feldwebel  abwärts  betheilt  werden;  ferner  haben  die  k.  k.  priv. 
Grosshändler  Gebrüder  Guttmann  in  Wien  zwei  Stück  National- 
anlehens Obligationen  ä  500  fl.  CM.  zu  Anfang  des  Kampfes  den- 
jenigen zwei  verwundeten  Soldaten  vom  Feldwebel  abwärts  des 
Regiments  gewidmet,  welche  sich  in  diesem  Kriege  besonders  aus- 
zeichnen sollten.  Diese  grossmüthige,  die  patriotischen  Geber  sehr 
ehrende  Spende  wurde  mit  Genehmigung  des  Kriegsministers  am 
11.  September  an  den  Führer  Josef  Nachtmann  der  sechsten 
und  dem  Gemeinen  Thaddäus  Stadler  der  siebenten  Kompagnie  zu 
gleichen  Theilen  übergeben. 

Herr  Steueramts  -  Assistent  Johann  Dolezal  widmete  eine 
National -Anlehens -Obligation  ä  20  fl.  CM.  für  einen  verwundeten, 
auch  sonst  verdienstvollen  Gemeinen;  ein  Ungenannter  eine  5°/0 
Metalliques  -  Obligation  ä  100  fl.  CM.  für  einen  verwundeten,  auch 
sonst  verdienstvollen  Unteroffizier;  Oberkellner  Rudolf  Gussmann 
5  Thaler  in  Silber  an  Witwen  und  Waisen  gebliebener  Soldaten. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  30.  August  hatte  Seine 
Majestät  den  Major  Ulysses  v.  Albertini  des  Regiments  Nr.  59 
in  Anerkennung  seiner  besonders  tapferen  und  rühmlichen  Leistungen 
im  Gefechte  bei  Vezza  in  der  Lombardie,  am  4.  Juli  zum  Oberst- 
lieutenant im  Regimente  befordert,  welcher  am  1.  Oktober  ad  interim 
das  Regiments  -  Kommando  übernahm. 

Mit  23.  September  wurde  die  Annahme  der  neuen  Friedens- 
formation angeordnet,  in  Folge  deren  acht  Kompagnien  und  die 
erste  Depot- Division  aufzulösen  waren.  Am  20.  September  wurden 


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1SG(1. 


097 


die  Kantonnirungsstationen  des  Regiments  nach  Villach  und  Um- 
gebung verlegt  und  es  bezogen  die  Bataillone  folgende  Stationen: 
RegimeDtsstab,  erstes  Bataillon,  fünfte  und  sechste  Kompagnie, 
nebst  dem  zweiten  Bataillonsstab  Villach,  drittes  Bataillon  Riegers- 
dorf und  Umgebung,  viertes  Bataillon,  17.  und  18.  Kompagnie 
Arnoldstein  und  Umgebung. 

Se.  kaiserliche  Hoheit,  Oberst  -  Inhaber  Erzherzog  Wilhelm, 
Hoch-  und  Deutschmeister,  geruhte  am  28.  September  nachstehenden 
Inhabers  -  Befehl  an  das  Regiment  zu  erlassen:  „Mit  freudiger  Be- 
friedigung Meiner  sicheren  Erwartung  habe  Ich  zur  Kenntniss 
»genommen,  dass  der  Mannschaft  Meines  Regiments  als  ehrende 
»Zeichen  der  Tapferkeit  21  Stück  Medaillen  anerkannt  wurden. 

„Die  Geschichte  des  Regimentes  und  dessen  schöne  Vergangen- 
heit liess  mich  von  den  Leistungen  desselben  in  der  jüngst  ver- 
gossenen Aktion  in  Vorhinein  überzeugt  sein.  War  der  letzte  Feld- 
„zug  auch  nicht  vom  Kriegsglücke  begleitet,  so  strahlen  doch  die 
„Thaton  Einzelner  im  schönsten  soldatischen  Lichte.  Ich  fühle  mich 
„daher  veranlasst,  den  Herren  Offizieren  für  ihr  thatkräftiges  Ein- 
„wirken  zur  Erhaltung  des  von  jeher  gepflegten  und  bekannten  Re- 
„gimentsgeistes  Meinen  Dank,  der  Mannschaft  aber  für  die  erneuert 
„abgelegten  Beweise  von  wahrer  Standesliebe,  Pflichttreue  und  be- 
herzter Tapferkeit  Mein  anerkennendes  bestes  Lob  zu  zollen,  wobei 
„Ich  die  feste  Uebcrzeugung  ausspreche,  dass  diese  bewährten 
„soldatischen  Tugenden  zur  hohen  Ehre  des  Regiments  stets  erhalten 
„bleiben  werden. 

„Erzherzog  Wilhelm  m.  p.,  Feldmarschall- Lieutenant.- 

Dessgleichen  richtete  auch  der  bisherige  Korps  -  Kommandant 
Erzherzog  Ernst  bei  Auflösung  des  Korps  einen  Befehl  an  die 
ihm  unterstandeneu  Truppen,  worin  unter  der  vollsten  Anerkennung 
ihrer  bewieseneu  Tüchtigkeit  und  Tapferkeit  denselben  ein  herz- 
liches Lebewohl  zugerufen  wurde. 

Am  L  Oktober  marschirte  das  erste,  am  2.  der  Regimeuts- 
stab  mit  dem  zweiten,  am  3.  das  dritte  Bataillon  mit  der  17.  und 
18.  Kompagnie  nach  Klagenfurt.  Am  4.  wurden  die  Abtheilungen 
des  neuen  vierten  Bataillons  13.  bis  IG.  Kompagnie  nebst  den  Ab- 
theilungcn  der  17.  und  18.  und  allen  in  Folge  der  Versetzung  auf 
den  Friedensstand  zu  beurlaubenden  Soldaten  der  übrigen  Ab- 


008 


1866. 


theilungeu  unter  dem  Kommando  des  neu  ernannten  Kommandanten 
des  vierten  Bataillons  und  Ergänzungs  -  Bezirks  Major  Triulzi, 
mittelst  Eisenbahn  nach  Korneuburg  in  Marsch  gesetzt,  wo  die- 
selben am  5.  abends  anlangten,  den  folgenden  Tag  die  Beur- 
laubungen vornahmen  und  damit  die  neue  Formation  beendeten. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung,  Ischl  am  3.  Oktober,  Ver- 
ordnungsblatt Nr.  56,  geruhte  Se.  Majestät  für  hervorragend  tapfere 
oder  sonst  verdienstliche  Leistungen  im  Feldzuge  gegen  Preussen  nach- 
stehenden Mitgliedern  des  Regiments  Belohnungen  zu  ertheilen: 

Oberst  -  Inhaber,  Feldmarschall  -  Lieutenant  und  Artillerie- 
Inspektor  Erzherzog  Wilhelm  das  Grosskreuz  des  Leopold- 
Ordens  mit  der  Kriegsdekoration;  Major  Franz  Schwarz,  Haupt- 
mann Eduard  Meisl,  Anton  Chitry  v.  Fraiselsfeld,  Karl 
Buchfelder,  Johann  C  z  e  r  m  a  k,  Oberlieutenant  Leo  Grimm 
und  Lieutenant  Karl  Sturm  das  Militär -Verdienstkreuz  mit  der 
Kriegsdekoration ;  dem  auf  dem  Felde  der  Ehre  gebliebenen  Oberst- 
lieutenant Anton  Carmagnola,  dann  dem  Major  Anton  Triulzi, 
Hauptmann  Maximilian  Freiherr  Potior  des  Echelles,  diesem 
für  sein  einsichtsvolles  und  hervorragend  tapferes  Verhalten  beim 
Generalstab  des  zweiten  Armeekorps  und  dem  Oberlieutenant  Re- 
giments-Adjutanten  Philipp  Gunsam  die  belobende  Anerkennung, 
ferner  das  goldene  geistliche  Verdienstkreuz  dem  Feldkaplan  Johann 
Pospischill,  das  goldene  Verdienstkreuz  mit  der  Krone  dem 
Regiments -Arzt  Dr.  Vincenz  Blaschke. 

Der  Brigadier,  G.-M.  Ferdinand  Ritter  Rosenzwoig  von 
Drau  wehr  erhielt  das  Ritterkreuz  des  Leopold -Ordens  mit  der 
Kriegsdekoration. 

Oberst  Johann  Töply  v.  Hohenvest,  welcher  als  Brigadier 
in  Italien  in  der  Schlacht  von  Custozza  am  24.  Juni  erneuerte 
Beweise  seiner  hervorragenden  Tapferkeit  und  eminenten  Fähig- 
keiten gegeben  hatte  und  in  deren  Anerkennung  mit  Allerhöchster 
Entschliessung  vom  18.  Juli  mit  der  Kriegsdekoration  des  Ordens 
der  eisernen  Krone  zweiter  Klasse  huldvollst  belohnt  wurde,  sendete 
nach  Erhalt  des  Allerhöchsten  Befehls  vom  8.  September  zur  Wieder- 
übernahme des  Regiments  demselben  seinen  schriftlichen  Gruss  mit 
folgenden  Worten: 

.Nach  Auflösung  der  mir  Allerhöchst  verliehenen  Brigade  über- 
,nahm  ich  nunmehr  wieder  das  Kommando  des  Regiments,  welches 


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186«. 


609 


«bis  zur  Beendigung  meiner  gegenwärtigen  Verwendung  Herr  Oberst- 
„lieutenant  v.  Albertini  führen  wird.  Kurz,  aber  ereignissschwer 
«war  die  Zeit  meiner  Abwesenheit  Schmerzlich  lastet  auf  der  braven 
«Armee  der  Alp  der  erlittenen  Niederlage  und  es  gehört  männlicher 
«Muth  dazu,  aus  dem  Unglücke  neue  Kraft  zu  schöpfen  und  uns 
«selbst  vertrauend  den  künftigen  Ereignissen  mit  neuer  Begeisterung 
«entgegen  zu  treten,  die,  wir  wollen  es  hoffen,  die  Scharte  aus- 
« wetzen  soll. 

«Euch  meine  braven  Deutschmeister  trifft  kein  Vorwurf,  dafür 
«sprechen  die  Abschiedsworte  Eueres  verehrten  Korps  -  Komman- 
«danten,  dafür  sprechen  die  vielen  Opfer,  die  auf  der  Wahlstatt 
«blieben.  Meine  Worte,  die  ich  Euch  bei  der  Fahnenweihe  kurz  vor 
«meinem  Scheiden  zurief,  —  «dass  Ihr  die  alte  Ehre  der  Deutsch- 
«meister  mit  Euerem  Blute  schützen  werdet,"  —  Ihr  habt  sie  be- 
»wahrheitet.« 

«Wieder  an  Euerer  Spitze,  sehe  ich  getrost  der  Zukunft  ent- 
, gegen.  Wahrt  den  Euch  eigenen  fröhlichen  Sinn,  er  ist  ein  kost- 
, bares  Kleinod  des  Soldaten;  knüpft  daran  Gehorsam,  die  Grundfeste 
«unseres  Standes,  erweckt  und  hebt  gegenseitiges  Vertrauen  je  nach 
«Euerer  Stellung,  und  da  Muth  und  Tapferkeit  Euer  angeborenes 
«Eigenthum  sind,  so  wiederhole  ich,  dass  ich  getrost  und  mit  gc- 
«wohntem  Vertrauen  au  Euere  Spitze  trete. 

«Und  somit  sendet  Euch  allen  Euer  alter  Oberst  bei  seiner 
«Rückkehr  seinen  herzlichen  Gruss. 

«Wien,  20.  Oktober  1866. 

v.  Töply  m.  p.,  Oberst.* 

Am  25.  Oktober  marschirte  der  Regimentsstab  mit  dem  zweiten 
Bataillon,  dann  der  neunten  und  zehnten  Kompagnie  nach  Völker- 
markt ;  die  beiden  genannten  Kompagnien  am  26.  weiter  nach  Griffen, 
das  erste  Bataillon  am  26.  und  27.  nach  Bleiburg  und  die  eilfte 
und  zwölfte  Kompaguic  nach  Völkermarkt.  Das  zweite  Bataillon  und 
die  fünfte  Division  hatten  die  Eisenbahn  benützt,  die  übrigen  Ab- 
theilungen in  Fussmärschen  ihre  Stationen  erreicht.  Das  erste  Ba- 
taillon kommandirte  Oberstlieutenant  von  Albertini,  das  zweite 
Major  Gustav  Ritter  Borosiui  von  Hohenstern,  welcher  vermöge 
Allerhöchster  Entschliessung  vom  25.  September  von  Nr.  27  aus 
der  General  -  Adjutantur  Sr.  Majestät  des  Kaisers  in  das  Regiment 


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700 


eingetheilt  worden,  das  dritte  Major  Ochsenheimer  und  das 
vierte  nebst  dem  Ergänzung  -  Bezirks  -  Kommando  Major  Triulzi. 

Am  1.  November  verlicss  das  Regiment  seine  Stationen,  begann 
den  Marsch  in  seine  neue  Friedens  -  Garnison  Ragusa  und  fuhr  an 
diesem  Tage  in  zwei  Eisenbahnzügen  nach  St.  Peter,  dann  am  2., 
3.  und  4.  nach  Fiume,  am  6.  mit  dem  Lloyddampfer  Neptun  nach 
Ragusa;  die  nach  Igalto  bestimmte  sechste  Division  mit  demselben 
Dampfer  nach  Castelnuovo,  von  wo  sie  im  Fussmarsch  ihre  Garnison 
erreichte.  Das  Regiment  wurde  mit  dem  Stabe,  ersten  und  zweiten 
Bataillon  nach  Ragusa,  der  dritte  Bataillonsstab  mit  der  fünften 
Division  nach  Gravosa,  die  sechste  nach  Jgalto  verlegt  und  erhielt 
die  Eintheilung  in  die  Brigade  G. -M.  von  Morhammer. 

Major  Kajetan  von  Lazarini,  Dienstkämmerer  Sr.  kaiser- 
lichen Hoheit  des  Oberst  -  Inhabers,  wurde  mit  Allerhöchster  Ent- 
Schliessung vom  30.  August  zum  Oberstlieutenant  im  Armeestande 
befördert;  Major  Heinrich  von  Med  er  trat  mit  30.  Dezember  in 
normalmässigen  Ruhestand. 


Mit  Allerhöchster  Erschliessung  vom  4.  Jänner  1867  geruhte 
Se.  Majestät  den  Oberst -Inhaber,  Se.  kaiserl.  Hoheit  Erzherzog 
Wilhelm,  Hoch-  und  Deutschmeister,  zum  Feldzeugmeister  zu 
befördern. 

Mit  kaiserl.  Erschliessung  vom  21.  Februar  1807  erhielt  die 
Infanterie  eine  neue  Organisation,  nach  welcher  ein  Regiment  in 
erster  Linie  aus  dem  1.,  2.,  3.  und  4.  Bataillon,  in  zweiter  Linie 
aus  dem  5.  und  0.  Bataillon  und  eiuer  Depot  -  Division  zu  bestehen 
hatte.  Der  Stand  einer  Kompagnio  wurde  auf  vier  Offiziere  und 
228  Mann,  eines  Bataillons  auf  IG  Offiziere  und  872  Mann,  der 
gesaramte  Stand  eines  Regiments  auf  138  Offiziere,  G008  Mann, 
98  Pferde  und  22  Fuhrwerke  normirt.  Mit  7.  April  erschien  ein 
neues  Abrichtungs  -  Reglement. 

Major  Josef  D  o  r  o  t k  a  v.  E h r en w all  des  Generalstabs, 
wurde  zu  Folge  Allerhöchster  Erschliessung  vom  11.  Mai  1807 


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1867. 


Schntllpr«*f«n  Druck  4tt  ■  k  miM  geojrtf  JnjMglei 


Offizier  und  Jnfanterist  von 
Hoch-und  Deutschmeister 


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1807 -1S7».  701 

zum  Regiment,  dagegen  Major  Friedrich  Ochsenheimer  zum 
Generalstab  transferirt. 

Mit  der  k.  Entschliessung  vom  15.  Juni  hatte  die  Armee  ein 
neues  Exerzier  -  Reglement  erhalten,  jene  vom  16.  systemisirte  die 
Offiziers  -  Aspiranten,  dio  vom  14.  Oktober  bestimmte,  dass  jeder 
Soldat  mit  »Sie*  angesprochen  werde.  Die  wichtigste  Veränderung 
war  die  Umänderung  der  Gewehre  in  Hinterlader  nach  dem  System 
Wänzl  und  die  Annahme  des  Systems  Werndl  für  die  seinerzeitige 
definitive  Bewaffnung. 

Hauptmann  Eduard  Meisl  wurde  zu  Folge  Allerhöchster  Ent- 
schliessung vom  5.  November  1807  wegen  seiner  schweren  Ver- 
wundung vor  dem  Feinde  als  Real  -  Invalid  mit  dem  Charakter  und 
der  Pension  eines  Majors,  unter  Zuzählung  von  10  Jahren  zur 
anrechnungsfTihigen  Dienstzeit  in  den  definitiven  Ruhestand  flber- 
nommen.  Olierstlieutonant  Franz  Fabriri  Edler  v.  Sudwaiden, 
welcher  am  0.  Oktober  1800  in  zeitlichen  Ruhestand  getreten  war, 
wurde  am  21.  November  1807  Real -Invalid. 

Mit  der  Verordnung  des  Reichs  -  Kriegsministeriums  vom 
2.  April  1808  wurde  die  weisse  Farbe  der  Röcke  bei  der  Infanterie 
und  den  Dragonern  abgeschafft  und  dafür  bei  der  Infanterie  die 
dunkelblaue  eingeführt.  Die  Beinkleider  blieben  lichtblau,  verloren 
aber  den  weissen  Einsatz;  an  die  Stelle  der  schwarzen  Gamaschen 
traten  lichtblaue  und  es  wurden  dunkelblaue  Blousen  eingeführt; 
die  Achselvcrzierungen  der  Musiker,  Tarabours  und  Hornisten  wurden 
abgeschafft.  Die  Offiziers- Aspiranten  erhielten  ein  goldenes  Börd- 
ehen auf  dem  Kragen,  auf  dem  Czako  die  Feldwebelsborde;  die 
Oftiziers-Stellvertreter  einen  silbernen  plattirten  Stern  auf  den  Kragen, 
ausserdem  den  Säbel  der  Offiziere,  jedoch  mit  seidenem  Porte  -  ep£e 
und  solcher  Kuppel.  An  die  Stelle  der  Ober  der  Brust  sich  kreuzen- 
den Riemen  für  Seitengewehr  und  Patrontaschen  trat  ein  Ledergurt 
für  beides  und  der  Mann  erhielt  zwei  Patrontaschen. 

Eine  am  1 7.  April  erflossene  kaiserl.  Entschliessung  bestimmte, 
dass  die  Infanterie  -  Regimenter  künftig  nur  zwei  Fahnen  zu  fuhren 
hätten,  eine  für  das  1.,  2.  und  3.,  die  zweite  für  das  4.  und  5.  Ba- 
taillon. Den  Regimentern  ward  freigestellt,  welche  ihrer  Fahnen  sie 
in  Rücksicht  auf  historischen  Werth  beibehalten  wollten  und  so 
wählte  das  Regiment  die  Fahne  des  3.  Bataillons,  welche  bei  Nachod 
abgeschossen  wurde  und  die  jene  des  2.  Bataillons  filr  das  4.  und 


702 


1807-1  »79. 


5.  Bataillon,  während  die  übrigen  an  das  k.  k.  Artillerie  -  Arsenal 
in  Wien  abgeführt  wurden.  Arn  21.  April  erhielt  das  Regiment  die 
Wänzl  -  Gewehre. 

Die  kais.  EntSchliessung  vom  21.  Mai  führte  ein  neues  Eierzier- 
Reglement  ein  und  setzte  das  Manövrir  -  Reglement  und  die  Feld- 
Instruktion  von  1867  ausser  Kraft ;  jene  vom  9.  Juni  hob  das 
Recht  der  Regiments  -  Inhaber,  Offiziere  zu  ernennen,  auf,  das  nun 
alleiniges  Recht  des  Kaisers  wurde,  die  gprichtsherrliche  Gewalt 
überging  an  die  Generalkommanden,  das  Ehebewilligungsrecht  an 
das  Kriegsministerium. 

Oberstlieutenant  Karl  Bolzano  Edler  v.  Krön  statt  des 
Regiments  Nr.  40,  wurde  mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom 
20.  März  1868  zum  Oberst  im  Regiment,  dagegen  mit  jener  vom 
28.  Oktober  der  Oberst  und  Regiments -Kommandant  Johann  Frei- 
herr Töply  v.  Höh  en  v  est  zum  General  -  Major  befördert. 

Das  Offiziers  -  Korps  des  Regiments  ehrte  das  Andenken  an 
seine  bei  Nachod  auf  dem  Felde  der  Ehre  gebliebenen  Kameraden 
durch  ein  Monument  am  Friedhofe  nächst  der  Wenzelskapelle.  Des- 
gleichen wurde  Ober  Anregung  der  Offiziere  des  sechsten  Armeekorps 
ein  Comite  mit  dem  Auftrage  gebildet,  um  sämmtlichen  vom  Korps 
Gebliebenen  ein  wflrdiges  Denkmal  zu  setzen. 

Das  Monument,  ein  Obelisk  von  rothbraunem  böhmischen 
Marmor  mit  Emblemen  , Kranz  von  Lorbeeren  und  Eichenlaub*  aus 
Metall  geziert,  in  einer  Höhe  von  20',  2",  am  Friedhofe  nächst  der 
Wenzelskapelle,  wurde  am  1.  Juni  1868  feierlich  eingeweiht,  bei 
welcher  Festlichkeit  eine  Deputation  des  Regiments  unter  Führung 
des  Major  Triulzi  anwesend  war.  Die  Reiseauslagen  bestritt  Seine 
kais.  Hoheit  der  Oberst  -  Inhaber  Erzherzog  Wilhelm  mit  einem 
bedeutenden  Betrage. 

Das  Monument  des  sechsten  Korps  stellt  eine  Marmor-Piramide 
16',  2"  dar  und  hat  ein  Gewicht  von  200  Centner.  Die  Kosten 
beliefen  sich  auf  2400  fl.,  welche  von  den  Offizieren  bestritten  wurden. 
Dasselbe  ruht  auf  vier  Stufen  von  hartem  Sandstein  und  ist  von 
einem  Metall  -  Gitter  aus  gekehlten  Lanzenspitzen  umgeben.  Die 
Inschrift  lautet:  „Den  am  27.  Juni  1866  hier  gefallenen  Waffen- 
brüdern; die  Kameraden  des  sechsten  Armeekorps.* 

Mit  Cirkular  -  Verordnung  vom  18.  August  1868  wurde  der 
Konkretual  -  Status  für  die  Oberstlientenants,  Majore,  Hauptleute, 


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18*7-1*79. 


703 


Ober-  und  Unterlieutenants  der  gesammten  Infanterie  und  Jäger- 
truppe eingeführt,  demzufolge  das  Avancement  nicht  mehr  auf  die 
einzelnen  Truppenkörper  beschränkt  bleibt,  sondern  innerhalb  des, 
sämmtliche  Chargen  der  betreffenden  ganzen  Waffengattung  vom 
Oberstlieutenant  abwärts  umfassenden  Konkretual-Status  sich  bewegt. 

Der  Armeebefehl  des  Kaisers  vom  5.  December  gab  dem  Heere 
die  Annahme  eines  neuen  Wehrgesetzes  (allgemeine  Wehrpflicht) 
und  die  Errichtung  der  Landwehr  kund  und  das  Verordnungsblatt 
vom  7.  December  die  Abschaffung  der  körperlichen  (Stockstreiche) 
und  der  Kettenstrafe;  auch  wurde  in  diesem  Jahre  zur  rationellen 
einheitlichen  Behandlung  der  Hinterlander,  die  Armee  -  Schützen- 
schule im  Bmcker  Lager  errichtet. 

Mit  1.  Februar  1869  hörten  die  Regiments  -  Seelsorger  auf, 
die  Militär-Geistlichkeit  wurde  in  den  Garnisonen  stabilisirt;  an  die 
Stelle  des  Kriegskommissariats  trat  die  Intendanz  und  am  1.  April 
gelangten  die  Verwaltungs-  Kommissionen  bei  den  Truppen  zur  Aus- 
führung. Im  April  wurde  die  mit  kais.  Entschliessung  vom  24.  Jänner 
festgestellte  neue  Benennung  der  Chargen  -  Grade  beim  Regiment 
veröffentlicht,  der  Name  Gemeiner  durch  Infanterist  ersetzt. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  23.  April  1869  wurde 
Major  Gustav  Borosini  v.  Hohenstern  zum  Oberstlieutenant 
und  Hauptmann  Adolf  Freyschlag,  Edler  v.  Freyenstein 
von  Nr.  14  zum  Major  im  Regiment  ernannt. 

Mit  1.  Mai  trat  ein  neues  Organisationsstatut  der  Infanterie 
(Linien -Regiment  ä  3  Bataillone,  Reserve -Kommando  ä  2  Bataillone 
und  Ergänzungs- Bataillons -Cadre)  in's  Leben. 

Im  Mai  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  Dalmatien  zu  ver- 
lassen und  in  seine  neue  Garnison  Graz  zu  rücken.  Am  1.  Juni 
schiffte  sich  dasselbe  auf  dem  Dampfer  Ceres  ein,  hatte  während 
der  Seereise  einen  sehr  heftigen  Sturm  zu  bestehen  und  erreichte 
erst  am  3.  Triest.  An  demselben  Abende  wurde  der  Marsch  mittelst 
Eisenbahn  fortgesetzt,  unterwegs  in  Villach  abgekocht  und  am  5. 
in  Graz  eingerückt. 

Die  kais.  Entschliessung  vom  5.  August  hatte  statt  der  Granate 
als  Auszeichnung  für  die  länger  als  ihre  gesetzraässige  Liniendienst- 
zeit bei  der  Truppe  verbleibenden  Unteroffiziere,  Armstreifen  von 
gelber  Wolle  eingeführt.  Dieses  am  linken  Unterarm  zu  tragende 
Dienstzeichen  besteht  nach  drei  Jahren  in  1,  nach  sechs  Jahren  2 


7or, 


1%7- 187», 


Dienstleistung  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt 
gegeben;  in  seine  Stelle  der  Oberstlieutenant  v.  Borosini  zum 
Reserve -Kommandanten  ernannt:  dann  mit  jener  vom  1.  Oktober 
Major  v.  Freyschlag  zum  Professor  in  der  Militär -Akademie  zu 
Wiener-Neustadt  ernannt,  mit  jener  vom  20.  Oktober  Oberstlieute- 
nant Othmar  Crnsiz  bisher  Überkomplet  im  Geniestab,  Major  Karl 
Ritter  v.  Questiaux  von  Nr.  43  und  Hauptmann  Josef  Edler 
v.  Faby  von  Nr.  57  als  Majore  in  das  Regiment  eingetheilt. 

Noch  vor  Schluss  dieses  Jahres  beging  Oesterreich  -  Ungarn  ein 
seltenes  hohes  Fest.  Se.  Majestät  der  Kaiser  feierte  am  2.  De- 
zember 1873  Allerhöchst  sein  fQnfundzwanzigjähriges  Regierungs- 
Jubiläum.  Vom  edelsten  Patriotismus  beseelt,  diesen  von  so  hoher  Be- 
deutung sprechenden  Zeitraum,  sowie  die  Liebe  und  treue  Anhäng- 
lichkeit an  den  ritterlichen  Kaiser  zu  manifestiren,  waren  zahlreiche 
Stiftungen  für  wohlthätige  Zwecke  von  der  Bevölkerung  und  der 
k.  k.  Armee  in's  Leben  gerufen:  in  jeder  Stadt,  ja  jedem  Orte  des 
weiten  geliebten  Vaterlandes  wurde  dieser  Tag  zur  Ehre  des  Mon- 
archen als  Freudentag  begangen,  Festlichkeiten  und  Illuminationen 
veranstaltet. 

Das  Reichs -Kriegsministerium  fand  anlässig  dieser  Feier  Nach- 
stehendes anzubefehlen:  „Am  1.  Dezember  1.  J.,  als  dem  Vortage 
»des  hohen  Festes;  haben  zur  Zeit  der  Retraite  die  Militärmusiken 
„nach  Anordnung  der  Militär -Stations- Kommandanten  die  Gassen 
„mit  klingendem  Spiele  zu  durchziehen.  In  gleicher  Weise  hat  dies 
„am  2.  Dezember  1.  J.,  als  am  Festtage  selbst,  zur  Zeit  der  Tag- 
„ wache  zu  geschehen  und  es  sind  zur  selben  Zeit  Einhundert  und 
„ein  Kanonensch flsse  abzufeuern.  In  der  Weise,  wie  es  im  Dienst- 
„  Reglement  fflr  das  Namensfest  Sr.  k.  und  k.  apost.  Majestät  vor- 
geschrieben erscheint,  ist  in  allen  Garnisonsorten  ein  feierlicher 
„Gottesdienst  abzuhalten.  Die  Wachen  haben  an  diesem  Tage  in 
„Parade  adjustirt,  die  dienstfreie  Mannschaft  ausser  der  Kaserne 
„wie  am  Sonntage  gekleidet  zu  sein.  Die  Mannschaft  ist  von  der 
„täglichen  Beschäftigung  frei  zu  halten,  und  es  ist  derselben  am 
„Festtage  selbst  eine  dreitägige  Gratislöhnung  auszubezahlen.* 

Der  Mannschaft  des  Regiments  wurde  noch  ein  Abendessen 
und  Bier  verabfolgt. 

Am  2.  Dezember  empfing  Se.  Majestät,  der  hohe  Jubilar,  im 
Rittersaale  der  Hofburg  die  von  Sr.  k.  k.  Hoheit  dem  Herrn  Feld- 


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1WJ7  -1879, 


707 


marschall  Erzherzog  Alb  recht  geführten  aktiven  Generale,  Stabs- 
offiziere und  Militärpersonen  von  äquiparirendem  Rang  des  k.  k. 
Heeres,  dann  eine  Anzahl  höherer  Offiziere  der  Kriegsmarine  und 
beider  Landwehren. 

Die  Ansprache,  welche  Sr.  k.  k.  Hoheit  der  Herr  Feldmarschall 
Erzherzog  Alb  recht  an  Sr.  k.  k.  apost.  Majestät  richtete,  und  die 
Antwort,  welche  Sr.  Majestät  darauf  zu  ertheilen  geruhte,  wurden  in 
Form  eines  Gedenkblattes  in  jedem  Mannschaftszimmer  angebracht. 
Die  k.  k.  Armee,  stolz  auf  die  Liebe  ihres  obersten  Kriegsherrn, 
wird  diese  warmen  und  treuherzigen  Worte  nie  und  nimmer  ver- 
gessen. 

Anlässig  des  Regierungs -Jubiläums  erliess  Sr.  Majestät  nach- 
stehenden Allerhöchsten  Armeebefehl  dfco.  2.  Dezember:  »Ein  Viertel- 
Jahrhundert  Meiner  Regierungszeit  findet  heute  unter  Meinem  Herzen 
„wohlthuenden  Kundgebungen  seinen  Abschluss.  Viele  und  schwere 
.Kämpfe  fallen  in  die  Epoche,  in  denen  Meine  Armee  und  Kriegs- 
marine glänzende  Beweise  heldenmOthiger  Tapferkeit  und  un- 
erschütterlicher Treue  gegeben  haben.  Es  ist  Mein  Wunsch,  alle 
„Jene,  die  in  welch'  immer  Charge  und  Eigenschaft  an  den  Kriegen 
„dieser  Zeit  theilgenommen  haben,  durch  ein  sichtbares  Zeichen 
„ ehrend  auszuzeichnen.  Ich  habe  daher  beschlossen,  eine  Erinnerungs- 
medaille zu  stiften,  wegen  deren  Ausfahrung  und  Zuwendung  an 
„die  Anspruchsberechtigten  Ich  die  Statuten  und  Befehle  erlasse." 

Durch  diese  Stiftung  ward  der  Armee  ein  langgehegter  Wunsch 
erfüllt.  Jeder  Soldat  legt  den  höchsten  Werth  in  eine  solche  Aus- 
zeichnung, welche  bezeugt,  dass  er  der  heiligsten  seiner  Pflichten 
nachgekommen,  dass  er  in  schweren  Tagen  seinen  Kaiser  beschützte 
und  beschirmte.  Die  in  Medaillenform  aus  Bronze  geprägte  Denk- 
münze trägt  auf  der  Vorderseite  das  Bildniss  Sr.  Majestät  des  Kaisers 
und  Königs  mit  der  Umschrift  des  Allerhöchsten  Namens  und  auf 
der  Rückseite  die  von  einem  Lorbeer-  und  Eichenkranze  umschlungene 
Inschrift  des  Stiftungstages  „2.  Dezember  1873* ;  diese  Kriegsmedaille 
wird  an  einem  schwarz  und  gelben  gerippten  Bande  mit  glatter 
Einfassung  in  den  gleichen  Farben  auf  der  Unken  Brust  getragen. 

Die  Kriegsmedaille  erhielten  im  Regiment  88  Stabs-  und  Ober- 
Offiziere  und  1768  Mann  vom  Feldwebel  abwärts;  im  Ergänzungs- 
bezirk wurden  14.000  pensiouirte  oder  ehemals  in  der  Armee  gediente 
Stabs-  und  Oberoffiziere  und  ehemalige  Mannschaft  betheilt. 

45* 


708 


1S4J7-1S79 


« 


Major  Alfred  Sturz  erhielt  mit  Allerhöchster  Entschliessung 
vom  2.  April  1874  die  Bewilligung,  das  ihm  verliehene  Offiziers- 
kreuz des  köng.  italienischen  St.  Mauritius-  und  La2arus  -  Ordens 
annehmen  und  tragen  zu  dürfen;  derselbe  trat  am  30.  August  als 
ganz  Invalid  in  den  bleibenden  Ruhestand. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  25.  April  1874  avan- 
cirten  die  Majore  Anton  Triulzi  und  Maximilian  Freiherr  Potier 
des  Echelles  zu  Oberstlieutenants. 

Major  Urban  Luxardo  des  Regiments  Nr.  22  wurde  mit 

19.  Oktober  1874,  ebenso  mit  31.  Oktober  Major  Kmcrich  Polak 
des  Regiments  Nr.  14,  letzterer  bisher  Supplent  des  Professors  am 
Central  -  Infanterie  -  Curse ,  zu  Obersttientenants  befördert  und  in 
das  Regiment  eingotheilt.  Major  Karl  Freih.  Hausmann  - Stetten 
erhielt  mit  17.  August  1874  unter  Wahrung  des  Rücktritts  in  das 
stehende  Heer  die  definitive  Ernennung  zum  Kommandanten  des 
aktiven  Landes-Schfitzen-  Bataillons  Ober  -  Etschthal  Nr.  4. 

Im  Jahre  1874  war  das  Linien  -  Regiment  vom  27.  Mai  bis 

20.  Juni  im  Lager  bei  Bruck;  am  10.  Juni  vor  Sr.  Majestät  aus- 
gerückt, hatte  sich  dasselbe  abermals  die  Allerhöchste  Zufriedenheit 
erworben. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  IG.  April  1875  wurden 
die  Oberstlieutcnants  Gustav  B o r o s i n i  v.  Hohenstern  und  Franz 
Weikard  zu  Obersten  befördert:  mit  jener  vom  20.  Juni  der 
Ritter  der  eisernen  Krone  Ludwig  Bandian  zum  Kommandanten 
der  ersten  Infanterie-Brigade  in  der  XXXI.  Truppen-Division,  Oberst 
v.  Borosini  zum  Regiments -Kommandanten  und  Oberstlicutenant 
Triulzi  zum  Reserve -Kommandanten  ernanut. 

Vom  2G.  Juli  bis  20.  August  wohnte  das  Linien  -  Regiment 
einer  Lager-Periode  im  Brucker-Lager  bei,  war  am  13.  August 
vor  Sr.  Majestät  ausgerückt,  hatte  die  Allerhöchste  Belobung  er- 
halten und  bezog  dann  wieder  seine  früheren  übikationen  in  der 
Heumarkt  -  Kaserne. 

Hauptmann  Ernst  Schmedes,  Professor  an  der  technischen 
Militär -Akademie  avancirte  am  1.  November  1875  zum  Major  und 
mit  demselben  Tage  wurde  der  Major  Adolf  Freyschlag  Edler 
v.  Freyenstein  zum  Regiment  Nr.  28  transferiri 

Mit  31.  Jänner  1876  geruhte  Se.  Majestät  den  Oberst  Franz 
Weikard,  Oberstlieutenant  Othmar  Crusiz,  Militär -Attache«  bei 


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1867-1879. 


709 


der  k.  k.  Botschaft  zu  Paris,  und  Oberstlieutenant  Maximilian  Frei- 
herr Potier  des  Echelles  in  das  neu  formirte  Generalstabs- 
Eorps  einzuteilen.  Hauptmann  Robert  Englisch,  Lehrer  an  der 
Militär-Akademie  zu  Wiener- Neustadt,  avancirte  mit  1.  Mai  1876 
zum  Major  im  Armeestande. 

Auch  in  diesem  Jahre  war  das  Linien  -  Regiment  vom  9.  bis 
31.  Mai  eine  Periode  im  Brucker -Lager. 

Oberstlieutenant  Urban  Luxardo  wurde  am  19.  Oktober  zum 
Regiment  Nr.  50  transferirt. 

Mit  1.  November  187G  avancirte  der  Oberst -Qua -Brigadier, 
Ritter  der  eisernen  Krone  Ludwig  Band i an  zum  General -Major; 
die  Majors  Anton  Edler  v.  Möraus  und  Karl  Freiherr  v.  Sali  8- 
Samaden,  letzterer  in  seiner  Anstellung  zu  Oberstlieutenants,  die 
Hauptleute  Leopold  Wagner  des  Jäger -Bataillons  Nr.  3  und 
Mathias  P  r  ü  g  e  r  zu  Majors  im  Regiment,  dagegen  wurde  der  Major 
Karl  Ritter  v.  Questiaux  zum  Regiment  Nr.  43  transferirt. 

Mit  Allerhöchster  Entschliessung  vom  24.  April  1877  wurde 
der  Oberstlieutenant  Karl  Freiherr  v.  Salis-Samaden  zum  Re- 
giment Nr.  58  transferirt. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  erliess  anlässig  des  Dienstjubiläums 
des  Erzherzogs  Alb  recht  nachstehenden  Armeebefehl: 

.Mein  Herr  Vetter  der  Feldmarschall  Erzherzog  Alb  recht 
„feiert  sein  fünfzigjähriges  Jubiläum  als  Soldat.  Ich  habe  bei  diesem, 
„für  Mich  und  Meine  Armee  so  erfreulichem  Anlasse  das  nachstehende 
„Handschreiben  an  Se.  kais.  Hoheit  erlassen  und  befehle,  dass  das- 
selbe allen  Theilcu  Meiner  bewaffneten  Macht  in  entsprechender 
„Weise  kundgemacht  werde. 

Lieber  Herr  Vetter,  Feldmarschall 
Erzherzog  Alb  recht! 

„Eine  erhebende  Feier  ist  es,  die  Ich  in  freudiger  Erinnerung, 
„dass  Euer  Liebden  nunmehr  ein  halbes  Jahrhundert  Meiner  Armee 
„angehören,  zu  begehen  im  Begriffe  bin. 

»Das  warme  Soldatcnherz,  welches  der  Jüngling  in  fernliegender 
„Zeit  der  Armee  entgegenbrachte,  Sic  haben  es  Ihr  bis  zum  heutigen 
„Tage  unverändert  bewahrt. 

„In  Zeiten  des  Friedens  war  Ihre  hingebungsvolle  Thätigkeit, 
„Ihr  ganzes  Sinnen  und  Streben  stets  der  Wohlfahrt  und  der  tüchtigen 


710 


1867—1870. 


„Ausbildung  des  Heeres  geweiht;  galt  es  aber  in  ernsten  Tagen, 
„für  Kaiser  und  Reich  einzutreten,  dann  sind  Sie  —  ein  leuchtendes 
„Vorbild  edler  Selbstverleugnung  und  Aufopferung  —  freudig  meinem 
»Rufe  gefolgt  und  haben  Oesterreichs  Krieger  zu  Sieg  und  Ruhm 
„geführt 

„Die  Ueberlieferuug  und  Verherrlichung  Ihrer  Thaten  und 
„Verdienste  bleibt  der  vaterländischen  Geschichte  vorbehalten  und 
„wird  gewiss  in  deren  schönsten  Blättern  ihren  würdigen  Platz  finden. 

„Ich  aber  will,  dem  Drange  Meines  Herzens  folgend  und  mit 
„dankbarem  Rückblicke  auf  solch'  eine  ruhmvolle  Vergangenheit, 
„Euer  Liebden  Meine  eigenen  und  die  nicht  minder  herzlichen  und 
„aufrichtigen  Glückwünsche  Meiner  Armee  hiemit  darbringen. 

„Möge  die  Gnade  des  Allmächtigen  Euer  Liebden  zu  Meiner 
„Freude  und  zum  Heile  des  Vaterlandes  noch  lange  Jahre  in  unge- 
brochener Kraft  erhalten! 

„Wien,  am  17.  April  1877. 

„Franz  Joseph  m.  p.* 

Bei  dem  abends  stattgefundenen  Fackelzuge  hatte  sich  das 
gesammte  Offizierskorps  eingefunden  und  brachte  dem  geliebten 
Helden  von  Novara  und  Sieger  bei  Custozza  im  Vereine  mit  dem 
Offizierskorps  der  Residenz,  aus  dem  Herzen  dringende  begeisterte 
Hochs  aus. 

An  dem  Tage  der  Jubiläumsfeier  hatte  Oberst  v.  Borosini 
mit  einem  Stabs-  und  Oberoftizier  des  Regiments  die  Ehre  mit  den 
Deputationen  der  Armee  vereint,  bei  der  vom  Kriegsminister  F.-M.-Lt 
Grafen  Byland-Rheidt  vorgetragenen  Beglückwünschung  gegen- 
wärtig zu  sein  und  dann  auch  zur  Tafel  gezogen  zu  werden. 

Die  Thaten  Sr.  kais.  Hoheit  des  hochverehrten  Feldmarschalls 
Erzherzog  Alb  recht  bleiben  unsterblich  in  der  Geschichte  Oester- 
reichs! Das  Regiment,  welches  sowohl  im  Kriege  als  Frieden  oft 
unter  Seinem  speziellen  Kommando  zu  stehen  die  Ehre  hatte,  bewahrt 
hierüber  ruhmvolle  Momente  in  seiner  Geschichte.  Die  Verehrung 
Höchstseiner  Person  ist  sprichwörtlich  im  weiten  Vaterlande. 

Oberstlieutenant  Anton  Triulzi  wurde  am  1.  Mai  1877  zum 
Obersten,  Hauptmann  Anton  Player  zum  Major  befördert. 

In  diesem  Jahre  war  das  Reserve-Kommando  vom  30.  August 
bis  13.  September  zum  ersten  Male  im  Lager  bei  Bruck,  und  zwar 


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1867-1879. 


711 


der  Regimentsstab  und  da»  1.  Feld  -  Bataillon,  Reserve  -  Kommaudo 
mit  dem  4.  und  5.  Bataillon.  Am  3.  September  rückten  die  ob- 
bezeichneten  Abtheilungen  vor  Sr.  Majestät  aus,  und  erfreuten  sich 
der  huldreichsten  Zufriedenheit  des  obersten  Kriegsherrn. 

Vom  Linien  -  liegiment  waren  während  dieser  Lager  -  Periode 
das  2.  und  3.  Bataillon  an  Stelle  des  Reserve  -  Kommandos,  behufs 
Vornahme  der  Wafl'cnübungen  mit  den  Reservemännern  in  Korneu- 
burg dctachirt. 

Hauptmann  Stanislaus  Edler  v.  Vitali  erhielt  mit  Aller- 
höchster Entschließung  vom  27.  Oktober  1877  bei  seiner  Versetzung 
in  den  bleibenden  Ruhestand  den  Majors-Charakter  ad  honores,  Major 
Leopold  Wagner  war  1877  gestorben.  Hauptmann  Edmund  Rinek 
avancirte  am  1.  November  1877  zum  Major. 

Vom  5.  bis  30.  Juli  1878  befand  sich  das  Linien  -  Regiment 
eine  Periode  im  Brucker  -  Lager,  hatte  bei  der  Ausrückung  am 
24.  Juli  die  Allerhöchste  Zufriedenheit  Sr.  Majestät  erworben  und 
bezog  danu  wieder  iu  Wien  die  Heumarkt  -  Kaserne. 

Oberst  Anton  Edler  v.  Triulzi  wurde  mit  21.  August  1878 
zum  Plutzkommaudanten  beim  Hauptquartier  der  zweiten  Armee, 
dagegen  in  seine  Stelle  Oberstlieutcuaut  Anton  Edler  v.  Möraus 
zum  Reserve  -  Kommandanten,  Major  Josef  Edler  v.  Faby  mit 
15.  September  zum  Oberstlicutenant  und  mit  demselben  Tage  Haupt- 
mann Franz  Lettovsky  zum  Major,  dann  mit  1.  November  Major 
und  Ergäuzuugs- Bezirks  -Kommandant  Emerich  Polak  zum  Oberst- 
lieutenant ernannt. 

Mit  Allerhöchster  Eutschliessung  vom  22.  März  1879  wurde 
Oberst  Gustav  Boro  sin  i  Edler  v.  Hoheustern  zum  Komman- 
danten der  53.  Infanterie  -  Brigade,  dagegen  der  Oberst  Karl  Prevot 
Reserve  -  Kommandant  des  Regiments  Nr.  36,  zum  Regiments -Kom- 
mandanten ernannt. 

Im  März  1879  erhielt  das  Regiment  den  Befehl,  am  1.  April 
in  seine  neue  Garnison  uach  Cattaro  abzurücken.  Am  31.  veranstaltete 
das  Offiziers  -  Korps  im  „Grand  Hotel"  ein  Abschiedssouper,  an 
welchem  der  Adlatus  des  Kommandirendeu,  F. -M.-Lt.  Ritter  von 
Abele,  F. -M.-Lt.  v.  Biene rth,  der  Brigadier  G.-M.  Ritter  von 
Hoffinger,  alle  Stabsoffiziere  der  zweiten  Division  und  je  eine 
Deputation  von  jedem  zur  Division  gehörigen  Reginiente,  im  Ganzen 
120  Offiziere  aller  Grade  theilnahmcn.  Den  ersten  Toast  brachte 


712 


1867-1879. 


der  F.-M.-Lt.  Ritter  v.  Abele  auf  den  obersten  Kriegsherrn,  den 
zweiten  auf  den  Regiments  -  Inhaber  Erzherzog  Wilhelm  und  den 
dritten  auf  den  Kommandirenden  F. -Z.-M.  Baron  Maroicic  aus. 
F.-M.-Lt.  v.  Bienerth  brachte  einen  Toast  auf  das  tapfere  Re- 
giment und  seinen  Obersten  Ritter  v.  B  o  r  o  s  i  n  i  aus,  welchen  Toast 
der  Oberst  erwiderte.  G.-M.  Ritter  v.  Hoffinger  gab  dem  schmerz- 
lichen Gefühle  Ausdruck,  dass  ein  so  braves  und  beliebtes  Regiment 
aus  dem  Verbände  der  Division  und  Brigade  scheidet. 

Der  kommandirende  General  F. -Z.-M.  Baron  Maroicic  hat 
folgenden  Generalkommando  -  Befehl  erlassen: 

„Da8  Linien- Infanterie -Regiment  Hoch-  und  Deutschmeister 
aNr.  4  verlässt  nach  beinahe  sechsjähriger  Anwesenheit  in  Wien 
»am  1.  April  d.  J.  die  Garnison  und  damit  seine  eigene  Heimat,  um 
»nach  Dalmatien  abzurücken.  Bei  diesem  Anlasse  gereicht  es  mir 
»zur  besonderen  Befriedigung,  dem  Regimente  für  seine  jederzeit 
»bewährte  vorzügliche  Haltung,  seine  treffliche  Ausbildung,  sowie 
»für  seinen  guten  Geist  meine  Anerkennung  und  den  Dank  im  Namen 
»des  Allerhöchsten  Dienstes  auszusprechen.  Ich  bin  der  festen  Ueber- 
» zeugung,  dass  das  Regiment  seinen  bisherigen,  im  Kriege  wie  im 
»Frieden  erworbenen  Ruf  auch  unter  den  neuen  schwierigen  Ver- 
hältnissen aufrecht  erhalten  werde.  Meine  besten  Wünsche  begleiten 
»es  an  seine  neue  Bestimmung. 

»Maroicic,  F.-Z.-M.4 

Bei  dem  am  1.  April,  6  Uhr  früh,  erfolgten  Abmärsche  war 
eine  unabsehbare  Menschenmenge  versammelt,  alle,  Verwandte  oder 
gute  Freunde  und  Bekannte,  welche  bei  der  Abfahrt  am  Südbahn- 
hofe die  herzlichsten  Glückwünsche  ihrem  beliebten  Regimente  (im 
Volksmunde  »die  Edelknaben")  nachriefen.  Bei  dieser  Gelegenheit 
sei  wegen  der  Abstammung  dieses  allgemeinen  Namens  »Edelknaben4, 
mit  welchem  die  Mannschaft  immer  benannt  wurde,  erwähnt,  dass 
derselbe  nach  den  genauesten  Forschungen  aus  der  Zeit  Kaiser 
Josef  U.  stammt.  Der  Monarch  war  dem  Regimente,  wie  auch  aus 
der  Regimentsgeschichte  hervorgeht,  besonders  gewogen,  wiederholt 
erfreute  sich  dasselbe  der  besonderen  Aufmerksamkeit  und  Aus- 
zeichnung des  grossen  Kaisers  und  stellte  dasselbe  im  Lager  den 
übrigen  Truppen  als  Muster  dar.  Schnell  bemächtigte  sich  der  immer 
blühende  Witz  der  Wiener  dieser  Auszeichnung  ihrer  Brüder  und 


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1867-1879. 


713 


Söhne  mit  dem  allgemeinen  Ausspruche:  „Unsere  Deutschmeister 
sind  unserm  Kaiser  seine  Edelknaben"  und  diess  erhielt  sich  bis 
auf  den  heutigen  Tag. 

Das  Regiment  rückte  am  2.  April  abends  in  Triest  ein,  blieb 
hier  über  Nacht,  wurde  am  folgenden  Tage  auf  dem  Lloyd-Dampfer 
»Minerva"  eingeschifft  und  erreichte,  die  Fahrt  ununterbrochen  fort- 
setzend, am  5.  April,  6  Uhr  morgens  Castelnuovo,  wo  das  dritte 
Bataillon  ausbarkirt  wurde.  Die  übrigen  Abtheilungen  setzten  dann 
die  Fahrt  fort,  rückten  mittags  in  Cattaro  ein  und  detachirten  die 
5.  Kompagnie  nach  Mula,  0.  Risano,  7.  St.  Matteo  und  die  8. 
nach  Persagno. 

Oberstlieutenant  Reserve  -  Kommandant  Anton  Edler  v.  Möraus 
wurde  am  1.  Mai  1879  zum  Obersten  befördert. 

Am  8.  Mai  ist  der  Oberst -Inhaber,  F.-Z.-M.  Erzherzog 
Wilhelm  mit  dem  Dampfer  .Andreas  Hofer*  zur  Inspizirung  der 
Artillerie  in  Cattaro  angekommen,  lud  die  Stabsoffiziere  zur  Tafel 
und  Hess  der  Mannschaft  des  Regiments  eine  dreitägige  Gratis- 
löhnung auszahlen.  Am  folgenden  Tage  setzte  Se.  kais.  Hoheit  die 
Weiterreise  fort. 

Das  Reserve  -  Kommando  war  vom  10.  Juni  bis  8.  Juli  im 
Brucker-Lager,  rückte  am  18.  Juni  vor  Sr.  Majestät  aus,  erwarb 
die  Allerhöchste  Belobung  und  rückte  am  11.  Juli  wieder  in  seiner 
Garnison  Korneuburg  ein. 


Im  Jahre  1191  bestätigte  Papst  Cölestin  HI.  den  im  heiligen 
Lande  erstandenen  „Orden  der  Brüder  des  deutschen  Hauses  Unserer 
Lieben  Frau  zu  Jerusalem".  König  Heinrich  von  Jerusalem  und 
der  Herzog  Friedrich  von  Schwaben  gaben  vierzig  deutschen  Edel- 
leuten  im  Einverständnisse  mit  Kaiser  Heinrich  VI.  den  Ritter- 
schlag und  der  Patriarch  vou  Jerusalem  das  Ordenskleid,  einen 
weissen  Mantel  mit  einem  schwarzen  Kreuze. 

In  den  Reihen  der  christlichen  Heere,  welche  gegen  die 
Sarazenen  zu  Felde  zogen,  kämpften  nun  die  Ritter  des  „deutschen 
Ordens"  und  machten  sich  bald  durch  ihren  Heldenmuth  berühmt. 


714 


1867-1870. 


Unier  dem  Meister  üermaim  von  Sulza  1210  zählte  der  Orden 
schon  2000  Kitter.  Herzog  Leopold  von  Oesterreich,  welcher  dem 
Orden  wegen  seiner  Tapferkeit  besonders  zugethan  war,  errichtete 
in  seinem  Lande  die  erste  Bailei  und  Kaiser  Friedrich  IL  gab 
dem  Meister  den  Titel  „  Hochmeister"  und  das  Hecht,  den  deutschen 
Keichsadler  im  goldenen  Schilde  auf  dem  Ordenskreuze  zu  tragen. 
Um  dieselbe  Zeit  ging  Jerusalem  verloren,  der  Orden  zog  1224 
nach  Venedig  und  von  hier  in  Folge  Aufforderung  des  Herzogs 
Konrad  von  Massovieii  in  den  Kampf  gegen  die  Preussen. 

Nach  damaliger  Sitte  sollte  dem  Orden  das  eroberte  Land 
überlassen  bleiben  und  wirklich  gelang  es  den  Rittern  bald  Preussen 
und  Liefland  zu  erobern  und  sich  das  Land  zu  unterwerfen.  Die 
Städte  Kulm,  Elbiug,  Thorn,  Danzig,  Marienburg  entstanden  durch 
die  Thätigkeit  des  Ordens.  Kultur  und  Sitte,  Wissenschaft  und 
Glaube  wurde  durch  den  deutschen  Orden  nach  Preussen  gebracht 

Im  Jahre  1324  begann  ein  langjähriger  Krieg  mit  Polen  und 
den  Lithauern,  in  welchem  die  Macht  des  Ordens  bereits  so  hoch 
gestiegen  war,  dass  er  ein  Heer  von  40.000  Mann  im  Felde  hatte 
und  anfangs  des  Jahres  1400  sechzig  Städte  und  eben  so  viele 
Burgen  besass.  Diess  war  die  Zeit  seines  höchsten  Glanzpunktes. 

1457  kam  der  Hauptsitz  Marieuburg  in  feindliche  Hände  und 
der  Friedensschluss  zu  Thorn  1400  war  für  den  Orden,  welcher 
bald  darauf  seinen  Sitz  in  Mergcntlieim  nahm,  verderblich. 

Von  nun  au  kämpften  nur  einzelne  Mitglieder  mit  ihren  Kom- 
pagnien im  Kriege  gegen  die  Türken.  Maximilian,  Erzherzog 
von  Oesterreich  als  Hochmeister  kommandirte  1590  als  Feldherr 
die  kaiserliche  Armee.  Im  dreissigjährigen  Kriege  erwarben  sich  die 
Hochmeister  Kaspar  v.  Stadion  und  Erzherzog  Leopold  Wilhelm 
mit  den  Rittern  besondere  Verdienste,  dann  1083  bei  dem  Entsätze 
Wiens  der  Herzog  Ludwig  Anton  von  Pfalz  -  Neuburg. 

Nach  des  letzterem  Tode  wurde  sein  Bruder  Herzog  Franz 
Ludwig  von  Pfalz -Neuburg  Hochmeister,  welcher  das  Regiment 
errichtete  und  in  welchem  von  nun  an  die  Ordensritter  als  Offiziere 
dienten.  Das  Regiment  Hoch-  und  Deutschmeister  wurde  dadurch, 
dass  der  jeweilige  Hochmeister  die  Oberst -Inhabersstelle  bekleidet, 
dasselbe  den  Namen  auf  ewige  Zeiten  zu  führen  hat  und  die  Ritter 
in  demselben  dienten,  der  Erbe  dieses  ruhmreichen  Ordens,  dessen 
Heldenthaten  einst  Europa  erfüllten. 


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1867-187«. 


715 


Ein  Zeitraum  von  688  Jahren  liegt  seit  Errichtung  des  Ordens 
und  183  Jahre  seit  Errichtung  des  Regiments.  Der  Erstere  ist  in 
mehreren  Werken  beschrieben;  die  Geschichte  des  Letzteren  ist  in 
diesem  Buche  nach  den  offiziellen  Feldakten  der  k.  k.  Archive  ent- 
halten. Es  ist  diess  ein  Zeitraum,  in  welchem  das  Regiment  Hoch- 
und  Deutschmeister  festhaltend  an  den  Traditionen  ritterlicher  Sitte, 
seine  Liebe  und  Treue  für  Kaiser  und  Vaterland,  seine  Tapferkeit, 
seine  Ruhmbegierde  und  seinen  heitern,  fröhlichen,  biederen  Sinn, 
sein  warmes  Herz  und  seine  eiserne  Faust  ungetrübt  und  unbefleckt 
von  Generation  auf  Generation  vererbte. 

Mit  dem  Bewusstsein  treu  und  redlich  erfüllter  Pflicht  steht 
das  Regiment  an  der  Schwelle  eines  neuen  Theiles  seiner  Geschichte 
und  was  auch  dieser  zweite  Theil  den  Enkeln  einst  erzählen  mag. 
die  Enkel  und  Söhne  der  Männer  von  Kolin,  Novi,  an  der  Euns, 
von  Aspern  und  Valeggio,  die  bewährten  Kämpfer  vor  Komorn  und 
die  Erstürmer  von  Rosbcfic,  sie  blicken  mit  ruhigem  Soldaten- 
gewissen der  Zukunft  entgegen,  wird  ja  diese  das  allzeit  treue 
und  tapfere  Regiment  fortan  freudig  bereit  finden,  für  seinen  Aller- 
gnädigsten  Kaiser  und  Kriegsherrn  die  unerschütterlichste  Anhäng- 
lichkeit, für  Oesterreich 's  Heil  und  Waffenehre  die  vollste  Hin- 
gebung mit  seinem  Blute  zu  besiegeln. 


716 


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Betheiligte 
Abtheilung 

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Regiment 
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1  Kompagnie 
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Regiment 
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Gefecht  a.  d.  Szireger  Haide 
Schlacht  bei  Zenta 

Gefecht  bei  Jablonitz 
Gefeeht  bei  Schibo 
Gefecht  bei  Trentsehin 
Belagerung  Neutra 
Blockade  Neuhäusel 
Gefecht  bei  Wol 
Belagerung  Arva 
Gefecht  bei  Vadkert 
Belagerung  Neuhäusel 

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Monat 

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22.  Mai 
11.  November 
4.  August 

August 

September 
14.  Jänner 

Jänner 
22.  Jänner 

September 

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Feldzug  gegen 
die  Türken 

Feldzug 
in  Ungarn 

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Grenadiere 

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Regiment 
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Regiment 
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1  Bataillon 
Regiment 
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Detachement 
1  Bat.,  1  Gren.-K. 
1  Bataillon 

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Regiment 
1  Bataillon 
Regiment 
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Betheiligte 
Abtheilimg 

Regiment 
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Regiment 
Grenadiere 
Regiment 
Kompagnie 
Division 
Regiment 

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Division 
Grenadiere 
Regiment 

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A  f  f  a  i  r  e 

Gefecht  bei  Rivarolo 
Vorrückung  auf  Genua 
Gefecht  bei  Argentiera 
Gefecht  bei  Campo  frcddo 

Schlacht  bei  Kolin 
Sturm  auf  Gabel 
Erstürmung  von  Zittau 
Erstürmung  v.  Wittgendorf 
Belagerung  von  Schweidnitz 
Schlacht  bei  Breslau 
Schlacht  bei  Leuthen 
Vertheidigung  v.  Schweidnitz 
Gefecht  bei  Kronau 
Schlacht  bei  Hochkirchen 
Belagerung  von  Xeisse 
Schlaoht  bei  Landshut 
Schlacht  bei  Liegnitz 

Des  Krieges 

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21.  Mai 
13.  Juni 
1.  September 
13.  Mai 

18.  Juni 

13.  Juli 
23.  „ 

17.  August 
Oktober 
22.  November 
5.  Dezember 

April 
7.  Juli 

14.  Oktober 
Oktober 

22.  Juni 

15.  August 

Benennung 

|  Spanischer 
Erbfolgekrieg 

j  Siebenjähriger 
Krieg 

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719 


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Regiment 
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Leib-Bataillon 
3  Bataillon 
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Uofccht  bei  Reichenau 
Gefecht  bei  Friedland 
Gefecht  bei  Reichenberg 
Verteidigung  v.  Schweidnitz 

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Einnahme  von  Sabac 
Gefecht  bei  Semliu 
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Dresnik,  Dubitza,  Stnrlich 
Gefecht  bei  Dresnik 
Sturm  auf  Dubitza 
Gefechte  bei  Czevostany 
Gefecht  vor  Dubitza 
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Belagerung  von  Berbir 
Einnahme  von  Belgrad 
Gefecht  bei  Losnicza 
Gefecht  bei  Priboy 
Eroberung  von  Czettin 

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Bayerischer     11.  Janner 
Erbfolgekrieg  28.  Februar 

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30.  August 
9.  September 

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Mai 
9.  August 

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Juni,  Juli 
9.  Oktober 

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Verluste 

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Offiziere 

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Betheiligte 

Abtheilung 

Leib-Bataillon 
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Regiment 
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Obrist-Bataillon 
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Regiment 

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Grenadiere 
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Stab  u.  2  Bataillons 
Grenadier-Division 

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Treffen  bei  Aldenhofen 
Gefecht  bei  Rolduc 
Gefecht  bei  Aigneux 
Cernimng  von  Maubetige 
Gefecht  vor  Maubeuge 
Schlacht  bei  Famars 
Gefecht  bei  Villerspol 
Gefecht  vor  le  Quesnoi 
Einnahme  von  le  Quesnoi 

Gefecht  bei  Pont 
Gefecht  bei  Philippeville 
Gefecht  bei  Schöneberg 
Gefecht  bei  Retschweiler 
Gefecht  am  Geissberge 
Gefecht  bei  Haspres 
Vertheidigung  v.  Landrecy 
Kapitulation  v.  Landrecy 
Gofecht  bei  Schwetzingen 

Des  Krieges 

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Tag  und 
Monat 

1.  März 

April 
7.  Mai 

23.  , 
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25.  August 
September 

3.  November 
•1.  Dezember 

26.  November 

22.  Dezember 
26. 

23.  April 
Juni,  Juli 

16.  Juli 

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